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    <title>sz-magazin.de - Essen &amp; Trinken</title>
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    <description>Alle Texte zu dem Label Essen &amp; Trinken auf sz-magazin.de</description>
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    <title>Weil es eben nicht Wurst ist</title>
    <description>&lt;p&gt;Vor einem Jahr brachte ein schweres Erdbeben ganz Norditalien ins  Wanken. Was die Menschen in der Emilia-Romagna besonders best&amp;uuml;rzte: Der  gute Parmesan fiel aus den Regalen. Wie ihre H&amp;auml;user heute aussehen, ist  ihnen eher egal - das Wichtigste haben sie erledigt: Die K&amp;auml;seregale sind  jetzt erdbebensicher.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/60443.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Schnittk&amp;auml;se. Schmelzk&amp;auml;se. Scheibletten &amp;ndash; beinahe w&amp;auml;re es das Ende des Parmesans gewesen. Zerbrochen, exportiert, eingeschmolzen &amp;ndash; Endstation Toast Hawaii.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Jahr ist das gro&amp;szlig;e Beben in der Emilia-Romagna nun her, das erste seit einem halben Jahrtausend. Als am 20. und 29. Mai zwischen Parma und Modena die Erde wackelte, wurden nicht nur Tausende obdachlos und viele historische Geb&amp;auml;ude besch&amp;auml;digt, sondern auch das Herz der Parmesan-Industrie getroffen. In den K&amp;auml;sereien lagern teilweise zwanzig K&amp;auml;selaibe &amp;uuml;bereinander in bis zu zw&amp;ouml;lf Meter hohen Regalen. W&amp;auml;hrend der Beben kippten sie reihenweise um, der K&amp;auml;se zerbrach. Zwar waren nur 34 von 380 K&amp;auml;sereien betroffen, doch von insgesamt drei Millionen gelagerten Laiben gingen 600 000 zu Bruch. In manchen K&amp;auml;sereien konnte vier Monate lang nicht gearbeitet werden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Parmesan ist fast so teuer wie Parmaschinken. In einem 40-Kilo-Laib stecken 600 Liter Milch. 15 Euro kostet ein Kilo, 450 Euro ein Laib, &amp;uuml;ber 300 000 Euro eine Lastwagenladung mit 700 Laiben. Die Lkws sind nicht beschriftet und lassen sich als Vorsichtsma&amp;szlig;nahme gegen bewaffnete &amp;Uuml;berf&amp;auml;lle per Fernbedienung stoppen, dennoch werden immer wieder ganze Lastwagen ausgeraubt. Der K&amp;auml;se-Diebstahl funktioniert auf Vorbestellung und ist gut organisiert. Die Lager werden deshalb video&amp;uuml;berwacht, einige K&amp;auml;ser wohnen nahe der Lagerhalle, in vielen K&amp;auml;sereien patrouillieren nachts Hunde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch gegen die Erdbeben waren sie machtlos. Beide gr&amp;ouml;&amp;szlig;eren Beben kamen fr&amp;uuml;hmorgens, zum Gl&amp;uuml;ck, der Parmesan hat niemanden erschlagen. Bei Albalat, einer K&amp;auml;serei im Norden von Modena, fielen 91 000 Laibe aus den Regalen, nur 15 000 blieben unversehrt. Was nicht verramscht, eingeschmolzen und im Ausland zu billigem Schmelzk&amp;auml;se verarbeitet werden konnte, wurde weggeworfen. Zw&amp;ouml;lf Millionen Euro betr&amp;auml;gt allein der Verlust der K&amp;auml;serei Albalat, 130 Millionen der von allen K&amp;auml;sereien zusammen. Zum Produktionsausfall kommen die Sch&amp;auml;den an Geb&amp;auml;uden, allein bei Albalat sind das weitere zehn Millionen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Inzwischen hat das gro&amp;szlig;e Aufr&amp;auml;umen begonnen &amp;ndash; und die Aufr&amp;uuml;stung gegen zuk&amp;uuml;nftige Katastrophen. Die neuen Regale aus &amp;Ouml;sterreich seien jetzt erdbebensicher, hei&amp;szlig;t es. Sie werden nicht mehr in der Mauer verankert, sondern nur noch am Boden. Beim n&amp;auml;chsten Beben sollen sie m&amp;ouml;glichst freibeweglich schwingen k&amp;ouml;nnen. Um ihre H&amp;auml;user machen sich die Bewohner der Emilia-Romagna weniger Gedanken als um den K&amp;auml;se, viele Menschen in der N&amp;auml;he Modenas leben noch in Wohnwagen. Hauptsache, der K&amp;auml;se ist sicher.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Italiener lieben sogar die Rinde ihres Parmesans und heben sie f&amp;uuml;r die Suppe auf. So viel Leidenschaft f&amp;uuml;r K&amp;auml;se kann man im Ausland kaum nachvollziehen. Nur drei&amp;szlig;ig Prozent der Produktion gehen &amp;uuml;berhaupt in den Export. In Deutschland kauft man im Zweifel auch Parmesan aus Wisconsin, der mit Parmigiano Reggiano nur den Namen gemein hat, oder Grana Padano, einen g&amp;uuml;nstigen K&amp;auml;se, dem Konservierungsmittel beigesetzt werden d&amp;uuml;rfen. Der Name Parmigiano ist nur in der EU gesch&amp;uuml;tzt &amp;ndash; in Italien f&amp;uuml;rchtet man schon den Tag, an dem China die ersten Milchk&amp;uuml;he auf die Weiden schickt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In der Emilia-Romagna hingegen ist Parmesan Religion und W&amp;auml;hrung zugleich. Es gibt sogar eigene Parmesan-Banken, in denen die K&amp;auml;sereien seit &amp;uuml;ber sechzig Jahren ihre Laibe als Pfand f&amp;uuml;r g&amp;uuml;nstige Kredite hinterlegen. Vier italienische Banken f&amp;uuml;hren sieben eigene Parmesan-Filialen in Modena oder Parma. Die Filiale der Credem in Modena ist mit Videokameras und Bewegungsmeldern besser gesichert als Fort Knox, behauptet der Parmesan-Bankdirektor Paolo Benni. Tats&amp;auml;chlich ist bei ihm bisher noch jeder versuchte Einbruch gescheitert. In seiner Bank liegen derzeit 153 000 Laibe im Wert von etwa 69 Millionen Euro.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Wert entsteht schon auf der Weide: Die 270 000 Milchk&amp;uuml;he des Parmesan-Konsortiums, die in den f&amp;uuml;nf offiziellen Parmesan-Provinzen leben, bekommen nur Heu und Gras, keine Zusatzstoffe oder Silage. Parmesan ist leicht verdaulich und nahezu laktosefrei, weshalb ihn auch Asiaten, Allergiker und sogar Babys gut vertragen. Zwei Jahre muss der K&amp;auml;se reifen, regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig gewendet, abgeb&amp;uuml;rstet und abgeklopft werden, um eventuelle Luftl&amp;ouml;cher festzustellen. Der K&amp;auml;semeister lebt traditionell in der K&amp;auml;serei, seine Frau geh&amp;ouml;rt in der Regel zur Mannschaft und teilt mit ihm die Schicht. In einer K&amp;auml;serei wird 15 Stunden t&amp;auml;glich sechs Tage die Woche gearbeitet. Die K&amp;auml;ser verdienen mit &amp;Uuml;berstunden 2200 Euro netto, immerhin rund doppelt so viel wie ein Mechaniker bei Ferrari, dennoch finden sich immer weniger Italiener f&amp;uuml;r die anstrengende Arbeit. Auf den umliegenden H&amp;ouml;fen der K&amp;auml;sebauern arbeiten inzwischen viele Inder, ihnen sind K&amp;uuml;he so heilig wie den Italienern der Parmesan. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Holl&amp;auml;nder sind wahrscheinlich die Einzigen, die eine so gro&amp;szlig;e Liebe zum K&amp;auml;se nachempfinden k&amp;ouml;nnen: Nach dem Erdbeben kauften sie spontan viel Parmesan-Bruch und zahlten sogar  Solidarit&amp;auml;tszuschlag.&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Weil es eben nicht Wurst ist</dc:subject>
    <dc:creator>Lars Reichardt</dc:creator>
    <dc:date>2013-06-12T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>So gut wie echt</title>
    <description>&lt;p&gt;Wenn einem in Berlin oder M&amp;uuml;nchen ein altgedienter &lt;em&gt; cameriere &lt;/em&gt;den Espresso serviert, sch&amp;ouml;n mit &lt;em&gt;prego &lt;/em&gt;und &lt;em&gt;tutto a posto&lt;/em&gt;?,  wird der Caf&amp;eacute;besuch zum Kurzurlaub. Aber raten Sie mal, wo diese  charmanten Italiener wirklich herkommen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/60451.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;br /&gt;Karl Gschaider ist falscher Italiener aus &amp;Uuml;berzeugung: &amp;raquo;Die Leute wollen auch ein bisschen Show.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Karl Gschaider&lt;/strong&gt;, 48, Caf&amp;eacute; Ruffini&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;In  einem Restaurant muss was passieren. Ich finde, die Kellner sollten  nicht nur das Essen bringen, sondern auch Spa&amp;szlig;. Und die Italiener machen  einfach die beste Show, da habe ich mir einiges abgeguckt. Eigentlich  bin ich &amp;Ouml;sterreicher und gelernter Konditor. Jahrelang habe ich erst im  &amp;rsaquo;Schlosshotel am W&amp;ouml;rthersee&amp;lsaquo; und sp&amp;auml;ter im &amp;rsaquo;Wei&amp;szlig;en R&amp;ouml;ssl&amp;lsaquo; Kuchen und  Geb&amp;auml;ck f&amp;uuml;r die G&amp;auml;ste hergestellt. Ist eine sch&amp;ouml;ne Aufgabe, nur leider  ohne Publikum. Seit 1993 bin ich jetzt im &amp;rsaquo;Ruffini&amp;lsaquo; im Service. Und zu  meinem Gl&amp;uuml;ck: Unsere G&amp;auml;ste lieben mich in der Rolle des falschen  Italieners.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://www.ruffini.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Ruffini&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Orffstra&amp;szlig;e 22&amp;ndash;24&lt;br /&gt;80637 M&amp;uuml;nchen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/60449.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ungetr&amp;uuml;btes Verh&amp;auml;ltnis: Leonardo Abdallah ist Tunesier und bedient seit drei&amp;szlig;ig Jahren in italienischen Restaurants.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Leonardo Abdallah&lt;/strong&gt;, 46, Restaurant Capone&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Ich bin seit drei&amp;szlig;ig Jahren Kellner &amp;ndash; immer nur in italienischen Restaurants. Warum? Ich liebe Italien, seit ich dort mein Handwerk gelernt habe, 1984 an der Hotelschule. So ein &amp;rsaquo;Buona sera, Signora, come sta, buon appetito&amp;lsaquo; macht doch gleich gute Laune. Im &amp;rsaquo;Capone&amp;lsaquo; reden auch wir Kellner untereinander nur Italienisch. Das ist die Sprache, die wir alle perfekt beherrschen, obwohl wir aus vielen verschiedenen L&amp;auml;ndern kommen. Ich bin Tunesier. Meine Kollegen witzeln immer, ich hie&amp;szlig;e wohl nicht wirklich Leonardo &amp;ndash; aber dazu sage ich nichts. Betriebsgeheimnis.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://www.capone-berlin.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Capone&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Kurf&amp;uuml;rstendamm 202&lt;br /&gt;10719 Berlin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/60453.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;br /&gt;Was macht eine gut italienische Bar aus? Perfekt aufgesch&amp;auml;umte  Milch, klar, aber vor allem das &amp;uuml;bersch&amp;auml;umende Temperament der  Mitarbeiter, sagt Andy Salger.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Andy Salger&lt;/strong&gt;, 34, Bar Centrale&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Ich bin Autodidakt. Habe nie einen Italienischkurs besucht oder in Italien gelebt, ich bin Allg&amp;auml;uer. Ich schaue mir alles von meinen italienischen Kollegen ab. Die sind herzlich, locker und lebendig. Ein bisschen &amp;rsaquo;bella ragazza&amp;lsaquo; und &amp;rsaquo;tutto a posto?&amp;lsaquo; macht ja noch keinen italienischen Kellner. Dieses Flair entsteht ja erst dadurch, dass sich alle einbringen. Ich nenne es immer &amp;rsaquo;lauthals arbeiten&amp;lsaquo;: In der K&amp;uuml;che wird geflucht, an der Bar wird geflachst und im Gastraum geflirtet. So entsteht diese Stimmung, die ich mag. Ich mache wie selbstverst&amp;auml;ndlich mit.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://www.bar-centrale.com/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Bar Centrale&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Ledererstra&amp;szlig;e 23&lt;br /&gt;80331 M&amp;uuml;nchen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;&lt;/span&gt;&amp;rsaquo;Volare, oh oh, cantare, oh oh oh oh&amp;lsaquo;&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/60455.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Immer ein &amp;raquo;Volare, cantare&amp;laquo; auf den Lippen: Peter Olas mag es, wenn er f&amp;uuml;r einen Italiener gehalten wird.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Peter Olas&lt;/strong&gt;, 36, Cucina Italiana Sarto e Sarto&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Ich bin eigentlich Slowake, aber weil es in meinem Heimatland kaum Jobs gab, bin ich nach Deutschland gegangen und in einem italienischen Restaurant gelandet. Und irgendwie passe ich hier ganz gut rein: Die G&amp;auml;ste halten mich st&amp;auml;ndig f&amp;uuml;r einen Italiener. Vermutlich weil ich immer italienische Melodien pfeife. Am liebsten &amp;uuml;brigens &amp;rsaquo;Volare, oh oh, cantare, oh oh oh oh&amp;lsaquo;. Im Herbst werde ich einen VHS-Kurs Italienisch belegen &amp;ndash; damit ich den G&amp;auml;sten, die mich immer auf Italienisch ansprechen, auch mal ordentlich antworten kann.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://www.carlosarto.com/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Sarto e Sarto&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Hauptstr. 6&lt;br /&gt;82402 Seeshaupt &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/60461.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&amp;raquo;Ciao, bella&amp;laquo; geht immer, sagt Aydin Aflani. Seit er italienischer Koch ist, nennt sich der Mazedonier Dino.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aydin Aflani&lt;/strong&gt;, 37, Restaurant Capone&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Meine Karriere als italienischer Koch begann, als ich zwanzig Jahre alt war. Ich bin eigentlich Mazedonier, aber in meiner Heimat habe ich nach der Schule kaum Geld verdient. Daher haben mich meine Eltern zu meinem Onkel nach Italien geschickt. Der hatte damals ein Restaurant in San Marino. In dessen K&amp;uuml;che wurde ich ausgebildet &amp;ndash; zum Koch und zum Italiener. Ich bekam von den Kollegen sogar einen italienischen Namen verpasst: Dino. Und allerhand Spr&amp;uuml;che haben sie mir beigebracht. Mein Favorit bis heute ist der Klassiker: &amp;rsaquo;Ciao, bella&amp;lsaquo;.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Capone&lt;br /&gt;Kurf&amp;uuml;rstendamm 202&lt;br /&gt;10719 Berlin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;em&gt;Fotos: Kania c/o      brigitta-horvat.com, Bert Heinzlmeier, Bernd Auers &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>So gut wie echt</dc:subject>
    <dc:creator>Lara Fritzsche und Philipp Hauner (Protokolle)</dc:creator>
    <dc:date>2013-06-06T17:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Schönes Geschichte</title>
    <description>&lt;p&gt;Kein Mixen, kein Sch&amp;uuml;tteln, kein R&amp;uuml;hren: F&amp;uuml;r diese  Drinks reicht eine ruhige Hand - und die Kenntnis des spezifischen  Gewichts von Spirituosen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bastler unter den Mixologen am&amp;uuml;sieren sich derzeit mit der Wiederbelebung der Pousse-caf&amp;eacute;s, auch Layers oder Schichtcocktails genannt. Diese Parade-Digestifs der Nierentisch-&amp;Auml;ra erfordern einiges an Geschicklichkeit, vor allem aber das Wissen um die spezifischen Gewichte diverser Spirituosen, Sirups und Lik&amp;ouml;re, die vorsichtig &amp;uuml;ber einen L&amp;ouml;ffelr&amp;uuml;cken ins Glas gegossen werden. Geduldige T&amp;uuml;ftler schaffen sechs, sieben Schichten und versenken sogar noch ein Eigelb im Glas. Beim &amp;raquo;Knickebein&amp;laquo; etwa, dem wohl &amp;auml;ltesten Rezept dieser Gattung, das sich im 19. Jahrhundert in Jenaer Studentenkreisen gro&amp;szlig;en Zuspruchs erfreute, wird das Eigelb auf einer Schicht Kirschlik&amp;ouml;r platziert, gefolgt von Vanillelik&amp;ouml;r und Cognac &amp;ndash; ein dekonstruierter Eierlik&amp;ouml;r quasi, aromatisch durchaus stimmig, ganz im Gegensatz zu jenen Pousse-caf&amp;eacute;s, die in den USA der Pr&amp;auml;-Prohibitionszeit und dann wieder im Nachkriegsdeutschland Furore machten. Doch auch bei der neuen Generation geht es weniger um Geschmackserlebnisse als um den optischen Reiz &amp;ndash; oder glaubt jemand, dass ein &amp;raquo;Baseball&amp;laquo; aus Himbeergeist, Cr&amp;egrave;me de Cassis, rotem Cura&amp;ccedil;ao, gelbem und gr&amp;uuml;nem Chartreuse, Veilchenlik&amp;ouml;r, K&amp;uuml;mmel und Cognac etwas anderes verspricht als Kopfschmerzen? Wer zu viel davon erwischt, g&amp;ouml;nnt sich einen &amp;raquo;Thunderbolt&amp;laquo;, der alles enth&amp;auml;lt, was gegen Kater helfen soll: gr&amp;uuml;ne Cr&amp;egrave;me de Menthe, Eigelb, Cayennepfeffer, Cognac und Worchestershiresauce &amp;ndash; ex und hopp. &lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Schönes Geschichte</dc:subject>
    <dc:creator>Stefan Gabányi</dc:creator>
    <dc:date>2013-05-03T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Streichkonzert</title>
    <description>&lt;p&gt;Wir haben uns f&amp;uuml;r Sie sechs neue Brotaufstriche ausgedacht. Und dazu  empfehlen wir Ihnen die passenden Messer. Versprochen: Sie machen dabei  einen guten Schnitt.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/58991.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;STECKERLFISCHPASTE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;4 mittelgro&amp;szlig;e rote Zwiebeln, 2 EL Zitronensaft, Salz, 1 EL gr&amp;uuml;ner Pfeffer, 1 kleines Bund Rucola, 2 EL s&amp;uuml;&amp;szlig;scharfe Chilisauce, 300 g Makrelenfilet (rohe Sushiqualit&amp;auml;t) - oder im Biergarten vom fertig gegrillten Steckerlfisch gezupft (schmeckt auch mit Forelle, Thunfisch oder Lachsfilet)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwiebeln sch&amp;auml;len, vierteln und in d&amp;uuml;nne Scheiben schneiden, 20 Sekunden in kochendes Wasser geben, abgie&amp;szlig;en, abschrecken, abtropfen lassen. Mit Zitronensaft marinieren, salzen. Gr&amp;uuml;nen Pfeffer mit der Breitseite eines gro&amp;szlig;en Messers leicht quetschen, anschlie&amp;szlig;end grob hacken. Ru-cola in Streifen schneiden, dabei Stiele abschneiden und entsorgen. Zwiebeln mit Pfeffer, Rucola und Chilisauce mischen. Steckerlfisch einfach klein zupfen und untermischen bzw. rohes Makrelenfilet mit einem scharfen Messer in m&amp;ouml;glichst d&amp;uuml;nne Streifen schneiden, dann quer fein w&amp;uuml;rfeln, untermischen, noch etwas durchziehen lassen. Das passende Brot: Pumpernickel. Das ad&amp;auml;quate Werkzeug: ein gro&amp;szlig;es Kochmesser wie &amp;raquo;Euro Stainless&amp;laquo; von Zwilling, entworfen vom amerikanischen Chefkoch Bob Kramer. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/58993.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;TATAR TATAKI&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;400 g Rinderfilet, 2 EL Sojasauce, Pfeffer, 4 gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere oder 8 kleinere Wei&amp;szlig;brotscheiben, 2 EL Kapern, 3 EL Butter oder Oliven&amp;ouml;l, 2 cm Meerrettichwurzel, &amp;frac12; Bund Petersilie, Salz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Filet vom Metzger in 5 Millimeter dicke Scheiben schneiden lassen. Diese in d&amp;uuml;nne Streifen schneiden, dann klein w&amp;uuml;rfeln. Noch ein paar Mal mit einem gro&amp;szlig;en Messer wie dem &amp;raquo;Alpha&amp;laquo; von G&amp;uuml;de dr&amp;uuml;berhacken. Tatar in eine Sch&amp;uuml;ssel geben, mit Sojasauce und Pfeffer w&amp;uuml;rzen. Wei&amp;szlig;brotkrume leicht zusammendr&amp;uuml;cken, Tatar 2 bis 3 Zentimeter dick auf die Brotscheiben verteilen, leicht andr&amp;uuml;cken. Kapern abtropfen lassen, mit K&amp;uuml;chenpapier trockentupfen. Butter oder &amp;Ouml;l in einer Pfanne erhitzen, Kapern darin knusprig braun braten, herausheben, auf K&amp;uuml;chenpapier abtropfen lassen. Tatarbrote mit Fleischseite nach unten in die Pfanne legen, ca. 20 Sekunden braten. Wenden. Noch 1 bis 2 Minuten braten, bis die Brote goldbraun sind. Auf Teller verteilen, mit knusprigen Kapern garnieren. Meerrettich mit einem Gem&amp;uuml;semesser, hier von Sarah Wiener f&amp;uuml;r Pott, sch&amp;auml;len und &amp;uuml;ber die Brote reiben. Petersilie zupfen, hacken und &amp;uuml;ber die Tataki-Brote streuen. Leicht salzen.&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Linsen-Hummus&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/58995.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;strong&gt;LINSEN-HUMMUS &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;200 g rote Linsen, 1 Zitrone, 3 EL Sesampaste (Tahin: aus dem t&amp;uuml;rkischen oder asiatischen Lebensmittelhandel), 1 TL gemahlener Kreuzk&amp;uuml;mmel, 1 Prise Chili- oder Paprikapulver, 3-4 EL Oliven&amp;ouml;l, 1 Bund gemischte Fr&amp;uuml;hlingskr&amp;auml;uter oder L&amp;ouml;wenzahn, 3 hart gekochte Eier, 1 Gurke, Salz, Pfeffer&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Linsen in schwach gesalzenem Wasser gerade weich kochen, das dauert ca. 15 Minuten, anschlie&amp;szlig;end abgie&amp;szlig;en, gut abtropfen lassen. Die Zitrone halbieren und den Saft auspressen. Zitronensaft, Sesampaste, Kreuzk&amp;uuml;mmel, Chili und Oliven&amp;ouml;l mit den Linsen cremig p&amp;uuml;rieren - im M&amp;ouml;rser oder noch einfacher in einer K&amp;uuml;chenmaschine mit Universalzerkleinerer. Kr&amp;auml;uter zupfen, hacken und mit dem Hummus mischen. Eier pellen und hacken, Gurke sch&amp;auml;len, l&amp;auml;ngs halbieren, die Kerne mit einem Teel&amp;ouml;ffel herauskratzen, das Fruchtfleisch l&amp;auml;ngs in d&amp;uuml;nne Scheiben schneiden, anschlie&amp;szlig;end hacken oder fein w&amp;uuml;rfeln. Locker unter das Linsen-p&amp;uuml;ree mischen, dabei mit Salz und Pfeffer abschmecken. Das passende Brot: Bagel oder Fladenbrot. Die passenden Messer: Fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;cksmesser von Windm&amp;uuml;hlenmesser mit Buckelsklinge und Kirschholzgriff zum Auftragen, &amp;raquo;Shun Premier&amp;laquo; von Tim M&amp;auml;lzer f&amp;uuml;r KAI zum Kr&amp;auml;uterhacken. Brettchen in Raucheiche von Alexander Ortlieb (&amp;uuml;ber Kochkultur M&amp;uuml;nchen). &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/58997.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;strong&gt;GAMBA-BOHNEN-CREME &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;200 g Gambaschw&amp;auml;nze oder andere Riesengarnelen, 2 Knoblauchzehen, 6 Streifen Fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;cksspeck, 5 EL Oliven&amp;ouml;l, 3-4 Salbeist&amp;auml;ngel, gezupft, 300 g wei&amp;szlig;e Bohnenkerne (gekocht), Salz, Pfeffer &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gambas sch&amp;auml;len, Knoblauchzehen mit Schale leicht quetschen, mit Speckstreifen und 2 bis 3 EL Oliven&amp;ouml;l in einer gro&amp;szlig;en Pfanne braten, die Salbeibl&amp;auml;tter nach 2 bis 3 Minuten dazugeben. Insgesamt etwa 5 Minuten braten, bis Speck und Gambas braun und die Salbeibl&amp;auml;tter knusprig sind. Knoblauch entfernen, Speck und Salbeibl&amp;auml;tter auf K&amp;uuml;chenpapier abtropfen lassen, grob zerkr&amp;uuml;meln, die Gambas hacken. Bohnen abgie&amp;szlig;en, kalt absp&amp;uuml;len, abtropfen lassen. Bohnen grob hacken, dann in einer Sch&amp;uuml;ssel mit einer Gabel noch etwas zerdr&amp;uuml;cken. Mit Salz, Pfeffer und Oliven- &amp;ouml;l w&amp;uuml;rzen, Garnelen, Speck und Salbei locker unter-mischen, abschmecken. Perfekt daf&amp;uuml;r: Das Santokumesser von Miyabi mit Birkenholzgriff. Das perfekte Brot f&amp;uuml;r den Aufstrich: rustikales Bauernbrot oder eine gro&amp;szlig;e Biergartenbreze.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Erdbeer-Tartar&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/58999.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;strong&gt;ERDBEEER-TARTAR&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;5 EL Holunderbl&amp;uuml;tensirup, 2 EL Orangensaft, 4 EL Pinienkerne, 1/2 Bund Minze, gezupft, 300 g Erdbeeren, ca. 100 g Frischk&amp;auml;se &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Holunderbl&amp;uuml;tensirup, Orangensaft, Pinienkerne und Minzbl&amp;auml;ttchen im Blitzhacker cremig p&amp;uuml;rieren - wer will, kann die Pinienkerne vorher hellbraun r&amp;ouml;sten, dann schmecken sie noch intensiver. Erdbeeren waschen und hacken oder sehr klein w&amp;uuml;rfeln. Erst kurz vor dem Servieren mit dem Minzpesto mischen. Brote oder Hefezopf mit Frischk&amp;auml;se bestreichen, das Erdbeer-Tatar darauf verteilen. Das beste Brot: Hefezopf, Rosinenbr&amp;ouml;tchen oder Croissant. Das beste Messer: &amp;raquo;K3&amp;laquo; von Windm&amp;uuml;hlenmesser. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/59001.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;strong&gt;MAROKKANISCHE GRILLGEM&amp;Uuml;SE-SALSA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;2 EL Rosinen, 3 EL Balsamessig, 2 rote Paprika, 2 Rosmarinzweige, 2 Knoblauchzehen, 1 Aubergine, 1 Zucchini, 5 EL Oliven&amp;ouml;l, Salz, 1-2 EL Honig, 1 TL Kreuzk&amp;uuml;mmel, 1-2 TL Harissa (oder eine andere scharfe Chilipaste)&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rosinen mit 1 EL Essig und 3 EL Wasser aufkochen, vom Herd nehmen und ziehen lassen. Backofen auf 220 Grad Umluftgrillen oder Umluft vorheizen. Ein Backblech leicht &amp;ouml;len. Die Paprika vierteln, dabei Kerne und Stielansatz entfernen. Paprika mit der Hautseite nach oben auf das Backblech legen und 20 bis 25 Minuten backen, bis die Haut Blasen wirft und schon recht deutlich schwarz wird. Paprika aus dem Ofen nehmen, unter einem feuchten K&amp;uuml;chentuch 5 Minuten ruhen lassen, dann mit den Fingern oder einem kleinen Messer die Haut abziehen. Paprika in schmale Streifen schneiden, dann hacken oder w&amp;uuml;rfeln. Rosmarin zupfen, Knoblauch mit Schale quetschen. Aubergine und Zucchini putzen, die Aubergine l&amp;auml;ngs halbieren, beides in 0,5 Zentimeter dicke Scheiben schneiden. Das Gem&amp;uuml;se mit Rosmarin und Knoblauch auf einem leicht ge&amp;ouml;lten Backblech ausbreiten. Mit 2 bis 3 EL Oliven&amp;ouml;l betr&amp;auml;ufeln, leicht salzen. Im Backofen auf der mittleren Schiene etwa 15 Minuten garen. Gebr&amp;auml;unte St&amp;uuml;cke umdrehen, dann herausnehmen, abk&amp;uuml;hlen lassen und hacken. Rosinen abgie&amp;szlig;en und mit gehackter Paprika zu Zucchini und Aubergine geben, restlichen Essig, Oliven&amp;ouml;l, Honig und Kreuzk&amp;uuml;mmel zugeben, mit Harissa und Salz abschmecken. Das passende Brot: Fladenbrot. Das passende Messer: ein Wiegemesser von WMF. &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Streichkonzert</dc:subject>
    <dc:creator>Hans Gerlach (Rezepte)</dc:creator>
    <dc:date>2013-04-19T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39643">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39643</link>
    <title>Blätter, die die Welt bedeuten</title>
    <description>&lt;p&gt;Salat ist unpraktisch, schmeckt eher fad, ohne Dressing kriegt ihn  kein Mensch runter. Warum strahlen die Frauen in der Werbung dann immer  so?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Klar, die gebratene H&amp;auml;hnchenbrust, die obendrauf liegt, die ist gut. Tunfisch: auch lecker. Eier, gerne. Selbst die Gurken, Tomaten und Karotten kann man essen, wenn sie nur lange genug im Honig-Senf-Dressing gelegen haben. Aber was &amp;uuml;brig bleibt, dieses sperrige, fade Gr&amp;uuml;n, ist furchtbar. Das wei&amp;szlig; jeder. Sogar diese Werbefrauen wissen es. Ganz klarer Fall von vorget&amp;auml;uschtem Salatgenuss. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Aber warum? Was wollen die uns mit ihrer penetranten Fr&amp;ouml;hlichkeit verkaufen? Es ist nicht die Mahlzeit Salat, sondern was man durch diese Mahlzeit erreicht: n&amp;auml;mlich einen schlanken K&amp;ouml;rper, sch&amp;ouml;ne Haut, tolle Haare. Diese Bilder zeigen kein Abendessen, sondern ein Arbeitsessen. Sie machen Werbung f&amp;uuml;r die Frau, die man sein k&amp;ouml;nnte, wenn man auch immer sch&amp;ouml;n Salat &amp;auml;&amp;szlig;e: attraktiv und super happy. Im echten Leben sehen Frauen, die Salat essen, nat&amp;uuml;rlich ganz anders aus. N&amp;auml;mlich gestresst. Schlie&amp;szlig;lich m&amp;uuml;ssen diese faserigen Bl&amp;auml;tter erst mal zerkleinert werden, dann kann man sie nicht mal aufpicken, sondern muss sie umst&amp;auml;ndlich mit Messer und Gabel zusammenraffen &amp;ndash; und das alles nur, um auf kalter Konsistenzlosigkeit herumzukauen. Selten haben Bilder mehr gelogen als diese. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fotos: Shutterstock&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Blätter, die die Welt bedeuten</dc:subject>
    <dc:creator>Lara Fritzsche</dc:creator>
    <dc:date>2013-03-07T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39555">
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    <title>Nach Art des Hauses</title>
    <description>&lt;p&gt;In der Modewelt wird nicht gegessen? Von wegen! Wir  haben vier ber&amp;uuml;hmte Designerfamilien nach ihren Traditionsrezepten  gefragt. Von Armani bis Zegna, von Apfelstrudel bis Risotto.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56931.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;BOMBA DI MACCHERONI &lt;br /&gt;Familie Ferragamo &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;raquo;Dieses Gericht haben wir fr&amp;uuml;her oft zu Hause gegessen. Wenn ich es jetzt f&amp;uuml;r andere zubereite, mache ich mir immer einen Spa&amp;szlig; daraus, meine G&amp;auml;ste raten zu lassen, was sich wohl unter den Auberginen verbirgt. Es gibt nur wenige, die dann wirklich darauf kommen. Aber ihre Vermutungen haben mir schon interessante Ideen geliefert, die ich irgendwann einmal ausprobieren werde.&amp;laquo; (Giovanna Gentile Ferragamo) &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;F&amp;uuml;r 4 Personen&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zutaten&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;5 gro&amp;szlig;e Auberginen&lt;br /&gt;200 g Rinderhack&lt;br /&gt;1 Ei&lt;br /&gt;Pflanzen&amp;ouml;l zum Braten&lt;br /&gt;600 g reife Tomaten&lt;br /&gt;1 Zwiebel&lt;br /&gt;4 EL Oliven&amp;ouml;l&lt;br /&gt;400 g Maccheroncini&lt;br /&gt;70 g Parmesan&lt;br /&gt;1 Mozzarella&lt;br /&gt;Salz&lt;br /&gt;Pfeffer&lt;br /&gt;gezupftes Basilikum&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zubereitung &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Auberginen in Scheiben schneiden, salzen und in einem gro&amp;szlig;en Sieb auslegen, damit das Wasser abtropfen kann. Inzwischen Hackfleisch mit Ei mischen, salzen, pfeffern, aus der Mischung kleine B&amp;auml;llchen formen. In hei&amp;szlig;em Pflanzen&amp;ouml;l braten, dann auf Backpapier auslegen, erkalten lassen. Tomaten mit einem Messer einritzen, kurz in kochendes Wasser legen. Mit kaltem Wasser abschrecken, Haut abziehen, &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tomaten durch ein Sieb dr&amp;uuml;cken. Zwiebel klein w&amp;uuml;rfeln, in eine Pfanne mit dem Oliven&amp;ouml;l geben, and&amp;uuml;nsten. Tomatenp&amp;uuml;ree zugeben, mit Salz, Pfeffer und Basilikum w&amp;uuml;rzen, alles bei schwacher Hitze eine halbe Stunde k&amp;ouml;cheln lassen. Zum Schluss die Hackfleischb&amp;auml;llchen zugeben. Maccheroncini in reichlich gesalzenem Wasser al dente kochen, abtropfen lassen, dann mit der Tomaten-Hackfleisch-Sauce mischen. Auberginen trocken tupfen und nacheinander in hei&amp;szlig;em Pflanzen&amp;ouml;l anbraten. Scheiben mit einem Pfannenwender aus der Pfanne nehmen und auf K&amp;uuml;chenrolle ablegen, damit &amp;uuml;bersch&amp;uuml;ssiges Fett aufgesaugt wird. Eine Auflaufform mit den gebratenen Auberginenscheiben vollst&amp;auml;ndig auslegen, sodass sie auch &amp;uuml;ber den Rand h&amp;auml;ngen. Nudel-Mischung mit dem geriebenen Parmesan vermengen, Masse abwechselnd mit dem in Scheiben geschnittenen Mozzarella auf die Auberginen schichten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;Uuml;berlappende Auberginenscheiben nach innen schlagen und damit den Auflauf bedecken. 20 Minuten bei 180 &amp;nbsp;Grad im Backofen backen. Auflauf auf eine Servierplatte st&amp;uuml;rzen, &amp;nbsp;hei&amp;szlig; oder kalt servieren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56933.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Giovanna Gentile Ferragamo (5. v. re.) ist Vizepr&amp;auml;sidentin des  Familienunternehmens, das von ihrem Vater, dem Schuhdesigner Salvatore  Ferragamo, gegr&amp;uuml;ndet wurde.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Familie Zegna&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56937.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;RISOTTO PRIMAVERA&lt;br /&gt;Familie Zegna&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;raquo;Bei uns ging es immer mehr ums Essen als ums Kochen. Noch heute gibt es eher einfache Gerichte wie dieses Risotto, das sogar mein Mann hinbekommt. Daf&amp;uuml;r legen wir umso mehr Wert auf die richtigen Zutaten. Ich baue viel selbst in meinem Garten hinter der K&amp;uuml;che an, Tomaten, Salat, Kr&amp;auml;uter - das hat gleich ein ganz anderes Aroma. Deshalb verwenden wir auch f&amp;uuml;r unsere Parfums Pflanzen, die wir auf unseren eigenen Feldern in Kalabrien anbauen.&amp;laquo; (Anna Zegna) &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;F&amp;uuml;r 6 bis 8 Personen&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Zutaten &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;1 Karotte&lt;br /&gt;250 g Spargel&lt;br /&gt;1 Zucchini&lt;br /&gt;1 mittelgro&amp;szlig;er K&amp;uuml;rbis (Crookneck)&lt;br /&gt;4 EL Oliven&amp;ouml;l&lt;br /&gt;4 &amp;frac12; Tassen H&amp;uuml;hnerbr&amp;uuml;he&lt;br /&gt;1 gro&amp;szlig;e Zwiebel&lt;br /&gt;1 &amp;frac34; Tassen Risottoreis&lt;br /&gt;&amp;frac34; Tasse Wei&amp;szlig;wein&lt;br /&gt;8 Baby-Karotten, geputzt&lt;br /&gt;1 &amp;frac34; Tassen frisch geriebener Parmesan&lt;br /&gt;1 Tasse Tiefk&amp;uuml;hlerbsen, aufgetaut&lt;br /&gt;&amp;frac14; Tasse Butter, gest&amp;uuml;ckelt&lt;br /&gt;&amp;frac12; Tasse d&amp;uuml;nn geschnittenes Basilikum&lt;br /&gt;Salz&lt;br /&gt;Pfeffer&lt;br /&gt;&amp;frac14; Tasse Pinienkerne  &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Zubereitung &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Karotte sch&amp;auml;len, klein w&amp;uuml;rfeln. Spargel sch&amp;auml;len, Zucchini und K&amp;uuml;rbis entkernen, alles in ca. 2,5 cm gro&amp;szlig;e St&amp;uuml;cke schneiden. 1 EL &amp;Ouml;l in gro&amp;szlig;er Pfanne erhitzen, Spargel, Zucchini, K&amp;uuml;rbis zugeben, mit Salz und Pfeffer w&amp;uuml;rzen. Bei mittlerer Hitze braten, bis das Gem&amp;uuml;se weich wird, zur Seite stellen. H&amp;uuml;hnerbr&amp;uuml;he in gro&amp;szlig;em Topf erhitzen, dann warm halten. 3 EL &amp;Ouml;l in gro&amp;szlig;em Topf erw&amp;auml;rmen, fein gehackte Zwiebel und Karottenw&amp;uuml;rfel zugeben. Braten, bis die Zwiebel weich wird. Reis zugeben, r&amp;uuml;hren, bis er an den Seiten glasig wird. Wein zugie&amp;szlig;en, unter R&amp;uuml;hren k&amp;ouml;cheln, bis er fast verkocht ist. Eine Tasse Br&amp;uuml;he und gesch&amp;auml;lte Baby-Karotten zugeben. R&amp;uuml;hren, bis die Br&amp;uuml;he verkocht ist. Zwei Tassen Br&amp;uuml;he zuf&amp;uuml;gen, die zweite aber erst, nachdem die erste verkocht ist. H&amp;auml;ufig umr&amp;uuml;hren. Das angebratene Gem&amp;uuml;se mit einer weiteren Tasse Br&amp;uuml;he hinzuf&amp;uuml;gen, r&amp;uuml;hren. Sobald sie verkocht ist, 1 &amp;frac14; Tassen Parmesan, Erbsen, Butterst&amp;uuml;cke und &amp;frac12; Tasse Br&amp;uuml;he zuf&amp;uuml;gen. K&amp;ouml;cheln, bis die Butter geschmolzen ist, Reis und Gem&amp;uuml;se weich sind und das Risotto cremig ist. Basilikum zugeben, mit Salz und Pfeffer w&amp;uuml;rzen. Risotto in eine gro&amp;szlig;e Sch&amp;uuml;ssel f&amp;uuml;llen, mit ger&amp;ouml;steten Pinienkernen und restlichem Parmesan bestreuen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56935.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Die dritte Generation der Zegnas: Anna Zegna (2. v. re.), Enkelin des Firmengr&amp;uuml;nders Ermenegildo Zegna, ist f&amp;uuml;r das weltweite Erscheinungsbild der Marke verantwortlich, etwa die Ausstattung der Boutiquen.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Familie Armani&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56939.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;TORTELLI ALLA PIACENTINA&lt;br /&gt;Familie Armani&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Ich bin definitiv ein Gourmet, aber ich bin auch Traditionalist, wenn es ums Essen geht. Nichts liebe ich mehr als einen Teller &amp;rsaquo;Tortelli alla Piacentina&amp;lsaquo; in geschmolzener Butter mit geriebenem K&amp;auml;se, so wie meine Mutter sie immer gemacht hat. Ein sehr aromatisches Nudelgericht, das mich sofort an lange Familienabende erinnert. Damals habe ich gelernt, einfache, aber gesunde Lebensmittel zu sch&amp;auml;tzen. Ich habe eine instinktive Abneigung allem gegen&amp;uuml;ber, was zu viel Sauce, zu viele Gew&amp;uuml;rze und zu viele Aromen hat - ich will lieber genau wissen, was ich da esse.&amp;laquo; (Giorgio Armani) &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;F&amp;uuml;r 6 Personen &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zutaten F&amp;uuml;llung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;600 g frischer Spinat&lt;br /&gt;600 g Ricotta&lt;br /&gt;1 Ei&lt;br /&gt;200 g Grana Padano&lt;br /&gt;Salz &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zubereitung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Spinat &amp;uuml;berbr&amp;uuml;hen, in kleine St&amp;uuml;cke hacken, dann mit Ricotta, Ei und geriebenem Grana Padano in einer Sch&amp;uuml;ssel vermischen. Mit etwas Salz verfeinern.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zutaten Pasta&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;600 g Mehl&lt;br /&gt;4 Eier&lt;br /&gt;lauwarmes Wasser&lt;br /&gt;Salz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zubereitung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mehl mit Eiern, etwas Wasser und einer Prise Salz vermischen und so lange kneten, bis ein glatter Teig entsteht. Teig danach etwas ruhen lassen. Anschlie&amp;szlig;end d&amp;uuml;nn ausrollen und in Quadrate mit ca. 4 cm Seitenl&amp;auml;nge schneiden. Auf die Teigquadrate etwas von der F&amp;uuml;llung setzen und dann bonbonartig verschlie&amp;szlig;en. Die fertigen Tortelli in ausreichend gesalzenem Wasser kochen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56941.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Giorgio Armani (Mitte) mit seiner Mutter und seiner Schwester. Vorn sein Neffe Andrea und die Nichten Roberta (Mitte) und Silvana, die alle im Unternehmen t&amp;auml;tig sind.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Familie Etro&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56943.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;APFELSTRUDEL&lt;br /&gt;Familie Etro&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;raquo;Ich mache diesen Nachtisch immer zum Geburtstag meiner beiden Kinder im August, wenn wir die Ferien in den Bergen verbringen. Besonders Filippo, unser &amp;Auml;ltester, besteht auf seinem Strudel - und nimmt am liebsten ordentlich Schlagsahne dazu.&amp;laquo; (Veronica Etro) &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;F&amp;uuml;r 6 Personen&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zutaten Teig&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;200 g Mehl&lt;br /&gt;Salz&lt;br /&gt;2 EL &amp;Ouml;l&lt;br /&gt;1 Eigelb&lt;br /&gt;Mehl zum Ausrollen&lt;br /&gt;&amp;Ouml;l zum Bestreichen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zutaten F&amp;uuml;llung &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;2 kg &amp;Auml;pfel (Renette)&lt;br /&gt;&amp;frac12; Zitrone&lt;br /&gt;2 EL Zucker&lt;br /&gt;150 g Semmelbr&amp;ouml;sel&lt;br /&gt;120 g Butter&lt;br /&gt;40 g Rosinen (vor Verwendung in warmem Wasser einweichen)&lt;br /&gt;1 TL Zimt&lt;br /&gt;&amp;frac12; Glas Kondensmilch &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Zubereitung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Mehl, Prise Salz, &amp;Ouml;l, Eigelb, 90 ml lauwarmes Wasser in einer Sch&amp;uuml;ssel mischen. Teig mindestens 5 Minuten kr&amp;auml;ftig kneten, dann zu einer Kugel formen. Diese mit kreisenden Bewegungen der ineinander verschr&amp;auml;nkten H&amp;auml;nde &amp;raquo;schleifen&amp;laquo;, bis die Oberfl&amp;auml;che glatt ist. Mit wenig &amp;Ouml;l bestreichen, mit Folie abdecken, 30 Minuten ruhen lassen. Teig auf bemehltem Tuch auslegen, d&amp;uuml;nn ausrollen - aufpassen, dass er nicht bricht. &amp;Auml;pfel sch&amp;auml;len, in feine St&amp;uuml;cke schneiden, mit Zitronensaft und Zucker mischen. Semmelbr&amp;ouml;sel in einer Pfanne mit 100 g Butter anbr&amp;auml;unen, abk&amp;uuml;hlen lassen. Auf dem Teig verteilen, ebenso &amp;Auml;pfel und Rosinen. Zimt dar&amp;uuml;ber streuen, st&amp;uuml;ckchenweise 20 g Butter darauf geben. Tuch leicht anheben und damit den Strudel vorsichtig aufrollen. An den Ecken verschlie&amp;szlig;en. Backblech mit &amp;Ouml;l einpinseln, Strudel darauf 45 Minuten bei 170 &amp;nbsp;Grad backen. Nach 35 Minuten mit Kondensmilch bestreichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56945.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Veronica Etro mit ihren &amp;auml;lteren Br&amp;uuml;dern. Sie entwirft die Damenkollektion der Marke, die ihr Vater Gimmo 1968 gr&amp;uuml;ndete und vor allem mit Paisleymustern bekannt machte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(Styling: Barbara Dodt; Foodstyling: Marcel Sumpf; Familienfotos: Werner Gritzbach/face to face und privat.)&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Nach Art des Hauses</dc:subject>
    <dc:creator></dc:creator>
    <dc:date>2013-02-21T17:00:00+01:00</dc:date>
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  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39515">
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    <title>Läuft!</title>
    <description>&lt;p&gt;Jahrelang galt Filterkaffee als oll, spie&amp;szlig;ig und Drau&amp;szlig;en-nur-K&amp;auml;nnchen.  Jetzt ist er auf einmal wieder voll da - weil ein paar schlaue  Koffeinfans mit aufwendigen Br&amp;uuml;htechniken experimentieren.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn Kaffeekenner erkl&amp;auml;ren wollen, wie es um das Verh&amp;auml;ltnis der Menschen zum Kaffee gerade steht, sprechen sie gern von der &amp;raquo;dritten Welle&amp;laquo;. Die &amp;raquo;erste Welle&amp;laquo; sp&amp;uuml;lte den Kaffee in die Superm&amp;auml;rkte: gemahlen, vakuumverpackt, im handlichen Ziegelsteinformat, f&amp;uuml;r jeden erschwinglich. Bei der &amp;raquo;zweiten Welle&amp;laquo; lernten die Menschen mit Hilfe von Starbucks und Nespresso-Kapsel-Maschinen, dass man schnellen, frischen, mit Hochdruck gebr&amp;uuml;hten Kaffee immer und jederzeit - und sogar im Gehen! - trinken kann. Jetzt kommt die &amp;raquo;dritte Welle: Caf&amp;eacute;s in Kopenhagen, Berlin, London, New York und M&amp;uuml;nchen, die wie Chemielabore aussehen und &amp;raquo;Brew Bars&amp;laquo; hei&amp;szlig;en. Dort sitzen Leute, die sich lange &amp;uuml;ber Kaffee unterhalten k&amp;ouml;nnen und dabei ein Vokabular benutzen, das man eher von Weinliebhabern kennt. Dem Kaffee widerf&amp;auml;hrt gerade das, was schon mit Oliven&amp;ouml;l, Meersalz, Whisky und Schokolade passiert ist: Pl&amp;ouml;tzlich ist es den Menschen wichtig, woher ihr Kaffee kommt. Und wie er angebaut, gehandelt, ger&amp;ouml;stet, gemahlen, zubereitet wird. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit dieser &amp;raquo;dritten Welle&amp;laquo; schwappt nun auch der Filterkaffee zur&amp;uuml;ck auf die Kaffeetische. V&amp;ouml;llig zu Unrecht hatte der jahrzehntelang einen schlechten Ruf. Schuld sind die Unget&amp;uuml;me von Filtermaschinen in B&amp;uuml;ros, in denen ein Gebr&amp;auml;u, warmgehalten von einer Heizplatte, so lang vor sich hin g&amp;auml;rt, bis es wie Erd&amp;ouml;l schmeckt. Gepresster Kaffee - das Espresso-Prinzip - geht schnell und ist immer frisch, weil jede Tasse einzeln zubereitet wird. Filterkaffee dagegen ist aufwendig zu br&amp;uuml;hen, entwickelt daf&amp;uuml;r aber auch mehr Geschmack. Verschiedene Filtermethoden, neue und wiederentdeckte, betonen die Aromen unterschiedlicher Sorten und R&amp;ouml;stungen. Aber bitte: Zuerst das Filterpapier mit hei&amp;szlig;em Wasser durchsp&amp;uuml;len, damit es seinen Papiergeschmack verliert. Nur frisch gemahlenen Kaffee verwenden, 60 Gramm pro Liter mit 92 bis 94 Grad hei&amp;szlig;em Wasser &amp;uuml;bergie&amp;szlig;en, aus einer Kanne mit d&amp;uuml;nnem Schwanenhals, mit kreisenden Bewegungen, und zwar genau - kein Witz! - zwei Minuten 30 Sekunden lang. Der wahre Kaffeekenner h&amp;auml;lt daf&amp;uuml;r seine Stoppuhr bereit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;BEZUGSQUELLEN&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rezepte zu nahezu allen Filtermethoden:&lt;a href=&quot;http://brewmethods.com/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;www.brewmethods.com&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Verkauf von Filterzubeh&amp;ouml;r und Kaffee: &lt;a href=&quot;http://kaffeekommune.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;www.kaffeekommune.de&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Kaffeer&amp;ouml;sterei/Online Shop:&lt;a href=&quot;http://www.jbkaffee.de/index2.php&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt; www.jbkafeee.de&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://www.kaffeeroesterei-nuernberg.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Caf&amp;eacute;s in Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berlin: &lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://www.chapter-one-coffee.com/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Chapter One Coffee&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://cafeckberlin.com/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;CK Caf&amp;eacute;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://www.thebarn.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;The Barn&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://www.nofirenoglory.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;No Fire No Glory&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hamburg:&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://www.elbgold.com/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Elbgold&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://www.the-coffee-shop.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;The Coffee Shop&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;M&amp;uuml;nchen:&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://www.goldenebar.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Die Goldene Bar&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Ab M&amp;auml;rz 2013 &lt;a href=&quot;https://www.facebook.com/bargamsei&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Gamsei&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Frankfurt am Main:&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://www.hopplo.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Hoppenworth &amp;amp; Ploch&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://www.espressionist.net/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Kaffeewerk Esspressionist&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;N&amp;uuml;rnberg: &lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://www.die-kaffeemanufaktur.net/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Kaffeemanufaktur Machh&amp;ouml;rndl&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansbach:&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://www.greenandbean.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Green &amp;amp; Bean&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ingolstadt:&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://shop2.kaffeekontor.org/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Kaffeekontor Bayern&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;M&amp;uuml;nster:&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://roestbar.de/?id=3&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Roestbar&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Styling Klaus St. Rainer und Johannes Bayer - &lt;a href=&quot;http://www.goldenebar.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Goldene Bar&lt;/a&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&amp;nbsp; &lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Läuft!</dc:subject>
    <dc:creator>Kerstin Greiner</dc:creator>
    <dc:date>2013-02-15T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39443">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39443</link>
    <title>Was tun gegen den hier?</title>
    <description>&lt;p&gt;F&amp;uuml;r jedes Leiden findet die Wissenschaft ein Mittel - nur nicht f&amp;uuml;r den Kater. Aber &amp;uuml;berall auf der Welt wird danach gesucht. Vom Kampf gegen das Tief nach dem Rausch.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;Es pocht der Kopf, es sticht das Licht, es pelzt der Mund, es rollt der Magen. Der Kater ist ein Elend, bei dem einem niemand hilft, die Wissenschaft schon gar nicht. Sie hat den Oralverkehr bei Fruchtflederm&amp;auml;usen erforscht und nachgewiesen, dass Schimpansen einander auch an Fotos ihrer Hinterteile erkennen k&amp;ouml;nnen, sie hat Menschen auf den Mond geschossen und gesund wieder nach Hause gebracht, aber sie gibt ihnen kein Mittel gegen das alkoholische Post-Intoxikations-Syndrom. Warum auch? Der Kater geht von selbst vorbei, da soll der S&amp;auml;ufer durch und zweitens dabei lernen, dass er nicht so viel saufen soll, der bl&amp;ouml;de Hund.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bis heute hat die Forschung die Ursachen des Katers nicht restlos ermitteln k&amp;ouml;nnen. Zwei Hauptschulen stehen einander gegen&amp;uuml;ber. Die Methanol-Theoretiker behaupten, das Sch&amp;auml;delbrummen werde vor allem von den Begleitgiften und Fuselstoffen im Alkohol ausgel&amp;ouml;st, die der menschliche Organismus schwer verkrafte. Deswegen ist Wei&amp;szlig;wein bek&amp;ouml;mmlicher als der Rote, sind Wodkas&amp;auml;ufer unverkaterter als Whiskeyfreunde, Billigtrinker gef&amp;auml;hrdeter als die Privilegierten, die sich guten Stoff leisten k&amp;ouml;nnen. Die &amp;Auml;thanol-Fraktion dagegen vertritt die Auffassung, es sei das Acetaldehyd, das den Morgen danach so unangenehm macht, eine giftige Substanz, die beim Alkoholabbau durch die Leber entsteht und bei zu gro&amp;szlig;er Betankung hochkonzentriert durch die Blutbahn schie&amp;szlig;t, ehe die Leber sie in einem zweiten Arbeitsgang in harmlose Essigs&amp;auml;ure verwandelt. Man kann es auch so ausdr&amp;uuml;cken: Erst holt man sich eine Alkoholvergiftung, dann vergiftet sich der K&amp;ouml;rper beim Entgiften ein zweites Mal; offensichtlich vertr&amp;auml;gt der Mensch weder den Rausch noch die Ern&amp;uuml;chterung. Ein dritter Erkl&amp;auml;rungsansatz wird seit Langem von der Wissenschaft zur&amp;uuml;ckgewiesen, ohne dass es sich zu allen Trinkern durchgesprochen h&amp;auml;tte: Kater sei nichts anderes als Alkoholentzugsschmerz, weswegen man ihn mit Konterbieren, Bloody Marys und anderen Reparatur-Drinks therapieren k&amp;ouml;nne.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Warum der Mensch Alkohol so unbefriedigend verkraftet, ist eine Frage, die immer noch ins Spekulative f&amp;uuml;hrt. Es muss etwas mit unserem evolution&amp;auml;ren Erbe zu tun haben. Die Organismen von Fleischfressern sind auf die Verarbeitung von Alkohol nicht eingerichtet, Pflanzenfresser dagegen, bei ihrer Nahrungssuche eher mit vergorenen Fr&amp;uuml;chten und folglich mit Alkohol konfrontiert, haben im Verlauf der Naturgeschichte Stoffwechselstrategien entwickelt, um dessen Gifte abzubauen. Dabei sind V&amp;ouml;gel besonders effizient (allerdings nur, wenn es sich um Frucht- und Beerenfresser handelt), selbst mit 3,1 Promille gelingt ihnen immer noch das Fliegen. Ein Star mit dem K&amp;ouml;rpergewicht eines Menschen, so hat der Ornithologe Roland Prinzinger ermittelt, k&amp;ouml;nnte jede einzelne Minute ein Glas Wein kippen, ohne davon betrunken zu werden &amp;ndash; so bewundernswert viel schafft seine Leber weg. Der amerikanische Evolutionsbiologe Neil Shubin &amp;uuml;brigens macht f&amp;uuml;r den Drehschwindel von Verkaterten die Fischnatur verantwortlich, die immer noch im Menschen steckt: Das Karussellgef&amp;uuml;hl im Kopf stellt sich ein, sobald das &amp;Auml;thanol &amp;uuml;ber die Blutbahn das Gleichgewichtsorgan im Innenohr erreicht, ein evolution&amp;auml;res Erbe jenes Organs, mit dem Fische Str&amp;ouml;mungsbewegungen im Wasser feststellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mag die Wissenschaft &amp;uuml;ber alle Ursachen des Katzenjammers immer noch im Dunklen tappen, kann sie doch Auskunft &amp;uuml;ber das subtile Zusammenspiel der mit ihm verbundenen Qualen geben. Der trockene Mund beim Erwachen: dem Umstand geschuldet, dass Alkohol entw&amp;auml;ssert. Bei seinem Konsum wird die Aussch&amp;uuml;ttung eines antidiuretischen Hormons namens Vasopressin gehemmt, der Trinker muss &amp;ouml;fter raus, das fehlt ihm am Tag danach. Das Sch&amp;auml;delweh: durch Gef&amp;auml;&amp;szlig;verengungen verursacht, auch sie eine Folge der Entw&amp;auml;sserung. Die &amp;Uuml;belkeit beruht auf der vermehrten Produktion von Magens&amp;auml;ure, die die Magenschleimhaut reizt. Und dass sich die Knie wie Pudding anf&amp;uuml;hlen, liegt daran, dass beim &amp;uuml;berm&amp;auml;&amp;szlig;igen Pinkeln auch Elektrolyte und Glucose den Trinkerk&amp;ouml;rper verlassen haben. Ein Spa&amp;szlig; ist das nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mit vern&amp;uuml;nftigen Argumenten l&amp;auml;sst sich kaum begr&amp;uuml;nden, dass die Forschung so wenig Bereitschaft zeigt, ein wirksames Medikament gegen all das zu entwickeln. Erstens k&amp;ouml;nnte man mit einer wirksamen Anti-Kater-Pille vermutlich noch gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere Gewinne machen als mit Viagra. Zweitens l&amp;auml;sst sich schwerlich leugnen, dass f&amp;uuml;r den Kater nicht nur der Trinker, sondern oft genug die Gesellschaft b&amp;uuml;&amp;szlig;en muss. Katerinduzierte Arbeitsunf&amp;auml;lle und Fehlzeiten durch Eintagesgrippe verursachen enormen volkswirtschaftlichen Schaden. Finnland etwa mit seiner Bev&amp;ouml;lkerung von f&amp;uuml;nf Millionen Menschen verzeichnet j&amp;auml;hrlich eine Million Fehltage durch Kater, und eine amerikanische Studie aus dem Jahr 1998 berechnete den Schaden durch Blaumachen und schlechte Arbeitsleistung nach trunkenen N&amp;auml;chten auf 148 Milliarden Dollar pro Jahr. Doch solange den Menschen beim N&amp;uuml;chternwerden nicht wirksam geholfen wird, werden viele von ihnen sich mit dickem Kopf ins B&amp;uuml;ro schleppen und dort jede Menge Fehler machen. Oder sich in ein Flugzeugcockpit setzen, mit signifikant verschlechterten Reaktionszeiten, obwohl die Promillewerte l&amp;auml;ngst schon wieder legal sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;&lt;/span&gt;Jede Spache hat ihren besonderen Ausdruck f&amp;uuml;r Kater&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56169.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Wie weltumspannend das Leiden nach dem Trinken ist (gleichsam eine anthropologische Konstante), beweist noch der fl&amp;uuml;chtigste Blick in Geschichte und V&amp;ouml;lkerkunde. Jede Sprache hat ihre besonderen Ausdr&amp;uuml;cke daf&amp;uuml;r, alle zusammen ergeben sie so etwas wie eine Liste jener Indikationen, zu denen endlich das Gegenmittel gefunden werden m&amp;uuml;sste. Im Englischen hei&amp;szlig;t der Kater seit Beginn des 20. Jahrhunderts &lt;em&gt;hangover &lt;/em&gt;(davor nannte man ihn unter anderem Morgennebel oder Flaschenweh), im Franz&amp;ouml;sischen spricht man von der Holzfresse (&lt;em&gt;gueule de bois&lt;/em&gt;), im Spanischen von der Meeresbrandung (&lt;em&gt;resaca&lt;/em&gt;), der Italiener wird vom Kater stumm (&lt;em&gt;stonato&lt;/em&gt;), Schweden klagen &amp;uuml;ber R&amp;uuml;ckschlag (&lt;em&gt;baksm&amp;auml;lla&lt;/em&gt;), die Norweger &amp;uuml;ber einen &lt;em&gt;kuppelhue&lt;/em&gt;, einen Kuppelkopf, oder &amp;uuml;ber Zimmerm&amp;auml;nner, die sich im Sch&amp;auml;del zu schaffen machen (&lt;em&gt;t&amp;oslash;mmermenn&lt;/em&gt;). &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Warum die Deutschen beim N&amp;uuml;chternwerden von einem Kater gequ&amp;auml;lt werden, ist nicht endg&amp;uuml;ltig gekl&amp;auml;rt. K&amp;ouml;nnte sein, dass es sich um die s&amp;auml;chsische Aussprache des Katarrhs handelt oder um die Erinnerung an ein heftig knallendes Bier namens Kater aus dem 16. Jahrhundert oder um eine Abwandlung des l&amp;auml;nger belegbaren Ausdrucks Katzenjammer. &amp;Uuml;brigens trinken Katzen keinen Alkohol, nicht einen Tropfen, man kann sie ums Verrecken nicht dazu bewegen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Solange es gegen das Haarweh kein wirksames Medikament gibt, bleibt es die einzige Malaise, bei deren Linderung Folklore, Aber- und Wunderglauben ungehindert zur Anwendung kommen. Die Liste der todsicheren Rezepte und Geheimtipps ist l&amp;auml;nger als jede Weinkarte in einem erstklassigen Restaurant. Systematischer sortiert als es &lt;br /&gt; S&amp;uuml;ffelk&amp;ouml;pfen &amp;uuml;blicherweise gelingt, lassen sie sich in Vorbeugungsstrategien vor dem Exzess, Schutztechniken w&amp;auml;hrend des Trinkens und Erste-Hilfe-Ma&amp;szlig;nahmen f&amp;uuml;r den Morgen danach einteilen. Wann immer dieser Morgen anbricht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wer sich betrinken will, hei&amp;szlig;t es, solle davor viel und fett essen. Das polstere den Magen aus, verlangsame die Aufnahme des Alkohols und z&amp;ouml;gere den Katzenjammer hinaus. Falsch ist das nicht &amp;ndash; n&amp;uuml;chtern betrachtet aber doch blo&amp;szlig; eine Verz&amp;ouml;gerungstaktik von Menschen, die sich m&amp;ouml;glichst hart die Kante geben wollen. Durchs Essen vor dem Trinken gewinnen sie blo&amp;szlig; mehr Zeit, ehe der Rausch und danach der Kater einsetzen. Also mehr Gelegenheiten, noch eine wirklich &lt;br /&gt; allerletzte Runde zu ordern (und dadurch einen noch gr&amp;ouml;&amp;szlig;eren Kater zu z&amp;uuml;chten).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;Auml;hnlich blau&amp;auml;ugig ist die Empfehlung, beim Suff zusammen mit dem Alkohol m&amp;ouml;glichst viel Wasser zu trinken. Das beuge Fl&amp;uuml;ssigkeitsverlusten vor und m&amp;ouml;glicherweise auch ein wenig dem Irrtum, Alkohol sei ein geeignetes Mittel, ordin&amp;auml;ren Durst zu stillen. Allerdings: Je betrunkener man wird, desto weniger denkt man noch an solche Pr&amp;auml;ventionsma&amp;szlig;nahmen. Und Zecherrunden, bei denen solches Trinkverhalten nicht f&amp;uuml;r Spott sorgt, kann man sich nur schwerlich vorstellen. Lebensn&amp;auml;her ist eine zweite Katervorbeugungsregel: nicht zu viel durcheinandertrinken. Das n&amp;auml;mlich belastet den K&amp;ouml;rper mit einer reichhaltigeren Auswahl von Methanolen. Keine besonders gute Idee sind &amp;uuml;brigens auch Mischungen wie Wodka-Red Bull. Sie putschen den Trinker auf und lassen ihn glauben, er k&amp;ouml;nne locker noch mehr vertragen. K&amp;ouml;nnte allerdings gut sein, dass gerade das ihn anzieht, vielleicht will er sich ja verantwortungslos besaufen, bis nichts mehr geht. Und dazu eine nach der anderen rauchen, obwohl er wei&amp;szlig;, dass das f&amp;uuml;r exponentielles Sch&amp;auml;delwehwachstum sorgt. All die Tricks, dem Kater schon vor seiner Entstehung Hecken zu ziehen, laufen ja blo&amp;szlig; auf eines hinaus: Die Party soll nicht zu wild werden. Doch kann eine Party gut sein, auf der man nicht durcheinanders&amp;auml;uft und wie verr&amp;uuml;ckt raucht? Da k&amp;ouml;nnte man das Trinken ja auch gleich sein lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nach dem Aufwachen, falls man es so nennen will, ist der Kater da, so m&amp;auml;chtig oft, dass die Verzweiflung bei den aberwitzigsten Gegenmitteln Zuflucht sucht, selbst wenn man wei&amp;szlig;, dass es nur einen versumpften Tag lang dauert, ehe das Elend wieder aufklart.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Mische Zichorie mit einem gr&amp;uuml;nen Frosch oder Pestwurzel mit der Zehe eines schwarzen Hundes oder ein gr&amp;uuml;nes Gem&amp;uuml;se mit dem Fu&amp;szlig;schwei&amp;szlig; eines Mannes&amp;laquo;, empfahlen die Babylonier. Plinius der &amp;Auml;ltere r&amp;auml;t zu Kohl (&amp;raquo;einem Feind der Rebe&amp;laquo;) und frischen Euleneiern, Scribonius Largos dazu, auf den Kopfschmerz einen lebenden schwarzen Zitterrochen zu legen. Die Polen halten Essigwasser f&amp;uuml;r eine Katerkur, die Mexikaner Kuttelsuppe, die Japaner eingelegte Pflaumen, die Bewohner der &amp;auml;u&amp;szlig;eren Mongolei in Tomatensauce geschmorte Lammaugen. Bananen sollen helfen. Kokosnusswasser soll helfen. Rollmops soll helfen. Und Espresso (mit einer Prise Salz oder mit einem Schuss Zitrone, je nachdem, ob man einen Franzosen oder einen Italiener befragt). Manche Engl&amp;auml;nder schw&amp;ouml;ren auf Speck und Eier. Oder verbrannten Toast (eine Art selbst produzierter Aktivkohle). Die Cowboys bek&amp;auml;mpften den Kater mit Tee aus Kaninchendung (eine Passage, die aus dem Drehbuch von &lt;em&gt;Brokeback Mountain&lt;/em&gt; wieder gestrichen wurde). Wer sich mit der Kulturgeschichte der Katerbek&amp;auml;mpfung besch&amp;auml;ftigt, lernt: Es gibt nicht vieles, mit dem es die Trinker nicht versucht h&amp;auml;tten. 1961 &amp;ndash; ein Jahr, in dem man zum Business-Lunch noch ein paar steife Martinis nehmen konnte, ohne Argwohn zu erwecken &amp;ndash; ver&amp;ouml;ffentlichte ein gewisser Frank M. Paulsen in der Fachzeitschrift &lt;em&gt;The Journal of American Folklore&lt;/em&gt; die Ergebnisse einer Umfrage, f&amp;uuml;r die er sich bei Barbesuchern in zehn St&amp;auml;dten nach ihren Hangover-Vertreibungs-Strategien erkundigt hatte. Auf den vorderen Pl&amp;auml;tzen: Tomatensaft, rohe Eier, Milch, Sex und, mit gro&amp;szlig;em Vorsprung am beliebtesten, irgendeine Variante des Reparatur-Alkohols. Aber es gab auch so exotische Empfehlungen wie: &amp;raquo;Drei Aspirin zusammen mit Cola, gefolgt von einer Buttermilchsuppe&amp;laquo;, &amp;raquo;Backpulver, das in lauwarmem Wasser aufgel&amp;ouml;st wurde&amp;laquo; oder &amp;raquo;der Geruch von Benzin, m&amp;ouml;glichst tief eingeatmet&amp;laquo;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nicht alles, was sich die Volksweisheit einfallen l&amp;auml;sst, ist haneb&amp;uuml;chener Bl&amp;ouml;dsinn, aber selbstverst&amp;auml;ndlich gen&amp;uuml;gt nichts davon den strengen Wirksamkeitskriterien, die f&amp;uuml;r richtige Medikamente gelten. Oft sorgen die Rezepte aus der Kater-Folklore blo&amp;szlig; f&amp;uuml;r Ablenkung vom Grund&amp;uuml;bel: Ein scharfes Chili zum Beispiel l&amp;auml;sst den Magen vergessen, dass ihm gerade noch von den Nachwirkungen des Saufens schlecht war. Und ein sch&amp;ouml;nes warmes Trostessen (falls man es denn schon wieder bei sich behalten kann) ist auch nicht verkehrter als der Versuch, das Sch&amp;auml;delweh hungrig auszusitzen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;&lt;/span&gt;Die Forschung gegen das Kater&amp;uuml;bel findet an den R&amp;auml;ndern der Branche statt&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56171.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; Viele der auf dem Markt angebotenen Hangover-Pr&amp;auml;parate funktionieren im Prinzip nicht anders als Bananen oder Rollmops, direkt aus dem Glas gegessen: Sie f&amp;uuml;hren dem Stoffwechsel etwas zu, was man entweder beim Trinken verloren hat oder beim N&amp;uuml;chternwerden gut gebrauchen kann. Vitamine, Mineralstoffe, Fruchtzucker, all das Zeug, mit dem man nichts falsch machen kann. Doch am grunds&amp;auml;tzlichen Problem &amp;auml;ndert sich nichts. Ehe man sich wieder taufrisch f&amp;uuml;hlt, muss die Leber den Alkohol und seine Abbauprodukte wegschaffen (nur f&amp;uuml;nf Prozent des Alkohols verlassen den Menschen &amp;uuml;ber die Haut, deswegen sind auch Saunag&amp;auml;nge, Reue-Workouts und Spazierg&amp;auml;nge in grellem Tageslicht nicht sonderlich effektiv). Solange das dauert, tut es eben weh. Immerhin gibt einem der Versuch, sich mit einem Katerfr&amp;uuml;hst&amp;uuml;ck und Multivitaminpr&amp;auml;paraten zu kurieren, das sch&amp;ouml;ne Gef&amp;uuml;hl, den Konsequenzen des eigenen Handelns nicht vollst&amp;auml;ndig ausgeliefert zu sein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nat&amp;uuml;rlich k&amp;ouml;nnte man mit dem Trinken auch einfach weitermachen. Sich in die n&amp;auml;chste Bar schleppen, den Freund hinter der Theke anjammern und sich von ihm einen Katerbek&amp;auml;mpfungsdrink hinstellen lassen, die Auswahl ist durchaus beeindruckend (Barbesitzer Charles Schumann: Bloody Mary mit 5 cl Wodka, 1 cl Zitronensaft, 2 Spritzern Tabasco, 3 Spritzern Worchestersauce, 12 cl Tomatensaft, etwas Pfeffer und Salz und einer Stange Sellerie. Schriftsteller Kingsley Amis: Donald Watt&amp;rsquo;s Jolt, ein Tumbler &amp;raquo;randvoll mit s&amp;uuml;&amp;szlig;em Lik&amp;ouml;r &amp;ndash; Grand Marnier oder B&amp;eacute;n&amp;eacute;dictine &amp;ndash;, der anstelle des Fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;cks eingenommen wird. Sein Erfinder berichtete mir, dass er es mit einem davon intus schon einmal bei eiskaltem Wetter eine Dreiviertelstunde an einer Bushaltestelle ausgehalten hat, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken&amp;laquo;). Kurzfristig lindert das Kontertrinken die Katerqualen. Schon weil einem betrunken das eigene Elend weniger ausmacht, aber auch, weil es die Leber von der Methanol-Front abzieht, wenn man sie erneut an die &amp;Auml;thanol-Front schickt. N&amp;uuml;chtern allerdings kann man sich ausrechnen: Irgendwann muss man mit dem Trinken wieder auf-h&amp;ouml;ren. Und dann kommt der Kater ja doch. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Gut so, befinden jene, denen die Volksgesundheit ein Herzensanliegen ist. F&amp;uuml;r sie ist die Angst vor dem Kater eine Blockade auf dem Weg zum Alkoholismus, eine Art Warnung vor dem Missverst&amp;auml;ndnis, man k&amp;ouml;nne sich mit Alkohol das Leben tats&amp;auml;chlich gl&amp;uuml;cklicher trinken. Bei einem volkswirtschaftlichen Gesamtschaden von etwa 25 Milliarden Euro pro Jahr durch Alkoholgenuss und bei j&amp;auml;hrlich &amp;uuml;ber 70 000 Todesf&amp;auml;llen l&amp;auml;sst sich das Z&amp;ouml;gern, in Antikater-Forschung zu investieren, durchaus nachvollziehen. Ganz abgesehen davon, dass Ethik-Kommissionen nicht wirklich medizinische Versuche tolerieren k&amp;ouml;nnen, bei denen es zur Versuchsanordnung geh&amp;ouml;rt, Menschen systematisch besoffen zu machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; So findet die Forschung gegen das Kater&amp;uuml;bel an den R&amp;auml;ndern der Branche statt. Und deshalb werden die Mittel, die dabei ersonnen werden, als Nahrungserg&amp;auml;nzungsmittel angeboten &amp;ndash; der gute alte Trick, mit dem man sich die kostspieligen Prozeduren erspart, die f&amp;uuml;r die Zulassung von Arzneien gelten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Vor allem in Asien und Russland wird an Hangover-Mitteln geforscht, beides nicht sehr verwunderlich: Viele Asiaten vertragen Alkohol schlechter als wir, weil ihnen ein bestimmtes zum Abbau der Gifte n&amp;ouml;tiges Enzym fehlt; und in Russland geh&amp;ouml;rt zur &lt;br /&gt; Geselligkeit immer noch die Bereitschaft, sich die Birne wegzuknallen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Alexander Teslenko zum Beispiel ist ein Mann, der die Menschheit vom &amp;Uuml;bel des Katers erl&amp;ouml;sen k&amp;ouml;nnte. Lange war der promovierte Chemiker Wissenschaftler am Allunionsinstitut f&amp;uuml;r Hochreine Biopr&amp;auml;parate in Leningrad, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wanderte er nach Deutschland aus, und irgendwann entwickelte er ein Pr&amp;auml;parat, das die Leber entgiftet und die Kater-Symptome deutlich abschw&amp;auml;cht, es enth&amp;auml;lt, mailt er, &amp;raquo;Extrakte aus Curcuma (bekannt auch unter dem Namen &amp;rsaquo;Indisches Gold&amp;lsaquo;), Lakritz, Granatapfel, Oligoglukane mit ihrem breiten biologischem Wirkspektrum und andere Substanzen&amp;laquo;. Seit anderthalb Jahren ist sein Mittel unter dem sch&amp;ouml;nen polynesischen Namen Koa-Koa im Internet erh&amp;auml;ltlich, es gibt bereits eine Menge Trinker, die auf seine Wirkungen schw&amp;ouml;ren, und wenn sich das noch ein wenig herumspr&amp;auml;che, w&amp;auml;re Teslenko ein gemachter Mann. Wie die Kollegen, die in den USA ein Pr&amp;auml;parat namens  RU-21 vertreiben (ein Wortspiel aus der Abk&amp;uuml;rzung f&amp;uuml;r Russland und der Frage, ob man schon 21 sei, also legal trinken d&amp;uuml;rfe), auch als &amp;raquo;KGB-Pille&amp;laquo; bekannt. Der sowjetische Geheimdienst soll es im Kalten Krieg entwickelt haben, um seinen Agenten das Trinken ohne Katerkopf zu erm&amp;ouml;glichen, ein findiger Importeur f&amp;uuml;hrte es in den USA ein, ein paar Hollywood-Schauspieler orderten es f&amp;uuml;r ihre Partys, seitdem l&amp;auml;uft der Absatz. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Vielleicht aber ist der Drang, den Kater loszuwerden, nur ein Symptom eines anderen zeitgen&amp;ouml;ssischen Zivilisationsleidens &amp;ndash; der Wehleidigkeit, die zu jedem Schmerz gleich nach einem Gegenmittel verlangt. Der traditionsbewusste Trinker dagegen z&amp;auml;hmt den Kater nicht, indem er ihn eliminiert, sondern indem er sich mit ihm zu vers&amp;ouml;hnen versucht, als Teil des Vergn&amp;uuml;gens, als Konsequenz, die man ertragen muss. Der Kater &lt;br /&gt; ist schlie&amp;szlig;lich mehr als Kopfschmerz und Bauchgrimmen, er versetzt den von ihm Befallenen auch in den Stand der Erkenntnis: Nie lernt er sich in seiner D&amp;uuml;rftigkeit und Bed&amp;uuml;rftigkeit besser kennen als in den Stunden, in denen der Rausch abklingt. Die Feinf&amp;uuml;hligkeit, die er jetzt hat! Die Scham, die er empfindet! Seine Bereitschaft, auf die Welt da drau&amp;szlig;en zu pfeifen! Lauter Erfahrungen sind das, die man nicht mehr allzu oft machen darf. Tats&amp;auml;chlich wird der Kater ja nur dann zum Problem, wenn er das Funktionieren des Lebens behindert. Spricht es also nicht m&amp;ouml;glicherweise gegen unsere Einrichtung des Lebens, wenn ein Kater gar so schlecht in den Lauf der Dinge passt? Wollen Sie wissen, warum so viele Schriftsteller S&amp;auml;ufer sind, hat Kingsley Amis, ein begnadeter Schriftsteller und begnadeter S&amp;auml;ufer, einmal gefragt und die Antwort gleich hinterhergeschoben: weil sie es sich leisten k&amp;ouml;nnen, blauzumachen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der smarte S&amp;auml;ufer wei&amp;szlig;: Der Kater ist ein Augenblick der Wahrheit, in dem die Welt sich zeigt, wie sie ist. Die Kunst, mit dieser Wahrheit umzugehen, besteht darin, sie &lt;br /&gt; stoisch zu ertragen. Der Kater geht vorbei. Das kann man leider nicht von allem sagen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Was tun gegen den hier?</dc:subject>
    <dc:creator>Peter Praschl</dc:creator>
    <dc:date>2013-02-04T12:00:00+01:00</dc:date>
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  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39245">
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    <title>Direkt an der Quelle</title>
    <description>&lt;p&gt;Fr&amp;uuml;her wuchs auf Island vor allem: Moos. Entsprechend einfach war die  K&amp;uuml;che. Seit dank Erdw&amp;auml;rme jetzt hier auch Ingwer, Tomaten und Paprika  angebaut werden, kann man auf der Insel richtig gut essen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;Flechtensuppe. Spartanischer geht&amp;rsquo;s kaum. Isl&amp;auml;ndisches Moos, mit Wasser und Milch ganz kurz aufgekocht, etwas Salz und Honig. Gab&amp;rsquo;s fr&amp;uuml;her immer, wenn die Vorr&amp;auml;te zu Ende gingen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;Uuml;berhaupt wuchs fr&amp;uuml;her nicht viel im kurzen Sommer auf Island: etwas Rhabarber und Wei&amp;szlig;kohl, ein paar Beeren. Flechten aber findet man selbst auf kargem Lavagestein, sie sind besonders nahrhaft, sie sehen aus wie braunes Moos. Die nordische K&amp;uuml;che hat sie gerade wiederentdeckt: Ren&amp;eacute; Redzepi vom &amp;raquo;Noma&amp;laquo; in Kopenhagen und Magnus Nilsson vom &amp;raquo;F&amp;auml;viken&amp;laquo;, der in den W&amp;auml;ldern Schwedens kocht, holen sie zur&amp;uuml;ck auf den Teller: gefrorenes Moos im Nachtisch, gebratenes Moos als Fleischbeilage.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch die Isl&amp;auml;nder sind eher froh, dass die Zeit der Flechten endlich vorbei scheint. Heute w&amp;auml;chst auf Island jedes Gem&amp;uuml;se, das ein Koch sich nur w&amp;uuml;nschen kann. Selbst im Winter. Das Land der Vulkane hat sich zum Land der Gew&amp;auml;chsh&amp;auml;user gewandelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ing&amp;oacute;lfur      Gudnason ist 56 und kennt die Flechtensuppe noch aus seiner Kindheit. Nach seinem Landwirtschaftsstudium kaufte er zwei Gew&amp;auml;chsh&amp;auml;user etwa eineinhalb Autostunden nord&amp;ouml;stlich von Reykjav&amp;iacute;k, in der N&amp;auml;he des Gro&amp;szlig;en Geysirs. Gudnason importiert seine Erde aus Finnland und versetzt sie mit Vulkanasche, so machen das alle auf Island. Auf D&amp;uuml;nger verzichtet er. Von Anfang an betrieb er biologischen Anbau von Tomaten, Paprika, Salat und Kohl. Auch Koriander, Basilikum und Rucola pflanzte er. 1985 kannte das noch niemand in Reykjav&amp;iacute;k, deswegen musste er die ersten Ernten der      europ&amp;auml;ischen Mode-Kr&amp;auml;uter wegschmei&amp;szlig;en. Lauch und Petersilie war fr&amp;uuml;her alles, was man in der isl&amp;auml;ndischen K&amp;uuml;che gewohnt war. Heute wird Gudnason sogar Thai-Basilikum los. Die Leute haben pl&amp;ouml;tzlich Spa&amp;szlig; am Kochen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die      Glasscheiben seiner Gew&amp;auml;chsh&amp;auml;user sind nur vier Millimeter d&amp;uuml;nn. Sie      sollen das wenige Tageslicht durchlassen, auf Island scheint im Winter die Sonne nur ein paar Stunden lang. Strom und Heizenergie seiner beiden Gew&amp;auml;chsh&amp;auml;user k&amp;ouml;nnten ein ganzes Dorf mit 1000 Bewohnern durch den Winter bringen. Dennoch gibt Gudnason nur ein bis zwei Prozent seines Jahresumsatzes f&amp;uuml;r die Heizung aus, 25 Prozent sind es f&amp;uuml;r die Stromkosten der Tageslichtlampen, die im Winter jeden Tag 18 Stunden lang brennen. Die      Heizung ist so billig, weil sie mit Geothermie gewonnen wird, Erdw&amp;auml;rme, die Wasser auf bis zu 95 Grad erhitzt; die Bohrstelle liegt gerade mal 200 Meter vom Gew&amp;auml;chshaus entfernt. Der Strom stammt aus Turbinen, die ebenfalls mit Geothermie betrieben werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch in Deutschland wird Erdw&amp;auml;rme immer &amp;ouml;fter zum Heizen benutzt. Aus 265 000 oberfl&amp;auml;chennahen Bohrstellen heizt man einzelne H&amp;auml;user, f&amp;uuml;r die Versorgung ganzer Stadtteile muss man allerdings bis zu 5000 Meter tief bohren. Die Kosten sind noch zu hoch, um mit Erdw&amp;auml;rme so viele Gew&amp;auml;chsh&amp;auml;user zu heizen wie in Island, wo die hei&amp;szlig;en Quellen n&amp;auml;her an der Erdoberfl&amp;auml;che liegen als irgendwo sonst in Europa. Auf Island leistet man sich Erdbeeren im Januar, so g&amp;uuml;nstig ist die Erdw&amp;auml;rme: Isl&amp;auml;nder m&amp;uuml;ssen ja nur f&amp;uuml;r Investitionskosten und Wartung der Anlagen zahlen und kommen damit nur auf einen Bruchteil der Heizkosten im restlichen Europa.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die ersten Gew&amp;auml;chsh&amp;auml;user wurden in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts      aufgebaut - mit Fachwissen (und Bienen zum Best&amp;auml;uben) aus Holland. Gem&amp;uuml;se, Obst und Blumen von der Insel blieben allerdings lange unprofitabel, zu billig waren fr&amp;uuml;her&lt;br /&gt;die Importe aus S&amp;uuml;deuropa. Mit steigenden Energiekosten nahm allerdings auch die Zahl der Gew&amp;auml;chsh&amp;auml;user sprunghaft zu. Zuletzt verteuerten Bankenkrise und der W&amp;auml;hrungsverfall die Importe aus S&amp;uuml;deuropa. Geothermie wurde ganz pl&amp;ouml;tzlich zum gro&amp;szlig;en Standortvorteil. Die Zahl der beheizten Anbaufl&amp;auml;chen verdoppelte sich in den letzten zwanzig Jahren auf 200 000 Quadratmeter, das gen&amp;uuml;gt weitgehend zur Selbstversorgung. Island hat ja nur 340 000 Einwohner, mehr als die H&amp;auml;lfte davon leben in Reykjav&amp;iacute;k. Auf dem Rest der Insel gibt es Orte wie Hveragerdi, die sich r&amp;uuml;hmen, mehr Gew&amp;auml;chsh&amp;auml;user als Bewohner zu haben, und ganze Busladungen neugieriger Chinesen anlocken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Island ist  Gem&amp;uuml;se-Paradies geworden. Heute lassen sich selbst Koriander, Rucola und Ingwer problemlos verkaufen, und um die marktfrische Ware herum hat sich eine florierende Restaurantszene gebildet. Sogar ein klassisch franz&amp;ouml;sisches Restaurant gibt es neuerdings, das &amp;raquo;Gallery&amp;laquo;, dessen Chefkoch f&amp;uuml;nf Jahre lang in einem Sternelokal in Lyon gearbeitet hat. Ohne frisches Gem&amp;uuml;se aus den Gew&amp;auml;chsh&amp;auml;usern w&amp;auml;re seine Haute Cuisine auf Island undenkbar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch l&amp;auml;ngst gucken die Isl&amp;auml;nder nicht mehr nach Europa, sie entwickeln gerade eine ganz eigenst&amp;auml;ndige K&amp;uuml;che. Das ma&amp;szlig;gebliche Kochbuch steht in nahezu jedem Haushalt. Es hei&amp;szlig;t &lt;em&gt;Into the North &lt;/em&gt;und erschien auf Englisch, die nordischen Rezepte mit s&amp;uuml;dlichen Gem&amp;uuml;sen verkaufen sich in ganz Europa gut: Langusten in Chili an frischen Blattsalaten. Fischsuppe mit Karotten und Koriander. Kormoran auf Pastinakenp&amp;uuml;ree. Oder ganz klassisch: Hering mit Dill, aber der eben ganz frisch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Dill&amp;laquo; hei&amp;szlig;t auch das Restaurant in Reykjav&amp;iacute;k, das drei Jahre hintereinander zum besten der Insel gew&amp;auml;hlt wurde. Gunnar Karl G&amp;iacute;slason, der Chefkoch, hat Gerichte wie &amp;raquo;Rochen auf Sauerkraut&amp;laquo; erfunden. Klingt schauderlich, schmeckt gro&amp;szlig;artig. G&amp;iacute;slason arbeitete lange in D&amp;auml;nemark und ist nur seiner Tochter zuliebe in seine Heimat zur&amp;uuml;ckgekehrt; vor f&amp;uuml;nf Jahren galt Island noch als kulinarisches Niemandsland. Nat&amp;uuml;rlich haben ihn das &amp;raquo;Noma&amp;laquo; und die nordische K&amp;uuml;che beeinflusst - &amp;raquo;und umgekehrt&amp;laquo;, erg&amp;auml;nzt er ganz unbescheiden. G&amp;iacute;slason besinnt sich auch auf traditionelle Rezepte, die er neu interpretiert: Gerichte mit heimischen Beeren etwa und nat&amp;uuml;rlich den Klassiker Flechtensuppe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Letzten Herbst hat G&amp;iacute;slason die Leute vom &lt;em&gt; Michelin&lt;/em&gt; angerufen und angefragt, ob sie nicht mal ein paar Tester r&amp;uuml;berschicken wollten. Die unverbindliche Antwort aus Paris: Sie w&amp;uuml;ssten schon, dass sich in Island gerade einiges tut. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;---&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;Touristen k&amp;ouml;nnen Gourmet-Touren durch Islands neue Insel-K&amp;uuml;che  buchen (www.isafoldtravel.is), bei denen sie in Fischfabriken,  Gew&amp;auml;chsh&amp;auml;user und Restaurants wie das &amp;raquo;Dill&amp;laquo; in Reykjavik gef&amp;uuml;hrt  werden.&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fotos: Raphael Helle /Signatures/ G&amp;iacute;sli Egill Hrafnsson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Direkt an der Quelle</dc:subject>
    <dc:creator>Lars Reichardt</dc:creator>
    <dc:date>2013-01-25T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Fett for fun</title>
    <description>&lt;p&gt;Aufs Brot? Ach was, richtig gute Butter kann man auch einfach so essen.  Findet zumindest der Schwede Patrik Johannson. Und der muss es wissen &amp;ndash;  er macht seine Butter selbst.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;Patrik Johannson, 45, war Hochseefischer und Manager einer Kaffeeplantage auf Madagaskar, er hat Gourmet-Meersalz hergestellt und vertrieben und eine Consultingfirma f&amp;uuml;r Technologieunternehmen gegr&amp;uuml;ndet. Jetzt aber hat er gefunden, was ihn gl&amp;uuml;cklich macht: &amp;raquo;Ich bin ein Buttermann!&amp;laquo;, sagt er. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; An manchen Tagen isst Johannson nichts anderes als Butter, er l&amp;ouml;ffelt sie einfach so aus dem Topf. Er mag kein Brot dazu, weil das, wie er meint, den Geschmack verdirbt. Nur manchmal schmilzt er sie &amp;uuml;ber einem St&amp;uuml;ck Fleisch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Vor vier Jahren machte er seine IT-Consulting-Firma dicht und kaufte sich ein kleines rotes Holzhaus in den W&amp;auml;ldern nordwestlich von G&amp;ouml;teborg. Hier gibt es kein flie&amp;szlig;endes Wasser, das Klo ist eine Senkgrube im Wald, zu dem Grundst&amp;uuml;ck f&amp;uuml;hrt ein Schotterweg, und auch der endet an einer bunten Wiese, etwa 200 Meter unterhalb des Hauses. Die meiste Zeit k&amp;uuml;mmert sich Johannson um seine H&amp;uuml;hner und die zwei Schweine, die nicht weit vom Haus in einem Gehege im Schlamm w&amp;uuml;hlen. Etwa dreimal pro Woche aber zieht er sich zusammen mit seiner Lebensgef&amp;auml;hrtin Zandra in ein nahe gelegenes Lagerhaus zur&amp;uuml;ck. Dort stehen ein paar T&amp;ouml;pfe, K&amp;uuml;hlschr&amp;auml;nke und eine kleine Zentrifuge. Hier machen sie die derzeit begehrteste Butter der Welt. Nachts, wenn die Schweine schlafen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wenn es so etwas wie eine internationale Buttermacher-Szene gibt, dann ist Johannson ihr Star. Seine Butter landet auf den Tischen des &amp;raquo;Noma&amp;laquo; in Kopenhagen, das seit drei Jahren als bestes Restaurant der Welt gilt; die G&amp;auml;ste des &amp;raquo;Frantz&amp;eacute;n/Lindeberg&amp;laquo; in Stockholm, zwei Sterne, bekommen sie vorgesetzt; Heston Blumenthal will seine Butter f&amp;uuml;r das &amp;raquo;Fat Duck&amp;laquo; in London (drei Michelin-Sterne). Und Jamie Oliver hat ihn&lt;br /&gt;eingeladen, mit ihm live auf der B&amp;uuml;hne Butter zu machen. Johannson will Oliver einen Rucksack mit Rahm geben und ihn auf einem Trampolin springen lassen. Dass man so tats&amp;auml;chlich Butter machen kann, hat er mit seinem sechsj&amp;auml;hrigen Sohn bereits ausprobiert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Schon Johannsons Gro&amp;szlig;mutter war Buttermacherin in dem Dorf bei G&amp;ouml;teborg, in dem er sich nun sein Haus gekauft hat. In der Gegend erz&amp;auml;hlt man sich gern, dass es die Wikinger gewesen seien, die den Franzosen das Buttermachen beibrachten. Bis 1885 war Schweden der gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Butterexporteur der Welt. Noch 1960 gab es 6000 Molkereien und, glaubt man den Einheimischen, mehr Hartk&amp;auml;se-Sorten als in Frankreich. Dann begann der Milchkonzern Arla die kleineren aufzukaufen und zuzusperren. Heute ist Arla die viertgr&amp;ouml;&amp;szlig;te Molkereigenossenschaft der Welt, und in Schweden verkaufen nur mehr eine Handvoll Betriebe Milch. &amp;raquo;Da ist so viel Wissen verloren gegangen&amp;laquo;, sagt Johannson. Er will diesen Schwund aufhalten. Etwa 250 Kilo Butter produziert er pro Jahr und tausend Liter Cr&amp;egrave;me fra&amp;icirc;che, das meiste f&amp;uuml;r die Spitzengastronomie. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ber&amp;uuml;hmt gemacht hat ihn eine neue Kreation: seine sogenannte Virgin Butter. Optisch erinnert sie an Vanilleeis, selbst frisch aus dem K&amp;uuml;hlschrank ist sie weich. Kalt sollte man sie aber sowieso nicht essen, erst warm entfaltet sie ihren vollen Geschmack. Ihre Konsistenz ist cremig, fast wie Frischk&amp;auml;se, sie schmeckt intensiv buttrig und gleichzeitig viel saurer, frischer. Wer sie probiert hat, versteht, dass Johannson sie ohne Beilage l&amp;ouml;ffelt &amp;ndash; weil sie einfach s&amp;uuml;chtig macht. Einige begeisterte Esser rund um die Welt haben bereits versucht, sie nachzumachen. Gelungen ist es bisher niemandem. Das Kilo kostet um die 17 Euro, seine normale Butter ist etwas g&amp;uuml;nstiger. Kaufen k&amp;ouml;nnen sie auch Normalsterbliche, allerdings nur Selbstabholer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Um seiner Butter den charakteristischen Geschmack zu geben, hat der Buttermacher Hunderte wissenschaftliche Arbeiten &amp;uuml;ber Milchs&amp;auml;urebakterien gelesen. In Datenbanken der Universit&amp;auml;t Stockholm hat er alte Texte &amp;uuml;ber die Kunst des Buttermachens studiert, aus Deutschland, England oder Schweden. Er hat ein Jahr lang mit der Milch verschiedener K&amp;uuml;he experimentiert, mit Schleuderzeiten und Temperatur. &amp;raquo;Das Geheimnis des Buttermachens&amp;laquo;, sagt Johannson, &amp;raquo;liegt darin, wie man seine Bakterien behandelt.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;Virgin Butter&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/55349.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; Johannsons Rahm stammt von der Milch gew&amp;ouml;hnlicher K&amp;uuml;he einer nahen  Molkerei. Sie wird pasteurisiert, weil ihm das Gesundheitsamt Rohmilchbutter verbietet, f&amp;uuml;r den Geschmack macht das seiner Meinung nach keinen gro&amp;szlig;en Unterschied. Der Rahm muss aber erst zwei Tage stehen und sauer werden, bevor er geschleudert wird &amp;ndash; in genau dieser Zeit entsteht das Aroma. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Er wird mit vier verschiedenen Kulturen geimpft, zwei f&amp;uuml;rs Aroma und zwei f&amp;uuml;r die S&amp;auml;ureproduktion. Anschlie&amp;szlig;end wird er erst langsam auf knapp unter 40 Grad erhitzt, dann darf er wieder langsam abk&amp;uuml;hlen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; W&amp;auml;hrend des Reifungsprozesses kostet Johannson regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig, um den idealen Zeitpunkt zum Schleudern zu bestimmen. Erkl&amp;auml;ren k&amp;ouml;nne er es nicht, meist sei das aber um halb zwei Uhr in der Fr&amp;uuml;h. Da wird die Virgin Butter dann 15 Minuten geschleudert und geschlagen, damit viel Buttermilch in der Butter bleibt und sie so cremig wird. Auf das Waschen der Butter, ein sonst &amp;uuml;blicher Schritt, verzichtet Johannson. Es macht sie zwar l&amp;auml;nger haltbar, nimmt ihr aber einige der sauren Aromen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; G&amp;auml;be es kein Gesundheitsamt, er w&amp;uuml;rde eine Butter machen, die nur mit den wilden Milchs&amp;auml;urebakterien von jenem Gras geimpft wird, das die Milchk&amp;uuml;he gefressen haben. F&amp;uuml;r den Heimgebrauch hat er das bereits probiert und war &amp;uuml;berw&amp;auml;ltigt. Statt vier verrichten dann Hunderte Bakterienkulturen ihr Werk  &amp;ndash; und verleihen der Butter ihr eigenes, mikrobiologisches Terroir.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;Auml;hnlich wie der Geschmack von Wein gepr&amp;auml;gt wird vom Boden, auf dem er gewachsen ist, werden auch Lebensmittel, die ihr Aroma Mikroorganismen verdanken, von ihrem Entstehungsort gepr&amp;auml;gt. Industrielle Butter wird fast ausschlie&amp;szlig;lich aus S&amp;uuml;&amp;szlig;rahm geschlagen. Das Problem: Sie schmeckt nach viel weniger, weil der Rahm von K&amp;uuml;hen aus verschiedenen Regionen stammt. Die regionalen Eigenheiten gehen verloren. Ihr fehlen all die sauren und nussigen Noten, vor allem aber die sogenannten Butandione, jene Stoffe, die Butter erst so richtig buttrig machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bis Johannson sein Grasbutter-Projekt umsetzen darf, widmet er sich anderen Experimenten: Im Restaurant &amp;raquo;Noma&amp;laquo; in Kopenhagen s&amp;auml;uerte er seinen Rahm einmal mit Bakterien von den H&amp;auml;nden der Mitarbeiter, einmal mit jenen der Frauen (k&amp;ouml;stlich), einmal mit jenen der M&amp;auml;nner (ekelhaft); er bat einen befreundeten Wissenschaftler um Proben eines 6000 Jahre alten Sauerteigs aus einem Pharaonengrab und lie&amp;szlig; dessen Kulturen auf seinen Rahm los (zu sauer). Und seit einigen Monaten hat er einige Kilo Butter bei sich im Wald vergraben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;Uuml;ber ganz Skandinavien, England und Irland verteilt finden Arch&amp;auml;ologen immer wieder im Torf vergrabene Butterf&amp;auml;sser, das &amp;auml;lteste 5000 Jahre alt. Die Butter darin war, nun ja, nicht k&amp;ouml;stlich, aber noch essbar. Warum die Menschen ihre Butter vergruben, wei&amp;szlig; bisher niemand so genau. Johannson will herausfinden, wie sich das Vergraben auf den Geschmack auswirkt. Er hat mehrere Butterlaibe in Leinent&amp;uuml;cher gewickelt und im Wald im Morast vergraben. Einer wird alle paar Monate gekostet, schon nach ein paar Wochen schmeckte er zwar noch mild, aber bereits gereift. Ein anderer soll mindestens sieben Jahre ruhen, bevor er ausgegraben wird. Magnus Nilsson, der verr&amp;uuml;ckte Spitzenkoch des &amp;raquo;F&amp;auml;viken&amp;laquo; in der Ein&amp;ouml;de Nordschwedens, ist sehr interessiert an dem Produkt, genauso wie das Nordic Food Lab und Wissenschaftler der Universit&amp;auml;t Oxford.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch die &amp;raquo;M&amp;ouml;venpick&amp;laquo;-Hotelkette interessiert sich f&amp;uuml;r Johannson und seine Butter. Sie haben angefragt, ob er nicht ihre H&amp;auml;user beliefern will. Will er aber nicht. Dann m&amp;uuml;sste er umbauen und viel mehr Butter machen. F&amp;uuml;r die Schweine und H&amp;uuml;hner bliebe dann kaum noch Zeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fast h&amp;auml;tte Tobias M&amp;uuml;ller keine Bog Butter kosten k&amp;ouml;nnen. Johannson stocherte 15 Minuten vergeblich mit dem Schirm im Torf, bis er sie doch noch fand. Sie schmeckte relativ mild, gar nicht nach Wald. Sie lagerte aber auch erst ein paar Wochen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Fett for fun</dc:subject>
    <dc:creator>Tobias Müller (Text und Fotos)</dc:creator>
    <dc:date>2013-01-16T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Auf die harte Tour</title>
    <description>&lt;p&gt;Der Deutsche bei&amp;szlig;t sich gerne die Z&amp;auml;hne aus.      Deswegen liebt er sein Brot anstrengend krustig. Eine Wehklage.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54245.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;1527 wurde in M&amp;uuml;nchen der Messerschmied Ambrosi Lossenhammer gek&amp;ouml;pft. Sein Vergehen: Er hatte gr&amp;uuml;ndonnerstags w&amp;auml;hrend einer Messe in der Frauenkirche gerufen: &amp;raquo;Gott ist nicht im Brot &amp;ndash; darum soll man es auch nicht anbeten.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der S&amp;uuml;nde machen sich die Deutschen immer noch schuldig. Das &amp;raquo;Brotregister&amp;laquo;, mit dem der Zentralverband des B&amp;auml;ckerhandwerks den Anspruch der heimatlichen &amp;raquo;Brotkultur&amp;laquo; auf Aufnahme in die Unesco-Liste mit dem immateriellen Kulturerbe der Menschheit bekr&amp;auml;ftigen will, verzeichnete Anfang November 2927 verschiedene Sorten &amp;ndash; unter ihnen Sch&amp;ouml;pfungen wie den &amp;raquo;Roggn Roll&amp;laquo; oder den &amp;raquo;Deichgrafen&amp;laquo;. Dabei unterscheiden sie sich in einem nicht sehr voneinander. Sie sind hart. Auf nichts ist der hiesige B&amp;auml;cker so stolz wie auf seine Virtuosit&amp;auml;t, kr&amp;auml;ftige Krusten herzustellen, an denen die Z&amp;auml;hne sich bew&amp;auml;hren m&amp;uuml;ssen. Der Aufkl&amp;auml;rer Voltaire, Angeh&amp;ouml;riger einer Nation, die sich aufs Essen versteht, hat dazu alles N&amp;ouml;tige gesagt: &amp;raquo;Ein gewisser trockener, schwarzer und klebriger Stein, bestehend, wie man sagt, aus einer Art Roggen, ist die Nahrung des Hausherrn.&amp;laquo; Voltaires Urteil galt dem westf&amp;auml;lischen Pumpernickel, einem Nationalerbe, von dem nicht feststeht, ob sein Name eine Anspielung auf jene Winde (&amp;raquo;pumpern&amp;laquo;) ist, die der Genuss verursacht, oder eine falsche Transkription des absch&amp;auml;tzigen Kommentars eines franz&amp;ouml;sischen Reiters, der sich weigerte, hineinzubei&amp;szlig;en &amp;ndash; &amp;raquo;Cest bon pour Nicle&amp;laquo;, soll er gesagt haben, das sei etwas f&amp;uuml;r sein Pferd. Man h&amp;auml;tte dasselbe Urteil &amp;uuml;ber viele andere K&amp;ouml;stlichkeiten aus deutschen Backstuben f&amp;auml;llen k&amp;ouml;nnen: essbare Steine, mit Vogelfutter beklebt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sie nennen es Brot, in Wahrheit handelt es sich blo&amp;szlig; um fixe Ideen. Jene zum Beispiel, dass das dunkle, volle Korn ges&amp;uuml;nder sei als das helle Mehl &amp;ndash; als ob Franzosen und all die anderen Wei&amp;szlig;brotnationen eine geringere Lebenserwartung h&amp;auml;tten (allerdings liegt in Schwarzbrotland die Geburtenrate niedriger, wor&amp;uuml;ber niemand nachzudenken gewillt ist). Oder die Zwangsvorstellung, dass &amp;raquo;Ballaststoffe&amp;laquo; gut f&amp;uuml;r die Verdauung seien. Kann sein, aber sollten zivilisierte Menschen sich viele Gedanken &amp;uuml;bers Verdauen machen? Vielleicht sind die Deutschen auch, ohne es zu wissen, Anh&amp;auml;nger des amerikanischen Lebensreformers Horace Fletcher, der den Glauben verfocht, die Natur werde jene &amp;raquo;bestrafen, die nicht gr&amp;uuml;ndlich kauen&amp;laquo;. Vielleicht liegt es doch nur an der Tr&amp;auml;gheit. Wer nur alle paar Wochen zum B&amp;auml;cker muss, weil sich dessen Brot ewig h&amp;auml;lt, gewinnt viel Zeit, die man produktiv nutzen kann. Zum Beispiel f&amp;uuml;r die Verachtung des Fluffigen und Weichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Auf die harte Tour</dc:subject>
    <dc:creator>Peter Praschl </dc:creator>
    <dc:date>2012-12-05T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Der Durchbruch</title>
    <description>&lt;p&gt;Im Norden gedeiht kein Roggen. Also haben      sich die Schweden ein paar Alternativen einfallen lassen. Und was      f&amp;uuml;r welche!&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54257.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Das Brot ist richtig, wenn es hart ist. Es darf nicht nachgeben, wenn der Daumen in den Teig dr&amp;uuml;ckt. Wenn man sich anstrengt und ein St&amp;uuml;ck abbricht, muss es knacken, so laut und pr&amp;auml;gnant, als steige man mit der Ferse auf eine Walnuss.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Zur bleichen Kn&amp;auml;ckebrotscherbe geh&amp;ouml;rt etwas ger&amp;uuml;hrte und gesalzene Butter, vielleicht auch ein St&amp;uuml;ck Hartk&amp;auml;se. So, sagt Mathias Dahlgren, f&amp;auml;ngt in Schweden jede Mahlzeit an. Brot. Butter. K&amp;auml;se. Alles andere ist Luxus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Bemerkung ist lustig, denn kein anderer Schwede ist f&amp;uuml;r den Luxus so dezidiert zust&amp;auml;ndig wie Dahlgren. Er ist Schwedens ber&amp;uuml;hmtester Koch und betreibt im &amp;raquo;Grand H&amp;ocirc;tel&amp;laquo; Stockholm gleich zwei Restaurants mit insgesamt drei Michelin-Sternen. Aber Dahlgren ist gleichzeitig ein leidenschaftlicher H&amp;uuml;ter nordischer Traditionen. Er war dabei, als 2004 das &amp;raquo;Nordic Cuisine Mani-festo&amp;laquo; formuliert wurde, in dem sich Spitzenkr&amp;auml;fte aus ganz Skandinavien dazu bekannten, in ihrer K&amp;uuml;che &amp;raquo;Reinheit, Frische, Schlichtheit und Ethos&amp;laquo; ihrer Region darzustellen sowie den Wechsel der Jahreszeiten, heimische Produkte und Traditionen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bei Dahlgren gibt es hartes Kn&amp;auml;ckebrot, weiches, d&amp;uuml;nnes Fladenbrot, blondes Sauerteigkrustenbrot. Die Sorten sind so unterschiedlich wie delikat. Sie sind aus Gerste und Hafer gemacht. Das Kn&amp;auml;ckebrot hat seinen charakteristischen, herben Geschmack. Das Sauerteigbrot ist knusprig, samtig, hell, leicht, man kann nicht aufh&amp;ouml;ren, Butter draufzuschmieren und zu essen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Schwedisches Brot ist ein Produkt des Mangels: Das Klima zwingt die Landwirtschaft in die Defensive. Zahlreiche Kornarten, vor allem Roggen und Weizen, gedeihen nur im S&amp;uuml;den Skandinaviens. Im Norden, der bezogen auf den Anbau von Getreide schon deutlich s&amp;uuml;dlich von Stockholm beginnt, wird Roggen w&amp;auml;hrend des kurzen Sommers nicht reif, deshalb gibt es kein dunkles Brot. Stattdessen werden Hafer und Gerste angebaut, Getreidesorten, die im s&amp;uuml;dlicheren Europa eher dazu verwendet werden, die Pferde zu f&amp;uuml;ttern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Brot hat in Schweden eine andere Funktion als in Italien. Dort steht helles, neutrales Brot auf dem Tisch, um Saucen aufzutunken oder eine widerspenstige Beilage auf dem Teller in Position zu schieben, in Schweden tritt Brot selbstbewusster auf. Die Qualit&amp;auml;t des Brotes definiert die Qualit&amp;auml;t der Gastfreundschaft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der Schl&amp;uuml;ssel zur Finesse des schwedischen Brots ist der Ofen. S&amp;auml;mtliche Brotsorten werden traditionell im gro&amp;szlig;en Holzofen gebacken, und &amp;raquo;gro&amp;szlig;&amp;laquo; meint in Schweden, wo reichlich Platz f&amp;uuml;r alle und alles ist, tats&amp;auml;chlich &amp;raquo;gro&amp;szlig;&amp;laquo;: Nicht selten nimmt der Brotofen ein Drittel der Grundfl&amp;auml;che eines klassischen schwedischen Landhauses ein, und seine Bedeutung manifestiert sich schon darin, dass zuerst der Ofen gebaut wird und erst dann das Haus rundherum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dieser Ofen gleicht in vielem dem italienischen Pizzaofen, au&amp;szlig;er dass er noch wuchtiger, noch volumin&amp;ouml;ser ist &amp;ndash; und dass er lange braucht, um auf Betriebstemperatur zu kommen, so lange, dass auf dem Land dann gleich f&amp;uuml;r das ganze Dorf Brot gebacken wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Schon einen Tag vor dem Backen wird der Ofen angefeuert. Am Backtag selbst muss die Temperatur so hoch sein, dass der d&amp;uuml;nn aufgestrichene Haferteig mit einem Loch in der Mitte blitzartig zu Kn&amp;auml;ckebrot gebacken werden kann, bei einer Temperatur von weit &amp;uuml;ber 400 Grad, die das Wasser im Teig fast restlos verdampfen l&amp;auml;sst. Diese Verdampfung ist die wesentliche Voraussetzung daf&amp;uuml;r, dass sich das Brot bis zum n&amp;auml;chsten Backtag h&amp;auml;lt, der in vorindustriellen Zeiten oft erst Monate sp&amp;auml;ter stattfand, dann, wenn wieder neues Getreide zur Verf&amp;uuml;gung stand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;[seitenumbruch title=&quot;Wir Schweden haben immer Kn&amp;auml;ckebrot zu Hause.&quot;]&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54261.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Sterne-Brot: &lt;/strong&gt;Mathias Dahlgren ist Sternekoch seit 1996,      Professor in der Kleinstadt Ume&amp;aring; seit 2008, zwei Sterne in seinem      Restaurant im &amp;raquo;Grand H&amp;ocirc;tel&amp;laquo; von Stockholm hat er seit      2009, in dem Jahr wurde sein Restaurant auch unter die 50 besten der Welt gew&amp;auml;hlt. Sein gro&amp;szlig;es Geheimnis: Wie findet der Mann noch Zeit f&amp;uuml;r      den Gem&amp;uuml;segarten? &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Idee, Kn&amp;auml;ckebrot zu backen, ist gut 500 Jahre alt. An ihrem Anfang stand die Notwendigkeit, dieses Brot so lange wie m&amp;ouml;glich konservieren zu k&amp;ouml;nnen, f&amp;uuml;r die L&amp;auml;nge und die Einsamkeit dunkler skandinavischer Winter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das tanzende Licht im Ofen, der Geruch nach Rauch und W&amp;auml;rme: So beschreibt Mathias Dahlgren seine ersten Kindheitserinnerungen. Nach dem Fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;ck, wenn der Ofen seine gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Hitze entfacht, wurde hartes Kn&amp;auml;ckebrot gebacken, nach dem Mittagessen bei nachlassender Hitze das weiche, d&amp;uuml;nne &amp;raquo;Tunnbr&amp;ouml;d&amp;laquo;, ein knuspriges Fladenbrot. Die Kn&amp;auml;ckebrotr&amp;auml;der mit dem Loch in der Mitte bekamen einen Platz in der N&amp;auml;he des Herdes, wo sie auf eine Stange gesteckt wurden. Die W&amp;auml;rme des Herds sorgte dann daf&amp;uuml;r, dass das Brot m&amp;ouml;glichst lang knusprig blieb.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Wir Schweden haben immer Kn&amp;auml;ckebrot zu Hause&amp;laquo;, sagt Magnus Lanner, der f&amp;uuml;r Eldrimner arbeitet, eine staatliche Organisation zur Unterst&amp;uuml;tzung traditioneller Lebensmittelherstellung, &amp;raquo;wenn keines im Haus ist, f&amp;uuml;hlen wir uns nicht komplett.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Lanner ist mit seiner Organisation daf&amp;uuml;r zust&amp;auml;ndig, klassische b&amp;auml;uerliche Traditionen vor dem Aussterben zu bewahren, und er hat allen Grund, mit der Entwicklung zufrieden zu sein: Seit ein paar Jahren erlebt die Brotb&amp;auml;ckerei in Schweden eine beispiellose Renaissance. &amp;raquo;Noch vor zehn Jahren&amp;laquo;, sagt Mathias Dahlgren, der Sternekoch, &amp;raquo;war es praktisch unm&amp;ouml;glich, in Stockholm ein Sauerteigbrot zu bekommen.&amp;laquo; Inzwischen geh&amp;ouml;rt es in den Kreisen der jungen kreativen Schweden zum guten Ton, sich mit biologisch produziertem Brot einzudecken und selbst f&amp;uuml;r den schnellen Imbiss nur noch zu den &amp;uuml;berall angebotenen, handgeschnitzten, teuren Sandwiches aus Sauerteigbrot zu greifen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Es ist ein Hype&amp;laquo;, sagt Magnus Lanner, der Mann vom Amt f&amp;uuml;r die traditionelle Lebensmittelherstellung, &amp;raquo;und wie jeder Hype in Schweden geht er von Stockholm aus.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das Ergebnis dieses Hypes ist ein spektakul&amp;auml;res Comeback traditioneller Herstellungsarten von schwedischem Brot, das sich von kleinen Backstuben in der Stadt ins Umland ausbreitet. W&amp;auml;hrend der f&amp;uuml;hrende, industrielle Kn&amp;auml;ckebrothersteller Wasa, dessen Erzeugnisse &amp;uuml;ber Jahrzehnte das Bild von schwedischem Kn&amp;auml;ckebrot im Ausland gepr&amp;auml;gt haben, inzwischen zum Nudelkon-zern Barilla geh&amp;ouml;rt und neben Kn&amp;auml;ckebrot Schokosnacks und M&amp;uuml;sliriegel verkauft, bauen Traditionsunternehmen wie Vika Br&amp;ouml;d ihre von Hand betriebenen Backstuben aus. Kn&amp;auml;ckebrot, Tunnbr&amp;ouml;d, Sauerteigbrot. In langer Reihe stehen in Landsv&amp;auml;gen, dem Sitz von Vika Br&amp;ouml;d, zw&amp;ouml;lf riesige, mit Holz befeuerte Back&amp;ouml;fen, in denen Tag f&amp;uuml;r Tag in verschiedenen Hitzeschleifen Brot gebacken wird, wie sich das geh&amp;ouml;rt: Die runden Brotrohlinge kommen zum lodernden Feuer in den Ofen, saugen das Aroma des Rauchs auf, h&amp;auml;rten aus, werden auf einer langen Stange zwischengelagert und sp&amp;auml;ter auf die M&amp;auml;rkte in und um die Hauptstadt gebracht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Es ist &amp;rsaquo;politisch korrekt&amp;lsaquo; geworden, gutes Brot zu m&amp;ouml;gen&amp;laquo;, sagt Mathias Dahlgren. Mehr loben kann ein Schwede kaum. Der traditionelle Mangel ist Ausgangspunkt einer hohen handwerklich-kulinarischen Kultur. Dahlgren muss blo&amp;szlig; darauf achten, dass sich die G&amp;auml;ste seiner Restaurants nicht den Bauch mit Brot und Butter vollschlagen, bevor das Essen losgeht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Der Durchbruch</dc:subject>
    <dc:creator>Christian Seiler </dc:creator>
    <dc:date>2012-12-05T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

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    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38985</link>
    <title>Das beste Brot der Welt</title>
    <description>&lt;p&gt;Spitzenk&amp;ouml;che wie Tim Raue, Vincent Klink und Eckart Witzigmann schw&amp;auml;rmen vom besten Brot, das sie je gegessen haben.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54329.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;Tartine-Brot&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kille Enna, &lt;em&gt;K&amp;ouml;chin und Kochbuchautorin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor vielen Jahren, genauer gesagt 1995, habe ich mal in einem kalifornischen &amp;Ouml;rtchen namens Point Reyes Station als K&amp;ouml;chin gearbeitet. Eines Tages lernte ich dort den &lt;br /&gt; B&amp;auml;cker Chad Robertson in seiner gerade er&amp;ouml;ffneten B&amp;auml;ckerei Bay Vil-lage Bread kennen. Schon damals waren Chad und sein Brot etwas ganz Besonderes. In den kommenden 17 Jahren unserer Freundschaft konnte ich dann hautnah miter-&lt;br /&gt; leben, wie er best&amp;auml;ndig an der Verbesserung seines Brots arbeitete. Chad Robertson hat wie kein an-derer die g&amp;auml;ngige Auffassung davon ver&amp;auml;ndert, was man unter einem Handwerksbrot versteht. Er hat alte Backtraditionen wiederentdeckt und dadurch ein au&amp;szlig;er-ordentliches Brot geschaffen, das komplett ohne Hefe auskommt und Kultstatus erreicht hat. Inzwischen ist Chad einer der einflussreichsten B&amp;auml;cker der Welt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Brot, das ist Chads Leidenschaft. Und die Zutaten Mehl, Wasser und Salz sind so etwas wie sein Lebensprojekt geworden, das ihn mehr als alles andere in Beschlag nimmt. Chad und sein Brot schaffen den Spagat zwischen Schlichtheit und Luxus und sie inspirieren jeden &amp;ndash; sei es Profi oder Amateur &amp;ndash;, bessere Brote zu backen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Chads Brot ist rustikal und doch elegant und hat diese bemerkenswerte d&amp;uuml;nne, fast glasartige Kruste. Sie karamellisiert beim Backen, wird dabei herrlich dunkelbraun und bereichert das Geschmacks-erlebnis noch um feine Karamellnuancen. Die saftige, elastische Krume mit ihren sch&amp;ouml;nen Luftl&amp;ouml;chern hat einen feinen, milden Sauerteiggeschmack und duftet verf&amp;uuml;hrerisch s&amp;uuml;&amp;szlig; und frisch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das Backen mit Sauerteig ist zugleich einfach und komplex. Doch trotz aller Komplexit&amp;auml;t ist Chad davon &amp;uuml;berzeugt, dass jeder ein Brot backen kann, das seinem in puncto Aussehen, Geschmack und Haltbarkeit nahekommt. Eine sch&amp;ouml;ne Abwechslung zu den modernen Sauerteigbroten, die meist Charakter und Geschmack vermissen lassen. 2010 hat Chad in den USA das Buch &lt;em&gt;Tartine Bread&lt;/em&gt; herausgebracht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Tartine Bakery &amp;amp; Caf&amp;eacute;&lt;br /&gt;600 Guerrero Street&lt;br /&gt;San Francisco&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://www.tartinebakery.com/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;www.tartinebakery.com&lt;/a&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Baguette&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Christian J&amp;uuml;rgens, &lt;em&gt;Koch&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich 1988 im &amp;raquo;Tantris&amp;laquo; in M&amp;uuml;nchen anfing, belieferte uns der B&amp;auml;cker Klaus Landvogt immer so gegen zehn Uhr fr&amp;uuml;h. Sofort f&amp;uuml;llte sich der ganze Raum mit diesem unheimlich tollen Geruch von frischem, warmem Baguette. Wenn man unbeobachtet ein St&amp;uuml;ck von der warmen Brotstange herunterrei&amp;szlig;t, mit Butter bestreicht und isst &amp;ndash; diesen Geschmack vergisst man nie mehr im Leben. Das Brot wird nach Klaus Landvogts Geheimrezept gebacken und ruht einen ganzen Tag lang, so wird es au&amp;szlig;en richtig sch&amp;ouml;n knusprig und innen sehr luftig und weich. Landvogts Nachfolger in seiner M&amp;uuml;nchner B&amp;auml;ckerei, Martin Kuhn, b&amp;auml;ckt sein Baguette nach dem gleichen Rezept. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;B&amp;auml;ckerei Kuhn&lt;br /&gt;Verdistra&amp;szlig;e 140&lt;br /&gt;81247 M&amp;uuml;nchen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Finnenbrot&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anna Schwarzmann, &lt;em&gt;K&amp;ouml;chin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Finnenbrot der B&amp;auml;ckerei Wimmer ist mir das liebste Brot, vor allem weil es besser ist, je &amp;auml;lter es wird. Die B&amp;auml;ckerei versauert ihren Teig sogar noch selber, dadurch ist es innen immer sehr saftig. Ich kann es morgens und abends essen, und am besten schmeckt es mit dem selbst geschleuderten Honig von meinem Papa. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;B&amp;auml;ckerei Max Wimmer&lt;br /&gt;Bahnhofstra&amp;szlig;e 7&lt;br /&gt;82216 Maisach&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54333.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sauerteigbrot&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tim Raue,&lt;em&gt; Koch&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich kann mich noch erinnern, dass ich so etwa f&amp;uuml;nf Jahre alt war, als ich dieses Brot zum ersten Mal a&amp;szlig;. Es war Tradition bei uns, dass ich samstags vor dem Fu&amp;szlig;ball immer Bratw&amp;uuml;rste mit Pommes bekam, aber mein Opa hatte vergessen einzukaufen. Das war das erste Mal, dass meine Gro&amp;szlig;mutter mir eine Stulle mit Schweinskopfs&amp;uuml;lze, Remoulade und Radieschen schmierte. Grundlage war ein saftiges Berliner Graubrot, das sie immer im KaDeWe kauft. Sie b&amp;auml;ckt das Brot daheim noch mal nach, damit die Kruste so richtig r&amp;ouml;sch wird. Normalerweise esse ich gar kein Brot, auch in meinem Restaurant gibt es keins, aber immer wenn ich bei meiner Gro&amp;szlig;mutter bin und sie mir so liebevoll eine Stulle schmiert, kann ich die nicht ablehnen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;KaDeWe&lt;br /&gt;Tauentzienstra&amp;szlig;e 21&amp;ndash;24&lt;br /&gt;10789 Berlin&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;[seitenumbruch title=&quot;&lt;strong&gt;&amp;raquo;&lt;/strong&gt;Noma&amp;laquo;-Brot&quot;]&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54337.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Schwarzbrot&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eckart Witzigmann, &lt;em&gt;Koch&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich habe von klein auf den Duft frischen Brotes inhaliert und das Handwerk des Backens von der Pike auf mitbekommen. Mein Gro&amp;szlig;vater, Onkel und Cousin sind B&amp;auml;cker und haben mich gelehrt, gro&amp;szlig;en Respekt vor Brot zu haben, der Brotlaib durfte deshalb nie mit der Unterseite nach oben liegen, das w&amp;uuml;rde man mit einer Pizza ja auch nicht machen. Meine Kindheit verbinde ich stark mit dem knusprigen Schweizer Laiberl, einer einfachen Semmel. Aber nat&amp;uuml;rlich kommt es immer darauf an, wozu und womit ich das Brot esse. In Frankreich gibt es nichts Besseres als ein knuspriges Baguette oder ein Fl&amp;ucirc;te. Das beste Brot in M&amp;uuml;nchen gibt es bei der Liesl am Viktualienmarkt. Ihr Schwarzbrot hat eine doppelt gebackene Kruste und ist ganz saftig. Das liebste St&amp;uuml;ck von einem Laib ist mir &amp;ndash; wie man in Bayern sagt &amp;ndash; das Scherzl, der Anschnitt eines Brotes. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;B&amp;auml;cker-Liesl&lt;br /&gt;Elisabeth Forstner&lt;br /&gt;Viktualienmarkt 1&lt;br /&gt;80331 M&amp;uuml;nchen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Pagnotta-Brot&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anna Sgroi, &lt;em&gt;K&amp;ouml;chin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das beste Brot ist f&amp;uuml;r mich das Pagnotta-Brot. Es ist so knusprig, denn eigentlich besteht es fast nur aus Kruste. Man macht es haupts&amp;auml;chlich aus Hartweizen. Auf Sizilien wurde in Zeiten meiner Kindheit das Pagnotta morgens ofenwarm nach Hause geliefert. Ich erinnere mich noch, wie ich oft sehns&amp;uuml;chtig darauf gewartet habe. Pagnotta gibt es in ganz S&amp;uuml;ditalien. Wie in meiner Kindheit w&amp;uuml;rde ich auch heute dieses Brot am liebsten zum Fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;ck nur mit Sardellenfilets und Oliven&amp;ouml;l essen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Feinkost Farnetani&lt;br /&gt;Peter-Anders-Stra&amp;szlig;e 9&lt;br /&gt;81245 M&amp;uuml;nchen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54331.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Pane Maggiore&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vincent Klink, &lt;em&gt;Koch&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein Dauerlutscher ist das Pane Maggiore, das selbst, wenn es nahezu hart ist, also &amp;uuml;ber zehn Tage in meinem Brotkasten war, fast besser schmeckt als ganz frisch. Das Brot bekommen wir zweimal w&amp;ouml;chentlich zugeschickt, hier in Stuttgart gibt es so etwas Gutes nicht. Das Brot wird nach alt&amp;uuml;berliefertem Tessiner Rezept aus original Schweizer Ruchmehl zubereitet. Das ist ein Weizenmehl, das mehr Eiwei&amp;szlig;, Mineralstoffe und Vitamine aus der Randschicht des Korns enth&amp;auml;lt. Das Brot ist innen sehr saftig und hat diesen deftigen, unverwechselbaren Geschmack. Weil mir das Brot so schmeckt, darf der B&amp;auml;cker auch mit mir werben, kriegt er gratis. Dieses Brot zum Fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;ck und dann dick bretonische Rohmilchbutter und Meersalz drauf. Basta. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;B&amp;auml;ckerei Schmid&lt;br /&gt;Raiffeisenstra&amp;szlig;e 1&lt;br /&gt;72810 Gomaringen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54335.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;&amp;raquo;Noma&amp;laquo;-Brot&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hans Gerlach, &lt;em&gt;Koch&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit ein paar Freunden wollten wir uns im derzeit hippsten Restaurant der Welt, dem &amp;raquo;Noma&amp;laquo; in Kopenhagen, verabreden. Mit viel Gl&amp;uuml;ck bekamen wir den einzig freien Tisch an einem Dienstag und Fl&amp;uuml;ge. Zu Beginn servierten die K&amp;ouml;che des Chefkochs Ren&amp;eacute; Redzepi im Sekundentakt unglaubliche Dinge, schneller, als wir Aromen, D&amp;uuml;fte und Konsis-tenzen &amp;uuml;berhaupt richtig wahrnehmen konnten. Vermutlich wollten sie unsere Sinne durcheinanderwirbeln, unser Bewusstsein erweitern, damit wir das eigentliche Men&amp;uuml; dann wach genie&amp;szlig;en k&amp;ouml;nnen. Zwischen Wirbel und Men&amp;uuml; kam ein Brot: Es sah normal, rund, nicht gro&amp;szlig; aus. Die d&amp;uuml;nne Kruste knisterte, die Krume duftete, war locker und sehr saftig. Dieses Brot schmeckte wirklich wunderbar. Die japanische K&amp;ouml;chin, die das Brot brachte, erkl&amp;auml;rte stolz das Geheimnis der Zubereitung: viel Wasser. Genauer steht es &amp;uuml;brigens im &amp;raquo;Noma&amp;laquo;-Kochbuch. Doch hier und heute w&amp;uuml;rde das Brot nicht so schmecken wie an diesem Abend als Ruhepunkt der &amp;raquo;Noma&amp;laquo;Performance. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Noma&lt;br /&gt;Strandgade 93&lt;br /&gt;1401 Kopenhagen&lt;br /&gt;Tel. 0045/32 96/32 97&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fotos: Chad Robertson, Janice Leung, Verena Kathrein; Protokolle: R&amp;eacute;ka Maria Probst&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt; &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Das beste Brot der Welt</dc:subject>
    <dc:creator></dc:creator>
    <dc:date>2012-12-03T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Besser geht's nicht</title>
    <description>&lt;p&gt;Wasser, Salz, Mehl? Sch&amp;ouml;n und gut. Aber die d&amp;auml;nische      Firma Novozymes perfektioniert die moderne Brotproduktion mit      industriellen Enzymen: Die finden sich in fast allen Backwaren &amp;ndash; und      damit haben die D&amp;auml;nen uns und unsere Essgewohnheiten ziemlich      in der Hand.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54313.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Unser Brot war noch nie so frisch wie heute. Das ist zumindest die Botschaft, die von der Vielzahl an Anbietern unentwegt vermittelt wird. Um halb sechs am Abend kann man in den Backshops warmes, knuspriges Baguette kaufen; jedes Stehcaf&amp;eacute; im U-Bahn-Geschoss bietet &amp;raquo;ofenfrische&amp;laquo; Waren an; und selbst Aldi, Sinnbild der g&amp;uuml;nstigen, aber herkunftslosen Produkte, bewarb seine Semmeln k&amp;uuml;rzlich mit dem heimeligen Slogan: &amp;raquo;Ab sofort backen wir den ganzen Tag Brot und Br&amp;ouml;tchen f&amp;uuml;r Sie.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Jeder halbwegs interessierte Verbraucher wei&amp;szlig; nat&amp;uuml;rlich, dass dieses Versprechen nur Inszenierung ist. Aus Zeitungen und Fernsehreportagen erf&amp;auml;hrt man regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig, dass das B&amp;auml;ckerhandwerk in Deutschland auszusterben droht. Knapp die H&amp;auml;lfte der t&amp;auml;glich verkauften Backwaren sind inzwischen tiefgek&amp;uuml;hlte Teiglinge, die von Gro&amp;szlig;konzernen zentral hergestellt und in Zwischenlagern wochen- und monatelang aufbewahrt werden, bevor sie an die Filialen von B&amp;auml;ckereien, Superm&amp;auml;rkten, Tankstellen oder Caf&amp;eacute;s gehen. Die Bezeichnung &amp;raquo;ofenfrisch&amp;laquo; hat sich im Sprachgebrauch genau in dem Ma&amp;szlig; etabliert, in dem sie produktionstechnisch nicht mehr stimmt. Denn in den &amp;Ouml;fen hinter den Verkaufsvitrinen werden die Semmel-, Brezen- oder Croissant-Teiglinge bekanntlich nur aufgebacken; solange Handwerksb&amp;auml;cker allein f&amp;uuml;r den Tag produzierten, war f&amp;uuml;r diese Selbstverst&amp;auml;ndlichkeit kein beschw&amp;ouml;rendes Attribut n&amp;ouml;tig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die l&amp;auml;ngst vollzogene Industrialisierung des Backens muss aber weiterhin sorgsam verschleiert werden. Gro&amp;szlig;betriebe, die ganz Deutschland mit ihren Teiglingen beliefern, machen sich mit Bedacht unsichtbar. Auf den Lastwagen von Konzernen wie Entrup-Haselbach, Arctis oder Hiestand, Tag f&amp;uuml;r Tag zu Hunderten im Einsatz, findet sich kein Schriftzug. Auch wenn es mit den tats&amp;auml;chlichen Gegebenheiten nicht mehr &amp;uuml;bereinstimmt: Brot soll weiterhin als elementares, urspr&amp;uuml;ngliches Nahrungsmittel erscheinen, so nat&amp;uuml;rlich wie Wasser. Der Ahnung, dass es inzwischen fast immer mit Zusatzstoffen versetzt und in K&amp;uuml;hlh&amp;auml;usern gelagert wird, haftet etwas Blasphemisches an: &amp;raquo;Unser t&amp;auml;gliches Brot gib uns heute&amp;laquo;, nicht nach einem dreiviertel Jahr. Dennoch war Backen &amp;ndash; im Gegensatz zur Entstehung von Wasser &amp;ndash; immer schon ein kultureller Vorgang. Und seitdem die chemischen Reaktionen auf dem Weg vom Getreide &amp;uuml;ber den Teig zum fertigen Nahrungsmittel genauer bekannt sind, hat sich eine regelrechte Wissenschaft vom Brot entwickelt, die diese Prozesse zu imitieren und rationalisieren versucht. Sie bewegt sich im Verborgenen und ist grunds&amp;auml;tzlich eher &amp;ouml;ffentlichkeitsscheu.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In Bagsvaerd, einem Vorort von Kopenhagen, liegt das europ&amp;auml;ische Zentrum dieser Wissenschaft. Der Biotechnologie-Konzern Novozymes hat hier seinen Stammsitz: ein globales Unternehmen mit &amp;uuml;ber 6000 Mitarbeitern in Europa, Amerika und Asien und einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro. Mit einem gewissen Stolz stellt die Firma ihren futuristischen Charakter aus; auf den Laborkitteln der Mitarbeiter, die durch die G&amp;auml;nge der gleichf&amp;ouml;rmigen Flachbauten laufen, steht der Slogan &amp;raquo;rethinking tomorrow&amp;laquo;. Novozymes ist Weltmarktf&amp;uuml;hrer bei der Herstellung von industriell genutzten Enzymen. Der Konzern z&amp;uuml;chtet genetisch optimierte Mikroben (vorwiegend Bakterien und Pilze); die daraus gewonnenen Enzyme sind f&amp;uuml;r verschiedene Gewerbe wertvoll: Novozymes-Produkte verst&amp;auml;rken die Leistung von Waschmitteln, beschleunigen die Umwandlung von Pflanzenabf&amp;auml;llen in Kraftstoff oder sorgen daf&amp;uuml;r, dass Nutztiere ihr Futter nur zu einem m&amp;ouml;glichst geringen Teil wieder ausscheiden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Einer der wichtigsten Kunden des Unternehmens ist aber die Backindustrie. In Deutschland, sch&amp;auml;tzt Europa-Chef Lars Hansen, enthalten inzwischen neunzig Prozent aller verkauften Backwaren ein Novozymes-Produkt. &amp;raquo;Und ich w&amp;auml;re wirklich &amp;uuml;berrascht, wenn es irgendwo bei Ihnen einen Supermarkt oder eine gro&amp;szlig;e B&amp;auml;ckereikette g&amp;auml;be, die keines unserer Enzyme im Brot verwendet.&amp;laquo; Konkrete Gesch&amp;auml;ftspartner m&amp;ouml;chte er aber nicht nennen. Ohnehin legt Novozymes keinen besonderen Wert darauf, diesen Teil der Produktion in der &amp;Ouml;ffentlichkeit bekannt zu machen; zu schlecht sei vor allem in Deutschland der Ruf jedes technischen Eingriffs in den Backprozess. Deshalb muss ein Journalist auch Arbeitsproben und eine Erl&amp;auml;uterung des geplanten Artikels einreichen, bevor er zu einem Besuch nach Bagsvaerd eingeladen wird. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;[seitenumbruch title=&quot;Gewaltfantasien&quot;]&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54315.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Stufe 1: &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Die Herstellung von Brot beginnt heute meistens im Labor und      nicht  mehr in der Backstube. Enzymdesigner der d&amp;auml;nischen Firma       Novozymes, deren Produkte mittlerweile in neun von zehn Backwaren       in Deutschland enthalten sind, testen t&amp;auml;glich neue Bakterien und Pilze       auf ihre F&amp;auml;higkeiten, den Teig zu verbessern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt; Jetzt aber sitzt Hansen, ein gut gelaunter, weltl&amp;auml;ufiger Zwei-Meter-Mann, beim Essen in der Novozymes-Kantine und versucht den Laboralltag mit m&amp;ouml;glichst anschaulichen Metaphern zu erkl&amp;auml;ren. Die Mitarbeiter seien st&amp;auml;ndig auf der Suche nach neuen &amp;raquo;Pac Men&amp;laquo;, wie er sagt, nach bestimmten Enzymen also, die w&amp;uuml;nschenswerte Eigenschaften bei der Produktion und Konservierung von Backwaren verst&amp;auml;rken: das Volumen und die gleichm&amp;auml;&amp;szlig;ige Dichte des Teiges, die Knusprigkeit der Kruste, die Intensit&amp;auml;t der Farbe oder die Frischhaltung von ungek&amp;uuml;hltem Brot. Sind die Labortests mit einem neuen Pilz vielversprechend, &amp;raquo;versuchen wir die verantwortliche Gensequenz zu finden, schneiden sie aus und f&amp;uuml;gen sie in eine Mikrobe ein, die wir bereits kennen. Dann z&amp;uuml;chten wir den neuen Organismus hier auf dem Gel&amp;auml;nde.&amp;laquo; Vom Tropfen im Reagenzglas zum angef&amp;uuml;llten 160 000-Liter-Bottich vergehen nur ein paar Tage, die Mikroben vermehren sich rasend schnell. Anschlie&amp;szlig;end wird die Br&amp;uuml;he gefiltert. &amp;raquo;Den Bio-Abfall verkaufen wir als D&amp;uuml;nger. Unser neuer Pac Man wird konzentriert und geht als Fl&amp;uuml;ssigkeit oder Granulat direkt an die Gro&amp;szlig;b&amp;auml;cker oder an Firmen, die Backmischungen herstellen.&amp;laquo; &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Aber welche Funktionen &amp;uuml;bernehmen die Enzyme im Teig genau? Lars Hansen bittet hin&amp;uuml;ber ins &amp;raquo;baking lab&amp;laquo; von Novozymes, das von einer Biotechnologin geleitet wird, die tats&amp;auml;chlich Fiona Becker hei&amp;szlig;t. Diese Abteilung besteht zu ebener Erde aus einem klassisches Labor, in dem sich Menschen in wei&amp;szlig;en Kitteln &amp;uuml;ber Mikroskope beugen, eine Etage tiefer aber aus einer richtigen Backstube mit Teigr&amp;uuml;hr-Maschinen und &amp;Ouml;fen. Rune, ausgebildeter B&amp;auml;cker, hat ein Sortiment an hausgebackenen Broten vorbereitet, immer zwei St&amp;uuml;ck derselben Sorte, links ein eher verschrumpeltes, br&amp;ouml;seliges, fahles Exemplar, rechts ein wohlgeformtes und frisches. Auf den einen steckt ein Zettel mit der Aufschrift &amp;raquo;without enzymes&amp;laquo;, auf den anderen steht &amp;raquo;with enzymes&amp;laquo;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Rune r&amp;uuml;hrt gerade zwei Teigmassen an, beide aus den Basiszutaten Mehl, Wasser, Hefe und Salz bestehend, doch der einen Mischung sind noch ein paar Tropfen des hauseigenen Enzyms &amp;raquo;Fungamyl&amp;laquo; beigegeben. Alle Novozymes-Substanzen sind nat&amp;uuml;rlich patentiert und tragen wohlklingende Produktnamen. Die Intensit&amp;auml;t ihrer Wirkung ist beachtlich: Wenn der Salzgehalt eines Brotteigs bei knapp zwei Prozent liegt, reicht ein Tausendstel dieser Menge aus, um die gew&amp;uuml;nschte Wirkung des Enzyms zu entfalten. Die beiden Teigmassen f&amp;uuml;hlen sich bereits beim Kneten komplett unterschiedlich an, der angereicherte ist konsistenter und viel weniger klebrig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Fiona Becker holt w&amp;auml;hrenddessen zwei kastenf&amp;ouml;rmige Wei&amp;szlig;brote aus einer Schublade, beide drei, vier Tage alt. Dem einen wurde das Enzym &amp;raquo;Novamyl&amp;laquo; beigegeben, das im Teig die Abspaltung der Zuckerkristalle von der St&amp;auml;rke beschleunigt und dadurch verhindert, dass ungek&amp;uuml;hltes Brot hart und trocken wird. Wieder die demonstrative Gegen&amp;uuml;berstellung: Rune schneidet die Brotlaibe auf &amp;ndash; und tats&amp;auml;chlich &amp;ndash; das eine schmeckt noch immer wie frisch gebacken. Bei entsprechend hoher Dosierung lie&amp;szlig;e sich dieses Ergebnis auch noch nach etwa acht Wochen erzielen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Laut &amp;raquo;Backenzym-Portfolio&amp;laquo; im Verkaufsprospekt vertreibt Novozymes f&amp;uuml;nf solcher Konzentrate. Neben der von Novamyl verl&amp;auml;ngerten Haltbarkeit ungek&amp;uuml;hlten Brots &amp;ndash; &amp;raquo;die bedeutendste Errungenschaft der j&amp;uuml;ngeren Backindustrie&amp;laquo;, wie Lars Hansen sagt &amp;ndash; besteht die Leistung der Enzyme vor allem darin, Tiefk&amp;uuml;hl-Teiglingen ein gr&amp;ouml;&amp;szlig;eres Volumen und eine regelm&amp;auml;&amp;szlig;igere Beschaffenheit zu verleihen. Diese Aufgaben haben bislang Emulgatoren oder Verdickungsmittel &amp;uuml;bernommen; bis zu zwanzig solcher Zusatzstoffe sind in industriell hergestelltem, abgepacktem Brot enthalten. Der gro&amp;szlig;e Vorteil der k&amp;uuml;nstlich gez&amp;uuml;chteten Enzyme aber ist, dass sie auf Etiketten und Preisschildern nicht ausgewiesen werden m&amp;uuml;ssen, denn sie greifen nur in den Entstehungsprozess der Backwaren ein und sind im fertigen Produkt nicht mehr feststellbar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es gibt Menschen in Deutschland, die auf Berichte aus dem Novozymes-Labor mit Gewaltfantasien reagieren. Einer davon ist Heinz Hoffmann, Landesinnungsmeister des Bayerischen B&amp;auml;ckerhandwerks. Hoffmann, der in M&amp;uuml;nchen-Laim seit 25 Jahren eine B&amp;auml;ckerei f&amp;uuml;hrt, ist eigentlich ein bed&amp;auml;chtiger Mensch, der mit referatsgeschulter Stimme &amp;uuml;ber die Faszination seines Berufs sprechen kann. Wenn es um den Siegeszug der tiefgek&amp;uuml;hlten, chemisch oder enzymatisch angereicherten Backwaren geht, muss er sich aber bem&amp;uuml;hen, nicht ausfallend zu werden. Sein eigener Laden, mit 45 Mitarbeitern in Service und Produktion, l&amp;auml;uft bestens, noch um halb elf Uhr vormittags bilden sich Warteschlangen vor den Theken, aber der Niedergang seiner Profession, sagt Hoffmann, ist immer noch nicht endg&amp;uuml;ltig aufgehalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Im Moment gibt es in M&amp;uuml;nchen nur noch siebzig Handwerksb&amp;auml;ckereien, mit etwa 300 Filialen &amp;ndash; ein Bruchteil der Anbieter, die heute an jeder Ecke Backwaren verkaufen. Hoffmanns Tagesablauf entspricht den alten Vorstellungen: Ab Mitternacht ist er unten in der Backstube, schl&amp;auml;ft dann noch einmal von f&amp;uuml;nf bis acht, und vormittags beobachtet er in seinem Betrieb, was an der Pr&amp;auml;sentation des Sortiments noch optimierbar ist. &amp;raquo;Fr&amp;uuml;her haben wir hungrige Menschen satt machen m&amp;uuml;ssen, heute m&amp;uuml;ssen wir satte Menschen hungrig machen&amp;laquo;, sagt Hoffmann. Deshalb verlegt er jetzt auch einen kleinen Teil der Produktion nach oben, l&amp;auml;sst Semmeln, K&amp;auml;sestangen und Weihnachts-Lebkuchen vor den Augen der Kunden backen, &amp;raquo;ofenfrisch&amp;laquo; sozusagen. Eine paradoxe Entwicklung: Die Raumordnung in der Handwerksb&amp;auml;ckerei passt sich den Aufback-Stationen an, weil die Vorstellung von Frische mittlerweile an die Sichtbarkeit der Herstellung gekn&amp;uuml;pft ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Brotdoping&amp;laquo;&quot;]&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54317.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Stufe 2:&lt;/strong&gt; In den Superm&amp;auml;rkten, Tankstellen und Backshops liegen dann      Backwaren in den K&amp;ouml;rben, deren Kruste besonders knusprig und      deren Form besonders ebenm&amp;auml;&amp;szlig;ig ist. Diese Eigenschaften sind aber weniger      der Kunst des B&amp;auml;ckers zu verdanken als der vorhersehbaren Arbeit der      Enzyme und anderer Zusatzstoffe. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das Novozymes-Labor und der Familienb&amp;auml;cker: zwei Pole der Brotherstellung im Jahr 2012. Die Fronten erscheinen unvers&amp;ouml;hnlich, auf der einen Seite die biotechnologische Science-Fiction-Forschung, &lt;em&gt;brave new bread&lt;/em&gt;, auf der anderen Seite die gute alte Liebe zum Backen. Aber stimmt diese klare Verteilung von Schwarz und Wei&amp;szlig; wirklich? Selbst Innungsmeister Hoffmann gesteht zu, dass manche Handwerksb&amp;auml;cker zu chemisch angereicherten Fertigmischungen greifen, um dem Kundenwunsch nach reichhaltiger Auswahl nachkommen zu k&amp;ouml;nnen. Ein Unternehmen wie die Hofpfisterei wiederum, das Aush&amp;auml;ngeschild naturbelassener Backkunst schlechthin, bietet in seinen M&amp;uuml;nchner Filialen mindestens f&amp;uuml;nfzig Produkte an, aber nur die Brote werden in M&amp;uuml;nchen gebacken &amp;ndash; alle anderen Backwaren kommen von einem Tochterunternehmen, einer Gro&amp;szlig;b&amp;auml;ckerei bei N&amp;uuml;rnberg, und werden &amp;uuml;ber Nacht angeliefert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Umgekehrt backen manche Gro&amp;szlig;betriebe ihre Teiglinge vor und lassen sie vor dem Schockgefrieren langsam abk&amp;uuml;hlen: ein Verfahren, das keinerlei Zusatzstoffe im Teig erforderlich macht. Und das Wort &amp;raquo;Brotdoping&amp;laquo;, das in jedem Bericht &amp;uuml;ber die Firma Novozymes mantrahaft wiederkehrt, geht ohnehin auf einen verk&amp;uuml;rzten Begriff von Natur zur&amp;uuml;ck. Denn mit Ausnahme des Haltbarkeitsenzyms namens Novamyl, das in unbehandeltem Brotteig nicht vorkommt, sind die gez&amp;uuml;chteten Substanzen nichts als Amylasen oder Lipasen, also genau die Enzyme, die auch im Weizen vorhanden sind und die chemischen Reaktionen im nat&amp;uuml;rlichen Teig beschleunigen. Brot dopt sich w&amp;auml;hrend seiner Entstehung immer schon selbst, und es gibt bislang keine Anhaltspunkte daf&amp;uuml;r, dass die Zuchtverfahren bei Novozymes die Gesundheit der Verbraucher gef&amp;auml;hrden k&amp;ouml;nnte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Interessanter als die ideologisch gef&amp;uuml;hrte Debatte um die Reinheit des Brots ist im Zusammenhang mit Novozymes ohnehin eine andere Frage. Denn der Siegeszug der Backenzyme erz&amp;auml;hlt eine Geschichte &amp;uuml;ber die Logik der Marktwirtschaft. Zwei Faktoren im Herstellungsprozess sind dabei entscheidend: Berechenbarkeit und Zeit. Zum einen verhindert die pr&amp;auml;zise erforschte Funktion von Enzymen im Teig jede Gefahr der Abweichung bei der Produktion. &amp;raquo;Durch unsere Substanzen wird der Backprozess vorhersehbar&amp;laquo;, sagt Lars Hansen, &amp;raquo;unser Teig reagiert immer gleich und f&amp;uuml;hrt zum gleichen Resultat, egal welches Mehl zu welcher Jahreszeit verarbeitet wird.&amp;laquo; Bei den Mengen, die Gro&amp;szlig;b&amp;auml;cker Tag f&amp;uuml;r Tag produzieren, ist diese Verl&amp;auml;sslichkeit essenziell. Sie k&amp;ouml;nnten sich nicht leisten, was Heinz Hoffmann freim&amp;uuml;tig bekennt: &amp;raquo;Letzten Samstag sind meine Kaisersemmeln viel kleiner ausgefallen als normal, das muss am Mehl gelegen haben. Da habe ich einfach zwei St&amp;uuml;ck f&amp;uuml;r den Preis von einer verkauft.&amp;laquo; Zudem ist die Herstellung von Toastbrot oder Fertig-Sandwiches mittlerweile derart automatisiert, dass die F&amp;ouml;rderb&amp;auml;nder in der Backfabrik jedesmal blockieren w&amp;uuml;rden, wenn ein Brot von abweichender Gr&amp;ouml;&amp;szlig;e in die Plas-tikfolie eingeschwei&amp;szlig;t wird. Hansen sagt beinahe schw&amp;auml;rmerisch: &amp;raquo;Unsere Enzyme entt&amp;auml;uschen uns nie.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Hinzu kommt eine widerst&amp;auml;ndige Eigenschaft des Backmaterials: Zwischen dem ersten Anr&amp;uuml;hren des Teigs und seiner Verwendbarkeit liegt der Prozess des Aufgehens &amp;ndash; f&amp;uuml;r die Interessen der Backindustrie die nutzloseste Zeitspanne schlechthin. Sie bringt den Profitfluss ins Stocken. Die Traditionsb&amp;auml;cker nehmen sich diese Zeit, r&amp;uuml;hren mittags die sogenannten Vorteige aus Wasser, Mehl und Salz an und verarbeiten sie etwa zwanzig Stunden sp&amp;auml;ter, wenn die nat&amp;uuml;rlichen chemischen Reaktionen eingetreten sind. Nonstop produzierende Gro&amp;szlig;betriebe wollen sich diese Verz&amp;ouml;gerung nicht leisten, und die Erfolgsgeschichte von Novozymes setzt genau an dieser Stelle an. Enzyme sind Katalysatoren, und ihr k&amp;uuml;nstlich verst&amp;auml;rkter Einsatz f&amp;uuml;hrt innerhalb von kurzer Zeit genau zu demselben Ergebnis, das Heinz Hoffmann erzielt, wenn er die Vorteige in seiner Backstube einen Tag stehen l&amp;auml;sst. Ist das Brot schlie&amp;szlig;lich gebacken, sorgen die Zuchtenzyme wieder f&amp;uuml;r einen zeitlichen und damit &amp;ouml;konomischen Vorteil, diesmal aber mit umgekehrtem Vorzeichen: Novamyl h&amp;auml;lt das Brot l&amp;auml;nger frisch und minimiert den Warenr&amp;uuml;cklauf auf Seiten der Gro&amp;szlig;hersteller. Enzyme &amp;uuml;bernehmen also sowohl die Funktion des Zeitraffers als auch der Zeitlupe, je nachdem, welche Eigenschaft gerade gefragt ist. Sie sind flexible Diener der Marktwirtschaft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wie also sieht die Zukunft unseres Brotkonsums aus? Wenn man die sympathischen, mit einem latent schlechten Gewissen auftretenden Bioingenieure von Novozymes und den stolzen B&amp;auml;ckermeister Hoffmann sprechen h&amp;ouml;rt, gibt es eigentlich nur eine Prognose: Das allgemeine Kauf- und Essverhalten ist im Begriff, sich endg&amp;uuml;ltig zweizuteilen; die allermeisten Kunden werden sich bald ausschlie&amp;szlig;lich von tiefgek&amp;uuml;hlten oder k&amp;uuml;nstlich haltbar gemachten Backwaren zu g&amp;uuml;nstigen Preisen ern&amp;auml;hren, das traditionelle B&amp;auml;ckerhandwerk dagegen tritt vollends ins Stadium der Manufactumisierung. Heinz Hoffmann sagt &amp;uuml;ber seine Konkurrenten: &amp;raquo;Ich will mit denen nichts zu tun haben. Das m&amp;ouml;gen tolle Unternehmer sein, Topmanager, aber die w&amp;uuml;rden auch mit Steinen handeln, wenn es profitabel w&amp;auml;re.&amp;laquo; Gegen den neuen Werbeslogan von Aldi hat das B&amp;auml;ckerhandwerk  geklagt. Der Discounter behauptet jetzt nicht mehr, &amp;raquo;den ganzen Tag Brot und Br&amp;ouml;tchen zu backen&amp;laquo;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Steen Riisgaard wiederum, der langj&amp;auml;hrige Direktor von Novozymes, vergleicht die revolution&amp;auml;re Bedeutung der Industrieenzyme gerne mit der Digitalisierung der Kultur in den letzten zehn Jahren. Vielleicht ist diese Metapher nicht einmal &amp;uuml;bertrieben: Eine Semmel, aus nichts als Mehl, Wasser und Salz, k&amp;ouml;nnte bald etwas f&amp;uuml;r Liebhaber sein, wie Vinylplatten oder DVD-Editionen. Der Rest l&amp;auml;dt sich einfach aus Selbstbedienungs-Regalen seine Teiglinge runter, die ja tats&amp;auml;chlich manchmal so schmecken, als best&amp;uuml;nden sie nur noch aus Daten.&lt;br /&gt;&lt;em&gt; &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Besser geht's nicht</dc:subject>
    <dc:creator>Andreas Bernard</dc:creator>
    <dc:date>2012-12-03T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39005</link>
    <title>»Brot ist ein lebendiges Wesen. Und dieses Lebewesen sollte gezähmt werden.«</title>
    <description>&lt;p&gt;Der      Forscher Aaron Bobrow-Strain hat die Geschichte des Wei&amp;szlig;brots      untersucht: lauter ideologische K&amp;auml;mpfe &amp;ndash; und aufbegehrende Hippies.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54349.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Der amerikanische Brotforscher Aaron Bobrow-Strain&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Herr Bobrow-Strain, Sie backen Ihr Brot selbst, Ihre Frau k&amp;auml;st ihren eigenen K&amp;auml;se, Gleichzeitig machen Sie sich &amp;uuml;ber die Biobewegung lustig. Wie passt das zusammen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Aaron Bobrow-Strain:&lt;/strong&gt; Ich unterst&amp;uuml;tze &amp;ouml;kologische Landwirtschaft, Nahrungsmittel, die in der Region angebaut werden, Bauernm&amp;auml;rkte und Biol&amp;auml;den. Aber ich bin skeptisch geworden &amp;uuml;ber manche Formen, die diese Bewegung angenommen hat. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welche Formen meinen Sie?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Biobewegung ist selbstverliebt geworden. Als gehe es vor allem darum, der Welt zu zeigen, dass man selbst die wahren Lebensmittel isst &amp;ndash; und ist das nicht traurig, dass die anderen sich so falsch ern&amp;auml;hren? Dieses elit&amp;auml;re Denken hilft uns nicht, das System unserer Ern&amp;auml;hrung grundlegend zu ver&amp;auml;ndern. Ich bin aber der &amp;Uuml;berzeugung, dass sich dieses System radikal &amp;auml;ndern muss.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben deshalb ein Buch &amp;uuml;ber bessere Ern&amp;auml;hrung geschrieben &amp;ndash; gibt es davon nicht schon genug?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe mir unz&amp;auml;hlige B&amp;uuml;cher angesehen. Wir leben in einem goldenen Zeitalter der Information &amp;uuml;ber unsere Ern&amp;auml;hrung und die damit zusammenh&amp;auml;ngenden Probleme. Aber es gibt nur wenige B&amp;uuml;cher dar&amp;uuml;ber, wie Menschen in der Vergangenheit versucht haben, unsere Ern&amp;auml;hrung zu &amp;auml;ndern. Das wollte ich aber wissen: Was haben die Menschen alles versucht? Warum sind sie gescheitert?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sie haben ein besonderes Lebensmittel gew&amp;auml;hlt, um diese Fragen zu untersuchen: Wei&amp;szlig;brot.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aber nicht die europ&amp;auml;ische Art, den knusprigen Laib vom B&amp;auml;cker um die Ecke. Sondern das labberige, schon aufgeschnittene Toastbrot aus der Fabrik, wie wir es hier in den Vereinigten Staaten haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum gerade diese Brot?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Weil es das am st&amp;auml;rksten umk&amp;auml;mpfte Lebensmittel in der amerikanischen Geschichte war. An dem Beispiel l&amp;auml;sst sich etwas &amp;uuml;ber die Bewegung f&amp;uuml;r alternative Ern&amp;auml;hrung lernen. Meine Leitfrage war: K&amp;ouml;nnen wir die Welt ver&amp;auml;ndern, indem wir zu &amp;auml;ndern versuchen, was und wie Menschen essen? Ich habe allerdings schnell festgestellt: Wenn wir &amp;uuml;ber Ern&amp;auml;hrung streiten, streiten wir in Wirklichkeit fast immer &amp;uuml;ber etwas anderes. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie schreiben, Brot sei das &amp;raquo;erste politische Lebensmittel&amp;laquo;.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Solange es Brot gibt, ist &amp;uuml;ber Brot gestritten worden. Schon vor 2400 Jahren besch&amp;auml;ftigte sich Platon damit, ob sich die ideale Gesellschaft besser von grobem Brot oder feinem Geb&amp;auml;ck ern&amp;auml;hren sollte &amp;ndash; &amp;uuml;berspitzt gesagt: Sollte der gute B&amp;uuml;rger Vollkornbrot oder Wei&amp;szlig;brot essen?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Was empfiehlt Platon?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Nat&amp;uuml;rlich gibt Platon keine endg&amp;uuml;ltige Antwort. Seine Diskussion dreht sich nicht wirklich um Ern&amp;auml;hrung oder Brot. F&amp;uuml;r ihn war das eine Debatte um die moralischen Tugenden der Athener: Menschen ziehen vom Land, wo sie einfaches Brot aus Gerste a&amp;szlig;en, in die Stadt, wo es Kuchen, Geb&amp;auml;ck und andere Delikatessen des luxuri&amp;ouml;sen Lebens gab &amp;ndash; geht dabei etwas verloren? Brot wird also zu einem Symbol f&amp;uuml;r eine viel gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere soziale Frage.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Warum ist Brot so ein machtvolles Symbol?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;In der Bibel hei&amp;szlig;t es: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein &amp;ndash; dabei lebten die Menschen im Lauf der Geschichte sehr oft fast ausschlie&amp;szlig;lich von Brot. Je nach Epoche nahmen Europ&amp;auml;er zwischen 40 und 60 Prozent ihrer t&amp;auml;glichen Kalorien in Form von Brot zu sich, das reicht bis in die 1950er-Jahre. Wenn eine Speise so lebenswichtig ist, &amp;uuml;berrascht es nicht, dass sie ein unglaubliches symbolisches Gewicht bekommt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;[seitenumbruch title=&quot;Die Olympischen Spiele des Backwesens&quot;]&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54347.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;An der Herstellung hat sich &amp;uuml;ber Jahrtausende nur wenig ge&amp;auml;ndert &amp;ndash; bis das Brot aus der Backfabrik auftauchte. Sie schreiben, dieses Wei&amp;szlig;brot sei entwickelt und konstruiert worden wie die stromlinienf&amp;ouml;rmigen Z&amp;uuml;ge jener Zeit am Anfang des 20. Jahrhunderts.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wei&amp;szlig;brot ist industrialisiert worden, das waren die Olympischen Spiele des Backwesens: Sie versuchen, Brot schneller, h&amp;ouml;her und st&amp;auml;rker zu machen. Im Grunde ist Brot, heute noch genauso wie vor tausend Jahren, an den Rhythmus der Natur gebunden: den Rhythmus der Hefe, den Rhythmus der Mikroorganismen, die den Teig gehen lassen &amp;ndash; am Anfang des Backens steht eine G&amp;auml;rung, da produzieren Hefepilze Gas! Brot ist ein lebendiges Wesen. Und dieses wilde Lebewesen sollte gez&amp;auml;hmt werden. Dennoch konnte man mit technischen Fortentwicklungen und allerlei Zus&amp;auml;tzen das Backen nur bis zu einem gewissen Grad beschleunigen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Teig muss schlie&amp;szlig;lich immer noch gehen. Deswegen arbeiteten auch industrielle Backfabriken am Anfang nicht sehr viel anders als die alten &amp;Auml;gypter: Sie mischten einen Teil Teig an, der dann stehen musste, bis er gegangen war. Sie konnten die G&amp;auml;rung ein wenig schneller machen, aber sie hatten immer noch viele Chargen von g&amp;auml;rendem Teig herumstehen, die Platz wegnahmen. Stellen Sie sich vor, Sie produzieren Mobiltelefone und m&amp;uuml;ssen jedes ein paar Stunden auf dem Fabrikboden liegen lassen, bevor Sie es komplett montieren k&amp;ouml;nnen. F&amp;uuml;r einen Gesch&amp;auml;ftsmann macht das keinen Sinn. Also begannen Lebensmittelchemiker daran zu arbeiten, den G&amp;auml;rprozess vom Backen zu trennen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Den &amp;raquo;Heiligen Gral der Backwissenschaft&amp;laquo; haben Sie dieses Ziel genannt, die nat&amp;uuml;rliche G&amp;auml;rung zu umgehen. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Es war der schwierigste Teil auf dem Weg zum gro&amp;szlig;industriellen Backen, und er brauchte am l&amp;auml;ngsten, bis er bew&amp;auml;ltigt war. Aber Anfang der F&amp;uuml;nfzigerjahre gelang es Lebensmittelchemikern, die G&amp;auml;rung in einem abgetrennten Prozess und in industriellem Ma&amp;szlig;stab ablaufen zu lassen und dann einfach ein fertig gegorenes Gemisch aus Mikroorganismen und G&amp;auml;rmitteln in den eigentlichen Teig zu injizieren. Auf diese Art erhielt man die Effekte der G&amp;auml;rung, wie Geschmack zum Beispiel, ohne so lange darauf warten zu m&amp;uuml;ssen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Industriell gefertigtes Brot war von Anfang an ein gro&amp;szlig;er Erfolg. Im Jahr 1890 wurden 90 Prozent des amerikanischen Brotes noch zu Hause gebacken &amp;ndash; aber schon 1930 kamen 90 Prozent des Brotes aus Backfabriken, vor allem als Wei&amp;szlig;brot. Was machte dieses Produkt so erfolgreich?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Die Industrialisierung des Backens beginnt in einer Zeit, in der die Menschen fasziniert waren vom Fortschritt, von Maschinen, von der Zukunft &amp;ndash; eine Zukunft, in der die Industrie die Bed&amp;uuml;rfnisse decken w&amp;uuml;rde, Technik die Natur unterwirft und wir alle sehr gl&amp;uuml;cklich sein w&amp;uuml;rden. In diesem Moment nimmt das strahlend wei&amp;szlig;e Brot, das da aus modernen Fabriken kommt, eine utopische Aura an. Jede Scheibe davon war ein essbares Sinnbild des technologischen Fortschritts.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In Anzeigen aus den Zwanzigerjahren sehen Wei&amp;szlig;brot-Laibe aus wie Geb&amp;auml;ude des Bauhauses, Marken bekommen Namen wie &amp;raquo;Utopia&amp;laquo; oder &amp;raquo;Wonder Bread&amp;laquo;. Aber heute gilt geschnittenes Wei&amp;szlig;brot aus der Plastikpackung als &amp;raquo;white trash&amp;laquo;, als Symbol f&amp;uuml;r Armut und schlechte Ern&amp;auml;hrung. Was ist passiert? &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Das war ein langer Prozess. &amp;Uuml;berraschend daran war f&amp;uuml;r mich, wie sehr Amerikaner in der Vergangenheit um Wei&amp;szlig;brot stritten. Es ist eine der Konstanten unserer Geschichte, dieses Produkt zu lieben oder zu hassen. Ich dachte, dieser Wandel in der Symbolik begann erst in den Sechzigerjahren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hippies hassten Wei&amp;szlig;brot?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;F&amp;uuml;r sie war Wei&amp;szlig;brot ein Symbol f&amp;uuml;r alles, was sie an Amerika falsch fanden, was sie ver&amp;auml;ndern wollten &amp;ndash; es war kommerziell, es war k&amp;uuml;nstlich, es war Establishment. Die Vorstellung, nur noch Vollkornbrot zu essen, am besten selbst gebacken, war wirklich eine politische Vision, um die Gesellschaft zu ver&amp;auml;ndern.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Damals hie&amp;szlig; es: Je wei&amp;szlig;er das Brot, desto schneller bist du tot.&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Und die Backindustrie kam schnell darauf, sich diesen jungen, rebellischen Geist nutzbar zu machen: Sie brachte industriell gebackenes Vollkornbrot auf den Markt &amp;ndash; sogenanntes Gesundheitsbrot. Manchmal war Zellstoff aus Holz drin, um dem Brot mehr Ballaststoffe zu geben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Klingt nicht besonders appetitlich.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aber dieses Brot konnte als hochwertiges Produkt vertrieben und teuer verkauft werden. Mit diesem Impuls, der vom Konsumenten ausgeht, wird Brot eine Art Statussymbol: Ich esse das wahre Essen, ich esse dieses gesunde Vollkornbrot und nicht so ein labbriges Wei&amp;szlig;brot. In den Achtzigerjahren steht das industrielle Wei&amp;szlig;brot dann schon f&amp;uuml;r eine arme, auf dem Land lebende, wei&amp;szlig;e Person aus der Unterschicht. Ich habe bei meinen Forschungen &amp;uuml;brigens gelernt, dass sich die Wahrnehmung des Brotes nicht erst mit den Hippies &amp;auml;nderte, die Debatte begann viel fr&amp;uuml;her: Schon in den Zwanziger- und Drei&amp;szlig;igerjahren waren Menschen unzufrieden mit indus-triellem Wei&amp;szlig;brot und sagten, es sei der Grund f&amp;uuml;r so ziemlich alles von Faulheit und Verbrechen bis hin zu &amp;Uuml;bergewicht und Tuberkulose. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Trotz des ungetr&amp;uuml;bten Fortschrittsglaubens, der damals noch herrschte?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, auch in dieser Zeit gab es Bewegungen f&amp;uuml;r eine andere Ern&amp;auml;hrung und jede Menge Ern&amp;auml;hrungsgurus. Sie glaubten, sie k&amp;ouml;nnten einfach in die Mietskasernen von New York oder Chicago gehen und den Menschen der Armenviertel beibringen, sich anst&amp;auml;ndig zu ern&amp;auml;hren, und das w&amp;uuml;rde dann deren Probleme l&amp;ouml;sen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Im Grunde nichts anderes als das, was der britische Fernsehkoch Jamie Oliver heute macht.&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Nichts gegen Jamie Oliver. Seine Empfehlungen f&amp;uuml;r eine gute Ern&amp;auml;hrung sind gro&amp;szlig;artig. Aber auch die Jamie Olivers von damals empfahlen nichts Falsches: selbst gezogenes Gem&amp;uuml;se oder  Vollkornbrot statt Wei&amp;szlig;brot. Sie &amp;uuml;bersahen allerdings vollkommen, warum die Armen arm waren. Sie waren ja nicht arm oder krank, weil ihnen das Wissen oder das moralische R&amp;uuml;ckgrat fehlte, die richtigen Entscheidungen &amp;uuml;ber ihre Ern&amp;auml;hrung zu treffen. Sie waren arm oder krank wegen der Bedingungen, in denen sie lebten. Sie sahen die Ern&amp;auml;hrungsgurus mit ihren Tipps &amp;uuml;ber selbst gezogenes Gem&amp;uuml;se an und sagten: Na ja, was wir wirklich brauchen, ist eine Gesundheitsversorgung. H&amp;ouml;here L&amp;ouml;hne. Schulen. Dann kehrten die Gurus aus den Armenvierteln zur&amp;uuml;ck und sagten: Nicht zu fassen, diese Leute &amp;ndash; die wollen unser gutes Essen nicht! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;[seitenumbruch title=&quot;Die Macht liegt in den H&amp;auml;nden von einigen wenigen Nahrungsmittelkonzernen&quot;]&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54345.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was machten diese Propheten einer besseren Ern&amp;auml;hrung falsch?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Sie nahmen soziale Fragen und verwandelten sie in moralische und individuelle Fragen dar&amp;uuml;ber, wie sich eine Personen ern&amp;auml;hren soll. Wenn ich auf die Geschichte der K&amp;auml;mpfe ums Wei&amp;szlig;brot schaue, habe ich das Gef&amp;uuml;hl: Jamie Oliver und andere verst&amp;auml;rken soziale Kl&amp;uuml;fte nur, weil sie mit ihrer Kritik lediglich beim Einzelnen ansetzen, aber das gesamte Ern&amp;auml;hrungssystem gr&amp;ouml;&amp;szlig;tenteils unangetastet lassen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was verstehen Sie unter Ern&amp;auml;hrungssystem?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die gro&amp;szlig;e Welt der Landwirtschaft. Die Regierungen, die Landwirtschaft regulieren. Die Konzerne, die Saatgut oder Pestizide verkaufen. Die Welt der Arbeiter, die Gem&amp;uuml;se pfl&amp;uuml;cken. Die historisch nie dagewesene Konzentration von Macht in den H&amp;auml;nden von einigen sehr wenigen Nahrungsmittelkonzernen, die bestimmen k&amp;ouml;nnen, wie sich Menschen auf der ganzen Welt ern&amp;auml;hren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wei&amp;szlig; das nicht jeder, der sich f&amp;uuml;r Ern&amp;auml;hrung interessiert?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Ich habe mir auf einer Buchmesse den Vortrag einer Autorin angeh&amp;ouml;rt, die ein Jahr lang soziale Brennpunkte besucht hatte und armen Menschen beibrachte zu kochen, in ihren Worten: ordentlich. Der letzte Satz ihres Vortrags lautete: Wenn wir den Armen nur beibringen k&amp;ouml;nnten, Vinaigrette zu machen &amp;ndash; sie w&amp;auml;ren so viel besser dran. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Nach all Ihren Forschungen, wie lautet denn nun die Antwort: K&amp;ouml;nnen wir die Welt ver&amp;auml;ndern, indem wir zu &amp;auml;ndern versuchen, was und wie Menschen essen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich glaube immer noch daran, ja. Nahrung verbindet uns auf eine sehr intime Art mit den gro&amp;szlig;en Fragen &amp;uuml;ber Gesellschaft oder Politik. Das hat Platon schon sehr genau erkannt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was ist Ihr Ratschlag f&amp;uuml;r jemanden, der die Welt auf diesem Weg ver&amp;auml;ndern will?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weniger moralisieren. Nicht so sehr auf individuelle Entscheidungen &amp;uuml;ber Essen abzielen. Wir versuchen, das Ern&amp;auml;hrungssystem als Konsumenten zu ver&amp;auml;ndern &amp;ndash; stattdessen sollten wir uns bem&amp;uuml;hen, es als B&amp;uuml;rger zu ver&amp;auml;ndern, auf politischem Weg.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Brot k&amp;ouml;nnen Sie nach Ihrem Buch jetzt nicht mehr sehen, oder?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, eine Zeit lang hatte ich die Schnauze voll von Brot. Aber um ganz darauf zu verzichten, liebe ich es viel zu sehr. Ein selbst gebackenes Wei&amp;szlig;brot aus Sauerteig &amp;ndash; wunderbar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Der Brothistoriker&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine abgegriffene Sch&amp;uuml;ssel aus       Steingut  ist das wichtigste Utensil in Aaron Bobrow-Strains K&amp;uuml;che:       Darin  setzt er seinen Sauerteig an. Bobrow-Strain bezeichnet sich       als  &amp;raquo;Brot-Freak&amp;laquo;. Geboren 1970 in Chicago, studierte er an den  Universit&amp;auml;ten       von Stanford und Berkeley, wo er seinen Doktortitel  in Geografie  erwarb. Fr&amp;uuml;h      konzentrierte sich der Wissenschaftler  in seiner  Forschung auf Fragen      der Ern&amp;auml;hrung, der Landwirtschaft  und der  Politik. Sein erstes Buch      besch&amp;auml;ftigte sich mit den  Konflikten um  Landbesitz im      mexikanischen Bundesstaat Chiapas.  Heute lebt er mit  Frau und Kindern      im amerikanischen Bundesstaat  Washington und lehrt  dort Politik an      einer Privat-Universit&amp;auml;t in  Walla Walla. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt; &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Brot ist ein lebendiges Wesen. Und dieses Lebewesen sollte gezähmt werden.«</dc:subject>
    <dc:creator>Roland Schulz (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2012-11-30T12:00:00+01:00</dc:date>
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