<?xml version="1.0" encoding="iso-8859-1"?>
<rdf:RDF 
  xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#"
  xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
  xmlns:cc="http://web.resource.org/cc/"
  xmlns="http://purl.org/rss/1.0/"
  xmlns:mn="http://usefulinc.com/rss/manifest/"

         xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
>

  <channel rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de:80/rsslabel/69">
    <title>sz-magazin.de - Sport</title>
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//labels/anzeigen/69</link>
    <description>Alle Texte zu dem Label Sport auf sz-magazin.de</description>
    <image rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//img/jetztxml/szmagazin.gif" />
    <items>
      <rdf:Seq>
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39729" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38565" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37869" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37851" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37503" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37491" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37161" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36746" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36759" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36591" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36390" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36239" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/35874" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/35763" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/4880" />
      </rdf:Seq>
    </items>
  </channel>

  <image rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//img/jetztxml/szmagazin.gif">
     <title>sz-magazin.de</title>
     <url>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//img/jetztxml/szmagazin.gif</url>
     <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//labels/anzeigen/69</link>
     <dc:description>Alle Texte zu dem Label Sport auf sz-magazin.de</dc:description>
  </image>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39729">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39729</link>
    <title>Hart an der Grenze</title>
    <description>&lt;p&gt;Schiedsrichter im deutschen Amateur-Fu&amp;szlig;ball, das war mal ein entspannter  Idealistenjob. Heute ist er oft sehr gef&amp;auml;hrlich: Immer wieder kommt es  zu gewaltt&amp;auml;tigen Ausschreitungen gegen die Unparteiischen. Wie  dramatisch die Lage ist, zeigen die Spielberichtsb&amp;ouml;gen in unserer Bildergalerie - alles Originaldokumente aus Spielen der laufenden  Saison.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Als Ende vergangenen Jahres ein Linienrichter in den Niederlanden nach einem Jugendspiel so schwer verpr&amp;uuml;gelt wurde, dass er kurz darauf starb, wurde die Frage diskutiert, ob ein solcher Gewaltexzess unter jungen Spielern auch in Deutschland denkbar sei. Gl&amp;uuml;cklicherweise hat es im deutschen Fu&amp;szlig;ball noch keine vergleichbare Attacke gegeben; die Verantwortlichen aller 21 Landesverb&amp;auml;nde sind sich aber einig, dass das k&amp;ouml;rperliche und verbale Gewaltpotenzial auf den Pl&amp;auml;tzen ein Problem darstellt, das mit aufwendigen Mitteln bek&amp;auml;mpft werden muss. Bei einem Berliner Amateurspiel kam es im Herbst 2011 etwa zu einem schweren &amp;Uuml;bergriff auf den Schiedsrichter; der Mann blieb nur deshalb am Leben, weil seine im Hals steckengebliebene Zunge rechtzeitig herausgezogen wurde. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Spielberichtsb&amp;ouml;gen auf diesen Seiten stammen von aktuellen Jugendspielen in Berlin, Hessen und Bayern. Normalerweise enth&amp;auml;lt ein solcher Bogen einfach die Namen und Passnummern der Fu&amp;szlig;baller und das Ergebnis; nur bei au&amp;szlig;ergew&amp;ouml;hnlichen Vorf&amp;auml;llen wird ein sogenannter Sonderbericht an das zust&amp;auml;ndige Sportgericht geschickt. Diese Berichte, zum Teil von selbst noch jugendlichen Schiedsrichtern verfasst, sind in ihrer um Seriosit&amp;auml;t bem&amp;uuml;hten, manchmal etwas unbeholfenen Sprache anr&amp;uuml;hrende Dokumente. Sie lassen erkennen, dass solche Eskalationen zwar immer noch eine Ausnahmeerscheinung sind, zumindest in manchen Ballungsr&amp;auml;umen aber regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig auftreten. In einer gerade ver&amp;ouml;ffentlichten Umfrage unter mehr als tausend bayerischen Schiedsrichtern geben etwa 90 Prozent der Befragten an, sich bei ihren Spielen sicher zu f&amp;uuml;hlen; 40 Prozent aber &amp;auml;u&amp;szlig;erten sich auch besorgt &amp;uuml;ber die j&amp;uuml;ngsten Entwicklungen der Atmosph&amp;auml;re auf dem Fu&amp;szlig;ballplatz. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In den letzten Jahren haben die Verb&amp;auml;nde deshalb verschiedene Strategien zur Verhinderung von Gewalt entwickelt. So sollen konkrete Steuerungsma&amp;szlig;nahmen die Stimmung auf dem Platz von vornherein beruhigen. Fast &amp;uuml;berall in Deutschland gilt inzwischen die Regel, dass Eltern bei Kinder- und Jugendspielen nicht mehr direkt an der Seitenauslinie oder hinter dem Tor stehen d&amp;uuml;rfen; es sind vielmehr &amp;raquo;Fan-Zonen&amp;laquo; am Rand der Sportanlagen vorgesehen. Wer schon einmal die br&amp;uuml;llenden V&amp;auml;ter und Trainer von der F-Jugend aufw&amp;auml;rts erlebt hat &amp;ndash; zumeist fr&amp;uuml;here Fu&amp;szlig;baller, minder talentiert, die in ihrem Spr&amp;ouml;ssling den eigenen Traum vom Profi verwirklichen wollen &amp;ndash;, versteht die Notwendigkeit dieser Einrichtung. In manchen Bundesl&amp;auml;ndern, wie in Berlin oder Bayern, sind an jedem Spieltag auch rund zwei Dutzend &amp;raquo;Konfliktmanager&amp;laquo; unterwegs, die als riskant eingestufte Partien beobachten. Und Spiele von Kindermannschaften werden in bezirksweiten Pilotprojekten immer h&amp;auml;ufiger ganz ohne Schiedsrichter durchgef&amp;uuml;hrt, um die Spieler darin einzu&amp;uuml;ben, sich untereinander &lt;br /&gt; in aller Fairness &amp;uuml;ber strittige Entscheidungen zu einigen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ein zweiter Schwerpunkt neben der Unterbindung von Aggression auf dem Platz betrifft die intensivere Betreuung auff&amp;auml;llig gewordener Spieler. In Berlin gibt es seit einiger Zeit etwa die Einrichtung der &amp;raquo;Anti-Gewalt-Kurse&amp;laquo;. Nach wiederholten oder besonders schwerwiegenden Schl&amp;auml;gereien und Beleidigungen eines Spielers spricht das Sportgericht au&amp;szlig;er einer Sperre auch den verpflichtenden Besuch eines solchen Kurses aus. In bis zu f&amp;uuml;nf Sitzungen &amp;agrave; drei Stunden sprechen die Jugendlichen mit Psychologen &amp;uuml;ber ihr Verhalten. &amp;raquo;Der Erfolg dieser Kurse ist erfreulich&amp;laquo;, sagt Gerd Liesegang, Vizepr&amp;auml;sident des Berliner Fu&amp;szlig;ballverbands. &amp;raquo;Wir hatten bislang 350 Teilnehmer, und nur zwei von ihnen sind r&amp;uuml;ckf&amp;auml;llig geworden. Es hilft, wenn die Jugendlichen die Vorf&amp;auml;lle auch einmal aus ihrer Perspektive erz&amp;auml;hlen k&amp;ouml;nnen.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Funktion&amp;auml;re wie Liesegang arbeiten in ihrem Verbandsgebiet mit Tausenden von ehrenamtlichen Helfern zusammen &amp;ndash; Jugendleitern, Trainern, Betreuern &amp;ndash;, die Woche f&amp;uuml;r Woche fast ihre ganze Freizeit in den Vereinsfu&amp;szlig;ball investieren. Das Bewusstsein f&amp;uuml;r die p&amp;auml;dagogische Verantwortung dieser T&amp;auml;tigkeiten wird offensichtlich immer gr&amp;ouml;&amp;szlig;er. Nach der Lekt&amp;uuml;re dieser Spielberichtsb&amp;ouml;gen ist es allerdings nicht verwunderlich, dass ein bestimmter Posten im Jugend- und Amateurfu&amp;szlig;ball in den letzten Jahren unter akutem Nachwuchsmangel leidet: das Amt des Schiedsrichters.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fotos: Andr&amp;eacute; M&amp;uuml;hling&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Hart an der Grenze</dc:subject>
    <dc:creator>Andreas Bernard</dc:creator>
    <dc:date>2013-04-01T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38565">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38565</link>
    <title>Es läuft ganz gut</title>
    <description>&lt;p&gt;Der deutsche Manager Volker Wagner holt Sportler aus Afrika und l&amp;auml;sst      sie gegen kleines Geld bei deutschen Marathonrennen antreten. Manche      nennen ihn einen Sklaventreiber. Andere finden, dass er Menschen eine      Chance gibt.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In einem Bungalow mitten in der deutschen Provinz warten drei Kenianer auf den Abend. Samson Kosgei, Hesbon Rono und James Barmasai haben sich auf die gr&amp;uuml;nen Lederm&amp;ouml;bel im Wohnzimmer gefl&amp;auml;zt und den alten R&amp;ouml;hrenfernseher angeschaltet. Zeit totschlagen. Ein paar Stunden noch, dann fahren sie nach Borgholzhausen. In dem 8500-Einwohner-Ort findet heute ein Nachtlauf statt, ein Sechs-Meilen-Rennen. F&amp;uuml;r die drei geht es um Start- und Siegpr&amp;auml;mien, es geht ums Geldverdienen. Laufen ist ihr Beruf. Bis zur Abfahrt zappen sie im Fernsehprogramm herum. Sie bleiben bei einer deutschen Autosendung h&amp;auml;ngen. Sie verstehen kein Wort.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die drei sind G&amp;auml;ste von Volker Wagner, einem pensionierten Hauptschullehrer. Wagner, 62 Jahre alt, holt afrikanische L&amp;auml;ufer nach Deutschland. Die meisten kommen aus Kenia, einige auch aus &amp;Auml;thiopien und Tansania. F&amp;uuml;r ein paar Wochen wohnen sie bei Wagner in Detmold, 30 Kilometer &amp;ouml;stlich von Bielefeld, am Fu&amp;szlig;e des Teutoburger Walds. Wagner l&amp;auml;sst seine Athleten bei Veranstaltungen in der ganzen Bundesrepublik starten. Zehn-Kilometer-L&amp;auml;ufe, Halbmarathons, Marathons. Manchmal fahren sie auch nach Tschechien oder in die Niederlande, &amp;uuml;berall dorthin, wo es Preisgelder zu gewinnen gibt. Es ist ein Gesch&amp;auml;ft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wagners Gesch&amp;auml;ft begann vor 25 Jahren. Damals fehlte dem tansanischen Langstreckenl&amp;auml;ufer Suleiman Nyambui bei einem Wettkampf ein Tempomacher. Volker Wagner sprang ein, lief, so schnell er konnte, und freundete sich mit Nyambui an. Er half ihm bei der Suche nach lukrativen L&amp;auml;ufen in Deutschland, Schritt f&amp;uuml;r Schritt wurde er sein offizieller Manager. Suleiman Nyambui verdiente gutes Geld. Volker Wagner machte sich in der Szene einen Namen. Andere Ostafrikaner schickten ihm Anfragen nach Detmold, ob sie nicht auch f&amp;uuml;r ihn starten k&amp;ouml;nnten. So entstand Wagners erste L&amp;auml;ufer-Gruppe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Heute halten seine Athleten bei Wettbewerben in ihrer Heimat Ausschau nach neuen Talenten. Sie sprechen sie an und geben Namen und Telefonnummern an Wagner weiter. Sein kleines Scouting-System. Ab und zu fliegt er auch selbst nach Afrika. Wenn alles passt, nimmt er die empfohlenen L&amp;auml;ufer unter Vertrag. Er besorgt ihnen Laufschuhe und Trainingskleidung, verhandelt mit Ausstattern, meldet sie bei Rennen an. Doch Wagner ist mehr als nur ihr Manager. Er ist auch ihr Trainer, er ist ihr Masseur. Vor allem aber ist er die einzige Bezugsperson, die die Afrikaner hier im ostwestf&amp;auml;lischen Nirgendwo haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; An der Hauptstra&amp;szlig;e, die den Detmolder Stadtteil Diestelbruch zweiteilt, stehen solarbezellte Einfamilienh&amp;auml;user neben restaurierten Fachwerkh&amp;ouml;fen. Ein gro&amp;szlig;es Holzschild weist darauf hin, dass Diestelbruch ein staatlich anerkannter Erholungsort ist. In den Sechzigerjahren entstand hier ein Bungalow-Feriendorf mit siebzig Schlafpl&amp;auml;tzen. Doch die Urlauber kamen irgendwann nicht mehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;That's no problem&quot;]&lt;br /&gt; Heute wohnen Wagners L&amp;auml;ufer hier. Zu siebt sind sie derzeit, vier M&amp;auml;nner und eine Frau aus Kenia, ein Mann und eine Frau aus &amp;Auml;thiopien. Sie leben in zwei H&amp;auml;usern. Die M&amp;auml;nner in dem einen, im anderen die Frauen. Ihre Zimmer erinnern an Jugendherbergen. Etagenbetten, Waschbecken unter einem Spiegel, zu zweit oder zu dritt schlafen sie in einem Raum. &amp;raquo;Thats no problem&amp;laquo;, sagt Lydia Rutto, &amp;raquo;immerhin haben wir hier flie&amp;szlig;endes Wasser im Haus.&amp;laquo; Im Flur steht Ger&amp;uuml;mpel. Eine ausrangierte Waschmaschine, ein kaputter K&amp;uuml;hlschrank. Pfandflaschen liegen herum. Kabel h&amp;auml;ngen aus der Decke, an den Tapeten breitet sich Schimmel aus. &amp;raquo;That&amp;rsquo;s no problem&amp;laquo;, sagen auch die anderen L&amp;auml;ufer, &amp;raquo;es ist nur ein bisschen kalt.&amp;laquo; Die Heizung ist ausgefallen. Wagners G&amp;auml;ste haben sich in Wolldecken und Winterjacken eingepackt und vor den Fernseher gesetzt. Drau&amp;szlig;en zeigt das Thermometer 18,5 Grad. Drinnen frieren die L&amp;auml;ufer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wagner hat keinen besonders guten Ruf. In Online-Foren von Laufmagazinen werden Manager wie Wagner &amp;raquo;moderne Sklaventreiber&amp;laquo; genannt. Sie seien &amp;raquo;Menschenh&amp;auml;ndler, die mit den Tr&amp;auml;umen anderer Kohle machen&amp;laquo;. Aussagen in der Anonymit&amp;auml;t des Internets. Der Gedanke: Die Wei&amp;szlig;en holen ein paar Schwarze nach Deutschland, lassen sie f&amp;uuml;r sich laufen und kassieren ordentlich ab. Neue Kolonialherren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Volker Wagner hat sich mit einem dicken Ordner bewaffnet. Er k&amp;ouml;nne diese Aussagen irgendwie schon verstehen, ja, das wirke auf Au&amp;szlig;enstehende sicher alles seltsam und bedenklich. Und es gebe auch genug Manager, bei denen Skepsis angebracht sei. &amp;raquo;Ich arbeite aber sauber und fair&amp;laquo;, sagt Wagner. Mit Vertr&amp;auml;gen, Abrechnungen und Quittungen will er das beweisen. Jedes Mal, wenn er einen L&amp;auml;ufer aus Afrika zu sich nach Detmold hole, schie&amp;szlig;e er Geld vor. Fl&amp;uuml;ge, Visum, Versicherung, alles im Voraus. Seine Athleten schulden ihm diese Kosten dann erst mal. &amp;raquo;Je nach Reisesaison und Aufenthaltsdauer sind das zwischen 800 und 2000 Euro&amp;laquo;, sagt Wagner. Mit dem Geld, das die L&amp;auml;ufer bei Wettbewerben gewinnen, zahlen sie ihre Schulden zur&amp;uuml;ck. In dieser Zeit wohnen sie kostenlos in den Bungalows in Diestelbruch. Erst wenn sie die Schulden beglichen haben, bekommen die Athleten die erlaufenen Pr&amp;auml;mien ausgezahlt, abz&amp;uuml;glich 15 Prozent Managergehalt f&amp;uuml;r Volker Wagner. Von ihren Gewinnen m&amp;uuml;ssen sie von da an 15 Euro pro Tag f&amp;uuml;rs Wohnen, die Heizung und den Strom bezahlen. So steht es in den Ein-Jahres-Vertr&amp;auml;gen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wagners L&amp;auml;ufer drehen gerade eine Trainingsrunde durch die Gegend um Diestelbruch. Rechts vom Feldweg Roggen und Gers-te bis zum Horizont, links vom Feldweg der Teutoburger Wald. T&amp;auml;glich trainieren sie hier, zwischen 150 bis 200 Kilometer in der Woche. W&amp;auml;hrend einer kurzen Stretching-Pause will Isaac Boit ein bisschen was &amp;uuml;ber Deutschland wissen. Ob wirklich jedes Kind hier zur Schule gehe, fragt er. Und ob man einfach so Flaggen in seinem Garten hissen k&amp;ouml;nne, ohne verhaftet zu werden. &amp;raquo;Gibt es in Deutschland auch so viele verschiedene Stammessprachen wie bei uns?&amp;laquo;, fragt Lydia Rutto. Einige aus der Gruppe w&amp;uuml;rden sp&amp;auml;ter gern mal herziehen.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Sie k&amp;ouml;nnten sogar ein wenig die Sprache, sagen sie: &amp;raquo;Guten Morgen&amp;laquo;, &amp;raquo;Wasser&amp;laquo;, &amp;raquo;Tsch&amp;uuml;ss&amp;laquo;. Damit ist ihr Leben hier auch schon zusammengefasst. Sie kommen, sie laufen, sie gehen wieder. &amp;raquo;Running is business&amp;laquo;, sagt Samson Kosgei, Laufen sei ein Gesch&amp;auml;ft. Sie &amp;uuml;bernehmen Jobs, die die europ&amp;auml;ischen Spitzenathleten nicht mal in Erw&amp;auml;gung ziehen. F&amp;uuml;r 750 Euro Siegpr&amp;auml;mie qu&amp;auml;len sie sich durch W&amp;uuml;rzburg, f&amp;uuml;r die Aussicht auf 500 Euro jagen sie durch Oelde. Ab und zu gibt es noch Startgeld obendrauf. Aber auch das &amp;uuml;bersteigt den dreistelligen Eurobereich so gut wie nie. In den kleinen St&amp;auml;dten ist kein gro&amp;szlig;es Geld zu machen. Aber immerhin ein gutes kenianisches Monatsgehalt. Deswegen starten sie in Borgholzhausen, vier Runden durch die Innenstadt eines Provinznests.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;In Borgholzhausen ist gerade der Firmenlauf gestartet. Es riecht nach Bratwurst und Bier, eine Blaskapelle dr&amp;ouml;hnt, Volksfeststimmung. Etwas abseits der Strecke ziehen sich Wagners L&amp;auml;ufer ihre Trikots an. Sein klappriger silberfarbener Ford dient als Umkleidekabine. Die, die schon fertig sind, unterhalten sich mit anderen schwarzen Athleten auf Swahili oder Kalenjin. Rund zwanzig Afrikaner starten in Borgholzhausen. Die meisten kommen aus Kenia, aus der L&amp;auml;uferhochburg Eldoret, der viertgr&amp;ouml;&amp;szlig;ten Stadt des Landes. Sie kennen einander.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Denn so l&amp;auml;uft die Globalisierung des Laufmarktes: Die Kenianer trainieren gemeinsam auf den staubigen Stadionbahnen in Eldoret, werden von europ&amp;auml;ischen Managern beobachtet, die Besten bekommen Vertr&amp;auml;ge und fliegen nach D&amp;uuml;sseldorf, Hamburg, Berlin, M&amp;uuml;nchen. &amp;Uuml;berall in Deutschland verteilt trainieren sie f&amp;uuml;r die Wettk&amp;auml;mpfe &amp;ndash; und bei denen treten sie dann wieder gegeneinander an.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Volker Wagner hat sich am Streckenrand positioniert. Eigentlich ist die Veranstaltung f&amp;uuml;r ihn finanziell uninteressant. &amp;raquo;Zu solchen L&amp;auml;ufen darf man gar nicht hinfahren&amp;laquo;, sagt er, w&amp;auml;hrend seine Athleten an ihm vorbeikeuchen. Er vergleicht mit der Stoppuhr Rundenzeiten. Ab und zu ruft er &amp;raquo;go, go, go&amp;laquo; oder &amp;raquo;it&amp;rsquo;s good&amp;laquo;. Seine Kenianer &amp;uuml;berrunden die einheimischen Hobbyl&amp;auml;ufer einmal, zweimal. Sie schl&amp;auml;ngeln sich vorbei an Feierabend-joggern und Teilnehmern mit Bauchansatz unter den verschwitzten T-Shirts. Die Zuschauer stehen in ihren Vorg&amp;auml;rten und tr&amp;ouml;ten in schwarz-rot-goldene Vuvuzelas. Ja, guck mal da, die schnellen Afrikaner.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Das Preisgeld sei l&amp;auml;cherlich, sagt Wagner. 400 Euro gibt es f&amp;uuml;r einen Sieg, der Neunte bekommt noch 30 Euro. Seine Athleten brauchen diese L&amp;auml;ufe aber, um wenigstens ein bisschen Geld mit nach Kenia nehmen zu k&amp;ouml;nnen. In Borgholzhausen springt ein zweiter Platz f&amp;uuml;r James Barmasai raus, Lydia Rutto und Aynenesh Niguse laufen bei den Frauen auf die Pl&amp;auml;tze zwei und drei. Insgesamt verdient die Gruppe 850 Euro Preisgeld, dazu kommen 200 Euro Antrittspr&amp;auml;mie. Immerhin etwas, um die Schulden bei Volker Wagner abzubezahlen.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Weltmeister in der Vergangenheit&quot;]&lt;br /&gt;Seit f&amp;uuml;nf, sechs Jahren geht Wagners Gesch&amp;auml;ft nicht sehr gut. Nur wenige seiner Athleten erlaufen Gewinne. Von den sieben, die gerade bei ihm in Diestelbruch wohnen, vielleicht zwei oder drei. Die anderen hinterlassen Schulden. Der eine 445 Euro, der andere 1675 Euro. Sie werden ihrem Manager das Geld niemals zur&amp;uuml;ckzahlen k&amp;ouml;nnen. Sobald sie ins Flugzeug nach Kenia steigen, werden ihre Schulden zu Wagners Schulden. 2011 hat er 24 000 Euro Verlust gemacht.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Aber warum macht Wagner weiter? Die Antwort liegt in der Vergangenheit. In den 25 Jahren, die er inzwischen dabei ist, hat er gro&amp;szlig;e Siege gefeiert. Seine Athleten haben 13 Weltrekorde aufgestellt. Sie haben alle gro&amp;szlig;en Marathonrennen gewonnen, in New York, in Tokio, London, Rotterdam. Wagner hat L&amp;auml;uferinnen wie Tegla Loroupe und Joyce Chepchumba zu Weltstars gemacht, zu Multimillion&amp;auml;rinnen. &amp;raquo;Wenn ich nur die Top-Leute aufz&amp;auml;hlen w&amp;uuml;rde, die ich hatte, k&amp;ouml;nnte ich zwanzig Namen nennen&amp;laquo;, sagt Wagner. Er erz&amp;auml;hlt gern von fr&amp;uuml;her. Wie er sich einmal einem Japaner vorstellen wollte und der zu ihm sagte: &amp;raquo;Ich kenne Sie. Sie sind ein ber&amp;uuml;hmter Trainer.&amp;laquo; Wie er den Managerriesen aus Italien und Holland mit ihren vielen Mitarbeitern die ersten Pl&amp;auml;tze beim Berlin-Marathon wegschnappte. Gespr&amp;auml;che mit Volker Wagner enden zwangsl&amp;auml;ufig bei Geschichten aus der Vergangenheit.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Die Bilder von damals sind in den Bungalows in Diestelbruch &amp;uuml;berall zu sehen, Fotos von Zieleinl&amp;auml;ufen und Siegerehrungen h&amp;auml;ngen an den W&amp;auml;nden. Wagner will diese Momente wiederhaben. Mit jedem Kenianer, den er nach Deutschland holt, sehnt er sich nach dem neuen Coup.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Wagners Hoffnung ist Eliud Kiptanui. Der 23-J&amp;auml;hrige sitzt auf seinem Bett und packt zwei Plastikt&amp;uuml;ten mit Kleidung aus. Aus dem CD-Player knarzt der Song &lt;em&gt;No Limit&lt;/em&gt; der Neunzigerjahre-Gruppe 2 Unlimited. Kiptanui und zwei der anderen Kenianer waren beim Tr&amp;ouml;delmarkt in der Detmolder Innenstadt. Sie haben sich H&amp;uuml;te gekauft, ein paar Klamotten, die CD. Kiptanui kann sich diese Einkaufstouren leisten, er hat gut verdient, seit er f&amp;uuml;r Volker Wagner l&amp;auml;uft. 2010 holte der ihn nach Deutschland. Wagner meldete Kiptanui f&amp;uuml;r den Marathon in Prag, ohne ihn jemals in einem Wettbewerb gesehen zu haben. Er kannte nur eine ungef&amp;auml;hre Zeit aus Kenia von ihm. Kiptanui lief in Prag 2:05:39 Stunden, gerade mal eine Minute und 40 Sekunden &amp;uuml;ber dem damaligen Weltrekord. Preisgeld, erster Platz, eine kleine Sensation. &amp;raquo;Da war es f&amp;uuml;r Volker wie fr&amp;uuml;her&amp;laquo;, sagt Natalya Wagner. Ihr Mann war wieder angefixt. 2011 verdiente Eliud Kiptanui durch Pr&amp;auml;mien und Sponsorenvertrag rund 98 000 Euro. Von dem Geld lieh er Wagner 45 000 Dollar bei acht Prozent Zinsen, damit der seine Schulden zahlen konnte. Eliud Kiptanui ist der Grund, warum es Volker Wagners Kenianer-Gruppe &amp;uuml;berhaupt noch gibt.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Eine Woche nach dem Lauf in Borgholzhausen. Wagner f&amp;auml;hrt mit beschlagener Windschutzscheibe durch den Hamburger Stadtverkehr. Seine L&amp;auml;ufer haben beim Halbmarathon gerade 1900 Euro gewonnen, Startgeld inklusive. Wagner hat sich ein kleines Sichtfeld freigerubbelt. Sein Blick unter den buschigen Augenbrauen ist leer, er ist mit den Gedanken woanders. Sein bester Mann ist nicht mit nach Hamburg gekommen. Eliud Kiptanui ist wenige Tage vor dem Lauf zur&amp;uuml;ck nach Kenia geflogen. Seiner Freundin ging es nicht gut. Weg war er. Kiptanui wei&amp;szlig;, wie wichtig er f&amp;uuml;r Volker Wagner ist, er hat seinen Manager in der Hand. Wagner macht sich Sorgen. &amp;raquo;Mir ist klar, dass Eliud schon h&amp;auml;ufiger von anderen Managern angesprochen wurde.&amp;laquo; Immer wieder wurden ihm Top-L&amp;auml;ufer abgeworben. Selbst die, denen er 1000 Euro f&amp;uuml;r eine prunkvolle Hochzeit zugeschossen hat, waren irgendwann weg. &amp;raquo;Volker ist da zu gutm&amp;uuml;tig, er kann nicht b&amp;ouml;se werden&amp;laquo;, sagt Natalya Wagner &amp;uuml;ber ihren Mann, &amp;raquo;ich wei&amp;szlig; aber, dass ihm das gro&amp;szlig;e Schmerzen bereitet.&amp;laquo;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;F&amp;uuml;r die Kommentatoren in den Online-Foren geh&amp;ouml;rt Volker Wagner weiter zu den modernen Sklaventreibern. Die Lebensbedingungen in den Bungalows in Diestelbruch m&amp;ouml;gen f&amp;uuml;r deutsche Verh&amp;auml;ltnisse katastrophal sein. Und trotzdem. Lydia Rutto kann mit dem Preisgeld aus Borgholzhausen und Hamburg ihren f&amp;uuml;nfj&amp;auml;hrigen Sohn weiter auf eine Privatschule schicken. James Barmasai wird mit ein wenig Geld nach Kenia zur&amp;uuml;ckkehren und der Aussicht, sp&amp;auml;ter ordentlich vom Laufen leben zu k&amp;ouml;nnen. Isaac Boit wird die 100 Euro, die Wagner ihm mitgeben will, in seinen Mais- und Zwiebelanbau in Eldoret stecken. Aynenesh Niguse werde 250 Euro mit nach &amp;Auml;thiopien bekommen, sagt Wagner. Und auch Samson Kosgei und Hesbon Rono, die ihm zusammen mehrere tausend Euro Verlust einbringen, kriegen von ihrem Manager jeweils hundert Euro und neue Laufschuhe, damit sie &amp;uuml;berhaupt etwas nach Kenia mitnehmen k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Volker Wagner selbst macht erneut Verlust. Er sagt, er denke schon seit Monaten dar&amp;uuml;ber nach, wie es weitergehen soll. Er habe eine Idee: ein Massage-Zentrum in &amp;Auml;thiopien. &amp;raquo;Da gibt es ein paar Anfragen von Spitzenl&amp;auml;ufern. Die kennen meine goldenen H&amp;auml;nde.&amp;laquo; Er erz&amp;auml;hlt, wen er schon alles kurz vor wichtigen Wettk&amp;auml;mpfen noch fit geknetet habe. Erst mal will er aber als Manager weitermachen. Wenn Eliud Kiptanui bei ihm bleibt. &amp;raquo;Ein Jahr noch als Zugabe.&amp;laquo; Und dann vielleicht noch eins. Und dann noch eins. Es muss doch noch einmal klappen. Einmal noch so wie fr&amp;uuml;her.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Es läuft ganz gut</dc:subject>
    <dc:creator>Moritz Tschermak</dc:creator>
    <dc:date>2012-10-08T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37869">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37869</link>
    <title>Hoch gesprungen, tief gefallen</title>
    <description>&lt;p&gt;Ulrike Meyfarth war der Star der      Olympischen Spiele in M&amp;uuml;nchen 1972. Das Leben nach der Goldmedaille      fiel ihr nicht so leicht wie ihre Rekorde. Eine Begegnung, 40 Jahre      sp&amp;auml;ter.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/49071.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Sie war 16 und das Wunderm&amp;auml;dchen, das bei den Olympischen Spielen 1972 in M&amp;uuml;nchen die Goldmedaille im Hochsprung holte: Ulrike Meyfarth. Damals wollten Tausende sein wie sie &amp;ndash; so fr&amp;ouml;hlich wirkte sie, so unkompliziert und auch s&amp;uuml;&amp;szlig;, mit den stufig geschnittenen braunen Haaren, die ihr Markenzeichen wurden. Sie schien aus dem Nichts zu kommen und hob an einem Sommerabend ab: zur Heldin einer Nation und einer Generation. Das war der Blick von au&amp;szlig;en.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In ihr drinnen aber sah es anders aus: Ulrike Meyfarth war von ihrem Olympiasieg 1972 &amp;uuml;berfordert. Und hat heute, 40 Jahre sp&amp;auml;ter, ihren Frieden damit noch nicht gemacht. Sie konnte den Sieg nicht genie&amp;szlig;en, sagt sie, er machte sie sogar ungl&amp;uuml;cklich: weil sie sehr gro&amp;szlig; und sehr unsicher war und &amp;uuml;berhaupt nicht gemacht f&amp;uuml;r das Ber&amp;uuml;hmtsein. Und weil sie nur halb stolz sein konnte auf die Medaille, die ihr in den Scho&amp;szlig; zu fallen schien. Nur Talent und Gl&amp;uuml;ck h&amp;auml;tten sie so weit gebracht, da war sie sich sicher. Mit Leistung hatte das wenig zu tun, sie hatte sich ja nicht einmal gequ&amp;auml;lt f&amp;uuml;r den Sieg.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In den vielen Jahren, die folgten, k&amp;auml;mpfte sie mit sich und gegen sich und gegen die Erwartungen der anderen, die, wie sie selbst ja auch, Gro&amp;szlig;artiges von ihr erhofften. &amp;raquo;Dabei musste ich mich selbst erst mal einholen.&amp;laquo; Vier Jahre sp&amp;auml;ter, 1976, konnte sie, die Olympiasiegerin, sich nicht einmal qualifizieren f&amp;uuml;r Montreal. Und 1980 boykottierte die BRD die Olympischen Spiele in Moskau, weil die Sowjettruppen in Afghanistan einmarschiert waren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Zw&amp;ouml;lf Sommer Einsamkeit vergingen&amp;laquo;, schreibt sie in einem Buch. Und endlich, 1984 in Los Angeles, gewann Ulrike Meyfarth ihre zweite Goldmedaille. Wenn sie nun dar&amp;uuml;ber redet, &amp;uuml;ber Los Angeles und ihren Triumph, hellt sich ihr Gesicht auf. Doch leider sagt sie, spreche man sie immer auf 1972 an, nicht auf 1984. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; So wie jetzt, zum 40. Jubil&amp;auml;um der Olympischen Spiele in M&amp;uuml;nchen. Alle wollen sie wieder alles &amp;uuml;ber den Sieg von 1972 wissen. Man mag kaum glauben, dass Ulrike Nasse, wie sie inzwischen hei&amp;szlig;t, noch wie traumatisiert ist von dem, was nach dem Sieg in M&amp;uuml;nchen kam. &amp;raquo;Nichts war mehr so, wie es sein sollte&amp;laquo;, sagt sie mit Nachdruck. Und gleich noch einmal, doch jetzt haut sie jedes Wort raus wie ein Geschoss: &amp;raquo;Nichts! War! Mehr! Normal!&amp;laquo; Wenn sie aufgeregt ist, fahren ihre H&amp;auml;nde &amp;uuml;ber den Tisch, wischen unsichtbare Kr&amp;uuml;mel weg. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nur an den Wettkampf selbst erinnert sie sich gern, an das ungeheure Gef&amp;uuml;hl dabei: &amp;raquo;Die Situation war einmalig, das lief ab wie im Film. Ich hab gesehen, wie mein Name auf der Anzeigentafel immer h&amp;ouml;her kletterte. Und wie das Publikum hinter mir stand. Aber als ich die 1,90 Meter einmal gerissen habe, haben sie gebuht. Die k&amp;ouml;nnen auch anders, dachte ich da.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ein wunderbares Bild war das, wie sie mit dem damals neuen Fosbury-Flop r&amp;uuml;ckw&amp;auml;rts &amp;uuml;ber die Latte sprang. Unfassbar spannend, als nur noch drei Springerinnen im Wettbewerb waren, eine davon Ulrike Meyfarth, ein unbekanntes M&amp;auml;dchen aus einem Kaff bei K&amp;ouml;ln. Und alle drei schafften die 1,88 Meter. Die Favoritin, die &amp;Ouml;sterreicherin Ilona Gusenbauer, scheiterte dreimal an 1,90 Meter, die Bulgarin Jordanka Blagoewa auch. Da war Ulrike Meyfarth Olympiasiegerin &amp;ndash; sie &amp;uuml;bersprang die 1,90 Meter im zweiten Versuch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und machte dennoch weiter, lie&amp;szlig; 1,92 Meter auflegen, Weltrekord damals. Und rollte wie m&amp;uuml;helos auch dar&amp;uuml;ber. Das Publikum tobte, sie h&amp;uuml;pfte von der Matte, strahlte, winkte, der dunkle Haarschopf wippte auf und ab, die Leute schlossen sie in ihre Herzen, alle schienen gl&amp;uuml;cklich. Es war der 4. September, 19.05 Uhr, der Abend vor dem Attentat auf die israelische Olympiamannschaft. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Stunde nach ihrem Sieg und der Hymne stand Ulrike Meyfarth im lindgr&amp;uuml;nen Trainingsanzug im Fernsehstudio und sollte erkl&amp;auml;ren, wie es zu dieser Leistungsexplosion kam. Sie trat von einem Bein aufs andere, kaute an ihrer Lippe, lachte verlegen und h&amp;auml;tte sich am liebsten hinter dem Strau&amp;szlig; roter Rosen, den man ihr im Namen von Bundeskanzler Willy Brandt &amp;uuml;berreichte, versteckt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wenn ihre beiden T&amp;ouml;chter heute das Video auf Youtube sehen, &amp;raquo;laufen sie schreiend aus dem Zimmer&amp;laquo;, erz&amp;auml;hlt sie. Es ist ihnen peinlich, wie piepsig ihre Mutter da spricht. Und sie selbst ist sich auch peinlich: &amp;raquo;Aber ich gehe mal davon aus, dass sie das sonst nicht so schlecht finden, was ihre Alte da fr&amp;uuml;her vollbracht hat.&amp;laquo; Sie lacht. Wenn sie entspannt ist, spricht sie leicht rheinl&amp;auml;ndisch, sagt &amp;raquo;datt&amp;laquo; und &amp;raquo;watt&amp;laquo;. Wenn sie entspannt ist, sieht sie jung aus, fast unver&amp;auml;ndert, sogar die Haare sind bis heute stufig, im Ulrike-Meyfarth-Stil eben, geschnitten. Sie sagt, sie habe ein paar Experimente gemacht mit kurzen Haaren und Dauerwelle, &amp;raquo;da hab ich wie ein Pudel ausgesehen. Und ich bin ja eher konventionell&amp;laquo;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das Leben nach der Sportkarriere ist ihr gut gelungen, das findet sie auch. Sie arbeitet in der Kinder- und Jugendabteilung von Bayer 04 Leverkusen, des Clubs, in dem sie selbst jahrzehntelang trainiert hat. Das B&amp;uuml;ro teilt sie mit vier anderen Trainern, angenehme Atmosph&amp;auml;re, sagt sie. Seit 1987 ist sie mit dem Rechtsanwalt Roland Nasse verheiratet, sie tr&amp;auml;gt seinen Namen, die T&amp;ouml;chter Alexandra und Antonia sind 24 und 19. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sie ist schlank, und man kommt kaum nach, solche Riesenschritte macht sie. Wegen ihrer Gr&amp;ouml;&amp;szlig;e, 1,86 Meter, haben die anderen sie schon als Kind aufgezogen, &amp;raquo;langer Lulatsch&amp;laquo; und &amp;raquo;Klappergestell&amp;laquo; gerufen. Als die anderen M&amp;auml;dchen flirteten, las sie viel, malte und stromerte herum im l&amp;auml;ndlichen Wesseling bei K&amp;ouml;ln, wo sie aufwuchs. Nur beim Sport f&amp;uuml;hlte sie sich wohl in ihrem K&amp;ouml;rper, sie lief schnell, holte Ehrenurkunden bei den Bundesjugendspielen. Im Leichtathletik-Verein entdeckte sie ihr Talent f&amp;uuml;r den Hochsprung und probierte alle Techniken und Spr&amp;uuml;nge aus, die es damals so gab: den traditionellen Straddle, bei dem man sich b&amp;auml;uchlings &amp;uuml;ber die Latte w&amp;auml;lzt; den Schersprung, bei dem man mit gestrecktem Oberk&amp;ouml;rper und den Beinen voran springt; und den Flop, mit dem Dick Fosbury 1968 die Olympischen Spiele in Mexiko gewann. Das Neue dabei: Man sprang r&amp;uuml;ckw&amp;auml;rts und zog die Beine schnell nach. Der Flop wurde ihr Sprung. Mit 14 schaffte sie es &amp;uuml;ber 1,68 Meter, holte den deutschen Sch&amp;uuml;lerrekord, mit 15 wurde sie Deutsche Vizemeisterin bei den Erwachsenen, da sprang sie schon 1,80 Meter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es war diese neue Technik, der leichte, elegante Flop, sagt sie, mit dem sie ihre zehn Jahre &amp;auml;lteren Konkurrentinnen &amp;uuml;bertraf, die den Straddle sprangen. Damals trainierte sie nur dreimal in der Woche nach der Schule, mehr nicht, und eigentlich hatte man sie nur mitgenommen zu den Olympischen Spielen, damit sie Erfahrungen sammelte. Und weil sie im eigenen Land stattfanden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Olympiasiegerin wurde dann gro&amp;szlig; empfangen in der Schule, dem Gymnasium Rodenkirchen. Die Lehrer sagten, sie wollten der Ulrike helfen, mit dem pl&amp;ouml;tzlichen Ruhm zurechtzukommen. Aber die Ulrike ging nicht raus auf den Schulhof in der Pause. Sie genierte sich, f&amp;uuml;hlte sich st&amp;auml;ndig beobachtet, und manchmal standen wildfremde Jungs vor der T&amp;uuml;r. &amp;raquo;Das ist f&amp;uuml;r ein M&amp;auml;dchen in dem Alter, in dem man ja kein Selbstbewusstsein hat, total schrecklich.&amp;laquo; Ihre Stimme wird rau, sie r&amp;auml;uspert sich, f&amp;uuml;hlt sich noch heute unwohl bei diesen Erinnerungen. &amp;raquo;Ich war ein Au&amp;szlig;enseiter. Meine Unbefangenheit war verloren gegangen.&amp;laquo; Und dann, wieder: &amp;raquo;Nichts! War! Mehr! Normal!&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ein Lehrer fragte sie, warum sie &amp;uuml;berhaupt noch weitermachen w&amp;uuml;rde im Sport, sie h&amp;auml;tte doch alles erreicht. Ihr Trainer sagte, sie k&amp;ouml;nnte sich jetzt nicht mehr erlauben, nur 1,80 Meter zu springen. Keiner war da, der ihr geholfen h&amp;auml;tte, das Erdbeben, das &amp;uuml;ber sie hereinbrach, zu verarbeiten. &amp;raquo;Es ist einfach, hochzukommen&amp;laquo;, sagt sie, &amp;raquo;aber schwierig, oben zu bleiben. Und die Leistung best&amp;auml;ndig bringen zu m&amp;uuml;ssen. Nur: Dar&amp;uuml;ber redet keiner.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sie blieb nicht oben. Das zahlte man ihr heim: &amp;raquo;Unsere Ulrike bringt nichts mehr&amp;laquo;, schrieben die Zeitungen oder spekulierten: &amp;raquo;Ist Ulrike schwanger?&amp;laquo; Vier Jahre nach M&amp;uuml;nchen scheiterte sie mit 1,78 Meter bereits in der Qualifikation f&amp;uuml;r Montreal. Sie war am Tiefpunkt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Und arbeitete sich langsam wieder hoch, trennte sich von ihrem Trainer, fing an, Sport zu studieren, und traf auf Gerd Osenberg, einen der erfolgreichsten deutschen Leichtathletiktrainer. Mit ihm machte sie einen Plan, Stufe eins: viel Training, Stufe zwei: sehr viel Training. Das war es, was Ulrike Meyfarth brauchte in ihrem Leben: Verl&amp;auml;sslichkeit, realistische Pl&amp;auml;ne, Struktur und Berechenbarkeit. Denn es war das vollkommen Unverhoffte beim Sieg von 1972, das ihr so zugesetzt hatte. Das Unverhoffte, das ihren Aufritt so unvergesslich machte wie Boris Beckers Sieg mit 17 in Wimbledon, 1985. Aber das Unverhoffte wollte sie nie mehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Zwischen 1981 und 1984 wurde sie viermal Sportlerin des Jahres, gewann 1982 die EM und sprang zwei Weltrekorde, 2,02 Meter und 2,03 Meter. Bald war sie wieder ganz oben und gewann 1984 in Los Angeles ihre zweite Goldmedaille. Das war endlich eine, die sie in ihren Augen auch verdient hatte. Jetzt konnte sie aufh&amp;ouml;ren. &amp;raquo;Wenn man nicht aufh&amp;ouml;ren kann, das finde ich abschreckend.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ihren Mann lernte sie auf dem Ballaballa-Karnevalsball beim K&amp;ouml;lner Sportverein RotWei&amp;szlig; kennen, mit ihm geht sie bis heute jeden Sonntagvormittag, &amp;raquo;wenn andere in die Kirche gehen&amp;laquo;, auf den Sportplatz, joggen, ein bisschen Krafttraining. Fr&amp;uuml;her kamen die T&amp;ouml;chter mit, tobten &amp;uuml;ber K&amp;auml;sten und Matten. Die eine wird nun T&amp;auml;nzerin, die andere hat gerade Abitur gemacht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Man muss mit gutem Beispiel vorangehen, sagt Ulrike Nasse, darum hat sie immer f&amp;uuml;r Bewegung gesorgt, f&amp;uuml;r Struktur, gemeinsames Abendessen und Tatort-Gucken. Normalit&amp;auml;t. &amp;raquo;Das ist das h&amp;ouml;chste Gut f&amp;uuml;r einen Menschen&amp;laquo;, sagt sie, &amp;raquo;dass er das erlebt. Weil er das weitergeben kann.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Hoch gesprungen, tief gefallen</dc:subject>
    <dc:creator>Gabriela Herpell</dc:creator>
    <dc:date>2012-08-06T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37851">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37851</link>
    <title>»Bisher verlief Olympia traumatisch für mich«</title>
    <description>&lt;p&gt;Wie gewinnt man eine Goldmedaille? Und wie ver&amp;auml;ndert sie einen? Ein Gespr&amp;auml;ch mit Deutschlands bekanntester Olympiateilnehmerin Britta Steffen &amp;uuml;ber die Einsamkeit des Gewinnens und die Grenzen des Ehrgeizes.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/48827.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Frau Steffen, sprechen wir &amp;uuml;ber den 2. August 2012. London, Olympische Spiele, das Finale &amp;uuml;ber 100 Meter Freistil. Sie treten als Olympiasiegerin an.&lt;br /&gt;Britta Steffen:&lt;/strong&gt; Da kann man jetzt einen Bogen schlagen. Ich bin zum ersten Mal Weltrekord &amp;uuml;ber 100 Meter Freistil geschwommen am 2. August 2006, in Budapest. Am 2. August 2009 bin ich zum ersten Mal Weltrekord &amp;uuml;ber 50 Meter geschwommen, in Rom. Und nun also wieder der 2. August: 2006, 2009, 2012.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Erstaunlich, dass die Sportfreunde Stiller dazu noch kein Lied rausgebracht haben, oder?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das sollte man denen mal vorschlagen. Zwei Tage sp&amp;auml;ter, am 4. August, ist dann &amp;uuml;brigens das Finale &amp;uuml;ber 50 Meter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;hellip; da haben Sie doch auch einen Titel zu verteidigen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, und das Rennen ist am 4.8.2012. Auch eine sch&amp;ouml;ne Reihung: 4&amp;ndash;8&amp;ndash;12. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sind Sie abergl&amp;auml;ubisch?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;K&amp;ouml;nnte man meinen, oder?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wird der 2. August ein guter Tag?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich hoffe. Man kann das ja selbst nicht bestimmen, und auch schlechte Tage k&amp;ouml;nnen am Ende doch gute Tage sein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie werden Sie in der Nacht vorher schlafen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gut, tief und kurz. Meistens bin ich am Tag der wichtigen Rennen sehr fr&amp;uuml;h am Morgen &amp;ndash; bumms &amp;ndash; schlagartig wach. Gegen zwanzig nach f&amp;uuml;nf. Dann schlage ich die Zeit tot bis sechs, dann geht es mit irgendwem zum Fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;ck, ein bisschen ablenken. Dann noch ein Treffen mit Frau Janofske, meiner Psychologin, mit Norbert Warnatzsch, meinem Trainer. Noch mal zum Physiotherapeuten. Das sind so die Rituale, die den Tag strukturieren. Du darfst dich nicht verr&amp;uuml;ckt machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Werden Sie auf Zeichen achten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;Uuml;berhaupt nicht. Weil ich genau wei&amp;szlig;, wie viel passieren kann. Wenn kurz vor dem Start meine Schwimmbrille kaputtgeht, dann ist das kein Zeichen, sondern dann habe ich eine zweite im Gep&amp;auml;ck.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Werden Sie danach ein gl&amp;uuml;cklicherer Mensch sein?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Davon gehe ich nicht aus. Weil ich der Meinung bin, dass man nicht alles von einem Moment abh&amp;auml;ngig machen darf. Es wird bestimmt ein besonderer Tag f&amp;uuml;r mich, aber auch nur ein Tag auf der Lebensreise, die ich zum Teil schon hinter mir habe, die gr&amp;ouml;&amp;szlig;tenteils aber noch vor mir liegt. Ich freue mich einfach, dass ich diese Olympischen Spiele noch mal bewusst mitnehmen darf. Bisher verlief Olympia ja relativ traumatisch f&amp;uuml;r mich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aus der Distanz betrachtet vermutet man immer: Der Tag, an dem ein Sportler Olympiasieger wird, ist per se der gl&amp;uuml;cklichste in seinem Leben. Sie haben den Tag Ihres gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten sportlichen Erfolgs, 2008 bei den Spielen in Peking, im Nachhinein als &amp;raquo;Horrorwettkampf&amp;laquo; bezeichnet.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stimmt. Es ist in Peking auch jeder entt&amp;auml;uscht gewesen, der mich gefragt hat, wie das ist &amp;ndash; Olympiasieger werden. Meistens haben das Jungs gefragt, denen habe ich dann gesagt: &amp;raquo;Stell dir vor, du findest eine Frau total toll und denkst, wenn du diese Frau hast, dann ist es die Frau deines Lebens, und es wird das gl&amp;uuml;cklichste Leben &amp;uuml;berhaupt sein. Dann hast du sie und merkst: Die ist ja gar nicht, wie ich sie mir vorgestellt habe, so fehlerlos und so traumhaft. Und so ist es auch, Olympiasieger zu werden.&amp;laquo; Es hat auf der einen Seite etwas absolut Magisches.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Eine Magie, die einen angetrieben hat &amp;uuml;ber all die Jahre? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Klar. Und dann ist man es tats&amp;auml;chlich, Olympiasieger. Der Hype ist riesig, man steht v&amp;ouml;llig neben sich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Man f&amp;auml;llt am Beckenrand Franziska van Almsick um den Hals und schluchzt: &amp;raquo;Ich bin dir so dankbar!&amp;laquo;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es passieren erstaunliche Dinge. Ich sehe mich einerseits auf die Anzeigetafel blicken. Ich sehe mich aber auch von au&amp;szlig;en, weil ich mir das Rennen ja ein paar Mal im Fernsehen angeschaut habe. Diese Gesichtsentgleisung! Krass, was da so passiert! Dieser Moment f&amp;uuml;r sich ist unwiederbringlich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aber dann ging eben dieser Marathon los: Ich hatte keine Zeit, meine Familie anzurufen, meinen Trainer zu dr&amp;uuml;cken, &amp;uuml;berhaupt irgendwen zu dr&amp;uuml;cken, der mir lieb und teuer ist. Ich wurde in die Medienzone gesto&amp;szlig;en und musste zwanzig Mal das Gleiche sagen &amp;ndash; bis ich es irgendwann nicht mehr f&amp;uuml;hlen konnte, sondern nur noch gesprochen habe wie eine Schallplatte. Irgendwann war ich dann fertig und musste, weil der Olympiasieg vormittags stattfand, abends wieder schwimmen. Ich bin also &lt;br /&gt; allein ins Olympische Dorf gefahren, habe allein zu Mittag gegessen. Tja, Britta, dachte ich, geteilte Freude ist doppelte Freude, und wenn man sich alleine freut, ist es nur halb so sch&amp;ouml;n.  Als ich drei Stunden sp&amp;auml;ter wieder zur Mannschaft gesto&amp;szlig;en bin, war es nat&amp;uuml;rlich klasse, weil alle mich gefeiert haben und stolz waren. Und weil auch der Druck abgefallen ist, den die Schwimmer anderer Nationen aufgebaut hatten, die vorher zu mir kamen und sagten: Britta, du bist die Einzige, die die Ehre der deutschen Schwimmer hier in Peking noch retten kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Klingt nach psychologischer Kriegsf&amp;uuml;hrung.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, sch&amp;ouml;n fies. Aber Olympische Spiele, das ist eben ein ziemliches Kauderwelsch f&amp;uuml;r die Psyche. Da sind so viele Sportler am Start, die top vorbereitet sind. Aber nur eine Minderheit schafft es, genau in diesem Moment zu zeigen, was sie wirklich kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Eine Weile nach diesem Olympiasieg sagten Sie, dass Sie sich &amp;raquo;unangreifbar&amp;laquo; gef&amp;uuml;hlt h&amp;auml;tten, &amp;raquo;wie auf Wolken&amp;laquo;. Das klang wiederum nicht nach Horror und Trauma. Wann haben Sie begriffen, dass Ihnen der Sieg gelungen ist? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es war zum Beispiel sch&amp;ouml;n, als mein Trainer zu mir gesagt hat:  &amp;raquo;Britta, du k&amp;ouml;nntest jetzt sofort aufh&amp;ouml;ren. Du hast nun alles erreicht.&amp;laquo; Das hat in mir so eine Freiheit ausgel&amp;ouml;st, weil ich erkannt habe: Ich muss in meinem Sport gar nichts mehr! Und komischerweise: Wenn man Sachen nicht muss, dann macht man sie pl&amp;ouml;tzlich gerne. Ich habe gerade ein wunderbares Leben: Ich habe in diesem Jahr mein Wirtschaftsstudium zu Ende bekommen. Und ich habe Olympische Spiele vor mir, die mir noch mal einen intensiven R&amp;uuml;ckblick geben werden auf 2008. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was ist mit den vier Jahren, die dazwischenliegen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die sind mit einem Schnipp vorbeigegangen. Damals war ich 24, jetzt bin ich 28. Ich habe so viele spannende Sachen erlebt, so coole Menschen getroffen. Ich bin in der Zeit unglaublich gereift. Wenn man Bilder nebeneinander legt, Britta 2004, Britta 2008 und Britta 2012 &amp;ndash; ich glaube, dass man dann die Entwicklung sieht: M&amp;auml;dchen, junge Frau, Frau. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Albtr&amp;auml;ume vom Wettrennen&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/48825.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Worin liegt der Reiz, jetzt noch mal eine Olympiamedaille gewinnen zu wollen &amp;ndash; wo Sie schon zwei goldene zu Hause haben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Viele haben mich das schon vor vier Jahren gefragt: Warum h&amp;ouml;rst du nicht auf, wenn&amp;rsquo;s am sch&amp;ouml;nsten ist? Meine Gegenfrage war dann immer: Wann ist es denn am sch&amp;ouml;nsten? Das kann man ja vorher nie wissen. Und 2008 war es definitiv nicht am sch&amp;ouml;nsten. Alleine die Albtr&amp;auml;ume, die ich mit diesem Rennen verbunden habe: Dass ich gerade irgendwo bin, pl&amp;ouml;tzlich geht der Lauf los, ich h&amp;ouml;re noch, wie mein Name aufgerufen wird &amp;ndash; und verpasse meinen Start. Das ist so gr&amp;auml;sslich! Heute habe ich mehr Gelassenheit. Ich versuche immer das Ganze zu sehen: Manchmal geht es gut, manchmal geht es nicht gut. Das ist mein Leben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie erleben Sie das im Alltag: Olympiasieger sein?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Manche Leute sagen: Wow, du bist Olympiasiegerin, Wahnsinn! Oder wenn die kleinen Kinder morgens in der Schwimmhalle kreischen: Hallo, Britta Steffen! Das ist nat&amp;uuml;rlich sch&amp;ouml;n. Es gibt aber auch Leute, die nicht mal meinen Namen kennen. Und das erdet dann schon, wenn jemand zu dir sagt: Aha, du kannst schwimmen, und was kannst du noch? Ich kann dann sagen: Ich habe auch studiert. Sportler-Sein impliziert ja bei manchen: Du kannst deinen Sport &amp;ndash; und ansonsten biste nicht besonders helle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bei den letzten Olympischen Spielen in Peking hat das Thema Menschenrechte vieles &amp;uuml;berstrahlt.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, das war schwierig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was war schwierig? Sich dazu eine Haltung anzueignen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nat&amp;uuml;rlich habe ich eine Haltung zum Thema Menschenrechte. Aber viele Leute wollten am liebsten von uns Sportlern h&amp;ouml;ren, dass wir diese Spiele ganz boykottieren, weil China so ein schlimmes Land ist. Andere wiederum sagten: Vielleicht schaffen wir es, dass sich das Land dadurch ein bisschen &amp;ouml;ffnet, weil wir da hingehen. So richtig gelungen, finde ich, ist das nicht. Aber vielleicht verlangt man da vom Sport auch zu viel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nun also London, Olympia in einem vertrauten Kulturkreis. Liegt der Fokus dadurch st&amp;auml;rker auf dem Sport?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bestimmt. Keine Zeitumstellung, keine lange Anreise. Und ganz arg helfen wird mir auch, dass zum ersten Mal meine Eltern dabei sein werden. Meine Mutter hat die tolle F&amp;auml;higkeit, mich wieder in meine Mitte zu bringen, wenn ich mal &amp;uuml;berdrehe. &amp;raquo;Ganz ruhig, Britta! Schritt f&amp;uuml;r Schritt!&amp;laquo; &amp;ndash; so ist meine Mutter. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum sind Ihre Eltern zu gro&amp;szlig;en Wettk&amp;auml;mpfen nie mitgereist?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn meine Eltern in der Halle waren, hatte ich fr&amp;uuml;her oft das Gef&amp;uuml;hl: Ich m&amp;uuml;sste jetzt noch mal kurz zu ihnen hochgehen, Guten Tag sagen, sie noch mal dr&amp;uuml;cken. Oft war da aber gleichzeitig das Gef&amp;uuml;hl: Eigentlich sollte ich besser hier unten bleiben, mich auf meinen Wettkampf konzentrieren. Ich habe mich innerlich immer zerrissen gef&amp;uuml;hlt. Diesmal sind sie von einem gro&amp;szlig;en Markenartikelhersteller im Rahmen der Kampagne &amp;raquo;Danke Mama&amp;laquo; eingeladen, deren Botschafterin ich bin. Sie sind rundum versorgt, k&amp;ouml;nnen sich nicht in der gro&amp;szlig;en Stadt verlaufen, es kann kein Problem mit den Tickets geben. Und ich wei&amp;szlig;: Ich kann immer zu ihnen, muss aber nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Spielte f&amp;uuml;r Sie fr&amp;uuml;her auch eine Rolle, es alleine schaffen zu wollen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Nie. Ich bin ein Mensch, der gerne Hilfe annimmt. Und auf dem Startblock stehe ich eh allein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welchen Anteil hatte Ihre Mutter daran, dass Sie Schwimmerin geworden sind?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Grundeinstellung meiner Mutter war immer, den Satz h&amp;ouml;re ich noch: Ihr braucht am Nachmittag was zu tun. Ich will euch nicht den ganzen Tag in der Bude haben. Wir waren drei Kinder, unsere Wohnung hatte 57 Quadratmeter. Meine Mutter sag-te also: Morgens ist Schule, nachmittags wird Sport gemacht. Meine beiden Br&amp;uuml;der machen Judo. Bei mir ging es mit sechs Jahren mit dem Schwimmen los.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben in letzter Zeit oft gesagt: &amp;raquo;Sollte es in London schieflaufen, dann f&amp;auml;ngt mich eben meine Familie auf.&amp;laquo;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das habe ich auch schon das ein oder andere Mal getestet. Letztes Jahr, nach der vermasselten WM in Shanghai, zum Beispiel: Test, Test, Test &amp;ndash; hat funktioniert! Das sollte Familie auch leisten in schwierigen Zeiten.In Shanghai gab es eine Menge Aufregung um Ihre fluchtartige Abreise. Tun Niederlagen wirklich so weh?Eine verpasste Medaille ist nat&amp;uuml;rlich nicht das Lebensende. Aber f&amp;uuml;r mich haben Niederlagen schon eine gewisse Dramatik. Weil der Sport mein absoluter Fokus ist, mein Leben. Und da komme ich wieder an den Punkt: Zum Gl&amp;uuml;ck habe ich schon diese beiden Goldmedaillen aus Peking. Es gibt so viele, die das Zeug haben f&amp;uuml;r einen Olympiasieg, aber dann klappt es wegen einer Kleinigkeit nicht &amp;ndash; und darunter leiden manche ein Leben lang. Das wird bei mir nicht so sein. Den Titel Doppel-Olympiasiegerin werde ich behalten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie sieht es mit dieser romantischen Idee von Olympia aus: Alle vier Jahre trifft sich die Jugend der Welt zum fairen Wettkampf. Konnten Sie sich diesen Teil des Olympiabildes erhalten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das erarbeite ich mir gerade zur&amp;uuml;ck. 2000 in Sydney, bei meinen ersten Spielen, war ich 16 und total verloren in dem ganzen Trubel. Die Stimmung war schrecklich, viel b&amp;ouml;ses Blut. Ich habe mir das angeschaut und dachte: Das soll Olympia sein? 2004 in Athen habe ich mir auf der Trib&amp;uuml;ne den Fu&amp;szlig; verknackst, das war auch nicht toll. Danach habe ich nicht ohne Grund gesagt: Ich h&amp;ouml;re auf mit dem Schwimmen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Stimmt es, dass die einj&amp;auml;hrige Pause, die darauf folgte, wohl die Voraussetzung f&amp;uuml;r alles Weitere war?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Pause hat mir letztlich den Weg geebnet. Ich habe viel an mir gearbeitet. Nach und nach entstand dann der Wunsch: Ich will das noch mal. Aber anders. Das fing mit dem Verh&amp;auml;ltnis zu meinem Trainer an. Ich habe da quasi einen Vertrag ausgearbeitet, der die Kooperationsweise mit Norbert festgelegt hat: Ich sage ihm, was ich denke, er sagt mir, ob das funktionieren kann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das haben Sie auf ein Blatt Papier geschrieben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es waren f&amp;uuml;nf Bl&amp;auml;ttchen, mit ausformulierten Paragrafen. Er musste jedes Blatt unterschreiben. Hat er auch gemacht. Seither arbeiten wir wirklich auf einer sehr engen Vertrauensbasis zusammen. Die Zettel habe ich noch, nach Olympia kriegt er sie in einem Bilderrahmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wichtig war auch die Arbeit mit der Psychologin. Als Sie 2006 bei der Europameisterschaft in Budapest fast aus dem Nichts Ihren ersten Weltrekord schwammen und alle wissen wollten, wie das sein kann, war eine Ihrer Antworten: Sie h&amp;auml;tten mit Frau Janofske &amp;raquo;am Mensch-Sein gearbeitet&amp;laquo;. Was hei&amp;szlig;t denn bitte: &amp;raquo;am Mensch-Sein arbeiten&amp;laquo;?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mein Freund Paul Biedermann meinte mal: &amp;raquo;Britta, du hast damals so komische Sachen gesagt. Ich hab dich voll in die Esoterik-Ecke gesteckt &amp;ndash; dabei bist du ja gar nicht so!&amp;laquo; Nat&amp;uuml;rlich bin ich nicht so. Aber ich mache mir halt Gedanken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Es ging, wenn man das richtig verstanden hat, um den Umgang mit Druck: Druck ausblenden, Druck standhalten, die richtigen Priorit&amp;auml;ten setzen &amp;ndash; das Thema zieht sich durch Ihre Karriere.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn du etwas ernst meinst, hast du ja automatisch einen speziellen Antrieb in dir. Das kennt jeder aus Pr&amp;uuml;fungen &amp;ndash; Fahrschulpr&amp;uuml;fung, Abitur. Du willst es ungern vermasseln. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Hunde-Typen und Katzen-Typen&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/48829.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Soll hei&amp;szlig;en: Nicht nur Logik, Nachdenken, ein klarer Kopf f&amp;uuml;hren zum Ziel?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es geht um Balance. Du musst deinen K&amp;ouml;rper f&amp;uuml;hlen, aber nicht nur. Du musst auch die Konzentration, die Strategie im Kopf haben. Du musst gesteuert schwimmen &amp;ndash; nicht &amp;uuml;bersteuern. Du musst dich einpendeln wie bei der Gau&amp;szlig;schen Glockenkurve: Anspannung, Optimum, Entspannung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Leistungssportler sagen immer: Der Druck der &amp;Ouml;ffentlichkeit ist mir egal, den gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten Druck mache ich mir selbst.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das kann ich unterstreichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Man kann doch die &amp;ouml;ffentlichen Erwartungen nicht ausblenden, die Angst, sich vor gro&amp;szlig;em Publikum zu blamieren. Ist das nicht einer der gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten Athleten-Irrt&amp;uuml;mer? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aber es ist nur die andere Seite der gleichen Medaille: Wir Menschen streben nach Anerkennung, weil wir soziale Wesen sind, und wenn wir etwas richtig gut machen wollen, f&amp;uuml;r uns und f&amp;uuml;r die anderen &amp;ndash; dann spielt pl&amp;ouml;tzlich alles verr&amp;uuml;ckt. Damit umzugehen, das ist die Kunst. Da muss man als Leistungssportler &amp;uuml;ber eine gewisse Grenze hinausgehen. Je n&amp;auml;her der Wettkampf kommt, desto mehr Konzentration baut sich auf, und wenn der Ernstfall dann da ist, sch&amp;uuml;ttet der K&amp;ouml;rper eine Menge Hormone aus. Du kommst quasi in den Zustand, als st&amp;uuml;nde hinter dir der S&amp;auml;belzahntiger, und wenn du bei drei nicht auf dem Baum bist, ist die Sache erledigt. Wobei Tiger vielleicht sogar klettern k&amp;ouml;nnen. Aber Sie wissen, was ich meine: Urinstinkte, die man als Athlet kanalisieren muss. Wir Menschen haben auch im Kern noch das Reptiliengehirn, es gibt drei Reflexe: Totstellen, Fliehen und &amp;hellip; was war der dritte?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kampf?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kampf! Diese Instinkte werden im Ernstfall angeregt. Vor dem Weihnachtsmann ein Gedicht aufzusagen ist &amp;uuml;brigens auch so eine Drucksituation, die vielleicht jeder kennt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das konnten Sie als Kind vermutlich gut &amp;ndash; es gibt eine Menge Geschichten, die Ihren Ehrgeiz beschreiben. Sie haben in der Schule geheult, wenn&amp;rsquo;s mal nur eine Zwei war.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe auch geheult, wenn ich beim &amp;raquo;Mensch &amp;auml;rgere Dich nicht&amp;laquo; verloren habe. Und wenn ich mit einem Rennen nicht zufrieden war, habe ich gesagt: Mama, ich h&amp;ouml;r auf mit Schwimmen!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist das jene Art Ehrgeiz, die man braucht, um weit zu kommen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mein Eindruck ist, dass es den meisten Leistungssportlern so geht. Dass viele so einen speziellen Ehrgeiz haben. Die fangen, wenn etwas nicht funktioniert, nicht gleich alle an zu heulen. Aber sie werden bockig und w&amp;uuml;tend, weil sie nicht verlieren k&amp;ouml;nnen. Es gibt eine Theorie, bei der man Menschen in Hunde-Typen und Katzen-Typen unterteilen kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie geht die?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hunde hecheln anderen hinterher, machen alles mit, die freuen sich &amp;uuml;ber jeden, der ein Leckerli dabei hat. Katzen sind anders: Katzen suchen sich ihre Freunde aus. Katzen sitzen da, gucken, lassen sich schon auch vieles gefallen &amp;ndash; aber wenn der entscheidende Moment gekommen ist, nehmen sie keine R&amp;uuml;cksicht. Dann packen sie zu. Leistungssportler sind eher Katzen-Typen. Das ist so eine Definition von einem Schwimmtrainer aus den USA. Ich glaube, da ist was dran.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Um mal im Bild zu bleiben: Wenn man wei&amp;szlig;, dass nicht alle Athleten ihren Sport sauber und ehrlich bestreiten: Welches Tier charakterisiert dann diejenigen, die &amp;ndash; weil sie nicht verlieren k&amp;ouml;nnen oder wollen &amp;ndash; auch diese Grenze &amp;uuml;berschreiten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sie meinen Sportler, die dopen? Das sind dann vielleicht die Schlangen-Typen. Die gibt es auch. Aber da wehre ich mich gegen Pauschalisierungen, weil ich gen&amp;uuml;gend Sportler kenne, die eine hohe Moral haben &amp;ndash; und die dieses Bild gerne bereinigen w&amp;uuml;rden. Aber alleine schaffst du es nicht. Du kannst nicht beweisen, dass du sauber bist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben vor einigen Jahren mal bei der Nationalen Anti-Doping-Agentur angerufen und darum gebeten, &amp;ouml;fter den Kontrolleur zu schicken. Warum?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich fand, dass ich zu wenig getestet werde. Aber letztlich kannst du jede Woche eine negative Kontrolle vorlegen, trotzdem fragen manche: Und was war in den sechs Tagen dazwischen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Man wei&amp;szlig; inzwischen eine Menge &amp;uuml;ber die Qualit&amp;auml;t dieser Tests: Die amerikanische Sprinterin Marion Jones hatte fast 200 negative Kontrollen vorzuweisen &amp;ndash; und war quasi durchgehend gedopt.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eben. Du bekommst als sauberer Sportler einfach keine Gewalt &amp;uuml;ber dieses Thema. Und deshalb muss man vielleicht mal anfangen, andere Fragen zu stellen: Wie kommen die Leute zu diesen Drogen? Welche Systeme stecken dahinter? Diese Systeme m&amp;uuml;ssten zielgerichteter aufgedeckt werden. Ich k&amp;ouml;nnte mit so einem erlogenen Sieg jedenfalls nicht umgehen. Ich k&amp;ouml;nnte mich auch nicht dar&amp;uuml;ber freuen, meine Doktorarbeit von jemand anders schreiben zu lassen und mich dann Doktor zu nennen. W&amp;auml;re nicht mein Ding.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Als Sie zw&amp;ouml;lf waren, sind Sie von Schwedt an der Oder nach Berlin gegangen, ins Internat und an die Sportschule. Das war vor mehr als 15 Jahren. Ist das Schwimmen seither auch eine Art Schutzraum geworden? Auf diesem Gebiet sind Sie die Beste &amp;ndash; im normalen Leben sind Sie bald wieder eine Lernende?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auch deshalb habe ich ja nach den Olympiasiegen nicht einfach Schluss gemacht. Weil das Schwimmen eine besondere F&amp;auml;higkeit von mir ist &amp;ndash; die sehr bald enden wird. Aber ich habe auch keine Angst vor dem n&amp;auml;chsten Schritt. Respekt schon, weil es neu sein wird. Alle, die vor mir aufgeh&amp;ouml;rt haben, sagen: &amp;raquo;Britta, es ist eigentlich toll ohne Sport! Man hat ganz anders Zeit!&amp;laquo; Aber was das konkret bedeutet, werde ich erst nach den Spielen entscheiden. Getreu dem Motto: Die Planer planen, und das Schicksal lacht &amp;uuml;ber sie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Im Sommer 2014 sind die Europameisterschaften in Ihrer Heimat Berlin. Wie klingt das?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Total realistisch!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sagen wir: verlockend.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, warum nicht? Da habe ich ja Gl&amp;uuml;ck mit meinen kurzen Strecken: F&amp;uuml;r 50 Meter Kraul w&amp;uuml;rde sogar einmal am Tag Training reichen. Ich k&amp;ouml;nnte halbtags arbeiten, irgendwo Berufsluft schnuppern, und halbtags schwimmen. Das w&amp;auml;re die eine Traumvariante.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Es sieht also danach aus, dass man Britta Steffen auch nach London noch &amp;hellip;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;hellip;erleben kann! Ja!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Bisher verlief Olympia traumatisch für mich«</dc:subject>
    <dc:creator>Claudio Catuogno (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2012-07-27T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37503">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37503</link>
    <title>So sehen Sieger aus</title>
    <description>&lt;p&gt;Keiner wollte sie haben - jetzt gewinnt      Danedream jedes Rennen. Die m&amp;auml;rchenhafte Geschichte der      grauen Maus, die zum besten Rennpferd der Welt wurde.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46025.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Wenn ein kleines, deutsches Pferd das wichtigste Galopprennen der Welt gewinnt, ist das eine ziemliche Sensation. Und wenn keiner vorher an dieses Pferd geglaubt hat, dann klingt die Geschichte der kleinen Stute Danedream wie die des Galoppers Seabiscuit: fast zu sch&amp;ouml;n, um wahr zu sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; An den amerikanischen Hengst Seabiscuit, das wohl ber&amp;uuml;hmteste Pferd der Geschichte, erinnern ein lebensgro&amp;szlig;es Denkmal, ein Buch sowie zwei Filme. Der zweite hei&amp;szlig;t &lt;em&gt;Seabiscuit - Mit dem Willen zum Erfolg&lt;/em&gt;. Er wurde 2003 f&amp;uuml;r sieben Oscars nominiert. Nat&amp;uuml;rlich handelt der Film auch davon, wie sehr das Genie des Hengstes verkannt wurde. Vor allem aber geht es darum, dass Menschen von seinen Siegen profitiert haben, die nicht im Geld schwammen, sondern f&amp;uuml;r die das alles ein Riesengl&amp;uuml;ck war. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wie bei Danedream. Nur dass es von ihr noch kein Denkmal gibt. Keine B&amp;uuml;cher, keine Filme. Aber das kann ja noch kommen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Danedream ist eine kleine Vollblutstute mit allerweltsbraunem Fell, die schwarze M&amp;auml;hne und der Schweif sind beinahe sp&amp;auml;rlich. Auf Stirn und Nase hat sie je ein wei&amp;szlig;es Abzeichen, man nennt sie Stern und Schnippe. Wenn sie nicht gerade ein Rennen l&amp;auml;uft, steht sie seelenruhig da, l&amp;auml;sst den Kopf h&amp;auml;ngen, wirkt eher tr&amp;auml;ge als dynamisch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Auch Seabiscuit war klein und braun und  nicht ideal gebaut. Er hatte zwar eine gute Abstammung, war aber faul und gefr&amp;auml;&amp;szlig;ig und lief auf seinen ersten Rennen den anderen Pferden hinterher. F&amp;uuml;r 8000 Dollar kaufte ein Autoh&amp;auml;ndler den Hengst, der dann zum erfolgreichsten Rennpferd der Welt und vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise in den Drei&amp;szlig;igerjahren zum Symbol der Hoffnung f&amp;uuml;r die Amerikaner wurde. Sein Schicksal verhie&amp;szlig;: Jeder kann es schaffen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Danedreams Vater ist Lomitas, einer der besten deutschen Hengste im Rennsport und Galopper des Jahres 1991. Trotz dieser Abstammung erreichte die kleine braune Stute nicht einmal das Mindestgebot von 9000 Euro, als sie vor zwei Jahren auf der Fr&amp;uuml;hjahrsauktion in Baden-Baden angeboten wurde. Unverkauft wurde sie wieder aus dem Ring gef&amp;uuml;hrt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Am Abend rief ihr Trainer, der K&amp;ouml;lner Peter Schiergen, seinen Freund Heiko Volz an. Volz ist M&amp;ouml;belh&amp;auml;ndler im badischen Ort Achern. &amp;raquo;Heiko&amp;laquo;, sagte er, &amp;raquo;das ist ein Spa&amp;szlig;pferd, damit gewinnst du ein paar kleine Rennen, verkaufst es wieder und verdienst vielleicht ein paar Tausend Euro.&amp;laquo; Im Internet machte Heiko Volz sich ein Bild von der Stute. Er war nicht sonderlich interessiert. Aber Peter Schiergen lie&amp;szlig; nicht locker, und sp&amp;auml;ter am Abend kaufte Heiko Volz zusammen mit seinem Vater Helmut Volz Danedream. F&amp;uuml;r 9000 Euro, das Mindestgebot. Mehr, sagt Heiko Volz, h&amp;auml;tten sie auch nicht bezahlt. Weil sie nach wie vor nicht begeistert waren. Und weil sie auch f&amp;uuml;r beeindruckendere Pferde nicht viel mehr bezahlen. Das ist so ihre Preisklasse. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;&lt;/span&gt;Prix de l&amp;rsquo;Arc de Triomphe&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46027.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; Helmut und Heiko Volz, Vater und Sohn, besitzen zusammen ein knappes Dutzend Pferde. Eine Mischung aus Hobby und Gesch&amp;auml;ft sei das, sie seien es ja vom gemeinsamen M&amp;ouml;belladen her gew&amp;ouml;hnt, aufs Geld zu gucken. Und wenn man in der N&amp;auml;he von Baden-Baden gro&amp;szlig; wird - Achern ist keine 20 Kilometer entfernt &amp;ndash; und mit zehn Jahren sein erstes Rennen sieht, ist man einfach infiziert, sagt Helmut, der Vater. Aber gro&amp;szlig;e Spr&amp;uuml;nge haben sie nicht gemacht, sagt Heiko, der Sohn. Bisher.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;Uuml;ber drei Millionen Euro hat Danedream im letzten Jahr gewonnen, allein 2,2 Millionen durch den Sieg in Paris, beim Prix de l&amp;rsquo;Arc de Triomphe, eben jenem wichtigsten internationalen Rennen. Danedream ist jetzt die bes-te Stute der Welt und konkurriert mit Frankel, dem besten Hengst der Welt, um Platz eins. Frankel geh&amp;ouml;rt dem Saudi-Prinzen Khalid Abdullah, sein Wert wird von britischen Experten auf 116 Millionen Euro gesch&amp;auml;tzt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Heiko und Helmut Volz aus Achern sch&amp;uuml;tteln den Kopf und sagen nichts, wenn man sie fragt, was Danedream jetzt wert sein k&amp;ouml;nnte. Dabei m&amp;uuml;ssten sie es ziemlich genau wissen: Ende letzten Jahres haben sie Anteile von 50 Prozent an der Stute verkauft. &amp;raquo;Der Schuh wurde zu gro&amp;szlig; f&amp;uuml;r uns&amp;laquo;, sagt Heiko Volz. Denn Vater und Sohn Volz spielen nat&amp;uuml;rlich sonst nicht in der Liga arabischer Scheichs und japanischer Milliard&amp;auml;re. Die Familie Yoshida, der Danedream jetzt zur H&amp;auml;lfte geh&amp;ouml;rt, z&amp;auml;hlt zu den bedeutendsten Z&amp;uuml;chtern von Galopprennpferden in Japan. Heiko und Helmut Volz besitzen ein M&amp;ouml;belhaus im Gewerbegebiet von Achern und verkaufen K&amp;uuml;chen von Musterring. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Ich muss immer wieder mit den Tr&amp;auml;nen k&amp;auml;mpfen, wenn ich das sehe&amp;laquo;, sagt Heiko Volz, blasses Jungsgesicht und braune, blanke Knopfaugen. Er sitzt neben seinem Vater im B&amp;uuml;ro von M&amp;ouml;bel Rivo, auf dem Flachbildschirm sieht man die Aufzeichnung des Rennens in Paris: wie Danedream die anderen Pferde stehen l&amp;auml;sst und davonfliegt, in der schnellsten Zeit, die je ein Pferd auf dieser Bahn gelaufen ist. Wie sie mit f&amp;uuml;nf Pferdel&amp;auml;ngen Vorsprung gewinnt. Wie der Jockey jubelt und um Fassung ringt, weil ihm so etwas in all den Jahren auch noch nicht passiert ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Sehen Sie? Wie sie sich im Boden festkrallt und dann zum Sprung abhebt!&amp;laquo;, Heiko Volz gl&amp;uuml;ht vor Besitzerstolz. Auf dem grauen Konferenztisch steht ein Teller mit Hefezopf, der Blick aus dem Fenster geht auf den Kundenparkplatz. Drau&amp;szlig;en nieselt es. Helmut Volz, der Vater, graues Stoppelhaar, braun gebrannt, kaut zufrieden an einem St&amp;uuml;ck Kuchen, w&amp;auml;hrend er sich zum wohl hundertsten Mal die Siegerehrung in Paris anschaut.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nat&amp;uuml;rlich war die Familie Volz komplett, mit Frauen und Kindern und Kindeskindern, in Paris beim Prix de l&amp;rsquo;Arc de Triomphe, erster Sonntag im Oktober 2011, 16. Arrondissement, Bois de Boulogne. Am Morgen vor dem Rennen war Heiko Volz in eine Kapelle gegangen, hatte eine Kerze f&amp;uuml;r Danedream angez&amp;uuml;ndet. Aber den Sieg hatte er nicht erwartet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Obwohl die ganze Saison 2011 gut gelaufen war. Im Mai wurde Danedream Dritte beim Derby Italiano in Rom. Am Morgen des Rennens war Heiko Volz im Petersdom gewesen. Kerzen gab es dort nicht, also schickte er ein kleines Gebet zum Himmel. Danedream gewann 88 000 Euro. Ende Mai erzielte sie ihren ersten Sieg, in Mailand, das Preisgeld: 200 000 Euro. Im Juli wurde sie in Berlin-Hoppegarten Erste und im September in Baden-Baden, beim Gro&amp;szlig;en Preis. &amp;raquo;Sie ist&amp;laquo;, sagt Heiko Volz, &amp;raquo;eine sp&amp;auml;te Angreiferin, dreht erst dann richtig auf, wenn die anderen nachlassen.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Der Gro&amp;szlig;e Preis&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46029.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; Helmut Volz strahlt. &amp;raquo;Zu Hause beim Gro&amp;szlig;en Preis von Baden-Baden mal zu gewinnen, das war f&amp;uuml;r mich ja der ganz gro&amp;szlig;e Traum&amp;laquo;, sagt er. Aber vorstellen konnte er es sich nicht. Den Arc, wie sie in Rennkreisen sagen, den nat&amp;uuml;rlich schon gar nicht. &amp;raquo;Wissen Sie&amp;laquo;, sagt Heiko Volz und zuckt auf eine bescheidene Art die Achseln, &amp;raquo;wir haben uns das ja nicht ausgesucht. Wir sind ausgesucht worden.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wenn man ihn fragt, wie es sich anf&amp;uuml;hlt, Danedream hergegeben zu haben, schl&amp;auml;gt J&amp;ouml;rg Thane, Gest&amp;uuml;tsleiter vom Br&amp;uuml;mmerhof, einen betont fr&amp;ouml;hlichen Ton an. Auf dem Br&amp;uuml;mmerhof in der L&amp;uuml;neburger Heide wurde Danedream geboren, und dort lebte sie die ersten beiden Jahre. &amp;raquo;Das Auff&amp;auml;llige an Danedream war das Unauff&amp;auml;llige&amp;laquo;, sagt J&amp;ouml;rg Thane. &amp;raquo;Sie war nicht zickig und auch nicht krank, immer unkompliziert.&amp;laquo; Aber sie war, sagt er, eine dieser &amp;raquo;kleinen grauen M&amp;auml;use&amp;laquo;, die im Training nichts zeigen und erst im Rennen losst&amp;uuml;rmen. Im Gegensatz zu den &amp;raquo;Trainingsweltmeistern&amp;laquo;, wie er die Pferde nennt, die im Training alles geben und im Rennen versagen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; J&amp;ouml;rg Thane und sein Chef Gregor Baum, der Inhaber des Gest&amp;uuml;ts Br&amp;uuml;mmerhof, sind gute Verlierer. Sie haben den Arc zusammen im Internet verfolgt, erz&amp;auml;hlen sie. Als Dane-dream sich durch die anderen Pferde nach vorn schob, sind sie aufgestanden und haben gebr&amp;uuml;llt und eine Flasche Sekt gek&amp;ouml;pft. &amp;raquo;Wenn ein Pferd, das man selbst gezogen hat, das wichtigste Rennen der Welt gewinnt &amp;ndash; das ist Wahnsinn&amp;laquo;, sagt Thane. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Immer wieder haben sie es sich angeschaut, sagt er, auf Youtube, und geschw&amp;auml;rmt: &amp;raquo;Wie mutig sie sich da durchk&amp;auml;mpft! Was f&amp;uuml;r ein Herz sie hat!&amp;laquo; Der Wermutstropfen mischte sich erst sp&amp;auml;ter unter die Freude - als ihnen klar wurde, dass sie nicht einmal mehr Geschwister von Danedream w&amp;uuml;rden z&amp;uuml;chten k&amp;ouml;nnen. Denn ein Jahr zuvor hatten sie deren Mutter, Danedrop, verkauft. Aus keinem ihrer vier Fohlen war je etwas geworden, und Danedream, das f&amp;uuml;nfte, schien ja auch nicht gerade viel zu versprechen. 17 000 Euro hatte Gregor Baum f&amp;uuml;r Dane-drop, die zum Zeitpunkt des Verkaufs ihr sechstes Fohlen erwartete, bekommen. Nach Danedreams Sieg in Paris stieg der Preis ihrer Mutter nat&amp;uuml;rlich auch: Danedrop wurde f&amp;uuml;r &amp;uuml;ber eine Million Euro weiterverkauft. Doppeltes Pech f&amp;uuml;r Gregor Baum. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Er hatte zu Baum gesagt, gib sie nicht weg, die kann was, sagt der K&amp;ouml;lner Trainer Peter Schiergen. Aber Gro&amp;szlig;es hatte auch er nicht erwartet. Bei ihm war Danedream schon als Zweij&amp;auml;hrige im Training, und bei ihm ist sie auch geblieben. Es ist kurz vor zehn an einem sonnigen Mittwoch auf der Rennbahn in K&amp;ouml;ln-Weidenpesch. Vor der Morgenarbeit wird Danedream warm geritten. Mit h&amp;auml;ngendem Kopf trottet sie daher. Und wirklich, selbst live ist sie unscheinbar, fast unansehnlich. Auch weil die meisten der Pferde, mit denen sie trainiert wird, aufgeregt herumt&amp;auml;nzeln, die N&amp;uuml;stern bl&amp;auml;hen und dabei einfach besser aussehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Peter Schiergen, ein ehemaliger Jockey, klein, drahtig, l&amp;auml;sst seine blitzeblauen, lang bewimperten Augen konzentriert und in Sekundenschnelle &amp;uuml;ber alle 20 Tiere in Danedreams Lot - so wird eine Arbeitsgruppe von Rennpferden genannt &amp;ndash; wandern. Schiergen ist 47 Jahre alt und seit 1981 im Gesch&amp;auml;ft. &amp;raquo;Danedream&amp;laquo;, sagt er schlicht, &amp;raquo;ist das beste Pferd, das ich je hatte.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In dieser Saison soll die Stute, die jetzt vier Jahre alt ist und die gro&amp;szlig;e Favoritin, wieder zeigen, was in ihr steckt. Als Erstes nat&amp;uuml;rlich in Baden-Baden, im Mai. Sie ist gut drauf, meint Peter Schiergen, mehr kann man nicht sagen. &amp;raquo;Man darf keine zu hohen Erwartungen haben&amp;laquo;, warnt der Jockey, Andrasch Starke. &amp;raquo;Dass sie den Arc gewonnen hat, ist ungef&amp;auml;hr so ungew&amp;ouml;hnlich wie die Europameisterschaft der Griechen im Fu&amp;szlig;ball.&amp;laquo; Normalerweise, sagt er, machen die Engl&amp;auml;nder und Franzosen solche Rennen unter sich aus. Die L&amp;auml;nder, in denen der Galopprennsport von Bedeutung ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Diese Saison wird Danedreams letzte als aktives Rennpferd sein. Wenn alles gut l&amp;auml;uft, wird sie das Jahr mit dem Japan Cup beenden. Das ist zwar nicht das wichtigste, aber das h&amp;ouml;chstdotierte Rennen der Welt. Ob sie gewinnt oder nicht &amp;ndash; Danedream hat die Welt l&amp;auml;ngst ver&amp;auml;ndert: die Welt der M&amp;ouml;belh&amp;auml;ndler Heiko und Helmut Volz, die Welt des Trainers Peter Schiergen und des Jockeys Andrasch Starke, und irgendwie auch die Welt des Pferdesports. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nach dem Japan Cup wird Danedream in Japan bleiben, auf die Weide gehen und Fohlen bekommen. Heiko und Helmut Volz sind erleichtert, dass die Familie Yoshida, die 1500 Zuchtstuten und herrliche Anlagen besitzt, die Gestaltung der Zukunft ihrer Wunderstute &amp;uuml;bernimmt. Aber ein bisschen mitspielen m&amp;ouml;chten sie doch auch noch. Neulich war Heiko Volz in Irland. Dort hat er auf einer Auktion ein Pferd gekauft. Mary Martins hei&amp;szlig;t die neue Stute. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mary Martins ist Danedreams Tante. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Foto: imago&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Die Menschen hinter dem Pferd&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46031.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46033.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Heiko Volz (oben), Helmut Volz&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Die neuen Besitzer&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sie sind Vater      und Sohn. Beiden geh&amp;ouml;rt Danedream. Und ein M&amp;ouml;belhaus in Achern,      ein Ort in der N&amp;auml;he von Baden-Baden, wo der Pferderennsport eine      gro&amp;szlig;e Rolle spielt. Vater und Sohn haben Danedream f&amp;uuml;r einen      Spottpreis gekauft und sagen: &amp;raquo;Das macht Mut. Denn es zeigt:      Jeder kann es schaffen.&amp;laquo; Auch in einem Sport, der sonst von arabischen Scheichs und Multis dominiert wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46035.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gregor Baum&lt;br /&gt;Der alte      Besitzer&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Inhaber des Gest&amp;uuml;ts Br&amp;uuml;mmerhof in Niedersachsen      verkaufte Danedream an Vater und Sohn Volz. Er sagt: &amp;raquo;Ich bin stolz      darauf, dass wir sie gez&amp;uuml;chtet haben. Und niemand wei&amp;szlig;, ob sie so      erfolgreich geworden w&amp;auml;re, wenn sie bei uns geblieben w&amp;auml;re.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46037.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Peter      Schiergen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Der Trainer&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Er ist seit 1981 im Gesch&amp;auml;ft, fr&amp;uuml;her als      Jockey, heute als Trainer. 120 Pferde stehen in seinem Trainingsstall      Asterbl&amp;uuml;te in K&amp;ouml;ln. Peter Schiergen hat gesehen, dass      Danedream etwas Besonderes besa&amp;szlig;. Aber mit einem Wunderpferd hat      auch er nicht gerechnet. Jetzt sagt er: &amp;raquo;Sie ist das beste Pferd, das      ich je hatte.&amp;laquo; Im M&amp;auml;rz wurde Danedream zur Galopperin des Jahres 2011      gew&amp;auml;hlt.&amp;nbsp; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46039.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Andrasch Starke&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Der Jockey&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Er reitet seit 1989      Rennen und ist mit 1800 Siegen einer besten Jockeys Deutschlands. Aber      ein Pferd wie Danedream hatte er noch nie. Er sagt: &amp;raquo;Sie ist eine      Ausnahme.&amp;laquo; Danedream ist das zweite Pferd aus Deutschland, das je      in Paris gewonnen hat. Das&lt;br /&gt;letzte hie&amp;szlig; Star Appeal und gewann      1975.   &lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;Fotos: Marc Ruehl&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>So sehen Sieger aus</dc:subject>
    <dc:creator>Gabriela Herpell</dc:creator>
    <dc:date>2012-05-10T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37491">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37491</link>
    <title>Der Mann hinter dem Kapitän</title>
    <description>&lt;p&gt;Roman Grill ist wahrscheinlich der einzige Mensch, der wei&amp;szlig;, was Philipp Lahm wirklich &amp;uuml;ber seine Mitspieler und Trainer denkt. Aus dem Leben eines Spielerberaters.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenige Berufe haben einen so miserablen Ruf wie der des Spielerberaters: tut nichts, kassiert aber irrsinnige Provisionen. Roman Grill hat gewiss Millionen verdient, beschimpft wurde er auch. Am lautesten von Uli Hoene&amp;szlig;, dem Pr&amp;auml;sidenten des FC Bayern, der nannte ihn: Selbstdarsteller, Profilneurotiker, Manipulator.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; F&amp;uuml;r einen Selbstdarsteller spricht Roman Grill eher leise und langsam. Er denkt nach, bevor er in gebremstem Bairisch antwortet. F&amp;uuml;r einen Profilneurotiker meldet er sich zu selten zu Wort. Er hat sich ja kaum verteidigt gegen die Vorw&amp;uuml;rfe. Manipulator k&amp;ouml;nnte stimmen. Schlie&amp;szlig;lich ist er der einflussreiche Berater von Philipp Lahm, Deutschlands einflussreichstem Fu&amp;szlig;baller. Und er hat alle seine Spieler zum Yoga bekehrt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Drei Menschen haben bis jetzt schlecht geredet &amp;uuml;ber Grill, den Spielerberater: &lt;br /&gt; Der erste: Uli Hoene&amp;szlig;. 18 Jahre lang Grills Chef beim FC Bayern. Grill kam mit 20 Jahren als Spieler, wurde 1997 Assistenztrainer in der U19; 2001 gewann er als Cheftrainer die erste Deutsche Jugend-Meisterschaft des FC Bayern, half nebenbei in der Pressestelle aus. Irgendwann fragte ihn einer seiner Spieler, ob er ihn nicht beraten k&amp;ouml;nne. Nat&amp;uuml;rlich war das eine explosive Situation f&amp;uuml;r Grill und den Verein: Der angestellte Jugendtrainer sollte die Interessen seiner Spieler gegen den gemeinsamen Arbeitgeber durchsetzen. &amp;raquo;Ich habe damals Herrn Hoene&amp;szlig; gefragt, was er davon halte. Er sagte mir: &amp;rsaquo;Besser du machst es als irgendein anderer.&amp;lsaquo;&amp;laquo; Grill galt als loyal dem Verein gegen&amp;uuml;ber, aber er hatte Neider, die gegen ihn arbeiteten. 2007 trennte man sich im Frieden, erst 2010 krachte es: Hoene&amp;szlig; meinte, Grill habe den Bayern-Kapit&amp;auml;n Philipp Lahm schlecht beraten, als der ein unabgesprochenes Interview gab und einen Trainer verteidigte, den der Pr&amp;auml;sident feuern wollte. &amp;Uuml;ber &amp;raquo;den Roman&amp;laquo; will sich Hoene&amp;szlig; in Zukunft &amp;ouml;ffentlich nicht mehr &amp;auml;u&amp;szlig;ern. Grill sagt: &amp;raquo;Ich glaube, Herr Hoene&amp;szlig; findet mich eigentlich ganz in Ordnung. Er k&amp;auml;mpft halt mit harten Bandagen, wenn er seinen Verein bedroht sieht.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der zweite: Timo Hildebrand, fr&amp;uuml;her Torh&amp;uuml;ter der Nationalmannschaft, heute Ersatzspieler bei Schalke 04, behauptet, Grill habe ihm vor einem Jahr einen Vereinswechsel vermasselt. Der sagt: &amp;raquo;Wir passten nicht zusammen. Der Mann konnte sich nicht entscheiden. Er h&amp;auml;tte zum FC St. Pauli gehen k&amp;ouml;nnen, fragen Sie die Leute bei St. Pauli.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der dritte: Michael Rensing, 2010 Torh&amp;uuml;ter beim FC Bayern.    Rensing suchte einen anderen Verein und einen Berater. Grill lie&amp;szlig; sich &amp;uuml;berreden, ihn zu vertreten und ihm einen Verein zu suchen &amp;ndash; &amp;raquo;mein Gef&amp;uuml;hl war nicht gut und prompt musste ich die Entscheidung bereuen&amp;laquo;. Grill bereitete Rensings Wechsel zum FC K&amp;ouml;ln vor, ein anderer Spielerberater schaltete sich dazwischen, und Rensing k&amp;uuml;ndigte Grill nach Vertragsabschluss. Grills Provision steckte allein der andere Berater ein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Grill z&amp;ouml;gerte, Rensing zu verklagen. Ein Prozess schadet beiden Seiten. Aber er muss sich wehren, damit ihm nicht andere Spieler von konkurrierenden Beratern ausgespannt werden. Der Fall Rensing k&amp;ouml;nnte Schule machen. Seit Februar wird das Verfahren Grill gegen Rensing vor dem D&amp;uuml;sseldorfer Landgericht verhandelt. Seit einem Jahr l&amp;auml;sst Grill seine Klienten sicherheitshalber auch einen schriftlichen Vertrag unterschreiben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mehr als zehn Jahre arbeitet der 46-j&amp;auml;hrige Grill als Spielerberater, sind drei unzufriedene Gesch&amp;auml;ftspartner da nun viel oder wenig?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bei der FIFA sind derzeit weltweit 7395 Spielervermittler gemeldet; 390 besitzen nach einer schriftlichen Pr&amp;uuml;fung eine Lizenz vom DFB. Spielerberater brauchen keine; wechselt ihr Spieler den Verein, lassen sie das Gesch&amp;auml;ft einfach &amp;uuml;ber jemanden mit Lizenz laufen. Allein in Deutschland versuchen sich Tausende als Spielerberater. Gl&amp;uuml;cksritter und Abzocker, Verwandte und Jugendfreunde der Spieler dr&amp;auml;ngen in den Markt. F&amp;uuml;nf bis acht Prozent Provision bei Vertragsabschluss sieht die Geb&amp;uuml;hrenordnung des DFB f&amp;uuml;r Spielervermittler vor, der Verein zahlt. Ein einziger Vereinswechsel oder ein neuer Vertrag kann leicht mehrere Millionen Provision f&amp;uuml;r den Berater bedeuten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Spielerberater als &amp;raquo;M&amp;auml;dchen f&amp;uuml;r alles&amp;laquo;&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45533.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der Spielerberater Roman Grill arbeitet auch als Spielervermittler, die Lizenz hat sein angestellter Gesch&amp;auml;ftsf&amp;uuml;hrer in der Agentur Acta 7. Grill f&amp;auml;delte im Jahr 2007 den Wechsel von Owen Hargreaves zu Manchester United ein, durch diesen Verkauf nahm der FC Bayern so viel Geld ein wie f&amp;uuml;r keinen Transfer zuvor oder sp&amp;auml;ter: 28 Millionen Euro. Grill steckte ein Gutteil seiner ersten gro&amp;szlig;en Provision in seine Agentur.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dostojewski steht in Grills B&amp;uuml;roregal, und irgendwer hat die Ausgabe der &lt;em&gt;Br&amp;uuml;der Karamasow&lt;/em&gt; tats&amp;auml;chlich gelesen, das sieht man. Die f&amp;uuml;nf B&amp;uuml;ror&amp;auml;ume seiner Agentur Acta 7 hat Grill im M&amp;uuml;nchner Glockenbachviertel angemietet. Lahm wohnt auch in der N&amp;auml;he. Grill und Lahm werden h&amp;auml;ufig mittags bei einem Italiener im Viertel gesehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Man braucht also keine Ausbildung, um sich Spielerberater zu nennen. Man braucht nur einen Spieler, der sich beraten l&amp;auml;sst. Viele Berater haben genau diesen einen Spieler. Grill hat 16 unter Vertrag, Jugendspieler ebenso wie die Profis Philipp Lahm, Andreas Ottl, Georg Niedermeier und Piotr Trochowski. F&amp;uuml;nf Angestellte betreuen neben den Fu&amp;szlig;ballern noch zwei Beachvolleyball-Spielerinnen und die Skifahrerin Viktoria Rebensburg; f&amp;uuml;r die Frauen beschr&amp;auml;nkt sich ihre Arbeit darauf, Werbevertr&amp;auml;ge abzuschlie&amp;szlig;en. Eine Mitarbeiterin ist f&amp;uuml;r die Lahm-Stiftung zust&amp;auml;ndig &amp;ndash; benachteiligte Kinder sollen sich bilden und bewegen, in Deutschland und S&amp;uuml;dafrika. Grill organisiert jedes Jahr drei Sommercamps.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unter Spielerberatern gibt es reine Verm&amp;ouml;gensberater, andere sind M&amp;auml;dchen f&amp;uuml;r alles, die sich auch um eine neue Wohnung und die Putzfrau k&amp;uuml;mmern. Es gibt reine Marketingexperten, die sich auf das Beschaffen von Werbepartnern spezialisiert haben. Es gibt Anw&amp;auml;lte, die nur Vertr&amp;auml;ge f&amp;uuml;r ihre Klienten abschlie&amp;szlig;en, nichts weiter. Michael Becker, der Anwalt, Freund und Berater von Michael Ballack, Spieler bei Leverkusen, vertritt auch noch Miroslav Klose. Uli Ferber ber&amp;auml;t Mario Gomez und organisiert im Nebenerwerb Volksmusikabende in seinem Stuttgarter Hotel, die S&amp;auml;ngerin Andrea Berg ist seine Ehefrau.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Grills Agentur ist also vergleichsweise gro&amp;szlig; und verfolgt das Prinzip &amp;raquo;M&amp;auml;dchen f&amp;uuml;r alles&amp;laquo;. Ein Anwalt k&amp;uuml;mmert sich um die Vertr&amp;auml;ge. Wolfgang Sommerfeld, ein Mentaltrainer, kommt einmal im Monat in die Agentur. Jeden Mittwoch unterrichtet ein pensionierter Ingenieur in den Agenturr&amp;auml;umen die jugendlichen Fu&amp;szlig;baller, denn f&amp;uuml;r eine regul&amp;auml;re Schule haben die 16-J&amp;auml;hrigen keine Zeit bei sechsmal Training die Woche. Torsten Hartmann, der Ingenieur, hat ein abh&amp;ouml;rsicheres Handy erfunden. Zwei Stunden Deutsch, Mathe und Physik pro Woche bei ihm plus vier Stunden Lernen am Tag reichen drei Jugendspielern Grills zur Vorbereitung auf eine externe Abiturpr&amp;uuml;fung im Sommer, zwei holen die Mittlere Reife nach. Hans-Wilhelm M&amp;uuml;ller-Wohlfahrt, der Bayern-Arzt, untersucht im Zweifel auch die noch namenlosen Fu&amp;szlig;baller der Agentur.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Grill sagt: &amp;raquo;Die Spieler m&amp;uuml;ssen mit jedem Problem zu mir kommen k&amp;ouml;nnen.&amp;laquo; Einige von Grills Jungs stecken noch in der Pubert&amp;auml;t, oft sind die Eltern weit weg. Oliver Markoutz ist 17, hat schon einen Profi-Vertrag bei Bayern, die Eltern leben in K&amp;auml;rnten. Ewald Markoutz, Vater von Oliver, hat fr&amp;uuml;her selbst in der &amp;ouml;sterreichischen Bundesliga gespielt und besucht jedes Heimspiel seines Sohnes in M&amp;uuml;nchen. Er hatte Angebote von zehn Beratern. &amp;raquo;Bei Grill stimmt das Gesamtpaket.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es gibt viele unseri&amp;ouml;se Leute in dem Beruf. Einige Spielerberater kaufen sich beim Vater ein, um die Rechte des talentierten Sohns zu vertreten und sp&amp;auml;ter Provisionen zu verdienen; andere versprechen das Blaue vom Himmel; es gibt auch Berater, die nichts von Fu&amp;szlig;ball verstehen, aber diese Kollegen nimmt Roman Grill in Schutz: &amp;raquo;Jeder Fu&amp;szlig;baller braucht einen anderen Typ, der zu ihm und seinen Bed&amp;uuml;rfnissen passt. Ich bin anstrengend f&amp;uuml;r meine Spieler, das vertr&amp;auml;gt nicht jeder. Und ich nehme auch nicht jeden.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Grills Fu&amp;szlig;baller m&amp;uuml;ssen Yoga machen. Eine halbe Stunde t&amp;auml;glich, das macht er selbst so. Alle 16 Spieler, die er betreut, ohne Ausnahme. Der Yogalehrer fliegt alle zwei Monate aus Cambridge ein, um die Spieler zu kontrollieren. Welcher 15-J&amp;auml;hrige hat schon Lust auf Yoga nach dem Training, nach den Hausaufgaben f&amp;uuml;r die Schule?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Philipp Lahm absolviert bis heute das t&amp;auml;gliche Programm, das der niederl&amp;auml;ndische Yogalehrer aus Cambridge eigens f&amp;uuml;r Grills Fu&amp;szlig;baller zusammengestellt hat. 16 Dehnungs&amp;uuml;bungen, die am besten ein, zwei Stunden nach dem Spiel durchgef&amp;uuml;hrt werden. Sie f&amp;ouml;rdern die Regeneration. Er macht sie seit Beginn seiner Karriere, und er glaubt, dass er deswegen nie verletzungsanf&amp;auml;llig war. Dabei ist Lahm der Nationalspieler mit den meisten Eins&amp;auml;tzen pro Saison. Seine &amp;Uuml;bungen l&amp;auml;sst er nie ausfallen. Selbst nicht, wenn er nach Champions-League-Spielen erst nachts um zwei Uhr nach Hause oder ins Hotelzimmer kommt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Jozef Wiewel, der Yogalehrer, hat fr&amp;uuml;her Frank Rijkaard, Paolo Conti und Soren Lerby bei den gro&amp;szlig;en Vereinen Europas Yoga beigebracht. Auf einen Vollzeitjob hat er mit 55 Jahren keine Lust mehr. F&amp;uuml;r Grill arbeitet er gern, weil &amp;raquo;Roman sich intelligente Spieler aussucht&amp;laquo;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Agentur nimmt nur noch junge Spieler auf. &amp;raquo;Profis haben wir genug&amp;laquo;, sagt Grill. Junge Spieler kosten jahrelang Geld. Provision wird erst bei h&amp;ouml;her dotierten Profi-Vertr&amp;auml;gen f&amp;auml;llig, f&amp;uuml;nf bis acht Prozent, bei Werbe- und Marketingvertr&amp;auml;gen sind es zwanzig Prozent. Grill glaubt, dass sein Geld gut investiert ist. Allen seinen jungen Spielern traut er den Durchbruch bei einem Spitzenverein zu. &amp;raquo;Alle besitzen gen&amp;uuml;gend Qualit&amp;auml;t. Sonst w&amp;uuml;rde ich nicht mit ihnen arbeiten.&amp;laquo; Mit Qualit&amp;auml;t meint Grill: &amp;raquo;Ein Spieler muss die Spielsituation erkennen k&amp;ouml;nnen, in der er steckt, und im Bruchteil einer Sekunde die richtige Entscheidung treffen, um die Situation zu l&amp;ouml;sen.&amp;laquo; Schnelligkeit oder Beidf&amp;uuml;&amp;szlig;igkeit allein sind gar nicht so wichtig &amp;ndash; &amp;raquo;Messi hat auch nur ein linkes Bein&amp;laquo;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Acta 7 ist sicherlich eine gute Adresse f&amp;uuml;r junge Spieler, f&amp;uuml;r alle Belange hat Grill einen Spezialisten an der Hand. Aber wof&amp;uuml;r braucht die Agentur heute noch ihren Chef? Roman Grill f&amp;auml;hrt so langsam Auto, wie er spricht. Besonders langsam wird es, wenn er beides zugleich tut. Langsam ist er aus unterschiedlichen Gr&amp;uuml;nden: Beim Reden konzentriert er sich, holt weit aus, um Fragen zu beantworten, wenn er das f&amp;uuml;r n&amp;ouml;tig h&amp;auml;lt. Das Autofahren langweilt ihn, 60 000 Kilometer f&amp;auml;hrt er im Jahr, und oft so langsam, damit er sich nicht aufs Fahren konzentrieren muss. Eine halbe Stunde braucht er mit seinem silberfarbenen Audi von der Agentur zur Allianz Arena. Geduldig l&amp;auml;sst er im Stau vor dem Parkhaus andere Autos die Spur wechseln.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bei jedem Heimspiel des FC Bayern sitzt er auf der Haupttrib&amp;uuml;ne, Business Club, Block 202, Reihe 2, Platz 4. Hoene&amp;szlig; sitzt weit weg in der Ehrenloge. In der Pause und nach Spielende steht Grill stets am gleichen Stehpult vor dem Buffet, wo er jeweils ein alkoholfreies Bier zum Essen trinkt. Er isst viel und ist trotzdem schlank geblieben. Ferber, der Berater von Gomez, wartet direkt vor der Durchgangst&amp;uuml;r zur Ehrenloge, dort wo Uli Hoene&amp;szlig; rein- und rausgeht. Bei ihm steht Roman Rummenigge, Sohn von Karl-Heinz und inzwischen selbst Berater.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Beziehungen sind wichtig in der Branche&amp;laquo;, erkl&amp;auml;rt Grill, der aus seiner Zeit als Spieler nat&amp;uuml;rlich auch gute Beziehungen zu vielen Bundesliga-Clubs hat. Man trifft immer auf die gleichen Leute, es ist ein kleiner Kreis. Man muss aufpassen, was man sagt, wenn man es sich nicht mit den wichtigen Leuten verscherzen will. Uli Hoene&amp;szlig; ist f&amp;uuml;r alle Spielerberater wichtig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ausw&amp;auml;rtsspiele des FC Bayern verfolgt Grill meist im Fernsehen, zu Hause in Hausham am Schliersee, 40 Minuten vor M&amp;uuml;nchen. Grill dreht den Ton ab, Kommentatoren st&amp;ouml;ren ihn. &amp;raquo;Rhetorisch gef&amp;auml;llt mir Marcel Reif noch am besten.&amp;laquo; Manchmal setzt sich seine Frau Natalia zu ihm aufs Sofa. Den Ton dreht er nur auf, wenn seine Mutter aus dem Erdgeschoss zu gro&amp;szlig;en Champions-League-Abenden kommt. Roman und Natalia Grill wohnen mit ihren beiden Kindern im ersten Stock seines Elternhauses, sie haben nur einen Fernseher, er steht in ihrer Wohnk&amp;uuml;che. Wenn kein Fu&amp;szlig;ball l&amp;auml;uft, ist Natalia Herrin &amp;uuml;ber die Fernbedienung. Aber es l&amp;auml;uft selten kein Fu&amp;szlig;ball im Fernsehen. Grill verfolgt ja auch die Partien seines Spielers Georg Niedermeier mit dem VfB Stuttgart, von Andreas Ottl mit Hertha und von Piotr Trochowski mit Sevilla. Sie alle live im Stadion zu sehen, schafft er selten. Grill sagt, insgesamt schaue er sich vier, f&amp;uuml;nf Spiele jede Woche an, live oder im Fernsehen. Es d&amp;uuml;rften eher zw&amp;ouml;lf sein. FC Barcelona und Real Madrid, Manchester United und gelegentlich Chelsea will er auch sehen. Die Spiele von Grills Jugendspielern in der U17 und U19 des FC Bayern werden nicht im Fernsehen &amp;uuml;bertragen. Auch nicht die der Jugendmannschaften von Salzburg und Basel, die Spieler dort muss er auch regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig beobachten. Denn darin sieht der Spielerberater Grill seine Hauptaufgabe, vor allem bei den jungen Spielern: zuschauen und dar&amp;uuml;ber reden, was er gesehen hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wenn Roman Grill sich ein Spiel anschaut, dann jubelt er nicht, wenn ein Tor f&amp;auml;llt. Er schimpft auch nicht. Er sagt &amp;raquo;sch&amp;ouml;n&amp;laquo;, wenn sein Spieler eine gelungene Aktion zeigt. Grill ist Bayern-Fan. Aber er ist vor allem Gesch&amp;auml;ftspartner des FC Bayern, der den Erfolg des Vereins braucht, um talentierte Jugendspieler nach M&amp;uuml;nchen zu locken, zu seiner Agentur und am besten auch gleichzeitig als Spieler zum FC Bayern. Sechs Grill-Spieler spielen derzeit f&amp;uuml;r die Jugendmannschaften des FC Bayern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Der Coach ohne Mannschaft&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45535.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Spielerberater sind M&amp;auml;dchen f&amp;uuml;r alles und auch Chauffeur. Oliver Markoutz (links) ist erst 17 Jahre alt, besitzt aber schon einen Profi-Vertrag und durfte auch bereits bei den Profis des FC Bayern mitspielen. Roman Grill ist auch davon &amp;uuml;berzeugt, dass Julian Green (in wei&amp;szlig;er Hose) sich durchsetzen wird.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In Gesellschaft erl&amp;auml;utert Grill gern Fehler, die er entdeckt, riskante Querp&amp;auml;sse vor der gegnerischen Abwehr. Lahm lobt er als &amp;raquo;idealen Wettk&amp;auml;mpfer&amp;laquo;, &amp;raquo;kompletten Athleten, perfektesten Spieler der Bundesliga&amp;laquo;. Einen Pass Lahms ins Abseits verteidigt Grill als das geringste &amp;Uuml;bel in der Situation &amp;ndash; &amp;raquo;Haben Sie seinen Kopfball gesehen? Lehrbuchm&amp;auml;&amp;szlig;ig, und das, obwohl er recht klein ist&amp;laquo;. Grill begreift den modernen Fu&amp;szlig;ball als permanentes Wechselspiel zwischen &amp;raquo;Druck auf den Ball und Raumdeckung&amp;laquo;. Er nennt seine Bayern-Traumelf, die er im Kopf hat &amp;ndash; &amp;raquo;aber die d&amp;uuml;rfen wir nicht schreiben&amp;laquo;. Roman Grill hat keine Lust auf neuen Krach mit Uli Hoene&amp;szlig;. Aber er w&amp;auml;re gewiss immer noch ein guter Trainer. F&amp;uuml;r den Job des Spielerberaters hat er sich nur entschieden, weil der FC Bayern ihn nicht mehr als Jugendtrainer weiterbesch&amp;auml;ftigen wollte. Grill hat das schon lange akzeptiert. &amp;raquo;Au&amp;szlig;erdem bin ich doch Coach. Nur ohne Mannschaft. Ich coache einzelne Spieler.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Grill redet gern &amp;uuml;ber Fu&amp;szlig;ball, aber nicht im Stadion. Da konzentriert er sich aufs Spiel, denn nach Abpfiff wird er seinen Spieler coachen und mit ihm &amp;uuml;bers Spiel reden. &amp;Uuml;ber gute Aktionen, &amp;uuml;ber schlechte, &amp;uuml;ber die Nebenleute. Zehn, f&amp;uuml;nfzehn Minuten dauert so ein Gespr&amp;auml;ch. Er macht das mit jedem seiner Spieler. Mit den jungen redet er erst am Montag nach einem Spieltag, mit denen in Basel und Salzburg direkt nach dem Spiel. Mit Ottl, Niedermeier, Trochowski telefoniert er ein paar Tage nach der Fernseh&amp;uuml;bertragung. Lahm ruft manchmal an, sobald er nach Hause kommt, selbst nach Mitternacht. Lahm will heute noch wissen, wie sein Vertrauter das Spiel gesehen hat, ob sie einer Meinung sind. Roman Grill ist wahrscheinlich der einzige Mensch, der wei&amp;szlig;, was der Nationalspieler wirklich von seinen Mitspielern und Trainern denkt. Als Grill sich einmal drei Tage lang nicht gemeldet hatte, rief Lahm an und fragte: &amp;raquo;Ist gar nichts los, Roman? Gibt&amp;rsquo;s nichts zu besprechen?&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nat&amp;uuml;rlich haben sie besprochen, ob Lahm vergangenes Jahr das schlagzeilentr&amp;auml;chtige Interview in der &lt;em&gt;SZ&lt;/em&gt; geben und sich gegen die Entlassung des Trainers van Gaal aussprechen sollte. Grill hat Lahm nicht abgeraten. Er hat ihm zugeredet, seine umstrittene Biografie zu schreiben. &amp;raquo;Es gab &amp;Auml;rger, aber Philipp hat das richtig gemacht. Die haben sich alle nur &amp;uuml;ber den arg gek&amp;uuml;rzten Vorabdruck aufgeregt. Die Version im Buch hat niemand beanstandet.&amp;laquo; 200 000 St&amp;uuml;ck sind bis heute verkauft. Er hat Lahm auch darin best&amp;auml;rkt, von der Position des rechten Verteidigers zur&amp;uuml;ck auf die des linken zu wechseln &amp;ndash; &amp;raquo;Das war riskant f&amp;uuml;r ihn, aber er machte es zum Wohle des Vereins. Nat&amp;uuml;rlich ist Philipp auf der rechten Seite in der Defensive etwas st&amp;auml;rker, da gibt es einfach Bewegungsabl&amp;auml;ufe beim Reingr&amp;auml;tschen, die er sich auf der anderen Seite nie mehr so gut antrainieren kann. Aber links sieht Philipp in der Offensive besser aus, da bekommt er halt die besseren Kritiken&amp;laquo;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Einmal waren Lahm und er unterschiedlicher Meinung: 2006, als der FC Barcelona Lahm ein hoch dotiertes Vertragsangebot machte. &amp;raquo;Ich habe Philipp geraten, es anzunehmen. Bar&amp;ccedil;a brauchte dringend jemanden auf der Position. So ein Angebot kommt nur einmal im Leben. Philipp w&amp;auml;re mit Bar&amp;ccedil;a inzwischen zweimal Champions-League-Sieger geworden.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Lahm verzichtete, und Grill versuchte erst gar nicht, ihn zu &amp;uuml;berreden. &amp;raquo;Kein Spieler darf gegen seine &amp;Uuml;berzeugungen handeln. Der Spieler muss immer vorangehen, bei allem, was er macht. Ich unterst&amp;uuml;tze ihn dabei. Und Philipp hat recht gehabt, bei Bayern zu bleiben. Er ist gl&amp;uuml;cklich in M&amp;uuml;nchen.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Den Samstagmorgen verbringt Grill auf dem Trainingsgel&amp;auml;nde des FC Bayern, abwechselnd bei den Heimspielen der U17 und U19. Dieses Mal spielt die U17, Bayern gegen Stuttgart. Grill nennt seine bevorzugte Aufstellung &amp;ndash; &amp;raquo;aber die d&amp;uuml;rfen wir nicht schreiben&amp;laquo;, wegen Hoene&amp;szlig;. Das Spiel wird &amp;raquo;zu breit gemacht&amp;laquo; f&amp;uuml;r Grills Geschmack. Ein Trainer schreit wild auf den Spieler ein, der gerade am Ball ist &amp;ndash; laut Grill ein Unding. Und dann wird auch noch Julian Green, einer von Grills j&amp;uuml;ngsten Spielern, &amp;raquo;St&amp;uuml;rmer, Rechtsfu&amp;szlig;, sehr talentiert, sehr sensibel&amp;laquo;, ausgewechselt. Es ist ein schlechtes Spiel und das Wetter scheu&amp;szlig;lich, man sollte lieber Dostojewski lesen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Aber Grill schw&amp;auml;nzt selten ein Spiel. Disziplin will er ja auch den Jungen beibringen. Beim Essen, beim Schlafen, beim Training, im Alltag. Grill versteht den Aufstieg zum perfekten Fu&amp;szlig;baller in f&amp;uuml;nf Stufen, wie beim Yoga. Erstens: Disziplin. Zweitens: soziale Intelligenz, seinen Platz in der Mannschaft finden und behaupten, jede Woche spricht Grill mit den Spielern dar&amp;uuml;ber. Drittens: das Talent auf dem Platz zeigen. Viertens: Die F&amp;auml;higkeit zu absoluter Konzentration im richtigen Augenblick. F&amp;uuml;nftens: Trance, alles gelingt jederzeit. So wie bei Philipp Lahm. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Lukas Grill ist der Sohn von Roman und auch ein Spieler der Agentur. Er spielt in der U19 des FC Bayern. Nach dieser Saison wird sich zeigen, ob er den Sprung zu den Profis schafft. Bei seinen Heimspielen steht die halbe Familie Grill am Spielfeldrand: zwei Gro&amp;szlig;-v&amp;auml;ter, manchmal auch Natalia, die Mutter, der Vater, immer schweigsam. &amp;raquo;Niemand w&amp;uuml;rde vermuten, dass wir zusammengeh&amp;ouml;ren. Wenn Lukas spielt, bin ich viel zu nerv&amp;ouml;s, um mich zu unterhalten.&amp;laquo; Der Sohn sagt &amp;uuml;ber den Vater: &amp;raquo;Ich war sein erster Spieler, mich hat er von Kind an betreut. Seinen eigenen Trainer im Haus zu haben ist praktisch.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Grill gr&amp;uuml;&amp;szlig;t Kollegen am Spielfeldrand, konkurrierende Spielerberater auf der Suche nach Talenten. &amp;raquo;Viele wissen nicht, was sie sehen&amp;laquo;, sagt Grill. &amp;raquo;Die quatschen dann schlecht bezahlte Assistenztrainer an, um Tipps zu bekommen, wer gut genug f&amp;uuml;r die Bundesliga werden k&amp;ouml;nnte.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Spitzenspieler schaffen den Durchbruch in der Regel mit 18, 19, 20 Jahren. In dem Alter sind die besten Jugendspieler l&amp;auml;ngst unter Vertrag, bei dem Spielerberater, der wei&amp;szlig;, was er sieht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Der Mann hinter dem Kapitän</dc:subject>
    <dc:creator>Lars Reichardt</dc:creator>
    <dc:date>2012-05-07T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37161">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37161</link>
    <title>Hart, aber fair</title>
    <description>&lt;p&gt;Fu&amp;szlig;ball? Wer redet von Fu&amp;szlig;ball? Die Hooligans von heute treffen      sich kaum noch im Stadion, sondern im Wald. Einblicke in eine Welt voller      Gewalt &amp;ndash; die dennoch klare Regeln kennt.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gibt M&amp;auml;nner, die kotzen beim ersten Mal vor Aufregung. Andere laufen im letzten Augenblick weg, irgendwo in den Wald hinein, und lassen sich danach nie wieder blicken. Und es gibt welche, die trotz weicher Knie weiterk&amp;auml;mpfen. Die d&amp;uuml;rfen, wenn sie sp&amp;auml;ter noch k&amp;ouml;nnen und wollen, zum n&amp;auml;chsten Kampf wiederkommen. So einfach ist das. So einfach und so fremd.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Hooligans sind l&amp;auml;ngst nicht mehr nur radikale Fu&amp;szlig;ballfans, die am Spielfeldrand auf gegnerische Fans einpr&amp;uuml;geln. Das Geschehen hat sich von den Stadien wegbewegt. Weil die Hooligans vorbestraft sind, weil sie im Stadion zu genau beobachtet werden oder weil sie sowieso Stadionverbot haben. Und da sie auf die Gewalt nicht verzichten wollen, treffen sie sich eben woanders, um zu k&amp;auml;mpfen. In der Natur. Auf einem Feld, im Wald.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wer schon einmal so einen Kampf im Freien gesehen hat, der wei&amp;szlig;, warum da selbst erfahrene Schl&amp;auml;ger nerv&amp;ouml;s werden. Ganz langsam und schweigend bewegen sich die beiden Gruppen aufeinander zu, mal sind es nur 15, mal 50 Mann pro Seite. Ganz vorn laufen die schwersten Kerle. &amp;raquo;Die stoppen den Aufprall&amp;laquo;, erkl&amp;auml;rt Mirko. Er selbst l&amp;auml;uft immer in der zweiten Reihe, &amp;raquo;bei den Technikern&amp;laquo;. Das Ganze ist klar strukturiert, &amp;raquo;wie bei den r&amp;ouml;mischen Legionen&amp;laquo;. Erst auf den letzten Metern kommt das Kommando des Anf&amp;uuml;hrers: &amp;raquo;Doppeldeckung hoch&amp;laquo; &amp;ndash; F&amp;auml;uste vors Gesicht, Ellbogen zusammen. Dann folgt der Aufprall. Im w&amp;ouml;rtlichen Sinne.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ein typischer Kampf ist schnell vorbei, nach 30, manchmal 60 Sekunden. Aber was man in dieser Zeit erlebt, ist eine Dimension von Brutalit&amp;auml;t, die &amp;raquo;einfach anders&amp;laquo; ist, sagt Mirko. &amp;raquo;Ein h&amp;ouml;heres Level.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das Treffen mit Mirko und Adrian findet in einer Bar statt. &amp;raquo;Schreib: in einer gro&amp;szlig;en deutschen Stadt&amp;laquo;, sagen die beiden gleich zu Anfang, bitte keinen Ortsnamen nennen. Und nat&amp;uuml;rlich hei&amp;szlig;en sie auch nicht Mirko und Adrian. Sie sind Hooligans. Keine ehemaligen, die ihre Memoiren verkaufen wollen, sondern aktive &amp;raquo;Krieger&amp;laquo;, wie sie sich selbst nennen. Kein einfaches Gespr&amp;auml;ch. Die beiden M&amp;auml;nner sind misstrauisch. Erst nach unz&amp;auml;hligen Kontaktversuchen und fast zwei Monaten Warterei sind sie bereit, etwas von sich zu erz&amp;auml;hlen. Es soll um Gewalt gehen, um Schmerzen und Adrenalin. Und um die Frage, warum sich manche M&amp;auml;nner ein Leben ohne all das nicht vorstellen k&amp;ouml;nnen &amp;ndash; und daf&amp;uuml;r sogar bereit sind, ihren Beruf, ihre Familie und ihre Freiheit zu riskieren. Mirko und Adrian bestellen Wein und Tee und nennen noch eine Bedingung: &amp;raquo;Keinen Schei&amp;szlig; schreiben!&amp;laquo; Man kenne sich ja jetzt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Was die M&amp;auml;nner dann &amp;uuml;ber sich und ihr Leben erz&amp;auml;hlen, erst in Andeutungen, dann immer offener, hat mit dem Bild, das die meisten Menschen von Hooligans haben, nichts zu tun. Stadionschl&amp;auml;gereien, Vollsuff und Randale vor Publikum &amp;ndash; vorbei. Nicht, weil&amp;rsquo;s nicht sch&amp;ouml;n w&amp;auml;re, noch mal wie fr&amp;uuml;her auf den Putz zu hauen. Sondern weil es inzwischen ganz andere Nervenkitzel gibt. Auf dem &amp;raquo;Acker&amp;laquo;, also in der freien Natur, weit weg von Polizei und Passanten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das Erste, was auff&amp;auml;llt, ist, dass die beiden M&amp;auml;nner eigentlich &amp;uuml;berhaupt nicht auffallen. Mirko ist ein gro&amp;szlig;er, schlanker Mann mit einem freundlichen Jungsgesicht. Wie ein gewaltt&amp;auml;tiger Mensch sieht er nicht aus, eher wie jemand, der einfach viel Sport treibt. Er ist schon Ende drei&amp;szlig;ig, ein Veteran der Szene. Adrian ist Mitte zwanzig und erst seit zwei Jahren dabei. Er ist so klein und drahtig, dass man sich kaum vorstellen kann, wie er lange auf dem &amp;raquo;Acker&amp;laquo; &amp;uuml;berleben soll. Den Eindruck h&amp;auml;tten viele, sagt er und l&amp;auml;chelt. &amp;raquo;Das ist ja das Sch&amp;ouml;ne.&amp;laquo; Wie oft er sich im Leben schon gepr&amp;uuml;gelt hat, wei&amp;szlig; er nicht mehr. Ein paar Hundert Mal vielleicht, sagt er.&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Den sch&amp;ouml;nsten Nervenkitzel beschert der Marsch ins Gefecht&quot;]&lt;br /&gt; Das harmlose Erscheinungsbild ist nicht das Einzige, was irritiert. Da ist die Sache mit dem Fu&amp;szlig;ball. Der Sport, sagt Mirko, spielt kaum noch eine Rolle. Sicher, es gibt noch immer Hooligans, die f&amp;uuml;r einen Club brennen, aber das sind l&amp;auml;ngst nicht mehr alle. Wenn ihre 50 Mann starke Gruppe im Alter von 17 bis Ende 30 gegen eine andere Gruppe aus Deutschland antritt, dann nicht f&amp;uuml;r den heimischen Verein, sondern f&amp;uuml;r die Heimat selbst: &amp;raquo;Wir sind Stadtpatrioten.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Adrian nickt. Er sagt, ihn interessiert auch nur &amp;raquo;die Hauerei&amp;laquo;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die n&amp;auml;chste Irritation: Der j&amp;uuml;ngere der beiden Hooligans ist dunkelh&amp;auml;utig. Ob er deshalb keine Probleme hat? Zwischen all den pr&amp;uuml;gelnden Neonazis, von denen in jedem zweiten Artikel &amp;uuml;ber Hooligans die Rede ist? Ach was, sagt Mirko, dessen Eltern ebenfalls nicht aus Deutschland stammen. Wenn, dann gibt es auf dem &amp;raquo;Acker&amp;laquo; h&amp;ouml;chstens mal einen Spruch, &amp;raquo;&amp;Ouml;lauge oder Kanacke oder so&amp;laquo; &amp;ndash; und das auch nur von Gegnern, die Adrian nicht kennen. Wer einmal gegen &amp;raquo;unseren kleinen Allrounder&amp;laquo; gek&amp;auml;mpft hat, h&amp;auml;lt beim n&amp;auml;chsten Mal den Mund.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Muay Thai, klassisches Boxen, Grappling: Adrian trainiert seit Jahren fast t&amp;auml;glich Kampfsport, auch f&amp;uuml;r Wettk&amp;auml;mpfe. Deshalb ist er vor zweieinhalb Jahren auch gefragt worden, ob er nicht mal vorbeischauen wolle. &amp;raquo;Bei der Gruppe.&amp;laquo; Seine Premiere war eine Pleite, sagt er. Er und die anderen haben zwei Stunden lang auf einem windigen H&amp;uuml;gel irgendwo in Nordrhein-Westfalen gestanden und gewartet. Die Gegenseite sei einfach weggeblieben, vermutlich, weil sie nicht gen&amp;uuml;gend K&amp;auml;mpfer zusammenbekam. Peinliche Sache, sagt er. So etwas spricht sich rum. Ein halbes Jahr sp&amp;auml;ter hatte er dann Gl&amp;uuml;ck. Der Gegner trat an, sogar mit vier Mann mehr. Adrian nippt am Tee und grinst &amp;uuml;bers ganze Gesicht: &amp;raquo;Wir haben sie trotzdem weggehauen.&amp;laquo; Ja, sagt Mirko. Ein Sieg in Unterzahl, das ist etwas Besonderes.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dass die Sprache der Hooligans so sportlich klingt, ist kein Zufall. Ein &amp;raquo;Ackermatch&amp;laquo;, also eine organisierte Schl&amp;auml;gerei im Wald oder auf einem Feld, ist so straff organisiert wie ein deutsches Vereinsturnier. Vor dem Kampf, erkl&amp;auml;rt Mirko, gehen die Chefs der beiden teilnehmenden Gruppen das Gel&amp;auml;nde ab. Dabei werden auch herumliegende Steine oder dicke &amp;Auml;ste wegger&amp;auml;umt &amp;ndash; &amp;raquo;damit die, die umgehauen werden, sich nicht den Sch&amp;auml;del brechen&amp;laquo;. Als N&amp;auml;chstes w&amp;auml;rmen sich beide Seiten etwa eine halbe Stunde lang getrennt voneinander auf. &amp;raquo;Wie im Boxclub&amp;laquo;, mit Liegest&amp;uuml;tzen und Schattenboxen. Und schlie&amp;szlig;lich beginnt das, was jedem Neuling &amp;raquo;die schlimmste Angst&amp;laquo; und Mirko selbst &amp;raquo;den sch&amp;ouml;nsten Nervenkitzel&amp;laquo; beschert: der Marsch ins Gefecht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Damit die Schl&amp;auml;gerei nicht v&amp;ouml;llig au&amp;szlig;er Kontrolle ger&amp;auml;t, gelten auch auf dem Acker ein paar Regeln, sagt Mirko. Mundschutz, Bandagen und Lederhandschuhe sind erlaubt, Waffen tabu. Wer beim Match am Boden liegt, wird in Ruhe gelassen. Nur wer dann noch mal aufsteht, &amp;raquo;klar, der kriegt&amp;rsquo;s halt wieder&amp;laquo;. Verlierer ist die Gruppe, die f&amp;uuml;r alle Beteiligten erkennbar im Nachteil ist. Das ist dann der Fall, wenn in einem Lager irgendwann deutlich mehr K&amp;auml;mpfer auf den Beinen stehen als im anderen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Welche Gruppe verliert, ist allerdings weniger wichtig als die Frage, wie sie verliert, sagt Mirko. &amp;raquo;Wer sich nach der ersten Runde noch mal neu aufstellt, obwohl er in Unterzahl ist und vielleicht &amp;rsquo;ne gebrochene Nase hat, der hat meinen Respekt.&amp;laquo; Es geht nicht um Hass, erg&amp;auml;nzt Adrian: &amp;raquo;Es geht darum: Bist du ein Krieger, oder bist du keiner?&amp;laquo;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Echte Hooligans suchen Gleichgesinnte &amp;ndash; Gegner, keine Opfer&quot;]&lt;br /&gt; Krieger. Ehre. Treue. Tapferkeit. Solche aus der Zeit gefallenen W&amp;ouml;rter nehmen beide immer wieder in den Mund. Wer wei&amp;szlig;, vielleicht ist das am Ende auch ein Faktor, der mit dar&amp;uuml;ber entscheidet, ob ein Mann f&amp;uuml;r diese Form von Gewalt anf&amp;auml;llig ist oder nicht: der Wunsch, ernsthaft an einem Bild von Maskulinit&amp;auml;t festzuhalten, das in der sogenannten Mehrheitsgesellschaft l&amp;auml;ngst verp&amp;ouml;nt ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Auch das, was Mirko und Adrian &amp;uuml;ber ihre Gruppe und die Gruppen aus anderen St&amp;auml;dten sagen, klingt archaisch. &amp;raquo;Wie Armeen&amp;laquo; seien die aufgebaut, sagt der &amp;Auml;ltere, mit einer klaren Hierarchie. An der Spitze steht der Anf&amp;uuml;hrer, in der Regel &amp;raquo;der erfahrenste und h&amp;auml;rteste Hauer&amp;laquo;. Darunter gibt es, zumindest bei ihnen, noch einen f&amp;uuml;nfk&amp;ouml;pfigen &amp;raquo;Rat&amp;laquo;, der von allen Mitgliedern gew&amp;auml;hlt wird und aus M&amp;auml;nnern besteht, die lange dabei sind oder sich &amp;raquo;einfach bewiesen&amp;laquo; haben. Und alle trainieren einmal pro Woche zusammen in einer angemieteten Turnhalle: &amp;raquo;Aufpralltraining, Taktik, Liniehalten, Nachr&amp;uuml;cken, Kraftausdauer, Schlagtechniken, Bodenkampf&amp;laquo;. Eine fast ganz normale Sportstunde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wer nachvollziehen will, warum diese M&amp;auml;nner tun, was sie tun, muss wissen, dass es zwei Sorten von Geschichten &amp;uuml;ber Hooligans gibt. Die erste Sorte erz&amp;auml;hlt von Gewalt und reaktion&amp;auml;ren M&amp;auml;nnlichkeitsriten. Sie wird in der Regel von Beh&amp;ouml;rden publiziert oder von Journalisten geschrieben, die Angst um den Fu&amp;szlig;ball haben. Die zweite Sorte ist freundlicher. Hier sind Hooligans einfach Kerle von der Stra&amp;szlig;e, die einen Ehrenkodex aufrechterhalten. Solche Geschichten sind vor allem in Gro&amp;szlig;britannien beliebt, dem klassischen Zentrum des &lt;em&gt;hooliganism&lt;/em&gt;. Beispiele sind B&amp;uuml;cher wie &lt;em&gt;Terrace Legends &amp;ndash; Legenden der Stehr&amp;auml;nge&lt;/em&gt; oder Filme wie &lt;em&gt;Rise of the Footsoldier&lt;/em&gt;, die Titel sprechen f&amp;uuml;r sich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es gibt auch deutsche Ableger. Zum Beispiel das Werk des fr&amp;uuml;heren Polizisten Stefan Schubert, der beinahe ein Jahrzehnt lang bei der &amp;raquo;Blue Army Bielefeld&amp;laquo; mitmischte, schlie&amp;szlig;lich ertappt wurde und aus dem Staatsdienst ausschied. Er hat ein Buch &amp;uuml;ber sein Doppelleben geschrieben, es tr&amp;auml;gt den durchaus ernst gemeinten Titel &lt;a href=&quot;http://sz-shop.sueddeutsche.de/mediathek/shop/Produktdetails/Buch+Gewalt_ist_eine_Loesung+Stefan_Schubert/5573958.do&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;em&gt;Gewalt ist eine L&amp;ouml;sung&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bei Schuberts einstigen Kollegen klingt das erwartungsgem&amp;auml;&amp;szlig; anders. Polizeioberr&amp;auml;tin Katja Kruse sagt: &amp;raquo;Wir beobachten in der Hauptsache, was sich im Stadion, im Stadionumfeld und bei der An- und Abreise abspielt. Und da bewegt sich die Gewalt auf einem stabil hohen Niveau.&amp;laquo; Die 46-J&amp;auml;hrige ist stellvertretende Leiterin der Zentralen Informationsstelle Sporteins&amp;auml;tze (ZIS) in Duisburg. Die Beh&amp;ouml;rde sammelt seit zwei Jahrzehnten Informationen &amp;uuml;ber Ausschreitungen im deutschen Fu&amp;szlig;ball. Bekannt ist sie vor allem f&amp;uuml;r ihre Datei &amp;raquo;Gewaltt&amp;auml;ter Sport&amp;laquo;,  die in der Saison 2010/2011 fast zehntausend Namen umfasste. 7240 davon fielen in die sogenannte Kategorie B, 2445 in die Kategorie C. Der Buchstabe B steht f&amp;uuml;r &amp;raquo;gewaltgeneigt&amp;laquo;; gemeint sind Sportfans, die zwar nicht mit dem Vorsatz, sich zu pr&amp;uuml;geln, zu einem Spiel gehen, im Ernstfall aber zulangen. &amp;raquo;Kategorie C&amp;laquo; steht f&amp;uuml;r &amp;raquo;gewaltsuchend&amp;laquo;. Das Polizeik&amp;uuml;rzel wird oft einfach als Synonym f&amp;uuml;r Hooligans verwendet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Zu Unrecht&amp;laquo;, schimpft Mirko, der Veteran vom Acker. Wenn es in deutschen Medien um Gewalt beim Fu&amp;szlig;ball gehe, dann sei stets nur von &amp;raquo;Hooligans hier, Hooligans da&amp;laquo; die Rede. Dabei seien es immer &amp;ouml;fter die angeblich so harmlosen und fantasievollen Ultras, die f&amp;uuml;r &amp;Auml;rger sorgten und Unbeteiligte in Gefahr br&amp;auml;chten: &amp;raquo;Wir gehen nicht besoffen ins Stadion, wir spielen nicht mit Pyrotechnik rum, wir hauen uns nicht da, wo Kinder und Frauen stehen.&amp;laquo; Echte Hooligans suchen Gleichgesinnte, sagt Mirko: &amp;raquo;Gegner, keine Opfer.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Polizistin Katja Kruse gibt zu, dass die Milieus keineswegs so scharf zu trennen sind, wie es viele gern h&amp;auml;tten. &amp;raquo;Wir unterscheiden in der Statistik nicht zwischen Ultras und Hooligans, sondern nur zwischen Fans der Kategorien B und C&amp;laquo;, sagt sie. &amp;raquo;Eine Minderheit der Ultras ist fasziniert von der Gewalt der Hooliganszene und sucht den Anschluss.&amp;laquo; Und da, wo die Polizei gegen Ultras vorgeht, zum Beispiel weil Pyrotechnik im Stadion eingesetzt wird, &amp;raquo;erleben wir ebenfalls oftmals eine sehr hohe Aggressivit&amp;auml;t&amp;laquo;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;Uuml;ber die Zahl der Schl&amp;auml;gereien deutscher Hooligans, die heute fern der Fu&amp;szlig;ballstadien auf dem Acker organisiert werden, gibt es keine Statistik. Die Beamtin will sie nicht einmal sch&amp;auml;tzen. &amp;raquo;Wir versuchen nat&amp;uuml;rlich, Erkenntnisse &amp;uuml;ber solche Treffen zu sammeln, aber die Gruppen agieren sehr, sehr konspirativ.&amp;laquo; Vielleicht ist die Polizei auch immer noch zu sehr auf die Ereignisse in den Stadien konzentriert. Auch wenn sich die Zeiten l&amp;auml;ngst ge&amp;auml;ndert haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die &amp;raquo;Matches&amp;laquo;, die inzwischen jedes Wochenende irgendwo stattfinden, werden von langer Hand geplant. Auf welcher Lichtung oder auf welchem Waldweg die Gruppen aufeinandertreffen, vereinbaren die Anf&amp;uuml;hrer, dann erfahren es nur die Teilnehmer selbst. Wenn &amp;uuml;berhaupt, ist nicht mehr als eine Handvoll Zuschauer dabei, erkl&amp;auml;rt Mirko, in der Regel kampfunf&amp;auml;hige Mitglieder oder befreundete Sanit&amp;auml;ter, die Bandagen und Eisspray bereithalten.&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Das, was wir tun, tun wir, weil es ein Teil unserer Natur ist&quot;]&lt;br /&gt; Wie viele Knochen er und Adrian bei ihren Matches schon zerhauen haben, wissen sie nicht mehr. Er selbst hat sich in den Jahren auf dem Acker einmal die Nase und einmal die Mittelhand gebrochen, sagt Mirko. Ein andermal war der Kiefer ausgeh&amp;auml;ngt. Er verzieht kurz das Gesicht: &amp;raquo;wirklich nicht angenehm&amp;laquo;. Wer verletzt ist, wird nach dem Kampf ins Krankenhaus gebracht. Die Ausreden k&amp;ouml;nnen die M&amp;auml;nner so &amp;uuml;berzeugend wie routiniert aufsagen. Sportverletzung, zum Beispiel. Oder, auch beliebt: bl&amp;ouml;d gefallen. Schwierig wird&amp;rsquo;s nur, wenn bei der Einlieferung ein Dutzend verdreckter und blutender M&amp;auml;nner im gleichen T-Shirt vor der Krankenschwester stehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das Versteckspiel der Hooligans von heute ist nicht nur eine Folge der Polizeipr&amp;auml;senz und Kameras in den Stadien. Ein &amp;raquo;ambitionierter K&amp;auml;mpfer&amp;laquo;, sagt Mirko, hat irgendwann einfach zu viel auf dem Kerbholz, um sich noch mal erwischen zu lassen. Der passionierte Boxer wei&amp;szlig;, wovon er spricht. Er war selbst bis vor Kurzem &amp;raquo;unfreiwillig inaktiv&amp;laquo;, wie er es nennt. Ein Gef&amp;auml;ngnisaufenthalt. Und nicht nur ein paar Monate. &amp;raquo;Ernste Sache&amp;laquo;, sagt er. Sehr ernst sogar. Mirko erz&amp;auml;hlt zwar, was damals passiert ist, aber er will dar&amp;uuml;ber nichts in der Zeitung lesen. Die Sache habe mit dem Acker und der Gruppe &amp;raquo;absolut nichts&amp;laquo; zu tun.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Auch f&amp;uuml;r Adrian sind Diskretion und Disziplin der Gruppe kein Selbstzweck. Er sa&amp;szlig; zwar noch nicht im Gef&amp;auml;ngnis, aber ein paar Verurteilungen hat er auch schon auf dem Buckel. Der Mittzwanziger macht gerade sein Abitur nach, danach will er Sportmanagement studieren. Ein weiteres &amp;raquo;Im Namen des Volkes&amp;laquo; wegen Landfriedensbruchs oder K&amp;ouml;rperverletzung &amp;ndash; die typischen Straftatbest&amp;auml;nde von Hooligans &amp;ndash; kann er &amp;raquo;wirklich nicht gebrauchen&amp;laquo;. Bei Mirko, der zurzeit eine Ausbildung &amp;raquo;im Sportbereich&amp;laquo; macht und abends als T&amp;uuml;rsteher arbeitet, ist die Sache einfacher: Er will nur nicht wieder in den Knast. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Beide M&amp;auml;nner sind au&amp;szlig;erdem V&amp;auml;ter, beide haben feste Freundinnen. Aber &amp;uuml;ber ihre Familien wollen sie nicht sprechen. Gar nicht. Der Versuch, nachzuhaken, wird von Mirko mit einem sehr deutlichen Blick beendet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das Gespr&amp;auml;ch stockt kurz. Die M&amp;auml;nner wissen, welche Frage jetzt kommt. Mirko stellt sie selbst: &amp;raquo;Warum wir nicht einfach damit aufh&amp;ouml;ren?&amp;laquo; Er schaut auf seine H&amp;auml;nde. &amp;raquo;Das&amp;laquo;, sagt er langsam, &amp;raquo;w&amp;uuml;rde ich ja.&amp;laquo; Pause. &amp;raquo;Wenn ich k&amp;ouml;nnte.&amp;laquo; Adrian nickt. &amp;raquo;Das, was wir tun, tun wir, weil es ein Teil unserer Natur ist&amp;laquo;, sagt Mirko. Als er mit 16 Jahren zum ersten Mal mit der Gruppe losmarschierte, &amp;raquo;da war ich das K&amp;uuml;ken, nat&amp;uuml;rlich hatte ich Angst&amp;laquo;. Heute ist das anders. Heute hat er jedes Mal, wenn es knallt, einen freien, von allen Sorgen entleerten Kopf. Das liebt er. Deshalb f&amp;auml;hrt er immer noch auf den Acker: &amp;raquo;Damit ich diese Seite von mir nicht anderswo ausleben muss.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Katja Kruse, die f&amp;uuml;r die Polizei gewaltt&amp;auml;tige Fu&amp;szlig;ballfans beobachtet, sagt, sie k&amp;ouml;nne die Selbstdarstellung von Hooligans zwar &amp;uuml;berhaupt nicht nachvollziehen: &amp;raquo;Aus polizeilicher Sicht begehen die M&amp;auml;nner einfach Straftaten, in der Regel gemeinschaftliche K&amp;ouml;rperverletzung. Aus psychologischer Sicht ist mir das auch fremd, diese Suche nach dem Adrenalinkick.&amp;laquo; Aber sie glaubt, dass das &amp;raquo;in manchen Menschen einfach drinsteckt &amp;ndash; also in manchen M&amp;auml;nnern&amp;laquo;. Dann w&amp;auml;hlt sie einen Vergleich, der auch Mirko und Adrian gefallen w&amp;uuml;rde: &amp;raquo;Denken Sie an die Gladiatorenk&amp;auml;mpfe.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In der Bar neigt sich das Gespr&amp;auml;ch dem Ende zu. Auch am Nachbartisch ist es still geworden. Vier M&amp;auml;dchen um die zwanzig sitzen dort, mit dezent lackierten Fingern&amp;auml;geln und geb&amp;uuml;gelten Blusen. Immer wieder haben sie in den vergangenen Stunden zu Mirko und Adrian her&amp;uuml;bergeschaut, halb neugierig, halb irritiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Vielleicht haben die jungen Frauen W&amp;ouml;rter aufgeschnappt, die in ihren Ohren exotisch klangen. Pratzentraining. Oder Jochbeinbruch. Vielleicht gef&amp;auml;llt ihnen die Aura der beiden: die Ausstrahlung von M&amp;auml;nnern, die so etwas wie die Feuilletondebatten &amp;uuml;ber richtige und falsche M&amp;auml;nnlichkeit einfach ignorieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mirko sagt, dass ihm eine Therapeutin mal erkl&amp;auml;rt hat, seine Liebe zur Gewalt sei eine &amp;raquo;seelische Abartigkeit&amp;laquo;. Er selbst h&amp;auml;lt sich trotz der Diagnose f&amp;uuml;r einen verantwortungsvollen und sensiblen Menschen. &amp;raquo;Ich wei&amp;szlig; ganz genau, was richtig und was falsch ist. Und das, was wir tun, ist auf keinen Fall falsch. Nicht f&amp;uuml;r uns.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Er &amp;uuml;berlegt kurz, dann l&amp;auml;chelt er: &amp;raquo;Ihr m&amp;uuml;sst ja nicht zuschauen.&amp;laquo;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Hart, aber fair</dc:subject>
    <dc:creator>Marc Felix Serrao</dc:creator>
    <dc:date>2012-03-19T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36746">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36746</link>
    <title>Spiel, Satz, Krieg</title>
    <description>&lt;p&gt;Ein Leben voller Tiefschl&amp;auml;ge, ein unerbittlicher Stiefvater, ein schwieriges      Verh&amp;auml;ltnis zu Steffi Graf: Die Tennisspielerin Claudia Kohde-Kilsch      blickt zur&amp;uuml;ck.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/39533.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 	           &lt;em&gt;Kohde-Kilsch 2011 zu Hause in Saarbr&amp;uuml;cken. Heute ist nicht mehr viel von ihren Erfolgen als Tennisspielerin geblieben.&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ-Magazin: Frau Kohde-Kilsch, Sie waren eine erfolgreiche Tennisspielerin, Sie haben bei Olympia Bronze gewonnen, in Wimbledon im Doppel gesiegt und mehr als vier Millionen D-Mark verdient. Wie viel ist davon heute noch &amp;uuml;brig?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Claudia Kohde-Kilsch:&lt;/strong&gt; Nichts. Ich habe vor einigen Wochen Insolvenz angemeldet.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Haben Sie zu viel ausgegeben nach Ihrem Karriereende?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, die Millionen waren schon weg, als ich 1999 meine Karriere beendete. Ich musste damals feststellen, dass mein Stiefvater, der immer auch mein Manager war, fast nichts &amp;uuml;brig gelassen hat. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihr Stiefvater und Manager war J&amp;uuml;rgen Kilsch, er hat Sie auch adoptiert. War das seine Idee?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. J&amp;uuml;rgen kam mit meiner Mutter zusammen, als ich f&amp;uuml;nf war, und sp&amp;auml;ter wollte ich den gleichen Namen haben wie der Rest meiner Familie, also wie mein Stiefvater, meine Mutter und meine Schwester. Aber mein leiblicher Vater stimmte der Adoption nicht zu. Deswegen musste ich warten, bis ich 18 war, bis 1982. Seitdem hei&amp;szlig;e ich Kohde-Kilsch. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Und Ihr Stiefvater hat sich von Anfang an um Ihre Finanzen gek&amp;uuml;mmert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Er war Anwalt, er kannte sich aus, ich habe ihm vertraut&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber Sie haben schon gewusst, dass Sie sehr, sehr viel Geld verdienen als Profispielerin?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Klar. Aber das war f&amp;uuml;r mich irgendwie nicht so wichtig damals. Mit 16, 18, zwanzig Jahren spielst du nicht um Geld, sondern weil du die Beste sein willst. 1981 habe ich Martina Navratilova geschlagen, daf&amp;uuml;r spielst du. Dass du irgendwann ausgesorgt haben solltest &amp;ndash; an so was denkst du nicht. Ich hatte kein Verh&amp;auml;ltnis zu Geld. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wann hat sich das ver&amp;auml;ndert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erst als ich gemerkt habe: Da geht echt was schief. Aber die Erkenntnis kam nicht pl&amp;ouml;tzlich, sondern zog sich hin. Es gab immer wieder Andeutungen, die ich lange verdr&amp;auml;ngt habe. Als ich zum Beispiel Anfang der Neunziger mit Tennis aufh&amp;ouml;ren wollte, sagte mein Stiefvater immer: &amp;raquo;Wenn du jetzt aufh&amp;ouml;rst, hast du mit vierzig kein Geld mehr!&amp;laquo; Damals habe ich mich schon gewundert, aber ich hab mir gesagt, dass er mich eben dazu bringen will weiterzumachen. Ein anderes Mal hab ich mir einen Hosenanzug gekauft, von Dolce &amp;amp; Gabbana, f&amp;uuml;r 900 Mark, das wei&amp;szlig; ich noch wie heute. Ich hab selten so viel auf einmal ausgegeben. Eine Woche sp&amp;auml;ter bekam ich einen Anruf: Die Lastschrift sei nicht eingel&amp;ouml;st worden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie da nicht sofort Ihren Vater gefragt? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Doch, hab ich. Aber er hat sich rausgeredet, das Konto sei durch ein Versehen &amp;uuml;berzogen, er werde das regeln. Dann hat er das irgendwie ausgeglichen, &amp;uuml;ber meine Konten hatte er ja die Vollmacht. Sp&amp;auml;ter habe ich erfahren, dass wir 200 000 Mark im Minus waren und dass er eine Menge Konten hatte, in Luxemburg, da hatte er auch irgendeine Holding, oder in Monaco. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;So einfach haben Sie ihn davonkommen lassen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Man darf nicht untersch&amp;auml;tzen, wie stark ich unter seinem Einfluss stand. Er war der Patriarch, ich das M&amp;auml;dchen. Als ich Profispielerin wurde, 1979, war ich gerade mal 15. Erst zwanzig Jahre sp&amp;auml;ter, als ich heiraten wollte, war ich stark genug f&amp;uuml;r eine Auseinandersetzung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Da waren Sie schon ein paar Jahre nicht mehr auf der internationalen Tennistour, Sie waren erwachsen, hatten mehr Zeit und weniger Stress. Warum haben Sie damals Ihr Geld nicht l&amp;auml;ngst selbst verwaltet?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weil mein Stiefvater das nicht wollte. Irgendwann um 1995, als klar war, dass ich nicht wieder auf die Profitour gehe, hab ich gesagt: Ich will das jetzt trennen, ich will mein eigenes Leben f&amp;uuml;hren. Er ist auf mich los, hat geschrien: &amp;raquo;Spinnst du? Was soll das?&amp;laquo; Er war sehr cholerisch, und ich hatte Angst vor ihm. Also habe ich es weiterlaufen lassen. Ich wusste ja noch nicht, wie schlimm es stand. Das erfuhr ich erst, als mein sp&amp;auml;terer Mann mich 1999 dazu brachte, einen Wirtschaftsanwalt zu engagieren. Da habe ich sofort alle Vollmachten l&amp;ouml;schen lassen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie hat Ihr Stiefvater reagiert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erst konnte er es nicht glauben, dann ist er ausgeflippt. &amp;raquo;Du bist gleich die erste Frau, der ich in die Fresse haue!&amp;laquo;, hat er gebr&amp;uuml;llt. Das vergesse ich nie. Ich war damals schwanger, und er ist derma&amp;szlig;en auf mich los, dass ich fast eine Fehlgeburt erlitten h&amp;auml;tte. Meine Frauen&amp;auml;rztin hat ihm dann ein Fax geschickt: Er soll mich in Ruhe lassen, bis das Kind da ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2000 begann der Prozess Kohde-Kilsch gegen Kilsch. Aber dar&amp;uuml;ber stand kein Wort in den Zeitungen. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich wollte keine Schlammschlacht. Mein Stiefvater hat mir mal mit der &lt;em&gt;Bild&lt;/em&gt;-Zeitung gedroht, dass er f&amp;uuml;r einen Skandal sorgt von wegen: Die undankbare Kohde-Kilsch l&amp;auml;sst ihrem Stiefvater keinen Pfennig mehr. Ich habe nur gesagt: Mach doch. Davor hatte ich keine Angst, ich war ja im Recht. Vielleicht hat ihn das abgehalten, dass er das auch wusste. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie hat Ihr Stiefvater vor Gericht denn argumentiert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Er sagte, weil er meinetwegen seinen Beruf aufgegeben habe, mit mir durch die Welt gereist sei und 100 000 oder 200 000 Mark &amp;ndash; das hat immer variiert bei ihm &amp;ndash; in meine Ausbildung zur Profisportlerin gesteckt habe, m&amp;uuml;sse er auf Lebenszeit die H&amp;auml;lfte meines Geldes bekommen. Das war sein Ziel vor Gericht. Er hat behauptet, das sei so abgesprochen gewesen. Zum Gl&amp;uuml;ck fand der Richter die Logik abstrus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie erz&amp;auml;hlen das jetzt fast schon am&amp;uuml;siert. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das machen die Jahre, die seitdem vergangen sind. Damals war das wie Krieg. Vor jeder Zeugenbefragung habe ich morgens fast gekotzt. Bei einer dieser Befragungen sa&amp;szlig;en wir drei Stunden bei 35 Grad im Landgericht, ich w&amp;auml;re fast vom Stuhl gekippt. Aber ich wollte da durch. Gerade weil ich wusste: Mein Stiefvater will mich fertigmachen. Auf den Stress habe ich k&amp;ouml;rperlich reagiert, ich habe f&amp;uuml;nf Kilo abgenommen und an der Stirn eine brutal schmerzhafte Nervenentz&amp;uuml;ndung bekommen &amp;ndash; ich habe gedacht, mir fliegt der Kopf weg. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie mal &amp;uuml;berlegt, seinen Namen abzulegen &amp;ndash; also das &amp;raquo;Kilsch&amp;laquo; in Ihrem Namen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe oft &amp;uuml;berlegt, ob ich mich entadoptieren lasse. Ich wei&amp;szlig; aber gar nicht, ob das geht. Ich habe es dann sein lassen, es h&amp;auml;tte ja nichts ge&amp;auml;ndert. &lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Ich habe ihn geliebt wie meinen Vater. Dann habe ich ihn gehasst.&amp;laquo;&quot;]&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/39472.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
        &lt;em&gt;Vorteil Kohde-Kilsch Ihre Aufschl&amp;auml;ge waren bei den Gegnerinnen gef&amp;uuml;rchtet.      Mit einer Gr&amp;ouml;&amp;szlig;e von1,86 Metern &amp;uuml;berragte Claudia      Kohde-Kilsch die anderen Tennisspielerinnen. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie ging der Prozess aus?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ich habe immer wieder recht bekommen, vor dem Amtsgericht, dem Landgericht und dem Oberlandesgericht. Mein Stiefvater ging jedes Mal in Berufung. Viereinhalb Jahre lang. Am Ende wollte er sogar noch an den Bundesgerichtshof, er hat gerade um die Zulassung gek&amp;auml;mpft, als er 2004 gestorben ist. Ich habe den Prozess also gewonnen, hatte aber kein Geld mehr. Sogar die Anwaltskosten musste ich wegen seines Todes selbst bezahlen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben von ihm nichts wiederbekommen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Ich hatte zwar die Pf&amp;auml;ndung seiner Rente schon durchgesetzt, eine sehr gute Rente, er war ja Anwalt. Aber er starb, eine Woche bevor er seine erste Rente bekommen h&amp;auml;tte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Waren Sie auf der Beerdigung?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich bin hin, und mich hat es beinahe zerrissen. Ich wusste gar nicht mehr, was ich denken sollte. Ich war zwanzig Jahre mit ihm unterwegs im Tenniszirkus, ich habe ihn geliebt wie meinen Vater. Dann habe ich ihn gehasst. Jetzt war er tot. Immerhin wusste ich in diesem Moment: Es ist zu Ende. Definitiv.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie noch miteinander gesprochen w&amp;auml;hrend des Prozesses?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Er hat mich zum vierzigsten Geburtstag mal angerufen, 2003. Aber richtig gesprochen haben wir nicht. Er war auch nicht auf meiner Hochzeit, und meinen Sohn hat er nur einmal aus der Ferne gesehen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Konnten Sie nach seinem Tod nachvollziehen, was mit Ihrem Geld geschehen ist?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Was ich schon wusste, war, dass ich unsere ganze Familie finanziert habe. Ob das jetzt Schmuck f&amp;uuml;r die Mutter, ein Haus in Marbella, der gemeinsame Skiurlaub oder die Ausgaben meiner kleinen Schwester waren: ihr Studium, ihr Auto, ihr Leben in Amerika und so weiter. Das war okay. Nur ein Danke h&amp;auml;tte ich gern mal geh&amp;ouml;rt. Aber meine Schwester, mit der ich mich immer noch gut verstehe, will davon heute immer noch nichts wissen. Trotz alledem h&amp;auml;tte noch eine Menge Geld &amp;uuml;brig sein m&amp;uuml;ssen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Es lie&amp;szlig; sich aber nichts finden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe nicht einmal mehr das Auto gefunden, das ich meinem Stiefvater gekauft hatte. Ich h&amp;auml;tte wohl in Monaco nach meinem Verm&amp;ouml;gen forschen m&amp;uuml;ssen, aber daf&amp;uuml;r hat mir schlicht das Geld gefehlt. Alles, was noch &amp;uuml;brig gewesen war, hatte ich schon in eine gemeinsame Musikproduktionsfirma mit meinem Mann gesteckt, in unser Tonstudio, in unser Haus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie den Prozess inzwischen verarbeitet?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nicht so richtig. Ich konnte mich ja nicht aussprechen mit meinem Stiefvater. Letztes Jahr habe ich die ganze Kiste mit den Akten noch einmal aus dem Keller hochgeholt, also sechs Jahre nach seinem Tod, dann sa&amp;szlig; ich in meinem Wohnzimmer, mitten in dem Zeug, und habe geheult. Irgendwie hat das gutgetan. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sind Sie Ihrem Stiefvater trotz allem heute daf&amp;uuml;r dankbar, dass er Sie zur Profispielerin gemacht hat?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich bin ihm f&amp;uuml;r gewisse Zeiten dankbar, ja. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bei Steffi Graf war die Konstellation ja &amp;auml;hnlich: Auch sie hatte einen dominanten Vater, der ihr Geld verwaltete. Nur dass Peter Graf nicht seine Tochter, sondern das Finanzamt betrog, und deshalb Mitte der Neunziger ins Gef&amp;auml;ngnis musste. Hatten Sie damals Mitleid?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, Steffi tat mir nicht leid. Nat&amp;uuml;rlich war das schlimm f&amp;uuml;r sie, dass ihr Vater eingesperrt wurde, aber ich glaube, die Steffi braucht einem nicht leid zu tun. Die ist selber knallhart. Ich habe sie kennengelernt, da war sie zw&amp;ouml;lf. Damals schon sehr ehrgeizig. Sehr fokussiert. Ein bisschen menschenscheu. Ein erwachsenes M&amp;auml;dchen. Nur anfangs hatten wir lustige Zeiten, meine Mutter und ich haben sie damals unter unsere Fittiche genommen, weil ihre Eltern noch nicht mit auf der Tour waren. Aber das gute Verh&amp;auml;ltnis wurde schnell von ihrem Vater kaputtgemacht. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Peter Graf hatte nicht den besten Ruf im Tennislager.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zu Recht. Der hat nur Streit ges&amp;auml;t. Mein Vater h&amp;auml;tte sich einmal sogar beinahe mit ihm gepr&amp;uuml;gelt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bitte?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das war 1986, beim Masters im Madison Square Garden in New York. Da haben Helena Sukova und ich es gewagt, im Doppel gegen Steffi und Gabriela Sabatini zu gewinnen. Danach hat der alte Graf meinen Vater im Gang aufgehalten und ihn angeblafft, wir h&amp;auml;tten doch nur Gl&amp;uuml;ck gehabt und so weiter. Da hat mein Stiefvater ihn am Kragen gepackt, an die Wand gedr&amp;uuml;ckt und ihm gesagt, er soll die Fresse halten. Und Chris Evert und Pam Shriver, beide Top-Ten-Spielerinnen damals, standen daneben und haben geklatscht! Den Graf konnte keiner leiden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber Steffi und Sie haben doch auch viel Doppel gespielt, zusammen sogar den Federation Cup und Olympia-Bronze gewonnen. Wie passt das zusammen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zwischendurch haben wir uns schon einigerma&amp;szlig;en verstanden, aber gerade Olympia war eine Sache f&amp;uuml;r sich: Steffi hatte schon Gold im Einzel, dann haben wir das Halbfinale im Doppel gespielt. Und ich habe mich die ganze Zeit gewundert, dass sie ihren R&amp;uuml;ckhand-Return immer voll durchgezogen hat. Sie hat sonst ja immer den Slice gespielt, den konnte sie traumwandlerisch sicher. Nachdem wir verloren hatten, fragte mein Vater den Graf, warum die Steffi immer durchgezogen hat. Der Graf sagte nur: Meinst du etwa, die Claudia soll auch eine Goldmedaille kriegen?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sie glauben, Peter Graf hat Steffi angehalten, extra schlecht zu spielen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Beweisen kann ich es nat&amp;uuml;rlich nicht. Aber es war schon sehr komisch. Und es w&amp;auml;re nicht untypisch f&amp;uuml;r eine Familie, die niemandem etwas g&amp;ouml;nnt. Der Graf hat sp&amp;auml;ter wohl auch Adidas, &amp;uuml;ber Jahre mein Ausr&amp;uuml;ster, vor die Wahl gestellt: Wenn ihr die Claudia weiterhin sponsert, kriegt ihr die Steffi nicht mehr. Auch das kann ich nicht beweisen, aber einer von Adidas hat es meinem Stiefvater gegen&amp;uuml;ber ziemlich unumwunden zugegeben. Adidas hat mich dann ja auch wirklich fallen lassen, nach vielen Jahren Partnerschaft. So war ich die letzten zwei, drei Jahre vertragslos. Da habe ich mir selbst Klamotten gekauft und CKK draufsticken lassen. Die Socken hat mir Martina Navratilova geschenkt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie hatten auch ohne die Grafs Probleme mit Sponsoren. Einmal hat ein Vertreter eines Sponsors sich bei Ihnen beschwert, Sie seien zu wenig locker auf dem Platz, deswegen stehe das Publikum so selten auf Ihrer Seite. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich wei&amp;szlig;, ich habe immer ein bisschen leidend gewirkt, weinerlich. Ich bin ja so gro&amp;szlig;, 1,86 Meter, und schlaksig, und wenn es nicht so lief, wie ich wollte, habe ich ein Gesicht gezogen. Ich war eben nicht die Shownudel. Ich konnte nicht lachen, wenn ich im dritten Satz im Tie-Break war. Sorry! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Als Steffi einstieg ins Profitennis, waren Sie die deutsche Nummer eins, wurden 1985 zur &amp;raquo;Deutschen Tennisspielerin des Jahres&amp;laquo; gew&amp;auml;hlt und auf Platz zwei bei der Wahl zur &amp;raquo;Sportlerin des Jahres&amp;laquo;. Dann kam Steffi Graf. Von da an standen Sie im Schatten von Steffi und Boris. Wie sehr nervt so etwas?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es ist hart, wenn die eigenen Erfolge untergehen, das geht einem schon auf den Wecker. Aber die beiden waren die Superstars, und ihre Leistung muss man neidlos anerkennen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Haben Sie Steffi nach der aktiven Zeit wiedergetroffen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Einmal. Wir haben beide Ende der Neunziger noch ein bisschen Tennis-Bundesliga gespielt, sie f&amp;uuml;r Ludwigshafen, ich f&amp;uuml;r Saarlouis. Als ich in Ludwigshafen ins Clubhaus kam, sa&amp;szlig; Steffi irgendwo am Tisch, und ich dachte, wir reden ein bisschen. Ich habe &amp;raquo;Hallo, Steffi!&amp;laquo; gesagt, und sie hat nur ihre Haare seitlich vors Gesicht geschoben und irgendwas gemurmelt. Da habe ich mir schon gedacht: Was soll das? Aber so ist die Steffi, Menschen sind nicht ihr Ding. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Gab es im Profitennis &amp;uuml;berhaupt so etwas wie Freundschaften?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;So richtig nicht. Mit manchen hat man sich besser verstanden, mit anderen schlechter. Aber jede war f&amp;uuml;r sich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hatten Sie au&amp;szlig;erhalb der Tenniswelt Freundinnen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auch nicht. Ich wurde ja mit 15 schon Profi und war dauernd unterwegs, Training, Turniere, zehn Wochen am St&amp;uuml;ck durch Amerika. F&amp;uuml;r Freundschaften war da kein Platz. Ich hatte nur meinen Stiefvater.&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Ich war f&amp;uuml;r die Familie die eierlegende Wollmilchsau.&amp;laquo;&quot;]&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Er war die einzige Bezugsperson?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jedenfalls die wichtigste. Vater. Betreuer. Organisator. Ich war fast zwanzig Jahre in einer psychischen Abh&amp;auml;ngigkeit zu ihm, das hat er gut hingebracht. Wie gesagt: Du bist sehr jung, wenn du in den Leistungssport gehst. So war er auch &amp;uuml;ber viele Jahre der einzige Mann in meinem Leben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Es gab keine anderen M&amp;auml;nner?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;M&amp;auml;nner hat er von mir ferngehalten. Wenn da irgendwas aufgeflammt w&amp;auml;re, h&amp;auml;tte ich nicht mehr in seinem Sinne funktioniert. Ich war f&amp;uuml;r die Familie ja die eierlegende Wollmilchsau. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Liebeleien st&amp;ouml;ren die Konzentration?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;So hat er es wohl gesehen. Ich war auch, das kann ich offen sagen, sehr, sehr sp&amp;auml;t mit dem ersten Sex. Nicht ungew&amp;ouml;hnlich f&amp;uuml;r Spitzensportler, die jung erfolgreich werden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hat Ihr Stiefvater Sie gedrillt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Klar. Ich war ihm generell nie fit genug. Und wenn ich verloren habe, bekam er Wutanf&amp;auml;lle. Ich erinnere mich an eine Autofahrt, w&amp;auml;hrend der er zwei Stunden ohne Unterbrechung auf mich eingebr&amp;uuml;llt hat. Aber wir hatten auch gute Zeiten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihr Stiefvater hat Sie damals sogar in der Presse niedergemacht, Sie eine k&amp;ouml;rperliche &amp;raquo;Ruine&amp;laquo; genannt und von &amp;raquo;nervlichen Schw&amp;auml;chen&amp;laquo; gesprochen. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, so war er. Die Nervensache hing mir immer an, aber das ist &amp;uuml;bertrieben. Eine Spielerin, die ihre Nerven nicht im Griff hat, wird nicht Weltranglistenvierte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber Sie haben nie rebelliert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sehr sp&amp;auml;t. Ich wei&amp;szlig; noch, dass ich in Filderstadt, nachdem ich im Turnier ausgeschieden war, von ihm wieder &amp;uuml;bel beschimpft wurde. Da habe ich mich in mein Zimmer eingeschlossen und die Minibar komplett ausgetrunken. Als er dann an die T&amp;uuml;r geklopft hat, hab ich ihm aufgemacht &amp;ndash; und bin sofort umgefallen. Ich muss drei Promille gehabt haben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hat er verstanden, warum Sie das getan haben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wahrscheinlich nicht. Vor allem hat er nicht kapiert, dass ich den Dauerdruck nicht ausgehalten habe, den er aufgebaut hat. Er war der absolute Anti-Psychologe. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Blieb die leer getrunkene Minibar die einzige Form des Protests?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, 1989 habe ich gegen seinen Willen mal drei Monate mit dem Tennis aufgeh&amp;ouml;rt. Da habe ich in San Antonio in Texas den Matchball absichtlich in die Pampa gehauen, damit ich nicht gewinne. Danach habe ich zu meinem Stiefvater gesagt: &amp;raquo;Ich mag nicht mehr, ich fahre jetzt nach Hause.&amp;laquo; Er w&amp;auml;re fast Amok gelaufen. Aber ich habe alles abgesagt f&amp;uuml;r diese drei Monate. Wahrscheinlich hatte ich eine Art Burn-out.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sp&amp;auml;ter haben Sie mal gesagt, Sie konnten &amp;raquo;die immer gleich bl&amp;ouml;den Gesichter dieses Tenniszirkus nicht mehr sehen&amp;laquo;.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja. Die Tenniswelt war oft sehr eint&amp;ouml;nig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie in Ihrer Auszeit, da waren Sie ja erst 25, ein St&amp;uuml;ck Jungsein nachgeholt? Ausgehen, tanzen, feiern?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wie denn? Ich hatte ja niemanden, mit dem ich das alles h&amp;auml;tte machen k&amp;ouml;nnen. Da waren ja keine Freunde oder so. Ich habe irgendwie halbherzig weitertrainiert und &amp;uuml;berlegt, wann ich wieder ins Profitennis einsteige. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;War das letztlich der Anfang Ihres Ausstiegs aus dem Tenniszirkus?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein bisschen, ja. Danach war das Feuer nicht mehr so da, dazu kamen Verletzungen. Ich hab noch ein bisschen Bundesliga gespielt und mich ohne gro&amp;szlig;en Abschied aus der Tenniswelt geschlichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mit Mitte drei&amp;szlig;ig haben Sie dann den Schlagers&amp;auml;nger Chris Bennett kennengelernt und wenig sp&amp;auml;ter geheiratet. Das war Ihre erste echte Beziehung?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja. Doch.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie hat Ihr Vater reagiert? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Er hat getobt. Er hatte seinen Besitzanspruch, und was die Finanzen anging, war ihm wohl klar: Wenn ich heirate, bricht sein System zusammen. Er hat alles versucht, um uns auseinanderzubringen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Chris Bennett wurde aber nicht nur Ihr Mann, sondern auch Vater Ihres Sohnes.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Richtig. Mein Stiefvater hat sich also nicht durchgesetzt. Dieses eine Mal.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Da waren Sie aber schon keine Tennisspielerin mehr. Sondern? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich hab ein paar Dinge ausprobiert, zum Beispiel eine Ausbildung als Diplom-Fachjournalistin gemacht. Vor allem habe ich mit meinem Mann Musik produziert, sogar Texte geschrieben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was f&amp;uuml;r Musik denn?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zum Beispiel den offiziellen Song f&amp;uuml;r das deutsche Olympia-Team 2004 in Athen. Da haben vierzig Sportler mitgesungen. Aber die Branche ist schwierig, wir hatten nicht den erhofften Erfolg. Ich habe mich 2009 aus dem Studio ausgeklinkt, im Jahr darauf haben wir uns scheiden lassen. Ich habe wieder bei null angefangen. Besser gesagt: unter null.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie hatten Schulden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, vom Musikverlag, aus der Ehe, dann kam noch eine Steuernachzahlung. Irgendwann war klar, dass ich da nicht mehr rauskomme. Aus dem Briefkasten quoll mir jeden Tag eine Flut von Mahnungen entgegen. Vor ein paar Monaten sa&amp;szlig; ich dann drei Stunden mit meiner Anw&amp;auml;ltin zusammen, und sie hat gesagt: &amp;raquo;Du meldest jetzt Insolvenz an. Das h&amp;auml;ttest du l&amp;auml;ngst tun sollen.&amp;laquo; Innerhalb einer Woche war das gekl&amp;auml;rt, und seitdem geht es mir unglaublich viel besser.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wovon leben Sie heute?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich bekomme Kindergeld und Unterhalt und arbeite seit einigen Monaten f&amp;uuml;r eine Immobilienfirma. Vermieten, verkaufen. In den ersten sechs Wochen hatte ich 120 Termine. F&amp;uuml;r die Miete reicht es, und ich hoffe, dass ich so wieder auf die Beine komme, langsam. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie heute noch Kontakt zu der Welt von fr&amp;uuml;her, zu Ihren Gegnerinnen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wieder, &amp;uuml;ber Facebook. Da ist die halbe Tenniswelt drin. Wir haben uns quasi alle wiedergefunden. Da sieht man, was die heute so machen, wer Kinder hat, wer wo lebt. Die Helena Sukova, meine alte Doppelpartnerin, schreibt immer auf Tschechisch, und ich schreibe dann immer drunter: &amp;raquo;H&amp;auml;?!&amp;laquo; Aber auch Martina Navratilova oder Pam Shriver sind da. Das ist schon sch&amp;ouml;n.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Schauen Sie sich manchmal alte Videos von sich an?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, doch, auf YouTube ist eine Menge. Da habe ich meinem Sohn letztens was gezeigt, und als ich mich da habe rumschlaksen sehen, dachte ich schon: Mensch, das war was!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Spielt Ihr Sohn auch Tennis?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Er hat mal. Jetzt will er Schlagzeuger werden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Spiel, Satz, Krieg</dc:subject>
    <dc:creator>Amélie-Marie Besirsky und Bastian Obermayer (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2011-12-19T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36759">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36759</link>
    <title>&quot;Das war wie Krieg&quot;</title>
    <description>&lt;p&gt;Ein Leben voller Tiefschl&amp;auml;ge, ein unerbittlicher Stiefvater, ein schwieriges Verh&amp;auml;ltnis zu Steffi Graf: Die Tennisspielerin Claudia Kohde-Kilsch blickt zur&amp;uuml;ck. &lt;em&gt;Ausz&amp;uuml;ge aus unserem gro&amp;szlig;en Interview.&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/12935/39534.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Claudia Kohde-Kilsch ist pleite. &amp;bdquo;Ich habe vor einigen Wochen Insolvenz angemeldet&amp;ldquo;, sagt die ehemalige Tennisspielerin und Weltranglistenvierte im neuen SZ-Magazin. Schuld daran sei ihr 2004 verstorbener Stiefvater und Manager J&amp;uuml;rgen Kilsch, der von den Millionen, die sie im Lauf ihrer Karriere verdiente, &amp;bdquo;fast nichts &amp;uuml;brig gelassen hat.&amp;ldquo; Ausf&amp;uuml;hrlich erz&amp;auml;hlt Kohde-Kilsch vom schwierigen Verh&amp;auml;ltnis zum Stiefvater, das nach Jahren voller Drill und Br&amp;uuml;llattacken in mehreren Prozessen endete: &amp;bdquo;Damals war das wie Krieg. Aber ich wollte da durch. Gerade weil ich wusste: Mein Stiefvater will mich fertigmachen.&amp;ldquo;  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Au&amp;szlig;erdem erz&amp;auml;hlt Kohde-Kilsch von ihrer Rivalit&amp;auml;t mit Steffi Graf, die sie kennenlernte, als sie zw&amp;ouml;lf war. &amp;bdquo;Nur anfangs hatten wir lustige Zeiten. Aber das gute Verh&amp;auml;ltnis wurde schnell von ihrem Vater kaputt gemacht.&amp;ldquo; Kilsch berichtet, wie Peter Graf bei Adidas gegen sie intrigierte und erw&amp;auml;hnt au&amp;szlig;erdem seltsame Vorkommnisse beim olympischen Tennisturnier in Seoul 1988, wo sie mit Steffi Graf im Doppel nicht das erwartete Gold holte, sondern nur Bronze. Hat Graf dort absichtlich nur mit halber Kraft gespielt? &amp;bdquo;Es w&amp;auml;re nicht untypisch f&amp;uuml;r eine Familie, die niemandem etwas g&amp;ouml;nnt.&amp;ldquo;  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit Tennis hat Kohde-Kilsch heute nichts mehr zu tun; inzwischen arbeitet sie f&amp;uuml;r eine Immobilienfirma. &amp;bdquo;F&amp;uuml;r die Miete reicht es, und ich hoffe, dass ich so wieder auf die Beine komme, langsam.&amp;ldquo;   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das komplette Interview mit Claudia Kohde-Kilsch finden Sie morgen im neuen SZ-Magazin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</description>
    <dc:subject>&quot;Das war wie Krieg&quot;</dc:subject>
    <dc:creator></dc:creator>
    <dc:date>2011-12-15T15:23:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36591">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36591</link>
    <title>»Uns haben die Frauen noch angehimmelt«</title>
    <description>&lt;p&gt;Man nannte ihn den Charles Bronson der Berge: Seit 50 Jahren bringt Willi Mathies Menschen das Skifahren bei. Was hat sich in dieser Zeit auf der Piste ver&amp;auml;ndert? Ein Expertengespr&amp;auml;ch zum Saisonbeginn.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/38685.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/strong&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;Willi Mathies war zwanzig Jahre lang Skischulleiter, trug bis vor drei Jahren den markanten schwarzen Schnauzbart und ist bis heute als Skilehrer t&amp;auml;tig. Sein Vater, seine beiden Br&amp;uuml;der, seine Schwester und sein Sohn waren beziehungsweise sind: Skilehrer.&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ-Magazin: Herr Mathies, Sie sind seit f&amp;uuml;nfzig Jahren Skilehrer. Sind Sie immer noch aktiv?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Willi Mathies:&lt;/strong&gt; Skilehrer ist man mit Leib und Seele. Da h&amp;ouml;rt man nicht einfach auf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie springen auch noch Saltos?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ab und an, f&amp;uuml;r den Enkel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aus Sicht des Skilehrers: Hat sich die Stimmung beim Wintersport ver&amp;auml;ndert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fr&amp;uuml;her war der Skilehrer ein Animateur. Aber der Gast will keinen Lehrer mehr, der sch&amp;ouml;ne Augen macht und witzig ist. Er m&amp;ouml;chte unterrichtet werden. Es spricht sich schnell herum, wenn ein Lehrer zu lasch ist. Der Beruf ist beinhart geworden. Alle schw&amp;auml;rmen vom Gipfel, von der Gaudi redet keiner mehr. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber mittags auf der H&amp;uuml;tte sitzt man noch sch&amp;ouml;n beisammen.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Als ich jung war, hat man sich, wenn das Wetter nicht so &amp;uuml;berragend war, mal zusammen in die Mittelstation gesetzt und ein Glas Wein getrunken. Ich habe die Ziehharmonika gespielt, da hat man ein bisschen Holladriho gesungen, das war ein Fest. Wenn ich heute die Ziehharmonika auspacke, kann es passieren, dass einer von den jungen Leuten mir zehn Euro gibt und sagt: Du, sei so gut, h&amp;ouml;r auf! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie gemein! &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Damit muss man leben. Der Ton ist anders geworden. Die Leute, die an den Arlberg kommen, sind in erster Linie Sportler. Sie sparen das ganze Jahr auf diesen Urlaub. Im Gasthaus hocken k&amp;ouml;nnen sie auch daheim. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wollen sie bei Wind und Wetter auf den Berg?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Absolut. Da kann es regnen. Wie sagt man: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur ein schlechtes Gewand. Was ist denn die sch&amp;ouml;nste Zeit im Winter? An Weihnachten kommen haupts&amp;auml;chlich Familien, die sind jedes Jahr in denselben H&amp;auml;usern und feiern mit den Wirtsleuten. Das ist gem&amp;uuml;tlich. Sonst kommen die Leute heutzutage oft nur f&amp;uuml;r drei, vier Tage. Fr&amp;uuml;her sind sie mindestens eine Woche geblieben, manche bis zu drei Wochen, haben beim Wegfahren gesagt: Du, n&amp;auml;chstes Jahr um die gleiche Zeit bin ich wieder da.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben die Leute keine Zeit mehr, oder ist das Skifahren so teuer geworden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auch wenn die Unterkunft bei uns in Stuben gegen&amp;uuml;ber den anderen Orten &amp;ndash; Lech, Z&amp;uuml;rs, St. Anton &amp;ndash; billiger ist, der Skipass ist teuer. Er gilt f&amp;uuml;r den ganzen Arlberg, aber hier kann man wenigstens Ski fahren. Letztes Jahr war ich in Ischgl, wollte eine Woche bleiben, am zweiten Tag bin ich heimgefahren. Auf keiner H&amp;uuml;tte hast du Platz bekommen, bei jedem Schwung hast du dich umschauen m&amp;uuml;ssen, dass dir keiner in den Hintern f&amp;auml;hrt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was ist anders am Arlberg? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wir haben viele schwarze Pisten, das Gebiet ist extremer, da traut sich nicht jeder einfach so reinzufahren. Man nimmt einen Skilehrer, und wenn der ein Fuchs ist und ein bisschen ein Feeling hat, findet er immer super Abfahrten. Der schaut sich die H&amp;auml;nge von unten an, wo ist da noch Platz? Wir fahren Spur in Spur, der Skilehrer voraus, also hat man nach zehn Leuten vielleicht einen Streifen von f&amp;uuml;nfzehn Metern zusammengefahren. So n&amp;uuml;tzen wir das Gel&amp;auml;nde aus. Wenn jeder einfach kreuz und quer reinf&amp;auml;hrt, geht alles kaputt. Das ist das Problem mit den Freeridern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Die l&amp;auml;stigen Snowboarder? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, die Skifahrer mit den breiten Ski. Snowboarder sind bei uns weniger geworden. Wir haben in der Skischule auch Heliskiing und Freeriding ins Programm genommen, die Leute wollen extreme Dinge erleben, die kommen daher wie die Nordpolforscher, Mordsrucksack, Helm, und dann muss es runtergehen, am liebsten im Gel&amp;auml;nde. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was ist das gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere Erlebnis: Pulverschnee oder Firn?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich bin jahrelang mit der 1a gefahren, das ist die Renngruppe. Die sind am Anfang total scharf auf Tiefschnee, aber zum Fr&amp;uuml;hjahr hin sehnen sie sich nach Firn. Da musst du genau wissen: Wann kommt die Sonne in den Hang rein? Aber wenn du f&amp;uuml;nfzig Jahre Skilehrer bist, hast du das im kleinen Finger. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Der Hang soll leicht angetaut sein?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja. &amp;Uuml;ber Nacht muss es gefroren haben, dann muss die Oberfl&amp;auml;che weich werden, aber wenn du zu sp&amp;auml;t kommst, auch nur eine Viertelstunde, brichst du ein. Weil die Schicht, die durchgefroren ist, ziemlich d&amp;uuml;nn ist. Wenn einer mit ein paar Kilo mehr dabei ist, hast du das Theater beieinander. Aber momentan ist das Tiefschneefahren der Kick. Das wird ja eine Sucht.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was ist der Kick daran?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es macht einfach Spa&amp;szlig;. Es geht weniger auf die Gelenke als Piste, es ist vom Rhythmus her sch&amp;ouml;n, und wenn du Tiefschnee fahren kannst, kannst du alles. Man sucht sich H&amp;auml;nge, die relativ steil sind, und da muss man einfach runter. In der Falllinie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hei&amp;szlig;t, man kann nicht quer in den Hang reinfahren?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Genau. Weil man dann nie mehr herumkommt, die Kurve nicht kriegt. Und f&amp;uuml;r viele ist es eine &amp;Uuml;berwindung, so steil herunterzufahren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;Uuml;ber welche Skisch&amp;uuml;ler freut man sich am meisten als Skilehrer? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;So eine Renngruppe macht Spa&amp;szlig;, da sind viele schon vierzig Jahre dabei.&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&amp;raquo;Zu meiner Zeit war der Skilehrer der King.&amp;laquo;]&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/38686.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;br /&gt;Willi Mathies steht in der Mitte der oberen Reihe (mit Schanuzbart).&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es welche, die man f&amp;uuml;rchtet?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es gibt schon Sch&amp;uuml;ler, die sind sehr anspruchsvoll. Die schreiben dir vor, wo sie fahren wollen. Ich sag dann: Freund, wo wir Mittag essen, kannst du mir sagen, aber wo wir Ski fahren, das bestimme ich. Und dann gibts die, die st&amp;auml;ndig fragen: Wie war ich? Du sagst: super. Das n&amp;auml;chste Mal sagst du: Das war nicht so gut. Dann kommt: Eben hast du gesagt, es war super, ich bin genau gleich gefahren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sind Frauen oder M&amp;auml;nner leichter zu unterrichten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;M&amp;auml;nner nehmen es oft ernst, tierisch ernst, Frauen sind da unverkrampfter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber alle m&amp;ouml;chten sie das Abschlussrennen gewinnen. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nur die Kinder fahren Rennen, bei Erwachsenen geht es um den Stil. Die Kinder kriegen bei uns alle einen Pokal. Ich hab immer gesagt: Kinder, wenn ihr heimkommt, stellt ihr den Pokal auf den Fernseher. Und wenn der Vater euch fragt: Wohin gehen wir in den Skiurlaub?, zeigt ihr auf den Pokal: Na, dahin, wo wir den gekriegt haben. Mein Sohn, der die Skischule jetzt leitet, ist verzweifelt: Die Leute haben alle Flachbildschirme.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist die Konkurrenz gro&amp;szlig; zwischen den Sch&amp;uuml;lern einer Gruppe? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es gibt immer die, die vorn fahren wollen. Bei mir kriegt jeder eine Nummer &amp;ndash; eins, zwei, drei, vier &amp;ndash;, dann f&amp;auml;hrt erst der Einser hinter mir, und wenn ich stehen bleibe, der Zweier und so weiter. So vermeide ich, dass immer dieselben hinter mir sind. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist es eigentlich ein Automatismus, dass Skilehrer mit den Frauen flirten? Oder flirten die Frauen mit dem Skilehrer?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das ist gar nicht mehr so. Zu meiner Zeit war der Skilehrer der King, das muss ich schon sagen. Gott sei Dank, wir haben die sch&amp;ouml;nen Zeiten gehabt: Uns haben die Frauen noch angehimmelt. Aber das gibt es immer seltener, dass ein Skilehrer mit einem Gast herumflirtet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Der Skilehrer gilt doch immer noch als der Verf&amp;uuml;hrer auf dem Berg. Weil er auch so elegant Ski fahren kann.&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Es sind selten einzelne Damen bei uns, eher Verliebte, haupts&amp;auml;chlich Ehepaare und Familien. Damals, als noch die Stewardessen zum Arlberg kamen, haben wir Skilehrer uns immer gestritten, wer die Anf&amp;auml;nger nehmen darf, weil in dem Kurs die meisten von ihnen waren. Heute w&amp;uuml;nschen sich nur noch die Teenager-M&amp;auml;dchen einen jungen Burschen als Skilehrer zum Anhimmeln. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da funktioniert das System also noch. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auch die Skilehrer haben sich ver&amp;auml;ndert. Die meisten interessiert das nicht mehr, die haben eine Freundin und wollen keine Herzen mehr brechen. Ich war ja damals in vielen Zeitungen: Der Herzensbrecher vom Arlberg. F&amp;uuml;r eine Zeitung sollten einmal ein paar von uns mit den Ski ins Schwimmbad hupfen, an der Bar mit einem M&amp;auml;dchen sitzen. Dann kam der Artikel: Moral unter null. Wir sind alle mit Namen genannt worden. Da habe ich beschlossen: Nie mehr werde ich f&amp;uuml;r so was &lt;br /&gt; da sein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Waren Sie da schon verheiratet?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe mit 24 Jahren geheiratet, vorgestern waren es 46 Jahre.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Duzt oder siezt man die G&amp;auml;ste?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fr&amp;uuml;her ist man mit jedem per Du gewesen. Jetzt sagt man &amp;ouml;fter Sie. Ich stell mich nat&amp;uuml;rlich vor: Ich bin der Willi. Wenn dann einer sagt: Ich bin der Dr. Herrmann, ist die Sache klar &amp;ndash; dann musst du &amp;raquo;Doktor&amp;laquo; sagen. Aber das klingt jetzt so traurig. Es ist immer noch ein sch&amp;ouml;ner Beruf, ein irrsinnig sch&amp;ouml;ner Beruf. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie teuer ist ein Tag mit einem Privatskilehrer?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;220 Euro. Ich habe immer meine Kamera dabei und fotografiere die Leute, dann nehmen sie etwas mit.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gehen Paare eher zusammen in den Skikurs oder in den Privatunterricht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Im Skikurs werden alle eingeteilt. Sie m&amp;uuml;ssen einen kleinen Hang runterfahren, unten steht der Chef und sagt: Gruppe 3a. Wenn der Unterschied bei einem Paar sehr gering ist, dr&amp;uuml;cken wir ein Auge zu. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist es f&amp;uuml;r den Skilehrer lustiger mit einer Gruppe oder mit Privatg&amp;auml;sten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn eine Gruppe zusammenpasst, ist das sch&amp;ouml;ner. Abwechslungsreicher. Wenn jemand f&amp;uuml;r einen Tag kommt, ist das unheimlich anstrengend. An dem Tag will er alles lernen. Oder einer, der zwanzig Jahre allein gefahren ist und die Fehler rauskriegen will, die er sich angeeignet hat. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber man lernt mehr privat, oder?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ist ja klar. Den Einzelnen kann man viel mehr hernehmen. Man kann an einem Tag privat so viel lernen wie an drei Tagen in der Gruppe. Bei einem Anf&amp;auml;nger traue ich mich zu wetten, dass ich den an einem Tag so weit bringe, dass er bald parallel f&amp;auml;hrt. Mit dem heutigen Skimaterial ist das viel leichter, fr&amp;uuml;her ist man wochenlang Pflugbogen gefahren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das Carven ist so viel leichter?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das hat nichts mit Carven zu tun, auch wenn man auf Carving-Ski steht. Wir fahren in einer sogenannten Mittellage: die Ski eine Handbreit auseinander, die Knie so weit vorn, dass Knie, Bindung und Oberk&amp;ouml;rper eine Linie bilden. Fr&amp;uuml;her hat man den Oberk&amp;ouml;rper zum Hang gedreht, ist bei jedem Schwung auf dem Innenski gestanden, jetzt stehst du auf beiden Ski mit dem Oberk&amp;ouml;rper Richtung Skispitzen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Tut einem nicht das Herz weh? Das, was fr&amp;uuml;her als unelegant galt, muss man jetzt lernen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nat&amp;uuml;rlich. Fr&amp;uuml;her hie&amp;szlig; es immer: Ski zusammen. Wenn einer breit gefahren ist, hat man alles darangesetzt, dass er schmaler fuhr. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist die heutige Technik ein Fortschritt oder eine Mode?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ist schon ein Fortschritt. Es ist nicht nur zum Anfangen einfacher, auch im Gel&amp;auml;nde. Wie lang habe ich mich gestr&amp;auml;ubt gegen die kurzen Ski! Ich hatte zwei Meter zwanzig lange Ski, mit denen bin ich Saltos gesprungen, das fand man cool. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie haben Sie sich dann doch entschlossen umzusteigen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wir Skilehrer m&amp;uuml;ssen alle vier Jahre einen Wiederholungskurs absolvieren. Es hat gehei&amp;szlig;en: kurze Ski mitbringen. Ich habe die langen mitgebracht. Da hat der Chef gesagt: Mathies, du kannst gehen. Ich habe gesagt: Du kannst mir doch gestohlen bleiben mit deinen kurzen Ski. Dann habe ich es doch probiert. Und gesehen, was das f&amp;uuml;r ein Unterschied ist. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie lang sind Ihre Ski jetzt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Einen Meter achtzig. Wenn man das Carven raushat &amp;ndash; was Sch&amp;ouml;neres gibt&amp;rsquo;s nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und was ist das Carven nun?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Man f&amp;auml;hrt auf den Kanten, dreht mit den Knien. Im Schnee sieht man nur zwei feine Linien, wie Stra&amp;szlig;enbahnschienen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Es gibt also kein Zur&amp;uuml;ck auf die zwei Meter zwanzig?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Obwohl die Ski im Rennlauf wieder etwas l&amp;auml;nger werden sollen und weniger tailliert, weil es so viele Kreuzbandrisse gegeben hat. Das hat mir gerade Mathias Berthold, der Trainer der Nationalmannschaft, erz&amp;auml;hlt. Wenn du einen starken Carver hast und der rei&amp;szlig;t aus &amp;ndash; den bringst du nicht mehr her. Dann macht&amp;rsquo;s klack, das Kreuzband, das geht ruck, zuck. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist der moderne Ski sensibler? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Ski ist so tailliert, dass er leichter dreht, aber er nimmt auch kleine Fehler &amp;uuml;bel. Wenn man ein gewisses Tempo hat, wird es gef&amp;auml;hrlich &amp;ndash; der l&amp;auml;uft weiter wie auf einer Schiene. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;So passieren auch mehr Unf&amp;auml;lle auf den normalen Pisten. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Leute haben mit den taillierten Ski schneller den Eindruck, sie k&amp;ouml;nnten gut fahren. Die Pisten sind glatt, die Brettl laufen, aber sie werden zu schnell. Und wenn ein Hindernis in den Weg kommt, ist es aus. &lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Zu mir haben sie immer Bronson gesagt. Der Charles Bronson der Berge.&amp;laquo;&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/38684.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;br /&gt;1935 waren die Ski noch aus Holz und die Pullis aus Wolle. Den Stockeinsatz allerdings durfte man damals schon nicht untersch&amp;auml;tzen.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Kann man mit den Carvern Buckelpisten fahren?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tadellos. Man kann Kurzschw&amp;uuml;nge machen, alles.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Herr Mathies, auf allen Bildern haben Sie einen schwarzen Schnauzbart &amp;ndash; ein Markenzeichen. Nun ist er weg. Warum?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Zu mir haben sie immer Bronson gesagt. Der Charles Bronson der Berge. Aber vor drei Jahren hatte ich eine Verletzung, da musste er ab. Urspr&amp;uuml;nglich hatte ich ihn auch wegen eines Skiunfalls wachsen lassen &amp;ndash; er hat die Narben verdeckt.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie viele Skiunf&amp;auml;lle hatten Sie in all den Jahren?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das linke Bein habe ich mir siebenmal demoliert. Knie, Kn&amp;ouml;chel, Kreuzband, Innenbandriss, offener Unterschenkelbruch. Jetzt ist es wieder kaputt, das achte Mal, ein Motorradunfall diesmal, mein liebstes Hobby, aber das gebe ich jetzt wohl auf. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kann man sagen, dass die meisten Skilehrer lieber Profisportler geworden w&amp;auml;ren?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es gibt nicht so viele, die im Rennlauf t&amp;auml;tig sind. Ich bin damals mit Karl Schranz, Egon Zimmermann, Gerhard Nenning, Heini Messner Rennen gefahren. Die Leute sagen, dass ich einer der besten Skifahrer am Arlberg war. Aber der Vater hat gesagt, wir haben das Geld nicht zum Rennsport. Und die sieben Haxnbr&amp;uuml;che &amp;ndash; da war die Karriere aus. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bedauern Sie das?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, das reut mich schon. Ich war &amp;ouml;sterreichischer Meister, Landesmeister, dreimal Ski-Club-Arlberg-Meister, ich habe mit sechzig Jahren noch den Tagessieg im Ski-Club-Arlberg-Rennen eingefahren. Der Schranz hat gesagt: Das hat es noch nie gegeben, und das wird es nicht mehr geben, dass ein Sechzigj&amp;auml;hriger Ski-Club-Arlberg-Meister wird. Da war ich schon stolz drauf, da sind ein Haufen Europacup-L&amp;auml;ufer dabei. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;F&amp;auml;ngt die Skisaison am Arlberg jetzt, Ende November, an? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich ja, mit den Wedelwochen. Die letzten Jahre war es aber problematisch, weil der Schnee gefehlt hat. Wenn ich bedenke, was wir fr&amp;uuml;her f&amp;uuml;r Winter gehabt haben. 1984, am 9. Februar, habe ich die Lawine im Haus gehabt, in der Nacht um halb elf, sie ist aufs Dorf geschossen und mir direkt aufs Dach gesprungen.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist etwas passiert?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Gott sei Dank nicht. Der Schnee ist &amp;uuml;berall rein, in die Bar unten im Haus, hat die Fensterst&amp;ouml;cke rausgerissen, von den Betten, den Kindern und meiner Frau war nichts zu sehen. Man hat so Angst, sie ersticken. Die G&amp;auml;ste aus dem Lokal haben geholfen, sie auszugraben, da sind ja &amp;uuml;berall Scherben im Schnee.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;H&amp;ouml;rt man etwas von so einer Lawine, wenn sie sich n&amp;auml;hert?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Man h&amp;ouml;rt nichts. Das macht nur pl&amp;ouml;tzlich: whuu. Das hat so eine St&amp;auml;rke, das geht in Sekunden. Jetzt haben wir einen Lawinendamm gebaut, da kann nichts mehr passieren. Au&amp;szlig;erdem schneit es ja nicht mehr so viel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In den letzten Wintern hat es oft sp&amp;auml;t noch sehr geschneit. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stimmt. Wenn man ihn nicht mehr braucht, kommt jetzt oft der Schnee. Und das ist gef&amp;auml;hrlich, denn die H&amp;auml;nge sind schon von der Sonne aufgefirnt, also hart gefroren, und wenn darauf neuer, trockener Schnee f&amp;auml;llt, verbindet der sich nicht mit dem alten. So brechen die H&amp;auml;nge auf. Besser ist es, wenn Regen langsam in Schnee &amp;uuml;bergeht.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Haben Sie auch als Skilehrer Situationen erlebt, in denen es um Leben und Tod ging?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe vier Leute aus Lawinen gerettet. Einmal bin ich vom Lift runtergehupft, acht Meter in die Tiefe, weil ich gesehen habe, wie eine Lawine abgegangen ist, drei Leute erwischt hat, von denen sie zwei wieder rausgeschmissen hat. Der Dritte hat mir gefehlt, ein Bein hatte kurz rausgeschaut. Ich habe ihn mit den H&amp;auml;nden ausgegraben. Den Letzten habe ich 1993 beim Sondieren gefunden, das war der Paul Schwarzacher, der hat jetzt schon mehrmals das Skirennen &amp;raquo;Der wei&amp;szlig;e Rausch&amp;laquo; gewonnen. Er ist damals durch einen Hang gefahren, der Hang ist gebrochen, drunter war eine Dame auf der Piste, die haben wir nicht retten k&amp;ouml;nnen. Sein Vater hat mir jedes Jahr an dem Tag ein Geschenk gemacht, es war sein einziger Sohn.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hatten Sie oft verletzte Skisch&amp;uuml;ler in Ihrer Gruppe?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nat&amp;uuml;rlich. Jetzt ist das ja kein Problem mehr, man hat ein Telefon, ruft den Hubschrauber an. Fr&amp;uuml;her hast du die Leute auf der Schulter heruntergenommen. Bis da die Rettung gekommen w&amp;auml;re, w&amp;auml;re einer erfroren.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Und wenn einer schwer war?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Dann haben wir das auch gemacht. Ich kann mich erinnern, einer hat mir bald das Kreuz abgedr&amp;uuml;ckt. Aber ich hab ihn runtergebracht bis in die Talstation. Wir m&amp;uuml;ssen auch imstande sein, uns im Gel&amp;auml;nde einen Ackia zu bauen, mit dem wir Verletzte transportieren k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie macht man das?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wir haben immer Schn&amp;uuml;re dabei, dann binden wir die Ski und die St&amp;ouml;cke des Verletzten zusammen zum Ackia, das ist in null Komma nix gemacht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hatten Sie prominente Sch&amp;uuml;ler? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich bin mit dem Roman Polanski gefahren, ein Superskifahrer. Er hat im &amp;raquo;Z&amp;uuml;rserhof&amp;laquo; oben gewohnt, die haben mich oft angerufen, wenn Wedelwochen waren, und mich f&amp;uuml;r ihre G&amp;auml;ste gebucht: die Gaby Grundig, Leute von Siemens, &amp;ouml;sterreichische Politiker.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es unter den Skilehrern gro&amp;szlig;e Niveauunterschiede?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schon. Wenn man mit einem alles fahren will, muss er staatlich gepr&amp;uuml;fter Skilehrer, Skif&amp;uuml;hrer und Bergf&amp;uuml;hrer sein. Wer nur staatlich gepr&amp;uuml;fter Skilehrer ist, darf nicht ins Gel&amp;auml;nde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sind Helme sinnvoll?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Absolut. Ich fahre mit Helm. Wenn ich letztes Jahr beim Skirennen nicht einen Helm aufgehabt h&amp;auml;tte, w&amp;auml;re ich nun tot. Bin mit dem Hinterkopf in eine Stange rein, die war eingeeist, mein Sch&amp;auml;del w&amp;auml;re zertr&amp;uuml;mmert worden. Fr&amp;uuml;her war ich ein Gegner, muss ich sagen, aber das hat sich ge&amp;auml;ndert.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Auch wenn man nur die H&amp;auml;lfte dessen h&amp;ouml;rt, was um einen geschieht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Man h&amp;ouml;rt alles, die Helme sind super. Nur wenn man Kopfh&amp;ouml;rer aufhat und Musik h&amp;ouml;rt, wird es kompliziert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es etwas, wovor man in den Bergen wirklich Angst haben sollte?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn Gefahrenstufe drei, vier ist und der Gast Tiefschnee fahren will und du musst raus &amp;ndash; da hat man immer ein zweideutiges Gef&amp;uuml;hl. Ich bin auch ein paarmal in der Lawine gewesen. Ein bisschen Angst im Gel&amp;auml;nde tut immer gut.&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Uns haben die Frauen noch angehimmelt«</dc:subject>
    <dc:creator>Gabriela Herpell (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2011-11-18T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36390">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36390</link>
    <title>Rock am Ring</title>
    <description>&lt;p&gt;Die Catcherinnen von Bolivien begeistern das Volk in den Armenvierteln. Aber bei ihren K&amp;auml;mpfen geht es nicht nur um die Show, sondern auch um ihre Freiheit als moderne Frauen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;Das B&amp;ouml;se hat Vortritt, das geh&amp;ouml;rt sich so. Sie sitzen im Schatten der Umkleide, sie haben sich gedehnt, dann wird es Zeit. Drau&amp;szlig;en, im Licht der Scheinwerfer, liegt leer der Ring. Der Vorhang teilt sich, und hinaus tritt, wer an diesem Abend das B&amp;ouml;se gibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie sind wie immer zu zweit: eine &lt;em&gt;ruda&lt;/em&gt; (&amp;raquo;die R&amp;uuml;de&amp;laquo;), eine &lt;em&gt;t&amp;eacute;cnica&lt;/em&gt; (&amp;raquo;die Expertin&amp;laquo;). Der Stil einer &lt;em&gt;ruda&lt;/em&gt; schreibt vor, die Furie in sich freizulassen: Sie spuckt auf Sch&amp;ouml;nheiten im Publikum, verh&amp;ouml;hnt M&amp;auml;nner als impotent und Frauen als Flittchen. Eine K&amp;auml;mpferin dieses Stils kennt keinen Respekt, Regeln gibt es f&amp;uuml;r sie nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sobald sie im Ring steht, regnet es Abfall von den R&amp;auml;ngen, ein Aufruhr, den die besten B&amp;ouml;sen durch gezielte Beleidigungen anfachen, bis die Halle vor Wut brennt. Dann tritt die &lt;em&gt;t&amp;eacute;cnica&lt;/em&gt; in den Ring &amp;ndash; eine ritterliche Figur, die den Rock z&amp;uuml;chtig rafft, bevor sie ihrer Gegnerin voller Grazie entgegenschreitet. Ihr Ringen muss stets regelgerecht sein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sie tragen Kampfnamen wie Yolanda, die Liebevolle, oder Ana, die R&amp;auml;cherin, und sie sind eine Sensation in den Armenvierteln von El Alto, Bolivien: Sie sind Frauen, und sie k&amp;auml;mpfen als Catcherinnen &amp;ndash; und sie alle sind &amp;raquo;Cholas&amp;laquo;. Das Wort bezeichnete in Bolivien einst eine Mestizin, eine Frau, die indianische wie auch europ&amp;auml;ische Wurzeln hat. &amp;Uuml;ber die Zeiten verschob sich der Sinn: &amp;raquo;Chola&amp;laquo; wurde zum Schimpfwort f&amp;uuml;r die Frauen aus den Anden, die eine Tracht aus Rock und Bowler trugen und als Inbegriff der R&amp;uuml;ckst&amp;auml;ndigkeit galten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Erst als Evo Morales 2006 erster indigener Pr&amp;auml;sident Boliviens wurde, wandelte sich das Wort zum Kampfbegriff: Frauen aus den Anden nannten sich nun selbst voll Stolz Cholas. Sinnbild dieses Wandels wurde eine Gruppe, die Sonntag f&amp;uuml;r Sonntag in den Armenvierteln oberhalb von La Paz auftrat &amp;ndash; die Catcherinnen von El Alto.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sie traten ein schweres Erbe an. Lucha Libre, die lateinamerikanische Art des Wrestlings, war ein Spiegelbild des Machismo dieser L&amp;auml;nder, die K&amp;auml;mpfer Legenden. Sie waren immer M&amp;auml;nner. Frauen? Eher lie&amp;szlig;en sie Riesen und Zwerge ringen. Erst als sich deren Reiz abnutzte, dachten sich die &amp;raquo;Titanes del Ring&amp;laquo;, Boliviens ber&amp;uuml;hmteste Wrestling-Truppe, etwas Neues aus, jagten am Ende der K&amp;auml;mpfe zwei Frauen durch den Ring, die sie mit zehn Dollar Gage abspeisten. Sie lockten mit der Aussicht, man k&amp;ouml;nne den Cholas unter die R&amp;ouml;cke blicken. &amp;raquo;Die alten K&amp;auml;mpfer glaubten nicht, dass eine Frau k&amp;auml;mpfen wollte oder &amp;uuml;berhaupt konnte&amp;laquo;, erinnert sich die Catcherin Veraluz Cort&amp;eacute;z. &amp;raquo;Also habe ich es ihnen bewiesen.&amp;laquo; Cort&amp;eacute;z k&amp;auml;mpft als Yolanda, die Liebevolle, andere Frauen nennen sich die edle Carmen Rosa oder eben Ana, die R&amp;auml;cherin, eine &lt;em&gt;ruda&lt;/em&gt;, die in aufreizenden Fetzen zum Ring stolziert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bald bemerkten die Titanes, dass Frauen besser ankamen als sie selbst. Die K&amp;auml;mpferinnen dienen als Projektionsfl&amp;auml;chen, sie verk&amp;ouml;rpern die Tr&amp;auml;ume, die jeder Mensch kennt: Einmal sch&amp;ouml;ner, st&amp;auml;rker, selbstsicherer sein als alle anderen &amp;ndash; und wenn trotzdem jemand bl&amp;ouml;d kommt, dann antwortet man mit einer gesprungenen Beinschere vom obersten Ringseil. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es ist eine Sensation. El Alto ist eine harte Stadt, die Menschen sind arm, Raub und Diebstahl h&amp;auml;ufig, an der Spitze der Polizei-Statistiken stehen Delikte, die mit Alkohol zu tun haben, und Gewalt in der Familie. T&amp;auml;ter unter Alkoholeinfluss sind vor allem M&amp;auml;nner. Opfer der Familiengewalt sind vor allem Frauen. Schnell z&amp;auml;hlte Ana, die R&amp;auml;cherin, zu den Zugpferden im Team der Titanes. Besonders gut gingen gemischte Doppel: Teamk&amp;auml;mpfe, in denen zwei Catcherinnen gegen Typen wie Krakenmann oder Schwarzbart antraten &amp;ndash; stolzgebl&amp;auml;hte Gecken, denen die Cholas unter dem Jubel der Frauen im Publikum das Grinsen aus der Fresse schlugen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Immer wenn ich zum Ring gehe, sage ich mir: Ich werde zeigen, dass wir Frauen uns nicht mehr dem&amp;uuml;tigen lassen&amp;laquo;, sagt Polonia Ana Choque, die als Carmen Rosa k&amp;auml;mpft. &amp;raquo;Ohne uns sind die M&amp;auml;nner nichts.&amp;laquo; Das merkten auch die Titanes, die inzwischen Schwierigkeiten haben, Catcherinnen zu finden. Es gab Streit &amp;ndash; um Geld, um Auftritte, aber vor allem um Respekt. Daraufhin gr&amp;uuml;ndeten die Catcherinnen eine eigene Gruppe, nur Cholas. Sie nennen sich &amp;raquo;Diosas del Ring&amp;laquo; &amp;ndash; G&amp;ouml;ttinnen des Rings.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Rock am Ring</dc:subject>
    <dc:creator>Roland Schulz</dc:creator>
    <dc:date>2011-10-17T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36239">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/36239</link>
    <title>Lothar, c'est moi</title>
    <description>&lt;p&gt;Fr&amp;uuml;her Weltfu&amp;szlig;baller, heute - ja, was eigentlich? Lothar      Matth&amp;auml;us will keine Klatschfigur sein, sondern ernst genommen      werden, als Trainer, als Mensch. Er tut, was er kann. Wir haben ihn      ein halbes Jahr lang dabei begleitet.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;Wieder einmal l&amp;auml;uft alles gegen Lothar Matth&amp;auml;us. W&amp;auml;hrend er im fast menschenleeren Baseler Stadion seine bulgarische Nationalmannschaft Konter &amp;uuml;ben l&amp;auml;sst, das schnelle Umschalten von Verteidigung auf Angriff, wird im bulgarischen Verband gegen ihn intrigiert, von Funktion&amp;auml;ren, Spielern, Journalisten. Matth&amp;auml;us wei&amp;szlig; das, aber was soll er tun? Drei Tage zuvor, am 2. September, hat Bulgarien 0:3 gegen England verloren, damit ist seine Mission, die Qualifikation zur Europameisterschaft 2012, gescheitert. Am n&amp;auml;chsten Tag spielt Bulgarien hier in Basel gegen die Schweiz, eigentlich geht es um nichts mehr. Au&amp;szlig;er um seinen Job. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Auf der Trib&amp;uuml;ne sitzt sein Manager Wim Vogel und hat kein gutes Gef&amp;uuml;hl. Vielleicht wird er sich bald wieder auf die Suche machen m&amp;uuml;ssen nach einem neuen Arbeitsplatz f&amp;uuml;r den Fu&amp;szlig;balltrainer Lothar Matth&amp;auml;us, der in Deutschland schon l&amp;auml;nger unter &amp;raquo;nicht vermittelbar&amp;laquo; gef&amp;uuml;hrt wird. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Was ist euer verdammtes Problem?&amp;laquo;, fragt ein halbes Jahr zuvor, Mitte M&amp;auml;rz, ein italienischer Sportjournalist auf einem Fu&amp;szlig;ballplatz in Pravets, einem bulgarischen Bergdorf f&amp;uuml;nfzig Kilometer nord&amp;ouml;stlich von Sofia. Der Journalist, sein Name ist Francesco Ceniti, ist eigens f&amp;uuml;r die &lt;em&gt;Gazzetta dello Sport&lt;/em&gt; mit einem Kollegen hierhergereist, er aus Mailand, der Kollege aus Rom, um &amp;raquo;Il grande Lothar&amp;laquo; zu interviewen: den zweimaligen Weltfu&amp;szlig;baller des Jahres, der mit Inter Mailand Italienischer Meister wurde und in Rom die Weltmeisterschaft errang. Den gro&amp;szlig;en Lothar. Die beiden sitzen auf ramponierten Plastiksitzen, w&amp;auml;hrend vor ihnen der deutsche Fu&amp;szlig;balltrainer Lothar Herbert Matth&amp;auml;us, geboren am 21. M&amp;auml;rz 1961 in Erlangen, seiner Arbeit nachgeht: Er trainiert die bulgarische Nationalmannschaft f&amp;uuml;r ein L&amp;auml;nderspiel drei Tage sp&amp;auml;ter. &amp;raquo;Warum bekommt er in Deutschland keine Chance?&amp;laquo;, fragt der Journalist, &amp;raquo;ist es wirklich wegen den Frauen?&amp;laquo; Sein Kollege lacht. &amp;raquo;Das ist doch ein Witz! In Italien hat der Ministerpr&amp;auml;sident &amp;Auml;rger mit den Frauen! Matth&amp;auml;us ist Fu&amp;szlig;balltrainer, was ist euer verdammtes Problem?&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Hochachtung, die Matth&amp;auml;us au&amp;szlig;erhalb Deutschlands erf&amp;auml;hrt, macht es ihm doppelt schwer, mit der H&amp;auml;me hierzulande zurechtzukommen. Niemand kann im Ernst behaupten, die deutschen Medien w&amp;uuml;rden sonderlich fair mit Lothar Matth&amp;auml;us umgehen, die Berichterstattung zu seinem 50. Geburtstag zwei Tage zuvor bestand zu gleichen Teilen aus Hohn und Spott, online garniert mit Klickstrecken seiner d&amp;uuml;mmsten Versprecher und seiner gescheiterten Beziehungen. Das alles, wird Matth&amp;auml;us sp&amp;auml;ter im Hotel sagen, mache ihm nichts mehr aus. Klar. Was soll er auch sagen? Dass er jeden Tag kotzt? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Kurz vor diesem Treffen sagt Liliana Matth&amp;auml;us, die vierte Ehefrau, geboren am 11. Dezember 1987 als Kristina Tchoudinova in Tscherkassy in der Ukraine, Beruf: Model, in einem Interview, dass sie &amp;ndash; man solle jetzt bitte nicht lachen &amp;ndash; eigentlich auf intelligente M&amp;auml;nner stehe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Vom Weltfu&amp;szlig;baller zur Lachnummer der Nation, das ist die Geschichte des Lothar Matth&amp;auml;us. Eine Frage ist, wie es sich damit lebt. Eine andere, ob er da wieder herauskommt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das n&amp;auml;mlich ist das Ziel: 2011 soll das Jahr werden, in dem Lothar Matth&amp;auml;us seinen Namen repariert, damit er endlich dorthin darf, wo er seiner Meinung nach hingeh&amp;ouml;rt: in die deutsche Bundesliga. &amp;raquo;Lothar will in den Sportteil und raus aus den bunten Bl&amp;auml;ttern&amp;laquo;, gab Manager Vogel mit auf den Weg nach Bulgarien. 2010 war f&amp;uuml;r Matth&amp;auml;us ein katastrophales Jahr, er war arbeitslos und seine vierte Ehe scheiterte &amp;ndash; ein Fest f&amp;uuml;r den Boulevard. Lothar und Liliana torkelten qu&amp;auml;lend lange durch &lt;em&gt;Bild, Bunte&lt;/em&gt;, Sat1 &amp;amp; Co, sie stritten, trennten und vers&amp;ouml;hnten sich &amp;ouml;ffentlich, dann wurde Liliana von Paparazzi mit ihrem Liebhaber erwischt. Ein verwundeter Matth&amp;auml;us zog vor laufenden Kameras den Ehering ab und k&amp;uuml;ndigte sp&amp;auml;ter via &lt;em&gt;Bild&lt;/em&gt; an, Lilianas Busenverkleinerung nicht mehr zu bezahlen, nachdem er bereits die Vergr&amp;ouml;&amp;szlig;erung bezahlt habe, und Liliana bereute auf Sat1, ihm ihre Jungfr&amp;auml;ulichkeit geschenkt zu haben. Es folgten die erneute Vers&amp;ouml;hnung, die erneute Trennung und schlie&amp;szlig;lich die Scheidung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; So ein Trainer, &amp;uuml;ber dessen Privatleben die Spieler in der Kabine witzeln, kann keine Autorit&amp;auml;t sein, da ist sich Fu&amp;szlig;balldeutschland einig. Im Herbst 2010 wird er aber Nationaltrainer von Bulgarien, Weltranglistenplatz 51. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Am Abend sitzt Matth&amp;auml;us im Trainingsanzug an der Bar des Hotels in Pravets, vor sich eine Flasche Heineken. Warum, Herr Matth&amp;auml;us, lacht ganz Deutschland &amp;uuml;ber Sie? Seine Mundwinkel zucken, er verschr&amp;auml;nkt die Arme. &amp;raquo;Die, die lachen, haben ein falsches Bild von mir. Das Bild, das sie aus den Medien kennen. Daran bin ich nicht ganz unschuldig, weil ich in den letzten Jahren &amp;ouml;fter auf roten Teppichen war, als es einem Fu&amp;szlig;balltrainer ansteht, und zu viel zu Privatangelegenheiten gesagt habe.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Eine Kellnerin bringt Schokolade. Matth&amp;auml;us rei&amp;szlig;t die Verpackung auf, bricht die Tafel in St&amp;uuml;cke und isst sie in einem Rutsch auf. Er ist genervt. Immer dasselbe Thema. &amp;raquo;Ich wei&amp;szlig;, dass wir uns vor aller Augen blamiert haben. Aber anderen l&amp;auml;sst man viel schlimmere Dinge durchgehen&amp;laquo;, sagt er. &amp;raquo;Ich will dem Franz nix B&amp;ouml;ses, aber der zeugt ein au&amp;szlig;ereheliches Kind und bleibt der Gr&amp;ouml;&amp;szlig;te.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Allerdings hat der Franz, Franz Beckenbauer, auch andere Zeiten erlebt: Ende der Siebzigerjahre galt er als Karikatur seiner selbst, als eitler Pfau, der sich nur mehr in der M&amp;uuml;nchner High Society herumtrieb. &amp;raquo;Vom Idol zum Reklamekasperl&amp;laquo; titelte die &lt;em&gt;S&amp;uuml;ddeutsche Zeitung&lt;/em&gt; damals &amp;uuml;ber den &amp;raquo;Kaiser&amp;laquo;, und der &lt;em&gt;Spiegel&lt;/em&gt; schrieb, dass keine Majest&amp;auml;t mehr so tief gefallen sei, seit Wilhelm II. in Holland im Exil B&amp;auml;ume zers&amp;auml;gt habe. Die Parallelen sind un&amp;uuml;bersehbar, Beckenbauer hat den Weg zur&amp;uuml;ck geschafft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ein Offizieller des bulgarischen Verbands kommt an den Tisch, um mit Matth&amp;auml;us und dessen Assistenten Termine zu besprechen. Wenn er seine Nationalspieler beobachten will, muss Matth&amp;auml;us oft reisen, viele verdienen ihr Geld im Ausland, in Holland, England, Russland oder der T&amp;uuml;rkei. Matth&amp;auml;us wei&amp;szlig; besser als der Laptop des Offiziellen, an welchem Tag Eindhoven in Enschede spielt oder Aston Villa gegen Stoke City. Er hat, so scheint es, den gesamten Spielkalender des europ&amp;auml;ischen Fu&amp;szlig;balls im Kopf. Er korrigiert den Mann freundlich grinsend. Lothar Matth&amp;auml;us wei&amp;szlig; gern Sachen besser. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Bedingungen, mit denen er in Bulgarien konfrontiert wird, sind schwieriger als die in den meisten europ&amp;auml;ischen Ligen; um seine dort aktiven Spieler zu sehen, tingelt er wochenends &amp;uuml;ber schlagloch&amp;uuml;bers&amp;auml;te Landstra&amp;szlig;en, weicht streunenden Hunden aus und &amp;uuml;berholt Eselskarren. Der Verband gilt als korrupt und hat kaum Geld, Matth&amp;auml;us strich seinen Profis als Erstes die Businessfl&amp;uuml;ge, damit spart er dem Verband, er rechnet es vor, etwa 100 000 Euro im Jahr. Aber er arbeitet in einem von Armut und Arbeitslosigkeit geplagten Land, und mit dieser Realit&amp;auml;t, erkl&amp;auml;rt Matth&amp;auml;us, muss er seine Anspr&amp;uuml;che abgleichen, &amp;raquo;und da sagt man eben: Okay, es gibt hier Wichtigeres&amp;laquo;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Kurz nach Mitternacht l&amp;ouml;st die Runde sich auf, und Matth&amp;auml;us bezahlt f&amp;uuml;r alle, ohne gro&amp;szlig;e Geste. Am n&amp;auml;chsten Tag steht er wieder als Nationaltrainer auf dem Platz, beobachtet, dirigiert und macht Ansagen, manchmal auf Deutsch, dann &amp;uuml;bersetzt sein Assistent, meistens spricht er aber Englisch. &amp;Uuml;ber sein Englisch am&amp;uuml;siert Deutschland sich seit Jahren &amp;ndash; Matth&amp;auml;us arbeitet damit seit Jahren, als Trainer und als Co-Kommentator. Im Ausland scheint man ihn besser zu verstehen, in jeder Hinsicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Lothar Matth&amp;auml;us f&amp;uuml;hlt sich seit Jahren ungerecht behandelt, im Grunde von ganz Deutschland, deswegen ist er zu einem Daueragitator in eigener Sache geworden: Noch w&amp;auml;hrend er eine T&amp;uuml;r aufh&amp;auml;lt, erkl&amp;auml;rt er, er sei ein h&amp;ouml;flicher Mensch, es sei f&amp;uuml;r ihn selbstverst&amp;auml;ndlich, anderen T&amp;uuml;ren aufzuhalten. Er ist Lothar Matth&amp;auml;us, der ewig Unverstandene. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mit einem Pfiff unterbricht er in Pravets das Training, eine &amp;Uuml;bung klappt nicht, er macht vor, wie sie geht. Drei Flanken, jede kommt exakt dort an, wo sie hinsoll. Er kann es noch. Matth&amp;auml;us l&amp;auml;chelt. &amp;raquo;Das hier ist seine Welt&amp;laquo;, sagt Manager Vogel am Spielfeldrand, &amp;raquo;nicht die roten Teppiche. Das m&amp;uuml;ssen wir jetzt allen klarmachen.&amp;laquo; Das Rezept daf&amp;uuml;r ist einfach: erstens raus aus der Welt des Klatschs, zweitens sportlicher Erfolg. Das ist ziemlich genau das, was auch Uli Hoene&amp;szlig;, Franz Beckenbauer und andere, die ihn f&amp;uuml;r einen guten Trainer halten, seit Jahren raten. 2011 soll es so sein, nur m&amp;uuml;sste Bulgarien daf&amp;uuml;r auch mal gewinnen. Aber die n&amp;auml;chsten beiden Spiele enden nur unentschieden. Das reicht nicht.&lt;br /&gt; [seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Lothar, dich haben wir f&amp;uuml;r das zweite Spiel eingeteilt&amp;laquo;&quot;]&lt;br /&gt; Mitte April in D&amp;uuml;sseldorf. &amp;raquo;Hallo, ich bin die Ulla&amp;laquo;, fl&amp;ouml;tet eine blonde Frau Lothar Matth&amp;auml;us im Foyer des Hotels entgegen, in dem Sat1 die prominenten Mitspieler seiner Spielshow &lt;em&gt;L&amp;auml;nderkampf: Deutschland gegen Italien&lt;/em&gt; untergebracht hat. Matth&amp;auml;us l&amp;auml;chelt irritiert. Ein Sat1-Mitarbeiter zieht ihn weiter, Vorbesprechung. &amp;raquo;Wer war denn die?&amp;laquo;, fragt Matth&amp;auml;us. Der Sat1-Mann grinst. &amp;raquo;Ulla Kock am Brink, eine Moderatorin. Die ist in deinem Team.&amp;laquo; Matth&amp;auml;us zuckt die Achseln und l&amp;auml;sst sich weiterschieben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Bratwurst gegen Pizza&amp;laquo;, so wirbt Sat1 f&amp;uuml;r die Sendung, Johannes B. Kerner moderiert, und au&amp;szlig;er Matth&amp;auml;us und Kock am Brink werden aufseiten der Bratwurst auch Boris Becker und Schauspieler Hannes Jaenicke antreten, im italienischen Team unter anderem Schlagers&amp;auml;nger Nino de Angelo, der schon im Besprechungsraum wartet und Matth&amp;auml;us fr&amp;ouml;hlich begr&amp;uuml;&amp;szlig;t. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Also, Lothar&amp;laquo;, sagt der Sat1-Mann dort, &amp;raquo;dich haben wir f&amp;uuml;r das zweite Spiel eingeteilt. Du sitzt auf einem Rad, das &amp;uuml;ber Seilzug mit einem Kran verbunden ist. Sobald du trittst, geht das Rad nach oben, bis auf 30 Meter.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Matth&amp;auml;us sch&amp;uuml;ttelt den Kopf. &amp;raquo;Mach ich nicht. Ich hab H&amp;ouml;henangst und &amp;uuml;brigens auch Platzangst.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Aber das war doch abgesprochen&amp;laquo;, sagt der Sat1-Mann. Matth&amp;auml;us-Manager Vogel schaltet sich ein: &amp;raquo;Mein Fehler, hab ich nicht mit Lothar besprochen. Kann das nicht jemand anderes machen?&amp;laquo; &lt;br /&gt;&amp;raquo;Der Jaenicke?&amp;laquo;, schl&amp;auml;gt Nino de Angelo vor. &lt;br /&gt; &amp;raquo;Genau, der Jaenicke soll&amp;laquo;, sagt Matth&amp;auml;us, seine Gesichtsz&amp;uuml;ge entspannen sich. Alle im Raum nicken. Der Jaenicke soll mal. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Normalerweise gehe ich nicht in solche Sendungen, obwohl ich oft angefragt werde&amp;laquo;, erkl&amp;auml;rt Matth&amp;auml;us sp&amp;auml;ter in einer Lounge im Hotel, vor sich einen Salat, und schaltet auf Expertenmodus &amp;ndash; das ist der Matth&amp;auml;us, den man aus dem Fernsehen kennt: immer eine Spur zu wichtig. &amp;raquo;Aber das heute, Deutschland gegen Italien, das ist was anderes. Ich hab lange in Italien gelebt, da bin ich Weltmeister geworden, und mit Johannes B. verstehe ich mich gut, uns verbindet was Besonderes.&amp;laquo; Er sieht auf, pr&amp;uuml;fend. Wei&amp;szlig; der Mann vom &lt;em&gt;SZ-Magazin&lt;/em&gt;, dass er Kerner und dessen Frau miteinander bekannt gemacht hat? Er wei&amp;szlig; es. &amp;raquo;Richtig&amp;laquo;, sagt Matth&amp;auml;us zufrieden und widmet sich wieder dem Salat, &amp;raquo;so war es.&amp;laquo; Dann muss der Promi Lothar, der nur noch der Trainer Matth&amp;auml;us sein soll, zur Sendung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Und jetzt alle Deutschland-Fans: Ausrasten!!!&amp;laquo;, br&amp;uuml;llt ein Aufheizer im Deutschland-T-Shirt in einer D&amp;uuml;sseldorfer Halle ins Publikum. Neben ihm taumelt eine Bratwurst &amp;uuml;ber die B&amp;uuml;hne. Die Menschen auf den R&amp;auml;ngen klatschen und wedeln freundlich mit Deutschland-F&amp;auml;hnchen. Dann beginnt der Spieleabend mit dem ehemaligen Weltfu&amp;szlig;baller Lothar Matth&amp;auml;us. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In jeder Werbepause wollen Menschen sich mit ihm fotografieren, &amp;raquo;Lothar, hierher!&amp;laquo;, br&amp;uuml;llen sie, meist M&amp;auml;nner um die drei&amp;szlig;ig oder vierzig Jahre. Sie alle hat er 1990 zu Weltmeistern gemacht, das haben sie ihm nicht vergessen. Er stellt sich geduldig neben jeden Bierbauch, l&amp;auml;sst verschwitzte Arme um sich legen und l&amp;auml;chelt in jede Handykamera. Lothar geh&amp;ouml;rt allen. Wenn er einmal &amp;raquo;Nein&amp;laquo; sagt, schreien sie ihm &amp;raquo;du Arschloch&amp;laquo; hinterher.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Am Ende des Abends ist Deutschland Sat1-L&amp;auml;nderkampfsieger, es regnet Konfetti, Boris Becker macht die Beckerfaust und Lothar Matth&amp;auml;us stemmt einen Pokal in die H&amp;ouml;he. Dann klatscht er die Bratwurst ab. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Vor zwanzig Jahren h&amp;auml;tte es etwas Magisches gehabt,  Boris Becker und Lothar Matth&amp;auml;us im gleichen Team zu sehen. Heute geh&amp;ouml;ren sie als &amp;raquo;Bobbele&amp;laquo; und &amp;raquo;Loddar&amp;laquo; zum festen Spott-Inventar des Landes, Kategorie: alternde, f&amp;uuml;r Onlinepoker werbende Ex-Sportler mit jungen Frauen. Matth&amp;auml;us sieht das ein wenig anders: &amp;raquo;Ich suche sportlichen Erfolg, und der Boris, wir kennen uns, verdient sein Geld mit der Verwertung seines Privatlebens.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In den Wochen vor und nach dieser Sendung stellt sich heraus, dass Matth&amp;auml;us es mit seinem Abschied vom roten Teppich und der Welt der Boulevardmedien nicht sonderlich ernst meint: Ob Gala im &amp;raquo;Bayerischen Hof&amp;laquo;, Party im Berliner &amp;raquo;Soho House&amp;laquo; oder die Er&amp;ouml;ffnung der neuen Terrasse der M&amp;uuml;nchner Disco &amp;raquo;P1&amp;laquo; &amp;ndash; Lothar Matth&amp;auml;us ist dabei, gern mit seiner neuen Freundin Ariadne Ioannou, geboren am 10. April 1987 in Limassol auf Zypern, Beruf: Studentin der Psychologie. Au&amp;szlig;erdem wird im Lauf der Recherchen klar, dass auch Matth&amp;auml;us, &amp;auml;hnlich wie Becker, seinen Prominentenstatus in eine Art Gesch&amp;auml;ftsmodell gegossen hat: F&amp;uuml;r sein Mitwirken an Veranstaltungen wie dem Sat1-L&amp;auml;nderkampf in D&amp;uuml;sseldorf nimmt er Geld. Als er mit Freundin Ariadne einem Fernsehsender ein erstes exklusives Interview aus dem angeblichen Liebesurlaub in Paris gab, hatte der Sender die beiden erst nach Paris eingeladen. Und dann war Matth&amp;auml;us Anfang M&amp;auml;rz noch in Tschetschenien, wo er auf Einladung des dortigen Machthabers Ramsan Kadyrow &amp;ndash; international wegen Missachtung der Menschenrechte, wegen Folter und Auftragsmorden ge&amp;auml;chtet &amp;ndash; ein Fu&amp;szlig;ballspiel mit anderen ehemaligen Fu&amp;szlig;ballstars, vor allem Brasilianern, bestritt. Zwar lie&amp;szlig; Kadyrow verbreiten, die Spieler seien &amp;raquo;aus Respekt vor dem tschetschenischen Volk&amp;laquo; gekommen, sprich: ohne Gage, und Matth&amp;auml;us, der in Kadyrows Team kickte, beteuert bis heute, kein Geld bekommen zu haben. Dann w&amp;auml;re er aber die Ausnahme: Einer der brasilianischen Ex-Nationalspieler entschuldigte sich &amp;ouml;ffentlich daf&amp;uuml;r, Geld genommen zu haben, eine brasilianische Zeitung berichtete sogar, jeder Spieler habe etwa 215 000 Euro bekommen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Hat Matth&amp;auml;us das n&amp;ouml;tig? Hinter ihm liegen vier Scheidungen, er hat drei Kinder, ist viel unterwegs und f&amp;uuml;hrt ein teures Leben: die besten Hotels, in denen er auch mal monatelang wohnt, ausgesuchte Restaurants, Designerkleidung. Ex-Frau Liliana beziffert die gemeinsamen monatlichen Ausgaben in einem Anwaltsschreiben nach der Scheidung auf etwa 30 000 Euro. Andererseits hat er hohe Einnahmen, allein der Vertrag mit einem Wettanbieter bringt ihm eine halbe Million Euro, sein Gehalt als Nationaltrainer d&amp;uuml;rfte nicht weit darunter liegen. Und trotzdem l&amp;auml;sst er sich von der &lt;em&gt;Bunten&lt;/em&gt; seine Geburtstagsparty in einem M&amp;uuml;nchner Restaurant bezahlen &amp;ndash; eine Sache, die an Verworrenheit kaum zu &amp;uuml;bertreffen ist: Erst sagt Matth&amp;auml;us, er wolle weniger in der &lt;em&gt;Bunten&lt;/em&gt; vorkommen, dann bietet er ausgerechnet dort die exklusiven Fotorechte zum Kauf an. Prompt gibt es Irritationen, angeblich weil auf Matth&amp;auml;us G&amp;auml;steliste mehr Ex-Frauen standen, als tats&amp;auml;chlich erschienen. Dann druckt das Blatt im Heft eine gro&amp;szlig;e Fotostrecke samt Interview und der &amp;Uuml;berschrift &amp;raquo;So feiern Sieger&amp;laquo;, aber das Cover genau dieser Ausgabe ist eine Ohrfeige f&amp;uuml;r ihn: &amp;raquo;Lothar Matth&amp;auml;us: Scheidungs-Betrug?&amp;laquo; steht gro&amp;szlig; neben seinem Foto. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ein paar Tage zuvor war bekannt geworden, dass Liliana Matth&amp;auml;us die Rechtm&amp;auml;&amp;szlig;igkeit der Scheidung juristisch anzweifelt. Die Staatsanwaltschaft entschied aber schnell, dass die Scheidung rechtskr&amp;auml;ftig sei. Doch da hatten die &lt;em&gt;Bunte&lt;/em&gt;-Leute schon hektisch den Scheidungsbetrug aufs Cover geschrieben. &amp;raquo;Eine solche Bombe&amp;laquo;, entschuldigen sie sich sp&amp;auml;ter bei Matth&amp;auml;us Manager, h&amp;auml;tten sie einfach machen m&amp;uuml;ssen. Das Heft erscheint, als Matth&amp;auml;us sich in Pravets auf das L&amp;auml;nderspiel gegen die Schweiz vorbereitet. &amp;raquo;Das ist ein No-Go, kein Fairplay, nichts!&amp;laquo;, beschwert er sich an der Hotelbar, &amp;raquo;die Journaille darf in Deutschland alles! Das ist doch Verleumdung!&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Aber wie viel Mitleid muss man mit jemandem haben, der sich dieser People-Maschinerie selbst aussetzt &amp;ndash; ja: der sie in Gang setzt, aus finanziellem Interesse?  &lt;br /&gt; [seitenumbruch title=&quot;Matth&amp;auml;us lebt, wie er Fu&amp;szlig;ball gespielt hat: nie gr&amp;uuml;beln, nie zur&amp;uuml;ckschauen.&quot;]&lt;br /&gt; Ende Juni in K&amp;ouml;ln. In der Lanxess Arena setzt ein Pfeifkonzert ein, als Moderator Johannes B. Kerner &amp;raquo;unseren Rekordnationalspieler Lothar Matth&amp;auml;us&amp;laquo; live auf Sat1 und in der Halle begr&amp;uuml;&amp;szlig;t. Hier verteidigt an diesem Abend Boxweltmeister Felix Sturm seinen Titel. Lothar Matth&amp;auml;us reagiert auf die Pfiffe mit spitzem Schmunzeln, er m&amp;ouml;chte souver&amp;auml;n wirken: Sollen sie doch pfeifen. An seiner Seite ist wieder eine neue Freundin, Joanna Tuczynska, geboren 1984 in Posen, Beruf: Dessousmodel. Ein Pulk aus Bodyguards und Kamerateams bahnt ihnen den Weg, und sie nehmen in der ersten Reihe Platz, direkt am Ring, die Pl&amp;auml;tze, die Prominenten vorbehalten sind. Weder die Karten noch die &amp;Uuml;bernachtung im Hotel m&amp;uuml;ssen sie bezahlen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es ist der erste gro&amp;szlig;e gemeinsame Auftritt von Matth&amp;auml;us und seinem &amp;raquo;neuen Pokal&amp;laquo;, wie die &lt;em&gt;Bild&lt;/em&gt;-Zeitung das Model nennt, der erste gemeinsame Ausflug ins Scheinwerferlicht. Schon am Nachmittag vor dem Boxkampf l&amp;auml;sst er sich mit Joanna Tuczynska im Hotel f&amp;uuml;r die &lt;em&gt;Bunte&lt;/em&gt; fotografieren &amp;ndash; obwohl er die Zeitschrift wegen des &amp;raquo;Scheidungsbetrug&amp;laquo;-Covers am liebsten verklagt h&amp;auml;tte. Ein paar Wochen sp&amp;auml;ter wird Joanna in der &lt;em&gt;Bild am Sonntag &lt;/em&gt;gro&amp;szlig; als &amp;raquo;Lothars Sommerm&amp;auml;dchen&amp;laquo; vorgestellt, samt Fotoshooting in Rio de Janeiro &amp;ndash; obwohl &lt;em&gt;Bild&lt;/em&gt; wenig vorher noch seine jetzige Ex-Freundin Ariadne Ioannou behaupten lie&amp;szlig;, er habe ihr zu einer Nasenoperation geraten und sortiere au&amp;szlig;erdem seine Joghurts nach Ablaufdatum im K&amp;uuml;hlschrank.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Matth&amp;auml;us selbst erkl&amp;auml;rt vor dem Boxkampf, den Kontakt mit den Boulevardmedien k&amp;ouml;nne er nur &amp;raquo;langsam herunterdimmen &amp;ndash; ausknipsen geht nicht&amp;laquo;. Tats&amp;auml;chlich will Lothar Matth&amp;auml;us diese Welt ganz einfach nicht verlassen, weil diese Welt l&amp;auml;ngst seine Welt geworden ist und ihm vieles einbringt: Freunde, Anerkennung, Aufmerksamkeit, Geld, junge h&amp;uuml;bsche Frauen. &amp;Uuml;ber die unangenehmen Seiten regt er sich auf, danach steckt er den &amp;Auml;rger weg und macht weiter wie bisher: Er verabredet &amp;raquo;sch&amp;ouml;ne Geschichten&amp;laquo; mit denselben Medien, die ihn gerade noch &amp;ouml;ffentlich vorgef&amp;uuml;hrt haben &amp;ndash; im Glauben, die Sache im Griff zu haben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Lothar Matth&amp;auml;us lebt, wie er Fu&amp;szlig;ball gespielt hat: nie gr&amp;uuml;beln, nicht zur&amp;uuml;ckschauen, einfach weiter. Auf dem Fu&amp;szlig;ballplatz ist es eine St&amp;auml;rke, alle Zweifel an sich zu ignorieren. Im Leben eher nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Direkt nach dem Boxkampf verlassen Matth&amp;auml;us und Joanna Tuczynska die Lanxess Arena. Ein bisschen sp&amp;auml;ter sitzen die beiden bei Wodka Red Bull und Erdnussflips in einem K&amp;ouml;lner Club. Sie haben sich bei seinem 50. Geburtstag kennengelernt, und sie hat, sagt sie, von ihm damals nur gewusst, dass er einmal ein sehr guter Fu&amp;szlig;ballspieler war. Ihn beeindruckte ihre Erscheinung. &amp;raquo;Alle M&amp;auml;nner haben ihr dort nachgeschaut &amp;ndash; what a lady!&amp;laquo;, sagt er, sie lacht, und er legt seine Hand auf ihr Knie. Aber nur er hat sie bekommen.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ein M&amp;uuml;nchner Sch&amp;ouml;nheitschirurg hat Matth&amp;auml;us und Joanna Tuczynska einander vorgestellt, ausgerechnet. Denn dieser Sch&amp;ouml;nheitschirurg, so erz&amp;auml;hlt er es der &lt;em&gt;Abendzeitung&lt;/em&gt;, hatte ihn auch schon mit Liliana und Ariadne bekannt gemacht. Liliana sagt, sie stehe eigentlich auf intelligente M&amp;auml;nner. Ariadne sagt, alle lachen hinter seinem R&amp;uuml;cken &amp;uuml;ber Lothar. Hat Matth&amp;auml;us nicht das Gef&amp;uuml;hl, in einer Endlosschleife gefangen zu sein, hat er nicht die Angst, dass auch Joanna wieder &amp;ouml;ffentlich &amp;uuml;ber ihn herzieht, falls das Zusammensein nicht funktioniert? Und nervt ihn das nicht? Lothar Matth&amp;auml;us z&amp;uuml;ndet sich eine Zigarette an, es ist fr&amp;uuml;h am Morgen inzwischen, er schlie&amp;szlig;t die Augen und sch&amp;uuml;ttelt den Kopf. &amp;raquo;Kein Mensch denkt doch in dem Moment, in dem er sich verliebt, daran, wie es sein k&amp;ouml;nnte, wenn man sich trennt. Oder?&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nach der Trennung von Liliana spottete die &lt;em&gt;Bild&lt;/em&gt;-Zeitung auf der Titelseite: &amp;raquo;Der geh&amp;ouml;rnte Matth&amp;auml;us&amp;laquo;. Als Matth&amp;auml;us, fast ein Jahr nach dieser &amp;Uuml;berschrift, in D&amp;uuml;sseldorf vor dem Sat1-&lt;em&gt;L&amp;auml;nderkampf&lt;/em&gt; auf den Aufzug wartet, entdeckt er eine Ballerina-Statue &amp;ndash; ein Bein und ein Arm der Figur sind steil nach oben gestreckt. Matth&amp;auml;us kniet sich grinsend davor. Die Umstehenden verstehen nicht. &amp;raquo;Hier&amp;laquo;, ruft er, &amp;raquo;zwei H&amp;ouml;rner &amp;ndash; der geh&amp;ouml;rnte Matth&amp;auml;us!&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Er lacht selbst am lautesten &amp;uuml;ber sein damaliges Ungl&amp;uuml;ck. &amp;Ouml;ffentliche Dem&amp;uuml;tigungen scheinen abzuh&amp;auml;rten. Was kann ihn schon noch treffen? Lothar Matth&amp;auml;us sagt &amp;uuml;ber sich, er sei im Grunde gl&amp;uuml;cklich. Er habe ein tolles Leben und sei in der ganzen Welt zu Hause. Vielleicht muss man ihm das alles glauben. Tats&amp;auml;chlich ist er, der eine Wohnung in Budapest hat und kaum drei Tage am St&amp;uuml;ck am selben Ort anzutreffen ist, mehr Weltb&amp;uuml;rger als all die, die sich &amp;uuml;ber ihn lustig machen. M&amp;ouml;glicherweise t&amp;auml;uscht auch der Eindruck, dass er sein privates Gl&amp;uuml;ck an der falschen Stelle sucht.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Aber sein &amp;ouml;ffentliches Leben, seine dauerhafte Pr&amp;auml;senz in den Boulevardbl&amp;auml;ttern, wird eine ernsthafte Trainerlaufbahn in Deutschland auch weiterhin verhindern.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Immer wieder, in Pravets, in D&amp;uuml;sseldorf und in K&amp;ouml;ln, hat Lothar Matth&amp;auml;us gesagt, dass er mit Bulgarien endlich einmal die Fr&amp;uuml;chte seiner Arbeit als Trainer ernten wolle. Beim letzten Treffen Anfang September in Basel scheint das nicht besonders wahrscheinlich. Sowohl im bulgarischen Verband als auch in Teilen der Mannschaft wird nach der verpassten Europameisterschaft Stimmung gegen ihn gemacht. Matth&amp;auml;us beharrt darauf, dass es weitergeht: &amp;raquo;Der Vertrag mit mir wurde per Handschlag verl&amp;auml;ngert&amp;laquo;, sagt er in einem Hotel in der Baseler Altstadt und zeigt, wie zum Beweis, eine Liste: die Namen der Spieler, mit denen er die Qualifikationsspiele zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien bestreiten m&amp;ouml;chte. Wenn man ihn denn l&amp;auml;sst. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Am Tag darauf verliert Bulgarien auch gegen die Schweiz &amp;ndash; damit hat Matth&amp;auml;us&amp;rsquo; Team unter ihm nur ein einziges Pflichtspiel gewonnen. Trotzdem verl&amp;auml;sst Lothar Matth&amp;auml;us Basel als bulgarischer Nationaltrainer. Im Moment ist das fast mehr, als er erwarten kann.&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Lothar, c'est moi</dc:subject>
    <dc:creator>Bastian Obermayer</dc:creator>
    <dc:date>2011-09-19T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/35874">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/35874</link>
    <title>Durch den Kampf zum Spiel</title>
    <description>&lt;p&gt;Eine nervige Stimme? Vor allem eine wichtige: Niemand f&amp;ouml;rdert Frauen in      der M&amp;auml;nnerwelt des Fu&amp;szlig;balls so sehr wie die Sportreporterin Sabine T&amp;ouml;pperwien.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/35234.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jetzt ist Frauenfu&amp;szlig;ballweltmeisterschaft in Deutschland &amp;ndash; und ausgerechnet die bekannteste deutsche Fu&amp;szlig;ballreporterin wird zu Hause auf dem Sofa sitzen und kein Spiel kommentieren. Immerhin, Sabine T&amp;ouml;pperwien hat es selbst so entschieden. Klar, es sei schade, sagt sie, aber es bringe sie nicht um. Was sie hingegen umbringen w&amp;uuml;rde: Wenn sie am Samstagnachmittag nicht im Radio bei der Bundesliga-Konferenz dabei w&amp;auml;re. &amp;raquo;Da bleibt keine Zeit f&amp;uuml;r die Frauen-WM. Aber ich werde mitfiebern, bin ja Fan.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bundesligakonferenz ist also die K&amp;ouml;nigsklasse, mehr noch als eine Fu&amp;szlig;ball-WM. Der Samstag im Stadion und auf Sendung, wenn acht Millionen zuh&amp;ouml;ren, das ist das Leben und das Gl&amp;uuml;ck von Sabine T&amp;ouml;pperwien. Wie sie strahlt und vibriert, wenn sie im Einsatz ist! Wie sie im Reinen ist mit sich und der Welt! Da vergisst man fast, wie kritisch viele &amp;ndash; vor allem M&amp;auml;nner &amp;ndash; &amp;uuml;ber sie denken, ihre Stimme und ihre Art, im Radio zu moderieren, gar nicht m&amp;ouml;gen: Sie klinge gepresst, so k&amp;uuml;nstlich, man nehme ihr die Begeisterung nicht ab. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Andererseits ist ihre Stimme unverkennbar, nicht schlecht f&amp;uuml;r eine, die im Radio moderiert, und &amp;nbsp;sie ist die einzige Reporterin, die regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig aus den Stadien berichtet. Sie hat nat&amp;uuml;rlich eine Menge Fans, darunter viele Frauen. Die m&amp;ouml;gen, dass sie es geschafft hat, dass sie wirklich was geworden ist in der M&amp;auml;nnerwelt des Fu&amp;szlig;balls. Wenn Schalke im Halbfinale der Champions League gegen Manchester United spielt, kommentiert: Sabine T&amp;ouml;pperwien. Und wenn Dortmund am 30. April, am drittletzten Spieltag der Bundesliga 2011, Deutscher Meister wird, berichtet: Sabine T&amp;ouml;pperwien. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eineinhalb Stunden vor dem alles entscheidenden Spiel trifft sie im Presseraum der Dortmunder Arena ein, um sich vorzubereiten. Und Leute zu begr&amp;uuml;&amp;szlig;en &amp;ndash; im Westfalenstadion kennt sie fast jeden Journalisten, und es sind viele gekommen an diesem 30. April. K&amp;uuml;sschen rechts, K&amp;uuml;sschen links, Take Five, die Stimmung ist aufgeheizt. An der Theke schnappt sie sich eine Gulaschsuppe, kein Bier dazu, &amp;raquo;im Dienst niemals&amp;laquo;, und bespricht den Ablauf des Spieltags mit den beiden Kollegen vom WDR. Eine Pranke landet auf ihrer Schulter, sie dreht sich um, gro&amp;szlig;e Begr&amp;uuml;&amp;szlig;ung: &amp;raquo;Was f&amp;uuml;r ein Tag&amp;laquo;, seufzt der Reporter, der f&amp;uuml;r den Bayerischen Rundfunk gekommen ist, &amp;raquo;da geht meine schwarz-gelbe Seele auf.&amp;laquo; &amp;raquo;Ein Bayer mit schwarz-gelber Seele&amp;laquo;, lacht Sabine T&amp;ouml;pperwien, sie ist ger&amp;uuml;hrt. Es geht auf halb vier zu, von drau&amp;szlig;en, aus dem ausverkauften Stadion schwappen die Lieder herein, &lt;em&gt;You&amp;rsquo;ll Never Walk Alone&lt;/em&gt; &amp;ndash; 85 000 Menschen singen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ist sie aufgeregt, vor so einem Spiel? &amp;raquo;Aufgeregt ist das falsche Wort, aber heute, das elektrisiert&amp;laquo;, sagt sie. &amp;raquo;Ich halte es wie Klopp: nicht entspannt sein, aber auch nicht aufgeregt, sondern hochkonzentriert.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von J&amp;uuml;rgen Klopp, dem Dortmunder Meistertrainer, wei&amp;szlig; man, dass er als junger Mann beim damaligen Zweitligisten Mainz mit gro&amp;szlig;er Leidenschaft, aber ohne &amp;uuml;berragendes Talent Fu&amp;szlig;ball gespielt hat. Seine Begeisterung, sein Flei&amp;szlig;, sein methodisches Vorgehen haben ihn zu dem gemacht, was er nun ist: Deutscher Meistertrainer. Vielleicht liegt es deshalb nahe, dass Sabine T&amp;ouml;pperwien sich mit ihm vergleicht &amp;ndash; ihren Erfolg verdankt auch sie vor allem ihrem Biss, ihrem Kampfgeist. Und ein bisschen der Familie. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ihre Kindheit im Harz war stark von Fu&amp;szlig;ball gepr&amp;auml;gt, die Eltern gingen mit den Kindern zu jedem Spiel des VfR Osterode. Sabine T&amp;ouml;pperwien ist 1960 geboren, zehn Jahre und zehn Tage nach ihrem Bruder Rolf, der Sportreporter wurde, da ging sie noch in die Grundschule. Als sie 16 war, arbeitete er f&amp;uuml;rs ZDF und nahm die kleine Schwester mit ins Stadion nach Braunschweig, die Eintracht spielte Bundesliga. &amp;raquo;Da dachte ich: Mensch, wenn du eine Karte f&amp;uuml;r so ein Spiel nicht kaufen musst, weil es dein Beruf w&amp;auml;re, hinzugehen - das w&amp;auml;r&amp;rsquo;s.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie studierte Sozialwissenschaften, Publizistik und Sport in G&amp;ouml;ttingen und schrieb als erste Frau in Deutschland ihre Diplomarbeit &amp;uuml;ber Fu&amp;szlig;ball: &lt;em&gt;Tendenzen der Professionalisierung des Fu&amp;szlig;ballsports in Deutschland in seinen historischen und sozialen Dimensionen.&lt;/em&gt; Dabei kam sie gar nicht auf Idee, dass irgendetwas an ihrer Leidenschaft komisch sein k&amp;ouml;nnte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nach dem Diplom 1985 fing sie in der Sportredaktion des NDR an. Was ihre Lieblingssportart sei, wurde sie in ihrer ersten Konferenz gefragt. &amp;raquo;Ja, Fu&amp;szlig;ball&amp;laquo;, sagte sie. Stille. Entsetzen. &amp;raquo;Und was noch? Sie sind doch eine Frau!&amp;laquo; Die M&amp;auml;nner im Sender schlugen ihr vor, sich auf Rhythmische Sportgymnastik zu verlegen. Ja, wenn sie sich reinh&amp;auml;ngen w&amp;uuml;rde, meinten die, dann k&amp;ouml;nnte sie es mit Rhythmischer Sportgymnastik in zwei Jahren zu einer EM oder WM schaffen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Damit hatte Sabine T&amp;ouml;pperwien nicht gerechnet. Sie war ganz neu dort, und sie wollte was erreichen. &amp;raquo;Ich bin Waage und kein Hei&amp;szlig;sporn. Ich habe ernsthaft abgewogen, wie ich vorgehe&amp;laquo;, erinnert sie sich. &amp;raquo;Ich habe gesagt, Entschuldigung, dann bin ich die Falsche hier, ich interessiere mich nicht f&amp;uuml;r Gymnastik, habe keine Ahnung davon und keine Lust, mich in die Frauenecke dr&amp;auml;ngen zu lassen.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So eine Beharrlichkeit imponierte den M&amp;auml;nnern im Sender dann doch. Sie boten ihr einen Kompromiss an: Hockey. Das spielen M&amp;auml;nner und Frauen. Es machte ihr Spa&amp;szlig;, aber sie lie&amp;szlig; nicht locker mit dem Fu&amp;szlig;ball. Nach drei Jahren durfte sie zu einem Spiel nach Meppen fahren, zweite Liga, weit weg, das nahm keiner ernst, da wollte keiner hin. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1989 suchte der WDR eine Frau f&amp;uuml;r die Sportredaktion und machte T&amp;ouml;pperwien ein Angebot. Sie sagte, aber nur, wenn ich die Chance im Fu&amp;szlig;ball bekomme. Nun ist sie Sportchefin bei WDR 2, der federf&amp;uuml;hrend bei der Bundesliga&amp;uuml;bertragung ist, und managt das gesamte Sportprogramm f&amp;uuml;r den H&amp;ouml;rfunk. Die Samstage im Stadion sind ihr vielgeliebter Ausgleich zum B&amp;uuml;roalltag. Allein unter M&amp;auml;nnern sitzt sie auf der Pressetrib&amp;uuml;ne, vor sich ein Monitor und drei Uhren: eine digitale, die auf die Sekunde gehen muss, f&amp;uuml;r die Tageszeit; eine Stoppuhr f&amp;uuml;r die Spielzeit; eine f&amp;uuml;r die L&amp;auml;nge des Wortbeitrags. Dortmund f&amp;uuml;hrt 2:0, das Stadion tost, sie muss ins Mikrofon br&amp;uuml;llen und dabei &amp;uuml;berschl&amp;auml;gt sich ihre Stimme. Man f&amp;auml;ngt an zu begreifen, was f&amp;uuml;r eine Herausforderung die Lautst&amp;auml;rke f&amp;uuml;r eine weibliche Stimme ist. &amp;raquo;Man wird nie von allen geliebt&amp;laquo;, sagt sie, wenn man sie fragt, wie sie mit der Kritik umgeht. &amp;raquo;Mein Ziel sind 51 Prozent, die absolute Mehrheit, das reicht.&amp;laquo; Ihr Lachen ist breit und entwaffnend, die braunen Knopfaugen blitzen. Sie hat sich ein dickes Fell zugelegt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/35235.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Es gab ja auch schon h&amp;auml;rtere Zeiten: Als sie beim WDR anfing, sagte Christoph Daum ihr bei einem Interview ins Gesicht: &amp;raquo;Mit Ihnen unterhalte ich mich doch nicht &amp;uuml;ber Fu&amp;szlig;ball.&amp;laquo; Otto Rehhagel warf ihr vor, noch nie den Schwei&amp;szlig; einer Kabine gerochen zu haben. H&amp;ouml;rer riefen an und emp&amp;ouml;rten sich: &amp;raquo;Die soll uns nicht Fu&amp;szlig;ball erkl&amp;auml;ren, die soll lieber Str&amp;uuml;mpfe stopfen.&amp;laquo; In diesen Jahren hat sie begriffen, dass eine Frau es im Fu&amp;szlig;ball doppelt schwer hat. &amp;raquo;Als Frau hat man wenig Spielraum. Da darf man keinen Bock schie&amp;szlig;en.&amp;laquo; So wie Carmen Thomas&amp;rsquo; historischer Ausrutscher &amp;raquo;Schalke 05&amp;laquo;, der bis heute an der damaligen Sportmoderatorin klebt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Steckt hinter Sabine T&amp;ouml;pperwiens Entscheidung gegen die Frauen-WM vielleicht Strategie? Weil Frauenfu&amp;szlig;ball immer noch nicht so cool ist? &amp;nbsp;&amp;raquo;Das ist es nicht&amp;laquo;, sagt sie. Sie hat 1989 das erste Frauenfu&amp;szlig;ball-L&amp;auml;nderspiel, das live im deutschen Fernsehen &amp;uuml;bertragen wurde, kommentiert, zehn Pokalfinalspiele der Frauen in Berlin, Deutsche Meisterschaften, vorletztes Jahr die Laudatio auf die &amp;raquo;Mannschaft des Jahres&amp;laquo; gehalten und Bundestrainerin Silvia Neid den Preis &amp;uuml;berreicht. &amp;raquo;Da ist gro&amp;szlig;e Verbundenheit. Aber die Samstage in der Bundesliga, das ist meine Welt. Und ab und zu brauche ich auch mal eine Pause.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Sportchefin bei WDR 2 versucht sie, Frauen im Sender zu f&amp;ouml;rdern: von drei&amp;szlig;ig Mitarbeitern sind inzwischen elf Frauen, aber die meisten m&amp;ouml;chten Interviews machen, keine Live-Reportagen, wegen der Arbeitszeiten, fast jedes Wochenende geht drauf und viele Abende auch. Und sie? Lebt in K&amp;ouml;ln, mit Katze, ist Single. &amp;raquo;Und ja, ich glaube, das hat mit dem Job zu tun. Aber ich habe meinen Traum zum Beruf gemacht, mehr kann man nicht verlangen.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Spiel ist l&amp;auml;ngst abgepfiffen. Zwei junge Fans in gelb-schwarzen Trikots verirren sich auf die Pressetrib&amp;uuml;ne. &amp;raquo;Man hat mir gefl&amp;uuml;stert, dass die Spieler in den Katakomben wild feiern&amp;laquo;, spricht Sabine T&amp;ouml;pperwien ins Mikrofon. &amp;raquo;Die Sonne scheint immer noch ins Stadion an diesem 30. April &amp;ndash; meisterlich, k&amp;ouml;nnte man sagen.&amp;laquo; Das Stadion ist fast leer, sie ist jetzt sehr gut zu verstehen. &amp;raquo;Sind Sie die Stimme vom WDR?&amp;laquo;, fragt einer der beiden Jungs begeistert. Da lacht sie und freut sich. Dann spricht sie weiter ins Mikrofon, der Sender m&amp;ouml;chte noch etwas Atmosph&amp;auml;re, wie sch&amp;ouml;n, sie will ja auch gar nicht aufh&amp;ouml;ren, beschw&amp;ouml;rt die Ausnahmestimmung des Nachmittags ein ums andere Mal, erz&amp;auml;hlt von tanzenden Fans, von Bierduschen und vom &amp;raquo;Wundertrainer Klopp&amp;laquo;. Sie h&amp;auml;tte es gar nicht sagen m&amp;uuml;ssen, man sieht ihr ja an, dass sie ihren Traum zum Beruf gemacht.</description>
    <dc:subject>Durch den Kampf zum Spiel</dc:subject>
    <dc:creator>Gabriela Herpell</dc:creator>
    <dc:date>2011-06-23T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/35763">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/35763</link>
    <title>Der Sonnenkönig</title>
    <description>&lt;p&gt;Mohamed Bin Hammam hob einst Sepp Blatter auf den Fifa-Thron. Nun ist er sein h&amp;auml;rtester Rivale. Am 1. Juni kommt es zum Duell um die Fifa-Pr&amp;auml;sidentschaft &amp;ndash; und zur Entscheidung &amp;uuml;ber die Frage, wie es mit dem Fu&amp;szlig;ball weitergeht.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/34462.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 	           &lt;input id=&quot;bildid1&quot; name=&quot;bilderids[]&quot; type=&quot;hidden&quot; value=&quot;34462&quot; /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Anmerkung: Sonntagfr&amp;uuml;h wurde bekannt, dass Bin Hammam seine Kandidatur unerwartet zur&amp;uuml;ckgezogen hat.)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der Mann, der die Fu&amp;szlig;ball-Weltmeisterschaft 2022 in die W&amp;uuml;ste geholt hat, gew&amp;auml;hrt einen Einblick in sein Reich. Mohamed Bin Hammam lebt in Doha, der Hauptstadt Katars, einer geteilten Stadt: auf der einen Seite die schmalen Hotels, kleinen L&amp;auml;den und Kaffeeh&amp;auml;user, umrahmt von kari&amp;ouml;sem Altstadtgem&amp;auml;uer, auf der anderen Seite die Glas- und Metallt&amp;uuml;rme des B&amp;uuml;roviertels Al- Dafna, die sich im t&amp;uuml;rkisfarbenen Meer spiegeln und zur H&amp;auml;lfte leer stehen. Dazwischen eine beachtlich frequentierte Kamelweide und ein riesiger Parkplatz. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im pyramidenf&amp;ouml;rmigen &amp;raquo;Sheraton&amp;laquo;-Hotel, direkt am Persischen Golf, hat Bin Hammam einen Raum gemietet sowie einen Kameramann, der seinen Auftritt f&amp;uuml;r seine pers&amp;ouml;nliche Website dokumentiert. Ein Stativ h&amp;auml;tte es auch getan, Katars oberster Fu&amp;szlig;ballfunktion&amp;auml;r kommt in neunzig Gespr&amp;auml;chsminuten mit einem Dauerl&amp;auml;cheln aus und bewegt sich sparsam; hin und wieder streicht er die schneewei&amp;szlig;e Kufiya, sein Kopftuch, zurecht. Emotionen zeigt Bin Hammam, der am 1. Juni als Kandidat f&amp;uuml;r die Wahl des Fifa-Pr&amp;auml;sidenten antritt, eigentlich nur bei einer Frage: Worauf spielte sein Rivale Sepp Blatter an, der amtierende Fifa-Pr&amp;auml;sident, als er im M&amp;auml;rz im Schweizer Fernsehen bezweifelte, dass Bin Hammam am Ende &amp;uuml;berhaupt gegen ihn kandidieren werde? &amp;raquo;Fragen Sie Herrn Blatter, was er da gemeint hat&amp;laquo;, zischt Bin Hammam. Sp&amp;auml;ter, ohne Kamera, entl&amp;auml;dt sich sein ganzer Zorn: Blatter habe bei Hamad Bin Chalifa Al-Thani gegen ihn intrigiert. Der Emir von Katar sollte Bin Hammam seine Bewerbung ausreden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Blatter wei&amp;szlig; nur zu gut: Fu&amp;szlig;ball und Katar ist ein sensibles Thema. Mit dem WM-Zuschlag geriet das Land weltweit in die Kritik: Was zur H&amp;ouml;lle will dieser schwarzwaldgro&amp;szlig;e W&amp;uuml;stensprengel ohne echten Fu&amp;szlig;ballbetrieb mit unserem globalen WM-Fest? Wie haben die superreichen &amp;Ouml;lscheichs wohl die korrupten Funktion&amp;auml;re der Fifa &amp;uuml;berzeugt?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch der Emir hat Bin Hammam nicht zur&amp;uuml;ckgepfiffen. Der Vorsto&amp;szlig; seines Untertans ist n&amp;auml;mlich ganz nach seinem Geschmack. Seit 1995, als er seinen eigenen Vater vom Thron putschte, reitet das Emirat auf Messers Schneide durch die instabile Golfregion. Das Land pflegt mit dem Iran an der K&amp;uuml;ste gegen&amp;uuml;ber enge Freundschaft und gew&amp;auml;hrt zugleich den Amerikanern die gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Milit&amp;auml;rbasis au&amp;szlig;erhalb der USA. Im regionalen Dauerkonflikt der Alliierten um &amp;Auml;gypten und Saudi-Arabien sowie Iran und Syrien schaukelte sich Katar in eine neutrale Position, mit Israel gab es zeitweise gar diplomatische Bande. Und war Doha noch im Februar Teil jener saudischen Allianz, die pro-demokratische Proteste in Bahrain niederschlug, erkannte es im M&amp;auml;rz als erste arabische Regierung Libyens Rebellen an und steuerte Kampfjets zur westlichen Koalition gegen Gaddafi bei. Katar hilft den Aufst&amp;auml;ndlern wirtschaftlich und beim Aufbau einer TV-Station. Der in Doha beheimatete Sender Al-Dschasira gilt ohnehin als treibende Kraft hinter dem arabischen Fr&amp;uuml;hling. Daf&amp;uuml;r wird er gefeiert. Und verdammt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Grundlage dieser politischen Machtspiele ist ein enormer Reichtum: Katar besitzt das drittgr&amp;ouml;&amp;szlig;te Erdgasfeld des Planeten, die Produktion von Fl&amp;uuml;ssiggas macht es zu einem der verm&amp;ouml;gendsten L&amp;auml;nder der Welt. Gro&amp;szlig;e Teile dieses Verm&amp;ouml;gens legt die Qatar Investment Authority (QIA) an, sie gilt als aggressivster arabischer Staatsfonds und soll mindestens 75 Milliarden Dollar in Auslandsbeteiligungen investiert haben. In Deutschland h&amp;auml;lt Katar Anteile an Volkswagen und Porsche, der W&amp;uuml;stenstaat ist gr&amp;ouml;&amp;szlig;ter Einzelaktion&amp;auml;r der Schweizer Bank Credit Suisse und der britischen Barclays Bank sowie Eigner des Londoner Shoppingtempels Harrods. Frankreich sichert die Energieversorgung &amp;uuml;ber Doha, und im Welt- und Europameisterland Spanien brach das Emirat ein Tabu: Nach &amp;uuml;ber hundert Jahren der Abstinenz l&amp;auml;sst der weltbeste Klub, der FC Barcelona, erstmals Geld f&amp;uuml;r Trikotwerbung zahlen und tr&amp;auml;gt in Zukunft den Schriftzug der Qatar Foundation in die Stadien. 250 Millionen Dollar kassiert Barca von Sommer 2011 bis 2016, es ist der teuerste Sponsorvertrag der Fu&amp;szlig;ballgeschichte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Vor dem WM-Zuschlag standen im Emirat allerdings monatelang die R&amp;auml;der still, berichten ans&amp;auml;ssige Manager beeindruckt. Das zeugt von der enormen Bedeutung des Fu&amp;szlig;ballspektakels f&amp;uuml;r das Land. Doch nun ist am Persischen Golf endg&amp;uuml;ltig der Goldrausch ausgebrochen: 90 000 Zimmer sollen gebaut werden, allein 8000 im ersten Halbjahr 2011. Katar will zur mittel&amp;ouml;stlichen Schweiz werden, Drehscheibe f&amp;uuml;r Sport- und Luxustourismus, weg von der Rohstoffabh&amp;auml;ngigkeit. Einen &amp;raquo;Riesenaufschwung&amp;laquo; prophezeit ein ans&amp;auml;ssiger Schweizer Gesch&amp;auml;ftsmann. Aus dem kriselnden Dubai ziehe nun alles nach Doha, &amp;raquo;Firmen, die hier vorher kein Interesse hatten&amp;laquo;. Bau- und Consultingexperten bilden die Vorhut. Die Stadt vibriert, die Mieten steigen. &amp;raquo;Auch aus Deutschland&amp;laquo;, sagt &amp;raquo;Sheraton&amp;laquo;-Managerin Franziska Hoppe, &amp;raquo;bekommen wir sehr viele Wirtschaftsdelegationen.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Vor wenigen Jahrzehnten tauchten noch die Perlenfischer vor der K&amp;uuml;ste. Und bis heute hat es die autochthone Stammesgesellschaft mehr mit Falkenjagd und Kamelrennen als mit Fu&amp;szlig;ball. Die religi&amp;ouml;sen Fundamentalisten beobachten die rasende Entwicklung ihrer Heimat mit Argwohn. Ihre Macht ist noch immer betr&amp;auml;chtlich: Homosexualit&amp;auml;t bleibt verboten, unbedeckte Knie oder Schultern im Shoppingcenter k&amp;ouml;nnen in Katar immer noch mit Geldstrafe geahndet werden. Sogar die Weihnachtsdekoration, die im Dezember das neue Gro&amp;szlig;projekt The Pearl schm&amp;uuml;ckte, eine k&amp;uuml;nstliche Insel mit mediterranen Luxusimmobilien &amp;ndash; sie musste nach Protesten abgeh&amp;auml;ngt werden. Katar bleibt bei allem Sturm und Drang eine absolute Monarchie, inmitten eines Pulverfasses. Ans&amp;auml;ssige Ausl&amp;auml;nder berichten von einem Knacken im H&amp;ouml;rer, wenn beim Telefongespr&amp;auml;ch Schl&amp;uuml;sselworte wie &amp;raquo;Emir&amp;laquo; fallen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Doch sosehr das Land zwischen Fundamentalismus und Moderne schwankt, an der wegweisenden Bedeutung der Fu&amp;szlig;ball-WM f&amp;uuml;r sein Land zweifelt der Emir nicht im Geringsten: &amp;raquo;&amp;Uuml;ber den Sport erreicht man jeden auf dem Globus&amp;laquo;, sagt er. Sein Stab sieht im Fu&amp;szlig;ball den Schl&amp;uuml;ssel zur Welt, nichts eignet sich besser zur Selbstdarstellung. Zwar war Dohas Olympiabewerbung f&amp;uuml;r 2016 fr&amp;uuml;h gescheitert, die Sommerhitze von 45 Grad schreckte das Internationale Olympische Komitee ab. Die Fifa aber ignorierte zun&amp;auml;chst das enorme Gesundheitsrisiko f&amp;uuml;r ihre Sportler. Erst nach der Vergabe fiel Blatter auf, dass der Sommer in der W&amp;uuml;ste viel zu hei&amp;szlig; f&amp;uuml;r ein Fu&amp;szlig;ballturnier sein k&amp;ouml;nnte. Er schlug einen Terminwechsel auf den Winter vor, nun bangen Europas Topligen um ihre seit Jahrzehnten festgef&amp;uuml;gten Spielkalender. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bleibt die Frage, wie der Zwergstaat den Vorstand der Fifa von seiner Bewerbung f&amp;uuml;r die WM 2022 &amp;uuml;berzeugte. Gab es korrupte Angebote? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hassan Al-Thawadi, Katars gefeierten Bewerbungschef, bringen die anhaltenden Spekulationen, Katar habe die WM gekauft, in Rage. Mit blitzenden Augen z&amp;auml;hlt er die Verst&amp;ouml;&amp;szlig;e der Mitbewerber auf und beklagt das Grund&amp;uuml;bel des Vergabeprozesses: das intransparente Bewerbungssystem der Fifa. Letztlich habe doch jeder Kandidat fast alles treiben k&amp;ouml;nnen. Dieses System, sagt sein Landsmann Bin Hammam, wolle er nach Blatters Thronsturz reformieren: &amp;raquo;Ich bin f&amp;uuml;r eine WM-Vergabe per offenem Handzeichen &amp;ndash; dann gibt es keinen Grund mehr f&amp;uuml;r Deals.&amp;laquo; Gab es denn Deals bei dieser Bewerbung? Bin Hammam weicht aus. Er sagt, Katar habe &amp;raquo;auf der Basis der geltenden Regeln gewonnen&amp;laquo;. Fifa-Bestimmungen habe man nicht verletzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/34465.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Die Mannschaft von Bayern M&amp;uuml;nchen beim Wintertrainigslager in der k&amp;ouml;niglichen Sportakademie Doha. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Genau darin liegt das &amp;Uuml;bel: In den Statuten der Fifa ist kaum mehr eindeutig geregelt, als dass Funktion&amp;auml;re nicht teuer beschenkt werden d&amp;uuml;rfen. Dabei funktioniert Bestechung &amp;uuml;ber diskrete Umwege: &amp;uuml;ber Strohleute, Tarnfirmen, TV- oder Sportrechtevertr&amp;auml;ge, &amp;uuml;ber Jobs und Gaben f&amp;uuml;r Familienangeh&amp;ouml;rige oder Gro&amp;szlig;investitionen in Heimatl&amp;auml;nder der Fifa-Funktion&amp;auml;re, die &amp;uuml;ber die WM-Vergabe entscheiden. Schon im Jahr 2000, wenige Tage vor der Vergabe der WM 2006, hatten auch deutsche Konzerne Milliarden in die Heimatl&amp;auml;nder asiatischer Fifa-Wahlm&amp;auml;nner investiert oder avisiert. Der Bundessicherheitsrat bewilligte eine Waffenlieferung an Saudi-Arabien, was sofort damit in Verbindung gebracht wurde, dass ein entferntes Mitglied der Herrscherfamilie in der Fifa-Jury sa&amp;szlig;. &amp;Uuml;berdies verw&amp;ouml;hnten deutsche Rechteh&amp;auml;ndler Wahlm&amp;auml;nner von Tunesien &amp;uuml;ber Malta bis Thailand mit TV-Vertr&amp;auml;gen f&amp;uuml;r Freundschaftsspiele gegen die DFB-Auswahl oder den FC Bayern; Franz Beckenbauer war seinerzeit ja Klubpr&amp;auml;sident und WM-Bewerberchef. In mindestens einem Fall landete die &amp;Uuml;berweisung einer Agentur direkt beim Funktion&amp;auml;r.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dass nun auch autokratisch gef&amp;uuml;hrte Rohstoffl&amp;auml;nder den Fu&amp;szlig;ball erobern, ist eine logische Entwicklung in einem Unterhaltungsgewerbe, das allein dem Geld folgt. Aber auch demokratische Regierungen unterwerfen sich willig dem Fu&amp;szlig;ballimperium von Sepp Blatter: Wer die WM will, muss zum Beispiel die Fifa-Familie von Steuer-, Zoll- und Arbeitsgesetzen befreien. L&amp;auml;ngst warnen internationale Ermittlungsbeh&amp;ouml;rden, der Sport sei von der organisierten Kriminalit&amp;auml;t unterwandert. Von den Briten, die sich um die WM 2018 bewarben, habe die Fifa sogar die Freistellung vom britischen Geldw&amp;auml;sche-Gesetz gefordert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das Volumen des Gesamtplans f&amp;uuml;r die WM in Katar &amp;ndash; von der Bewerbung bis zum Abpfiff des Endspiels &amp;ndash; wird auf bis zu hundert Milliarden Dollar beziffert. Bewerbungschef Al-Thawadi kam von der schwerreichen Qatar Investment Authority, ihm assistierte ein Manager aus der nationalen Petro-Industrie. Die Industrieleute gingen professionell vor, lie&amp;szlig;en Pers&amp;ouml;nlichkeitsprofile der zwei Dutzend Fifa-Wahlm&amp;auml;nner erstellen, die &amp;uuml;ber die WM-Vergabe entscheiden. Etwas unprofessionell war nur, dass einige Bewerbungsdokumente publik wurden. Das &lt;em&gt;Wall Street Journal&lt;/em&gt; berichtete, allein der argentinische Verband AFA habe 78 Millionen Dollar aus Katar erhalten &amp;ndash; was prompt alle Beteiligten bestritten. Al-Thawadi erkl&amp;auml;rt, das sei nur der Vorschlag eines Mitarbeiters gewesen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Unbestritten ist, dass sich viele L&amp;auml;nder Afrikas schon jetzt auf neue Stadien freuen; einige der in Katar geplanten Arenen werden nach der WM ab- und andernorts wieder aufgebaut. Katar sponsert in Afrika alles, was mit Fu&amp;szlig;ball zu tun hat, Anfang 2010 sogar den Kongress des Afrika-Verbandes CAF in Angola. Daf&amp;uuml;r erhielt das Emirat als einziger Bewerber f&amp;uuml;r die WM 2022 Zugang zu den vier afrikanischen Vertretern im Fifa-Exekutivkomitee. Erst vor Kurzem best&amp;auml;tigte der Verband CAF diesen Deal &amp;ndash; bestritt aber zugleich, dass einzelne Funktion&amp;auml;re in den Genuss von Zahlungen aus Katar gelangt seien: In England waren n&amp;auml;mlich neue Vorw&amp;uuml;rfe gegen das Emirat aufgekommen. Bei einer Anh&amp;ouml;rung im britischen Unterhaus sagte ein Parlamentarier, es gebe Belege f&amp;uuml;r Bestechungszahlungen von je 1,5 Millionen Dollar an zwei afrikanische Mitglieder des Fifa-Vorstands. Auch das Emirat bestritt das energisch.&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Die Zeit ist reif f&amp;uuml;r einen Wechsel.&quot;]&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/34463.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;em&gt;Dieser Mann soll die Welt des Fu&amp;szlig;balls ver&amp;auml;ndern: Mohamed Bin Hammam. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der Versuch Katars, auch den Kongress des Europa-Verbandes Uefa zu sponsern, schlug allerdings fehl, ebenso das Vorhaben, Erzbischof Tutu aus S&amp;uuml;dafrika als Botschafter der Bewerbung zu gewinnen. Katar hatte bereits 50 000 Dollar an eine von Tutus Hilfseinrichtungen gespendet, das Tygerberg Childrens Hospital in Kapstadt, als bekannt wurde, dass der Erzbischof bereits den WM-Bewerber Australien unterst&amp;uuml;tzt. Der Rivale soll dem Tygerberg 130 000 Dollar gespendet haben. Solche Dinge meint Al-Thawadi, wenn er Katar nur als Spielball eines anr&amp;uuml;chigen Fifa-Verfahrens sieht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Auch die k&amp;ouml;nigliche Sportakademie Aspire in Doha ist Teil der globalen Offensive. Eine Milliarde Dollar kostete die Luxusanlage, 2005 war Er&amp;ouml;ffnung. Aspire hat ein Indoor-Fu&amp;szlig;ballstadion mit 8000 Pl&amp;auml;tzen, ein Aquatic Center mit drei 50-Meter-Becken, Hotels und Motels und Shoppingcenter und einen 320 Meter hohen Wohnturm samt Outdoor-Swimmingpool im 19. Stock, dazu eine Sportklinik mit Luftdruck-Zellen. Das Volk hat freien Zugang zu all den grandiosen St&amp;auml;tten und Programmen, abends walken verschleierte Frauen in Sportschuhen &amp;uuml;bers Gel&amp;auml;nde.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Aspire agiert international, in 15 L&amp;auml;ndern l&amp;auml;uft ein F&amp;ouml;rderprojekt namens Dream Academy. Im Senegal, sagt der deutsche Aspire-Chef Andreas Bleicher, entsteht eine Akademie mit Stadion, Schulen, Frauen-Ausbildungszentrum und Moschee. Thailand wird folgen. Es geht um globale Talentsichtung; die besten Nachwuchsfu&amp;szlig;baller dieser L&amp;auml;nder sollen nach Doha kommen und die Stars von morgen werden, finanziert wird dieses Scouting vom Emirat Katar. Auff&amp;auml;llig dabei ist, dass unter den 15 Teilnehmern des begehrten Aspire-Programms gleich sechs sind, die bei der WM-Vergabe eine Stimme in der Fifa-Exekutive hatten: Thailand, Elfenbeink&amp;uuml;ste, Kamerun, Nigeria, Paraguay und Guatemala. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wie passt nun die Kandidatur von Mohamed Bin Hammam f&amp;uuml;r das oberste Fifa-Amt in die WM-Strategie des W&amp;uuml;stenstaats? Gar nicht, dahinter steckt allein die K&amp;uuml;hnheit des Kandidaten. Er hat erkannt, dass die Zeit reif ist f&amp;uuml;r einen Wechsel an der Fifa-Spitze. Doch bisher traute sich dieses Amt keiner zu im Vorstand, dem Bin Hammam seit 15 Jahren angeh&amp;ouml;rt. Bin Hammam wei&amp;szlig; um die Stimmungslage, l&amp;auml;ngst sei die Mehrheit des Gremiums gegen den Sonnenk&amp;ouml;nig Sepp Blatter, der &amp;raquo;nicht eine wichtige Entscheidung der letzten Jahre mit der Exekutive diskutiert&amp;laquo; habe. Tats&amp;auml;chlich vermittelt der 75-j&amp;auml;hrige Blatter nach 36 Jahren in den verschiedensten Positionen bei der Fifa den Eindruck, als halte er sich f&amp;uuml;r ein h&amp;ouml;heres Fu&amp;szlig;ballwesen. Unter Bin Hammam werde sich der Sport in einem schwarzen Loch aufl&amp;ouml;sen, raunt er und doziert &amp;uuml;ber die &amp;raquo;Mission&amp;laquo;, die er selbst noch zu erf&amp;uuml;llen habe. Doch um welche Mission handelt es sich? Elfmeterschie&amp;szlig;en vor dem Anpfiff, breitere Fu&amp;szlig;balltore, eine Vierteilung des Spiels mit drei Halbzeiten, einen Sexverzicht f&amp;uuml;r Homosexuelle w&amp;auml;hrend der WM im Emirat sowie knappere H&amp;ouml;schen im Frauenfu&amp;szlig;ball &amp;ndash; all das hat er bereits propagiert. &amp;raquo;Da kommt nichts mehr&amp;laquo;, urteilt Bin Hammam, &amp;raquo;Blatter ist ersch&amp;ouml;pft.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/34467.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; Der Entwurf des Architekturb&amp;uuml;ros Albert Speer &amp;amp; Partner f&amp;uuml;r das WM-Stadion in Al-Khor im Norden von Katar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;Jedenfalls bestand die letzte gro&amp;szlig;e Vision Blatters darin, die WM-Vergaben 2018 und 2022 zusammenzulegen. Diesen Geistesblitz trug er zum Abschluss des Fifa-Kongresses 2008 in Sydney vor, zum Entsetzen der Fu&amp;szlig;ballwelt und seiner Exekutivkollegen, die sich wieder einmal &amp;uuml;berrumpelt sahen. Als dann kurz vor der Doppelk&amp;uuml;r erwartungsgem&amp;auml;&amp;szlig; die Korruption in diesem Riesen-Bewerb mit elf konkurrierenden L&amp;auml;ndern sowie die weltweite Kritik an dem Verfahren eskalierten, schimpfte der Vision&amp;auml;r mit, wer diese Schnapsidee wohl gehabt hatte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Im Wahlprogramm zur Verteidigung seines Fifa-Throns hat Blatter nun angek&amp;uuml;ndigt, er wolle die Korruption abschaffen. Dabei wurde seiner Fifa erst letztes Jahr in der Schweiz juristisch testiert, dass sie bodenlos korrupte Spitzenleute hat. Die Gescholtenen zahlten gem&amp;auml;&amp;szlig; dem Schweizer Strafgesetzbuch Bu&amp;szlig;gelder von 5,5 Millionen Franken an die Fifa zur&amp;uuml;ck, um einem gerichtlichen Verfahren zu entgehen &amp;ndash; mit dem Segen  Sepp Blatters.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mit seinen Alleing&amp;auml;ngen hat Blatter Leute wie Franz Beckenbauer vergrault, der nach nur vier Jahren keinen Spa&amp;szlig; mehr am Vorstandsposten in der Fifa hat. Auch deshalb wagt sich Bin Hammam nun aus der Deckung, ein ansonsten stiller Macher, 61 Jahre alt, Elektro-Unternehmer in Doha, zwei Frauen, elf Kinder, 13 Enkel. Schon mit 21 Jahren f&amp;uuml;hrte er einen Verein, heute lenkt er Asiens Kontinentalverband AFC. Er liest Gedichte, abends wird zu Hause der Tisch f&amp;uuml;r Freunde eingedeckt, auch wenn er unterwegs ist, was h&amp;auml;ufig vorkommt. Dass ihn nicht Eitelkeit ins Spitzenamt treibt, belegt der Umstand, dass er bei der Wahl des Fifa-Pr&amp;auml;sidenten im Jahr 2009 den Franzosen Michel Platini dr&amp;auml;ngte, gegen Blatter anzutreten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Doch Bin Hammam steht nicht nur als Saubermann da. Er hatte Blatter 1998 mit Geld und Tricks, globalen Beziehungen und der Logistik des Emirs erst auf den Thron der Fifa gehievt. Seither nennen sie einander &amp;raquo;Bruder&amp;laquo;, und Bruder Sepp gestand Mohamed in einem flammenden Dankesbrief, er w&amp;auml;re ohne ihn nie Pr&amp;auml;sident geworden. Erz&amp;uuml;rnt &amp;uuml;ber Blatters Intrigen &amp;uuml;berlegt Bin Hammam nun, ob er den Brief publik machen soll. Dabei, sagt er, habe ihn schon vor Jahren Issa Hayatou, der Chef des Afrika-Verbandes CAF, gewarnt: &amp;raquo;Blatter sticht auch dir eines Tages den Dolch in den R&amp;uuml;cken.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bei der Fifa-Wahl am 1. Juni geht es nicht nur um die Zukunft des Sonnenk&amp;ouml;nigs Blatter. Ein Sieg Bin Hammams w&amp;auml;re eine Bedrohung f&amp;uuml;r das bisher europ&amp;auml;isch dominierte Establishment der Fifa: Der leise Mann aus Doha will dann n&amp;auml;mlich die Sal&amp;auml;re der Fifa-Spitze offenlegen und die Amtszeit f&amp;uuml;r Topfunktion&amp;auml;re auf acht Jahre begrenzen; er will mit Hightech-Hilfe absurde Debatten wie jene um die Torlinien-&amp;Uuml;berwachung beenden und, was die Macht k&amp;uuml;nftiger Fifa-Bosse deutlich schm&amp;auml;lern w&amp;uuml;rde, die F&amp;ouml;rder-Milliarden des Weltfu&amp;szlig;balls dezentral vergeben, &amp;uuml;ber die sechs Kontinentalverb&amp;auml;nde. Nicht mehr alles w&amp;uuml;rde von Z&amp;uuml;rich aus geschehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nach dem Zuschlag f&amp;uuml;r die WM schl&amp;auml;gt Katar also die n&amp;auml;chste gro&amp;szlig;e Schlacht. Und Blatter k&amp;auml;mpft um das politische &amp;Uuml;berleben. Gut vorstellbar, dass in den n&amp;auml;chsten Tagen noch die ein oder andere Schmutzgeschichte &amp;uuml;ber den Herausforderer erscheint. Allerlei Skripts und Papiere sind bereits im Umlauf. Verliert Blatter die Wahl am 1. Juni, ergibt sich f&amp;uuml;r den Weltfu&amp;szlig;ballverband wenigstens die Chance auf eine gewisse Erneuerung und die Beendigung alter Seilschaften. Gewinnt Blatter, bleibt alles beim Alten, nur Katar muss mit drastischen Konsequenzen rechnen. Bin Hammam, Dohas starker Mann im Fu&amp;szlig;ball, ist dann erledigt. Und was Katars WM 2022 angeht, lie&amp;szlig;e Blatters Rache sicher nicht lange auf sich warten. Eine Verlegung der WM in den Winter ist denkbar oder auch die Auslagerung einiger Spiele in benachbarte Emirate. Blatters Kronprinz Platini hat dar&amp;uuml;ber bereits laut nachgedacht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Der Sonnenkönig</dc:subject>
    <dc:creator>Thomas Kistner</dc:creator>
    <dc:date>2011-05-26T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/4880">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/4880</link>
    <title>Die bayerische Renaissance</title>
    <description>&lt;p&gt;Luca Toni hat Bayern M&amp;uuml;nchen nicht nur fu&amp;szlig;ballerisch nach vorn gebracht. Diese Bilder beweisen: Der italienische St&amp;uuml;rmerstar versucht - bisher unbemerkt - in seinem Verein die Hochkultur einzuf&amp;uuml;hren.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/123309/5380.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Herr, du hast mich auserw&amp;auml;hlt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Links: &amp;raquo;Der Hl. Johannes der T&amp;auml;ufer&amp;laquo; (Guido Reni, entstanden um 1635). &lt;br /&gt;Rechts: Luca Toni nach dem Spiel (gegen Bremen, 10.2.2008).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/123309/5381.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Passionsspiele&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Links: Luca Toni am Ende seiner Kr&amp;auml;fte (gegen Duisburg, 8.&amp;thinsp;10.&amp;thinsp;2007). &lt;br /&gt;Rechts: &amp;raquo;Passion Christi&amp;laquo; (Giuseppe Cesari, um 1598).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/123309/5382.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Die Bekehrung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Links: &amp;raquo;Der Sturz des Hl. Paulus&amp;laquo; (Niccol&amp;ograve; dell&amp;rsquo; Abbate, um 1552).&lt;br /&gt; Rechts: Luca Toni scheitert an Torwart Tim Wiese (gegen Bremen, 10.&amp;thinsp;2.&amp;thinsp;2008).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/123309/5383.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Von besonderem Geschlecht&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Links: &amp;raquo;Portr&amp;auml;t des Giuliano de&amp;rsquo; Medici&amp;laquo; (Sandro Botticelli, um 1478). &lt;br /&gt;Rechts: Luca Toni wird ausgewechselt (gegen Dortmund, 28.&amp;thinsp;10.&amp;thinsp;2007).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/123309/5384.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Herr, erbarme dich&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Links: Zwiegespr&amp;auml;ch mit dem Schiedsrichter (gegen Bochum, 20.&amp;thinsp;10.&amp;thinsp;2007). &lt;br /&gt;Rechts: &amp;raquo;Taufe Christi&amp;laquo; (Tizian, um 1512).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/123309/5385.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Vai via!&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Links: &amp;raquo;Das J&amp;uuml;ngste Gericht&amp;laquo; (Detail: Jesus mit Maria; Michelangelo, 1536&amp;ndash;1541). &lt;br /&gt;Rechts: Ver&amp;auml;rgert im Spiel gegen Dortmund (28.&amp;thinsp;10.&amp;thinsp;2007).&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/123309/59013.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 	           &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Der Doppelg&amp;auml;nger&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Links: Luca Toni mit Teamkollege Hamit Altintop&lt;br /&gt; Rechts: &quot;Portrait of a Young Man with Parrot and Pomegranate&quot; (Nicolo dell'Abate, um 1540) &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt; &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/123309/59015.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Leidend&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Links: Luca Toni&lt;br /&gt; Rechts: Detail aus der &quot;Auferstehung Christi&quot;: &quot;Der Hl. Sebastian&quot; (Tizian, um 1520)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt; &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/123309/59017.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Abweisend&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Links: &quot;Noli me tangere&quot; (Tizian, um 1512) &lt;br /&gt; Rechts: Luca Toni mit Miroslav Klose (nicht im Bild)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/123309/59019.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 	           &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Betend&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Links: Luca Toni &lt;br /&gt; Rechts: &quot;Die Firmung (Die Sieben Sakramente)&quot; (Giuseppe Maria Crespi, um 1712)  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/123309/59021.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 	           &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Betend, Teil 2&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Links: Luca Toni&lt;br /&gt; Rechts: &quot;Heilige Lorenzo&quot; (Francisco de Zurbar&amp;aacute;n, um 1638) &lt;br /&gt; &lt;br /&gt; Fotos: dpa und sampics&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt; </description>
    <dc:subject>Die bayerische Renaissance</dc:subject>
    <dc:creator>Marc Baumann</dc:creator>
    <dc:date>2011-04-02T10:14:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <rdf:Description rdf:ID="manifest">
    <mn:channels>
      <rdf:Seq>
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de:80/rsslabel/69" />
      </rdf:Seq>
    </mn:channels>
  </rdf:Description>

</rdf:RDF>
