<?xml version="1.0" encoding="iso-8859-1"?>
<rdf:RDF 
  xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#"
  xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
  xmlns:cc="http://web.resource.org/cc/"
  xmlns="http://purl.org/rss/1.0/"
  xmlns:mn="http://usefulinc.com/rss/manifest/"

         xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
>

  <channel rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de:80/rsslabel/59">
    <title>sz-magazin.de - Frauen</title>
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//labels/anzeigen/59</link>
    <description>Alle Texte zu dem Label Frauen auf sz-magazin.de</description>
    <image rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//img/jetztxml/szmagazin.gif" />
    <items>
      <rdf:Seq>
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39639" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39633" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39155" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38605" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38623" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37201" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37185" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37107" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36552" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36385" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36391" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/35422" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/34789" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/34790" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/34792" />
      </rdf:Seq>
    </items>
  </channel>

  <image rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//img/jetztxml/szmagazin.gif">
     <title>sz-magazin.de</title>
     <url>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//img/jetztxml/szmagazin.gif</url>
     <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//labels/anzeigen/59</link>
     <dc:description>Alle Texte zu dem Label Frauen auf sz-magazin.de</dc:description>
  </image>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39639">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39639</link>
    <title>Unter Wasser, unter Druck</title>
    <description>&lt;p&gt;In Japan suchen Taucherinnen nach  Seeschnecken, immer in bedrohlicher Tiefe, immer mindestens zu zweit. So  entstehen lebenslange Freundschaften.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Das Wort &amp;raquo;Abalone&amp;laquo; begegnet dem durchschnittlichen Mitteleurop&amp;auml;er vielleicht im Alter von zw&amp;ouml;lf zum ersten Mal, wenn er im Jugendbuch&lt;em&gt; Insel der blauen Delphine&lt;/em&gt; liest, wie sich ein verwaistes Indianerm&amp;auml;dchen damit &amp;uuml;ber 18 Jahre lang am Leben erh&amp;auml;lt. Er erf&amp;auml;hrt dort, dass Abalonen ziemlich gro&amp;szlig;e Muscheln sind &amp;ndash; Seeschnecken aus der Familie der&lt;em&gt; Haliotidae &lt;/em&gt;korrekterweise, aber das kommt nicht so ausf&amp;uuml;hrlich zur Sprache &amp;ndash;, dass sie sich unter Wasser an Felsen festsaugen, von denen man sie abkratzen muss, und dass sie genauso lecker sind wie nahrhaft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die n&amp;auml;chste Begegnung mit Abalonen findet dann etwa acht Jahre sp&amp;auml;ter statt, bei einer der zahllosen 007-Wiederholungen im Fernsehen: Im Verlauf von &lt;em&gt;Man lebt nur zweimal &lt;/em&gt;heiratet Herr Bond eine gertenschlanke japanische Abalone-Taucherin im wei&amp;szlig;en Bikini. James-Bond-Filme schlittern ab und zu an der Wahrheit vorbei, so auch in diesem Fall. Das stimmt so n&amp;auml;mlich nicht, mit dem Bikini: Fr&amp;uuml;her trugen solche Taucherinnen Lendenschurze, sp&amp;auml;ter wei&amp;szlig;e Baumwollhemden, inzwischen Neopren. Wahr hingegen ist, dass Abalonen in Japan von Frauen aus der Tiefe des pazifischen Ozeans geholt werden, und zwar nur von Frauen, seit mehr als 1500 Jahren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Ama&amp;laquo; ist der Name f&amp;uuml;r diejenigen, die diesen Beruf aus&amp;uuml;ben, w&amp;ouml;rtlich &amp;uuml;bersetzt hei&amp;szlig;t es &amp;raquo;Meerfrau&amp;laquo;, und das trifft ihr Wesen genauso wie ihren Aufenthaltsort. Die Ama sind zu Hause im Meer. Sie geh&amp;ouml;ren zu den besten Tauchern der Welt. Manche tauchen mehr als 20 Meter tief, einige halten die Luft eineinhalb Minuten an. Andere tauchen k&amp;uuml;rzer, weniger tief, n&amp;auml;her am Strand, aber gemeinsam ist allen, dass sie den Ozean nicht f&amp;uuml;rchten, auch dort nicht, wo er schwarz und tief ist. Nie gehen sie mit Sauerstoffflaschen unter Wasser, aber immer begleitet von anderen Frauen, die dasselbe tun. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Warum M&amp;auml;nner traditionell nicht nach Abalonen tauchen, wird unterschiedlich erkl&amp;auml;rt. Sie haben weniger K&amp;ouml;rperfett, hei&amp;szlig;t es, da k&amp;ouml;nnen sie die K&amp;auml;lte schlecht vertragen. Oder sie sind beim Fischfang, weit weg auf Booten drau&amp;szlig;en auf hoher See. Sie sind vielleicht einfach auch nur, wird unter den Ama gekichert, das schw&amp;auml;chere Geschlecht. Die Ama wirken gut gelaunt und selbstbewusst, nicht nur wegen ihrer Allianz mit dem Meer, sondern auch wegen der Einnahmen, die sich daraus ergeben. Abalonen gelten als Delikatesse, exquisite Gerichte werden aus ihnen bereitet und zu exquisiten Preisen verkauft. Fr&amp;uuml;her h&amp;auml;tte eine Ama sogar mehr als einen Mann mit ihrer Arbeit ern&amp;auml;hren k&amp;ouml;nnen, und auch heute, in Krisenzeiten, ist Abalone-Tauchen noch lukrativ. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Obwohl sie vor Raubbau gesch&amp;uuml;tzt sind, werden die Abalonen allerdings weniger und mit ihnen die Ama, wenn auch aus anderen Gr&amp;uuml;nden. Aus der Familie einer Ama kam mindestens eine Tochter, die auch Ama wurde &amp;ndash; so war es &amp;uuml;ber Jahrhunderte. Bis die T&amp;ouml;chter lieber in B&amp;uuml;ros arbeiten wollten, am liebsten in der Gro&amp;szlig;stadt, da wird die Haut nicht so dunkel von Sonne und Salz. Was zur Folge hat, dass inzwischen schon M&amp;auml;nner nach Abalonen tauchen, sie sind nicht allzu viele, aber jung. Die aktiven Ama hingegen werden immer &amp;auml;lter. Die Meerfrauen gehen ins Wasser, bis sie 60, 70, 80 Jahre alt sind. Blo&amp;szlig; um des Geldes willen tun sie das kaum. Also wird es wohl an der Freundschaft liegen, die bei der gemeinsamen Arbeit zwischen den Frauen entsteht und die jeder Tag im Meer wieder best&amp;auml;tigt. &lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Unter Wasser, unter Druck</dc:subject>
    <dc:creator>Doris Kuhn</dc:creator>
    <dc:date>2013-03-13T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39633">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39633</link>
    <title>Ziemlich beste Freundinnen?</title>
    <description>&lt;p&gt;Warum kriegen Frauen es nicht hin, einander  zu unterst&amp;uuml;tzen, zusammenzuhalten, Seilschaften zu bilden? Ein Pl&amp;auml;doyer  gegen die Stutenbissigkeit.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57411.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Als ich j&amp;uuml;nger und d&amp;uuml;mmer war, habe ich gelegentlich Texte &amp;uuml;ber &amp;raquo;die Frauen&amp;laquo; geschrieben. Wie sie so sind. Was sie tun. Was sie bl&amp;ouml;derweise lassen. Dass sie gl&amp;uuml;cklicher w&amp;auml;ren, wenn sie bitte sch&amp;ouml;n t&amp;auml;ten, was ich f&amp;uuml;r richtig halte. So Unsinn halt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dies k&amp;ouml;nnte einer von diesen Texten werden. Man wird ihn ohne Probleme als Beweis f&amp;uuml;r Stutenbissigkeit lesen k&amp;ouml;nnen (denn er wird Wibke Bruhns erw&amp;auml;hnen), als pr&amp;auml;chtiges Beispiel f&amp;uuml;r genau das, was er zu beschreiben versucht: die mangelnde Solidarit&amp;auml;t der Frauen. Denn kaum beginnt man, &amp;uuml;ber &amp;raquo;die Frauen&amp;laquo; und ihre Unf&amp;auml;higkeit zu gegenseitiger Unterst&amp;uuml;tzung nachzudenken, hat man sich schon eingereiht in den Chor der Denunziantinnen, der in den vergangenen Jahren immer lauter geworden ist. Da ist es fast schon egal, welche Stimme man singt, ob die der Teilzeit- oder der Vollzeitm&amp;uuml;tter, die der M&amp;uuml;tterbeschimpferinnen oder der Karrierefrauen, die einsame Spitze geblieben sind und jetzt alle anderen der Feigheit bezichtigen: Der eigene Lebensentwurf wird verteidigt, indem die der anderen diffamiert werden. Wir sind uns nicht einig, weniger denn je. H&amp;ouml;chstens in einem: dass es kein &amp;raquo;Wir&amp;laquo; gibt. Selbst frauenfreundliche Konzepte wie die Quote spalten die Nation wie eine Axt: Laut einer Focus-Umfrage im Januar sind 50 Prozent der Frauen dagegen, 47 Prozent daf&amp;uuml;r. Und in einer Zeit, in der alle f&amp;uuml;r Frauenpolitik relevanten Regierungsposten mit Frauen besetzt sind, geht nichts voran, weil sich die Betreffenden nicht darauf verst&amp;auml;ndigen k&amp;ouml;nnen, wie es weitergehen soll. Es ist zum Wahnsinnigwerden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; An der letztens so flammend gef&amp;uuml;hrten und so fr&amp;uuml;h verloschenen Sexismus-Debatte war einiges interessant, zwei Dinge aber ganz besonders: wie geschlossen und ger&amp;auml;uschlos sich die m&amp;auml;nnliche Wagenburg um Br&amp;uuml;derle formierte. Und wie ger&amp;auml;uschvoll sich derweil die Frauen gegenseitig in der Luft zerfetzten. Recht spektakul&amp;auml;r geriet das in jener G&amp;uuml;nther-Jauch-Talkshow, in der Wibke Bruhns auf Alice Schwarzer und Aufschrei-Initiatorin Anne Wizorek traf und mit ihren def&amp;auml;tistischen Einlassungen zum Naturgesetz der Bel&amp;auml;stigung &amp;ndash; M&amp;auml;nner und Frauen seien verschiedene Spezies, und wer das &amp;auml;ndert wolle, m&amp;uuml;sse aus Stieren Ochsen machen &amp;ndash; fast schon altersstarrsinnige Unlust demonstrierte, andere Erfahrungen oder Sichtweisen auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Nat&amp;uuml;rlich war das Einladungspolitik einer Talkshow-Redaktion: Konsens ist nicht telegen, da braucht es Zunder. Aber was von diesem Abend &amp;uuml;brig blieb, war wieder mal: Zickenkrieg. Die Weiber sind sich ja nicht mal selber einig, warum sollten wir sie also ernst nehmen? Was wollen die &amp;uuml;berhaupt? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Warum es M&amp;auml;nnern so leicht f&amp;auml;llt, Geschlossenheit zu zeigen, und Frauen so schwer, daf&amp;uuml;r gibt es viele Erkl&amp;auml;rungen. M&amp;auml;nner waren schon immer in Verb&amp;uuml;nden organisiert, bei denen ein gemeinsamer Gegner die Einigkeit erleichtert, ob einst der S&amp;auml;belzahntiger, kurz danach der Russe oder heute der TuS Dachelhofen. Da ist egal, ob man mit dem, der neben einem steht, jemals ein Bier trinken w&amp;uuml;rde: Es geht gegen die anderen, und zwar mit Gebr&amp;uuml;ll, das schwei&amp;szlig;t zusammen. Wie tief solche Reflexe sitzen, sah man an der Br&amp;uuml;derle/Aufschrei-Debatte: Jeder Angriff auf einen einzelnen Mann (und als solcher wurde bereits die reine Dokumentation des Geschehenen betrachtet) ist sofort ein Angriff auf das ganze Geschlecht. Entsprechend pampig, ungl&amp;auml;ubig, abwehrend oder aggressiv waren die Reaktionen, selbst von normalerweise ganz vern&amp;uuml;nftigen M&amp;auml;nnern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Frauen hingegen, unge&amp;uuml;bt im Bilden strategischer Allianzen, verschwenden kostbare Energie in Grabenk&amp;auml;mpfen um Detailfragen, verweigern den Schulterschluss, bauen &amp;ndash; um jetzt mal wegzukommen von Herrn B. &amp;ndash; keine R&amp;auml;uberleitern, wollen es selber hinkriegen. Und verkennen dabei, dass kein Mann es je allein geschafft hat, sondern immer nur dank eines in Jahrtausenden bew&amp;auml;hrten Netzwerks, eines Perpetuum mobile des Machterhalts. Das Spiel ist gezinkt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Teil dieses Spiels ist es, dass sichtbar erfolgreiche Frauen immer noch als Einzelk&amp;auml;mpferinnen wahrgenommen werden, als Ausnahmen, die es quasi per Mutation so weit gebracht haben, vielleicht durch m&amp;auml;nnliche F&amp;ouml;rderung (&amp;raquo;Kohls M&amp;auml;dchen&amp;laquo;), auf jeden Fall aber ohne weibliche Unterst&amp;uuml;tzung. Allein das raunende Erstaunen j&amp;uuml;ngst, als Angela Merkel Annette Schavan auf ihrem Gang zum Schafott begleitete und in ihrer Rede immer wieder das Wort &amp;raquo;Herz&amp;laquo; verwendete, &amp;raquo;von ganzem Herzen&amp;laquo;, &amp;raquo;schweren Herzens&amp;laquo; &amp;ndash; mein Gott, die Merkel ist mit einer Frau befreundet! So was!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wer es in so einem Klima nach oben schafft, tut dies gegen die M&amp;auml;nner und oft genug auch gegen die Frauen. Die amerikanische feministische Psychologin Phyllis Chesler ver&amp;ouml;ffentlichte vor einigen Jahren die Studie &lt;em&gt;Woman&amp;rsquo;s Inhumanity to Woman&lt;/em&gt;, in der sie Belege daf&amp;uuml;r sammelte, dass Frauen nicht selten die schlimmsten Feinde der Frauen sind. Dabei ging es ihr nicht einmal um die offensichtlichsten Grausamkeiten, die Frauen einander weltweit antun &amp;ndash; Klitorisbeschneidung und Ermordung von T&amp;ouml;chtern sind oft Frauensache &amp;ndash;, sondern um die sorgsam verborgene Aggressivit&amp;auml;t und blanke Voreingenommenheit, die Frauen anderen Frauen gegen&amp;uuml;ber haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;&lt;/span&gt;Schwierig wird es immer dann, wenn sich Lebenssituationen &amp;auml;ndern.&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57413.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Blindes Verstehen, unverbr&amp;uuml;chliches Wir-Gef&amp;uuml;hl: leider oft nur in der Fiktion, wie hier in der US-Serie &amp;raquo;Girls&amp;laquo;.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Chesler zitiert eine Studie mit 15 000 Beteiligten in 19 L&amp;auml;ndern, der zufolge Frauen erstaunlich sexistisch sind. Sie finden Frauen weniger glaubw&amp;uuml;rdig und weniger respekteinfl&amp;ouml;&amp;szlig;end als M&amp;auml;nner, sind schneller bereit, das Schlimmste von ihnen zu denken, und haben ein tief verwurzeltes Grundmisstrauen gegen&amp;uuml;ber anderen Frauen. 2011 stellte die Gesellschaft f&amp;uuml;r Konsumforschung in Deutschland die Frage: &amp;raquo;Wen h&amp;auml;tten Sie lieber als Chef: einen Mann? Eine Frau? Oder ist es Ihnen egal?&amp;laquo; 41 Prozent der Befragten bevorzugten einen m&amp;auml;nnlichen Chef, zehn Prozent einen weiblichen, der H&amp;auml;lfte war es egal. Egal &amp;ndash; und das ist das Verbl&amp;uuml;ffendste &amp;ndash; war auch, ob man M&amp;auml;nner oder Frauen befragte: Die Zahlen unterschieden sich kaum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Was ist da los? Woher kommt dieses Misstrauen gegen Frauen? Die M&amp;uuml;nchner Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken (&lt;em&gt;Die deutsche Mutter&lt;/em&gt;) erkl&amp;auml;rt es so: &amp;raquo;Ich glaube, Frauen sehen sich oft automatisch mit den Augen der M&amp;auml;nner &amp;ndash; also mit den Augen der Gruppe, die die Macht innerhalb einer Gesellschaft hat. Es ist eine Art Selbstentmachtung, wenn man diese Sichtweise auf das eigene Geschlecht &amp;uuml;bernimmt.&amp;laquo; Psychologen zitieren gern das Krebskorb-Prinzip: Immer wenn eine sich am Rand des Korbs emporgehangelt hat, wird sie von den anderen wieder zur&amp;uuml;ckgezogen. Jeder Ausbruchsversuch verletzt das Diktat der Gleichheit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Aber wie entsteht dieses Diktat? Phyllis Chesler verweist auf die wenigen, inzwischen schon etwas angestaubten Studien, die sich mit dem Thema Frauenfreundschaften besch&amp;auml;ftigen. Frauenfreundschaften seien einerseits mythisch &amp;uuml;berh&amp;ouml;ht als gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Form von N&amp;auml;he und r&amp;uuml;ckhaltloser Innigkeit, andererseits Konstrukte von hoher Fragilit&amp;auml;t. Denn sie w&amp;uuml;rden nur so lange funktionieren, wie das &amp;raquo;Geht mir genauso&amp;laquo;-Mantra gebetet werde: Freundinnen haben gef&amp;auml;lligst allzeit Verst&amp;auml;ndnis, Best&amp;auml;tigung und Trost zu liefern. Die britischen Psychologinnen Susie Orbach und Luise Eichenbaum analysierten bei vielen Frauenfreundschaften eine Neigung zum Klageb&amp;uuml;ndnis, das im gemeinsamen Lamentieren stecken bleibt und dadurch die Verh&amp;auml;ltnisse eher noch zementiert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Schwierig wird es immer dann, wenn sich Lebenssituationen &amp;auml;ndern. Frauenfreundschaften beruhen so sehr auf dem Diktat der Harmonie, dass jedes Abweichen sofort als Verrat interpretiert wird. Der kleinste Haarriss wird zum Canyon, eine Schwangerschaft oder ein beruflicher Aufstieg k&amp;ouml;nnen Freundschaften zum Einsturz bringen: Ver&amp;auml;nderung ist Vertragsbruch, Unterschiede werden nicht ausgehalten. Und man sucht sich neue Freundinnen, die in &amp;auml;hnlichen Lebensumst&amp;auml;nden stecken und die Verst&amp;auml;ndnismaschine wieder neu befeuern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der weltweite Erfolg von &lt;em&gt;Sex and the City &lt;/em&gt;und neuerdings der hochgelobten HBO-Serie &lt;em&gt;Girls&lt;/em&gt; hat mit genau dieser unerf&amp;uuml;llbaren Sehnsucht zu tun: Teil einer fest verschmolzenen Frauenbande zu sein. Dass so unterschiedliche Charaktere wie die m&amp;auml;nnerfressende Samantha (eine Frauenfantasie des &amp;uuml;berwiegend schwulen Drehbuchschreiber-Teams von &lt;em&gt;Sex and the City&lt;/em&gt;) und das G&amp;auml;nsebl&amp;uuml;mchen Charlotte es im wahren Leben kaum l&amp;auml;nger als einen Weiberabend miteinander ausgehalten h&amp;auml;tten, wird da gern ignoriert. Dass die Freundinnen sofort auf die Ersatzbank geschickt werden, sobald irgendein Mr. Big das Spielfeld betritt, ebenfalls.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Fatalerweise haben die meisten Frauen, was ihr Verh&amp;auml;ltnis zu anderen Frauen betrifft, die Pubert&amp;auml;t nie hinter sich gelassen, so Phyllis Chesler. &amp;raquo;Das Bed&amp;uuml;rfnis nach weiblicher N&amp;auml;he gepaart mit der Angst vor weiblichem Verrat k&amp;ouml;nnte erkl&amp;auml;ren, warum so viele erwachsene Frauen sich so &amp;rsaquo;m&amp;auml;dchenhaft&amp;lsaquo; im Umgang mit anderen Frauen verhalten: Sie wagen es nicht zu widersprechen, sie wagen es nicht, eine Freundin mit unangenehmen Wahrheiten zu konfrontieren. Sie k&amp;ouml;nnen nicht sagen: Ich beneide dich, ich f&amp;uuml;hle mich bedroht von dir, ich teile deine Meinung nicht.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; All das f&amp;uuml;hrt dazu, dass Frauenbeziehungen oft auf einem Meer von hohen Anspr&amp;uuml;chen und unausgesprochenen Zwistigkeiten dahind&amp;uuml;mpeln, im Berufsleben zus&amp;auml;tzlich gen&amp;auml;hrt von Neid und Konkurrenzdenken, das die weibliche Selbstzensur als inakzeptabel wegdr&amp;uuml;ckt. Diese diffuse Gemengelage macht eine Aussprache nahezu unm&amp;ouml;glich. Offene Aggression ist bei Frauen immer noch tabu, aber &amp;raquo;fast alle Frauen haben ein Repertoire von Techniken, mit denen sie andere Frauen schw&amp;auml;chen&amp;laquo;, wie Phyllis Chesler sagt: Kommunikationsverweigerung, Sticheleien, Isolierung. Frauen w&amp;auml;hlen gern Methoden, die es m&amp;ouml;glich machen, jederzeit alles abzustreiten &amp;ndash; r&amp;uuml;ckstandslose Gifte, so fein dosiert, dass nachtr&amp;auml;glich alles als ein Missverst&amp;auml;ndnis oder eine &amp;Uuml;berempfindlichkeit hingestellt werden kann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Was also tun? Wie kann man wieder ins Gespr&amp;auml;ch kommen, also das tun, was Frauen angeblich so gut k&amp;ouml;nnen? Denn worin die wenigen Forscher, die das Thema Freundschaft ernst nehmen, &amp;uuml;bereinstimmen: Wir brauchen Frauen, um die Welt zu verstehen. Um Anschauungen zu vergleichen, Erfahrungen auszutauschen, Gef&amp;uuml;hle zu &amp;uuml;berpr&amp;uuml;fen, Pl&amp;auml;ne zu formulieren. Was kann ich, was will ich? Das finde ich erst heraus, wenn ich es in Gespr&amp;auml;chen mit anderen Frauen auslote: Wir reden, also bin ich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dieses Reden m&amp;uuml;sste allerdings ein anderes werden: erwartungsfreier, interessierter, weniger verst&amp;auml;ndnisheischend. Von M&amp;auml;nnern kann man sich abschauen, wie man Konflikte austr&amp;auml;gt und einander trotzdem gewogen bleibt &amp;ndash; und wie man die verschiedenen Grade der Verbindlichkeit besser auseinanderh&amp;auml;lt. Sie wissen, dass es M&amp;auml;nner gibt, die einen nachts um vier aus einer Bar in Rotterdam abholen w&amp;uuml;rden, und welche, die bestenfalls zu Zweckb&amp;uuml;ndnissen taugen. Sie wissen auch, dass eine andere Meinung eher ein Grund mehr ist, mit dem anderen zu reden, nicht einiger weniger.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Phyllis Chesler w&amp;auml;re schon mit einem &amp;raquo;realistischeren Umgang&amp;laquo; von Frauen mit Frauen zufrieden: nicht so hohe Erwartungen aneinander, die nur entt&amp;auml;uscht werden k&amp;ouml;nnen, Solidarit&amp;auml;t trotz unterschiedlicher Meinungen, Meinungsverschiedenheiten nicht so pers&amp;ouml;nlich nehmen und nicht so nachtragend sein. Eine Freundin, die sich benimmt wie eine bl&amp;ouml;de Kuh, muss man zwar einfach eine bl&amp;ouml;de Kuh nennen. Aber ins Gesicht. In aller Freundschaft. Und dann die Hand drauf. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fotos: HBO&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Ziemlich beste Freundinnen?</dc:subject>
    <dc:creator>Meike Winnemuth</dc:creator>
    <dc:date>2013-03-07T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39155">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39155</link>
    <title>Brust raus</title>
    <description>&lt;p&gt;Nackte B&amp;auml;uerinnen, schlammverschmierte Sportlerinnen: Warum bitte ziehen sich ganz normale Frauen f&amp;uuml;r absurde Kalender aus?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/55157.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Joanna hat am morgen noch die K&amp;uuml;he gemolken und gef&amp;uuml;ttert, bevor sie losgefahren ist. Nadine hatte am Wochenende ausnahmsweise keinen Wettkampf, sie hat nur locker trainiert: drei Stunden Mountainbike am Samstag und Sonntag dann vier Stunden Rennrad. Andrea hat noch bis in den Abend im B&amp;uuml;ro gesessen, um den Monatsabschluss f&amp;uuml;r ihre Firma fertig zu machen. F&amp;uuml;r alle drei war es eine ganz normale Woche, bis zum Tag der Fotoaufnahmen f&amp;uuml;r den jeweiligen Erotikkalender. Da haben sie alle das Gleiche getan: sich ausgezogen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Etwa hundert Erotikkalender kommen jedes Jahr in Deutschland auf den Markt. Einer zeigt Zeichnungen von Egon Schiele, einige wenige zeigen M&amp;auml;nner mit nacktem Oberk&amp;ouml;rper, der Rest zeigt Frauen. Ganz normale junge Frauen, die auf Lehramt studieren, Landwirtinnen sind, Sportlerinnen, Ergotherapeutinnen, M&amp;uuml;tter oder Finanzanalystinnen. Junge Frauen, die einen Beruf haben, die nicht ber&amp;uuml;hmt werden wollen oder planen, in Zukunft Geld mit ihrem nackten K&amp;ouml;rper zu verdienen. Warum machen die das?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nackte Haut ist gut zu vermarkten. Prominente nutzen das. Sie bekommen entweder viel Geld daf&amp;uuml;r, dass sie mit ihrem nackten K&amp;ouml;rper Werbung f&amp;uuml;r ein Produkt machen oder aber sie machen Werbung f&amp;uuml;r das Produkt, das sie selbst sind. F&amp;uuml;r sie hat das Ausziehen eine Wirkung. Ihre Suchanfragen bei Google gehen hoch und damit ihr Marktwert. Das l&amp;auml;sst sich erheben: Das niederl&amp;auml;ndische Topmodel Lara Stone hatte laut &amp;raquo;Google Insights Search&amp;laquo; drei gro&amp;szlig;e Momente in seinem Leben &amp;ndash; die Hochzeit mit dem Schauspieler David Walliams, die Ver&amp;ouml;ffentlichung von Oben-ohne-Bildern im franz&amp;ouml;sischen &lt;em&gt;Playboy&lt;/em&gt; und schlie&amp;szlig;lich die Vorstellung des Pirelli-Kalenders 2012, des bekanntesten Erotikkalenders &amp;uuml;berhaupt, f&amp;uuml;r den sie ganz nackt posiert hat. Promis n&amp;uuml;tzt das Ausziehen. Nach so einem Peak in der Aufmerksamkeitskurve kann Stone, genau wie Schauspielerinnen und Moderatorinnen, mehr Gage verlangen: in ihrem Beruf, aber auch f&amp;uuml;r Werbeauftritte oder ihr Auftauchen bei Shoper&amp;ouml;ffnungen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Diskriminierung von Frauen ist der h&amp;auml;ufigste Grund f&amp;uuml;r eine Beschwerde beim Deutschen Werberat&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/55159.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; Den jungen Frauen, die sich f&amp;uuml;r die Kalender ausziehen, n&amp;uuml;tzt das gar nichts. Sie bekommen eine Aufwandsentsch&amp;auml;digung von hundert Euro und ein paar Freiexemplare. Wenn sie Gl&amp;uuml;ck haben. Ber&amp;uuml;hmt werden k&amp;ouml;nnen sie mit ihrem Foto auch nicht, denn der Betrachter kennt nicht mal ihren Namen. Aber was wollen sie dann? Welche neuen Impulse kann eine Frau &amp;uuml;berhaupt noch mit ihrer Nacktheit setzen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Keine Geschichte ist l&amp;auml;nger als die der nackten Frau. Schon immer wurden Frauen nackt angeschaut, gemalt, fotografiert, gefilmt &amp;ndash; je nach Epoche. 74 Prozent der abgebildeten Nackten im Metropolitan Museum of Art in New York sind weiblich und nur vier Prozent der K&amp;uuml;nstler. Die Internetseite der &lt;em&gt;Bild&lt;/em&gt;-Zeitung hat Erotik l&amp;auml;ngst zu einem eigenen Nachrichtenressort neben Kino, Kultur und Royals erhoben. Fotos von nackten M&amp;auml;nnern zeigt die Seite nicht. Die Werbung nutzt st&amp;auml;ndig Frauenk&amp;ouml;rper um Produkte zu verkaufen: Dabei geht es um unn&amp;ouml;tige Darstellung von weiblicher Nacktheit &amp;ndash; wenn n&amp;auml;mlich nicht bequeme Unterhosen oder Sport-BHs beworben werden, sondern Bier, Autos, Schlagbohrer oder ein Technikversandhandel. Frauendiskriminierung ist der h&amp;auml;ufigste Grund f&amp;uuml;r eine Beschwerde beim Deutschen Werberat. Und das seit 1989. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die britische Medienwissenschaftlerin Laura Mulvey beschrieb 1975 die Rollen der Geschlechter wie folgt: Die Frauen sind im Bild und die M&amp;auml;nner sind die Tr&amp;auml;ger des Blicks. Nie war es so einfach wie heute, diese These zu &amp;uuml;berpr&amp;uuml;fen. Ist die Feministinnengruppe Guerrilla Girls noch durchs Museum gelaufen, um bei jeder Nackten einen Strich in den Block zu machen, muss man heute nur eine beliebige Amateurporno-Seite im Internet anw&amp;auml;hlen, um herauszufinden: Mulvey hat recht &amp;ndash; die (Handy-)Kamera h&amp;auml;lt immer der Mann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die jungen Kalenderfrauen verstehen sich auch als Werbetr&amp;auml;gerinnen. Nicht f&amp;uuml;r sich, weil sie nicht ber&amp;uuml;hmt sind. Nicht f&amp;uuml;r ein Produkt, weil sie nicht professionell modeln. Sondern f&amp;uuml;r die Sache der Frauen &amp;ndash; nur mit umgekehrten Vorzeichen als der &amp;uuml;berwiegende Teil Deutschlands. Sie fordern keinen gerechten Lohn, keine Quote, keine Kita-Pl&amp;auml;tze. Sie fordern nicht mehr Gleichheit, sie fordern mehr Weiblichkeit. Zumindest f&amp;uuml;r sich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nadine ist Profiradlerin, jedes Wochenende f&amp;auml;hrt sie Wettk&amp;auml;mpfe. Und am Montag gibt es dann immer einen Haufen Fotos von ihr auf dem Mountainbike: schlammverschmiert, schwitzend, mit Helm und angespannten Muskeln. Nadine ist 24-Stunden-Weltmeisterin im Vierer-Team, wurde schon dreimal Deutsche Meisterin im Cross Country, einmal Vize-Europameisterin im Marathon. Ihr Leben besteht aus Training. &amp;raquo;Ich wollte mich auch mal als Frau pr&amp;auml;sentieren&amp;laquo;, sagt sie. Die hohen Schuhe, die sie auf dem entstandenen Foto tr&amp;auml;gt, musste sie sich ausleihen. &amp;raquo;Ich habe so was gar nicht.&amp;laquo; Genauso ist es bei Joanna, sie f&amp;uuml;hrt mit ihrem Mann eine Rinderzucht. Sie ist gelernte Landwirtin, hat eine Zusatzausbildung zur Besamerin gemacht. &amp;raquo;Ich bringe die Babys in die K&amp;uuml;he.&amp;laquo; Sie ist eine schmale blonde Frau, die sehr energisch spricht, vor allem, wenn sie von den Melkanlagen erz&amp;auml;hlt und wie gro&amp;szlig; die Herde sein darf, damit sie sich noch von jedem Tier den Namen merken kann. Im Moment sind es 120. Das kriegt sie locker hin. Was ihr im Alltag fehlt, ist das Gef&amp;uuml;hl, sexy zu sein und begehrt zu werden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; So ist es auch bei den anderen: Andrea ist Finanzanalystin. Wenn sie Leute kennenlernt, denken die immer, sie sei taff und skrupellos. Doris ist bei der Freiwilligen Feuerwehr, sie arbeitet als Maschinistin. Stefanie und Ramona sind im Fu&amp;szlig;ballverein, trainieren bis zu zweimal die Woche und haben am Sonntag dann jeweils ein Spiel. Nat&amp;uuml;rlich auch alles mit Matsch und Gr&amp;auml;tschen. &amp;raquo;Gerade weil es mir keiner zugetraut hat, habe ich es gemacht&amp;laquo;, sagt Ramona. Jetzt ist sie auf dem Titel des deutschen Jungbauernkalenders: In kurzer Jeans, den obersten Knopf ge&amp;ouml;ffnet, steht sie in einem Mohnfeld, die gelockten braunen Haare fallen ihr bis in Taille. Ivonne arbeitet als Ergotherapeutin, sorgt bei anderen Leuten f&amp;uuml;r ein gutes K&amp;ouml;rpergef&amp;uuml;hl, l&amp;auml;uft aber selber den ganzen Tag im Kittel rum. Sie ist auf dem Deckblatt eines Bergwerk-Kalenders. Nackt und nur mit &amp;Ouml;l beschmiert steht sie in einem F&amp;ouml;rderschacht. &amp;raquo;Ich kann auch sexy&amp;laquo;, sagt sie, als sei von ihr als Frau gefordert worden, das &amp;ouml;ffentlich unter Beweis zu stellen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das muss erkl&amp;auml;rt werden, schlie&amp;szlig;lich l&amp;auml;uft die Argumentation meist andersherum: Jeder nackte Frauenk&amp;ouml;rper schadet der Sache der Frauen, weil er ein altes Bild aufrechterh&amp;auml;lt &amp;ndash; das von der Verf&amp;uuml;gbarkeit der Frau. Wer sich auszieht, degradiert sich selbst. Die Geschichte der Objektifizierung der Frau ist viel zu lang, als dass die Frau aus diesem Kontext einfach heraustreten k&amp;ouml;nnte, sagen Feministinnen. M&amp;auml;nner schauen Frauen nicht anders an, nur weil die pl&amp;ouml;tzlich einen Grund haben f&amp;uuml;r ihr Nacktsein. Der Blick ist geschult. Die Wahrnehmung gelenkt. Sie bleibt Objekt &amp;ndash; ob sie es will oder nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das ist eine unbefriedigende Schlussforderung, f&amp;uuml;r beide Geschlechter. Denn sie unterstellt, dass M&amp;auml;nner sich nicht &amp;auml;ndern k&amp;ouml;nnen und Frauen sich deshalb f&amp;uuml;r immer einschr&amp;auml;nken m&amp;uuml;ssen. Das kann&amp;rsquo;s doch nicht sein. Moderne Feministinnen &amp;uuml;berlegen sich daher, wie man der Frau ihre &amp;ouml;ffentliche Sexualit&amp;auml;t zur&amp;uuml;ckgeben kann. Gesucht wird ein neuer Umgang mit Nacktheit, bei dem es nicht darum geht, bei M&amp;auml;nnern Begehren zu wecken, sondern bei dem es um die Frau geht, um ihre eigene Lust, nicht ums Lustausl&amp;ouml;sen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Gerade weil es mir keiner zugetraut hat, habe ich es gemacht&amp;laquo;&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/55161.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; Aber genau darum dreht es sich im Kalenderbusiness: Fast immer sind es M&amp;auml;nner, die die Frauen ausw&amp;auml;hlen und die Fotos machen. Auch die Ideen stammen von ihnen. Schwierig sei das gar nicht gewesen, er habe einfach seine Leidenschaften zusammengebracht, sagt Olaf Martin, der Erfinder des Erotica-Mineralis-Kalenders, f&amp;uuml;r den er nackte Frauen in Bergwerken fotografiert hat. In die so entstandenen Bilder hat er dann immer unten rechts noch ein Mineral reinretouchiert. Fertig. Die Idee zum Feuerwehrkalender kam dem Hobbyfotografen J&amp;uuml;rgen Wunderlich. Er hat sich auch den Landmaschinenkalender, den Lkw-Kalender und den Waffenkalender ausgedacht. Der wird vor allem von Polizeiwachen in gr&amp;ouml;&amp;szlig;eren Mengen bestellt: F&amp;uuml;r jedes Amtszimmer einen. Mit dem gleichen sch&amp;ouml;pferischen Genie sind auch der Anglerkalender entstanden, der Pfeil-und-Bogen-Kalender und der Nerd-Kalender, in dem Frauen mit Strapsen neben Computer-Klassikern wie dem Commodore 64 aus dem Jahr 1982 oder einem alten Game Boy posieren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; F&amp;uuml;r die Kalenderfrauen ist es okay, Teil einer fremden Fantasie zu sein. Denn sie arbeiten nicht an einem neuen Bild der Frau, sie wollen nicht provozieren oder verwirren &amp;ndash; was als Minimalziel f&amp;uuml;r sich ausziehende Frauen gilt. Sie wollen einfach nur sexy gefunden werden. Ihre Rolle ist passiv. Von ihrer eigenen Sexualit&amp;auml;t ist das Ausziehen komplett abgekoppelt. Die Frage, ob es sie sexuell erregt, sich halb nackt in der &amp;Ouml;ffentlichkeit zu zeigen, empfinden sie als anr&amp;uuml;chig und unpassend. Das Ausziehen an sich aber nicht. Der Rahmen eines Kalenders sei doch die perfekte Gelegenheit. Wer sollte schon gegen geschmackvolle Erotikaufnahmen etwas einwenden? Vor allem bei ihnen, die sie ja richtige Berufe haben, erfolgreich sind, Kinder aufziehen, Feuer l&amp;ouml;schen, St&amp;auml;lle ausmisten oder studieren. Stark seien sie ja eh schon, finden sie. Das glaubt man ihnen sofort &amp;ndash; im Gespr&amp;auml;ch. Auf den Fotos sieht man es nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; J&amp;uuml;rgen Wunderlich, der allein f&amp;uuml;nf Erotikkalender pro Jahr herausbringt, und das seit Jahren, wei&amp;szlig;, was sich verkauft. Ob die Frauen nur ihre Br&amp;uuml;ste zeigen oder man sogar die Schamlippen erahnen kann unter durchsichtigen Slips, ist egal. &amp;raquo;Die Szene muss anz&amp;uuml;glich sein, das ist wichtiger. Der Mann muss sich was vorstellen k&amp;ouml;nnen.&amp;laquo; Und das tut er. Auf Boulevardzeitungsseiten gibt es schon seit vergangenem November Klickstrecken von den freiz&amp;uuml;gigsten Bildern aus allen Kalendern, wild gemixt und wild kommentiert. &amp;raquo;Die nehmen jeden Schlauch in die Hand&amp;laquo; und &amp;raquo;bringen jede Leiter zum Ausfahren&amp;laquo;, unterschreiben Journalisten die Fotos von den nackten Feuerwehrfrauen. Und die Besucher der Internetseite hinterlassen Beitr&amp;auml;ge im gleichen Stil. Auch dass das eigene Foto nur im Umfeld anderer z&amp;uuml;chtiger Posen erscheint, ist in der Klickstrecke nicht mehr sicher: Stand eben noch eine freundliche Bauerstochter, die Scham wegdrehend, in einer Gruppe von s&amp;uuml;&amp;szlig;en Zicklein, ist im n&amp;auml;chsten Bild eine Frau zu sehen, die vorn&amp;uuml;bergebeugt mit gespreizten Beinen dasteht und mit dem Revolverlauf einer Taurus Raging Bull an ihren Arschbacken herumspielt. Neben der Fotostrecke prangt dann eine Anzeige f&amp;uuml;r Bezahlsex. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sp&amp;auml;testens jetzt sind alle pers&amp;ouml;nlichen Motivationen der teilnehmenden Frauen irrelevant geworden. Dass sie auch anders k&amp;ouml;nnen, n&amp;auml;mlich arbeiten, anpacken, erfolgreich sein, sieht man nicht. Was bleibt, ist das Bild von einer Frau, die vielleicht sexy ist, auf keinen Fall stark und in jedem Fall nackt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Folgen Sie Lara Fritzsche auf &lt;a href=&quot;https://twitter.com/larafritzsche&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Twitter&lt;/a&gt;.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Brust raus</dc:subject>
    <dc:creator>Lara Fritzsche</dc:creator>
    <dc:date>2013-01-03T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38605">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38605</link>
    <title>Endlich Respekt zeigen</title>
    <description>&lt;p&gt;Was tun gegen Gewalt und Unterdr&amp;uuml;ckung? Eine Handvoll Frauen in      Kenia hat ein m&amp;auml;nnerloses Dorf gegr&amp;uuml;ndet &amp;ndash; und hofft auf eine neue      Generation von M&amp;auml;nnern, die sich endlich von veralteten Traditionen l&amp;ouml;st.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Holzbaracke in Archer&amp;rsquo;s Post, einem kleinen Ort in Kenia, drei M&amp;auml;nner vom Volk der Samburu trinken ihren Tee. Der &amp;Auml;lteste, klein und eingefallen, ist in ein rot-wei&amp;szlig; kariertes Tuch geh&amp;uuml;llt, tief h&amp;auml;ngen seine durchstochenen Ohrl&amp;auml;ppchen. Die anderen beiden tragen Hemd und Jeans. Bereitwillig plaudern sie, wenn man sie etwas fragt, es ist ja sonst nichts los. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Frage: Warum sollten nur die M&amp;auml;nner Rechte haben?&lt;br /&gt; &amp;raquo;Weil das unsere Tradition ist. Frauen sind wie Kinder, sie m&amp;uuml;ssen erzogen werden. Wenn sie unerzogen sind, muss man sie schlagen, um sie zu disziplinieren.&amp;laquo;&lt;br /&gt; Es gibt Frauen, die ganze Nationen regieren. Sind die auch wie Kinder?&lt;br /&gt; &amp;raquo;Diese Frauen haben alle einen Ehemann, der ihnen sagt, was sie tun sollen.&amp;laquo;&lt;br /&gt; Und wenn eine Frau ihren Mann schlagen w&amp;uuml;rde?&lt;br /&gt; &amp;raquo;Dann muss man sie umbringen, und wenn ich keinen Stock hab, nehm ich das Messer.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die drei Samburu-M&amp;auml;nner erheben nicht einmal ihre Stimmen. Umoja, das Dorf der Frauen, ist keine zwei Kilometer entfernt, und wenn man erahnen will, was es die Frauen gekostet hat, ihre eigene Welt aufzubauen, und warum sie das m&amp;uuml;hsame, harte Leben, das sie jetzt f&amp;uuml;hren, als gro&amp;szlig;es Gl&amp;uuml;ck empfinden, dann muss man sich wohl mal angeh&amp;ouml;rt haben, was M&amp;auml;nner wie Wilson, Barasi und Douglas im Jahr 2012 von sich geben, man h&amp;auml;tte auch drei andere fragen k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es ist ein Kunstst&amp;uuml;ck, in Kenias Halbw&amp;uuml;ste zu &amp;uuml;berleben. Jeder trockene Busch, jede Schirmakazie, die es geschafft hat, hier zu wurzeln, sch&amp;uuml;tzt sich mit kr&amp;auml;ftigen Dornen, Skorpione und Schlangen halten Gift bereit und in dem braunen Fluss Uwaso lauern die Krokodile. Nicht weit vom Fluss liegt hinter Stacheldraht und einem Dornenwall ein Schutzort, in dem zurzeit 48 Frauen und ihre Kinder leben. Aus &amp;Auml;sten, Lehm und Kuhdung haben sie ihre H&amp;uuml;tten, die Manyatas, gebaut &amp;ndash; nur zwei Geb&amp;auml;ude sind aus Stein: das Schulhaus, in dem die Frauen und Kinder aus Umoja und dem Umland unterrichtet werden; und das kleine Museum, in dem sich die Touristen &amp;uuml;ber die Geschichte der Samburu informieren k&amp;ouml;nnen. Es ist hei&amp;szlig; und windig im Dorf, fein klingeln die Metallpl&amp;auml;ttchen, die den traditionellen Perlenschmuck der Frauen umranden. Ein d&amp;uuml;rrer Hahn fegt &amp;uuml;ber den Platz, sonst hat es niemand eilig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Frauen sitzen in kleinen Gruppen auf wei&amp;szlig;en Plastiks&amp;auml;cken, die Beine ausgestreckt, einen Fu&amp;szlig; &amp;uuml;ber dem anderen. Gegen den feinen Sand, der sich auf Haut und Kleidung legt, k&amp;ouml;nnen sie nichts tun, wohl aber gegen den M&amp;uuml;ll; jede Plastikt&amp;uuml;te, die ins Dorf geweht wird, sammeln sie ein. Wie jeden Tag f&amp;auml;deln sie ihre Perlen auf, sortieren mit feinem Draht die richtigen Farben auf der Handfl&amp;auml;che. Den Schmuck verkaufen sie an Touristen &amp;ndash; davon und von den Einnahmen aus ihrem kleinen Camp am Fluss leben sie, es reicht gerade so. In vielen Ringen und variierenden Mustern liegt der Schmuck schwer &amp;uuml;ber ihren bunten Gew&amp;auml;ndern, um Hals und Brust, weit hinab bis &amp;uuml;ber die Schultern und um den Kopf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Rebecca Lolosoli sitzt als Einzige auf einem Holzschemel; er wirkt klein f&amp;uuml;r die kr&amp;auml;ftige Frau, das Oberhaupt dieser Gemeinschaft. Ihr Blick ist stolz, sie strahlt das Selbstbewusstsein aus, das ihr Vater, ein bedeutender Samburu-Stammesf&amp;uuml;hrer, ihr vererbt hat &amp;ndash; entgegen jeder Tradition. Ein Handy l&amp;auml;utet. Rebecca greift unter ihren Perlenschmuck, zieht ein Nokia hervor und nimmt eine Buchung f&amp;uuml;r das Camp entgegen &amp;ndash; ihre Ber&amp;uuml;hrungs&amp;auml;ngste haben die Frauen in vielerlei Hinsicht abgelegt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Vor 22 Jahren hatte Rebecca Lolosoli die Idee, ein Dorf nur f&amp;uuml;r Frauen zu gr&amp;uuml;nden. Da lag sie gerade im Krankenhaus, nachdem sie von einer Gruppe M&amp;auml;nner zusammengeschlagen worden war. Es hatte den M&amp;auml;nnern nicht gepasst, dass Rebecca st&amp;auml;ndig die Frauen um sich versammelte, das Wort erhob gegen Ehemann und Schwiegervater und es wagte, laut auf Versammlungen &amp;uuml;ber das Unrecht zu sprechen, das den Frauen widerfuhr. In der Tradition der Samburu, urspr&amp;uuml;nglich ein Nomaden-Volk, herrschen die M&amp;auml;nner &amp;uuml;ber ihre Familie, sie sind diejenigen, die das Land und die Tiere besitzen, die zuerst essen, die meist mehrere Frauen haben, sie schlagen d&amp;uuml;rfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In der N&amp;auml;he von Archer&amp;rsquo;s Post hatte die britische Armee ihr Lager, fr&amp;uuml;her waren hier Truppen zu Trainingszwecken stationiert. Immer wieder kam es vor, dass Soldaten einheimische Frauen vergewaltigten. Wie Nagusi Lolemu, die gerade beim W&amp;auml;schewaschen am Fluss war, als sich drei M&amp;auml;nner in Uniform auf sie st&amp;uuml;rzten. Verletzt schleppte sich die Samburu-Frau zu ihrer H&amp;uuml;tte und erz&amp;auml;hlte ihrem Ehemann, was passiert war. Er versorgte nicht ihre Wunden, er stand ihr nicht bei, er verfolgte auch die Soldaten nicht &amp;ndash; er verpr&amp;uuml;gelte seine Frau mit einem Holzscheit, beschimpfte sie daf&amp;uuml;r, dass sie Schande &amp;uuml;ber die Familie gebracht habe und jagte sie aus dem Haus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Umoja hei&amp;szlig;t &amp;raquo;Einheit&amp;laquo;. In ihrem eigenen Dorf, so Rebeccas und Nagusis &amp;Uuml;berlegung damals, w&amp;uuml;rden sich die Frauen gegenseitig sch&amp;uuml;tzen, einander den Respekt erweisen, von dem die M&amp;auml;nner Lichtjahre entfernt waren. Die Frauen suchten sich einen Platz ganz in der N&amp;auml;he des Samburu-Nationalparks, wo regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig die Safari-Touristen vorbeikommen, von denen sie sich ein Einkommen erhofften. Sie schlugen ihr Lager auf, begannen mit dem Bau der ersten H&amp;uuml;tte, der zweiten, der dritten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Alles, was vorher verboten war&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/52045.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; Mit klopfendem Herzen und berauschendem Freiheitsgef&amp;uuml;hl taten die Frauen nun all die Dinge, die ihnen bisher verboten waren. Eine Ziege schlachten! Als sie das erste Mal ein Tier in Archer&amp;rsquo;s Post kauften, gingen ein paar M&amp;auml;nner ungl&amp;auml;ubig hinter ihnen her. &amp;raquo;Was wollt ihr damit machen?&amp;laquo; &amp;ndash; &amp;raquo;Sie essen!&amp;laquo; Die M&amp;auml;nner sind au&amp;szlig;er sich, wollen das Absurde, Unversch&amp;auml;mte, Skandal&amp;ouml;se mit eigenen Augen sehen. Sie schauen zu, wie die Frauen die Ziege festhalten, wie Rebecca ihr die Kehle durchschneidet. Wie sie das Tier h&amp;auml;uten, zerlegen, um es auf dem Feuer mitten auf dem Platz zu braten. Nach Samburu-Tradition d&amp;uuml;rfen nur M&amp;auml;nner Fleisch essen, w&amp;auml;hrend die Frauen die Innereien bekommen. &amp;raquo;Was macht ihr mit den St&amp;uuml;cken, die uns zustehen?&amp;laquo; &amp;ndash; &amp;raquo;Welche sollten das sein? Wir haben die Ziege bezahlt, sie geh&amp;ouml;rt uns!&amp;laquo; Rebecca Lolosoli muss heute noch lachen und wischt sich die Tr&amp;auml;nen aus den Augen, wenn sie davon erz&amp;auml;hlt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; L&amp;auml;ngst haben die Frauen ihre eigene kleine Ziegenherde, die t&amp;auml;glich weit bis hinter die Berge zum Grasen gef&amp;uuml;hrt wird. Rebecca Lolosoli hat sogar unter M&amp;auml;nnern wie Wilson, Barasi und Douglas den Ruf, eine besonders gute Hand f&amp;uuml;r die Tiere zu haben. Was sie wei&amp;szlig;, gibt sie weiter: Heute sollen ein paar L&amp;auml;mmer ihre Markierung bekommen; das eine Ohr geschlitzt, das andere gek&amp;uuml;rzt. Rebeccas Neffe Benedict, zwanzig Jahre alt und in Umoja, seit er zehn ist, h&amp;auml;lt eine alte Schuhsohle in der Hand. Als er 15 war, wollte sein Vater ihn zu sich nehmen &amp;ndash; Benedict weigerte sich. Er tr&amp;auml;gt Jeans und ein glitzerndes Guess-T-Shirt und kann leidenschaftlich &amp;uuml;ber die Vorteile der Gleichberechtigung sprechen. Jetzt legt er das Ziegenohr aufs Profil, eine der Frauen h&amp;auml;lt das Lamm an Hals und Beinen. Es bl&amp;ouml;kt. Benedict dr&amp;uuml;ckt zu, aber zu zaghaft, Rebecca erkl&amp;auml;rt, zeigt, wird ein bisschen unwirsch. Das hier soll schnell gehen und schonend. Der Geruch des Ziegenkots steigt bei&amp;szlig;end in die Nase, Benedict schwitzt, dr&amp;uuml;ckt schlie&amp;szlig;lich beherzt zu, schneidet, das Ohr ist geschlitzt, das Lamm bl&amp;ouml;kt, etwas Blut tropft. Beim n&amp;auml;chsten Tier geht es schon besser.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Um zu beweisen, dass eine Frau ohne Mann hilflos Gefahren ausgeliefert ist, kamen die M&amp;auml;nner noch bis vor wenigen Jahren einfach so nach Umoja und verpr&amp;uuml;gelten wahllos Frauen, traten ihre Perlen in den Dreck. Aber jetzt, wo die Jungs im Dorf &amp;auml;lter und kr&amp;auml;ftiger geworden sind, ist das nicht mehr so einfach. Au&amp;szlig;erdem schaut inzwischen die Welt auf diese verlassene Gegend, seit Hillary Clintons Organisation &amp;raquo;Vital Voices&amp;laquo; Rebecca Lolosoli mit dem &amp;raquo;Global Leadership Award&amp;laquo; ausgezeichnet hat, als geborene F&amp;uuml;hrungspers&amp;ouml;nlichkeit. Die Dorfchefin Rebecca hat in Washington gesprochen, war in Neapel beim Menschenrechtsfestival. &amp;raquo;Unsere Stimme ist unser Schutz!&amp;laquo;, sagt sie. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nachdem sie einmal angefangen hatten, Rechte f&amp;uuml;r sich in Anspruch zu nehmen, waren die Frauen bereit f&amp;uuml;r weitere Tabubr&amp;uuml;che: Sie luden Expertinnen ein, die im Schatten unter der Schirmakazie &amp;uuml;ber Bildung und Aids sprachen, &amp;uuml;ber weibliche Beschneidung. Was f&amp;uuml;r ein Schock, zu erfahren, dass der stolze Akt, der ein Samburu-M&amp;auml;dchen laut Tradition zur Frau macht, in anderen Teilen Kenias und vielen L&amp;auml;ndern der Welt als Genitalverst&amp;uuml;mmelung bezeichnet wurde! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bald hatten sie ihre Haltung gefunden: gegen Zwangsheirat, gegen Heirat Minderj&amp;auml;hriger, gegen erzwungenen Sex. F&amp;uuml;r das Recht auf Bildung f&amp;uuml;r M&amp;auml;dchen. Das Recht, als Frau Land zu besitzen: 100 000 Schilling, knapp 1000 Euro, sparten sie in vielen Jahren zusammen, um den Boden zu bezahlen, auf dem ihr Dorf steht. Umso gr&amp;ouml;&amp;szlig;er war die Emp&amp;ouml;rung, als Rebeccas Ehemann pl&amp;ouml;tzlich Anspr&amp;uuml;che erhob: Seine Frau k&amp;ouml;nne nicht die Besitzerin sein, der Grund stehe ihm zu. Der Streit ging vor Gericht, wo nicht nach Samburu-Br&amp;auml;uchen, sondern nach dem fortschrittlicheren kenianischen Gesetz entschieden wird. Noch steht das Urteil aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Im Laufe der Jahre kamen andere Frauen, nicht nur Angeh&amp;ouml;rige der Samburu, sondern auch der Turkana, einmal eine verarmte Franz&amp;ouml;sin; jede ist willkommen. Manche blieben, andere versuchten es nach einer Weile wieder mit ihren M&amp;auml;nnern. Judy war zehn und hatte einen langen Marsch hinter sich, als sie 2002 in Umoja landete. Ihr Vater wollte sie mit einem Mann verheiraten, der mit seinen 50 Jahren nicht nur erheblich &amp;auml;lter war, sondern zudem HIV-positiv. Wie mag man sich f&amp;uuml;hlen, wenn der eigene Vater f&amp;uuml;r die entsprechende Zahl K&amp;uuml;he so einen Handel eingeht? Judy ist heute zwanzig, eine sch&amp;ouml;ne, zur&amp;uuml;ckhaltende Frau mit geschmeidigen Bewegungen. Sie hat zwei T&amp;ouml;chter, sechs und drei, es war also doch mal ein Mann im Spiel. Auch einige der anderen Frauen bekommen hin und wieder M&amp;auml;nnerbesuch, sie machen kein Geheimnis daraus. &amp;raquo;Aber ich brauche jetzt keinen mehr&amp;laquo;, sagt Judy knapp.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dann nimmt sie sich einen zerkratzten wei&amp;szlig;en Plastikkanister, schlie&amp;szlig;t sich den anderen Frauen an, um Wasser zu holen, und ist auf einmal ganz lebendig. Angekommen am Fluss, beginnen die Frauen eine eigenwillige Choreografie. Ihr Ziel: nicht gefressen zu werden. Sie dr&amp;uuml;cken mit dem Handballen dicke Sandbrocken aus der Uferkante, schmettern sie ins tr&amp;uuml;be Wasser. Sie klatschen mit ihren leeren Kanistern auf die Oberfl&amp;auml;che, schreien, dann erst beginnen zwei von ihnen, Wasser abzuf&amp;uuml;llen, auch sie mit so viel Abstand zum Fluss wie m&amp;ouml;glich. Erst vor ein paar Tagen ist ein Kind von einem Krokodil blitzschnell ins Wasser gezogen und get&amp;ouml;tet worden. Schreien, klatschen, werfen. Hinunterbeugen, Wasser nehmen. Eine verliert ihr Gleichgewicht, greift nach dem Arm der anderen, sie quietschen, kichern, angespannt und zugleich albern, es ist diese Gem&amp;uuml;tslage, mit der sie viele Situationen bew&amp;auml;ltigen, und kaum sind sie wieder auf dem Weg ins Dorf, die schweren Kanister auf Kopf oder R&amp;uuml;cken, f&amp;auml;llt ihnen wieder was Urkomisches ein; wisst ihr noch, letzte Nacht &amp;hellip;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Am Abend zuvor hatte der Hund angeschlagen, als fremde M&amp;auml;nner pl&amp;ouml;tzlich am Zaun auftauchten. Kurz davor waren in der Nachbarschaft 58 Rinder gestohlen worden. Schon wieder! Die Zeitungen sind voll von Viehdiebst&amp;auml;hlen, von &amp;Uuml;berf&amp;auml;llen und Racheakten, bei denen Menschen sterben. &amp;raquo;Und die Regierung unternimmt nichts&amp;laquo;, sagt Rebecca Lolosoli mit ver&amp;auml;chtlichem Blick. Viele Kenianer glauben, dass die &amp;Uuml;berf&amp;auml;lle auch politisch motiviert sind. In einem halben Jahr finden Wahlen statt, und Politiker, die an die Macht wollen, w&amp;uuml;rden gern Streit zwischen den Volksst&amp;auml;mmen inszenieren, damit im g&amp;uuml;nstigsten Fall die Anh&amp;auml;nger der Gegenseite vertrieben werden. Auch das hat Rebecca Lolosoli schon &amp;ouml;ffentlich angeprangert: Kommt endlich zur Besinnung &amp;ndash; ihr gef&amp;auml;hrdet Frauen und Kinder!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; So hatten die Bewohnerinnen von Umoja ihre Ziegen in jener Nacht zur Sicherheit zu den H&amp;uuml;hnern in den Stall gesperrt und sich selbst in ihrem Museum versteckt. Auf dem Steinboden haben sie ihre Decken und Matten ausgebreitet, kreuz und quer mit ihren Kindern, eingerahmt von den Vitrinen, in denen sie die typischen Utensilien ihrer Kultur pr&amp;auml;sentieren, H&amp;auml;ute, Messer, Fette, Pfeile, Speere. Blo&amp;szlig; keine Ger&amp;auml;usche machen! Drau&amp;szlig;en haben Benedict und ein paar andere Jungs, Kinder Umojas, Wache gehalten, drinnen sind die Frauen jedes Mal zusammengeschreckt, wenn ein Baby zu weinen begann. Ruhig nur, ruhig! Bis es endlich hell wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Die Revolution afrikanischer Frauen&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/52043.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; Nagusi, deren Haar inzwischen grau wird, und Rebecca, die beiden langj&amp;auml;hrigen Vertrauten, haben als Einzige wie gewohnt auf ihrem Ziegenfell in ihrer H&amp;uuml;tte geschlafen. Sie haben sich irgendwann entschieden, nicht mehr Opfer zu sein. Wenn so etwas geschieht, kann die Wirkung gro&amp;szlig; sein:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In Liberia haben Frauen 2003 mit ihrem friedlichen Protest und einem Sexstreik dazu beigetragen, dass der B&amp;uuml;rgerkrieg beendet wurde. Ihre F&amp;uuml;hrerin, Leymah Gbowee, hat daf&amp;uuml;r den Friedensnobelpreis bekommen. Im Kongo sind Vergewaltigungsopfer 2009 auf die Stra&amp;szlig;e gegangen, ein paar Hundert vielleicht. Im n&amp;auml;chsten Jahr war daraus der Weltfrauenmarsch geworden mit 20 000 Teilnehmerinnen aus der ganzen Welt &amp;ndash; auch aus Umoja.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sogar als vor einigen Jahren Rebeccas Ehemann mit dem Gewehr in Umoja auftauchte und sie erschie&amp;szlig;en wollte, hat sie gesagt: &amp;raquo;Dann soll er doch!&amp;laquo; Nur auf Dr&amp;auml;ngen der Frauen ist sie geflohen. Bei der Polizei wollte sie Anzeige erstatten, wurde aber mit den Worten abgewiesen, dass man sich nicht in famili&amp;auml;re Angelegenheiten einmische. Erst als sie bei der h&amp;ouml;heren Beh&amp;ouml;rde vorsprach, wurde ihrem Mann das Gewehr abgenommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ein Jahr hat sich Rebecca anschlie&amp;szlig;end in Kenias Hauptstadt Nairobi versteckt, w&amp;auml;hrend ihr Anwalt einen Scheidungsprozess anstrebte. So etwas gab es noch nie: Lolosoli gegen Lolosoli. Von ihren f&amp;uuml;nf Kindern hielt die j&amp;uuml;ngste Tochter Sylvia, in Umoja aufgewachsen, bedingungslos zu ihr, die &amp;auml;lteren vier, gepr&amp;auml;gt durch Vater, Gro&amp;szlig;eltern und Tradition, waren entsetzt. Die zwei gro&amp;szlig;en T&amp;ouml;chter machten ihrer Mutter Vorw&amp;uuml;rfe, die beiden S&amp;ouml;hne gr&amp;uuml;&amp;szlig;ten sie nicht mal mehr auf der Stra&amp;szlig;e. Rebecca sagt: &amp;raquo;Wenn ich damals zugelassen h&amp;auml;tte, dass ich meine Kinder vermisse, h&amp;auml;tte ich gar nichts mehr tun k&amp;ouml;nnen.&amp;laquo; Also habe sie versucht, sie aus ihren Gedanken zu streichen. F&amp;uuml;r eine lange Weile und auf Abstand ging das. Es sollte zwei Jahre dauern, bis die Kinder selbst diesen Zustand nicht mehr aushielten und pl&amp;ouml;tzlich am Zaun von Umoja auftauchten. Die Zeit bis dahin sollte Tom, der &amp;Auml;lteste, sp&amp;auml;ter als die schlimmste seines Lebens bezeichnen. Die Ehe der Lolosolis wurde geschieden. Rebecca kehrte zur&amp;uuml;ck nach Umoja.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Fabian Lolosoli sitzt auf einem lauschigen Platz im Schatten seines Gesch&amp;auml;ftsgrundst&amp;uuml;cks in Archer&amp;rsquo;s Post und sieht gar nicht aus wie einer, der schie&amp;szlig;w&amp;uuml;tig durch die Gegend rennt. Er ist gepflegt, tr&amp;auml;gt einen schmalen Schnurrbart, gestreiftes Hemd, mattgr&amp;uuml;ne Hose, und bietet den G&amp;auml;sten freundlich Drinks an. Cola, Bier? Auch Fabian Lolosoli vermietet Zimmer an Touristen und betreibt au&amp;szlig;erdem eine Bar, hat einen gro&amp;szlig;en Viehbestand. Er ist ein reicher, angesehener Mann, auch, weil er die politischen Interessen seiner Landsleute im Samburu County Council vertritt. Bei den n&amp;auml;chsten Wahlen wird auch seine Ex-Frau antreten &amp;ndash; ganz sicher nur, um ihn zu &amp;auml;rgern, glaubt Fabian Lolosoli. &amp;raquo;Irgendwie sind Rebecca und ich aneinandergeraten&amp;laquo;, sagt er, und das klingt harmlos. Sein Ton ist heiter, sein rechtes Bein wippt auf und ab. Leider w&amp;uuml;rde Rebecca all diese L&amp;uuml;gen verbreiten. Es gehe ihr gar nicht darum, Frauen zu st&amp;auml;rken, sondern selbst m&amp;auml;chtig zu sein, wie eine L&amp;ouml;win. Und all die Geschichten: Er sei mit dem Gewehr hinter ihr hergelaufen! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Fabian Lolosoli, erster geschiedener Ehemann in der Geschichte der Samburu, spricht so &amp;uuml;berzeugt, dass man den Gedanken pr&amp;uuml;ft, ob etwas dran sein k&amp;ouml;nnte. Hei&amp;szlig;t das, er hat seine Frau tats&amp;auml;chlich nie geschlagen? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Na ja &amp;hellip; Sind Sie verheiratet?&amp;laquo; &lt;br /&gt; Ja. &lt;br /&gt; &amp;raquo;Und? Streiten Sie manchmal mit Ihrem Mann?&amp;laquo;&lt;br /&gt; Ja, aber wir schlagen uns nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Fabian Lolosolis Bein wippt weiter, er sagt nichts mehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Frauen von Umoja sind nicht gegen M&amp;auml;nner, &amp;uuml;berhaupt nicht. Aber statt sich in ihr Schicksal zu f&amp;uuml;gen, stellen sie jetzt Bedingungen.  W&amp;auml;hrend bisher nur die M&amp;auml;nner von Frauen tr&amp;auml;umen durften und sich anschlie&amp;szlig;end wie ein Albtraum geb&amp;auml;rdeten, wagen es die Frauen endlich, ihr Bild eines Traummannes zu entwerfen: Es m&amp;uuml;sste einer sein, der sie mit Respekt behandelt, der ihre W&amp;uuml;nsche, ihre W&amp;uuml;rde achtet. Diese Botschaft bringen sie auch in andere D&amp;ouml;rfer, zwanzig, drei&amp;szlig;ig Kilometer laufen sie daf&amp;uuml;r durch die flirrende Hitze. Tausend Frauen haben sich der Bewegung angeschlossen, Gruppen in ihren D&amp;ouml;rfern gebildet, und ja: Auch sie werden von ihren M&amp;auml;nnern daf&amp;uuml;r geschlagen. Sie kommen trotzdem.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es k&amp;ouml;nnte sein, dass Wilson, Barasi und Douglas zu den Letzten ihrer Art geh&amp;ouml;ren, denn die Entwicklung, die die Frauen ausgel&amp;ouml;st haben, scheint kaum mehr zu bremsen. Vor allem bei den J&amp;uuml;ngeren, bei den besser Gebildeten ver&amp;auml;ndert sich viel. Irgendwann standen auch Rebeccas Kinder wieder da. Rebecca fuchtelt mit einem Stock herum, wenn sie davon erz&amp;auml;hlt. Wegschicken wollte sie sie, nach all den Verletzungen. Aber dann haben die Frauen auf sie eingeredet. Mutter und Kinder n&amp;auml;herten sich zaghaft wieder an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; An diesem Wochenende sind die beiden S&amp;ouml;hne gekommen, Tom und Sami treffen ihre Mutter an der Bar im Camp. Tom, ein kr&amp;auml;ftiger Mann mit Bass-Stimme, der als Programmierer arbeitet, hat sein Laptop dabei und stellt den Besuchern die Umoja-Homepage vor, die er gestaltet hat, klickt durch die Seiten, spricht von Umoja als &amp;raquo;funktionierende Marke&amp;laquo;. &amp;raquo;Die Arbeit meiner Mutter ist revolution&amp;auml;r&amp;laquo;, sagt er. Heute kann er so sprechen. Er sagt auch: &amp;raquo;Meine Frau erwartet von mir, dass ich ihre Rechte respektiere.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sami, der j&amp;uuml;ngere, hat seine Frau und die acht Monate alte Saba dabei, Rebeccas erstes Enkelkind, benannt nach ihrer Mutter. Rebecca h&amp;auml;lt das Baby auf dem Arm, strahlt es an. Wendet sie sich ihren S&amp;ouml;hnen zu, bleibt davon nur ein L&amp;auml;cheln, ihre Z&amp;uuml;ge sind kontrolliert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sami verbringt seinen Alltag zwischen Meru, der Stadt, wo er arbeitet, Nairobi, wo er mit seiner Familie wohnt, und Archer&amp;rsquo;s Post. Auch ein Nomadenleben, aber mit den Urspr&amp;uuml;ngen der Samburu hat es nur noch wenig zu tun. Wenn ein Teil der Traditionen wegbricht, scheint es schwer, die anderen Teile aufrechtzuerhalten. Sami w&amp;auml;scht und kocht meist selbst. Seine Frau ist keine Samburu, sondern Kikuyu, nach einigen Anfangsschwierigkeiten sei sogar sein Gro&amp;szlig;vater mit dieser Verbindung einverstanden gewesen, sagt er. Geheiratet h&amp;auml;tten sie aber so oder so. Seine Frau h&amp;ouml;rt zu, lacht. Sie ist einverstanden mit ihrem Mann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Rebecca nickt. Mehr wollen sie ja gar nicht, die Frauen von Umoja.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;UMOJA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Das Dorf der Frauen liegt 100 Kilometer n&amp;ouml;rdlich des Mount Kenya am Rande      des Samburu-Nationalparks. Rebecca Lolosoli schaffte hier vor 22 Jahren      eine Zufluchtsst&amp;auml;tte f&amp;uuml;r Frauen, die von ihren M&amp;auml;nnern misshandelt werden.      Sie wurde daf&amp;uuml;r von Hillary Clintons Organisation &amp;raquo;Vital Voices&amp;laquo; f&amp;uuml;r ihre      Vorbildfunktion ausgezeichnet. Zurzeit leben 48 Frauen in Umoja.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Endlich Respekt zeigen</dc:subject>
    <dc:creator>Simone Kosog</dc:creator>
    <dc:date>2012-10-15T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38623">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38623</link>
    <title>Kurswechsel</title>
    <description>&lt;p&gt;Der arabische Fr&amp;uuml;hling hat viel ver&amp;auml;ndert &amp;ndash; aber eigentlich      nur f&amp;uuml;r die M&amp;auml;nner. Die Libanesin Joumana Haddad fordert eine      echte Revolution: die Befreiung der Frauen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/52103.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Frau Haddad, es hei&amp;szlig;t, Sie seien die meistgehasste Frau des Libanon &amp;hellip; &lt;br /&gt;Joumana Haddad: &lt;/strong&gt;Ja, das sagt man. Aber es stimmt nicht wirklich, und ich hoffe auch, dass ich nicht wirklich die meistgehasste Frau des Libanon bin. Nat&amp;uuml;rlich habe ich viele Feinde, das bringt die Arbeit mit sich, aber es gibt auch viele Menschen, die meine Arbeit sch&amp;auml;tzen. Und ich m&amp;ouml;chte &amp;ndash; wie alle &amp;ndash; geliebt werden. Aber es ist schon richtig: Es macht mir nichts aus, gehasst zu werden, wenn das der Preis ist, den ich zahlen muss, um zu tun, was ich tun muss, und um zu sagen, was ich sagen muss. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Treibt Wut Sie an?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja. Wut und Emp&amp;ouml;rung. Es geht darum, nicht wie so viele Leute hier gleichg&amp;uuml;ltig zu werden. Sie schwimmen mit dem Strom und k&amp;uuml;mmern sich nicht darum, was anderen passiert. Sie k&amp;uuml;mmern sich nicht darum, was mit den eigenen Rechten geschieht. Mich k&amp;uuml;mmert es. Und ich finde, jeden sollte es k&amp;uuml;mmern, auch wenn es bedeutet, dass man morgens aufwacht und in den Krieg ziehen muss. In diesem Teil der Welt zu leben hei&amp;szlig;t st&amp;auml;ndig k&amp;auml;mpfen zu m&amp;uuml;ssen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Seit Jahren fordern Sie von den arabischen Frauen, sich zu erheben, zu emanzipieren. Aber die arabischen V&amp;ouml;lker haben sich ja erhoben. Etwa ohne die Frauen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kurz nachdem die Revolutionen im Januar 2011 ihren Lauf nahmen, habe ich Artikel dar&amp;uuml;ber geschrieben, dass Revolutionen oft einen weiteren Niedergang der Frauenrechte mit sich bringen. Damals warf mir fast jeder &amp;ndash; hier und in Europa &amp;ndash; vor, ich sei eine unverbesserliche Pessimistin. In Italien nannte man mich eine Kr&amp;auml;he. Ich habe damals nicht die Diktaturen verteidigt. Diktaturen m&amp;uuml;ssen fallen. Ich habe nur gesagt, dass wir zwischen zwei Monstern w&amp;auml;hlen m&amp;uuml;ssen: der Diktatur und dem religi&amp;ouml;sen Extremismus, der f&amp;uuml;r Frauen fast noch gef&amp;auml;hrlicher ist als die Diktatur. Weil er patriarchalisch und frauenfeindlich ist.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Und doch gingen die Bilder demonstrierender Frauen um die Welt.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, nat&amp;uuml;rlich. In &amp;Auml;gypten und Tunesien haben wir gesehen, dass die Frauen Teil der Revolutionen waren, doch in der postrevolution&amp;auml;ren Periode, als sich neue Strukturen geformt haben, als gew&amp;auml;hlt wurde, waren die Frauen fast verschwunden. Es schien beinahe so, als w&amp;auml;ren sie nur benutzt worden, um den Revolutionen Glaubw&amp;uuml;rdigkeit zu schenken, gerade im Westen. Als es um Ver&amp;auml;nderung ging, wurden die Frauen wieder au&amp;szlig;en vor gelassen, weil man sie nicht mehr brauchte. Was mich aber noch w&amp;uuml;tender macht, ist die Tatsache, dass die Frauen das akzeptiert haben. Nehmen wir &amp;Auml;gypten: Von den wenigen Kandidatinnen, die es bei der Parlamentswahl gab, warb die eine mit dem Konterfei ihres Mannes, eine andere mit dem Bild einer Rose.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sehen keine Verbesserung?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Dieser sogenannte arabische Fr&amp;uuml;hling ist eher ein letzter Winter. Hoffentlich. Wenn die Menschen, die jetzt die islamistischen Parteien w&amp;auml;hlen, irgendwann erkennen, dass das nicht die Ver&amp;auml;nderung ist, f&amp;uuml;r die sie gek&amp;auml;mpft haben. Aber man kann in der arabischen Welt nicht vom Autoritarismus zur Demokratie &amp;uuml;bergehen, ohne eine Phase des religi&amp;ouml;sen Extremismus zu durchlaufen. Denn all die Menschen, die unter den Diktaturen verfolgt wurden, haben Trost in religi&amp;ouml;sen Figuren gefunden. Die islamistischen Parteien wussten, wie sie sich selbst als Retter zu inszenieren hatten. Jetzt m&amp;uuml;ssen sie sich bew&amp;auml;hren, und sie werden dabei nicht gut wegkommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In den Siebzigerjahren waren verschleierte Frauen im Stra&amp;szlig;enbild Kairos die Ausnahme, in alten Filmen aus &amp;Auml;gypten gibt es Kuss- und selbst Bettszenen. Warum hat die Religion wieder so viel Bedeutung? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, die Frauen trugen Minir&amp;ouml;cke. Das ist heute alles anders. Als ich 2011 in Kairo war, wollte ich Frauen ohne Kopftuch finden. Es war schwierig. Man darf aber nicht vergessen, dass Frauen ohne Kopftuch oft bel&amp;auml;stigt werden, darum verschleiern sie sich erst recht. Einer Studie zufolge werden 98 Prozent der Frauen in &amp;Auml;gypten bel&amp;auml;stigt. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Sexuelle Freiheit&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/52101.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist Sex eines der gro&amp;szlig;en Probleme der arabischen Welt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, die sexuelle Spannung und Frustration sind riesig. Sex, Religion und Politik, alle drei geh&amp;ouml;ren hier eng zusammen. Wenn man &amp;uuml;ber sexuelle Tabus und Frustration redet, ist es unm&amp;ouml;glich, nicht &amp;uuml;ber Religion zu reden. Wenn man &amp;uuml;ber Religion redet, muss man auch &amp;uuml;ber Politik sprechen. Ich werde oft gefragt, warum ich f&amp;uuml;r die sexuelle Befreiung k&amp;auml;mpfe &amp;ndash; es gebe dr&amp;auml;ngendere Probleme. Aber wenn ich f&amp;uuml;r sexuelle Rechte k&amp;auml;mpfe, k&amp;auml;mpfe ich auch gegen Machtmonopole, gegen Korruption, f&amp;uuml;r S&amp;auml;kularismus. Denn in der Religion haben die Probleme der arabischen Welt ihren Ursprung. Ihre Macht muss verringert werden, in der Politik wie im Privaten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist nicht im Vergleich zu anderen L&amp;auml;ndern der Region der Libanon relativ liberal?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Selbst im Libanon, der gern als offen und modern dargestellt wird, dominiert Religion alles. Es gibt keine Zivilgesellschaft. Ich muss mich als ehemalige Christin an die christlichen Autorit&amp;auml;ten wenden &amp;ndash; obwohl ich Atheistin bin, aber so etwas gibt es hier nicht: eine Atheistin. Wenn eine meiner muslimischen Freundinnen heiratet oder sich scheiden l&amp;auml;sst, gelten f&amp;uuml;r sie andere Gesetze als f&amp;uuml;r mich. Jede Person wird gesetzlich &amp;uuml;ber die Religionszugeh&amp;ouml;rigkeit definiert. Und die Illusion von Freiheit im Libanon f&amp;uuml;hrt dazu, dass keine Wut aufkommt und somit keine Ver&amp;auml;nderung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie halten die Freiheit f&amp;uuml;r eine Illusion? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Frauen sagen: Ach, was soll&amp;rsquo;s, ich kann anziehen, was ich will, ich kann bis vier Uhr morgens tanzen gehen, was interessiert mich, dass ich auf gesetzlicher Ebene diskriminiert werde, dass ich nicht wie ein B&amp;uuml;rger m&amp;auml;nnlichen Geschlechts behandelt werde, dass es kein Gesetz gibt, das mich vor h&amp;auml;uslicher Gewalt oder Ehrenmorden sch&amp;uuml;tzt. Viele M&amp;auml;nner vergewaltigen ihre Frauen, doch da die Frauen ihr Eigentum sind, ist das legal.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie k&amp;ouml;nnten aber nicht tun, was Sie tun, wenn Sie nicht Libanesin w&amp;auml;ren.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nat&amp;uuml;rlich, aber ich hatte das Gl&amp;uuml;ck, privilegiert aufzuwachsen. Die meisten Frauen hier werden immer noch dahingehend erzogen, einen guten Ehemann zu finden. Ein guter Ehemann ist ein reicher Ehemann. Vor ein paar Tagen brachte ich meinen zw&amp;ouml;lfj&amp;auml;hrigen Sohn auf den Geburtstag eines Freundes. Da standen zwei M&amp;auml;dchen und schauten einem Porsche hinterher. Die eine sagte zur anderen: &amp;raquo;Wenn ich gro&amp;szlig; bin, werde ich meinem Mann sagen, dass er mir so ein Auto kaufen soll.&amp;laquo; Ich habe sie gefragt: &amp;raquo;Warum glaubst du nicht, dass du gro&amp;szlig; wirst, studierst, Geld verdienst und dir selbst einen Porsche kaufst?&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;M&amp;uuml;ssen nicht vor allem die arabischen M&amp;auml;nner umdenken?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auf jeden Fall. Das ist das Thema meines n&amp;auml;chsten Buches. Die M&amp;auml;nner der arabischen Welt verwechseln oft Kraft und Potenz mit Aggressivit&amp;auml;t und Unterdr&amp;uuml;ckung. Aber das ist auch etwas, was ich den Feministinnen der Sechziger vorwerfe: Sie haben den Ver&amp;auml;nderungsprozess des Mannes angehalten. Weil f&amp;uuml;r sie die Befreiung der Frau eine Schlacht gegen die M&amp;auml;nner war.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sie sind keine Feministin?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine Postfeministin, im Sinne des Feminismus der Neunziger, der ein paar strukturelle Fehler des Feminismus der Sechziger &amp;uuml;berdacht hat. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zum Beispiel?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weiblichkeit als Zeichen von Schw&amp;auml;che abzulehnen, was ja nichts anderes ist als eine patriarchalische Sicht der Dinge. Ich liebe es, meine Weiblichkeit als St&amp;auml;rke zu zelebrieren. Es darf nicht darum gehen, dass Frauen die Pl&amp;auml;tze der M&amp;auml;nner einnehmen, und schon gar nicht um ein Matriarchat &amp;ndash; das w&amp;auml;re genauso schlimm wie das Patriarchat. Die Frauen der arabischen Welt m&amp;uuml;ssen verstehen, dass sie alleine nichts ver&amp;auml;ndern k&amp;ouml;nnen. Sie brauchen die M&amp;auml;nner dazu. Ich kann diese Beschw&amp;ouml;rung der Frauensolidarit&amp;auml;t nicht mehr h&amp;ouml;ren. Warum sollen wir solidarisch sein, nur weil wir alle eine Vagina haben? Neulich haben sich auf einer Demonstration alle Schnurrb&amp;auml;rte angeklebt. Wenn ich demonstriere, mache ich das in High Heels.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;M&amp;ouml;glicherweise irritiert Ihr Selbstbewusstsein die Frauen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht. Au&amp;szlig;erdem lehnen sie meinen Kampf gegen die Verschleierung ab. Sie sagen, es sei ihre Wahl. Aber das ist keine Wahl, wenn deine Religion es dir vorschreibt; es ist keine Wahl, wenn die Konsequenz darin besteht, von der Familie ge&amp;auml;chtet zu werden. Viele verschleierte Frauen reden von einem islamischen Feminismus. Eine absurde Idee! Man kann nicht islamisch und Feministin sein. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Weil der Islam schuld ist an der Unterdr&amp;uuml;ckung der Frauen in der arabischen Welt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Teils. Aber ich sage auch zu christlichen Frauen: Du kannst keine Feministin sein, wenn du akzeptierst, dass eine Frau nicht Priester werden kann. Und akzeptierst, nur Sex zu haben, um Kinder zu kriegen. Ich k&amp;ouml;nnte das ewig weiterf&amp;uuml;hren. Sie ist &amp;uuml;berall, diese patriarchalische Perspektive. Aber die Frauen hier haben Angst, das zu Ende zu denken, weil sie dann die Religion als Ganzes ablehnen m&amp;uuml;ssten.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wird die heranwachsende Generation nicht aufgekl&amp;auml;rter sein?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sch&amp;ouml;n w&amp;auml;re es. Ein libanesischer Dokumentarfilmer hat neulich M&amp;auml;nner an hiesigen Universit&amp;auml;ten gefragt, ob sie eine Frau heiraten w&amp;uuml;rden, die nicht Jungfrau ist. Da sind M&amp;auml;nner um die zwanzig. Neunzig Prozent haben Nein gesagt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sind dennoch eine Optimistin?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, ich bin eine K&amp;auml;mpferin. Das ist ein Unterschied. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Welchen Preis zahlen Sie f&amp;uuml;r Ihren Kampf?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Todesdrohungen und Verurteilungen sind eigentlich nichts im Vergleich zu dem, was ich gewinne. Irgendwann trifft man die Entscheidung, sich nicht an dem zu messen, was andere &amp;uuml;ber einen denken, sondern daran, wie viele seiner Ziele man erreicht hat. Wie sehr man mit sich selbst im Reinen ist.  &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sie haben 2009 ein Magazin gegr&amp;uuml;ndet: &lt;em&gt;Jasad&lt;/em&gt;, arabisch f&amp;uuml;r K&amp;ouml;rper. Wie kam es dazu?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich behandele die Themen Sexualit&amp;auml;t, Religion und K&amp;ouml;rper  schon lange als Lyrikerin, Schriftstellerin und Journalistin. Ich  fand es wichtig, ein Magazin gegen all die Tabus, denen sich die Leute hier blind unterordnen, zu machen. So kam es zu &lt;em&gt;Jasad&lt;/em&gt;. Am Anfang war es schwierig, Leute zu finden, die unter ihrem Namen ver&amp;ouml;ffentlichen wollten. Man hat mir gedroht, mich mit hei&amp;szlig;em &amp;Ouml;l zu &amp;uuml;bersch&amp;uuml;tten.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie haben Sie&lt;em&gt; Jasad&lt;/em&gt; finanziert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aus eigener Tasche. Ich hatte gehofft, Geld von europ&amp;auml;ischen Kulturstiftungen zu bekommen, aber sie haben abgelehnt. Nach dem Streit um die d&amp;auml;nischen Karikaturen und dem Tod Theo van Goghs hatten sie Angst vor religi&amp;ouml;sen Extremisten. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Woher r&amp;uuml;hrt eigentlich diese Angst vor dem K&amp;ouml;rper, die so weit f&amp;uuml;hrt, das Haar zu verschleiern?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das frage ich mich auch immer: Was ist mit dem Haar? Welches Geschlechtsteil ist dort versteckt? Ich sollte es wissen. Die Frau ist die Verf&amp;uuml;hrung und muss sich verschleiern, um den Mann nicht in Versuchung zu f&amp;uuml;hren. Weil die M&amp;auml;nner sich nicht kontrollieren k&amp;ouml;nnen und vor sich selbst gesch&amp;uuml;tzt werden m&amp;uuml;ssen. Eigentlich sollten die M&amp;auml;nner an die Leine genommen werden und nicht ihre Frauen verschleiern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;JOUMANA HADDAD&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die libanesische Poetin, Journalistin und &amp;Uuml;bersetzerin      Joumana Haddad k&amp;auml;mpft f&amp;uuml;r die Rechte der Frauen im Mittleren      Osten. Sie wurde 1970 in Beirut geboren und als Christin erzogen. Ihre      Kindheit und Jugend waren vom libanesischen B&amp;uuml;rgerkrieg gepr&amp;auml;gt. Schon      mit zw&amp;ouml;lf las sie Balzac und de Sade. Sie spricht sieben Sprachen,      hat die Welt bereist, gro&amp;szlig;e Dichter interviewt und 2009 das      Hochglanzmagazin &lt;em&gt;Jasad&lt;/em&gt; gegr&amp;uuml;ndet, in dem kein Thema tabu ist, ob      Jungfr&amp;auml;ulichkeit, Selbstbefriedigung, Fetischismus oder Homosexualit&amp;auml;t.      2010 erschien ihr autobiografischer Essay&lt;em&gt; Wie ich Scheherazade t&amp;ouml;tete&lt;/em&gt;.     &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Kurswechsel</dc:subject>
    <dc:creator>Fritz Schaap (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2012-10-15T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37201">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37201</link>
    <title>¥€$, I love you</title>
    <description>&lt;p&gt;Schon wieder ein Finanzskandal: Ausgerechnet die viel geschm&amp;auml;hten Banker      kriegen pl&amp;ouml;tzlich die tollsten Frauen ab.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;Uma Thurman, ausgerechnet. Die Personifizierung der Coolness seit &lt;em&gt;Pulp Fiction&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Kill Bill&lt;/em&gt;. Fr&amp;uuml;her Fotomodell, dann als Schauspielerin ber&amp;uuml;hmt geworden, heute 41 und keinen Deut weniger attraktiv als mit 21. Eine tolle Frau, die mit nicht weniger beeindruckenden M&amp;auml;nnern verheiratet war: erst mit Gary Oldman (2012 nominiert f&amp;uuml;r den Oscar als bester Hauptdarsteller), dann mit Ethan Hawke (Schauspieler, Schriftsteller, Frauenschwarm). Doch Ende Februar war nun zu lesen, dass Uma Thurman schwanger ist &amp;ndash; von Arpad Busson, 49, Banker, investiert im gro&amp;szlig;en Stil in Hedgefonds. Dieser Mann hat ein beeindruckendes Portfolio vorzuweisen, auch an Frauen: Zuvor war er mit Elle Macpherson zusammen, einem der ersten Supermodels, ihres perfekten K&amp;ouml;rpers wegen &amp;raquo;The Body&amp;laquo; genannt. Sp&amp;uuml;ren Sie schon leichten Sozialneid? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Offenbar ist der Banker als M&amp;auml;nnertyp bei Frauen nicht so unbeliebt, wie es die Bankenkrise vermuten lassen k&amp;ouml;nnte: Madeleine von Schweden, Europas sch&amp;ouml;nste Prinzessin, ist verliebt in Chris O&amp;rsquo;Neill, der in Manhattan bei der Gro&amp;szlig;bank HSBC arbeitet. Chelsea Clinton, Tochter eines fr&amp;uuml;heren US-Pr&amp;auml;sidenten und der aktuellen US-Au&amp;szlig;enministerin, auch keine schlechte Partie: verheiratet mit einem Banker. Und Pippa Middleton, nach ihrem Auftritt bei Prinz Williams Hochzeit im Fr&amp;uuml;hling 2011 die begehrteste Frau der Welt, war zu der Zeit mit dem Londoner Investmentbanker Alex Loudon zusammen. Sogar Emma Watson, Star der &lt;em&gt;Harry Potter&lt;/em&gt;-Verfilmungen, Stilikone der 20-J&amp;auml;hrigen weltweit, die Literatur in Oxford studiert und an einem &amp;Ouml;ko-Modelabel beteiligt ist, war zwei Jahre mit dem Banker Jay Barrymore liiert. Nur: warum eigentlich? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Frauen wie Watson, Middleton, Thurman k&amp;ouml;nnten S&amp;auml;nger, Schauspieler, Sportstars, Prinzen w&amp;auml;hlen &amp;ndash; und nehmen Banker. Gut, die Rede ist nicht von Sparkassen-Filialleitern, sondern von durchgehend reichen bis unglaublich reichen Investmentbankern, Fondsmanagern, Aktienh&amp;auml;ndlern. Glaubt man der Literatur (&lt;em&gt;American Psycho&lt;/em&gt;) oder dem Kino (&lt;em&gt;Wall Street&lt;/em&gt;), dann ist der karriereversessene, &amp;uuml;ber Leichen gehende, den Turbokapitalismus anbetende Banker kein empfehlenswerter Lebenspartner. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Aber das war der Rockstar der Achtzigerjahre auch nicht. Vielleicht stimmt es halt doch, dass sch&amp;ouml;ne Frauen auf b&amp;ouml;se Jungs stehen. Und wer verk&amp;ouml;rpert den &amp;raquo;Bad Guy&amp;laquo; derzeit besser als der Banker? Der verw&amp;uuml;stet nicht mehr das Hotelzimmer, sondern gleich den ganzen W&amp;auml;hrungsraum und spekuliert schon mal ohne Gewissensbisse auf steigende Getreidepreise. Und auf eine Haftstrafe von 150 Jahren Gef&amp;auml;ngnis, zu denen der Finanzbetr&amp;uuml;ger Bernie Madoff verurteilt wurde, kommen nicht mal alle Gangster-Rap-Stars der USA zusammen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Den Banker kann man au&amp;szlig;erdem viel besser den Eltern vorstellen: Im Ma&amp;szlig;anzug schenkt er der Mutter teure Blumen und dem Vater einen Aktientipp. Sollte die Beziehung dann doch scheitern, muss die prominente Frau sicher nicht um ihr Verm&amp;ouml;gen f&amp;uuml;rchten; anders als bei der Trennung vom mittellosen Indieband-S&amp;auml;nger hat sie keinerlei Unterhaltspflichten zu bef&amp;uuml;rchten: Arpad Busson beispielsweise wird auf ein Verm&amp;ouml;gen von mehreren Hundert Millionen Euro gesch&amp;auml;tzt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gibt nur einen Mann, der dem Banker als Alphatier &amp;uuml;berlegen ist, der &amp;uuml;ber noch mehr Milliarden und L&amp;auml;nderschicksale bestimmt &amp;ndash; aber Wolfgang Sch&amp;auml;uble ist bereits verheiratet.     &lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>¥€$, I love you</dc:subject>
    <dc:creator>Marc Baumann</dc:creator>
    <dc:date>2012-03-29T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37185">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37185</link>
    <title>Mama ist im Krieg</title>
    <description>&lt;p&gt;Dass Soldatinnen der Bundeswehr in Afghanistan dienen, ist selbstverst&amp;auml;ndlich - kompliziert wird es, wenn sie Kinder haben.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In ihrer zweiten Woche im Feldlager lernt Maren Schulz*(*Namen aller Soldatinnen im Einsatz ge&amp;auml;ndert), was ein &amp;raquo;Search Girl&amp;laquo; machen muss. Sie stellt sich an eine Wand, und Hauptfeldwebel Nadine Luter erkl&amp;auml;rt ihr, wie sie Menschen nach Sprengstoff abtastet: &amp;raquo;Mach vorher ein Codewort aus&amp;laquo;, sagt sie. &amp;raquo;Wenn du ein Kabel sp&amp;uuml;rst, sag &amp;rsaquo;Erbsensuppe&amp;lsaquo; &amp;ndash; dann wei&amp;szlig; deine Kameradin, hier ist was los.&amp;laquo; Search Girls sind Soldatinnen, die an den Eing&amp;auml;ngen des Feldlagers afghanische Mitarbeiterinnen des Camps, &amp;Uuml;bersetzerinnen oder Putzhilfen, nach Waffen durchsuchen. Codeworte wie &amp;rsaquo;Erbsensuppe&amp;lsaquo; sind &amp;uuml;blich f&amp;uuml;r den Fall, dass doch jemand Deutsch versteht. W&amp;uuml;rde Hauptfeldwebel Nadine Luter das Codewort h&amp;ouml;ren, liefe alles ab wie im Film: Nicht bewegen! H&amp;auml;nde hinter den Kopf!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Und was, wenn die Frau eine Burka tr&amp;auml;gt?&amp;laquo;, fragt Maren Schulz. &amp;raquo;Die muss vor dem Durchsuchen runter&amp;laquo;, sagt Nadine Luter. &amp;raquo;Vergiss nicht: Viele afghanische Frauen tragen eine gro&amp;szlig;e Glasscherbe in der Mitte ihres BHs, um sich vor sexuellen &amp;Uuml;bergriffen zu sch&amp;uuml;tzen. Die m&amp;uuml;ssen sie auch abgeben.&amp;laquo; Jede Soldatin in Camp Marmal ist einmal pro Woche mit dem Search-Girl-Dienst dran, auch wenn sie wie Maren Schulz, 35, eigentlich bei den Sanit&amp;auml;tern arbeitet: Nur Frauen d&amp;uuml;rfen Frauen abtasten, aber unter den deutschen Soldaten in Afghanistan gibt es zu wenige, 206 von 4799.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Camp Marmal nahe Masar-i-Scharif, am Fu&amp;szlig; des Hindukusch, ist das gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Feldlager der NATO-Verb&amp;uuml;ndetentruppe ISAF im n&amp;ouml;rdlichen Afghanistan, 430 Kilometer von Kabul entfernt. Das Lager: eine kleine Stadt aus Baracken, Containern, Zelten, Stacheldraht, Mauern aus Sands&amp;auml;cken, &amp;uuml;ber f&amp;uuml;nf Kilometer lang, zwei Kilometer breit. 8500 Soldaten sind in Camp Marmal stationiert, aus den USA, Kroatien, Albanien und anderen NATO-Staaten, darunter 3500 der 4799 Soldaten, die Deutschland nach Afghanistan geschickt hat. 153 von ihnen sind weiblich; Maren Schulz&amp;rsquo; Kompanie besteht aus 42 Sanit&amp;auml;tern, 40 M&amp;auml;nner, zwei Frauen. Panzer rollen, F-16-Kampfflugzeuge ziehen &amp;uuml;ber den Himmel. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nach der Search-Girl-Einweisung hastet Maren Schulz zu ihrem eigentlichen Arbeitsplatz, den Hallen der Sanit&amp;auml;ter: Ein Luftwaffenairbus mit Medikamenten ist gelandet, sie muss Kisten voller Schmerzmittel und Antibiotika katalogisieren und an die anderen ISAF-Lager im Land verschicken. Auf gro&amp;szlig;en Tischen ordnen die Sanit&amp;auml;tssoldaten Berge von Tablettenpackungen. Maren Schulz ist pharmazeutisch-technische Assistentin, seit 13 Jahren Soldatin, geboren in Hamburg, ausgebildet bei der Marine auf Sylt, jetzt wohnt sie in M&amp;uuml;nchen, arbeitet normalerweise in der Kaserne in der Dachauer Stra&amp;szlig;e, k&amp;uuml;mmert sich dort um medizinisches Ger&amp;auml;t. In Afghanistan ist sie zum ersten Mal. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Am Abend ruft sie von ihrem B&amp;uuml;ro in den Baracken der Sanit&amp;auml;ter zu Hause an &amp;ndash; dort ist Nachmittag: Marie, 6, die j&amp;uuml;ngere Tochter, fragt: &amp;raquo;Mama, wann kommst du heim?&amp;laquo; &amp;ndash; &amp;raquo;Du musst noch ganz oft &lt;em&gt;Barbie Club&lt;/em&gt; angucken&amp;laquo;, antwortet die Mutter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Diese kleine Begebenheit lie&amp;szlig;e sich auch so erz&amp;auml;hlen: Hauptbootsmann Schulz, Einsatzverwendung Feldapotheke im Februar und M&amp;auml;rz in Afghanistan, spricht am Telefon mit Tochter in M&amp;uuml;nchen &amp;uuml;ber Sendungen auf Super RTL. Kurz: Die Bundeswehr ist im Jahr 2012 angekommen. Sie erm&amp;ouml;glicht M&amp;auml;nnern wie Frauen, V&amp;auml;tern wie M&amp;uuml;ttern, alleinerziehend oder in Partnerschaften aller Art lebend, eine Laufbahn beim Bund und schickt sie in den Kriegseinsatz nach Afghanistan. Seit 2001 kommen daf&amp;uuml;r auch Soldatinnen infrage. Davor waren sie lediglich f&amp;uuml;r einige medizinische Berufe im Sanit&amp;auml;tsdienst oder bei der Milit&amp;auml;rmusik zugelassen. Jetzt sind zehn Prozent aller deutschen Soldaten Frauen, 40 Prozent von ihnen in Sanit&amp;auml;tsberufen, der Rest beim Heer, der Marine, der Luftwaffe und der Streitkr&amp;auml;ftebasis. Sie haben, sagt man, die gleichen Aufstiegsm&amp;ouml;glichkeiten wie M&amp;auml;nner, gehen auch in Auslandseins&amp;auml;tze. Wie viele der 18 000 Soldatinnen M&amp;uuml;tter sind, wird nicht gez&amp;auml;hlt, wie viele V&amp;auml;ter unter den Soldaten sind, ja auch nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit die Wehrpflicht im Juli 2011 aufgehoben wurde, muss die Bundeswehr versuchen, ein attraktiver Arbeitgeber zu werden &amp;ndash; f&amp;uuml;r M&amp;auml;nner wie f&amp;uuml;r Frauen. Und sie strengt sich ziemlich an: Teilzeit- und Telearbeitspl&amp;auml;tze wurden eingerichtet, in 36 deutschen Kasernen gibt es schon Eltern-Kind-Zimmer, 200 sollen es werden: Kinder k&amp;ouml;nnen dort spielen oder Hausaufgaben machen, w&amp;auml;hrend die Mutter oder der Vater arbeiten. Sogar die ersten Abpumpr&amp;auml;ume f&amp;uuml;r stillende M&amp;uuml;tter sind eingerichtet worden und Uniformen f&amp;uuml;r Schwangere inzwischen Alltag. &lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Ein Feuerwehrmann muss auch in das brennende Haus &amp;ndash; er kann nicht jemand anderen schicken&amp;laquo;&quot;]&lt;br /&gt; Deutschland geh&amp;ouml;rt neben                                                                                                                                Israel zu den wenigen L&amp;auml;ndern, die Frauen sogar in den Kampftruppen erlauben. Die Ausbildung zum &amp;raquo;Kommando Spezialkr&amp;auml;fte&amp;laquo;, der Eliteeinheit der Bundeswehr, hat bisher noch keine Frau geschafft, doch Frauen geh&amp;ouml;ren zum sogenannten Unterst&amp;uuml;tzungsbereich des Kommandos und gehen als Logistiker oder Fernmelder mit in den Kampfeinsatz. Trotzdem: &amp;raquo;Die Eingliederung von Frauen in die Bundeswehr ist immer noch eine Herausforderung&amp;laquo;, sagt Oberleutnant Mona Stuber, eine der 35 Gleichstellungsbeauftragten bei der Bundeswehr. Die Studie &amp;raquo;Truppenbild mit Dame&amp;laquo; von 2008 zeigt: Zwar ist der Umgangston unter Soldaten im Allgemeinen netter geworden, seit Frauen dabei sind &amp;ndash; ein Drittel der m&amp;auml;nnlichen Soldaten aber findet Frauen beim Bund &amp;raquo;bedenklich&amp;laquo;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Statt in ihrer Vier-Zimmer-Wohnung mit K&amp;uuml;che und Bad lebt Maren Schulz nun zwei Monate in einem Container im Feldlager in Afghanistan, teilt sechs Quadratmeter mit zwei anderen Soldatinnen. Auf die Kinder passt die Oma auf, die Beziehung zum Vater der Kinder zerbrach vor sechs Jahren, nach der Geburt Maries. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vor zw&amp;ouml;lf Tagen hat sie sich von Jacqueline und Marie verabschiedet, um halb vier Uhr am Morgen, sie trug ihre Flecktarn-uniform. Von der Stra&amp;szlig;e sah sie zu dem erleuchteten Fenster ihrer Mietwohnung: Da standen die Kinder und die Oma und winkten. &amp;raquo;Gut, dass sie nicht weinen&amp;laquo;, dachte die Mutter. Ein letzter Blick, ein letztes Winken. Dann ging es los, zum Bundeswehr-Flughafen K&amp;ouml;ln-Wahn, mit 200 Soldaten im Luftwaffen-Airbus nach Usbekistan, mit der Transall nach Afghanistan.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Auf den Tag, an dem ihr Vorgesetzter sie fragt, ob sie nach Afghanistan gehen will, hat Maren Schulz lang gewartet. Weil sie ihren Beruf liebt, hat sie Ja gesagt, wissend, dass ihre Kinder daran zu knabbern haben w&amp;uuml;rden. Seit 13 Jahren ist sie beim Bund, f&amp;uuml;r 15 Jahre hat sie sich verpflichtet. Schon ihr Gro&amp;szlig;vater und ihr Onkel dienten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Ich will aber nicht, dass du gehst!&amp;laquo; sagt Jacqueline, 15. &amp;raquo;Kann nicht eine andere gehen?&amp;laquo; &amp;ndash; &amp;raquo;Ein Feuerwehrmann muss auch in das brennende Haus &amp;ndash; er kann nicht jemand anderen schicken&amp;laquo;, antwortete sie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In den neun Monaten vor ihrem Einsatz in Afghanistan besuchte sie die &amp;raquo;Einsatzvorbereitende Ausbildung f&amp;uuml;r Konfliktverh&amp;uuml;tung und Krisenbew&amp;auml;ltigung&amp;laquo;, kurz &amp;raquo;EAKK&amp;laquo;, machte Gesundheitstests, die in Bundeswehrsprache &amp;raquo;90/5 Verwendungsf&amp;auml;higkeit f&amp;uuml;r Ausland und Tropen&amp;laquo; hei&amp;szlig;en und den Besuch beim Zahnarzt genauso vorschreiben wie die Bestimmung des Body-Mass-Indexes.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; F&amp;uuml;r Kinder von Soldaten bieten die 81 Familienbetreuungszentren der Bundeswehr spezielle Kurse an: &amp;raquo;Papa wiedersehen&amp;laquo; hei&amp;szlig;t zum Beispiel einer. Sie organisieren Ausfl&amp;uuml;ge ins &amp;raquo;Sea Life&amp;laquo; oder Weihnachtsbasare f&amp;uuml;r die, die daheimgeblieben sind. Beim Betreuungszentrum in M&amp;uuml;nchen durften sich Jacqueline und Marie Pl&amp;auml;ne und Luftaufnahmen von Camp Marmal ansehen, und ein Soldat erkl&amp;auml;rte ihnen, wie ihre Mutter essen, arbeiten, schlafen wird. Marie bekam ein Buch und ein H&amp;ouml;rbuch: &lt;em&gt;Karl, der B&amp;auml;renreporter.&lt;/em&gt; Der zieht mit einem Soldaten ins Feldlager und schreibt seine Erlebnisse nach Hause. Das H&amp;ouml;rbuch hinkt ein wenig der Zeit hinterher, der B&amp;auml;r ist ein Mann, &amp;raquo;Soldatinnen&amp;laquo; gibt es nicht. Und der Rang Maren Schulz hei&amp;szlig;t nicht Hauptbootsfrau, sondern Hauptbootsmann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sie stellt ihren Kindern vor der Abreise eine Art Adventskalender zusammen: jeden Tag bis zu ihrer R&amp;uuml;ckkehr eine Kette, S&amp;uuml;&amp;szlig;igkeiten oder Barbiekleider, 62 kleine Geschenke. F&amp;uuml;r sich hat Maren Schulz ein Album mitgenommen mit Bildern der Kinder und der Oma. Hinten, in die noch freien Plastiktaschen, hat sie Karten geschoben: die Kurzfassung der Menschenrechte und des V&amp;ouml;lkerrechts, Verhalten im Fall von Angriffen mit chemischen oder biologischen Waffen, Blutgruppenausweis. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der n&amp;auml;chste Morgen in Camp Marmal, ein Dienstag, acht Uhr. Die Februarsonne scheint, doch es ist so kalt, dass der Atem als Nebel den Mund verl&amp;auml;sst: Mit den 41 anderen aus ihrer Kompanie steht Maren Schulz beim Appell, sie ist klein, ihre Kameraden &amp;uuml;berragen sie um Kopfesl&amp;auml;nge. Der Spie&amp;szlig; ruft den Soldaten zu, was an diesem Tag erledigt werden muss: Wundversorgungssets und Bergungst&amp;uuml;cher sind angekommen und sollen eingelagert werden. Auch Sanit&amp;auml;terinnen m&amp;uuml;ssen im Feldlager eine Waffe tragen, eine Heckler &amp;amp; Koch P8, und alle paar Wochen das Lager verlassen f&amp;uuml;r Schie&amp;szlig;&amp;uuml;bungen, damit sie sich im Notfall verteidigen k&amp;ouml;nnen. Doch weil Maren Schulz pharmazeutisch-technische Assistentin ist, muss sie nicht, wie andere Einheiten des Sanit&amp;auml;tsdienstes, die Kampftruppen auf Patrouillen begleiten, die gef&amp;auml;hrlich sein k&amp;ouml;nnen. Sie kommt mit dem Krieg nur dann in Ber&amp;uuml;hrung, wenn gro&amp;szlig;e Mengen Blutplasma oder Mittel gegen Schwerstverbrennungen angefordert werden, weil beispielsweise ein Anschlag auf Soldaten ver&amp;uuml;bt wurde. &amp;raquo;Zuerst habe ich  &amp;uuml;berlegt, meinen Kindern zu sagen: Ich gehe auf eine &amp;Uuml;bung f&amp;uuml;r Sanit&amp;auml;ter. Wir m&amp;uuml;ssen ja st&amp;auml;ndig auf &amp;Uuml;bungen gehen. Aber was, wenn mir wirklich etwas passiert? Dann haben sie immer das Gef&amp;uuml;hl, ich habe sie angelogen.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Im Lager gibt es einen afghanischen Markt, &amp;raquo;Mazar Bazar&amp;laquo; nennen ihn die Soldaten, dort kann man Bauchtanzkost&amp;uuml;me kaufen, Schmuck aus Lapislazuli oder kleine Burkas als Dekoration f&amp;uuml;r Flaschen. Mitbringsel, die besonders US-Soldaten lieben. Geschenke f&amp;uuml;r ihre Kinder jedoch findet Maren Schulz im Feldlager-Shop im norwegischen Teil des Lagers, S&amp;uuml;&amp;szlig;igkeiten und Stofftiere, die sie per Feldpost schicken wird. &lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Testament und Sorgerechtsverf&amp;uuml;gung sind f&amp;uuml;r den Notfall vorbereitet&quot;]&lt;br /&gt; Dann ist Mittagessen, keine besonderen Vorkommnisse. In der deutschen Feldk&amp;uuml;che gibt es Gulasch, Kn&amp;ouml;del, Erbsen, Obstsalat mit Spr&amp;uuml;hsahne, eingeflogen aus Deutschland. Hunderte Soldaten essen an langen Tischen, einige haben ihre Maschinengewehre auf den Boden gelegt. Im Fernsehen l&amp;auml;uft die Deutsche Welle, an der Wand h&amp;auml;ngt eine schwarz-rot-goldene Flagge. Alltag.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Im Lager gibt es keinen Samstag, keinen Sonntag: &amp;raquo;Jeder Tag ist Mittwoch&amp;laquo;, sagt Maren Schulz. Zur Abwechslung ein bisschen fernsehen, und h&amp;ouml;chstens mal zwei Bier am Abend zwischen acht und zehn Uhr, mehr erlaubt die &amp;raquo;Zwei-Dosen-Regelung&amp;laquo; nicht. Die Soldaten sitzen dann zusammen in den Baracken, die den Deutschen als &amp;raquo;Betreuungseinrichtungen&amp;laquo; dienen, sie hei&amp;szlig;en &amp;raquo;Oase&amp;laquo;, &amp;raquo;K2&amp;laquo;, &amp;raquo;Lounge&amp;laquo; und &amp;raquo;Planet Mazar&amp;laquo;. Manchmal verabreden sie sich im amerikanischen Teil des Feldlagers, bei den Containern der Fast-Food-Ketten &amp;raquo;Pizza Hut&amp;laquo; oder &amp;raquo;Burger King&amp;laquo; oder sehen den US-Soldaten zu, wie sie sich in ihrem Betreuungszelt bei Ballerspielen auf Flachbildschirmen gegenseitig bek&amp;auml;mpfen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wie die meisten Soldaten spricht auch Maren Schulz wenig von zu Hause, kaum von ihren Kindern. Hier dreht sich alles um die politische Situation, um Aufst&amp;auml;ndische, die sich in abgelegenen Regionen bewaffnen, um Selbstmordanschl&amp;auml;ge der Taliban, um die 52 Toten und 178 Verletzten unter den deutschen Soldaten w&amp;auml;hrend der letzten zehn Jahre. &amp;raquo;Leben in der Lage&amp;laquo; nennen die Soldaten ihr Leben hier. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Immerhin, der Freitag ist ein bisschen anders: Dann ist Disko im &amp;raquo;Planet Mazar&amp;laquo;. Deutsche und amerikanische Soldaten tanzen das Video zu dem Lied &lt;em&gt;Cupid Shuffle&lt;/em&gt; des amerikanischen Rappers Cupid nach, immer am Anfang um acht und am Ende um elf Uhr ruckeln 200 Soldaten in einer Art Ententanz in der Disko hin und her. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Alles hat Schulz geregelt vor ihrem Einsatz, mit der Schule gesprochen, Testament und Sorgerechtsverf&amp;uuml;gung f&amp;uuml;r ihre T&amp;ouml;chter hinterlegt &amp;ndash; und doch, nicht alles l&amp;auml;sst sich vorhersehen: Am n&amp;auml;chsten Tag ruft ihre Mutter im Feldlager an: Jacqueline ist auf dem Schulausflug beim Schlittenfahren mit dem Kopf an eine Wand geknallt, liegt im Kernspintomografen: schwere Gehirnersch&amp;uuml;tterung. Maren Schulz telefoniert mit der Schulleitung; organisiert ein Gespr&amp;auml;ch am runden Tisch mit ihrer Mutter, dem Direktor, den Lehrern, die den Unfall gesehen haben, weil sie wissen will, was genau geschehen ist. &amp;raquo;Jetzt muss ich mich auf meine Mutter verlassen.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Als Alleinerziehende h&amp;auml;tte sie den Einsatz auch ablehnen k&amp;ouml;nnen. Aber das wollte sie nicht. Sie will eine gute Mutter und eine gute Soldatin sein. Und dann sind da noch die 110 Euro, die sie f&amp;uuml;r jeden Tag im Auslandseinsatz bekommt. H&amp;auml;tte sie abgelehnt, w&amp;auml;re das negativ in ihre Beurteilung eingeflossen und h&amp;auml;tte ihre Aufstiegschancen geschm&amp;auml;lert. Viele ihrer m&amp;auml;nnlichen Kameraden bewerben sich immer wieder freiwillig f&amp;uuml;r Eins&amp;auml;tze &amp;ndash; um dem Alltag zu Hause zu entkommen. &amp;raquo;Einsatzflucht&amp;laquo; nennen sie das.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; F&amp;uuml;r Frauen wie Nadine Luter, 27 &amp;ndash; den Hauptfeldwebel, der die Search Girls einweist &amp;ndash;, wird Mutterschaft zu einer besonders komplizierten Aufgabe werden: Sie arbeitet als Feldj&amp;auml;ger in Afghanistan bei einer schwer bewaffneten Einheit, die jeden Tag in den Gef&amp;auml;ngnissen des Landes nach Menschrechtsverletzungen fahndet und afghanisches Milit&amp;auml;r ausbildet. Sie ist seit zehn Jahren Zeitsoldatin, hat sich jetzt als Berufssoldatin beworben, will sich zu weiteren Eins&amp;auml;tzen verpflichten &amp;ndash; und im Sommer heiraten. Dann soll das erste Kind kommen. &amp;raquo;Ohne starken Partner, der sich um alles k&amp;uuml;mmert, ist das kaum vorstellbar&amp;laquo;, sagt sie. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Und meint damit auch: Die starken Partner sind in der Regel die Frauen, die sich um alles k&amp;uuml;mmern, wenn die M&amp;auml;nner im Einsatz sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In zwei Jahren wird Maren Schulz die Bundeswehr verlassen m&amp;uuml;ssen, 15 Jahre war sie dann dabei. Sie w&amp;auml;re gern geblieben, aber die Bundeswehr &amp;uuml;bernimmt nur zehn Prozent der Zeitsoldaten als Berufssoldaten. Maren Schulz geh&amp;ouml;rt nicht dazu. Einerseits braucht die Bundeswehr junge Leute, andererseits entl&amp;auml;sst sie Soldaten, weil Stellen abgebaut werden m&amp;uuml;ssen. Verteidigungsminister Thomas de Maizi&amp;egrave;re sagte vergangenes Jahr, dass es noch mehr werden w&amp;uuml;rden, als sein Vorg&amp;auml;nger Karl-Theodor zu Guttenberg geplant hatte. &amp;raquo;Du hast deine Ausbildung gemacht, deine Eins&amp;auml;tze absolviert &amp;ndash; und dann gibt es pl&amp;ouml;tzlich keinen Job mehr f&amp;uuml;r dich&amp;laquo;, sagt auch Hauptfeldwebel Esther B&amp;uuml;ttner, Gleichstellungsvertrauensfrau in Camp Marmal. &amp;raquo;Zivilversager&amp;laquo; nennen Soldaten unter der Hand diejenigen, die es nach dem Bund nicht schaffen und Hartz IV beantragen m&amp;uuml;ssen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Maren Schulz will zu denen geh&amp;ouml;ren, die es schaffen. Nach ihrer Entlassung m&amp;ouml;chte sie das Fachabitur nachmachen, dazu eine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin, beides bezahlt von der Bundeswehr. Nach ihrem Ausscheiden bekommt sie drei Jahre 80 Prozent ihres Gehalts. Trotzdem: Es wird nicht leicht werden, mit 37 Jahren und zwei Kindern in einem neuen Leben Fu&amp;szlig; zu fassen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In ihrer Kompanie basteln alle bereits an dem gemeinsamen Erinnerungsbuch, das jede Einheit von ihrem Einsatz zusammenstellt. &amp;raquo;Mama, wie lang noch?&amp;laquo; will Marie am Telefon wissen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Jacqueline ruft ihrer Schwester zu: &amp;raquo;Nur noch 17 Geschenke!&amp;laquo;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Mama ist im Krieg</dc:subject>
    <dc:creator>Kerstin Greiner, Mitarbeit: Jasna Zajcek</dc:creator>
    <dc:date>2012-03-26T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37107">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37107</link>
    <title>Die 10-jährige Audrey Haenni</title>
    <description>&lt;p&gt;Eines Tages m&amp;ouml;chte sie so Geige spielen wie Julia Fischer. Bis      dahin ist sie noch ein bisschen Kind.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/42839.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Audrey, wie lange spielst du schon Geige?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Audrey Haenni:&lt;/strong&gt; Mit zweieinhalb Jahren hab ich angefangen. Kurz zuvor waren wir in den Ferien, wo ich auf der B&amp;uuml;hne einen Geiger spielen sah. Dann habe ich meiner Mutter gesagt, dass ich das auch wollte. Sie hat gemeint, dass ich das erst darf, wenn ich nicht mehr in die Windeln mache, und so war ich innerhalb einer Woche trocken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum genau Geige? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich wei&amp;szlig; auch nicht genau. Ich habe nie daran gedacht, etwas anderes zu spielen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie lang &amp;uuml;bst du pro Tag?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Meistens so eineinhalb Stunden. Bei einem neuen St&amp;uuml;ck kann es auch l&amp;auml;nger werden. Ich &amp;uuml;be einfach, dann vergesse ich die Zeit. An der Musikschule Z&amp;uuml;rich nehme ich Einzelunterricht, Mittwochabends spiele ich im Streichensemble.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hast du Zeit f&amp;uuml;r andere Hobbys?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, schon. Ich lese, male, mache Handarbeit. Momentan lese ich &lt;a href=&quot;http://sz-shop.sueddeutsche.de/mediathek/shop/search/SimpleSearchRH.do?save=true&amp;amp;searchTerm=Die+drei+Ausrufezeichen&amp;amp;x=0&amp;amp;y=0&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;em&gt;Die drei Ausrufezeichen&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;, eine Serie wie &lt;a href=&quot;http://sz-shop.sueddeutsche.de/mediathek/shop/search/SimpleSearchRH.do?save=true&amp;amp;searchTerm=Die+drei+Fragezeichen&amp;amp;x=0&amp;amp;y=0&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;em&gt;Die drei Fragezeichen&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;, nur dass es alles M&amp;auml;dchen sind. Das finde ich cooler.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Welche Vorstellungen hast du von deiner Zukunft?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich m&amp;ouml;chte eigentlich Geigerin werden. Nicht unterrichten, sondern als Solistin auftreten. Da freue ich mich schon drauf. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hast du Vorbilder?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe eine super Geigenlehrerin. Als Solistin m&amp;ouml;chte ich mal so werden wie Julia Fischer. Ihr Stil gef&amp;auml;llt mir am besten. David Garrett gef&amp;auml;llt mir nicht, weil der so Crossover spielt. Viel Show und alles m&amp;ouml;glichst schnell. Aber beim Geigespielen geht es ja nicht um einen Rekord.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hast du einen Lieblingskomponisten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, das nicht. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/42841.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt; &lt;em&gt;Audrey spielt eine franz&amp;ouml;sische Kindervioline aus dem 19. Jahrhundert. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Hast du schon eigene Sachen komponiert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Keine gro&amp;szlig;en Sachen. Da ich die Noten schon gekannt habe, habe ich im Kindergarten mal einige aufgeschrieben und f&amp;uuml;r meine Pl&amp;uuml;schtiere ein Lied komponiert. Und in der Schule hatten wir gerade das Thema &amp;raquo;Erfindungen&amp;laquo;, und jeder musste eine Erfindung machen. Die Jungen haben Maschinen und so erfunden und ich dachte, ich k&amp;ouml;nnte ein St&amp;uuml;ck schreiben, das ist ja auch eine Erfindung. Das habe ich dann auch vorgespielt. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Hatte das St&amp;uuml;ck einen bestimmten Charakter?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Doch, ja, im Stil von B&amp;eacute;riot, das ist ein Komponist. Das St&amp;uuml;ck hat &lt;em&gt;Eistanz &lt;/em&gt;gehei&amp;szlig;en.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Hattest du das so vor Augen, eine Eist&amp;auml;nzerin?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich nicht. Ich habe so drauflosgeschrieben und dann einen passenden Titel gew&amp;auml;hlt, so, wie es halt gerade klang.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wissen die anderen Kinder aus deiner Klasse, dass du so gut Geige spielst?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich will damit nicht so prahlen. Deshalb spiele ich nicht gern vor den anderen Kindern, die interessieren sich gar nicht daf&amp;uuml;r. Manchmal sagen sie auch gemeine Sachen &amp;uuml;ber mich und die Geige oder nennen mich Streberin. Ich wei&amp;szlig; gar nicht, warum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kannst du was mit Popmusik anfangen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, ich h&amp;ouml;re und spiele am liebsten Klassik. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und die anderen in der Klasse? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Die schon, die gehen auch regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig in die Disco, tanzen und so. Aber ich kann das nicht ausstehen, weil ich Ohrenschmerzen bekomme und mir schlecht wird wegen des Lichts.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Finden die anderen, dass du dann eine Spielverderberin bist?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich nicht. W&amp;auml;re mir auch egal.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Mit wem hast du deinen zehnten Geburtstag gefeiert? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wir haben blo&amp;szlig; in der Familie gefeiert. Vielleicht mache ich an meinem elften Geburtstag wieder eine Party.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/42837.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;em&gt;Mit den Eltern und ihrem Bruder Glenn im Urlaub 2009 auf der griechischen Insel Santorini. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie war das eigentlich, zehn Jahre alt zu werden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das war nichts Besonderes, zweistellig, aber sonst? Eigentlich bin ich halt einfach ein Jahr &amp;auml;lter.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;F&amp;uuml;hlst du dich manchmal erwachsener als die anderen Kinder in deiner Klasse?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, denn ich bin sowieso die Kleinste. Aber eigentlich st&amp;ouml;rt es mich nicht, es ist ja egal. Manchmal ist es auch lustig. Man ist etwas flinker als die anderen. Jetzt bin ich 1,32 Meter gro&amp;szlig;. Deshalb w&amp;uuml;rde ich jetzt auch keine Klasse &amp;uuml;berspringen wollen, dann w&amp;auml;ren die anderen ja noch gr&amp;ouml;&amp;szlig;er.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Musst du viel lernen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lernen f&amp;auml;llt mir sehr leicht, bei Vokabelpr&amp;uuml;fungen habe ich auch noch nie etwas falsch gehabt. Aber ich lerne immer ziemlich knapp vor den Pr&amp;uuml;fungen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kann es sein, dass du in einem Jahr oder so pl&amp;ouml;tzlich keine Lust mehr hast, Geige zu spielen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Glaube ich nicht. Wenn ich einige Tage nicht spielen kann, vermisse ich das Geigenspiel. Manchmal mache ich gern Pause, dann kann man nachher wieder richtig gut starten. So frisch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie ist es, auf der B&amp;uuml;hne zu stehen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vor dem Konzert bin ich gar nicht so aufgeregt. Ich konzentriere mich auf mich und meine Geige, und es ist mir egal, wer im Publikum sitzt. Aber nat&amp;uuml;rlich, es ist ein sehr sch&amp;ouml;nes Gef&amp;uuml;hl.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was bedeuten dir die Preise, die du bekommst?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das ist l&amp;auml;ssig. Vor zwei Jahren habe ich bei meinem ersten Wettbewerb einen zweiten Platz gewonnen, letztes Jahr den ersten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was machst du mit dem Preis?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es gibt keinen Preis, sondern ein Diplom. Das legen wir beiseite f&amp;uuml;r sp&amp;auml;ter. Es ist ja nicht wie beim Sport, wo es einen Pokal zum Aufstellen gibt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Schade, nicht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich nicht, nein. Gewisse Pokale muss man ja nach einiger Zeit sowieso wieder abgeben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;---&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;Bio:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Audrey Haenni&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;12. Juni 2001&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zusammen mit ihren Eltern und ihrem j&amp;uuml;ngeren      Bruder Glenn, der ebenfalls Geige spielt und talentiert ist, wohnt Audrey      Haenni in Uitikon, im Kanton Z&amp;uuml;rich. Altes Haus, gro&amp;szlig;er Garten. Sie      hat erste Preise gewonnen und m&amp;ouml;chte, wenn sie erwachsen ist,      Solistin werden. Jetzt geht sie in die Schule, in die vierte Klasse. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die 10-jährige Audrey Haenni</dc:subject>
    <dc:creator>Luisa Ricar (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2012-03-12T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36552">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36552</link>
    <title>Material Girl</title>
    <description>&lt;p&gt;Seit drei Jahren ist Sheryl Sandberg Gesch&amp;auml;ftsf&amp;uuml;hrerin von Facebook.      W&amp;auml;hrend andere noch die Fragen von gestern stellen &lt;em&gt;(Wie hat sie es als      Frau so weit nach oben geschafft?)&lt;/em&gt;, gibt sie l&amp;auml;ngst die Antworten von      morgen - und macht ihre Firma zum profitablen Unternehmen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/38575.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mark Zuckerberg erkannte im Jahr 2007, dass er dringend Hilfe brauchte: Facebook, das von ihm gegr&amp;uuml;ndete soziale Netzwerk, wuchs so schnell, dass er sich mit seinen 23 Jahren &amp;uuml;berfordert f&amp;uuml;hlte. Bei einer Weihnachtsparty im Silicon Valley lernte er eine Frau kennen, die ihm bereits empfohlen worden war: Sheryl Sandberg, 15 Jahre &amp;auml;lter als er und Topmanagerin bei Google im Rang einer Vizepr&amp;auml;sidentin. Zuckerberg hatte sie nie angerufen, weil er sich nicht vorstellen konnte, dass jemand in ihrer Position die Brocken f&amp;uuml;r ein Unternehmen hinschmei&amp;szlig;en k&amp;ouml;nnte, das kaum etwas erwirtschaftete. Doch Sandberg war einem Wechsel nicht abgeneigt, da Google ihrem Wunsch, in der Hierarchie aufzusteigen, nicht entsprochen hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Drei Monate sp&amp;auml;ter bot Zuckerberg ihr an, bei Facebook Gesch&amp;auml;ftsf&amp;uuml;hrerin zu werden. Seine &amp;Uuml;berlegung: &amp;raquo;Es gibt Menschen, die gute Manager sind und mit gro&amp;szlig;en Organisationen klarkommen. Und es gibt Menschen, die eher analytisch strukturiert sind und Strategien entwickeln. Beides zusammen findet man selten in ein und derselben Person, und ich selbst sehe mich eher im zweiten Lager.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Als Sandberg im M&amp;auml;rz 2008 bei Facebook anfing, waren manche Insider skeptisch. Als ehemalige Managerin eines Gro&amp;szlig;konzerns passte sie m&amp;ouml;glicherweise nicht zu einem Newcomer, au&amp;szlig;erdem war es f&amp;uuml;r eine Frau gewiss nicht leicht, in einem Unternehmen Erfolg zu haben, das &amp;ndash; wie die gesamte Kultur des Silicon Valley &amp;ndash; von M&amp;auml;nnern dominiert wurde. Sie selbst zerbrach sich &amp;uuml;ber etwas ganz anderes den Kopf: &amp;raquo;Die Frage, die am dringendsten beantwortet werden musste, lautete: Wie k&amp;ouml;nnen wir jemals Gewinn machen?&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wie bei Google ein Jahrzehnt zuvor waren auch bei Facebook die Entwickler vor allem daran interessiert, eine coole Website ins Netz zu stellen, die Gewinne w&amp;uuml;rden sich schon einstellen. Am logischsten erschien es, auf Werbeeinnahmen zu setzen, doch das kollidierte mit dem Umstand, dass die Mitglieder von Facebook ihre Seiten f&amp;uuml;r etwas Privates hielten und nicht durch Werbung bel&amp;auml;stigt werden wollten, w&amp;auml;hrend sie mit ihren Freunden kommunizierten. Manche sagten Facebook deswegen schon das Schicksal von Myspace voraus, jenes mittlerweile fast schon wieder vergessenen Netzwerks, das wie ein Komet geleuchtet hatte, ehe es rasend schnell wieder vergl&amp;uuml;hte. Nach exzessiven internen Debatten entwickelte Sandberg ein Gesch&amp;auml;ftsmodell, das zwar auf Anzeigen setzte, diese aber so unaufdringlich wie m&amp;ouml;glich platzierte. 2010 war das Unternehmen, das bei Sandbergs Eintritt 2007 noch viel Geld verbrannt hatte, profitabel geworden. Innerhalb von drei Jahren hatte sich Facebook von 130 auf 2500 Mitarbeiter vergr&amp;ouml;&amp;szlig;ert, die Zahl seiner Mitglieder auf 700 Millionen verzehnfacht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sandberg, 1969 als Tochter einer Franz&amp;ouml;sischlehrerin, die ihren Beruf f&amp;uuml;r ihre drei Kinder aufgegeben hatte, und eines Augenarztes geboren, hatte in Harvard Wirtschaftswissenschaften studiert und den Kurs f&amp;uuml;r Wirtschaft im &amp;Ouml;ffentlichen Sektor beim sp&amp;auml;teren US-Finanzminister Lawrence Summers belegt. Summers war von ihren Leistungen so beeindruckt, dass er zu ihrem Mentor wurde, sie als Assistentin zur Weltbank holte und schlie&amp;szlig;lich zu seiner Stabschefin in Washington machte. Nachdem die Demokraten 2000 die Wahlen verloren hatten, zog Sandberg ins Silicon Valley, an jenen Ort, an dem die digitale Revolution am aufregendsten war, und gab Ende 2001 dem Buhlen von Google nach. Das Unternehmen war damals gerade drei Jahre alt und hatte noch lange keinen &amp;uuml;berzeugenden Businessplan, daf&amp;uuml;r die k&amp;uuml;hne Vision, &amp;raquo;das Wissen der Welt allen Menschen zug&amp;auml;nglich zu machen&amp;laquo;. Schnell wurde Sandberg im Unternehmen unentbehrlich. Sie machte Googles Anzeigengesch&amp;auml;ft profitabel und &amp;uuml;berwachte einen Millionendeal mit AOL, als das damals noch m&amp;auml;chtige Internetportal Google zu seiner Suchmaschine machte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; 2005 hatte Sandberg, wie sie es nennt, einen &amp;raquo;Aha-Moment&amp;laquo;. Das Wirtschaftsmagazin &lt;em&gt;Fortune&lt;/em&gt; hatte sie zu seinem allj&amp;auml;hrlichen &amp;raquo;Most Powerful Women Summit&amp;laquo; eingeladen. Sie nahm an, beklagte sich aber bei der Organisatorin &amp;uuml;ber den etwas hochtrabenden Namen der Veranstaltung. Die konterte mit der Frage, was denn so falsch daran sei, wenn Frauen Einfluss h&amp;auml;tten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Im selben Jahr bekam Sandberg, die sich irgendwann in ihren besten Freund Dave Goldberg verliebt und ihn geheiratet hatte, ihr erstes Kind, inzwischen sind es zwei. Mit der eigenen Work-Life-Balance besch&amp;auml;ftigt, begann ihr aufzufallen, wie viele Frauen bei Google und in anderen Unternehmen aus dem Arbeitsleben ausschieden, sobald sie Mutter wurden &amp;ndash; auch weil ihr Kinderwunsch sie davon abgehalten hatte, sich f&amp;uuml;r Positionen ins Zeug zu legen, die ihnen wirklich etwas bedeuteten. W&amp;auml;hrend ihrer sechs Jahre bei Google hatte sie unz&amp;auml;hlige M&amp;auml;nner und Frauen eingestellt. Die M&amp;auml;nner, erz&amp;auml;hlt sie, &amp;raquo;kamen voran, sie kratzten st&amp;auml;ndig an den T&amp;uuml;ren, um neue Herausforderungen, Bef&amp;ouml;rderungen, die n&amp;auml;chste gro&amp;szlig;e Aufgabe zu bekommen. Die Frauen waren ganz anders. Man musste sie zu neuen Aufgaben schubsen, fragen, ob das nichts f&amp;uuml;r sie w&amp;auml;re.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bei all den progressiven neuen Unternehmen &amp;ndash; Facebook, Twitter, Zynga, Groupon, Foursquare &amp;ndash; sitzt keine einzige Frau im Verwaltungsrat. PayPal kommt auf eine Frau im f&amp;uuml;nfk&amp;ouml;pfigen Spitzengremium, bei Amazon ist es eine von acht, bei Google sind es zwei von neun. Auf die Frage, warum bei Facebook nur M&amp;auml;nner im Verwaltungsrat sitzen, sagt Mark Zuckerberg: &amp;raquo;Ich interessiere mich f&amp;uuml;r Leute, die Facebook weiterhelfen k&amp;ouml;nnen, und es k&amp;uuml;mmert mich nicht besonders, welches Geschlecht sie haben. Ich hake bei Personalentscheidungen ja keine Checklisten ab.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dass es im Silicon Valley so wenige weibliche Spitzenmanager gibt, liegt auch daran, dass nur wenige Frauen Programmiererinnen werden. Schon M&amp;auml;dchen sind davon &amp;uuml;berzeugt, Software, Videospiele und Programmieren seien Jungs-Dom&amp;auml;nen, und Marissa Mayer, Vizepr&amp;auml;sidentin bei Google, sagt: &amp;raquo;Sie f&amp;uuml;hlen sich vom Stereotyp des blassen Hackers abgesto&amp;szlig;en, der die ganze Nacht &amp;uuml;ber Codes br&amp;uuml;tet.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Im Dezember 2010 hielt Sandberg bei der einflussreichen TEDWomen Conference einen Vortrag &amp;uuml;ber den Umstand, dass es zu wenige Frauen in Spitzenpositionen gibt. Die von ihr genannten Zahlen sind entmutigend: Obwohl inzwischen Frauen mehr Universit&amp;auml;tsabschl&amp;uuml;sse und Doktortitel erwerben als M&amp;auml;nner, schaffen sie es noch immer nicht nach ganz oben.  Von weltweit 190 Regierungschefs sind blo&amp;szlig; neun Frauen, unter den Parlamentariern der Welt haben die Frauen einen Anteil von nur 13 Prozent, und im Gesch&amp;auml;ftsleben nehmen Frauen lediglich etwa 15 Prozent der Spitzenpositionen ein.&lt;br /&gt; [seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Wenn sie wollte, k&amp;ouml;nnte sie jedes Unternehmen leiten&amp;laquo;, sagt Mark Zuckerberg&quot;]&lt;br /&gt;In ihrem Vortrag schlug Sandberg dreierlei vor. Erstens: Frauen m&amp;uuml;ssen ihr Vorankommen selbst aktiv in die Hand nehmen. Ihr zufolge verhandeln 57 Prozent der M&amp;auml;nner, doch nur sieben Prozent der Frauen, die einen neuen Job antreten, ihr Gehalt selbst. Zweitens: Frauen m&amp;uuml;ssen darauf achten, dass ihr Lebenspartner tats&amp;auml;chlich ein Partner ist. Solange sie zwei Drittel der Hausarbeit verrichten und drei Viertel der Kinderbetreuung &amp;uuml;bernehmen, sind sie nicht wirklich gleichberechtigt. Und drittens: &amp;raquo;Mach dich nicht aus dem Staub, ehe du wirklich gehst. Sobald eine Frau beginnt, &amp;uuml;ber Kinder nachzudenken, hebt sie ihre Hand nicht mehr, sondern f&amp;auml;ngt an, sich zur&amp;uuml;ckzulehnen.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In den Monaten danach ist Sandbergs TED-Rede im Internet von mehr als 650 000 Usern abgerufen worden. Doch es gab auch Kritik an ihren Macht-doch-mal-Appellen. Sandberg sei alles andere als die typische berufst&amp;auml;tige Mutter, sie habe zu Hause ein Kinderm&amp;auml;dchen und im B&amp;uuml;ro einen Stab, sie sei viel zu privilegiert, um &amp;uuml;ber die Schwierigkeiten normaler Frauen in der Arbeitswelt Bescheid zu wissen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sylvia Ann Hewlett, Leiterin des &amp;raquo;Gender and Policy&amp;laquo;-Programms an der Columbia University, meint, Sandberg untersch&amp;auml;tze die Hindernisse, mit denen Frauen es im Beruf zu tun bekommen. Ihr zufolge existiert immer noch eine allerletzte &amp;raquo;gl&amp;auml;serne Decke&amp;laquo; auf dem Weg nach ganz oben, die weniger von Sexismus verursacht wird als von einem Mangel an Unterst&amp;uuml;tzung. W&amp;auml;hrend Spitzenmanager m&amp;auml;nnliche Nachwuchstalente nach Kr&amp;auml;ften f&amp;ouml;rdern, sind Frauen zu h&amp;auml;ufig auf sich selbst und Zuf&amp;auml;lle angewiesen. Sandberg k&amp;ouml;nne das nicht sehen, weil es ihr selbst anders ergangen sei. &amp;raquo;Sie hatte Larry Summers und andere, die f&amp;uuml;r sie in den Ring stiegen. Das ist bei einer Frau h&amp;ouml;chst au&amp;szlig;ergew&amp;ouml;hnlich.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Hewletts Forschungen ergeben, dass zwei Drittel der m&amp;auml;nnlichen F&amp;uuml;hrungskr&amp;auml;fte davor zur&amp;uuml;ckschrecken, Frauen unter ihre Fittiche zu nehmen, und Frauen zur H&amp;auml;lfte Unterst&amp;uuml;tzung auch nicht in Anspruch nehmen wollen. Grund daf&amp;uuml;r: &amp;raquo;Mentorenverh&amp;auml;ltnisse zwischen einem &amp;auml;lteren, verheirateten Mann und einer jungen, alleinstehenden Frau finden oft au&amp;szlig;erhalb von Arbeitszeit und B&amp;uuml;ro statt und k&amp;ouml;nnen deswegen wie Aff&amp;auml;ren wirken, was Spekulationen bef&amp;ouml;rdert, es handle sich um mehr als um eine rein professionelle Beziehung &amp;ndash; besonders, wenn eine Frau dann bef&amp;ouml;rdert wird.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sandberg selbst h&amp;auml;lt die Hindernisse in der Arbeitswelt f&amp;uuml;r weniger gravierend als jene, die Frauen selbst mitbringen. &amp;raquo;Der wichtigste Grund daf&amp;uuml;r, dass Frauen nicht Karriere machen, ist ihr Zuhause. Die meisten Menschen glauben immer noch, dass die Hauptverantwortung f&amp;uuml;r Hausarbeit und Kindererziehung bei den Frauen liege, und die meisten Paare handeln danach &amp;ndash; nicht alle.&amp;laquo; Das zweite Hemmnis, mit dem Frauen es zu tun bekommen, sind ihre eigenen Schuldgef&amp;uuml;hle. &amp;raquo;Ich selbst habe ein schlechtes Gewissen meinen Kindern gegen&amp;uuml;ber&amp;laquo;, sagt sie, &amp;raquo;weil ich so viel Zeit mit Arbeit verbringe.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In diesem Fr&amp;uuml;hjahr war ich dabei, als Sandberg mit einem Dutzend weiblicher Facebook-F&amp;uuml;hrungskr&amp;auml;fte den Women&amp;rsquo;s Leadership Day vorbereitete, der eine Woche sp&amp;auml;ter stattfinden sollte. &amp;raquo;Nat&amp;uuml;rlich k&amp;ouml;nnen wir einander sexistische Horrorgeschichten erz&amp;auml;hlen&amp;laquo;, sagte sie. &amp;raquo;Aber so etwas h&amp;auml;lt Frauen blo&amp;szlig; davon ab, ihre eigene Entwicklung in die Hand zu nehmen.&amp;laquo; Sie lehnt Quotenregelungen f&amp;uuml;r Frauen strikt ab und ist sogar dagegen, Positionen f&amp;uuml;r qualifizierte Frauen offen zu halten, wenn diese noch in ihrer Elternzeit sind. &amp;raquo;Das f&amp;uuml;hrt nur zu Zeitverlust, und f&amp;uuml;r Zeitverlust muss man einen Preis bezahlen. Auch die Frau selbst. Schlie&amp;szlig;lich w&amp;uuml;rde man &amp;uuml;ber sie denken, dass sie den Job nicht bekommen hat, weil sie die Beste, sondern weil sie eine Frau ist.&amp;laquo; Und sie erz&amp;auml;hlte von einem Vortrag, den sie in Harvard gehalten hatte. Hinterher h&amp;auml;tten die M&amp;auml;nner im Publikum professionelle Fragen gestellt, &amp;uuml;ber die Abwehrstrategien von Facebook gegen die Mobilfunk-Offensive von Google; die Frauen h&amp;auml;tten sich f&amp;uuml;r Pers&amp;ouml;nliches interessiert, zum Beispiel, wie man es am besten anstelle, einen Mentor zu finden. So etwas nennt Sandberg etwas absch&amp;auml;tzig: &amp;raquo;M&amp;auml;dchenfragen.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Deborah Gruenfeld, Professorin f&amp;uuml;r Sozialpsychologie an der Universit&amp;auml;t Stanford, versteht, warum solche M&amp;auml;dchenfragen gestellt werden. Schlie&amp;szlig;lich verletzen Frauen, die eine Karriere und F&amp;uuml;hrungspositionen anstreben, jenes Stereotyp, das von Frauen erwartet, sich fast m&amp;uuml;tterlich um den Erfolg anderer zu k&amp;uuml;mmern statt ihren eigenen im Auge zu haben. Frauen, die als kompetent wahrgenommen werden, sagt Gruenfeld, gelten bei anderen schnell nicht mehr als warm und zug&amp;auml;nglich. Sheryl Sandberg selbst ist solcher Nachrede bisher immer entgangen; f&amp;uuml;r Gruenfeld hat das viel mit ihrer Bescheidenheit und Ehrlichkeit zu tun. Sandberg versteckt ihre Ambitionen nicht, aber sie geht auch nicht protzig mit ihnen um. Sie leitet gro&amp;szlig;e Meetings, aber sie nennt Mark Zuckerberg dennoch &amp;raquo;meinen Boss&amp;laquo; und &amp;raquo;den Steve Jobs seiner Generation&amp;laquo;. Sie ist, sagt Gruenfeld, ein Beispiel f&amp;uuml;r die Generation postfeministischer Frauen, auch in ihrem Glauben, es sei &amp;raquo;ein Zeichen von Ohnmacht, jemand anderen f&amp;uuml;r die eigene Position verantwortlich zu machen&amp;laquo;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Wenn sie wollte, k&amp;ouml;nnte sie jedes Unternehmen leiten&amp;laquo;, sagt Mark Zuckerberg &amp;uuml;ber Sandberg, &amp;raquo;aber das Bemerkenswerte an Sheryl ist, dass sie sich wirklich die H&amp;auml;nde schmutzig machen und arbeiten will, statt st&amp;auml;ndig im Vordergrund zu stehen. Sie hat kein aufgeblasenes Ego. Sie will Leuten helfen und nicht das Aush&amp;auml;ngeschild sein.&amp;laquo; Howard Schultz, Chef der Coffeeshop-Kette Starbucks, in dessen Verwaltungsrat Sandberg sitzt, sagt: &amp;raquo;Wenn man hoch qualifizierte Menschen trifft, neigen die meisten von ihnen dazu zu erz&amp;auml;hlen, was sie schon alles geschafft haben und wie toll sie sind. Sheryl ist das Gegenteil.&amp;laquo; Und Elliot Schrage, bei Facebook unter anderem f&amp;uuml;r globale Kommunikation verantwortlich und enger Vertrauter Sandbergs noch aus Google-Zeiten, sagt: &amp;raquo;Die Leute, die ihre Freunde im Job sind, sind es auch privat.&amp;laquo;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Genau das gilt normalerweise als ein Management-Fehler. Allzu gro&amp;szlig;e N&amp;auml;he zu Angestellten, hei&amp;szlig;t es, behindere Objektivit&amp;auml;t und kompromittiere die F&amp;auml;higkeit zu harten Entscheidungen. &amp;raquo;Dem widerspreche ich entschieden&amp;laquo;, sagt Sandberg. &amp;raquo;Ich glaube ganz fest daran, dass man seine ganze Pers&amp;ouml;nlichkeit in die Arbeit einbringen sollte. Wenn man sich bem&amp;uuml;ht, das private Selbst und das professionelle Selbst voneinander abzugrenzen, erreicht man nur eines: Man wird steif. Ich erwarte nicht, dass mir die Menschen ihr Leben erz&amp;auml;hlen, aber ich selbst teile ziemlich viel von mir mit.&amp;laquo; Offen mit Angestellten umzugehen f&amp;uuml;hrt dazu, glaubt Sandberg, dass diese von nichts &amp;uuml;berrascht werden k&amp;ouml;nnen &amp;ndash; selbst wenn man sie feuert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Alle Fragen &amp;uuml;ber die Zukunft von Facebook betreffen logischerweise auch ihre eigene. Gewiss hat sie das Zeug zur Konzernleiterin, und nicht wenige Beobachter trauen ihr eine politische Karriere zu. Sandberg selbst sch&amp;uuml;ttelt Fragen nach ihren Pl&amp;auml;nen ab: &amp;raquo;Ich bin sehr zufrieden mit Mark und Facebook. Und ich habe mir angew&amp;ouml;hnt, mich nicht auf etwas Bestimmtes einzuschie&amp;szlig;en, weil ich das f&amp;uuml;r einen Fehler halte. Als ich noch am College war, gab es kein Internet, kein Google, kein Facebook. Wer sich heute einen Plan f&amp;uuml;r morgen macht, ist morgen vielleicht auf die M&amp;ouml;glichkeiten von heute beschr&amp;auml;nkt.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Zukunft, mit der sie sich stattdessen im Fr&amp;uuml;hsommer dieses Jahres besch&amp;auml;ftigte, war die der Absolventinnen des renommierten Barnard College. Sie hatte sich bereit erkl&amp;auml;rt, die Abschlussrede zu halten &amp;ndash; nach Hillary Clinton 2009 und Meryl Streep 2010. Die Zuh&amp;ouml;rerinnen ihrer postfeministischen Botschaft waren andere als jene ihrer TED-Ansprache: &amp;raquo;Das sind Frauen, die jetzt damit beginnen, die Entscheidungen f&amp;uuml;r ihr Leben zu treffen. Ich werde ihnen sagen, dass sie sich reinh&amp;auml;ngen sollen.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Auf dem Rednerpodium sprach Sandberg dar&amp;uuml;ber, wie wichtig es f&amp;uuml;r Frauen sei, sich nicht von Selbstzweifeln davon abhalten zu lassen, etwas zu wollen. &amp;raquo;Erinnert euch immer daran&amp;laquo;, sagte sie, &amp;raquo;dass ihr fantastisch seid!&amp;laquo; Dann erz&amp;auml;hlte sie von einem Poster, das bei Facebook h&amp;auml;ngt und auf dem steht: &amp;raquo;Was w&amp;uuml;rdest du tun, wenn du keine Angst h&amp;auml;ttest?&amp;laquo; Darum gehe es f&amp;uuml;r Frauen, sagte Sandberg: &amp;raquo;Lassen Sie nicht zu, dass Ihre Sehns&amp;uuml;chte von Ihren &amp;Auml;ngsten besiegt werden. Lassen Sie die Hindernisse, denen Sie im Berufsleben begegnen &amp;ndash;und es wird sie geben &amp;ndash;, &amp;auml;u&amp;szlig;erliche Hindernisse sein, nicht innerliche. Das Gl&amp;uuml;ck beg&amp;uuml;nstigt die Mutigen. Sie werden nie erfahren, wozu Sie f&amp;auml;hig sind, wenn Sie es nicht versuchen. Wenn diese Zeremonie hier vor&amp;uuml;ber ist und Sie Ihre Abschlusszeugnisse haben, werden Sie Ihr Erwachsenenleben anpacken. Fangen Sie damit an, dass Sie nach den Sternen greifen. Gehen Sie nach Hause, und fragen Sie sich heute vor dem Einschlafen: Was w&amp;uuml;rde ich tun, wenn ich keine Angst h&amp;auml;tte? Und dann tun Sie&amp;rsquo;s. Herzlichen Gl&amp;uuml;ckwunsch!&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man sollte meinen, wer ein Angebot bekommt, im New Yorker portr&amp;auml;tiert zu werden, w&amp;uuml;rde freudig annehmen. Doch meist ist das Gegenteil der Fall, so auch bei Sheryl Sandberg: Unser Autor ken auletta &amp;ndash; eine Best&amp;auml;tigung daf&amp;uuml;r, welche Hochachtung ihr in der Firma entgegengebracht wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Credits: Erschienen in &amp;raquo;The New Yorker&amp;laquo;, 11. Juli 2011, Autor: Ken Auletta; aus dem Amerikanischen von Peter Praschl.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Material Girl</dc:subject>
    <dc:creator>Ken Auletta</dc:creator>
    <dc:date>2011-11-16T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36385">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36385</link>
    <title>Perfekt</title>
    <description>&lt;p&gt;Wir haben in den Oktober-Ausgaben von Frauenzeitschriften nach S&amp;auml;tzen gesucht, in denen das Wort &amp;raquo;perfekt&amp;laquo; vorkommt. Ein Stakkato der Selbstoptimierung.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/37920.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Frauen werden mit Verbesserungsvorschl&amp;auml;gen konfrontiert, standig und &amp;uuml;berall. Wir haben in den Oktober-Ausgaben der Zeitschriften &lt;em&gt;Jolie, Joy, myself, Elle, InStyle, Glamour &lt;/em&gt;und &lt;em&gt;Cosmopolitan &lt;/em&gt;mal auf S&amp;auml;tze geachtet, in denen das Wort &amp;raquo;perfekt&amp;laquo; vorkommt. Eine kleine Auswahl ist hier zu lesen. Ganz zu schweigen nat&amp;uuml;rlich von jenen S&amp;auml;tzen, in denen W&amp;ouml;rter wie &amp;raquo;richtig&amp;laquo;, &amp;raquo;ideal&amp;laquo;, &amp;raquo;makellos&amp;laquo;, &amp;raquo;besser&amp;laquo; oder &amp;raquo;sch&amp;ouml;ner&amp;laquo;&lt;em&gt; &lt;/em&gt;vorkommen.&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Perfekt&lt;/strong&gt; geschminkt in wenigen Minuten. Wie geht ein &lt;strong&gt;perfekter&lt;/strong&gt; Blowjob? Der Tipp f&amp;uuml;r &lt;strong&gt;perfekte&lt;/strong&gt; N&amp;auml;gel? Zuerst f&amp;uuml;r einen &lt;strong&gt;perfekten&lt;/strong&gt; Teint sorgen. F&amp;uuml;r die &lt;strong&gt;perfekte&lt;/strong&gt; Illusion die Wimpern oben und unten tuschen. Wie schminkt man den &lt;strong&gt;perfekten&lt;/strong&gt; Mund? Die &lt;strong&gt;perfekte&lt;/strong&gt; Pasta: Original-Tricks aus Italien. Der Puder &amp;raquo;Happy Booster&amp;laquo; verspricht &lt;strong&gt;perfekten&lt;/strong&gt; Glow plus eine gl&amp;auml;nzende Gem&amp;uuml;tsverfassung. &lt;strong&gt;Perfekte&lt;/strong&gt; Begleiter zum Granny-Look. Make-up-Primer sind die &lt;strong&gt;perfekte&lt;/strong&gt; Vorbereitung f&amp;uuml;r einen ebenm&amp;auml;&amp;szlig;igen Look.&lt;strong&gt; Perfekter&lt;/strong&gt; Teint, umwerfende Ausstrahlung. Die &lt;strong&gt;perfekte&lt;/strong&gt; Foundation kann ab sofort (fast) alles. &lt;strong&gt;Perfekt&lt;/strong&gt; geschnittene Shift Dresses, edle Leder-Looks und in diesem Winter ladyhafte Ensembles &amp;ndash; das ist der Look. Dank neuer Make-up-Texturen, pflegender Inhaltsstoffe und praktischer Spezial-Tools wird das Ergebnis jetzt noch &lt;strong&gt;perfekter&lt;/strong&gt;. Pflege und Make-up-Produkte m&amp;uuml;ssen nicht nur H&amp;ouml;chstleistungen bringen, sondern auch gut zusammenpassen &amp;ndash; denn nur dann ist das Ergebnis &lt;strong&gt;perfekt&lt;/strong&gt;. Von der &lt;strong&gt;perfekten&lt;/strong&gt; Masche bis zum Deo mit K&amp;ouml;pfchen. Der erste Sex mit einem neuen Mann ist &lt;strong&gt;perfekt&lt;/strong&gt;, um ihm gleich mal zu zeigen, worauf ich stehe. Trotz ihres umwerfenden Aussehens, ihrer unglaublich langen Wimpern, der hohen Wangenknochen, der sinnlichen Lippen wei&amp;szlig; die Kalifornierin, dass sie nicht &lt;strong&gt;perfekt&lt;/strong&gt; ist. Verst&amp;auml;rkt wird die neue Strenge mit &amp;raquo;Gellac&amp;laquo;, einem extra starken Haargel f&amp;uuml;r &lt;strong&gt;perfekten&lt;/strong&gt; Halt. Und vielleicht w&amp;auml;re dieser Lackton nie so ber&amp;uuml;hmt geworden, h&amp;auml;tte nicht Frau Thurman gleich die &lt;strong&gt;perfekte&lt;/strong&gt; Stilwelt mitgeliefert. &lt;strong&gt;Perfektes&lt;/strong&gt; Kopf-Kino. Haarfarben, die der nat&amp;uuml;rlichen &amp;auml;hnlich sind, wirken am sch&amp;ouml;nsten &amp;ndash; denn oft w&amp;auml;hlt die Natur den &lt;strong&gt;perfekten&lt;/strong&gt; Farbton f&amp;uuml;r uns von ganz allein aus. Der schlichte Schnitt, der dreiviertellange &amp;Auml;rmel machen das &lt;strong&gt;perfekte&lt;/strong&gt; Gem&amp;uuml;tliches-Wochenende-Kleid aus. Die Palette an Denim-Lacken ist so gro&amp;szlig;, dass es zu jeder Jeans-Waschung den &lt;strong&gt;perfekten&lt;/strong&gt; Ton gibt. Wichtig f&amp;uuml;r den &lt;strong&gt;perfekten&lt;/strong&gt; Schnitt ist es, die Haarbeschaffenheit, Kopfform und K&amp;ouml;rperstatur zu ber&amp;uuml;cksichtigen. Gr&amp;uuml;n bedeutet &amp;raquo;passt &lt;strong&gt;perfekt&lt;/strong&gt;&amp;laquo;. Diese Sneakers zaubern ganz ohne Anstrengung tolle Beine &amp;ndash; und sorgen f&amp;uuml;r den &lt;strong&gt;perfekten&lt;/strong&gt; Streetstyle-Look. Der &lt;strong&gt;perfekte&lt;/strong&gt; Ort (zum Meditieren). Wenn eine Frau sich die Klamotten vom Leib rei&amp;szlig;t, kommt es weniger darauf an, wie &lt;strong&gt;perfekt&lt;/strong&gt; sie sich bewegt, sondern wie sie dabei guckt. Um diese Kunst &lt;strong&gt;perfekt&lt;/strong&gt; zu beherrschen, sind mindestens acht Jahre intensives Training n&amp;ouml;tig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Perfekt</dc:subject>
    <dc:creator></dc:creator>
    <dc:date>2011-10-17T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36391">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36391</link>
    <title>»Mit dem Wort Glück hab ich wenig am Hut«</title>
    <description>&lt;p&gt;Ihr Ex-Ehemann bekam lebensl&amp;auml;nglich wegen sechsfachen Mordes, ihr einziges Kind starb als junge Frau. Ein Gespr&amp;auml;ch mit der Burgschauspielerin Erika Pluhar &amp;uuml;ber die Kunst des Weiterlebens.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/37886.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&amp;Uuml;ber die Schauspielerin Erika Pluhar, die dem Wiener Burgtheater vierzig Jahre lang treu blieb, schrieb ein Kritiker: &amp;raquo;Die Pluhar vermittelt in ihrer Darstellung eine Tiefe des Empfindens und eine H&amp;ouml;he des weiblichen Zaubers ohnegleichen.&amp;laquo;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Frau Pluhar, ist sch&amp;ouml;n geboren zu werden so, wie reich geboren zu werden und dann langsam zu verarmen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Erika Pluhar:&lt;/strong&gt; Vor einigen Jahren habe ich mir in Wien eine Retrospektive meiner Filme angesehen. Am Ende dachte ich: Hallo, warst du sch&amp;ouml;n! Dass mir das nie bewusst war, hat mich nachtr&amp;auml;glich sehr ge&amp;auml;rgert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie galten als begehrteste Frau &amp;Ouml;sterreichs und waren die erste Nackte auf der B&amp;uuml;hne des Wiener Burgtheaters. Sie wollen die Blicke der M&amp;auml;nner nie gesp&amp;uuml;rt haben? &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ich war ein sehr selbstbewusstes kleines M&amp;auml;dchen, das gern zur Schule ging. Mit 16 hatte ich dann zwei Jahre lang eine wirklich schlimme Anorexie. Sie setzte ein, als ein Mann mich in einer stillen Villa zu sexuellen Handlungen n&amp;ouml;tigen wollte. Ich bin gefl&amp;uuml;chtet und zu Fu&amp;szlig; in der Nacht von einem Ende Wiens ans andere gelaufen. In dieser Nacht habe ich das kindliche Einverst&amp;auml;ndnis mit mir verloren und wollte keine Frau werden. Ich hatte Gl&amp;uuml;ck, diese grauenvolle Krankheit zu &amp;uuml;berleben, denn damals wusste noch keiner, was Magersucht ist. Etwas ist mir f&amp;uuml;rs Leben geblieben: Ich bin au&amp;szlig;erstande zu kochen. Das ist eine richtige Phobie bei mir. Ich habe gekocht, als ich nichts a&amp;szlig;, aus dieser Sehnsucht nach Nahrung und W&amp;auml;rme. Man nimmt sich ja das ganze Sinnenleben weg als Magers&amp;uuml;chtige. Meine Tochter, die nicht mehr lebt, hat immer gesagt: &amp;raquo;Du bist ein K&amp;uuml;chenwunder. Selbst wenn du nur ein Ei kochen willst, f&amp;auml;llt dir alles herunter.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In Ihren fr&amp;uuml;hen Schauspieljahren waren Sie auf Vamps und k&amp;uuml;hle Femme-fatale-Figuren abonniert.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe mich in diesen m&amp;auml;nnermordenden Blondinenappeal hineinschieben lassen, weil ich diese Rollen gut spielte und man mich so mochte. Und dann bin ich auch privat in solche Figuren hineingerutscht und wurde immer blonder.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In den Augen Ihres Publikums f&amp;uuml;hrten Sie ein musterg&amp;uuml;ltiges Leben: Deb&amp;uuml;t am Burgtheater mit zwanzig, Heirat mit 21, Mutter mit 22.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Von au&amp;szlig;en gesehen war das alles watscheneinfach, wie man in &amp;Ouml;sterreich sagt. Das Komplizierte war mein privater Weg.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Der Mann, den Sie 1962 geheiratet haben, sagte S&amp;auml;tze wie: &amp;raquo;Die Frau ist die Ebene, der Mann will zum Gipfel.&amp;laquo; Oder: &amp;raquo;Ein Huhn ist kein Vogel, eine Frau ist kein Mensch.&amp;laquo;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das war der Udo Proksch. Und der war ein ganz faszinierender Kerl, ein spr&amp;uuml;hender Mensch, der mich mit seiner Ideenf&amp;uuml;lle und Unbek&amp;uuml;mmertheit anzog. Ich war ja eher brav und pflichterf&amp;uuml;llt. Obwohl er ein kleiner, klobiger Mann mit breitem Gesicht war, sind ihm die Frauen buchst&amp;auml;blich nachgerannt. Diesen seltsamen, leicht verr&amp;uuml;ckten Menschen habe ich sehr geliebt. Die Ehe war sehr schwierig. Er war immer unterwegs und hat mich st&amp;auml;ndig beschissen. Und er wurde Alkoholiker. Das war das Schlimmste. Im Alkohol hat er mich zweimal wirklich verpr&amp;uuml;gelt. Was mich da gerettet hat, und das sage ich mit gro&amp;szlig;er Zuneigung, war der Helmut Griem, mit dem ich beim Drehen von &lt;em&gt;Bel Ami&lt;/em&gt; eine Aff&amp;auml;re hatte. Diese Beziehung gab mir die Kraft, mich von meinem Mann scheiden zu lassen. Ich habe dann seinen Abstieg in die totalen Alkoholverw&amp;uuml;stungen miterlebt  und wie er sich da wieder rausgerappelt hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Stimmt es, dass Sie w&amp;auml;hrend Ihrer Ehe zur Waffe gegriffen haben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja. Er hatte immer Waffen herumliegen. Einmal war er so eklig zu mir, dass ich ein Gewehr genommen habe. Ich trug einen schwarzen Unterrock und bin ihm leise keuchend durchs Treppenhaus gefolgt. Als er die T&amp;uuml;r zuschlug, habe ich mit dem Gewehrlauf das T&amp;uuml;rglas durchsto&amp;szlig;en. Wir schauten uns durch die Scherben an, lachten und sind eintr&amp;auml;chtig wieder hinaufgegangen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Proksch war Aktionsk&amp;uuml;nstler, Wiener Gesellschaftsl&amp;ouml;we und millionenschwerer Chef der Hofzuckerb&amp;auml;ckerei Demel. 1977 lie&amp;szlig; er den Frachter Lucona im Indischen Ozean sprengen, um von der Versicherung 15 Millionen Euro zu kassieren &amp;ndash; wegen Mordes an den sechs Seeleuten, die dabei ums Leben kamen, wurde er sp&amp;auml;ter zu lebenslanger Haft verurteilt.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die Frage seiner Schuld oder Unschuld habe ich kaum an mich rangelassen. Das war seine Sache.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kann man seinem wegen sechsfachen Mordes verurteilten Exmann neun Jahre lang in der Besucherzelle eines Gef&amp;auml;ngnisses gegen&amp;uuml;bersitzen, ohne ihm einmal die Schuldfrage zu stellen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich konnte das. Er ist der Vater meines einzigen Kindes. Als er in Haft war, hatten wir wunderbare Gespr&amp;auml;che. Erst das Gef&amp;auml;ngnis befreite seinen wahren Charakter, und wir begegneten uns wieder mit der Liebe, die wir als junge Menschen f&amp;uuml;reinander empfunden hatten.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Aus Ihrer heutigen Sicht: Ist Proksch ein M&amp;ouml;rder?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Er war wirklich kein schuldloser Mensch, aber an diese Schuld glaube ich nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie ist Ihre Tochter Anna damit zurechtgekommen, einen verurteilten M&amp;ouml;rder zum Vater zu haben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Anna war mutig und stolz, aber die Situation mit ihrem Vater hat ihr sehr wehgetan. Als ich gefragt wurde, ob ich als Bundespr&amp;auml;sidentin kandidieren wolle, sagte sie: &amp;raquo;Der Vater lebensl&amp;auml;nglich in Haft, die Mutter wird vielleicht Bundespr&amp;auml;sidentin &amp;ndash; ich habe vielleicht Eltern!&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Hat Anna ihren Vater im Gef&amp;auml;ngnis besucht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;St&amp;auml;ndig. Sie hat ihn ja so sehr geliebt. Und sie wurde sein Halt, sein Alles. &lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Wenn man sich dann nicht die Kugel gibt, greift irgendwann das Leben wieder nach einem&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/37939.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;br /&gt;Udo Proksch auf dem Weg in den Gerichtssaal am 28. Januar 1991.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;Nach Annas Geburt f&amp;uuml;hlten Sie sich &amp;raquo;verst&amp;ouml;rt und aufgerissen&amp;laquo;.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Geburt hat mich k&amp;ouml;rperlich sehr hergenommen, und ich war mit Sicherheit keine pr&amp;auml;destinierte Mutter. Ich war eine liebende Mutter, aber keine w&amp;auml;rmende, mollige. Ich war oft so traurig und menschlich tief unten. Ich fand uns beide irgendwie arm und klein. Das &amp;auml;nderte sich aber, als meine Tochter &amp;auml;lter wurde. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mit f&amp;uuml;nf Jahren bekam Anna Asthma.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es war ein seelisches Asthma. Wenn sie ungl&amp;uuml;cklich war, bekam sie diese Anf&amp;auml;lle. Sie war traumatisiert durch die Situation ihrer Eltern. Das hat sie mehr verfolgt, als sie mir gezeigt hat. Obwohl all ihre Liebesbeziehungen mit M&amp;auml;nnern kompliziert waren, war sie ein sehr lebensbejahender Mensch. Deswegen habe sogar ich als Mutter &amp;uuml;bersehen, wie krank sie war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;1984 nahm Anna ein aus der Westsahara stammendes Findelkind an.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Ignaz kam gleich nach seiner Geburt zu uns. Vor dem Gesetz ist er mein Kind. Ich habe ihn adoptiert, als der Udo der Beelzebub &amp;Ouml;sterreichs war. Anna und ich wollten einem fremdl&amp;auml;ndisch aussehenden Jungen den belastenden Nachnamen Proksch ersparen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wollte Anna leibliche Kinder?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, aber sie konnte keine Kinder kriegen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihre Tochter starb am 4. Oktober 1999 mit 37 Jahren nach einem Asthmaanfall an akutem Herzversagen. Wie haben Sie diesen Tag erlebt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich war vormittags ins Tonstudio Toegel gefahren, um meine CD &lt;em&gt;I gib net auf&lt;/em&gt; aufzunehmen. Als wir das vierte Lied einspielten &amp;ndash; es hie&amp;szlig; &lt;em&gt;Die unerf&amp;uuml;llbaren W&amp;uuml;nsche&lt;/em&gt; &amp;ndash;, wurden wir unterbrochen. Dann hie&amp;szlig; es: Anna ist tot.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie hat der Vater reagiert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Er ist ganz schnell auch gestorben. Ihr Tod hat ihm seine &amp;Uuml;berlebenskraft geraubt. Als er am Herz operiert wurde, ist er aus der Narkose nicht wieder aufgewacht. Ich sage immer: Das Herz ist ihm dann halt gebrochen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben in vier Jahren Vater, Mutter, Tochter und Kindsvater verloren. Wie &amp;uuml;berlebt man das?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Grund, selber am Leben zu bleiben, war der Ignaz. Dieses 15-j&amp;auml;hrige Kind hatte keine Familie. Der hatte nur die Oma. Obwohl ich vor dem Gesetz seine Mutter bin, sagt er zu mir &amp;raquo;Oma&amp;laquo;. Das war eine unglaubliche Pflicht. Und ich hatte den Vorzug, dass ich mitten in einer CD-Produktion steckte. Die Aufnahmen habe ich zu Ende gef&amp;uuml;hrt. Und ich war mitten im Schreiben eines Romans, der schon vor Annas Tod den Titel hatte: &lt;em&gt;Verzeihen Sie, ist das hier schon die Endstation?&lt;/em&gt; In diesem Buch habe ich ihren Tod in ver&amp;auml;nderter Form nacherz&amp;auml;hlt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Singen und Schreiben als Therapie: Funktioniert das wirklich?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich war wie in einem Glassarg, aber am Schreibtisch und im Studio konnte ich meine Trauer durchwandern und verwandeln. Ansonsten tat ich, was der Tag von mir verlangte, und sagte keine Termine ab. Ich war in diesen Wochen grauenvoll gesund. Rundum tobte eine Grippewelle, ich blieb t&amp;ouml;dlich gesund. Ich war ein bisschen tot. Wenn man sich dann nicht die Kugel gibt, greift irgendwann das Leben wieder nach einem, einfach das Leben: Man geht jeden Morgen ins Badezimmer, pl&amp;ouml;tzlich merkt man, dass einem was schmeckt, pl&amp;ouml;tzlich h&amp;ouml;rt man sich sogar lachen. W&amp;auml;hrend man noch hinterhersterben m&amp;ouml;chte, lebt man bereits wieder. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Tr&amp;auml;umen Sie von Anna?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gar nicht so oft. Sie ist eher eine Realit&amp;auml;t f&amp;uuml;r mich. Ich habe sie ganz vor mir. Wie sie lacht, wie sie schaut, wie ihre H&amp;auml;nde sind. Ich rede mit der Anna, und in meinem Tagebuch bespreche ich vieles mit ihr. Ich f&amp;uuml;hre seit f&amp;uuml;nfzig Jahren mit einem Federhalter Tagebuch und bin jetzt bei Band 106. Dieser t&amp;auml;gliche zweist&amp;uuml;ndige Dialog mit mir selbst hat mir nach Annas Tod sehr geholfen. &amp;raquo;Niederschreiben&amp;laquo; hei&amp;szlig;t ja auch: den Schmerz nehmen und ihn niederschreiben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie stark war Ihr Selbstmitleid?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Im Schmerz ist f&amp;uuml;r Sentimentalit&amp;auml;t kein Platz. Nur Wehwehchen machen sentimental. Beim &amp;Auml;u&amp;szlig;ersten an Leid h&amp;ouml;ren die Schn&amp;ouml;rkel auf. Wenn man nicht seelisch krepieren will, muss man in die tiefste Tiefe des Schmerzes hinabtauchen und sich irgendwann mit beiden Beinen vom Grund absto&amp;szlig;en.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben mit Anna und Ignaz unter einem Dach gelebt. Das Innere Ihrer von wildem Wein &amp;uuml;berwucherten Villa im Wiener Bezirk Grinzing wirkt heute wie das B&amp;uuml;hnenbild einer Tschechow-Inszenierung. Haben Sie mal &amp;uuml;berlegt auszuziehen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, um Gottes willen, dieses Haus enth&amp;auml;lt alles, was ich an Freude und Schmerz erlebt habe. Eine andere Umgebung w&amp;uuml;rde meinen Schmerz unertr&amp;auml;glich machen. Ich m&amp;ouml;chte hier auch sterben. Dieses &amp;raquo;Zieh doch woanders hin&amp;laquo; finde ich einen bl&amp;ouml;den Ratschlag. Verluste zu vergessen, um weiterleben zu k&amp;ouml;nnen, ist grober Unfug mit sich selbst. Es f&amp;uuml;hrt dazu, dass man die tiefste Trauer nie ablegen kann. Ich will die Anna doch vor mir haben &amp;ndash; auch wenn es schmerzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Suchen Sie die N&amp;auml;he von Menschen, die eine &amp;auml;hnliche Trag&amp;ouml;die erlitten haben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Ich bin ein Einzelg&amp;auml;nger, der seine Grundtrauer allein durchwandert und lieber zu den B&amp;auml;umen als zu den Menschen geht. Eine Ausnahme ist meine &amp;auml;ltere Schwester, die auch ihre Tochter verloren hat. Die war 17. Unsere beiden M&amp;auml;dchen liegen in einem Grab. Wir sitzen am Grabesrand und plaudern gem&amp;uuml;tlich. Wir wissen Bescheid &amp;uuml;ber unseren Schmerz, wir brauchen nicht viel &amp;uuml;ber unsere Schicksalsschl&amp;auml;ge zu reden, wie sie so sch&amp;ouml;n hei&amp;szlig;en.&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Er h&amp;auml;tte sich so gern mit mir gemeinsam get&amp;ouml;tet&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/37938.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;br /&gt;Die Schauspielerin kurz vor ihrem 70. Geburtstag im Jahr 2009.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;Ihr Adoptivsohn Ignaz lebt im Anbau Ihrer Villa, in dem Anna starb. Wie kam er mit dem Tod seiner Ziehmutter zurecht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Von sich aus spricht er selten &amp;uuml;ber seine Ma. Als er nach ihrem Tod sehr traumatisiert war, habe ich einen ber&amp;uuml;hmten Kinderpsychologen aufgesucht, aber der hat so einen Bl&amp;ouml;dsinn dahergeredet, dass Igi und ich einen Pakt geschlossen haben: Wir regeln das unter uns, nur wir zwei. Dass aus ihm ein offener, liebensw&amp;uuml;rdiger junger Mann geworden ist, ist nicht mein Verdienst. Das hat die Anna in ihm angelegt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihr zweiter Ehemann war Andr&amp;eacute; Heller, mit dem Sie Anfang der Siebziger das glamour&amp;ouml;seste K&amp;uuml;nstlerpaar &amp;Ouml;sterreichs bildeten. Er sagt: &amp;raquo;Die von meiner Hybris diktierte Herausforderung war, den gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten und begehrenswertesten weiblichen Superstar des Landes zu erobern: Erika Pluhar. Sie war acht Jahre &amp;auml;lter als ich &amp;ndash; und dann hat mich diese schwierige Sch&amp;ouml;nheit tats&amp;auml;chlich geheiratet. Ich dachte: Anything goes!&amp;laquo;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich hatte ein Kind geheiratet! Er belog mich beim Kennenlernen und machte sich viel &amp;auml;lter. Erst als ich das Aufgebot bestellte, erfuhr ich, dass er gerade mal 22 war. Seine Jugend war aber niemals etwas, was zwischen uns stand. Er kommt mir heute noch viel &amp;auml;lter vor als ich. Er war und ist ein Mensch, der einen verbal kriegt. Jetzt ist er ja richtig sch&amp;ouml;n, ein stattlicher Mann, aber damals war er zum Umblasen d&amp;uuml;nn, mit so wegstehenden schwarzen Haaren. Weil er ein kleines Verm&amp;ouml;gen geerbt hatte, benahm er sich wie ein reicher Schn&amp;ouml;sel. Aber trotzdem kam er gut an. &amp;Auml;hnlich wie beim Udo Proksch faszinierte mich dieses Erfindungsreiche und ein bisschen Fantastische. Damit hat er mich erobert. Unsere kurze Ehezeit war dann mit sehr vielen Trennungen verbunden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Als Andr&amp;eacute; Heller bei Ihnen einzog, parkte Proksch sein Auto vor Ihrer T&amp;uuml;r, hievte einen Lautsprecher aufs Dach und rief ins Mikrofon: &amp;raquo;Herr Heller, verlassen Sie sofort das Haus!&amp;laquo;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Udo wollte mich nat&amp;uuml;rlich ganz gern wieder zur&amp;uuml;ckgewinnen &amp;ndash; aber da war ich eisern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sagen &amp;uuml;ber Ihre Ehem&amp;auml;nner: &amp;raquo;Beide waren vom M&amp;auml;nnlichkeitswahn verkr&amp;uuml;ppelte Menschen. Offenbar war ich auf der Suche nach dem wirklich M&amp;auml;nnlichen.&amp;laquo; War Heller ein Macho?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Klar war er ein Macho &amp;ndash; nur halt ein sehr wehleidiger. Ich habe hautnah miterlebt, wie er etwas wurde, was man sich heute bei ihm gar nicht mehr vorstellen kann: ein B&amp;uuml;rgerschreck, der sich st&amp;auml;ndig selber herausfordert. Die &amp;ouml;ffentlichen Figuren, auf die er losging, reichten von Peter Alexander bis zu meinem Burgtheater-Direktor. Unter den Skandalen, die er ausl&amp;ouml;ste, hat er sehr gelitten. Bei uns zu Hause f&amp;uuml;rchtete er sich vor seiner eigenen Courage. Er war heilfroh, als man ihn sp&amp;auml;ter endlich mochte und bewunderte. Ich war dem Heller gegen&amp;uuml;ber nie unkritisch, aber er hat menschlich sehr an sich gearbeitet. Nach dem Tod meiner Tochter war er der Mensch, der wirklich an meiner Seite war. Viele gute Freunde liefen weg, weil sie nicht wussten, wie sie mit mir nach so einem Ungl&amp;uuml;ck umgehen sollten. Die konnten eine Erika ohne Anna nicht ertragen. Dass der Heller ganz da war, vergesse ich bis zu meinem letzten Atemzug nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Die dritte und letzte gro&amp;szlig;e Liebe Ihres Lebens war der Schauspieler Peter Vogel, der mit Ihrer Burgtheater-Kollegin Gertraud Jesserer zwei Kinder hatte.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Traudl Jesserer war dann mit dem Heller zusammen. &amp;raquo;Partnertausch&amp;laquo; nannten das die Medien. Mit dem Peter hatte ich eine sehr, sehr sch&amp;ouml;ne Beziehung. Er war der erste Mann, der zu mir sagte: &amp;raquo;Erika, ich habe es gern, wenn die Frauen grau werden.&amp;laquo; Wenn einem das ein liebender Mensch sagt, h&amp;ouml;rt man mit der F&amp;auml;rberei sofort auf. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Vogel war suchtkrank.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja. Es gab den Alkohol, und es gab die Medikamente, die er sich injizierte. Deshalb konnte er sich so gut mit einer Spritze t&amp;ouml;ten. Ich habe unz&amp;auml;hlige Entz&amp;uuml;ge mit ihm mitgemacht, aber er ist immer wieder in die Sucht zur&amp;uuml;ckgefallen. Er war ein wirklich sch&amp;ouml;ner und gescheiter Mann, begabt und geliebt. Wie er so ganz desolat war, habe ich bei mir &amp;uuml;berhaupt erst entdeckt, was es hei&amp;szlig;t, jemanden zu lieben in seiner Zerbrochenheit, Hinf&amp;auml;lligkeit, gar nicht mehr der glanzvolle, fesche, herrliche Mann. Da setzt Liebe ein, finde ich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was war Vogels Problem?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sein Ungl&amp;uuml;ck war unter anderem, dass er zu sp&amp;auml;t erkannt hat, dass sein Weg die Musik gewesen w&amp;auml;re. Am Tag seines Todes haben wir noch telefoniert und Pl&amp;auml;ne gemacht. Dann hat er die Entzugsklinik verlassen und sich in einer Wiener Pension mit einer Injektion get&amp;ouml;tet. Er hat oft versucht, mir zu erkl&amp;auml;ren, warum seine Angst vor dem Leben gr&amp;ouml;&amp;szlig;er ist als die Angst vor dem Tod. Er h&amp;auml;tte sich so gern mit mir gemeinsam get&amp;ouml;tet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nach Vogels Suizid ist Ihr Privatleben aus der Balkenpresse verschwunden.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sein Tod hat mein Leben sehr, sehr ver&amp;auml;ndert. Als er 1978 mit 42 starb, war ich 40. Ich habe dann nie mehr Tisch und Bett geteilt mit einem Mann. Es gab Beziehungen, aber keine ehe&amp;auml;hnlichen intimen Gemeinsamkeiten. Ich brauche Abstand. Die dauernde N&amp;auml;he eines anderen Menschen w&amp;uuml;rde mich krampfig machen und nach Luft schnappen lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Allein zu sein und schweigen zu k&amp;ouml;nnen sind schwindende F&amp;auml;higkeiten.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Als kleines Kind habe ich mich in Brombeerhecken verkrochen und war gl&amp;uuml;cklich, dass ich da so allein war. Dieser gro&amp;szlig;e Sinn f&amp;uuml;rs Einsamsein hat mich schon immer bewohnt. Meine wahre Lebenskonzentration finde ich im R&amp;uuml;ckzug. &lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Wer gegen das Altern ank&amp;auml;mpft, altert blo&amp;szlig;, ohne zu reifen.&quot;]&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mord, Sucht, Suizid: Werden Sie schlau aus sich, wenn Sie auf Ihre M&amp;auml;nner zur&amp;uuml;ckblicken?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dass meine Beziehungen nicht gegl&amp;uuml;ckt sind, hat nat&amp;uuml;rlich auch mit mir zu tun. Man ist schon auch der Ausl&amp;ouml;ser dessen, was einem widerf&amp;auml;hrt. Dass ich mit Suchtcharakteren zusammen war, wird wohl kein Zufall gewesen sein. Ich war ja auch suchtkrank. Magersucht ist eine Art Todestrieb. Man wei&amp;szlig; sehr genau, dass man sich selber zerst&amp;ouml;rt, kriegt aber trotzdem keinen Bissen hinunter. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;1985 notierten Sie in Ihr Tagebuch: &amp;raquo;Es graut mir vor der B&amp;uuml;hne. Ich komme vor Ekel um.&amp;laquo; Was l&amp;ouml;ste Ihre Krise aus?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich war 40 Jahre lang am Burgtheater und habe wohl fast 3000 Vorstellungen gespielt. Nachtr&amp;auml;glich wei&amp;szlig; ich, dass ich nie der prototypische Schauspielermensch war. In Kritiken wurde mir oft vorgeworfen, ich sei immer ich selber. Das stimmt auch, ich hatte nie diese Lust, mich von mir zu entfernen und in eine andere Gestalt zu klettern. Ich fand es sch&amp;ouml;ner, in einer Figur neue Facetten von mir selbst zu entdecken, statt vor lauter Rollen nicht mehr vorhanden zu sein. Sich auf der Probe anfetzen, dass man schreien und heulen muss, war auch nie meines. Weil sich das Gef&amp;uuml;hl von Fron einstellte, bin ich ausgeb&amp;uuml;xt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie begannen, Romane zu schreiben und eigene Lieder zu singen. Andr&amp;eacute; Heller sagt &amp;uuml;ber  das Timbre Ihrer Stimme: &amp;raquo;H&amp;auml;tte die Pluhar nicht darauf bestanden, ausschlie&amp;szlig;lich eigene Lieder zu singen, h&amp;auml;tte sie als S&amp;auml;ngerin eine Weltkarriere gemacht.&amp;laquo;&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Das Lob meiner Stimme begleitet mein Leben und ist mir nicht unangenehm. Aber diese Sucht, unbedingt eine sogenannte Weltkarriere anzustreben, war mir seit jeher fremd. Mein gesanglicher Weg ist mir nach zwanzig CDs erfolgreich genug. Es gibt reichlich Menschen, die meine eigenen Lieder lieben &amp;ndash; und nicht die einer zweiten Marlene Dietrich. Die gab&amp;rsquo;s ja schon.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Die alte Marlene Dietrich verh&amp;uuml;llte in ihrem Pariser Apartment die Spiegel. Was empfinden Sie heute beim Blick in den Spiegel?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nat&amp;uuml;rlich nehme ich das Welkwerden wahr, und es braucht ein bissel, bis mein inneres Empfinden sich in der alt gewordenen Frau wiedererkennt, die mich im Spiegel anschaut. Aber Sch&amp;ouml;nheitsoperationen machen alles nur schlimmer. Sich das Alter mit dem Skalpell entfernen zu lassen ist eine Entw&amp;uuml;rdigung des &amp;Auml;lterwerdens. Wer gegen das Altern ank&amp;auml;mpft, altert blo&amp;szlig;, ohne zu reifen. Ich habe bei Menschen nie nach Sch&amp;ouml;nheit Ausschau gehalten. Etwas K&amp;uuml;hnes tun oder ein bissel Leben hinter sich bringen: Dann kann aus einem Gesicht was werden. Vielleicht ist es auch gescheiter, sich nicht makellos zu f&amp;uuml;hlen. Solche Menschen tendieren zur Oberfl&amp;auml;chlichkeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Altert auch das Gl&amp;uuml;ck?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mit diesem Wort hab ich wenig am Hut, aber wenn schon, dann beschert mir heute die Natur die st&amp;auml;rksten Gl&amp;uuml;ckserfahrungen, der Atlantik in Portugal zum Beispiel. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie verbringen Sie Ihre Abende?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich schaue mir Filme im Fernsehen an, manchmal vier hintereinander. Ich bewundere die alten Frauen vergangener Jahrhunderte, die abends gestickt haben und das Pendel der Uhr h&amp;ouml;rten. Wir haben es schon ganz gut mit dem Fernsehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Die 94-j&amp;auml;hrige Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich sagt: &amp;raquo;Die Libido erlischt erst ganz in unserer Sterbesekunde. Ich habe ein mildes Verh&amp;auml;ltnis zu meinen sexuellen Fantasien und sage mir, ach, mein Kind, du bist halt ein wenig zu alt, um das noch in die Tat umzusetzen.&amp;laquo; &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frau Mitscherlich hat recht. Es ist ein Irrglaube, dass sexuelle Fantasien im Alter verschwinden. Eine Freundin von mir arbeitet in einem geriatrischen Zentrum. Da treiben fast Hundertj&amp;auml;hrige es noch miteinander in irgendeiner Form. Auch ich empfinde nach wie vor erotisch, nur die Liebesgeschichten, die sind mir zu bl&amp;ouml;d geworden. Ich verstehe gar nicht mehr, dass mir die Komplikationen mit M&amp;auml;nnern mal so wichtig waren. Da h&amp;auml;tte ich mir einiges an sinnlosen Agonien und Selbstaufgaben ersparen sollen. Zu jemandem zu geh&amp;ouml;ren; mir sicher zu sein, geliebt zu werden; mich in den Armen eines Mannes geborgen zu f&amp;uuml;hlen, ein ewiges Paar zu sein: R&amp;uuml;ckblickend sch&amp;uuml;ttele ich &amp;uuml;ber solche Sehns&amp;uuml;chte den Kopf, weil ich wei&amp;szlig;, dass es das letztlich nicht gibt.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Bibel gibt es das Wort &amp;raquo;lebenssatt&amp;laquo;. Haben Sie diesen Zustand erreicht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich denke &amp;ouml;fter: Jetzt reicht&amp;rsquo;s, ich mag nicht mehr! Aber dann sagt eine Stimme in mir: Wie kokett von dir. Du willst doch noch gar nicht sterben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es Tage, an denen Sie nicht an den Tod denken?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich glaube, nein. Am gef&amp;auml;hrlichsten sind die ersten drei&amp;szlig;ig Minuten am Morgen, weil man mit dem Gef&amp;uuml;hl aufwacht: Was willst du diesem Leben noch abgewinnen? Deine Liebsten sind gegangen, und die Zukunft ist nicht mehr da. Nichts mehr n&amp;ouml;tigt dich zu bleiben. Du geh&amp;ouml;rst nur noch dem Warten auf den Tod. In diesen Momenten muss ich wirklich um meine Lebenskraft k&amp;auml;mpfen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie Frieden mit sich geschlossen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine gewisse Schrulle bin ich schon, aber ich habe mich recht gern gewonnen. Ich finde mich oft bl&amp;ouml;d, ja, aber mit aller Zuneigung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zur Person:&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn jemand nach vierzig Berufsjahren seinen Abschied vom Theater erkl&amp;auml;rt, winken meist nur noch ein Memoirenvertrag und Auftritte im  &lt;em&gt;ZDF-Fernsehgarten&lt;/em&gt;. Erika Pluhar, 72, gelang eine Folgekarriere als  Chansons&amp;auml;ngerin und Romanautorin. Zum Star des &lt;a href=&quot;http://www.burgtheater.at/Content.Node2/home/index.php&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Wiener Burgtheaters&lt;/a&gt; wurde  sie in den Sechzigern durch ihre Schnitzler- und Strindberg-Rollen,  ihre Filmkarriere begann 1968 mit Helmut K&amp;auml;utners &lt;em&gt;Bel Ami&lt;/em&gt;. Ende der  Siebziger geh&amp;ouml;rte die Wienerin zu den Frauen, die den &lt;em&gt;Stern &lt;/em&gt;wegen  sexistischer Titelbl&amp;auml;tter verklagten. &amp;raquo;Ich galt als schreckliche  Emanze&amp;laquo;, sagt sie. &amp;raquo;Wenn ich in einen Raum kam, haben Ehem&amp;auml;nner ihre  Frauen an sich gerissen, damit sie nicht mit mir in Kontakt gerieten.&amp;laquo;&lt;br /&gt;1962 heiratete Erika Pluhar Udo Proksch, einen kleinen Mann mit klobigem Gesicht, dem die Frauen hinterherliefen, wie sie sagt. Proksch war Wiener Gesellschaftsl&amp;ouml;we, Alkoholiker, Macho. Um Geld von der Versicherung zu kassieren, lie&amp;szlig; er einen Frachter in die Luft sprengen. Wegen Mordes an sechs Seeleuten wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt.&lt;br /&gt;1970 heiratet Erika Pluhar Andr&amp;eacute; Heller. Mit 19 Jahren hatte der sein Erbteil aus der Schokoladenfabrik Heller f&amp;uuml;r einen Film verpulvert, der niemals in die Kinos kam, ihm aber die Gelegenheit gab, Erika Pluhar vorgestellt zu werden. Heller ist &amp;ouml;sterreichischer Chansonnier, Aktionsk&amp;uuml;nstler, Autor und Schauspieler. &lt;br /&gt;F&amp;uuml;r ihre dritte Liebe, den Schauspieler Peter Vogel, verlie&amp;szlig; Erika Pluhar Andr&amp;eacute; Heller 1973. Vogels Frau Gertraud Jesserer wiederum zog bei Heller ein. Die Beziehung zu Vogel schildert Erika Pluhar als sehr begl&amp;uuml;ckend, aber viel zu kurz. Vogel war suchtkrank und setzte seinem Leben 1978 mit einer t&amp;ouml;dlichen Spritze selbst ein Ende.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Mit dem Wort Glück hab ich wenig am Hut«</dc:subject>
    <dc:creator>Sven Michaelsen (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2011-10-14T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/35422">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/35422</link>
    <title>Die ungeschminkte Wahrheit</title>
    <description>&lt;p&gt;Wie reden Frauen &amp;uuml;ber M&amp;auml;nner und den ganzen      Rest, wenn sie unter sich sind? Ein paar Freundinnen haben f&amp;uuml;r uns einmal      mitgeschrieben. Bei gutem Essen, mit viel Alkohol - und vor allem      anonym, damit auch wirklich alle ehrlich sind.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/32433.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;br /&gt;(Photocase/Pellegrina)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Wohnung in der M&amp;uuml;nchner Innenstadt. Sechs Frauen im Alter zwischen 20 und Mitte 50, ein Jack-Russell-Terrier. Aufgabe: Spaghetti Bolognese kochen, dabei trinken, &amp;uuml;ber alles reden. Das Band l&amp;auml;uft mit. Nur die Namen sind nicht echt.&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Es muss noch Worcestersauce dran.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Worcestersauce? In eine Bolognese? Nur &amp;uuml;ber meine Leiche! Lammhack, Salsiccia, Fenchelsamen &amp;ndash; kann ich alles gut leiden. Aber keine Worcestersauce!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Wollen wir Champagner trinken?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ich mach immer Worcestersauce dran! Ohne Worcestersauce geht das nicht!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Hallo. Jetzt Champagner.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Machst du das Zwiebelschneiden mit dem Mixer?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Dein Hund bildet sich vor lauter Gier ein, er mag Sellerie.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Hast du das Ankleidezimmer gesehen? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Imponiert mir sehr.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Alma, ich h&amp;auml;tte gerne eine F&amp;uuml;hrung durch deinen Kleiderschrank.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ich w&amp;uuml;rde am liebsten achtzig Prozent wegschmei&amp;szlig;en. Schaff ich nicht, weil Menschen daf&amp;uuml;r gearbeitet haben, das sind Rohstoffe. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Wie viel Knoblauch? Dr&amp;uuml;cken oder schneiden? Ach, dr&amp;uuml;cken.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Nicht, dass du &amp;Auml;rger kriegst, wenn du nur zwei Zehen nimmst! &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Wieso? Ich habe ja nicht gesagt, was alles in die Bolognese muss&amp;hellip; sondern nur, was unter keinen Umst&amp;auml;nden reinkommt!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Was gibt es denn zu trinken?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Gin, Wodka, Aperol, Prosecco, Rotwein, Wei&amp;szlig;wein, Champagner. &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Ich will Champagner und Rotwein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Von wem sind die Blumen?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Von einem Stra&amp;szlig;enk&amp;ouml;ter.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Was ist denn ein Stra&amp;szlig;enk&amp;ouml;ter?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Jede Frau hatte mal einen Stra&amp;szlig;enk&amp;ouml;ter in ihrem Leben. Ein zu wilder Typ mit einem zu wilden Leben, mit dem man nicht zusammenleben k&amp;ouml;nnte.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Wei&amp;szlig; er, dass er ein Stra&amp;szlig;enk&amp;ouml;ter ist?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ja, logisch.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Der Strau&amp;szlig; sieht aber gar nicht stra&amp;szlig;enk&amp;ouml;terartig aus.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Ist eben ein Stra&amp;szlig;enk&amp;ouml;ter mit Geschmack!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: I like him, but I don&amp;rsquo;t like him sexually?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Och, sexually w&amp;auml;r schon drin, aber dann? Sollen wir n&amp;auml;chstes Jahr heiraten und Kinder kriegen? Wei&amp;szlig; er aber auch. Der will lieber stra&amp;szlig;enk&amp;ouml;term&amp;auml;&amp;szlig;ig rumschlawenzeln. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Was macht man denn mit Blumen von so einem?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Na, aufstellen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Mich setzt ja so was unter Druck. Mir wird hei&amp;szlig;, wenn solche Typen anrufen. &lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Ich renn zehnmal in die andere Richtung.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ich kann das schon. Schau mal, das geht doch nicht weiter, sagt man dann. &lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Warum eigentlich nicht? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: In meinem Alter sind nicht mehr so viele Stra&amp;szlig;enk&amp;ouml;ter-Abzweigungen drin.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Vielleicht ist das am Ende gar kein Stra&amp;szlig;enk&amp;ouml;ter?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Er wird auch nach dreimal k&amp;uuml;ssen kein Prinz. Klar, man k&amp;ouml;nnte jetzt Stra&amp;szlig;enk&amp;ouml;ter-Sex haben, das ist ja ganz gro&amp;szlig;, aber man wei&amp;szlig;, wie es weitergeht. Oder nicht weitergeht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Super, jetzt sind wir schon beim Sex. Bisschen schnell, aber warum nicht?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Besser jetzt als sp&amp;auml;ter, sonst wird das so hundsordin&amp;auml;r.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Was ist an Stra&amp;szlig;enk&amp;ouml;ter-Sex so toll?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Dass man nicht daran denkt, was draus wird. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Das ist Sex ohne Fortsetzung.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Das ist Sex, den man in eine kleine Blackbox einschlie&amp;szlig;en kann, Schleife drum, und wenn man will, kann man sich sp&amp;auml;ter noch mal dran erinnern. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Oder man erinnert sich und denkt: Oh Gott, das hab ich nicht gemacht, oder?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Jetzt bitte jeder eine peinliche Sexgeschichte!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Sind wir jetzt schon bei kleinen Schw&amp;auml;nzen oder was? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Das ist schon traurig und irgendwie auch niedlich, dass die M&amp;auml;nnermagazine schreiben: Gr&amp;ouml;&amp;szlig;e tut nichts zur Sache. Tut sie doch. Jemand anderer Meinung?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Nat&amp;uuml;rlich nicht. Glaubt auch niemand ernsthaft. So was schreiben M&amp;auml;nner. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: In M&amp;auml;nnermagazinen steht, die Vagina ist nur ein paar Zentimeter lang, jede Gr&amp;ouml;&amp;szlig;e reicht daf&amp;uuml;r aus. Aber es geht doch auch um das Bild im Kopf. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Aber eben nicht nur! &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Was machst du denn dann blo&amp;szlig; &amp;hellip; als Mann? Das muss doch schlimm sein!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Sag mal, br&amp;auml;tst du erst das Fleisch und dann die Zwiebeln?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Umgekehrt geht es nicht.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Und als Frau? Wenn du dich in so jemanden wirklich verliebst?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Du musst dir was einfallen lassen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Vielleicht ein gutes Gespr&amp;auml;ch.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Oder ein sehr gro&amp;szlig;es Herz haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Das Problem gibt es ja auch anders herum. Mittelwitziger M&amp;auml;nnerspruch daf&amp;uuml;r: eine Salami durch eine Turnhalle schmei&amp;szlig;en.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Die L&amp;ouml;sung: Es m&amp;uuml;ssen sich die passenden Partner zusammenfinden. Das sollte beim Online-Dating eine Rolle spielen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Jetzt bitte Alkohol, das Gespr&amp;auml;ch kann nur besser werden.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Ist euch so was schon oft passiert?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Nicht oft. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Ganz selten eher. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Es gab schon Grenzsituationen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Auch das Problem gibt es anders herum &amp;hellip; sagen wir, in Unterarmgr&amp;ouml;&amp;szlig;e.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: &amp;Auml;h &amp;hellip; kann ich die Nummer haben?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Medizinisch gibt es zwei Typen: den Blutpenis und den Fleischpenis. Der eine beh&amp;auml;lt seine Gr&amp;ouml;&amp;szlig;e, der andere ver&amp;auml;ndert sich mit gesteigerter Blutzufuhr. Hab ich neulich auf der Homepage einer Wahrsagerin aus dem Osten gesehen, die Horoskope aus Geschlechtsteilen liest.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Die M&amp;auml;dels im Osten haben&amp;rsquo;s echt nicht leicht.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Sie sagt, der Fleischpenis ist ein treuer Geist. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Darauf: Cheers! &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Gibt es &amp;auml;u&amp;szlig;ere Merkmale, die auf die Gr&amp;ouml;&amp;szlig;e schlie&amp;szlig;en lassen?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: &amp;raquo;How to meet a Blutpenis?&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Kann ich die Nummer haben?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Also, wenn einer ordentlich angezogen ist, kann man nichts sehen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Langsam und eng tanzen w&amp;uuml;rde helfen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Gro&amp;szlig;e Renaissance des Langsam- und Engtanzens muss eingel&amp;auml;utet werden!  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Sag mal, warum wohnst du diesmal nicht bei deiner Schwester?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Weil bei ihr alles perfekt sein muss: Sie hatte die Bettw&amp;auml;sche noch nicht geb&amp;uuml;gelt. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Gibt&amp;rsquo;s das? Wir Frauen spinnen doch. Wir denken, wir m&amp;uuml;ssen so wohlerzogen sein. Was soll die nur von mir halten, wenn sie zu mir kommt und meine Bettw&amp;auml;sche &lt;br /&gt; ist nicht geb&amp;uuml;gelt? Wollen Frauen immer gefallen? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Ja, schrecklich. Vor meiner letzten Einladung habe ich das Tafelsilber geputzt.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Welche Argumente gibt es eigentlich f&amp;uuml;r Tafelsilber? Sind wir nicht aus den Tafelsilber-Zeiten raus? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Woody Allen hat gesagt, du wei&amp;szlig;t, dass du alt bist, wenn du dir kein neues Mei&amp;szlig;ner Porzellan mehr anschaffst. Umkehrschluss: Schaffst du dir so was an, bist du nicht alt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ich muss euch was erz&amp;auml;hlen, kam gestern im Fernsehen: Man kann sich und den Partner mit Adrenalin &amp;uuml;bert&amp;ouml;lpeln. Der K&amp;ouml;rper verbindet Adrenalin mit Verliebtsein, und wenn man Adrenalin zum Beispiel aus Angst aussch&amp;uuml;ttet, kann es zu Fehlinterpretationen kommen: Es f&amp;uuml;hlt sich an, als sei man verliebt. Man soll also f&amp;uuml;r gemeinsame Adrenalinaussch&amp;uuml;ttungen sorgen, wenn es nicht mehr so gut l&amp;auml;uft. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Deswegen verliebt man sich immer in Skilehrer und Tauchlehrer. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Auf zum Falschschirmspringen!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Aber wehe, der Skilehrer zieht danach eine Jeans an. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Der Farmer aus Neuseeland! In einer anderen Welt war er super: diese Farmerboots, all das M&amp;auml;nnerzeug, das er konnte. Aber dann kam er mit Segelschuhen und Lacoste-Hemd an. Hatte sich schick gemacht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Bei mir ist alles aus, wenn sich jemand in einer SMS mit &amp;raquo;Dickem Kuss&amp;laquo; oder &amp;raquo;Dicker Umarmung&amp;laquo; verabschiedet. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Oder ein Smiley in der E-Mail! Smiley t&amp;ouml;tet alles!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Auch sehr sch&amp;ouml;n: die Abk&amp;uuml;rzung &amp;raquo;LG&amp;laquo;.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Aber &amp;raquo;LG&amp;laquo; lernt man sch&amp;auml;tzen nach dem Smiley.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Schade, dass es &amp;raquo;Dein &amp;hellip;&amp;laquo; nicht mehr gibt. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ich habe mal Online-Dating ausprobiert &amp;ndash; by the way: Katastrophe &amp;ndash; und ins Profil geschrieben, dass ich Emoticons hasse. Dann schreiben sie dir Mails: Lalala, Smiley smiley smiley, PS: Was sind Emoticons?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Das war bestimmt ein Blutpenis.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Online-Dating und Heiratsantr&amp;auml;ge&quot;]&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/32430.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;(Photocase/Froodmat)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: F&amp;uuml;r Online-Dating muss man schon ein bisschen am Ende sein, oder? Mir w&amp;uuml;rde der Moment fehlen. Der Moment, in dem man sich trifft.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Der Gr&amp;uuml;ndungsmythos. Der Gr&amp;uuml;ndungsmythos hilft einer Beziehung durch viele T&amp;auml;ler. Der hat eine riesige Bedeutung.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Schreibt der eine: Ich liebe Pasta mit Pesto. Schreibt die andere: Mensch, du, Riesenzufall, ich auch! Das kann es nicht sein.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Apropos. Ich hab Hunger. Sollen wir Salat machen?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Nee &amp;hellip; nur Nudeln. Salat ist so was von &amp;uuml;berbewertet. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Voll. So wie Heiratsantr&amp;auml;ge. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ich habe noch nie einen bekommen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Ich immer, kurz bevor es vorbei war.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Ich bin zwar verheiratet, hab aber nie einen Heiratsantrag bekommen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Wie ging es dann? So Monica-Lierhaus-m&amp;auml;&amp;szlig;ig oder was?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Genau so. Man denkt ja, ein Heiratsantrag steckt in den Genen des Mannes. Davon muss man sich l&amp;ouml;sen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Also hast du den gemacht? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Der peinlichste Moment meines Lebens.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Aber wieso? Ist doch romantisch!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Romantisch? Ich hab ein Vierteljahr gebettelt!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Erniedrigt?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Erniedrigt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Da lob ich mir den Stra&amp;szlig;enk&amp;ouml;ter. Der bringt wenigstens eine Blume ran.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Meiner war sch&amp;ouml;n. Wir waren sehr betrunken. Dann sind wir noch was trinken gegangen. Pl&amp;ouml;tzlich hat er mich gefragt, ob ich ihn heiraten will. Danach mussten wir erst mal was trinken. Der Weg nach Hause f&amp;uuml;hrte &amp;uuml;ber eine Br&amp;uuml;cke. Er: &amp;raquo;Gib mir deine Hand&amp;laquo; &amp;ndash; und taumelte &amp;uuml;ber die Br&amp;uuml;cke, ich in den Bach. Das war sch&amp;ouml;n. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Ein Gr&amp;uuml;ndungsmythos eben. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Wie w&amp;auml;re denn wohl der Gr&amp;uuml;ndungsmythos bei Leuten, die aus Kalk&amp;uuml;l heiraten?&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Du meinst Frauen, die einen Mann heiraten, der offensichtlich eine Gesichtsgr&amp;auml;tsche, daf&amp;uuml;r aber reich und m&amp;auml;chtig ist? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Kann ich die Nummer haben? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Ich finde: Je &amp;auml;lter man wird, desto weniger z&amp;auml;hlt die Sch&amp;ouml;nheit eines Mannes.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Aber sein Johannes. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Echt, f&amp;uuml;r mich z&amp;auml;hlt die schon.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Jemanden zu heiraten, um nicht allein zu sein &amp;hellip; kann ich mir nicht vorstellen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Nicht heiraten und immer allein rumh&amp;auml;ngen: ist auch nicht das Geilste!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Aber es sieht doch jeder: Die hat ihn nur geheiratet, weil er reich ist! Das Burda-Furtw&amp;auml;ngler-Syndrom.Bea: Aber der hat Mordscharme und war fr&amp;uuml;her nicht dick.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Also, die Furtw&amp;auml;ngler! Ich find die ja ganz gut in letzter Zeit, so gel&amp;ouml;st. Aber dieses Styling: gr&amp;uuml;ne Lederjacke, Rolli. Wenn man Geld hat, muss man nicht so rumlaufen.  &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Komm, so tragisch ist das nicht.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Ich w&amp;uuml;rd&amp;rsquo;s nicht tragen wollen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Aber nach Hause muss man auch nicht schreiben deswegen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Warum finden eigentlich alle Frauen Lisbeth Salander so toll, die aus den Stieg- Larsson-Romanen?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Weil sie Kerle verpr&amp;uuml;gelt.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Sie ist radikal, eine moderne Frau. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Eine moderne Frau? Was sie erlebt hat, ist knallhart.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Sie sieht manchmal total h&amp;auml;sslich aus und manchmal sehr h&amp;uuml;bsch.&lt;br /&gt;Alma: Passt auch zum neuen Frauenbild: total h&amp;auml;sslich und total h&amp;uuml;bsch. Hart, aber sch&amp;ouml;n. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: H&amp;uuml;bsch hat ja immer so was S&amp;uuml;&amp;szlig;es. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Das Oda-Jaune-Problem: M&amp;auml;nner nehmen sie nicht ernst, weil sie so h&amp;uuml;bsch ist. Zum Gl&amp;uuml;ck malt sie so harte Bilder. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Sie wird nur als Gespielin eines ber&amp;uuml;hmten Malers gesehen. Keiner traut ihr zu, dass sie diesen Mann wirklich geliebt hat. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Die Kunstwelt ist so ein sexistischer Verein! K&amp;uuml;nstlerinnen, die ernst genommen werden, gibt es fast nicht. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Frauen geb&amp;auml;ren. M&amp;auml;nner denken, ein Kind banalisiert das Leben. Du giltst als Mann zwar was, wenn eine Frau Kinder von dir will. Aber du lebst nur f&amp;uuml;r die Kunst.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Wenn du die Kunst nicht lebst, bist du diskreditiert. Aber wenn eine Frau ein Kind hat, muss sie ja auch Familie leben!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Das Witzige ist: Wenn eine K&amp;uuml;nstlerin sich um die Kunst, aber nicht um ihr Kind k&amp;uuml;mmert, ist sie auch der Arsch. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Ich &amp;uuml;berlege gerade. Frida Kahlo hatte auch kein Kind. &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: K&amp;uuml;nstlerinnen werden nur ernst genommen, wenn sie krass ausrasten und kein Kind haben &amp;ndash; so wie Isa Genzken. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Isa Genzken wird gar nicht mehr als Frau wahrgenommen. Sondern nur als wahnsinniges Genie. Erfolgreiche K&amp;uuml;nstlerinnen sind alle verr&amp;uuml;ckt. Frida Kahlo, Sophie Calle. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Was ist mit Rosemarie Trockel? Tracey Emin &amp;ndash; auch kein Kind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Ich lese gerade das Buch von Bascha Mika &amp;uuml;ber die Feigheit der Frauen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Das liest du? Ich habe keine Lust, mich von einer Frau so anblaffen zu lassen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Ich finde, sie hat keine Antworten. Man kann nicht nur mit dem Zeigefinger winken: Ihr Tussis, ihr wollt Kinder und verliert eure Unabh&amp;auml;ngigkeit. Wenn ich f&amp;uuml;r ein Kind meine Arbeit reduziere, bin ich dann feige?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Frauen m&amp;uuml;ssen sich, egal was sie machen, rechtfertigen. Immer.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Und jetzt auch noch vor Frauen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Frauen unterst&amp;uuml;tzen Frauen nicht. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Da dr&amp;uuml;ben in der Wohnung l&amp;auml;uft ein Mann nackt herum. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Wo ist meine Brille? Fleisch- oder Blutpenis?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Was ist das? Der schaut fern. Nackt. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Jetzt cremt er sich ein. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Hey, wir waren dabei, dass Frauen sich gegenseitig nicht unterst&amp;uuml;tzen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Kommt, lasst uns essen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Bea, deine Bolognese ist der Hammer! Du hast gewonnen. Nieder mit der Worcestersauce.&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Die feministische Theorie sagt: Stutenbissigkeit kommt daher, dass Frauen einander nicht &amp;uuml;berfl&amp;uuml;geln d&amp;uuml;rfen. Ein braves M&amp;auml;dchen f&amp;auml;llt nicht zu positiv auf. Ein Junge wird dazu erzogen, herauszustechen. Wir Frauen beobachten uns sehr genau. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Meinst du, dass die M&amp;auml;dchen heute noch so erzogen werden? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Jungs haben dieses Kumpelding, ohne Scheu. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Da schreibt einer eine Rezension &amp;uuml;ber das Buch seines besten Freundes &amp;hellip;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: &amp;hellip;  mit dem er st&amp;auml;ndig rumh&amp;auml;ngt. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: W&amp;uuml;rden M&amp;auml;nner sagen, was f&amp;uuml;r eine Vetternwirtschaft, wenn Frauen das so machen w&amp;uuml;rden? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Wahrscheinlich nicht. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Warum machen wir es nicht so? Damit wir unseren feinen Charakter behalten?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Wir sollten es besser machen. So, dass niemand was merkt. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Aber dann merkt eben auch keiner was. Gemma: Stimmt. M&amp;auml;nner denken anders, und das ist nicht nur negativ gemeint. Wir sind manchmal zu kompliziert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Von wegen feiner Charakter. Ich habe eine Freundin, die voll gearbeitet hat und eine Fernbeziehung f&amp;uuml;hrte. Jedes Wochenende hat sie bei ihrem Freund erst mal sch&amp;ouml;n das Bad geputzt. Und die K&amp;uuml;che. Ich habe sie immer gefragt: Warum machst du das?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Weil sie sich in der vollgekr&amp;uuml;melten K&amp;uuml;che kein Brot schmieren wollte. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Aber das geht doch nicht. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Meinem Mann ist es auch wurscht, ob &amp;uuml;berall Zeug rumliegt. Aber mich st&amp;ouml;rt&amp;rsquo;s. Also muss ich es wegmachen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Mit meinem Exfreund war das so: Der hat mal einen Teller mit in die K&amp;uuml;che genommen, aber im Bad hat er nichts gemacht, nichts. Dann habe ich ihn darauf angesprochen. Er hat gesagt: Das Bad putzt er nicht. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Prima. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Ich bin ganz ruhig geblieben und habe gesagt: Gut, dann wirst du hier nie wieder auf die Toilette gehen. Riesenstreit, er raus gerannt, eine Stunde sp&amp;auml;ter kam er mit dicken Gummihandschuhen zur&amp;uuml;ck und hat das Klo geputzt. Es ging sehr gut. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Dann habe ich die Weichen zu sp&amp;auml;t gestellt. Aber was, wenn es seine Wohnung ist? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Da kann man nat&amp;uuml;rlich nicht sagen, du kannst hier nicht mehr aufs Klo gehen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Wenn mein Mann putzt, was selten ist, putzt er &amp;uuml;brigens viel besser als ich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Aber will man das? Wenn ich zu meinem Mann sage, kehr bitte schnell die K&amp;uuml;che, sehe ich ihn zehn Minuten sp&amp;auml;ter den Ofen abschrauben. Davon habe ich nichts. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Oder er h&amp;auml;ngt mit Q-tips hinter der Heizung. Nicht zu gebrauchen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Kann ich mal die Nummer haben? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: &amp;Uuml;brigens, M&amp;auml;nner und Klos: Warum gehen M&amp;auml;nner stundenlang aufs Klo? Oder findet ihr das Thema bl&amp;ouml;d?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Sie haben keine Skrupel dabei. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Und zwar mit der Zeitung, die andere auch noch lesen wollen. Sogar in B&amp;uuml;ros. &lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Es ist der einzige Ort, an dem man ungest&amp;ouml;rt sein kann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Aber man geht ja hin, damit etwas Bestimmtes passiert. Wie lange m&amp;ouml;chte man mit dem, was passiert, in einem Raum sein?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Ist doch eine gro&amp;szlig;e Leistung. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Und, um es mal konkret zu sagen, sie schei&amp;szlig;en sich nichts. Selbst wenn man frisch verliebt ist, schnappt sich der Typ was zu lesen und kommt eine dreiviertel Stunde sp&amp;auml;ter wieder. Ich w&amp;uuml;rde alles daf&amp;uuml;r tun, das in 45 Sekunden &amp;uuml;ber die B&amp;uuml;hne zu bringen, damit er nicht denkt, ich war gro&amp;szlig; auf dem Klo. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Das Thema kennt jede Frau &amp;ndash; aber es gibt keinen Roman dar&amp;uuml;ber, keinen Film, kein Theaterst&amp;uuml;ck.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Doch, bei &lt;em&gt;Sex and the City. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ich meine, nicht bei Hemingway. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Verlorene Handys, verpasste Chancen und verquere Anspr&amp;uuml;che&quot;]&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/32432.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Photocase/Jala)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Ich finde, wir sollten mal &amp;uuml;ber Eifersucht reden. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Das ist f&amp;uuml;r mich, als w&amp;uuml;rde jemand vorschlagen, lass uns doch mal &amp;uuml;ber den Amerikanischen B&amp;uuml;rgerkrieg sprechen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Weil es so weit weg ist f&amp;uuml;r dich?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Wenn man nicht verliebt oder in einer Beziehung ist, erscheint einem Eifersucht absurd. Aber man wei&amp;szlig; nat&amp;uuml;rlich, dass man da wieder hinwill: zu den gro&amp;szlig;en Gef&amp;uuml;hlen. Wenn man liebt, ist man so voll davon. Wenn man nicht liebt, ist man wie ein kalter Fisch. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Wenn ich krass verliebt bin, f&amp;uuml;hle ich mich schlimm. Meine Kontrolle geht &amp;uuml;ber Bord, ich mag das gar nicht. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Man w&amp;uuml;rde sterben, wenn man &amp;uuml;ber sehr lange Zeit so verliebt w&amp;auml;re: Das kann der K&amp;ouml;rper gar nicht aushalten. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ich bin schon lange nicht mehr verliebt gewesen. Und man stellt sich dann Fragen wie: Bin ich noch f&amp;auml;hig zu solchen Gef&amp;uuml;hlen? Und: W&amp;uuml;rde es jemanden interessieren, wenn ich sterben w&amp;uuml;rde? W&amp;uuml;rde es mich &amp;uuml;berhaupt interessieren? Nichts bringt so sehr Sinn ins Leben wie die Liebe. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Gibt es M&amp;auml;nner in eurem Leben, von denen ihr sagt: Ach, damals habe ich das nicht erkannt und mich getrennt, aber heute w&amp;uuml;rde ich mich f&amp;uuml;r ihn entscheiden?  &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Ich frage mich eher r&amp;uuml;ckblickend: Was habe ich mir denn dabei gedacht?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Da bin ich schon froh, dass dieser Stress f&amp;uuml;r mich vorbei ist.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Aff&amp;auml;ren sind Stress. Unvergessen, wie ein gut aussehender, intelligenter Mann im Bett verliert &amp;ndash; weil sein Gesicht pl&amp;ouml;tzlich so bl&amp;ouml;d aussieht.  &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Mach doch die Augen zu. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Manchmal kommen bl&amp;ouml;de Ger&amp;auml;usche dazu. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Oder sie sagen dumme Sachen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Die Wohnung kann auch schlimm sein. Ein Mann hatte mir erz&amp;auml;hlt, er sei Weihnachtsfan. Das ist ja erst mal nicht schlimm, denkt man. Aber als ich in die Wohnung kam, habe ich verstanden. Ich habe noch nie so viele Krippen gesehen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Das zum Thema Gleichberechtigung. M&amp;auml;nner d&amp;uuml;rfen so was nicht. M&amp;auml;dchen schon. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Rosenbl&amp;auml;tter auf dem Tisch und Shrimpscocktail k&amp;ouml;nnen auch problematisch sein. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Oder zusammen baden bei Kerzenlicht mit Sektglasgeklimper. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Interessant auch, dass man an der Wohnung eines Mannes gut erkennen kann, ob er in letzter Zeit Sex hatte. Wenn 20 wei&amp;szlig;e Stumpenkerzen ums Bett herum stehen, die schon gebrannt haben. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Weil sie denken, dass Frauen das total h&amp;uuml;bsch finden. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Mir hat mein erster Freund so ein Rosengebinde von der Tankstelle geschenkt. Dann lieber gar nichts. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Kann jemand B&amp;auml;rengras verbieten, f&amp;uuml;r immer? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Und wenn der Typ anruft, was sagt ihr dann?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: I beg your pardon, I never promised you a rose garden. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Ich habe immer gesagt, die ist leider gerade nicht da. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Vielleicht muss man an dieser Stelle klarmachen: Wenn eine Frau zum vierten Mal nicht ans Telefon geht &amp;ndash; versuch&amp;rsquo;s nicht weiter. Warum begreifen M&amp;auml;nner das nicht? Das ist doch viel feiner ausgedr&amp;uuml;ckt, als zu sagen: H&amp;ouml;r mal, ich bin nicht in dich verliebt. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Neulich hat ein Mann st&amp;auml;ndig bei mir angerufen, ich bin nicht drangegangen. Dann habe ich ihn irgendwo getroffen, und er sagt: Hey, ich hab neulich ein paar Mal versucht, dich anzurufen. Aber du bist nicht drangegangen! Ich: &amp;Auml;h &amp;hellip;ja? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Wenn ich einem Mann eine SMS schreibe, und er antwortet nicht, wei&amp;szlig; ich doch Bescheid. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Aber vielleicht ist ja das Netz zusammengebrochen! &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ja, klar. Oder New York ist abgebrannt. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Oder er hat sein Handy verloren!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Sollen wir uns r&amp;uuml;ber auf die Sofas setzen? Mag jemand einen Obstler? Meine letzte Erfahrung: Ich rufe einen Typ nach zwei Wochen Sendepause an, und er sagt, sorry, mein Therapeut hat mir abgeraten, dich wiederzusehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Haben jetzt alle Schnaps?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Wolltet ihr das eigentlich immer? Kinder und heiraten? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Bei wem ist denn das so?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ich wollte das immer. Aber es ist irgendwie an mir vorbeigerutscht. Und heute denke ich: Jetzt muss ich irgendwie umdisponieren! Aber was ist der neue Lebensentwurf?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Was jeder rausfinden muss, ist doch: Was entspricht mir am meisten? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Aber wie findest du das raus? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Es kommt eh anders, als du denkst. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ich bin ja viel mit Frauen zusammen, die das auch vercheckt haben. Da muss man sich was Neues suchen. Ich kann nicht mal sagen, dass ich ungl&amp;uuml;cklich bin ohne Kinder. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Aber du denkst, es fehlt was?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Nein, ich denke, es wird einem st&amp;auml;ndig eingebl&amp;auml;ut zu denken, dass etwas fehlt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Mir fehlt nichts. Auch wenn ich nat&amp;uuml;rlich gestartet bin mit dem Vorhaben: heiraten und Kinder. Und dann hab ich geheiratet und wollte Kinder und dann ist nichts weitergegangen. Und ich kann damit hervorragend leben. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Wirklich?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Das ist nicht f&amp;uuml;r alle Frauen ein Drama. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ein anderes Leben kommt auch in Frage! &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: M&amp;auml;nner in solchen Situationen entscheiden sich daf&amp;uuml;r, eine krasse Karriere &lt;br /&gt; zu machen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Wir k&amp;ouml;nnen auch eine krasse Karriere machen. Aber: Was ist eine krasse Karriere? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Die richtige Karriere w&amp;auml;re eine Chefposition. Aus M&amp;auml;nnersicht. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Aber aus Frauensicht? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Jetzt mal ohne Kindergedanken: Aus Frauensicht ist die Chefposition vielleicht nicht so attraktiv. Aus M&amp;auml;nnersicht ist sie das auf jeden Fall. Mit nur wenigen Ausnahmen.  &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Es gab mal eine Umfrage bei Hoechst. Was ist Ihnen am wichtigsten im Beruf? Bei M&amp;auml;nnern waren es die Karriere, das soziale Ansehen des Jobs und Geldverdienen. Bei Frauen sollte der Job mit Familie vereinbar sein, mit Menschen zu tun haben und Spa&amp;szlig; machen. Keine &amp;Uuml;bereinstimmung. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: F&amp;uuml;r uns bedeutet Karriere vielleicht etwas anderes: eine Art Erf&amp;uuml;llung. Wenn eine Marketingfrau ein Yogastudio aufmacht. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: F&amp;uuml;r M&amp;auml;nner w&amp;auml;re das ein Abstieg. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Da wird die Quotendiskussion interessant. Bis du nach oben kommst, musst du die M&amp;auml;nnerspiele spielen. Und welche Frau will das? Diese 16-Stunden-Tage? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ich w&amp;uuml;rde das schon machen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Frauen sollen zu klug sein, um die ganz hohen Positionen anzustreben. Vielleicht ist das ja feige?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Meine Eltern haben nie gesagt: Du musst das und das tun. Trotzdem fielen immer wieder S&amp;auml;tze wie: &amp;raquo;Wenn du mal heiratest und Kinder kriegst &amp;hellip;&amp;laquo; Und so habe ich immer gedacht, dass ich Kinder haben m&amp;ouml;chte und heiraten, im wei&amp;szlig;en Kleid. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Als ich 20 war, gab es niemanden in meinem gesamten Umfeld, der Kinder wollte.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Man wollte auf keinen Fall Kinder! &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Null! Wir wollten Partys feiern.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Und jetzt ist das Kinderkriegen schick geworden. Ich habe schon den Eindruck, dass die Jugendlichen heute viel &amp;hellip;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: &amp;hellip; spie&amp;szlig;iger sind.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: W&amp;uuml;rde ich gar nicht so bewerten. F&amp;uuml;r mich war es ein schlimmes Bild, wenn ein Paar samstags mit dem Kinderwagen am Flussufer entlanglief. Was ja heute cool ist.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Meine Mutter kotzt, wenn sie Leute sieht, die sich verloben. Sie sagt: Wir haben dagegen gek&amp;auml;mpft! Was sollen diese R&amp;uuml;schenkleidchen und Kutschenfahrten? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Neulich war ich eingeladen, da ging&amp;rsquo;s nur darum: Wie sieht die aus? Hat die mehr geschafft als ich? Guck mal, mein Verlobungsring! &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Meine Eltern sind heute ungl&amp;uuml;cklich, dass ich nicht verheiratet bin und keine Kinder habe. Aber sie haben mich genau dahin erzogen: Mach, was du machen m&amp;ouml;chtest. Du hast alle M&amp;ouml;glichkeiten! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Eltern sein und &amp;auml;lter werden&quot;]&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/32431.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;(Photocase/Froodmat)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Manchmal denke ich, dass ich froh sein kann, dass die Ehe meiner Eltern eine Katastrophe war. Weil ich nicht den Anspruch habe, eine perfekte Partnerschaft f&amp;uuml;hren zu m&amp;uuml;ssen. Die Eltern meiner besten Freundin halten immer noch H&amp;auml;ndchen. F&amp;uuml;r sie die H&amp;ouml;lle, weil sie es nicht hinkriegt. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Die Chance, dass sie das hinkriegt, ist aber gr&amp;ouml;&amp;szlig;er als bei dir. Statistisch betrachtet sind Kinder aus gl&amp;uuml;cklichen Ehen eher in der Lage, gl&amp;uuml;ckliche Beziehungen zu f&amp;uuml;hren, als Kinder aus kaputten Ehen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ich glaube, wenige Leute haben das Gl&amp;uuml;ck, jemanden zu finden, mit dem sie es ein Leben lang aushalten. Und es sch&amp;ouml;n ist.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Ist ja auch was Tolles, aber es ist keine Katastrophe, wenn es nicht so ist.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Nee, sagt ja auch niemand. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Das sagt schon jemand. Alle finden es erstrebenswert, mit einem einzigen Partner das Leben zu verbringen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Eins der besten B&amp;uuml;cher, die ich gelesen habe, ist von Rona Jaffe: Frauen in der Verlagswelt der F&amp;uuml;nfzigerjahre. Mein Lieblingssatz: &amp;raquo;Carol, I think you want to have a conventional life with someone unconventional.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Super Satz. Finde ich mich wieder. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ich mich auch. Trifft die Sache. Bei mir zu Hause hie&amp;szlig; es: Was willst du werden? Was willst du studieren? Wohin willst du beruflich? Meine Mutter dachte, das mit der Familie passiert von allein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Ich wurde mit 27 noch gefragt: Verh&amp;uuml;test du denn auch? Da h&amp;auml;tte man ja auch schon Kinder kriegen k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: F&amp;uuml;r meine Mutter w&amp;auml;re das Schlimmste gewesen, was mir h&amp;auml;tte passieren k&amp;ouml;nnen, fr&amp;uuml;h schwanger zu werden. Weil sie mit 18 ihr erstes Kind bekommen hat.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Unvorstellbar f&amp;uuml;r uns: Mit 18 das erste Kind und von da an immer Sex mit demselben Mann. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Wenn&amp;rsquo;s gut ist?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Na ja, aber wei&amp;szlig; man das dann?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Ja, ich glaube schon.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Man muss erst mal herausfinden, was man gut findet &amp;ndash; oder? Man muss Vergleichsware anschauen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Ich glaube, man wei&amp;szlig; auch ohne Vergleich, ob&amp;rsquo;s gut ist. One-Night-Stands sind ja oft kein guter Sex.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Die Trefferquote ist nicht so hoch. One-Night-Stands funktionieren &amp;uuml;berhaupt nur, wenn du einen im Tee hast.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Nat&amp;uuml;rlich. Nur!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Ich hatte mal Sex &amp;ndash; einen der besten Sexe &amp;ndash; oder was sagt man da?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Okay, jetzt kommt der beste Sex von jedem von uns. Habt ihr den besten Sex mit einer festen Beziehung gehabt oder mit einem anderen Mann?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Mit einem anderem.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Du willst sagen, in einer Beziehung ist der Sex nicht so gut wie bei einem kleinen Ausrutscher?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Ich hatte den besten Sex mit jemandem, in den ich mal verliebt war, aber zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Die weltber&amp;uuml;hmte Abschiedsnummer. Das hat man oft. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Bei mir war der beste Sex schon mit festen Freunden. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Ganz schlimm ist halt, wenn die Typen keine Ahnung haben. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Es hat ja witzigerweise kaum ein Mann eine Ahnung, wie eine Frau funktioniert. Anatomisch. Wie Orgasmen funktionieren, vaginal, klitoral. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Das macht ja nichts &amp;ndash; aber ich!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Ich auch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Ich muss mal sagen, dass man das den M&amp;auml;nnern ganz gut beibringen kann.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Du kannst jetzt sofort in dein Esoterik-Lager zur&amp;uuml;ckkehren! &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Ich habe auch M&amp;auml;nner kennengelernt, die Ahnung hatten von Frauen und Sex.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ja gut, ich auch ein, zwei. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Man kann ja mal eine Mitteilung machen: W&amp;uuml;rdest du mal bitte..? Nein, nicht ins Ohr!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Das ufert dann aber in so ein Ehrgeizprojekt aus.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Und am Ende denken sie noch: Heute Nacht finde ich den G-Punkt.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Oh je. Dieser saudumme G-Punkt.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Schei&amp;szlig;erfindung! &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: War das nicht Kinsey?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Ich glaube, das war fr&amp;uuml;her. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ich meine nicht den Unternehmensberater, sondern den Sexberater.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Ist doch gro&amp;szlig;artig, wie die M&amp;auml;nner ihr Becken hochheben und denken, da muss er doch sein. Da m&amp;ouml;chte man sagen: Entspann dich mal, damit es keinen Beckenbruch gibt!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ich glaube, dass man seinem Freund, den man liebt, solche Sachen nicht sofort sagen m&amp;ouml;chte. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Doch. Mit denen redet man doch. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Bei anderen Typen sagt man halt: Jetzt h&amp;ouml;r auf mit dem Schei&amp;szlig;! Ich wollte zu meinen Freunden nicht so grob sein. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Na ja, aber ehrlich gesagt, wenn man l&amp;auml;nger als ein halbes Jahr mit jemandem zusammen ist &amp;ndash; das hat ja mit Grobheit nichts zu tun. Dann spielt man sich doch ein. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Aber ich meine, ist das guter Sex, im Sinne von richtig guter Sex?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Ich hatte erst einen One-Night-Stand.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Und dann folgte dieser gr&amp;auml;ssliche, dieser grauenhafte Morgen! &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Was ist ein richtiger One-Night-Stand?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Eine Nacht mit einem Mann. Und nie wieder eine Nacht mit diesem Mann. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Meinen One-Night-Stand kannte ich schon relativ lange. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Darf sich ein klassischer One-Night-Stand zutragen und dann ein halbes Jahr sp&amp;auml;ter noch einmal? Gilt das?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Es gibt Leute, die einfach nur jemanden aufgreifen und dann &amp;hellip;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Gro&amp;szlig;artig! Da springt dann noch ein Triebt&amp;auml;ter dabei raus!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Aber kennst du sie nun oder nicht?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Nein, die kennt man nicht! Und man will die auch gar nicht kennen! &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Ich kannte den schon l&amp;auml;nger, und als meine erste Ehe zerbrach, dachte ich: &lt;br /&gt; Wollen wir doch mal sehen &amp;ndash; ich kann das auch! Und habe auch einen grauenerregenden Morgen erlebt.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Das ist Teil des One-Night-Stands. Ein grauenhafter Morgen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Das hat dann meinen Appetit darauf relativ einged&amp;auml;mmt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ich kann &amp;uuml;berhaupt keinen Sex mehr haben, weil es nur noch Stress ist. Verh&amp;uuml;tung, und all das Gesundheitszeug. HIV! Hepatitis C! So ein Stress! &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Wie w&amp;auml;re es mit Kondom?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Stress! Das k&amp;ouml;nnen ja die meisten M&amp;auml;nner nicht. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Das ist eines meiner Lieblingsthemen. Typen, die sich niemals Gedanken machen dar&amp;uuml;ber, was Geschlechtsverkehr m&amp;ouml;glicherweise ausl&amp;ouml;st. Das ist Wahnsinn! Da erz&amp;auml;hlen sie dir beim Abendessen, dass ihre Freundin ihnen ein Kind angeh&amp;auml;ngt hat. Und dann schlafen sie mit dir und machen sich wieder keine Gedanken. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Du musst in andere Kreise.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Wor&amp;uuml;ber, glaubt ihr, w&amp;uuml;rden sich M&amp;auml;nner jetzt unterhalten? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Sie w&amp;uuml;rden pokern. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Spr&amp;uuml;che machen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Wir k&amp;ouml;nnen ja &amp;uuml;ber Sch&amp;ouml;nheit reden. Wer hat schon gebotoxt? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Da bin ich raus aus dem Thema. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Noch. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Wei&amp;szlig;t du, dass du schuld bist, dass ich fr&amp;uuml;h mit Augencremes angefangen habe? Weil du gesagt hast, damit kann man nicht fr&amp;uuml;h genug anfangen. Die teure Augencreme ist mir am ersten Abend gleich aufs Waschbecken geknallt und ist bis zur Decke gespritzt, weil meine Hand vor Ehrfurcht so zitterte. Da kleben heute noch 20 Euro.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: 20? Das war keine gute Creme. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Ich wei&amp;szlig; nicht, warum macht man so Sachen wie Botox? Oder ins Fitnessstudio laufen wie verr&amp;uuml;ckt? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Schatz, du hast noch nie Jugend verloren. Du hast noch nie im Spiegel gesehen, dass du alterst. Wenn du das zum ersten Mal begreifst &amp;ndash; ogottogottogott. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Bei mir ist das ganze System zusammengebrochen, als ich 30 wurde. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Ich dachte, man w&amp;uuml;rde auch was gewinnen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Aber man verliert vor allem. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Wie sagt Lagerfeld? Altern ist nichts f&amp;uuml;r Feiglinge? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Er sagt: Jugend ist die gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Gemeinheit dem Alter gegen&amp;uuml;ber. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Aber es ist durch nichts aufzuhalten. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;: Es ist zu verlangsamen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ach, es ist doch alles ganz einfach geworden: Du kannst dir die Z&amp;auml;hne sch&amp;ouml;n machen, ein bisschen Hyalurons&amp;auml;ure &amp;hellip;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Und was w&amp;uuml;rde es ver&amp;auml;ndern? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Was ver&amp;auml;ndert es, wenn ich Chanel-Schuhe kaufe? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Mir geht die Selbstoptimierung total auf den Geist. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Das machen wir doch jeden Tag. Selbstoptimierung ist das Ziel unserer Zeit. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Jetzt trinken wir noch mal sch&amp;ouml;n ein Schn&amp;auml;pschen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Ich verstehe immer noch nicht: Warum definieren Frauen ihr Gl&amp;uuml;ck &amp;ndash; egal jetzt ob Heirat oder Kinder &amp;ndash; &amp;uuml;ber M&amp;auml;nner? Oder &amp;uuml;ber Beziehungen? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ich bin raus aus der Nummer. Ich kann nicht mehr darauf warten, dass mir irgendein Mann Gl&amp;uuml;ck beschert. Ich bin jetzt f&amp;uuml;r mein Leben selbst verantwortlich. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Man hat doch immer die Hoffnung. &lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Klar w&amp;uuml;nscht man sich das. Wenn&amp;rsquo;s gut l&amp;auml;uft, ist es ja auch wundervoll.  &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Aber warum glaubt man, dass das Gl&amp;uuml;ck mit einem Mann zusammenh&amp;auml;ngt? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Bei mir ist es zum ersten Mal anders: zum ersten Mal keine Sehnsucht nach Zweisamkeit. &lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Delia&lt;/strong&gt;: Das liegt wohl daran, dass du gerade aus einer Geschichte rausgekommen bist.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Sonst war das immer anders. Ich habe gedacht: Schon wieder was in den Sand gesetzt! Ich wollte Erl&amp;ouml;sung: schnell was Neues. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Also, ich denke manchmal sogar: Super &amp;ndash; den ganzen Samstag nichts! Und den Sonntag auch! Das w&amp;auml;re f&amp;uuml;r mich fr&amp;uuml;her Horror gewesen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Ich kann um zehn ins Kino gehen. Ich kann&amp;rsquo;s auch lassen. Mal gucken, ob ich was esse oder was ich esse. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Ich bin genau bei dir. Ich konnte zum Beispiel noch nie gut mit meinem Freund zusammen nach Hause gehen, wenn wir aus waren. Einer will immer l&amp;auml;nger bleiben. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;: Auch so ein Beziehungsirrtum, immer zusammen nach Hause gehen zu m&amp;uuml;ssen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;: Haben wir jetzt nur &amp;uuml;ber Kerle gesabbelt oder waren auch kluge Themen dabei?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;: Es &amp;auml;rgert mich, dass man sich &amp;uuml;ber so was &amp;uuml;berhaupt Gedanken macht: Wir k&amp;ouml;nnen doch einen Abend nur &amp;uuml;ber Typen reden, wenn wir schon mal zusammensitzen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;: Dann besprechen wir die klugen Themen eben beim n&amp;auml;chsten Mal.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Alma&lt;/strong&gt;, Mitte 30, seit eineinhalb Jahren keine Beziehung, kein Kind, Hang zu lauter Musik, ihrem iPhone und Facebook, hat dort aber noch nie etwas gepostet. Mag Joan Didion und h&amp;auml;tte gern eine Dunstabzugshaube.&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt; &lt;em&gt;&lt;strong&gt;Bea&lt;/strong&gt;, Anfang 50, verheiratet, kein Kind, denkt h&amp;auml;ufig, aber nicht ernsthaft &amp;uuml;bers Botoxen nach. Liebt superpeinliche Kosenamen f&amp;uuml;r ihren Mann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Delia&lt;/strong&gt;, Mitte 20, Single, keine Kinder, offenes Faible f&amp;uuml;r Neunzigerjahre- Dancefloormusik, Eier im Glas und den Wald.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Elsie&lt;/strong&gt;, Anfang 30, Single, keine Kinder, schenkt sich gern selbst Blumen und steht auf Gin Tonic. K&amp;ouml;nnte aber auch mal weniger davon trinken. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Gemma&lt;/strong&gt;, in ihren Vierzigern, verheiratet, zwei Kinder, liebt die Bunte, Die Geissens auf RTL 2 und verehrt Bruno Ganz. FC-Bayern- und Jil-Sander-Fan.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Zeta&lt;/strong&gt;, 50, hat ihre zweite gro&amp;szlig;e Liebe gerade hinter sich, ein Kind, hasst Bruno Ganz. Raucht immer noch, aber nur mit Alkohol. &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Spaghetti Bolognese alla Bea&quot;] &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/32434.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;(Photocase/Pellegrina)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das unwiderstehliche Bolognese-Rezept von Bea:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Spaghetti Bolognese:&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1,5 kg Rinderhackfleisch &lt;br /&gt;drei Karotten &lt;br /&gt;drei Stangen Sellerie &lt;br /&gt;drei Zwiebeln&lt;br /&gt;Rinderbr&amp;uuml;he &lt;br /&gt;eine halbe Tube Tomatenmark &lt;br /&gt;drei Knoblauchzehen &lt;br /&gt;ein Bund Petersilie &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hackfleisch anbraten. Kleingehackte Zwiebeln und Tomatenmark dazugeben, mit Br&amp;uuml;he aufgie&amp;szlig;en. Kleingehacktes Gem&amp;uuml;se dazugeben. Das Ganze dann anderthalb Stunden k&amp;ouml;cheln lassen. Zum Schluss die kleingehackte Petersilie untermischen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer m&amp;ouml;chte, kann auch die H&amp;auml;lfte des Hackfleischs durch Salsicce oder Lammhackfleisch ersetzen. Bei Salsicce w&amp;auml;re etwas Fenchelsamen dazu lecker.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die ungeschminkte Wahrheit</dc:subject>
    <dc:creator></dc:creator>
    <dc:date>2011-03-03T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/34789">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/34789</link>
    <title>Wir brauchen sie</title>
    <description>&lt;p&gt;Aus der ganzen Welt kommen Frauen zu uns, um hier als M&amp;auml;dchen f&amp;uuml;r alles zu arbeiten, oft illegal, oft schlecht behandelt, fast immer schlecht bezahlt. Portr&amp;auml;t einer weltweiten Industrie, der Nanny-Industrie.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;Der tote Winkel der Statistik: In der Anonymit&amp;auml;t der Gro&amp;szlig;st&amp;auml;dte dieser Erde arbeitet eine riesige Industrie, &amp;uuml;ber die wir nicht viel mehr wissen, als dass sie unaufh&amp;ouml;rlich weiterw&amp;auml;chst und in vielen L&amp;auml;ndern l&amp;auml;ngst unentbehrlich ist, systemrelevant, wie es in der Bankenbranche hei&amp;szlig;t &amp;ndash; die Nanny-Industrie, das Gesch&amp;auml;ft mit den neuen Dienstm&amp;auml;dchen. Der Markt funktioniert simpel: Frauen aus armen L&amp;auml;ndern betreuen in reichen L&amp;auml;ndern Kinder und Alte, verdienen so mehr Geld, als es zu Hause je m&amp;ouml;glich w&amp;auml;re, schicken gro&amp;szlig;e Teile ihres Lohns in die Heimat und sind daher in beiden L&amp;auml;ndern zu einem wichtigen volkswirtschaftlichen Faktor geworden.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bis vor einigen Jahren verlie&amp;szlig;en fast nur M&amp;auml;nner Heimat und Familie, um im Ausland Geld zu verdienen, im Stra&amp;szlig;enbau oder auf dem Feld. Nun aber machen sich Frauen auf den Weg um die halbe Welt, um in der Betreuungsindustrie zu arbeiten; F&amp;uuml;rsorge und Liebe gelten als weibliche Dom&amp;auml;ne, und daf&amp;uuml;r bezahlen die Menschen in den Industriestaaten: weil die Betreuung von Kindern und Alten oft nicht mehr anders zu organisieren ist; weil V&amp;auml;ter sich noch immer zu wenig um Kinder und Haushalt k&amp;uuml;mmern, weil moderne Arbeitszeiten sich immer weniger mit st&amp;auml;dtischen Krippen&amp;ouml;ffnungszeiten decken. Und weil Betreuung durch Einheimische zu teuer ist, besonders bei der Pflege. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Kristina, 26, aus Moldawien arbeitet in Frankreich&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Ich bin in einer moldawischen Kleinstadt geboren, meine beiden Eltern sind Bauarbeiter. Nach dem Studium habe ich an der Universit&amp;auml;t Englisch unterrichtet, f&amp;uuml;r knapp 20 Euro im Monat. Vor zwei Jahren fuhr ich mit einem Freund nach Paris. Als mein zehnt&amp;auml;giges Schengen-Visum ablief, bin ich einfach dort geblieben. Ich habe schnell Arbeit als Putzfrau und Babysitterin gefunden. Vielen Familien sind Schwarzarbeiter, wie ich, lieber, weil sie billiger sind. F&amp;uuml;rs Putzen bekam ich anfangs acht Euro pro Stunde, f&amp;uuml;rs Babysitten 500 Euro im Monat. Das Schwierigste war, meinen Stolz zu &amp;uuml;ber-winden: Ich wollte eigentlich promovieren und B&amp;uuml;cher schreiben. Stattdessen koche ich Brei f&amp;uuml;r fremde Kinder. Aber ich habe meine Wahl selbst getroffen. Manchmal habe ich trotzdem das Gef&amp;uuml;hl, dass ich mich verloren habe. Ich habe Angst. Aber ich will nicht zur&amp;uuml;ck nach Moldawien. Ich werde Geld nach Hause schicken, sobald ich genug verdiene. Irgendwann.&amp;laquo;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Osteuropa gibt es l&amp;auml;ngst ganze D&amp;ouml;rfer ohne M&amp;uuml;tter und einen stehenden Begriff f&amp;uuml;r die zur&amp;uuml;ckgelassenen Kinder: EU-Waisen. Allein in Rum&amp;auml;nien haben laut UNICEF rund 350 000 Kinder einen im Ausland arbeitenden Elternteil, und 126 000 Kinder vermissen sogar beide. Dort h&amp;auml;ufen sich Selbstmorde von Kindern, die in ihren Abschiedsbriefen schreiben, wie sehr ihnen die Mutter fehlt, allein f&amp;uuml;r die Jahre 2006 und 2007 sind 19 solcher F&amp;auml;lle dokumentiert. Die V&amp;auml;ter f&amp;uuml;llen selten die L&amp;uuml;cken, die ihre Frauen hinterlassen, eher suchen sie &amp;ndash; meistens arbeitslos und ihrer Rolle als Ern&amp;auml;hrer beraubt &amp;ndash; Trost im Alkohol. Im besten Fall ist dann eine Gro&amp;szlig;mutter da, im schlimmsten Fall: niemand. Oft ist die einzige j&amp;uuml;ngere Frau im Dorf, die geblieben ist, die Lehrerin.&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Swetlana, 27, aus der Ukraine, arbeitet in Polen&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;raquo;Manchmal denke ich, die Putzfrauen, die ich im Schwarzarbeiterbus von Lemberg nach Warschau treffe, haben es besser als ich: Die wohnen in Polen zwar zu sechst oder acht in einem Zimmer, aber wenn sie von der Arbeit zur&amp;uuml;ckkommen, ist Schluss. Und sie k&amp;ouml;nnen alle drei Monate nach Hause fahren. Ich aber habe nie Feierabend, nie Zeit, um Freunde in Polen kennenzulernen, weil ich meiner Arbeitgeberin 24 Stunden am Tag zur Verf&amp;uuml;gung stehe. Sie sitzt im Rollstuhl, und ich f&amp;uuml;hre den Haushalt, helfe ihr ins Bad und ins Bett. Wenn sie nachts um drei l&amp;auml;utet, muss ich sofort springen. Nach Hause zu meiner Mutter fahre ich nur einmal im Jahr, an Weihnachten. Ich habe Musik studiert und danach als Klavierlehrerin gearbeitet, aber davon kann man in der Ukraine nicht leben. Meine Arbeitgeberin sitzt fast den ganzen Tag vor dem Fernseher und will mit mir &amp;uuml;ber die Fernsehserien reden. Ich will noch ein Jahr in Warschau aushalten. Ich brauche das Geld, das ich verdiene, ich spare, ich will einmal eine Familie haben.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt; &lt;br /&gt; Auf den Philippinen hat inzwischen jedes dritte Kind eine &amp;raquo;Cell-Phone-Mum&amp;laquo;, eine &amp;raquo;Handy-Mutter&amp;laquo;. Dort gelten die nach Hause telefonierenden Dienstm&amp;auml;dchen l&amp;auml;ngst als &amp;raquo;nationale Heldinnen&amp;laquo;, die der Staat feiert und f&amp;ouml;rdert. Ebenso in Sri Lanka, wo es staatliche Kurse gibt mit Titeln wie &amp;raquo;Von Sri Lanka in die Toskana&amp;laquo;: Dabei erhalten die Frauen einen Italienischkurs sowie eine Ausbildung zur &amp;raquo;pers&amp;ouml;nlichen Pflegeassistentin&amp;laquo; und werden nach ihrer Ankunft in Italien weiterhin von staatlichen Organisationen betreut. Die Folge: Noch 1986 gingen in Sri Lanka gerade mal 5000 Frauen zum Arbeiten ins Ausland, heute sind es mehr als hunderttausend, die sich jedes Jahr dem Zug der Nannys anschlie&amp;szlig;en. Die Internationale Arbeitsorganisation glaubt, dass inzwischen weltweit &amp;raquo;mehrere zehn Millionen&amp;laquo; Frauen in Privathaushalten arbeiten, allein in Deutschland sollen es um die vier Millionen sein. Andere Statistiken sprechen von 1,5 Millionen in Saudi-Arabien, 660 000 in Kuwait und 200 000 im Libanon &amp;ndash; aber diese Zahlen sind so grau wie der Schatten der Illegalit&amp;auml;t, in dem viele dieser Frauen arbeiten. &lt;br /&gt;[Bild1=&quot;&quot;]&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Priya Sharma, 29, aus Nepal, arbeitet in Israel&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;raquo;Seit mein Vater nicht mehr bei uns lebt, bin ich das Familienoberhaupt und muss meine Mutter und vier j&amp;uuml;ngere Geschwister versorgen. Deswegen bin ich vor viereinhalb Jahren nach Israel gegangen. Ich habe 6000 Dollar an eine Agentur bezahlen m&amp;uuml;ssen f&amp;uuml;r das Visum und ein Flugticket, das Geld habe ich mir bei der Bank geliehen. Als wir ankamen, hat mich die Agentur mit zw&amp;ouml;lf anderen Nepalesen f&amp;uuml;r zwei Wochen in einem einzigen Zimmer eingesperrt. Erst als ich mit der Polizei gedroht habe, haben sie mich rausgelassen und mir einen Job gegeben: Ich musste eine alte Frau pflegen, sie war 97. Nach einem Jahr ist sie gestorben, und ich musste so schnell wie m&amp;ouml;glich eine neue Arbeit suchen, weil mein Visum ung&amp;uuml;ltig wird, sobald ich keine Arbeit habe &amp;ndash; und dann bin ich illegal. Im Augenblick pflege ich eine 87 Jahre alte Frau mit Hautkrebs. Ich bin gl&amp;uuml;cklich dort, ich bekomme den Mindestlohn gezahlt, 500 Euro. Fast alles schicke ich nach Hause. Heimweh habe ich jetzt nicht mehr. N&amp;auml;chstes Jahr m&amp;ouml;chte ich zur&amp;uuml;ck nach Nepal und Schauspielunterricht nehmen. Mein Traum ist Bollywood.&amp;laquo;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Wir brauchen sie&quot;]&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/29003.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Grob betrachtet, verl&amp;auml;uft die neue V&amp;ouml;lkerwanderung in f&amp;uuml;nf gro&amp;szlig;en Str&amp;ouml;men um den Globus: von Ost- nach Westeuropa, von S&amp;uuml;d- nach Nordamerika, von Nordafrika nach S&amp;uuml;deuropa, von S&amp;uuml;dasien in die Golfstaaten und von den Philippinen in die ganze Welt. Und immer dorthin, wo das Geld ist. Manchmal verlaufen die gro&amp;szlig;en Gr&amp;auml;ben zwischen Armut und Reichtum aber auch innerhalb eines Landes, wie in China.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Li, 46, aus Henan, arbeitet in Shanghai&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;raquo;Ich bin eine von Hunderttausenden von Kinderm&amp;auml;dchen in Shanghai, fast jeder Chinese, der es zu etwas gebracht hat, besch&amp;auml;ftigt jemanden wie mich. Die Leute dort arbeiten einfach zu viel, um sich auch noch um ihre Kinder zu k&amp;uuml;mmern. Ich bin sechs Tage die Woche von mittags bis abends bei meiner Familie, k&amp;uuml;mmere mich um den Kleinen, koche, putze und kaufe ein. Das Kind ist 19 Monate alt und besucht schon eine franz&amp;ouml;sische Krabbelgruppe. Mein Mann und ich leben seit sechs Jahren hier, er war Schweinez&amp;uuml;chter, doch dann wurde das Futter so teuer, dass wir den Hof aufgeben mussten. Jetzt putzt er in einem Restaurant. Wir sparen jeden Monat zwischen 350 und 470 Euro f&amp;uuml;r unsere Rente &amp;ndash; und f&amp;uuml;r unseren Sohn, wir wollen ihm sp&amp;auml;ter ein Studium erm&amp;ouml;glichen. Er lebt zurzeit in S&amp;uuml;dchina und baut in einer Fabrik Handys zusammen. Ich habe ihn seit zwei Jahren nicht gesehen.&amp;laquo;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Folge dieser Massenwanderungen nennen Fachleute &amp;raquo;Care Chain&amp;laquo;, Betreuungskette: Deutsche Familien holen sich billige polnische Nannys, polnische Familien greifen zu noch billigeren ukrainischen Nannys, und am Ende der Kette steht fast immer eine Familie, die das Fehlen der Mutter eben nicht mehr kompensieren kann. Eine andere Folge ist der &amp;raquo;Care Drain&amp;laquo;, die Abwanderung ausgebildeter Pflegekr&amp;auml;fte aus &amp;auml;rmeren Staaten, analog zum &amp;raquo;Brain Drain&amp;laquo;, der Abwanderung der kl&amp;uuml;gsten K&amp;ouml;pfe. Auf den Philippinen finden Krankenh&amp;auml;user seit Jahren kaum mehr qualifiziertes Personal, w&amp;auml;hrend mehr als 150 000 philippinische Krankenschwestern in der ganzen Welt arbeiten. &amp;Auml;hnliche Schwierigkeiten haben viele L&amp;auml;nder, s&amp;uuml;dlich der Sahara ziehen jedes Jahr 20 000 medizinische Fachkr&amp;auml;fte weg; dort gibt es kaum mehr medizinisches Personal. Und dabei arbeiten sehr viele abgewanderte &amp;Auml;rzte und Krankenschwestern im Ausland nicht einmal in ihren eigentlichen Berufen, sondern ganz banal und dennoch besser bezahlt &amp;ndash; im Haushalt. &lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Ani, 24, aus Armenien, arbeitet in der T&amp;uuml;rkei &lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;raquo;Ich bin seit dreieinhalb Jahren illegal hier in Istanbul und arbeite bei einer t&amp;uuml;rkischen Familie, ich k&amp;uuml;mmere mich um den kleinen Jungen. Die Familie ist sehr gut zu mir: 300 Euro verdiene ich im Monat, ein Vielfaches von meinem alten Lohn als Krankenschwester. In Armenien ging es uns schlecht &amp;ndash; eigentlich geht es dort allen schlecht. Die T&amp;uuml;rkei kannte ich aus dem Fernsehen, wir haben immer t&amp;uuml;rkische Sender geschaut, kennen alle t&amp;uuml;rkischen Popstars, singen ihre Lieder. Meine Freunde wollen alle raus aus Armenien. Nach Europa oder in die T&amp;uuml;rkei, Hauptsache weg. Das Ausland ist unsere Rettung, leider. Viele meiner Freundinnen haben ihr Kind schweren Herzens zu Hause gelassen und schicken jeden Monat ihr Geld nach Armenien. Manche haben auch ihr Kind hier in Istanbul dabei, aber wir sind alle illegal, und Kinder von Illegalen d&amp;uuml;rfen hier nicht zur Schule gehen. Die Regierung duldet uns zwar, aber wir m&amp;uuml;ssen immer auf der Hut sein. Besser nicht auffallen!&amp;laquo; &lt;/em&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; Das Gesch&amp;auml;ft mit den Illegalen am Beispiel Deutschland: Hier bekommt eine Kinderfrau, die schwarzarbeitet, etwa 500 Euro im Monat. Ihre Arbeitgeber sparen sich also alle Kosten f&amp;uuml;r Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung und den Urlaub &amp;ndash; sonst w&amp;auml;re sie f&amp;uuml;r die meisten Familien unbezahlbar. Der Markt funktioniert, weil in vielen L&amp;auml;ndern Europas 500 Euro im Monat oder drei Euro pro Stunde als gutes Durchschnittseinkommen gelten, in Serbien, Bosnien, Montenegro oder dem Kosovo etwa sind die L&amp;ouml;hne in vielen Ausbildungsberufen weit niedriger. Noch billiger &amp;ndash; und legal &amp;ndash; ist nur ein Au-pair-M&amp;auml;dchen, das kostet 2,16 Euro die Stunde, gleichzeitig ist das durchschnittliche Monatseinkommen in 98 L&amp;auml;ndern der Welt geringer als das eines Au-pairs in Deutschland.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Ariunzaya, 20, aus der Mongolei, arbeitet bei Augsburg&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;raquo;Seit ich als Kind die &lt;/em&gt;Sissi&lt;em&gt;-Filme gesehen habe, wollte ich unbedingt nach Deutschland, und ich w&amp;uuml;rde gern hierbleiben und in Berlin studieren. Ich liebe Deutsch-land, hier ist alles so, wie ich es mir vorgestellt habe, so gro&amp;szlig; und so sch&amp;ouml;n. Die Leute sind nett, sie haben Obstb&amp;auml;ume und lassen ihr Gep&amp;auml;ck im Zug allein stehen, und nichts passiert. Ich mag meine deutsche Gastfamilie und die beiden Kinder, auf die ich aufpasse. Erst hatte ich Angst, dass die Au-pair-Agentur vielleicht in Menschenhandel verwickelt sein k&amp;ouml;nnte, aber alles hat geklappt: Ich verdiene 260 Euro im Monat, und meine Gastfamilie bezahlt meinen Deutschkurs. Nur mongolische Musik kann ich nicht h&amp;ouml;ren, sonst bekomme ich Heimweh nach meiner Mutter.&amp;laquo;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; [seitenumbruch title=&quot;Wir brauchen sie&quot;]&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/29039.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; Die Volkswirtschaften vieler L&amp;auml;nder sind darauf angewiesen, dass die neuen Dienstm&amp;auml;dchen ihr Geld nach Hause schicken: Man sch&amp;auml;tzt, dass es 214 Millionen Migranten weltweit gibt, mehr als die H&amp;auml;lfte davon sind inzwischen Frauen. Alle 214 Millionen Migranten zusammen haben im vergangenen Jahr etwa 316 Milliarden Euro in ihre Heimat &amp;uuml;berwiesen, dreimal so viel, wie weltweit insgesamt f&amp;uuml;r Entwicklungshilfe ausgegeben wird. Und laut UNO &amp;uuml;berweisen Frauen weit mehr Geld in ihre Heimat als M&amp;auml;nner, wohl vor allem, weil sie nicht in Alkohol oder Bordellbesuche investieren. Wie wichtig diese Frauen also f&amp;uuml;r ihre Heimatl&amp;auml;nder sind, wird aus folgenden Zahlen deutlich: Die &amp;Uuml;berweisungen aus dem Ausland bringen Marokko und der Dominikanischen Republik mehr Geld als der Tourismus, Sri Lanka mehr als der gesamte Tee-Export und Mexiko fast so viel wie sein &amp;Ouml;l; noch drastischer ist es auf den Philippinen, wo die &amp;Uuml;berweisungen rund zehn Prozent des Bruttosozialprodukts ausmachen, etwa 30 Milliarden Dollar &amp;ndash; und Frauen stellen fast 70 Prozent der &amp;raquo;OFWs&amp;laquo;, der &amp;raquo;Overseas Filipino Workers&amp;laquo;. &lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Felicitas, 53, aus Mexiko, arbeitet in den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Seit mir letzte Woche mein Auto geklaut wurde, muss ich wieder um vier Uhr morgens aus dem Haus, damit ich mit dem Bus rechtzeitig um sieben bei meiner Arbeitsstelle bin. Ich wohne im kalifornischen Inland und arbeite in Malibu in einer 15-Millionen- Dollar-Villa am Meer. Dort muss ich staubsaugen, wischen, die Betten machen, den Pudel Rambo zweimal Gassi f&amp;uuml;hren, das Auto waschen und dann da sein, wenn die beiden f&amp;uuml;nfj&amp;auml;hrigen Zwillinge Lea und Sydney am fr&amp;uuml;hen Nachmittag aus dem Kindergarten kommen. Die Hausherrin arbeitet tags&amp;uuml;ber in ihrer eigenen Produktionsfirma, der Hausherr ist Immobilieninvestor und meist auf Reisen: H&amp;auml;user kaufen. Alles muss tipptopp sein. Ich habe es gut, und das will ich nicht aufs Spiel setzen. Immerhin bekomme ich zw&amp;ouml;lf Dollar pro Stunde, &amp;uuml;blich sind zehn Dollar, und die Illegalen geben sich mit viel weniger zufrieden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich war fr&amp;uuml;her auch illegal, ich kam vor fast 20 Jahren &amp;uuml;ber die Grenze, zweimal. Beim ersten Mal wurde ich erwischt und wieder abgeschoben. Ein paar Monate sp&amp;auml;ter kroch ich mit meinem Sohn und meiner Tochter durch einen Abflusstunnel nach Kalifornien. G&amp;uuml;ltige Papiere habe ich inzwischen, &amp;uuml;ber Umwege. Und ich bin froh, hier zu sein, in Mexiko gibt es zu viel Gewalt und zu wenig Arbeit. Meine Arbeit in der Villa in Malibu ist beendet, wenn die Hausherrin mir die Zwillinge abnimmt. Wenn ich Gl&amp;uuml;ck habe, ist das vor 17 Uhr, dann kann ich um 20 Uhr zu Hause sein, und meine Enkel Angel, 7, und Ari, 8, sind nicht so lang allein.&amp;laquo;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Alejandra, 40, aus Paraguay, arbeitet in Argentinien&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&amp;raquo;Ich arbeite seit mehr als 20 Jahren in Buenos Aires, auch meine beiden Kinder leben hier und mein Bruder mit seinen zw&amp;ouml;lf Kindern. Wir sind alle wegen des Geldes gekommen. Wie viele Paraguayer und Bolivianer wohnen wir in Nueva Esperanza, einem Armenviertel weit vor der Stadt. Jeden Tag au&amp;szlig;er sonntags fahre ich mit dem Bus drei Stunden nach Recoleta, in einen der besten Stadtteile, wo ich arbeite. Ich breche um sechs Uhr morgens auf und komme gegen 21 Uhr zur&amp;uuml;ck. Bei meinen Arbeitgebern, einem jungen Ehepaar, putze ich, helfe beim Kochen und k&amp;uuml;mmere mich um die zwei kleinen Kinder. Einen Teil meines Verdienstes schicke ich zu meiner Mutter nach Paraguay. Nach Hause fahre ich nur einmal im Jahr. Ich bekomme 360 Euro im Monat, aber zu Hause w&amp;uuml;rde ich nur 60 Euro verdienen.&amp;laquo;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Weltweit f&amp;uuml;hlen sich Tausende von Agenturen zust&amp;auml;ndig, Nannys, Dienstm&amp;auml;dchen, Au-pairs und Altenpflegerinnen zu vermitteln. Allein auf den Philippinen gibt es derzeit 3326 dieser Agenturen, &amp;raquo;Golden Future&amp;laquo; hei&amp;szlig;en sie, &amp;raquo;Dreamworks&amp;laquo; oder &amp;raquo;Luckyways&amp;laquo;, sie kassieren horrende Vermittlungsgeb&amp;uuml;hren. Meist dauert es Jahre, bis eine Nanny dieses Geld zur&amp;uuml;ckzahlen kann. Amnesty International und Human Rights Watch stellen fest, dass die meisten der Frauen &amp;ndash; erst recht wenn sie illegal sind &amp;ndash; nicht zur Polizei gehen, wenn ihnen Unrecht geschieht. Weil sie bef&amp;uuml;rchten, dass auf ihre Anzeige die Ausweisung folgt. Dann sehen sie die Chance ihres Lebens vertan, die Schulden bei Schleusern oder Agenturen aber bleiben. Dazu kommt, dass die T&amp;auml;ter, sofern sie &amp;uuml;berhaupt angezeigt werden, in vielen L&amp;auml;ndern kaum Strafen bef&amp;uuml;rchten m&amp;uuml;ssen: In den 114 Missbrauchsf&amp;auml;llen, die Human Rights Watch f&amp;uuml;r die Jahre 2007 und 2008 im Libanon dokumentierte, kam es in keinem einzigen Fall zu einer Verurteilung. Eine der Folgen dieser nahezu absoluten Machtlosigkeit ist die wachsende Anzahl von Selbstmorden unter illegalen Kinderm&amp;auml;dchen und Pflegerinnen, ein Problem, das noch versch&amp;auml;rft wird durch die soziale Isolierung der Frauen. In Osteuropa l&amp;auml;uft das Betreuungsgesch&amp;auml;ft h&amp;auml;ufig &amp;uuml;ber Schleuser, die in Moldawien, der Ukraine oder in Rum&amp;auml;nien gezielt Frauen ansprechen. Sch&amp;auml;tzungen zufolge verdienen Schleuser jedes Jahr 3,5 Milliarden Dollar mit illegalen Einwanderern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Izaivola, 29, aus Madagaskar, arbeitet im Libanon&lt;/strong&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;raquo;Als ich den Vertrag mit der Agentur unterschrieb, war ich &amp;uuml;berzeugt, das Richtige f&amp;uuml;r Cynthia zu tun. Ich musste meinem kleinen M&amp;auml;dchen doch eine Zukunft bieten, warme Mahlzeiten, Schulgeld. Von den 60 Dollar, die ich als Kellnerin verdiente, h&amp;auml;tte ich das nie bezahlen k&amp;ouml;nnen, und auf ihren Vater k&amp;ouml;nnen wir nicht z&amp;auml;hlen. Vor einem Jahr lie&amp;szlig; ich mein neunj&amp;auml;hriges M&amp;auml;dchen weinend bei meiner Mutter zur&amp;uuml;ck. Eine Freundin hatte mir von der Agentur erz&amp;auml;hlt, die junge Frauen als Kinderm&amp;auml;dchen f&amp;uuml;r Familien im Libanon anheuert: 160 Dollar im Monat, Wohnen und Essen inklusive, f&amp;uuml;r mindestens drei Jahre. Vom Libanon wusste ich nur, dass es dort lange Krieg gegeben hat und dass er weit weg war, sehr weit weg. Und jetzt sitze ich in Beirut fest. Vor einigen Wochen hatte meine Tochter einen schlimmen Verkehrsunfall, vielleicht muss ein Teil ihres Beins amputiert werden. &amp;raquo;Mama, komm zur&amp;uuml;ck&amp;laquo;, flehte sie mich am Telefon an. Ich w&amp;auml;re sofort ins n&amp;auml;chste Flugzeug gestiegen, aber wie &amp;ndash; ohne Geld, ohne Pass? Meine Madame hatte meinen Pass, und sie weigerte sich, mich gehen zu lassen, es sei denn, ich w&amp;uuml;rde ihr das Geld f&amp;uuml;r mein Ticket nach Beirut und die Geb&amp;uuml;hren f&amp;uuml;r die Agentur zur&amp;uuml;ckzahlen. 2800 Dollar! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also lief ich davon. Aber ich kannte niemanden in Beirut, ich durfte das Haus der Madame ja nie ohne sie verlassen! Zum Gl&amp;uuml;ck gibt es ein kirchliches Netzwerk, das Frauen wie mir hilft, sonst w&amp;uuml;rde ich jetzt auf der Stra&amp;szlig;e leben. Der Agentur w&amp;auml;re es am liebsten, die Madame w&amp;uuml;rde mich bei der Polizei anzeigen. Dann k&amp;auml;me ich erst einmal ins Gef&amp;auml;ngnis, und die Familie m&amp;uuml;sste irgendwann meinen R&amp;uuml;ckflug zahlen. F&amp;uuml;r die Agentur sind wir nur drei Monate, n&amp;auml;mlich bis zum Ablauf der Umtauschfrist, interessant. Doch bislang hat meine Madame die Beh&amp;ouml;rden nicht alarmiert. Ich glaube, sie ist ein guter Mensch. Ich verstehe ja, dass sie das Geld zur&amp;uuml;ckhaben will, das sie in mich investiert hat. Aber ich habe kein Geld. Ich habe nur eine Tochter, und die braucht mich jetzt.&amp;laquo;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; Eine aktuelle Untersuchung der Hilfsorganisation Kalayaan in England zeigt die allt&amp;auml;glichen Arbeitsbedingungen ausl&amp;auml;ndischer Arbeiterinnen in privaten Haushalten: Zwei von drei Frauen durften nicht allein vor die T&amp;uuml;r, mehr als der H&amp;auml;lfte wurde der Pass entzogen, ebenso viele wurden psychisch missbraucht, bekamen keinerlei Freizeit und mussten immer auf Abruf zur Verf&amp;uuml;gung stehen. Jede siebte wurde geschlagen, fast jede zweite musste mehr als 16 Stunden am Tag arbeiten, und f&amp;uuml;nf Prozent der Frauen wurden sexuell missbraucht. &lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Reena, 43, aus Indien, arbeitet in England&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;In einer indischen Zeitung las ich eine Annonce von einer sehr ber&amp;uuml;hmten englischen Schauspielerin aus London, die eine Nanny f&amp;uuml;r ihren kleinen Sohn suchte, Bezahlung: 250 Pfund pro Woche. Als ich in England ankam, war pl&amp;ouml;tzlich alles ganz anders: Die Schauspielerin brachte mich nicht nach London, sondern auf einen Bauernhof auf dem Land. Dort musste ich mich nicht nur um ihren Sohn k&amp;uuml;mmern, sondern auch putzen, waschen und kochen, ich hatte keine freien Tage, und von dem Geld, das sie mir versprochen hatte, sah ich keinen einzigen Penny. Wenn ich mich beschwerte, beleidigte sie mich, schrie mich an und drohte mir, dass ich ausgewiesen werde, wenn ich k&amp;uuml;ndige. &amp;rsaquo;Das ist mein Land&amp;lsaquo;, br&amp;uuml;llte sie, &amp;rsaquo;und du machst das, was wir dir sagen. Wir haben das Geld. Wir haben die Macht.&amp;lsaquo; Dann nahm sie mir den Pass weg. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jeden Tag habe ich geweint. Als ich ein paar Wochen sp&amp;auml;ter im n&amp;auml;chsten Dorf einkaufen sollte, bin ich nach London geflohen. Dort bekam ich Arbeit bei einem Edelsteinh&amp;auml;ndler, wieder als Kinderm&amp;auml;dchen. Tats&amp;auml;chlich wurde ich seine Haush&amp;auml;lterin und K&amp;ouml;chin. Irgendwann kam er nachts auch in mein Zimmer, das ich nicht abschlie&amp;szlig;en konnte. Immer wieder kam er, ich lag st&amp;auml;ndig wach vor Angst, bis ich mir angew&amp;ouml;hnte, in einer Kirche zu schlafen, und als mein Visum verl&amp;auml;ngert wurde, zog ich ganz aus. Er hat mich nie bezahlt. Inzwischen geht es mir besser, ich arbeite f&amp;uuml;r verschiedene Familien, verdiene noch immer zu wenig, 400 Pfund pro Monat, aber ich bin zufrieden, weil ich wie ein Mensch behandelt werde.&amp;laquo;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Wir brauchen sie</dc:subject>
    <dc:creator></dc:creator>
    <dc:date>2010-10-14T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/34790">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/34790</link>
    <title>»Rinder und Schweine verstehe ich sehr gut. Bei Hühnern klappt es nicht so.«</title>
    <description>&lt;p&gt;Temple Grandin ist Autistin. Menschen sind ihr fremd, aber sie f&amp;uuml;hlt, was Tiere f&amp;uuml;hlen. Deshalb entwickelt sie neue Methoden, sie zu t&amp;ouml;ten.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/29076.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Bolzenschuss ist das Ende. An dem kann Temple Grandin nichts &amp;auml;ndern. Der Schuss kommt. Grandin interessiert sich f&amp;uuml;r das, was davor kommt. Sie entwirft Schlachth&amp;ouml;fe, sie legt fest, auf welchem Weg die Rinder ihren Tod finden. Sie sagt, sie verstehe die Gef&amp;uuml;hle der Tiere, sie kenne ihre &amp;Auml;ngste. Grandin ist Autistin. Und sie ist ein sogenannter Savant, sie hat eine Inselbegabung, wie man sagt. Ihre Insel sind die Tiere, in die sie sich hineinf&amp;uuml;hlen kann wie niemand sonst. Grandin ist Professorin f&amp;uuml;r Tierwissenschaften an der Colorado State University. Vor allem aber ber&amp;auml;t sie Viehzuchtbetriebe. Inzwischen laufen die H&amp;auml;lfte aller Rinder in den USA durch Zuchtanlagen und Schlachth&amp;ouml;fe, die Grandin entworfen hat; manche nennen sie deshalb &amp;raquo;Cow Killer&amp;laquo;. Grandin hat nichts gegen das Schlachten, aber sie will, dass die Tiere keine Schmerzen leiden. Ihr j&amp;uuml;ngstes Buch &lt;/em&gt;Animals Make Us Human&lt;em&gt; landete auf der Bestsellerliste der &lt;/em&gt;New York Times&lt;em&gt;. Das &lt;/em&gt;Time Magazine&lt;em&gt; z&amp;auml;hlte Temple Grandin im April zu den 100 einflussreichsten Menschen weltweit, ein Spielfilm &amp;uuml;ber ihr Leben (mit Claire Danes in der Hauptrolle) gewann im August f&amp;uuml;nf Emmys. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;SZ-Magazin: Was haben Sie mit einer Kuh gemeinsam?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich nehme die Welt in Bildern wahr, nicht in Worten. Und ich bin immer auf der Hut. Das st&amp;auml;rkste Gef&amp;uuml;hl bei Tieren ist Angst, und das ist auch das st&amp;auml;rkste Gef&amp;uuml;hl bei Autisten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was macht Ihnen Angst?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pl&amp;ouml;tzliche, heftige Bewegungen oder laute, schrille Ger&amp;auml;usche. Meine Nerven sind extrem empfindlich. Autisten erschrecken vor den gleichen Dingen wie Rinder: vor hohen T&amp;ouml;nen, reflektierenden Gegenst&amp;auml;nden, Dunkelheit. Sachen, die in der Wildnis Gefahr bedeuten. Auch wenn ich nicht danach suche, nehme ich zum Beispiel automatisch L&amp;ouml;cher in Z&amp;auml;unen wahr, also Fluchtwege, wie ein gefangenes Tier.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Verstehen Sie manche Tiere besser als andere?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rinder und Schweine. Mit H&amp;uuml;hnern klappt es nicht so gut. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sagen, Tiere und Menschen bes&amp;auml;&amp;szlig;en dieselben Grundemotionen. Da w&amp;uuml;rde Ihnen jeder Haustierbesitzer zustimmen, jedoch nicht jeder Wissenschaftler.&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Bis heute glauben sogar einige Tier&amp;auml;rzte und Forscher nicht, dass Tiere Gef&amp;uuml;hle haben. Das Erste, was ich denen sage, ist, dass Antidepressiva, die f&amp;uuml;r Menschen entwickelt wurden, auch bei Tieren funktionieren. Wenn Sie das Hirn eines Schweins sezieren, k&amp;ouml;nnen Sie in der unteren Hirnh&amp;auml;lfte praktisch keinen Unterschied zum menschlichen Gehirn feststellen. Die Grundemotionen sind die gleichen: Wut, Angst und Panik zum Beispiel. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie unterscheiden sich Ihre Gef&amp;uuml;hle von denen anderer Menschen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich werde w&amp;uuml;tend, ich kann pl&amp;ouml;tzlich laut lachen oder weinen. Aber romantische Gl&amp;uuml;ckseligkeit kenne ich nicht. Meine Gef&amp;uuml;hle sind weniger komplex. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wissenschaftler streiten sich bis heute, was Autismus eigentlich ist. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stellen Sie sich mein Gehirn wie einen riesigen B&amp;uuml;rokomplex vor. Normalerweise sitzen da oben ein Vorstandsvorsitzender und sein Team, darunter Abteilungen f&amp;uuml;r Finanzen, Buchhaltung, Personal, Recht und so weiter. All diese Abteilungen kommunizieren st&amp;auml;ndig miteinander &amp;uuml;ber E-Mail, Telefon, Fax, Konferenzen. In meinem Kopf sind einige dieser Kabel nicht angeschlossen. Die autistische Hirnrinde ist oft stark &amp;uuml;berwachsen, das kann man mit einem Kabelsalat vergleichen, in dem es dann zu Kurzschl&amp;uuml;ssen kommt. Dass es so viele verschiedene Arten von Autismus gibt, liegt daran, dass immer andere Abteilungen angeschlossen sind.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Was bedeutet das bei Ihnen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Einige Dinge kann ich einfach nicht besonders gut. Die Grafikabteilung in meinem Gehirn ist zum Beispiel &amp;uuml;berbesch&amp;auml;ftigt, die Abteilung f&amp;uuml;r Sozialverhalten aber unterentwickelt. Ich musste erst lernen, mit Menschen umzugehen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie haben Sie das geschafft?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Indem ich beobachte, wie andere Menschen miteinander umgehen, sie wie mit einem Videorekorder im Gehirn aufzeichne und dann bei Bedarf das richtige Verhalten abspiele. Worte sind wie eine Fremdsprache f&amp;uuml;r mich. Ich &amp;uuml;bersetze alles, was ich h&amp;ouml;re und lese, in Bilder und in Farbfilme mit Ton. Mit Menschen umzugehen ist f&amp;uuml;r mich wie eine Rolle in einem Drehbuch. Je mehr Filme ich in meiner Gehirnbibliothek gespeichert habe, desto normaler verhalte ich mich. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sie sagen, Autismus sei eine Art Zwischenstation auf dem Weg vom Tier zum Menschen. Wie meinen Sie das?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Autistische Inselbegabte k&amp;ouml;nnen sich zum Beispiel optische Details perfekt einpr&amp;auml;gen, etwa wenn sie mit einem Hubschrauber &amp;uuml;ber ein Gebiet fliegen &amp;ndash; wie Zugv&amp;ouml;gel. Andere haben ein unfehlbares Ged&amp;auml;chtnis &amp;ndash; wie ein Hund. Manche Savants haben einen IQ wie geistig Behinderte, aber sie k&amp;ouml;nnen Dinge tun, die normale Menschen nicht k&amp;ouml;nnen &amp;ndash; wie sehr sie es auch versuchen. Ich kann zum Beispiel ganze Zuchtanlagen in meinem Kopf probelaufen lassen, in dreidimensionalen Bildern. Andere brauchen daf&amp;uuml;r teure Animationen und kriegen es dann doch nicht so gut hin. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben f&amp;uuml;r Ihre Arbeit am Anfang Spott geerntet und werden nun als Genie gefeiert.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Anfang war hart. Damals war Viehzucht ein reines Macho-Gesch&amp;auml;ft. Was heute als sexuelle Bel&amp;auml;stigung bezeichnet wird, ist nichts gegen die Sachen, die ich erlebt habe. Als ich einmal eine Futterstation besuchte, kastrierten sie dort gerade Bullen, und als ich wieder loswollte, lagen haufenweise Bullenhoden auf meinem Auto. Ich bin einfach davongefahren, ohne einen gro&amp;szlig;en Aufstand zu machen. Das h&amp;auml;tten sie wohl gern gehabt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Manchmal weine ich den ganzen Weg vom Schlachthof bis zum Flughafen.&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/29077.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sie k&amp;ouml;nnen denken und f&amp;uuml;hlen wie ein Tier. Und trotzdem verbringen Sie Ihr Leben damit, Schlachth&amp;auml;user zu entwerfen oder die H&amp;uuml;hnerfabriken von McDonalds zu kontrollieren. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Manchmal weine ich den ganzen Weg vom Schlachthof bis zum Flughafen. Als ich das erste Mal eine H&amp;uuml;hnerfarm besucht habe, war es Aaaaaaaahhhh! Viele H&amp;uuml;hner hatten gebrochene Fl&amp;uuml;gel, die Arbeiter haben sie einfach an einem Fl&amp;uuml;gel gepackt und herumgeworfen. Die alten Legehennen, die schon kaum mehr Eier legen konnten, waren ganz kahl, manche wurden einfach in den M&amp;uuml;ll geworfen. &quot;Was glauben Sie, was Ihre Kunden sagen w&amp;uuml;rden, wenn sie das hier s&amp;auml;hen?&quot; habe ich den Direktor gefragt. Heute haben weniger als f&amp;uuml;nf Prozent der H&amp;uuml;hner gebrochene Fl&amp;uuml;gel. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sind Sie Vegetarierin?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie einmal daran gedacht, Tier&amp;auml;rztin zu werden statt Schlachthof-Designerin?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sie k&amp;ouml;nnen ein System ablehnen, damit gewinnen Sie aber nichts. Oder sie arbeiten an dem System und machen es besser. Wir m&amp;uuml;ssen diesen Tieren ein anst&amp;auml;ndiges Leben bieten. Viele Leute vergessen, dass die Wildnis auch ziemlich hart ist. Ein Hirsch, dem ein L&amp;ouml;we die Eingeweide herausrei&amp;szlig;t, stirbt sehr brutal. Ein moderner Schlachthof bedeutet in vieler Hinsicht einen einfacheren Tod. Meine Schlachth&amp;auml;user sind so konstruiert, dass die Tiere nicht wissen, was mit ihnen passiert. Da gibt es keine Angst, keine Panik. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie haben Sie Ihre besondere Liebe zu Rindern entdeckt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Als Teenager hat mich meine Mutter auf die Ranch meiner Tante Ann nach Arizona geschickt. Ich habe zugesehen, wie die Rinder zum Impfen in eine Haltevorrichtung gef&amp;uuml;hrt wurden. Die Au&amp;szlig;enw&amp;auml;nde dr&amp;uuml;ckten auf den K&amp;ouml;rper der Rinder. Da haben sie sich sofort entspannt. Das wollte ich auch. Ich habe mich immer danach gesehnt, umarmt zu werden, aber ich konnte es einfach nicht aushalten. Ich habe meine Tante &amp;uuml;berredet, mich in diese Vorrichtung zu lassen, und es hat tats&amp;auml;chlich funktioniert: Ich wurde viel ruhiger. Ich habe mir dann meine eigene Umarmungsmaschine gebaut.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie sieht die aus?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die erste habe ich aus Sperrholzplatten zusammengeschraubt, meine jetzige ist ein Luxusmodell mit Schaumkissen. Ich krieche auf allen vieren in die Maschine, mit den Zehen kann ich den Druck steuern. Da bleibe ich eine halbe Stunde drin, danach bin ich den ganzen Tag entspannter. Meine Lehrer und meine Mutter wollten sie mir wegnehmen, weil sie dachten, ich spinne. Aber ich war so s&amp;uuml;chtig nach diesem Gef&amp;uuml;hl &amp;ndash; ich wollte sie um nichts in der Welt wieder hergeben. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Heute geh&amp;ouml;rt eine solche Stimulierung bei autistischen Kindern zur Therapie, auch bei hyper-nerv&amp;ouml;sen Tieren wie Pferden.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Als ich j&amp;uuml;nger war, wollte ich ganz starken Druck, fast so sehr, dass es wehtat. Dann ging es immer sanfter und sanfter. Die Maschine macht mich zu einem netteren Menschen &amp;ndash; ohne sie w&amp;auml;re ich ein harter, kalter Fels.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie meinen, sie hilft Ihnen, menschlich w&amp;auml;rmer zu sein?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich brauchte diese k&amp;ouml;rperliche Erfahrung, um Zuneigung empfinden zu k&amp;ouml;nnen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;War Ihnen als jungem Menschen schon klar, dass Sie anders sind als andere?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich war wie eine wilde Katze; wenn ich angefasst wurde, hat das einen Fluchtimpuls in mir ausgel&amp;ouml;st. Ich habe nicht gesprochen, bis ich dreieinhalb Jahre alt war. Ich hatte stundenlange Wutanf&amp;auml;lle, habe ewig ins Leere gestarrt oder meinen eigenen Kot an die Tapeten geschmiert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Erinnern Sie sich daran, oder haben Ihnen das Ihre Eltern erz&amp;auml;hlt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich erinnere mich, dass ich als Kind mit zwei oder drei Jahren furchtbar frustriert war, weil ich mich nicht mitteilen konnte. Ich verstand, was andere zu mir sagten, brachte aber selbst kein Wort heraus. Meine Mutter hat mir zum Beispiel mal einen Hut aufgesetzt, und ich konnte ihr nicht sagen, dass ich den nicht mochte. Also habe ich einen Tobsuchtsanfall bekommen und den Hut aus dem Fenster geworfen. Ich wei&amp;szlig; auch noch, dass ich einmal eine Lehrerin so fest ins Bein biss, dass sie blutete. Solche Wutanf&amp;auml;lle kamen ganz pl&amp;ouml;tzlich, ich war machtlos dagegen. Erst als ich das Blut an ihrem Bein sah, wurde mir klar, dass ich sie gebissen hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; [seitenumbruch title=&quot;Mein Vater h&amp;auml;tte mich am liebsten weggegeben.&quot;]&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wussten Ihre Eltern, dass Sie autistisch sind?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Diagnose Autismus kannten damals die wenigsten &amp;Auml;rzte. Sie hielten mich f&amp;uuml;r hirngesch&amp;auml;digt und empfahlen meinen Eltern, mich in ein Heim zu geben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was hat Sie vor dem Heim bewahrt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Meine Mutter wollte mich nicht weggeben. Sie hatte bemerkt, dass ich sehr musikalisch war und mitsummte, wenn sie Bach auf dem Klavier spielte. Sie hat ein Kinderm&amp;auml;dchen und Sprechtherapeuten engagiert, die mit mir genau das gemacht haben, was man heute mit autistischen Kindern macht: stundenlang mit mir gespielt, mich rausgeholt, mir so lange das Wort &amp;raquo;Ball&amp;laquo; vorgesagt, bis ich &amp;raquo;Ball&amp;laquo; nachsagen konnte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und Ihr Vater?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Er h&amp;auml;tte mich am liebsten weggegeben. Ich glaube inzwischen, dass er selbst autistische Z&amp;uuml;ge hatte. Er war ein wortkarger, in sich gekehrter Mensch und hat meine Mutter verlassen, als ich 14 war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Trotz allem haben Sie es auf eine normale Schule geschafft. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aber je &amp;auml;lter ich wurde, desto schlimmer wurde es, sozial ausgesto&amp;szlig;en zu sein. Ich wusste nicht, warum ich im Umgang mit Menschen so ein Knallkopf war. Die anderen Kinder haben mich geh&amp;auml;nselt, mich &amp;raquo;Kassettenrekorder&amp;laquo; gerufen, weil ich immer alles wiederholte, &amp;raquo;Idiot&amp;laquo; oder &amp;raquo;Knochen&amp;laquo;, weil ich so d&amp;uuml;rr war. Ich habe mich dann gepr&amp;uuml;gelt und bin sogar von der Schule geflogen, weil ich jemandem ein Buch an den Kopf geworfen habe. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie sehr beeinflusst Autismus immer noch Ihr Leben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das f&amp;auml;ngt bei der Kleidung an. Ich halte es nicht aus, kratzige Sachen auf meiner Haut zu sp&amp;uuml;ren. Alles, was neu ist, muss mindestens zehnmal gewaschen werden, ehe ich es trage. Raue Hosen f&amp;uuml;hlen sich f&amp;uuml;r mich an wie Sandpapier auf blankliegenden Nerven. R&amp;ouml;cke sind ein Unding &amp;ndash; ich finde es unertr&amp;auml;glich, wenn sich die nackten Beine aneinander reiben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Dennoch reisen Sie heute st&amp;auml;ndig, halten weltweit Vortr&amp;auml;ge. Wie halten Sie das aus?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich spiele im Geist vorher alle Szenarien durch, auch einen Notfallplan, wenn zum Beispiel das Flugzeug Versp&amp;auml;tung hat. Aber ich gerate immer noch in Panik, wenn ich mit unvorhergesehenen gesellschaftlichen Situationen konfrontiert werde und schnell darauf reagieren soll oder wenn ich in fremde L&amp;auml;nder reise. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie bek&amp;auml;mpfen Sie die Angst?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich nehme Antidepressiva, ohne die ginge es nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie leben allein auf einer Ranch in Colorado. Haben Sie sich nie verliebt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Ich kann mir das nicht vorstellen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum nicht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bis heute verstehe ich nicht wirklich, was pers&amp;ouml;nliche Beziehungen bedeuten. Ich bin Single geblieben, weil es mir hilft, diese vielen komplizierten sozialen Situationen zu vermeiden, mit denen ich &amp;uuml;berfordert bin. Mir fehlt einfach der Zugang. Ein Sonnenuntergang ber&amp;uuml;hrt mich nicht in der Weise, wie er andere ber&amp;uuml;hrt, ich kann nur intellektuell erschlie&amp;szlig;en, dass er sch&amp;ouml;n ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was geht in Ihnen vor, wenn Sie ein gl&amp;uuml;cklich verliebtes Paar sehen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich nenne es ISP, ein interessantes soziales Ph&amp;auml;nomen. Ich erinnere mich, dass die gleichaltrigen M&amp;auml;dchen in der Schule immer ausflippten, wenn die Beatles auf dem Bildschirm auftauchten. Ich dachte mir: Klar, Ringo ist ganz h&amp;uuml;bsch, aber ich werfe mich deshalb doch nicht schreiend auf den Teppich! Diesen Teenager-quatsch habe ich einfach &amp;uuml;bersprungen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sind Sie traurig, weil das in Ihrem Leben fehlt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe andere Dinge, die sonst niemand hat. Zum Beispiel kann ich Probleme l&amp;ouml;sen. Die Menschheit braucht auch Menschen, die Probleme l&amp;ouml;sen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wenn ein Arzt morgen ein Medikament erf&amp;auml;nde, womit Autismus geheilt werden k&amp;ouml;nnte &amp;ndash; w&amp;uuml;rden Sie es nehmen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Autismus ist das, was mich ausmacht. Ich w&amp;uuml;rde meine F&amp;auml;higkeit, in Bildern zu denken, nicht aufgeben wollen, und es macht mir enorm viel Spa&amp;szlig;, Probleme zu l&amp;ouml;sen. Ich habe meinen Platz gefunden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Rinder und Schweine verstehe ich sehr gut. Bei Hühnern klappt es nicht so.«</dc:subject>
    <dc:creator>Michaela Haas (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2010-10-14T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/34792">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/34792</link>
    <title>Das niedliche Mädchen</title>
    <description>&lt;p&gt;Schon wieder eine neue Praktikantin, die bezaubernd ist. Einfach entz&amp;uuml;ckend. Dabei auch so aufgeweckt, so nett, so arbeitsam. Mit anderen Worten: ganz und gar unertr&amp;auml;glich.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/29075.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie kicherte, die ganze Zeit kicherte sie, und offenbar brauchte sie f&amp;uuml;r das Kichern nicht mal einen Grund. Sie war frisch von der Schule, hatte einen leicht federnden Gang, jeder Schritt ein H&amp;uuml;pfer, mit ihrem schwingenden R&amp;ouml;ckchen sah sie aus wie Alice im Wunderland. Sie sagte &amp;raquo;Danke&amp;laquo; und &amp;raquo;Bitte&amp;laquo; h&amp;auml;ufiger, als es n&amp;ouml;tig gewesen w&amp;auml;re. &amp;raquo;Aber das &amp;uuml;bernehme ich doch gern f&amp;uuml;r Sie&amp;laquo; geh&amp;ouml;rte zu ihrem Standardrepertoire. Morgens um 8.30 Uhr, wenn wir anderen kamen, sa&amp;szlig; sie schon l&amp;auml;ngst da, das Haar gescheitelt und mit zwei Spangen zur&amp;uuml;ckgenommen, eine praktische, h&amp;uuml;bsche Frisur. Sie war niedlich, einfach nur niedlich. Je l&amp;auml;nger sie da war, desto st&amp;auml;rker wurde mein Bed&amp;uuml;rfnis, sie &amp;uuml;bers Knie zu legen und ihr dieses glockenhelle, gek&amp;uuml;nstelte Stimmchen und die unersch&amp;ouml;pfliche Nettigkeit aus ihrem bl&amp;ouml;den blassrosa Bl&amp;uuml;schen zu pr&amp;uuml;geln.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damit wir uns nicht falsch verstehen: Niedlichkeit ist nicht prinzipiell schlecht. Kleine M&amp;auml;dchen mit Z&amp;ouml;pfen auf dem Weg zum ersten Schultag, Hundewelpen, Bl&amp;uuml;mchenmuster: niedlich. Junge Frauen auf dem Sprung in die Berufswelt sollten es nicht sein. Und doch scheint gerade eine Welle von Absolventinnen der &amp;raquo;Hello Kitty&amp;raquo;-Akademie in die B&amp;uuml;ros zu schwappen, die sich anschicken, das Land mit ihrer S&amp;uuml;&amp;szlig;lichkeit zu &amp;uuml;berzuckern. Sie gefallen sich in ihrer Gef&amp;auml;lligkeit, und sie verweigern jede Art von Kampf, speziell den mit M&amp;auml;nnern. Sie haben eine Nische gefunden, in der sie sich sicher f&amp;uuml;hlen k&amp;ouml;nnen: die Putzigkeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In Japan gibt es das schon l&amp;auml;nger. Dort gilt &amp;raquo;Kawaii&amp;laquo;, die Niedlichkeit, als Lebensideal der unverheirateten Frau. Die Stimme schraubt sich in unangenehme H&amp;ouml;hen, die Schritte sind klein und trippelnd, die Zehenspitzen zeigen zueinander. Wer niedlich ist, signalisiert Harmlosigkeit. &amp;raquo;Eine neue Testphase des weiblichen Resonanzraums&amp;laquo;, nennt Professor Heinz Bude das Ph&amp;auml;nomen. &amp;raquo;Diese M&amp;auml;dchen probieren aus, was die Weiblichkeit noch so f&amp;uuml;r M&amp;ouml;glichkeiten bietet. Das bedeutet nicht, dass die alten Modelle gescheitert sind. Aber hier werden frische Wege gegangen: Was kann ich mit dieser Taktik erreichen?&amp;laquo; Bude ist Soziologe, Spezialist f&amp;uuml;r Makrosoziologie an der Universit&amp;auml;t Kassel. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;F&amp;uuml;r diese jungen Frauen, so Bude, seien ihre Vorg&amp;auml;ngerinnen, die Karrieristinnen der 80er- und 90er-Jahre, ein Schreckgespenst: &amp;raquo;Eine Karriere, wie sie lange als Ideal dargestellt wurde, ist f&amp;uuml;r sie mit zu hohen Kosten verbunden: Sie bedeutet den Verzicht auf Kinder und m&amp;ouml;glicherweise auch auf Partnerschaften.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ein Sommerfest vor wenigen Wochen. Die eine H&amp;auml;lfte des Rasens war mit haupts&amp;auml;chlich m&amp;auml;nnlichen Mitgliedern der Firma bev&amp;ouml;lkert, die in gesch&amp;auml;ftliche Gespr&amp;auml;che vertieft waren. Auf der anderen Seite standen im Wesentlichen Frauen. Und zwischen beiden Gruppen huschte die niedliche Praktikantin mal hierhin, mal dorthin, sie kicherte an den richtigen Stellen und brachte Canap&amp;eacute;s, wenn die Kellner nicht schnell genug waren. Sie hatte ein untr&amp;uuml;gliches Gesp&amp;uuml;r daf&amp;uuml;r, zu wem sie nett sein musste und zu wem besonders nett. Sie schien keinerlei Hemmungen zu haben, mit ihrer Putzigkeit die n&amp;auml;chste Sprosse auf der Karriereleiter zu polieren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Je mehr gehobene Mittelschicht, desto niedlicher.&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/29086.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; Sind die neuen Niedlichen vielleicht einfach nur schlauer als wir? Ist es am Ende der richtige Weg: den M&amp;auml;nnern die Kehle zu zeigen, den Konkurrenzkampf offiziell zu verweigern &amp;ndash; um dann die Jobs zugespielt zu bekommen, f&amp;uuml;r die wir uns jahrelang in Anz&amp;uuml;ge gezw&amp;auml;ngt haben, um ja nicht in den Verdacht zu geraten, unsere Weiblichkeit auszunutzen? Denn zumindest was den Ehrgeiz angeht, sprechen Studien f&amp;uuml;r einen weiterhin starken Emanzipationswillen der M&amp;auml;dchen von heute. Nach der Untersuchung &lt;em&gt;Frauen auf dem Sprung&lt;/em&gt; der Berliner Sozialforscherin Jutta Allmendinger haben f&amp;uuml;r die meisten der Befragten Beziehung, Job und Kinder einen gleich hohen Stellenwert. Es ist also nicht so, als wollten sie weniger. Im Gegenteil: Sie wollen alles. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wer schon einmal mit Niedlichen gearbeitet hat, wird sich allerdings fragen, ob der Zweck wirklich jedes Mittel heiligt. Allein diese Stimmlage raubt einem den letzten Nerv, dazu diese aufgesetzte Gef&amp;uuml;gigkeit, mit der sie die Dinge zu regeln pflegen, aufgeweckt, folgsam, immer freundlich und zu den richtigen Leuten noch ein bisschen freundlicher. Wenn sie zusammenstehen, sind sie wie ein Schwarm Singv&amp;ouml;gel. Sie zwitschern, bis einem die Sinne schwinden. Und wirken dabei auf seltsame Weise gef&amp;auml;hrlich. Warum musste ich bei ihrem Anblick jedes Mal an &lt;em&gt;Die V&amp;ouml;gel&lt;/em&gt; von Alfred Hitchcock denken?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das Ganze ist ein Klassenph&amp;auml;nomen, sagt Bude. Je mehr gehobene Mittelschicht, desto niedlicher: &amp;raquo;Niedlichkeit ist nicht proletarisch.&amp;laquo; Sie ist die Strategie der h&amp;ouml;heren T&amp;ouml;chter. &amp;raquo;Diese M&amp;auml;dchen bewegen sich auf einer taktischen Spielwiese.&amp;laquo; Und vielleicht ist es ja das, was mich am meisten an ihnen erbost: Statt sich zu geben, wie sie sind, suchen Frauen immer noch nach Rollen, die sie spielen k&amp;ouml;nnen. Laut, leise, h&amp;auml;sslich, s&amp;uuml;&amp;szlig; &amp;ndash; und am Ende sieht man, welche Taktik am besten funktioniert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sp&amp;auml;ter am Abend war das B&amp;uuml;ro nahezu leer. Nur die Niedliche war noch da. Sie hastete mit kleinen Schritten durch die R&amp;auml;ume. Ihr ganzes Wesen strahlte Emsigkeit aus und Verf&amp;uuml;gbarkeit. Sie sah h&amp;uuml;bsch aus. Das Haar gl&amp;auml;nzte gesund, ihr Teint war zart, und ihre Kleidung war von der Art, dass man sie jederzeit auf eine Gartenparty mitnehmen k&amp;ouml;nnte, ohne dass sie sich umziehen m&amp;uuml;sste. F&amp;uuml;r einen Mann muss sie ausgesehen haben wie die perfekte Frau. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Das niedliche Mädchen</dc:subject>
    <dc:creator>Susanne Frömel</dc:creator>
    <dc:date>2010-10-14T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <rdf:Description rdf:ID="manifest">
    <mn:channels>
      <rdf:Seq>
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de:80/rsslabel/59" />
      </rdf:Seq>
    </mn:channels>
  </rdf:Description>

</rdf:RDF>
