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    <title>sz-magazin.de - Die Gewissensfrage</title>
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    <description>Alle Texte zu dem Label Die Gewissensfrage auf sz-magazin.de</description>
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    <title>Die Gewissensfrage</title>
    <description>&lt;p&gt;Kann man das Du, das man einmal von jemandem angenommen hat, wieder r&amp;uuml;ckg&amp;auml;ngig machen?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&amp;raquo;Mit einigen Kollegen hatte ich in meiner Ausbildung einen  unmittelbaren Vorgesetzten, der uns das Du anbot, das ich in der Gruppe  nicht ablehnen konnte. Just dieser Vorgesetzte wurde nun mein Chef.  Welche M&amp;ouml;glichkeit gibt es, das inzwischen sehr unangebrachte Du  r&amp;uuml;ckg&amp;auml;ngig zu machen?&amp;laquo; Friedhelm K., Ulm&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/59885.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In &lt;em&gt;Die Erben der Tante Jolesch&lt;/em&gt; erz&amp;auml;hlt Friedrich Torberg eine Anekdote &amp;uuml;ber den Vater des &amp;ouml;sterreichischen Schriftstellers Fritz von Herzmanovsky-Orlando, der Sektionschef im k. k. Unterrichtsministerium gewesen war. Als solcher sollte er den neuen Minister Baron Gautsch begr&amp;uuml;&amp;szlig;en, auch deshalb, weil er, ebenso wie Gautsch, das exklusive k. k. Theresianum besucht hatte, dessen Absolventen sich freundschaftlich verbunden blieben und weiterhin duzten. Deshalb wies Herzmanovsky in einer herzlichen Rede Gautsch auch auf die Verbindung als Theresianisten hin und sprach ihn mit Du an. Der neue Minister antwortete darauf jedoch ebenso knapp wie k&amp;uuml;hl und siezte Herzmanovsky demonstrativ, worauf, so Torberg, Herzmanovsky in dem darauf eintretenden betretenen Schweigen erneut das Wort ergriff: &amp;raquo;Lieber Gautsch, gestatte mir noch einmal das trauliche Du. Leck mich im Arsch.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der Anekdote kann man meines Erachtens zweierlei entnehmen: zum einen, dass der Entzug des Du ein unfreundlicher, ja geradezu feindlicher Akt ist. Weil das Du mit Freundschaft verbunden sei, schreibt der Linguist Heinz Leonhard Kretzenbacher, werde die R&amp;uuml;ckkehr zum Sie als schwere Beleidigung aufgefasst, &amp;raquo;wodurch sich die &amp;rsaquo;H&amp;ouml;flichkeitsform&amp;lsaquo; Sie in eine ausgesprochene &amp;rsaquo;Unh&amp;ouml;flichkeitsform&amp;lsaquo; verwandelt&amp;laquo;. Diese R&amp;uuml;ckkehr aber ist, das zeigt die Anekdote zum anderen, in F&amp;auml;llen wie dem Ihren nicht notwendig. Eben weil das Du als so best&amp;auml;ndig aufgefasst wird, kann man es, wenn es lebensgeschichtlich und nicht nur situativ, etwa am Berg oder feuchtfr&amp;ouml;hlich, entstanden ist, auch in Konstellationen beibehalten, in denen es mancher an-sonsten als unangebracht empfindet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sie k&amp;ouml;nnen nat&amp;uuml;rlich Ihrem Chef gegen&amp;uuml;ber Ihre Bedenken offen ansprechen und sich darauf einigen, wieder zum Sie &amp;uuml;berzugehen. Einvernehmlich ist das jederzeit m&amp;ouml;glich, aber ich als Ihr Chef w&amp;uuml;rde fragen: Warum?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Quellen:&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;em&gt;Friedrich Torberg, Die Erben der Tante Jolesch, dtv M&amp;uuml;nchen 1981, S. 210 &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heinz Leonhard Kretzenbacher, Wulf Segebrecht, Vom Sie zum Du &amp;ndash; mehr als eine neue Konvention? Luchterhand Literaturverlag, Hamburg und Z&amp;uuml;rich 1991, S. 59 &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Allgemein zum Duzen und Siezen und seiner Geschichte lesenswert:   &lt;br /&gt;Duzen, Siezen, Titulieren. Zur Anrede im Deutschen heute und gestern, Vandenhoeck &amp;amp; Ruprecht, G&amp;ouml;ttingen, 2. Auflage 1998 &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die Gewissensfrage</dc:subject>
    <dc:creator>Dr. Dr. Rainer Erlinger</dc:creator>
    <dc:date>2013-05-20T12:00:00+01:00</dc:date>
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  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39911">
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    <title>Die Gewissensfrage</title>
    <description>&lt;p&gt;Tritt die Schwiegertochter aus der Kirche aus, steht die christliche Erziehung der Enkelkinder auf dem Spiel - Darf man den Kirchenaustritt Anderer verurteilen?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/59699.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Meine Schwiegertochter plant aus der Kirche auszutreten.&lt;br /&gt;Dadurch      schwindet die Hoffnung, dass sie meine Enkel christlich erziehen wird.      Auch ich bin mit 30 aus der Kirche aus-, aber zehn Jahre sp&amp;auml;ter aus      &amp;Uuml;berzeugung wieder eingetreten. Habe ich nun noch das Recht, das geplante      Verhalten meiner Schwiegertochter zu verurteilen?&amp;laquo; &amp;nbsp;Hilde R., Bonn &lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der amerikanische Zauberk&amp;uuml;nstler, Kom&amp;ouml;diant und Autor Penn Jillette widmet in seinem &lt;em&gt;New York Times&lt;/em&gt;-Bestseller &lt;em&gt;God, No!&lt;/em&gt; ein Kapitel der Frage, ob man als gl&amp;auml;ubiger Mensch verpflichtet sei, Nichtgl&amp;auml;ubige zu missionieren. Jillette bezeichnet sich selbst als &amp;raquo;hardcore atheist&amp;laquo;, und das Buch ist geeignet, auch bei wenig gl&amp;auml;ubigen Lesern die Sorge auszul&amp;ouml;sen, f&amp;uuml;r das Lachen an einigen ziemlich witzigen Stellen direkt in die H&amp;ouml;lle zu kommen. In besagtem Kapitel nun schreibt Jillette sinngem&amp;auml;&amp;szlig;, wer an das ewige Leben glaube und ihn damit bel&amp;auml;stige, sei unertr&amp;auml;glich und m&amp;ouml;ge sich von ihm fernhalten. Wer aber an das ewige Leben glaube und ihn nicht bel&amp;auml;stige, vielmehr h&amp;ouml;flich sei und ihn, Jillette, glauben lasse, was er will, obwohl er, Jillette, dadurch eine Ewigkeit in der gr&amp;auml;sslichsten H&amp;ouml;lle verbringen werde &amp;ndash; was f&amp;uuml;r ein Mistkerl m&amp;uuml;sste dieser Mensch sein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mir scheint dies eine in die subjektive Betrachtungsweise verschobene Variante der Pascalschen Wette zu sein. Bei der meinte der franz&amp;ouml;sische Mathematiker und Philosoph Blaise Pascal vereinfacht, der &amp;raquo;Wettgewinn&amp;laquo; ewiges Leben oder ewige Verdammnis sei im Verh&amp;auml;ltnis zum Einsatz, ein vergleichsweise kurzes irdisches Leben lang an Gott zu glauben, so gro&amp;szlig;, dass es sich auf jeden Fall lohne, an Gott zu glauben; selbst dann, wenn es sehr unwahrscheinlich sei, dass er existiere.&lt;br /&gt; F&amp;uuml;r Sie als &amp;uuml;berzeugte Christin &amp;ndash; ob schon immer, wieder oder neu &amp;ndash; bedeutet das meines Erachtens, dass Sie nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht haben, sich um die christliche Erziehung Ihrer Enkelkinder zumindest zu sorgen, wenn nicht &lt;br /&gt; gar daf&amp;uuml;r zu k&amp;auml;mpfen. Allerdings hat Ihre Schwiegertochter ebenso das Recht, dies anders zu sehen, und am Ende als Mutter die st&amp;auml;rkere Position. Und ob Ihnen ein Recht zusteht, sie deswegen zu verurteilen, scheint mir ohnehin zweifelhaft. Dieses Recht d&amp;uuml;rfte allenfalls Gott haben &amp;ndash; so er existiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Quellen: &lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Literatur:   Penn Jillette, God, No! Signs You May Already Be an Atheist and Other Magical Tales, Simon &amp;amp; Schuster Paperbacks, New York 2012 Das angesprochene Kapitel &amp;bdquo;Preach to Me and Pray for Me&amp;ndash;Please!&amp;ldquo; findet sich auf S. 59ff.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Blaise Pascal, Gedanken &amp;uuml;ber die Religion und einige andere Gegenst&amp;auml;nde Dritter Abschnitt. Da&amp;szlig; es schwer ist das Dasein Gottes durch die nat&amp;uuml;rlichen Geisteskr&amp;auml;fte zu beweisen; aber da&amp;szlig; das Sicherste ist es zu glauben. &lt;a href=&quot;http://www.zeno.org/Philosophie/M/Pascal,+Blaise/Gedanken+%C3%BCber+die+Religion/Zweiter+Theil:+Gedanken,+welche+sich+unmittelbar+auf+die+Religion+beziehen/3.+Da%C3%9F+es+schwer+ist+das+Dasein+Gottes+durch+die+nat%C3%BCrlichen+Geisteskr%C3%A4fte+zu+beweisen;+aber+da%C3%9F+das+Sicherste+ist+es+zu+glauben&quot;&gt;Hier online abrufbar &lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alan H&amp;aacute;jek, Pascal's Wager, The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Winter 2012 Edition), Edward N. Zalta (ed.), hier &lt;a href=&quot;http://plato.stanford.edu/archives/win2012/entries/pascal-wager/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;online abrufbar &lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Paul Saka, Pascal&amp;rsquo;s Wager about God, Internet Encyclopedia of Philosophy, Last updated: April 20, 2005, Originally published: January/24/2002 &lt;a href=&quot;http://www.iep.utm.edu/pasc-wag/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Online abrufbar&lt;/a&gt; &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die Gewissensfrage</dc:subject>
    <dc:creator>Dr. Dr. Rainer Erlinger</dc:creator>
    <dc:date>2013-05-13T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

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    <title>Die Gewissensfrage</title>
    <description>&lt;p&gt;Sollte man dreiste Anstellversuche in der Supermarktschlange laut kritisieren, oder selbst ein bisschen egoistischer sein?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/59507.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Neulich wartete ich an der Supermarktkasse in einer langen Schlange. An      der Nebenkasse stand bereits ein Schild: &amp;rsaquo;Bitte nicht mehr anstellen&amp;lsaquo;.      Dennoch tr&amp;ouml;pfelten dort weitere Kunden ein und wurden vom Kassierer auch      noch bedient - was mich sehr &amp;auml;rgerte. H&amp;auml;tte ich dieses Spiel laut      kritisieren sollen?&amp;laquo; &amp;nbsp;Hanna L., Bingen &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Interessante an Ihrer Frage ist, dass Sie mit Ihrem &amp;Auml;rger durchaus recht haben. Sie waren die Dumme, weil Sie sich an die Vorgaben gehalten und sich dort, wo man gebeten wurde, sich nicht mehr anzustellen, nicht mehr angestellt haben. Ich vertrete ja auch den Grundsatz, dass das Leben mit weniger Reibung und damit einfacher abl&amp;auml;uft, wenn man sich an soziale Regeln h&amp;auml;lt und nicht jeder auf Biegen und Brechen versucht, f&amp;uuml;r sich das Meiste herauszuholen. Schlie&amp;szlig;lich hat man Besseres zu tun im Leben, als sich auch noch beim Anstehen im Supermarkt Gedanken &amp;uuml;ber Effizienz zu machen. &lt;br /&gt; Dennoch bin ich nicht der Meinung, dass Sie das Geschehen laut kritisieren sollten. Aus drei Gr&amp;uuml;nden: Erstens ist es f&amp;uuml;r Ihr seelisches Wohlbefinden und Ihren Blutdruck das Beste, sich &amp;uuml;ber die kurze Zeit, die Sie warten m&amp;uuml;ssen, gar keinen Kopf zu machen. Zweitens ist es ein Unding, wenn ein Supermarkt, solange an einer Kasse eine lange Schlange ansteht, eine andere Kasse schlie&amp;szlig;t. Diese kundenverachtende Entscheidung schlicht zu negieren halte ich f&amp;uuml;r durchaus nachvollziehbar, wenn nicht sogar begr&amp;uuml;&amp;szlig;enswert. Ohne dazu aufrufen zu wollen: Es wundert  mich immer wieder, dass nicht viel mehr Kunden in solchen F&amp;auml;llen einfach gehen und ihre vollen Einkaufswagen in der Schlange stehen lassen. Auch Supermarktbetreiber sollten lernf&amp;auml;hig sein, und sei es dank derartiger faktischer Unmuts&amp;auml;u&amp;szlig;erungen.&lt;br /&gt; Deshalb komme ich zum dritten Grund: Ich finde es zwar richtig, sich an Regeln zu halten, das muss aber nicht sklavisch geschehen, und ein Supermarktschild ist kein Kategorischer Imperativ. Sie werden von der Aktion auch nicht direkt benachteiligt, weil sich die frechen Kunden nicht in Ihrer Schlange an Ihnen vorbei nach vorne gedr&amp;auml;ngt haben. Deshalb gilt hier ganz ausnahmsweise &amp;ndash; sosehr ich z&amp;ouml;gere, das in einer Moralkolumne zu schreiben: Frechheit siegt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die Gewissensfrage</dc:subject>
    <dc:creator>Dr. Dr. Rainer Erlinger</dc:creator>
    <dc:date>2013-05-06T12:00:00+01:00</dc:date>
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  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39861">
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    <title>Die Gewissensfrage</title>
    <description>&lt;p&gt;Muss man einen guten Freund bei sich &amp;uuml;bernachten lassen, auch wenn der f&amp;uuml;r ein Bauprojekt arbeitet, das man selbst energisch ablehnt?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;raquo;Ein guter Freund wohnt ab und zu bei mir, wenn er in der Stadt zu tun hat. Nun hat er sich wieder angemeldet. Er hat einen Auftrag f&amp;uuml;r ein gro&amp;szlig;es, umstrittenes Bauprojekt in Stuttgart. Ich bin engagierter Gegner dieses Projekts. Kann ich deshalb sein Gesuch, bei mir zu &amp;uuml;bernachten, ablehnen?&amp;laquo; Frank W., Esslingen &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/59199.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Zu den klassischen Quellen f&amp;uuml;r moralische Abw&amp;auml;gungen geh&amp;ouml;ren steuerrechtliche Bestimmungen wohl nicht, aber hier k&amp;ouml;nnten sie helfen: Gesetzt den Fall, Sie verweigern Ihrem Freund die Herberge und er muss im Hotel &amp;uuml;bernachten, dann k&amp;ouml;nnte er zweifelsohne die Rechnung steuerlich geltend machen &amp;ndash; als sogenannte &amp;raquo;Betriebsausgaben&amp;laquo;. Ein Beleg somit nicht nur f&amp;uuml;rs Finanzamt, sondern auch f&amp;uuml;r Sie: Die &amp;Uuml;bernachtung dient seinen Gesch&amp;auml;ften, und Sie unterst&amp;uuml;tzen, wenn Ihr Freund bei Ihnen wohnt, tats&amp;auml;chlich das missliebige Gro&amp;szlig;projekt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dem steht die Freundschaft gegen&amp;uuml;ber, und man k&amp;ouml;nnte argumentieren, Sie laden doch nicht den Gesch&amp;auml;ftsmann zu sich ins Haus, sondern Ihren guten Freund. Bauhelm und Gummistiefel bleiben drau&amp;szlig;en. Nur: Kann man das so trennen? Und wenn nicht, was &amp;uuml;berwiegt: Ihre Ablehnung des Bauprojekts oder die Freundschaft?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Eine Antwort findet sich, wie so oft, bei Aristoteles. Er unterschied zwischen zwei ver-&lt;br /&gt; schiedenen Arten der Freundschaft: Bei der Freundschaft aus Lust oder Nutzen mag man den Freund nicht, &amp;raquo;insofern er diese Person ist&amp;laquo;, sondern &amp;raquo;insofern er n&amp;uuml;tzlich oder angenehm ist&amp;laquo;. Anders bei der sogenannten Tugendfreundschaft: &amp;raquo;Jene aber, die den Freunden das Gute w&amp;uuml;nschen um der Freunde willen, sind im eigentlichen Sinne Freunde.&amp;laquo; Wendet man das auf Ihren Fall an, sieht man sehr schnell: Wenn Sie mit Ihrem Freund eine echte oder Tugendfreundschaft verbindet, m&amp;ouml;gen Sie ihn und wollen ihn auch bei sich haben &amp;ndash; als die Person, die er ist, selbst wenn er f&amp;uuml;r das verhasste Projekt ar-beitet. Die Freundschaft gilt dem Menschen selbst und steht &amp;uuml;ber seiner Berufst&amp;auml;tigkeit. K&amp;ouml;nnen Sie das nicht voneinander trennen, ist es keine echte tiefe Freundschaft im Sinne Aristoteles&amp;rsquo;. Und dann m&amp;uuml;ssen Sie ihretwegen auch nicht &amp;uuml;ber Ihren Schatten springen und den ungeliebten Betonierer beherbergen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Quellen: &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einkommenssteuergesetz (EStG) &amp;sect; 4 Gewinnbegriff im Allgemeinen &lt;br /&gt;... &lt;br /&gt;(4) Betriebsausgaben sind die Aufwendungen, die durch den Betrieb veranlasst sind.     &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aristoteles, Nikomachische Ethik, Achtes Buch, 3. 1156a 6ff. insbesondere 14ff. und 1156b 6ff. &lt;br /&gt;Eine gute &amp;Uuml;bersetzungen gibt es von Olof Gigon bei dtv, M&amp;uuml;nchen 1991 und von Ursula Wolff bei rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2006 &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lesenswert zum Thema Freundschaft: Klaus-Dieter Eichler (Hrsg.), Philosophie der Freundschaft, Reclam Verlag Leipzig 1999 &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die Gewissensfrage</dc:subject>
    <dc:creator>Dr. Dr. Rainer Erlinger</dc:creator>
    <dc:date>2013-04-29T12:00:00+01:00</dc:date>
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  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39823">
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    <title>Die Gewissensfrage</title>
    <description>&lt;p&gt;M&amp;uuml;ssen sich sch&amp;ouml;ne Menschen beim L&amp;auml;cheln zur&amp;uuml;cknehmen, um keine falschen Hoffnungen zu sch&amp;uuml;ren?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;strong&gt;&amp;raquo;Ein Bekannter hat zwei gef&amp;auml;hrliche &amp;rsaquo;Waffen&amp;lsaquo;: strahlende Augen und  ein umwerfendes L&amp;auml;cheln. Er wei&amp;szlig; um die Wirkung dieser Eigenschaften auf  Frauen. Muss er sich zur&amp;uuml;cknehmen, um keine &amp;uuml;bersteigerten Erwartungen  zu sch&amp;uuml;ren? Oder ist es an den Frauen, sich vor eventuellen  Entt&amp;auml;uschungen zu sch&amp;uuml;tzen?&amp;laquo; Heike R., K&amp;ouml;ln &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/58975.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;In David Foster Wallace Monumental-Roman &lt;em&gt;Unendlicher Spa&amp;szlig;&lt;/em&gt; gibt es die Figur der Joelle Van Dyne, genannt Madame Psychosis, die der &amp;raquo;Liga der Absolut R&amp;uuml;de Verunstalteten und Entstellten&amp;laquo;, kurz L.A.R.V.E. angeh&amp;ouml;rt und deshalb st&amp;auml;ndig einen Schleier tr&amp;auml;gt. An einer Stelle erkl&amp;auml;rt sie jedoch, dass der wahre Grund f&amp;uuml;r die Verschleierung bei ihr ein anderer sei: &amp;raquo;Don, ich bin vollkommen. Ich bin derma&amp;szlig;en sch&amp;ouml;n, dass ich jeden f&amp;uuml;hlenden Menschen ganz einfach um den Verstand bringe.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; So schlimm ist es bei Ihrem Bekannten hoffentlich nicht, andererseits ist wohl jeder schon einmal unter einem derart strahlenden Blick zu einem leicht formbaren Klumpen weichen Wachses geworden. Es kann daher tats&amp;auml;chlich gef&amp;auml;hrlich f&amp;uuml;r das Gegen&amp;uuml;ber werden. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Auch der Dichter Gustav von Aschenbach in Thomas Manns Novelle &lt;em&gt;Der Tod in Venedig &lt;/em&gt;geht an der Sch&amp;ouml;nheit des von ihm begehrten, aber unerreichbaren Knaben Tadzio zugrunde. Dort, bei Thomas Mann, findet man aber auch eine Stelle, die zur L&amp;ouml;sung weist. Tadzio hat wohl die Blicke Aschenbachs bemerkt und eines Tages l&amp;auml;chelt er ihn an, &amp;raquo;sprechend, vertraut, liebreizend und unverhohlen, mit Lippen, die sich im L&amp;auml;cheln erst langsam &amp;ouml;ffneten&amp;laquo;. Mann l&amp;auml;sst die Erkl&amp;auml;rung folgen: &amp;raquo;Es war das L&amp;auml;cheln des Narzi&amp;szlig;, der sich &amp;uuml;ber das spiegelnde Wasser neigt, jenes tiefe, bezauberte, hingezogene L&amp;auml;cheln, mit dem er nach dem Widerschein der eigenen Sch&amp;ouml;nheit die Arme streckt.&amp;laquo; Das scheint mir den Punkt zu treffen: In der Angewohnheit, jeden Menschen mit einer vollen Breitseite seines Charmes unter Feuer zu nehmen, d&amp;uuml;rfte ein ger&amp;uuml;ttelt Ma&amp;szlig; an Narzissmus stecken. Und Aschenbach, wiewohl oder gerade weil der narzisstischen Sch&amp;ouml;nheit bereits verfallen, wei&amp;szlig; auch die Antwort: &amp;raquo;Du darfst so nicht l&amp;auml;cheln! H&amp;ouml;re, man darf so niemandem l&amp;auml;cheln!&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Quellen:&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;David Foster Wallace, Unendlicher Spa&amp;szlig;, aus dem amerikanischen Englisch kongenial &amp;uuml;bersetzt von Ulrich Blumenbach, Verlag Kiepenheuer und Witsch, K&amp;ouml;ln 2009. Die Stellen zu Joelle Van Dyne und der Gesellschaft L.A.R.V.E. finden sich in der Hardcoverausgabe auf den Seiten 769, 775 und 1351.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Englischen hei&amp;szlig;t die Gesellschaft &amp;bdquo;Union of the Hideously and Improbably Deformed&amp;ldquo; U.H.I.D., die Textstellen finden sich auf den Seiten 533, 538 und 940. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da der Roman nicht nur umfangreich, sondern auch komplex ist, kann es hilfreich sein, zus&amp;auml;tzliche Informationen zu Autor und Roman zu lesen, zum Beispiel in: Stephen Burn, David Foster Wallace&amp;rsquo;s Infinite Jest: A Reader&amp;rsquo;s Guide, The Continuum International Publishing Group, New York / London 2003     &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Thomas Mann, Der Tod in Venedig, Fischer Taschenbuch Verlag 1977, S. 48 &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die Gewissensfrage</dc:subject>
    <dc:creator>Dr. Dr. Rainer Erlinger</dc:creator>
    <dc:date>2013-04-22T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Die Gewissensfrage</title>
    <description>&lt;p&gt;Der Platz ist reserviert, doch niemand erscheint. Muss man aufstehen, wenn zwei Stunden sp&amp;auml;ter doch noch jemand ankommt und mit seiner Reservierung wedelt?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;strong&gt;&lt;span&gt;&lt;strong&gt;&amp;raquo;Im ICE nach Frankfurt setzte ich mich auf einen Platz, der  trotz Reservierung frei war. Nach zwei Stunden reklamierte im vollen Zug  eine      Frau ihren Anspruch auf meinen Sitz mit Hinweis auf ihre  Reservierung. Sie      hatte zuvor gegen&amp;uuml;ber bei einem Bekannten  gesessen und war nun vom Reservierungsinhaber verscheucht worden. Musste  ich ihr Platz machen?&amp;laquo;&amp;nbsp;      Regina L., M&amp;uuml;nchen &lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/322497/58689.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ihre Frage l&amp;auml;sst sich auf drei Ebenen beantworten. F&amp;uuml;r die erste gen&amp;uuml;gt ein Blick in die Bef&amp;ouml;rderungsbedingungen der Bahn: &amp;raquo;Der Anspruch auf den reservierten Sitzplatz erlischt, wenn er nicht durch den Reisenden 15 Minuten nach Abfahrt des Zuges von dem Bahnhof, ab dem die Reservierung erfolgt ist, eingenommen wurde.&amp;laquo; Sie h&amp;auml;tten den Platz also nicht freigeben m&amp;uuml;ssen. Nur beantwortet die Berufung auf Bestimmungen noch nicht die Frage, ob es moralisch richtig ist. Hier jedoch, womit wir bei der zweiten Ebene w&amp;auml;ren, spiegeln diese Bestimmungen, so technisch sie zun&amp;auml;chst wirken, einen tieferen Sinn wider: Es w&amp;auml;re Unsinn, wenn reservierte Pl&amp;auml;tze auf Dauer frei blieben, weil niemand sicher sein kann, ob nicht irgendwann doch der Reservierungsinhaber kommt. So wie die Verj&amp;auml;hrung dem Rechtsfrieden dient, wahrt die Verminutung den Sitzfrieden. Wer einen frei gebliebenen Platz einnimmt, ist also nicht nur im Recht, sondern auch berechtigt, ihn zu behalten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Daneben aber erkennt man etwas noch Allgemeineres auf der dritten Ebene: Die ganze Problematik lie&amp;szlig;e sich nicht nur l&amp;ouml;sen, sondern von vornherein vermeiden, wenn die Beteiligten miteinander gesprochen h&amp;auml;tten. Die Dame mit Reservierung hat Sie ja kommen sehen, sie h&amp;auml;tte nur kurz sagen m&amp;uuml;ssen, dass es urspr&amp;uuml;nglich ihr Platz gewesen sei, und Sie beide h&amp;auml;tten absprechen k&amp;ouml;nnen, wie Sie weiter verfahren wollen. Dass die Dame nicht zwei Pl&amp;auml;tze beanspruchen kann, ist klar, alles weitere ist eine Frage der Abmachung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das gilt vor allem auch im umgekehrten Fall: wenn man selbst eine Reservierung hat und just dieser Platz in einem noch leeren Zug besetzt ist. Dann muss man nicht unter vorwurfsvollem Wedeln der Reservierung seinen Platz einfordern, sondern kann sagen, dass man gern bereit sei, sich woanders hinzusetzen, wenn derjenige, der auf dem reservierten Platz sitzt, ihn frei machen w&amp;uuml;rde, falls man selbst an den n&amp;auml;chsten Haltestellen vom Ausweichplatz vertrieben w&amp;uuml;rde. Das Sch&amp;ouml;ne daran ist: Daf&amp;uuml;r braucht man keine Bestimmungen, sondern muss nur miteinander reden.  &lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Quelle:&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt; Bef&amp;ouml;rderungsbedingungen f&amp;uuml;r Personen durch die Unternehmen der Deutschen Bahn&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt; &lt;em&gt;AG&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;5. Sitzpl&amp;auml;tze und Reservierungen &lt;br /&gt;5.1 Reservierungsm&amp;ouml;glichkeit &lt;br /&gt;Reisende k&amp;ouml;nnen je nach Verf&amp;uuml;gbarkeit fr&amp;uuml;hestens 3 Monate im Voraus Sitzpl&amp;auml;tze in den Z&amp;uuml;gen der Produktklassen ICE und/oder IC/EC reservieren. Das Verkehrsunternehmen kann f&amp;uuml;r be- stimmte Z&amp;uuml;ge ganz oder teilweise eine Reservierungspflicht festlegen oder die Reservierungsm&amp;ouml;glichkeit f&amp;uuml;r bestimmte Z&amp;uuml;ge ganz oder teilweise ausschlie&amp;szlig;en. Die reservierungspflichtigen Z&amp;uuml;ge sind im Fahrplan gekennzeichnet. Der Anspruch auf den reservierten Sitzplatz erlischt, wenn er nicht durch den Reisenden 15 Minuten nach Abfahrt des Zuges von dem Bahn hof, ab dem die Reservierung erfolgt ist, eingenommen wurde. &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt;&lt;span&gt;&lt;em&gt;Herausgeber: DB Fernverkehr AG, Frankfurt am Main: 2012. G&amp;uuml;ltig ab Dez. 2012.&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://www.bahn.de/p/view/home/agb/befoerderungsbedingungen/befoerderungsbedingungen.shtml&quot;&gt;Internetquelle&lt;/a&gt; &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;</description>
    <dc:subject>Die Gewissensfrage</dc:subject>
    <dc:creator>Dr. Dr. Rainer Erlinger</dc:creator>
    <dc:date>2013-04-15T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Die Gewissensfrage</title>
    <description>&lt;p&gt;Darf man f&amp;uuml;r ehemals deutschsprachige Orte noch ihre alte Namen verwenden?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;raquo;Muss ich mir vorwerfen lassen, revisionistisch zu sein, wenn ich f&amp;uuml;r St&amp;auml;dte in Osteuropa den ehemaligen deutschen Namen verwende? Etwa Reval f&amp;uuml;r Tallinn oder Marburg f&amp;uuml;r Maribor? Schlie&amp;szlig;lich sagen wir ja auch Neapel und nicht Napoli. Und im angels&amp;auml;chsichen Sprachraum ist es auch &amp;uuml;blich, St&amp;auml;dtenamen zu &amp;rsaquo;&amp;uuml;bersetzen&amp;lsaquo;, etwa &amp;rsaquo;Cologne&amp;lsaquo; oder &amp;rsaquo;Munich&amp;lsaquo;.&amp;laquo;  Johann R., Kassel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/58441.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Im Film &lt;em&gt;&amp;Ouml;dipussi&lt;/em&gt; von Vicco von B&amp;uuml;low alias Loriot beginnt der 56-j&amp;auml;hrige Paul Winkelmann, dargestellt von Loriot, eine Liebesbeziehung. Paul steht jedoch unter der Fuchtel seiner Mutter, die ihn wie zu Kinderzeiten &amp;raquo;Pussi&amp;laquo; nennt. Den sich abzeichnenden Abnabelungsprozess stellt Loriot unter anderem dadurch dar, dass er Paul gegen diesen Namen aufbegehren l&amp;auml;sst: &amp;raquo;Und sag nicht immer Pussi zu mir!&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Loriot benutzt hier einen Mechanismus: Eine Mutter, die ihren 56-j&amp;auml;hrigen Sohn immer noch mit seinem kindlichen Rufnamen nennt, will ihre Stellung als Mutter darstellen und festigen. Die amerikanische Philosophin Judith Butler nennt das die performative Kraft der Sprache: Durch die Benennung wird derjenige, der benannt wird, ver&amp;auml;ndert. Im Falle der Beibehaltung des Kindernamens also immer wieder in das Machtverh&amp;auml;ltnis der Kindheit zur&amp;uuml;ckgeworfen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich glaube, mit den Namen ehemals deutschsprachiger Orte verh&amp;auml;lt es sich &amp;auml;hnlich. Da die deutschen Bezeichnungen an die Geschichte gekn&amp;uuml;pft sind, wirft ihre Verwendung - au&amp;szlig;er bei absolut &amp;uuml;blichen Bezeichnungen wie etwa Stra&amp;szlig;burg - den Ort in die Geschichte zur&amp;uuml;ck. Und das hat tats&amp;auml;chlich einen gewissen revisionistischen Beigeschmack. Diese Verkn&amp;uuml;pfung gibt es bei den englischen Bezeichnungen &amp;raquo;Munich&amp;laquo; oder &amp;raquo;Cologne&amp;laquo; nicht, ebenso wenig wie beim deutschen &amp;raquo;Neapel&amp;laquo;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da Sprache und speziell Benennungen etwas mit den Benannten machen, pl&amp;auml;diere ich daf&amp;uuml;r, generell Menschen und Menschengruppen, im weiteren Sinne damit auch ihre St&amp;auml;dte und L&amp;auml;nder so zu nennen, wie die entsprechenden Bewohner sich selbst nennen oder genannt werden wollen. Und das d&amp;uuml;rfte bei den fr&amp;uuml;her deutschsprachigen Orten heute in den meisten F&amp;auml;llen der Name in der heutigen Landessprache sein.&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Literatur:&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;Ouml;dipussi von Vicco von B&amp;uuml;low alias Loriot, uraufgef&amp;uuml;hrt am 9.3.1988 in Ost- und Westberlin. Mit Vicco von B&amp;uuml;low und Evelyn Hamann&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Judith Butler, Ha&amp;szlig; spricht. Zur Politik des Performativen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die Gewissensfrage</dc:subject>
    <dc:creator>Dr. Dr. Rainer Erlinger</dc:creator>
    <dc:date>2013-04-08T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Die Gewissensfrage</title>
    <description>&lt;p&gt;Warum reklamiert man eigentlich, wenn durch einen Fehlbuchung zuviel Geld auf dem eigenen Konto gelandet ist?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;raquo;Nach einer Fehlbuchung &amp;uuml;ber 65 Euro zu meinen Ungunsten schrieb meine Bank auf meine Reklamation hin den Betrag wieder gut &amp;ndash; aber gleich zweimal. Nun stand ich vor der Entscheidung, abermals zu reklamieren oder den zu viel  geleisteten Betrag einfach einzustreichen. Ich habe reklamiert, nur  warum? War es mein &amp;Uuml;ber-Ich? Oder die &amp;Uuml;berlegung, dass sich ehrliches  Verhalten letztlich f&amp;uuml;r mich und die Gemeinschaft auszahlt?&amp;laquo;&lt;/strong&gt; &lt;strong&gt;Carsten F., Mainz&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/58273.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Wo ist das Problem?, m&amp;ouml;chte man entgegnen. Nat&amp;uuml;rlich m&amp;uuml;ssen Sie ein zweites Mal reklamieren. Allerdings fragen Sie auch nach dem Warum, und das ist das eigentlich Interessante an Ihrem Fall. Nur w&amp;uuml;rde ich dabei nicht auf das Freud&amp;rsquo;sche &amp;Uuml;ber-Ich rekurrieren oder darauf, dass es sich letztlich f&amp;uuml;r Sie und die Gemeinschaft auszahlt &amp;ndash; das hie&amp;szlig;e, auf den gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten Nutzen f&amp;uuml;r alle abzustellen und damit das Prinzip des Utilitarismus. Sondern auf die Symmetrie der beiden Konstellationen: der Irrtum zu Ihren Lasten und der zu Ihren Gunsten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Da sich die beiden spiegelbildlich zueinander verhalten, sind sie ein Paradebeispiel der von mir so gesch&amp;auml;tzten Philipps&amp;rsquo;schen Spiegelung. Sie geht zur&amp;uuml;ck auf den M&amp;uuml;nchner Rechtsphilosophen Lothar Philipps, der meint, es helfe bei Bewertungen oft, sich einen spiegelverkehrten Fall vorzustellen und zu &amp;uuml;berlegen, ob es Unterschiede in der Bewertung gebe, und wenn ja, welche. Diesen spiegelverkehrten Fall muss man bei Ihnen nicht erfinden, es gibt ihn schon: Die beiden Fehlbuchungen gleichen sich bis auf die Rollen von Beg&amp;uuml;nstigtem und Belastetem. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Allerdings weist Lothar Philipps auch darauf hin, dass die Spiegelung keine Regel des richtigen Verhaltens ist, sondern nur eine Methode, die Bewertung zu reflektieren. Man betrachtet also die beiden spiegelbildlichen F&amp;auml;lle zusammen und &amp;uuml;berlegt hier, wie man es begr&amp;uuml;nden k&amp;ouml;nnte, einmal zu reklamieren und einmal nicht. Rein logisch sehe ich daf&amp;uuml;r nur zwei M&amp;ouml;glichkeiten: Entweder mit der Maxime &amp;raquo;Ich handle stets zu meinem Vorteil&amp;laquo;, der ich allerdings im Sch&amp;ouml;nheitswettbewerb f&amp;uuml;r moralisch richtige Grunds&amp;auml;tze nur Au&amp;szlig;enseiterchancen einr&amp;auml;umen w&amp;uuml;rde. Oder Sie m&amp;uuml;ssen in den beiden F&amp;auml;llen entgegengesetzt denken und argumentieren. G&amp;auml;be es nur die Fehlbuchung zu Ihren Gunsten, k&amp;ouml;nnten Sie sagen, Sie kontrollierten Ihre Ausz&amp;uuml;ge nicht so genau, Buchungen w&amp;uuml;rden schon Ihre Richtigkeit haben, oder es sei Aufgabe der Bank, f&amp;uuml;r die Richtigkeit zu sorgen. Durch Ihre Reklamation bei der vorherigen spiegelbildlichen Fehlbuchung haben Sie aber gezeigt, dass Sie damals anders dachten. Ich glaube, es ist dieser Widerspruch, der Sie letztendlich dazu gebracht hat, auch den Irrtum zu Ihren Gunsten zu beanstanden. Alles andere w&amp;auml;re mit einer intakten Pers&amp;ouml;nlichkeit kaum zu vereinbaren; Sie bek&amp;auml;men gewisserma&amp;szlig;en logische Gewissensbisse. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Literatur:&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lothar Philipps hat Spiegelungen, ohne ihnen eine spezielle Arbeit zu widmen, in verschiedenen Aufs&amp;auml;tzen behandelt. Beispielsweise in:   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine juristische Datenbank f&amp;uuml;r Probleme und Argumente. In: Arthur Kaufmann, Ernst-Joachim Mestm&amp;auml;cker, Hans F. Zacher (Hrsg.), Rechtsstaat und Menschenw&amp;uuml;rde. Festschrift f&amp;uuml;r Werner Maihofer zum 70. Geburtstag, Verlag Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 1988, S. 355-369   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strafrechtsprobleme in der &amp;Auml;sthetik des Kriminalromans. In: Heike Jung (Hrsg.), Das Recht und die sch&amp;ouml;nen K&amp;uuml;nste, Heinz M&amp;uuml;ller-Dietz zum 65. Geburtstag, Nomos Verlagsgesellschaft Baden_baden 1998, S. 189-203 dort mit weiteren Nachweisen zur Theorie der Symmetrie bei Fn. 3 und 4   T&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;auml;ter und Teilnahme, Versuch und Irrtum. Ein Modell f&amp;uuml;r die rechtswissenschaftliche Analyse. In: Rechtstheorie Bd. 5 (1974), S. 129-146   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Verzeichnis seiner Schriften findet sich als Anhang des von Bernd Sch&amp;uuml;nemann, Marie-Theres Tinnefeld und Roland Wittmann herausgegebenen Bandes &amp;bdquo;Gerechtigkeitswissenschaft - Kolloquium aus Anlass des 70. Geburtstags von Lothar Philipps&amp;ldquo; Berliner Wissenschafts-Verlag 2005 &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;J&amp;uuml;ngst erschien ein Sammelband mit Rechtslogischen Aufs&amp;auml;tzen von Lothar Philipps: Endliche Rechtsbegriffe mit unendlichen Grenzen, Anthologia, Edition Weblaw, Bern 2012 &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine ausf&amp;uuml;hrlichere Darstellung der Philipps&amp;rsquo;schen Spiegelung findet sich im Kapitel &amp;bdquo;Was du nicht willst... Die Goldene Regel und ihre Schw&amp;auml;chen&amp;ldquo; in meinem Buch &amp;bdquo;Nachdenken &amp;uuml;ber Moral. Gewissensfragen auf den Grund gegangen&amp;ldquo;, Fischer Verlag 2012 auf S. 144ff. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lothar Philipps hat darauf reagiert in einer Besprechung: &amp;bdquo;Regeln der Moral &amp;ndash; Gedanken zu einem Buch von Rainer Erlinger&amp;ldquo;, Jusletter online 25. Februar 2013 Edition Weblaw, in der er vorschl&amp;auml;gt, die nach ihm benannte Spiegelung besser nach Robert Musil zu benennen, der in der Prosasammlung &amp;bdquo;Nachlass zu Lebzeiten&amp;ldquo; &amp;Uuml;berlegungen zu spiegelbildlich angeordneten Situationen in Romanen und im Leben angestellt hat. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die Gewissensfrage</dc:subject>
    <dc:creator>Dr. Dr. Rainer Erlinger</dc:creator>
    <dc:date>2013-04-01T12:00:00+01:00</dc:date>
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  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39709">
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    <title>Die Gewissensfrage</title>
    <description>&lt;p&gt;Soll man einen neuen Mitspieler in seiner Fu&amp;szlig;ballmannschaft unterst&amp;uuml;tzen, der von den anderen ausgegrenzt wird?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;raquo;Ich spiele seit siebeneinhalb Jahren Fu&amp;szlig;ball im Verein. Seit einigen  Wochen ist ein Neuer dabei. Da er noch nicht so gut spielt, wird er von  den anderen ausgelacht und ausgegrenzt. Ich finde das falsch, will ihn  aber nicht in Schutz nehmen, weil ich f&amp;uuml;rchte, dass meine Teamkameraden  dann mich angreifen. Was tun? &amp;laquo; &amp;nbsp;Markus W., 12 Jahre, Stuttgart &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/58073.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Vielen Dank f&amp;uuml;r deine Frage. Ich finde gut, dass du sie stellst. Und man muss nicht erst bei den &lt;em&gt;Simpsons&lt;/em&gt; sehen, wie Bart wegen seiner Freundschaft mit Milhouse von den Schulrowdys verpr&amp;uuml;gelt wird, um deine Bef&amp;uuml;rchtungen zu verstehen. Dennoch solltest du den Neuen in Schutz nehmen; ich will dir gern erkl&amp;auml;ren, warum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Du schreibst selbst ganz zu Recht, dass man niemanden ausgrenzen darf. Das ist ein allgemeiner Grundsatz. Der allein w&amp;auml;re schon Grund genug, sich dagegenzustellen, wenn es jemand tut &amp;ndash; ganz egal, wo es passiert, ob auf dem Sportplatz, in der Schule oder im Freundeskreis. Hier geschieht es beim Fu&amp;szlig;ball, da k&amp;ouml;nnte man auch an das Prinzip des Fair Play denken, das nicht nur auf dem Spielfeld, sondern genauso im Umgang miteinander gelten sollte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mir scheint aber noch etwas anderes wichtig: Es geht dabei auch um dich. Im alten Griechenland gab es einen bekannten Philosophen: Aristoteles. Der antwortete auf die Frage, wie man sich verhalten soll: Man soll handeln wie ein tugendhafter Mensch. Wie ein Mensch also, der die richtige Einstellung, die richtige Haltung hat. Auch ohne zu wissen, was Aristoteles genau darunter verstand, hilft das schon weiter. Denn die richtige Haltung kann doch kaum sein, zuzulassen, dass jemand ausgegrenzt wird, nur damit man selbst keine Probleme bekommt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Aristoteles meinte aber auch, dass man ein tugendhafter Mensch nur wird, wenn man das richtige Verhalten ein&amp;uuml;bt &amp;ndash; also trainiert wie beim Sport. Das bedeutet, dass dein Verhalten in dieser Sache etwas mit dir macht: Es macht dich ein klein wenig mehr entweder zu einem Menschen, der sich nach seinem eigenen Vorteil richtet, oder zu einem, der das, was er f&amp;uuml;r richtig h&amp;auml;lt, auch dann tut, wenn es f&amp;uuml;r ihn schwierig wird. Und ich hoffe f&amp;uuml;r dich &amp;ndash; aber auch f&amp;uuml;r deine Umwelt, also f&amp;uuml;r uns alle &amp;ndash;, dass du lieber ein Mensch mit Haltung sein m&amp;ouml;chtest. Schlie&amp;szlig;lich wollen wir alle lieber in einer Welt leben, in der Menschen eine Haltung haben, statt sich nur um ihre Vorteile zu k&amp;uuml;mmern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wird das schwierig f&amp;uuml;r dich? Vielleicht, aber andererseits spielst du seit siebeneinhalb Jahren Fu&amp;szlig;ball, bist also vermutlich in der Mannschaft respektiert. Und wer eine solche Position hat, sollte sie auch nutzen, um Haltung zu zeigen. F&amp;uuml;r die anderen ist es noch schwieriger.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Leseempfehlungen:&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;F&amp;uuml;r Jugendliche:   &lt;br /&gt;Fernando Savater, Tu, was du willst. Ethik f&amp;uuml;r die Erwachsenen von morgen. Beltz &amp;amp; Gelberg, Weinheim 2001   &lt;br /&gt;Stephen Law, Philosophie. Abenteuer Denken, Arena Verlag, W&amp;uuml;rzburg 2002 &lt;br /&gt; H&amp;eacute;ctor Zagal, Jos&amp;eacute; Galindo, Ethik f&amp;uuml;r junge Menschen, Reclam Verlag, Stuttgart 2000&lt;br /&gt;Ernst Tugendhat, Celso L&amp;oacute;pez, Ana Mar&amp;iacute;a Vicu&amp;ntilde;a Wie sollen wir handeln?&lt;a href=&quot;http://www.buecher.de/shop/allgemeines/wie-sollen-wir-handeln/tugendhat-ernst-lopez-celso-vicuna-ana-m-/products_products/detail/prod_id/08950383/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt; &lt;/a&gt;Sch&amp;uuml;lergespr&amp;auml;che &amp;uuml;ber Moral, Reclam Verlag, Stuttgart 2000   &lt;br /&gt;Und schlie&amp;szlig;lich in eigener Sache: Rainer Erlinger, L&amp;uuml;gen haben rote Ohren. Ullstein Verlag, Berlin 2005 &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;F&amp;uuml;r Erwachsene:   &lt;br /&gt;Hans Lenk (Hrsg.), Philosophie des Sports, Schorndorf, 1973, darin insbesondere: Dietrich Kurz, Gymnastische Erziehung bei Platon und Aristoteles, S. 163 - 184   &lt;br /&gt;Martin Gessmann, Philosophie des Fu&amp;szlig;balls, Wilhelm Fink Verlag. M&amp;uuml;nchen 2011 &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die Gewissensfrage</dc:subject>
    <dc:creator>Dr. Dr. Rainer Erlinger</dc:creator>
    <dc:date>2013-03-25T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Die Gewissensfrage</title>
    <description>&lt;p&gt;Darf ein von reichen Akademikerfamilien gegr&amp;uuml;ndeter Kindergarten gro&amp;szlig;z&amp;uuml;gige Spenden annehmen?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;raquo;Unser Sohn geht in einen Kindergarten einer Eltern-Kind-Initiative von wohlhabenden Akademikerfamilien. Dank des Engagements einiger M&amp;uuml;tter bekommen wir immer wieder gro&amp;szlig;z&amp;uuml;gige Spenden, etwa hochwertige Instrumente von einem Musikfachgesch&amp;auml;ft. Ist es in Ordnung, die Spenden anzunehmen, wenn man wei&amp;szlig;, dass es viele Einrichtungen mit Kindern aus weniger beg&amp;uuml;terten Familien gibt, die sich diese Dinge nicht leisten k&amp;ouml;nnen?&amp;laquo; Maria L., Berlin&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57589.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mir scheint, man muss zwei m&amp;ouml;gliche Konstellationen unterscheiden. Die eine w&amp;auml;re: Die Unternehmen engagieren sich ohnehin sozial, und den M&amp;uuml;ttern gelingt es, diese Spenden, die es so oder so g&amp;auml;be, f&amp;uuml;r Ihren Kindergarten zu akquirieren. Sie w&amp;uuml;rden also einen vorhandenen Spendenstrom anzapfen und in Ihren Kindergarten leiten &amp;ndash; notgedrungen auf Kosten anderer Einrichtungen, die solche Spenden vielleicht dringender br&amp;auml;uchten. Man kann sich das bildlich vorstellen wie in einer Szene von Charles Dickens: Ein Wagen, voll beladen mit Spielsachen, ist auf dem Weg zu einer Gruppe von zerlumpt gekleideten Kindern in einer &amp;auml;rmlichen H&amp;uuml;tte, als pl&amp;ouml;tzlich M&amp;uuml;tter aus einer opulenten Villa auf die Stra&amp;szlig;e treten, den Wagen heranwinken und entladen, w&amp;auml;hrend die Kinder aus dem kleinen Haus mit gro&amp;szlig;en sehns&amp;uuml;chtigen Augen zusehen m&amp;uuml;ssen. Was davon zu halten ist, liegt auf der Hand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wie aber steht es, wenn es ohne den Einsatz der M&amp;uuml;tter gar keine Spenden g&amp;auml;be? Also kein Kind, egal ob arm oder reich, etwas geschenkt bek&amp;auml;me? Dann w&amp;auml;re es doch, k&amp;ouml;nnte man meinen, besser, wenn wenigstens ein paar Kinder etwas bekommen, als gar keine. Und dass das die Kinder der M&amp;uuml;tter sind, die den Einsatz erbringen, scheint auch naheliegend. Nur wie sieht die Dickens&amp;rsquo;sche Szene in diesem Fall aus? Wieder werden Spielsachen in das reiche Haus getragen, w&amp;auml;hrend die armen Kinder leer ausgehen. Sie warten zwar nicht auf den Wagen, aber das Ergebnis bleibt das gleiche: Sie haben nichts, w&amp;auml;hrend in der gro&amp;szlig;en Villa genug da ist.&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt; Und nun verzeihen Sie mir vielleicht sogar dieses etwas platte Bild. Es soll lediglich helfen, den Automatismus &amp;raquo;Wenn es f&amp;uuml;r Kinder ist, dann ist es moralisch hochstehend&amp;laquo; zu durchbrechen. Kinder sind prinzipiell bed&amp;uuml;rftig, weil sie sich nicht selbst versorgen und sch&amp;uuml;tzen k&amp;ouml;nnen. Das gilt f&amp;uuml;r alle Kinder und im Vergleich zu Erwachsenen. Im Vergleich mit anderen Kindern jedoch sind nicht alle Kinder gleich bed&amp;uuml;rftig, da gibt es sehr wohl Unterschiede. Wenn nun Spenden an Kinder gehen, die weniger bed&amp;uuml;rftig sind, werden diese Unterschiede &amp;ndash; f&amp;uuml;r die die Kinder nichts k&amp;ouml;nnen &amp;ndash; durch die Spenden verst&amp;auml;rkt statt vermindert. Das aber ist kontraproduktiv, um nicht zu sagen asozial, sogar antisozial, deshalb sind die Spenden auch in diesem Fall fehlgeleitet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die Gewissensfrage</dc:subject>
    <dc:creator>Dr. Dr. Rainer Erlinger</dc:creator>
    <dc:date>2013-03-18T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Die Gewissensfrage</title>
    <description>&lt;p&gt;Darf man auf eine Urlaubspostkarte auch noch ein paar Geburtstagsgr&amp;uuml;&amp;szlig;e schreiben?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;raquo;Mein Schwager hat uns wie jedes Jahr eine Ansichtskarte aus dem Urlaub geschrieben. Sonst habe ich mich immer sehr dar&amp;uuml;ber gefreut, aber dieses Mal hat er nach Beschreibungen der Urlaubsaktivit&amp;auml;ten auch noch versp&amp;auml;tete Gr&amp;uuml;&amp;szlig;e zum Namenstag meines Mannes und verfr&amp;uuml;hte Gr&amp;uuml;&amp;szlig;e zu meinem Geburtstag angef&amp;uuml;gt. Ich finde, er hat da ein paar Fliegen zu viel mit einer Klappe geschlagen, und ich bin &amp;auml;rgerlich. Oder sehe ich das falsch?&amp;laquo; Anna F., Berlin &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57497.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Welchen Sinn verfolgen Urlaubskarten? In fr&amp;uuml;heren Zeiten wohl wirklich den, &amp;uuml;ber Urlaubsort und Urlaubsaktivit&amp;auml;ten zu informieren und mitzuteilen, dass es den Absendern gut geht. Heute kommen die Karten meist nach den Urlaubern in der Heimat an, und h&amp;auml;ufig hat man inzwischen bereits telefoniert. Deshalb signalisieren sie vor allem eines: Ich habe an euch gedacht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;Auml;hnliches d&amp;uuml;rfte f&amp;uuml;r Gr&amp;uuml;&amp;szlig;e oder Gl&amp;uuml;ckw&amp;uuml;nsche zu Geburtstag und Namenstag gelten. Soweit man magisches Denken und Aberglauben beiseite l&amp;auml;sst &amp;ndash; nach denen durch die W&amp;uuml;nsche entweder Ungl&amp;uuml;ck abgewehrt oder Gl&amp;uuml;ck beschworen werden kann &amp;ndash;, bleibt auch hier in der Hauptsache das Signal: Ich habe an dich gedacht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wenn dieses Signal, wie hier, mittels einer Karte erfolgt, tritt ein weiterer Aspekt hinzu: Die Gedanken werden materialisiert, und diese Materialisation bedeutet Aufwand &amp;ndash; auch finanziell. Welchen Aufwand man f&amp;uuml;r etwas aufbringt, wird allgemein als Ma&amp;szlig;stab daf&amp;uuml;r angesehen, wie viel einem etwas wert ist. Und das wiederum ist schon rein sprachlich mit der Wertsch&amp;auml;tzung verkn&amp;uuml;pft; womit wir am entscheidenden Punkt w&amp;auml;ren. Das Zusammenfassen der drei verschiedenen Gr&amp;uuml;&amp;szlig;e stellt gewisserma&amp;szlig;en eine Rationalisierungsma&amp;szlig;nahme zur Effizienzsteigerung dar, noch h&amp;auml;rter ausgedr&amp;uuml;ckt eine Sparma&amp;szlig;nahme an Aufwand und Kosten. Im &amp;uuml;bertragenen Sinne damit auch der Wertsch&amp;auml;tzung, und so gesehen k&amp;ouml;nnten Sie mit Ihrem Gef&amp;uuml;hl richtig liegen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dennoch kann ich Ihnen nicht zustimmen. Ich bin generell kein Freund des Forderns oder der Erwartungshaltungen in zwischenmenschlichen Beziehungen. Ich halte beides f&amp;uuml;r zersetzend. Hier aber kommt noch etwas hinzu: Wenn Sie sich durch das Zusammenfassen der Gr&amp;uuml;&amp;szlig;e zur&amp;uuml;ckgesetzt f&amp;uuml;hlen, sind Sie es, die den Gr&amp;uuml;&amp;szlig;en den Preisstempel aufdr&amp;uuml;ckt. Sie bekommen welche, und statt sich zu freuen, taxieren Sie die Gr&amp;uuml;&amp;szlig;e und setzen den daf&amp;uuml;r aufgebrachten Aufwand ins Verh&amp;auml;ltnis zu dem aus Ihrer Sicht notwendigen. Den zu billigen Gru&amp;szlig; weisen Sie innerlich zur&amp;uuml;ck. Indem Sie zwischenmenschliche Aktionen derart bewerten, entwerten Sie sie. Und das weit mehr als Ihr Schwager, wenn er die Gr&amp;uuml;&amp;szlig;e zusammenfasst.&amp;nbsp; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Literaturhinweis:   &lt;br /&gt;Zur &amp;Ouml;konomisierung des Lebens, vor allem aber zu ihren Grenzen aus moralphilosophischer Sicht ist Michal Sandels Buch &amp;bdquo;Was man f&amp;uuml;r Geld nicht kaufen kann&amp;ldquo; Ullstein Verlag, Berlin 2012 lesenswert, wenn man Sandel auch nicht in allen Punkten zustimmen kann.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die Gewissensfrage</dc:subject>
    <dc:creator>Dr. Dr. Rainer Erlinger</dc:creator>
    <dc:date>2013-03-11T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Die Gewissensfrage</title>
    <description>&lt;p&gt;Nutzt man jemanden aus, wenn man &amp;uuml;ber dessen Facebook-Account nach alten Freunden sucht, obwohl man selbst keinen Account hat?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;raquo;Ich bin aus &amp;Uuml;berzeugung nicht bei Facebook angemeldet. Ich m&amp;ouml;chte  nicht, dass Daten &amp;uuml;ber mich gesammelt werden, &amp;uuml;ber deren kommerzielle  Verwertung ich keine Kontrolle habe. Dennoch fasziniert mich die  M&amp;ouml;glichkeit, verloren geglaubte Bekannte zu finden und an alte  Beziehungen wieder anzukn&amp;uuml;pfen. Wenn ich also bei Freunden oder bei  meinem Sohn bin, bitte ich sie manchmal, &amp;uuml;ber ihren Account f&amp;uuml;r mich bei  Facebook nach bestimmten Personen zu suchen. Ist das legitim oder ein  Missbrauch meiner Freunde bzw. meines Sohnes?&amp;laquo;&lt;/strong&gt; &lt;strong&gt;Georg S., Ingolstadt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57107.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ja, es k&amp;ouml;nnte sich um einen Missbrauch Ihrer Freunde oder Ihres Sohns handeln. Und zwar dann, wenn Sie den Kontakt zu ihnen nur deshalb pflegen, weil Sie &amp;uuml;ber sie Zugang zu Facebook haben wollen. Oder wenn Sie sie nur deswegen aufsuchen und anderes vorheucheln: &amp;raquo;Ich hatte so Sehnsucht nach dir und wollte dich schon lange wieder einmal sprechen. Aber das hat Zeit. Wo steht der Computer, und bist du eingeloggt?&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Beides will ich nicht annehmen, insofern w&amp;uuml;rde ich einen direkten Missbrauch ausschlie&amp;szlig;en. Dennoch bleibt etwas, was man vielleicht mit &amp;raquo;Ausnutzen&amp;laquo; besser beschreiben k&amp;ouml;nnte. In seiner harmlosen Lesart, in Richtung &amp;raquo;die Gelegenheit nutzen&amp;laquo;, trifft es sicher zu, aber es k&amp;ouml;nnte auch in einer etwas unsch&amp;ouml;neren Weise zutreffen, n&amp;auml;mlich in der Variante &amp;raquo;die Dummheit eines anderen ausnutzen&amp;laquo;. Das w&amp;auml;re dann der Fall, wenn Sie Facebook nicht nur f&amp;uuml;r sich ablehnen, weil Sie das einfach nicht m&amp;ouml;gen &amp;ndash; &lt;br /&gt; so wie manche nicht gern fotografiert werden wollen, was der Begeisterung f&amp;uuml;r das Medium Fotografie an sich aber keinen Abbruch tut &amp;ndash;, sondern generell der Meinung sind, dass sich aus Datenschutzgr&amp;uuml;nden niemand dort anmelden sollte. Dann w&amp;uuml;rden Sie allerdings nicht nur diejenigen ausnutzen, &amp;uuml;ber deren Account Sie sich einloggen, sondern auch diejenigen, die Sie dank ihrer freiwillig ins Netz gestellten Daten dort finden. Sie w&amp;uuml;rden die Fr&amp;uuml;chte eines Ihrer Meinung nach vergifteten Baumes ernten.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Ist das unmoralisch? Zumindest w&amp;auml;re es inkonsequent und h&amp;auml;tte etwas Doppelb&amp;ouml;diges, neben dem Ausnutzen fast schon eine Spur von Unaufrichtigkeit. Manche, etwa Jugendliche, muss man besonders auf die Gefahren der Datenpreisgabe hinweisen und darauf, dass das Netz nichts vergisst, und kann das nicht oft genug tun. Daneben sollte sich die Gesellschaft politisch entscheiden, welches Ausma&amp;szlig; an Datensammeln und Datenauswertung durch Unternehmen sie zulassen will. Ansonsten aber muss jeder f&amp;uuml;r sich selbst &amp;uuml;berlegen, welche Daten er oder sie &amp;uuml;ber sich ins Netz stellt und welchen Plattformen man dabei vertraut. Jeder muss f&amp;uuml;r sich die Konsequenzen tragen. Der eine, dass Firmen sein Pers&amp;ouml;nlichkeitsprofil kennen und nutzen und seine Privatsph&amp;auml;re immer kleiner und gl&amp;auml;serner wird. Und Sie, dass niemand umgekehrt mit Ihnen auf diese Weise Kontakt aufnehmen kann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Quellen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zum Datenschutz ist 2012 in einer neuen, stark erweiterten Auflage erschienen: Marie-Theres Tinnefeld/Benedikt Buchner/Thomas Petri, Einf&amp;uuml;hrung in das Datenschutzrecht. Datenschutz und Informationsfreiheit in europ&amp;auml;ischer Sicht, 5. v&amp;ouml;llig &amp;uuml;berabeitete Auflage 2012&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lesenswert zur Privatheit:&lt;br /&gt;Beate R&amp;ouml;ssler, Der Wert des Privaten, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001&lt;br /&gt;Raymond Geuss, Privatheit. Eine Genealogie, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001&lt;br /&gt;Wolfgang Sofsky, Verteidigung des Privaten. Eine Streitschrift, Verlag C.H.Beck, M&amp;uuml;nchen 2009&lt;/em&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Grundlegend f&amp;uuml;r die Idee der Privatheit war:&lt;br /&gt;Samuel Warren and Louis Brandeis, The Right to Privacy, Harvard Law Review, Vol. IV December 15, 1890 No. 5&lt;br /&gt;Online abrufbar &lt;a href=&quot;http://groups.csail.mit.edu/mac/classes/6.805/articles/privacy/Privacy_brand_warr2.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die Gewissensfrage</dc:subject>
    <dc:creator>Dr. Dr. Rainer Erlinger</dc:creator>
    <dc:date>2013-03-04T12:00:00+01:00</dc:date>
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  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39577">
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    <title>Die Gewissensfrage</title>
    <description>&lt;p&gt;Darf man sich toll f&amp;uuml;hlen, wenn man sich besonders moralisch verh&amp;auml;lt?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;raquo;Ich versuche ein moralisch richtiges Leben zu f&amp;uuml;hren. Dazu geh&amp;ouml;ren f&amp;uuml;r mich Veganismus und das Bem&amp;uuml;hen, den &amp;ouml;kologischen Fu&amp;szlig;abdruck so klein wie m&amp;ouml;glich zu halten. Ich f&amp;uuml;hle mich besser, wenn ich mich so verhalte, frage mich aber manchmal: Liegt meinem Verhalten damit nicht doch ein selbsts&amp;uuml;chtiger Antrieb zugrunde, der meiner Zufriedenheit dient und nicht meiner Umwelt?&amp;laquo; Hartmut L., T&amp;uuml;bingen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56927.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beim ersten Nachdenken k&amp;ouml;nnte man meinen, man sei schon wieder bei der alten Unterscheidung zwischen Handeln aus Neigung und Handeln aus Pflicht. Aber nach Ihrem eigenen Bekunden leben Sie ja nicht vegan, weil Ihnen Gem&amp;uuml;se so gut schmeckt, oder verzichten auf Autofahren, weil Sie so gern zu Fu&amp;szlig; gehen, sondern weil Sie ein moralisch richtiges Leben f&amp;uuml;hren wollen. Was bedeutet, Sie tun es aus Pflicht im Sinne Kants. Jetzt aber wird es interessant: Sie schreiben, Sie halten sich gern an diese Pflicht, weil Sie sich dann besser f&amp;uuml;hlen, und meinen nun, indirekt sei das doch wieder selbsts&amp;uuml;chtig, weil es aus Neigung geschehe. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das ist eine Variante des Problems, das man in der Moralphilosophie als &amp;raquo;psychologischen Egoismus&amp;laquo; kennt. Damit bezeichnet man die Idee, dass auch Motive, die auf den ersten Blick nicht egoistisch erscheinen, auf den zweiten Blick durchaus egoistisch sind oder zumindest sein k&amp;ouml;nnen. Das w&amp;auml;re zum Beispiel dann der Fall, wenn man nur deshalb altruistisch oder moralisch richtig handelt, weil man andernfalls Sanktionen f&amp;uuml;rchtet. Bei klassischen staatlichen oder elterlichen Strafen mag man das noch abgrenzen k&amp;ouml;nnen, aber sowie es um innerliche oder verinnerlichte Strafen geht, wird es schwierig: Wer Moral f&amp;uuml;r wichtig h&amp;auml;lt, weil er Angst hat, bei unmoralischem Verhalten ge&amp;auml;chtet, also aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden, h&amp;auml;lt aus egoistischen Motiven die Moral hoch. Noch komplizierter wird es, wenn man das Gewissen im Sinne Freuds als &amp;Uuml;ber-Ich und damit als verinnerlichte elterliche Instanz ansieht: Wer seinem Gewissen folgt, tut dies nach dieser Interpretation letztlich, um Strafen zu entgehen, nur nennt man die in diesem Fall Gewissensbisse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch wenn man dar&amp;uuml;ber diskutieren kann, halte ich die Betrachtungsweise im Grunde f&amp;uuml;r richtig: Im Endeffekt handelt jemand moralisch, hilft dem N&amp;auml;chsten oder schont die Natur, weil er oder sie es besser findet, das zu tun, als es nicht zu tun. Damit agiert er letztlich wieder aus Motiven, die in ihm oder ihr liegen. Nur liegt das meines Erachtens zugleich in der Natur der Sache oder des Menschen &amp;ndash; es ist gewisserma&amp;szlig;en ein Konstruktionsprinzip, das aber den Wert der objektiv guten Motivation nicht schm&amp;auml;lert. Im Gegenteil: Es zeigt, dass Sie nicht nur moralisch handeln, sondern dass auch Ihre Grundeinstellungen moralisch sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Quellen:&lt;/em&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Dieter Birnbacher, Analytische Einf&amp;uuml;hrung in die Ethik, Walter de Gruyter Verlag, Berlin 2. Auflage 2007. Dort Kapitel 7. Moralische Motivation und moralischer Wert, insbesondere ab 7.6 Die Herausforderungen des psychologischen Egoismus, S. 312ff.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Bernard Williams, Egoismus und Altruismus, in: Bernard Williams, Probleme des Selbst. Philosophische Aufs&amp;auml;tze 1956-1972, aus dem Englischen &amp;uuml;bersetzt von Joachim Schulte, Reclam Verlag Stuttgart 1978, S. 398-423&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Robert Shaver, &quot;Egoism&quot;, The Stanford Encyclopedia of Philosophy (Winter 2010 Edition), Edward N. Zalta (ed.)&lt;br /&gt;Online abrufbar &lt;a href=&quot;http://plato.stanford.edu/archives/win2010/entries/egoism/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Stephen Stich, John M. Doris, Erica Roedder, &quot;Altruism,&quot; in John M. Doris (ed.), The Moral Psychology Handbook, New York: Oxford 2010, S. 147-205&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Elliott Sober, What is psychological egoism. In: The blackwell guide to ethical theory. Blackwell, Malden, MA, 2000, S. 129-148.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Zum Unterschied zwischen Handeln aus Pflicht und pflichtgem&amp;auml;&amp;szlig;en Handeln die bekannte Stelle in: Immanuel Kant, Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, Akademie Ausgabe S. 397&lt;br /&gt;Online aufrufbar &lt;a href=&quot;http://www.korpora.org/Kant/aa04/397.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die Gewissensfrage</dc:subject>
    <dc:creator>Dr. Dr. Rainer Erlinger</dc:creator>
    <dc:date>2013-02-25T12:00:00+01:00</dc:date>
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  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39529">
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    <title>Die Gewissensfrage</title>
    <description>&lt;p&gt;Darf man geschickte Bankr&amp;auml;uber sympathisch finden?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;raquo;Das Bild ging um die Welt: Mit unglaublicher Detailverliebtheit haben Bankr&amp;auml;uber sich vor ein paar Wochen in Berlin einen  Tunnel zum Tresorraum gegraben. Dabei machten die T&amp;auml;ter sich  zweifelsohne einer schweren Straftat schuldig, doch die Art und Weise ist schon sehr beeindruckend. Meine Frage: Darf man als rechtschaffener B&amp;uuml;rger Sympathie f&amp;uuml;r solche Gangster hegen?&amp;laquo; Frank L., Karlsruhe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56649.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Ich frage mich, ob Ihre Sympathie genauso gro&amp;szlig; w&amp;auml;re, wenn Sie selbst ein Schlie&amp;szlig;fach in dieser Bank gehabt und die Diebe Teile Ihres Familienschmucks durch den Tunnel abtransportiert h&amp;auml;tten. Ansonsten aber befinden Sie sich in illustrer Gesellschaft: in der von Friedrich Schiller und Immanuel Kant. Auch wenn die beiden in diesem Zusammenhang von &amp;raquo;Bewunderung&amp;laquo; sprachen, was es vermutlich besser trifft. Oder haben Sie das gro&amp;szlig;e Verlangen, die findigen Diebe vor lauter Sympathie zu Ihnen nach Hause einzuladen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Kant meinte: &amp;raquo;Selbst ein Mensch von b&amp;ouml;sem Charakter&amp;hellip;, wenn er gleich durch die Gewaltt&amp;auml;tigkeit seiner festen Maximen Abscheu erregt, ist doch zugleich ein Gegenstand der Bewunderung&amp;laquo; und f&amp;uuml;hrte das auf die Seelenst&amp;auml;rke zur&amp;uuml;ck, die sich darin zeige. Allerdings m&amp;uuml;sse die zusammen mit Seeleng&amp;uuml;te auftreten, um das Ideal der Seelengr&amp;ouml;&amp;szlig;e zu formen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Schiller brachte es in seiner Schrift &lt;em&gt;&amp;Uuml;ber das Pathetische&lt;/em&gt; auf den Punkt: &amp;raquo;Offenbar k&amp;uuml;ndigen Laster, welche von Willensst&amp;auml;rke zeugen, eine gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere Anlage zur wahrhaften moralischen Freiheit an, als Tugenden, die eine St&amp;uuml;tze von der Neigung entlehnen.&amp;laquo; Es geht also um die Freiheit, die ja auch in Kants Ethik ganz zentral ist als Voraussetzung f&amp;uuml;r moralisches Handeln. Deshalb, so Schiller, w&amp;uuml;rden wir auch &amp;raquo;den halbguten Charakter mit Widerwillen von uns sto&amp;szlig;en und dem ganz schlimmen oft mit schauernder Bewunderung folgen&amp;laquo;, &amp;raquo;weil es dem konsequenten B&amp;ouml;sewicht nur einen einzigen Sieg &amp;uuml;ber sich selbst, eine einzige Umkehrung der Maximen kostet, um die ganze Konsequenz und Willensfertigkeit, die er an das B&amp;ouml;se verschwendete, dem Guten zuzuwenden.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der Marburger Philosoph Reinhard Brandt weist allerdings in seinem Kommentar zu dieser Stelle bei Kant darauf hin, dass diese Sichtweise nur durch die Isolierung des Willens vom Rest der Person m&amp;ouml;glich sei. In der antiken Ethik hingegen sei der konsequente B&amp;ouml;sewicht nicht bewunderns-, sondern verabscheuenswert gewesen, weshalb auch die Bewunderung f&amp;uuml;r ihn nur auf mangelnder Erkenntnis des Guten beruhen k&amp;ouml;nne. Dem w&amp;uuml;rde ich mich tendenziell auch anschlie&amp;szlig;en, weil ich die Person gern als Einheit betrachte. Sympathie oder Bewunderung f&amp;uuml;r einen Bankr&amp;auml;uber scheint mir daher problematisch und allenfalls f&amp;uuml;r die daf&amp;uuml;r vollbrachte technische Leistung verst&amp;auml;ndlich.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Quellen: &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Immanuel Kant, Anthropologie in pragmatischer Hinsicht, Akademie Ausgabe S. 293  Online abrufbar &lt;a href=&quot;http://www.korpora.org/Kant/aa07/293.html&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reinhard Brandt, Kritischer Kommentar zu Kants &amp;bdquo;Anthropologie in pragmatischer Hinsicht&amp;ldquo;, Meiner Verlag, Hamburg 1999 (Kant-Forschungen Band 10), Anmerkung zu S. 293, Z. 16-19   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Friedrich Schiller, &amp;Uuml;ber das Pathetische, vorletzter Absatz, in verschiedenen Ausgaben unter anderem online bei &lt;a href=&quot;http://gutenberg.spiegel.de/buch/3311/1 &quot;&gt;Projekt Gutenberg&lt;/a&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;Uuml;ber die Freiheit als zentralen Punkt von Kants Ethik sehr lesenswert: Theodor W. Adorno, Probleme der Moralphilosophie, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2010 &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die Gewissensfrage</dc:subject>
    <dc:creator>Dr. Dr. Rainer Erlinger</dc:creator>
    <dc:date>2013-02-18T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Die Gewissensfrage</title>
    <description>&lt;p&gt;Darf man einen Gutschein einl&amp;ouml;sen, auch wenn man von dem Partner, der ihn einst schenkte, l&amp;auml;ngst getrennt ist?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;raquo;Mein Exfreund, mit dem ich nichts mehr zu tun habe, hatte mir, als wir noch ein Paar waren, zum Geburtstag mal einen Sushi-Kurs geschenkt. Dieser Kurs ist aber niemals von mir besucht worden. Neulich war ich beim Japaner, wo mir klar wurde, dass ich den Kurs nun doch gern machen w&amp;uuml;rde. Darf ich das Geschenk trotz Trennung einfordern?&amp;laquo; Karin L., Bonn&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56525.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Dies hier ist keine Sprachkolumne. Deshalb befasse ich mich f&amp;uuml;r gew&amp;ouml;hnlich auch nicht explizit mit einzelnen Formulierungen der Frage, sondern mit dem Kern der Fragestellung, auf die ich eine Antwort zu finden versuche. F&amp;uuml;r gew&amp;ouml;hnlich. Bei Ihnen jedoch bin ich &amp;uuml;ber folgenden Satz gestolpert: &amp;raquo;Dieser Kurs ist aber niemals von mir besucht worden.&amp;laquo; Inhaltlich ist er vollkommen klar, aber warum haben Sie ihn im Passiv geschrieben? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Passiv hei&amp;szlig;t &amp;uuml;bersetzt &amp;raquo;Leideform&amp;laquo;. Ich kenne Sie nicht pers&amp;ouml;nlich, hoffe aber, dass der Kurs nicht unter Ihrem Besuch gelitten h&amp;auml;tte. Das Gleiche sollte f&amp;uuml;r den Kursleiter gelten. Lediglich f&amp;uuml;r den Fisch sehe ich kaum Hoffnung, er wird wohl so oder so als H&amp;auml;ppchen enden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das Passiv ist aber auch Stilmittel. Es kann helfen, den Kurs in den Vordergrund des Satzes zu r&amp;uuml;cken. Schlie&amp;szlig;lich ist dessen Besuch ja Gegenstand des Geschenkes und damit auch Ihrer Frage. Sie dagegen treten eher in den Hintergrund. Und genau dar&amp;uuml;ber bin ich gestolpert. Die Passivformulierung l&amp;ouml;st den Besuch des Kurses von Ihrer Person und distanziert Sie von der Angelegenheit. Nur war das urspr&amp;uuml;nglich beim Schenken gerade nicht der Fall. Ihr damaliger Freund hat Ihnen den Kurs geschenkt, weil Sie zu der Zeit seine Freundin waren. An dem Geschenk klebt also das Etikett Ihrer Partnerschaft, das auch durch Passivformulierungen nicht abgeht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Beziehungstechnisch w&amp;auml;re es eine &amp;Uuml;berlegung wert, wof&amp;uuml;r das Einfordern des Gutscheins nach der Trennung spricht: dass Sie derartige Angelegenheiten neutral handhaben k&amp;ouml;nnen und sich somit von der Beziehung gel&amp;ouml;st haben &amp;ndash; oder dass Sie sprichw&amp;ouml;rtlich noch eine Rechnung offen haben? Vielleicht w&amp;auml;re es in dem Fall sogar eine gute &amp;Uuml;bung, um zu einem Abschluss zu gelangen. Nur wei&amp;szlig; ich nicht, ob Ihnen dann das Sushi schmecken wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mit dem Ende einer Beziehung geht vieles unter, Erwartungen, Tr&amp;auml;ume, die gemeinsame Zukunft. Es bleibt die gemeinsame Vergangenheit. Und genauso w&amp;uuml;rde ich die Geschenke behandeln: &amp;Uuml;berreichte Geschenke sind nur in Ausnahmef&amp;auml;llen zur&amp;uuml;ckzugeben. Alles aber, was in die Zukunft gerichtet ist, geht mit der Trennung unter und kann nicht mehr eingefordert werden. Oder einfacher: Klappe zu, Affe tot.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
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    <dc:creator>Dr. Dr. Rainer Erlinger</dc:creator>
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