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    <title>sz-magazin.de - Aus dem Magazin</title>
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    <title>01_Pirelli-Fluch_LT_1422600_1422600.xml</title>
    <description>&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;oanna hat am morgen noch die K&amp;uuml;he gemolken und gef&amp;uuml;ttert, bevor sie losgefahren ist. Nadine hatte am Wochenende ausnahmsweise keinen Wettkampf, sie hat nur locker trainiert: drei Stunden Mountainbike am Samstag und Sonntag dann vier Stunden Rennrad. Andrea hat noch bis in den Abend im B&amp;uuml;ro gesessen, um den Monatsabschluss f&amp;uuml;r ihre Firma fertig zu machen. F&amp;uuml;r alle drei war es eine ganz normale Woche, bis zum Tag der Fotoaufnahmen f&amp;uuml;r den jeweiligen Erotikkalender. Da haben sie alle das Gleiche getan: sich ausgezogen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Etwa hundert Erotikkalender kommen jedes Jahr in Deutschland auf den Markt. Einer zeigt Zeichnungen von Egon Schiele, einige wenige zeigen M&amp;auml;nner mit nacktem Oberk&amp;ouml;rper, der Rest zeigt Frauen. Ganz normale junge Frauen, die auf Lehramt studieren, Landwirtinnen sind, Sportlerinnen, Ergotherapeutinnen, M&amp;uuml;tter oder Finanzanalystinnen. Junge Frauen, die einen Beruf haben, die nicht ber&amp;uuml;hmt werden wollen oder planen, in Zukunft Geld mit ihrem nackten K&amp;ouml;rper zu verdienen. Warum machen die das?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nackte Haut ist gut zu vermarkten. Prominente nutzen das. Sie bekommen entweder viel Geld daf&amp;uuml;r, dass sie mit ihrem nackten K&amp;ouml;rper Werbung f&amp;uuml;r ein Produkt machen oder aber sie machen Werbung f&amp;uuml;r das Produkt, das sie selbst sind. F&amp;uuml;r sie hat das Ausziehen eine Wirkung. Ihre Suchanfragen bei Google gehen hoch und damit ihr Marktwert. Das l&amp;auml;sst sich erheben: Das niederl&amp;auml;ndische Topmodel Lara Stone hatte laut &amp;raquo;Google Insights Search&amp;laquo; drei gro&amp;szlig;e Momente in seinem Leben &amp;ndash; die Hochzeit mit dem Schauspieler David Walliams, die Ver&amp;ouml;ffentlichung von Oben-ohne-Bildern im franz&amp;ouml;sischen Playboy und schlie&amp;szlig;lich die Vorstellung des Pirelli-Kalenders 2012, des bekanntesten Erotikkalenders &amp;uuml;berhaupt, f&amp;uuml;r den sie ganz nackt posiert hat. Promis n&amp;uuml;tzt das Ausziehen. Nach so einem Peak in der Aufmerksamkeitskurve kann Stone, genau wie Schauspielerinnen und Moderatorinnen, mehr Gage verlangen: in ihrem Beruf, aber auch f&amp;uuml;r Werbeauftritte oder ihr Auftauchen bei Shoper&amp;ouml;ffnungen. &lt;br /&gt; Den jungen Frauen, die sich f&amp;uuml;r die Kalender ausziehen, n&amp;uuml;tzt das gar nichts. Sie bekommen eine Aufwandsentsch&amp;auml;digung von hundert Euro und ein paar Freiexemplare. Wenn sie Gl&amp;uuml;ck haben. Ber&amp;uuml;hmt werden k&amp;ouml;nnen sie mit ihrem Foto auch nicht, denn der Betrachter kennt nicht mal ihren Namen. Aber was wollen sie dann? Welche neuen Impulse kann eine Frau &amp;uuml;berhaupt noch mit ihrer Nacktheit setzen?&lt;br /&gt; Keine Geschichte ist l&amp;auml;nger als die der nackten Frau. Schon immer wurden Frauen nackt angeschaut, gemalt, fotografiert, gefilmt &amp;ndash; je nach Epoche. 74 Prozent der abgebildeten Nackten im Metropolitan Museum of Art in New York sind weiblich und nur vier Prozent der K&amp;uuml;nstler. Die Internetseite der Bild-Zeitung hat Erotik l&amp;auml;ngst zu einem eigenen Nachrichtenressort neben Kino, Kultur und Royals erhoben. Fotos von nackten M&amp;auml;nnern zeigt die Seite nicht. Die Werbung nutzt st&amp;auml;ndig Frauenk&amp;ouml;rper um Produkte zu verkaufen: Dabei geht es um unn&amp;ouml;tige Darstellung von weiblicher Nacktheit &amp;ndash; wenn n&amp;auml;mlich nicht bequeme Unterhosen oder Sport-BHs beworben werden, sondern Bier, Autos, Schlagbohrer oder ein Technikversandhandel. Frauendiskriminierung ist der h&amp;auml;ufigste Grund f&amp;uuml;r eine Beschwerde beim Deutschen Werberat. Und das seit 1989. &lt;br /&gt; Die britische Medienwissenschaftlerin Laura Mulvey beschrieb 1975 die Rollen der Geschlechter wie folgt: Die Frauen sind im Bild und die M&amp;auml;nner sind die Tr&amp;auml;ger des Blicks. Nie war es so einfach wie heute, diese These zu &amp;uuml;berpr&amp;uuml;fen. Ist die Feministinnengruppe Guerrilla Girls noch durchs Museum gelaufen, um bei jeder Nackten einen Strich in den Block zu machen, muss man heute nur eine beliebige Amateurporno-Seite im Internet anw&amp;auml;hlen, um herauszufinden: Mulvey hat recht &amp;ndash; die (Handy-)Kamera h&amp;auml;lt immer der Mann. &lt;br /&gt; Die jungen Kalenderfrauen verstehen sich auch als Werbetr&amp;auml;gerinnen. Nicht f&amp;uuml;r sich, weil sie nicht ber&amp;uuml;hmt sind. Nicht f&amp;uuml;r ein Produkt, weil sie nicht professionell modeln. Sondern f&amp;uuml;r die Sache der Frauen &amp;ndash; nur mit umgekehrten Vorzeichen als der &amp;uuml;berwiegende Teil Deutschlands. Sie fordern keinen gerechten Lohn, keine Quote, keine Kita-Pl&amp;auml;tze. Sie fordern nicht mehr Gleichheit, sie fordern mehr Weiblichkeit. Zumindest f&amp;uuml;r sich. &lt;br /&gt; Nadine ist Profiradlerin, jedes Wochenende f&amp;auml;hrt sie Wettk&amp;auml;mpfe. Und am Montag gibt es dann immer einen Haufen Fotos von ihr auf dem Mountainbike: schlammverschmiert, schwitzend, mit Helm und angespannten Muskeln. Nadine ist 24-Stunden-Weltmeisterin im Vierer-Team, wurde schon dreimal Deutsche Meisterin im Cross Country, einmal Vize-Europameisterin im Marathon. Ihr Leben besteht aus Training. &amp;raquo;Ich wollte mich auch mal als Frau pr&amp;auml;sentieren&amp;laquo;, sagt sie. Die hohen Schuhe, die sie auf dem entstandenen Foto tr&amp;auml;gt, musste sie sich ausleihen. &amp;raquo;Ich habe so was gar nicht.&amp;laquo; Genauso ist es bei Joanna, sie f&amp;uuml;hrt mit ihrem Mann eine Rinderzucht. Sie ist gelernte Landwirtin, hat eine Zusatzausbildung zur Besamerin gemacht. &amp;raquo;Ich bringe die Babys in die K&amp;uuml;he.&amp;laquo; Sie ist eine schmale blonde Frau, die sehr energisch spricht, vor allem, wenn sie von den Melkanlagen erz&amp;auml;hlt und wie gro&amp;szlig; die Herde sein darf, damit sie sich noch von jedem Tier den Namen merken kann. Im Moment sind es 120. Das kriegt sie locker hin. Was ihr im Alltag fehlt, ist das Gef&amp;uuml;hl, sexy zu sein und begehrt zu werden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; So ist es auch bei den anderen: Andrea ist Finanzanalystin. Wenn sie Leute kennenlernt, denken die immer, sie sei taff und skrupellos. Doris ist bei der Freiwilligen Feuerwehr, sie arbeitet als Maschinistin. Stefanie und Ramona sind im Fu&amp;szlig;ballverein, trainieren bis zu zweimal die Woche und haben am Sonntag dann jeweils ein Spiel. Nat&amp;uuml;rlich auch alles mit Matsch und Gr&amp;auml;tschen. &amp;raquo;Gerade weil es mir keiner zugetraut hat, habe ich es gemacht&amp;laquo;, sagt Ramona. Jetzt ist sie auf dem Titel des deutschen Jungbauernkalenders: In kurzer Jeans, den obersten Knopf ge&amp;ouml;ffnet, steht sie in einem Mohnfeld, die gelockten braunen Haare fallen ihr bis in Taille. Ivonne arbeitet als Ergotherapeutin, sorgt bei anderen Leuten f&amp;uuml;r ein gutes K&amp;ouml;rpergef&amp;uuml;hl, l&amp;auml;uft aber selber den ganzen Tag im Kittel rum. Sie ist auf dem Deckblatt eines Bergwerk-Kalenders. Nackt und nur mit &amp;Ouml;l beschmiert steht sie in einem F&amp;ouml;rderschacht. &amp;raquo;Ich kann auch sexy&amp;laquo;, sagt sie, als sei von ihr als Frau gefordert worden, das &amp;ouml;ffentlich unter Beweis zu stellen. &lt;br /&gt; Das muss erkl&amp;auml;rt werden, schlie&amp;szlig;lich l&amp;auml;uft die Argumentation meist andersherum: Jeder nackte Frauenk&amp;ouml;rper schadet der Sache der Frauen, weil er ein altes Bild aufrechterh&amp;auml;lt &amp;ndash; das von der Verf&amp;uuml;gbarkeit der Frau. Wer sich auszieht, degradiert sich selbst. Die Geschichte der Objektifizierung der Frau ist viel zu lang, als dass die Frau aus diesem Kontext einfach heraustreten k&amp;ouml;nnte, sagen Feministinnen. M&amp;auml;nner schauen Frauen nicht anders an, nur weil die pl&amp;ouml;tzlich einen Grund haben f&amp;uuml;r ihr Nacktsein. Der Blick ist geschult. Die Wahrnehmung gelenkt. Sie bleibt Objekt &amp;ndash; ob sie es will oder nicht. &lt;br /&gt; Das ist eine unbefriedigende Schlussforderung, f&amp;uuml;r beide Geschlechter. Denn sie unterstellt, dass M&amp;auml;nner sich nicht &amp;auml;ndern k&amp;ouml;nnen und Frauen sich deshalb f&amp;uuml;r immer einschr&amp;auml;nken m&amp;uuml;ssen. Das kann&amp;rsquo;s doch nicht sein. Moderne Feministinnen &amp;uuml;berlegen sich daher, wie man der Frau ihre &amp;ouml;ffentliche Sexualit&amp;auml;t zur&amp;uuml;ckgeben kann. Gesucht wird ein neuer Umgang mit Nacktheit, bei dem es nicht darum geht, bei M&amp;auml;nnern Begehren zu wecken, sondern bei dem es um die Frau geht, um ihre eigene Lust, nicht ums Lustausl&amp;ouml;sen. &lt;br /&gt; Aber genau darum dreht es sich im Kalenderbusiness: Fast immer sind es M&amp;auml;nner, die die Frauen ausw&amp;auml;hlen und die Fotos machen. Auch die Ideen stammen von ihnen. Schwierig sei das gar nicht gewesen, er habe einfach seine Leidenschaften zusammengebracht, sagt Olaf Martin, der Erfinder des Erotica-Mineralis-Kalenders, f&amp;uuml;r den er nackte Frauen in Bergwerken fotografiert hat. In die so entstandenen Bilder hat er dann immer unten rechts noch ein Mineral reinretouchiert. Fertig. Die Idee zum Feuerwehrkalender kam dem Hobbyfotografen J&amp;uuml;rgen Wunderlich. Er hat sich auch den Landmaschinenkalender, den Lkw-Kalender und den Waffenkalender ausgedacht. Der wird vor allem von Polizeiwachen in gr&amp;ouml;&amp;szlig;eren Mengen bestellt: F&amp;uuml;r jedes Amtszimmer einen. Mit dem gleichen sch&amp;ouml;pferischen Genie sind auch der Anglerkalender entstanden, der Pfeil-und-Bogen-Kalender und der Nerd-Kalender, in dem Frauen mit Strapsen neben Computer-Klassikern wie dem Commodore 64 aus dem Jahr 1982 oder einem alten Game Boy posieren. &lt;br /&gt; F&amp;uuml;r die Kalenderfrauen ist es okay, Teil einer fremden Fantasie zu sein. Denn sie arbeiten nicht an einem neuen Bild der Frau, sie wollen nicht provozieren oder verwirren &amp;ndash; was als &lt;br /&gt; Minimalziel f&amp;uuml;r sich ausziehende Frauen gilt. Sie wollen einfach nur sexy gefunden werden. Ihre Rolle ist passiv. Von ihrer eigenen Sexualit&amp;auml;t ist das Ausziehen komplett abgekoppelt. Die Frage, ob es sie sexuell erregt, sich halb nackt in der &amp;Ouml;ffentlichkeit zu zeigen, empfinden sie als anr&amp;uuml;chig und unpassend. Das Ausziehen an sich aber nicht. Der Rahmen eines Kalenders sei doch die perfekte Gelegenheit. Wer sollte schon gegen geschmackvolle Erotikaufnahmen etwas einwenden? Vor allem bei ihnen, die sie ja richtige Berufe haben, erfolgreich sind, Kinder aufziehen, Feuer l&amp;ouml;schen, St&amp;auml;lle ausmisten oder studieren. Stark seien sie ja eh schon, finden sie. Das glaubt man ihnen sofort &amp;ndash; im Gespr&amp;auml;ch. Auf den Fotos sieht man es nicht. &lt;br /&gt; J&amp;uuml;rgen Wunderlich, der allein f&amp;uuml;nf Erotikkalender pro Jahr herausbringt, und das seit Jahren, wei&amp;szlig;, was sich verkauft. Ob die Frauen nur ihre Br&amp;uuml;ste zeigen oder man sogar die Schamlippen erahnen kann unter durchsichtigen Slips, ist egal. &amp;raquo;Die Szene muss anz&amp;uuml;glich sein, das ist wichtiger. Der Mann muss sich was vorstellen k&amp;ouml;nnen.&amp;laquo; Und das tut er. Auf Boulevardzeitungsseiten gibt es schon seit vergangenem November Klickstrecken von den freiz&amp;uuml;gigsten Bildern aus allen Kalendern, wild gemixt und wild kommentiert. &amp;raquo;Die nehmen jeden Schlauch in die Hand&amp;laquo; und &amp;raquo;bringen jede Leiter zum Ausfahren&amp;laquo;, unterschreiben Journalisten die Fotos von den nackten Feuerwehrfrauen. Und die Besucher der Internetseite hinterlassen Beitr&amp;auml;ge im gleichen Stil. Auch dass das eigene Foto nur im Umfeld anderer z&amp;uuml;chtiger Posen erscheint, ist in der Klickstrecke nicht mehr sicher: Stand eben noch eine freundliche Bauerstochter, die Scham wegdrehend, in einer Gruppe von s&amp;uuml;&amp;szlig;en Zicklein, ist im n&amp;auml;chsten Bild eine Frau zu sehen, die vorn&amp;uuml;bergebeugt mit gespreizten Beinen dasteht und mit dem Revolverlauf einer Taurus Raging Bull an ihren Arschbacken herumspielt. Neben der Fotostrecke prangt dann eine Anzeige f&amp;uuml;r Bezahlsex. &lt;br /&gt; Sp&amp;auml;testens jetzt sind alle pers&amp;ouml;nlichen Motivationen der teilnehmenden Frauen irrelevant geworden. Dass sie auch anders k&amp;ouml;nnen, n&amp;auml;mlich arbeiten, anpacken, erfolgreich sein, sieht man nicht. Was bleibt, ist das Bild von einer Frau, die vielleicht sexy ist, auf keinen Fall stark und in jedem Fall nackt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
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    <title>Das Beste aus aller Welt</title>
    <description>&lt;p&gt;Der erste B&amp;uuml;stenhalter, die &amp;auml;ltesten Exkremente, 2000 Pfund Honig in der Decke - das Jahr ist reich an spektakul&amp;auml;ren Entdeckungen. Unser Autor ist beeindruckt und spekuliert &amp;uuml;ber weitere verborgene Sch&amp;auml;tze.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/53447.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div&gt;Seit in Schwabing eine Riesenbombe entdeckt und gesprengt wurde, ist die Aufmerksamkeit gewachsen f&amp;uuml;r das, was noch, seit Langem verborgen, wartet und wartet und wartet, tief unter uns. Oder &amp;uuml;ber uns? Neben uns? In uns?&amp;nbsp;Dieses Jahr ist ein Jahr bedeutender Entdeckungen, was das angeht. In einem Tiroler Schloss etwa fand man (schon 2008) eine uralte Textilie, die aber erst jetzt (also 2012) als &amp;auml;ltester B&amp;uuml;stenhalter der Welt identifiziert wurde, aus den Jahren zwischen 1440 und 1485 stammend und &amp;uuml;ber Jahrhunderte versteckt im Hohlraum eines Holzfu&amp;szlig;bodens, wohin man ihn irgendwann, zusammen mit anderer Altw&amp;auml;sche, als F&amp;uuml;llmaterial geworfen hatte. Niemand hatte gewusst, dass im Mittelalter BHs gebr&amp;auml;uchlich waren. Die Textilgeschichte muss neu geschrieben werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In der N&amp;auml;he Leipzigs entdeckten Arch&amp;auml;ologen die &amp;auml;lteste Handtasche der Welt, aus der Zeit zwischen 2500 und 2200 vor Christus. Das hei&amp;szlig;t, gefunden wurden nur hundert Hundez&amp;auml;hne, alle in einer Richtung angeordnet, so dass man vermutet, sie h&amp;auml;tten eine Handtasche dekoriert, was auch sonst? Das Leder der Tasche hat die Zeit nicht &amp;uuml;berstanden, aber ist es nicht ph&amp;auml;nomenal zu wissen, dass schon vor mehr als 4000 Jahren Frauen in Handtaschen kramten, grummelnd und fluchend nach etwas suchend? Wie wenig der Mensch sich entwickelt hat seitdem!&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Andererseits: Man stelle sich vor, eine Dame w&amp;uuml;rde heute durch M&amp;uuml;nchen spazieren, eine Handtasche mit hundert Hundez&amp;auml;hnen &amp;uuml;ber der Schulter! Die Zahl der Hundefreunde hat doch zugenommen seit 2500 vor Christus, und sie sind gut organisiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nicht zuletzt fand man heuer in einer H&amp;ouml;hle im s&amp;uuml;dlichen Oregon/USA einen der &amp;auml;ltesten erhaltenen, nun ja, menschlichen Kothaufen, 14 000 Jahre alt. Die Exkremente fanden sich in einer besonders trockenen, um nicht zu sagen &amp;ndash; wie es in diesem Fall &amp;nbsp;erlaubt sein muss &amp;ndash; furztrockenen H&amp;ouml;hle, in welcher sie damals sofort von Bakterien &amp;uuml;berfallen wurden, die alle Feuchtigkeit in ihnen vernichteten. Es blieb &amp;uuml;brig: langsam versteinernde Substanz.Aber m&amp;ouml;chte man, dass es das ist, was von einem bleibt, nach so langer Zeit? Ein Haufen Schei&amp;szlig;e?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der bemerkenswerteste Fund dieses Jahres (bis jetzt!) fand sich jedoch in Ontario/Kanada, wo dem Ehepaar Loretta und Kevin Yates eines Morgens auffiel, dass aus der Decke &amp;uuml;ber der K&amp;uuml;che Honig auf den Boden tropfte, ja, man fand im Hohlraum zwischen der Decke dieser K&amp;uuml;che und dem Fu&amp;szlig;boden des ersten Stocks nicht, wie in Tirol, alte B&amp;uuml;stenhalter. Sondern etwa zweitausend Pfund Honig.&amp;nbsp;So weit die gute Nachricht.Die schlechte: Der Honig war produziert worden von 180000 Bienen, die sich ebenfalls in dem Hohlraum befanden, erstaunlicherweise unbemerkt seit etwa vier Jahren. (Na ja, den Leuten waren schon Bienen aufgefallen, aber sie hatten nicht gewusst, wo sie lebten, und die Yates sind anscheinend Leute von der Art, die sich nicht sehr an Bienen st&amp;ouml;rt.) Jedenfalls musste ein Imker kommen, die K&amp;ouml;nigin oder die K&amp;ouml;niginnen der Bienen finden und die Tiere damit umsiedeln. Bleiben konnten sie nicht. Was aus dem Honig wurde, ist mir nicht bekannt.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Wichtiger ist ja auch zu bedenken: Von wie vielen unentdeckten Dingen wir umgeben sind, seit Jahrtausenden, Jahrhunderten, Jahrzehnten, Jahren. K&amp;ouml;nnte es sein (angesichts dieser Tatsache!), dass sich in der Decke &amp;uuml;ber meinem Wohnzimmer zum Beispiel eine winzige Zentralbank befindet, die seit l&amp;auml;ngerer Zeit Geld druckt, ohne dass es uns je aufgefallen w&amp;auml;re? (Wir sind halt die Art von Leuten, denen Zentralbanken nicht so auffallen). Und pl&amp;ouml;tzlich sickert dieses Geld durch die Dielen und es kommt immer noch mehr Geld, Geld, Geld. Pure, scheu&amp;szlig;liche Inflation.&amp;nbsp;Oder es befindet sich dort, &amp;uuml;ber alle Hohlr&amp;auml;ume des Hauses verteilt, ein vor sich hin wucherndes Gesundheitsministerium, das seit Bestehen dieses Hauses dort still das Gesundheitssystem reformiert? Oder es leben dort 180 000 SPD-Kanzler-kandidaten, und wir bemerken sie erst, wenn die Regierungsprogramme zu Boden tropfen?&amp;nbsp;Besser, ich schau nicht nach &amp;hellip;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;</description>
    <dc:subject>Das Beste aus aller Welt</dc:subject>
    <dc:creator>Axel Hacke</dc:creator>
    <dc:date>2012-11-09T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Radiergummi fürs Gehirn</title>
    <description>&lt;p&gt;Die Hochkultur sieht nicht fern? Von      wegen. Wir haben K&amp;uuml;nstler und Intellektuelle gefragt, bei      welchen Sendungen sie h&amp;auml;ngenbleiben.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46331.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;Martin Mosebach&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Schriftsteller&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ich habe einen sehr kleinen Fernseher, der mit einer bodenlangen Decke unter einem Tisch versteckt ist, weil ich Zimmer mit Fernseher nicht sch&amp;ouml;n finde. Wenn &amp;uuml;berhaupt, kommt das Ger&amp;auml;t in schlaflosen N&amp;auml;chten zum Einsatz. Ich liege dann auf dem Teppich und bleibe an erstaunlichen und beunruhigenden Dingen h&amp;auml;ngen. Am n&amp;auml;chsten Tag bin ich jedes Mal w&amp;uuml;tend, so lange wach geblieben zu sein und mich im Halbschlaf durch die Programme gezappt zu haben. Vielleicht haben die Italiener die fortschrittlichste Art fernzusehen: Die geben dem Fernseher einen Platz in ihrem Leben, ohne ihn zu beachten.&amp;nbsp; Er l&amp;auml;uft Tag und Nacht und spendet die Behaglichkeit eines flackernden Kaminfeuers. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46333.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;Elke Heidenreich&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Kritikerin und Schriftstellerin&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fernsehen ist wichtig, aber man darf sich nicht davon beherrschen lassen. Ich schaue heute viel weniger als fr&amp;uuml;her, vielleicht ein bis zwei Stunden am Tag, am liebsten Nachrichten (muss sein!), Opern- und Konzert&amp;uuml;bertragungen, au&amp;szlig;erdem so oft wie m&amp;ouml;glich Kulturzeit, weil da die Themen behandelt werden, die mich interessieren, und Verbotene Liebe, weil es komisch ist und mir den Tag so sch&amp;ouml;n zum Abend hin strukturiert. Ich schaue nie Sport, selten Talkshows, hasse Kochsendungen und vermisse eine gute B&amp;uuml;chersendung. Neulich habe ich eine tolle Sache auf Vox entdeckt: Martin R&amp;uuml;tter, der Hundetrainer. Sehr komisch. Inzwischen mache ich da selbst mit meinem Mops Vito mit! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Schorsch Kamerun und Anne-Sophie Mutter&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46349.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;Schorsch Kamerun&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Musiker und Theaterregisseur&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Das deutsche Fernsehen hat ein Problem, weil es ein reines Best&amp;auml;tigungsmedium ist. In den Talkshows sitzen Papageien, von denen man vorher schon wei&amp;szlig;, welchen Stadtpunkt sie wiederholen werden. Ein wirklicher Diskurs kann so nicht stattfinden, niemand will tats&amp;auml;chlich etwas herausfinden. Die franz&amp;ouml;sische Sendung 28 Minuten auf Arte macht das bedeutend besser: Ein politischer Liedermacher, ein Philosoph und eine Neurologin diskutieren &amp;uuml;ber die &amp;raquo;Unm&amp;ouml;glichkeit des Nichtl&amp;uuml;gens&amp;laquo; im Leben, im Laufe der Sendung modifizieren sie ihre eigenen Positionen. Deutsche Talkshows sind eine L&amp;uuml;ge, weil sie behaupten, etwas frei untersuchen zu wollen, tats&amp;auml;chlich aber nur unbeweglich abnudeln. Da schaue ich lieber Schlacht-Formate wie Topmodel oder Dschungelcamp, die sind ehrlicher, weil sie offen mit ihrem voyeuristischen Ansinnen umgehen. Mir sind diese archaischen Stellvertreterwettk&amp;auml;mpfe lieber als die pseudoauthentischen Themenbegradiger. Ansonsten bin ich ein ordentliches Fernsehkind, aufgewachsen mit Sportschau, Tatort, Der (alte!) Alte. Beim Aktuellen-Sport-Studio-Vorspann sp&amp;uuml;re ich sofort Gl&amp;uuml;ckshormone. So ein Gef&amp;uuml;hl k&amp;ouml;nnen die zweifellos pr&amp;auml;chtig gemachten amerikanischen Serien nur schwer herstellen. Ich habe es probiert, The Wire, Treatment, Mad Men, halte aber nie l&amp;auml;nger als eine Staffel durch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46351.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;Anne-Sophie Mutter&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Geigerin&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Als Kind durfte ich fast gar nicht fernsehen, h&amp;ouml;chstens ab und an Flipper, und genauso habe ich auch meine Kinder erzogen: wenig Fernsehen, ausgew&amp;auml;hlte Sendungen. Das Medium neigt zur Oberfl&amp;auml;chlichkeit und regt nicht unbedingt zum Nachdenken an. Filme schaue ich eigentlich nur im Kino oder Flugzeug. Das hat den Vorteil, dass es keine Werbepausen gibt. Ansonsten schaue ich haupts&amp;auml;chlich 3sat, Arte und Phoenix, au&amp;szlig;erdem Dr. House, den ich mir bei iTunes runterlade, damit ich ihn im Original sehen kann. Ich mag, dass dieser Mann - er ist ja selbst tablettenabh&amp;auml;ngig - eine gespaltene und bizarre Arztfigur ist, eben kein Halbgott in Wei&amp;szlig;. Ich liebe auch Tennisturniere wie Wimbledon und Roland Garros &amp;ndash; da bleibe ich schon mal ein paar Stunden h&amp;auml;ngen. Schade finde ich, dass Harald Schmidt abgesetzt wurde, ich war dreimal selbst Gast bei ihm, ein sehr gebildeter Mann, mit dem man auch gut &amp;uuml;ber Musik sprechen kann. Bei Wetten, dass . . ? war ich ebenfalls. Gibt es eigentlich schon einen Nachfolger f&amp;uuml;r Gottschalk? Wenn ja, habe ich das verpasst, vielleicht war ich gerade in Australien.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;R&amp;uuml;diger Safranski und Fritz J. Raddatz&quot;]&lt;/span&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46339.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;R&amp;uuml;diger Safranski&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Philosoph&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ich habe meinen Fernseher vor f&amp;uuml;nf Jahren abgeschafft, weil ich glaube, dass es im Fernsehen nichts gibt, von dem ich denke, dass ich es nicht verpassen sollte &amp;ndash; nicht einmal die Sendungen, in denen ich selbst vorkomme. Gottlob befinde ich mich inzwischen sogar jenseits des Abscheus, weil ich keine Sendung mehr gut genug kenne, um sie verabscheuen zu m&amp;uuml;ssen. Ich halte es mit dem Berliner Spruch: &amp;raquo;Erst gar nicht ignorieren.&amp;laquo; Zugegeben, ich schaue ganz gern Fu&amp;szlig;ball - aber das ist bei sogenannten Intellektuellen inzwischen auch ein Klischee. Was soll ich sagen: Das Fernsehen ist wie Atmen, R&amp;uuml;lpsen, Schwitzen, Verdauen. Es ist unvermeidlich. Vielleicht macht es ja alle anderen Menschen kl&amp;uuml;ger, aber mich macht es d&amp;uuml;mmer. Alle schw&amp;auml;rmen von den Serien aus den USA. Ich habe seit Bonanza keine amerikanische Serie mehr angeschaut. Keine amerikanischen Serien anzusehen, das geh&amp;ouml;rt &lt;br /&gt; inzwischen zu meinen liebsten Gewohnheiten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46341.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;Fritz J. Raddatz&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Kritiker und Schriftsteller&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ich schaue am liebsten Tierfilme, schn&amp;auml;belnde Tauben, Zugv&amp;ouml;gel, die aus dem S&amp;uuml;den zur&amp;uuml;ckkehren. Au&amp;szlig;erdem entdecke ich immer wieder &amp;Auml;hnlichkeiten zum menschlichen Verhalten &amp;ndash; in der Sexualit&amp;auml;t, aber auch beim Kampf um die Macht. Ich sehe, wie der alte, grollende Chef eines Schimpansenclans verdr&amp;auml;ngt wird: Das bin dann ich. &lt;br /&gt; Manchmal bleibe ich auch bei einem Krimi h&amp;auml;ngen. Die benutze ich wie Gottfried Benn seine Kriminalromane: als Radiergummi f&amp;uuml;rs Gehirn. &amp;Uuml;ber den Rest bin ich ehrlich gesagt schaurig emp&amp;ouml;rt. Das Programm ist zu einer Schunkelveranstaltung verkommen: Quizshows, Volksmusik, Talkrunden ohne Ende - alles grauenvoll. Die Fernsehfuzzis verwenden gern das Wort Format, nur leider hat ihr Programm genau eines nicht: Format. Allein das Deutsch, das gesprochen wird, auch in den Nachrichten. St&amp;auml;ndig fordert man die sogenannten Immigranten auf, endlich Deutsch zu lernen. Da kann ich nur sagen: Geht doch selber ans Goethe-Institut nach Ankara und lernt Deutsch. Von mir aus soll man Gottschalk abschaffen, wenn er keine Quote bringt, aber doch nicht eine noble Sendung wie Das Philosophische Quartett. Kultur hat nichts mit Quote zu tun. Als Kafka starb, ist sein erstes Buch noch in der Erstauflage zu kaufen gewesen. Heute ist er Weltautor. Man muss einen Hunger schon wecken, Neugier auf Qualit&amp;auml;t. Jemand, der nie ein gutes Steak gegessen hat, wird beim Fleischer auch keines verlangen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Roger Willemsen und Christian Thielemann&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46353.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;Roger Willemsen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Schriftsteller und Moderator&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Wenn ich fernsehe, kommt es mir so vor, als s&amp;auml;he mein Fernseher mich an, wie ich daliege. Ich habe den Eindruck, dass ich ihm nicht gefalle. Sicher denkt er, ich sei was Besseres. Neulich musste Ursula von der Leyen in einer Quizsendung namens Schlau wie die Tagesschau in einem Raumfahrtanzug Minigolf spielen. Das war gutes Fernsehen. Da habe ich wieder mal gestaunt, dass es das gibt, und zwar schon seit den F&amp;uuml;nfzigern. Also f&amp;uuml;r mich gibt es keinen Grund f&amp;uuml;r Kulturpessimismus. Trotzdem habe ich nat&amp;uuml;rlich pomp&amp;ouml;se Vorstellungen von dem, was man mit dem Fernsehen machen k&amp;ouml;nnte oder h&amp;auml;tte machen k&amp;ouml;nnen. Weil die Fernsehmacher diese Vorstellungen nicht teilen, schaue ich zur Strafe b&amp;ouml;sartig und schadenfroh Fernsehen. Ich glaube, das machen viele so. Die meisten wollen nicht vor Millionen im Raumfahrtanzug Minigolf spielen und locker tun. Ich schaue ZDF-Fernsehgarten und will G&amp;auml;rtner sein, ich schaue Frauentausch auf RTL 2 und m&amp;ouml;chte auch mal getauscht werden. Wenn mich der Fernseher ansieht, bin ich ne richtig billige Type. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46345.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;C&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;hristian Thielemann&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Dirigent&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ich habe nicht einen, sondern zwei Fernseher zu Hause, richtig moderne mit Flachbildschirm. Meistens schaue ich nachts nach einem Konzert. Polizeiruf 110 oder ein alter Tatort gehen eigentlich immer, nur d&amp;uuml;rfen die Menschen nicht zu h&amp;auml;sslich und die Geschichte nicht zu deprimierend sein. Wenn ich ehrlich bin: Ich bleibe nachmittags manchmal bei einer dieser Gerichtsshows h&amp;auml;ngen. Ich wei&amp;szlig;, dass die alle gestellt sind, aber irgendwie kann ich mich an der Unzul&amp;auml;nglichkeit der Schauspieler erfreuen.&lt;br /&gt; Au&amp;szlig;erdem schaue ich gern Natursendungen, Tiere in Feuerland, Eisberge, die friedlich in den Weiten des Meeres dahintreiben; und nat&amp;uuml;rlich alte James-Bond-Filme. Die sind viel entspannender als diese schrecklichen Talkshows, in denen immer die gleichen G&amp;auml;ste sitzen und st&amp;auml;ndig vom Moderator unterbrochen werden. Ganz schlimm finde ich deutsches Kulturfernsehen, Dreiminutenbeitr&amp;auml;ge &amp;uuml;ber eine Sopranistin oder einen Maler. Das ist so oberfl&amp;auml;chlich und vollgestopft mit Superlativen - ekelhaft. Immer tun die Sprecher so, als w&amp;auml;ren K&amp;uuml;nstler besonders glamour&amp;ouml;s, extrem oder radikal. Stimmt alles nicht. Glauben Sie mir. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;(Fotos: dpa, actionpress, AP Photo, sz)&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;</description>
    <dc:subject>Radiergummi fürs Gehirn</dc:subject>
    <dc:creator></dc:creator>
    <dc:date>2012-05-21T12:00:00+01:00</dc:date>
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  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37539">
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    <title>Gutes Morgen!</title>
    <description>&lt;p&gt;&amp;Uuml;bernehmen Apple, Google und Youtube die Macht?      Kriegen wir unsere Programme aus dem Internet? D&amp;uuml;rfen wir endlich selber      w&amp;auml;hlen, was kommt? So viel ist sicher: Vieles wird besser      (vielleicht sogar alles). F&amp;uuml;nf Prognosen zur Zukunft des Fernsehens.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46221.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Noch in diesem Jahr sollen mehr als 100 Youtube-Kan&amp;auml;le auf Sendung       gehen: Internet-Programme f&amp;uuml;r junge M&amp;uuml;tter, Computer-Nerds,  Hispanics,      Extremsportler, Fashionistas.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;(1)&amp;nbsp; &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;Fernsehen wird neu erfunden - nicht von den Fernsehsendern.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im April wurde der Apple-Chef Tim Cook bei einem Besuch im Washingtoner Hauptquartier des Spiele-Unternehmens Valve gesichtet. Sofort liefen die Ger&amp;uuml;chte hei&amp;szlig;. Apple, meldeten Websites wie &lt;em&gt;Cult of Mac,&lt;/em&gt; plane f&amp;uuml;r sein Fernsehger&amp;auml;t eine Steuerung durch K&amp;ouml;rperbewegungen, Valve solle die Technologie liefern. Nicht dass Apple jemals angek&amp;uuml;ndigt h&amp;auml;tte, an einem Fernsehger&amp;auml;t zu arbeiten. Doch weil &lt;br /&gt; Steve Jobs vor seinem Tod seinem Biografen Walter Isaacson erz&amp;auml;hlte, er habe das Geheimnis geknackt, wie der Fernseher der Gegenwart aussehen m&amp;uuml;sse, sind nun Apple-Apostel, Wall-Street-Analytiker und Konkurrenten davon &amp;uuml;berzeugt, dass es bald losgehen wird mit der Fernseh-Revolution. Hat sich nicht vor wenigen Monaten Foxconn, das Unternehmen, von dem Apple seine Rechner zusammenbauen l&amp;auml;sst, bei Sharp eingekauft, um sich Monitor-Nachschub zu sichern? Schreien all die Apple-Erfindungen - die gro&amp;szlig;artigen Benutzeroberfl&amp;auml;chen, die Siri-Sprachsteuerung, die iCloud, die App-Stores - nicht danach, durch einen Fernseher komplettiert zu werden? Hat nicht ein anonymer &lt;em&gt;Cult of Mac&lt;/em&gt;-Informant den Apple-Kasten schon gesehen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Herbst 2012 soll es so weit sein, 2000 Dollar soll das Ger&amp;auml;t, das vielleicht iTV hei&amp;szlig;en wird, kosten, vielleicht auch blo&amp;szlig; 1000, weil sich Apple eine aggressive Preispolitik leisten kann und es seinem Nimbus schuldig ist, den Markt, in den es neu eintritt, zu pulverisieren. Der ist ohnehin in der Krise. Gerade gab Sony bekannt, dass man in diesem Gesch&amp;auml;ftsjahr mit 4,9 Milliarden Euro Verlust rechnet, zu dem vor allem die seit acht Jahren hoch defizit&amp;auml;re Fernsehsparte beitr&amp;auml;gt. Bei Panasonic, LG, Sharp und Philips sieht es &amp;auml;hnlich aus. Da kann man einen neuen Mitbewerber nicht wirklich gebrauchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Aber eine Hoffnung bleibt den angeschlagenen Fernseher-Herstellern. Denn nicht nur Apple dr&amp;auml;ngt in den Markt, sondern auch der Suchmaschinenkonzern Google. Vor Kurzem hat Google.tv die neueste Generation seiner Set-Top-Boxen vorgestellt, ab Herbst soll es sie auch in Deutschland geben. Und anders als Apple kann Google nicht nur f&amp;uuml;r Internet-Zugang und Apps, sondern auch f&amp;uuml;r eigene Inhalte auf den Fernsehern sorgen. Youtube, Googles Video-Portal, ist gerade dabei, sich ein wenig neu zu erfinden, als Fernsehproduzent. Noch in diesem Jahr sollen nach und nach insgesamt mehr als 100 Kan&amp;auml;le auf Sendung gehen, Internet-Programme f&amp;uuml;r junge M&amp;uuml;tter, Hispanics, Fashionistas, oder &amp;raquo;Machinima&amp;laquo;, ein Kanal f&amp;uuml;r Video-Spieler, der es im Januar auf 149 Millionen Zuschauer brachte. Manche der neuen Angebote werden von Stars kuratiert. Hinter &amp;raquo;DanceOn&amp;laquo; steht Madonna, Shaquille O&amp;rsquo;Neal betreibt einen Comedy-Kanal, der Rapper Jay-Z einen Lifestyle-Sender. Lauter Programme f&amp;uuml;r kleine, eher junge Zielgruppen, kein spektakul&amp;auml;res Fernsehen, schon weil die Budgets beschr&amp;auml;nkt sind (Youtube hat zur Programmentwicklung 100 Millionen Dollar beigesteuert, aber doppelt so viel f&amp;uuml;r das Marketing ausgegeben), doch mit einer gr&amp;ouml;&amp;szlig;eren Glaubw&amp;uuml;rdigkeit bei internetaffinen Zuschauern als das meiste, was im normalen Fernsehprogramm l&amp;auml;uft. Was Google daf&amp;uuml;r will: User, die mehr Zeit auf der Website verbringen als die 15 Minuten t&amp;auml;glich, mit denen sich Youtube-Besucher bisher begn&amp;uuml;gen. Und Anzeigenerl&amp;ouml;se. Schlie&amp;szlig;lich hat der Fernsehwerbemarkt in den USA ein Volumen von 60 Milliarden Dollar, 30-mal mehr, als f&amp;uuml;r Werbung im Internetvideo-Markt ausgegeben wird. Wenn Google.tv und die Youtube-Offensive erfolgreich sind, k&amp;ouml;nnten auch die Fernsehhersteller davon profitieren, denn Google l&amp;auml;sst seine Empfangsger&amp;auml;te von Sony und LG bauen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;(2) Sender verlieren an Bedeutung, Apps werden wichtig.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;F&amp;uuml;r die Sender allerdings ist die neue Konkurrenz gef&amp;auml;hrlich. Nicht einmal deswegen, weil sie sich nun gegen noch mehr Spartenkan&amp;auml;le behaupten m&amp;uuml;ssen. Sondern weil die neuen internetf&amp;auml;higen Fernseher (2015 werden das weltweit 60 Prozent aller neu ausgelieferten Ger&amp;auml;te sein) ihre privilegierte Rolle unterminieren. Sie waren das, was man nicht vermeiden konnte, wenn man die Glotze anmachte: Anbieter, die auf ihren Sendepl&amp;auml;tzen ihre Programme ausstrahlten, ob es sich um Talkshows handelte oder Volksmusik. Bei den neuen &amp;raquo;Smart TVs&amp;laquo; wird das anders sein. Wenn man sie einschaltet, landet man nicht unbedingt auf einem Sendeplatz, sondern auf einer Benutzeroberfl&amp;auml;che mit lauter Apps, wie beim Smartphone. Eine App kann zum Live-Programm eines Senders f&amp;uuml;hren, aber auch zu einer Online-Videothek oder zur &amp;raquo;Digital Concert Hall&amp;laquo;, in der man sich Konzerte der Berliner Philharmoniker ansehen kann (das Monats-Abo kostet 14,90 Euro). Apps definieren v&amp;ouml;llig neu, was Fernsehen ist: jeder Bewegtbild-Inhalt, ob linear oder zeitversetzt konsumiert, ob Internet-Video oder aufwendiges Programm. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Markt hat ein Riesenpotenzial: Laut einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens GigaOM Pro werden die von TV-Apps generierten Gewinne 2015 bei 1,9 Milliarden Dollar liegen. 2010 betrugen sie noch zehn Millionen Dollar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;(3) Menschen schauen nicht nur in einen einzigen Bildschirm.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Viele Apps sind allerdings nur gut gemeint. Facebook auf dem Fernseher: schlechte Idee, weil jeder im Zimmer mitlesen kann. Au&amp;szlig;erdem hat beim Fernsehen mittlerweile fast jeder ein zweites Ger&amp;auml;t in Betrieb, das Handy, zunehmend auch den Tablet-Computer. Zahllose Untersuchungen belegen, wie verbreitet das sogenannte &amp;raquo;Second Screen&amp;laquo;-Ph&amp;auml;nomen geworden ist, der Umstand, dass TV-User beim Gucken etwas im Internet nachschlagen, twittern oder mailen. Je j&amp;uuml;nger das Publikum, desto virtuoser das mediale Multitasking. Eine von Time Warner in Auftrag gegebene Studie ergab, dass &amp;raquo;digital natives&amp;laquo;, mit dem Netz gro&amp;szlig; gewordene Menschen in den Zwanzigern, innerhalb einer einzigen Stunde 27-mal das Medium wechseln. Auch Stefan Knecht, der f&amp;uuml;r das Marktfoschungsunternehmen Nurago Kommunikation erforscht, wei&amp;szlig;, wie fl&amp;uuml;chtig Aufmerksamkeit geworden ist: Der durchschnittliche Smartphone-Nutzer, erz&amp;auml;hlt er, kann leicht hundertmal am Tag seinen Touchscreen anfassen, lauter Sekunden-Aktivit&amp;auml;ten, die er nicht in Erinnerung beh&amp;auml;lt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nat&amp;uuml;rlich wollen auch die Sender das Ph&amp;auml;nomen f&amp;uuml;r ihre Zwecke ausnutzen. &amp;raquo;Companion Apps&amp;laquo; liefern Bonusmaterial zu ihren Sendungen, Sportstatistiken zum Beispiel, selbstverst&amp;auml;ndlich auch Werbung. Schlie&amp;szlig;lich sabotiert es ihr Gesch&amp;auml;ftsmodell, wenn die Zuschauer jedes Mal, sobald ein Werbeblock anf&amp;auml;ngt, Zuflucht zu ihren Handys nehmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;(4) &amp;Uuml;ber das Fernsehen wird wieder geredet - im Netz. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ende 2011 untersuchte die US-Marktforschungsfirma NM Incite, wie sich die sozialen Netzwerke auf das Fernsehen auswirken. Das Ergebnis: Wenn auf Facebook und in Blogs die H&amp;auml;ufigkeit, mit der &amp;uuml;ber ein Programm gesprochen wird, um neun Prozent steigt, steigt die Quote um ein Prozent. Schon deswegen wollen die Sender ihre Zuschauer auf den neuen Kommunikationskan&amp;auml;len erreichen - auch &amp;uuml;ber Social-TV-Apps f&amp;uuml;r die Zweitschirme (von denen es mittlerweile um die 50 gibt). In Deutschland erreichten Pro7 und SAT.1 w&amp;auml;hrend der Casting-Show &lt;em&gt;The Voice &lt;/em&gt;mit der Social-TV-Anwendung &amp;raquo;Connect&amp;laquo; 270 000 Zuschauer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch die Werbung macht sich die Kommunikation &amp;uuml;ber das Fernsehprogramm zunutze. Die Agentur Bluefin Labs etwa wertet Twitterstr&amp;ouml;me aus. Typisches Beispiel: Beim Start von&lt;em&gt; New Girl&lt;/em&gt; mit der amerikanischen S&amp;auml;ngerin und Schauspielerin Zooey Deschanel wurde festgestellt, dass auff&amp;auml;llig viele, die die Sitcom kommentierten, auch die Serie &lt;em&gt;Suburgatory&lt;/em&gt; erw&amp;auml;hnten. So k&amp;ouml;nnen Werbeagenturen erfahren, wo sie das Publikum, auf das sie es abgesehen haben, sonst noch antreffen. Fest steht: In der &amp;Auml;ra des &amp;raquo;Smart TV&amp;laquo; wird der Zuschauer gr&amp;uuml;ndlicher analysiert werden als je ein Fernsehzuschauer vor ihm.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;(5) Dem Fernsehen bleibt nichts anderes &amp;uuml;brig, als gut zu werden.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ende April, das Erich-Pommer-Institut, eine Instanz in der deutschen Fernsehforschung, hat amerikanische und europ&amp;auml;ische Autoren und Produzenten nach Berlin zum &amp;raquo;European TV Drama Series Lab&amp;laquo; eingeladen, um den Nachwuchs mit Zukunftsoptimismus zu impfen. Schlie&amp;szlig;lich ist vieles, was in der Glotze l&amp;auml;uft, miserabel. Da kann man schon daran zweifeln, ob man die richtige Berufswahl getroffen hat. Keine Angst, sagt Frank Spotnitz, der mal f&amp;uuml;r die Serie &lt;em&gt;Akte X&lt;/em&gt; t&amp;auml;tig war, in seiner Er&amp;ouml;ffnungsrede, nie waren die Zeiten so gut f&amp;uuml;r Schreiber, die sich tolle Geschichten ausdenken, nie hatten wir, die brains, so viel Macht, nie waren die Chancen so hoch, dass man uns abkauft, was wir uns ausdenken. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber was ist mit all den dummen Reality-Shows, fragt jemand aus dem Publikum. Das kann man nur einmal senden und danach nie wieder, sagt Spotnitz, das ist das Gegenteil von Nachhaltigkeit. Eine gute Fernsehserie dagegen verkauft sich jahrelang. Man muss sich nicht einmal mehr bem&amp;uuml;hen, so viele Leute wie m&amp;ouml;glich zu erreichen. &lt;em&gt;Mad Men&lt;/em&gt; hatte in Amerika nur anderthalb Millionen Zuschauer, und trotzdem redet die ganze Welt &amp;uuml;ber sie. Man kann im Fernsehen endlich gute Geschichten erz&amp;auml;hlen, so &amp;uuml;berraschend und so wahnsinnig wie nie zuvor, die Leute werden es lieben, weil sie gute Geschichten lieben. Also braucht das Fernsehen gute &lt;br /&gt; Geschichten. W&amp;auml;re sch&amp;ouml;n, wenn Spotnitz recht behielte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Gutes Morgen!</dc:subject>
    <dc:creator>Peter Praschl</dc:creator>
    <dc:date>2012-05-18T12:00:00+01:00</dc:date>
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  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37505">
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    <title>Bretter, die die Welt bedeuten</title>
    <description>&lt;p&gt;Das gleiche Regal, verschiedene      Aussichten: Wenn Menschen bei Straftaten psychisch krank waren, kommen      sie nicht ins Gef&amp;auml;ngnis, sondern in den Ma&amp;szlig;regelvollzug. So lang,      bis sie als &amp;raquo;nicht mehr gef&amp;auml;hrlich&amp;laquo; gelten. Wie richtet sich jemand ein,      der nicht wei&amp;szlig;, wann er wieder rausdarf?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45887.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Herr B.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delikt&lt;/strong&gt; Mord&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Diagnose&lt;/strong&gt; Paranoide Schizophrenie,      Cannabis-Abh&amp;auml;ngigkeit&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Unterbringungsdauer&lt;/strong&gt; seit Juni 2005&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Lockerungsstufe&lt;/strong&gt; 3 (darf allein auf das Gel&amp;auml;nde, aber nur zu vorher festgelegten Zwecken)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Ich mag Frauen. Vor allem, wenn sie sch&amp;ouml;n geschminkt sind. Ich      habe mich mit der Bibel besch&amp;auml;ftigt. Eva hatte eben Lust und Verlangen      nach etwas anderem. So sind Frauen. Die wollen ausgef&amp;uuml;hrt werden und was      zum Anziehen haben. Die m&amp;ouml;gen es, wenn man sich um sie k&amp;uuml;mmert.      Ich mag es, dass man sich mit Frauen gut pr&amp;auml;sentieren kann.&amp;laquo;   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;50 mal 80 Zentimeter, das ist der Platz von Frau B. und Herrn T., der kleine      Raum, auf dem sie zeigen k&amp;ouml;nnen, was sie besitzen, was ihnen wichtig ist,      woran sie sich festhalten. 50 mal 80 Zentimeter messen die Regalbretter      &amp;uuml;ber den Betten in der Klinik Nette-Gut f&amp;uuml;r Forensische Psychiatrie in der      N&amp;auml;he von Koblenz. 380 Menschen leben hier - 20 Frauen und 360 M&amp;auml;nner -      Sexualstraft&amp;auml;ter, M&amp;ouml;rder, P&amp;auml;dophile, Gewaltverbrecher, Dealer; Menschen,      vor denen die Gesellschaft Angst hat; Menschen, die manche gern f&amp;uuml;r immer      wegsperren w&amp;uuml;rden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jeweils zwei von ihnen teilen sich in der Regel      ein Zimmer: ein Bett f&amp;uuml;r jeden, ein Schrank f&amp;uuml;r jeden, ein Regal f&amp;uuml;r      jeden. Sie alle haben unter dem Einfluss einer psychischen oder einer      Suchterkrankung Straftaten begangen und wurden von einem Gericht meist f&amp;uuml;r      schuldunf&amp;auml;hig oder vermindert schuldf&amp;auml;hig erkl&amp;auml;rt. Deswegen sind sie nicht      im Gef&amp;auml;ngnis, sondern im Ma&amp;szlig;regelvollzug, &amp;raquo;zur Besserung und Sicherung&amp;laquo;,      wie es offiziell hei&amp;szlig;t. Wer krank ist, ist nicht schuld. Und wer      nicht schuld ist, kann seine Strafe nicht nach einer festgelegten Zeit      verb&amp;uuml;&amp;szlig;en. Er wird freigelassen, wenn er keine Gefahr mehr f&amp;uuml;r die      Allgemeinheit darstellt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie schwierig es aber ist, eine endg&amp;uuml;ltige      Wahrheit zwischen geistiger Gesundheit und Krankheit zu finden, zeigt sich      gerade im Prozess gegen den norwegischen Attent&amp;auml;ter Anders Behring      Breivik und die unterschiedlichen Bewertungen seiner psychischen      Zurechungs- und damit Schuldf&amp;auml;higkeit. Denn wann ist ein Mensch psychisch      gest&amp;ouml;rt? Wann ist er allgemeingef&amp;auml;hrlich und wann geheilt? Das wurde auch      vor dem Prozess in Oslo in letzter Zeit immer wieder diskutiert, seitdem      der Europ&amp;auml;ische Gerichtshof f&amp;uuml;r Menschenrechte die Praktiken der      Sicherungsverwahrung in Deutschland kritisierte, bei der Menschen nach der      Haftstrafe weiter auf unbestimmte Zeit eingesperrt werden k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seitdem      das Bundesverfassungsgericht die nachtr&amp;auml;glich verh&amp;auml;ngte      Sicherungsverwahrung als verfassungswidrig erkl&amp;auml;rt &amp;nbsp;hat, wird vor Gericht,      vor allem aber in Zeitungen und Talkshows weiter diskutiert: Es geht um      Sicherheit und W&amp;uuml;rde, um gesetzliche und gef&amp;uuml;hlte Gerechtigkeit; es geht      um Hafturlaub, der T&amp;auml;tern den Kontakt zum sozialen Au&amp;szlig;en erm&amp;ouml;glichen soll.      Und es geht um Schmerzensgeld, das denen zugestanden werden soll, die      andere verletzt haben und die selbst verletzt wurden, weil sie      rechtswidrig in Sicherungsverwahrung gehalten wurden. L&amp;auml;sst man T&amp;auml;ter zu      fr&amp;uuml;h frei, ist die allgemeine Sicherheit bedroht. H&amp;auml;lt man sie zu lange      fest, verletzt man ihr Menschenrecht auf Freiheit. Das ist das Dilemma.      Frei kommt, wer nicht mehr gef&amp;auml;hrlich ist. Das gilt auch im      Ma&amp;szlig;regelvollzug: Doch bis zu dieser Einsch&amp;auml;tzung kann es Jahre dauern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die      Klinik Nette-Gut liegt abgeschieden inmitten weiter Felder, in der N&amp;auml;he      verl&amp;auml;uft eine Schnellstra&amp;szlig;e. Ein doppelter Zaun mit Stacheldraht umgibt      das Gel&amp;auml;nde. Besucher m&amp;uuml;ssen durch eine Schleuse wie am      Flughafen und ihre Handys abgeben. Manche Patienten sind seit 25 Jahren in      der Klinik, andere sind erst vor ein paar Monaten hierher gekommen. Manche      sind psychisch schwer krank, einigen merkt man die Krankheit kaum noch an.      Verschiedene Lockerungsstufen legen fest, wie frei sich die Patienten auf      dem Gel&amp;auml;nde bewegen d&amp;uuml;rfen. Insgesamt gibt es neun Stufen: Stufe 1      bedeutet, man darf das Gel&amp;auml;nde nur mit Personal betreten; Stufe 4, man      darf das Gel&amp;auml;nde mit Personal verlassen; Stufe 9 hei&amp;szlig;t, der Patient ist      beurlaubt und kann versuchen, ein weitgehend normales Leben in Freiheit -      allerdings unter Betreuung der Klinik - zu beginnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den Patienten war      es wichtig, anonym zu bleiben. Sie haben eine Ahnung davon, wie viel Ablehnung ihnen au&amp;szlig;erhalb der Klinik entgegenschl&amp;auml;gt. Sie wollen nicht, dass ihr Leben in Freiheit noch schwerer wird, vorausgesetzt, sie k&amp;ouml;nnen die Klinik &amp;uuml;berhaupt irgendwann verlassen. Daf&amp;uuml;r durften wir ihre Regalbretter fotografieren und fragen, was ihnen der kleine Fleck Atmosph&amp;auml;re bedeutet. &amp;raquo;Es ist schon so, sagt ein Betreuer, dass man vom Zustand des Patienten schlie&amp;szlig;en kann.&amp;laquo; Ein Satz, der wahrscheinlich nicht nur f&amp;uuml;r Patienten gilt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Herr P.&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45893.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Herr P.&lt;br /&gt;Delikt&lt;/strong&gt; Sexueller Missbrauch von Kindern&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Diagnose&lt;/strong&gt; P&amp;auml;dophilie&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Unterbringungsdauer&lt;/strong&gt; seit August 2005&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Lockerungsstufe&lt;/strong&gt; 6 (Einzelausgang) &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Ich bin      Filmliebhaber. Actionfilme mag ich besonders. Ich habe alle      James-Bond-Filme. Wichtig ist mir in Filmen vor allem ein Happy-End. Ich glaube,      dass ich selbst auf einem guten Weg in meinem Leben bin. Die Therapie l&amp;auml;uft      gut. Ich kann frei &amp;uuml;ber mich und mein Delikt reden, ich bin pr&amp;auml;sent. Ich      habe Lockerungsstufe 6, dieses Jahr kommt die 7 und dann die 8.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Frau S.&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45895.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Frau S.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delikt&lt;/strong&gt; Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Diagnose &lt;/strong&gt;Paranoide      Schizophrenie, Verhaltensst&amp;ouml;rungen durch Opioide, Abh&amp;auml;ngigkeitssyndrom&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Unterbringungsdauer&lt;/strong&gt; seit September 2010&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Lockerungsstufe&lt;/strong&gt; 1 (darf nur mit Personal auf das      Gel&amp;auml;nde)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Mir ist K&amp;ouml;rperpflege sehr wichtig. Ich schminke mich auch. Aber      nicht immer. Je nachdem, wie ich Lust habe. Ich habe keine Komplexe. Ich      mag mein Aussehen. Vor allem mein Gesicht.&amp;laquo;   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Frau B.&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45901.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Frau B.&lt;br /&gt;Delikt&lt;/strong&gt; Bedrohung&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Diagnose &lt;/strong&gt;Borderline-Pers&amp;ouml;nlichkeitsst&amp;ouml;rung,      Polytoxikomanie, Pers&amp;ouml;nlichkeits- und Verhaltensst&amp;ouml;rungen&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Unterbringungsdauer&lt;/strong&gt; seit April 2002&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Lockerungsstufe &lt;/strong&gt;4&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;(Ausgang mit Personal)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Die Postkarten      sind von meiner Freundin, die ich fr&amp;uuml;her mal in der Psychiatrie      kennengelernt habe. Wir halten &amp;uuml;ber die Jahre Kontakt. Ich w&amp;uuml;rde auch      gern verreisen. Am liebsten in die USA, zum Grand Canyon oder nach Los      Angeles. Aber das wird schwierig, weil die Amerikaner so strenge      Einreisebedingungen haben. Man darf nicht psychisch krank, nicht      straff&amp;auml;llig und nicht drogenabh&amp;auml;ngig geworden sein -&lt;br /&gt;alles      Sachen, die auf mich zutreffen.&amp;laquo;   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Frau G.&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45903.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Frau G.&lt;br /&gt;Delikt &lt;/strong&gt;Versuchter Totschlag&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Diagnose&lt;/strong&gt; Histrionische      Pers&amp;ouml;nlichkeitsst&amp;ouml;rung, Transsexualismus, leichte Intelligenzminderung&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Unterbringungsdauer&lt;/strong&gt; seit M&amp;auml;rz 1998&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Lockerungsstufe&lt;/strong&gt; 5 (Ausgang mit anderen Patienten      oder Besuchern)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Es gibt viele, die einfach in den Raum kommen, meine Sachen ber&amp;uuml;hren,      auf den Boden werfen, kaputt machen oder wegnehmen. Ich bin sehr      misstrauisch und schlie&amp;szlig;e alles in einen Schrank, um &amp;Auml;rger zu      vermeiden. Zum Beispiel meine DVDs und CDs. Ich gucke alle m&amp;ouml;glichen Filme      - von Western bis zu Heimatfilmen. Musik mag ich auch, bis auf Heavy Metal      und Klassik. Ich sammle auch B&amp;uuml;cher &amp;uuml;ber Reisen, Psychologie      und Musik. Und ich habe dreizehn Stofftiere im Schrank, aber die      bedeuten mir nicht wirklich viel.&amp;laquo;   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Herr N.&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45909.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Herr N.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delikt &lt;/strong&gt;Vergewaltigung&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Diagnose&lt;/strong&gt; Mittelgradige      Intelligenzminderung mit deutlicher Verhaltensst&amp;ouml;rung, Alkoholmissbrauch&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Unterbringungsdauer&lt;/strong&gt; seit November 2002&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Lockerungsstufe&lt;/strong&gt; 4 (Ausgang mit Personal)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Ich bin      Bayern-M&amp;uuml;nchen-Fan, weil ich die Mannschaft gut leiden kann. Sie ist meine      Traummannschaft. Ich bin Mitglied im Fanclub. Die schreiben mir auch,      zum Beispiel zum Geburtstag. Wenn Bayern spielt, schaue ich mir das im      Fernsehen an. Und wenn ich hier rauskomme, m&amp;ouml;chte ich nach Bayern ziehen.      Die Marienstatue habe ich selbst in der Besch&amp;auml;ftigungstherapie gemacht.      Das hat mir richtig Spa&amp;szlig; gemacht. Ich bin gl&amp;auml;ubig und gehe oft in die      Kirche. F&amp;uuml;r mich ist Religion auch ein Hobby.&amp;laquo;   &lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Herr M.&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45911.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Herr M.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delikt &lt;/strong&gt;Gef&amp;auml;hrliche K&amp;ouml;rperverletzung&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Diagnose&lt;/strong&gt; Paranoide Schizophrenie, Verhaltensst&amp;ouml;rungen durch Cannabis-Missbrauch&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Unterbringungsdauer&lt;/strong&gt; seit August 2003&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Lockerungsstufe &lt;/strong&gt;1 (darf nur mit Personal auf das      Gel&amp;auml;nde)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Am Anfang war ich aggressiv, nach einiger Zeit bin ich in die      G&amp;auml;nge gekommen. Ich habe irgendwann einen Sinn in der Therapie      gesehen und dar&amp;uuml;ber nachgedacht, was schiefgelaufen ist. Da hat mir      meine Mutter die &amp;rsaquo;Nike Shox&amp;lsaquo; zur Belohnung geschenkt. Ich habe die Schuhe      getragen, bis die Sohle abgelaufen war, aber wegwerfen konnte ich sie      nicht. Das Bushido-Poster habe ich, weil er aus meiner Seele spricht.      Der singt &amp;uuml;ber das Ghetto. Und das ist nicht ein Ort. Das Ghetto      ist in mir. Von klein auf.&amp;laquo;   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Herr M.&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45913.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Herr M.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delikt&lt;/strong&gt; Versto&amp;szlig; gegen das Bet&amp;auml;ubungsmittelgesetz&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Diagnose&lt;/strong&gt; Polytoxikomanie, narzisstische Pers&amp;ouml;nlichkeitsst&amp;ouml;rung&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Unterbringungsdauer&lt;/strong&gt; seit M&amp;auml;rz 2009&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Lockerungsstufe 6&lt;/strong&gt; (Einzelausgang)&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&amp;raquo;Die Karte mit dem      Spruch von Gandhi - Sei Du selbst die  Ver&amp;auml;nderung, die Du dir w&amp;uuml;nschst f&amp;uuml;r      diese Welt - hat mir meine Oma geschickt.  In diesem Spruch finde ich      mich wieder. Ich halte mich an ihm  fest. Das Kreuz, das am Regal h&amp;auml;ngt,      habe ich im Gef&amp;auml;ngnis  bekommen. Im Gef&amp;auml;ngnis habe ich zum Glauben      gefunden. Ich spreche  Gedanken und Hilferufe an Gott aus. Die meisten      Hilferufe wende ich  aber an meine Eltern. Sie unterst&amp;uuml;tzen mich sehr, obwohl      es sie  viel &amp;Uuml;berwindung und eine lange Fahrtzeit kostet, hierher      zu  kommen.&amp;laquo;   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Herr T.&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45915.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Herr T.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Delikt&lt;/strong&gt; Verst&amp;ouml;&amp;szlig;e gegen das Bet&amp;auml;ubungsmittelgesetz&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Diagnose&lt;/strong&gt; Polytoxikomanie, spezifische Pers&amp;ouml;nlichkeitsst&amp;ouml;rungen&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Unterbringungsdauer&lt;/strong&gt; seit April 2009&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Lockerungsstufe&lt;/strong&gt; 6 (Einzelausgang)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Ich verbinde das Segeln      mit Freiheit. Es stellt meine Sehnsucht nach Freiheit dar. Der Trimaran      symbolisiert mich auf der Suche nach einem Ort, wo ich mich ausruhen kann.      Der Leuchtturm ist der Platz zum Ausruhen. Ich hoffe, dass ich diesen Ort      mal finden werde. Au&amp;szlig;erdem m&amp;ouml;chte ich gerne irgendwann segeln gehen,      aber das werde ich mir nicht leisten k&amp;ouml;nnen. Die Wurzel habe ich in der      G&amp;auml;rtnerei gefunden. Ihre gewundene Form hat &amp;nbsp;mich fasziniert. Sie      erinnert mich an menschliche Gedanken.&amp;laquo;   &lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Bretter, die die Welt bedeuten</dc:subject>
    <dc:creator>Christa Pfafferott</dc:creator>
    <dc:date>2012-05-16T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37515">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37515</link>
    <title>Der Knallkopf</title>
    <description>&lt;p&gt;Miguel Caballero ist kein Schneider wie jeder andere: Der Kolumbianer      stellt schusssichere Mode her, auf die sich Politiker der ganzen Welt      verlassen. Ein Werkstattbesuch.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;Nach dem Fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;ck macht sich der Firmenchef Miguel Caballero auf die Suche nach einem Mitarbeiter, auf den er schie&amp;szlig;en kann. Er schlendert erst durch die Entwicklungsabteilung: &amp;raquo;Guten Morgen. Habe ich euch schon angeschossen?&amp;laquo; Stummes Nicken. &amp;raquo;Aha. Na, vielleicht im Vertrieb.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Als er die Abteilung erreicht, sind die B&amp;uuml;ros leer. Es ist fr&amp;uuml;h, und seine Fabrik steht jenseits der Stadtgrenze von Bogot&amp;aacute; in Kolumbien. Vielleicht sind die Besch&amp;auml;ftigten sp&amp;auml;t dran. Vielleicht haben sie sich auf Warnung der Entwickler verdr&amp;uuml;ckt. Die Vorliebe Caballeros, auf das mittlere Management zu schie&amp;szlig;en, ist bekannt. Bleibt die Buchhaltung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dort haben sich die Mitarbeiter schon auf einen Kollegen geeinigt. &amp;raquo;Wusste doch, die Buchhalter hatte ich noch nicht alle durch&amp;laquo;, sagt Caballero. Z&amp;ouml;gerlich folgt ihm der Kollege in die Fabrikhalle. Er ist neu im Betrieb, keine vier Monate dabei. Er wusste, was ihn erwartet. Aber nun bef&amp;auml;llt ihn die Angst. Wenn Caballeros Assistenten die&amp;nbsp; Waffen bringen, ist noch jeder neue Mitarbeiter nerv&amp;ouml;s geworden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Miguel Caballero ist Modefabrikant. Er ist 44 Jahre alt und br&amp;uuml;stet sich, auf mehr als 400 Menschen geschossen zu haben. Seine Karriere begann mit einem Schuss auf seinen besten Freund, und seitdem hat ihn jede Kugel seinem Ziel n&amp;auml;her gebracht, der weltweit bekannteste Schneider von schussfester Mode zu werden. Er hofft, dass sein Name eines Tages einen Klang haben wird wie Louis Vuitton oder Ralph Lauren. Auch Caballero fertigt Ma&amp;szlig;anz&amp;uuml;ge, allerdings sind seine gepanzert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Caballero l&amp;auml;sst sich eine Auswahl an verschiedenen Kalibern kommen, wenn er auf Mitarbeiter feuert: eine Maschinenpistole der Marke Uzi mit zwei Magazinen, eine Glock-Halbautomatik 9 mm Parabellum, eine Armeepistole des Typs Walther P1, einen Smith &amp;amp; Wesson-Revolver Kaliber .38 und eine Kiste Munition. Der Buchhalter zwingt sich zu einem L&amp;auml;cheln. &amp;raquo;Entspann dich&amp;laquo;, sagt Caballero.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Fabrikhalle liegt im Neonlicht, eine halbe Hundertschaft Frauen sitzt an surrenden N&amp;auml;hmaschinen. Hoch &amp;uuml;ber der Fertigungsstra&amp;szlig;e h&amp;auml;ngt ein Dutzend Flaggen, darunter die von China und Gro&amp;szlig;britannien. Caballero l&amp;auml;sst f&amp;uuml;r jeden Absatzmarkt eine Fahne aufziehen. Die gro&amp;szlig;e Weltkarte am Rand der Fertigungsstra&amp;szlig;e pflegt der Chef pers&amp;ouml;nlich: Jeder Ort, an dem seine Firma Gesch&amp;auml;fte macht, ist durch einen Nagel gekennzeichnet - Mexiko-Stadt, London, Hongkong. Seine liebste Sammlung an Troph&amp;auml;en aber stellt er am Kopf der Halle zur Schau. Caballero l&amp;auml;sst alle Zeitungsartikel, in denen er auftaucht, in Holz rahmen und an die Wand schlagen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es hei&amp;szlig;t, der amerikanische Pr&amp;auml;sident Barack Obama habe bei seiner Amtseinf&amp;uuml;hrung kugelsichere Kleidung von Caballero getragen. Auch die roten Hemden der Revolution, in denen Venezuelas Pr&amp;auml;sident Hugo Ch&amp;aacute;vez seine Reden h&amp;auml;lt, sollen von Caballero stammen. Das spanische K&amp;ouml;nigshaus, die Rapper der Band Wu-Tang Clan, Puff Daddy - alles angebliche Kunden. Caballero verweigert dazu die Auskunft. Das war nicht immer so.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Fr&amp;uuml;her protzte Caballero gern mit seiner Kundschaft: K&amp;ouml;nig Abdullah II von Jordanien, der alternde Actionheld Steven Seagal, der ehemalige kolumbianische Pr&amp;auml;sident &amp;Aacute;lvaro Uribe. Dann aber hat Caballero den Fehler begangen, in einem Interview den Namen eines hochrangigen Politikers aus Mexiko zu erw&amp;auml;hnen. Das schlug Wellen: Ausgerechnet ein Amtstr&amp;auml;ger, der betonte, dass sein Land trotz des Kriegs der Drogenkartelle sicher sei, traute sich nur in kugelsicherer Kleidung auf die Stra&amp;szlig;e. Caballero musste nach Mexiko fliegen, um zu erkl&amp;auml;ren, er sei falsch zitiert worden. Die Regierung h&amp;auml;tte ihm sonst seine Filiale geschlossen. Seitdem schweigt sich Caballero &amp;uuml;ber seine Kunden aus, auch wenn es ihm schwer f&amp;auml;llt. Er liebt es, eine Show um seine Produkte zu machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Elegant und unauff&amp;auml;llig&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45965.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; L&amp;auml;chelnd reicht er seinem Buchhalter eine Schachtel Patronen und sagt: &amp;raquo;Wir sind in Kolumbien, wir respektieren die Menschenrechte. Such dir deine Kugel selbst aus.&amp;laquo; Es spricht f&amp;uuml;r den Gesch&amp;auml;ftssinn und die Menschenliebe Caballeros, dass er f&amp;uuml;r sein Opfer das Kaliber .38 gew&amp;auml;hlt hat. Gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere Kaliber haben eine h&amp;ouml;here&amp;nbsp; M&amp;uuml;ndungsgeschwindigkeit. Daf&amp;uuml;r br&amp;auml;uchte es eine besondere Panzerung, und&amp;nbsp; kugelsichere Kleidung dieser Klasse ist teuer. Caballero nimmt fast 4000 Euro f&amp;uuml;r eine Jacke, die Sch&amp;uuml;sse einer Maschinenpistole aush&amp;auml;lt. Ein solches St&amp;uuml;ck schie&amp;szlig;t er nicht einfach so kaputt, schon gar nicht, wenn ihm dabei ein Buchhalter in die Augen blickt. Caballero hat fr&amp;uuml;h gelernt, dass im Gesch&amp;auml;ft nur eines z&amp;auml;hlt: Berechnung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sein Vater Jorge war Kompagnon einer Kette von Kaufh&amp;auml;usern f&amp;uuml;r Herrenmode. Er erzog den Sohn streng und ansonsten im Sinne des Gesch&amp;auml;ftsmanns: Geschenkt gab es nichts, Taschengeld musste verdient werden. Provision war eines der ersten Prinzipien, die der kleine Miguel verstehen lernte: Wenn er sich gut betragen hatte, lie&amp;szlig; ihn der Vater als Verk&amp;auml;ufer in den umsatzstarken Filialen im Norden der Stadt&amp;nbsp; aushelfen. Wenn er ungezogen gewesen war, musste er in die L&amp;auml;den an den&amp;nbsp; Ausfallstra&amp;szlig;en, wo die Kunden knausrig waren. Er war 13 Jahre alt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Seine Mutter Mercedes handelte Mode en gros, im Auftrag eines Konfektionshauses. Wenn ihr der Sohn Ware ausfahren half, erz&amp;auml;hlte sie ihm, schon seine Gro&amp;szlig;eltern h&amp;auml;tten die Gesch&amp;auml;ftst&amp;uuml;chtigkeit im Blut gehabt. Sie lehrte ihn, sich nie im Leben anstellen zu lassen, da nur der selbstst&amp;auml;ndige Kaufmann seinen Gewinn nicht teilen m&amp;uuml;sse. Sie war es, die das erste Kapital vorschoss, als der Sohn den Entschluss fasste, nicht mehr f&amp;uuml;r den Vater, sondern auf eigene Faust zu arbeiten. Es waren 10 000 Pesos, damals keine zehn Euro. Er war 16 Jahre alt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Lederjacke, die das Leben seines Buchhalters retten soll, l&amp;auml;sst sich Caballero vorlegen. Seine H&amp;auml;nde teilen die Frontpartie wie einen Vorhang, fahren das Futter entlang, pr&amp;uuml;fen den Sitz der Panzerung. Caballero nutzt eine Eigenentwicklung. Das Gewebe ist Kunststoff, eine Mischung aus Nylon und Polyester, die genaue Zusammensetzung geheim. Eine einzelne Lage des Stoffs f&amp;uuml;hlt sich an wie das raue Material eines Rucksacks. Kugelfest wird es erst, wenn Hunderte Lagen kombiniert werden. Caballero schl&amp;auml;gt die Jacke zu und mustert den Schnitt. Schwarzes Leder, geschwungene Teilungsnaht im Brustbereich, Hemdkragen. Ein feines St&amp;uuml;ck. Nicht zu extravagant. Nicht zu bieder.  Niemand w&amp;uuml;rde sich auf der Stra&amp;szlig;e nach so einer allt&amp;auml;glichen Jacke umdrehen. So muss seine Mode sein, findet Caballero: elegant und unauff&amp;auml;llig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die ersten Gesch&amp;auml;fte auf eigene Rechnung machte der junge Miguel als Vertreter. Er verkaufte erst B&amp;uuml;cher, dann Stoffe. Er begann, billig Leder aufzukaufen, und lie&amp;szlig; daraus Jacken schneidern. Nach der Schule wollte er Betriebswissenschaft studieren. Als er Ende der Achtzigerjahre das Studium begann, glich Kolumbien einem Land im Krieg. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Guerilla, paramilit&amp;auml;rische Einheiten, die Armee - jeder k&amp;auml;mpfte gegen jeden, und dazwischen schossen die Drogenkartelle Marktanteile aus. Eine Kommilitonin, Tochter eines Senators, kam nur mit Leibw&amp;auml;chtern in die Uni. Caballero fiel auf, dass die M&amp;auml;nner ihre gepanzerten Westen immer im Auto zur&amp;uuml;cklie&amp;szlig;en. Warum? &amp;raquo;Junge, die sind viel zu schwer&amp;laquo;, so erinnert sich Caballero an ihre Antwort. Und kugelsichere Kleider? Die Leibw&amp;auml;chter dachten, er wolle sich &amp;uuml;ber sie lustig machen. So was, sagten sie, gebe es nicht. Miguel Caballero hatte seine Marktl&amp;uuml;cke entdeckt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Er bat seinen besten Freund um Hilfe, der Kontakte zu einer Firma besa&amp;szlig;, die Autos panzerte. Sie beschlossen, einen Prototyp zu schneidern: eine Lederjacke, ausstaffiert mit schussfestem Material aus Luxuslimousinen. Das St&amp;uuml;ck war unbequem, sah aus wie ein Sack und wog &amp;uuml;ber sieben Kilogramm. Aber es w&amp;uuml;rde Kugeln widerstehen, da&amp;nbsp; waren sich die beiden Schneider sicher.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Um die Innovation bekannt zu machen,  bestellte Caballero das Fernsehen zu sich und versprach, es g&amp;auml;be eine Sensation zu filmen. &amp;raquo;Ich sagte: &amp;rsaquo;Ich habe eine Story f&amp;uuml;r euch - wir haben die erste kugelsichere Lederjacke der Welt produziert.&amp;lsaquo; Der Journalist sagte nur: &amp;rsaquo;Fantastisch. Wer schie&amp;szlig;t auf wen?&amp;lsaquo;&amp;laquo; Caballero versuchte noch, sein gro&amp;szlig;spuriges Versprechen zu widerrufen, vergebens. Also feuerte er vor laufenden Kameras auf seinen Freund John Murphy. Er war 21 Jahre alt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Als der Beitrag ausgestrahlt war, stellte Murphys Mutter Caballero schreiend zur Rede: Wie k&amp;ouml;nne er ihrem Sohn so etwas antun? Vom Aufprall der Kugel hatte Murphy einen Bluterguss am Bauch, so gro&amp;szlig; wie ein Suppenteller. Aber er lebte. So schafften es die beiden Jung-unternehmer bis in die Nachrichten. &amp;raquo;Jeder sprach &amp;uuml;ber uns&amp;laquo;, erinnert sich Caballero. &amp;raquo;&amp;Uuml;ber diese Verr&amp;uuml;ckten oder diese Erfindung, egal - sie sprachen &amp;uuml;ber uns.&amp;laquo; Der Erl&amp;ouml;s der ersten Jacke finanzierte die Fertigung der zweiten. Sie war schon ma&amp;szlig;geschneidert, f&amp;uuml;r einen Schweizer Banker, der in Kolumbien arbeitete. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Der Armani der kugelsicheren Kleidung&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45967.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Sie kauften eine alte Schneiderwerkstatt im r&amp;auml;udigen S&amp;uuml;den der Stadt. Anfangs hatten sie eine Sekret&amp;auml;rin und ein Faxger&amp;auml;t. Bald zahlte Caballero seinen Freund und Gesch&amp;auml;ftspartner aus. Er wollte die Firma f&amp;uuml;r sich. Am 5. Juni 1992 lie&amp;szlig; er sie amtlich eintragen, einen Namen musste er nicht suchen. Sie sollte hei&amp;szlig;en wie er. Da war er &lt;br /&gt; 24 Jahre alt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In der Fabrikhalle, in der Caballero auf seinen Buchhalter schie&amp;szlig;en will, treten nun mehr und mehr Mitarbeiter an den Rand der Fertigungsstra&amp;szlig;e. Das Spektakel will sich niemand entgehen lassen. Pl&amp;ouml;tzlich l&amp;auml;uft in ihre Mitte ein kleines M&amp;auml;dchen. Sie zieht ein Rollk&amp;ouml;fferchen hinter sich her. Juanita. Die Tochter des Chefs. Sie ist neun Jahre alt, und in ihrem K&amp;ouml;fferchen hat sie eine handgemalte Preisliste sowie ihre Waren, ein Sortiment von Minzbonbons, Keksen und Limonade. Als Caballero sie entdeckt, dreht er sich schnell weg von den Waffen. Eigentlich f&amp;ouml;rdert er es, dass seine Tochter so gern Kaufladen spielt: Er erlaubt ihr, an alle Mitarbeiter in der Fabrik zu verkaufen. Nur in ihre Preispolitik musste er eingreifen, als er merkte, dass sie an Arbeiter teurer verkaufte als an Angestellte. Nun aber bittet er sie, ihren Laden erst sp&amp;auml;ter zu &amp;ouml;ffnen. Sie soll es nicht sehen, wenn ihr Vater auf einen Menschen schie&amp;szlig;t. Nachdem eine Mitarbeiterin seine Tochter aus der Fabrikhalle gef&amp;uuml;hrt hat, entsichert Caballero die Maschinenpistole.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die ersten f&amp;uuml;nf Jahre der Firma waren schwer. Caballero verkaufte seine Mode St&amp;uuml;ck f&amp;uuml;r St&amp;uuml;ck. Wenn er Messen im Ausland besuchte, wollte niemand etwas von seiner Ware wissen. Er hatte noch kein Zertifikat &amp;uuml;ber offizielle Beschusstests. Auch sein Alter&amp;nbsp; sprach gegen ihn. Einmal traf er einen neuen Kunden, der ihn sogleich abfertigte: Er wolle gef&amp;auml;lligst mit dem Chef sprechen, nicht mit dessen Sohn.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Firma wuchs: eine neue Werkstatt, ein Ladengesch&amp;auml;ft, Kollektionen statt&amp;nbsp; Einzelst&amp;uuml;cke. Caballero erweiterte sein Sortiment um Schutzwesten f&amp;uuml;r Sicherheitsdienste und Motorradkleidung. F&amp;uuml;r das Wachstum brauchte er Geld. Da die Banken Caballeros Kreditw&amp;uuml;rdigkeit anzweifelten, bot seine Mutter an, ihr Haus zu verkaufen. Sie erinnert sich, wie ihr Mann tobte. Sie k&amp;ouml;nne das Geld genauso gut in den M&amp;uuml;ll werfen, der Sohn verstehe nichts vom Gesch&amp;auml;ft. Sie verkaufte. Sie hatte den Eindruck, ihr Mann habe in erster Linie damit Schwierigkeiten, dass sein Sohn mehr Erfolg haben k&amp;ouml;nnte als er selbst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Als nach zehn Jahren Zeitungen anfingen, ihn &amp;raquo;Armani der kugelsicheren Kleidung&amp;laquo; zu nennen, wusste Caballero, dass er es geschafft hatte. Er war geschmeichelt, auch wenn er den Vergleich f&amp;uuml;r wenig treffend hielt. Armani hatte es leicht. Armani konnte sich austoben, in allen Arten von Schnitten, Farben und Stoffen. Er, Caballero, musste sich anpassen. An jedes Land. An jede Kultur. Die Araber w&amp;uuml;nschten kugelsichere Abayas, die traditionellen Kaftane. Die Inder Westen, wie sie der legend&amp;auml;re Ministerpr&amp;auml;sident Nehru trug. Die Afrikaner lange Tuniken, die S&amp;uuml;damerikaner kurze Leinenhemden und die US-Amerikaner weite Kapuzenpullover. Einmal kam der Prediger einer evangelikalen Freikirche und erkl&amp;auml;rte, er werde von Satanisten bedroht. Caballero schuf eine schussfeste Soutane und panzerte die Bibel des Priesters.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Jedes Jahr verdoppelte Caballero damals seinen Umsatz, 2005 erwirtschaftete er&amp;nbsp; sieben Millionen Dollar. Er stellte seine Mutter an, die bis heute in seinem Gesch&amp;auml;ft die Kasse macht. Auch seinen Vater holte er in die Firma, ins mittlere Management. Sie hatten viel Streit am Anfang. &amp;raquo;Heute&amp;laquo;, sagt Miguel Caballero, &amp;raquo;erkennt er an, dass ich der Chef bin und er der Angestellte. Wir haben eine gute professionelle Beziehung.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; 2008 nahm das Londoner Kaufhaus Harrods die Produkte der Firma ins Sortiment, Caballero hatte eigens kugelsichere Trenchcoats entwerfen lassen. Sein Unternehmen war l&amp;auml;ngst gro&amp;szlig; genug, sich auch an Ausschreibungen von &amp;ouml;ffentlichen Auftr&amp;auml;gen zu beteiligen: Schutzwesten f&amp;uuml;r Polizei und Milit&amp;auml;r. Die Angebote, die Caballero abgab, umfassten au&amp;szlig;er seinem Preis auch eine Forderung an die Konkurrenz: Wer au&amp;szlig;er ihm wage es noch, sich in seinem Produkt beschie&amp;szlig;en zu lassen? Er fand es interessant, dass kein Konkurrent versuchte, auf ihn zu feuern. Er schoss st&amp;auml;ndig auf Menschen. Auf ihn selbst hatte noch niemand geschossen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es erwischte Caballero in Venezuela. Das Fernsehen hatte ihn eingeladen, der&amp;nbsp; ber&amp;uuml;hmte Schneider als Stargast. Der Moderator fragte ihn, ob er eigentlich selbst schon mal eine Kugel abbekommen habe. Die Frage war nicht abgesprochen. Caballero hatte kaum verneint, da halfen sie ihm schon in eine seiner gepanzerten Jacken. Vor laufenden Kameras sah Caballero einen Mann auf sich zukommen, der seine Waffe hob und abdr&amp;uuml;ckte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das ist lange her. Die Erfahrung, selbst einmal Ziel gewesen zu sein, hat Caballeros Auftreten als Sch&amp;uuml;tze ver&amp;auml;ndert. Er macht weniger Witze als fr&amp;uuml;her. Langsam l&amp;auml;sst er die Patrone in die Trommel seines Revolvers gleiten. Er will sicher gehen, dass es die Buchhaltung mit dem Handy ihres Kollegen filmen kann, als Andenken. Dann weist er den Buchhalter ein. &amp;raquo;Ich z&amp;auml;hle bis drei, okay? Dann schie&amp;szlig;e ich.&amp;laquo; Caballero steckt sich zwei Schallschutz-St&amp;ouml;psel in die Ohren und gibt ein Zeichen. &amp;raquo;Achtung!&amp;laquo;, ruft der Waffenmeister, und alle Arbeiter halten sich die Ohren zu. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der Knall des Schusses klingt schon durch die Halle, als Caballero gerade erst &amp;raquo;eins&amp;laquo; gerufen hat. Er feuert immer fr&amp;uuml;her als versprochen. Mit einer Pinzette fingert er die Kugel aus dem Futter der Lederjacke. Sie ist noch warm.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; W&amp;auml;hrend die Waffen wieder verstaut werden, sucht Caballero nach seiner Tochter. Sie wartet im Empfangsbereich. Sie will in die Fabrik, endlich verkaufen. &amp;raquo;Na los, mein Engel&amp;laquo;, sagt Caballero, &amp;raquo;an die Arbeit.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Der Knallkopf</dc:subject>
    <dc:creator>Roland Schulz</dc:creator>
    <dc:date>2012-05-15T12:00:00+01:00</dc:date>
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  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37501">
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    <title>Was Paare zusammenhält</title>
    <description>&lt;p&gt;Wenig      Sex, konstantes Ungl&amp;uuml;ck und Resignation. Tut      uns leid, aber das Geheimnis einer stabilen Beziehung ist wenig erfreulich. Neue Erkenntnisse aus Psychologie und Medizin.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn Friedrich Nietzsche recht und die Syphilis seinen Nervenbahnen noch      nicht zu heftig zugesetzt hatte, als er seinen &lt;em&gt;Zarathustra&lt;/em&gt; niederschrieb,      dann will alle Lust Ewigkeit. Dummerweise h&amp;auml;lt alle Lust aber nicht ewig      an: Die sexuelle Gew&amp;ouml;hnung f&amp;uuml;hrt bereits nach drei bis vier Jahren dazu,      dass die k&amp;ouml;rpereigene Euphoriedroge Dopamin nur noch sp&amp;auml;rlich aus den      Nervenzellen abgegeben wird. Die Lust aufeinander und miteinander ist      eingeschlafen. Oder sie richtet sich auf andere, neuere und aufregendere      Objekte der Begierde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn ein Dauerzustand ist die hormonelle Flaute      ja nicht. W&amp;auml;hlt der Mann eine neue Sexualpartnerin, steigt sein      Dopaminspiegel sofort wieder an. Er ist pl&amp;ouml;tzlich wieder      leidenschaftlich und voller Hingabe entflammt. Bei Frauen ist das Ph&amp;auml;nomen      kaum erforscht, aus Umfragen wei&amp;szlig; man jedoch, dass zum Beispiel in den USA      70 Prozent der &amp;uuml;ber 35-j&amp;auml;hrigen Frauen bereits mindestens einmal      fremdgegangen sind. Warum wird dann etwa in Deutschland nur jede dritte      Ehe geschieden? Und was h&amp;auml;lt Paare zusammen, wenn der Dopaminschub      hartn&amp;auml;ckig ausbleibt?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sex ist &amp;uuml;bersch&amp;auml;tzt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es      muss kein schlechtes Zeichen sein, wenn nach vier Jahren Partnerschaft im      Bett nur noch wenig l&amp;auml;uft. Wissenschaftlich ist der Zusammenhang      erh&amp;auml;rtet: Sofern nicht schon jedes Interesse f&amp;uuml;r-einander erloschen ist,      deuten seltenere Intimkontakte in einer l&amp;auml;ngeren Paarbeziehung sogar      darauf hin, dass sich beide Partner sicher geborgen f&amp;uuml;hlen und keiner      st&amp;auml;ndigen Liebesbeweise bed&amp;uuml;rfen. Sie m&amp;uuml;ssen nicht bef&amp;uuml;rchten, dass einer      die Beziehung bald verlassen wird. Der sparsame Sex spricht f&amp;uuml;r eine feste      Bindung und wenig Verlustangst. Wer st&amp;auml;ndig mit dem langj&amp;auml;hrigen      Partner Sex haben will, mahnt die Wissenschaft, ist sich seiner Sache      hingegen nicht so sicher, und muss sich daher immer wieder vergewissern,      dass die Beziehung noch h&amp;auml;lt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Dauerhafte Sicherheit und h&amp;auml;ufiger,      guter Sex schlie&amp;szlig;en sich aus&amp;laquo;, sagt die Psychotherapeutin Kirsten von      Sydow von der Universit&amp;auml;t Hamburg. Dazu kennt man sich einfach zu gut -      und dann ist es schwer, den anderen noch zu &amp;uuml;berraschen. Deshalb ist es      aus wissenschaftlicher Sicht absolut nachvollziehbar, wenn Paare von ihrer      &amp;raquo;reifen Liebe&amp;laquo;, einer &amp;raquo;neuen Phase der Partnerschaft&amp;laquo; reden oder davon,      dass &amp;raquo;Sex sowieso &amp;uuml;bersch&amp;auml;tzt&amp;laquo; wird: Sie sind in einem besonders stabilen      Stadium ihrer Beziehung angekommen - oder stehen kurz vor der Trennung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Im      Sexualverhalten, in der Art und Weise, wie wir Beziehungen f&amp;uuml;hren, und in      den entsprechenden W&amp;uuml;nschen spiegeln sich fr&amp;uuml;he Bindungserfahrungen      wider&amp;laquo;, sagt Karl Heinz Brisch, Facharzt f&amp;uuml;r Psychosomatik und      Bindungsexperte an der Ludwig-Maximilians-Universit&amp;auml;t M&amp;uuml;nchen. Wenn Sex      nur noch als Aufbauhilfe f&amp;uuml;r ein angeknackstes Selbstwertgef&amp;uuml;hl dient,      stabilisiert er weder die Beziehung noch ist er dann besonders befriedigend.      &amp;raquo;Melancholischer Sex ist allerdings sehr verbreitet&amp;laquo;, sagt Kate White,      Therapeutin am Bowlby Centre in London. Sie meint damit das traurige      Miteinander, wenn beide sp&amp;uuml;ren, dass N&amp;auml;he ziemlich trostlos sein kann.      Deshalb der Rat f&amp;uuml;r dauerhafte Partnerschaft: lieber wenig als schlechten      und lustlosen Sex.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Stabil ungl&amp;uuml;cklich&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weitere      Tipps f&amp;uuml;r dauerhafte Beziehungen gef&amp;auml;llig, die man vielleicht in keiner      Frauenzeitschrift findet, daf&amp;uuml;r aber in wissenschaftlichen      Fachzeitschriften? Fortw&amp;auml;hrendes beiderseitiges Ungl&amp;uuml;ck und Resignation      wirken h&amp;auml;ufig stabilisierend, besonders auf dem Land: Julia Berkic vom      Bayerischen Staatsinstitut f&amp;uuml;r Fr&amp;uuml;hp&amp;auml;dagogik hat Paare in S&amp;uuml;ddeutschland      untersucht, die im Durchschnitt schon 28 Jahre miteinander verheiratet      waren. Sie waren keineswegs alle zufrieden und hatten es sich in ihrer      Beziehung alles andere als gem&amp;uuml;tlich gemacht. Im Gegenteil: Mehr als ein      Drittel bezeichnete sich als &amp;raquo;stabil ungl&amp;uuml;cklich&amp;laquo; oder &amp;raquo;unsicher und      resigniert&amp;laquo;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Eheleute hatten sich in chronischer Zerr&amp;uuml;ttung      eingerichtet - was sich schlimm anh&amp;ouml;rt f&amp;uuml;r alle, die noch an die      romantische Liebe glauben. Sie schwiegen sich an, ignorierten oder      verachteten einander gar, konnten sich aber trotzdem nicht aus der      Verstrickung l&amp;ouml;sen, in die sie finanzielle N&amp;ouml;te, Schuldvorw&amp;uuml;rfe      und moralische Hemmungen gebracht hatten. Gemeinsame Kinder, gemeinsame      Projekte wie der Hausbau oder Abh&amp;auml;ngigkeiten in der beruflichen      Entwicklung hielten sie zusammen, obwohl da l&amp;auml;ngst nichts anderes mehr      war, was sie zusammenhalten k&amp;ouml;nnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Unsicher und treu&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nat&amp;uuml;rlich      gibt es auch angenehmere &amp;raquo;Schutzfaktoren&amp;laquo; f&amp;uuml;r eine verl&amp;auml;ssliche      Zweisamkeit: Wer als Kind Sicherheit und Geborgenheit in der Familie      erlebt hat, trennt sich sp&amp;auml;ter seltener. Er nimmt den Partner auch      aufmerksamer wahr und vermag besser auf seine W&amp;uuml;nsche und Sehns&amp;uuml;chte      einzugehen. Das stabilisiert die Bindung weiter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Solche Menschen findet      man allerdings selten - oder sie sind bereits vergeben. Deshalb muss es      gar nicht der in sich ruhende Partner sein, den nichts ersch&amp;uuml;ttern kann.      Wer silberne oder goldene Hochzeit feiern will, sollte sich sogar bewusst      einen unsicheren oder &amp;nbsp;ambivalenten Partner suchen. Die Angst vor der      Entscheidung, den anderen zu verlassen, ist dann so gro&amp;szlig;, die      Zerrissenheit zwischen verschiedenen M&amp;ouml;glichkeiten so qu&amp;auml;lend, dass eine      Trennung nicht infrage kommt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;Auml;ngstliche, z&amp;ouml;gernde Frauen haben zwar      wom&amp;ouml;glich fr&amp;uuml;her den ersten Sex und h&amp;auml;ufiger wechselnde Partner - weil sie      die eigene Unsicherheit immer wieder zu anderen M&amp;auml;nnern treibt. Sind sie      jedoch einmal fester gebunden, trennen sie sich nur ungern. Und M&amp;auml;nner,      die Konflikten aus dem Weg gehen und Entscheidungen meiden, sind sowieso      gut f&amp;uuml;r stabile Beziehungen. &amp;raquo;Ein unsicherer Mann und eine sichere Frau -      das ist oft ein ziemlich haltbares Paket&amp;laquo;, sagt Julia Berkic. &amp;raquo;M&amp;auml;nner, die      jede Auseinandersetzung scheuen, haben ja naturgem&amp;auml;&amp;szlig; eine gro&amp;szlig;e Scheu      davor, ihre Frauen zu verlassen.&amp;laquo;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Wahre Gr&amp;ouml;&amp;szlig;e&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45937.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wahre Gr&amp;ouml;&amp;szlig;e&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch      ein paar &amp;Auml;u&amp;szlig;erlichkeiten sind zu beachten: Gro&amp;szlig;e M&amp;auml;nner jenseits der 1,90      Meter sind weniger eifers&amp;uuml;chtig und gener&amp;ouml;ser als kleinere, hat die      Forschung ergeben. Sie zweifeln weniger an der Treue des Partners, zudem      wissen sie, dass sie bessere Erfolgsaussichten bei den Frauen haben. Aus      dieser entspannten Haltung heraus halten ihre Beziehungen oft l&amp;auml;nger. Bei      Frauen ist eine mittlere Gr&amp;ouml;&amp;szlig;e zwischen 1,68 und 1,76 Meter      vielversprechend. Au&amp;szlig;erdem haben Studien ergeben, dass Frauen mit diesen      Ma&amp;szlig;en auch am ges&amp;uuml;ndesten bleiben und die meisten Kinder bekommen - und      deshalb sicher sein k&amp;ouml;nnen, immer wieder umworben zu werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die      wahre Gr&amp;ouml;&amp;szlig;e eines Partners zeigt sich aber auch in kleinen Gesten: Schon      H&amp;auml;ndchenhalten stabilisiert eine Beziehung, Dadurch sinken das      Bedrohungsgef&amp;uuml;hl, die motorische wie die emotionale Anspannung und sogar      die Schmerzwahrnehmung; all das festigt das Miteinander. Das gilt      &amp;uuml;brigens auch f&amp;uuml;r Freunde: Der Hirnforscher James Coan von der University      of Virginia hat zum Beispiel herausgefunden, dass auf einer Bergtour der      Anstieg umso flacher wirkt, je l&amp;auml;nger und besser man den Freund oder      Partner kennt, der einen begleitet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Geruch und Gef&amp;uuml;hl&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein      klassischer Test, ob eine Beziehung passt, ist bereits in den ersten      Momenten der Kontaktanbahnung m&amp;ouml;glich: Man muss einander riechen k&amp;ouml;nnen.      Im Wortsinne, denn wer sich riechen mag, bleibt l&amp;auml;nger zusammen.      Evolution&amp;auml;r ist das sinnvoll, da ein als attraktiv empfundener Geruch      darauf hinweist, dass der potenzielle Partner ein deutlich anderes      Immunsystem hat. Tun sich die beiden zusammen, bedeutet dies, dass sich      die Abwehrsysteme in den gemeinsamen Nachkommen mischen und diese daher      widerstandf&amp;auml;higer gegen diverse Keime w&amp;auml;ren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bedauerlicherweise      &amp;auml;ndert sich der Hormonstatus und damit der Eigengeruch von M&amp;auml;nnern wie      Frauen mit den Jahren. Warum und in welche Richtung, ist noch unbekannt.      Kann sie ihn - oder er sie - nach langen Jahren der Beziehung nicht mehr      riechen, ist das ein Alarmzeichen. Es kann auf eine baldige Trennung      hindeuten, auch wenn die Waffen im Zerr&amp;uuml;ttungskampf noch gar nicht      gesch&amp;auml;rft worden sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Stress? Blo&amp;szlig; nicht reden!&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Solchen      Krisen gilt es vorzubauen, und auch hierbei hilft die Wissenschaft: In      belastenden Situationen stehen M&amp;auml;nner ihren Frauen oder nicht      verheirateten Partnerinnen am besten bei, wenn sie ihnen den Nacken      massieren und ansonsten schweigen, berichtet Markus Heinrichs von der      Universit&amp;auml;t Freiburg. Diese Art der Zuwendung senkt die Stresshormone, und      Puls, Atmung und Blutdruck n&amp;auml;hern sich wieder Normalwerten an. Versuchen      M&amp;auml;nner hingegen, gestresste Frauen mit Worten zu beruhigen, hat dies kaum      positive Auswirkungen auf den K&amp;ouml;rper.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;F&amp;uuml;r M&amp;auml;nner gilt die      umgekehrte Regel: Stehen sie unter Druck, wollen sie vor allem mit der      Partnerin reden und Verst&amp;auml;ndnis signalisiert bekommen. F&amp;uuml;hlen sie sich auf      diese Weise unterst&amp;uuml;tzt und gest&amp;auml;rkt vor einer schwierigen Aufgabe und      zudem ihrer engen Bindung an den Partner versichert, reagieren sie weniger      stark auf Stress und sind bei anschlie&amp;szlig;enden psychischen Belastungen      robuster. Sie haben weniger Angst und reagieren dann auch bei schwierigen      Aufgaben nicht so nerv&amp;ouml;s.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Liebe heilt alle Wunden&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Entscheidend      f&amp;uuml;r die Dauerhaftigkeit einer Beziehung ist auch der Umgang mit Streit.      Stress, den man sich gegenseitig macht, hindert sogar die Wundheilung, hat      ein Forscherteam um die Psychologin Janice Kiecolt-Glaser von der Ohio      State University herausgefunden. Um dies zu erforschen, wurden Ehepaaren      kleine Wunden am Arm zugef&amp;uuml;gt. Zun&amp;auml;chst bekamen sie eine unterst&amp;uuml;tzende      Beratung von Psychologen, wie sie etwaige Paarprobleme besser l&amp;ouml;sen      konnten. In einer zweiten Versuchsreihe wurden sie aufgefordert, sich &amp;uuml;ber      ein heikles Thema ihrer Beziehung zu unterhalten, was fast immer in eine      aggressive Diskussion m&amp;uuml;ndete.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Egal, wie sich die Paare w&amp;auml;hrend      der Beratung oder im Streit verhielten, bei allen heilten die Wunden nach      den hilfreichen Gespr&amp;auml;chen besser. Die Blutgerinnung und das      Abwehrsystem waren aktiviert, Stressmolek&amp;uuml;le lie&amp;szlig;en sich kaum im K&amp;ouml;rper      feststellen. Nach dem Streit lief das Alarm- und Kampfsystem des K&amp;ouml;rpers      hingegen auf Hochtouren: Die Wunden heilten langsamer und feindliche      Erreger konnten nicht so gut bek&amp;auml;mpft werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Besonders      interessant: Bei Paaren, die sich auch in der Auseinandersetzung      freundlich und zugewandt verhielten, war die Wundheilung kaum      beeintr&amp;auml;chtigt. Wer dagegen feindselig und verletzend, &amp;auml;rgerlich und      aggressiv gegen&amp;uuml;ber dem anderen auftrat, bei dem blieben die Wunden l&amp;auml;nger      bestehen. Der Fortschritt der Wundheilung bei den Streith&amp;auml;hnen unter den      Paaren betrug nur 60 Prozent im Vergleich zu jenen, die sich auch ihre      Wertsch&amp;auml;tzung zeigten, wenn sie anderer Meinung waren. Konstruktiv      streiten ist also ges&amp;uuml;nder und l&amp;auml;sst den Partner l&amp;auml;nger leben - auch nicht      ganz unwichtig f&amp;uuml;r eine Beziehung, die lange halten soll.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Was Paare zusammenhält</dc:subject>
    <dc:creator>Werner Bartens</dc:creator>
    <dc:date>2012-05-11T12:00:00+01:00</dc:date>
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  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37511">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37511</link>
    <title>Mit? Ohne?</title>
    <description>&lt;p&gt;Knoblauch ist der FC Bayern unter den Zutaten: Man liebt ihn      oder man hasst ihn. Aber f&amp;uuml;r Aufregung sorgt er immer.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46019.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Die Kulturpflanze Knoblauch, bairisch: Knofel, hat viele merkw&amp;uuml;rdige Eigenschaften. Sie stinkt. Sie ist gesund. Sie h&amp;auml;lt die Vampire drau&amp;szlig;en vor der T&amp;uuml;r. Dass der Umgang mit Knoblauch auch lustig sein kann, lernte ich erst vom Food Editor, also dem f&amp;uuml;r Essen zust&amp;auml;ndigen Redakteur, des amerikanischen Fachmagazins Saveur, Todd Coleman. Coleman ist ein Mannsbild wie aus dem Katalog f&amp;uuml;r leidenschaftliche Schlemmer, volumin&amp;ouml;s, verschmitzt, gek&amp;auml;mmter Holzf&amp;auml;llerbart, dickes, schwarzes Brillengestell. Er gibt in einem Youtube-Clip dar&amp;uuml;ber Auskunft, wie man eine Knolle Knoblauch in weniger als zehn Sekunden sch&amp;auml;len kann (&amp;raquo;How to peel a head of garlic in less than 10 seconds&amp;laquo;). Das ist eine n&amp;uuml;tzliche Auskunft, denn normalerweise ist es ein hartes St&amp;uuml;ck Arbeit, auch nur eine Zehe Knoblauch von ihrer por&amp;ouml;sen Schale zu befreien, die an der feuchten Oberfl&amp;auml;che der Zehe klebt und ihren Geruch tief in die Fingerkuppen der behandelnden Hand eindringen l&amp;auml;sst, sodass man noch am n&amp;auml;chsten Morgen, wenn man sich verschlafen die Nase reibt, heftig daran erinnert wird, dass es gestern Tomatensuppe mit Pesto zum Abendessen gab.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Todd Coleman macht Folgendes: Er schmettert die Knoblauchknolle auf ein Holzbrett, sodass sich die Knolle emp&amp;ouml;rt in ihre Bestandteile aufl&amp;ouml;st, die Zehen und eine Menge diffuser wei&amp;szlig;er Schalen. Das Resultat r&amp;auml;umt Coleman mit Schwung in eine Aluminiumschale von etwa 30 Zentimeter Durchmesser, zu der er ein identisches Gegenst&amp;uuml;ck aus dem K&amp;uuml;chenkasten zaubert. Er bedeckt das Gef&amp;auml;&amp;szlig;, in das er den Knoblauch gesteckt hat, mit dem zweiten Gef&amp;auml;&amp;szlig; und tut, was er &amp;raquo;shake the dickens out of it&amp;laquo; nennt: Er sch&amp;uuml;ttelt den Inhalt seines Beh&amp;auml;lters mit Energie und Inbrunst, bis sich, Sensation, nach ein paar Sekunden die Knoblauchzehen vollst&amp;auml;ndig von Schalen und H&amp;auml;uten befreit haben, zur gef&amp;auml;lligen Weiterverwendung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Methode funktioniert, ich habe sie ausprobiert. Sie l&amp;ouml;st das Problem der Stinkefinger, wirft gleichzeitig freilich andere Fragen auf: Wozu brauche ich auf einen Sitz so viel Knoblauch? Und was hei&amp;szlig;t &amp;raquo;shake the dickens out of it&amp;laquo;?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Zur zweiten Frage gibt es rege Diskussionen in diversen linguistischen Foren, die &amp;uuml;ber die unterschiedlichsten literarischen Umwege zum Ergebnis kommen, dass man wirklich kr&amp;auml;ftig sch&amp;uuml;tteln sollte. Die erste Frage hingegen, die nach der Menge, ist eine Grundsatzfrage: Wie viel Knoblauch vertragen wir? Wie viel Knoblauch vertragen die, die wir lieben und denen wir uns t&amp;auml;glich zumuten? Ist der Genuss von Knoblauch Privatsache? Brauchen wir einen kulinarischen Waffenschein?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Knoblauch ist Nahrungsmittel, Medizin, Metapher, Distinktionsmittel, das bisschen Geschmack, an dem sich die Geister scheiden. W&amp;auml;hrend ihn die einen als kraftvolle Antithese zur Fadesse der t&amp;auml;glichen Er-n&amp;auml;hrung verehren, empfinden ihn die anderen als Zumutung, und zwar nicht nur, wenn sie ihn auf dem eigenen Teller vorfinden. Ihnen reicht schon das K&amp;uuml;sschen auf die Wange eines Gegen&amp;uuml;bers, das am Abend davor den Anweisungen von Todd Coleman gefolgt ist und sich danach eine Portion Tomatensuppe mit Pesto zubereitete. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Tats&amp;auml;chlich ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Genuss von Knoblauch auch Stunden nach der Mahlzeit, auch nach sorgf&amp;auml;ltiger Reinigung der Z&amp;auml;hne und dem Verzehr von drei Fisherman&amp;rsquo;s Friend nicht verheimlicht werden kann. Der Knolle wohnen Inhaltsstoffe inne, die bei der Verwertung im menschlichen K&amp;ouml;rper schwefelhaltige Abbauprodukte erzeugen. Diese wiederum werden &amp;uuml;ber die Lungenbl&amp;auml;schen an die Atemluft abgegeben, sodass auch der doppelte Magenbitter nach dem Essen nichts an der Knoblauchausd&amp;uuml;nstung &amp;auml;ndert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Im Regal der Gem&amp;uuml;seabteilung wirkt die Knoblauchknolle harmlos, wei&amp;szlig;, bieder, oft unter einem kleinmaschigen, wei&amp;szlig;en Netz verborgen. Die Art wird nicht weiter bezeichnet, welche Art auch? Wer, au&amp;szlig;er vielleicht ein paar Spezialisten, kennt die Unterschiede zwischen gemeinem, gew&amp;ouml;hnlichem, chinesischem und Schlangenknoblauch oder w&amp;uuml;sste, dass es diese Unterschiede &amp;uuml;berhaupt gibt?&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Aber Knoblauch ist nicht Knoblauch. Der Geschmack der Knollen unterscheidet sich heftig, je nachdem, auf welchem Boden und in welchem Klima sie angebaut wurden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Als eleganteste unter den Knoblauchsorten gilt der &amp;raquo;Ail Rose de Lautrec&amp;laquo;, der auf Tonkalkb&amp;ouml;den rund um den s&amp;uuml;dfranz&amp;ouml;sischen Ort Lautrec, etwa 80 Kilometer von Toulouse entfernt, w&amp;auml;chst. Seine Schale ist leicht rosa gef&amp;auml;rbt. Sein Geschmack oszilliert zwischen Finesse und Tiefe, er ist frei von den Schockelementen schwefeliger Sch&amp;auml;rfe oder der nach muffigem Keller riechenden &amp;Uuml;berreife, die manche Arten oder zu lang gelagerte Knollen, die bereits wieder keimen, verstr&amp;ouml;men. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Aber auch der Schlangenknoblauch, den viele Winzer am Rand ihrer Weinberge anpflanzen, besitzt einen jeweils eigenen, unverkennbaren Charakter, anders als viele der namenlosen Knollen, die es im Netz im Supermarkt zu kaufen gibt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Meistens ist dieser Knoblauch weit gereist. Mehr als 80 Prozent der Weltproduktion kommt aus China, der meiste aus der Provinz Shandong. Chinesischer Knoblauch, der oft nur aus einer einzigen, runden Zehe, dem Rundling besteht, ist ein verl&amp;auml;sslicher Wert f&amp;uuml;r die Alltagsk&amp;uuml;che. Au&amp;szlig;ergew&amp;ouml;hnlich ist seine &amp;ouml;konomische Karriere. Die chinesische Exportpolitik dr&amp;uuml;ckte die Ware ihrer Knoblauchbauern mit sagenhaft niedrigen Preisen in den Weltmarkt und ruinierte damit eine ganze Reihe europ&amp;auml;ischer, aber auch amerikanischer Produzenten, die sich den Konkurrenzkampf mit den Chinesen nicht l&amp;auml;nger leisten konnten, weil die Erl&amp;ouml;se ihrer Ware die eigenen Herstellungskosten nicht deckten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Als 2009 die Schweinegrippe ausbrach, schlug das Pendel in die andere Richtung aus. Knoblauch gilt in der traditionellen chinesischen Medizin als Prophylaxe gegen Erk&amp;auml;ltungen und Grippe, und die Angst, an Schweinegrippe zu erkranken, trieb Millionen Chinesen in die Gem&amp;uuml;sel&amp;auml;den. Die Preise f&amp;uuml;r Knoblauch zogen an, innerhalb eines einzigen Jahres erreichten sie durchschnittlich einen f&amp;uuml;nfzigmal so hohen Wert wie im Jahr davor. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Einige chinesische Spekulanten wurden auf diese Weise sehr reich. Chinesischer Knoblauch kostete zwischen Bangladesch und Israel pl&amp;ouml;tzlich Fantasiesummen. Im Jahr darauf sackten die Handelspreise als Folge der Wirtschaftskrise zur&amp;uuml;ck in den Keller. Das &amp;ouml;konomische Jojo terrorisierte vor allem die Produzenten, die von den Preiskapriolen kaum etwas gehabt hatten, die Baisse aber mittragen mussten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Auch in Europa gilt der Knoblauch historisch als Heilpflanze mit Breitbandwirkung. Die im Knoblauch enthaltene Schwefelverbindung Alliin verwandelt&amp;nbsp; sich, sobald eine Knoblauchzehe zerkleinert, zerquetscht oder irgendwie sonst aus der Form gebracht wird, durch Verbindung mit dem knoblaucheigenen Enzym Alliinase in Allicin, eine Verbindung, der antibakterielle und entz&amp;uuml;ndungshemmende Wirkung attestiert wird - und die eben auch den typischen Knoblauchgeruch bewirkt. Dass die regelm&amp;auml;&amp;szlig;ige Einnahme von Knoblauch den Blutdruck senkt und positive Auswirkungen auf den Cholesterinspiegel hat, scheint wissenschaftlich gesichert.    &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dar&amp;uuml;ber hinaus wird dem Gew&amp;auml;chs aber auch entspannende, Krebs hemmende, das Immunsystem st&amp;auml;rkende Wirkung sowie eine spezifische Indikation als Aphrodisiakum nachgesagt, wie Dagmar Braunschweig-Pauli in ihrem Buch &lt;em&gt;Die Heilkraft des Knoblauchs&lt;/em&gt; auflistet. Ihre noch viel umfangreichere Aufz&amp;auml;hlung portr&amp;auml;tiert den Knoblauch als wundervolles Breitbandmedikament. In diesem Ruf steht er seit Jahrtausenden.&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;Foto: Photocase/MISS X&lt;/em&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Knoblauch als Desinfektionsmittel&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46021.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt; Im alten &amp;Auml;gypten wurde Knoblauch unter anderem als Desinfektionsmittel an hart arbeitende Sklaven verabreicht, die sich so daran gew&amp;ouml;hnten, dass sie bei K&amp;uuml;rzung ihrer Ration die Arbeit an den Pyramiden niederlegten. Im Talmud wurde st&amp;auml;ndiger Knoblauchgenuss empfohlen, weil das dem Geist Klarheit und den Lenden Kraft verleihe. Hildegard von Bingen (1098 - 1179) lobte ihn in ihrer &lt;em&gt;Physica&lt;/em&gt; f&amp;uuml;r seine &amp;raquo;richtige W&amp;auml;rme&amp;laquo; und legte seinen Einsatz bei Verdauungsst&amp;ouml;rungen, Bl&amp;auml;hungen, Durchfall und chronischer Verstopfung nahe. 1858 war es schlie&amp;szlig;lich der franz&amp;ouml;sische Chemiker Louis Pasteur, der im Knoblauch das Sulfid Allicin nachwies und die antimikrobielle Wirkung der Knolle wissenschaftlich untermauerte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Zu diesem Zeitpunkt hatte der r&amp;ouml;mische Historiker Plinius der &amp;Auml;ltere schon l&amp;auml;ngst eine ganz andere Facette des Knoblauchs festgeschrieben: Plinius fiel auf, dass Knoblauch, sobald er l&amp;auml;ngere Zeit an der Luft liegt, schwarz wird - eine Folge des Befalls durch den Pilz &lt;em&gt;Helminthosporium allii&lt;/em&gt;. Plinius verweigerte aber eine naturwissenschaftliche Erkl&amp;auml;rung des Ph&amp;auml;nomens: Die Knolle besitze &amp;uuml;bernat&amp;uuml;rliche Kr&amp;auml;fte. Sie ziehe alles B&amp;ouml;se und Dunkle an sich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Diese magische Eigenschaft machte den Knoblauch bei zahllosen abergl&amp;auml;ubischen Benutzern popul&amp;auml;r. Hatten bereits die &amp;Auml;gypter Knoblauch zerrieben und mit Bier vermischt, um ihre H&amp;auml;user gegen Schlangen zu sch&amp;uuml;tzen, fanden nun am Balkan und in Osteuropa aus Knoblauchknollen geflochtene Kr&amp;auml;nze und Ketten Verwendung als magische Waffen gegen b&amp;ouml;se Geister und Vampire. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Weder die Hokuspokusgeschichten &amp;uuml;ber den Knoblauch noch seine vielseitigen medizinischen oder quasimedizinischen Qualit&amp;auml;ten erkl&amp;auml;ren seinen Status als gro&amp;szlig;en Polarisierer jedoch so wie seine soziale Karriere: Schon im Mittelalter deutete die Verwendung von Knoblauch auf die Zugeh&amp;ouml;rigkeit zu einer minderen sozialen Schicht hin. W&amp;auml;hrend Bauern und Handwerker gern und viel Knoblauch a&amp;szlig;en, gingen die Angeh&amp;ouml;rigen des Adels auf Distanz: Der Gestank des Allicins ziemte sich in ihren Kreisen nicht. Man stank lieber nach sich selbst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Zur Skepsis der &amp;raquo;besseren Leute&amp;laquo; gegen&amp;uuml;ber dem Knoblauch kam nach und nach ein weiteres, bis heute durchschlagendes Motiv: Nachdem der Knoblauch als Kulturpflanze aus den Steppengebieten Zentral- und S&amp;uuml;dasiens &amp;uuml;ber das Mittelmeer nach Europa gekommen war, hatte sich seine Verwendung vor allem in der K&amp;uuml;che der Mittelmeerstaaten durchgesetzt. Georges Simenon lie&amp;szlig; in vielen Romanen die dunkelh&amp;auml;utigeren Bewohner s&amp;uuml;dfranz&amp;ouml;sischer Inseln und St&amp;auml;dte &amp;raquo;aus allem Poren&amp;laquo; nach Knoblauch riechen, was nichts anderes als eine Metapher f&amp;uuml;r ihre Herkunft und soziale Verortung war. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sp&amp;auml;testens als Spanier und Italiener, Jugoslawen und T&amp;uuml;rken als Gastarbeiter nach Mittel- und Nordeuropa dr&amp;auml;ngten, brachten sie, die Knoblauch regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig und in gro&amp;szlig;en Mengen zu sich nahmen, nicht nur den Geschmack von Aioli, Tzatziki und fett mit Knoblauch befeuerten Bruschette mit, sondern auch ein Distinktionsmittel, das deutlich auf ihre fremde Kultur hinwies: Sie standen unverkennbar im Geruch, anders zu sein. Es war die Zeit, als die Schweizer Kochbuchautorin Marianne Kaltenbach sich in der Einleitung zu ihrem sp&amp;auml;teren Bestseller Aus Italiens K&amp;uuml;chen noch regelrecht daf&amp;uuml;r entschuldigte, dem geneigten Publikum so etwas wie Gastarbeiterk&amp;uuml;che zuzumuten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; W&amp;auml;hrend die italienische K&amp;uuml;che eigentlich ziemlich vorsichtig mit Knoblauch hantiert - &amp;raquo;es ist m&amp;ouml;glich und oft w&amp;uuml;nschenswert, dass der Geruch kaum wahrnehmbar ist&amp;laquo;, erkl&amp;auml;rte eine andere Grande Dame der &amp;raquo;klassischen italienischen K&amp;uuml;che&amp;laquo;, Marcella Hazan -, spielte er in anderen K&amp;uuml;chen der Welt, die langsam, aber sicher in den Nebenstra&amp;szlig;en unserer St&amp;auml;dte Dependancen er&amp;ouml;ffneten, eine selbstverst&amp;auml;ndliche und zentrale Rolle. Sowohl in der chinesischen, der indischen als auch der Thaik&amp;uuml;che wird die &amp;raquo;geradezu derb schmeckende Zutat&amp;laquo;, wie David Thompson, der Autor des wichtigen Buchs &lt;em&gt;Thai Food&lt;/em&gt;, den Knoblauch nennt, mit gr&amp;ouml;&amp;szlig;ter Selbstverst&amp;auml;ndlichkeit als Grundw&amp;uuml;rze verwendet. Knoblauch wird gemeinsam mit anderen &amp;raquo;Derbheiten&amp;laquo; wie Zitronengras, Garnelenpaste und Chilischoten verarbeitet, die allerdings, wie Thompson zu Recht meint, w&amp;auml;hrend der Zubereitung miteinander verschmelzen und eine &amp;raquo;mitunter subtile Eleganz [gewinnen], die im Widerspruch zu ihren groben Anf&amp;auml;ngen steht&amp;laquo;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; L&amp;auml;ngst ist anger&amp;uuml;hrtes Curry auch in vielen Privatk&amp;uuml;chen die viel gebr&amp;auml;uchlichere Mahlzeit als das klassische Gulasch von seinerzeit. Die Tatsache, dass in der fertigen Currypaste aus dem Asialaden eine ganze Menge Knoblauch enthalten ist, entzieht sich dabei oft der Kenntnis ihrer K&amp;auml;ufer, er&amp;uuml;brigt also jede Diskussion. Es schmeckt schlie&amp;szlig;lich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Auf den Tischen der deutschen Sternerestaurants findet der Knoblauch jedoch nur wenig Verwendung. Maximal in Gem&amp;uuml;sefonds oder Saucen, also weit, weit hinten im Spektrum der erw&amp;uuml;nschten Aromen, taucht einmal eine Ahnung des Geschmacks auf, um gleich wieder hinter elegantere Anmutungen zur&amp;uuml;ckzutreten. Purer Knoblauchgeschmack bleibt gerade in der Spitzenk&amp;uuml;che ein Tabu, ein R&amp;uuml;ckfall ins Ordin&amp;auml;re, mehr noch als etwa der Gebrauch von Innereien, die lange Zeit verp&amp;ouml;nt gewesen waren, aber inzwischen im Sternebusiness ein Comeback hingelegt haben. Knoblauch aber bleibt au&amp;szlig;erhalb der Ethnok&amp;uuml;che eine geschmackliche Metapher f&amp;uuml;r Gew&amp;ouml;hnlichkeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In Mitteleuropa w&amp;auml;chst Knoblauch vorzugsweise dort, wo auch Wein angebaut wird. Er bevorzugt lockere B&amp;ouml;den in sonniger Lage und gedeiht entweder in Zyklen von M&amp;auml;rz bis Juli als Sommer-knoblauch, der gut lagerf&amp;auml;hig ist, oder als k&amp;auml;lteresistenter Winter-knoblauch, der im November eingesetzt und im Sommer, bevor der Weizen reif ist, geerntet wird. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Auch als Topfpflanze auf dem Fensterbrett oder dem Balkon ist Knoblauch bestens geeignet, wenn man ihn etwa mit Erdbeeren oder Karotten ins selbe Gef&amp;auml;&amp;szlig; pflanzt, mit denen er sich ausgezeichnet, sogar symbiotisch vertr&amp;auml;gt. Bl&amp;uuml;hender Knoblauch ist ein &amp;uuml;beraus eleganter Anblick, die Bl&amp;uuml;ten erinnern an Momentaufnahmen explodierender Feuerwerksk&amp;ouml;rper. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die frisch geernteten Knoblauchzehen schlie&amp;szlig;lich wandern leicht und gl&amp;auml;nzend in die K&amp;uuml;che, um dort durch heftiges R&amp;uuml;tteln von den Schalen befreit und mit viel Basilikum und Parmesan zu dem Pesto verarbeitet zu werden, das Yotam Ottolenghis Tomaten-Kichererbsensuppe zum religi&amp;ouml;sen Ereignis macht. Ottolenghi, der in London eine Reihe von Lokalen betreibt, wurde durch sein Kochbuch &lt;em&gt;Genussvoll vegetarisch &lt;/em&gt;auch in Deutschland ber&amp;uuml;hmt, weil seine vegetarischen Gerichte eine deftige Antithese zum gew&amp;ouml;hnlichen, faden Beilagengem&amp;uuml;se darstellen: &amp;raquo;Was meine Gerichte zum Leben erweckt&amp;laquo;, sagt Ottolenghi, &amp;raquo;ist der Knoblauch. Roher Knoblauch gibt Kraft, und wenn du ihn kochst, macht er die Speisen s&amp;uuml;&amp;szlig;, weil er viel Zucker enth&amp;auml;lt. Ich mag Knoblauch nicht: Ich liebe ihn.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Suppe, in der sich Fenchel, Karotten, Kichererbsen und Tomaten mit Thymian, Petersilie und Oregano zu einer s&amp;auml;migen, molligen Konsistenz verdichten, bekommt mit in Butter ger&amp;ouml;steten Croutons vom entrindeten Sauerteigbrot etwas Knuspriges, das man sonst vermisst h&amp;auml;tte, und das hellgr&amp;uuml;ne, strahlende Pesto veredelt die dunkelrote Harmonie auf dem Teller wie ein kontrapunktisches Motiv, das pl&amp;ouml;tzlich aus dem Wohlklang einer Bach-Fuge steigt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie man nach dem Genuss dieser Suppe riecht? &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Gl&amp;uuml;cklich. Man riecht gl&amp;uuml;cklich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Foto: Photocase/12frames&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Mit? Ohne?</dc:subject>
    <dc:creator>Christian Seiler </dc:creator>
    <dc:date>2012-05-11T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Bericht aus Bonn</title>
    <description>&lt;p&gt;Alle Botschaften sind l&amp;auml;ngst nach Berlin      umgezogen, in der ehemaligen Hauptstadt stehen die H&amp;auml;user seit Jahren      leer. Ein Jammer! Ein paar Kaufempfehlungen in bester Lage.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45657.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Luxusvilla im klassischen Stil&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Lage&lt;/strong&gt; Bad Godesberg im S&amp;uuml;den Bonns z&amp;auml;hlt zu      den begehrtesten und attraktivsten Wohnlagen der Stadt. Im friedvollen      Stadtteil Mehlem befindet sich in ruhiger und sonnenbeschienener Hanglage      die ehemalige Botschafter-Residenz von Nepal. Die nobel anmutende und      durch stilvolle Villen gepr&amp;auml;gte Umgebung bietet freien Blick auf Bad Godesberg      und den Rhein. Selbst der Dalai Lama genoss hier schon den bezaubernden      Ausblick.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Objektbeschreibung&lt;/strong&gt; Die herrschaftliche Residenz beeindruckt      durch die vielen, von schmiedeeisernen Gittern gezierten Fenster.      Insgesamt sechs Balkone, darunter entz&amp;uuml;ckende Regiestuhlbalkone,      werden von kunstvollen Gel&amp;auml;ndern umrahmt. Allein das Erdgeschoss erstreckt      sich &amp;uuml;ber imposante 200 Quadratmeter. Hier bietet ein weitl&amp;auml;ufiger,      marmorgefliester Raum mit geschwungenen Erkern unsch&amp;auml;tzbares      Gestaltungspotenzial. Die gro&amp;szlig;z&amp;uuml;gige Raumaufteilung setzt sich in den      oberen Etagen zugunsten eines einmaligen Wohnambientes fort. Ausladende      Terrassent&amp;uuml;ren f&amp;uuml;hren in den romantischen Garten. Dichte Hecken sch&amp;uuml;tzen      auf der Stra&amp;szlig;enseite vor fremden Blicken. Dieses Liebhaberobjekt in bestem      Zustand eignet sich hervorragend als&lt;br /&gt;Domizil f&amp;uuml;r einen wohlverdienten      Lebensabend in Luxus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kontakt&lt;/strong&gt; Nepalesische Botschaft Berlin,&lt;br /&gt;Tel.      030/34 35 99 20.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Adresse&lt;/strong&gt; Botschafter-Residenz Nepal,&lt;br /&gt;Elsterweg 3, Mehlem&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Objektdaten&lt;/strong&gt; Grundst&amp;uuml;cksfl&amp;auml;che      ca. 900 qm,&lt;br /&gt;Bruttogeschossfl&amp;auml;che ca. 450 qm,&lt;br /&gt;Etagen Erdgeschoss      + 2, unterkellert, Garagenstellpl&amp;auml;tze 2, Au&amp;szlig;enstellpl&amp;auml;tze 2, Balkone      6, Terrasse&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Baujahr&lt;/strong&gt; 1988&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Preis auf Anfrage&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Botschaft T&amp;uuml;rkei&quot;]&amp;nbsp; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45663.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Gro&amp;szlig;z&amp;uuml;giges Anwesen in Bestlage&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lage&lt;/strong&gt; Zwischen dem vertr&amp;auml;umten Zentrum des      Stadtteils Mehlem und dem gr&amp;uuml;nen Rheinufer liegt das vielseitige Gel&amp;auml;nde      der ehemaligen T&amp;uuml;rkischen Botschaft. Auf der gegen&amp;uuml;berliegenden Rheinseite      erhebt sich das Siebengebirge mit dem imposanten Schloss Drachenburg und      der ehrw&amp;uuml;rdigen Nibelungenhalle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Objektbeschreibung &lt;/strong&gt;Auf dem      exklusiven Grundst&amp;uuml;ck befinden sich insgesamt drei verschiedenartig      nutzbare Geb&amp;auml;ude. Auf der Westseite ragt das herrlich lichtdurchflutete      B&amp;uuml;rohaus empor. Gro&amp;szlig;z&amp;uuml;gige Treppen f&amp;uuml;hren zu den zahlreichen      R&amp;auml;umlichkeiten der Botschaftsverwaltung. Auf der rheinnahen Ostseite      liegt das zweite Geb&amp;auml;ude, die pr&amp;auml;chtige Residenz. Opulente,      helle R&amp;auml;ume erstrecken sich &amp;uuml;ber leicht h&amp;ouml;henversetzte Ebenen und bilden      ein luxuri&amp;ouml;ses Ambiente f&amp;uuml;r festliche Anl&amp;auml;sse. &amp;Uuml;ber gl&amp;auml;serne Fl&amp;uuml;gelt&amp;uuml;ren      gelangen Sie auf die ausgedehnten Terrassen. Alte B&amp;auml;ume spenden Schatten      und verleihen dem Grundst&amp;uuml;ck Anmut. Ein drittes, kleineres H&amp;auml;uschen kann      nach eigenen Vorstellungen als komfortables Zugehhaus f&amp;uuml;r Bedienstete      genutzt werden. Die vielseitigen Eigenschaften der Geb&amp;auml;ude erm&amp;ouml;glichen dem      neuen Besitzer individuelle Nutzungsperspektiven. &amp;Uuml;berzeugen Sie sich      selbst vom Charme und Potenzial dieses Objekts.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kontakt&lt;/strong&gt; T&amp;uuml;rkisches      Konsulat K&amp;ouml;ln, Tel. 02233/974 18 25.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Adresse&lt;/strong&gt; Botschaft + Botschafter-Residenz T&amp;uuml;rkei, Utestra&amp;szlig;e 47, Mehlem&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Objektdaten&lt;/strong&gt; Grundst&amp;uuml;cksfl&amp;auml;che      ca. 5000 qm, Bruttogeschossfl&amp;auml;chen Botschaft ca. 1600 qm,      Botschafter-Residenz ca. 900 qm, Zugehhaus ca. 100 qm, Garagenstellpl&amp;auml;tze      6, Au&amp;szlig;enstellpl&amp;auml;tze 5&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Baujahr &lt;/strong&gt;1966&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Preis auf Anfrage&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Botschafter-Residenz Nigeria&quot;]&amp;nbsp; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45669.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;&lt;em&gt;Sunshine-Villa der Superlative&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Lage&lt;/strong&gt; Der s&amp;uuml;dliche Teil Bad Godesbergs ist      gepr&amp;auml;gt von sanften H&amp;uuml;geln. Weitab vom Trubel der Stadt lockt die Umgebung      mit einer Vielzahl von Rad- und Wanderwegen zu Erkundungen der Landschaft.      Hier, an einem Westhang unterhalb des Rodderbergs, befindet sich die      ehemalige Botschafter-Residenz von Nigeria.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Objektbeschreibung&lt;/strong&gt; &amp;Uuml;ber      eine von bunten Blumenbeeten eingefasste Auffahrt erreichen Sie das      &amp;auml;u&amp;szlig;erst gepflegte Anwesen mit dem stilvoll &amp;uuml;berdachten      Eingangsbereich. Der strahlend wei&amp;szlig;e Klinkerbau verf&amp;uuml;gt im Inneren &amp;uuml;ber 15      Schlafzimmer mit B&amp;auml;dern, eine komfortable Fu&amp;szlig;bodenheizung      sowie eine gro&amp;szlig;z&amp;uuml;gige Sauna. Eine idyllisch gelegene Liegewiese und eine      Poolanlage versprechen wohltuende Tiefenentspannung. Zahlreiche Balkone      und Terrassen bieten viel Raum f&amp;uuml;r Privatsph&amp;auml;re und die gro&amp;szlig;e      Hauptterrasse einen herrlichen Blick auf die malerische Umgebung. An einem      lauen Sommerabend l&amp;auml;sst sich hier so manches Glas Wein bei einem      wundersch&amp;ouml;nen Sonnenuntergang genie&amp;szlig;en. Die umfangreiche Kapazit&amp;auml;t an      &amp;Uuml;bernachtungsm&amp;ouml;glichkeiten bietet den optimalen Rahmen, diese reizvolle      Villa als einen Ort der Begegnung und trauter Zweisamkeit zu nutzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kontakt&lt;/strong&gt; Nigerianische Botschaft Berlin,&lt;br /&gt;Tel. 030/21 23 00.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Adresse&lt;/strong&gt; Botschafter-Residenz Nigeria,&lt;br /&gt;Vulkanstra&amp;szlig;e 69, Mehlem&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Objektdaten&lt;/strong&gt; Grundst&amp;uuml;cksfl&amp;auml;che      ca. 5500 qm, Bruttogeschossfl&amp;auml;che ca. 1900 qm, ausreichend      Au&amp;szlig;enstellpl&amp;auml;tze, Etagen Erdgeschoss + 1, unterkellert,&lt;br /&gt;Balkon,      Terrassen 5, Swimmingpool&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Baujahr &lt;/strong&gt;um 1970&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Preis auf Anfrage&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Botschaf S&amp;uuml;dafrika&quot;] &lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45671.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Individuelles Leben &amp;amp; Arbeiten f&amp;uuml;r Vision&amp;auml;re&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Lage&lt;/strong&gt; Im &amp;uuml;ber Jahrhunderte gewachsenen Bad      Godesberger Stadtteil  Plittersdorf liegt die ehemalige Botschaft von      S&amp;uuml;dafrika. In der  Nachbarschaft wechseln sich noble Gr&amp;uuml;nderzeitvillen,      moderne  Wohnanlagen und kleine Fachwerkh&amp;auml;user ab.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Objektbeschreibung&lt;/strong&gt; Das  von Weitem sichtbare Geb&amp;auml;ude weckt mit seiner bronzefarbenen Fassade       nostalgische Gef&amp;uuml;hle. &amp;Uuml;ber ein gro&amp;szlig;z&amp;uuml;giges Entree gelangen Sie direkt  in      einen beeindruckenden Veranstaltungssaal mit gro&amp;szlig;er  Glasfassade. Zwei      Terrassen bieten &amp;uuml;ber die liebevoll angelegte  Gartenanlage hinweg freie      Sicht auf den Rhein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kontakt &lt;/strong&gt;Eva Piduch, Immobilien und Management,      Tel. 02247/91 57 41.&amp;nbsp;   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Adresse&lt;/strong&gt; Botschaft      S&amp;uuml;dafrika,&lt;br /&gt;Auf der Hostert 3, Plittersdorf&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Objektdaten&lt;/strong&gt; Grundst&amp;uuml;cksfl&amp;auml;che      ca. 4500 qm,&lt;br /&gt;Bruttogeschossfl&amp;auml;che ca. 3500 qm,&lt;br /&gt;Au&amp;szlig;enstellpl&amp;auml;tze      9, Tiefgarage,&lt;br /&gt;Etagen Erdgeschoss + 3, unterkellert, Terrassen 2&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Baujahr&lt;/strong&gt; 1974&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Preis auf Anfrage&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Botschaft Ungarn&quot;] &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45673.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Liebhaberobjekt im Dornr&amp;ouml;schenschlaf&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lage&lt;/strong&gt; Im ruhigen Stadtteil Plittersdorf liegt nur einen      Steinwurf  vom Rheinufer entfernt die ehemalige Botschaft Ungarns. In       direkter Umgebung befindet sich der zauberhafte Freizeitpark Rheinaue.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Objektbeschreibung&lt;/strong&gt; Das Grundst&amp;uuml;ck englischen Stils wurde mit viel Liebe zum Detail gestaltet.      Dank durchgehender  Fensterreihen f&amp;auml;llt die Sonne ungehindert in das      Geb&amp;auml;ude. Lassen  Sie es mit Ihren Visionen zum Arbeitsplatz in entspannter       Atmosph&amp;auml;re oder zu einem diskreten Erholungsort nach k&amp;ouml;rperlicher oder       seelischer Erneuerung werden.&lt;br /&gt;&amp;nbsp; &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kontakt&lt;/strong&gt; Ungarische Botschaft      Berlin, Tel. 030/20 31 00.   Adresse&lt;br /&gt;Botschaft Ungarn,&lt;br /&gt;Turmstra&amp;szlig;e      30, Plittersdorf&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Objektdaten&lt;/strong&gt; Grundst&amp;uuml;cksfl&amp;auml;che ca. 4300 qm,&lt;br /&gt;Bruttogeschossfl&amp;auml;che      ca. 2800 qm,&lt;br /&gt;Au&amp;szlig;enstellpl&amp;auml;tze, Tiefgarage,&lt;br /&gt;Etagen      Erdgeschoss + 2, unterkellert,&lt;br /&gt;Terrassen 2&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Baujahr &lt;/strong&gt;1980&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Preis auf      Anfrage&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Botschaft Indonesien&quot;] &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45681.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Ensemble mit gestalterischen M&amp;ouml;glichkeiten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Lage&lt;/strong&gt; Im Stadtteil Friesdorf mit seinem urbanen Flair liegt die ehemalige Botschaft Indonesiens. Durch die exzellente verkehrstechnische Anbindung brauchen Sie bei diesem Objekt nicht auf das Innenstadterlebnis von Bad Godesberg zu verzichten.&amp;nbsp; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Objektbeschreibung &lt;/strong&gt;&amp;Uuml;ber eine ausgedehnte Treppe gelangen Sie zum freundlich gestalteten und komfortabel &amp;uuml;berdachten Eingang. Gro&amp;szlig;e Fenster sorgen f&amp;uuml;r ein gem&amp;uuml;tliches Ambiente. Auf dem vielseitigen Gel&amp;auml;nde erstreckt sich ein gro&amp;szlig;z&amp;uuml;giger Parkplatz, der mit Leichtigkeit in fantasievolle Gr&amp;uuml;nanlagen umgestaltet werden kann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kontakt&lt;/strong&gt; Indonesische Regierung &lt;br /&gt; Jakarta, Tel. 021/345 85 95.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Adresse &lt;/strong&gt;Botschaft Indonesien, &lt;br /&gt; Bernkasteler Stra&amp;szlig;e 2, Friesdorf &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Objektdaten &lt;/strong&gt;Grundst&amp;uuml;cksfl&amp;auml;che ca. 3100 qm, &lt;br /&gt; Bruttogeschossfl&amp;auml;che ca. 1700 qm, &lt;br /&gt; Etagen Erdgeschoss + 2, &lt;br /&gt; zahlreiche Stellpl&amp;auml;tze, Terrasse, &lt;br /&gt; separates Nebengeb&amp;auml;ude &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Baujahr&lt;/strong&gt; um 1970&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Preis auf Anfrage &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Botschaft Jugoslawien&quot;] &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45683.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Schnittiges Domizil mit Potenzial&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Lage&lt;/strong&gt; In der von alten Linden ges&amp;auml;umten      Schlossallee befindet sich  kurz vor dem Rheinufer in einer mond&amp;auml;nen      Wohngegend die ehemalige  Botschaft Jugoslawiens.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Objektbeschreibung&lt;/strong&gt; Eine massive und  eindrucksvolle Holzt&amp;uuml;r f&amp;uuml;hrt in den gro&amp;szlig;z&amp;uuml;gigen      Eingangsbereich,  ein mit Glas umrahmtes Treppenhaus in die oberen Etagen.      Auf der  ruhigen Hinterseite des Geb&amp;auml;udes erstreckt sich eine ausgedehnte       Terrasse, die ganz nach den W&amp;uuml;nschen des neuen Besitzers umgestaltet       werden kann. Der weitl&amp;auml;ufige Parkplatz ist von gro&amp;szlig;en, Schatten  spendenden      B&amp;auml;umen umringt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kontakt&lt;/strong&gt; Botschaften der Nachfolgestaaten      Jugoslawiens Berlin.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Adresse&lt;/strong&gt; Botschaft      Jugoslawien,&lt;br /&gt;Schlossallee 5, Mehlem&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Objektdaten&lt;/strong&gt; Grundst&amp;uuml;cksfl&amp;auml;che      ca. 2900 qm, Bruttogeschossfl&amp;auml;che ca. 1600 qm, Etagen Erdgeschoss + 2,      unterkellert, Au&amp;szlig;enstellpl&amp;auml;tze 20, Tiefgarage,&lt;br /&gt;Terrasse&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Baujahr &lt;/strong&gt; um 1970&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Preis auf Anfrage&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Botschaft Iran&quot;] &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45685.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Sonnenverw&amp;ouml;hntes Prestigeobjekt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Lage&lt;/strong&gt; Die      ehemalige Botschaft Irans liegt direkt an der Godesberger&lt;br /&gt;Allee,  der      Hauptverkehrsader zwischen Bonn und Bad Godesberg. Eine  U-Bahn-Haltestelle      direkt vor dem Haus komplettiert die  hervorragende Verkehrsanbindung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Objektbeschreibung&lt;/strong&gt; Das  sechsst&amp;ouml;ckige Geb&amp;auml;ude f&amp;auml;llt schon von Weitem durch seine       orientalischen Fassadenverzierungen ins Auge. Auf der dem bunten Treiben       der Stra&amp;szlig;e abgewandten Seite erstreckt sich ein gro&amp;szlig;er Garten, in  dem es      gr&amp;uuml;nt und bl&amp;uuml;ht. Umrahmt wird das Grundst&amp;uuml;ck in City-Lage  von einem reich      dekorierten Metallzaun mit pittoresken Spitzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kontakt&lt;/strong&gt; Iranische      Botschaft Berlin.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Adresse&lt;/strong&gt; Botschaft Iran,&lt;br /&gt;Godesberger      Allee 133, Friesdorf&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Objektdaten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Grundst&amp;uuml;cksfl&amp;auml;che ca. 2000 qm,      Bruttogeschossfl&amp;auml;che ca. 2200 qm, Etagen Erdgeschoss + 5, unterkellert,      Tiefgarage&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Baujahr &lt;/strong&gt;um 1970&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Preis auf Anfrage&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Botschaft Kamerun&quot;] &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45689.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Rarit&amp;auml;t im Villenviertel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Lage&lt;/strong&gt; Inmitten des      eleganten und beeindruckenden Villenviertels nahe  dem lebendigen Zentrum      von Bad Godesberg liegt die ehemalige  Botschaft Kameruns.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Objektbeschreibung&lt;/strong&gt; Das elegante Geb&amp;auml;ude  strahlt durch seine beschauliche Architektur      Leichtigkeit aus. Der  gepflegte, auf Pfeilern errichtete Bau bietet im      Erdgeschoss viele  &amp;uuml;berdachte Parkm&amp;ouml;glichkeiten. Die dar&amp;uuml;berliegenden      lichterf&amp;uuml;llten  R&amp;auml;ume eignen sich bestens f&amp;uuml;r Seminare oder Schulungen. Das       Treppenhaus f&amp;uuml;hrt hinauf bis in die vierte Etage und bietet die       M&amp;ouml;glichkeit, eine gem&amp;uuml;tliche Dachterrasse zu gestalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kontakt &lt;/strong&gt; / verkauft   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Adresse&lt;/strong&gt; Botschaft Kamerun,&lt;br /&gt;Rheinallee      76, Villenviertel&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Objektdaten&lt;/strong&gt; Grundst&amp;uuml;cksfl&amp;auml;che ca. 700 qm,&lt;br /&gt;Bruttogeschossfl&amp;auml;che      ca. 700 qm,&lt;br /&gt;Etagen Erdgeschoss + 3,&lt;br /&gt;&amp;uuml;berdachte Stellpl&amp;auml;tze 12,&lt;br /&gt;Au&amp;szlig;enstellpl&amp;auml;tze      9&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Baujahr&lt;/strong&gt; um 1970 &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Preis auf Anfrage&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Bericht aus Bonn</dc:subject>
    <dc:creator>Josef Thaurer</dc:creator>
    <dc:date>2012-05-04T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37433">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37433</link>
    <title>&quot;Schönes gehört nun mal restauriert&quot;</title>
    <description>&lt;p&gt;Sie ist 80 und steht seit 66 Jahren als Model vor der Kamera: Carmen Dell'Orefice &amp;uuml;ber die Grenzen der Natur und die Kunst, sich in einer M&amp;auml;nnerwelt zu behaupten.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45455.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Foto: Getty Images/Andrew H. Walker&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wer Carmen Dell&amp;rsquo;Orefice erlebt, bekommt unweigerlich Lust, alt zu werden. Nicht weil sie &amp;ndash; wei&amp;szlig;e Haargischt auf dem Haupt von biegsamen Einsf&amp;uuml;nfundsiebzig &amp;ndash; so herausragend aussieht, und das nicht nur f&amp;uuml;r eine Achtzigj&amp;auml;hrige. Was einen sofort in ihren Bann zieht, ist ihre Wachheit: die Reaktionsschnelligkeit einer Katze, ohne deren misstrauisches Lauern. Und selbst mitten in einem anstrengenden Fotoshooting, nach Stunden in einer eiskalten Ruine Brandenburgs, nur ein schulterfreies Ballkleid tragend und mit Jetlag in den Knochen, bleibt sie hoch konzentriert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Kein Wunder, dass sie als dienst&amp;auml;ltestes Supermodel gefeiert wird &amp;ndash; seit sie 14 war, steht sie vor der Kamera, darunter vor denen von Fotografenlegenden wie Irving Penn, Cecil Beaton, Richard Avedon, Horst P. Horst, Arthur Elgort, Norman Parkinson und Helmut Newton. Die New Yorkerin mit italienischen und ungarischen Wurzeln ist bis heute in der von Jungen besessenen Modewelt begehrt: Die Mutter einer 56-j&amp;auml;hrigen Tochter erschien auf etlichen &amp;raquo;&lt;a href=&quot;http://www.vogue.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Vogue&lt;/a&gt;&amp;laquo;-Titelseiten, warb in den letzten Jahren f&amp;uuml;r Rolex, Gap, Elizabeth Arden; f&amp;uuml;hrte die Kollektionen von Alberta Ferretti und Jean Paul Gaultier vor. Es ist leicht, sich vorzustellen, dass sie unz&amp;auml;hlige M&amp;auml;nner schwach werden lie&amp;szlig;. Sie habe tats&amp;auml;chlich nichts anbrennen lassen, sagt sie, so wie sie sich in jeder ihrer drei (geschiedenen) Ehen vollen Herzens verausgabt habe. Sowieso scheint sie eine Frau zu sein, die einzig eins nicht beherrscht: die halbe Sache. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Frau Dell&amp;rsquo;Orefice, woher nehmen Sie Ihre unglaubliche Energie? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Carmen Dell'Orefice:&lt;/strong&gt; Es geht darum, sich zu entscheiden, sich ein Ziel zu setzen &amp;ndash; und zu fragen: Wie kommst du da hin? Nichts im Leben ist umsonst. Also brauchst du viel Selbstdisziplin, um es zu erreichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie keine Erm&amp;uuml;dungserscheinungen nach 66 Jahren im Modebusiness?&lt;/strong&gt; Ich f&amp;uuml;hle mich heute j&amp;uuml;nger als damals mit 14, als ich anfing zu modeln. Damals war ich eine kleine alte Lady. Ich hatte eine sehr bodenst&amp;auml;ndige Kindheit: Ich war allein mit meiner Mutter, wir waren arm und hatten oft Hunger. Mir war fr&amp;uuml;h klar, was die Wirklichkeit von mir verlangt &amp;ndash; was ich zu tun habe, wenn ich durchkommen will.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;War der Sprung in die Modewelt dadurch nicht gewaltig?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Ich wurde Ende August 1945 im Bus entdeckt, auf der 57. Stra&amp;szlig;e in New York, als ich von der Tanzschule kam. Es war eine h&amp;ouml;chst gl&amp;uuml;ckliche Wendung: Ich habe es immer geliebt, durchs Modeln f&amp;uuml;r ein paar Stunden in meine Fantasiewelt zu springen. Eine stumme Schauspielerin sein zu k&amp;ouml;nnen. Und ich lernte dadurch fr&amp;uuml;h, was ich nicht will und nicht brauche.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;N&amp;auml;mlich?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Keine Diamanten. Ich brauche es warm, und ich muss tun k&amp;ouml;nnen, was ich will. So sch&amp;ouml;n die Kleider von Dior und all den anderen Designern waren &amp;ndash; nichts davon wollte ich wirklich.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wem verdanken Sie Ihre Sch&amp;ouml;nheit?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Den Knochen meines Vaters &amp;ndash; sind die nicht wunderbar? Danke, Papa! Ich passe nur auf sie auf.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Empfinden Sie Ihrem K&amp;ouml;rper gegen&amp;uuml;ber Verantwortung?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Notgedrungen. Mir ist bewusst, dass ich nicht arbeiten kann, wenn mein K&amp;ouml;rper verkommt. Meine Gebrechen w&amp;uuml;rden ein ganzes Buch f&amp;uuml;llen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Das hat fr&amp;uuml;h angefangen: Sie lagen mit 13 ein Jahr lang mit rheumatischem Fieber im Bett.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das war mein erster Tod. Ich war ein sehr trauriges Kind, das unbedingt froh sein wollte. Durch einen gl&amp;uuml;cklichen Zufall geriet ich in die H&amp;auml;nde von Emigranten, die dem schrecklichen Krieg entkommen waren: Alex Liberman &amp;ndash; Artdirector der &lt;em&gt;Vogue&lt;/em&gt; &amp;ndash;, Cecil Beaton, Horst P. Horst, Erwin Blumenfeld, der noch seine KZ-T&amp;auml;towierung auf dem Arm hatte. All diese M&amp;auml;nner waren echte K&amp;uuml;nstler &amp;ndash; sie lebten ihre Kunst, und sie brachten mir bei, was sie in mir sahen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was sahen sie?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Durch sie begriff ich, dass sich das Gehirn st&amp;auml;ndig wandelt und damit der Blick auf die Dinge und auf einen selbst. Ich schaue jeden Morgen in den Spiegel und sage: Hallo, Fremde! Jeden Morgen entdecke ich eine andere im Spiegel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Dann wirds Ihnen nie langweilig mit sich?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich bin ein St&amp;uuml;ck &amp;raquo;Art in Progress&amp;laquo;. Regisseurin, Drehbuchschreiberin, Darstellerin in einem. Mein Leben ist fantastisch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie viele Freunde?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nur sehr wenige. Eileen Ford, die gerade 90 geworden ist, ist seit 64 Jahren meine Mentorin und beste Freundin. Als sie nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Modelagentur gr&amp;uuml;ndete, begann meine Lebensschule. Denn was wusste ich schon, etwa vom Krieg? Dass die Jungs aus meinem Quartier, die Sullivan-Br&amp;uuml;der, im Schiff untergegangen waren; dass sich aus der Silberfolie der Zigarettenpackungen Tiere basteln lie&amp;szlig;en &amp;ndash; das war alles, was ich kannte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie machen einen angstfreien Eindruck. Liegt das auch an Ihrer fr&amp;uuml;hen schweren Krankheit?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ich habe meine Mutter und die katholische Kirche &amp;uuml;berlebt. Seitdem kann mich nichts mehr umhauen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Erinnerungen der Carmen Dell'Orefice&quot;] &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45201.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;em&gt;1946 - Ein Jahr nachdem Carmen Dell'Orefice in New York entdeckt wurde, entstand dieses Bild f&amp;uuml;r die amerikanische Vogue, fotografiert von Cecil Beaton. (Herzlichen Dank an Visage Management Zineta Blank)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gehen Sie heute leichtf&amp;uuml;&amp;szlig;iger durchs Leben als zu Ihren Teenagerzeiten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich glaube ja, weil ich heute mehr &amp;uuml;bers Leben wei&amp;szlig;. Meine Fehler mache ich aber lieber im Stillen, ich muss sie nicht hinausposaunen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Einen gro&amp;szlig;en Fehler allerdings haben Sie &amp;ouml;ffentlich gemacht: Sie haben Ihr ganzes Geld Bernie Madoff anvertraut.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, aber das zuzugeben ist leicht, weil jeder materialistisch ist. Nur besteht heute die ganze Welt aus Schwindlern. Die wissen jetzt, dass sie sogar auf der h&amp;ouml;chsten Ebene mit ihren krummen Dingern durchkommen: Sie betr&amp;uuml;gen legal, weil sie in Princeton und Harvard waren. Es ist wie bei des Kaisers neuen Kleidern. Als mir das passierte, was andere als Katastrophe bezeichneten, hielt ich inne und fragte mich, was das jetzt f&amp;uuml;r mich hei&amp;szlig;t. Was mir an M&amp;ouml;glichkeiten bleibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Keine Reue?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es ist wie in einer Ehe &amp;ndash; man versucht es mit aller Kraft und Leidenschaft und mit den besten Absichten, und wenns schiefgeht, lernt man wieder was dazu.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Es muss doch eine enorme Entt&amp;auml;uschung f&amp;uuml;r Sie gewesen sein, nachdem Sie sich mit Madoff gut befreundet w&amp;auml;hnten.&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Es war ein ungeheurer Schock! Ich war so eng mit ihm &amp;ndash; f&amp;uuml;r meinen damaligen Lebensgef&amp;auml;hrten Norman F. Levy war Madoff wie ein Sohn, er war Teil von dessen Familie. Ich habe das vor ein paar Jahren alles &lt;a href=&quot;http://www.vanityfair.com/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;em&gt;Vanity Fair&lt;/em&gt;&lt;/a&gt; erz&amp;auml;hlt, aus einem Grund: Ich wollte meiner Branche signalisieren: Ich bin wieder da, ich stehe zur Verf&amp;uuml;gung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hatten Sie nie das Bed&amp;uuml;rfnis, sich zur Ruhe zu setzen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich setze mich jede Nacht, wenn ich schlafen gehe, zur Ruhe, das reicht. Ich bin fr&amp;uuml;h genug tot. Also will ich jeden Tag noch in vollen Z&amp;uuml;gen leben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist Ihnen der Gedanke, mit 80 nicht mehr viel Zeit zu haben, st&amp;auml;ndig pr&amp;auml;sent?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Und ob! Denn ich glaube nicht, dass ich die Erste bin, die ewig lebt. Deshalb versuche ich allen, die es h&amp;ouml;ren wollen, klarzumachen: Beeil dich und lebe &amp;ndash; das hier ist keine Generalprobe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Planen Sie Ihre Beerdigung?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich w&amp;uuml;rde die Bestattungsinstitute gern arbeitslos machen und will noch im Tod n&amp;uuml;tzlich sein. Ich bin Organspenderin &amp;ndash; es w&amp;auml;re gut, wenn ich der Welt einiges hinterlassen w&amp;uuml;rde, meine Leber, meine Aug&amp;auml;pfel, man soll alles nehmen, was noch intakt ist, und den Rest in den M&amp;uuml;lleimer schmei&amp;szlig;en.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie hinterlassen der Welt auch eine Unmenge gro&amp;szlig;artiger Modefotos, sogar ein Bild von Dal&amp;iacute;, dem Sie Modell standen. Was ist das schon?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dal&amp;iacute;s Bild von mir habe ich &amp;uuml;brigens nie gesehen, obwohl ich bis zu seinem Tod mit ihm in Verbindung blieb. Ich war 14, als er mir nach einem Shooting bei einem Mittagessen im Restaurant vorgestellt wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie haben Sie ihn in Erinnerung?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Als wirklich sehr exzentrisch. Er sprach Englisch mit mir, obwohl alle behaupteten, er k&amp;ouml;nne es nicht &amp;ndash; zwar gebrochen, aber er sprachs. Ich stand ihm oben ohne Modell, aber ich war eh flach wie ein Brett. Er war ins Malen versunken, und nur wenn ich meinen steif werdenden Hals bog, rief er: Halt still, blo&amp;szlig; nicht bewegen!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Stimmt es, dass Ihnen erst eine Hormontherapie die weiblichen Rundungen brachte?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ja, Irving Penn war so besorgt, dass ich &amp;ndash; verhungert wie ich aussah &amp;ndash; die Aufnahmen mit ihm nicht durchstehen w&amp;uuml;rde. So hat der Hausarzt der &lt;em&gt;Vogue&lt;/em&gt; mir Eisenpr&amp;auml;parate und Hormone verschrieben. Sonst h&amp;auml;tte ich nie meine Periode bekommen. Wie gl&amp;uuml;cklich war ich, als meine Titten endlich wuchsen!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben damals Ballett getanzt.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, was mir niemand zugetraut hat, weil ich so kraftlos und mager aussah. Ich habe mich fast zu Tode getanzt; mein K&amp;ouml;rper hat sich selbst aufgefressen. Als ich mit dem Tanzen aufh&amp;ouml;ren musste, hat es mir das Herz gebrochen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W&amp;uuml;rden Sie heute noch halb nackt posieren?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das habe ich hinter mir. Innen drin bin ich zwar immer noch 13 oder 14, aber der Gro&amp;szlig;teil von mir ist 80 &amp;ndash; man k&amp;ouml;nnte sagen, es f&amp;uuml;hlt sich irgendwie an, als w&amp;auml;re ich meine eigene Gro&amp;szlig;mutter. Aber ab einem gewissen Alter ist es sowieso ratsam, den BH anzubehalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Der Umgang mit dem Alter&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45205.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wieder einer der weltbesten Fotografen, n&amp;auml;mlich Richard Avedon f&amp;uuml;r Harper's Bazaar. (Herzlichen Dank an Visage Management Zineta Blank)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sind immer sehr offen mit Ihrem Alter umgegangen, haben sogar &amp;ouml;ffentlich zugegeben, sich jeden Tag die Barthaare am Kinn auszupfen zu m&amp;uuml;ssen. Sie haben auch nie einen Hehl daraus gemacht, Ihrer schwindenden Jugend fr&amp;uuml;h nachgeholfen zu haben.&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Warum sollte ich? Sch&amp;ouml;nes geh&amp;ouml;rt nun mal restauriert. Mir hat mit Ende 30 ein hervorragender Arzt Silikon gespritzt gegen die Falten im Gesicht. Er war seiner Zeit damit weit voraus: In Wahrheit muss Silikon in die Haut, nicht Botox! Silikon wirkt in der Haut wie das Sandkorn, das in einer Auster die Perle bildet &amp;ndash; das regt das Collagen an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W&amp;uuml;rden Sie sich liften lassen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sicher! Ich lebe davon, wie ich aussehe &amp;ndash; f&amp;uuml;r mein Wohlbefinden brauche ich es aber nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das hei&amp;szlig;t, Ihre Falten st&amp;ouml;ren Sie nicht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;Uuml;berhaupt nicht, solange ich genug Geld auf dem Konto habe und die Jobs nicht ausbleiben. Nur wenns zu h&amp;auml;sslich wird &amp;ndash; das Bild einer h&amp;auml;sslichen Alten will ich nicht abgeben. Sondern das einer alten Frau, die nach wie vor begehrenswert ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welche Eigenschaften braucht man, um gut altern zu k&amp;ouml;nnen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Man muss aufmerksam sein und nachdenklich. Das Denken ist ein Vergn&amp;uuml;gen und eine herrliche Form von Freiheit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sind Sie gl&amp;auml;ubig?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich bin aus der katholischen Kirche ausgetreten. Am Tag vor meiner Kommunion, als ich elf war, begriff ich, was das alles f&amp;uuml;r ein Riesenbeschiss ist. Es war ein Samstag, und wir probten f&amp;uuml;r die Kommunion. Wir standen in einer Reihe, und ich fragte den Pfarrer, den ich gut kannte: Vater, Vater, was hei&amp;szlig;t das, das Rote Meer teilte sich, und Christus ging &amp;uuml;ber Wasser &amp;ndash; das kann doch niemand! Er schaute auf mich herab und sagte: Carmen, zur&amp;uuml;ck in die Reihe, du vers&amp;uuml;ndigst dich! Du wirst Gott um Vergebung bitten, sonst wirst du morgen nicht zur Kommunion zugelassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und dann? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Ich lief mit dem Gedanken &amp;raquo;Wie kann das eine S&amp;uuml;nde sein?&amp;laquo; nach Hause, wo meine Mutter alles f&amp;uuml;r die Kommunion vorbereitete. Sie hat mich gefragt, warum ich schon zu Hause sei. Ich habe nur gesagt: Ich mach das nicht. Worauf meine schlaue Mutter sagte: Musst du auch nicht. Und das wars dann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie als kluge Frau unter der Oberfl&amp;auml;chlichkeit des Modebetriebs gelitten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die habe ich immer sehr genau erkannt, aber ich liebe das Metier: Ich habe mich f&amp;uuml;r die Verarbeitung der Kleider interessiert, ich habe sie auf der Maschine mei-ner Mutter nachgen&amp;auml;ht &amp;ndash; &lt;em&gt;Vogue&lt;/em&gt;-Schnittmuster waren damals eine gro&amp;szlig;e Sache. Mode ist wunderbar, weil sie uns daran erinnert, dass das Leben Spa&amp;szlig; ist. Und wir uns neu erfinden k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Trotzdem m&amp;uuml;ssen Sie gewusst haben, dass es im Leben um mehr geht als um Spa&amp;szlig;.&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Mein Lieblingswort im Leben hei&amp;szlig;t Balance. Die zu halten ist schwer, aber auch das kann Spa&amp;szlig; machen. Ich h&amp;auml;tte alles auch f&amp;uuml;rchterlich finden k&amp;ouml;nnen, wenn ich mir st&amp;auml;ndig vergegenw&amp;auml;rtigt h&amp;auml;tte, was ich alles zu bew&amp;auml;ltigen habe. Aber ich wei&amp;szlig;, die Welt ist plemplem &amp;ndash; und ich bin sicher, auf meine Art bin ich es auch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wenn Sie heute neben lauter 16-J&amp;auml;hrigen &amp;uuml;ber den Laufsteg gehen: F&amp;uuml;hlen Sie sich da einsam?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Im Gegenteil, ich freue mich, dass sie noch alles vor sich haben. Ich denke nur: Hoffentlich m&amp;ouml;gen sie, was sie tun. Hoffentlich kriegen sie raus, wo ihr Platz ist in dieser Modewelt, die sich wie eine Waschmaschine unaufh&amp;ouml;rlich dreht. Sie m&amp;uuml;ssen sich unbezahlbar machen, indem sie etwas Besonderes, Einzigartiges anbieten &amp;ndash; und das gelingt blo&amp;szlig;, wenn man auf ein tiefes Selbstvertrauen bauen kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie hat sich das Gesch&amp;auml;ft ver&amp;auml;ndert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es ist h&amp;auml;sslich geworden, voller Ego. Um die M&amp;auml;dchen k&amp;uuml;mmert sich niemand, sie sind traurig, sie hungern. Sie ruinieren ihre Gesundheit ungeheuer fr&amp;uuml;h. Deshalb bewundere ich jemanden wie Anna Wintour &amp;ndash; sie begleitet die M&amp;auml;dchen tats&amp;auml;chlich in ihrer Entwicklung.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Waren Sie zu solchen Zugest&amp;auml;ndnissen, etwa Dauerhungern, f&amp;uuml;r die Karriere bereit?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich war mal dicker, mal d&amp;uuml;nner, habe auch mal keinen Sport gemacht, etwa nach der Geburt meiner Tochter. Da habe ich einfach mehr Katalogarbeit gemacht oder f&amp;uuml;r Flanellpyjamas geworben. Ich war auf den Titelbildern der gro&amp;szlig;en Modemagazine &amp;ndash; doch das hat mir nichts bedeutet. Ein guter Auftrag hat es mir erm&amp;ouml;glicht, meiner Mutter ein Haus zu kaufen oder meinem Mann ein Rennpferd.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist es f&amp;uuml;r Frauen heute schwerer oder leichter geworden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Leichter. Frauen meiner Generation konnten Krankenschwester werden, vielleicht noch Lehrerin oder Nonne &amp;ndash; aber die Decke zu durchsto&amp;szlig;en war schwer. Heute haben die Frauen erreicht, was sie wollten, nur kommen die M&amp;auml;nner nicht hinterher. Die &lt;br /&gt; bedauern, dass sie nicht l&amp;auml;nger das Spiegelbild ihrer M&amp;uuml;tter vorfinden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Glauben Sie ehrlich, dass M&amp;auml;nner das wollen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aber sicher. Eine Mutter, die man v&amp;ouml;geln kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und was wollen die Frauen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die wollen nicht mehr nur versorgt sein, nicht blo&amp;szlig; geheiratet werden. Sie &amp;uuml;berlegen sich genau, ob sie von dem einen kriegen, was sie sich w&amp;uuml;nschen, anstatt sich mit dem, was sie bekommen, zufriedenzugeben. Sie haben seltener Angst, allein zu bleiben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben viele spannende, reiche M&amp;auml;nner kennengelernt.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, auch ein Vanderbilt war dabei. Aber Mogule k&amp;ouml;nnen mich nicht beeindrucken. Mich interessiert nur, ob wir miteinander Spa&amp;szlig; haben k&amp;ouml;nnen, dieselbe Sprache sprechen. Ich war nie auf der Suche nach einem Mann. Und ehrlich, viele dieser spannenden M&amp;auml;nner kamen mir damals nicht besonders spannend vor.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie die falschen ausgesucht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe mir die herausgepickt, die ich wollte. Es hei&amp;szlig;t ja nicht umsonst: &lt;em&gt;to fall in love&lt;/em&gt;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Weil man den Boden unter den F&amp;uuml;&amp;szlig;en verliert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Du brichst dir beim Fallen vielleicht die H&amp;uuml;fte oder sogar das Genick. Fallen bedeutet Schmerz. Also muss man etwas anderes anstreben: &lt;em&gt;to be in love&lt;/em&gt;. Und das erfordert viel Arbeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist Sex heute noch wichtig?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;F&amp;uuml;r mich? Na, h&amp;ouml;ren Sie, spielt Atmen noch eine Rolle?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es einen Mann an Ihrer Seite?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nat&amp;uuml;rlich ist da ein Mann. Es reicht, dass ich auf einiges verzichten muss im Alter &amp;ndash; auf die Liebe verzichte ich nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>&quot;Schönes gehört nun mal restauriert&quot;</dc:subject>
    <dc:creator>Anuschka Roshani</dc:creator>
    <dc:date>2012-05-02T12:00:00+01:00</dc:date>
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  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37431">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37431</link>
    <title>Geordnete Verhältnisse</title>
    <description>&lt;p&gt;Eine Million Liter &amp;Ouml;l im Meer: Kein Mensch kann sich so was Abstraktes vorstellen. Zum Gl&amp;uuml;ck gibt es eine Website, die Ereignisse aus Nachrichten und Menschheitsgeschichte verbl&amp;uuml;ffend verst&amp;auml;ndlich macht.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie gro&amp;szlig; ist Afrika? Bei Wikipedia steht: 30,3 Millionen Quadratkilometer. Doch wie viel passt in 30,3 Millionen Quadratkilometer? Wenn man die Staaten der Erde ein wenig verschiebt, dann finden in den Konturen Afrikas China, Indien, die USA ohne Alaska und Hawaii, Japan, Osteuropa und einige westeurop&amp;auml;ische L&amp;auml;nder bequem Platz. Ein verbl&amp;uuml;ffendes Landkarten-Experiment des Grafikers Kai Krause macht klar: Ohne Vorstellung bleibt das Wissen blind. Das menschliche Gehirn kann m&amp;uuml;helos mit gro&amp;szlig;en Zahlen operieren, aber es kann sich von ihnen kein Bild machen. Deswegen irrt man sich so h&amp;auml;ufig bei der Beurteilung von Sachverhalten. Was zum Beispiel soll man mit der Information anfangen, dass irgendwo eine Million Liter &amp;Ouml;l ins Meer geflossen sind? Katastrophal, denkt man reflexhaft, weil man sich von Millionen immer beeindrucken l&amp;auml;sst. Bis man nachrechnet und feststellt: Eine Million Liter passen in einen W&amp;uuml;rfel von zehn Meter Seitenl&amp;auml;nge. Oder in ein Schwimmbecken, das 25 Meter lang, 20 Meter breit und zwei Meter tief ist. Beeindruckend, wenn es mit &amp;Ouml;l gef&amp;uuml;llt ist, aber in einem Meer lassen sich Unmengen solcher W&amp;uuml;rfel und Schwimmbecken verstauen. Also nicht so schlimm? Doch: Mit einer Million Liter &amp;Ouml;l k&amp;ouml;nnte man 18 200 VW Golfs volltanken, und man ahnt, dass das selbst einem Ozean nicht guttut.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Mensch tut sich bei seinen Einsch&amp;auml;tzungen der Lage deutlich leichter, wenn die sich in seiner N&amp;auml;he abspielt statt am anderen Ende der Welt. Deswegen werden deutsche Zeitungsleser h&amp;auml;ufig mit Fu&amp;szlig;ballfeldern traktiert. Dass das KZ Majdanek &amp;raquo;eine Fl&amp;auml;che so gro&amp;szlig; wie 380 Fu&amp;szlig;ballfelder&amp;laquo; einnahm, hie&amp;szlig; es etwa im &lt;a href=&quot;http://www.spiegel.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;em&gt;Spiegel&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;; und im &lt;a href=&quot;http://www.handelsblatt.com/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;em&gt;Handelsblatt&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;, dass in Frankfurt 1,5 Millionen Quadratmeter B&amp;uuml;roraum leerstehen, &amp;raquo;in etwa die Fl&amp;auml;che von 219 Fu&amp;szlig;ballfeldern&amp;laquo;. Bl&amp;ouml;derweise war aber in jedem Stadion, in dem man jemals gewesen ist, immer nur ein einziges Fu&amp;szlig;ballfeld. Ohne Anschauung n&amp;uuml;tzen Vergleiche gar nichts. Wie es gehen k&amp;ouml;nnte, demonstriert seit zwei Jahren die von der BBC betriebene Website &lt;a href=&quot;http://howbigreally.com/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;howbigreally.com&lt;/a&gt;. Dort kann man sich alle Sachverhalte aus der Geschichte und den Nachrichten vor die eigene Haust&amp;uuml;re holen. Bis wohin h&amp;auml;tte die Verstrahlung gereicht, wenn das Atomkraftwerk von Tschernobyl in Berlin gestanden h&amp;auml;tte statt in der Ukraine? Oder: Bis wohin ginge der Mond, wenn sein Mittelpunkt in M&amp;uuml;nchen l&amp;auml;ge und nicht im Weltall? Lauter Aha-Effekte, ein paarmal so gro&amp;szlig; wie das Saarland.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Geordnete Verhältnisse</dc:subject>
    <dc:creator>Peter Praschl</dc:creator>
    <dc:date>2012-04-30T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

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    <title>»Toleranz ist keine Lösung für Rassismus.«</title>
    <description>&lt;p&gt;Der Dramatiker Ren&amp;eacute; Pollesch ist Antikapitalist, Antirassist und Feminist. Trotzdem glaubt er weder an die Liebe noch an R&amp;uuml;cksicht. Gespr&amp;auml;ch mit einem Radikaldenker.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45385.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Ren&amp;eacute; Pollesch, 49, mit seinem einzigen Jackett.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Herr Pollesch, in Ihrem St&amp;uuml;ck &lt;em&gt;Kill your Darlings!&lt;/em&gt;, das Anfang des Jahres an der Berliner Volksb&amp;uuml;hne uraufgef&amp;uuml;hrt wurde, geht es um die Menschenfeindlichkeit sozialer Netzwerke. Trotzdem sind Sie bei Facebook. Warum?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ren&amp;eacute; Pollesch:&lt;/strong&gt; Warum? Oh Gott, ich wei&amp;szlig; es nicht. Ich kann Ihnen sagen, was ich nicht bei Facebook mache. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was denn?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich halte nicht mit Freunden Kontakt. Ich poste keine Premierentermine. Ich schreibe nicht, was ich gerade so mache. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Daf&amp;uuml;r, dass Sie nichts machen, haben Sie ganz sch&amp;ouml;n viele Freunde, n&amp;auml;mlich 5000. &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Angefangen hat es als eine Art Sport. Ein Wettbewerb mit einer befreundeten Schauspielerin. Irgendwann habe ich alle Freundschaftsanfragen angenommen. Vor einem Jahr habe ich eine beil&amp;auml;ufige Bemerkung gepostet, als mich eine Frau angriff, was mir als politischem Autor eigentlich einfalle, so eine Belanglosigkeit zu verbreiten, w&amp;auml;hrend in &amp;Auml;gypten der Teufel los sei. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie haben Sie reagiert?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Ich habe mir ihr Profil angesehen. Es war gepflastert mit politischen Aufrufen. Danach bin ich auf ihre Homepage. Die Frau hatte zuletzt einen Tango-Liederabend veranstaltet und ein Theaterst&amp;uuml;ck mit Jopie Heesters inszeniert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nicht schlimm, oder?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Nein, aber sie macht eben ganz andere Sachen, als ihr Facebook-Profil suggeriert. Sie konnte ja davon ausgehen, dass es bei mir umgekehrt ist. Ich mache wenigstens keine Tangoabende. Und das ist so umst&amp;auml;ndlich an Facebook. Dass man immer googeln muss, um herauszufinden, was die Leute wirklich machen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Halten Sie Facebook f&amp;uuml;r eine gute oder schlechte Sache?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Ich glaube, wir wissen noch nicht, wozu es gut sein kann. Neulich meinte ein Freund zu mir, dass Warhol Facebook bestimmt toll gefunden h&amp;auml;tte. Vielleicht h&amp;auml;tte er dieses Netzwerk geknackt. Vielleicht h&amp;auml;tte er herausgefunden, wie wir es wirklich gebrauchen k&amp;ouml;nnen. Bisher wollen die Menschen sich nur miteinander verbunden f&amp;uuml;hlen, und zwar durch das, was sie lieben. Ich glaube aber nicht, dass die Liebe das geeignete Instrument ist, um Menschen miteinander zu verbinden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das m&amp;uuml;ssen Sie erkl&amp;auml;ren.&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ich glaube, dass die Liebe uns eher trennt. Sie hat keinen Gebrauchswert. Wir schaffen es nicht, durch die Liebe zu einer Gemeinschaft zu kommen, die mehr ist als blo&amp;szlig;e Geselligkeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihr neues St&amp;uuml;ck hatte gerade an den M&amp;uuml;nchner Kammerspielen Premiere. Es hei&amp;szlig;t &lt;em&gt;Eure ganz gro&amp;szlig;en Themen sind weg!&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Und die Liebe ist eines davon. Immer wird gesagt, die Liebe sei f&amp;uuml;r alle da und stehe genau wie der Himmel jedem offen. Ich kann das nicht best&amp;auml;tigen. Ein Beispiel: Wenn man vor Freunden sagt: &amp;raquo;Ich wurde verlassen, und ich werde mich heute umbringen&amp;laquo;, sagen die Freunde: &amp;raquo;Bist du verr&amp;uuml;ckt? Das Leben geht weiter, es gibt doch noch andere.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Die Erfahrung zeigt, dass sie recht haben.&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Aber der Liebende will das nicht h&amp;ouml;ren. Er empfindet nichts als Schmerz und sagt sich: &amp;raquo;Moment mal, ihr habt mir doch immer erz&amp;auml;hlt, dass es im Leben um die Liebe geht. Nun habe ich sie verloren. Mir bleibt gar nichts anderes &amp;uuml;brig, als mich umzubringen.&amp;laquo; Die beiden Parteien verstehen sich nicht, keine wei&amp;szlig;, wovon die jeweils andere spricht. Es handelt sich um einen unl&amp;ouml;sbaren Konflikt: das gro&amp;szlig;e Gef&amp;uuml;hl auf der einen Seite, das lange Leben auf der anderen. In einer Gesellschaft, in der keiner mehr raucht und alle Fahrradhelme tragen, wollen alle so lange wie m&amp;ouml;glich leben. Der Liebende aber will kein langes Leben, er will das gro&amp;szlig;e Gef&amp;uuml;hl. &lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wer hat Ihre Sympathie: der Romantiker, der sterben will, oder der Pragmatiker, der weiterlebt?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Es geht nicht darum, sich zu entscheiden, sondern zu erkennen, dass wir beides wollen, ein langes und ein intensives Leben, aber beides nicht geht. Noch ein Beispiel: Wenn ich fr&amp;uuml;her einer Essenseinladung zugesagt habe, bin ich auch hingegangen. Wenn ich heute eine Stunde vorher einen gesch&amp;auml;ftlichen Anruf bekomme, melde ich mich bei den Gastgebern und sage: &amp;raquo;Ihr seid mir sehr wichtig, aber ich muss leider woanders hin.&amp;laquo; Und die Katastrophe ist, dass die mich auch noch verstehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum sind sie nicht gekr&amp;auml;nkt? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weil Verbindlichkeit keine Kategorie mehr ist. Verf&amp;uuml;gbare Menschen sind beliebter, angesehener, erfolgreicher. Der Stil von Carsten Maschmeyer, viele Menschen kennen, Netzwerke bilden, &amp;uuml;berall dabei sein. Verbindliche Menschen gelten als langweilig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Daf&amp;uuml;r sind sie sympathisch&lt;/strong&gt;. &lt;br /&gt;Ich wei&amp;szlig;, was Sie meinen. Meine Eltern waren auch 50 Jahre verheiratet. Aber auch Verbindlichkeit kann problematisch sein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weil sie Alltagstrott erzeugt und man alle anderen Optionen ausschlagen muss. Verbindlichkeit und Verf&amp;uuml;gbarkeit stehen sich unvereinbar gegen&amp;uuml;ber. Wir wollen immer eine L&amp;ouml;sung. Die Wahrheit ist: Wir m&amp;uuml;ssen aushalten, dass es keine gibt. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Aber was kann uns verbinden, wenn nicht die Liebe?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Vielleicht sollte nicht die &amp;Auml;hnlichkeit zwischen uns die Grundlage einer Kommunikation sein, sondern unsere Differenz. Bisher sortieren wir alles aus, was nicht passt. Aber es gibt ja nicht nur M&amp;auml;nner, sondern auch Frauen mit Bartwuchs, und die rasieren und wachsen sich, damit sie aussehen wie die Frau aus dem Biologiebuch. Oder denken Sie an die Arche Noah. Angeblich steht sie f&amp;uuml;r Vielfalt, in Wahrheit ist sie das genaue Gegenteil: zwei Eisb&amp;auml;ren, zwei Gorillas, zwei Elefanten, immer ein M&amp;auml;nnchen und ein Weibchen. Was aber ist mit dem schwulen Pavian und dem transsexuellen Zebra? Schon Brecht hat gejammert: &amp;raquo;Penis und Vagina, immer nebeneinander, immer dasselbe.&amp;laquo; Wir haben &amp;uuml;brigens auch ein Problem bei der Auseinandersetzung mit dem Rassismus. Wir bearbeiten ihn mit Toleranz, aber Toleranz ist keine L&amp;ouml;sung f&amp;uuml;r Rassismus. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum nicht?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Weil es keine Rolle spielt, ob unsere besten Freunde Migranten sind, wenn wir &lt;em&gt;Hamlet&lt;/em&gt;, damit er &amp;raquo;richtig&amp;laquo; verstanden werden kann, nicht mit einem Schwarzen besetzen. Das Problem des Rassismus ist in erster Linie das Problem der Repr&amp;auml;sentation. Vor allem im Theater. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was meinen Sie damit? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gerade gab es eine Debatte, ob es rassistisch ist, wenn ein wei&amp;szlig;er Schauspieler schwarz angemalt wird, um eine schwarze Figur zu spielen. Es ist aber auch rassistisch, die Minirolle eines T&amp;uuml;rken im St&amp;uuml;ck mit einem t&amp;uuml;rkischen Schauspieler zu besetzen. Dem Repr&amp;auml;sentationstheater, damit meine ich das klassische Dialogtheater, geht es um universelle Lesbarkeit. Aber wenn in einer Szenenanweisung von Samuel Beckett steht: &amp;raquo;Ein Mensch betritt die B&amp;uuml;hne&amp;laquo;, hat man automatisch einen wei&amp;szlig;en heterosexuellen Mann vor Augen. Das ist das Problem.&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Rassismus in der Theaterszene&quot;] &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45387.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Szene aus &quot;Eure ganz gro&amp;szlig;en Themen sind weg!&lt;/em&gt;&quot;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es Rassismus in der Theaterszene?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Ja, aber nicht, wie Sie ihn im Kopf haben. Vor zehn Jahren hatte in Berlin ein antirassistisches St&amp;uuml;ck Premiere, in dem es um Abschiebepraktiken in der Bundesrepublik Deutschland geht. Die Hauptrolle bekam ein schwarzer Schauspieler. Nach der Vorstellung wird er im Publikumsgespr&amp;auml;ch von einer Frau gefragt, wie es ihm w&amp;auml;hrend der Proben gegangen sei. Im St&amp;uuml;ck gab es n&amp;auml;mlich Szenen, in denen ihn wei&amp;szlig;e Schauspieler, die Polizisten spielen, ausziehen und seinen Hintern nach Drogen untersuchen. Szenen, die unter Anleitung eines wei&amp;szlig;en Regisseurs geprobt wurden. Wissen Sie, was er geantwortet hat? &amp;raquo;Es war die H&amp;ouml;lle.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie w&amp;uuml;rden Sie das Thema Rassismus angehen?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Auf jeden Fall nicht, indem ich ein St&amp;uuml;ck &amp;uuml;ber mangelnde Toleranz schreibe. Im Publikum sitzen ja keine Rassisten. Im Gegenteil. Rassismus als Problem, das wird von den Zuschauern ja abgesegnet. Wem soll ich denn da mit Toleranz kommen? Also mach ich lieber einen anderen Vorschlag und sage: Das Problem ist die Repr&amp;auml;sentation. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Der Intendant Claus Peymann sagt, Ihr Misstrauen gegen&amp;uuml;ber der Fiktion sei die &amp;raquo;Todeskrankheit des Theaters&amp;laquo;.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Aber im Repr&amp;auml;sentationstheater gehen die Gedanken verloren, weil sich alles um Lesbarkeit dreht. Wenn jemand einen Gedanken formuliert, geht es nur darum herauszufinden, wer spricht. Und andererseits wird verschleiert, wer spricht, n&amp;auml;mlich nur der wei&amp;szlig;e, m&amp;auml;nnliche Heterosexuelle, dessen Erz&amp;auml;hlung alle als die universelle entgegennehmen m&amp;uuml;ssen. Lesben und Schwule m&amp;uuml;ssen daf&amp;uuml;r sorgen, dass &lt;em&gt;Romeo und Julia&lt;/em&gt; auch ihre Liebesgeschichte ist. Frauen m&amp;uuml;ssen daf&amp;uuml;r sorgen, dass &lt;em&gt;Hamlet &lt;/em&gt;auch ihre Geschichte wird, obwohl sie gleichzeitig erfahren, dass sie es nicht ist. Wir sollten im Theater nicht dauernd auf das Verstehen abzielen. Dadurch, dass wir uns verstehen, ist noch nichts gewonnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum sagen Sie eigentlich dauernd &amp;raquo;wir&amp;laquo;, Sie schreiben die St&amp;uuml;cke doch allein? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schreiben ja, aber ich mache sie ja nicht allein. Die Schauspieler lesen meine Texte, dann sprechen wir dar&amp;uuml;ber. Der Text wird also gepr&amp;uuml;ft, nicht die Schauspieler. Wenn das Thema nicht interessant genug f&amp;uuml;r alle ist, wird ein neues gesucht, oder die Schauspieler machen Vorschl&amp;auml;ge. Sie k&amp;ouml;nnen die Texte auch komplett verwerfen. Ich muss nicht alles allein machen. Ich bin kein Dienstleister, der im Auftrag eines Theaters &amp;uuml;ber Banker oder Gier schreibt. Mein Leben ist das, wor&amp;uuml;ber ich nachdenke. Und meine Beziehungen. Dass sie nicht gelingen und warum sie nicht gelingen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Theater als Versuch, das eigene Leben zu bew&amp;auml;ltigen?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Keine Angst, ich bel&amp;auml;stige niemanden mit meinem Privatleben. Die Texte sind nicht autobiografisch. Ich versuche, mit Theorien auf mein Leben zu schauen. Dabei kommen Texte heraus, die hoffentlich auch den Schauspielern und den Zuschauern Instrumente liefern, um auf ihr eigenes Leben zu schauen. &lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kann man sagen, Sie sind Feminist? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zumindest habe ich Alice Schwarzer immer verstanden, wenn sie vor 25 Jahren im Fernsehen in Talkshows aufgetreten ist. Das Studiopublikum hat immer nur f&amp;uuml;r die anderen geklatscht, aber sie hat es ausgehalten, keinen Applaus zu kriegen, das hat mir imponiert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Heute klatschen fast alle, wenn sie etwas sagt.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Weil sie inzwischen auch nur noch mit Emp&amp;ouml;rung arbeitet. Schade, aber ich bin ihr nicht b&amp;ouml;se. Wenn man st&amp;auml;ndig dagegen ist, geht einem irgendwann die Puste aus. Irgendwann will man dazugeh&amp;ouml;ren und f&amp;auml;ngt an, f&amp;uuml;r die &lt;em&gt;Bild&lt;/em&gt; zu schreiben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wollen Sie nicht irgendwo dazugeh&amp;ouml;ren? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich bin in einem Dorf in Hessen aufgewachsen. Da musste jeder sein wie der andere. Und Gemeinschaften, die darauf beruhen, dass sich alle &amp;auml;hnlich verhalten - da bin ich raus, ehrlich. Ich kann mich nicht formen, damit ich irgendwo reinpasse, auch nicht in eine scheinbar integre Bewegung. Die Finanzkrise mit einer moralischen Kritik anzugehen, sich dem konsensf&amp;auml;higen Unbehagen anzuschlie&amp;szlig;en und zu behaupten, wir m&amp;uuml;ssen nur bessere Menschen werden, dann klappt der Kapitalismus schon, das ist zu einfach. Viele sind einfach nur emp&amp;ouml;rt, favorisieren die nachvollziehbarste L&amp;ouml;sung und haben die falschen B&amp;uuml;cher gelesen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was w&amp;auml;ren die richtigen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;B&amp;uuml;cher von Donna Haraway, eine Biologin und feministische Theoretikerin, die versucht, eine Konversation mit ihren Hunden anzufangen. Darauf w&amp;uuml;rde ein Tiersch&amp;uuml;tzer nicht kommen. Der zieht weiterhin die Grenze zwischen Mensch und Tier und bleibt bei der Liebe zur Kreatur stehen. Au&amp;szlig;erdem Foucault, Derrida, Giorgio Agamben oder Wolfgang Pohrt, ein hochinteressanter Soziologe, der leider noch nicht massenkompatibel ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Keine Romane? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, ich kann es nicht ertragen, wenn mich ein Erz&amp;auml;hler an die Hand nimmt. Neulich hat mir jemand ein Buch &amp;uuml;ber die Kyniker geliehen, eine philosophische Schule der griechischen Antike. Mich hat das Thema wirklich interessiert, aber das Buch war in Erz&amp;auml;hlform geschrieben. Ich bin fast eingeschlafen. Ich lese theoretische Texte. Ich brauche diese Lekt&amp;uuml;re f&amp;uuml;r mein Leben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Man kann sich an sch&amp;ouml;nen S&amp;auml;tzen auch einfach nur erfreuen. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Ich habe das Gl&amp;uuml;ck, nicht in einem bildungsb&amp;uuml;rgerlichen Haushalt aufgewachsen zu sein. Ich bin nicht mit dem Befehl gro&amp;szlig; geworden, Literatur zu verehren. Mein Vater ist gelernter Maschinenschlosser und hat als Hausmeister gearbeitet, meine Mutter war Hausfrau. F&amp;uuml;r mich sind B&amp;uuml;cher Instrumente, die nach dem Gebrauch zerfallen k&amp;ouml;nnen. Wenn ich den Gedanken habe, brauche ich das Buch nicht mehr. Ich glaube, dass Literatur vor&amp;uuml;bergehen wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;Uuml;ber Harald Schmidt&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45389.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Pollesch sagt: &amp;raquo;Wer emp&amp;ouml;rt ist, hat das Denken eingestellt&amp;laquo; &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie kamen Sie von der hessischen Provinz in die Welt des Theaters?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;Uuml;ber eine Theater-AG in der Schule. Wenn ich als Jugendlicher einen Film toll fand, habe ich das dazugeh&amp;ouml;rige Bild aus der Programmzeitschrift ausgeschnitten. Zum Beispiel Liz Taylor, wenn sie in Wer hat &lt;em&gt;Angst vor Virginia Woolf&lt;/em&gt;? hysterisch ein Glas auf den Boden wirft. Diese Bilder waren meine Lockv&amp;ouml;gel, die Verhei&amp;szlig;ung f&amp;uuml;r Drama und gro&amp;szlig;es Theater. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie haben Ihre Eltern reagiert, als Sie Anfang der Achtzigerjahre begonnen haben, Angewandte Theaterwissenschaften in Gie&amp;szlig;en zu studieren? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gut m&amp;ouml;glich, dass sie verzweifelt waren, aber sie haben es sich nicht anmerken lassen. Ich bin ihnen sehr dankbar daf&amp;uuml;r, dass sie es nicht verhindert haben. Meine Freunde mussten fast alle eine Banklehre machen, um was in der Hand zu haben. Meine &lt;br /&gt; Eltern haben mich sogar finanziell unterst&amp;uuml;tzt, obwohl sie selbst kein Geld hatten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Trotzdem haben Sie sich durch Ihr Studium von der Welt Ihrer Eltern entfernt. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stimmt. Was sie mir erm&amp;ouml;glicht haben, trennte mich gleichzeitig von ihnen. Letztendlich wurde aus mir etwas ganz anderes, als es in so einem Dorf vorgesehen ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie sich schon mal dabei ertappt, privat etwas gut zu finden, was Sie als Autor anklagen?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Was meinen Sie?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zum Beispiel Ihre Adidas-Turnschuhe. H&amp;auml;tten es andere nicht auch getan?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Ah, darauf wollen Sie hinaus, aber damit kriegen Sie mich nicht. Ich habe zwei Paar Schuhe, diese Turnschuhe und ein Paar Winterstiefel. Au&amp;szlig;erdem ein Jackett, drei Hemden, eine Jeans. Wenn die gewaschen wird, kann ich nicht rausgehen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Noch nie Lust auf ein Statussymbol versp&amp;uuml;rt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Die Idee, dass man ein Auto nicht besitzt, sondern damit f&amp;auml;hrt und es irgendwo stehen l&amp;auml;sst, damit der N&amp;auml;chste es nehmen kann, leuchtet mir sehr ein. Man muss sein wirkliches Leben schon so organisieren, dass man mit dem, was man denkt, mithalten kann, alles andere ist Selbstbetrug.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben zweimal den M&amp;uuml;lheimer Dramatikerpreis gewonnen. Was haben Sie mit den je 15 000 Euro Preisgeld gemacht?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Geteilt, und zwar mit allen, die mitgewirkt haben, von den Darstellern bis zur Souffleuse.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Nach Ihrem Studium waren Sie Mitte der Neunziger f&amp;uuml;r ein paar Jahre arbeitslos.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Ja, von 1994 bis 1999. Ich rede ungern &amp;uuml;ber diese Zeit, weil ich mir immer vorkomme, als w&amp;uuml;rde ich mir innerlich eine Tapferkeitsmedaille anheften. So eine Geschichte dient schnell als Beispiel, dass man es doch schaffen kann, das ist ein Problem.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hat die Arbeitslosigkeit an Ihrem Selbstwertgef&amp;uuml;hl genagt?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Nat&amp;uuml;rlich. Ich war krank. Ein k&amp;uuml;nstlerischer Beruf enth&amp;auml;lt ja ein gro&amp;szlig;es Versprechen auf Selbstverwirklichung. Ich wollte ans Theater, um im Gegensatz zu einem Job in der Bank in meiner Arbeit selbst vorzukommen. Aber auch hier muss ich sagen: Meine Eltern haben mir nie einen Vorwurf gemacht, einmal haben sie sogar mit 8000 Mark f&amp;uuml;r mich geb&amp;uuml;rgt, das war eine Riesensumme f&amp;uuml;r sie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und als die ersten Erfolge sich einstellten?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die ersten Jahre haben sie sich &amp;uuml;berhaupt nicht f&amp;uuml;r meine Sachen interessiert. Wir haben auch nicht &amp;uuml;ber meine Arbeit gesprochen - ohne dass mich das gekr&amp;auml;nkt h&amp;auml;tte, es war eben so. Irgendwann kamen sie doch nach Berlin und haben sich ein St&amp;uuml;ck angeschaut. Ich wei&amp;szlig; noch, wie meine Mutter nach der Vorstellung verlegen zu mir meinte, dass f&amp;uuml;r ihren Geschmack ein bisschen viel &amp;raquo;Schei&amp;szlig;e!&amp;laquo; gebr&amp;uuml;llt worden war. Ich glaube, die Bemerkung hatte sie in der Zeitung aufgeschnappt. Einmal habe ich sie drei Tage zu den Salzburger Festspielen eingeladen. Ich glaube, sie waren damals ziemlich gl&amp;uuml;cklich. Meine Mutter ist inzwischen gestorben, aber mein Vater kommt immer noch. Einmal habe ich ihm auch Harald Schmidt vorgestellt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Als er 2009 in einem Ihrer St&amp;uuml;cke mitgespielt hat?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Genau. Ich wei&amp;szlig; noch, wie mein Vater auf der Premierenfeier mit Schmidt sprach. Als w&amp;auml;ren sie beste Freunde. Schmidt fand das gut. Ich glaube, mein Vater erinnerte ihn an seine eigenen Eltern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist es ein Verlust, dass seine Show abgesetzt worden ist? &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt; Nat&amp;uuml;rlich. Er war zuletzt so unglaublich in Form, ich habe fast jede Sendung geschaut, obwohl ich sonst &amp;uuml;berhaupt nicht fernsehe. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Es gibt Leute, die sagen, er sei privat eher reaktion&amp;auml;r.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Nein, ist er nicht, daf&amp;uuml;r unglaublich begabt und klug und wach. Ein gro&amp;szlig;artiger Mensch und souver&amp;auml;ner Performer. Ein Anarchist. Ein Punk, der Witze nicht nur macht, um Leute zum Lachen zu bringen, sondern um sie zu qu&amp;auml;len. Glauben Sie mir, Harald Schmidt will nicht einfach nur geliebt werden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Daf&amp;uuml;r ist er nie auf eine Haltung festzulegen. Man k&amp;ouml;nnte auch sagen, seine Ironie ist ein Zeichen von Feigheit. &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ich glaube nicht, dass er so ironisch ist, wie alle sagen. Er ist auch nicht zynisch. Man tut seine Gedanken nur als Zynismus ab, weil sie so radikal sind. Man denkt, es sei ein Witz, weil man es anders nicht ertragen kann. Aber da f&amp;auml;ngt die Revolution an. Der Erste, der etwas radikal anders macht, ist immer eine Parodie. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Leiden Sie am Zustand der Welt?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Nein. Adorno sagt: &amp;raquo;Wer verzweifelt stirbt, dessen ganzes Leben war umsonst.&amp;laquo; Wenn man verzweifelt ist, sollte man herausfinden, warum, und was dagegen unternehmen. Und das geeignete Instrument daf&amp;uuml;r ist immer die Theorie. Erz&amp;auml;hlungen sprechen nicht von uns, sie regulieren uns nur.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Es gibt Kritiker, die bem&amp;auml;ngeln, dass Sie seit Jahren das Gleiche machen. Wie ernst nehmen Sie Kritik an Ihrer Person?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Jede Beleidigung meiner Person, auch jeder Klatsch und Tratsch, hat vielleicht mehr mit mir zu tun, als mir lieb ist. Schlie&amp;szlig;lich nimmt man sich selbst am wenigsten &amp;uuml;bel. Es gibt zum Beispiel das Ger&amp;uuml;cht, dass ich kokse. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und tun Sie es? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Ich habe noch nie Drogen genommen. Trotzdem habe ich mal in einem Blog gelesen, dass wegen meines Kokains die L&amp;uuml;ftungsanlage im Thalia Theater verstopft sein soll. Einmal habe ich den Fehler gemacht, den Vorwurf in einem Interview richtigzustellen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das w&amp;uuml;rde doch jeder machen.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Aber ich habe das Interview anschlie&amp;szlig;end gelesen, und es war einfach nur langweilig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber es musste doch mal gesagt werden.&lt;/strong&gt; Warum? Ich finde Koksen nicht toll, aber jemanden, der sagt, dass er nicht kokst, finde ich auch nicht besonders toll. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie produzieren bis zu vier St&amp;uuml;cke pro Jahr. Haben Sie keine Angst vor dem Burn-out?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Nein. Ich verstehe gar nicht, warum alle sagen, ich w&amp;uuml;rde so viel arbeiten. Andere Regisseure arbeiten mindestens genauso viel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber Sie schreiben die St&amp;uuml;cke auch, die Sie inszenieren.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Stimmt, aber Theater macht man ja nicht allein. Der B&amp;uuml;hnenbildner baut einen Raum, auf den er Lust hat, die Kost&amp;uuml;mbildnerin macht Kost&amp;uuml;me, die ihr gefallen. Ich mische mich da nicht ein. Ich bin kein Kontrollfreak. Neulich habe ich einen Regisseur getroffen, der mir stolz erz&amp;auml;hlte, wie viel er am B&amp;uuml;hnenbild mitgearbeitet hat. Kurz vorher hatte ich gelesen, dass in einer Kritik &amp;uuml;ber seine Inszenierung besonders das B&amp;uuml;hnenbild gelobt worden war. Da habe ich mich schon gefragt, warum er so was n&amp;ouml;tig hat. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Es gibt eben wenige Menschen, die nicht eitel sind.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Man muss aushalten, dass man nicht alles in der Hand hat. Wenn ich mir jemanden vorstelle, der behauptet, er habe bei einem St&amp;uuml;ck alles allein gemacht, finde ich das sehr dunkel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;Uuml;berhaupt kein Interesse an Macht?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Nein. In einem B&amp;uuml;ro ist man doch nicht wegen der Arbeit gestresst, sondern wegen der Vorkehrungen, die man treffen muss, damit sie vom Chef wahrgenommen wird. Wenn die Schauspieler einen Text von mir nicht wollen, sehe ich das nicht als Attacke auf mich. Man kann es aushalten, dass andere Leute Vorschl&amp;auml;ge machen, die besser sind als die eigenen. Die entscheidende Frage ist doch: Was interessiert mich mehr: mein Ego oder ein guter Vorschlag?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ohne Macht kein Burn-out?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;Keine Ahnung. Ich probe, und wenn ich nicht probe, schreibe ich, das ist die Abwechslung schlechthin. Ich bin nicht depressiv, nicht ersch&amp;ouml;pft und nicht gestresst. Und deswegen sehe ich auf Premierenfeiern auch nicht aus wie ein Wrack. Und wenn doch, dann aus anderen Gr&amp;uuml;nden - aber nicht, weil ich zu viel arbeite. &lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Ren&amp;eacute; Pollesch&lt;/strong&gt; wurde 1962 in Friedberg, Hessen, geboren und      z&amp;auml;hlt zu den bedeutendsten Dramatikernund Regisseuren des      deutschsprachigen Theaters. Seine St&amp;uuml;cke tragen skurrile Titel wie &lt;/em&gt;&lt;em&gt;Heidi Hoh arbeitet hier nicht mehr oder &lt;/em&gt;&lt;em&gt;Eure ganz gro&amp;szlig;en Themen sind weg!,      das gerade an den &lt;a href=&quot;http://www.muenchner-kammerspiele.de/home/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;M&amp;uuml;nchner Kammerspielen&lt;/a&gt; l&amp;auml;uft. Seine Themen sind      Liebe, Entfremdung und Ausbeutung im Kapitalismus. Er lebt in      Berlin.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Toleranz ist keine Lösung für Rassismus.«</dc:subject>
    <dc:creator>Tobias Haberl</dc:creator>
    <dc:date>2012-04-30T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Auf der Suche nach dem ewigen Blau</title>
    <description>&lt;p&gt;Der Jeans-Arch&amp;auml;ologe Mike Harris gr&amp;auml;bt in den Minen Kaliforniens alte Hosen aus. Und f&amp;ouml;rdert neue Erkenntnisse &amp;uuml;ber unser liebstes Kleidungsst&amp;uuml;ck zutage.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich sind es nur Fetzen. Niemand kann diese Hosen noch tragen. Sie sind staubig, zerschlissen, und den meisten fehlt ein Bein oder mehr. Und doch sucht Mike Harris, 41, aus Orange County in Kalifornien wie besessen nach ihnen. Er findet sie in alten Minen, wo er nach ihnen gr&amp;auml;bt mit Pickel und Schaufel. Dort herrschen perfekte konservatorische Verh&amp;auml;ltnisse: im Schnitt 20 Grad, staubtrocken. Hunderte gibt es von diesen verlassenen Stollen und Sch&amp;auml;chten in Nevada, Arizona, Kalifornien &amp;ndash; &amp;uuml;berall da, wo vor &amp;uuml;ber 120 Jahren Gold- und Silbergr&amp;auml;ber ihr Gl&amp;uuml;ck suchten und nur wenige es wirklich fanden. Die meisten hinterlie&amp;szlig;en nur L&amp;ouml;cher in der kargen W&amp;uuml;stenlandschaft und darin jede Menge Verzweiflung, Schnapsflaschen, Revolver, Werkzeug und eben auch ein Paar Jeans. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; 1988 machte Mike Harris seine erste Beute, eine Jeansjacke - wo, will er nicht verraten, so wie Angler ihre Fischgr&amp;uuml;nde nicht verraten. Auf die F&amp;auml;hrte hatte ihn sein Schwiegervater Russ Miller gebracht, ein Geologe. Der war ein &amp;raquo;Bottlehunter&amp;laquo;, einer, der in Geisterst&amp;auml;dten und Minen nach alten Flaschen sucht: bunte, krumme, irgendwie sonderbare Flaschen, die im sp&amp;auml;ten 19. Jahrhundert im Umlauf waren und bis heute unter Sammlern sehr begehrt sind. Er hatte ihn ein paarmal mitgenommen, und bald war auch Mike ein Bottlehunter. Allerdings war die Bl&amp;uuml;tezeit des Flaschenjagens lange vorbei, die meisten Minen abgegrast. Statt Flaschen fanden die beiden meist nur Scherben, Abfall, Tabakpfeifen, Konservendosen. All das eben, was alle vor ihnen liegen gelassen hatten, weil sie es als M&amp;uuml;ll abtaten. Einmal aber lugte eine Jeansjacke aus dem Abraum. Harris legte sie zur H&amp;auml;lfte frei, zog kr&amp;auml;ftig mit beiden H&amp;auml;nden und riss sie entzwei. &amp;raquo;Typischer Anf&amp;auml;ngerfehler&amp;laquo;, sagt er heute. Bis jetzt hat er keine unversehrte mehr gefunden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es sollte noch acht Jahre dauern, bis er seine erste Hose freischaufelte, die Flaschen aufgab und sich ganz seiner neuen Leidenschaft verschrieb. Mit jedem Fund wuchsen Jagdfieber und Neugier. Harris verglich die St&amp;uuml;cke mit alten Fotos, ging in die Archive. Vor seinen Augen setzte sich ein Puzzle zusammen, das aus Halbwahrheiten, Mythen und Leerstellen zu bestehen schien. Es ging um erloschene Hersteller mit Namen wie Greenbaum oder Neustadter, um verr&amp;auml;terische Schreibweisen auf Logos, um besondere N&amp;auml;hte und patentrechtliche Fragen. Er hatte einen wei&amp;szlig;en Fleck in der Geschichtsschreibung entdeckt, der nun vor ihm lag wie die Weiten der W&amp;uuml;ste.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Heute ist Mike Harris so etwas wie der Indiana Jones der kalifornischen Jeansgeschichte. Ein hundertprozentiger Autodidakt obendrein. Nie hat er, der gelernte Anstreicher, eine h&amp;ouml;here Schule besucht. Alles, was er wei&amp;szlig;, hat er mit eigenen H&amp;auml;nden den Sedimenten der Geschichte entrissen oder selbst recherchiert. Seine Sammlung an historischen Denims, es m&amp;uuml;ssen Tausende sein, d&amp;uuml;rfte weltweit einzigartig und ein Verm&amp;ouml;gen wert sein. 15 000 Dollar legen Kenner f&amp;uuml;r eine echte Levi&amp;rsquo;s aus den 1870ern auf den Tisch. Doch um Geld geht es nicht, es geht um Pr&amp;auml;zision. 2010 hat er zusammen mit seiner Frau ein Buch ver&amp;ouml;ffentlicht, das inzwischen als Standardwerk gilt unter Leuten, denen die Geschichte der Jeans am Herzen liegt. Ein zweites ist fast fertig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Darin hat er ein paar Dinge zurechtger&amp;uuml;ckt. Dinge, die mancher als unbedeutend erachten mag, einen wie ihn aber nicht loslassen. Kam die erste &amp;raquo;501&amp;laquo;, die damals noch &amp;raquo;xx&amp;laquo; hie&amp;szlig;, wirklich 1873 auf den Markt? (Er denkt, es war 1876.) Warum waren die Nieten oft mit Jeansstoff verblendet? (Damit sie die S&amp;auml;ttel nicht zerkratzten.) Stundenlang kann Mike Harris &amp;uuml;ber solche Dinge referieren. Dar&amp;uuml;ber, wie Silbersch&amp;uuml;rfer ihre Jeans immer wieder flickten, wie sie mit den Resten ihre Dampfmaschinen abdichteten oder ganze Hosenbeine in die Bohrl&amp;ouml;cher f&amp;uuml;r die Dynamitstangen stopften, um die Sprengkraft der Explosion zu erh&amp;ouml;hen. Womit auch gekl&amp;auml;rt ist, warum Harris so selten unversehrte Funde macht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Kann man als Denim-Arch&amp;auml;ologe seinen Lebensunterhalt verdienen? K&amp;ouml;nnte er, sagt Harris, Vater von zwei kleinen T&amp;ouml;chtern, wenn er sich anstrengen w&amp;uuml;rde, will er aber nicht. &amp;raquo;Es w&amp;uuml;rde den Spa&amp;szlig; aus der Sache nehmen.&amp;laquo; Dabei hat er noch viel vor. In bestimmten Minen, sagt Harris, k&amp;ouml;nnte er die n&amp;auml;chsten zwanzig Jahre verbringen. Viele sind kilometerlang. Angst vor Konkurrenz hat er nicht wirklich. Sein Vorsprung an Erfahrung ist zu gro&amp;szlig;. &amp;raquo;Ich sehe einer Mine an, ob man dort was finden kann oder nicht. Und ich finde auch dort was, wo andere scheitern.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es gibt erste Versuche, seine Vintage-Jeans von kleinen Firmen nachmachen zu lassen, bis jetzt mit m&amp;auml;&amp;szlig;igem Erfolg. Am Ende war er bei Preisen von 800 Dollar angelangt. Mittelfristig denkt er &amp;uuml;ber Touristenf&amp;uuml;hrungen nach. Aber das sind nur Pl&amp;auml;ne. Mike Harris ist nicht f&amp;uuml;r Trubel dieser Art gemacht. Viel lieber w&amp;uuml;rde er mal der ein oder anderen Mine mit schwerem Ger&amp;auml;t zu Leibe r&amp;uuml;cken, aber noch hat sich kein Investor gefunden. So lange packt er weiterhin Schaufel, Pickel und Helm in seinen Wohnwagen und f&amp;auml;hrt in die W&amp;uuml;ste. Manchmal nimmt er seine Familie mit. &amp;raquo;Es gibt nichts Sch&amp;ouml;neres&amp;laquo;, sagt Mike Harris. &amp;raquo;Nobody to bother you.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Auf der Suche nach dem ewigen Blau</dc:subject>
    <dc:creator>Thomas Bärnthaler</dc:creator>
    <dc:date>2012-04-26T17:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>»Ich will unsterblich werden«</title>
    <description>&lt;p&gt;Takashi Murakami ist ber&amp;uuml;hmt f&amp;uuml;r seine Manga-Pop-Art in Japan - und einer der erfolgreichsten Designer der Welt. Eine Begegnung.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Herr Murakami, als lebensechte Riesenpuppe sitzen Sie wie ein Buddha mit untergeschlagenen Beinen im Eingang des Al-Riwaq-Museums hier in Doha und gr&amp;uuml;&amp;szlig;en die Besucher huldvoll mit ausgestreckter Hand. Ist das Provokation oder Selbstverherrlichung?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Takashi Murakami:&lt;/strong&gt; Die Arbeit hei&amp;szlig;t Self-Portrait Balloon. Sie ist die gr&amp;ouml;&amp;szlig;te aufblasbare Skulptur, die ich bisher gemacht habe, und auch die naturalistischste. Ich betrachte die gesamte Ausstellung als eine Art Selbstportr&amp;auml;t meiner vielen Identit&amp;auml;ten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Selbstportr&amp;auml;t als Ballon &amp;hellip; Wie definieren Sie Identit&amp;auml;t?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Es ist so wie beim Copyright: Jeder ist der Eigent&amp;uuml;mer seiner Identit&amp;auml;t, nicht mehr und nicht weniger. Die Menschen, vor allem im Westen, wollen den Star und sein Gesicht. Aus diesem Grund habe ich angefangen, Selbstbildnisse zu machen &amp;ndash; ein wenig karikiere ich damit auch das egomanische Selbstverst&amp;auml;ndnis des Westens. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie die Schau deshalb Ego genannt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mein Ego ist reine Oberfl&amp;auml;che. Eine Projektion. Ich habe kein Ego.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sind Sie Buddhist?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Irgendwie schon. Das Ziel des Buddhismus ist es, das Ego auszul&amp;ouml;schen. Meine Familie ist strenggl&amp;auml;ubig, und noch als Gymnasiast war ich das auch. Ich las die Sutras und glaubte, sie w&amp;uuml;rden mich mehr oder weniger automatisch erleuchten. Erst sp&amp;auml;ter wurde mir klar, dass es nicht ganz so einfach war. Ich musste mich daf&amp;uuml;r auch physisch anstrengen, die richtige Atemtechnik lernen, Yoga&amp;uuml;bungen machen, das ganze Training. Das wurde mir bald zu m&amp;uuml;hsam, und ich h&amp;ouml;rte damit auf. Aber im Kern denke ich buddhistisch, denn ich glaube nicht an das Konzept von Besitz. Alles muss vergehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Eine Binsenweisheit. Sie sind einer der erfolgreichsten Gegenwartsk&amp;uuml;nstler. Was bedeuten Ihnen Ruhm und Geld?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenig. Mit dem Geld kann ich Dinge sammeln, die ich liebe: Comics, B&amp;uuml;cher, Keramik, Kunst. F&amp;uuml;r meine Frau und meinen kleinen Sohn Shinosuke sorgen, die in Kyoto leben, Freunde einladen und vor allem mein Unternehmen finanzieren. Aber Ruhm, Ansehen und Bewunderung z&amp;auml;hlen f&amp;uuml;r mich nicht. Mein einziges Ziel ist, dass mein Werk mich &amp;uuml;berlebt. Ich will unsterblich werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Leben Sie wie ein Asket?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jedenfalls nicht wie ein Rockstar. Wenn ich arbeite, trage ich immer dieselben Sachen, Cargohosen, Tennisschuhe oder Slipper, T-Shirts und mehrere Lagen Pullover, Jacken, M&amp;auml;ntel, weil ich sehr k&amp;auml;lteempfindlich bin. Meine Arbeit diktiert meinen Rhythmus. Eigentlich arbeite ich ununterbrochen, Tag und Nacht. Deshalb habe ich auch immer einen Schlafsack dabei. Wenn ich m&amp;uuml;de bin, d&amp;ouml;se ich 20 Minuten, und wenn ich aufwache, die Augen &amp;ouml;ffne und meine Bilder vor mir sehe, bin ich gl&amp;uuml;cklich. Auch mein Team teilt meine Dynamik. In hei&amp;szlig;en Phasen der Produktion schlafen wir alle manchmal wochenlang im Studio. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sind Sie ein Kontrollfreak?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Aber ein Perfektionist. Wieder geht es um das Copyright. Als Eigent&amp;uuml;mer meiner Ideen muss ich h&amp;ouml;chste Qualit&amp;auml;t und die Echtheit jeder Arbeit garantieren k&amp;ouml;nnen. Das setzt einen extrem aufwendigen Herstellungsprozess voraus. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;K&amp;ouml;nnen Sie uns ein Beispiel geben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mein neues &lt;em&gt;Arhat&lt;/em&gt;-Gem&amp;auml;lde. Es ist insgesamt 100 Meter lang und besteht aus vier Teilen. Wie immer habe ich zun&amp;auml;chst die Figuren und Motive in kleinem Ma&amp;szlig;stab gezeichnet. Diese Skizzen scannen meine Assistenten und vergr&amp;ouml;&amp;szlig;ern sie in mehreren Stufen, wobei wir darauf achten, dass die Konturen so gleichm&amp;auml;&amp;szlig;ig und fein wie m&amp;ouml;glich ver-laufen. Meine Assistenten verbringen viele Tage damit, bis die Au&amp;szlig;enlinien makellos sind. Anschlie&amp;szlig;end m&amp;uuml;ssen die Datenmengen so formatiert werden, dass sie f&amp;uuml;r das Siebdruckverfahren geeignet sind, was erneut langwierig ist und h&amp;ouml;chsten technischen Sachverstand erfordert. Es kann Wochen dauern. Irgendwann sind wir dann so weit, die Farben f&amp;uuml;r die Siebdrucke zu mischen. F&amp;uuml;r &lt;em&gt;Arhat&lt;/em&gt; gab es &amp;uuml;ber 20 000 Vorlagen, 300 Leute arbeiteten in Tag- und Nachtschichten. Es war der bisher aufwendigste Arbeitsprozess in meiner Karriere. Auch der teuerste. Ich musste daf&amp;uuml;r extra ein neues Studio bauen! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum diese Dimensionen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Arhat &lt;/em&gt;bedeutet &amp;raquo;der W&amp;uuml;rdige&amp;laquo; und beschreibt einen erleuchteten buddhistischen M&amp;ouml;nch. Ich habe dieses Gem&amp;auml;lde mehrere Monate nach dem 11. M&amp;auml;rz 2011 begonnen, dem Tag der gro&amp;szlig;en Erdbebenkatastrophe in Ostjapan, der verheerendsten, die wir je erlebt haben. 20 000 Menschen starben, wir alle stehen nach wie vor unter Schock. Erdbeben begleiten die Geschichte Japans, ungef&amp;auml;hr alle 150 Jahre passiert eines, so auch 1855. Das gro&amp;szlig;e Ansei-Edo-Erdbeben l&amp;ouml;ste &amp;auml;hnliche Verw&amp;uuml;stungen aus. Damals malte der K&amp;uuml;nstler Kano Kazunobu die monumentale Serie der 500 &lt;em&gt;Arhats&lt;/em&gt;. Ausgerechnet kurz nach der Katastrophe war sie letztes Jahr im April zum ersten Mal nach 1945 in Tokio wieder ausgestellt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was f&amp;uuml;r ein erstaunlicher Zufall! &lt;/strong&gt;Ja. Es ist eine Tradition bei uns, dass die M&amp;ouml;nche nach einem Desaster religi&amp;ouml;se Bilder in Auftrag geben, um das Leiden der Opfer zu mildern und gleichzeitig f&amp;uuml;r ihren Glauben zu werben. Mein &lt;em&gt;Arhat&lt;/em&gt;-Gem&amp;auml;lde sehe ich in dieser Linie. Es soll die tr&amp;ouml;sten, die leiden. Vielleicht ist es mein &lt;em&gt;Guernica&lt;/em&gt;. Auf jeden Fall ein Versuch, meinen Platz in der Natur und der Geschichte zu verstehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was erz&amp;auml;hlt Ihr Werk auf den 100 Metern?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auf meinem Bild befindet sich Japan im Zustand der Katastrophe. Es gibt vier Abschnitte, gewidmet der Natur und ihren Gewalten, man sieht Berge, Wald, Wind zusammen mit Wasser, und Feuer. Neben den M&amp;ouml;nchen tauchen Drachen, L&amp;ouml;wen, V&amp;ouml;gel und D&amp;auml;monen auf. Es ist kein spirituelles, aber doch ein mys-tisches Universum. Es soll einen seelischen und emotionalen Zufluchtsort bieten, wenn wir schon die Realit&amp;auml;t nicht &amp;auml;ndern k&amp;ouml;nnen. Seit dem Ereignis im letzten Fr&amp;uuml;hling gibt es in Japan eine R&amp;uuml;ckkehr der Religiosit&amp;auml;t, was mich an die Situation vor 600 Jahren denken l&amp;auml;sst. Damals wurde Japan nicht nur von Erdbeben und Tsunamis, sondern auch von Kriegen gequ&amp;auml;lt. In jener Zeit entstand unsere Form des Buddhismus. Die damalige Atmosph&amp;auml;re stelle ich mir &amp;auml;hnlich vor wie die heutige.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hat sich das Leben im Land inzwischen wieder normalisiert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nun ja &amp;hellip; Nach wie vor ist der Osten besonders gef&amp;auml;hrdet. Fast jeder hat dort einen Geigerz&amp;auml;hler, um die Strahlenbelastung t&amp;auml;glich messen zu k&amp;ouml;nnen. Wir alle essen und trinken verseuchte Lebensmittel. Unser Volk ist so m&amp;uuml;de, wir haben eigentlich aufgegeben &amp;hellip; Es ist die schlimmste Lage seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie meinen die Atombomben &amp;uuml;ber Hiroshima und Nagasaki?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sie fielen am 6. und 9. August 1945 &amp;ndash; Daten, die kein Japaner je vergessen wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Verantwortung auszuweichen, sch&amp;auml;digt uns extrem&quot;]  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/44407.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In Ihren Arbeiten gibt es viele psychedelisch bunte Pilze und Wolken, st&amp;auml;ndig explodieren Dinge, Fl&amp;uuml;ssigkeiten werden aus M&amp;auml;ulern gespien, oder eines Ihrer kleinen Cartoonmonster kotzt. Malen Sie die Traumata Ihrer Geschichte und Kultur?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja. Meine Mutter ist in Kokura geboren. Dort, statt in Nagasaki, h&amp;auml;tte die Bombe urspr&amp;uuml;nglich abgeworfen werden sollen. Wenn das passiert w&amp;auml;re, g&amp;auml;be es dich nicht, hat sie mir erz&amp;auml;hlt, als ich ein Kind war. Das pr&amp;auml;gt mich bis heute. Auch die vielen Menschen damals um mich herum, die vom Krieg besch&amp;auml;digt waren oder unter radioaktiven Sch&amp;auml;den litten, werde ich nie vergessen. Au&amp;szlig;erdem sah ich, wie alle, im Fernsehen in den Sieb-zigerjahren st&amp;auml;ndig popul&amp;auml;re Zeichentrickfilme wie Time Bokan, die Tod und Zerst&amp;ouml;rung als Comic zeigten. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sie verwenden Comics unter anderem als Rohstoff Ihrer Werke?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Genau. Ich habe vier Jahre lang Zeichentrickfilm studiert und beinahe dreimal so lange die traditionelle Maltechnik des Nihonga. Animationsfilme und Mangas, aber auch die westliche Pop-Art, der amerikanische abstrakte Expressionismus von Jackson Pollock oder Barnett Newman und die japanische Kunstgeschichte sind mein Material &amp;ndash; so, wie C&amp;eacute;zannes Material die Landschaft in Aix-en-Provence war.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sie haben die &amp;raquo;Superflat&amp;laquo;-Theorie entwickelt. Gr&amp;uuml;ndet sie darauf, dass die japanische Kultur nicht zwischen elit&amp;auml;rer Kunst und Untergrund unterscheidet?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Superflat&amp;laquo; bezieht sich auf die gesamte gesellschaftliche Entwicklung. Nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg wurden die sozialen Hierarchien in unserem Land flacher, doch nur scheinbar. Das politische System &amp;auml;hnelte einer Demokratie, aber es war keine. Stattdessen standen die Menschen unter st&amp;auml;ndiger Beobachtung, alles war Schwindel. Es gab nur Grauzonen, keine sichtbaren Gegner, keine Konfrontation, keine offenen Dispute. Vor allem kennen wir keine Diskussionen &amp;uuml;ber eine moralische Haltung gegen&amp;uuml;ber der Vergangenheit. Sie ist wie abgeschnitten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bis heute?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nun, sp&amp;auml;testens seit dem 11. M&amp;auml;rz des letzten Jahres sehen wir, dass dieses superflache System nicht funktioniert. Wir werden vom Staat im Stich gelassen, wir k&amp;ouml;nnen uns nicht selbst helfen, sondern brauchen amerikanische Truppen und die humanit&amp;auml;re Hilfe des Auslands. Im Augenblick denken wir intensiv dar&amp;uuml;ber nach, wie wir da rauskommen.Wie?Wir m&amp;uuml;ssen unsere Mentalit&amp;auml;t &amp;auml;ndern. Unsere Neigung, der Verantwortung auszuweichen, ist es, die uns extrem sch&amp;auml;digt. Diese Entscheidungsschw&amp;auml;che &amp;hellip; Ihr in Deutschland habt das besser gel&amp;ouml;st. Ihr steht zu eurer Schuld im Zweiten Weltkrieg und setzt euch damit best&amp;auml;ndig auseinander. Leider erleben wir seit 20 Jahren zudem einen schleichenden Verfall der Bildung. Seit damals bem&amp;uuml;ht sich Japan um ein weniger autorit&amp;auml;res Erziehungsmodell. Die Kinder sollen mehr Zeit haben zu spielen und weniger Stress. Aber auch das war eine Pseudoliberalisierung, der eigentliche Grund war, dass die Lehrer mehr Freizeit haben wollten! Skandal&amp;ouml;s! Sogar meine Erziehung ging schon in diese Richtung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Stammt daher die Massenflucht der Kinder und Teenager in Animation und Konsum?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich glaube das. In Japan dreht sich alles nur um Geld und Konsum. Der Philosoph Akira Asada nannte diese Haltung sehr treffend &amp;raquo;infantilen Kapitalismus&amp;laquo;. Das beste Beispiel sind die Anh&amp;auml;nger der Otaku-Subkultur. Sie f&amp;uuml;hlen sich als Auserw&amp;auml;hlte, weil sie keine eigene Position beziehen, keine Urteile f&amp;auml;llen und sich weigern, erwachsen zu werden. Das Problem ist, dass wir unsere geis-tigen Wurzeln verloren haben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bei diesem Stichwort: Wie waren Ihre Anf&amp;auml;nge?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich war arm und allein und von der Idee besessen, ein Post-Warhol zu werden. Mein Modell war seine &amp;raquo;Factory&amp;laquo;. 2001 habe ich mein Unternehmen Kaikai Kiki Co gegr&amp;uuml;ndet. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie &amp;uuml;bersetzen Sie den Namen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein Kritiker hat ihn im 16. Jahrhundert benutzt, um die Arbeiten des Malers Eitoku Kan&amp;ocirc; zu charakterisieren: mutig, kraftvoll, sensibel, intelligent. Ich mochte den Klang des Wortes und vor allem seine vielschichtige Bedeutung. Kaikai und Kiki sind auch zwei meiner ber&amp;uuml;hmtesten Maskottchen, die eine Figur ist ein Junge, die andere ein M&amp;auml;dchen, beide haben runde K&amp;ouml;pfe und Hasenohren. Sie sind die Gehilfen meines viel&amp;auml;ugigen &lt;em&gt;Oval Buddha&lt;/em&gt;. Meine Hausg&amp;ouml;tter. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wer war Ihre erste Comicfigur?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mr. DOB. Ihn erfand ich Mitte der Neunzigerjahre. Er ist ein etwas t&amp;ouml;richter Kom&amp;ouml;diant mit Kugelkopf, gelber Fliege und wei&amp;szlig;en Entenf&amp;uuml;&amp;szlig;en. Am rechten Ohr ist ein D und am linken ein B eingraviert. Damals hatten Jenny Holzer und Barbara Kruger Ausstellungen in Japan, und pl&amp;ouml;tzlich tauchte &amp;uuml;berall diese Pseudo-Textkunst mit absurden Anglizismen auf. Ich verachtete diesen Trend, nahm die ersten drei Buchstaben aus einem dieser Unsinnss&amp;auml;tze &amp;ndash; &amp;raquo;DOBOZITE DOBOZITE &amp;hellip;&amp;laquo; -, und Mr. DOB war geboren. Urspr&amp;uuml;nglich wollte ich mit ihm wie Paul McCarthy oder Mike Kelley die Kunstszene rammen. Inzwischen ist er eine Ikone.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie viele Mitarbeiter besch&amp;auml;ftigen Sie in Ihrer Kreativfabrik Kaikai Kiki?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ungef&amp;auml;hr 100. Der Hauptsitz ist Tokio, ein weiteres Studio befindet sich in Hiroo und eines auf Long Island. Pro Monat entstehen rund f&amp;uuml;nf gro&amp;szlig;e Werke, Gem&amp;auml;lde oder Skulpturen. Dar&amp;uuml;ber hinaus vermarkten wir Produkte wie T-Shirts, Stickers, Spielzeug, Postkarten und Kaugummi. Daneben er&amp;ouml;ffne ich Pop-up-Galerien wie zurzeit in Taiwan - und vielleicht in naher Zukunft in Berlin. Hier zeige ich Werke der j&amp;uuml;ngeren K&amp;uuml;nstler, die f&amp;uuml;r mich arbeiten. Au&amp;szlig;erdem gibt es Kooperationen mit Popstars wie Kanye West, f&amp;uuml;r den ich Plattencovers entworfen habe, und Designern wie Issey Miyake oder Marc Jacobs von Louis Vuitton.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;F&amp;uuml;r Ihre Retrospektive 2008, die auch im Museum f&amp;uuml;r Moderne Kunst in Frankfurt zu sehen war, integrierten Sie einen Laden der Marke eins zu eins in das Museum. Vor allem die deutsche Presse verdammte Sie daf&amp;uuml;r beinahe einstimmig als oberfl&amp;auml;chlich. Wie gehen Sie damit um?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Laden im Museum war ein Readymade, in der Tradition von Marcel Duchamp &amp;hellip;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;hellip; der bis heute einflussreichste Konzeptk&amp;uuml;nstler. 1913/14 erkl&amp;auml;rte er kurz nacheinander ein Fahrrad, einen Flaschentrockner und eine Font&amp;auml;ne zum Kunstwerk.&lt;/strong&gt; Genau. Den Skandal damals habe ich gesucht. Denn diese Art der Kritik langweilt mich unendlich. Sie verwechselt Oberfl&amp;auml;che und Oberfl&amp;auml;chlichkeit. Vor allem funktioniert sie nach dem immer gleichen Muster: Kunst darf nicht unterhalten, weil Unterhaltung seicht ist. Mit meiner Arbeit thematisiere ich diese Tabuisierung.  &lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Schulklasse kommt in die Ausstellungshalle, Murakami strahlt &amp;uuml;bers ganze Gesicht, er lacht laut, springt auf, winkt den Kindern zu.Mein Publikum! Weil meine Werke so bunt und flirrend wirken, glauben manche Leute, sie h&amp;auml;tten keine Substanz. Das Gegenteil ist der Fall: Jede meiner Figuren ist ambivalent. Schauen Sie sich zum Beispiel die Margeriten mit ihren gro&amp;szlig;en Sichelm&amp;uuml;ndern an &amp;ndash; sie k&amp;ouml;nnten lachen oder weinen, und in der Masse sind sie ebenso dekorativ wie verst&amp;ouml;rend. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie vergleichen sich gern mit B-Film-Regisseuren. Warum?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weil sie meine Vorbilder sind. Steven Spielberg und George &lt;br /&gt; Lucas sind f&amp;uuml;r mich die gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten von allen. Spielberg hat mit &lt;em&gt;E.T.&lt;/em&gt; oder &lt;em&gt;Jurassic Park&lt;/em&gt;, Lucas mit &lt;em&gt;Star Wars&lt;/em&gt; die Hollywood-Industrie revolutioniert. Es sind Filme als Entertainment f&amp;uuml;r Kinder wie Erwachsene, und sie sind mit einem riesigen Vermarktungsapparat ausgestattet, der alle Ebenen des Vertriebs bedient. Ich versuche, wie die beiden zu arbeiten: ehrlich, mit h&amp;ouml;chster Qualit&amp;auml;t und immer neuen Marketingideen. Mein erster Fantasy-Spielfilm, J&lt;em&gt;ellyfish Eyes&lt;/em&gt;, wird &amp;uuml;brigens bald fertig. Endlich, nach &amp;uuml;ber zehn Jahren!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wovon handelt er?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Von Apokalypse und Rettung.Wollen Sie den Beruf wechseln?Nein! Ich bin K&amp;uuml;nstler aus Leidenschaft f&amp;uuml;r die Sch&amp;ouml;nheit. Sch&amp;ouml;nheit schenkt der Einbildungskraft Realit&amp;auml;t. In ihr gipfelt die Sehnsucht der Menschen, einander zu verstehen. Die Rolle der Kunst ist es, Verbindungen &amp;uuml;ber alle Grenzen hinweg zu schaffen. Wenn ich vor einem Werk von C&amp;eacute;zanne oder Warhol stehe, dann kann ich erleben, was der K&amp;uuml;nstler gef&amp;uuml;hlt hat - und diese Art der Erfahrung jenseits aller Worte ist wundersch&amp;ouml;n.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie ist es f&amp;uuml;r Sie, an diesem speziellen Ort im Nahen Osten auszustellen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Als ich Sheikha Al Mayassa, die f&amp;uuml;r die Kunst verantwortlich ist, zum ersten Mal traf, sagte sie, dass sich ihre Familie sehr mit der japanischen Kultur vertraut f&amp;uuml;hle. F&amp;uuml;r mich dagegen war ihr Land fremd &amp;ndash; nun kenne ich es und finde es faszinierend. Alles ver&amp;auml;ndert sich rasant. Hier treffe ich ein neues, spannendes Publikum, das an der Schnittstelle von westlicher, asiatischer und nah&amp;ouml;stlicher Kultur aufgewachsen ist. Au&amp;szlig;erdem begeistern mich die Wolkenkratzer mit ihren n&amp;auml;chtlichen Lichtspielen - sie haben mich dazu angeregt, zum ersten Mal Leuchtsockel f&amp;uuml;r meine Skulpturen zu entwerfen. Aber die Skyline sieht anders aus als die in Tokio oder Hongkong, k&amp;uuml;nstlicher und surrealer. Diese St&amp;auml;dte, die in der W&amp;uuml;ste aufpoppen, haben etwas von Sci-Fi-Kulissen - einmalig! Dazu einen Gegenakzent zu setzen war die Herausforderung f&amp;uuml;r mich. So baute ich einen Murakami-Vergn&amp;uuml;gungspark.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://www.takashimurakami.com/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;strong&gt;Takashi Murakami&lt;/strong&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Der in Tokio geborene Sohn eines Taxifahrers und einer Hausfrau studierte an der National University of Fine Arts and Music und promovierte 1993 &amp;uuml;ber dei japanische Maltechnik &amp;raquo;Y&amp;otilde;ga&amp;laquo;. Seitdem entwickelte er eine unverwechselbare Bildsprache aus Pop-Art_Elementen und Manga-Comic-Subkultur. Wie sein Vorbild Andy Warhol plant Murakami, der 2001 die Firma &lt;a href=&quot;http://english.kaikaikiki.co.jp/whatskaikaikiki/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Kakai Kiki&lt;/a&gt; gr&amp;uuml;ndete, die eigene Vermakrtung minuti&amp;ouml;s und installiert Shops mit eignen Produkten in den Museen, in denen er ausstellt. Er arbeitet mit Luxusmarken wie Louis Vuitton und Stars wie dem Rapper Kanye West zusammen. Seine Ausstellung &lt;a href=&quot;http://www.qma.org.qa/en/news/news-archive/342-qatar-museums-authority-to-present-murakami-%E2%80%93-ego-a-new-exhibition-by-japanese-artist-takashi-murakami&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Ego&lt;/a&gt; im Al-Riwaq-Museum in Doha, Katar, l&amp;auml;uft bis 24.Juni.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Ich will unsterblich werden«</dc:subject>
    <dc:creator>Eva Karcher</dc:creator>
    <dc:date>2012-04-18T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Bleiben lassen</title>
    <description>&lt;p&gt;Wenn Eltern sich trennen, werden die Kinder oft zwischen Mutter und Vater hin- und hergeschickt. Dabei gibt&amp;acute;s eine Alternative: Die Kinder behalten die Wohnung - und die Eltern pendeln. Funktioniert wirklich!&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt; &lt;br /&gt;Seit einem Jahr sind die Schmidts kein Paar mehr. Aber Eltern sind  sie noch. Und k&amp;uuml;mmern sich beide um ihre Kinder. Eine Woche sie, eine  Woche er, sonntags wechseln sie sich ab. Ganz normal, eigentlich.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;Doch nicht Elsa, 8, und Emma, 5, packen ihre Sachen und ziehen zwischen Vater und Mutter hin und her, sondern die Eltern pendeln. In der Vierzimmerwohnung in M&amp;uuml;nchen-Schwabing leben die Kinder, immer. Und ein Elternteil, abwechselnd. In der &amp;raquo;Papawoche&amp;laquo; schl&amp;auml;ft Sascha Schmidt bei ihnen, macht Fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;ck, bringt sie zur Schule, kocht, hilft bei den Hausaufgaben, liest abends vor. Am Ende dieser Woche geht der Vater, und die Mutter kommt. Juristen nennen diese Regelung &amp;raquo;Nestmodell&amp;laquo;, weil die Eltern sich verhalten wie V&amp;ouml;gel, die abwechselnd zum Nest fliegen, um ihre K&amp;uuml;ken zu f&amp;uuml;ttern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; F&amp;uuml;r Eltern, die sich nach einer Trennung gleicherma&amp;szlig;en um ihre Kinder k&amp;uuml;mmern m&amp;ouml;chten, gibt es im Grunde zwei M&amp;ouml;glichkeiten. Die eine: Jeder nimmt eine Wohnung, die gro&amp;szlig; genug ist, dass die Kinder jede zweite Woche dort schlafen k&amp;ouml;nnen. Und die ziehen an einem Sonntag zum Vater und am n&amp;auml;chsten zur Mutter. In der Fachsprache hei&amp;szlig;t das: Wechselmodell. Die Kinder haben dann zwei Zimmer, zwei Paar Gummistiefel, zwei Winterjacken, zweimal das Lieblingsbuch. Damit nicht immer etwas fehlt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die andere M&amp;ouml;glichkeit: das Nestmodell. Doch nach Familien, die das Nestmodell praktizieren, muss man lange suchen. Dabei ist die Idee so einfach. Und so gut. Denn die Eltern tragen die Folgen der Entscheidung, die sie als Paar getroffen haben, selbst. Warum ist es dann so unpopul&amp;auml;r? Die einfachste Erkl&amp;auml;rung: Weil es keiner macht, wei&amp;szlig; auch keiner davon. Eine andere Erkl&amp;auml;rung: Es ist teuer. Oder es kommt einem zumindest auf den ersten Blick so vor. Aber zwei gro&amp;szlig;e Wohnungen sind auch teuer. Und oft haben Familien genau das Problem: Wer bleibt in der Wohnung oder im Haus? Eine dritte Erkl&amp;auml;rung: Eltern sehen nicht, dass sie ihren Kindern ein Leben zumuten, das sie selbst nicht gern f&amp;uuml;hren w&amp;uuml;rden - und halten sie unwillk&amp;uuml;rlich f&amp;uuml;r belastbarer als sich selbst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Schmidts kamen auf das Nestmodell aufgrund ihrer Erfahrungen als Paar und Eltern. Sie waren beide voll berufst&amp;auml;tig, als Elsa und Emma geboren wurden; Katrin Gei&amp;szlig;ler-Schmidt, die Mutter, als Verlagsleiterin, Sascha Schmidt als Unternehmensberater. Sie hat nach beiden Geburten f&amp;uuml;r drei Monate ausgesetzt, dann wieder gearbeitet. Die Kinderbetreuung haben sie sich geteilt. Er hat abgepumpte Milch gef&amp;uuml;ttert; sie hat die Kinder morgens zur Tagesmutter gebracht; er hat sie abgeholt; sie war mit Elsa einkaufen, er mit Emma beim Arzt. Abends haben sie zusammen am Esstisch mit ihren Kalendern gesessen und Termine abgestimmt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das ist so geblieben. Bereits jetzt haben die Schmidts, beide 42, bis zum Fr&amp;uuml;hling 2013 festgelegt, wer in welcher Woche und an welchem Wochenende die Kinder betreuen wird. Wer mit ihnen Ostern verbringt und wer Silvester. Wer den Elternabend in der Schule &amp;uuml;bernimmt und wer im Kindergarten Kuchen backt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Elsa und Emma gehen nach der Schule und dem Kindergarten nach Hause, einer von beiden Eltern wird da sein. Sie m&amp;uuml;ssen nicht, wie viele andere Trennungskinder, dar&amp;uuml;ber nachdenken, dass sie die Turnhose, die Geige, das Kuscheltier brauchen, wenn sie vom Papa zur Mama ziehen. Alles ist da, wo es immer war in der gro&amp;szlig;en und hellen M&amp;uuml;nchner Wohnung, in der sie aufgewachsen sind und jede ihr Zimmer mit einem gro&amp;szlig;en Pferdebild hat. Bei Emma sind es zwei Haflinger auf einer Blumenwiese, bei Elsa Fjordpferde im Schneegest&amp;ouml;ber. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Obwohl die M&amp;auml;dchen traurig sind, dass sich die Eltern getrennt haben, hat sich f&amp;uuml;r sie ziemlich wenig ver&amp;auml;ndert. Der Vater br&amp;auml;t in seiner Woche nach wie vor Tofuw&amp;uuml;rstchen und die Mutter welche aus Fleisch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Die K&amp;ouml;rners in Erlangen&quot;]&amp;nbsp; &lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;strong&gt;Die K&amp;ouml;rners in Erlangen&lt;/strong&gt; haben ein Haus gebaut. Doch als das endlich stand, war es mit der Liebe vorbei. Vielleicht, weil die K&amp;ouml;rners nie so richtig Zeit f&amp;uuml;r die Romantik in ihrer Beziehung hatten. Sie waren beide 35, als sie sich im Fahrradclub kennenlernten und verliebten. Dann hatten sie es ziemlich eilig mit dem Kinderkriegen und dem Hausbau. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nun lebt Angelika K&amp;ouml;rner allein mit beiden S&amp;ouml;hnen im Haus. Im Garten ist ein Indianerzelt aufgebaut, Baumst&amp;auml;mme liegen im Sand, auf dem Rasen steht ein Trampolin. Der Abenteuergarten der K&amp;ouml;rners grenzt an lauter andere G&amp;auml;rten, in denen auch neue Einfamilienh&amp;auml;user stehen. &amp;Uuml;berall wohnen Kinder im Alter von Calvin, 11, und Lino, 9, der eigentlich Valentin hei&amp;szlig;t.&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt; An jedem Wochenende packt Angelika K&amp;ouml;rner eine Tasche und geht zu ihrem neuen Freund. Auch Michael K&amp;ouml;rner, der allein in einer kleinen Wohnung lebt, packt dann eine Tasche. Er verbringt die Tage in seinem ehemaligen Haus, um bei seinen Kindern zu sein.  Die K&amp;ouml;rners praktizieren auch eine Art Nestmodell. Sie machen zwar nicht genau halbe-halbe, ihrer L&amp;ouml;sung liegt aber derselbe Gedanke zugrunde: Die Jungs bleiben zu Hause, k&amp;ouml;nnen auch am Wochenende mit ihren Freunden spielen, und immer ist ein Elternteil da. Wenn die Mutter weg ist, flickt der Vater die Fahrr&amp;auml;der, hilft Lino in Heimat- und Sachkunde, Thema Strom, und ber&amp;auml;t Calvin, von Mann zu Mann, in Kleidungsfragen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die K&amp;ouml;rners haben sich vor drei Jahren getrennt, nicht im Guten. Es gab Betrug, Streit, Krieg. Da ist es nicht selbstverst&amp;auml;ndlich, dass sie die N&amp;auml;he aushalten, die es beim Nestmodell braucht. Und &amp;uuml;ber Dinge, die sie am andern &amp;auml;rgern, hinwegsehen. Wenn sie nicht da ist und die Kinder Festbeleuchtung machen, w&amp;uuml;rde Angelika K&amp;ouml;rner sich w&amp;uuml;nschen, dass der Vater sich darum k&amp;uuml;mmert, weil sie sehr energiebewusst lebt. Oder die Katze ist nicht gef&amp;uuml;ttert, wenn sie am Sonntagabend heimkommt. &amp;raquo;Es gibt immer Uneinigkeiten&amp;laquo;, sagt sie. &amp;raquo;Aber solange die Kinder uns beide brauchen, ist es halt so.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In Deutschland wird&lt;/strong&gt; rund jede dritte Ehe geschieden. Am kritischsten ist das sechste Ehejahr. Im Jahr 2010 waren knapp 150 000 Jungen und M&amp;auml;dchen von der Scheidung ihrer Eltern betroffen. Dazu kommen die Kinder, die von der Trennung ihrer unverheirateten Eltern betroffen waren und in der Statistik des Bundesamtes nicht auftauchen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bis vor etwa 15 Jahren wurde bei einer Scheidung das Sorgerecht auf einen Elternteil &amp;uuml;bertragen. Das war meistens die Mutter, einfach weil sie sich mehr um die Kinder gek&amp;uuml;mmert hatte. Auch bei unverheirateten Paaren fiel das Sorgerecht nach einer Trennung fast automatisch der Mutter zu. Die V&amp;auml;ter bekamen ein Besuchs- oder Umgangsrecht. Viele verloren daraufhin den Kontakt zu ihren Kindern: weil sie nicht genug Interesse hatten, weil sie eine neue Familie gr&amp;uuml;ndeten oder die Mutter ihnen das Kind entzog. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Heute m&amp;ouml;chten V&amp;auml;ter mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Und M&amp;uuml;tter brauchen Entlastung, weil sie arbeiten. In den Ehen haben Mann und Frau nun das gemeinsame Sorgerecht; unverheiratete Partner verst&amp;auml;ndigen sich im Falle einer Trennung auch oft darauf. Wenn sie dann tats&amp;auml;chlich auseinandergehen, w&amp;auml;hlen sie fast immer das Wechselmodell: Eine Woche sind die Kinder bei der Mutter, eine beim Vater. Gut f&amp;uuml;r die Kinder, sagen Familiensoziologen und Psychologen, denn der verl&amp;auml;ssliche und h&amp;auml;ufige Kontakt zu beiden Eltern ist ein wichtiges Kriterium daf&amp;uuml;r, wie sie eine Trennung bew&amp;auml;ltigen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; F&amp;uuml;r ihre Langzeitstudie * begleitete die Hamburger Familiensoziologin Anneke Napp-Peters 150 Scheidungsfamilien zw&amp;ouml;lf Jahre lang. Ihre Ergebnisse: Kinder, die nach einer Scheidung keinen oder kaum Kontakt zu einem Elternteil hatten, f&amp;uuml;hlten sich abgewiesen, minderwertig und hatten sp&amp;auml;ter Probleme. Kinder, die gleich viel mit Mutter und Vater zu tun hatten, wurden gl&amp;uuml;cklicher, lebensbejahender, stabiler. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dem belgischen Psychologen Jan Piet de Man, der sich in Europa besonders intensiv mit Trennungskindern befasst, ist das zu pauschal. Wichtig sei vor allem, dass die Eltern es schafften, friedlich miteinander umzugehen: &amp;raquo;Konflikte der Eltern sind emotional zerst&amp;ouml;rerisch f&amp;uuml;r die Kinder, besonders nach einer Trennung.&amp;laquo; Und es gibt noch ein anderes Problem, meint de Man: F&amp;uuml;r ein einj&amp;auml;hriges Kind vergeht Zeit viel langsamer als f&amp;uuml;r ein siebenj&amp;auml;hriges. Es verkraftet nur eine Trennung von einem Tag, ohne dass es mit einem Elternteil fremdelt, nach einer Woche hat es ihn fast vergessen. Ein siebenj&amp;auml;hriges Kind fremdelt erst nach sieben Tagen. Ein dreij&amp;auml;hriges Kind, das im Wechselmodell lebt, m&amp;uuml;sste also alle drei Tage umziehen, ein vierj&amp;auml;hriges alle vier Tage.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Verunsicherung der Kinder w&amp;auml;chst noch, wenn sich ihr Wohnort st&amp;auml;ndig &amp;auml;ndert. Denn ein kleines Kind f&amp;uuml;rchtet, dass seine Spielsachen oder sein Kuscheltier nicht mehr da sind, wo sie hingeh&amp;ouml;ren, wenn es l&amp;auml;nger weg ist. Oder dass der Papa pl&amp;ouml;tzlich nicht mehr da ist, wo er hingeh&amp;ouml;rt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es regt sich also Kritik am Wechselmodell: Weil es von den Kindern, die mit ihren K&amp;ouml;fferchen hin- und herziehen, sehr viel Anpassung verlangt; weil sie zum Beispiel dem Vater nichts vom neuen Freund der Mutter erz&amp;auml;hlen d&amp;uuml;rfen und der Mutter nichts von  den sch&amp;ouml;nen neuen Zimmern beim Vater; weil es manchmal mehr um Gerechtigkeit zwischen den Eltern geht als um das Beste f&amp;uuml;r die Kinder; weil man, wenn beide Eltern gleich viel Kind fordern, auch vom geteilten Kind sprechen kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;* Anneke Napp-Peters, &lt;em&gt;Familien nach der Scheidung&lt;/em&gt;, Kunstmann&lt;/span&gt;&lt;span&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Die Schmidts aus M&amp;uuml;nchen&quot;]&amp;nbsp; &lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/44305.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;*&lt;/span&gt;&lt;span&gt;* Empfehlung des Psychologen Jan Piet de Man, auf der Basis empirischer Forschung von u.a. Joan Kelly und Michael Lamb.&lt;br /&gt; &lt;/span&gt;&lt;span&gt;*&lt;/span&gt;&lt;span&gt;*&lt;/span&gt;&lt;span&gt;* Der Vater steht f&amp;uuml;r den Elternteil, der nicht Beziehungsperson Nummer 1 ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt;&lt;strong&gt;Emma und Elsa Schmidt&lt;/strong&gt; aus M&amp;uuml;nchen haben Sch&amp;uuml;rzen umgebunden. Emma wird morgen sechs Jahre alt, die M&amp;auml;dchen und ihr Vater warten auf die Mutter, die mit dem 17.30-Uhr-Flug aus Leipzig kommt. Sie hat versprochen, am Abend mit den beiden den Geburtstagskuchen zu backen. Den Osterstrau&amp;szlig; in der Bodenvase haben die Schwestern selbst geschm&amp;uuml;ckt. Sie knabbern an einer Pizza, die der Vater in den Ofen geschoben hatte. Gem&amp;uuml;tlich und warm ist es im Nest. &lt;br /&gt; Wenn die Mutter kommt, sitzen die vier noch eine Weile am Tisch. Sascha Schmidt fasst zusammen, was es zu berichten gibt, dann geht er in seine Wohnung, 160 Meter entfernt, zwei Zimmer, Hinterhof. Am n&amp;auml;chsten Morgen um sechs wird er wieder da sein, um mit seiner Frau Emma aufzuwecken. An Elsas Geburtstag war es auch so. Und es war ihr sehr wichtig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Katrin Gei&amp;szlig;ler-Schmidt hat keine andere Wohnung. Sie ist beruflich viel unterwegs und plant so, dass die Dienstreisen in die &amp;raquo;Papawochen&amp;laquo; fallen. Sie ist schon immer so viel gereist, aber vor der Trennung hat sie alles darangesetzt, abends noch zur&amp;uuml;ckzufliegen, um Zeit mit der Familie zu haben. Jetzt geht sie dort ins Hotel, wo sie dienstlich gerade ist, w&amp;auml;hrend Sascha Schmidt sich das Schlafsofa in Emmas Zimmer auszieht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ein Jahr sind die Schmidts jetzt getrennt, gerade haben sie die Scheidung eingereicht. Das sagen sie so, vor den Kindern. Katrin Gei&amp;szlig;ler-Schmidt findet, sie sollen wissen, woran sie sind. Elsa und Emma waren nach der Trennung ziemlich durch den Wind, sagt sie. Die Eltern haben mit ihnen geredet, Klartext. Jetzt haben die M&amp;auml;dchen sich beruhigt. Sie wissen, dass sie nicht schuld sind am Auseinandergehen der Eltern. Und dass die sich nur als Mann und Frau getrennt haben, nicht als Eltern, ihretwegen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Schmidts waren Freunde, bevor sie sich verliebten, und hatten zw&amp;ouml;lf &amp;raquo;wundersch&amp;ouml;ne Jahre&amp;laquo; miteinander. &amp;raquo;Wir haben uns getrennt, bevor es unsch&amp;ouml;n wurde&amp;laquo;, sagt Sascha Schmidt. Er fragt sich manchmal: Sind wir zu pragmatisch? Aber wenn er auf seine T&amp;ouml;chter guckt, ist er erleichtert. Er wei&amp;szlig;, wie es ist, wenn ein Kind den Vater verliert. Er ist selbst Scheidungskind, wuchs bei der Mutter auf und sah den Vater, der 700 Kilometer entfernt lebte, kaum. Seine Eltern begegneten sich nach 15 Jahren zum ersten Mal wieder, auf seiner Hochzeit. &amp;raquo;Was f&amp;uuml;r eine Anspannung&amp;laquo;, sagt er. So etwas m&amp;ouml;chten die Schmidts ihren Kindern ersparen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Wann backen wir endlich den Kuchen?&amp;laquo;, fragt Emma. Die Mutter streicht ihr &amp;uuml;bers Haar. Sascha Schmidt l&amp;auml;chelt die beiden an. &amp;raquo;Ich mag meine Frau&amp;laquo;, sagt er. &amp;raquo;Ein bisschen liebt ihr euch auch noch, sonst k&amp;ouml;nntet ihr euch nicht m&amp;ouml;gen&amp;laquo;, ruft Emma.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als die K&amp;ouml;rners sich trennten, war nichts mehr sch&amp;ouml;n. Anfang 2007, mitten in der gro&amp;szlig;en Krise nach dem Hausbau, gestand Michael K&amp;ouml;rner seiner Frau, dass eine andere Frau ein Kind von ihm bekam. Schwer zu begreifen f&amp;uuml;r Angelika K&amp;ouml;rner. Gerade erst waren sie in einer Eheberatung gewesen, um zu retten, was zu retten sein k&amp;ouml;nnte. Sie f&amp;uuml;hlte sich doppelt betrogen, es war wie eine Wiederholung f&amp;uuml;r sie: Als sie sieben Jahre alt war, wurde ihre Mutter von einem Angestellten des Vaters schwanger und verlie&amp;szlig; die Familie. Die Eltern sprachen nie wieder ein Wort miteinander. Angelika K&amp;ouml;rner wuchs mit den beiden Geschwistern beim Vater auf - das Elternhaus mit dem wilden Garten drum herum wurde ihr Rettungsanker.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Und nun war ihre Ehe am Ende. Ihr erster Gedanke war, den Kindern das Haus zu erhalten. Aber wer w&amp;uuml;rde mit ihnen dort wohnen bleiben? Es gab Streit, richtig Streit. Anwaltsschreiben gingen hin und her, immer unvers&amp;ouml;hnlicher im Ton. &amp;raquo;Das war die H&amp;ouml;lle. Man soll nicht meinen, dass so was noch mal gut werden kann&amp;laquo;, sagt Angelika K&amp;ouml;rner. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Aber es wurde wieder gut. Der Scheidungsrichter entschied, dass die Mutter, die auch als Tagesmutter im Haus arbeitet, mit den Kindern dort bleiben sollte. Das Jugendamt bot dem zerstrittenen Paar eine Mediation an: eine freiwillige au&amp;szlig;ergerichtliche Form der Konfliktl&amp;ouml;sung durch einen Dritten, einen Streitschlichter. In acht Sitzungen schafften die K&amp;ouml;rners es, sich gegenseitig zuzuh&amp;ouml;ren, nach gemeinsamen L&amp;ouml;sungen zu suchen, endlich Frieden zu schlie&amp;szlig;en. Die Mediatorin brachte sie auch auf die Idee, dass Michael K&amp;ouml;rner ins Haus zu den Kindern kam. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Den K&amp;ouml;rners kommt das Nestmodell entgegen. Die Vorstellung, sie m&amp;uuml;sste jedes Wochenende die Taschen f&amp;uuml;r Calvin und Lino packen, mit Schuhen und Hosen und Fu&amp;szlig;ballsachen f&amp;uuml;r eine Woche, findet Angelika K&amp;ouml;rner absurd. &amp;raquo;Meinen Kram zu packen ist halb so wild&amp;laquo;, sagt sie. &amp;raquo;Und ich find&amp;rsquo;s toll. Denn wenn ich weg bin, kann ich machen, was ich will.&amp;laquo; Das Nestmodell verschafft ihr Freiheiten, die sie sonst nicht h&amp;auml;tte. Sie kann zum Beispiel zu ihrem neuen Freund gehen, ohne die Kinder damit zu belasten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sascha Schmidt&lt;/strong&gt; in M&amp;uuml;nchen wird oft gefragt, ob er sich eine neue Familie w&amp;uuml;nscht. Er sagt dann, er w&amp;uuml;nsche sich eine neue Liebe &amp;ndash; aber eine Familie hat er ja. Sascha Schmidt kennt viele getrennte M&amp;auml;nner, deren gr&amp;ouml;&amp;szlig;ter Wunsch es ist, gleich wieder eine Familie zu gr&amp;uuml;nden. Es sind V&amp;auml;ter, die ihre Kinder kaum sehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Katrin Gei&amp;szlig;ler-Schmidt wird nie gefragt, ob sie sich eine neue Familie w&amp;uuml;nscht. Alle denken, sie hat ja eine. &amp;raquo;Wenn&amp;rsquo;s mal einen anderen Mann gibt, zieht man vielleicht zusammen&amp;laquo;, sagt sie, &amp;raquo;aber nicht in dieser Wohnung.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bis zur Pubert&amp;auml;t der Kinder, das haben sich die Schmidts vorgenommen, soll das andere Privatleben woanders stattfinden und nur das Familienleben im Nest. Denn sie werden, sagen sie, ein Leben lang als Eltern ihrer Kinder verbunden sein. Und vielleicht sogar noch als Gro&amp;szlig;eltern ihrer Enkel.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;em&gt;&lt;/em&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Bleiben lassen</dc:subject>
    <dc:creator>Gabriela Herpell</dc:creator>
    <dc:date>2012-04-16T12:00:00+01:00</dc:date>
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