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    <title>sz-magazin.de - Stars</title>
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    <description>Alle Texte zu dem Label Stars auf sz-magazin.de</description>
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    <title>»Wage etwas, aber geh nicht zu weit«</title>
    <description>&lt;p&gt;Die Kleider, die Prominente bei den Oscars tragen, werden ber&amp;uuml;hmt - genau wie ihre Designer. Hier erkl&amp;auml;rt das M&amp;uuml;nchner Duo Johnny Talbot und Adrian Runhof, wie man &amp;uuml;berhaupt bis zu den Stars vordringt.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56631.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Leute machen Kleider: Gro&amp;szlig;e Roben zu entwerfen ist nur ein Teil des Jobs von Johnny Talbot (rechts) und Adrian Runhof. Mindestens so wichtig ist es, sie an die richtige Frau zu bringen.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Kristen Stewart trat im Vorfeld der Oscars in einem  schwarzen Abendkleid mit silberner Spitze auf. Das Foto ging im Internet  um die Welt, genauso der Name des Labels: Talbot Runhof. Haben Sie eine  Flasche Champagner aufgemacht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Johnny Talbot:&lt;/strong&gt; Normalerweise wei&amp;szlig; man ein paar Tage vorher, dass  man Chancen hat. In diesem Fall hatte ich keine Ahnung, dass sie ein  Kleid aus unserer Kollektion tragen w&amp;uuml;rde. Wir waren alle einfach baff. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Wie kommt man als Designer mit einem Star in Kontakt? Verschicken Sie parf&amp;uuml;mierte Briefchen?&lt;br /&gt; Adrian Runhof:&lt;/strong&gt; Wir sollten es tun, kommen aber kaum dazu. Wir  bezirzen ja auch nicht die Celebritys, sondern ihre Stylisten. Im  November haben wir unsere neue Kollektion in einer Suite des &amp;raquo;Sunset  Tower Hotels&amp;laquo; in Los Angeles vorgestellt und dazu die Stylistinnen  einiger Stars eingeladen. Eine nach der anderen kam vorbei und hat sich  eine Auswahl zusammengesucht. Die Stylistin von Kristen Stewart war auch  da. &lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Talbot:&lt;/strong&gt; Es ist nat&amp;uuml;rlich typisch L. A., du h&amp;ouml;rst tausendmal  &amp;raquo;Oh that&amp;rsquo;s so beautiful . . . amazing!&amp;laquo; Das muss nichts bedeuten, aber  diesmal waren wir zuversichtlich.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Haben Sie schon mal daf&amp;uuml;r bezahlt, dass ein Star in Talbot Runhof aufl&amp;auml;uft?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Runhof:&lt;/strong&gt; Nein. Bei Schmuck ist es offenbar an der Tagesordnung,  bei Kleidern zum Gl&amp;uuml;ck noch nicht. Wobei: Wenn die Dame das Abendkleid  tats&amp;auml;chlich anhatte, schicken viele H&amp;auml;user am n&amp;auml;chsten Tag Geschenke,  also ein nettes Kost&amp;uuml;m oder so. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Es soll nicht un&amp;uuml;blich in der Branche sein, den Stylisten ein  bisschen zu bestechen. Designer sollen schon Sch&amp;ouml;nheitsoperationen  versprochen haben, wenn der Star das Kleid anzieht. &lt;br /&gt; Runhof&lt;/strong&gt;: Wir k&amp;ouml;nnen das nicht best&amp;auml;tigen, aber nat&amp;uuml;rlich zeigt man sich erkenntlich.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Wie denn?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Runhof:&lt;/strong&gt; Wir schicken zum Beispiel einen tollen Blumenstrau&amp;szlig;, eine  handgeschriebene Karte. Ich habe mitgekriegt, dass Tara Swennen, die  Stylistin von Kristen Stewart, Wellness-Massagen mag. Also haben wir ihr  'ne sch&amp;ouml;ne Massage spendiert. Und das wird gesch&amp;auml;tzt.  &lt;br /&gt; &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;An den Stylisten f&amp;uuml;hrt also tats&amp;auml;chlich kein Weg mehr vorbei?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Runhof&lt;/strong&gt;: Wenn eine Schauspielerin einen gro&amp;szlig;en Film vermarkten  muss, geht sie auf 30 bis 40 Events, daf&amp;uuml;r braucht sie 30 bis 40  Kleider. Das Studio heuert einen Stylisten an, der ihr diese Klamotten  besorgt. Das ist auch richtig so, weil die Leute da gut beraten werden. Es gibt kaum einen Star, der sich bei einem Termin wie den Oscars noch selbst einkleidet.&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Talbot:&lt;/strong&gt; Aber vergiss Helen Mirren nicht.&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Runhof:&lt;/strong&gt; Stimmt. Helen Mirren hat eines Tages hier bei uns in  M&amp;uuml;nchen im Laden angerufen und wollte mal was anprobieren. Wir haben ihr  dann etliche Sachen geschickt, und sie hat einiges gekauft.&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Talbot:&lt;/strong&gt; Ganz down to earth. Gloria Estefan kauft auch selbst ein,  bei Saks in Miami. Neulich hat sie getwittert: &amp;raquo;Ziehe heute Abend ein  tolles Kleid von Talbot Runhof an.&amp;laquo;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Da sparen Sie sich jedenfalls schon mal die Werbekampagne.&lt;br /&gt; Runhof:&lt;/strong&gt; Ja, aber es kann auch ins Auge gehen. Wenn der Star nicht  der richtige ist und auf dem roten Teppich nicht gut r&amp;uuml;berkommt. Da muss  man aufpassen. Wir hatten viel &amp;Auml;rger mit den Fans von Selena Gomez &amp;ndash;  kleine M&amp;auml;dchen, die in South Dakota vorm Computer sitzen und sofort in  sozialen Netzwerken Alarm schlagen, wenn ihnen ein Kleid nicht gef&amp;auml;llt.  Da haben wir sogar Morddrohungen bekommen.&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;&lt;br /&gt; Was hatte Miss Gomez denn an?&lt;br /&gt; Runhof:&lt;/strong&gt; Ein sexy Mini-Paillettenkleid. Sie sah aus wie eine  glamour&amp;ouml;se erwachsene Frau, aber die Fans lieben sie als den braven  Teenager, den sie in den Highschool-Filmen von Disney immer spielt. In  den Blogs stand: &amp;raquo;I wanna kill these guys!&amp;laquo; Nur, weil wir ihr nicht so  einen z&amp;uuml;chtigen rosa T&amp;uuml;lltraum angezogen hatten. Aber das ist egal.  Nicht egal ist, was die Beletage denkt, Leute wie Anna Wintour und die  Eink&amp;auml;ufer der gro&amp;szlig;en Department Stores. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Haben Sie eigentlich Einfluss auf die Accessoires &amp;ndash; damit ein  elegantes Abendkleid nicht mit ordin&amp;auml;ren Schuhen oder einer albernen  Clutch kombiniert wird? &lt;br /&gt; Talbot:&lt;/strong&gt; Nicht in Amerika. Aber in Deutschland. Die Leute hier haben  keinen Stylisten und glauben, dass man mit schwarzen Pumps zur Robe auf  der sicheren Seite ist.&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Runhof:&lt;/strong&gt; Und das kann alles ruinieren. Manche beherzigen aber unser Motto: Wage etwas, aber geh nicht zu weit.&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Talbot:&lt;/strong&gt; Wenn du dir ne Riesenfrisur machst, spare beim Schmuck.  Wenn die Schuhe im Vordergrund stehen, halte das Kleid schlicht. In  Deutschland bieten wir immer uns selbst als Stylisten an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Ich hei&amp;szlig;e Burda und brauche ein Kleid f&amp;uuml;r den Bambi.&amp;laquo;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56633.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Die Stars d&amp;uuml;rfen die Kleider offiziell ja nicht behalten. Bekommen Sie wirklich jedes zur&amp;uuml;ck?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Runhof:&lt;/strong&gt; Manchmal sagen Celebritys: Das Kleid ist so toll, das  m&amp;ouml;chte ich jetzt kaufen. Gut, dann verschenkt man es einfach oder macht  einen Superspezialpreis. Aber die allermeisten wollen die Kleider gar  nicht geschenkt haben, weil sie damit nichts mehr angefangen k&amp;ouml;nnen. &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Talbot:&lt;/strong&gt; Wenn sie es einmal bei einer gro&amp;szlig;en Veranstaltung getragen haben, k&amp;ouml;nnen sie es ja nicht noch mal anziehen. &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Runhof:&lt;/strong&gt; Wir sagen das immer dazu, wenn ein Kleid schon von einem  Star getragen wurde. Das schwarz-silberne Abendkleid zum Beispiel hat  Judith Rakers sehr gut gefallen. Wir haben ihr gleich gesagt: Du wei&amp;szlig;t,  das hat Kristen Stewart schon angehabt. Aber das hat sie nicht gest&amp;ouml;rt,  sie hat es dann bei &amp;raquo;Ein Herz f&amp;uuml;r Kinder&amp;laquo; in Berlin getragen. &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;&lt;br /&gt; Kommen nach einem solchen Auftritt dann direkt die Anfragen? &lt;br /&gt; Talbot:&lt;/strong&gt; Es bricht nicht lawinenartig &amp;uuml;ber uns herein. Aber es gibt einen Effekt, den man manchmal noch Jahre sp&amp;auml;ter sp&amp;uuml;rt.&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;&lt;br /&gt; Und nun hoffen Sie auf die Oscars.&lt;br /&gt; Runhof:&lt;/strong&gt; Unsere PR-Leute in Los Angeles sind da jetzt nat&amp;uuml;rlich dran.  Die halten Kontakt zu den Stylisten &amp;ndash; und zwar mit allen Mitteln: Die  twittern die an, simsen, mailen, rufen an und halten sich in Restaurants  und Bars auf, von denen sie wissen, dass die Stylisten dort gerne  hingehen. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Wird man Sie verst&amp;auml;ndigen, wenn eines Ihrer Kleider im Dolby Theatre getragen wird?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Runhof:&lt;/strong&gt; Bestimmt nicht. Ob der Star ein Kleid anzieht, und wenn  ja, welches, entscheidet sich immer in letzter Minute. Auch Armani und  Chanel wissen es erst dann, wenn die Schauspielerin &amp;uuml;ber den roten  Teppich l&amp;auml;uft. Dann sitzen alle PR-Leute vorm Fernseher, und sobald die  Lady in dem Kleid erscheint, wird losgemailt und getwittert. Aber man  kann auch entt&amp;auml;uscht werden. Da kommt vorher die Stylistin und sagt: Ich  h&amp;auml;tte dieses Kleid gerne f&amp;uuml;r Claire Danes &amp;ndash; und dann gibt sie es einer  unbekannten Schauspielerin, die das Kleid bei einer unwichtigen  Veranstaltung tr&amp;auml;gt.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;F&amp;uuml;r die Oscars nominiert sind diesmal zehn Damen im Alter von neun bis 85 Jahren. Welche h&amp;auml;tten Sie denn gerne?&lt;br /&gt; Runhof:&lt;/strong&gt; Am allerliebsten Helen Hunt. Ich k&amp;ouml;nnte sie mir wunderbar  vorstellen in einem dunkelblauen Cr&amp;ecirc;pe-Kleid mit Spitze &amp;ndash; diskret,  elegant, nobel. Wenn etwas in dieser Richtung klappen sollte, wir w&amp;uuml;rden  aus dem Bett fallen vor Aufregung. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Kim Basinger hat 1998 den Oscar in einer mint-gr&amp;uuml;nen Robe von Escada entgegengenommen, davon reden sie bei Escada heute noch.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Talbot: &lt;/strong&gt;Das allerbeste Beispiel ist aber Elie Saab mit diesem  Halle-Berry-Kleid vor elf Jahren. Ein Oberteil aus durchsichtigem T&amp;uuml;ll,  mit Blumenstickereien an allen wichtigen Stellen. Genauso musste ein  Kleid in dieser Saison aussehen, und das hat Elie Saab schlagartig  ber&amp;uuml;hmt gemacht. Dieses eine Kleid! Der Jackpot.&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;&lt;br /&gt; Hat es so einen Moment auch f&amp;uuml;r Sie gegeben?&lt;br /&gt; Talbot: &lt;/strong&gt;Etwas &amp;Auml;hnliches. Das war 1994, ich sa&amp;szlig; in unserem ersten  Laden in der M&amp;uuml;nchner Hildegardstra&amp;szlig;e. Da kam eine blonde Dame rein, hat  sich umgeschaut, ein bisschen was anprobiert, noch zwei Freundinnen  angerufen und dann ein Kleid gekauft. Ich habe sie nach ihrem Namen  gefragt und wann sie das Kleid tragen will. Und sie: &amp;raquo;Ich hei&amp;szlig;e Burda  und brauche das Kleid f&amp;uuml;r den Bambi.&amp;laquo; Sagte mir alles nichts. Ich war  nur froh, dass wir das Kleid verkauft hatten. Das war bestimmt die  H&amp;auml;lfte von unserer Ladenmiete. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Maria Furtw&amp;auml;ngler hat Sie gro&amp;szlig; rausgebracht?&lt;br /&gt; Runhof:&lt;/strong&gt; Das hat schon Furore gemacht. Dabei war Bambi damals noch  gar keine gro&amp;szlig;e Nummer, die Verleihung fand im M&amp;uuml;nchner Arri-Kino statt.  Die Leute sind im Hosenanzug und im Kost&amp;uuml;mchen da hingegangen.&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Talbot: &lt;/strong&gt;Unter den Fotos stand manchmal sogar: &amp;raquo;Soundso in einer selbst entworfenen Robe&amp;laquo;.&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Runhof:&lt;/strong&gt; Damals haben wir die Kraft des Celebrity Dressing zum  ersten Mal erfahren. Und daran haben wir uns dann orientiert &amp;ndash; weil es  f&amp;uuml;r uns als kleines Label schlichtweg die einzige M&amp;ouml;glichkeit war,  Aufmerksamkeit zu erregen. &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;&lt;br /&gt; Gibt es auch Stars, von denen Sie hoffen, dass sie niemals in Talbot  Runhof gesehen werden? Dann k&amp;ouml;nnten wir das hier schon mal &amp;ouml;ffentlich  machen.&lt;br /&gt; Runhof:&lt;/strong&gt; Also erst mal sind wir Kummer gewohnt. Wir machen ja einige  Tausend Kleider im Jahr, und davon geraten immer ein paar an die  falschen Leute. Dagegen kann man nichts tun. Obwohl &amp;ndash; manchmal stellt  sich auch heraus, dass die falsche Tr&amp;auml;gerin genau die Richtige war.  Beispiel: Kim Kardashian. Eigentlich eher Promi-Trash, aber leider sah  sie supertoll in unserem Kleid aus. Und jetzt &amp;ndash; wegen ihrer Beziehung  mit Kanye West &amp;ndash; ist sie pl&amp;ouml;tzlich erste Liga, Mode-K&amp;ouml;nigsklasse. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Gehen Sie selbst auch auf Rote-Teppich-Termine?&lt;br /&gt; Runhof:&lt;/strong&gt; Nicht so gerne. Wenn wir eine Einladung bekommen, gehen wir  schon hin, aber es ist Arbeit. Es ist anstrengend. Es ist langweilig.  Also bitte, bitte keine Einladungen schicken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Wage etwas, aber geh nicht zu weit«</dc:subject>
    <dc:creator>Tanja Rest (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2013-02-20T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Der Tintenkiller</title>
    <description>&lt;p&gt;Rihanna. Johnny Depp. David Beckham.      Angelina Jolie. Muss Mark Mahoney noch Werbung machen? Nein. Er      t&amp;auml;towiert die Stars. Und zwar, einfach gesagt: &lt;em&gt;alle.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Donnerstag ist dicht. Nachmittags um drei hat David Beckham einen Termin, abends ist Lady Gaga dran und dann steht da noch dieses &amp;raquo;R&amp;laquo; im Kalender. Rihanna wollte noch mal den &amp;raquo;Thug Life&amp;laquo;-Schriftzug auf ihren Fingern kontrollieren lassen. Die muss Mark Mahoney heute noch irgendwie dazwischenschieben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mark Mahoney ist kein Star. Er hat keine Reality-Show, er wird nicht von Paparazzi abgeschossen, wenn er in seinem Cabrio nachts um drei &amp;uuml;ber den Sunset Boulevard schaukelt. Mark Mahoney t&amp;auml;towiert Hollywoodk&amp;ouml;rper. Er kommt ins Spiel, wenn Br&amp;uuml;ste, Z&amp;auml;hne, Beine und Nasen fertiggestellt sind, und der Star Gefahr l&amp;auml;uft, zu beliebig auszusehen. Dann klingelt er bei Mark im Studio an, um ein Tattoo zu besprechen. Eines, das sagt: &amp;raquo;Schau mal, ich bin es!&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mark sticht, was auch immer der Star w&amp;uuml;nscht. Gesichter von erschossenen Gangstern oder Tupac Shakurs Lebensmotto &amp;raquo;Thug Life&amp;laquo; auf die Finger von Rihanna, Apfelb&amp;auml;umchen &amp;uuml;ber den Bauchnabel, wie bei einem 70-j&amp;auml;hrigen Air-Force-General. Auch Namen von Ex-Freundinnen kann Mark verwandeln. Wie im Fall von Johnny Depp, der sich &amp;raquo;Winona Forever&amp;laquo; nach der Trennung in  &amp;raquo;Wino Forever&amp;laquo; umschreiben lie&amp;szlig;. Nur Russell Brand, der will immer nur Sanskrit-Buchstaben auf den Arm. &amp;raquo;Er kann einfach nicht damit aufh&amp;ouml;ren&amp;laquo;, sagt Mark. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In den ersten Minuten mit Mark fragt man sich, warum Hollywood dem Mann seine Haut anvertraut. Man k&amp;ouml;nnte ihn f&amp;uuml;r die Rolle eines sch&amp;ouml;nen M&amp;ouml;rders besetzen, eines  Mannes mittleren Alters, der lautlos t&amp;ouml;tet und danach, v&amp;ouml;llig unbeindruckt von seiner Tat, irgendwo einen Whiskey trinken geht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Auch sein Studio, das &amp;raquo;Shamrock&amp;laquo; ist nicht unbedingt vertrauenerweckend, sondern eher eine Klitsche: ein rosafarbener Raum, in dem Louis-Vuitton-Sessel stehen, aber auch Devotionalien aus Irland, und Bilder von der indischen Gottheit Shiva an der Wand h&amp;auml;ngen. Der Laden liegt im oberen Teil des Sunset Strip, dort wo fr&amp;uuml;her Jim Morrison auf der Stra&amp;szlig;e lag und heute besoffene Briten umherirren. Hier lebten schon immer die, die in Hollywood nicht so recht reinpassten. Trotzdem: Die Entertainmentwelt liebt Marks Studio und sie liebt ihn. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Filmstars wie James Franco lassen Mark sogar mit dem Messer ran. Erst neulich buchte Franco Mister Mahoney f&amp;uuml;r einen Kunst-Kurzfilm, um sich vor laufender Kamera den Namen &amp;raquo;Brad&amp;laquo; in den Arm schnitzen zu lassen. &amp;raquo;Er fiel beinahe in Ohnmacht&amp;laquo;, kommentiert Mark. &amp;raquo;Ich wei&amp;szlig;, wie sich Messerstechen anf&amp;uuml;hlt. Aber schnitzen? Das war mir neu.&amp;laquo; Der Tattoomeister spricht mit einer Stimme, in einer Tonlage, mit einem Sound, der auff&amp;auml;llt. Irgendwo zwischen Kehlkopf-Entz&amp;uuml;ndung und Marlon Brando in &lt;em&gt;Der Pate&lt;/em&gt;. Sein Look ist seiner Stimme angepasst: mafi&amp;ouml;ser Aufzug; Krokodillederschuhe, eng geschnittener Anzug in Haselnussbraun, Gelhaare. Aber genau das macht ihn aus. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Fu&amp;szlig;baller David Beckham ist Marks Lieblingskunde. &amp;raquo;David h&amp;auml;lt alles aus&amp;laquo;, erz&amp;auml;hlt Mark, &amp;raquo;er ist ein Champion. Er hat die beste Tattoo-Haut. Kr&amp;auml;ftig. Durchblutet. Wenn man reinzwickt, ver&amp;auml;ndert sich die Farbe. Ein Traum. &amp;laquo; Mark muss es wissen, er hat den Fu&amp;szlig;baller st&amp;auml;ndig auf dem Stuhl; das Bild auf dessen rechter Schulter ist ein Riesenprojekt. Engel mit den Gesichtsz&amp;uuml;gen seiner Jungs tragen David Beckham auf ihren H&amp;auml;nden. Zuletzt musste auch die erste Tochter von David und Victoria noch irgendwo auf dem Schulterblatt untergebracht werden. Ihr Name, Harper, soll noch &amp;uuml;ber das bisherige Motiv t&amp;auml;towiert werden.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten Stars Hollywoods kommen ins &amp;raquo;Shamrock&amp;laquo; und die h&amp;auml;rtesten Getto-Bosse aus East L.A. Zu Marks treuesten Kunden geh&amp;ouml;ren Hells Angels genauso wie konservative Countrys&amp;auml;ngerinnen wie LeAnn Rimes. Wenn Brad Pitt und Angelina Jolie zu Mark kommen, dann wissen sie, dass vor ihnen irgendein mexikanischer Gangf&amp;uuml;rst auf Marks Tattoo-Thron gesessen hat. &amp;raquo;Das macht viele Leute wirklich an&amp;laquo;, sagt Mark und grinst diabolisch. Wer zu Mark kommt, bekommt nicht nur ein Tattoo, sondern kauft sich auch ein bisschen Unterwelt-Abenteuer dazu. Das Tattoo hat vielleicht den verruchten Charme von fr&amp;uuml;her verloren, es ist nicht mehr das Mal der Gesetzlosen. Oder das &amp;Uuml;berbleibsel einer wilden Jugend, das man den Rest des Lebens verstecken muss, so wie Winston Churchills Mutter, die &amp;uuml;ber der kleinen Schlange um ihr Handgelenk sp&amp;auml;ter immer ein Diamantarmband trug. Tattoos sind im Mainstream angekommen. Bei Mark aber lebt noch der alte Geist, im &amp;raquo;Shamrock&amp;laquo; hat ein Tattoo noch etwas Verruchtes. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dabei wollte Mark, aufgewachsen an der kalten Ostk&amp;uuml;ste in Massachusetts, als Kind eigentlich Pfarrer werden, wegen der &amp;raquo;simplen, dunklen Kleidung und dem wahnsinnigen Licht in den Kirchen&amp;laquo;. Nur an das Problem mit dem Sex habe er nicht gedacht. Das New York der Achtziger und seine Punkrockszene halfen Mark dabei, seine Aufgabe im Leben zu finden, das T&amp;auml;towieren. &amp;raquo;Die Leute, mit denen ich zu tun hatte, Rocker, Punker, Biker; sie lie&amp;szlig;en mich alles machen. Ich hatte Tonnen von Haut zu Verf&amp;uuml;gung.&amp;laquo; Nur eines nervte Mark gewaltig: Jedes Mal wenn er ein richtig gutes Tattoo auf irgendeinem Unterarm sah, stammte es aus Long Beach. Bald zieht Mahoney dorthin, um das Handwerk zu lernen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Inzwischen hat er es geschafft. Kaum eine Hollywood-Haut, auf der er noch nicht seine Spuren hinterlassen hat. Der erste ber&amp;uuml;hmte Kunde im &amp;raquo;Shamrock&amp;laquo; war Sid Vicious, Bassist der Sex Pistols: &amp;raquo;Ein lieber Junge. Er konnte sich nie zwischen einer Rose und einer Blon-dine auf seinem Arm entscheiden.&amp;laquo; Selbst der Rapper Notorious B.I.G. bekam in Marks Gegenwart seinen Testosteronspiegel in den Griff und erz&amp;auml;hlte auf dem T&amp;auml;towierstuhl von den Freuden der Ehe, w&amp;auml;hrend Mark ihm einen Bibelvers in den Arm ritzte. Und zwischen Johnny Depp und Mark hat sich in den letzen Jahrzehnten sogar eine gro&amp;szlig;e Liebe entwickelt: &amp;raquo;Ich stach sein erstes Tattoo, einen Indianerkopf. Es war Johnnys erste Nacht in Los Angeles.&amp;laquo; Dabei blieb es nicht. Mark ist sich sogar sicher, dass er Johnny vor einem m&amp;ouml;glichen Schicksalsschlag bewahrt hat. &amp;raquo;Er wollte einen Spatz auf seinem Arm, ein Symbol f&amp;uuml;r seinen Sohn. Er wollte, dass der Spatz von ihm wegfliegt, doch das T&amp;auml;towiergesetz warnt: Dinge, die du liebst, m&amp;uuml;ssen immer in deine Richtung zeigen. Sonst kommt es zu einer Katastrophe.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Frischfleisch sitzt bereit: Ein aufstrebender Rockstar namens Danny Jones aus London h&amp;auml;lt seinen Arm hin &amp;ndash; Marylin-Monroe-Kopf mit roten Lippen auf dem Oberarm soll es sein. Na bitte, das ist ja kein Problem. Mark setzt die schmale Lesebrille auf. Es kann losgehen, es wird nicht so schlimm werden, der Rockstar-Junge schwitzt trotzdem ein bisschen. Mark beruhigt ihn. Solange kein Kn&amp;ouml;chel involviert sei, tue es gar nicht so weh. Der Rockstar-Junge nuckelt an seinem Red-Bull-Drink und entspannt sich. Den ersten wichtigen Schritt zur gro&amp;szlig;en Karriere tut er gerade. Er sorgt f&amp;uuml;r Unverwechselbarkeit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und Mark genauso. Auch er wei&amp;szlig;, dass sein Image seinen Erfolg ausmacht. And&amp;auml;chtig krempelt er sich die Hemds&amp;auml;rmel hoch, segnet seine Instrumente, indem er einmal mit der flachen Hand &amp;uuml;ber das Besteck schwebt, schlie&amp;szlig;t kurz die Augen. Erst dann streift er die Gummihandschuhe &amp;uuml;ber. Ein bisschen Show-Liturgie im Tattoostudio. Das sei sein t&amp;auml;glicher &amp;raquo;Boogie-Woogie&amp;laquo;, erkl&amp;auml;rt der Tattoomeister. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den ganz privaten Mark Mahoney kennen die wenigsten: Der geht jeden Sonntag in die Kirche und lebt mit seiner Frau in einem kleinen H&amp;auml;uschen im b&amp;uuml;rgerlichen Pasadena. &lt;br /&gt;&lt;em&gt; &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Der Tintenkiller</dc:subject>
    <dc:creator>Anne Philippi</dc:creator>
    <dc:date>2012-11-26T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Einer für alle</title>
    <description>&lt;p&gt;Tag f&amp;uuml;r Tag, Nacht f&amp;uuml;r Nacht &amp;ndash; seit nunmehr 40 Jahren feiert der Schlagers&amp;auml;nger J&amp;uuml;rgen Drews durch, ohne durchzudrehen. Portr&amp;auml;t eines Stars, der zum Anfassen verdammt ist.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;Drei Tage Ballermann auf Mallorca, drei N&amp;auml;chte &amp;raquo;J&amp;uuml;rgen! J&amp;uuml;rgen!&amp;laquo;-Rufe und hundert spitze Schreie: &amp;raquo;Das ist ja J&amp;uuml;rgen Drews!&amp;laquo;, und man vergisst ganz schnell, dass die Wirklichkeit noch ganz woanders lauert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mallorca im Mai, eine zuf&amp;auml;llige Begegnung: Drei M&amp;auml;nner, eine Frau, alle jung, alle angenehm anzusehen, haben sich keuchend die hundert Stufen von einer Bucht nach oben zur Stra&amp;szlig;e gek&amp;auml;mpft. Eine etwas ratlose Passantin fragt die vier, ob man dort unten wirklich baden k&amp;ouml;nne. &amp;raquo;Ja&amp;laquo;, antwortet die Frau, &amp;raquo;nur sind da unten noch die Perversen.&amp;laquo; Und weil die Frau nur am Rande die beiden Kamerateams, die in der Bucht sind, meinen kann, zielt ihre ganze Verachtung auf denjenigen, den sie filmen: J&amp;uuml;rgen Drews. So in etwa ist die Stimmung. Die einen gr&amp;ouml;len und jubeln, wenn sie ihn sehen. Die etwas auf sich halten aber, finden ihn unterirdisch, indiskutabel. Und sein Publikum gleich mit. Der Schlagerfuzzi, der.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Der erste Eindruck best&amp;auml;tigt fast alles&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Magdeburg im M&amp;auml;rz, verkaufsoffener Sonntag im B&amp;ouml;rdepark, einem Shoppingcenter am Rande der Stadt. Auftritt J&amp;uuml;rgen Drews um 17 Uhr in der Halle beim Haupteingang. Man h&amp;ouml;rt ihn schon von Weitem seinen ber&amp;uuml;hmtesten Schlager &lt;em&gt;Ein Bett im Kornfeld&lt;/em&gt; singen, das Lied, mit dem er jeden Auftritt beginnt, aber man sieht ihn nicht &amp;ndash; die Fans vor der Halle, sehr viele junge darunter, versuchen sich an ihn zu quetschen. Er kennt das, er hat das gern. Und er singt weiter, auch weil er etwas beherrscht, von dem man sagt, dass viele M&amp;auml;nner es nicht k&amp;ouml;nnen: Multitasking. W&amp;auml;hrend er singt, kritzelt er Autogramme, l&amp;auml;sst sich anfassen und grinst wieder und wieder in ein Dutzend Handykameras. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dann betritt er die B&amp;uuml;hne, Jubel, rhythmisches Klatschen. Etwa tausend Menschen sind da, sch&amp;auml;tzt sein Manager, Kurt Kokus. Das Publikum drinnen: so, wie man es sich wohl denkt &amp;ndash; viele im Rentenalter, praktische Schirmm&amp;uuml;tze aus Kunstleder die M&amp;auml;nner, praktischer postsozialistischer Fr&amp;uuml;hjahrsschnitt die Frauen. Noch ist ein Durchkommen m&amp;ouml;glich zwischen dem Eiscaf&amp;eacute; &amp;raquo;Venezia&amp;laquo; und den Ledertaschen von Marc Picard, aber nicht mehr lang. Drews tr&amp;auml;gt einen dunkelblauen Samtmantel mit Goldstickerei an den Aufschl&amp;auml;gen. Ein kurzes Handzeichen an seinen Manager und das Halbplayback macht Pause, Drews erz&amp;auml;hlt, dass er seit fast 22 Jahren mit derselben Frau zusammen ist, Ramona. Er fragt: &amp;raquo;Sind hier Frauen? Seit Ramona sehe ich ja gar keine anderen Frauen mehr.&amp;laquo; Dann sagt er, dass er Ramona k&amp;uuml;rzlich vor laufender Fernsehkamera versprochen hat, sie ein zweites Mal zu heiraten, ganz romantisch, im Juli in Venedig. Und die &amp;Uuml;berraschung sei so was von gelungen. &amp;raquo;Jetzt singe ich ein Lied f&amp;uuml;r Ramona: &lt;em&gt;Wenn die Wunderkerzen brennen&lt;/em&gt;.&amp;laquo; Es folgt&lt;em&gt; Mama Loo&lt;/em&gt; von den Les Humphries Singers, &amp;raquo;da war ich Gr&amp;uuml;ndungsmitglied&amp;laquo;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Pl&amp;ouml;tzlich herrscht Unruhe am Mischpult, Fingerzeichen gehen zwischen Drews und seinem Manager hin und her. Drei Lieder auslassen, nur noch zwei singen, okay? Das ist den Gesch&amp;auml;ftsinhabern geschuldet, so hatten die nicht gewettet. Sie wollten zwar K&amp;auml;ufer anlocken mit dem Auftritt von J&amp;uuml;rgen Drews, aber nun dr&amp;auml;ngen sich so viele Leute um die B&amp;uuml;hne und auf den G&amp;auml;ngen, dass keiner mehr zu den L&amp;auml;den durchkommt. Schnell d&amp;uuml;rfen noch ein paar Kinder auf die B&amp;uuml;hne, dann Schluss machen, ein paar Fotos, sich umarmen lassen. Autogrammstunde muss ausfallen, sorry, die Security des Einkaufscenters dr&amp;auml;ngt.&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Ich bin ja so ein Klemmi&amp;laquo;&quot;]&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ein Mensch ohne Stopp-Taste&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die gute alte Autogrammstunde hei&amp;szlig;t heute &amp;raquo;Meet and Greet&amp;laquo;. Sieben Leute haben 30 Minuten mit J&amp;uuml;rgen Drews bei einem Preisausschreiben gewonnen, sie sollen ihn im Rahmen seines Auftritts im Magdeburger Einkaufszentrum treffen, im B&amp;uuml;ro des Edeka-Marktleiters. Vielleicht hofften sie, sie k&amp;ouml;nnten ihm Fragen stellen und w&amp;uuml;rden gefragt werden, doch eine halbe Stunde sp&amp;auml;ter werden sie es besser wissen. Drews wird von einem Fahrer am &amp;raquo;Ramada&amp;laquo;-Hotel abgeholt, er wartet telefonierend und einen Apfel essend, seine Schuhe silber, sein schwarzer Anzug mit Nieten am Revers. Er duzt alle, er f&amp;auml;ngt sofort an zu reden. Er dr&amp;uuml;ckt sich gew&amp;auml;hlt aus. Schon im ersten Satz f&amp;auml;llt das Wort &amp;raquo;desavouieren&amp;laquo;, im dritten die Erkenntnis &amp;raquo;tempora mutantur&amp;laquo; und mit den Zeiten, die sich &amp;auml;ndern, meint er Heino. Den fand Drews, 68er, der er war, fr&amp;uuml;her rechtslastig, aber heute sei er ein richtig guter Freund von ihm. Er selbst habe sich ge&amp;auml;ndert, aber Heino auch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Im B&amp;uuml;ro des Marktleiters wird Sekt ausgeschenkt, auf den H&amp;auml;ppchen stecken Zahnstocher mit Trauben. Drews geht gleich auf einen &amp;auml;lteren Mann im grauen Pulli zu, fragt: &amp;raquo;Na, Abteilungsleiter gewesen fr&amp;uuml;her?&amp;laquo; Er erwartet keine Antwort, sondern fragt die Frau, die neben dem Mann sitzt: &amp;raquo;Stimmt doch, oder? Er war doch Abteilungsleiter?&amp;laquo; Dann signiert er ein paar Plakate, m&amp;ouml;chte keine H&amp;auml;ppchen, &amp;raquo;ich bin schlank, war noch nie dick, ich habe nie gedacht, dass ich mal in dieser Tanzzappelbranche landen werde&amp;laquo;. Ein Zusammenhang zwischen den Satzteilen? Manchmal kaum zu erkennen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Keiner hat Drews gefragt, aber er erz&amp;auml;hlt die n&amp;auml;chsten 20 Minuten wie aufgezogen: dass er fr&amp;uuml;her so sch&amp;uuml;chtern war, dass er zwei Jahre sp&amp;auml;ter als andere das Abitur gemacht habe, dann ein kurzer Sprung zur&amp;uuml;ck zu seiner Geburt, da war er ja &amp;raquo;eine Stei&amp;szlig;lage&amp;laquo;, sein Vater, ein Arzt, wollte ihn selbst zur Welt bringen, aber in Berlin waren alle Krei&amp;szlig;s&amp;auml;le zerbombt, &amp;raquo;ich bin Jahrgang 45, m&amp;uuml;sst ihr wissen&amp;laquo;. Schon im n&amp;auml;chsten Satz ist er 16 und trampt im Nyltest-Anzug nach Saint-Tropez, &amp;raquo;da sah ich sehr witzig aus&amp;laquo;, 250 Mark in der Tasche, selbst verdient. Nie musste er lang auf ein Auto warten, das ihn mitnahm, &amp;raquo;vor allem die Schwulen, die sind ja auf mich geflogen&amp;laquo;. Vor Grenoble aber nahm ihn eine Frau mit, die ihn unbedingt bei sich &amp;uuml;bernachten lassen wollte, aber er hatte Angst vor ihr, &amp;raquo;ich war ja so ein Klemmi &amp;ndash; bin ich bis heute&amp;laquo;. Darum hat er sein Zwei-Mann-Zelt auf einem freien Feld aufgestellt, &amp;raquo;es war ja Sommer&amp;laquo;. So also, sagt er, schlie&amp;szlig;t sich der Kreis zu &lt;em&gt;Ein Bett im Kornfeld&lt;/em&gt;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Jedenfalls, so redet er gleich weiter, hat er nach dem Abitur vier Semester Medizin studiert, dann kamen die Les Humphries Singers in den Siebzigern, und als die Gruppe auseinanderfiel, &amp;uuml;berlegte er kurz, sein Medizinstudium wieder aufzunehmen, entschloss sich aber weiter f&amp;uuml;r eine B&amp;uuml;hnenkarriere, denn &amp;raquo;mich einmal pro Woche vor Publikum aufzuplustern, war Therapie f&amp;uuml;r meine Hemmungen. Eigentlich therapiere ich mich bis heute&amp;laquo;. Den Satz, dass er schleswig-holsteinischer Meister im Banjospielen war, schiebt er auch noch irgendwo dazwischen. An welcher Stelle genau, kann man so schnell nicht mitschreiben. Banjo spricht er deutsch aus, nicht &amp;raquo;B&amp;auml;ndscho&amp;laquo;. Irgendwann sagt jemand: &amp;raquo;J&amp;uuml;rgen, dein Auftritt.&amp;laquo; Da steht er eben auf, immer weiterredend. Eine der Gewinnerinnen m&amp;ouml;chte noch ein Foto mit ihm. Kriegt sie. Die anderen bleiben etwas ratlos, jedoch nicht unbeeindruckt zur&amp;uuml;ck. Keiner hat ein H&amp;auml;ppchen gegessen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nach dem Auftritt im Einkaufszentrum f&amp;auml;hrt Drews von Magdeburg mit dem Zug nach Hause, nach Westfalen. Da wohnt er mit Ramona, seiner Frau, und Joelina, 16, seiner Tochter, in zwei H&amp;auml;usern &amp;ndash; ein modernes, ein weniger modernes auf demselben Grundst&amp;uuml;ck. Jeder sei mal in dem einen und dann im anderen Haus, sagt er. Jetzt aber zu Joelina: Also, die will ja auch S&amp;auml;ngerin werden, sie ist so talentiert, hat schon &amp;ndash; halt, kurze Unterbrechung, denn in der Halle des Magdeburger Hauptbahnhofs haben ihn jetzt die Menschen erkannt und rennen auf ihn zu: Passanten, Zeitungsverk&amp;auml;uferinnen, Bundesbahnmitarbeiter in Uniform, &amp;raquo;J&amp;uuml;rgen! J&amp;uuml;rgen!&amp;laquo;, Foto hier, Foto da, gern. Wer noch? Er geht zwei Meter, schon kommen die n&amp;auml;chsten angerannt. Da erkennt er in der Menge einen Fan, eine Frau von Anfang 20. &amp;raquo;Was machst denn du hier?&amp;laquo;, fragt er. &amp;raquo;Na, ich fahre doch &amp;uuml;berallhin, wo du auftrittst&amp;laquo;, antwortet sie. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Kaum einer, der sich hier mit ihm fotografieren l&amp;auml;sst, ist &amp;auml;lter als 25. Und allm&amp;auml;hlich f&amp;uuml;llt sich sein Satz: &amp;raquo;Mit meinen 67 bin ich inzwischen fast immer der &amp;Auml;lteste im Saal&amp;laquo; mit Bedeutung auf. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Jetzt rechts r&amp;uuml;ber an einen winzigen Wurststand, die Frau, die ihm &amp;uuml;berallhin nachreist, darf mit. Bockwurst mit Br&amp;ouml;tchen. Auf der Ablage des Wurststandes f&amp;auml;hrt er seinen Apple-Computer hoch, Ohrst&amp;ouml;psel rein, er sucht das Lied, das er f&amp;uuml;r Joelina komponiert hat, und sie hat gesungen, &amp;raquo;da, h&amp;ouml;r mal&amp;laquo;, er reicht die Ohrst&amp;ouml;psel weiter, &amp;raquo;saugeil, oder?&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;J&amp;uuml;rgen&amp;laquo;, sagt sein Manager am Wurststand, &amp;raquo;dein Zug.&amp;laquo; Gut, ja, Laptop zu, &amp;raquo;ruf mich an, wenn du was brauchst. Wenn du mich nicht erwischst, w&amp;auml;hle statt der Null am Ende die Sechs. Das ist Ramonas Nummer, das ist genauso gut.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; So weit also die stark geraffte Fassung seines Auftritts in Magdeburg. Einer von 200 im Jahr, davon allein 40 auf Mallorca. Hamburg, Berlin, Z&amp;uuml;rich, K&amp;ouml;ln sind dabei, aber genauso Simbach am Inn. Dazu noch 50 bis 60 Fernsehinterviews. &amp;raquo;Machen Sie eigentlich mal Urlaub?&amp;laquo; &amp;ndash; &amp;raquo;Urlaub? Was ist das, wer braucht das?&amp;laquo;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Nur wenige Menschen sind so im Reinen mit sich wie er&quot;]&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie J&amp;uuml;rgen Drews sein&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine Herausforderung: immer irgendwo Glitzer tragen, nicht nur auf der B&amp;uuml;hne, auch privat am T-Shirt oder an den Schuhen; sich die Haare braun f&amp;auml;rben, &amp;raquo;da schau, hier sind sie grau&amp;laquo;; sich notgedrungen damit abgefunden haben, als &amp;raquo; Schlagerfuzzi&amp;laquo; Erfolg zu haben und nicht als Pop- oder Rockmusiker; wird irgendwo eine Kamera gez&amp;uuml;ckt, also st&amp;auml;ndig, folgende Position ein&amp;uuml;ben: mit dem rechten Bein Ausfallschritt nach vorn, rechten Arm nach vorn strecken, Hand ebenfalls, jedoch Ring- und Zeigefinger einklappen, Mund weit auf, grinsen und wieder von vorn; keinen Alkohol trinken, nie, keine Zigaretten rauchen, nie; so bekannt sein wie Angela Merkel; seiner Frau zuliebe in D&amp;uuml;lmen wohnen, denn da stammt sie her; jedem alles sofort und ohne Hemmungen erz&amp;auml;hlen; seit 40 Jahren auf der B&amp;uuml;hne stehen &amp;ndash; dabei nicht eine Spur  zynisch geworden sein in einem zynischen Gewerbe; sich mit 67 bewegen wie ein 30-J&amp;auml;hriger; d&amp;uuml;nn sein wie ein Hochspringer, mit der Kondition eines Marathonl&amp;auml;ufers. Beispiel?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Beispiel: Mallorca, Santa Pon&amp;ccedil;a. An einem Montag im Mai soll um 15 Uhr im Beisein von J&amp;uuml;rgen Drews offiziell sein &amp;raquo;Kultbistro, K&amp;ouml;nig von Mallorca&amp;laquo; f&amp;uuml;r die kommende Schlagersaison wiederer&amp;ouml;ffnet werden. Weil sich aber so viele Radioreporter, Zeitungsredakteure und Fernsehteams angesagt haben, beginnt die Er&amp;ouml;ffnung schon um elf, jeder soll sein Interview, seine Aufnahmen, seine Fotos kriegen. Auch Fans sind eingeladen, Touristen, die gerade auf der Insel sind, Hunderte kommen. Um 15 Uhr gibt es nicht mal mehr einen Stehplatz vor seinem Lokal, die Polizei sperrt die Stra&amp;szlig;e, drinnen steigen die Menschen fast &amp;uuml;bereinander. J&amp;uuml;rgen Drews isst, eingeklemmt zwischen mindestens drei Leuten sitzend, Tomate-Mozzarella, redet dabei, l&amp;auml;chelnd, hat die Ruhe weg. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Irgendwann tritt er auf die kleine B&amp;uuml;hne des Lokals, singt die immer gleichen Lieder in der immer gleichen Reihenfolge, die CD mit dem Halbplayback drauf l&amp;auml;sst nicht viele andere M&amp;ouml;glichkeiten. Pl&amp;ouml;tzlich kommt Ramona auf die B&amp;uuml;hne im engstm&amp;ouml;glichen gestreiften Stretchkleid: &amp;raquo;Was machst du denn hier?&amp;laquo;, fragt er, &amp;raquo;ich dachte, du w&amp;auml;rst beim Zahnarzt.&amp;laquo; Dann kriegt er vor R&amp;uuml;hrung feuchte Augen, zieht sie eng an sich heran. RTL hat sie heimlich eingeflogen, &amp;Uuml;berraschung gegl&amp;uuml;ckt.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bis acht Uhr abends dauert der Ansturm in seinem Bistro, er singt noch mal drau&amp;szlig;en f&amp;uuml;r die Leute, die auf der Stra&amp;szlig;e warten. Nach neun Stunden legt er sich in seinem Haus um die Ecke ins Bett, ein paar Stunden schlafen. Um zwei Uhr nachts geht&amp;rsquo;s ja erst richtig los. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Um halb ein Uhr f&amp;auml;hrt er mit seinem gelben Cabrio am Ballermann vor. Ab jetzt bis Ende September tritt er, der &amp;raquo;K&amp;ouml;nig von Mallorca, der Prinz von Arenal&amp;laquo; immer in der Nacht von Montag auf Dienstag im Megapark auf. Ein DJ k&amp;uuml;ndigt ihn an, 1000 sehr junge Leute jubeln, &amp;raquo;im Hochsommer sind es dreimal so viel&amp;laquo;, sagt sein Manager. Drews holt ein Dutzend junger Frauen auf die B&amp;uuml;hne, die glucksen selig. Eine Zugabe, Auftritt gegen drei Uhr beendet. Und nun wieder: Fotos machen, sich anfassen lassen, Autogramme geben. Und man denkt unwillk&amp;uuml;rlich: K&amp;auml;me nicht gegen vier einer der Organisatoren und sagte: &amp;raquo;Komm, J&amp;uuml;rgen, jetzt ist es genug&amp;laquo;, er w&amp;uuml;rde wohl immer noch bleiben und sich zur Not selbst Autogramme schreiben. Feierabend, eher unfreiwillig, nach 18 Stunden Vollprogramm.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Lernen von J&amp;uuml;rgen Drews&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;a: Nur wenige Menschen sind so im Reinen mit sich wie er. &lt;br /&gt; b: Er geh&amp;ouml;rt zu den wenigen Stars, die sich auf der B&amp;uuml;hne genauso geben wie hinter oder vor der B&amp;uuml;hne. Oder ist er sogar der Einzige?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ramona&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es gibt eine bekannte Geschichte &amp;uuml;ber J&amp;uuml;rgen Drews und seine Frau Ramona, die ist ziemlich eklig, und eine eher unbekannte, die ist ziemlich r&amp;uuml;hrend.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die ziemlich eklige: das Verspritzen von Muttermilch in einer Talkshow des Schweizer Fernsehens, ja, echt. Die Vorgeschichte dazu erz&amp;auml;hlt J&amp;uuml;rgen Drews so: Jahrelang wurde er bei seinen Auftritten mit dem immer selben Schlachtgesang begr&amp;uuml;&amp;szlig;t: &amp;raquo;J&amp;uuml;rgen Drews ist homosexuell, homosexuell, homosexuell. Schwul!&amp;laquo; Egal, wo er hinkam &amp;ndash; dieser Schlachtgesang. Wie man den abstellt? Gute Frage. Sicher nicht, indem &amp;raquo;ich sage, ich bin nicht homosexuell, ich bin sehr gl&amp;uuml;cklich verheiratet. Da mache ich mich doch nur l&amp;auml;cherlich.&amp;laquo; Dann endlich die Idee, in die er Ramona nicht einweiht, sagt er. In der Live-Talkshow geht es prompt um Ramonas operativ vergr&amp;ouml;&amp;szlig;erte Brust und dass man mit einem k&amp;uuml;nstlichen Busen doch nicht mehr stillen k&amp;ouml;nne. Das war das Stichwort. Drews sagt: &amp;raquo;Komm, Schatz, zeig!&amp;laquo;, Ramona holt ihre Brust aus der Bluse, dr&amp;uuml;ckt drauf, und ein paar Spritzer Muttermilch schie&amp;szlig;en durchs Studio. Skandal! Riesenschlagzeilen. Aber seither kein Schlachtgesang mehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die r&amp;uuml;hrende Geschichte: Sie begegnen sich zum ersten Mal, als Ramona 16 ist, sie lieben sich, seit sie 18 ist. Zum ersten Mal gesehen haben sie sich bei einer Misswahl, bei der Ramona teilnahm und die J&amp;uuml;rgen Drews moderierte. Ein Jahr sp&amp;auml;ter, purer Zufall, eine andere Misswahl, diesmal an der Ostsee, bei der Ramona, nun 17, teilnahm, als sie mit ihren Eltern Ferien auf dem nahen Campingplatz machte. J&amp;uuml;rgen Drews erinnerte sich aber nicht an sie. Wieder ein Jahr sp&amp;auml;ter, wieder Moderation Drews an der Ostsee, wieder Teilnahme Ramona. Nun erkannte er sie, sie ist 18 und drittes Kind des Lebensmittelh&amp;auml;ndlers in D&amp;uuml;lmen, er 46 und geschieden, da hat es gefunkt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wenn sie nebeneinander sitzen, halten sie immer H&amp;auml;ndchen, bis heute, streicheln sich, nennen sich abwechselnd &amp;raquo;mein Herz, mein Schatz, mein Engel&amp;laquo;. Ramona hat etwas Patentes. Darauf kommt man nicht sofort, wenn man sie sieht, sehr blond gef&amp;auml;rbte Haare, sehr viel Klimperschmuck an den Armen, Goldkettchen an der Jeans, k&amp;uuml;nstliche Fingern&amp;auml;gel. Sie sagt: &amp;raquo;J&amp;uuml;rgen war der erste und einzige Mann, den ich gek&amp;uuml;sst habe und mit dem ich im Bett war. Und das wird auch so bleiben.&amp;laquo; Sie ist jetzt 39.&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Der A-Promi unter den B-Promis&quot;]&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Den roten Teppich beherrschen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wieder Mallorca, Ballermann, am ersten Sonntag im Mai. Gro&amp;szlig;e Er&amp;ouml;ffnung der Schlagersaison im Megapark, schr&amp;auml;g gegen&amp;uuml;ber der Konkurrenz, dem &amp;raquo;Bierk&amp;ouml;nig&amp;laquo;. Viel Prominenz und Halbprominenz hat sich angesagt. Die, die singen, werden sp&amp;auml;ter mit je drei Liedern auftreten. Zuvor werden sie nacheinander &amp;uuml;ber den roten Teppich geschleust, je sp&amp;auml;ter einer drankommt, desto prominenter ist er. J&amp;uuml;rgen Drews und DJ &amp;Ouml;tzi kommen als Letzte. Fernsehkameras, Blitzlichter, Reporter, 50, 60, eher mehr, Absperrgitter zu den normalen Zuschauern. Gina Lisa, ein bisschen bekannt aus &lt;em&gt;Germany&amp;rsquo;s Next Topmodel&lt;/em&gt;, geht &amp;uuml;ber den Teppich, Daniel Lopes, einst Finalist bei&lt;em&gt; DSDS&lt;/em&gt;, Micaela Sch&amp;auml;fer, einst &lt;em&gt;Dschungelcamp&lt;/em&gt;, auch, dazu viele Gesichter, die man kennt, zu denen einem aber weder ein Name noch sonst etwas einf&amp;auml;llt. Und man ertappt sich dabei, dass man nachts wohl zu oft durch VOX-RTL-ProSieben-kabeleins gezappt hat. Und: Der Ballermann mit seinen Feierhallen, so gro&amp;szlig; wie Oktoberfestzelte, ist ein ziemlich guter Zweitverwerter f&amp;uuml;r Menschen, die es mal in Castingshows bis ins Finale gebracht haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dass dann am Ende der Promireihe J&amp;uuml;rgen Drews kommt, h&amp;ouml;rt man schon daran, dass vor dem Eingang die Menschen seinen Namen br&amp;uuml;llen. Alles wie gehabt. Kurz davor betritt DJ &amp;Ouml;tzi den roten Teppich, wei&amp;szlig;e M&amp;uuml;tze, wei&amp;szlig;e Daunenjacke, sagt ins Mikrofon, er freue sich jetzt, wieder regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig hier zu singen, winkt kurz, gibt ein paar Interviews, verschwindet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; J&amp;uuml;rgen Drews steht eineinhalb Stunden sp&amp;auml;ter immer noch auf dem roten Teppich,  man kennt das langsam: Fotos, Autogramme, anfassen, Fragen, Interviews. Noch einer ohne? Bitte sch&amp;ouml;n, hier, gern. DJ &amp;Ouml;tzi sitzt derweil mit seinem Manager im ersten Stock und raucht und wartet auf seinen Auftritt. Fragt man J&amp;uuml;rgen Drews, warum er sich so unendlich viel Zeit nimmt f&amp;uuml;r Fans und Interviews, sagt er, weil es um die Fans gehe und irgendwas muss er ja tun, bis er mit seinem Auftritt dran ist. Das sollte DJ &amp;Ouml;tzi auch mal h&amp;ouml;ren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Schlussgedanken&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;ndash; Man muss J&amp;uuml;rgen Drews nicht m&amp;ouml;gen, aber wenn man ihn ein wenig kennt, mag man ihn mehr als zuvor. Er ist der A-Promi unter der B-Prominenz.&lt;br /&gt; &amp;ndash; Was ihn nach 40 Jahren auf der B&amp;uuml;hne immer noch treibt? Das Geld eher nicht, davon m&amp;uuml;sste er genug haben. Wie viel er pro Auftritt verdient, mag sein Manager nicht &amp;ouml;ffentlich sagen. Vielleicht kann man sich so rauswinden: In der Berliner B.Z. stand, man h&amp;ouml;re, Drews bekomme f&amp;uuml;r jeden Auftritt im Megapark von Mallorca 9000 Euro.&lt;br /&gt; &amp;ndash; Was also treibt ihn immer noch? Mag sein, das: Drews geht es wie einem Taxifahrer. Der bekommt am Ende der Schicht immer Bargeld auf die Hand, nicht am 24. des Monats Zahlen auf Computerausdrucken. J&amp;uuml;rgen Drews bekommt sein Bares auch sofort: Aufmerksamkeit, Anerkennung. Wann immer er auf die Stra&amp;szlig;e geht, wo immer er auftritt, er kann sich den Applaus live abholen.&lt;br /&gt; &amp;ndash; Bei J&amp;uuml;rgen Drews&amp;rsquo; Liedern soll jeder mitsingen oder -gr&amp;ouml;len k&amp;ouml;nnen. So sind sie gestrickt. Wer das bel&amp;auml;chelt, muss auch das Oktoberfest bel&amp;auml;cheln. Am Ballermann herrscht jeden Sommertag und jede Sommernacht eine Stimmung wie beim Oktoberfest im Bierzelt. Auch da singen alle Lieder wie &lt;em&gt;Sierra Madre&lt;/em&gt; mit, Musik, von denen die meisten behaupten, sie w&amp;uuml;rden sie nie freiwillig h&amp;ouml;ren.&lt;br /&gt; &amp;ndash; Viele verachten Schlager- oder Volkss&amp;auml;nger und ihr Publikum gleich dazu. Sind alles Trottel. Was grade noch geht: Wenn ein Schlagers&amp;auml;nger &amp;ouml;ffentlich wahnsinnig drunter leidet, dass er Schlager singen muss &amp;ndash; wie Roy Black das getan hat. J&amp;uuml;rgen Drews w&amp;auml;re auch lieber als Pop- oder Rocks&amp;auml;nger bekannt geworden. Nun h&amp;ouml;ren halt die Leute lieber seine Schlager &amp;ndash; soll ihm auch recht sein. &lt;br /&gt; &amp;ndash; Allm&amp;auml;hlich bekommt J&amp;uuml;rgen Drews einen Coolness-Faktor, das merkt er selbst, sagt er. Dahinter versteckt sich wohl die Bewunderung f&amp;uuml;r einen, der es schafft, sich 40 Jahre in diesem launischen, oft missg&amp;uuml;nstigen Gesch&amp;auml;ft zu halten und immer noch derselbe zu sein &amp;ndash; der J&amp;uuml;rgen Drews, der nicht aufh&amp;ouml;ren kann zu reden und Autogramme zu schreiben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;em&gt;&lt;strong&gt;J&amp;uuml;rgen Drews&lt;/strong&gt; Nat&amp;uuml;rlich wollte J&amp;uuml;rgen Drews, geboren im April 1945, f&amp;uuml;r etwas anderes ber&amp;uuml;hmt werden als f&amp;uuml;r deutsche Schlager. Pop wollte er machen, besser noch Rock &amp;rsquo;n&amp;rsquo; Roll. Nun h&amp;auml;lt er sich seit bald 40 Jahren &amp;ndash; am Schlagerhimmel. Und ist dort ein ziemlich gro&amp;szlig;er Stern. Seine bekanntesten Lieder: &lt;/em&gt;Ein Bett im Kornfeld, Wenn die Wunderkerzen brennen, Ich bau Dir ein Schloss&lt;em&gt;. Allein dieses Lied hat sich j&amp;uuml;ngst 150 000-mal verkauft. Seine erste Band hie&amp;szlig; &amp;raquo;Schnirpels&amp;laquo;, er war Mitglied der Les Humphries Singers, nach deren Aufl&amp;ouml;sung in den Siebzigern machte er allein weiter. Seit den Neunzigerjahren hat er auf dem Ballermann Erfolg als &amp;raquo;K&amp;ouml;nig von Mallorca&amp;laquo;. Und inzwischen gilt er sogar als ein bisschen cool.&lt;/em&gt;</description>
    <dc:subject>Einer für alle</dc:subject>
    <dc:creator>Susanne Schneider</dc:creator>
    <dc:date>2012-06-25T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

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    <title>»Mit einem Baby ist man wieder jung«</title>
    <description>&lt;p&gt;Charlotte Gainsbourg ist ber&amp;uuml;hmt als Tochter, Schauspielerin und S&amp;auml;ngerin.      Nun ist ihr drittes Kind geboren &amp;ndash; hier spricht sie &amp;uuml;ber ihren Wunsch,      die Zeit anzuhalten.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/43359.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt; Charlotte Gainsbourg ist gerade 40 geworden, hat die CD &amp;raquo;Stage &lt;/em&gt;&lt;em&gt;Whisper&amp;laquo; herausgebracht, in der Jury der Berlinale gesessen und ihr drittes Kind      bekommen. Die Tochter von Jane Birkin und Serge Gainsbourg hat zwei      Halbschwestern, die von anderen V&amp;auml;tern sind.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;SZ-Magazin: Frau Gainsbourg, als ich dem Taxifahrer eben erz&amp;auml;hlte, dass ich Sie treffe, sagte er: &amp;raquo;Ach, Charlotte Gainsbourg. Alle M&amp;auml;nner in Frankreich sind verliebt in sie, alle Frauen wollen sein wie sie.&amp;laquo;&lt;br /&gt; Charlotte Gainsbourg:&lt;/strong&gt; Oh, das ist sehr schmeichelhaft. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sind der Inbegriff der Franz&amp;ouml;sin. K&amp;ouml;nnen Sie mir etwas &amp;uuml;ber diesen Mythos der franz&amp;ouml;sischen Frauen erz&amp;auml;hlen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, sie haben wirklich weltweit einen unglaublichen Ruf. Aber ich wei&amp;szlig; nicht, ob der zeitgem&amp;auml;&amp;szlig; ist, ob wir ihm noch gerecht werden. Eleganz geh&amp;ouml;rte ja dazu, eine gewisse k&amp;uuml;nstlerische Attit&amp;uuml;de, St. Germain. Ich glaube, es ist nicht mehr so.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und doch, wenn ich durch Paris spaziere, sehe ich unglaublich viele elegante Frauen. Und sie sind es auf eine sehr entspannte, fast nachl&amp;auml;ssige Art. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nat&amp;uuml;rlich, verglichen mit amerikanischen Frauen zum Beispiel. Die stecken ja sehr viel Arbeit in ihr &amp;Auml;u&amp;szlig;eres. Ich finde es pers&amp;ouml;nlich etwas &lt;em&gt;over the top&lt;/em&gt;, ich mag Nat&amp;uuml;rlichkeit lieber. Franz&amp;ouml;sische Frauen sehen gern gut aus, aber sie bem&amp;uuml;hen sich nicht so sehr. Ich wei&amp;szlig; nicht, wie es in Deutschland ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Da geht es oft um Bequemlichkeit. Viele Frauen haben zum Beispiel keine Lust, sich einen ganzen Tag in High Heels anzutun. Zu anstrengend. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aha? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie franz&amp;ouml;sisch sind Sie eigentlich? Wie stark war der englische Einfluss Ihrer Mutter Jane Birkin? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe mich immer sehr angezogen gef&amp;uuml;hlt von der englischen Kultur, aber prim&amp;auml;r bin ich Franz&amp;ouml;sin. Franz&amp;ouml;sisch ist meine Muttersprache, ich f&amp;uuml;hle mich authentischer in Frankreich. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sprach Jane Birkin immer Franz&amp;ouml;sisch mit Ihnen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, mit vielen Fehlern. Mein Vater verstand kein Englisch, und er wollte nicht, dass wir eine Geheimsprache haben.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Haben Sie &lt;em&gt;Der Konflikt&lt;/em&gt; von Elisabeth Badinter gelesen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Darin beschreibt sie franz&amp;ouml;sische Frauen als M&amp;uuml;tter, die sich weniger von diesem Zwang zur Nat&amp;uuml;rlichkeit beeindrucken lassen als Frauen anderer Nationen. Sie haben weniger Hemmungen, nicht zu stillen, gehen sehr schnell wieder arbeiten nach der Geburt. Wie war das bei Ihnen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich bin nat&amp;uuml;rlich sehr privilegiert. Wenn ich arbeite, arbeite ich zwar viel, aber ich habe immer wieder Phasen, wo ich mich ausschlie&amp;szlig;lich den Kindern widmen kann. Vor sechs Monaten hab ich mein drittes Kind gekriegt. Jetzt bin ich gl&amp;uuml;cklich, dass ich mich einfach zur&amp;uuml;ckziehen konnte. Aber noch mal, es ist eine privilegierte Situation: Ich muss nicht arbeiten, geldm&amp;auml;&amp;szlig;ig. Also kann ich ruhig warten, bis ein gutes Projekt kommt.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn Sie arbeiten, nehmen Sie das Baby dann mit? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, das habe ich schon mit den anderen Kindern so gemacht. Es h&amp;auml;ngt vom Film ab &amp;ndash; zu Sachen wie &lt;em&gt;Antichrist&lt;/em&gt; nehme ich sie nicht mit. Aber bei meinen Konzerten sind sie die meiste Zeit bei mir, ich muss nur ein bisschen schauen wegen der Schulferien. Meine anderen Kinder sind ja schon gro&amp;szlig;, 14 und neun. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und dann noch eine Nachz&amp;uuml;glerin. Ein gro&amp;szlig;er Abstand! &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich mag gro&amp;szlig;e Abst&amp;auml;nde. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie stark definiert Sie das Muttersein? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich mag es nicht, mich zu definieren. Ich habe ein Problem damit, mich als S&amp;auml;ngerin zu sehen, genauso schwierig finde ich das Label Schauspielerin oder eben Mutter. Ich bin, wer ich bin, dank meiner Kinder. Sie haben meine Sicht auf die Welt ver&amp;auml;ndert.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Als mein Vater starb, war ich lange, lange Zeit am Boden. Dann kam mein Sohn auf die Welt, und ich konnte mich erstmals wieder auf das Leben konzentrieren. Mein Partner sagt auch, mein Gesicht habe sich dadurch ver&amp;auml;ndert. Es sei offener geworden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber geheiratet haben Sie bisher nicht. Warum? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es gibt einfach keinen Grund f&amp;uuml;r uns. Das Konzept bedeutet mir nichts. Ich wurde nicht dazu erzogen, vom wei&amp;szlig;en Kleid zu tr&amp;auml;umen, von der Zeremonie, im Gegenteil, Hochzeiten machen mich traurig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wieso traurig? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich denke immer, wie ist wohl der n&amp;auml;chste Morgen? Man wacht auf nach der Party und: Wir sind verheiratet. Entsetzlich. Vielleicht hat es aber auch mit Aberglauben zu tun &amp;ndash; es l&amp;auml;uft so gut bei mir und meinem Partner, dass ich nichts &amp;auml;ndern m&amp;ouml;chte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Lesen Sie Erziehungsratgeber? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, ich bin schlecht im Erziehen. Ich versuche eher, Dinge zu vermeiden. Zum Beispiel Fernsehen, Computer, Kaufzwang, all diese Sachen heutzutage, mit denen wir als Erwachsene einigerma&amp;szlig;en umgehen k&amp;ouml;nnen, aber f&amp;uuml;r Kinder &amp;hellip; Ich wei&amp;szlig; nicht, auch Facebook und so &amp;ndash; mir macht das Angst. F&amp;uuml;r die Kinder ist es nat&amp;uuml;rlich ganz normal, aber ich bin misstrauisch. Ich bin altmodisch. Ich h&amp;auml;nge an dem Gedanken, dass man miteinander redet und B&amp;uuml;cher liest. Ich versuche also, sie davon abzuhalten, scheitere aber nat&amp;uuml;rlich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was ist das Wichtigste, was ein M&amp;auml;dchen heute lernen muss? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich glaube, M&amp;auml;dchen sollten wissen, dass es Frauen nicht leicht hatten, dahin zu kommen, wo sie heute sind. So lernen sie auch, worauf sie ein Anrecht haben, worauf sie bestehen k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Die Jugend wei&amp;szlig; das Jungsein nicht zu sch&amp;auml;tzen&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/43361.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;em&gt;Szene aus dem Film &amp;raquo;Antichrist&amp;laquo;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sind Sie eine Feministin? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;In meiner Familie bin ich oft die, die sich auf die Seite der Frauen stellt, die hochh&amp;auml;lt, dass man stolz sein kann, eine Frau zu sein, dass Frauen stark sind. Aber ich finde, aktivistischer Feminismus hat oft etwas L&amp;auml;cherliches. Obwohl es durchaus Dinge gibt, f&amp;uuml;r die wir noch k&amp;auml;mpfen m&amp;uuml;ssen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zum Beispiel?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Na, nat&amp;uuml;rlich Lohngleichheit, die M&amp;ouml;glichkeit, zu arbeiten und doch Kinder zu haben &amp;ndash; es gibt noch vieles.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sind Sie und Ihr Partner gleich eingebunden in das Aufziehen  der Kinder? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Von der Verantwortung her schon. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Er ist altmodisch, obwohl er jung ist. Aber es st&amp;ouml;rt mich nicht, dass er zum Beispiel nicht gern in den Park geht oder kocht oder badet mit den Kindern, weil ich diese Sachen unheimlich gern mache.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Die Regisseurin Christine Vachon sagte mal, ihr falle auf, dass viele Schauspielerinnen ganz aufh&amp;ouml;ren oder weniger ehrgeizig werden, wenn sie Kinder kriegen. Wie sehen Sie das?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Nun ja. Es gibt halt immer etwas, was Priorit&amp;auml;t hat. Bei mir war es zum Beispiel nie der Job, es war immer der Partner oder Verliebtsein oder so etwas. Und nat&amp;uuml;rlich, wenn man Kinder kriegt, verschiebt sich der Fokus. Aber man kriegt beides hin, Job und Familie, und es bedeutet nicht, dass man weniger hart arbeitet. Im Gegenteil. Jetzt mache ich Filme nur noch, wenn ich wirklich enthusiastisch bin. Aber mir f&amp;auml;llt auf, dass ein paar Schauspielerinnen, die ich sehr mag, von der Bildfl&amp;auml;che verschwunden sind. Es kann allerdings damit zu tun haben, dass man in Amerika ab 40, 45 nicht mehr so viele Jobs kriegt. Da bin ich dankbar, dass ich Franz&amp;ouml;sin bin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist es anders, mit Regisseurinnen zu arbeiten? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, sehr. Das Spiel ist anders, die Verf&amp;uuml;hrung. Es hat etwas Komplizenhaftes. Weniger mysteri&amp;ouml;s als mit M&amp;auml;nnern. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;So, und jetzt reden wir &amp;uuml;ber Ihr Alter. Sie sind 40 geworden. Gut oder schlimm?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich hatte schreckliche Angst vor diesem Geburtstag. Ich habe mich die letzten f&amp;uuml;nf Jahre davor gef&amp;uuml;rchtet, vor dem Gewicht dieser Zahl, es war ein Albtraum. Meine Kinder haben mich die ganze Zeit aufgezogen, ich war wirklich sehr humorlos, was dieses Thema angeht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie gefeiert? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, nein, gar nicht. Aber es ging ja dann. Ich musste feststellen: Es hat sich nichts ge&amp;auml;ndert. Ich habe nicht &amp;uuml;ber Nacht neue Falten gekriegt oder so. Es ist vollbracht, es ist okay. Was mir aber sehr geholfen hat, war, dass ich kurz davor noch ein Baby bekommen habe. Ich war abgelenkt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;F&amp;uuml;hlt man sich jung, wenn man Mutter wird? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Absolut! Und das auch beim dritten Kind! Es ist ein Mysterium. Mit einer Geburt kommt so eine Naivit&amp;auml;t, eine Unschuld zur&amp;uuml;ck. Man entdeckt das Leben wieder neu. Man lacht wieder viel, spielt wieder, man ist wieder jung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Hat sich diese Schwangerschaft mit 40 von denen mit 25 oder 30 unterschieden? &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Nat&amp;uuml;rlich, jede war anders. Aber ich war jetzt nicht m&amp;uuml;der oder so, falls Sie das meinen. Ich habe mich fantastisch gef&amp;uuml;hlt, es war wundersch&amp;ouml;n. Ich habe sie auch ganz bewusst genossen, weil ich denke, es war vielleicht meine letzte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Vielleicht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich h&amp;auml;tte gern noch ein Kind. Aber vielleicht bin ich dann doch irgendwann zu alt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie generell ein Problem mit Zeit, mit Verg&amp;auml;nglichkeit? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, sehr. Zeit macht mich nerv&amp;ouml;s. Kinder, die so schnell gro&amp;szlig; werden, alles geht so schnell vorbei &amp;hellip; ich m&amp;ouml;chte die Zeit anhalten.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie gehen Sie mit dem k&amp;ouml;rperlichen Aspekt des &amp;Auml;lterwerdens um? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es ist schwer. Es gef&amp;auml;llt mir  nicht zu sehen, wie Menschen altern. Es macht mich traurig. Wenn ich einen 60-j&amp;auml;hrigen Schauspieler sehe, der sehr charmant sein kann, und ich wei&amp;szlig;, wie er mit 30 aussah, dann macht mich das traurig. Ich finde Jugend einfach sch&amp;ouml;n. Jugend hat auch einen h&amp;auml;sslichen Aspekt, weil die Jugend die Jugend nicht zu sch&amp;auml;tzen wei&amp;szlig;, aber mir gef&amp;auml;llt diese Frische. Nat&amp;uuml;rlich kann eine 40-J&amp;auml;hrige auch sehr sch&amp;ouml;n sein, aber es geht halt doch laaaangsam abw&amp;auml;rts.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Dann muss es Ihnen sehr entgegenkommen, dass Sie offenbar f&amp;uuml;r immer aussehen wie eine 15-J&amp;auml;hrige. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, nein, nein, das stimmt nicht. Das Schlimme ist, dass alle diese Klischees stimmen von wegen &amp;raquo;Aber ich f&amp;uuml;hle mich so jung!&amp;laquo; Ich f&amp;uuml;hle mich total jung! Aber ich sehe mein Alter durchaus. Das ist auch belastend als Schauspielerin, man muss sich ja die ganze Zeit anschauen. Beim Musikmachen kann man das Alter vergessen. Aber im Film oder bei Fototerminen &amp;ndash; die ganzen Retuschen! Ich meine, es ist ja nett, ein bisschen was zu machen, ein paar Falten weg und so, aber jetzt sehen die Leute in den Magazinen aus wie tot. Es ist uns nicht mehr erlaubt, &amp;auml;lter zu werden und ein eigenes Gesicht zu haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es irgendetwas Gutes am &amp;Auml;lterwerden? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Du wei&amp;szlig;t langsam, wer du bist und was du kannst. Und was nicht. &lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Mit einem Baby ist man wieder jung«</dc:subject>
    <dc:creator>Michèle Roten (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2012-03-26T12:00:00+01:00</dc:date>
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  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37121">
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    <title>Der müde Bulle</title>
    <description>&lt;p&gt;In den      letzten Jahren hat es den Schauspieler Ottfried Fischer schwer      erwischt: Parkinson, Kleinkriege mit den Boulevard-Medien, Skandalvideos. Aufh&amp;ouml;ren, k&amp;uuml;rzertreten, weitermachen? Jetzt muss      er sich entscheiden.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/43159.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt; Es g&amp;auml;be f&amp;uuml;r Ottfried Fischer viele Gr&amp;uuml;nde, schwarzzusehen. Das      Pflaster an der linken Hand geh&amp;ouml;rt eher nicht dazu. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aachen, mitten im Karneval. Ottfried Fischer bekommt den Orden wider den tierischen Ernst, das &amp;raquo;wider&amp;laquo; ist nat&amp;uuml;rlich albern, der Verein, der den Orden vergibt, nimmt seine Aufgabe tierisch ernst. Im Foyer des Eurogress-Centers h&amp;auml;ngen Bilder der fr&amp;uuml;heren Ordenstr&amp;auml;ger, manche von ihnen sind da, Theo Waigel, J&amp;uuml;rgen R&amp;uuml;ttgers. Sogar ein Mitglied der Bundesregierung, Gesundheitsminister Daniel Bahr, immerhin. Die Ordensverleihung ist hier das wichtigste gesellschaftliche Ereignis, der Wiener Opernball Aachens. Die G&amp;auml;ste schreiten &amp;uuml;ber den roten Teppich, kaum Faschingskost&amp;uuml;me, daf&amp;uuml;r Fracks und Ballkleider.  1250 G&amp;auml;ste, volles Haus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mitten im Gew&amp;uuml;hl Ottfried Fischer, ein Sitzplatz direkt am Mittelgang, damit die Kameram&amp;auml;nner ihn so oft wie m&amp;ouml;glich aus der N&amp;auml;he filmen k&amp;ouml;nnen, mehr als vier Millionen Zuschauer wird die Aufzeichnung zwei Tage sp&amp;auml;ter in der ARD haben, sie werden ihn aus allern&amp;auml;chster N&amp;auml;he sehen k&amp;ouml;nnen, jede Schwei&amp;szlig;perle, jede Falte, das hier ist kein Filmdreh, hier steht keine Maskenbildnerin bereit, um das N&amp;ouml;tigste zu ordnen. Mit Fischer am Tisch Familie und Freunde, sein Assistent und Fahrer, seine Pressemanagerin, seine T&amp;ouml;chter Lara und Nina, 20 und 15 Jahre alt, deren Freunde. Die Show hat noch nicht begonnen, da macht Fischer schon einen abgek&amp;auml;mpften Eindruck. Seine Haare kleben wirr am Kopf, er atmet schwer und blickt ziellos durch den Saal. Sp&amp;auml;ter wird er erz&amp;auml;hlen, dass das Tagesprogramm viel zu anstrengend war, &amp;raquo;die Strapaze war an der Grenze. Am Tag vorher &lt;em&gt;Ottis Schlachthof&lt;/em&gt;, dann um halb f&amp;uuml;nf aufgestanden, um halb sechs zum Flughafen, den ganzen Tag Termine. Und dann musste ich da ewig sitzen...&amp;laquo; Sein Flugzeug hatte Versp&amp;auml;tung, das hat alles durcheinandergebracht, eine PR-Dame erkl&amp;auml;rt, der Besuch beim B&amp;uuml;rgermeister wurde sogar abgesagt, damit, wie die PR-Frau erkl&amp;auml;rt, &amp;raquo;der Programmpunkt Bad in der Menge wie geplant stattfinden&amp;laquo; konnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Fischer sitzt jetzt also mittendrin, auf der B&amp;uuml;hne B&amp;uuml;ttenredner, Tanztruppen, Komiker &amp;ndash; leider marschiert alle paar Minuten irgendein Trachtenzug durch den Saal, dann stehen alle G&amp;auml;ste auf und klatschen im Rhythmus der Musik. Fischer tut sich nicht leicht mit dem Aufstehen. Wenn die Narren kommen, wartet er jedes Mal ab, ob er sitzen bleiben kann, dann nimmt er doch ein paarmal Schwung und steht auf &amp;ndash; und genau dann ist der Moment auch schon wieder vorbei, alle setzen sich, nur Fischer steht dann als Einziger, eine Insel im Meer der Narren. Daniel Bahr, der junge Gesundheitsminister, sitzt gleich am n&amp;auml;chsten Tisch, R&amp;uuml;cken an R&amp;uuml;cken mit Fischer, und zuckt jedes Mal, hin- und hergerissen, ob er ihm unter die Arme greifen soll oder ob das ein unw&amp;uuml;rdiges Bild ergeben k&amp;ouml;nnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Fischers Entourage am&amp;uuml;siert sich hervorragend, man lacht und singt und prostet sich zu, Fischer aber sitzt so, dass er sich von seinen Leuten wegdrehen muss, wenn er das Geschehen auf der B&amp;uuml;hne im Blick behalten will. Er wirkt dadurch merkw&amp;uuml;rdig einsam, mitten in diesem Menschengewirr. Und bevor er selbst auf die B&amp;uuml;hne darf, muss er erst mal drei Stunden lang ertragen, dass sieben, acht, neun Komiker nacheinander auf die B&amp;uuml;hne kommen und jeder, wirklich jeder Witze &amp;uuml;ber Fischer macht. Guido Cantz sagt bei seinem Auftritt, mit Ottfried Fischer bekomme man ja viel Preistr&amp;auml;ger f&amp;uuml;r wenig Orden. Und dann: &amp;raquo;Er ist ein Superpreistr&amp;auml;ger, viel tr&amp;auml;ger geht&amp;rsquo;s ja eigentlich nicht.&amp;laquo; Das Publikum lacht dieses Mann-ist-der-frech!-Lachen, Fischer grinst schief.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Als er am Ende endlich auf die B&amp;uuml;hne darf, um den Orden entgegenzunehmen, ist der Saal nahezu sauerstofffrei. Er nestelt einen Sto&amp;szlig; Papiere aus der Anzugtasche &amp;ndash; und beginnt eine konfuse Rede. Er nuschelt, er bringt die S&amp;auml;tze durcheinander. Es geht um Guttenberg, den Ordenstr&amp;auml;ger des Vorjahres, um Aachen, um Gelfrisuren und Kohl, r&amp;auml;tselhafterweise auch um die &lt;em&gt;Odyssee&lt;/em&gt;. An den Tischen ratlose Gesichter. Es ist unm&amp;ouml;glich, Fischer zu folgen, er bricht ab, sortiert seine Zettel neu, f&amp;auml;ngt eine andere Geschichte an, sucht nach dem n&amp;auml;chsten Zettel. Stille. Den Ordensverleihern auf der B&amp;uuml;hne gefriert das L&amp;auml;cheln, bei Waigel und R&amp;uuml;ttgers dasselbe. Die Musiker der Kapelle schauen sich hilflos an, sie finden keine Stelle, an der sie das klassische T&amp;auml;-T&amp;auml;h spielen k&amp;ouml;nnten, das sonst auf jede Pointe folgt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sp&amp;auml;ter wird Fischer sagen, ja, das sei nicht ganz optimal gelaufen. So etwas passiert ihm mittlerweile immer &amp;ouml;fter. Er redet undeutlich, er verliert den Faden. Auch ein paar Wochen zuvor, bei einer Aufzeichnung von &lt;em&gt;Ottis Schlachthof&lt;/em&gt; in M&amp;uuml;nchen: In seinem Monolog waren einzelne W&amp;ouml;rter zu finden, die nach Politik und Humor klangen, aber sie f&amp;uuml;gten sich nicht zu einem Ganzen, die Assistenten, die ihm hinter der Kamera die Schilder mit den Stichworten entgegenhielten, rollten die Augen, aber dem Publikum war es egal, in Bayern lieben die Menschen ihren Ottfried Fischer, auch wenn da mal ein Witz untergeht. In Aachen dagegen: Ratlosigkeit. Die Menschen kennen Fischer aus seinen TV-Serien, sie bringen die schlagfertigen Figuren vom Bildschirm nicht mit dem fahrigen Mann da vorn zusammen. Irgendwann murmelt Fischer etwas von Christian Wulff, dann ruft er unvermittelt: &amp;raquo;H&amp;ouml;rt auf, die Menschen zu jagen f&amp;uuml;r eine Schlagzeile! Ich wei&amp;szlig;, wovon ich rede!&amp;laquo; Zum ersten Mal Applaus, es wird klar: Im Kampf Fischer gegen die &lt;em&gt;Bild&lt;/em&gt;-Zeitung halten die Menschen zu ihm. Es wird auch klar: Die G&amp;auml;ste sind dankbar, dass sie einen Anlass zum Klatschen finden.&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Krankheit und Medikamente haben seine Gesichtsz&amp;uuml;ge ausgebremst&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/43161.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;em&gt;Fischer braucht jetzt &amp;ouml;fter ruhige Momente, wie hier im Kurzentrum von Bad F&amp;uuml;ssing. Denn der Stress, die Medien, die Krankheit &amp;ndash; all das zieht ihm manchmal schier die F&amp;uuml;&amp;szlig;e weg.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Schlie&amp;szlig;lich geht Fischer zu seinem Platz zur&amp;uuml;ck. Ein paar Aachener Honoratioren diskutieren aufgeregt, was da gerade passiert ist, einer holt tief Luft und sagt: &amp;raquo;Da haben sie sich wohl mal ordentlich verkalkuliert&amp;hellip;&amp;laquo; F&amp;uuml;r Fischer ist der strapazi&amp;ouml;se Tag noch lang nicht vorbei, bis nachts um eins gibt er Interviews, die Augen fallen ihm zu. Am n&amp;auml;chsten Tag wird er weiterfahren zu einem Kabarett-Abend in Stuttgart. Er zieht das durch. Warum?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die letzten f&amp;uuml;nf, sechs Jahre waren anstrengend genug f&amp;uuml;r Ottfried Fischer, ein Desaster nach dem anderen, schwer zu sagen, welches das schlimmste war: Die Trennung von seiner Frau? Die &amp;ouml;ffentlich breitgewalzte Aff&amp;auml;re mit dem &amp;ouml;sterreichischen Bikinim&amp;auml;dchen? Die Bilder, die ihn v&amp;ouml;llig derangiert und mit ausgekugelter Schulter im Krankenhaus zeigten? Die Geschichte mit den zwei Prostituierten und dem Video? Das Hin und Her mit dem &lt;em&gt;Bild&lt;/em&gt;-Reporter, der das Video in die H&amp;auml;nde bekam? Die &amp;ouml;ffentliche Dem&amp;uuml;tigung durch das Gericht, das dem Reporter recht gab, als Fischer gegen ihn klagte? Oder doch vor allem die Parkinson-Erkrankung?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Anfang Februar, Bad F&amp;uuml;ssing, Niederbayern. Von hier ist es nicht mehr weit bis Ornats&amp;ouml;d, in dem winzigen Dorf ist Fischer aufgewachsen, ganz im Osten, fast schon Tschechien. Fischer ist auf Kur, sechs Wochen Thermalb&amp;auml;der, Lymphdrainagen, Therapien, gegen das Gewicht, gegen die Parkinson-Nebenwirkungen, gegen alle m&amp;ouml;glichen gro&amp;szlig;en und kleinen Beschwerden, Fischer ist jetzt 58 Jahre alt. 22 Kilo hat er nach drei Wochen abgenommen. Das Johannesbad in F&amp;uuml;ssing ist ein Ort wie aus einer Folge &lt;em&gt;Der Bulle von T&amp;ouml;lz&lt;/em&gt;: eine riesige Hotel- und B&amp;auml;derlandschaft, verstaubte Topfpalmen in den Ecken, hellh&amp;ouml;lzernes Krankenhausmobiliar. Bleiche Menschen mit Kr&amp;uuml;cken und Rollatoren schlurfen vorbei. Fischer betritt die Eingangshalle, sehr langsam, mehr ein Schleichen als ein Gehen, er tr&amp;auml;gt Jogginghose und ausgeleiertes T-Shirt, eine Regenjacke, die schief an seinem gewaltigen K&amp;ouml;rper h&amp;auml;ngt, alles dunkelgrau. Ein paar &amp;auml;ltere Ehepaare sehen ihn, lachen begeistert, Mensch, der Otti, ja hallo, ja so was! Fischer bleibt stehen und wirft ihnen ein paar routinierte Spr&amp;uuml;che zu: &amp;raquo;Wo habt&amp;rsquo;s ihr denn eure Walking-St&amp;ouml;cke? Ich nehm ja keine mit, mich fragens immer, ob ich meine Ski vergessen hab.&amp;laquo; Die &amp;auml;lteren Herrschaften quietschen vor Vergn&amp;uuml;gen, nein, dieser Fischer, in echt ist der ja genauso urig wie im Fernsehen. Fischer schleicht weiter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Er bittet in einen leeren Speisesaal, an den Tisch ganz in der Ecke, mit Blick auf die D&amp;auml;mpfe der Freiluft-Thermalbecken. Direkt &amp;uuml;ber seinem Platz auf einer schmucklosen Polsterbank hat jemand seine Autogrammkarte an die pastellgelbe Wand geklebt, damit klar ist: Hier sitzt Lieblingsgast Ottfried Fischer, bitte freihalten. Fischer &amp;auml;chzt und l&amp;auml;chelt schief. Krankheit und Medikamente haben seine Gesichtsz&amp;uuml;ge ausgebremst. Er wei&amp;szlig; das. Immerhin &amp;ndash; er hat die Art von Parkinson, bei der man nicht zittert. Daf&amp;uuml;r wird man m&amp;uuml;de, sehr m&amp;uuml;de. Und unbeweglich. Die Aussichten: nicht gut. In extremen F&amp;auml;llen droht Bewegungsunf&amp;auml;higkeit. Aber mit Medikamenten l&amp;auml;sst sich die Krankheit in Schach halten. Einigerma&amp;szlig;en. Er wei&amp;szlig;, dass es vielleicht gut w&amp;auml;re k&amp;uuml;rzerzutreten. Aber er will nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Ich habe den Vorteil, dass ich mir die Krankheit finanziell leisten kann. Ich habe relativ kr&amp;auml;ftig nach meiner pers&amp;ouml;nlichen Philosophie im Sommer das eingefahren, was ich jetzt im Winter brauche.&amp;laquo; Des Geldes wegen m&amp;uuml;sste er das alles also nicht mehr machen, TV-Serien drehen, auf Kleinkunstb&amp;uuml;hnen auftreten, Fernsehsendungen moderieren. &amp;raquo;Aber man wei&amp;szlig; nie, wie lang der Winter wird. Ich habe nicht das Gef&amp;uuml;hl, dass ich sicher bin bis ans Ende meiner Tage. Das ist das b&amp;auml;uerliche Denken, das mich nie verlassen hat.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Herkunft spielt bei Fischer eine gro&amp;szlig;e Rolle. Er erz&amp;auml;hlt von seinem Vater, dem Bauern: ein Mann, der lang nicht akzeptieren wollte, dass der Sohn so was Brotloses wie Kabarett macht. Da war der Sohn l&amp;auml;ngst vom elterlichen Hof in Niederbayern nach M&amp;uuml;nchen geflohen, Schwabing, die Welt der Kleinkunstb&amp;uuml;hnen und Bars. Dort wohnt Fischer &amp;uuml;brigens auch heute wieder. Dass Schauspielerei ein Beruf sein k&amp;ouml;nnte, gestand Vater Fischer seinem Sohn damals erst zu, als die ersten TV-Rollen kamen. 1986, als seine erste gro&amp;szlig;e Serie&lt;em&gt; Irgendwie und Sowieso&lt;/em&gt; im Fernsehen lief, starb der Vater. Fischer sagt, dass er sich den Stress mit dem Aachener Orden angetan habe, liege auch am Vater: Der war geb&amp;uuml;rtiger Westfale und hat die Verleihungen jedes Jahr im Fernsehen verfolgt. Er habe das irgendwie auch zur Erinnerung an ihn gemacht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;Uuml;berhaupt, die Vergangenheit. Die Aufarbeitung. Fischer ist nicht nur auf Kur, um abzunehmen. &amp;raquo;Ich mache hier auch eine Therapie mit dem Psychosomatiker, der will rausfinden, wo die Essst&amp;ouml;rungen herkommen. Da geht&amp;rsquo;s ans Eingemachte. Weil &amp;hellip; ein Leben lang so einen Hunger zu haben, dass man aussieht wie ich, das kann nicht normal sein.&amp;laquo; Schon erste Ergebnisse? &amp;raquo;Kommen langsam. Der Arzt hat mich gefragt: Ottfried Fischer ist vielen Einfl&amp;uuml;ssen ausgesetzt, von der Familie bis hin zum Publikum, er muss sehr viele Verletzungen wegstecken &amp;ndash; wo steckt er die hin? Tja, und ehrlich gesagt, das ist mir &amp;uuml;berhaupt nicht klar, wo ich die hinstecke.&amp;laquo;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Er hat die &lt;em&gt;Bild&lt;/em&gt;-Reporter selbst ins Krankenzimmer gelassen&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/43169.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt; 1995&amp;ndash;2009 DER BULLE VON T&amp;Ouml;LZ: Fischers gr&amp;ouml;&amp;szlig;ter Erfolg: Riesenquoten, 69 Folgen &amp;ndash; und die unvergessliche Ruth Drexel als Mutter&lt;/em&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Verletzungen. Fischer selbst hat lange Zeit geglaubt, man k&amp;ouml;nnte sie vermeiden, irgendwie die Kontrolle behalten, wenn man mit den Boulevard-Medien kooperiert. &amp;raquo;Fehler!&amp;laquo; sagt er und winkt unwirsch ab, &amp;raquo;gro&amp;szlig;er Fehler!&amp;laquo; Er hat die &lt;em&gt;Bild&lt;/em&gt;-Reporter selbst ins Krankenzimmer gelassen und sich mit ausgekugelter Schulter gezeigt. Er hat Interviews gegeben, als seine Frau sich von ihm trennte, Interviews mit Schlagzeilen wie &amp;raquo;Nimm mich doch zur&amp;uuml;ck!&amp;laquo; und &amp;raquo;Ich nehme meinen Otti zur&amp;uuml;ck!&amp;laquo; Fischer sitzt unter dem Autogrammkartenfoto im Kursaal und sagt: &amp;raquo;Meine Ehe habe ich verbockt, das wei&amp;szlig; ich selbst. Aber diese Schlagzeilen, f&amp;uuml;r die konnte ich nichts. Wir haben uns da zu Interviews breitschlagen lassen, meine Frau hat jedem alles erz&amp;auml;hlt in ihrer Entt&amp;auml;uschung. Kann ich psychologisch nachvollziehen. Aber was die Medien aus diesen Interviews machen, das kannst du nicht beeinflussen.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Trotzdem versuchte er es immer wieder. Auch sp&amp;auml;ter, als es um das Video ging, das Fischer im Bett mit zwei Prostituierten zeigte. Die beiden hatten das Video an einen &lt;em&gt;Bild&lt;/em&gt;-Reporter weitergegeben, Fischer erfuhr davon,  f&amp;uuml;hlte sich unter Druck und gab der Zeitung ein paar halbwegs lustige Statements &amp;uuml;ber den ewig l&amp;uuml;sternen Mann und das ewig lockende Weib. Die druckte das Blatt gern ab. &amp;raquo;Aber dann stand doch wieder gro&amp;szlig; dr&amp;uuml;ber: HUREN&amp;laquo;, seufzt Fischer, &amp;raquo;das hat &amp;uuml;berhaupt nichts gebracht.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Er hebt die H&amp;auml;nde, bewegt sie ein St&amp;uuml;ck aufeinander zu und dann von sich weg, das macht er oft, eine Geste, die an seinen Pfarrer Braun erinnert und zugleich wirkt, als wollte er etwas abwehren, eine Mischung aus Segnung und Verteidigung. &amp;raquo;Heute w&amp;uuml;rde ich jedem sagen: Mach nichts mit der &lt;em&gt;Bild&lt;/em&gt;-Zeitung! Lass die schreiben, was sie wollen!&amp;laquo; Er z&amp;ouml;gert einen kurzen Moment, &amp;raquo;&amp;hellip; andererseits, die schreiben dann ihren Schmarrn &amp;ndash; und daheim sitzen die Kinder und lesen das. Da ist ja die ganze Umgebung vergiftet in dem Moment. Die Boulevard-Leute machen sich gar keinen Begriff, was sie einer Familie antun.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das bittere Ende ist bekannt: Fischer ging vor Gericht, aber in der Berufung bekam der Reporter recht, keine N&amp;ouml;tigung. Eine &amp;ouml;ffentliche Dem&amp;uuml;tigung, ein knappes Jahr ist das her. Fischer ging in die Revision, jetzt steht die Entscheidung an, in wenigen Tagen, am 30. M&amp;auml;rz, wird das zust&amp;auml;ndige M&amp;uuml;nchner Gericht sie bekannt geben. Fischers Anwalt Christoph Knauer ist zuversichtlich: &amp;raquo;Es gibt deutliche Anzeichen, dass sich das Ganze jetzt wieder drehen k&amp;ouml;nnte.&amp;laquo; Fischer selbst ist da nicht so sicher: &amp;raquo;Ich muss mich sehr vorsichtig ausdr&amp;uuml;cken, aber mein Gef&amp;uuml;hl sagt mir, dass selbst in der unabh&amp;auml;ngigsten Gerichtsbarkeit im Hintergrund welche mitwirken, die auf der Seite der Gegenseite sind. Sie verstehen.&amp;laquo; Genauer will er das nicht erkl&amp;auml;ren, nur so viel: &amp;raquo;Manche Verhandlungstage haben damals eigentlich brisante Informationen gebracht, die wurden dann aber von der Presse gezielt nicht an die &amp;Ouml;ffentlichkeit weitergeleitet &amp;hellip;&amp;laquo; Fischer blickt jetzt sehr ernst: &amp;raquo;Es k&amp;ouml;nnte Verfolgungswahn sein, es kann aber auch genaue Beobachtung sein &amp;ndash; auf jeden Fall glaube ich, dass die gr&amp;ouml;&amp;szlig;te deutsche Tageszeitung nicht nur Macht &amp;uuml;ber die K&amp;ouml;pfe der Leser hat. Punkt.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Frage ist: Hat das ganze Durcheinander Fischer geschadet oder nicht? Damals, nach der Aff&amp;auml;re mit der &amp;Ouml;sterreicherin, nach der Trennung und den Bildern, die ihn l&amp;auml;diert im Krankenhaus zeigten, gab es Umfragen: Fast zwei Drittel der Befragten sagten, sie wollten Filme mit Fischer nicht mehr anschauen. Die Menschen fanden ihn unappetitlich. Ein runder, lustiger Bulle, sch&amp;ouml;n und gut, aber Sexgeschichten? &amp;Auml;hnlich die Reaktionen nach der Video-Aff&amp;auml;re. &amp;raquo;Auf die Besucherzahlen im Theater und im Kabarett hat es sich auf jeden Fall ausgewirkt&amp;laquo;, sagt er, &amp;raquo;da sind dann doch manche moralisch anges&amp;auml;uert und wollen einen nicht mehr sehen. Mir haben auch Veranstalter erz&amp;auml;hlt, sie h&amp;auml;tten arg viel erkl&amp;auml;ren m&amp;uuml;ssen am Telefon.&amp;laquo; Was die Fernsehquoten anging, hatte sich die Frage wenig sp&amp;auml;ter sowieso erledigt. 2009 starb Ruth Drexel und mit ihr die &lt;em&gt;Bullen&lt;/em&gt;-Serie. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Aber Fischer hat genug zu tun. Er ist ja trotz allem ein erfolgreicher Mann, seit Jahren einer der am besten verdienenden Fernsehstars, immer noch erste Liga &amp;ndash; und bitte nicht vergessen: Wenn der Mann einen guten Tag hat, kann er immer noch jeden Saal mitrei&amp;szlig;en. Er tritt als Kabarettist auf, in kleinen S&amp;auml;len in der Provinz, neuerdings auch mit befreundeten Musikern, ein Programm aus Texten und Liedern. Er moderiert &lt;em&gt;Ottis Schlachthof&lt;/em&gt;. Und er dreht weiterhin f&amp;uuml;rs Fernsehen, die Serie &lt;em&gt;Pfarrer Braun&lt;/em&gt;. &amp;raquo;Meine zehn Stunden am Tag rei&amp;szlig; ich da immer noch runter.&amp;laquo; Es soll dynamisch klingen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wirklichkeit sieht so aus: Anfang Dezember in Mittenwald, ein strahlend klarer Tag am Fu&amp;szlig; der bayerischen Alpen. Der Himmel f&amp;uuml;rstlich blau, die Sonne glei&amp;szlig;end wie im Reiseprospekt. In einer Kirche mitten im Ort werden Szenen f&amp;uuml;r &lt;em&gt;Pfarrer Braun&lt;/em&gt; gedreht. F&amp;uuml;nfzig Leute frieren sich auf dem Friedhof die F&amp;uuml;&amp;szlig;e in den Bauch, Kabeltr&amp;auml;ger, Beleuchter, Helfer. Drinnen, in der Kirche St. Nikolaus, l&amp;auml;uft die Kamera, heute nur Innenaufnahmen, sp&amp;auml;ter im Film soll die Kirche auf der Zugspitze stehen. Es ist kurz vor Mittag, Fischer, der den Pfarrer jetzt zum 21. Mal spielt, wirkt ersch&amp;ouml;pft. Bei seinen Dialogzeilen st&amp;uuml;tzt er sich auf den Kirchenb&amp;auml;nken ab, manchmal fallen ihm S&amp;auml;tze nicht ein, dann wartet er schweigend, bis irgendjemand vom Team ihm das n&amp;auml;chste Stichwort zuruft. Arbeit in Zeitlupe. Zwischen zwei Aufnahmen geht er raus vor die Kirche, rutscht m&amp;uuml;hsam in einen Klappstuhl. Er tr&amp;auml;gt ein Priestergewand. Sein Assistent zupft ihm ein paar Flusen von der Schulter. Fischer l&amp;auml;sst die Arme h&amp;auml;ngen und sackt in sich zusammen. Er blickt einfach nur zu Boden, atmet schwer. Sagt nichts. Seine Augen schlie&amp;szlig;en sich. &lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Es passiert immer wieder, dass er einfach einschl&amp;auml;ft&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/43163.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;em&gt;Ab 2003 PFARRER BRAUN: Ein Geistlicher im Kampf gegen das Verbrechen: eine Rolle, in der Fischer es ruhiger angehen l&amp;auml;sst.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Keiner hier, vom Nebendarsteller bis zum Produktionsfahrer, h&amp;auml;tte gerade diesen Job, wenn Fischer nicht w&amp;auml;re. Er ist der Mann, f&amp;uuml;r den die Zuschauer den Fernseher anschalten, er ist der Mittelpunkt, um den sich alles dreht, auch jetzt, am Filmset. Aber genau im Zentrum des Geschehens ist es sehr, sehr ruhig. Eigenartig einsam.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dann geht er seinen Text noch mal durch, viel Text, er ist ja der Hauptdarsteller. Das Drehbuch, eine schwere Kladde, sinkt ihm langsam aus den H&amp;auml;nden. Schlie&amp;szlig;lich stellt sich ein Techniker direkt vor ihn und h&amp;auml;lt ihm das Drehbuch vor die Nase, damit Fischer es nicht selbst halten muss. Ein paar Wochen sp&amp;auml;ter, im Kurbad in Bad F&amp;uuml;ssing, wird Fischer sagen: &amp;raquo;Man muss so viel Energie aufbringen. Altersbedingt. Arbeitsbildbedingt. Engagementbedingt. Da kommt&amp;rsquo;s schon vor, dass man das Gef&amp;uuml;hl hat, man k&amp;ouml;nnte die Kraft f&amp;uuml;r das Ganze irgendwie nicht mehr herholen. Aber dann klappt es trotzdem.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Vorsorgen f&amp;uuml;r den langen Winter ist das eine. Das andere ist: Fischer empfindet Verantwortung. F&amp;uuml;r die Filmleute, die Auftr&amp;auml;ge kriegen, weil er vor der Kamera steht; f&amp;uuml;r das Team, das mit ihm seit 17 Jahren beim Bayerischen Rundfunk den Schlachthof stemmt; f&amp;uuml;r all die Kollegen, denen er mit Empfehlungen und Kontakten und Auftritten hilft. Es gibt ja fast keinen Kabarettisten oder Komiker in Deutschland, der ihm nicht irgendetwas verdanken w&amp;uuml;rde: Josef Hader sagt, ohne Fischer w&amp;auml;re er heute in Deutschland v&amp;ouml;llig unbekannt, erst die Auftritte im &lt;em&gt;Schlachthof&lt;/em&gt; h&amp;auml;tten ihm den Weg geebnet. Hape Kerkeling erz&amp;auml;hlt, dass Fischer in der Jury sa&amp;szlig;, die ihn zum ersten Mal f&amp;uuml;r einen kleinen Auftritt auszeichnete. Die Redakteure des Bayerischen Rundfunks verfallen in stundenlange Schw&amp;auml;rmereien &amp;uuml;ber ihren &amp;raquo;Otti&amp;laquo;, seine Hilfbereitschaft, seine N&amp;auml;chstenliebe. Die ganzen Sex- und Video- und Sonst-was-Geschichten: sind dort allen v&amp;ouml;llig egal. Auch die Krankheit. Keiner dieser Menschen w&amp;uuml;rde es je wagen, ihm zu sagen: Ist gut jetzt, mach mal ein bisschen weniger, verausgab dich nicht. Und konzentrier dich mehr beim Sprechen, damit die Leute dich verstehen. Sie lassen ihn einfach machen. Weil sie ihn lieben. Und all den Menschen, die ihn lieben, die ihm dankbar sind, f&amp;uuml;hlt sich Fischer verpflichtet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es kommt ja noch etwas anderes hinzu: Er sagt: &amp;raquo;Was ich an meinem Beruf liebe, ist dieses Laut-nachdenken-D&amp;uuml;rfen. Die Tatsache, dass man sich an alle wenden darf und die einem das auch irgendwie zugestehen.&amp;laquo; Dass es irgendwann vielleicht nicht mehr m&amp;ouml;glich sein wird, auf der B&amp;uuml;hne zu stehen, wei&amp;szlig; er. Es wird dann irgendwie auch ohne gehen, sagt er. Nur die Kreativit&amp;auml;t, auf die will er nicht verzichten. Er hat angefangen, einen Roman zu schreiben, um das Schwabing von fr&amp;uuml;her soll es darin gehen. Mal schauen, wie das so ist, eine Aufgabe ohne B&amp;uuml;hne und Kamera.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn man Fischers alte B&amp;uuml;hnenprogramme sieht, auf Youtube zum Beispiel: Was f&amp;uuml;r ein wilder, impulsiver Kerl da auf der B&amp;uuml;hne stand, was f&amp;uuml;r ein Viech! Wie viele verschiedene Stimmen der draufhatte, wie der Tempo machen konnte, mal ganz ruhig, mal Vollgas. Und wie beweglich der Mann war! Mit den Jahren wurden dann bei den Serien die Kamerafahrten immer aufwendiger, es musste ausgeglichen werden, dass sich Fischer immer weniger bewegte. Also drehte die Kamera bei seinen S&amp;auml;tzen Kreise um ihn, fuhr rauf, fuhr runter, erzeugte die Bewegung, die im Bild fehlte. Fischer schaut raus in den wei&amp;szlig;en Dampf &amp;uuml;ber den Thermalbecken und sagt: &amp;raquo;Ja, die Mimik f&amp;auml;llt mir heute schwerer&amp;hellip; aber das habe ich lange Zeit selbst gar nicht gemerkt.&amp;laquo; Wann es ihm zum ersten Mal aufgefallen ist, wei&amp;szlig; er noch genau: &amp;raquo;Als mich der Kollege Helmut Schleich parodiert hat. Wie der anfing, so ohne Grimassen, mit ganz langsamen Bewegungen, wurde mir klar, au weh, da stimmt was nicht. Das merken sicher bald alle.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wie ging es &amp;uuml;berhaupt los &amp;ndash; wie merkt man, dass man Parkinson hat? &amp;raquo;Herausgefunden habe ich alles dadurch, dass die deutsche Parkinson-Vereinigung mir geschrieben hat, ob ich Ulrich Wickert abl&amp;ouml;sen m&amp;ouml;chte als Schirmherr.&amp;laquo; Reiner Zufall, sie hatten ihn einfach als Prominenten angeschrieben. &amp;raquo;Aber da war ein Zettel dabei &amp;uuml;ber Fr&amp;uuml;herkennungskriterien. Den habe ich durchgelesen und mir gedacht: Schei&amp;szlig;e, das habe ich ja alles&amp;hellip;&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Fischer erinnert sich an die Situation damals, er denkt nach. Seine Augen schlie&amp;szlig;en sich. Pl&amp;ouml;tzlich d&amp;ouml;st er weg. Stille. Eine Minute. Zwei Minuten. Drei Minuten. Fischer atmet gleichm&amp;auml;&amp;szlig;ig. Vor dem Fenster dampfen die Thermalbecken des Kurbads. Dar&amp;uuml;ber der blaue Nachmittagshimmel. Frieden. Pl&amp;ouml;tzlich schreckt Fischer hoch und l&amp;auml;chelt unsicher. Er schaut kurz im Raum herum, orientiert sich. Dann legt er die H&amp;auml;nde auf den Tisch und sagt: &amp;raquo;Das war jetzt so eine Situation&amp;hellip; passiert mir immer wieder. Dass ich einfach wegschlafe.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es wird nicht leichter. &amp;raquo;Was ich fr&amp;uuml;her nicht kannte: Ich habe manchmal pl&amp;ouml;tzlich Angst, dass ich die n&amp;ouml;tigen Kr&amp;auml;fte nicht noch einmal mobilisieren kann&amp;laquo;, sagt Fischer. &amp;raquo;Fr&amp;uuml;her habe ich Grenzen in dem Sinne gar nicht gekannt, Grenzen der Leistungsf&amp;auml;higkeit.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Und trotzdem. Am Tag nach der Ordensverleihung in Aachen ging es direkt weiter zum Auftritt in Stuttgart. Fischer konnte eigentlich nicht mehr, sein Assistent fing an, sich Sorgen zu machen. Und &amp;uuml;berredete Fischer schlie&amp;szlig;lich, den gesamten Abend im Stehen zu bestreiten, auch wenn es noch so anstrengend werden sollte. H&amp;auml;tte Fischer wie sonst seine Texte an einem Tisch sitzend vorgetragen, w&amp;auml;re die Gefahr zu gro&amp;szlig; gewesen, dass er einschl&amp;auml;ft. Also zog Fischer den Abend im Stehen durch. Mit letzter Kraft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es geht alles nicht mehr richtig gut. Das Schlimme ist: Er macht einfach weiter. Das Gute ist: Er macht einfach weiter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Der müde Bulle</dc:subject>
    <dc:creator>Max Fellmann</dc:creator>
    <dc:date>2012-03-15T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37113">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37113</link>
    <title>Die 30-jährige Jessica Alba</title>
    <description>&lt;p&gt;Sie nahm jedes Angebot an, sie wollte es allen recht machen. Heute      ist die Schauspielerin w&amp;auml;hlerischer. Und hat ihre Gr&amp;uuml;nde.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/42873.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ-Magazin: Frau Alba, mit 30 wird es ernst, sagt man. Empfinden Sie sich jetzt als erwachsene Frau?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Jessica Alba:&lt;/strong&gt; Erwachsen? Sagen wir so: Ich f&amp;uuml;hle mich freier, je &amp;auml;lter ich werde. Ich bin eine freie Frau, und das finde ich sehr, sehr angenehm.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Ist Freiheit ein anderes Wort f&amp;uuml;rs Erwachsensein?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Glaube ich nicht. Zum Erwachsensein geh&amp;ouml;rt ja nicht nur Freiheit, sondern auch Verantwortung. Ich habe fr&amp;uuml;h in meinem Leben Verantwortung &amp;uuml;bernommen &amp;ndash; zum Beispiel als ich mit 13 Jahren die Hauptrolle in der TV-Serie Flipper spielte. Da hing das Projekt davon ab, dass ich jeden Morgen die Disziplin aufbrachte, mein Bestes zu geben. Ich hatte nie ein Problem damit, die Anspr&amp;uuml;che anderer an mich zu erf&amp;uuml;llen. Andererseits habe ich mich noch mit 25 oder 26 total unfrei in meinen Entscheidungen gef&amp;uuml;hlt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wovon oder von wem haben Sie sich seitdem befreit?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Damals war ich sehr darauf bedacht, es den Leuten in meinem Umfeld recht zu machen. Ich habe jeden Film und jeden Werbejob angenommen, den meine Agenten mir vorschlugen, weil ich nicht den Mut hatte zu widersprechen. Und am Drehort habe ich mich bem&amp;uuml;ht, die W&amp;uuml;nsche aller zu erf&amp;uuml;llen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gute Frage. Kann ich mir heute auch nicht mehr erkl&amp;auml;ren. Vielleicht war ich eine Streberin. Als junges M&amp;auml;dchen wollte ich unbedingt erfolgreich sein und habe dem Erfolg alles untergeordnet. Ich habe manchmal ein ganzes  Jahr ohne Pause gearbeitet, mir aber eigentlich nie Gedanken gemacht, die &amp;uuml;ber den jeweiligen Job hinausgingen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Denken Sie, dass Sie zu fr&amp;uuml;h angefangen haben zu arbeiten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Denke ich nicht. Ich wollte unbedingt Schauspielerin sein, niemand h&amp;auml;tte mich aufhalten k&amp;ouml;nnen. Und meine Neigung, es allen recht machen zu wollen, h&amp;auml;tte sich bestimmt auch bei einer anderen Karriere entwickelt. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wann haben Sie festgestellt, dass Sie auch mal Nein sagen k&amp;ouml;nnen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Meine erste Tochter, Honor, ist im Juni 2008 geboren, an diesem Tag hat sich mein Blick auf die Welt ver&amp;auml;ndert. Ich habe ein Jahr Pause vom Film gemacht und hatte viel Zeit zum Nachdenken. Und habe festgestellt: Es gibt wichtigere Dinge, als Filme zu drehen. Als mein Mutterschaftsurlaub zu Ende ging, haben mir meine Agenten diese oder jene Rolle angeboten. Aber sie haben eine neue Jessica kennengelernt. Ich konnte nicht wieder zur&amp;uuml;ck zu einem Leben, in dem ich von Job zu Job hechle, nur weil ich einen lukrativen Vertrag unterzeichnet habe. Da hat es nat&amp;uuml;rlich geholfen, dass ich bereits genug Geld verdient hatte, um unabh&amp;auml;ngig zu sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welche Projekte haben Sie denn abgesagt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ach, ich rede nicht &amp;uuml;ber solche Details. In den letzten beiden Jahren habe ich mich &amp;uuml;brigens vor allem meiner Firma gewidmet, was mir ganz neue Horizonte er&amp;ouml;ffnet hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welche Firma haben Sie denn?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Einen Internetversand namens &lt;a href=&quot;http://www.honest.com/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Honest.com&lt;/a&gt;. Wir sind die erste Website, die Bio-Babybedarf verkauft. Wir stellen unsere eigenen Windeln, Cremes und Seifen her &amp;ndash; alles frei von Giftstoffen. Im Januar haben wir angefangen, und bislang &amp;uuml;bertrifft der Umsatz alle Erwartungen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gl&amp;uuml;ckwunsch. Welche Position haben Sie im Unternehmen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich bin Mitgr&amp;uuml;nderin und Vorstand.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wollen Sie sich auf die Firma konzentrieren oder wieder h&amp;auml;ufiger Filme drehen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Was mir vorher nicht klar war: wie unfassbar anstrengend es ist, eine Firma zu gr&amp;uuml;nden, und wie viele Entscheidungen man treffen muss, vom Personal bis zu den Produkten. Wir haben jetzt Manager eingestellt, also werde ich mich weniger ins Tagesgesch&amp;auml;ft einmischen. Aber wir wollen expandieren und neue Produkte entwickeln, was mir am meisten Spa&amp;szlig; macht. Darauf werde ich mich konzentrieren und nur noch Filme drehen, mit denen ich mich total identifiziere.&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Ich spiele gern selbstbewusste Frauen mit psychischem Knacks&quot;]&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was muss ein Drehbuchautor beachten, wenn er Jessica Alba davon &amp;uuml;berzeugen will, ihr B&amp;uuml;ro zu verlassen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich bin f&amp;uuml;r jedes Genre offen, ich spiele in Actionfilmen, Kom&amp;ouml;dien, Thrillern mit. Aber ich sage nur zu, wenn die Frau, die ich spiele, eine moderne, selbstbewusste, unabh&amp;auml;ngige Person ist. Am besten sollte sie einen psychischen Knacks haben, unberechenbar sein, ein wenig unversch&amp;auml;mt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Von Ihnen stammt der Satz: &amp;raquo;Man versucht, aus meinem Sex-Appeal Profit zu schlagen.&amp;laquo;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das k&amp;ouml;nnte ich damals gesagt haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie gef&amp;auml;llt Ihren Agenten, PR-Beratern, Stylisten und Managern die neue Jessica Alba, die genau wei&amp;szlig;, was sie will?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es kann sein, dass ihnen die alte Jessica besser gefiel, weil sie besser funktioniert hat &amp;ndash; aber ich wei&amp;szlig; nicht, was sie denken, denn sie w&amp;uuml;rden mir nicht sagen, wenn ich sie nerve.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie haben Sie Ihren 30. Geburtstag gefeiert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich war hochschwanger mit Haven, meiner zweiten Tochter, also habe ich es ruhig angehen lassen. Wir haben unsere besten Freunde und die Familie in unser Haus hier in Los Angeles eingeladen und im Garten den Grill angeworfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bedeutet Ihnen die runde Zahl 30 etwas?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe fr&amp;uuml;her keine Sekunde daran verschwendet, &amp;uuml;ber mein Alter nachzudenken. Aber an meinem letzten Geburtstag habe ich mich daran erinnert, wie es war, als meine Mutter 30 wurde. Ich war elf und dachte: Mein Gott, jetzt ist meine Mutter eine alte Frau. Nun bin ich aus der Perspektive von Kindern selber eine alte Frau. Aber ehrlich gesagt f&amp;uuml;hle ich mich noch ganz frisch. Ich denke: Jetzt bin ich 30 und habe zwei Kinder, und wahrscheinlich werde ich nicht mehr lange Bikinis und kurze R&amp;ouml;cke tragen k&amp;ouml;nnen, also tue ich es jetzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W&amp;uuml;rden Sie es Ihren beiden T&amp;ouml;chtern erlauben, mit 13 Jahren nach Australien zu ziehen, um eine Fernsehserie zu drehen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich hoffe, dass Honor und Haven mich niemals vor diese Entscheidung stellen. Denn welches Argument k&amp;ouml;nnte ich vorbringen, um ihnen diese Flausen auszureden? Ich selbst war ja der gl&amp;uuml;cklichste Mensch, als ich mit 13 Jahren nach Australien ging, um dort zu arbeiten. Dort hat sich sogar meine Gesundheit gebessert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Dann stimmt es also, dass Sie unter Asthma gelitten haben, mehrere Lungenentz&amp;uuml;ndungen pro Jahr hatten und Ihre Lunge mehrmals kollabiert ist?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich war ein kr&amp;auml;nkliches Kind, habe viel Zeit im Krankenhaus verbracht und hatte auch deswegen wenige Freunde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kaum zu glauben. Hatten Sie keine sch&amp;ouml;ne Kindheit?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich wollte sie eigentlich m&amp;ouml;glichst schnell hinter mich bringen. Es war keine erfreuliche Zeit. Mein Vater hat bei der Air Force gearbeitet, also sind wir st&amp;auml;ndig umgezogen: Kalifornien, Texas, Mississippi und zur&amp;uuml;ck nach Kalifornien. Wir haben in einem reichen Viertel von Los Angeles gelebt, wo mich die anderen Kinder regelrecht fertiggemacht und auf der Stra&amp;szlig;e &amp;uuml;berfallen haben. Ich musste mein Mittagessen im Lehrerzimmer essen, weil es mir sonst geklaut worden w&amp;auml;re.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wer oder was hat Ihnen geholfen? Der Glaube?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Meine Eltern sind sehr katholisch, aber ich geh&amp;ouml;re keiner Kirche mehr an. Als ich elf, zw&amp;ouml;lf Jahre alt war, haben mich die alten M&amp;auml;nner in der Kirche angeflirtet. Der Pfarrer hat mir die Schuld gegeben, weil ich angeblich zu aufreizend angezogen war. Ich steckte mitten in der Pubert&amp;auml;t und war total verunsichert. Meine Beziehung zum Katholizismus ist seitdem gest&amp;ouml;rt, an Gott glaube ich aber nach wie vor. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;---&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bio:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Jessica Alba &lt;br /&gt;* 28. April 1981  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;H&amp;auml;tte Jessica Alba auf ihre strenggl&amp;auml;ubigen Eltern geh&amp;ouml;rt, w&amp;auml;re die katholische Kirche in Kalifornien um ein frommes Mitglied reicher und Hollywood um eine Attraktion &amp;auml;rmer. Doch schon 1986, mit f&amp;uuml;nf Jahren, erkl&amp;auml;rte sie: &amp;raquo;Ich bin eine Feministin, die Kirche mag ich nicht.&amp;laquo; Sin City, Machete, Fantastic Four: Die Produktionen, in denen Jessica Alba auftritt, gewinnen auf Festivals keine Preise, aber sie f&amp;uuml;llen die Kinos&amp;auml;le. Obwohl inzwischen zweifache Mutter, landet sie in den &amp;raquo;Most Sexy&amp;laquo;- Listen der M&amp;auml;nnermagazine stets auf vorderen Pl&amp;auml;tzen &amp;ndash; die M&amp;auml;nner m&amp;ouml;gen anst&amp;auml;ndige Frauen, die auch mal zuschlagen k&amp;ouml;nnen.&lt;/em&gt;</description>
    <dc:subject>Die 30-jährige Jessica Alba</dc:subject>
    <dc:creator>Lars Jensen (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2012-03-12T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

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    <title>Die 20-jährige Lena Meyer-Landrut</title>
    <description>&lt;p&gt;Einmal Superstar und zur&amp;uuml;ck. Was tun, wenn man als Teenager schon alles erreicht hat? Weitermachen. Und das Beste      hoffen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/42761.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ-Magazin: Frau Meyer-Landrut, Sie sind 20 Jahre alt und haben in kurzer Zeit schon mehr erreicht als andere in einem ganzen Leben. Jetzt wollten Sie mal ein bisschen k&amp;uuml;rzertreten. Klappt&amp;rsquo;s? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Lena Meyer-Landrut:&lt;/strong&gt; Na ja, ich hatte mir nach all den Auftritten und der ganzen Hektik vorgenommen, m&amp;ouml;glichst viele normale Sachen zu machen, mal an die Universit&amp;auml;t gehen, zum Beispiel. Ich hatte ja zwei Jahre durchgehend Programm. Dann habe ich aber gemerkt, die Zeit, die ich f&amp;uuml;r mich habe, will ich nur in meinem Bett verbringen. Gar nichts machen, niemanden sehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Waren Sie so ersch&amp;ouml;pft?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, ich musste mal alles Revue passieren lassen. Nachdenken, was passiert ist, wie ich mich f&amp;uuml;hle, wer ich eigentlich bin, ob ich mich ver&amp;auml;ndert habe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sehr interessante Fragen. Gehen wir sie mal durch, oder?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, wir k&amp;ouml;nnen sie alle &amp;uuml;berspringen, weil ich sehr schnell zu dem Schluss gekommen bin, dass mir noch nicht reicht, was ich bis jetzt gemacht habe. Ich will nicht zur&amp;uuml;ckschauen oder aufh&amp;ouml;ren mit meiner Karriere. Die Ruhephase hat mich jetzt wieder so gepolt, dass ich ehrgeizig geworden bin und mir sage: Ich will es noch einmal richtig versuchen, wie alle anderen Musiker. Auf mich selbst gestellt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Schreiben Sie jetzt auch selber Songs?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja. Zwar nicht ganz allein, aber mit ein bisschen professioneller Unterst&amp;uuml;tzung klappt das ganz gut.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Arbeiten Sie weiterhin mit Stefan Raab zusammen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mit Stefan habe ich bis jetzt noch nichts Neues geschrieben. Aber ich arbeite mit vielen verschiedenen Leuten! Schweden sind dabei, Engl&amp;auml;nder, nat&amp;uuml;rlich auch Deutsche.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hatten Sie das Gef&amp;uuml;hl, Ihnen wurde in der Vergangenheit zu viel vorgeschrieben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es war schon einiges fremdbestimmt. Dadurch, dass ich bei Brainpool und bei Stefan Raab unter Vertrag stehe und bei der Plattenfirma. Was nat&amp;uuml;rlich auch super war f&amp;uuml;r mich, weil ich ja keine Ahnung von dem ganzen Gesch&amp;auml;ft hatte. Aber es darf dann irgendwann auch mal anders weitergehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Andere ziehen mit Anfang 20 zu Hause aus und tasten sich langsam ans selbstbestimmte Leben ran.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ist bei mir auch der Fall. Ich komme eben nur aus einer anderen Richtung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie Gleichaltrigen gegen&amp;uuml;ber einen Vorsprung?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe auf jeden Fall oft eine andere Sicht auf Dinge. Arbeit zum Beispiel. Was bedeutet arbeiten f&amp;uuml;r meine Freunde? F&amp;uuml;nf Tage die Woche von acht bis f&amp;uuml;nf irgendwo hingehen, danach Zeit zu Hause und am Wochenende Party machen. Davon sind die teilweise schon gestresst. Und dann denke ich: Was? Warum bist du denn jetzt gestresst? Nicht, weil ich jetzt so viel h&amp;auml;rter arbeiten w&amp;uuml;rde &amp;hellip;  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sondern?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sondern weil es diese Abl&amp;auml;ufe bei mir gar nicht gibt. Da l&amp;auml;uft es so, dass ich f&amp;uuml;nf Tage am St&amp;uuml;ck 18 Stunden unterwegs bin, im Hotel schlafe und Essen aus der Restaurantk&amp;uuml;che kriege. Dann komm ich nach Hause, und in meinem K&amp;uuml;hlschrank ist alles vergammelt, weil ich vorher nicht dran gedacht habe, den auszur&amp;auml;umen, so erwachsen bin ich dann doch noch nicht. Die meisten meiner Freunde wohnen entweder noch zu Hause oder sind gerade in eine WG gezogen, um zu studieren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Entsteht da Distanz?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Leider auch, ja.&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Ich will gar keine Lady Gaga sein&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/42763.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;em&gt;Lena feiert ihren Sieg beim Eurovision Song Contest 2010. Wer genau hinsieht, wird feststellen: Das Motto &quot;To love and to be loved&quot; lie&amp;szlig; sie sich erst sp&amp;auml;ter t&amp;auml;towieren.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es Freunde, die sagen: Lena, wir verstehen nicht, was du uns da gerade erz&amp;auml;hlst von Fernsehen und Musikbusiness?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es gibt tats&amp;auml;chlich alte Freunde, die sagen: Damit komme ich nicht klar. Und f&amp;uuml;r mich ist es ja auch nicht einfach. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Inwiefern?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich schaffe es k&amp;ouml;rperlich nicht, und ich schaffe es zeitlich nicht und seelisch auch nicht, meinen Alltag und meine Gef&amp;uuml;hle mit so vielen Leuten zu teilen, auch wenn sie eigentlich Freunde sind. Es ist alles etwas viel.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Ihre fr&amp;uuml;heren Mitsch&amp;uuml;ler sind jetzt in der Ausprobierphase, fangen an zu studieren, jobben ein bisschen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, das macht mich manchmal neidisch. Ich habe mir schon &amp;uuml;berlegt, irgendwann gehe ich mal f&amp;uuml;r ein halbes Jahr nach Sydney oder L.A., einfach nur kellnern. Verstehen Sie: Ich wollte immer nur Sachen ausprobieren &amp;ndash; nur hat das Erste sofort geklappt. Konnte ja keiner wissen!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Zum Ausprobieren geh&amp;ouml;rt auch, dass was schiefgeht. Was tun, wenn Ihre eigenen Lieder keine Hits werden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weitermachen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Keine Angst vor Entt&amp;auml;uschung? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Doch, klar. Bl&amp;ouml;d ist nat&amp;uuml;rlich, dass das dann nicht nur meine Freunde und meine Familie mitkriegen, wie es bei einer verpatzten Ausbildung oder so w&amp;auml;re. In meinem Fall kriegt es fast ganz Deutschland mit. Das ist erschreckend, das Verh&amp;auml;ltnis stimmt nicht ganz. Aber gut, das habe ich mir ja freiwillig so ausgesucht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ein bisschen Entt&amp;auml;uschung haben Sie schon kennengelernt. Ein Jahr lang wurden Sie bejubelt, dann kippte die Stimmung, es gab Kritik, teilweise wurden Sie richtig runtergeschrieben. Ihr Gef&amp;uuml;hl dabei? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das war manchmal schon hart. Aber je mehr so was kommt, umso mehr Hornhaut kriegt man. Mir war zwar vorher gesagt worden, dass man mit so was immer rechnen muss. Aber es ist was anderes, dar&amp;uuml;ber zu reden, als es dann zu sp&amp;uuml;ren.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Was hat Sie am Musikbusiness am meisten &amp;uuml;berrascht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dass es Leute gibt, die einfach ganz und gar nicht nett sind. Ich bin meistens so unvoreingenommen, glaube an das Gute im Menschen. Und dann, tja, dann wird man halt mal entt&amp;auml;uscht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie genau?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Was mich verdutzt hat, ist diese oberfl&amp;auml;chliche Freundlichkeit, die oft gar nichts mit Freundschaft zu tun hat, sondern einfach nur kalt kalkuliertes Zum-Ziel-Kommen ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gab es einen Moment, in dem Sie den Eindruck hatten, jetzt bin ich total in der Maschine?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nach dem zweiten Song Contest. Da habe ich so ein bisschen das Vertrauen verloren, auch das Vertrauen in mich selber. Ich dachte: Vielleicht ist das alles gar nicht so cool. Diese Unsicherheit habe ich mir in der &amp;Ouml;ffentlichkeit auch mal anmerken lassen, das war ein Fehler.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum war das ein Fehler?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich wurde daf&amp;uuml;r zerrissen. Es hie&amp;szlig;, ich sei zickig und arrogant. Und ich habe gemerkt: Okay, es ist nicht sinnvoll, deinen Schei&amp;szlig; nach au&amp;szlig;en zu tragen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ab sofort gibt&amp;rsquo;s also nur noch eine gut gelaunte Lena f&amp;uuml;r die &amp;Ouml;ffentlichkeit?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es geht nicht darum, dass ich jetzt immer mit geschminktem Grinsen aufwache und sage: Hallo, mir geht es gut, haha, Weltfrieden! Ich will gar keine Lady Gaga sein, die immer jemand sein muss, der sie gar nicht ist. Aber ich m&amp;ouml;chte nicht mehr zulassen, dass die Leute mich in der falschen Stimmung sehen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Trotzdem wird es auch melancholische Momente geben, und auch dar&amp;uuml;ber wird berichtet werden. Was wollen Sie tun, um das zu steuern?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Positiver werden. Von der Grundeinstellung. F&amp;uuml;r mich selber. Viel nachdenken. Ich versuche, wieder mehr mit mir in Einklang zu kommen und wieder mehr von der Leichtigkeit zu lernen, die ich fr&amp;uuml;her mal hatte.&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Ich ern&amp;auml;hre mich biologisch &amp;ndash; das ist schon genug Luxus&quot;]&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/42765.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt; &lt;/strong&gt;&lt;em&gt;Mit ihrem Entdecker, F&amp;ouml;rderer und Mann f&amp;uuml;r alles, Stefan Raab, bei einer Pressekonferenz.&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Woran haben Sie gemerkt, dass die weg ist?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich war nicht mehr so unbefangen und wurde d&amp;uuml;nnh&amp;auml;utiger. Das war ich fr&amp;uuml;her so nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben sich &amp;raquo;Je ne regrette rien&amp;laquo; auf den Fu&amp;szlig; t&amp;auml;towieren lassen. Eigentlich etwas fr&amp;uuml;h, oder? Sie haben ja noch viel Zeit, Sachen zu machen, die Sie vielleicht doch bereuen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das soll mich auch eher daran erinnern, nicht bei allem vorher schon nachzudenken, ob ich es hinterher bereuen k&amp;ouml;nnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Also ein Pl&amp;auml;doyer gegen zu viel Vernunft?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Genau.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Was finden Sie an sich selbst spie&amp;szlig;ig?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich schlafe mit zwei Decken, und wenn die nicht exakt &amp;uuml;bereinanderliegen, dreh ich durch! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;Auml;h, dickere Decke kaufen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das w&amp;auml;re doch voll unn&amp;ouml;tig, ich habe ja zwei!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Woran merken Sie, dass Sie &amp;auml;lter geworden sind? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich verdiene pl&amp;ouml;tzlich Geld, und ich muss damit haushalten. Ich habe vorher nie gearbeitet, weil mir das, was ich hatte, immer gereicht hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben nicht mal Zeitungen ausgetragen oder so?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nichts. Ich gebe auch heute kaum Geld aus. Ich bin sehr sparsam. Manchmal gebe ich mir einen Ruck, dann kaufe ich mir einen Laptop &amp;ndash; und denke: Oh Gott, du kaufst dir einen Laptop, das hast du noch nie gemacht! Jetzt kannst du dir aber erst einmal ganz lange nichts mehr kaufen&amp;hellip; Daran merke ich, dass ich erwachsen geworden bin. Und dass ich pl&amp;ouml;tzlich zu Hause Aktenordner stehen habe. Auf einmal sortiere ich Akten und mache eine Steuererkl&amp;auml;rung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kommt Ihnen das spie&amp;szlig;ig vor?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schon ziemlich! Und ich muss mich jetzt zum Beispiel um ein Auto k&amp;uuml;mmern. Ich hatte einen Werbevertrag mit Opel, der ist ausgelaufen. Jetzt habe ich kein Auto mehr.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Aber die haben Ihnen ja sicher einen Opel &amp;uuml;berlassen, der noch eine Weile &amp;hellip;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;N&amp;ouml;. Und jetzt kommt halt der ganze Schei&amp;szlig;: Was f&amp;uuml;r ein Auto? Wo kaufe ich es? Lease ich? Gebrauchtwagen? Jahreswagen? Neuwagen? Wie viel will ich daf&amp;uuml;r ausgeben?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;Uuml;ber den Preis m&amp;uuml;ssen Sie sich doch keine Gedanken machen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich lasse es f&amp;uuml;r meine Verh&amp;auml;ltnisse schon ziemlich locker angehen! Ich habe eine gro&amp;szlig;e Wohnung, ich kaufe mir gutes Essen. Ich ern&amp;auml;hre mich biologisch. Das ist f&amp;uuml;r mich schon genug Luxus. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber Sie m&amp;uuml;ssten eigentlich ausgesorgt haben. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein! Nicht mal, wenn ich so sparsam bleibe, reicht es bis an mein Lebensende. Zumindest nicht, wenn ich nur noch Bioprodukte essen m&amp;ouml;chte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben nach dem ersten Song Contest gesagt, wenn es bl&amp;ouml;d laufe, m&amp;uuml;ssten Sie halt ein Leben lang &lt;em&gt;Satellite&lt;/em&gt; singen. W&amp;uuml;rden Sie das echt machen? Oder im Zweifelsfall sp&amp;auml;ter noch umsatteln?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;So ganz ernst war das nat&amp;uuml;rlich nicht gemeint. Im Moment sage ich mal vorsichtig, ich w&amp;uuml;rde es nicht komplett ausschlie&amp;szlig;en. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kennen Sie diese Schlagerveranstaltungen in den gro&amp;szlig;en Hallen, bei denen 40 Stars von vorgestern auf einmal auftreten, jeder f&amp;uuml;r zehn Minuten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja. Nicht sooo sch&amp;ouml;n.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;K&amp;auml;me aber infrage?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn ein Architekt einmal ein gutes Geb&amp;auml;ude gebaut hat, wird er auch sein Leben lang gefragt, ob er so ein Haus noch mal bauen kann. Und dann sagt der Architekt doch nicht: Nee, mach ich nicht. Er macht&amp;rsquo;s einfach. Es ist halt sein Job.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hat das, was Sie machen, auch jetzt schon jobhafte Seiten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, an Interviewtagen! So ein Nachmittag, der sechs Stunden lang aus jeweils zehn Minuten Telefoninterview f&amp;uuml;r alle m&amp;ouml;glichen Zeitschriften dieser Welt besteht.&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Klitschko &amp;ndash; boah, was f&amp;uuml;r ein toller Mann&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/42781.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;em&gt;L&amp;auml;cheln, durchhalten, h&amp;ouml;flich bleiben: Auch wenn sie Interviews oft anstrengend findet, schafft es Lena meistens mit einem Lachen &amp;uuml;ber die Runden.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Als Sie erfolgreich wurden, nannten die Medien Sie &amp;raquo;neues deutsches Fr&amp;auml;uleinwunder&amp;laquo;. Hat es eine Rolle gespielt, dass Sie eine Frau sind? Oder h&amp;auml;tte der Erfolg auch als &amp;raquo;Leno&amp;laquo; geklappt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Oder als Lenin. Das glaube ich schon. Das h&amp;auml;tte funktioniert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber Frauen und M&amp;auml;nner haben sehr unterschiedliche Startbedingungen.&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ach was, wieso? Das ist doch ziemlich gleich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Viele finden: Frauen werden eher nach ihrem &amp;Auml;u&amp;szlig;eren beurteilt.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn Sie auf ein Konzert von Bruno Mars gehen, da sehen Sie Frauen, die kreischen und schreien und sind in den verliebt und himmeln den an! Da geht&amp;rsquo;s doch erst mal nur ums &amp;Auml;u&amp;szlig;ere. Deswegen ist ja auch so einer wie Michael Wendler so erfolgreich &amp;ndash; da gibt es unfassbar viele 50-j&amp;auml;hrige Frauen, die in den mehr verliebt sind als in ihren eigenen Mann. Mein Publikum dagegen besteht gr&amp;ouml;&amp;szlig;tenteils aus Kindern, die mit ihren Eltern kommen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber Sie sind, als Sie ber&amp;uuml;hmt wurden, sofort von einem Herrenmagazin zu einer der &lt;em&gt;sexiest women&lt;/em&gt; gew&amp;auml;hlt worden.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Platz 13.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das w&amp;uuml;rde bei einem Mann eher erst mal nicht passieren.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wie gesagt, gehen Sie mal auf ein Bruno-Mars-Konzert. M&amp;auml;nner werden genauso als Sexobjekt gesehen wie Frauen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bei Politikerinnen zumindest spielt das &amp;Auml;u&amp;szlig;ere eine gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere Rolle als bei den M&amp;auml;nnern. Da geht&amp;rsquo;s immer gleich um die Frisur von Ursula von der Leyen, das Jackett von Angela Merkel. &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;In Ordnung oder doof?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bisschen ungerecht nat&amp;uuml;rlich. St&amp;ouml;rt mich aber nicht. Die M&amp;auml;nner tragen halt alle nur Anzug, man k&amp;ouml;nnte h&amp;ouml;chstens &amp;uuml;ber die Krawatten sprechen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gibt es bekannte Frauen, die Sie beeindrucken? Frauen mit Vorbildfunktion?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich wollte fr&amp;uuml;her immer so sein wie Heike Makatsch. Die fand ich so toll! Ich habe geliebt, wie sie spricht.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sie sind jung &amp;ndash; wie wichtig ist Ihnen der ganze altmodische Gentleman-Kram?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Voll wichtig!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;T&amp;uuml;r aufhalten &amp;hellip;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Steh ich voll drauf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was noch?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein Erlebnis mit Vitali Klitschko in Hamburg 2010 beim Deutschen Radiopreis: Ich sa&amp;szlig; an einem Tisch, er sa&amp;szlig; am Tisch nebenan. Ich wollte aufstehen. Und dann zieht hinter mir jemand den Stuhl weg, sodass ich problemlos rausgehen konnte. Das war der Klitschko. Einfach so. Und ich dachte: Boah, was f&amp;uuml;r ein toller Mann! Wie h&amp;ouml;flich! Wie aufmerksam! Danke! &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Der schlimmste Fehler, den ein Mann machen kann?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sich von mir die T&amp;uuml;r aufmachen lassen und nicht mal Danke sagen. Dann durchgehen und die T&amp;uuml;r hinter sich zuziehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Macht doch keiner! &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Doch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wer?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kann ich Ihnen nicht sagen. Das war jemand, den jeder kennt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;---&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bio:&lt;/em&gt;&lt;br /&gt; &lt;em&gt;Lena Meyer- Landrut&lt;br /&gt;* 23. Mai 1991&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wer noch nie von Lena      Meyer-Landrut geh&amp;ouml;rt hat, muss die letzten zwei Jahre in einer Erdh&amp;ouml;hle      gelebt haben. Zur Erinnerung: Die Meyer-Landrut, geboren und aufgewachsen in Hannover, gewann 2010 in Oslo den Eurovision Song Contest, nachdem sie      in Stefan Raabs Castingshow schon Millionen von Zuschauern begeistert      hatte. Bei ihrer R&amp;uuml;ckkehr wurde sie vom damaligen nieders&amp;auml;chsischen      Ministerpr&amp;auml;sidenten Christian Wulff am Flughafen empfangen, das ganze Land      feierte sie als &amp;raquo;Fr&amp;auml;uleinwunder&amp;laquo;. Der Rausch nahm erst ab, als Lena im      folgenden Jahr noch mal beim ESC antrat, aber auf den hinteren Pl&amp;auml;tzen      landete. Sie k&amp;uuml;ndigte daraufhin eine l&amp;auml;ngere Ruhephase an, zog nach K&amp;ouml;ln      und wollte dort unter anderem studieren. Es kam anders. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die 20-jährige Lena Meyer-Landrut</dc:subject>
    <dc:creator>Max Fellmann (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2012-03-08T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37013">
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    <title>Zu sehr gelebt</title>
    <description>&lt;p&gt;Am Sonntag ist Maria Kwiatkowsky in ihrer letzten Fernsehrolle zu      sehen: im &lt;em&gt;Polizeiruf&lt;/em&gt;. Die Schauspielerin starb im Juli 2011, sie wurde      nur 26 Jahre alt. Freunde und Kollegen erz&amp;auml;hlen von ihrem rasend      kurzen Leben.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/41781.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mex Schl&amp;uuml;pfer, Schauspieler und Freund &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Maria war kein Hamster, sie war'n Pitbull. Nen janz lieber Pitbull. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Maris Pfeiffer, Fernsehregisseurin &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich dachte mir gleich, die Schauspielerei ist das Tollste f&amp;uuml;r Maria, weil sie sie in ihren Wahnsinn integrieren kann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kathi Angerer, Schauspielerin &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Maria war extrem offen, pur, dadurch vielleicht schutzlos. Sie hat sich sehr preisgegeben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ivan Panteleev, Theaterregisseur &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sie hat in einer anderen Geschwindigkeit gelebt, deshalb vielleicht auch nur so kurz. Jeder l&amp;auml;uft die Strecke in seiner Geschwindigkeit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Daniel Regenberg, Musiker und Marias Freund&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;&amp;raquo;Was, die? Die sieht doch aus wie ein Typ!&amp;laquo; hat mein Mitbewohner gemeint, aber ich wusste sofort: &amp;raquo;Die isses!&amp;laquo; Maria war das gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Gl&amp;uuml;ck meines Lebens, trotz des Endes. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;I. Akt: Aufstieg&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Maria Kwiatkowsky wird 1985 in Ostberlin geboren. Sie ist Einzelkind, ihre Mutter alleinerziehend, zu ihrem Vater hat Maria wenig Kontakt. Noch in ihrer Schulzeit, mit 15, f&amp;auml;ngt sie beim Jugendtheater der Berliner Volksb&amp;uuml;hne an. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sabine Zielke, Dramaturgin, Volksb&amp;uuml;hne &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sie ist mir sofort als extrem begabt aufgefallen. Durch ihre Direktheit, ihr Verm&amp;ouml;gen, in Erscheinung zu treten. Sie war ja ein sehr zarter Mensch, aber hatte doch unglaubliche Kraft. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aus Marias Vita bei ihrer Schauspielagentur Pegasus &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gr&amp;ouml;&amp;szlig;e: 165, Augenfarbe: braun, Haarfarbe: dunkelblond.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kathi Angerer, Schauspielerin &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe Maria das erste Mal getroffen, als sie 15 war. Ich kannte den Freund ihrer Mutter, einen Musikproduzenten, mit dem ich zusammengearbeitet habe. Wir sa&amp;szlig;en in der K&amp;uuml;che, und Maria kam aus der Schule. Sie wollte unbedingt zum Theater. Ich habe versucht, sie ein bisschen zu erden: Sie soll nicht alles hinschmei&amp;szlig;en, sondern Abitur machen. Das hat sie getan, aber nach dem Abi gleich &lt;em&gt;En Garde&lt;/em&gt; gedreht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Im Kinofilm &amp;raquo;En Garde&amp;laquo; (2003) spielt Maria eine sensible Jugendliche, die nach dem Tod der Gro&amp;szlig;mutter von ihrer lieblosen Mutter ins Heim gegeben wird. In einer Schl&amp;uuml;sselszene legt sie dort Feuer. F&amp;uuml;r ihre Rolle erh&amp;auml;lt sie den Silbernen Leoparden bei den Filmfestspielen in Locarno. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ayse Polat, Regisseurin von &lt;em&gt;En Garde &lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nach der Preisverleihung hat Maria mir erz&amp;auml;hlt, dass sie das gar nicht richtig genie&amp;szlig;en kann, weil sie sich nicht gut genug findet. Sie hatte damals gro&amp;szlig;e Selbstzweifel, obwohl mir nach ihrem ersten Vorsprechen sofort klar war, dass nur sie die Rolle bekommt. Sie hatte eine unglaubliche Pr&amp;auml;senz, gleichzeitig konnte sie auch die leisen T&amp;ouml;ne. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Tina Pfurr, Schauspielerin und Freundin &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Maria hat man geh&amp;ouml;rt, bevor man sie gesehen hat. Sie hatte diese unglaublich schrille, quietschende Stimme. Auf der Schauspielschule Ernst Busch haben sie sie abgelehnt. Die meinten, sie solle sich ihre Nase operieren lassen, mit ihrer Stimme passe was nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kathi Angerer, Schauspielerin &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich glaube, an der Ernst-Busch-Schule haben sie gesp&amp;uuml;rt, dass man Maria nicht so formen kann, wie man das dort gern tut. Maria hat st&amp;auml;ndig Dinge infrage gestellt, war so freiheitsliebend, das ist in dem System nicht gefragt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;2004 bekommt Maria ihre zweite Hauptrolle. Im ARD-Film &amp;raquo;Liebe Amelie&amp;laquo; spielt sie ein manisch-depressives M&amp;auml;dchen, dessen Mutter die Erkrankung nicht wahrhaben will. Daf&amp;uuml;r bekommt sie den F&amp;ouml;rderpreis Deutscher Film in der Kategorie &amp;raquo;Beste Nachwuchsschauspielerin&amp;laquo;.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Maris Pfeiffer, Regisseurin &lt;em&gt;Liebe Amelie &lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Beim Dreh wirkte sie total gel&amp;ouml;st. Sie hat toll gespielt, und es hat ihr &amp;uuml;berhaupt keine M&amp;uuml;he bereitet. In den Pausen hat sie Kreuzwortr&amp;auml;tsel gel&amp;ouml;st. Manchmal, wenn wir gerade eine Szene abgedreht hatten, meinte sie: &amp;raquo;Jetzt hab ichs!&amp;laquo; Sie hat also w&amp;auml;hrend des Drehs &amp;uuml;ber das R&amp;auml;tsel nachgedacht. Mir war da noch nicht klar, wie gef&amp;auml;hrdet sie war. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;II. Akt: Krise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Daniel Regenberg, Musiker und Marias Freund &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das mit dem Kindergarten ist passiert, zwei Wochen nachdem wir uns kennengelernt haben, im November 2005. Am Samstag hat sie die Kita abgefackelt, und am Sonntag wollten wir uns eigentlich treffen, aber sie ist nicht gekommen. Ich war total beleidigt und hab ihr ne SMS geschrieben: &amp;raquo;Das wars dann wohl.&amp;laquo; Sie hat am Montag geantwortet: &amp;raquo;Sei nicht sauer, stecke tief in der Tinte, kauf dir die &lt;em&gt;B. Z.&lt;/em&gt;&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;B. Z. vom 14.11.2005 &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brandstiftung in Berlin: &lt;br /&gt;ARD-Schauspielerin dreht durch und brennt Kindergarten ab. &amp;ndash; Es geschah nachts um 2.40 Uhr, als Anwohner ein Feuer in einer Kita im Stadtteil Prenzlauer Berg bemerkten und die Feuerwehr riefen. Als diese eintraf, bemerkten die Retter eine Frau auf dem Dach der Kita. Sie wurde sofort mit einer Drehleiter gerettet &amp;hellip; Die Kita wurde fast v&amp;ouml;llig zerst&amp;ouml;rt. &lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Sie hatte so was Lockeres - um ihre Zerbrechlichkeit zu kaschieren&quot;] &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/41783.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;em&gt;Maria Kwiatkowsky in dem Fernsehfilm &lt;/em&gt;&lt;em&gt;&amp;raquo;Liebe Amelie&amp;laquo; von 2004.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ayse Polat, Regisseurin &lt;em&gt;En Garde&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich war froh, dass die von der &lt;em&gt;B.Z.&lt;/em&gt; meinen Film nicht gesehen hatten, da brennt sie ja auch das Kinderheim ab. Gleichzeitig hat es mich nat&amp;uuml;rlich sehr erschreckt, weil der Film sie offenbar viel mehr mitgenommen hatte, als ich dachte. W&amp;auml;hrend des Drehs hat sie so professionell gewirkt, so cool. Aber Maria hatte immer so was Lockeres, um damit ihre innere Zerbrechlichkeit zu kaschieren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Moritz Heusinger, Marias Anwalt &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Maria wurde damals von Kirsten Heisig verurteilt, der ber&amp;uuml;hmten Berliner Jugendrichterin, die sich 2010 das Leben genommen hat. Zwei Jahre auf Bew&amp;auml;hrung wegen verminderter Schuldf&amp;auml;higkeit, als Auflage eine Therapie. Es wurde viel spekuliert in dem Strafverfahren, warum eine Kita. Der Gutachter wollte immer h&amp;ouml;ren: weil ihre Mutter Kinderg&amp;auml;rtnerin war. Aber Maria hat gesagt, das war reiner Zufall, sie hat vorher schon gez&amp;uuml;ndelt, bei einem Lastwagen die Plane oder M&amp;uuml;ll. Was ihr Verh&amp;auml;ngnis war: Das Land Berlin hat darauf bestanden, dass Maria den nicht versicherten Teil des Brandschadens bezahlt, &amp;uuml;ber 300 000 Euro! Das macht allein mehr als 20 000 Euro Zinsen im Jahr, ohne dass getilgt wird. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kathi Angerer, Schauspielerin &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Urteil hat sie vollkommen demoralisiert. Sie wurde in den Himmel gehoben, bekam Preise, Gagen, aber musste das Geld gleich wieder abgeben. Ich wei&amp;szlig; nicht, wie lange sie gebraucht h&amp;auml;tte, um das zu bezahlen, trotz ihres Talents. So macht man jemanden kaputt. Da hat sie angefangen, mit allem zu spielen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Melanie L&amp;uuml;ningh&amp;ouml;ner, Schauspielerin und Freundin &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kurz nach dem Prozess ist Maria nach Freiburg gezogen. Wir haben uns am Theater kennengelernt und sind ziemlich schnell zusammengezogen. Ich glaube, Maria war froh, aus Berlin erst einmal weg zu sein, obwohl ihr Freiburg nicht gefallen hat. So eine sch&amp;ouml;ne Stadt mit sch&amp;ouml;ner Natur, und alle sind gesund, das hat sie ein bisschen verr&amp;uuml;ckt gemacht. Richtig zu Hause gef&amp;uuml;hlt hat sie sich nur im Theater. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Viola Hasselberg, Dramaturgin, Theater Freiburg &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wir kannten die Geschichte mit dem Kindergarten, aber ein Kollege hatte so von ihr geschw&amp;auml;rmt, dass wir sie zum Vorsprechen eingeladen und ihr gleich ein Angebot f&amp;uuml;r zwei Jahre gemacht haben. Ihre Wut hat einen gepackt, weil sie echt war. Gleichzeitig hatte sie was Warmes, ihr erstes St&amp;uuml;ck hier war &lt;em&gt;Pippi Langstrumpf&lt;/em&gt;, und die 900 Kinder im Saal hat sie jedes Mal f&amp;uuml;r sich eingenommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ivan Panteleev, Theaterregisseur&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Maria war in Freiburg, in dieser Provinz, der erste Komplize, den ich hatte. Sie war s&amp;uuml;chtig nach Kreativit&amp;auml;t, man musste sie nicht antreiben zur Arbeit, sondern eher im Gegenteil, man musste sie runterbringen. Sie war witzig, aber kein Witzbold. Ein Traum f&amp;uuml;r jeden Regisseur: ein Schauspieler, der mit dem K&amp;ouml;rper denkt, nicht mit dem Kopf. In Gespr&amp;auml;chen hab ich &amp;ouml;fter wei&amp;szlig;e Flecken in ihrer Allgemeinbildung bemerkt, aber gleichzeitig hatte sie ein unheimliches Denkverm&amp;ouml;gen. In gewisser Weise war sie eine Intellektuelle. Ein Mensch, der selbstst&amp;auml;ndig Gedanken formuliert hat. Ein denkender Mensch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/41775.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;em&gt;2010 mit Christoph Letkowski an der Berliner Volksb&amp;uuml;hne in Werner Schroeters Inszenierung &amp;raquo;Quai West&amp;laquo;.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Akt III: R&amp;uuml;ckkehr&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sabine Zielke, Dramaturgin, Volksb&amp;uuml;hne &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Maria war bei uns in der Volksb&amp;uuml;hne seit 2010 festes Ensemblemitglied. Sie ist &amp;ouml;fter zu sp&amp;auml;t zu den Proben gekommen, aber ich fand das nicht problematisch. Wenn man einen Menschen so erleben will auf der B&amp;uuml;hne wie Maria, dann ist das ein kleiner Preis, den man daf&amp;uuml;r zahlen muss. Das ist Rock &amp;rsquo;n&amp;rsquo; Roll, das kenne ich von Mex genauso wie von ihr. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mex Schl&amp;uuml;pfer, Schauspieler und Freund &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Diese kleenen Tanzschrittchen und diese Quitschkowsky-Stimme &amp;ndash; die ist hier rinjehoppst gekommen und hat erst mal das janze Theater uff Spur jebracht. Was uns beede verbindet &amp;ndash; wir sind zwei Vollspinner. Ich wei&amp;szlig; noch, wo ich das erste Mal bei ihr zu Hause war, da hingen lauter Bilder an der Wand, und ich hab jesagt: Die sind aber jut daf&amp;uuml;r, dass du nich malen kannst. Vor nem Auftritt meint sie dann zu mir: Ich will dir &amp;rsquo;nen Bild malen. Mein ich: Freut mich, super. Dann sie: Mex, wat soll denn druff sein? Mein ich: Ne Chappi-B&amp;uuml;chse oder was wei&amp;szlig; ich wat. Ich denk mir, aber hab&amp;rsquo;s nich jesagt: Mond. Sie guckt mich an und sagt: Mond. Und ich sach: H&amp;ouml;r uff mit die Schei&amp;szlig;e. Drei Tage sp&amp;auml;ter hab ich nen Mond von ihr bekommen, der h&amp;auml;ngt nu &amp;uuml;ber meinem Bett. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Uwe Preuss, Schauspieler &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;In Werner Schroeters letzter Inszenierung an der Volksb&amp;uuml;hne &lt;em&gt;Quai West&lt;/em&gt; haben wir zusammengearbeitet. Sie hat Claire gespielt, eine schlaflose Figur. Die Nervosit&amp;auml;t hat sie hergestellt, indem sie in der gesamten Probezeit in einem Schuh gearbeitet hat. Mit dem schuhlosen Fu&amp;szlig; tippelte sie auf den Boden, &amp;uuml;ber drei, vier Stunden, das hat mich sehr beeindruckt. St&amp;auml;ndig hat sie Dinge erfunden. Texte, Melodien, Bilder. Ihr Kopf hat immer gearbeitet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Melanie L&amp;uuml;ningh&amp;ouml;ner, Schauspielerin und Freundin &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich hatte das Gef&amp;uuml;hl, dass die Leute an der Volksb&amp;uuml;hne Grenzen austesten. Dadurch ist es ein fantastisches Theater, aber eben auch extrem. Und ich hab mich immer gefragt, ob die gut aufeinander aufpassen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neben ihrem Engagement an der Volksb&amp;uuml;hne entwickelt Maria Paff Meisi, einen schnauzb&amp;auml;rtigen Macho, &amp;uuml;berzeichnet und komisch wie Helge Schneider. Die Figur wird ihr Alter Ego, mit dem sie in &lt;a href=&quot;http://torstrasse-intim.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&amp;raquo;Torstra&amp;szlig;e intim&amp;laquo;&lt;/a&gt; auftritt, eine Art postmoderne Sitcom &amp;uuml;ber Sex und Philosophie. Die Serie kann man im Internet ansehen, geschrieben und gedreht hat Marias Freund Daniel, mit dabei sind Annika Pinske und Tina Pfurr. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Selbstzerst&amp;ouml;rung und Depression: ein gefundenes Fressen&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/41779.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;em&gt;Maria in der Rolle der von ihr selbst erfundenen Figur Paff Meisi aus der Internet-Sitcom &amp;raquo;Torstra&amp;szlig;e intim&amp;laquo;.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Melanie L&amp;uuml;ningh&amp;ouml;ner, Schauspielerin und Freundin &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Torstra&amp;szlig;e intim&lt;/em&gt;, das war ihr Baby mit Daniel und Paff Meisi ihre beste Rolle. Sie hat sie st&amp;auml;ndig weiterentwickelt, Videos gedreht und auf Youtube gestellt und Paff-Meisi-Shows am Theater gespielt. Am Abend, an dem sie die Goldene Kamera als beste Nachwuchsdarstellerin bekommen hat, hatte sie ihr erstes Livekonzert als Paff Meisi. Sie hat sich den Preis abgeholt und ist sofort gefahren. Paff Meisi war ihr wichtiger.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Maria Kwiatkowsky bei der Verleihung der Goldenen Kamera &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, danke, Alter. Is super, richtig geil. Was soll ich sagen, is'n Supertach heute. Ich mein, eine Stylistin macht mir die Haare, und jetzt bin ich hier und krieg diesen Preis, das ist toll, aber ich muss leider sofort gehen und kann nicht mit euch Champagner trinken, oder wie man das so macht. Danke sch&amp;ouml;n, mir fehlen die Worte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Daniel Regenberg, Musiker und Marias Freund &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Maria hat nie Hierarchien aufgebaut. Den Castorf &lt;em&gt;(Intendant der Volksb&amp;uuml;hne, Anm. d. Red.)&lt;/em&gt; hat sie genauso behandelt wie den Putzmann. Und als einmal Bernd Eichinger auf ihrem Handy angerufen hat, um ihr ein Angebot f&amp;uuml;r eine Rolle zu machen, hat sie ihn abgewimmelt, weil sie sich gerade unterhalten hat und seine Stimme so schei&amp;szlig;e klang. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Maria Kwiatkowsky als Paff Meisi &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;I have a traffic jam in my trousers &amp;ndash; big balls!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Annika Pinske, Regisseurin und Freundin &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Maria war so ein richtiges Prenzlauer-Berg-Kind, die kannte jede Dachluke. Ich wei&amp;szlig; noch, wie wir einmal in der Friedrichstra&amp;szlig;e auf einem Dach sa&amp;szlig;en, nachts, allein, und irgendwann runtergepinkelt haben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kathi Angerer, Schauspielerin &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe mich manchmal gefragt, was aus ihr wird, wenn sie 40 oder 50 ist. Das f&amp;uuml;hlte sich immer ausgeschlossen an. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mex Schl&amp;uuml;pfer, Schauspieler und Freund &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Immer nach dem Motto: Is sie zu stark, bist du zu schwach. Man musste auch mit ihr umgehen k&amp;ouml;nnen. Ich mein, da holen sich manche nen Pitbull und k&amp;ouml;nnen nich damit umgehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Daniel Regenberg, Musiker und Marias Freund &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Maria konnte so s&amp;uuml;&amp;szlig; sein. Einmal wollte sie mich mit Fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;ck auf dem Dach &amp;uuml;berraschen. Sie hat im Treppenhaus geheime F&amp;auml;hrten gelegt, damit ich aufs Dach finde, aber niemand sonst aus dem Haus. Oben gab es Weintrauben und Puffbrause, sogar eine Matratze hat sie hochgeschleppt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;In Filmproduktionen wird Maria weiterhin vor allem als psychisch labiles M&amp;auml;dchen besetzt. 2009 spielt sie in der Folge &amp;raquo;Bauchgef&amp;uuml;hl&amp;laquo; der TV-Reihe &amp;raquo;Bloch&amp;laquo; eine magers&amp;uuml;chtige Jugendliche und transportiert die Not des M&amp;auml;dchens so glaubw&amp;uuml;rdig, dass es in einer Kritik hei&amp;szlig;t: &amp;raquo;F&amp;uuml;r Zuschauer mit gro&amp;szlig;er Empathie-Bereitschaft kann dieser Film zur Tortur werden.&amp;laquo; &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Franziska Meletzky, Regisseurin &lt;em&gt;Bauchgef&amp;uuml;hl &lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dieter Pfaff meinte damals: Ich habe einen Freak erwartet und bin einer gro&amp;szlig;en K&amp;uuml;nstlerin begegnet. Sie und Pfaff waren s&amp;uuml;&amp;szlig; miteinander. Wenn Pause war, drehte sie sich rum, klein, wie sie war, und sagte: &amp;raquo;Komm, Pfaffi&amp;laquo;, und er ging mit. Wenn sie an ihrem K&amp;ouml;nnen zweifelte, hat Dieter ihr Kraft gegeben. Sehr ber&amp;uuml;hrend, dieses ungleiche Paar. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Annika Pinske, Regisseurin und Freundin &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich h&amp;auml;tte Maria nicht als Magers&amp;uuml;chtige besetzt. Als sie &lt;em&gt;Bloch&lt;/em&gt; gedreht hat, hat sie nur noch Joghurt gegessen. Drogens&amp;uuml;chtige, Suizidgef&amp;auml;hrdete: Sie spielte immer extreme Rollen. Nat&amp;uuml;rlich ist das ein Dilemma. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Viola Hasselberg, Dramaturgin, Theater Freiburg &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Diese Mischung aus Selbstzerst&amp;ouml;rung und Depression ist ein gefundenes Fressen f&amp;uuml;r einen Regisseur, und ich glaube, dass es etwas mit einem macht, wenn man immer in solchen Rollen besetzt wird. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Akt IV: Chaos&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Daniel Regenberg, Musiker und Marias Freund &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Als Maria und ich mal im Zoo waren, haben wir so kleine &amp;Auml;ffchen gesehen, Kapuziner&amp;auml;ffchen. Der eine hat eine Nuss gegessen. Dann hat er hochgeguckt und dabei vergessen, dass er die Nuss gerade isst, sie ist ihm hingefallen, und er ist erschrocken. Da meinte Maria: &amp;raquo;Mann, die sind ja wie ich!&amp;laquo; Sie hatte ein merkw&amp;uuml;rdiges Gehirn, eine andere kognitive Struktur. Sie konnte Dinge nur vom Zuschauen lernen. Als wir mal in einer Tangobar waren, hat sie ein &amp;auml;lterer Herr aufgefordert. Maria hatte noch nie vorher Tango getanzt, konnte es aber sofort. Sie musste auch die Texte f&amp;uuml;r ihre Rollen nur zweimal lesen. Gleichzeitig konnte sie sich nicht daran erinnern, was gestern war. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Annika Pinske, Regisseurin und Freundin &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es gab Phasen, wo sie sich Blumen gekauft hat, um h&amp;auml;uslich zu sein, aber alle wussten, die werden nicht lange &amp;uuml;berleben. Sie wollte die Blumen gie&amp;szlig;en, wie man das halt so macht. Sie hatte diesen Wunsch nach Normalit&amp;auml;t und war verzweifelt, das nicht zu k&amp;ouml;nnen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Franziska Meletzky, Regisseurin &lt;em&gt;Bauchgef&amp;uuml;hl &lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sie hat mir erz&amp;auml;hlt, dass ihr Freund Daniel ihr am Anfang der Beziehung gesagt hat: &amp;raquo;Maria, wenn ich dich anrufe, musst du mich auch irgendwann mal zur&amp;uuml;ckrufen. Das geht so in Beziehungen.&amp;laquo; Ich dachte, sie hat ganz viel nachzuholen, was soziales Miteinander betrifft. Im Nachhinein habe ich mir geschworen: Wenn ich so was noch mal sp&amp;uuml;re, werde ich mich intensiver k&amp;uuml;mmern. Vielleicht ist das aber auch alles Don Quichotte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Daniel Regenberg, Musiker und Marias Freund &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es muss verdammt anstrengend gewesen sein, Maria zu sein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Uwe Preuss, Schauspieler &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe mit Maria im Fr&amp;uuml;hjahr 2011 den Rostocker &lt;em&gt;Polizeiruf &lt;/em&gt;gedreht. Sie spielt eine Sozialarbeiterin, die andere wieder auf die Spur bringen soll. Das ist im R&amp;uuml;ckblick irgendwie tragisch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Annika Pinske, Regisseurin und Freundin &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe sie das letzte Mal im Juni gesehen, einen Monat bevor sie gestorben ist. Da war sie schon so flirrig, so weit weg, es war unm&amp;ouml;glich, mit ihr zu reden. Wir haben alle Strategien probiert, ihr zu helfen, auch Distanz. Aber sie hat sowieso nie angerufen. Ich hab gedacht, es w&amp;auml;re ihr egal, h&amp;auml;tte ich die Freundschaft zu ihr gek&amp;uuml;ndigt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ihren letzten Film dreht Maria im Juni 2011: &amp;raquo;Die Erfindung der Liebe&amp;laquo; mit Mario Adorf, Samuel Finzi, Sunnyi Melles. Maria spielt eine schamlose, verf&amp;uuml;hrerische und sehr mutwillige junge Frau. Der Film wird nicht zu Ende gedreht. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Lola Randl, Regisseurin Die Erfindung der Liebe &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle der Emily ist bei vielen, die das Drehbuch lasen, auf Unverst&amp;auml;ndnis gesto&amp;szlig;en. Weil diese Emily das Gl&amp;uuml;ck so mutwillig aufs Spiel setzt. Nur Maria hat das nicht schockiert. Man musste ihr nichts erkl&amp;auml;ren, sie spielte einfach los, und alles &amp;uuml;bertrug sich in aller Komplexit&amp;auml;t. Sie hat immer in der Zukunft von dem Film gesprochen, von der Premiere, auf die sie sich freut. &lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Sie hat vieles ausprobiert und auch nie ein Geheimnis draus gemacht&quot;] &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/41777.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Daniel Regenberg, Musiker und Marias Freund &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sie hat mir am Ende viel vorgespielt, aber den anderen noch mehr. Selbst die guten Freunde haben sich abgewendet. Man kann ihnen keinen Vorwurf machen, weil Maria sie weggesto&amp;szlig;en hat. Sie hat sich selbst in die Einsamkeit man&amp;ouml;vriert. Drei Jahre haben wir zusammengelebt, aber ich konnte irgendwann nicht mehr. Sie ist dann ausgezogen. Es ist unendlich traurig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Lola Randl, Regisseurin &lt;em&gt;Die Erfindung der Liebe &lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich kann nicht sagen, wie viel Maria geschlafen hat. Sie kam nie zur Ruhe. Sie ist mir st&amp;auml;ndig entwischt, innerlich. Maria war wie ein Hund, der sich gleich auf den R&amp;uuml;cken wirft, einer, der noch Welpenschutz hat. Auch wenn sie mittendrin war, steckten eine gewisse Traurigkeit und Einsamkeit in ihr. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Uwe Preuss, Schauspieler &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich erinnere mich an die Hilferufe &amp;uuml;ber Facebook, mitten in der Nacht: &amp;raquo;Komm doch vorbei, setz dich in den Flieger, ich langweile mich zu Tode, ich drehe erst um 7 Uhr morgens wieder.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sabine Zielke, Dramaturgin an der Volksb&amp;uuml;hne &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Alle haben versucht, ihr zu helfen, bei Castorf angefangen. Wir wussten, was wir an ihr haben, muss ich mal sagen, im Gegensatz zu dem, was manchmal geschrieben wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Annika Pinske, Regisseurin und Freundin &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Au&amp;szlig;er ihrer Mutter und Daniel und Tina &lt;em&gt;(Tina Pfurr, Anm. d. Red.)&lt;/em&gt; kann niemand behaupten, sie richtig gekannt zu haben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Maris Pfeiffer, Regisseurin&lt;em&gt; Liebe Amelie&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Maria hat mich an Frank Giering erinnert, auch ein toller Schauspieler. Der hat sich zu Tode gesoffen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Uwe Preuss, Schauspieler &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sie hat vieles ausprobiert und auch nie ein Geheimnis draus gemacht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kathi Angerer, Schauspielerin &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es passiert immer im Sommer, bei Frank Giering war das genauso. Wenn die Spielzeit fast vorbei ist, ist man so fertig. Da gibt es den Moment, in dem man sich zu viel zumutet, weil man es nicht einsch&amp;auml;tzen kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Akt V: Tod&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welt, 09.07.2011 &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schauspielerin Maria Kwiatkowsky im Alter von 26 Jahren gestorben &amp;ndash; Vor ein paar Tagen stand sie noch mit Mario Adorf vor der Kamera. Nun ist die Berliner Schauspielerin Maria Kwiatkowsky im Alter von 26 Jahren gestorben. Der Tod wurde m&amp;ouml;glicherweise durch eine &amp;Uuml;berdosis Drogen verursacht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Daniel Regenberg, Musiker und Marias Freund &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Marias Mutter m&amp;ouml;chte nicht, dass &amp;uuml;ber die Todesursache in der &amp;Ouml;ffentlichkeit spekuliert wird. Ich auch nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kathi Angerer, Schauspielerin &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es war an einem Dienstag, wir hatten noch eine Probe vor der Vorstellung an der Volksb&amp;uuml;hne und warteten auf Maria, aber sie kam nicht. Ihr Freund, Daniel, ging zu ihr und klingelte. Niemand machte auf. Ich wurde merkw&amp;uuml;rdig unruhig, denn Maria hatte extra am Tag vorher angerufen und darum gebeten, die Vorstellung spielen zu k&amp;ouml;nnen. Eigentlich war sie umbesetzt worden, weil sie den Film gedreht hat. Am Mittwoch hat mich Frank Castorf angerufen und erz&amp;auml;hlt, was passiert ist. Es hat mich extrem besch&amp;auml;ftigt, dass sie allein war und versucht hat, das nicht zu sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Lola Randl, Regisseurin &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;em&gt;Die Erfindung der Liebe&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Sie h&amp;auml;tte nachmittags mit dem Zug in K&amp;ouml;ln ankommen m&amp;uuml;ssen. Sie war nicht drin. Wir haben telefoniert und erfahren, dass sie am Abend vorher schon nicht an der Volksb&amp;uuml;hne war. Dann ist ihre Mutter in die Wohnung gegangen, da lag sie. Als wir das dem Team gesagt haben, standen alle zwei Stunden unter Schock auf dem Parkplatz. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mex Schl&amp;uuml;pfer, Schauspieler und Freund &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Seit Maria nich mehr da is, macht das alles nich mehr so viel Spa&amp;szlig;, is das alles son bisschen Clausthaler. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Daniel Regenberg, Marias Freund &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es gibt diesen Spruch: &amp;raquo;If you kill my demons you kill my angels.&amp;laquo; Und ein bisschen ist es auch so.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Epilog&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Annika Pinske, Regisseurin und Freundin &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Beerdigung war wahnsinnig sch&amp;ouml;n. So viel Ekstase, so etwas habe ich noch nie erlebt. Wir haben uns morgens in der Volksb&amp;uuml;hne getroffen, 150 Leute, alle standen auf der gro&amp;szlig;en B&amp;uuml;hne und haben gesungen und Gedichte von Maria vorgelesen. Wie lange das ging, wei&amp;szlig; ich nicht mehr, aber als wir wieder raus sind, schien pl&amp;ouml;tzlich die Sonne, den ganzen Morgen hatte es geregnet, jetzt war es superwarm, als h&amp;auml;tten wir eine Jahreszeit &amp;uuml;bersprungen. Auf dem Weg zum Friedhof hat Mex Schl&amp;uuml;pfer auf seinen selbst gebauten Instrumenten gespielt, irgendwer hat Marias Namen gerufen, und dann haben alle Marias Namen gerufen. Am Grab wurde es auf einmal ruhig, irgendwer hat eine Gitarre genommen und die Akkorde von &lt;em&gt;Total Eclipse of the Heart&lt;/em&gt; gespielt, das war Marias Partykracher. Abends sa&amp;szlig;en wir im &amp;raquo;M&amp;uuml;nzclub&amp;laquo;, bei offenem Fenster, es hat gewittert und bei jedem Donner haben wir MARIA gerufen und Sekt auf die Stra&amp;szlig;e gesch&amp;uuml;ttet. Es war reinigend.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/41773.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
         &lt;em&gt;Nach Marias Tod widmete ihr Mex Schl&amp;uuml;pfer ein Lied: &amp;raquo;Ich singe jetzt auf      Wiedersehen / Denn du wirst jetzt als Stern aufgehen / Du gehst jetzt im      Dauerlauf / als sch&amp;ouml;nster Stern am Himmel auf / F&amp;uuml;r den langen Wolkenritt      / geb ich dir mein Liedchen mit / Siehst du einen Stern mit nem Schweif am      Himmel / Dann ist das Paff Meisi mit nem Kometenpimmel&amp;laquo; &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href=&quot;http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/1933890_polizeiruf-110/9584094_polizeiruf-110-einer-trage-des-anderen-last&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Hier&lt;/a&gt; finden Sie die &lt;em&gt;Polizeiruf 110-&lt;/em&gt;Folge &quot;Einer trage des anderen Last&quot;, in der Maria Kwiatkowsky am Sonntag zu sehen war.&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Zu sehr gelebt</dc:subject>
    <dc:creator>Christoph Cadenbach und Gabriela Herpell (Protokoll)</dc:creator>
    <dc:date>2012-02-17T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36841">
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    <title>Verdammt zum ewigen Leben</title>
    <description>&lt;p&gt;P&amp;uuml;nktlich zum 50. Todestag lassen sich Millionen mit Marilyn      Monroe verdienen. Ihr letzter Wunsch, bitte nie l&amp;auml;cherlich gemacht zu      werden, kann dabei nicht immer ber&amp;uuml;cksichtigt werden.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man k&amp;ouml;nnte denken, Lady Gaga habe alles erreicht. Sie trat vor Queen Elizabeth auf, trug ein Kleid aus rohem Fleisch und wurde vom &lt;em&gt;Rolling Stone&lt;/em&gt; zur &amp;raquo;Queen of Pop&amp;laquo; erkl&amp;auml;rt. Doch tief in ihrem Innern scheint ein Wunsch zu schlummern, den all ihre Erfolge bisher nicht erf&amp;uuml;llen konnten: sich f&amp;uuml;r einen Moment wie Marilyn Monroe zu f&amp;uuml;hlen. Mitte Oktober war es dann endlich so weit, und die Popwelt staunte, als der gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Star der letzten Jahre in aller &amp;Ouml;ffentlichkeit seinen Marilyn-Moment zelebrierte: Auf dem H&amp;ouml;hepunkt von Bill Clintons Geburtstagskonzert schmachtete Lady Gaga den Expr&amp;auml;sidenten &amp;auml;hnlich lasziv an wie Monroe einst John F. Kennedy. Hinterher scherzte Clinton: &amp;raquo;Ich dachte, ich bekomme einen Herzinfarkt.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Szene war einerseits bemerkenswert: Man h&amp;auml;tte nicht erwartet, dass einen ultramodernen Star wie Lady Gaga ein platinblondes Busenwunder aus der &amp;Auml;ra des Schwarz-Wei&amp;szlig;-Films reizen kann. Andererseits war es auch wieder nicht bemerkenswert, sind wir doch gerade mehr als jemals von Monroe-Bildern umgeben; ihr Schmollmund und ihr kurvenreicher K&amp;ouml;rper tauchen so h&amp;auml;ufig in den Medien auf, dass man glauben k&amp;ouml;nnte, sie h&amp;auml;tte ihren ersten Film nicht 1947, sondern 2011 gedreht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Tats&amp;auml;chlich aber ist sie nun fast 50 Jahre tot. Am 5. August 1962 fand man sie auf dem Bett in ihrer Villa in Los Angeles, nackt, gestorben wohl an einer &amp;Uuml;berdosis Schlaftabletten. Und l&amp;auml;ngst hat anl&amp;auml;sslich dieses runden Todestages eine schon jetzt atemberaubende Marilyn-Hysterie eingesetzt: Etliche Verlage stehen mit neuen Biografien und Bildb&amp;auml;nden in den Startl&amp;ouml;chern, Dolce &amp;amp; Gabbana bringen im Fr&amp;uuml;hjahr eine MM-Kollektion auf den Markt, in China werden bereits containerweise Monroe-Souvenirs verschifft. Auf der Facebook-Seite des toten Stars registrieren sich pro Tag bis zu 3000 neue Fans, und auch zahlreiche Hollywood-Blondinen versuchen, ein paar Kr&amp;uuml;mel vom Monroe-Mythos abzubekommen. Am konsequentesten war Lindsay Lohan. Im aktuellen US&lt;em&gt;-Playboy&lt;/em&gt; sagt das Starlet wenig, zeigt aber viel: Lohan stellt einige ber&amp;uuml;hmte Nacktfotos nach, die Marilyn Monroe einst gemacht hat, &amp;raquo;um die Miete bezahlen zu k&amp;ouml;nnen&amp;laquo;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mehr als 300 Biografien sp&amp;uuml;ren den Wendungen ihres Lebens nach, dazu kommen etliche Doktorarbeiten &amp;uuml;ber sie, Dutzende Filme, Popsongs, Gem&amp;auml;lde, Theaterst&amp;uuml;cke. Doch niemandem ist es bisher gelungen, das R&amp;auml;tsel Marilyn zu l&amp;ouml;sen. K&amp;ouml;nnte es daran liegen, dass nicht mal die Monroe selbst genau sagen konnte, wer sie war? Als Kind einer schizophrenen Mutter wurde sie zwischen Waisenh&amp;auml;usern und Pflegefamilien hin- und hergeschubst, sp&amp;auml;ter bekam sie einen neuen Namen und eine  neue Biografie verpasst, ma&amp;szlig;geschneidert von den Illusionsprofis Hollywoods. Sie war zugleich die megablonde Venusfalle, das unschuldige M&amp;auml;dchen oder das schutzbed&amp;uuml;rftige Psychowrack. Ihre Biografie und Karriere hatten so viele verschiedene, teils widerspr&amp;uuml;chliche Facetten, dass es heute leicht ist, sich eine Marilyn zurechtzubasteln, ma&amp;szlig;geschneidert f&amp;uuml;r den eigenen Zweck.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Was Jamie Salter mit Marilyn Monroe anfangen will, ist erfrischend klar: Geld verdienen. Seine Firma Authentic Brands Group hat vor einem Jahr die Rechte an Marilyn Monroe gekauft. &amp;raquo;Mir geh&amp;ouml;ren ihre Augen und die Lippen, ihr Name, ihr Abbild und ihre Unterschrift&amp;laquo;, prahlt Salter, ein untersetzter kanadischer Gesch&amp;auml;ftsmann mit Bauchansatz. &amp;raquo;Ich bin mehr als ihr Manager. Ich besitze sie!&amp;laquo; Jamie Salter verr&amp;auml;t nicht, wie viel ihm Marilyn wert war; in der Branche ist aber von 20 bis 30 Millionen Dollar die Rede. Anfang Dezember legte er noch mal 352 000 Dollar hin, als das Auktionshaus Julien&amp;rsquo;s Fotos von Marilyns allererstem Kameral&amp;auml;cheln versteigerte. Daf&amp;uuml;r bekam Salter die Negative und Vermarktungsrechte an den Fotos und das Original ihres ersten Modelvertrags.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Salter spekuliert darauf, damit gro&amp;szlig; Kasse zu machen. Und es k&amp;ouml;nnte klappen: Tote Stars haben im vergangenen Jahr allein in Amerika rund zweieinhalb Milliarden Dollar Umsatz gemacht. Rund 100 Millionen Dollar davon gingen an Marilyn &amp;ndash; viel zu wenig, findet Salter, er will das Gesch&amp;auml;ft mit Marilyn-Produkten verf&amp;uuml;nffachen. Die Schnapsgl&amp;auml;ser mit Monroe-Aufdruck, die es in Ramschl&amp;auml;den gibt, h&amp;auml;lt er allerdings f&amp;uuml;r &amp;raquo;zu kitschig&amp;laquo;. Er m&amp;ouml;chte vielmehr Marilyn als hochpreisige Glamour-Ikone wieder auferstehen lassen, eine Reihe von &amp;raquo;Marilyn-Caf&amp;eacute;s&amp;laquo; er&amp;ouml;ffnen, eine gehobene Hollywood-Variante von Ketten wie Starbucks. Unter dem Siegel gr&amp;ouml;&amp;szlig;ter Verschwiegenheit fl&amp;uuml;stert er einem auch den Namen eines Kosmetikkonzerns ins Ohr, der dieses Jahr eine Linie mit Marilyn-Produkten herausbringen wird, aber hier nicht genannt werden darf &amp;ndash; sonst drohen 20 Millionen Dollar Strafe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Als Manager und Besitzer von Marilyn Monroe ist Salter selbstverst&amp;auml;ndlich auch an den zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen beteiligt, die sich gerade mit dem toten Star besch&amp;auml;ftigen. So wird im amerikanischen Fernsehen im Februar Steven Spielbergs TV-Serie &lt;em&gt;Smash&lt;/em&gt; anlaufen, eine Sitcom &amp;uuml;ber Starlets, die sich f&amp;uuml;r ein Musical in Marilyn Monroe verwandeln. Naomi Watts spielt die Hauptrolle im neuen Biopic Blonde, dessen Thema die Anfangsjahre von Marilyns Karriere sind. Bereits Ende November kam in den USA der Film &lt;em&gt;Meine Woche mit  Marilyn&lt;/em&gt; in die Kinos, erz&amp;auml;hlt aus der Perspektive eines sch&amp;uuml;chternen J&amp;uuml;nglings namens Colin Clark, den Marilyn angeblich in ihr Bett lockte, als es ihr dritter Ehemann, der Schriftsteller Arthur Miller, nicht mehr mit ihr aushielt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Zum Filmstart in den USA hatte die Hauptdarstellerin Michelle Williams ihren eigenen Monroe-Moment: Mit knallroten Lippen und offenherzigem Dekollet&amp;eacute; posierte sie auf dem Cover der US-&lt;em&gt;Vogue&lt;/em&gt;. Im Interview zeigte sie sich dann &amp;uuml;berraschend hellsichtig: &amp;raquo;Jeder hat seine eigene Idee davon, wer Marilyn war und was sie ihm bedeutet.&amp;laquo; Michelle Williams sieht in Marilyn weder die Sexbombe, wie Lindsay Lohan, noch die machtbewusste Aufsteigerin, sondern das vom Erfolg &amp;uuml;berforderte Opfer eines m&amp;auml;nnerdominierten Gesch&amp;auml;fts. &amp;raquo;Ich habe noch nie so viel um einen Menschen geweint, den ich gar nicht kannte&amp;laquo;, sagt Michelle Williams. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ihr Auftritt in &lt;em&gt;Meine Woche mit Marilyn&lt;/em&gt; ist so &amp;uuml;berzeugend, dass sie bereits als Oscar-Kandidatin gehandelt wird. Doch Jamie Salter, Marilyns neuer Besitzer, w&amp;uuml;rde gern noch einen Schritt weitergehen. Er tr&amp;auml;umt davon, sie digital wiederzubeleben und ihre k&amp;uuml;nstlich animierte Computerversion in neuen Filmen auftreten zu lassen. Problem: Ein Monroe-Avatar w&amp;uuml;rde, laut Salter,  pro Filmminute derzeit um die 300 000 Dollar kosten &amp;ndash; &amp;raquo;ein abendf&amp;uuml;llender Spielfilm w&amp;auml;re also teuer&amp;laquo;. Andererseits w&amp;auml;re der Avatar in vieler Hinsicht pflegeleichter, als es die echte Monroe war. &amp;raquo;Unsere Marilyn kommt niemals zu sp&amp;auml;t&amp;laquo;, br&amp;uuml;stet sich Salter in Anspielung auf Marilyn Monroes ber&amp;uuml;chtigte Unp&amp;uuml;nktlichkeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Was f&amp;uuml;r ein gruseliger Gedanke! Eine digital gez&amp;auml;hmte Sexbombe, die niemals altert und alles mit sich machen l&amp;auml;sst! Denkt man genauer dar&amp;uuml;ber nach, entdeckt man in Salters Ansinnen jedoch eine tiefere Wahrheit. Ein Avatar ist schlie&amp;szlig;lich eine leere H&amp;uuml;lle, die jeder f&amp;uuml;r seine Zwecke verwenden kann. Ist Marilyn Monroe nicht genau das bereits geworden, ganz ohne digitale Tricks? Die Vorg&amp;auml;nge weit vor ihrem 50. Todestag zeigen, wie sehr sich ihr Mythos verselbstst&amp;auml;ndigt hat. Sie lebt inzwischen in erster Linie als Zitat. Damit hat sie die ultimative Form kultureller Unsterblichkeit erreicht und wird ewig jung, sexy und begehrenswert bleiben. Ob sie geahnt hat, was ihr bl&amp;uuml;ht? &amp;raquo;Bitte&amp;laquo;, flehte sie am Ende ihres letzten Interviews, &amp;raquo;machen Sie keine Witzfigur aus mir.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Model: Marguerite Gisele; Styling: Sarah Zapatka&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Verdammt zum ewigen Leben</dc:subject>
    <dc:creator>Michaela Haas</dc:creator>
    <dc:date>2012-01-13T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36769">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36769</link>
    <title>»Er ist der Boss. Aber er gibt mir das Gefühl, dass er meine Arbeit schätzt«</title>
    <description>&lt;p&gt;Jon Donahue hat einen merkw&amp;uuml;rdigen Job: Er muss bei Dreharbeiten da      stehen, wo sp&amp;auml;ter Tom Hanks steht. Das war&amp;rsquo;s im Wesentlichen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/39575.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;em&gt;Zwei f&amp;uuml;r einen: Wenn Tom Hanks (hinten) Larry Crowne spielt, dann spielt Jon Donahue (vorn) Tom Hanks, bevor der Larry Crowne spielt. Kompliziert? Klingt nur so.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;SZ-Magazin: Herr Donahue, Sie arbeiten seit zehn Jahren f&amp;uuml;r den Hollywoodstar Tom Hanks als sogenanntes Lichtdouble. Was machen Sie da genau? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Jon Donahue:&lt;/strong&gt; Beim Film wird vor jeder Szene das Licht neu eingerichtet. Ich bin ungef&amp;auml;hr so gro&amp;szlig; wie Tom Hanks, habe einen &amp;auml;hnlichen Hautton. Tr&amp;auml;gt er Bart, trage ich auch einen. Und ich wei&amp;szlig; ganz genau, wie gro&amp;szlig; die Schritte von Hanks sind, auf welcher H&amp;ouml;he er die Arme kreuzt und wie er seine Beine &amp;uuml;bereinanderschl&amp;auml;gt. Vor jeder Einstellung nehme ich den Platz von Hanks ein, und der Regisseur probiert mit mir m&amp;ouml;gliche Bewegungsabl&amp;auml;ufe aus. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Im Englischen wird Ihr Job &lt;em&gt;Stand-in&lt;/em&gt; genannt, also Vertreter. Sprechen Sie auch Text? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, ich bin eher eine Art Tom-Hanks-Platzhalter, ein lebendes Testobjekt. Allerdings kenne ich jedes Drehbuch. Ich muss wissen, was in den Szenen passiert, und bin von Anfang bis Ende des Drehs dabei. Nebenbei kann ich Regisseuren wie Ron Howard, Stephen Daldry oder den Coen-Br&amp;uuml;dern bei der Arbeit zuschauen.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hanks sch&amp;auml;tzt Sie offenbar sehr. Jedenfalls l&amp;auml;sst er Sie in der Business-Klasse aus den USA einfliegen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warum nicht? Mein Job ist nicht nur das Standing-in, ich arbeite ihm auf subtile Art zu. Informiere ihn, was am Set los ist. Ob die Kamerapositionen sich ge&amp;auml;ndert haben, umdekoriert wurde, wie die Stimmung ist. Die meisten gro&amp;szlig;en Stars leisten sich den Luxus einer kleinen Entourage: pers&amp;ouml;nlicher Assistent, Leibw&amp;auml;chter, Garderobiere. Sie m&amp;uuml;ssen sich ja ansonsten bei jedem Film auf eine komplett neue Crew einlassen. Robin Williams hat mit Adam Bryant seit 20 Jahren den gleichen Stand-in, Tom Cruise arbeitet immer mit demselben Mann genau wie Ben Stiller oder Adam Sandler. Beim Film kostet jede Minute sehr viel Geld. Wir sparen dem Team Zeit, weil der Kameramann mit uns das Licht einstellt; die Stars sitzen da noch in der Maske. Au&amp;szlig;erdem arbeitet Hanks beim Spielen viel mit dem K&amp;ouml;rper, er hat eine spezielle, flie&amp;szlig;ende Art, sich vor der Kamera zu bewegen. Die hat nicht jeder x-beliebige Stand-in drauf.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wenn es hei&amp;szlig;t &amp;raquo;Kamera ab&amp;laquo;, sind Sie verschwunden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nicht ganz. Dann stehe ich im Abseits am Set und schaue zu. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Ein trauriger Moment?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, ich konzentriere mich auf das, was vor der Kamera passiert. Ich achte auf jede von Hanks' Bewegungen, damit ich sie sp&amp;auml;ter akkurat wiederholen kann. Wenn er telefoniert, muss ich wissen, ob er den H&amp;ouml;rer an sein linkes oder rechtes Ohr h&amp;auml;lt. Mit welcher Hand er die T&amp;uuml;r &amp;ouml;ffnet, sich abst&amp;uuml;tzt oder seine Partnerin umarmt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sind von New York nach Los Angeles gezogen. Wollten Sie selbst ein zweiter Tom Hanks werden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Davon tr&amp;auml;ume ich nicht mal nachts! Tom ist ein Genie, und ich bin ein Filmfreak, der sehr gut Leute nachahmen kann. W&amp;auml;hrend der Schulzeit in New York habe ich als Vorf&amp;uuml;hrer in einem kleinen Kino gearbeitet, dann eine Karriere als TV-Reporter in Manhattan begonnen. Bis mir klar wurde, dass ich spielen und keine Nachrichten vorlesen will. Ende der Neunziger bin ich nach Los Angeles gezogen, um Schauspieler zu werden. Ein Nobody, ohne Kontakte in die Entertainment-Industrie. Ich dachte, ich rutsch da schnell rein. In L. A. wird doch so viel gedreht, dort sitzen die m&amp;auml;chtigen Leute, dort werden Tr&amp;auml;ume wahr. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Das haben Sie tats&amp;auml;chlich geglaubt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das glaube ich immer noch! Wenn du aufh&amp;ouml;rst, an deinen Traum zu glauben, kommst du morgens nicht mehr aus dem Bett. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie kam es dazu, dass Sie stattdessen ein gefragter Stand-in wurden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tja, die Angebote blieben aus, und ich fing an, als Fremdenf&amp;uuml;hrer in den Universal-Studios zu arbeiten. &amp;Uuml;ber eine Empfehlung ergatterte ich einen regelm&amp;auml;&amp;szlig;igen Job als Lichtdouble bei der Krankenhausserie &lt;em&gt;Emergency Room&lt;/em&gt;. Damals sagten mir einige M&amp;auml;dchen, dass ich sie an Matthew Perry erinnere. Sie wissen schon: &lt;em&gt;Friends&lt;/em&gt;. Als ich h&amp;ouml;rte, Perry und Bruce Willis drehen gemeinsam &lt;em&gt;Keine halben Sachen&lt;/em&gt;, habe ich mein Foto an das Produktionsb&amp;uuml;ro geschickt. Ohne Kontakte geht in Hollywood eigentlich gar nichts, aber ich bekam den Job. Und offenbar machte ich ihn gut, meine Nummer wurde weitergegeben. So habe ich f&amp;uuml;r Bradley Cooper, Pierce Brosnan, John Krasinki oder Will Ferrell gearbeitet. F&amp;uuml;r den Auftrag, Chris Pine im &lt;em&gt;Star Trek-&lt;/em&gt;Film zu doubeln, habe ich sogar ein Jobangebot als Schauspieler abgelehnt. Als &amp;raquo;Trekki&amp;laquo; musste ich das machen. &lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Immerhin begr&amp;uuml;&amp;szlig;t mich Julia Roberts mit &amp;raquo;Hello, my favourite GPS-Voice!&amp;laquo;&quot;] &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/39577.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
         &lt;em&gt;Paarlauf: Jon Donahue (links) kennt jede Geste und jeden Schritt von Tom      Hanks (rechts). &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und wie kam Tom Hanks ins Spiel?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein Bekannter hat mich dem Assistenten der Coen-Br&amp;uuml;der empfohlen. Die steckten gerade in der Vorbereitung zu &lt;em&gt;Ladykillers&lt;/em&gt; und suchten einen neuen Stand-in f&amp;uuml;r Tom Hanks, seiner war krank. Ich fand es eigentlich aufregender, die Coen-Br&amp;uuml;der zu treffen. Hanks selbst habe ich am Set erst gar nicht erkannt: Er trug falsche Z&amp;auml;hne, einen Kinnbart und einen zu gro&amp;szlig;en Anzug. Erst scherzte er, dass ich f&amp;uuml;r ihn viel zu bubihaft aussehen w&amp;uuml;rde &amp;ndash; Hanks ist 15 Jahre &amp;auml;lter als ich. Nach dem Kameratest klopfte er mir dann auf die Schulter und  sagte: &amp;raquo;Welcome to me.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W&amp;uuml;rden Sie ihn inzwischen als Freund bezeichnen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wir haben mehr eine freundschaftliche Arbeitsbeziehung. Wenn wir in Europa drehen, gehen wir zusammen ins Kino oder besuchen ein Museum. In L. A. geht wieder jeder seiner Wege. Ich habe weder seine private Handynummer, noch war ich je bei ihm zu Hause. Und er auch nicht in meinem Einzimmer-Apartment. Das ist genau richtig so. Im Filmgesch&amp;auml;ft geht es sehr hierarchisch zu, auch wenn am Set mehr Kapuzenpullis als Anz&amp;uuml;ge getragen werden. Hanks ist der Boss, und ich bel&amp;auml;mmere ihn nicht mit Autogrammw&amp;uuml;nschen. Aber er gibt mir das Gef&amp;uuml;hl, dass er meine Arbeit sch&amp;auml;tzt. Er ist das, was man in Amerika eine &amp;raquo;people person&amp;laquo; nennt. Gesellig, nahbar, lustig. Wo Hanks ist, wird gelacht.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Dadurch dass er oft mit gro&amp;szlig;en Namen arbeitet, tun Sie das zwangsl&amp;auml;ufig auch. Erinnern die Stars sich an Ihren Namen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;I&amp;rsquo;m a Stand-in, nothing more, nothing less&amp;laquo;, hei&amp;szlig;t es bei uns. Die meisten Leute vergessen meinen Namen gleich, ich habe mir antrainiert, das ganz rational zu sehen. Warum sollten sie sich auch meinen Namen merken? Ich habe keinen gro&amp;szlig;en Eindruck im Leben dieser Leute hinterlassen. Immerhin begr&amp;uuml;&amp;szlig;t mich Julia Roberts mit &amp;raquo;Hello, my favourite GPS-Voice!&amp;laquo; Weil ich in einer Szene mal die Stimme ihres Navigationssystems gesprochen habe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kommt Ihnen nicht manchmal Ihr Ego in die Quere?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn es sehr ausgepr&amp;auml;gt w&amp;auml;re, h&amp;auml;tte ich diesen Job l&amp;auml;ngst geschmissen. Aber ich nehme ihn ernst. Viele Stand-ins bringen einen Stuhl mit ans Set, oder sie lesen in einer Ecke. Das l&amp;auml;sst sie faul aussehen. Ich nutze den Leerlauf lieber, um Kontakte zu kn&amp;uuml;pfen. Oft ergattere ich mir auf diesem Weg noch eine kleine Rolle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zum Beispiel? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;In &lt;em&gt;Der Krieg des Charlie Wilson&lt;/em&gt; spiele ich Partygast Nummer drei. Unter der Regie von Mike Nichols, der Klassiker wie &lt;em&gt;Die Reifepr&amp;uuml;fung&lt;/em&gt; inszeniert hat. Es gab zwar keinen Dialog f&amp;uuml;r mich, aber es war ein echter Part mit Vertrag. Als ich am Morgen meines Drehtags zu den Paramount-Studios fuhr, sah ich im R&amp;uuml;ckspiegel meines Jeeps das Hollywood-Zeichen und war gl&amp;uuml;cklich. Ich fuhr auf den offiziellen Schauspielerparkplatz und ging in meinen Trailer. Dort hing meine Kleidung, vorbereitet auf einem St&amp;auml;nder mit meinem Namen, und ich bekam mein Mittagessen lange vor den Statisten serviert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wenn Sie das Spielen so gl&amp;uuml;cklich macht, warum arbeiten Sie immer noch als Lichtdouble? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lange war es so verlockend f&amp;uuml;r mich, weil ich permanent Auftr&amp;auml;ge bekam. Das Telefon klingelte, ich hatte den Eindruck, die Leute wollen mich. Ich war gut besch&amp;auml;ftigt. Als Stand-in verdient man besser als ein Komparse, 154 Dollar f&amp;uuml;r acht Stunden Arbeit. Ein paar Jahre lang sagte ich mir: Was soll&amp;rsquo;s, dann arbeite ich eben nur als Stand-in. Warum in einer bescheuerten Soap mitspielen, wenn ich in Rom mit Ron Howard arbeiten kann? Kurz vor meinem 40. Geburtstag packte mich doch noch mal der Ehrgeiz. Ich hatte so viel Geld f&amp;uuml;r Schauspielunterricht ausgegeben und wurde immer &amp;ouml;fter eifers&amp;uuml;chtig: Das k&amp;ouml;nnte ich genauso gut spielen. Das h&amp;auml;tte meine Rolle sein k&amp;ouml;nnen. Warum hat sie dieser talentfreie Amigo? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Vermutlich, weil er nebenbei nicht als Stand-in arbeitet?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Richtig, einmal Stand-in, immer Stand-in. Es ist nicht einfach, den Sprung zur&amp;uuml;ck ins Schauspielfach zu schaffen. Die unterste Hollywood-Kaste ist allerdings die eines &amp;raquo;Has been&amp;laquo; &amp;ndash; jemand, der mal ein Star war und in die Bedeutungslosigkeit abgerutscht ist. Ich muss jetzt erst mal an meiner Bedeutung arbeiten. Deshalb nehme ich keine weiteren Jobs als Stand-in an. Nein zu sagen ist weitaus schwerer als Ja zu sagen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bleiben Sie standhaft? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sicher. Nur bei Tom Hanks nicht.&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Er ist der Boss. Aber er gibt mir das Gefühl, dass er meine Arbeit schätzt«</dc:subject>
    <dc:creator>Antje Wewer (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2011-12-23T12:00:00+01:00</dc:date>
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  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36724">
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    <title>»Es lag immer eine seltsame Anspannung in der Luft«</title>
    <description>&lt;p&gt;Morgan Freeman ist einer der gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten Stars von Hollywood - aber f&amp;uuml;r einen      jungen schwarzen Mann in den F&amp;uuml;nfzigerjahren war der Weg nach oben alles      andere als einfach. Ein Gespr&amp;auml;ch &amp;uuml;ber die Zeiten, als er im Bus noch ganz      hinten sitzen musste. &amp;nbsp;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/39365.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Herr Freeman, es gibt Plakate zu Ihrem neuen Film, auf denen sieht man Ihr Gesicht gro&amp;szlig; in der Mitte &amp;ndash; die Kollegen Harry Connick jr., Kris Kristofferson und Ashley Judd dagegen klein am Rand. Was halten Sie davon?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Morgan Freeman:&lt;/strong&gt; Ist in Ordnung so. Wieso fragen Sie?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Im Jahr 2011 wundert sich dar&amp;uuml;ber niemand, aber als Sie Mitte der F&amp;uuml;nfzigerjahre davon tr&amp;auml;umten, Schauspieler zu werden, war es undenkbar, dass ein Afroamerikaner der Star eines Films sein k&amp;ouml;nnte, der wochenlang die Kinohitparade anf&amp;uuml;hrt. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nennen Sie mich bitte nicht Afroamerikaner, ich bin Amerikaner.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sehen da keinen Unterschied?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich denke, dass die Schwarzen in Amerika es sich zu leicht machen, wenn sie den Wei&amp;szlig;en die Schuld an ihrer schlechten Lage geben. Vieles h&amp;auml;ngt im Leben davon ab, wie viel du selbst wagst. Amerika zelebriert noch immer den &amp;raquo;Black History Month&amp;laquo;. So ein Quatsch! Es gibt keine schwarze Geschichte, es gibt nur die eine amerikanische Geschichte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie immer schon so gedacht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, das musste ich auch erst lernen. Bei uns in Mississippi, wo ich aufgewachsen bin, galten zwei Regeln: Die Wei&amp;szlig;en sind schlecht, weil sie die Schwarzen hassen. Die Schwarzen sind schlecht, weil sie nutzlos sind.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wann haben Sie gemerkt, dass diese Regeln nicht unbedingt gelten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ziemlich fr&amp;uuml;h, in der Schule. Mit neun stand ich zum ersten Mal auf der B&amp;uuml;hne, mit zw&amp;ouml;lf gewann ich einen Wettbewerb als bester junger Schauspieler in Mississippi.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wann war das &amp;ndash; ungef&amp;auml;hr 1949?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Korrekt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Damals galt noch: &amp;raquo;Separate but equal&amp;laquo;, die Rassen lebten und lernten getrennt voneinander. Das hei&amp;szlig;t, Sie waren der beste schwarze Schauspieler, oder?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn Sie so wollen, ja. Aber in Mississippi lebten ja viel mehr Schwarze als Wei&amp;szlig;e! Ich hatte also gro&amp;szlig;e Konkurrenz. Viele, sehr viele von uns stammten von Sklaven ab.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sie auch?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe den Stammbaum nur bis zur Urururgro&amp;szlig;mutter verfolgt. Sie war Sklavin in Virginia. Aus der Zeit kommt &amp;uuml;brigens auch mein Name: Viele befreite Sklaven nahmen diesen Namen an. Sie wurden auf irgendeinem Amt gefragt: &amp;raquo;Wie hei&amp;szlig;t du?&amp;laquo; &amp;ndash; &amp;raquo;Tom.&amp;laquo; &amp;ndash; &amp;raquo;Und weiter?&amp;laquo; &amp;raquo;Nur Tom.&amp;laquo; &amp;ndash; &amp;raquo;Okay, dann hei&amp;szlig;t du ab jetzt Tom Freeman.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sind 1937 geboren und wuchsen auf als Sohn einer armen schwarzen S&amp;uuml;dstaaten-Familie &amp;ndash; wie sah Ihre Kindheit aus?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ach, wir geh&amp;ouml;rten nicht mal zu den &amp;Auml;rmsten, weil meine Mutter Lehrerin war, aber oft wurden auch wir nicht satt. Meine Schwester und ich wohnten zeitweise bei unserer Oma. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Damals wurden in Mississippi manchmal noch Schwarze gelyncht. Hatten Sie Angst?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es lag immer eine seltsame Anspannung in der Luft. Mal h&amp;ouml;rten wir, dass ein Laden brannte oder jemand verpr&amp;uuml;gelt wurde oder dass der Ku-Klux-Klan wieder marschierte. Dann hatten die Erwachsenen Angst, aber wir Kinder begriffen ja gar nicht, was vor sich ging.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hatten Sie wei&amp;szlig;e Freunde?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Erst als wir sp&amp;auml;ter nach Chicago zogen, kam ich in Kontakt mit wei&amp;szlig;en Kindern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zu der Zeit, Ende der Vierzigerjahre, str&amp;ouml;mten Millionen schwarze Familien nach Norden, in der Hoffnung, fair behandelt zu werden.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;In Chicago wollte mein Vater als Friseur arbeiten. Aber er soff, daran zerbrach unsere Familie. Wir lebten in der South Side, ich habe eine ganze Menge gef&amp;auml;hrliche Typen kennengelernt &amp;ndash; und stand kurz davor, auf die schiefe Bahn abzuschmieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wann wurde Ihnen klar, dass Sie diskriminiert werden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;In der Highschool mit 14, 15 stellst du pl&amp;ouml;tzlich fest, dass Dinge passieren, die du nicht erkl&amp;auml;ren kannst, die ungerecht sind, die deine Entwicklung behindern.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Ihre schlimmste Erinnerung?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gar nicht mal so sehr der allt&amp;auml;gliche Rassismus. Mich hat die Situation unserer Familie mehr besch&amp;auml;ftigt. Ich hasse Weihnachten bis heute, weil es damals immer trostlos war. Keine Geschenke, manchmal nicht mal Essen. [seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Ich feiere Weihnachten bis heute nicht&amp;laquo;&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/39364.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Morgan Freemans Karriere nahm erst relativ sp&amp;auml;t Fahrt auf; er war  schon Mitte drei&amp;szlig;ig, als er seine erste gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere TV-Rolle erhielt.  Vorher hatte er sein Gl&amp;uuml;ck unter anderem bei der Armee versucht. Heute  z&amp;auml;hlt er zu den erfolgreichsten Schauspielern Hollywoods, er gibt  meistens den klugen alten Mann - f&amp;uuml;r seine Rolle in Clint Eastwoods Film  &lt;a href=&quot;http://www.milliondollarbaby-derfilm.de/video.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Million Dollar Baby&lt;/a&gt; wurde er 2005 mit dem Oscar ausgezeichnet. In wenigen Tagen kommt der Film &lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=P7h0Q8KFr-M&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Mein Freund, der Delfin&lt;/a&gt; ins Kino; Freeman spielt darin einen Spezialisten, der ein leidendes Tier rettet.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Waren Sie gut in der Schule?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die siebte Klasse musste ich wiederholen, weil wir zu oft umgezogen waren. Aber danach war ich einer der Besten meiner Klasse, meine Bildung ist solide.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Schwarze Lehrer, schwarze Sch&amp;uuml;ler?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe 1955 meinen Abschluss gemacht. Ein Jahr zuvor hatte der Oberste Gerichtshof die Rassentrennung aufgehoben. Das stellte unser Leben auf den Kopf. Pl&amp;ouml;tzlich durften wir aus denselben Trinkbrunnen trinken wie die Wei&amp;szlig;en, dieselben Restaurants besuchen und Toiletten benutzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mussten Sie bis dahin im Bus f&amp;uuml;r Wei&amp;szlig;e aufstehen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aber nat&amp;uuml;rlich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;1955 weigerte sich Rosa Parks in einem Bus in Alabama aufzustehen und provozierte einen nationalen Skandal, der die B&amp;uuml;rgerrechtsbewegung um Martin Luther King jr. befeuerte. Wie nahmen Sie das wahr?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich nahm es nicht nur wahr, ich zog Konsequenzen! Nachdem Rosa Parks den ersten Schritt getan hatte, setzten wir alle uns im Bus, wohin wir wollten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wann wussten Sie, dass Sie Schauspieler werden wollten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich spielte mit 13 in Schulauff&amp;uuml;hrungen mit und entwickelte bald Ehrgeiz, ich wollte die Hauptrollen. Als Sch&amp;uuml;ler war ich ganz gut, nach meinem Abschluss wurden mir weiterf&amp;uuml;hrende Stipendien angeboten. Aber nur an Provinzschulen, und da beschloss ich, dass meine Zukunft in Hollywood liegen sollte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Damals waren alle Filmstars wei&amp;szlig;. Wie kamen Sie auf die Idee, dass Hollywood einen Platz f&amp;uuml;r Sie haben k&amp;ouml;nnte?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sidney Poitier und Harry Belafonte drehten Mitte der F&amp;uuml;nfzigerjahre ihre ersten Filme. Es gab auch die sch&amp;ouml;ne Dorothy Dandridge, die talentierter war als Marilyn Monroe oder Liz Taylor, aber in ihren besten Jahren als Schwarze arbeitslos. Frauen hatten es schwerer als M&amp;auml;nner, obwohl Hatti McDaniel 1940 einen Oscar gewonnen hatte. Ich dachte: Wenn Poitier es kann, kann ich das auch. Aber ich bin dann erst mal in eine ganz andere Richtung marschiert: Wie viele M&amp;auml;nner ohne Geld ging ich in den F&amp;uuml;nfzigerjahren zum Milit&amp;auml;r. Zur Air Force. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;War da gerade Krieg?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, der Koreakrieg war schon vorbei. Ich wollte fliegen, aber die lie&amp;szlig;en mich nicht, keine Ahnung, wieso, ich landete beim Radar. Das war aber auch nicht das Richtige, also verschwand ich da bald wieder &amp;ndash; und kam Ende 59 tats&amp;auml;chlich nach Hollywood.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Das h&amp;ouml;rt man oft: &amp;raquo;Ich ging nach Hollywood.&amp;laquo; Aber so einfach ist das ja nicht. Wie verbrachten Sie die erste Nacht dort?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich hatte Geld gespart und ein Apartment gemietet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wo?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Im Crenshaw District, Los Angeles, weit weg von Hollywood. Ich hatte kein Auto. Es gab keine Busse. Also bekam ich auch keinen Job. Trotzdem registrierte ich mich bei der Gewerkschaft Negro Actors Guild. Half aber auch nichts. Ich war bald pleite. Ich hungerte.&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Es war Schicksal: Der Aktenjob sollte mir zum Durchbruch verhelfen&amp;laquo;&quot;]&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was haben Sie getan, um zu &amp;uuml;berleben? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ab und zu Reis gegessen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie fanden Sie Ihren ersten Job?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Los Angeles Community College suchte einen Aktentr&amp;auml;ger. Nach sieben oder acht Monaten konnte ich mir ein Auto leisten &amp;ndash; in L. A. bist du ohne Auto kein Mensch. Du kannst keine Partys besuchen, kriegst keine Jobs und keinen Sex. Es war Schicksal: Der Aktenjob sollte mir zum Durchbruch verhelfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie das?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich lernte da Leute kennen, die mir Kontakt zum Pasadena Playhouse verschafften, eine Schauspielschule, die auch Schwarze nahm. Ich lernte, mich zu bewegen, zu sprechen, ich nahm sogar Franz&amp;ouml;sischunterricht! Bald wurde klar, dass Sprache und Stimme meine St&amp;auml;rken sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Deswegen sprechen Sie heute so ziemlich jeden Tierfilm, der ins Kino kommt.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tja, meine Stimme scheint zu Tierfilmen zu passen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was passierte dann?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich ging nach New York &amp;ndash; Zeitverschwendung. Da ging nichts weiter. F&amp;uuml;nf Monate sp&amp;auml;ter landete ich in San Francisco, wo ich mich in ein Amateurtheater reinquatschte. Ich machte den Hausmeister und durfte manchmal auftreten. In einer Produktion, &lt;em&gt;Little Mary Sunshine&lt;/em&gt;, sollte ich allerdings einen Indianer spielen, der die amerikanische Flagge schwenkt. Ich weigerte mich, prompt schmiss mich die Chefin raus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie hatten Ihren Stolz.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eher ein zu gro&amp;szlig;es Selbstbewusstsein. Eine Woche sp&amp;auml;ter arbeitete ich als Postbote, sparte ein paar Dollar und zog wieder nach New York, wo ich vier Jahre lang Autos wusch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;So richtig in Schwung ist Ihre Karriere also nicht gekommen. Immerhin &amp;ndash; 1964 durften Sie zum ersten Mal w&amp;auml;hlen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Lage der Schwarzen hatte sich mittlerweile verbessert. Die neuen B&amp;uuml;rgerrechtsgesetze von 64 waren der endg&amp;uuml;ltige Sieg f&amp;uuml;r Martin Luther Kings Bewegung. Und das wirbelte auch die Unterhaltungsindustrie durcheinander, endlich bekamen mehr schwarze Schauspieler Chancen. Es dauerte dann nur noch zwanzig Jahre, bis ich Filmstar wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gab es einen entscheidenden Moment in Ihrer Karriere?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;1966 jobbte ich in einer Reiseagentur und verstand mich gut mit der Chefin. Weil ich mein Leben als erfolgloser Schauspieler satthatte, fragte ich, ob ich in ihrer Firma aufsteigen k&amp;ouml;nne. Sie verneinte, ich dachte erst, meine Hautfarbe sei der Grund. In Wirklichkeit hatte sie nur Angst, dass ich sie im Stich lasse, sobald ich doch noch eine Rolle bekomme. Dabei w&amp;auml;re ich glatt geblieben. H&amp;auml;tte sie mich angestellt, w&amp;uuml;rde ich bis heute Reisen verkaufen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wann haben Sie die Chefin im Stich gelassen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kurz darauf. Das St&amp;uuml;ck hie&amp;szlig; &lt;em&gt;The Niggerlovers&lt;/em&gt;, handelte von der B&amp;uuml;rgerrechtsbewegung und war ein Hit. Darauf bekam ich eine Rolle bei einer TV-Show f&amp;uuml;r Kinder, &lt;em&gt;The Electric Company&lt;/em&gt;, bei der ich in 780 Episoden auftrat. In den Siebzigern litt ich zum ersten Mal nicht unter Geldsorgen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber unter Alkoholsorgen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das muss ich von meinem Vater geerbt haben, der mit 47 an Zirrhose starb. Ich war kein S&amp;auml;ufer, aber nachdem ich ein paarmal auf der Stra&amp;szlig;e aufgewacht bin, habe ich mein Leben ge&amp;auml;ndert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und ab den Achtzigerjahren lief es endlich richtig gut f&amp;uuml;r Sie.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, da hatte sich die Lage der Schwarzen im Entertainment total ver&amp;auml;ndert. Eddie Murphy, Michael Jackson, Magic Johnson, Richard Pryor, Bill Cosby &amp;ndash; die wei&amp;szlig;e Mittelschicht verehrte schwarze Stars!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Heute geh&amp;ouml;ren Sie auch in diese Reihe. Man hat allerdings manchmal das Gef&amp;uuml;hl, Sie spielen st&amp;auml;ndig Mandela oder Gott.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Meine Augen sind schuld. Die erwecken den Eindruck, ich sei weise und milde &amp;ndash; darunter habe ich schon mit zwanzig gelitten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie einen Traum, der nicht wahr wurde?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, meine k&amp;uuml;hnsten Tr&amp;auml;ume haben sich erf&amp;uuml;llt. Und heute wohne ich wieder in Mississippi. Weil es mir Kraft gibt, in der Heimat zu leben. Wenn man reich und ber&amp;uuml;hmt wird, ist es gesund, sich dran zu erinnern, wo man herkommt.&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</description>
    <dc:subject>»Es lag immer eine seltsame Anspannung in der Luft«</dc:subject>
    <dc:creator>Lars Jensen (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2011-12-12T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

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    <title>Die unbekannte Große</title>
    <description>&lt;p&gt;Sehns&amp;uuml;chtig wartet die Filmwelt auf eine neue Meryl Streep. Wir haben sie      gefunden: Jessica Chastain. Obwohl die Frau noch kaum im Kino zu sehen      war, wird sie schon von ganz Hollywood gefeiert. Zu Recht.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/38106.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;br /&gt;Kosmetikhersteller der Welt, beeilt euch: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Jessica Chastain sich die Werbevertr&amp;auml;ge aussuchen kann.&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Kennen Sie Jessica Chastain? Nein? Und doch wird ihr Name in Hollywood derzeit unfassbar hoch gehandelt. Dass sie selbst noch beinahe unbekannt ist, ist eine Laune des Schicksals: Sie wurde von der Kritik schon als Filmstar gefeiert, ja, als gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Schauspielerin ihrer Generation, bevor das Publikum auch nur einen einzigen Film mit ihr h&amp;auml;tte sehen k&amp;ouml;nnen. Selbst in Amerika war sie noch nicht im Kino zu sehen, als sie in Interviews bereits gefragt wurde, was sie tun wird, wenn sie einmal zu alt ist, um Hauptrollen zu spielen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Eine ganze Branche &amp;ndash; vom Produzenten bis zum Regisseur &amp;ndash; rei&amp;szlig;t sich um Jessica Chastain, w&amp;auml;hrend das Publikum noch nicht mal ihren Namen kennt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wie konnte das passieren? Nun, so viel Gl&amp;uuml;ck sie im Moment hat, so viel Pech hatte sie in den vergangenen Jahren, was ihre Filme anging: &amp;Uuml;berall, wo sie mitspielte, gab es irgendwelche Verz&amp;ouml;gerungen nach den Dreharbeiten, sodass die Filme nicht fertig wurden. Es kommt immer wieder vor, dass ein Film erst drei Jahre nach dem Dreh in die Kinos kommt, weil die Postproduktion so lang dauert, weil es Probleme mit dem Verleih oder mit wei&amp;szlig; Gott was gegeben hat. Aber dass &amp;ndash; wie bei Jessica Chastain &amp;ndash; gleich neun Filme solche Probleme hatten, das wird man ungew&amp;ouml;hnlich nennen d&amp;uuml;rfen. Vor allem, wenn es sich dabei um die ersten neun Filme einer Karriere handelt, ihr bisheriges Lebenswerk. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Jessica Chastain, 30, kann also weiterhin unerkannt durch die Stra&amp;szlig;en laufen, und auf ihrer Facebook-Pinnwand posten Freunde und Familie aufmunternde Kommentare, auf die sie bisher sehr brav antwortet &amp;ndash; als w&amp;auml;re sie eine schauspielernde Langzeitstudentin. Dabei hat sie mit Al Pacino, Helen Mirren, Ralph Fiennes, Brad Pitt und Sean Penn gedreht, sie ist mit ihnen &amp;uuml;ber rote Teppiche spaziert. Erst k&amp;uuml;rzlich, bei den Filmfestspielen in Venedig, nannte Pacino sie &amp;raquo;ein junges Genie&amp;laquo;. Und wenn Pacino so etwas sagt, meint er das so; er ist zu alt und erfolgreich, um irgendjemandem zu schmeicheln, selbst wenn es eine so h&amp;uuml;bsche Frau ist wie Jessica Chastain:  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit ihren gro&amp;szlig;en Augen, den hohen Wangenknochen und dem langen roten Haar nimmt man Jessica Chastain das kalifornische Beach Babe genauso ab wie die klassische Leinwandsch&amp;ouml;nheit aus einer vergangenen Zeit. Sie kann frostig und abweisend sein, leidenschaftlich lodernd, sie ist als Partygirl ebenso &amp;uuml;berzeugend wie als verschlossenes M&amp;auml;dchen. Gelernt hat sie ihr Handwerk an der Juilliard School in New York und anschlie&amp;szlig;end gleich auf der B&amp;uuml;hne als Julia in &lt;em&gt;Romeo und Julia&lt;/em&gt; und als Desdemona in &lt;em&gt;Othello&lt;/em&gt;. Dann folgten die neun Filme und Kritiken wie diese: &amp;raquo;eine der hei&amp;szlig;esten schauspielerischen Leistungen des Jahres&amp;laquo;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Seit Sommer kommen ihre Filme nun endlich in die Kinos, einer nach dem anderen, wie orchestriert. Im Sommer lief &lt;a href=&quot;http://www.tree-of-life-film.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;em&gt;The Tree of Life&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;, und Chastain war als trauernde Mutter die Lichtgestalt des Films, der die Goldene Palme in Cannes gewann. Auch &lt;a href=&quot;http://www.takeshelterfilm.com/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;em&gt;Take Shelter&lt;/em&gt;&lt;/a&gt; wurde in Cannes gezeigt, darin spielt sie eine Ehefrau, deren Mann durchdreht, weil er als Einziger von einem drohenden apokalyptischen Sturm wei&amp;szlig;. Der Film, bereits beim Sundance-Festival 2011 umjubelt, wurde in Cannes mit dem Preis der Internationalen Filmkritik ausgezeichnet. Im M&amp;auml;rz kommt er in die deutschen Kinos. &lt;br /&gt; In &lt;a href=&quot;http://movies.universal-pictures-international-germany.de/eineoffenerechnung/#/trailer&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;em&gt;Eine offene Rechnung&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;, der gerade in den deutschen Kinos gelaufen ist, spielt Chastain eine junge Mossad-Agentin, und im Dezember startet &lt;a href=&quot;http://thehelpmovie.com/us/#s=videos&amp;amp;v=1&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;em&gt;The Help&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;, mit Chastain in einer Nebenrolle; im Shakespeare-Drama &lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=bsYrGIQnmxo&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;em&gt;Coriolanus&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;, f&amp;uuml;r Februar 2012 angek&amp;uuml;ndigt, spielt sie mit Ralph Fiennes die Hauptrolle, ebenso in Al Pacinos Halbdokumentation &lt;a href=&quot;http://wildesalome.com/media&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;em&gt;Wilde Salom&amp;eacute;&lt;/em&gt;&lt;/a&gt; (&lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=IGTlfGVgXfk&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Trailer&lt;/a&gt;), der in Deutschland wie drei weitere ihrer Filme noch keinen Startermin hat.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wenn man sie trifft, spricht Jessica Chastain mit dem Feuereifer einer Schauspieleranf&amp;auml;ngerin von ihrer Arbeit, wie man ihn sp&amp;auml;ter bei den Stars nicht mehr findet. Sie wirkt unverdorben, sie befindet sich noch nicht in den F&amp;auml;ngen von Anw&amp;auml;lten und Paparazzi: &amp;raquo;Es geht mir nicht um Ruhm, es geht mir nicht um Geld&amp;laquo;, sagt sie im Gespr&amp;auml;ch und l&amp;auml;chelt entwaffnend: &amp;raquo;Mir geht es darum: Mit wem werde ich arbeiten und was kann ich daraus lernen?&amp;laquo; Sie spricht so von jedem Film, als habe sie eine Meisterklasse besuchen d&amp;uuml;rfen,  von jeder Szene, als sei sie ein besonderes Abenteuer gewesen, von jeder Rolle als &amp;raquo;Gelegenheit, mich selbst und die verschiedenen Facetten des Handwerks auszuprobieren&amp;laquo;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bei alledem hat sie Angst, in Rekordzeit von &lt;em&gt;the new hot thing&lt;/em&gt; zu ihrer eigenen Vergangenheit zu werden, ohne dass sich dazwischen je eine ernsthafte Karriere ereignet h&amp;auml;tte. &amp;raquo;Ich bin einfach besorgt&amp;laquo;, sagt sie, &amp;raquo;dass ich die Neue bin, von der man schnell genug hat, ohne sich ihren Namen richtig gemerkt zu haben. Die Leute fragen sich: Warum sieht man das M&amp;auml;dchen jetzt in jedem verdammten Film? Und dann haben sie es schnell satt, das M&amp;auml;dchen.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Eine der schwersten &amp;Uuml;bungen f&amp;uuml;r Hollywood-Schauspieler ist es, sowohl das breite Publikum als auch die kritischen Cineasten auf ihre Seite zu ziehen. Nun muss sich herausstellen, ob sie das ganz besondere Etwas, den &amp;raquo;It-Faktor&amp;laquo; hat. Aber wenn sie weiterhin h&amp;auml;lt, was sie verspricht, k&amp;ouml;nnte sie die n&amp;auml;chste, sehns&amp;uuml;chtig erwartete Meryl Streep werden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der Regisseur Terrence Malick, f&amp;uuml;r seinen Perfektionismus verg&amp;ouml;ttert und ber&amp;uuml;chtigt, verfiel ihr auf Anhieb: Beim Casting f&amp;uuml;r &lt;em&gt;The Tree of Life&lt;/em&gt; sollte Chastain als Erstes einen langen Monolog halten, in dem sich der Schmerz der Mutter &amp;uuml;ber den Tod des Sohnes ausdr&amp;uuml;ckte. Danach sollte sie denselben Inhalt transportieren, ohne ein Wort zu sagen. Die Schauspielsch&amp;uuml;lerin in ihr liebte diese Herausforderung, und als Malick sie spielen sah, war er begeistert, und begann sofort an ihrem Auftritt zu feilen: Er bat sie, sich im Metropolitan Museum in New York Gem&amp;auml;lde der Gottesmutter Maria anzuschauen und bei jeder Gelegenheit so viele Filme mit Lauren Bacall wie m&amp;ouml;glich. Chastain sollte sehen, wie langsam und bed&amp;auml;chtig Frauen in einer &amp;Auml;ra sprachen, die gem&amp;auml;chlicher war als unsere. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Darauf folgte &lt;em&gt;Take Shelter&lt;/em&gt;, ein Film, der unter ganz anderen Bedingungen als &lt;em&gt;The Tree of Life&lt;/em&gt; gedreht wurde: Miniproduktion, winziges Budget, wenige Drehtage, jede Szene musste sofort sitzen. Der Druck auf die Hauptdarsteller war enorm hoch. Jessica Chastain hielt stand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Auf die viele Arbeit an neun Filmen folgte: nichts. Ruhe. Kein Filmstart. Kein neues Angebot. Das war der Moment, in dem sie sich wirklich Sorgen machte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ende September die Erl&amp;ouml;sung: Das Branchenblatt &lt;em&gt;Variety&lt;/em&gt; meldete, Jessica Chastain sei aus einer Topriege junger, hei&amp;szlig;er Schauspielerinnen ausgew&amp;auml;hlt worden, an der Seite von Tom Cruise in &lt;em&gt;Horizons&lt;/em&gt; zu spielen. Das war&amp;rsquo;s dann wohl mit dem Geheimtipp. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die unbekannte Große</dc:subject>
    <dc:creator>Andrew Gumbel </dc:creator>
    <dc:date>2011-10-24T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

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    <title>»Wir sind beide nicht besonders prüde, oder?«</title>
    <description>&lt;p&gt;Am liebsten h&amp;auml;tten wir einen ganzen Tag allein mit der Schauspielerin Mila      Kunis verbracht, doch auch dieser Justin Timberlake kam noch vorbei. Es wurde dann aber ein sehr offenes Gespr&amp;auml;ch.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/37218.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Frau Kunis, Herr Timberlake, wie steht es um die Chemie zwischen Ihnen beiden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Justin Timberlake&lt;/strong&gt;: Die Chemie? Wir m&amp;ouml;gen uns. Oder, Mila?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mila Kunis:&lt;/strong&gt; Auf jeden Fall!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sehr sch&amp;ouml;n. Wir w&amp;uuml;rden n&amp;auml;mlich gern einen Wettbewerb mit Ihnen veranstalten. &lt;br /&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Einen Wettbewerb?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ja, wir haben ein paar Fragen zum Thema M&amp;auml;nner und Frauen und wollen wissen, wer von Ihnen besser Bescheid wei&amp;szlig;. Falls Sie nicht antworten m&amp;ouml;chten, sagen Sie einfach &amp;raquo;N&amp;auml;chste Frage&amp;laquo;. Einverstanden?&lt;br /&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Klingt lustig. Wird das jetzt so eine Art Geschlechterkampf?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das entscheiden Sie.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Armer Justin. M&amp;auml;nner ziehen immer den K&amp;uuml;rzeren, wenn es um Geschlechterfragen geht.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Das werden wir ja sehen. Schie&amp;szlig;en Sie los!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In Ihrem neuen Film sind Sie beide viel nackt zu sehen. Wem von Ihnen f&amp;auml;llt es leichter, sich vor Publikum auszuziehen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Moment, ich war ja nie ganz nackt! Mir wurde ein St&amp;uuml;ck Stoff zwischen die Beine geklebt, dieser Teil meines K&amp;ouml;rpers war also immer bedeckt.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Ich trug, na ja, eine Art Socke. Sie wissen schon. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Aber dir macht es nicht viel aus, nackt zu sein, oder?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Stimmt. Also ein Punkt f&amp;uuml;r mich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wenn Sie sich selbst auf der Kinoleinwand nackt sehen &amp;ndash; wer von Ihnen entdeckt mehr M&amp;auml;ngel an seinem K&amp;ouml;rper?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Sie fragen eine Frau, ob sie ihren K&amp;ouml;rper sch&amp;ouml;n findet? Sind Sie verr&amp;uuml;ckt? Was kommt als N&amp;auml;chstes &amp;ndash; wollen Sie mich nach meinem Gewicht fragen? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;Auml;h, nein. Entschuldigen Sie.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Ich habe damit kein Problem. Mein Po ist, glaube ich, dreimal im Film zu sehen. Keine M&amp;auml;ngel so weit.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Mein Po kommt nur in einer Seitenansicht vor. Das muss gen&amp;uuml;gen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Damit steht&amp;rsquo;s also schon 2:0 f&amp;uuml;r mich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wer von Ihnen hatte schon mal eine reine Sexbeziehung?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; N&amp;auml;chste Frage.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wer wei&amp;szlig; den besten Drink f&amp;uuml;r das erste Date?&lt;br /&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Mila wird jetzt sagen, Wodka Soda. Stimmt&amp;rsquo;s?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Ja. Und du bist so ein Tequila-Sunrise-Typ.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Ich bin doch kein Tequila-Sunrise-Typ! Ich nehme Gin Tonic.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was ist ein Tequila-Sunrise-Typ?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Jemand, der wei&amp;szlig;, was er will.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake: &lt;/strong&gt;Oh, ach so. Hm &amp;hellip; Darf ich meine Antwort noch korrigieren? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Nein! Zu sp&amp;auml;t!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sie w&amp;uuml;rden beide also mit dem harten Zeug anfangen, kein Kaffee oder Tee beim ersten Date?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Niemals! Tee ist viel zu brav und Kaffee eher ein Abschlussgetr&amp;auml;nk nach dem Essen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Und welcher Drink w&amp;auml;re der richtige zum f&amp;uuml;nften Date?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Mila, kommst du &amp;uuml;berhaupt jemals bis zum f&amp;uuml;nften Date?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Haha. Sehr witzig. Ich w&amp;uuml;rde dann immer noch Wodka Soda trinken.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Ich w&amp;uuml;rde eine Flasche Rotwein bestellen. Wenn man es bis zum f&amp;uuml;nften Date geschafft hat, sollte etwas auf dem Tisch stehen, was man sich teilt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wer von Ihnen beiden ist der romantischere Mensch?&lt;br /&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Nat&amp;uuml;rlich bin ich viel romantischer! Das ist doch klar. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Du, romantisch? Nie im Leben.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Und ob!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Vergiss es.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; So kommen wir auf keinen gr&amp;uuml;nen Zweig. N&amp;auml;chste Frage.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was genau bedeutet f&amp;uuml;r Sie Romantik, Frau Kunis?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Kennen Sie den Uralt-Film &lt;em&gt;Pretty Woman&lt;/em&gt;? Das ist Milas Lieblingsromanze, jede Wette.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Stimmt leider. Ich liebe &lt;em&gt;Pretty Woman&lt;/em&gt;. Aber das tun doch alle Frauen! Ich mag klassische Gesten, einen Strau&amp;szlig; rote Rosen zum Beispiel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und worin zeigt sich Ihre romantische Ader, Herr Timberlake?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Ich bin kein gro&amp;szlig;er Romantiker.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Doch! Er macht Fotos und klebt sie in eine Art Poesiealbum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Echt?&lt;br /&gt;Timberlake: &lt;/strong&gt;Nein, nein, nicht das, was Sie denken! Ich mache bei Dreharbeiten st&amp;auml;ndig Fotos am Set &amp;ndash; von den anderen Schauspielern oder den Leuten vom Catering. Diese Bilder klebe ich dann in Alben und verschenke sie. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Ist das nicht s&amp;uuml;&amp;szlig;? Ich habe auch so ein Album von ihm bekommen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Wenn Sie das romantisch nennen wollen, okay. Aber ich bin jetzt nicht der Typ, der mit einer Frau auf ein Kuschel-Konzert geht und ein Feuerzeug hochh&amp;auml;lt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wer von Ihnen flirtet besser?&lt;br /&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Da lass ich dir gern den Vortritt, Justin.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; &amp;hellip; sagt sie, weil sie so sch&amp;uuml;chtern ist. Mila wartet lieber ab, statt zu handeln. Ich bin nun mal ein Mann, wir m&amp;uuml;ssen ja immer anfangen. Das erwarten die Frauen von uns.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hat Herr Timberlake irgendwelche speziellen Flirt-Techniken, die Sie uns verraten k&amp;ouml;nnten, Frau Kunis?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Er gibt sich einfach immer so, wie er ist. Ich w&amp;uuml;rde sagen, das ist gar nicht mal unsexy. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Danke.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Er kann aber auch etwas &amp;hellip; herb sein. Er wollte mir zum Beispiel mal Beatboxen beibringen. Sie wissen schon, wenn man die Ger&amp;auml;usche eines Schlagzeugs mit dem Mund imitiert: bbb, ptptpt, ssst, ssst. Aber das war ein Reinfall, ich konnte es nicht. Und da hat er schnell die Geduld verloren.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Leider wahr. Ach, warum musst du jedes Kompliment gleich kaputtmachen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie schon mal ein Liebesgedicht verfasst?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Nein. Justin ...?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Nein.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Ach komm, wie unromantisch. M&amp;auml;nner m&amp;uuml;ssen so was machen! Ich bin entt&amp;auml;uscht.&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Ich r&amp;uuml;lpse unabsichtlich&amp;laquo;&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/37219.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;em&gt;Ein Mann, eine Frau, eine gute Freundschaft - und die gemeinsame      Erkenntnis, dass man f&amp;uuml;r guten Sex nicht verliebt sein muss: In      der h&amp;uuml;bschen Anti-Liebeskom&amp;ouml;die Freunde mit gewissen Vorz&amp;uuml;gen      (jetzt im Kino) spielen Timberlake und Kunis ein Paar, das kein Paar      ist. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wer von Ihnen beiden redet mehr?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Timberlake zeigt mit dem Finger auf Kunis.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Ja, ich rede oft, ohne gefragt zu werden. Manchmal ertappe ich mich sogar dabei, dass ich schneller rede, als ich denke.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Auch so ein Frauending.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Hey, hey, hey, aufpassen!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Ich stelle das nur fest. Frauen reden gern.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Vielleicht stimmt&amp;rsquo;s ja sogar. Inzwischen versuche ich aber, selbst mehr zuzuh&amp;ouml;ren. Doch es gibt andere Dinge, unter denen ich viel mehr leide.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zum Beispiel?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Meine Lache ist viel zu laut. Wenn ich lache, pruste und schnaube ich wie ein kleiner Esel.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Das ist doch liebenswert! Im Ernst: Ich mag das sehr an dir.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Au&amp;szlig;erdem bin ich total tollpatschig. Ich laufe gegen Laternen, gegen W&amp;auml;nde und H&amp;auml;userecken. Manchmal r&amp;uuml;lpse ich auch unabsichtlich. Einfach so. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wirklich?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Oh, ja. Sie r&amp;uuml;lpst st&amp;auml;ndig! &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Das gibt dann wohl keinen Punkt f&amp;uuml;r mich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Frau Kunis, gibt es etwas, was Sie an Justin Timberlake st&amp;ouml;rt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Er kann stundenlang nichts sagen, nur schweigend dasitzen. Das treibt einen in den Wahnsinn!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wer von Ihnen k&amp;uuml;sst besser?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Mila.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Lieb von dir. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Auf einer Skala von eins bis zehn: Wie gut k&amp;uuml;sst Justin Timberlake?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Sag jetzt nichts Falsches! &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Eineinhalb vielleicht? Hihi &amp;hellip; Manchmal, wenn er sich wirklich anstrengt, reicht es auch zu einer drei. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Das ist ja blamabel! N&amp;auml;chste Frage!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es etwas, was Sie vom anderen gern lernen w&amp;uuml;rden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Mila w&amp;uuml;rde gern singen k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kann sie nicht?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;em&gt;Timberlake legt den Zeigefinger auf die Lippen und fl&amp;uuml;stert:&lt;/em&gt; Ab! So! Lut! Nicht! &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Er hat leider recht. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Nicht falsch verstehen: Mila hat Rhythmus und ist eine sehr gute T&amp;auml;nzerin. Aber selbst wenn ich ihr eine Melodie mit Griff dran basteln w&amp;uuml;rde, k&amp;ouml;nnte sie keinen Ton halten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wer von Ihnen ist cooler?&lt;br /&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Oh, cool w&amp;auml;re ich gern. Aber ich bin der typische Nerd. Strebsam, zielorientiert, eigentlich ein Langweiler. Mila ist l&amp;auml;ssiger als ich.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Das sagst du jetzt, weil Journalisten dabei sind. Du willst nur nett sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wer kann besser eine Runde von Menschen unterhalten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Ganz klar Justin. Er ist witzig. Ich dagegen bin eine f&amp;uuml;rchterliche Witze-Erz&amp;auml;hlerin. Mein Hirn hat vielleicht eine Gesamtkapazit&amp;auml;t von vier oder f&amp;uuml;nf Witzen, mehr kann ich mir nicht merken. Und diese Witze sind meist ziemlich versaut.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Macht nichts, erz&amp;auml;hlen Sie mal einen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Sei vorsichtig. Du wei&amp;szlig;t, das steht sofort alles im Internet.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Oh, daran habe ich jetzt gar nicht gedacht. Ich halte lieber die Klappe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Schade. Wie steht&amp;rsquo;s mit Ihnen, Herr Timberlake?&lt;br /&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Ich wei&amp;szlig; aber gerade nur einen, der wirklich sehr versaut ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bitte, nur zu.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Er erz&amp;auml;hlt einen Witz, den wir hier unm&amp;ouml;glich publizieren k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;Kunis: &lt;/strong&gt;Du Sau! &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Sorry, ich hab&amp;rsquo;s doch gesagt!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Dass Sie als gebranntes Kind noch unanst&amp;auml;ndige Witze erz&amp;auml;hlen, wundert uns.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Wieso gebranntes Kind?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Na ja, Sie haben in den USA einen Skandal namens &amp;raquo;Nipplegate&amp;laquo; ausgel&amp;ouml;st, als Sie Janet Jacksons Busen im Fernsehen entbl&amp;ouml;&amp;szlig;ten.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake&lt;/strong&gt;: Ach, h&amp;ouml;ren Sie auf, das ist doch Schnee von gestern.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wer von Ihnen beiden kann sich k&amp;ouml;rperlich besser verteidigen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Ich. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Und wie?&lt;br /&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Ich fl&amp;uuml;chte so schnell wie m&amp;ouml;glich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das ist doch keine Verteidigung.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Ich zeige Ihnen mal Milas wirkungsvollste Waffe. &lt;em&gt;Er klimpert ein paar Sekunden lautlos mit den Augenlidern.&lt;/em&gt; Das verursacht beim Gegen&amp;uuml;ber vielleicht keine blauen Flecken, aber sie kann damit dein Herz brechen. Ich habe schon M&amp;auml;nner vor ihr auf die Knie fallen sehen!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Funktioniert das bei Ihnen auch, Herr Timberlake?&lt;br /&gt;Timberlake: &lt;/strong&gt;Anfangs ja, aber mittlerweile kenne ich ihre Tricks. Bin immun dagegen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wer hat die besseren Notl&amp;uuml;gen drauf?&lt;br /&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Da fragen Sie noch? Auf dem Gebiet ist die Profi!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Also: Ihre letzte Notl&amp;uuml;ge, Frau Kunis?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Das war erst vor wenigen Tagen. Ich war abends mit jemandem aus, aber hab mich ziemlich gelangweilt. Also sagte ich um zehn, ich sei m&amp;uuml;de und m&amp;uuml;sste nach Hause. Glatt gelogen. Aber hey, solche kleinen L&amp;uuml;gen erz&amp;auml;hle ich st&amp;auml;ndig. Sie vereinfachen den Alltag und tun keinem weh.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Herr Timberlake, vor Kurzem haben Sie w&amp;auml;hrend eines Auftritts bei den MTV Awards Mila Kunis an die Brust gegriffen, Mila Kunis revanchierte sich mit einem beherzten Griff in Ihren Schritt. Wer von Ihnen ist weniger pr&amp;uuml;de?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake: &lt;/strong&gt;Wir sind beide nicht besonders pr&amp;uuml;de, oder?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Wir sind beide sehr offen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wer von Ihnen beiden war in diesem Interview ehrlicher?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Mila ist oft brutal ehrlich. Erst gestern hat sie zu mir gesagt: &amp;raquo;Verschwinde, ich will dich nicht mehr sehen!&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Ja, weil du st&amp;auml;ndig nur auf mir herumgehackt hast. Wie in diesem Interview, Wettbewerb, was auch immer.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Komm schon! Einigen wir uns auf unentschieden?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Nix da. Ich hab gewonnen!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Timberlake:&lt;/strong&gt; Gewonnen? Was denn gewonnen?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kunis:&lt;/strong&gt; Na, ich bin cooler als du. Oder?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Wir sind beide nicht besonders prüde, oder?«</dc:subject>
    <dc:creator>Max Fellmann und Alexandros Stefanidis (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2011-09-19T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Erst ausziehen, dann einziehen</title>
    <description>&lt;p&gt;Ist Ihnen schon aufgefallen, dass viele Promis und Adelige (und nein, nicht nur M&amp;auml;nner) mit Unterw&amp;auml;schemodels zusammen sind? Ein Zufall? Unwahrscheinlich!&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das dachte man ja lange Zeit: dass es die eine Welt gibt, die kleine, in der Frauen leben, die als Models f&amp;uuml;r Unterw&amp;auml;sche ihr Geld verdienen, und die andere, die gro&amp;szlig;e, die von Prinzen und Kronprinzen der europ&amp;auml;ischen K&amp;ouml;nigsh&amp;auml;user bewohnt wird. Und dass sich die beiden Welten nicht ber&amp;uuml;hren. Oder wenn, dann nur sehr heimlich. Wo h&amp;auml;tten sie denn offiziell aufeinandertreffen sollen? Im Otto-Katalog? Seit aber die ganze Welt wei&amp;szlig;, wo und mit wem sich der schwedische K&amp;ouml;nig jahrzehntelang rumgetrieben hat, ist die Verbl&amp;uuml;ffung, wer mit wem was hat, nicht mehr wirklich gro&amp;szlig;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es scheint, als liege der Umkehrschluss inzwischen n&amp;auml;her: Je adeliger einer ist, desto eher umgibt er sich mit Unterw&amp;auml;schemodels, in aller &amp;Ouml;ffentlichkeit. Bei Eva Sannum, einer Norwegerin und Begr&amp;uuml;nderin dieses Trends bei Hofe, war es noch anders. Damals, um die letzte Jahrtausendwende, war sie zu einer Geburtstagsfeier beim norwegischen Kronprinzen Haakon eingeladen. Der spanische Kronprinz auch. Eva und Felipe fingen ein Verh&amp;auml;ltnis an, das irgendwann aufflog. Entsetzen beim spanischen K&amp;ouml;nigspaar und bei angeblich 97 Prozent der Spanier. Felipe musste sich trennen, die Staatsraison.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die w&amp;auml;re heute kaum noch ein Thema, viele von Felipes Prinzenkollegen zeigen allen ihre Freundinnen. Sofia Hellqvist zum Beispiel, ein schwedisches Unterw&amp;auml;schemodel, ist mit Prinz Carl Philip liiert, dem Bruder der Kronprinzessin Victoria. Die beiden wohnen zusammen in einem Haus am Stadtrand von Stockholm, davon durfte Felipe damals nicht mal tr&amp;auml;umen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Auch Prinz Harry von England ist wohl schwer verliebt in Florence Brudenell-Bruce, Unterw&amp;auml;sche- und Bademodenmodel. Ob man will oder nicht, f&amp;auml;llt einem da sein Bruder, Prinz William, ein. &amp;Uuml;berliefert ist sein Satz: &amp;raquo;She&amp;rsquo;s hot.&amp;laquo; Da hatte er zum ersten Mal seine sp&amp;auml;tere Frau im Visier, als sie bei einer Modenschau an der St. Andrews University ein quasi durchsichtiges Negligee trug.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Vielleicht kommt das Interesse der europ&amp;auml;ischen Prinzen an Unterw&amp;auml;schemodels daher, dass f&amp;uuml;r sie die Zeugung von Nachkommen immer noch kriegsentscheidend ist und es sich bei einem fast unverh&amp;uuml;llten K&amp;ouml;rper schneller beurteilen l&amp;auml;sst, wie geb&amp;auml;rf&amp;auml;hig eine ist? Viel wahrscheinlicher aber ist das v&amp;ouml;lliger Quatsch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Jede Zeit hat ihre Modeberufe. Vor ein paar Jahren glaubte man, Frauen, die dann Moderatorinnen w&amp;uuml;rden, bandelten besonders leicht mit Prominenten an (Verena Kerth mit Oliver Kahn), dann galt dies f&amp;uuml;r Schmuckdesignerinnen (Alessandra Pocher, als sie noch Sandy Meyer-W&amp;ouml;lden hie&amp;szlig;, mit Boris Becker und Oliver Pocher). Jetzt also das Unterw&amp;auml;schemodel. Wie so oft enden auch hier nicht alle Geschichten im Gl&amp;uuml;ck: Das Model Elisabetta Canalis ist getrennt von George Clooney, und der slowenische Philosoph Slavoj Žižek l&amp;auml;sst sich nach sieben Jahren nicht mehr von Analia Hounie, ehemaligem W&amp;auml;schemodel, bezirzen. Was der Adel vorgibt, machen die Sportler nach: Formel-1-Rennfahrer Jenson Button ist mit Jessica Michibata verbandelt, halb Japanerin, halb Argentinierin und von Beruf Unterw&amp;auml;schemodel. Zuvor war er mit Florence Brudenell-Bruce liiert, die jetzt Prinz Harrys Freundin ist. Oder der Fu&amp;szlig;ballgott Cristiano Ronaldo: Jeder, der will, kann seine Freundin Irina Shayk zurzeit im Otto-Katalog sehen, Abteilung Bademoden und Dessous.&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Erst ausziehen, dann einziehen</dc:subject>
    <dc:creator>Susanne Schneider</dc:creator>
    <dc:date>2011-07-29T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

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    <title>Wahnsinnig erfolgreich</title>
    <description>&lt;p&gt;Wenn Stars Fehler machen, m&amp;uuml;ssen sie Reue zeigen, um weiter geliebt zu      werden. Bei Charlie Sheen ist es umgekehrt: Er wird hofiert, gerade weil      er einen Skandal nach dem anderen produziert. Warum?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/33997.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Wenn Rachel Oberlin mit ihrem Engelsl&amp;auml;cheln durch Charlie Sheens Villa in Sherman Oaks f&amp;uuml;hrt, m&amp;ouml;chte man ihr fast glauben, dass er hier &amp;raquo;ein ganz normales Leben&amp;laquo; lebt. Die Petunien bl&amp;uuml;hen, das Wohnzimmer ist blitzblank, im K&amp;uuml;hlschrank stehen Vitamins&amp;auml;fte. Doch im Internet kann man Nacktfotos und Pornos mit ihr besichtigen, aus den Bettchen im blau gestrichenen Kinderzimmer haben Polizeibeamte vor ein paar Monaten die zweij&amp;auml;hrigen Zwillinge Max und Bob auf Antrag ihrer Mutter Brooke Mueller weggetragen, und im Schlafzimmer stehen zwei gro&amp;szlig;e Betten f&amp;uuml;r Charlies &amp;raquo;G&amp;ouml;ttinnen&amp;laquo;. In einem liege sie, erkl&amp;auml;rt Oberlin, im anderen die Ex-Krankenschwester Natalie Kenly. Charlie k&amp;ouml;nne jeden Abend entscheiden, zu wem er sich legen wolle. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Man m&amp;uuml;sste jetzt nur noch Charlies linkischen Filmbruder Alan dabeihaben, dann k&amp;ouml;nnte man eine realit&amp;auml;tsnahe Episode von &lt;em&gt;Two and a Half Men&lt;/em&gt; drehen. W&amp;auml;ren die Fernsehgurus seines Senders CBS schlau und skrupellos, w&amp;uuml;rden sie einfach Kameras in Charlie Sheens Villa installieren, seine alte Zwei-Millionen-Gage f&amp;uuml;r die Sitcom verdoppeln, so wie er das gefordert hat, und die Einschaltquoten w&amp;uuml;rden in den Himmel schie&amp;szlig;en. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber Charlie Sheen ist nicht Charlie Harper, Charlie Harper aus &lt;em&gt;Two and a Half Men&lt;/em&gt; ist die gerade noch familienvertr&amp;auml;gliche Version von Charlie Sheen: Harper wohnt in einem Strandhaus in Malibu, verdient Millionen mit Werbejingles, und die Frauen fallen einfach in sein Bett. Wenn er sich abschie&amp;szlig;t, dann mit Wodka und Bier statt mit Crack und Kokain, auch schl&amp;auml;gt er die Frauen nie, sondern ist selbst bei ihrer Entsorgung so entwaffnend charmant, dass ihm jede Woche zehn Millionen Fernsehzuschauer zusehen wollten &amp;ndash; die erfolgreichste Fernsehserie aller Zeiten. Es ist die Rolle seines Lebens, denn sie wurde nach seinem Leben modelliert. &amp;raquo;Von unserer ersten Idee an sahen wir Charlie als unseren Helden&amp;laquo;, sagt Produzent Chuck Lorre: &amp;raquo;Bis zu seiner Zusage waren wir blo&amp;szlig; ein paar Jungs mit einem halbgaren Drehbuch.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; So begann 2003 eines der erfolgreichsten Missverst&amp;auml;ndnisse in der Geschichte des Fernsehens: Einen sexs&amp;uuml;chtigen Alkoholiker daf&amp;uuml;r zu bezahlen, dass er einen sexs&amp;uuml;chtigen Alkoholiker spielt, das ist, als engagiere man einen Zuckerkranken in einem Selbstbedienungsladen f&amp;uuml;r S&amp;uuml;&amp;szlig;igkeiten. Als er zuletzt bei seiner Live-Show&lt;em&gt; My Violent Torpedo of Truth&lt;/em&gt; in Chicago gefragt wurde, warum er so h&amp;auml;ufig f&amp;uuml;r Sex bezahlt, sagte er: &amp;raquo;Weil ich Millionen zu verschleudern hatte. Mir sind die Sachen ausgegangen, die ich noch kaufen konnte.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Skandal kommt vom griechischen &lt;em&gt;skandalon&lt;/em&gt;, buchst&amp;auml;blich ein &amp;raquo;Stolperstein&amp;laquo; oder &amp;raquo;Fallstrick&amp;laquo;, im &amp;uuml;bertragenen Sinn ein &amp;Auml;rgernis, das das Vertrauen in einen Menschen und dessen Ruf ruiniert. In den letzten Wochen hat Charlie Sheen eigenh&amp;auml;ndig die ungeschriebenen Gesetze des Hollywood-Skandals au&amp;szlig;er Kraft gesetzt. Die &amp;uuml;bliche Dynamik l&amp;auml;uft so: Ein Star wird bei etwas Unerh&amp;ouml;rtem ertappt (Drogenmissbrauch, k&amp;auml;uflicher oder au&amp;szlig;erehelicher Sex, Gewalt, oder, wie in Charlies Fall, alles zusammen), es erfolgt ein &amp;ouml;ffentlicher Aufschrei, m&amp;ouml;glicherweise juristische Konsequenzen, in jedem Fall aber &amp;Auml;chtung, dann Zerknirschung und L&amp;auml;uterung des Schuldigen, am besten Heirat mit einem angesehenen Mitglied der Society, m&amp;ouml;glichst schnell Baby-Fotos, dann Wiederaufnahme in die Gemeinschaft &amp;ndash; in Deutschland als Michel-Friedman-Syndrom oder Christoph-Daum-Strategie bekannt. Schlimmstenfalls wird der Delinquent r&amp;uuml;ckf&amp;auml;llig, dann geht er auf Los und beginnt von vorn. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gibt ganz wenige Skandaltypen wie Keith Richards oder Silvio Berlusconi, die es geschafft haben, ihr Image in eine atemberaubende Karriere umzum&amp;uuml;nzen. Au&amp;szlig;erhalb der Rockmusik oder n&amp;ouml;rdlich von Italien funktioniert die permanente Grenz&amp;uuml;berschreitung praktisch nie. Die Fans verzeihen es einfach nicht. Gerade erst wurde der Stardesigner John Galliano von Dior wegen antisemitischer Spr&amp;uuml;che rausgeworfen. Lindsay Lohan gilt seit der dritten Verhaftung als unvermittelbar, Mel Gibsons Karriere hat sich nie mehr erholt, seitdem er seine Exfreundin verpr&amp;uuml;gelte. Selbst Michael Jacksons Ruf wurde durch den Vorwurf, er habe Kinder missbraucht, irreparabel besch&amp;auml;digt, und Golf-Gott Tiger Woods k&amp;auml;mpft sich angeschlagen aufs Green zur&amp;uuml;ck. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Fans von Charlie Sheen dagegen stehen Schlange, um Wollm&amp;uuml;tzen mit dem Aufdruck &amp;raquo;Ich bin nicht bipolar&amp;laquo; und &amp;raquo;Sheenius&amp;laquo;-Aschenbecher zu kaufen. Wenn man sie fragt, warum, sagen sie: &amp;raquo;Weil er ein Rebell ist.&amp;laquo; Oder: &amp;raquo;Weil sich endlich einer traut, die Wahrheit zu sagen.&amp;laquo; Als CBS ihn Anfang M&amp;auml;rz wegen seiner Eskapaden feuerte, feuerte Sheen mit einer 100-Millionen-Dollar-Klage zur&amp;uuml;ck. Sein Erfolg muss ein Gef&amp;uuml;hl der Unverwundbarkeit in ihm ausgel&amp;ouml;st haben: Am Tag nach der K&amp;uuml;ndigung schwang er halbnackt eine Machete auf einem Hausdach. Die w&amp;uuml;sten Tiraden, er sei ein &amp;raquo;Rockstar vom Mars&amp;laquo; mit &amp;raquo;Tigerblut&amp;laquo; und &amp;raquo;Adonis-DNA&amp;laquo;, die derben Angebereien von den Drogenpartys, die Jagger und Richards wie Schuljungs aussehen lie&amp;szlig;en, haben eine Anh&amp;auml;ngerschar geschaffen, die jeden weiteren Fluch mit Beifallsst&amp;uuml;rmen zelebriert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Hollywood vergibt, solange die Kasse stimmt. Medien und Fans arbeiten kollektiv als Suchthelfer. Wenn Star-Interviewer Piers Morgan Charlie Sheen nach f&amp;uuml;nfzig Minuten wirrem Geschwafel auf die Schulter klopft und ihm bescheinigt, er k&amp;ouml;nne nicht erkennen, &amp;raquo;dass irgendwas falsch laufe&amp;laquo;; wenn Hunderte Fans bei Sheens Live-Show in Chicago kollektiv &amp;raquo;Fuck that bitch!&amp;laquo; br&amp;uuml;llen, sobald Sheen &amp;uuml;ber seine Exfrau herzieht; wenn Dutzende von Shows mit Schecks darum buhlen, ihn auf Sendung zu kriegen, und 3,5 Millionen Twitter-Anh&amp;auml;nger jedes Sheen-Gebrabbel als Frohbotschaft weiterzwitschern &amp;ndash; welcher Gr&amp;ouml;&amp;szlig;enwahnsinnige w&amp;uuml;rde sich da nicht in der eigenen Weltsicht best&amp;auml;rkt sehen? Solange Millionen einschalten, wenn er auf Sendung geht, solange werden ihm Millionen bezahlt.&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Fr&amp;uuml;her stellte man Wahnsinnige in K&amp;auml;figen aus, heute gehen sie auf die B&amp;uuml;hne.&quot;]&lt;br /&gt; Fast alle anderen gefallenen Stars, von Michel Friedman bis Verona Feldbusch, von Hugh Grant bis O. J. Simpson, stolperten &amp;uuml;ber Polizeiermittlungen. Es waren Sheriffs, die Hugh Grant beim Oralsex auf dem Sunset Boulevard ertappten, Mel Gibson betrunken aus seinem Lexus zogen und George Michael auf einer &amp;ouml;ffentlichen M&amp;auml;nnertoilette mit einem anderen Mann &amp;uuml;berraschten. Die Medien bem&amp;uuml;hten sich anschlie&amp;szlig;end fieberhaft, saftige Details hinter den hohen Mauern ihrer Villen auszubuddeln. Gegen Sheen dagegen liegt derzeit kein Strafbefehl vor. Er br&amp;uuml;stet sich, &amp;raquo;6-Gramm-Brocken&amp;laquo; verdr&amp;uuml;ckt zu haben, aber die Polizei ermittelt nicht wegen Drogenbesitz. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Brooke Mueller soll er gedroht haben, ihr &amp;raquo;den Kopf abzuschneiden und ihn in einer Schachtel an ihre Mutter zu schicken&amp;laquo;, aber auch sie hat nicht Anzeige erstattet. Ohne Angst vor Konsequenzen hat Charlie Sheen die Lust der Medien an der Selbstentbl&amp;ouml;&amp;szlig;ung umgem&amp;uuml;nzt: Er hat die Kameras in seiner Villa selbst installiert, sendet live aus seinem Wohnzimmer, dr&amp;auml;ngt unangemeldet in jede Talkshow und h&amp;auml;lt Pl&amp;auml;doyers f&amp;uuml;r seinen ausschweifenden Lebensstil. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Im Mittelalter stellte man Wahnsinnige in K&amp;auml;figen auf dem Jahrmarkt aus und erg&amp;ouml;tzte sich an ihren wirren Brabbeleien. Im 21. Jahrhundert gibt sich ein psychisch Kranker freiwillig auf der B&amp;uuml;hne zur Besichtigung frei, weil er mit seinem Halbwahnsinn Geld verdient, viel Geld, allein sieben Millionen Dollar mit der Live-Tour. Manche von Sheens Auftritten sind dann auch tats&amp;auml;chlich tollk&amp;uuml;hne Bravado-Akte, beklatscht und bejubelt, andere sind Fiaskos. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In New York beginnen die Buhrufe zwanzig Minuten nach Beginn der Show. Charlies Live-Show in der ausverkauften Radio City Music Hall ist ein lauwarmes Aufkochen seiner ber&amp;uuml;chtigtsten Medien-Ausf&amp;auml;lle, gespickt mit lahmen Ausreden, warum sein letzter Besuch in New York vor einigen Monaten mit dem Zertr&amp;uuml;mmern einer Hotelsuite und dem Verpr&amp;uuml;geln einer Prostituierten endete: &amp;raquo;Sie wollte meine 173 000 Dollar teure Uhr stehlen.&amp;laquo; Die Meute ist gekommen, um einen Rebell fluchen zu h&amp;ouml;ren, nicht um einem kettenrauchenden Drogens&amp;uuml;chtigen beim Zerfall zuzusehen: &amp;raquo;Ihr wollte doch auch, dass ich wieder zu Two and a Half Men zur&amp;uuml;ckkomme?&amp;laquo;, bettelt Charlie, w&amp;auml;hrend das Publikum anf&amp;auml;ngt mit Gegenst&amp;auml;nden zu werfen. Ein Zuschauer br&amp;uuml;llt auf dem Weg zum Ausgang: &amp;raquo;Das ist schlimmer als Tschernobyl!&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; An Charlie Sheen lassen sich die Mechanismen Hollywoods eindrucksvoller studieren als an jedem anderen Crash-Piloten: Mit elf Jahren hat er nach eigener Aussage zum ersten Mal Drogen probiert, mit 15 hatte er seinen ersten Sex, mit zwanzig wurde er zum ersten Mal verhaftet. Es w&amp;auml;re ein Wunder, wenn drei Dekaden harten Alkohol- und Drogenmissbrauchs keine bleibenden Sch&amp;auml;den hinterlassen h&amp;auml;tten. Sein Vater Martin Sheen hat gesagt, dass er &amp;raquo;die H&amp;ouml;lle&amp;laquo;, durch die sein Sohn geht, &amp;raquo;pers&amp;ouml;nlich nachvollziehen&amp;laquo; kann. Auch er habe psychotische Sch&amp;uuml;be und Suchtphasen gehabt, auch Charlies Bruder Emilio wurde erst in einer Entzugsklinik trocken. &amp;raquo;Die Sucht ist wie ein Krebs&amp;laquo;, sagt Martin Sheen. Erst als er &amp;raquo;ganz unten&amp;laquo; war, fand er zu Gott und zog sich aus dem Sumpf. &amp;raquo;Wer Drogen nimmt, bleibt emotional auf dem Stand eines Teenagers. Man ist emotional verkr&amp;uuml;ppelt.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Charlie Sheen ist zwanzig Jahre alt, als er seinen eigenen Lebenstraum zu Schrott boxt: Er wollte n&amp;auml;mlich nie Schauspieler werden, sondern war auf dem besten Weg zum Baseball-Star. Als er aber seine Englisch-Lehrerin mit dem Tod bedroht, ist der Rausschmiss aus der High School nicht mehr zu verhindern. Ohne Schulabschluss kein Baseball-Stipendium, es bleibt nur die Schauspielerei. Mit seinem Bruder Emilio und den anderen verw&amp;ouml;hnten Reiche-Leute-Bengeln in Malibu &amp;ndash; Rob Lowe, Tom Cruise und Sean Penn &amp;ndash; dreht er kleine Super-8-Streifen. Rob Lowe erinnert sich an &amp;raquo;wundervolle Tage&amp;laquo; in der Sheen-Villa mit &amp;raquo;nie versiegendem H&amp;auml;agen-Dazs, brandneuen BMWs, einem Lagunen-Pool mit Unterwassertunneln und einem professionellen Basketballplatz&amp;laquo;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mit 21 fliegt Charlie f&amp;uuml;r Oliver Stones Vietnam-Epos &lt;em&gt;Platoon&lt;/em&gt; zur&amp;uuml;ck auf die Philippinen, wo sein Vater bei den Dreharbeiten f&amp;uuml;r Francis Ford Coppolas &lt;em&gt;Apocalypse Now &lt;/em&gt;sieben Jahre zuvor einen psychotischen Anfall und einen Herzinfarkt erlitten hatte. Charlie tritt in die Fu&amp;szlig;stapfen seines Vaters, als Schauspieler und Alkoholiker.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das Porno-Starlet Ginger Lynn Allen sagt: &amp;raquo;Wenn Charlie n&amp;uuml;chtern ist, ist er s&amp;uuml;&amp;szlig;, nett, liebevoll und gro&amp;szlig;z&amp;uuml;gig. Wenn er trinkt und Drogen nimmt, ger&amp;auml;t er au&amp;szlig;er Kontrolle.&amp;laquo; Also recht h&amp;auml;ufig. 1990 schie&amp;szlig;t er seiner damaligen Freundin Kelly Preston &amp;raquo;versehentlich&amp;laquo; in den Arm. 1994 wird Sheen zum Gesp&amp;ouml;tt Hollywoods, als im Prozess gegen die Bordell-Chefin Heidi Fleiss herauskommt, dass er in 14 Monaten 53 000 Dollar f&amp;uuml;r elf Frauen bezahlt hat. 1996 verpr&amp;uuml;gelt er die Porno-Darstellerin Brittany Ashland und wird zu einer Geldstrafe verurteilt. Sie sei, sagt er sp&amp;auml;ter, &amp;raquo;ungl&amp;uuml;cklich gest&amp;uuml;rzt&amp;laquo;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; 1998 ist Sheen am Ende. Niemand will ihn mehr engagieren, schlie&amp;szlig;lich wird er mit einer &amp;Uuml;berdosis ins Krankenhaus eingeliefert. Nach dem Entzug gibt er sich gel&amp;auml;utert. &amp;raquo;Meine wilden Tage sind vorbei&amp;laquo;, beteuert er, er habe zu Gott gefunden. Noch h&amp;auml;lt er sich an die bew&amp;auml;hrte Skandalbew&amp;auml;ltigungs-Dramaturgie und Hollywood belohnt ihn 2000 mit einer Rolle in der popul&amp;auml;ren Sitcom &lt;em&gt;Chaos City&lt;/em&gt;. 2002 heiratet er das drei&amp;szlig;ig Jahre alte Bond-Girl Denise Richards und l&amp;auml;sst sich auf ihren Wunsch sogar seine 13 Tattoos weglasern. Zwei Jahre sp&amp;auml;ter, im sechsten Monat schwanger, kann Denise Richards nicht schnell genug geschieden werden. Richards sagt unter Eid aus, ihr Mann sei spiel- und sexs&amp;uuml;chtig, habe eine Affinit&amp;auml;t zu Gasmasken und lagere seine Waffen gern unter dem Sofatisch. Er habe sie geschlagen und mit dem Tod bedroht. Das Gericht verbietet Sheen, ihr und seinen beiden T&amp;ouml;chtern Sam und Lola n&amp;auml;her als 300 Meter zu kommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; 2008 findet sich eine neue Retterin: die 29 Jahre alte Immobilienmaklerin Brooke Mueller, mit der er Zwillinge bekommt. Doch schon Heiligabend 2009 verbringt Sheen wieder im Gef&amp;auml;ngnis: Mueller ruft die Polizei, weil Charlie sie verpr&amp;uuml;gelt. Sheen wird zu einer Bew&amp;auml;hrungsstrafe verurteilt. CBS spendiert ihm eine Gehaltserh&amp;ouml;hung und der Erfolg von &lt;em&gt;Two and a Half Men&lt;/em&gt; ist f&amp;uuml;r ihn eine Art Lizenz, so bleiben zu d&amp;uuml;rfen, wie er ist. &lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Charlie Sheen: die Touristenattraktion.&quot;]&lt;br /&gt; Warum werden Charlie Sheen alle Eskapaden verziehen? Es ist das Geld, das ihn f&amp;uuml;r den Fernsehsender unentbehrlich macht. Der bis vor Kurzem bestbezahlte Fernsehstar der Welt ist f&amp;uuml;r den Sender eine gesch&amp;auml;tzte Milliarde Dollar wert &amp;ndash; die Einnahmen aus der weltweiten Vermarktung von &lt;em&gt;Two and a Half Men&lt;/em&gt;, die ohne Sheen nicht denkbar ist. Aber warum z&amp;auml;hlen so viele Frauen zu seinen Fans, obwohl er mindestens sechs Frauen verpr&amp;uuml;gelt oder bedroht hat? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sheen hat die Unbelehrbarkeit zu seinem Markenzeichen gemacht. In einer &amp;Ouml;ffentlichkeit, in der Meinungen nicht mehr von medialen Bedenkentr&amp;auml;gern gemacht werden, daf&amp;uuml;r von Klatsch-Websites und Twitterern, die permanent nach neuen Gespr&amp;auml;chsstoff-Fitzelchen gieren, feiert er mit seinem Benehmen Triumphe. Die Gesetze der Aufmerksamkeits&amp;ouml;konomie haben jene der Moral ausgehebelt. Auf seine Fernsehrolle ist Sheen nicht mehr angewiesen, er ist jetzt seine eigene Marke, sein eigenes Rauschmittel: die Droge Charlie Sheen. Nur &amp;raquo;G&amp;ouml;ttin&amp;laquo; Rachel Oberlin hat genug von dieser Droge und hat ihn inzwischen verlassen &amp;ndash; per SMS.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Charlies alte Absturz-Buddys, mit denen er als Teenager um die H&amp;auml;user zog, haben alle die Kurve gekriegt: David Arquette hat sich nach drei&amp;szlig;ig Jahren Alkohol- und Drogenkonsum selbst in die Klinik eingeliefert. &amp;raquo;Ich musste mein eigenes Haus explodieren lassen und ganz unten ankommen, um mich wieder aufbauen zu k&amp;ouml;nnen&amp;laquo;, sagt er, &amp;raquo;Charlie ist noch nicht ganz unten.&amp;laquo; Rob Lowe hat nach einer erfolgreichen Entziehungskur die richtige Frau geheiratet und sieht auf dem j&amp;uuml;ngsten &lt;em&gt;Vanity Fair&lt;/em&gt;-Cover aus wie ein junger Muskelgott. Sean Penn leistet in Haiti erfolgreiche Aufbauarbeit, Robert Downey Junior, den die Polizei einst betrunken und halbnackt in einer Seitengasse in Los Angeles auflas, feiert einen Erfolg nach dem anderen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; TMZ, der ber&amp;uuml;chtigste Klatschkanal Amerikas, hat ab dem 1. Mai eine Skandal-Hollywood-Tour im Programm. Highlights: die Villa, in der Charlie Sheen im Januar mit sechs Prostituierten und einem Berg Koks feierte, bevor der Krankenwagen gerufen werden musste; Saks Fifth Avenue in Beverly Hills, wo Winona Ryder Designer-Klamotten mitgehen lie&amp;szlig;; die Villa, in der Nicole Simpson ermordet wurde. Im Bus laufen zwischen den Stationen, sagt Marketing-Direktor Philip Ferentinos, &amp;raquo;schockierende und nie zuvor gesehen Videos mit Zeugenaussagen&amp;laquo;. In Deutschland w&amp;uuml;rde die Ank&amp;uuml;ndigung von Tagestouren zu Barschels Badewanne, Michel Friedmans Prostituiertentreff oder den Schlafzimmern von J&amp;ouml;rg Kachelmanns Geliebten f&amp;uuml;r erbitterte Debatten sorgen, in Hollywood ist die Tour f&amp;uuml;r 69 Dollar auf Wochen ausverkauft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Charlie Sheen ist nun eine Touristenattraktion. Er hat sich seine bekanntesten Kampfrufe (&amp;raquo;Hexenmeister&amp;laquo;, &amp;raquo;Vatikan-Killer&amp;laquo;, &amp;raquo;Tigerblut&amp;laquo;) patentieren lassen und wird vermutlich auch diesmal wieder mit einem neuen Millionenvertrag davonkommen. Zumindest, wenn er &amp;uuml;berlebt. &amp;raquo;Wie Erol Flynn muss man das Schwert manchmal senken&amp;laquo;, hat er gesagt. Doch mit dem Vergleich hat er sich keinen Gefallen getan: Nach einigen Jahrzehnten Alkohol-, Drogen- und Partyexzessen starb der Frauenliebling Flynn viel zu fr&amp;uuml;h, mit f&amp;uuml;nfzig. Nach einer wochenlangen Sause krepierte er im Bett, von seinem geschundenen K&amp;ouml;rper im Stich gelassen. &lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Wahnsinnig erfolgreich</dc:subject>
    <dc:creator>Michaela Haas</dc:creator>
    <dc:date>2011-05-05T17:00:00+01:00</dc:date>
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