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    <title>sz-magazin.de - Das verstehe ich nicht</title>
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    <description>Alle Texte zu dem Label Das verstehe ich nicht auf sz-magazin.de</description>
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    <title>Große Geste</title>
    <description>&lt;p&gt;Warum deutet Nicolas Sarkozy in letzter Zeit eigentlich immer      zum Himmel, wenn er mit Angela Merkel spricht?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/39667.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;em&gt;Merkel und Sarkozy im Juli beim EU-Gipfel in Berlin &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nicolas Sarkozy, der franz&amp;ouml;sische Staatspr&amp;auml;sident, zeigt zum Himmel, wenn er Angela Merkel trifft. Jedes Mal. Manchmal l&amp;auml;chelt Sarkozy, als habe er eben gesagt: &amp;raquo;Schaun Se mal, der ganze Himmel blau, und nur die eine Wolke da.&amp;laquo; Es ist immer der einzige Moment bei Staatstreffen, in dem Merkel sehr entspannt wirkt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der Fingerzeig gen Himmel ist Sarkozys Spezialgeste. Zur Begr&amp;uuml;&amp;szlig;ung gibt er K&amp;uuml;sschen, anschlie&amp;szlig;end dirigiert er seine G&amp;auml;ste in eine Fotoposition, die immer so vorbereitet zu sein scheint, dass niemand merkt, dass der Pr&amp;auml;sident nur 1,52 Meter misst. Laut offiziellen Angaben ist er 1,74 Meter gro&amp;szlig;, aber da ist der erhobene Zeigefinger schon mit eingerechnet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nach Erreichen der Fotoposition redet Sarkozy ein bisschen auf seinen Gast ein, dann hebt er den Finger. Mal schaut der Gast &amp;ndash; derzeit ist das eigentlich immer Angela Merkel &amp;ndash; erfreut nach oben und lacht. Mal schaut der Gast, also Merkel, Sarkozy in die Augen und hebt ebenfalls den Finger. Neben der Kernfrage, was diese Geste bedeutet, stellt sich die Nebenfrage, in welcher Sprache sich Sarkozy und Merkel unterhalten. Merkel spricht, soweit man das wei&amp;szlig;, kein Franz&amp;ouml;sisch und Sarkozy kein Deutsch. Vermutlich unterhalten sie sich in der Hauptverkehrssprache der EU, also in schlechtem Englisch. Es ist ja schon immer ein netter Randaspekt an der EU, dass die Engl&amp;auml;nder, mit denen sich gerade mal wieder niemand verst&amp;auml;ndigen kann, mit ihrer Sprache die Grundlage f&amp;uuml;r die dolmetscherlose Kommunikation unter den meisten Staatschefs liefern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nat&amp;uuml;rlich ist es auch m&amp;ouml;glich, dass Sarkozy auf Franz&amp;ouml;sisch vor sich hin plappert und Merkel ihm auf Deutsch antwortet. In Jim Jarmuschs Film &lt;em&gt;Ghost Dog&lt;/em&gt; gibt es eine sch&amp;ouml;ne Szene, in der sich der Protagonist mit seinem besten Kumpel unterh&amp;auml;lt, einem Eisverk&amp;auml;ufer. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der eine spricht nur Englisch, der andere nur Franz&amp;ouml;sisch, trotzdem verstehen sie einander bestens. Vorstellbar ist, dass die Kommunikation zwischen Merkel und Sarkozy, der unbestritten etwas Eisverk&amp;auml;uferhaftes hat, auf die gleiche Weise funktioniert. Dass sie dabei so gern zum Himmel zeigen, k&amp;ouml;nnte darauf hinweisen, dass die deutsch-franz&amp;ouml;sische Freundschaft in diesen Tagen der Krise durch intensive Gespr&amp;auml;che &amp;uuml;ber das Wetter vertieft wird. Es k&amp;ouml;nnte allerdings auch eine gemeinsame Geste der Demut sein, die man insbesondere Sarkozy auf den ersten Blick gar nicht zutraut: In der christlichen Bildsprache bedeutet das Zeigen zum Himmel den Verweis auf den Gr&amp;ouml;&amp;szlig;eren in der H&amp;ouml;he, und damit irgendwie auch die EU.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Große Geste</dc:subject>
    <dc:creator>Christian Zaschke</dc:creator>
    <dc:date>2011-12-22T17:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Schlechter Schnitt</title>
    <description>&lt;p&gt;Laut einer neuen Statistik kann jeder f&amp;uuml;nfte 15-J&amp;auml;hrige      in Deutschland weder lesen noch schreiben. Wer soll das glauben? &amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/39420.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;em&gt;Ein gro&amp;szlig;er Teil der deutschen Jugendlichen sollen Analphabeten sein. Das steht aber ausnahmsweise nicht in der PISA-Studie.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da war sie pl&amp;ouml;tzlich, die Meldung, in der &lt;em&gt;Bild&lt;/em&gt;-Zeitung, aber auch im S&amp;uuml;dwestfunk und der &lt;em&gt;Rheinpost&lt;/em&gt;: &amp;raquo;20 Prozent der 15-J&amp;auml;hrigen in Deutschland sind Analphabeten.&amp;laquo; Ja, Wahnsinn! Man hat schon von diesen unglaublichen Geschichten geh&amp;ouml;rt, wie sich jemand mit allerlei Tricks und Kniffen durch Schule und Arbeitsleben mogelt, ohne lesen oder schreiben zu k&amp;ouml;nnen. Aber jeder F&amp;uuml;nfte? Es ist ja noch vorstellbar, dass einem Lehrer dieser eine, sehr geschickte Sch&amp;uuml;ler entgeht, aber wenn in einer Klasse von 20 Kindern &lt;span style=&quot;text-decoration: line-through;&quot;&gt;f&amp;uuml;nf&lt;/span&gt; vier &lt;em&gt;(Anmerkung: Die Redaktion entschuldigt sich f&amp;uuml;r den peinlichen Fehler.)&lt;/em&gt; Analphabeten sitzen? Die &lt;em&gt;Bild&lt;/em&gt;-Zeitung liefert Hinweise darauf, wie die Sch&amp;uuml;ler vorgehen, um ihr Manko zu vertuschen: Zum Beispiel bitten sie die Lehrer, eine Pr&amp;uuml;fung m&amp;uuml;ndlich ablegen zu d&amp;uuml;rfen. Wie hat man sich dieses Gespr&amp;auml;ch vorzustellen? Der Lehrer: Ja, warum denn, mein Kind? Der Sch&amp;uuml;ler: Weil, ja, weil mein Stift ist kaputt. Der Lehrer: Hier, nimm meinen! Der Sch&amp;uuml;ler: Nein, also, ich hab so Schmerzen hier im Handgelenk, das ist kaputt. Der Lehrer: Wie ist denn das passiert? Der Sch&amp;uuml;ler: Vom vielen Schreiben! Ich schreib so viel, jeden Abend, den ganzen Abend, ich so am Schreiben, voll am viel Schreiben. Und darum, ja. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Auch eine Taktik ist es, laut &lt;em&gt;Bild&lt;/em&gt;-Zeitung, den Unterricht aufzuzeichnen und sich die Informationen dann von einer Vertrauensperson aufschreiben zu lassen. Was sich schwierig gestalten d&amp;uuml;rfte, da laut Statistik ja jeder zehnte deutsche Erwachsene auch Analphabet ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das mit der Schule kriegen sie also offenbar bis und mit Abitur hin, die Kids, aber wie schreiben sie denn Tweets und Facebook-Eintr&amp;auml;ge, wenn sie nicht schreiben k&amp;ouml;nnen? Woher wissen sie, welche Eintr&amp;auml;ge ihrer Freunde sie mit &amp;raquo;I like&amp;laquo;-Daumen-hoch versehen sollen und welche nicht? Haben die jetzt alle das iPhone 4S und diktieren der armen Siri SMS wie &amp;raquo;Ich hasse dich, du Hurensohn?&amp;laquo; Wie finden sie alle ihre Abercrombie &amp;amp; Fitch-Pullis? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Erkl&amp;auml;rung liegt in der Definition von Analphabetismus. Damit ist mitnichten das komplette Fehlen von Lese- oder Schreibkenntnissen gemeint, wie die landl&amp;auml;ufige Interpretation nahelegt, sondern &amp;raquo;eine orthographische Desorientierung&amp;laquo;, sagt die Gesch&amp;auml;ftsf&amp;uuml;hrerin des Rats f&amp;uuml;r deutsche Rechtschreibung, Frau Dr. G&amp;uuml;thert. Diese 20 Prozent aller 15-J&amp;auml;hrigen k&amp;ouml;nnen also einfach extrem schlecht rechtschreiben. Und wohl kaum besser lesen. Das ist nat&amp;uuml;rlich keine Lappalie, vor allem weil diese Schw&amp;auml;chen schon auf elementarstem Niveau zutage treten, wie Frau Dr. G&amp;uuml;thert klagt. Aber es bedeutet doch irgendwie auch, dass man das Ergebnis anders formulieren kann: &amp;raquo;20 Prozent aller 15-J&amp;auml;hrigen sind eher unterdurchschnittlich in der Schule.&amp;laquo; Und das ist ja wieder ein absolut normaler Wert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Schlechter Schnitt</dc:subject>
    <dc:creator>Michèle Roten</dc:creator>
    <dc:date>2011-12-15T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

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    <title>Ohne jeden Biss</title>
    <description>&lt;p&gt;Warum sehnen sich so viele Frauen in die harmlos-niedliche Welt ihrer Kindheit und Jugend zur&amp;uuml;ck?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/39311.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von wegen Teenie-Ph&amp;auml;nomen: Die Twilight- Saga bringt auch Frauen zum Schmachten, die ihre Pubert&amp;auml;t l&amp;auml;ngst hinter sich haben sollten.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit zwei Wochen ist unter schockierend vielen Frauen wieder die kollektive Unzurechnungsf&amp;auml;higkeit ausgebrochen: Eine weitere Folge des Teenie-Wahns &lt;em&gt;Twilight&lt;/em&gt; ist in den Kinos, und wie zuvor sind die Vorstellungen pickepackevoll mit 30- bis 40-J&amp;auml;hrigen. Klar wei&amp;szlig; man, wie peinlich das ist &amp;ndash; und trotzdem ist anscheinend die Sehnsucht nach einem Neverneverland &amp;uuml;berm&amp;auml;chtig, in dem jede bis in alle Ewigkeit 16, h&amp;uuml;bsch und unsterblich ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Woher kommt dieses weibliche Bed&amp;uuml;rfnis nach endloser Pubert&amp;auml;t (meiner pers&amp;ouml;nlichen Vorstellung von H&amp;ouml;lle), ewiger Kindheit?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Denn verst&amp;ouml;rend ist ja nicht nur das grassierende &lt;em&gt;Twilight&lt;/em&gt;-Ph&amp;auml;nomen oder die intellektuelle Heidihaftigkeit all der Castingshows mit all den dummen M&amp;auml;dels, die erbittert ums Kr&amp;ouml;nchen k&amp;auml;mpfen, sondern auch die Beobachtung, dass sich der weibliche Zeitgeschmack derzeit so auff&amp;auml;llig kindlich gibt: Wenn man sich anschaut, was ausgewachsene Frauen zu Seufzern verleitet (klassische Blog-Kommentare: &amp;raquo;Ooooh!&amp;laquo; &amp;raquo;Mmmmmmh!&amp;laquo;, &amp;raquo;Wie s&amp;uuml;&amp;szlig; ist das denn bitte?&amp;laquo;), findet man sich stets in einer Puppenstube wieder, einer heilen Kinderwelt der F&amp;uuml;nfziger, wenn nicht gar Drei&amp;szlig;iger. In einschl&amp;auml;gigen Frauencaf&amp;eacute;s und -zeitschriften wuchern Wandtafeln wie aus der H&amp;auml;schenschule, rot-wei&amp;szlig; Gepunktetes oder rosa Kariertes, handgeschriebene Marmeladen-Etiketten, Kartoffeldruck-Stempel, bunte Cupcakes mit Spritzguss und Zuckerstreuseln &amp;ndash; eine Kinderwelt, in der die Zeit stehen geblieben ist. Alles ist immer nur niedlich, niedlich, niedlich, alles ist h&amp;uuml;bsch. Nicht sch&amp;ouml;n, nicht elegant, nicht einem erwachsenen, weltgewandten Geschmack entsprechend, sondern die unverhohlene Regression in einen Bambi-Bastel-Bullerb&amp;uuml;-Kosmos, wo man quietschend Keksrezepte und &amp;raquo;sch&amp;ouml;ne Deko-Ideen&amp;laquo; (mit vielen Herzchen und V&amp;ouml;gelein) austauscht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nun hat es unter erwachsenen Frauen immer mal wieder Fluchtbewegungen in Niedlichkeitskulte gegeben, ob &amp;raquo;Hello Kitty&amp;laquo;-Welle, Meg Ryans zu lange Pulli&amp;auml;rmel (die immerzu schrien: Ich bin zu klein f&amp;uuml;r dieses Leben) oder der abgeknibbelte Ich-habe-mich-heimlich-an-Muttis-Schminktisch-bedient-Nagellack der Girlie-Bewegung, aber so sehr eingerichtet in der P&amp;uuml;ppi-Welt hat sich bislang noch keine Generation wie die derzeitige, die ihr Essen bevorzugt breif&amp;ouml;rmig (Karotten-Ingwer-Suppe) oder in Papierf&amp;ouml;rmchen zu sich nimmt und auch sonst alles daf&amp;uuml;r tut, dass man sie nicht ernst nehmen muss.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das Enervierende daran ist, dass jedes Unverst&amp;auml;ndnis f&amp;uuml;r diese Kuschelh&amp;ouml;lle so entsetzlich herzlos wirkt. Es ist, als w&amp;uuml;rde man flauschige Welpen treten &amp;ndash; Harmlosigkeit ist einfach unangreifbar. Gott, wir waren wirklich schon mal weiter.&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Ohne jeden Biss</dc:subject>
    <dc:creator>Meike Winnemuth</dc:creator>
    <dc:date>2011-12-08T17:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Zu viel der Ehre</title>
    <description>&lt;p&gt;Warum erh&amp;auml;lt Karl-Theodor zu Guttenberg ein prominentes Forum, um sich zu rechtfertigen, wenn er doch nichts einsieht?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/39118.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Guttenberg will die Politik zur&amp;uuml;ckkehren, obwohl alles darauf hindeutet, dass er es mit der Wahrheit nicht immer so genau nimmt.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die gelungensten Rehabilitationen sind die, die aus einer schonungslosen Auseinandersetzung erwachsen. Genau so funktioniert Giovanni di Lorenzos Interview mit Karl-Theodor zu Guttenberg. Denn bei aller Sch&amp;auml;rfe der Nachfragen gew&amp;auml;hrt es dem Gespr&amp;auml;chspartner die M&amp;ouml;glichkeit, den Wust der Vorw&amp;uuml;rfe zu entwirren, ihn zu trennen in einen berechtigten und einen unberechtigten Anteil; wo in Einzelheiten Zerknirschung demonstriert wird, L&amp;auml;uterung, kann ein innerer Raum der Aufrichtigkeit entstehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Von den ersten Seiten des Buches &lt;em&gt;Vorerst gescheitert&lt;/em&gt; an, in den Passagen &amp;uuml;ber den Dissertationsskandal, wird die Strategie Guttenbergs erkennbar. Es geht um die Deutungshoheit von &lt;em&gt;Grenzen&lt;/em&gt;, die ihm di Lorenzo ohne jede Einschr&amp;auml;nkung &amp;uuml;berl&amp;auml;sst. Was diese Grenze leisten soll, verdeutlicht ein Satz, mit dem Guttenberg auf dem Unterschied beharrt, dass seine Doktorarbeit nur fehlerhaft zusammengeschustert und nicht bewusst gef&amp;auml;lscht war: &amp;raquo;Das ist f&amp;uuml;r mich ganz wichtig&amp;laquo;, sagt er, &amp;raquo;weil es auch etwas mit der eigenen Ehre zu tun hat.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Hier wird die entscheidende Markierung getroffen, in ein Diesseits und ein Jenseits hinnehmbarer Kritik. Die eine Sph&amp;auml;re betrifft die Buchstaben, die Schrift, das Verzetteln in den achtzig Disketten, auf denen Guttenberg offenbar seine Fragmente gespeichert hat. Was diesen Bereich angeht, erkl&amp;auml;rt er sich mit wortreichen Entschuldigungen bereit, einen Versto&amp;szlig; einzugestehen; er nennt die aus Zeitmangel und &amp;Uuml;berforderung verursachten Fehler &amp;raquo;unertr&amp;auml;glich&amp;laquo;, &amp;raquo;unverzeihlich&amp;laquo;, &amp;raquo;ungeheuerlich&amp;laquo;, &amp;raquo;uns&amp;auml;glich&amp;laquo;, &amp;raquo;unentschuldbar&amp;laquo;. Es ist folgerichtig, dass all diese Attribute der Selbstbezichtigung mit einer Negativ-Vorsilbe beginnen, denn er m&amp;ouml;chte diese in der Vergangenheit liegende &amp;Uuml;berforderung endg&amp;uuml;ltig von sich absto&amp;szlig;en. Umso gl&amp;auml;nzender soll dadurch ein intakter Kern erstrahlen, der nichts mit &amp;Auml;u&amp;szlig;erlichkeiten wie Sprache oder Schrift zu tun hat, und zwar die &amp;raquo;Ehre&amp;laquo;. In den verschiedensten Varianten zieht sich die Betonung einer solchen angeborenen, von der intellektuellen &amp;Uuml;berforderung unbesch&amp;auml;digten Charakterqualit&amp;auml;t durch das Buch. Manchmal hei&amp;szlig;t sie &amp;raquo;Haltung&amp;laquo;, manchmal &amp;raquo;Prinzipientreue&amp;laquo;, und wenn Guttenberg mehrmals versichert, dass &amp;raquo;die, die mich kennen&amp;laquo;, ohnehin w&amp;uuml;ssten, dass er kein vors&amp;auml;tzliches Plagiat begehen w&amp;uuml;rde, ist auch klar, dass sich ein Begriff wie &amp;raquo;Ehre&amp;laquo; &amp;uuml;ber jede Argumentation, jede Textlekt&amp;uuml;re erhebt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dass gerade ein anerkannter Journalist, ein Mann der Buchstaben und der Schrift, Karl-Theodor zu Guttenberg ein Forum bietet, um diese Hierarchie auszustellen, ist ein bemerkenswerter Vorgang. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Zu viel der Ehre</dc:subject>
    <dc:creator>Andreas Bernard</dc:creator>
    <dc:date>2011-12-01T17:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Das Ende der Wachstumsgesellschaft</title>
    <description>&lt;p&gt;Ob Pokerweltmeister, kanadische M&amp;uuml;tter oder H&amp;ouml;rger&amp;auml;te-Kunden &amp;ndash; warum      werden alle immer j&amp;uuml;nger?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/39058.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pius Heinz&lt;/em&gt;&lt;em&gt; hat mit nur 22 Jahren die Poker-Weltmeisterschaft in Las Vegas gewonnen.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erst war es nur ein vages Gef&amp;uuml;hl. Die Art von Gef&amp;uuml;hl, wie es die Midlife-Crisis hervorzubringen scheint: Alle werden immer j&amp;uuml;nger. Als mittelalter Mann schiebt man solche Gef&amp;uuml;hle routiniert beiseite, weil man gelernt hat, dass es so etwas wie eine Midlife-Crisis gar nicht gibt. Au&amp;szlig;erdem ist quasi t&amp;auml;glich zu h&amp;ouml;ren, dass wir in einer Gesellschaft leben, die immer &amp;auml;lter wird. Gut, FDP-Chef Philipp R&amp;ouml;sler ist 38 und Familienministerin Kristina Schr&amp;ouml;der erst 34 Jahre alt. Aber war nicht Claudia Nolte (heute Crawford) erst 28, als sie 1994 Familienministerin wurde? Alles ruhig also, alles wie immer. Aber das Gef&amp;uuml;hl ging nicht weg.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ein genauerer Blick auf die Angelegenheit zeigt, dass r&amp;auml;tselhafterweise tats&amp;auml;chlich alle immer j&amp;uuml;nger werden. Erst vor zwei Wochen gewann ein Deutscher namens Pius Heinz die Weltmeisterschaft im Pokern und strich mehr als acht Millionen Dollar ein. Er ist 22 Jahre alt. Seit 2008 hat kein Spieler, der &amp;auml;lter als 24 Jahre war, die einst von Haudegen dominierte Poker-WM gewonnen. Das Mittelfeld der Fu&amp;szlig;ball-Nationalelf besteht aus Mesut &amp;Ouml;zil, 23, Toni Kroos, 21, Mario G&amp;ouml;tze, 19, und dem etwas in die Jahre gekommenen Bastian Schweinsteiger, 27. Lena Meyer-Landrut gewann den Eurovision Song Contest im vergangenen Jahr als 19-J&amp;auml;hrige. Im gleichen Jahr ver&amp;ouml;ffentlichte Helene Hegemann als 18-J&amp;auml;hrige ihr Erfolgsbuch &lt;em&gt;Axolotl Roadkill&lt;/em&gt;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im vergangenen Monat verk&amp;uuml;ndeten Wissenschaftler: Kanadische M&amp;uuml;tter werden immer j&amp;uuml;nger. Die Bundeszentrale f&amp;uuml;r gesundheitliche Aufkl&amp;auml;rung meldet: Raucher werden immer j&amp;uuml;nger. Gleiches gilt ausweislich des Internets f&amp;uuml;r &amp;Uuml;bergewichtige, Ausgebrannte, Pleitiers, H&amp;ouml;rger&amp;auml;te-Kunden, Chefs, Komas&amp;auml;ufer, Internet-Hacker, Sexverbrecher, Herbstscharnier-Opfer, den Kneipp-Verein Bocholt sowie Obdachlose in &amp;Ouml;sterreich. F&amp;uuml;r jeden Einzelfall mag es eine logische Erkl&amp;auml;rung geben, aber dass alle zugleich immer j&amp;uuml;nger werden? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Schluss, so nahe er zu liegen scheint, dass die Alten damit abgemeldet w&amp;auml;ren, f&amp;uuml;hrt in die Irre. Mehr als 7000 Webseiten warten mit der Nachricht auf, dass Senioren immer j&amp;uuml;nger werden. Einerseits ein Paradoxon, andererseits nur logisch: Es werden wirklich alle immer j&amp;uuml;nger. Was heute verwirrende Wirklichkeit zu sein scheint, hat der Autor F. Scott Fitzgerald in den 1920ern als bewegende Fiktion erdacht: In seiner Kurzgeschichte &lt;em&gt;Der seltsame Fall des Benjamin Button&lt;/em&gt; kommt der Held als Greis zur Welt und stirbt als S&amp;auml;ugling. Fitzgeralds 89 Jahre alter Text wirkt bei jedem Wiederlesen frischer denn je.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Das Ende der Wachstumsgesellschaft</dc:subject>
    <dc:creator>Christian Zaschke</dc:creator>
    <dc:date>2011-11-24T17:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Allein unter Männern</title>
    <description>&lt;p&gt;Ist es wirklich sinnvoll, f&amp;uuml;r Homosexuelle eigene Altersheime zu errichten?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/38647.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;In manchen europ&amp;auml;ischen Gro&amp;szlig;st&amp;auml;dten entstehen zurzeit Altersheime f&amp;uuml;r Homosexuelle. Wobei allerdings mit Homosexuellen eigentlich nur Schwule gemeint sind &amp;ndash; Lesben, so liest man, w&amp;uuml;rden sich eher selbst organisieren und Alters-WGs gr&amp;uuml;nden. Nat&amp;uuml;rlich ist die Situation von alten Schwulen eine besondere: Sie haben zum Beispiel meist keine Kinder oder Enkel und drohen eher zu vereinsamen, wenn der Freundeskreis wegstirbt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie mussten sich oft ein Leben lang verstecken und verstellen, manche von ihnen erlebten sogar noch mit, wie Homosexuelle in Nazi-Deutschland verfolgt wurden. Und ihre heterosexuelle Peergroup ist wirklich nicht das, was man als besonders aufgeschlossen bezeichnen m&amp;ouml;chte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Und doch ist die Vorstellung einer &amp;raquo;Village&amp;laquo;-Etage nur f&amp;uuml;r Schwule (im ansonsten &amp;raquo;normalen&amp;laquo; Heim, so ein Beispiel in Berlin) oder einer Strictly-Gay-Altersresidenz doch grausig. Die Normalen und die Ausnahmen, sind wir tats&amp;auml;chlich wieder bei dieser Dichotomie angelangt? Ein Kind fragt: Was ist in diesem Haus, und die Antwort beinhaltet die sexuelle Orientierung der Pflegebed&amp;uuml;rftigen? Ist das nicht absurd? Es werden Mauern gebaut zur Trennung von verschiedenen Gruppen einer Bev&amp;ouml;lkerung: Man nennt das Ghettoisierung. Blo&amp;szlig;, und das ist der bemerkenswerte Unterschied, kommt dieses Mal der Impuls von der Minderheit. Die Homosexuellen m&amp;ouml;chten ihren Lebensabend lieber nicht mit den Heteros verbringen. Weil sie Diskriminierung und Ausgrenzung bef&amp;uuml;rchten. Und so diskriminieren sie sich lieber gleich selber. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Durch diese Entwicklung steht unweigerlich die Frage im Raum, wer wohl als N&amp;auml;chstes eigene Altersheime wollen k&amp;ouml;nnte: Ex-DDR-B&amp;uuml;rger? Schwarze? H&amp;auml;ssliche Frauen? Der Diskurs kriegt einen unangenehmen Drall.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Man w&amp;uuml;rde es sich &amp;ndash; f&amp;uuml;r die Gesellschaft, f&amp;uuml;r die Zukunft &amp;ndash; doch anders w&amp;uuml;nschen: dass die Kinder und Enkel der konservativen Bullys ihre Alten mal in die Mangel nehmen und ihnen erkl&amp;auml;ren w&amp;uuml;rden, warum es voll in Ordnung ist, dass der Herr in der Wohnung nebenan so oft Herrenbesuch kriegt. Dass das Pflegepersonal auf Sensibilit&amp;auml;t geschult w&amp;uuml;rde, genauso, wie es jetzt beim Personal in den Solo-Homo-Altersheimen geschieht, dass auch ganz bewusst schwule Pfleger und lesbische Pflegerinnen eingestellt w&amp;uuml;rden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sagen wir es so: Ich finde die Vorstellung, dereinst in einem Altersheim zu landen, in dem nur Heteros leben, &amp;auml;u&amp;szlig;erst traurig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Allein unter Männern</dc:subject>
    <dc:creator>Michèle Roten</dc:creator>
    <dc:date>2011-11-17T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36568">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36568</link>
    <title>Eine Schnapsidee</title>
    <description>&lt;p&gt;Was treibt eigentlich Paare um, die ausgerechnet an Tagen wie dem 11.11.2011 heiraten wollen?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/38492.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;em&gt;An einem Tag wie dem 11.11.2011 zu heiraten ist ungef&amp;auml;hr so exklusiv wie die Teilnahme an einer Massentrauung.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;F&amp;uuml;r einige Leute ist heute mal wieder der sch&amp;ouml;nste Tag im Leben: f&amp;uuml;r Standesbeamte und Vorabend-Fernsehmacher. Die haben seit Jahren an Tagen wie dem 11.11.11 besonders viel zu tun. Die Ersten trauen im Schichtbetrieb, die Zweiten senden launige Geschichten, in denen folgende W&amp;ouml;rter zwingend vorgeschrieben sind: &amp;raquo;Hochzeitsglocken&amp;laquo;, &amp;raquo;Sturm (wahlweise: Run) auf die Standes&amp;auml;mter&amp;laquo; und &amp;raquo;sch&amp;ouml;nster Tag im Leben&amp;laquo;. Warum aber heiraten Leute geradezu zwanghaft zu Terminen, die ihnen solche Repdigits, wie sie mathematisch hei&amp;szlig;en, vorgeben? Und wieso machen sogar die Beh&amp;ouml;rden solchen Bl&amp;ouml;dsinn mit? Der 10.10.10 fiel auf einen Sonntag, trotzdem hatten viele Standes&amp;auml;mter extra ge&amp;ouml;ffnet oder waren zu sogenannten &amp;raquo;Ambiente-Trauungen&amp;laquo; bereit, zu Zeremonien au&amp;szlig;erhalb der freudlosen Bezirksamtmauern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schaut man sich die aktuellen Scheidungsraten an, kommt man zu dem Schluss: Man hat eine solide Fifty-fifty-Chance, dass die Sache klappt. Keine Quote, auf die man Geld setzen w&amp;uuml;rde. Wenn man also schon dem beliebten Aberglauben misstrauen muss, dass ein unterschriebenes St&amp;uuml;ck Papier die Liebe unendlich macht, schaltet man durch das Schnapszahl-Heiraten vielleicht einfach einen Aberglauben-Booster zu, in der Hoffnung, dass solche Zahlenmystik die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns verringert? Noch ist es zu fr&amp;uuml;h, die Schnapszahl-Ehen auf ihre Haltbarkeit zu untersuchen, die aus den letzten zehn Jahren (startend mit dem 1.1.01) sind in der Experimentalphase. Aber man kann davon ausgehen, dass die Idee &amp;auml;hnlich erfolgreich ist wie lebenslanges Lottospielen mit den eigenen Geburtsdaten und der Hausnummer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dass man mit der Hochzeit an so einem Tag seine Ehe zu etwas Besonderem macht, ist ebenfalls ein Trugschluss: Der Schnapszahl-Andrang macht jede Feier so exklusiv wie die Teilnahme an einer koreanischen Massentrauung. Bleibt sie wenigstens im Ged&amp;auml;chtnis, zieht das alte Argument mit dem unvergesslichen Hochzeitstag? Vermutlich &amp;ndash; aber wer von vornherein eine solche Erinnerungskr&amp;uuml;cke einplanen muss, der kann&amp;rsquo;s auch gleich lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nat&amp;uuml;rlich geh&amp;ouml;rt die Schnapszahl auch nur in den gro&amp;szlig;en Fundus der pseudooriginellen Hochzeiten, die in Windeseile zum Klischee verkommen sind: heiraten in Las Vegas oder mit nackten F&amp;uuml;&amp;szlig;en an einem exotischen Strand, in einem Hei&amp;szlig;luftballon oder unter Wasser &amp;ndash; r&amp;uuml;hrende Beschw&amp;ouml;rungsrituale im Kampf um die tragisch unverl&amp;auml;sslichen Gef&amp;uuml;hle. Wer trotzdem auf die g&amp;ouml;ttliche Datumsmystik setzen will, muss sich ranhalten. N&amp;auml;chstes Jahr geht es noch mal am 12.12., danach ist f&amp;uuml;r die n&amp;auml;chsten 88 Jahre Schluss mit dem Spuk.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Eine Schnapsidee</dc:subject>
    <dc:creator>Meike Winnemuth</dc:creator>
    <dc:date>2011-11-10T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36525">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36525</link>
    <title>Die armen Verwandten</title>
    <description>&lt;p&gt;Laufend st&amp;ouml;bert der Boulevard gescheiterte Halbgeschwister von reichen Prominenten auf. Warum?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/38431.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Im Bild: Madonna: kaltherziger Star oder vorschnell verurteilt?&lt;/em&gt;)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt also Madonna. &amp;raquo;Ihr &amp;auml;lterer Bruder schl&amp;auml;ft unter der Br&amp;uuml;cke&amp;laquo;, meldeten die Boulevard-Portale vor einigen Tagen; &amp;raquo;w&amp;auml;hrend die Multimillion&amp;auml;rin im Luxus schwelgt&amp;laquo;, schlage sich der 55-j&amp;auml;hrige Anthony Ciccone als Obdachloser in Michigan durch. So aufgeregt diese Nachricht auch pr&amp;auml;sentiert wurde: Madonna ist nur ein weiterer Fall in der langen Reihe von Stars, die einen Angeh&amp;ouml;rigen offenbar unger&amp;uuml;hrt in den Ruin treiben lassen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Allein in der j&amp;uuml;ngsten Vergangenheit tauchten ganz &amp;auml;hnliche Meldungen &amp;uuml;ber Elton Johns Bruder Geoff Dwight, David Beckhams &amp;auml;ltere Schwester oder Rod Stewarts Schwiegermutter auf. Der klassische deutsche Fall hei&amp;szlig;t Lothar, Halbbruder von Gerhard Schr&amp;ouml;der.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Enth&amp;uuml;llungen folgen immer dem gleichen Erz&amp;auml;hlmuster: Nie  darf die genaue Taxierung des Starverm&amp;ouml;gens fehlen (Madonna 400 Millionen, Elton John 200 Millionen, Beckham mehr als 150 Millionen Euro); auf der anderen Seite werden die mageren Sozialhilfes&amp;auml;tze berechnet. Ist das Showgesch&amp;auml;ft wirklich &amp;uuml;berf&amp;uuml;llt von skrupellosen Prominenten? Auff&amp;auml;llig ist, dass die Meldungen den Skandal im Kleingedruckten allesamt relativieren. Die Geschwister entpuppen sich als Halbbr&amp;uuml;der, die seit Jahrzehnten keinen Kontakt zueinander haben (Elton John), hinter der heutigen Distanz steht eine lange Geschichte der Hilfsbereitschaft (David Beckham), oder, wie es im Zusammenhang mit Madonnas Bruder hei&amp;szlig;t: &amp;raquo;Die Story ist nicht wirklich neu.&amp;laquo; Die Berichte haben also in den seltensten F&amp;auml;llen ein Fundament in der Wirklichkeit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/38322.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das deutsche &amp;Auml;quivalent: Lothar, der Halbbruder von Gerhard Schr&amp;ouml;der.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Worin besteht aber das Vergn&amp;uuml;gen, im engsten Umfeld des Prominenten die Schattenseiten seines Erfolgs zu lokalisieren? Wenn man bedenkt, dass sich in der Wahrnehmung der Stars Bewunderung und Neid, Faszination und Abscheu unaufh&amp;ouml;rlich vermischen, dann bietet die Verwahrlosung ihrer eigenen Angeh&amp;ouml;rigen den idealen Schauplatz, um den H&amp;ouml;henflug ein wenig zu stutzen. Reichtum und Erfolg, so die eigentliche Aussage,  sind nur durch ein Opfer in n&amp;auml;chster N&amp;auml;he zu erkaufen; wie durch ein physikalisches Gesetz muss das &amp;uuml;berm&amp;auml;&amp;szlig;ige Gl&amp;uuml;ck des einen Familienmitglieds durch das &amp;uuml;berm&amp;auml;&amp;szlig;ige Ungl&amp;uuml;ck eines anderen ausgeglichen werden. In Gestalt des verarmten Verwandten n&amp;auml;hert sich der Star also f&amp;uuml;r einen Augenblick wieder der Lebenswelt des Publikums an. Denn wenn man seine Familie als Ganzes betrachtet, pendelt sich sein Schicksal im Bereich von Normalnull ein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Genau in dieser Rechnung besteht die Funktion der Skandalberichte. Inwieweit sie den wahren Gegebenheiten in den Familien Ciccone, Beckham oder Dwight entsprechen, das spielt keine Rolle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die armen Verwandten</dc:subject>
    <dc:creator>Andreas Bernard</dc:creator>
    <dc:date>2011-11-03T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36461">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36461</link>
    <title>Der Sparwitz</title>
    <description>&lt;p&gt;Wie kann es sein, dass die Welt Schulden anh&amp;auml;uft wie noch nie und trotzdem jedes Jahr den Weltspartag begeht?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/38193.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Der heutige Freitag ist Weltpolio- und Weltspartag. Am Weltpoliotag lernte jedes Kind: Schluckimpfung ist s&amp;uuml;&amp;szlig;, Kinderl&amp;auml;hmung ist bitter. Am Weltspartag, der aus einer Zeit stammt, in der das wichtigste &amp;raquo;Finanzprodukt&amp;laquo; die Spardose war, gab es in den Banken Luftballons oder billiges Spielzeug, das nach genau einmal Spielen die Metamorphose zu Plastikschrott vollst&amp;auml;ndig abgeschlossen hatte. Am Weltspartag kamen die Kinder in die Bank, um ihre Spardosen an graue, aber geheimnisvolle Bankmenschen zu &amp;uuml;bergeben, damit diese den Inhalt in eine kleine, aber faszinierende Geldz&amp;auml;hlmaschine kippten. Die Maschine sprach: 14,90 Mark, 21,34 Mark, 28,12 Mark. Das Verm&amp;ouml;gen wuchs.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die meisten L&amp;auml;nder begehen (feiern w&amp;auml;re gerade zu viel gesagt) den Weltspartag am 31. Oktober. In Deutschland, wo der 31. Oktober in manchen Bundesl&amp;auml;ndern bereits vom Reformationstag belegt wird, muss der Weltspartag auf den letzten Arbeitstag vor dem 31.10. ausweichen. Was ihn in diesem Jahr in eine ungewollte Gemeinschaft mit dem Weltpoliotag zwingt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Diese Konstellation ist insofern interessant, als es bei beiden Anl&amp;auml;ssen, erstens, um Vorsorge geht und, zweitens, beide Tage im Grunde &amp;uuml;berfl&amp;uuml;ssig sind. Sowohl die Poliomyelitis als auch das Sparen gelten als weitgehend ausgerottet. In Teilen Afrikas kommt es noch immer vereinzelt zu Ausbr&amp;uuml;chen von Polio. Dass aber der Weltspartag noch immer existiert, wei&amp;szlig; vermutlich nicht einmal der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Weltspartag ist 1924 eingef&amp;uuml;hrt worden, um die Menschen nach einer gro&amp;szlig;en Inflation dazu zu bewegen, ihr Geld nicht sofort wieder auszugeben. Er sollte Vertrauen in die jeweilige W&amp;auml;hrung herstellen. Einerseits ist er heute blo&amp;szlig;e Erinnerung an Sparschweine und an Spardosen, die als Kleinzylinder in bunten Farben daherkamen. Andererseits ist er Grundlage vieler gro&amp;szlig;er Erz&amp;auml;hlungen: Denn wer den Weltspartag ernst nahm (und in den gro&amp;szlig;en Ferien ein wenig malochte), war mit 18 so reich, dass er sich einen gebrauchten VW K&amp;auml;fer kaufte, mit dem er bis zum Atlantik durchstie&amp;szlig;. Oder bis ans Mittelmeer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ob die Banken heute nun gut oder b&amp;ouml;se sind, wer wei&amp;szlig; das schon? Was jedoch den Bankmenschen schon damals etwas unheimlich machte, wirkt heute wie ein Fingerzeig: Jedes Kind h&amp;uuml;tete seine Spardose, niemand konnte sie &amp;ouml;ffnen, nicht einmal die Eltern. Der Bankmensch aber hatte eine Macht, die &amp;uuml;ber das Sparen, mithin &amp;uuml;ber das Private hinausging: Am Weltspartag nahm er die Dosen entgegen, und er &amp;ouml;ffnete jede einzelne mit seinem, dem immer gleichen Schl&amp;uuml;ssel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Der Sparwitz</dc:subject>
    <dc:creator>Christian Zaschke</dc:creator>
    <dc:date>2011-10-27T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36425">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36425</link>
    <title>Angebot abgelehnt</title>
    <description>&lt;p&gt;Warum regen sich die Menschen jedes Jahr wieder auf, wenn es Anfang Herbst die ersten Lebkuchen und Nikol&amp;auml;use zu kaufen gibt?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/38032.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Seit ein paar Wochen ist wieder Weihnachten im Supermarkt. Man kennt das ja, erst liegt nur der Lebkuchen im Korb vor der Kasse, dann kommen die Gl&amp;uuml;hweinsets,  die Schokoladennikol&amp;auml;use und die Schokoladenweihnachtsm&amp;auml;nner und die Adventskalender und die Zimtsterne und Vanillekipferl und bald wird auch dekoriert, Kunstschnee und Lametta, dazu &lt;em&gt;Jingle Bells&lt;/em&gt; rauf und runter. Und wie jedes Jahr rufen die Leute: SO FR&amp;Uuml;H SCHON?! Und regen sich auf. Schimpfen &amp;uuml;ber den Kommerz, erz&amp;auml;hlen an der Supermarktkasse ungefragt &amp;uuml;ber die Weihnachten ihrer Kindheit, und wie die Mutter aus NICHTS &amp;ndash; man hatte ja NICHTS damals! &amp;ndash; die leckersten Pl&amp;auml;tzchen gebacken hat und DAS war noch Weihnachten, nicht Kekse aus dem Supermarkt im September schon!, und der Klerus sorgt sich, dass der Konsum vom Innehalten abh&amp;auml;lt; irgendwie regen sich einfach alle auf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich verstehe nicht, wie man sich jedes Jahr von Neuem aufregen kann. Ich verstehe auch nicht, wie man als aufgekl&amp;auml;rter B&amp;uuml;rger nicht verstehen kann, warum der Einzelhandel schon im Oktober an Weihnachten verdienen will. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Ich bin einfach noch nicht in Stimmung!&amp;laquo;, geben die meisten Leute als Grund an. Aber das ist ja kein Problem! Man muss ja nicht mitmachen. Wir reden hier von Einkaufsl&amp;auml;den. Das ist nicht dasselbe, wie wenn man abends von der Arbeit kommt und irgendjemand hat einen Christbaum ins Wohnzimmer gestellt. Nein, es sind L&amp;auml;den, Orte, die man frequentiert, gezwungenerma&amp;szlig;en, man geht rein, aber auch wieder raus. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ich freue mich eigentlich jedes Jahr auf die Schokonikol&amp;auml;use und Schokoweihnachtsm&amp;auml;nner. Schokolade schmeckt ja nie besser, als wenn sie in Formen gegossen wurde. Und geschleudert, die Technik hei&amp;szlig;t Schleudergussverfahren. D&amp;uuml;nne Schokolade schmilzt schneller im Mund, und das sorgt f&amp;uuml;r eine optimale Geschmacksentfaltung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Au&amp;szlig;erdem ist das Mundgef&amp;uuml;hl irgendwie sch&amp;ouml;ner, wenn das St&amp;uuml;ck eine individuelle Form hat und nicht einfach viereckig ist. Die Zeit zwischen Schokoosterhasen und Schokonikol&amp;auml;usen ist f&amp;uuml;r mich also eher zu lang, da k&amp;ouml;nnten gern noch ein paar christliche Schleudergussfeiertage dazwischen liegen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Und au&amp;szlig;erdem: Jedes Mal, wenn ich dachte, jetzt ist es aber wirklich viel zu fr&amp;uuml;h, um einen Schokoadventskalender zu kaufen, und es sein lie&amp;szlig;, war nur einen Tag sp&amp;auml;ter schon Mitte Dezember und es gab keine Kalender mehr. Wahrscheinlich ist es vor allem das, was uns so st&amp;ouml;rt daran, dass der Einzelhandel schon so fr&amp;uuml;h auf Weihnachten macht: Wir merken daran einfach, wie schnell die Zeit vergeht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Angebot abgelehnt</dc:subject>
    <dc:creator>Michèle Roten</dc:creator>
    <dc:date>2011-10-20T16:31:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36396">
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    <title>Ein Nähe-Distanz-Problem</title>
    <description>&lt;p&gt;Was treibt Frauen dazu, in aller &amp;Ouml;ffentlichkeit ihren M&amp;auml;nnern Pickel auszudr&amp;uuml;cken?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/37929.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;br /&gt;Egal ob entlausen oder Pickel quetschen: Es geht um das Erfolgserlebnis.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;Das Leben ist wieder sch&amp;ouml;n, denn der verdammte Sommer ist vorbei. Und damit einer der gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten Schrecken der Neuzeit: Frauen, die ihren M&amp;auml;nnern in aller &amp;Ouml;ffentlichkeit und in aller Seelenruhe die Pickel ausdr&amp;uuml;cken. Erst am R&amp;uuml;cken, dann auf der Brust, dann am Hals, dann am Kinn, dann in der Ohrmuschel. Vielleicht habe ich in diesem Jahr einfach zu viel an Str&amp;auml;nden gelegen, aber meine privaten empirischen Forschungen ergeben: Diese Unsitte nimmt zu, weltweit. Nur: warum? Und: warum so &amp;ouml;ffentlich?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mag sein, dass Str&amp;auml;nde und Schwimmb&amp;auml;der als intime, halb &amp;ouml;ffentliche R&amp;auml;ume empfunden werden, in der die Hemmschwellen tiefergelegt sind. Man liegt halb nackt nebeneinander auf einem Laken, es ist quasi wie zu Hause &amp;ndash; also benimmt man sich auch wie zu Hause. Doch warum quetschen Frauen weit jenseits der Pubert&amp;auml;t so gern die Mitesser ihrer M&amp;auml;nner aus? In einem Onlineforum schrieb eine: &amp;raquo;Ich finde Pickel- und Mitesserausdr&amp;uuml;cken total klasse! Das ist immer so ein Erfolgserlebnis, wenn da was rauskommt.&amp;laquo; Doch warum lassen sich das die M&amp;auml;nner gefallen? Ist es nicht enteiernd genug f&amp;uuml;r sie, die Handtaschen ihrer Frauen zu tragen oder zum Pilates mitzugehen? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der Fairness halber muss man zugeben: Die Welt teilt sich in Pickelquetscher und solche, die das uns&amp;auml;glich finden. Erstere sehen es als intimen Vertrauensbeweis, als liebevolle Zuwendung, vergleichbar mit dem gegenseitigen Lausen aus gl&amp;uuml;cklichen Steinzeittagen, die anderen als unertr&amp;auml;gliche Grenz&amp;uuml;berschreitung, als eine Szene live aus einem Charlotte-Roche-Roman. Der Freiburger Soziologe Matthias Riedel hat das Pickelausdr&amp;uuml;cken sogar in seine 2008 ver&amp;ouml;ffentlichte Studie &amp;uuml;ber &lt;em&gt;Alltagsber&amp;uuml;hrungen in Paarbeziehungen&lt;/em&gt; aufgenommen, als eine von 15 nichtsexuellen Kommunikationsformen neben Streicheln, Kraulen, Kitzeln, Massieren, F&amp;uuml;&amp;szlig;eln und H&amp;auml;ndchenhalten. Das verbl&amp;uuml;ffende Ergebnis der Befragung: Nicht nur Frauen dr&amp;uuml;cken beim Partner zu. 15,5 Prozent der Frauen bekannten sich dazu, 14,3 Prozent der M&amp;auml;nner. Und es ist offensichtlich eine Generationenfrage. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bei den unter 29-J&amp;auml;hrigen sind es 23 Prozent, bei den 40- bis 49-J&amp;auml;hrigen immerhin noch 16 Prozent &amp;ndash; und dann setzt j&amp;auml;h der Ekel ein: Bei den &amp;uuml;ber 50-J&amp;auml;hrigen quetschen nur noch sechs Prozent die Pickel des Partners aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Vielleicht ist das ein Anblick, an den man sich in einer immer distanzloseren Welt gew&amp;ouml;hnen muss, ebenso wie an Menschen, die im Auto an der roten Ampel in der Nase popeln oder in der U-Bahn ihre N&amp;auml;gel schneiden. Das Leben wird von Tag zu Tag ein bisschen &amp;ouml;ffentlicher. Und, seien wir ehrlich, nicht nur sch&amp;ouml;ner.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Ein Nähe-Distanz-Problem</dc:subject>
    <dc:creator>Meike Winnemuth</dc:creator>
    <dc:date>2011-10-13T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36376">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36376</link>
    <title>Die Exekution eines Rituals</title>
    <description>&lt;p&gt;Todeskandidaten in Texas erhalten k&amp;uuml;nftig keine Henkersmahlzeit mehr. Was hat das zu bedeuten?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/37725.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Das letzte Mahl k&amp;ouml;nnte ein Festmahl sein &amp;ndash; meist allerdings sieht es eher so aus.&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Vor einigen Tagen wurde gemeldet,  dass der Staat Texas, der die meisten Hinrichtungen in den USA durchf&amp;uuml;hrt, die Henkersmahlzeit abgeschafft hat. Ein Vertreter der Justizbeh&amp;ouml;rde nannte diese Einrichtung &amp;raquo;ein extrem unangemessenes Privileg&amp;laquo;; die Delinquenten w&amp;uuml;rden von nun an in den Stunden vor ihrem Tod genau das Gleiche zu essen bekommen wie alle anderen Gefangenen. Zur Illustration seiner Emp&amp;ouml;rung verlas er die Bestellung des letzten Todeskandidaten in Huntsville: ein Pfund Grillfleisch, mehrere Steaks und Cheeseburger, Pizza, K&amp;auml;seomelett, Gem&amp;uuml;se mit Ketchup, Wei&amp;szlig;brot und zum Nachtisch einen halben Liter Eiscreme. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Diese Meldung erstaunt, und das keineswegs wegen ihrer Inhumanit&amp;auml;t oder juristischen H&amp;auml;rte. Denn das Ritual der Henkersmahlzeit ist noch nie eine letzte Regung der Menschlichkeit gewesen, eine Ma&amp;szlig;nahme, die dem Todgeweihten f&amp;uuml;r ein paar Stunden seine W&amp;uuml;rde und Selbstbestimmung zur&amp;uuml;ckgeben soll. Eher das genaue Gegenteil. Die Ma&amp;szlig;losigkeit und individuelle Zusammenstellung der Mahlzeiten spricht allen Aufgaben des Gef&amp;auml;ngnisses hohn, seinen Prinzipien der Disziplin und Nivellierung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es besteht kein Zweifel, dass die Institution den H&amp;auml;ftling an der Schwelle zum Tod bereits aufgegeben hat; die Henkersmahlzeit richtet sich nicht mehr an den lebendigen Menschen. Aber an wen dann? Wer profitiert von ihr? Hans von Hentigs Buch &amp;uuml;ber das jahrtausendealte Ritual der Henkersmahlzeit beantwortet diese Frage schon in den ersten Zeilen: &amp;raquo;Unverbr&amp;uuml;chlich halten die V&amp;ouml;lker an einer Ma&amp;szlig;nahme fest, die kein Gesetz vorschreibt, als ob sie ihnen mehr n&amp;uuml;tze als dem Delinquenten.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Henkersmahlzeit war zu keiner Zeit ein Akt des Mitleids, kein &amp;raquo;Privileg&amp;laquo;, sondern eine Art Bes&amp;auml;nftigungsritual. Wie die umsorgten Menschenopfer in archaischen Gesellschaften soll der Todeskandidat vor der Exekution vers&amp;ouml;hnlich gestimmt werden, damit er nicht als Rachegeist wiederkehre. Wenn der texanische Senator nun die Henkersmahlzeit streicht, verletzt er genau diese alte Logik der Exekution. Die Ma&amp;szlig;nahme l&amp;auml;sst zwei &amp;Uuml;berlegungen zu: Zum einen zeigt sie die Selbstgewissheit eines Staates, der sich seiner Sache derart sicher ist, dass er die Hinrichtungen nicht mehr durch einen milden &amp;Uuml;bergang einleiten muss. Auf eine verborgene, den Verantwortlichen noch nicht bewusste Weise aber k&amp;ouml;nnte die Verf&amp;uuml;gung auch etwas anderes bedeuten, und zwar einen Schritt zur Wiederabschaffung der Todesstrafe in den USA. Denn wenn man derart sorglos mit dem erprobten Rahmen einer rituellen Handlung umgeht, wird man vielleicht auch den Ritus selbst infrage stellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die Exekution eines Rituals</dc:subject>
    <dc:creator>Andreas Bernard</dc:creator>
    <dc:date>2011-10-06T17:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Hört das nie auf?</title>
    <description>&lt;p&gt;Seit mindestens f&amp;uuml;nf Jahren tragen junge Menschen nun gro&amp;szlig;e Kopfh&amp;ouml;rer. Trotzdem hei&amp;szlig;t es immer wieder, das sei ein neuer Trend.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/37601.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Erstaunlich viele Menschen haben in den vergangenen Wochen darum gebeten, doch bitte einmal Unverst&amp;auml;ndnis &amp;uuml;ber die sehr gro&amp;szlig;en Kopfh&amp;ouml;rer zu &amp;auml;u&amp;szlig;ern, die man &amp;raquo;pl&amp;ouml;tzlich&amp;laquo; &amp;uuml;berall sehe. Vielleicht ger&amp;auml;t das Thema gerade ins &amp;ouml;ffentliche Bewusstsein, weil sich seit geraumer Zeit auch viele Fu&amp;szlig;baller mit den gro&amp;szlig;en Kopfh&amp;ouml;rern zeigen. Oder weil auch die Zeitungen das Ph&amp;auml;nomen als vermeintlich neu entdeckt haben. Erst im September stellte der Berliner &lt;em&gt;Tagesspiegel&lt;/em&gt; fest: &amp;raquo;Der volumin&amp;ouml;se Monster-Kopfh&amp;ouml;rer ist das angesagte Accessoire dieser Saison.&amp;laquo; Immerhin bereits im M&amp;auml;rz war der FAS aufgefallen, dass Menschen im Berliner Stadtteil Sch&amp;ouml;neberg &amp;raquo;sorgf&amp;auml;ltig ausgew&amp;auml;hlte Secondhand-Klamotten&amp;laquo; tragen und sich &amp;raquo;gro&amp;szlig;e Kopfh&amp;ouml;rer auf ihre Indiefrisuren&amp;laquo; setzen. Und im englischen &lt;em&gt;Guardian&lt;/em&gt; hat ein Kolumnist im April emp&amp;ouml;rt gefragt, warum jetzt eigentlich jeder diese gro&amp;szlig;en Kopfh&amp;ouml;rer trage. Die seien doch so h&amp;auml;sslich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das Spannende an dem Thema ist weniger, dass gro&amp;szlig;e Kopfh&amp;ouml;rer in der &amp;Ouml;ffentlichkeit tats&amp;auml;chlich ein bisschen d&amp;auml;mlich aussehen. Faszinierend ist vielmehr, wie dieses uralte Thema jetzt erst in den Mainstream sickert. Bereits 2006 stellte eine gewisse &amp;raquo;Kirsten&amp;laquo; der Weltgemeinde im Internet die Frage, ob man mit diesen gro&amp;szlig;en Kopfh&amp;ouml;rern nicht wie ein Depp aussehe. &amp;raquo;Anabelle&amp;laquo; antwortete: &amp;raquo;Ich glaube, du wirst cool aussehen, und alle werden neidisch sein auf deine gro&amp;szlig;en Kopfh&amp;ouml;rer.&amp;laquo; Es erscheint durchaus m&amp;ouml;glich, dass dereinst Kulturwissenschaftler diesen kleinen Dialog aus dem Netz ausfindig und verantwortlich machen werden f&amp;uuml;r das Folgende: die Gro&amp;szlig;e-Kopfh&amp;ouml;rer-Debatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Diese hatte das Internet bald erfasst, es wurde diskutiert, erstens, warum nun alle diese gro&amp;szlig;en Kopfh&amp;ouml;rer in der &amp;Ouml;ffentlichkeit tragen (was sie taten), und, zweitens, ob das &amp;auml;sthetisch okay sei. Seit mindestens f&amp;uuml;nf Jahren geistert das Thema durchs Netz, und seit zwei Jahren ist es ausdiskutiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dass die gro&amp;szlig;en Kopfh&amp;ouml;rer von manchen Medien (und ihren Lesern) erst in diesem Jahr entdeckt werden, ist ein bisschen verwirrend. Vielleicht illustriert das Thema auf f&amp;uuml;r Printredakteure schmerzliche Weise, dass Trends, die von Fu&amp;szlig;ballern und traditionellen Medien aufgegriffen werden, entweder uralt oder bereits &amp;uuml;berholt sind. Das wiederum k&amp;ouml;nnte bedeuten, dass das angesagte Accessoire dieser Saison in Wahrheit der wirklich kleine, der supers&amp;uuml;&amp;szlig;e Mini-Kopfh&amp;ouml;rer ist. Es l&amp;auml;ge allerdings in vielerlei Hinsicht in der Natur der Sache, dass das bisher noch niemandem aufgefallen ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Hört das nie auf?</dc:subject>
    <dc:creator>Christian Zaschke</dc:creator>
    <dc:date>2011-09-29T17:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Der Tomatensaft unter den Fischen</title>
    <description>&lt;p&gt;Kein Mensch isst heute mehr Lachs. Warum findet er sich trotzdem in jedem Hotel auf dem Fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;cksbuffet?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/37422.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Seltsamerweise erzeugt dieser Anblick heute nur noch bei Hotelg&amp;auml;sten Pawlow'sche Reflexe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;Es gab eine Zeit, da war ger&amp;auml;ucherter Lachs etwas ganz Feines. Etwas Besonderes, das es zu besonderen Gelegenheiten gab. Zum Beispiel als H&amp;auml;ppchen, auf einem Toastschnittchen, mit einem Klecks Meerrettich, mit Kapern und einem St&amp;uuml;ckchen Zitrone garniert, vor dem Weihnachtsessen in der Familie. Oder zum &amp;Uuml;berraschungs-Champagnerfr&amp;uuml;hst&amp;uuml;ck. In den sp&amp;auml;ten Achtzigern, fr&amp;uuml;hen Neunzigern hatte Lachs noch diesen Oha!-Effekt. Genau wie dreieckige Fenster. Jetzt nicht mehr. Heute denkt niemand, der sich ein Haus baut, ein dreieckiges Fenster komme total frech im Bad, und es kauft sich auch niemand mehr ger&amp;auml;ucherten Lachs. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Aber in Hotels, da gibt es Lachs. T&amp;auml;glich auf dem Fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;cksbuffet. Ob Ein- oder F&amp;uuml;nf-Sterne-Hotel: Auf dem Fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;cksbuffet liegt Lachs. Neben K&amp;auml;sescheiben, deren R&amp;auml;nder sich langsam rollen, und Fruchtsalat, in dem nur die br&amp;auml;unlichen Apfelst&amp;uuml;ckchen nicht aus der Dose kommen: Tranchen von ger&amp;auml;uchertem Lachs. Und die Hotelg&amp;auml;ste schaufeln diesen Lachs auf ihre Teller und dann in sich rein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ger&amp;auml;ucherter Lachs geh&amp;ouml;rt in die wunderliche Reihe von Lebensmitteln, die nur genossen werden, wenn sie irgendwo inbegriffen sind &amp;ndash; wie der Tomatensaft im Flugzeug oder die Erdn&amp;uuml;sse in der Bar. Das Tomatensaft-Ph&amp;auml;nomen ist inzwischen zumindest so halb erkl&amp;auml;rt: Durch den niedrigen Luftdruck ver&amp;auml;ndert sich die Geschmacksempfindung, und so schmeckt Tomatensaft im Flieger pl&amp;ouml;tzlich fruchtig-s&amp;uuml;&amp;szlig;, w&amp;auml;hrend er auf dem Boden oft als &amp;raquo;muffig&amp;laquo; beschrieben wird. Offen bleibt, warum man sich &amp;uuml;berhaupt Tomatensaft im Flugzeug bestellt, wenn man Tomatensaft am Boden doch nicht mag. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Erdn&amp;uuml;sse wiederum werden einfach gegessen, weil sie rumstehen, und rumstehen tun sie, weil sie billig sind und salzig, und salzig hei&amp;szlig;t, die G&amp;auml;ste trinken mehr. Ansonsten gibt es wirklich keinen Grund f&amp;uuml;r Erdn&amp;uuml;sse. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Aber im Fall Lachs sieht es anders aus: Der kann n&amp;auml;mlich richtig gut schmecken &amp;ndash; wenn es denn Pazifischer Wildlachs ist: rotes, festes, kaum marmoriertes Fleisch. Aber das, was auf den Hotelfr&amp;uuml;hst&amp;uuml;cksbuffets liegt, ist Zuchtlachs, billiger, gelblicher Fisch mit dicken Fetteinlagerungen. Er schmeckt so traurig, wie sein Leben war: Auf kleinstem Raum innerhalb weniger Monate schlachtreif gem&amp;auml;stet, mit Medikamenten vollgepumpt, damit er nicht schon bei lebendigem Leibe zu faulen beginnt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus reiner Gratisgier also wird am Hotelbuffet schlechter Lachs gegessen &amp;ndash; und wahrscheinlich sind diese Erfahrungen auch der Grund daf&amp;uuml;r, weshalb sich ansonsten niemand mehr welchen kauft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Der Tomatensaft unter den Fischen</dc:subject>
    <dc:creator>Michèle Roten</dc:creator>
    <dc:date>2011-09-22T17:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Die Sache stinkt zum Himmel</title>
    <description>&lt;p&gt;Welcher Mann braucht eigentlich diese 72-Stunden-Deos, die neuerdings angeboten werden?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/37145.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Pech f&amp;uuml;r die Marketingleute, ausgerechnet dieses Jahr f&amp;uuml;r den Launch einer revolution&amp;auml;ren Neuentwicklung in der Herrenkosmetik ausgew&amp;auml;hlt zu haben: das 72-Stunden-Deo. Wer h&amp;auml;tte auch ahnen k&amp;ouml;nnen, dass im Sommer 2011 72-Stunden-Wollhandschuhe erfolgreicher gewesen w&amp;auml;ren? Und doch: Die Zeit war reif, das 48-Stunden-Deo Schnee von vorgestern (auch wenn die Firma es derzeit geschmackssicher noch mit einer Kampagne gegen &amp;raquo;vorzeitigen Schwei&amp;szlig;erguss&amp;laquo; anpreist), das 72- und inzwischen sogar das 96-Stunden-Deo waren marktreif und bereits von mehreren Herstellern ins Rennen geschickt. Fast alle nennen sich grimmig &lt;br /&gt; &amp;raquo;Xtreme&amp;laquo; oder &amp;raquo;Stress Resist&amp;laquo;, der Roll-on von Garnier sieht aus wie eine Handgranate &amp;ndash; keine Frage, hier ist eine neue Eskalationsstufe im Krieg gegen den Schwei&amp;szlig; erreicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nat&amp;uuml;rlich ergeben sich daraus einige Fragen. Die erste: Ernsthaft? Ein 72-Stunden-Deo? Die zweite: F&amp;uuml;r wen blo&amp;szlig;? Selbst wenn man mit einiger Sicherheit davon ausgehen kann, dass eine gewisse Zahl von M&amp;auml;nnern die Vorstellung attraktiv findet, sich drei Tage nicht zu waschen &amp;ndash; sind das nicht haargenau dieselben M&amp;auml;nner, die ein Deo ohnehin f&amp;uuml;r &amp;uuml;berfl&amp;uuml;ssig halten? Laut Umfrage benutzen 31 Prozent der M&amp;auml;nner nie eins &amp;ndash; aber wer wei&amp;szlig;, vielleicht haben sie ja nur auf eines gewartet, das es wirklich bringt. M&amp;ouml;glicherweise haben wir es hier mit einer besonders fortschrittlichen K&amp;auml;uferschaft zu tun, die Wasser und Seife schon immer als steinzeitlich verachtet und nur auf die Erfindung der chemischen Reinigung gewartet hat, als die sich die neuen Power-Deos dank Silbermolek&amp;uuml;len und einer Breitband-Desinfektionsbatterie pr&amp;auml;sentieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Den Hang zur grotesken Aufr&amp;uuml;stung gibt es nat&amp;uuml;rlich auch in anderen Bereichen der M&amp;auml;nnerkosmetik. 5-Klingen-Rasierer sind l&amp;auml;ngst Standard, die ersten 6-Klinger dr&amp;auml;ngen auf den Markt, das Prinzip &amp;Uuml;bertrumpfen &amp;ndash; &amp;raquo;Immer zweimal mehr wie du&amp;laquo; &amp;ndash; hat sich von der Stra&amp;szlig;e in den Badezimmerschrank verlagert. Das Hochleistungs-Deo ist vielleicht nur der Glaube daran, dass st&amp;auml;rker besser ist &amp;ndash; mehr PS in der Spr&amp;uuml;hdose, auch wenn man sie so wenig braucht wie einen 2,8-Tonner mit Bullenf&amp;auml;nger auf dem Inneren Ring. Da sitzt man dann im Stau und tr&amp;auml;umt von einem Leben fern jeder Dusche: in der Westwand des K2, auf Walfang vor den F&amp;auml;r&amp;ouml;ern oder bei der Rallye Paris&amp;ndash;Dakar. Kann ja passieren, besser, man ist ger&amp;uuml;stet. Der n&amp;auml;chste logische Schritt ist die 5-Tage-Unterhose, damit man nicht oben wie ein Veilchen und unten wie ein Iltis riecht. Die Zone dazwischen? Pah. Dreck br&amp;ouml;ckelt nach f&amp;uuml;nf Tagen von allein, und wenn nicht, kratzt man ihn mit dem brandneuen Xtreme-120-Stunden-Spatel ab.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die Sache stinkt zum Himmel</dc:subject>
    <dc:creator>Meike Winnemuth</dc:creator>
    <dc:date>2011-09-15T17:00:00+01:00</dc:date>
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