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    <title>sz-magazin.de - Kunst</title>
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    <description>Alle Texte zu dem Label Kunst auf sz-magazin.de</description>
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    <title>Bilder keiner Ausstellung</title>
    <description>&lt;p&gt;Erstaunlich viele prominente Menschen haben als Hobby die Malerei. Aber welchen kunsthistorischen Wert hat eigentlich  ein echter Bush, Stallone oder Waalkes?&amp;nbsp;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir alle standen ehrf&amp;uuml;rchtig vor einem Picasso, einem Warhol, einem Rauch. Jahrhundertbilder. Nun blicken wir auf einen Bush, einen McCartney, einen Stallone. Auch sie haben ihre Zeit gepr&amp;auml;gt &amp;ndash; aber, mal ehrlich, nicht mit dem Pinsel. 7500 US-Dollar muss man f&amp;uuml;r einen &amp;raquo;limitierten&amp;laquo; McCartney-Druck bezahlen, vermutlich aber eher f&amp;uuml;r die &amp;raquo;original Unterschrift&amp;laquo; als f&amp;uuml;r die Kunst dar&amp;uuml;ber. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Staffeleien findet man in den H&amp;auml;usern erstaunlich vieler Prominenter von Hollywood bis Berlin. Nur: Was gibt die Malerei, wo Kamera, Rednerpult oder Mikro schon Ruhm und Reichtum beschert haben? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Zum Beispiel einen Ausweg: Als Maler darf Otto Waalkes auch mal ernst sein, Ron Wood muss zumindest die Leinwand nicht mit Mick Jagger teilen. In Bob Dylans Singkrise in den Siebzigern malte die Hand, was der Mund allein nicht mehr auszudr&amp;uuml;cken vermochte. Putin? Wer Reiten, Judo und Weltregieren kann, der kann nat&amp;uuml;rlich auch Kunst. James Franco bek&amp;auml;mpfte seine Sch&amp;uuml;chternheit schon lange vor der Schauspielkarriere mit Malerei. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Nicht jeder mag uns seine Bilder zeigen: Der Buckingham Palace erkl&amp;auml;rt, Prinz Charles Aquarelle seien &amp;raquo;sehr privat&amp;laquo;, Johnny Depp ziert sich, Stefan Effenberg stellt seit seiner Vernissage in einem Fachgesch&amp;auml;ft f&amp;uuml;r Wasserpflanzen nicht mehr aus. Verst&amp;auml;ndlich, denn Gem&amp;auml;lde von Stars betrachtet man nicht in respektvoller Museumsstille, sondern mit sp&amp;ouml;ttischer Neugier. Und wie beurteilen Kunstprofessoren die Bilder? Ausgerechnet Schockrocker Marilyn Manson wird als mit Abstand bester Maler gelobt, doch am Ende, so die Experten, solle man hier nicht von Kunst reden, nur von Malerei. Trotzdem spannend: Kriegspr&amp;auml;sident Bush malt Hunde, Dolly Buster eine Frau ohne Gesicht &amp;ndash; und was erz&amp;auml;hlt das Bild der vom Leben schwer gezeichneten S&amp;auml;ngerin und Schau-spielerin Courtney Love? Wir lernen: Hobbymalerei eignet sich hervorragend zur Hobbypsychologie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Abbilden der Gem&amp;auml;lde mit freundlicher Genehmigung von: ITAR-TASS / Wladimir Putin; Galerie Gmurzynska (Sylvester Stallone); Kunsthaus L&amp;uuml;beck (Armin Mueller-Stahl); Washington Green Fine Art &amp;amp; Castle Galleries (Bob Dylan); The Prince&amp;rsquo;s Foundation for Children &amp;amp; the Arts, childrendandarts.org (Adele); Galerie Brigitte Schenk (Marilyn Manson); mouchegallery.com (Steven Tyler); Hard Rock International (Ringo Starr); elkesommeronline.com/en/art.htm; Fred Torres Collaborations (Courtney Love); robbiewilliams.com, Otto Waalkes. Mit freundlicher Genehmigung von: Muhammad Ali Enterprises, RoGallery.com; The Gallery at LPR (3MB Collective: Macaulay Culkin, Adam Green, Toby Goodshank); Dolly Buster; PeresProjects.com (James Franco); Washington Green Fine Art &amp;amp; Castle Galleries (Ron Wood); Victoria &amp;amp; Albert Museum, vam.ac.uk/content/exhibitions/ david-bowie-is, bis 11.8.2013; janeseymour.com/art.htm; Suzanne von Borsody; Christine Neubauer; Anna Netrebko. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mitarbeit: Frederik Obermaier&lt;/em&gt;&lt;span&gt;&lt;em&gt;.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Bilder keiner Ausstellung</dc:subject>
    <dc:creator>Marc Baumann</dc:creator>
    <dc:date>2013-04-17T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Gegen den Strich</title>
    <description>&lt;p&gt;Die Plakatkunst von Alejandro Magallanes aus Mexico City zeigt die zerrissene Seele seines Landes.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;Das Bild, das wir von einem Land haben, ist immer nur so gut wie die Nachrichten, die uns von dort erreichen. Im Falle von Mexiko scheint es nur schlechte Nachrichten zu geben: Drogenkrieg, Mord und Totschlag, Kriminalit&amp;auml;t. Die Poster und Plakate des mexikanischen Grafikdesigners Alejandro Magallanes zeigen, dass es auch noch ein anderes Mexiko gibt, das wir nur deshalb nicht sehen, weil es uns keiner zeigt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Poster sind die einfachste und m&amp;auml;chtigste Form, der &amp;Ouml;ffentlichkeit etwas mitzuteilen. Sie bewerben Produkte oder Veranstaltungen. Vor allem aber promoten sie das Beste, was eine Gesellschaft hervorzubringen vermag: Kultur&amp;laquo;, sagt Magallanes. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mehr als 400 Arbeiten umfasst sein grafisches Werk inzwischen, viele davon preisgekr&amp;ouml;nt und in internationalen Ausstellungen gew&amp;uuml;rdigt. Darunter Buchcover, Kinderb&amp;uuml;cher und Plakate f&amp;uuml;rs Theater, f&amp;uuml;r Museen, f&amp;uuml;r Konzerte. Sein Stil ist hybrid wie die Kultur, in der er gro&amp;szlig; geworden ist. Magallanes mixt virtuos alles, was es im Baukasten des Grafikers so gibt: Zeichnung und Fotografie, Handschrift und Computergrafik, Malerei und Collage, Ausrisse und Gekritzel. Er ist so etwas wie der mexikanische Toulouse-Lautrec seiner Generation, allerdings einer, dessen Wirkungskreis sich nicht zwischen Caf&amp;eacute;tischen und K&amp;uuml;nstlerzirkeln ersch&amp;ouml;pft. Magallanes wei&amp;szlig; um die Zerrissenheit seines Landes und setzt ihr die heilende Kraft der Kunst entgegen: &amp;raquo;Nat&amp;uuml;rlich haben wir massive soziale Probleme, es gibt diesen brutalen Drogenkrieg, aber Gewalt und Kriminalit&amp;auml;t gibt es auch in anderen L&amp;auml;ndern. Das hindert uns nicht daran, unser Land zu lieben, unsere reiche kulturelle Tradition zu pflegen.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Vieles dieser Tradition hallt bei Alejandro Magallanes nach: das aztekische Erbe, der Surrealismus von Frida Kahlo, der feine, manchmal b&amp;ouml;se Humor, der immer dort entsteht, wo es gef&amp;auml;hrlich ist, Wahrheiten offen auszusprechen. &amp;raquo;Poster und Plakate werden nie aussterben&amp;laquo;, sagt Magallanes. &amp;raquo;Sie sind wie Fenster in die Seele eines Landes.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Gegen den Strich</dc:subject>
    <dc:creator>Thomas Bärnthaler</dc:creator>
    <dc:date>2013-04-08T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Mehr! Mehr!</title>
    <description>&lt;p&gt;Die meisten Menschen sammeln eher im  Verborgenen, aber manche schaffen es, ihre Leidenschaft zum Beruf zu  machen. Hier verraten neun Museumsdirektoren, wovon sie schon als  Kinder nicht genug bekommen konnten.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SAMMLUNG &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Karl-May-Figuren   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57637.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SAMMLER &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hans-Werner Schmidt &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Museum der bildenden K&amp;uuml;nste, Leipzig&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Ich hatte eine Abmachung mit meiner Mutter: Wenn ich sie zum Einkaufen begleitete - wir sprechen von den sp&amp;auml;ten F&amp;uuml;nfzigerjahren -, ging sie danach mit mir in einen Spielzeugladen und kaufte mir eine Elastolin-Figur. Die waren nur acht Zentimeter gro&amp;szlig;, aber extrem ausdrucksstark: Winnetous Mimik, Old Shatterhands Gestik! Die Augenbrauen waren mit feinen Pinselstrichen gezogen, auf der Silberb&amp;uuml;chse konnte man jeden Silbernagel erkennen. Von Anfang an inventarisierte ich meine Sammlung: Ich legte Bestandslisten an mit Namen von Personen und St&amp;auml;mmen - und den Figuren, die ich mir als N&amp;auml;chstes w&amp;uuml;nschte: Sam Hawkens, Klekih-petra, Intschu tschuna; das Ziel einer Sammlung ist schlie&amp;szlig;lich Vollst&amp;auml;ndigkeit. Irgendwann hatte ich knapp 60 Figuren zusammen. In meinem Zimmer baute ich Wildwest-Landschaften nach: Decken und Kissen wurden zu Canyons, Kocht&amp;ouml;pfe zu Seen. Ich spielte so tagelang, das Aufstellen der Figuren ergab szenische Bilder. Heute sind noch ungef&amp;auml;hr 30 davon &amp;uuml;brig, sie haben ein bisschen gelitten, als mein Sohn damit spielte. Jetzt stehen sie wieder auf einer Kommode in meinem Haus.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57643.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SAMMLUNG &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;B&amp;uuml;cher und Zeitschriften &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57675.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SAMMLER &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Okwui Enwezor &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Haus der Kunst, M&amp;uuml;nchen &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Der  Krieg in Biafra begann, als ich vier war. Meine Familie geh&amp;ouml;rt zur  Volksgruppe der Igbo, die f&amp;uuml;r die Unabh&amp;auml;ngigkeit von Nigeria k&amp;auml;mpfte, in  einem brutalen Sezessionskrieg mit mehr als einer Million Opfer. Wir  verloren unsere Heimat und zogen zweieinhalb Jahre lang von Ort zu Ort.  Wenn man alles zur&amp;uuml;cklassen muss, kann man sich nicht an Dinge binden.  So h&amp;auml;nge ich bis heute eher an Erinnerungen als an Objekten, sie sind  greifbarer f&amp;uuml;r mich als irgendwelche Sachen. Dennoch fing ich nach dem  Ende des Krieges an, B&amp;uuml;cher und Zeitschriften zu sammeln. Mit zw&amp;ouml;lf  bekam ich Shakespeares gesammelte Werke zum Geburtstag, darauf war ich  stolz. Zu meiner kleinen Sammlung literarischer Werke, etwa 30 B&amp;uuml;cher,  kam eine weit gr&amp;ouml;&amp;szlig;ere Sammlung von Krimis, von Autoren wie Mickey  Spillane und James Hadley Chase, und von den amerikanischen Magazinen &lt;em&gt;Ebony&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Jet&lt;/em&gt;,  in denen ich Geschichten &amp;uuml;ber die gro&amp;szlig;en afroamerikanischen Stars und  Sportler las. Mit 19 ging ich zum Studium nach New York - und lie&amp;szlig; all  diese Dinge zur&amp;uuml;ck. Ich habe oft neu angefangen, ohne Dinge aus meinem  alten Leben in mein neues mitzunehmen.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57677.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;&lt;/span&gt;Steine und Platten&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SAMMLUNG&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Steine&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57655.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SAMMLER &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nicolaus Schafhausen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kunsthalle Wien&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Ich war ein hibbeliges Kind, fast schon hyperaktiv. Mein Vater konnte mich nur zur Ruhe bringen, indem er mit mir laufen ging. Wir wohnten in D&amp;uuml;sseldorf, also liefen wir am Rhein entlang. Ich suchte am Ufer nach flachen Steinen, die ich &amp;uuml;bers Wasser flitzen lassen konnte - aber die sch&amp;ouml;nsten wollte ich ungern verlieren, also steckte ich sie in die Tasche und brachte sie nach Hause. In meinem Kinderzimmer entstand eine riesige Sammlung. Als es ein paar Tausend waren, verlegte ich sie in unseren Garten. Einmal versuchte ich im Werkunterricht den perfekten Stein zu t&amp;ouml;pfern, aber die Form bekommt niemand so gut hin wie die Natur. Einen Stein habe ich immer noch, er ist dunkel gemasert, liegt toll in der Hand. Ich trage ihn oft in der Hosentasche, wie einen Schl&amp;uuml;sselbund. Er ist eine sch&amp;ouml;ne Erinnerung an die gemeinsame Zeit mit meinem Vater. Wenn ich heute an einem Flussufer jogge, geht mir immer noch das Herz auf. Abgerundete Steine anzufassen hat etwas Emotionales, aber gleichzeitig Intellektuelles. Steine flitzen zu lassen versetzt mich noch immer in eine kindliche Tr&amp;auml;umerei.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57657.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;-&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SAMMLUNG&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rolling-Stones-Platten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57659.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SAMMLER&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Michael Eissenhauer&lt;br /&gt;Staatliche Museen zu Berlin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Meine  &amp;auml;lteste Platte ist Satisfaction, das Cover sieht ganz grausig aus, ein  furchtbares Rot ist das. Ich h&amp;ouml;rte sie zum ersten Mal im Sommer 1966 bei  meiner Cousine. Ich war neun, nat&amp;uuml;rlich verstand ich kein Wort, aber  der Song hatte diesen irren Drive, der Beat ging so zur Sache, wie ich  das noch nie geh&amp;ouml;rt hatte. Von diesem Tag an entwickelte sich mein  Geschmack allm&amp;auml;hlich in Richtung Blues- und Jazzrock. Die Beatles nahm  ich episodisch wahr, h&amp;auml;tte mir aber nie eine Platte von ihnen gekauft.  Als Stones-Fan war das ja Ehrensache.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57661.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;&lt;/span&gt;Postkarten und G&amp;auml;nse&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;strong&gt;SAMMLUNG &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kunstpostkarten &lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57663.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SAMMLER&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Hans-Ulrich Obrist &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Serpentine Gallery, London&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Als ich zehn war, erz&amp;auml;hlten mir meine Eltern vom Kunsthistoriker Aby Warburg, und ich beschloss, wie er einen &amp;rsaquo;Bilder-atlas&amp;lsaquo; anzulegen. Also begann ich Postkarten zu kaufen mit ber&amp;uuml;hmten Kunstwerken, von D&amp;uuml;rer bis zu den Impressionisten. Ich legte K&amp;auml;sten an und sortierte die Karten fast t&amp;auml;glich neu: nach Epoche, K&amp;uuml;nstler oder Motiv. Es war eine Art tragbares Museum, fast immer hatte ich einen Stapel dabei. Mit 15 ging ich jeden freien Nachmittag ins Museum, die Karten hatten ihren Zweck als Bilderquelle erf&amp;uuml;llt. Ich verschickte sie per Post.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57665.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;strong&gt;SAMMLUNG &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;G&amp;auml;nse &lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57667.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SAMMLER &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Klaus Biesenbach&lt;br /&gt;&lt;em&gt;MoMa PS1, New York&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Ich war ein gro&amp;szlig;er Bewunderer von Konrad Lorenz. Als ich 14 war, besorgte ich mir Eier von Wildg&amp;auml;nsen. Nach vier Wochen im Brutkasten schl&amp;uuml;pften die G&amp;ouml;ssel, bald waren sie auf mich gepr&amp;auml;gt: Wenn ich in unserem Viertel spazieren ging, watschelten sie hinter mir her. In einem Verschlag im Garten zog ich Graug&amp;auml;nse, H&amp;ouml;cker- und Kanadag&amp;auml;nse auf. Meine Lieblinge waren aber Nilg&amp;auml;nse, die man schon auf &amp;auml;gyptischen Hieroglyphen findet. &amp;Uuml;ber die Jahre flogen einige weg, andere starben - als ich Abitur machte, waren noch f&amp;uuml;nf &amp;uuml;brig. Ich schenkte sie meinem Biolehrer.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57669.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;&lt;/span&gt;Schachteln, Flugzeuge und &lt;span&gt;Streichh&amp;ouml;lzer&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;strong&gt;SAMMLUNG&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zigarettenschachteln&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57671.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SAMMLER&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Max Hollein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;St&amp;auml;del Museum &amp;amp; Schirn, Frankfurt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Schrecklich war das f&amp;uuml;r die Eltern. St&amp;auml;ndig habe ich leere Zigarettenschachteln von der Stra&amp;szlig;e aufgelesen oder in M&amp;uuml;lleimern nach ihnen gew&amp;uuml;hlt. Bis ich 16 war, kamen so Tausende unterschiedliche Schachteln zusammen. Sie zu sammeln erforderte keinerlei finanziellen Einsatz - das hat mir gefallen. Die Schachteln haben mich als kulturelle Objekte fasziniert, die einen Zeitgeist ausdr&amp;uuml;cken k&amp;ouml;nnen, und auch als Designobjekte. Die roten Marlboro sahen von Land zu Land anders aus, solche Nuancen habe ich studiert. Selbst geraucht habe ich nie.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57673.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;-&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SAMMLUNG &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Modellflugzeuge   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57651.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SAMMLER &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tobia Bezzola &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Museum Folkwang, Essen &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Mein  erstes Flugzeug war eine Boeing B-17 &amp;rsaquo;Flying Fortress&amp;lsaquo;, ein gro&amp;szlig;er  amerikanischer Bomber aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Baus&amp;auml;tze hatten  immer ein wunderbar knalliges Bild auf der Schachtel, das in krassem  Kontrast zu den grauen Plastikteilen stand, die dann aus dem Karton  purzelten. Meine Sammlung forderte viel Geduld: Zuerst musste ich die  Verstrebungen und Bolzen vom Plastikrahmen l&amp;ouml;sen. Nie passten die  zusammen, st&amp;auml;ndig musste ich mit einer Nagelfeile nachbearbeiten. Beim  Zusammenkleben bescherte mir dann der Fl&amp;uuml;ssigleim erste Drogen-  erlebnisse. Schlie&amp;szlig;lich kam der H&amp;ouml;hepunkt: das feierliche Einsetzen des  Piloten ins Cockpit. Wenn das Flugzeug am Ende lackiert und mit den  Wappen der Truppengattungen beklebt war, war die Entt&amp;auml;uschung immer  gro&amp;szlig;: Das fertige Modell hatte mit dem Bild auf der Schachtel nur  rudiment&amp;auml;re &amp;Auml;hnlichkeiten. Bis ich ungef&amp;auml;hr zw&amp;ouml;lf war, standen Dutzende  Kampfjets aus dem Zweiten Weltkrieg in den unterschiedlichen Graden der  Vollendung in meinem Regal. Der historische Kontext war mir egal. Bauen,  Aufstellen, Arrangieren - das war das Spannende.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57653.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SAMMLUNG&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Streichholzschachteln&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57679.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SAMMLER&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Udo      Kittelmann&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Nationalgalerie, Berlin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Meine Streichholzschachtelsammlung      datiere ich auf die sp&amp;auml;ten Sechzigerjahre, ich war ungef&amp;auml;hr zehn. Mein      Vater arbeitete als Ingenieur f&amp;uuml;r eine Schweizer Firma und war viel auf      Reisen. Manchmal h&amp;ouml;rten wir &amp;uuml;ber l&amp;auml;ngere Zeit, au&amp;szlig;er durch Telegramme,      nichts von ihm. Wenn er zur&amp;uuml;ckkam, brachte er als Souvenir &amp;ouml;fter auch      Streichholzschachteln mit, aus mir damals exotisch erscheinenden L&amp;auml;ndern.      Die wunderbarsten kamen aus Las Vegas, &amp;rsaquo;The Dunes&amp;lsaquo; warb zum Beispiel mit      &amp;rsaquo;1000 deluxe rooms&amp;lsaquo; - f&amp;uuml;r mich als Kind in D&amp;uuml;sseldorf waren das damals      unvorstellbare Dimensionen. Die Schachteln aus Saudi-Arabien und China      faszinierten mich besonders wegen den fremdartigen Schriftz&amp;uuml;gen, in      Deutschland gab es ja damals fast nur die immer gleich aussehenden      &amp;rsaquo;Welth&amp;ouml;lzer&amp;lsaquo;. Die Schachteln erweckten meine Neugierde auf die Orte, die      mein Vater bereiste und machten mir gleichzeitig die Sch&amp;ouml;nheit      grafischer Gestaltung bewusst. Beim Sammeln &amp;uuml;bt man ja die Wahrnehmung,      man muss st&amp;auml;ndig relativieren: Welche Schachtel gef&amp;auml;llt mir      besser, welche schlechter? Heute habe ich noch etwa 200 Schachteln.&amp;laquo;   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57681.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fotos: Steffen Jagenburg @ Kunsthalle Wien 2012; Anna Meyer; Staatliche Museen zu Berlin / Thomas Meyer; Staatliche Museen zu Berlin / Sandra Stei&amp;szlig;; Ofer Wolberger; ddp images; Michael Hudler; David von Becker; Ben Kuhlmann&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Mehr! Mehr!</dc:subject>
    <dc:creator>Jan Stremmel, Johannes Waechter (Protokolle)</dc:creator>
    <dc:date>2013-03-20T12:00:00+01:00</dc:date>
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  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39023">
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    <title>Wieso, weshalb, warum</title>
    <description>&lt;p&gt;Viele halten Journalisten f&amp;uuml;r anma&amp;szlig;ende Spinner,      die glauben, die ganze Welt lasse sich in ein paar Infografiken      abbilden. Und da haben sie v&amp;ouml;llig recht. Hier erkl&amp;auml;ren wir mal      eben den SINN DES LEBENS.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;Ganz einfach: Jeder Spa&amp;szlig; im Leben l&amp;auml;sst sich mit der Kombination zweier Sinneswahrnehmungen erkl&amp;auml;ren. Das Schaubild, das die Grafikerin Jessica Hagy f&amp;uuml;r das SZ-Magazin angefertigt hat, basiert auf den neun Prinzipien der Sinnesfreuden, die der englische Philosoph Jeremy Bentham (1748&amp;ndash;1832) definierte. Bentham forderte &amp;uuml;brigens schon im fr&amp;uuml;hen 19. Jahrhundert das Frauenstimmrecht, die Abschaffung der Todesstrafe, die Legalisierung der Homosexualit&amp;auml;t und die Pressefreiheit. Wir sagen: guter Mann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; AB = Schnapspralinen&lt;br /&gt;AC = Roquefort&lt;br /&gt;AD = Mit dem Essen spielen&lt;br /&gt;AE      = Pawlows Hund&lt;br /&gt;AF = H&amp;uuml;bsch angerichtetes Essen&lt;br /&gt;AG = K&amp;uuml;sse&lt;br /&gt;AH      = Placebos&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54579.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;AI = Mit verbundenen Augen naschen&lt;br /&gt;BC = Parf&amp;uuml;m&lt;br /&gt;BD      = Kitzeln&lt;br /&gt;BE = Symphonien&lt;br /&gt;BF = Halluzinationen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;BG = Auch h&amp;auml;ssliche Menschen brauchen      Liebe&lt;br /&gt;BH = Lieber mal ein Taxi rufen&lt;br /&gt;BI = Cocktails mit witzigen      Namen&lt;br /&gt;CD = Bl&amp;uuml;tenbl&amp;auml;tter&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;CE = Feueralarm&lt;br /&gt;CF =      Werner-Mang-Nase&lt;br /&gt;CG = Studentenwohnheim&lt;br /&gt;CH = Hygiene&lt;br /&gt;CI =      Neues Auto&lt;br /&gt;DE = Vinylplatten&lt;br /&gt;DF = Blindenschrift&lt;br /&gt;DG = Fummeln&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54571.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;DH      = Massage&lt;br /&gt;DI = Babykatzen&lt;br /&gt;EF = Kino&lt;br /&gt;EG = D&amp;uuml;nne W&amp;auml;nde&lt;br /&gt;EH      = Lachen&lt;br /&gt;EI = Neuer Handyklingelton&lt;br /&gt;FG = Reizw&amp;auml;sche&lt;br /&gt;FH      = Karotten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;FI = R&amp;ouml;ntgenaufnahmen&lt;br /&gt;GH = Liebe&lt;br /&gt;GI =      Seitensprung&lt;br /&gt;HI = Unsterblichkeit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;em&gt;&amp;#10163; Und das &amp;raquo;ZEITmagazin&amp;laquo;? Versucht ebenfalls den Sinn des Lebens auf einer Doppelseite zu erkl&amp;auml;ren. Im Ernst: Die sind doch total      gr&amp;ouml;&amp;szlig;enwahnsinnig. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Wieso, weshalb, warum</dc:subject>
    <dc:creator></dc:creator>
    <dc:date>2012-12-12T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Bilder einer Ausstellung</title>
    <description>&lt;p&gt;Wir stellen Ihnen 17 Videoarbeiten von renommierten K&amp;uuml;nstlerinnen und K&amp;uuml;nstlern      vor, die exklusiv f&amp;uuml;r das SZ-Magazin kuratiert wurden. Zusammen      ergeben sie unsere diesj&amp;auml;hrige Edition 46, eine virtuelle Ausstellung, die      man als SZ-Magazin-App herunterladen oder vier Wochen auf unserer Webseite sehen kann. Manche Filme irritieren, r&amp;uuml;tteln auf, andere sind ganz      still, melancholisch, sch&amp;ouml;n. Der k&amp;uuml;rzeste dauert gut zwei Minuten, der      l&amp;auml;ngste mehr als elf Minuten, gemeinsam zeigen sie, was Videokunst im Jahr      2012 sein und leisten kann.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Anmerkung: &lt;/strong&gt;Die Videos aus der Edition 46 des SZ-Magazins waren nach Erscheinen des Hefts vier Wochen lang &lt;/em&gt;&lt;em&gt;&lt;em&gt;an dieser Stelle &lt;/em&gt;zu sehen. Inzwischen sind sie nicht mehr online verf&amp;uuml;gbar. Wir bitten um Verst&amp;auml;ndnis.&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1 ROOM 309, &lt;/strong&gt;3 min 15 sec SUE DE BEER, 39, New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Die Welt ist eine Folge von R&amp;auml;umen, Tagen, Menschen&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In einem Hotelzimmer verdichtet sich unser Leben zur Momentaufnahme. Oft bleiben wir nur eine Nacht. Wenn es hell wird, stehen wir auf, &amp;ouml;ffnen die Vorh&amp;auml;nge, holen unsere Sachen aus dem Badezimmer. Wir stopfen Klamotten in Koffer, ziehen Rei&amp;szlig;verschl&amp;uuml;sse zu und werfen die Zeitung weg, die auf dem Tisch lag. Bis vor wenigen Stunden aber haben wir hier getrunken, gek&amp;uuml;sst, nach dem anderen verlangt. In Room 309 zeigt Sue de Beer Bilder einer Aff&amp;auml;re. In Erinnerungsfetzen ziehen sie vorbei, mal schwarz-wei&amp;szlig;, dann wieder in Farbe: Das Leben einer Nacht, ein paar Stunden nur, die mit dem Klicken des T&amp;uuml;rschlosses unwiederbringlich vorbei sind.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2 GREATEST SHOW ON EARTH, &lt;/strong&gt;10 min 14 sec, SVEN JOHNE, 36, Berlin &lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&amp;raquo;&amp;hellip; und dann, meine sehr verehrten Damen und Herren, freuen Sie sich mit mir auf die zauberhafte Mademoiselle C&amp;eacute;cile Joliesse. Sie tr&amp;auml;gt heute abend ihr wohl sch&amp;ouml;ns-tes Kleid: Dupionseide, sehr kurz, sehr knapp. C&amp;eacute;cile ist erst 17 Jahre alt. Das Reiten ist ihre Leidenschaft &amp;hellip;&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In &lt;em&gt;Greatest Show on Earth &lt;/em&gt;zeigt der K&amp;uuml;nstler Sven Johne einen halbseidenen Ansager im Rampenlicht einer leeren B&amp;uuml;hne. Gleich soll sie beginnen Die gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Show auf Erden. Aber wo ist das Publikum? Zu wem spricht er? Und h&amp;ouml;rt er jemals wieder auf damit? Johne pervertiert das Prinzip &amp;raquo;Zirkus&amp;laquo;, er kritisiert das &amp;raquo;H&amp;ouml;her, Schneller, Weiter&amp;laquo;, die Ausbeutung von Mensch, Tier und Material.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;3 STRINGS OF AFFECTION, &lt;/strong&gt;9 min 43 sec, EMMANUELLE ANTILLE, 40,      Lausanne&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Die Frau in Ihrem Film wirkt traurig. Wer ist sie?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Emmanuelle      Antille:&lt;/strong&gt; Sie wirkt gar nicht traurig, finde ich. Und es ist meine      Mutter, aber das spielt keine Rolle. Ich drehe mit ihr, weil sie sich ganz      nat&amp;uuml;rlich vor der Kamera bewegt. Sie schauspielert nicht. Die Szenen      sollen dokumentarischen Charakter haben, ich drehe oft mit meiner Familie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum      spannt sie F&amp;auml;den durch die Wohnung?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sie spannt F&amp;auml;den wie Gedanken.      Sie kreiert einen mentalen Raum und macht dadurch ihre Beziehungen zur      Umwelt sichtbar. Sie ist dabei ganz frei. Gleichzeitig wird sie, gerade      weil sie ihren Gedanken Raum gibt, auch durch sie beschr&amp;auml;nkt. Frei und      nicht frei, abh&amp;auml;ngig und unabh&amp;auml;ngig, um dieses Paradox geht es mir. Und um      eine weibliche Innensicht. Die sieht man selten. Meistens werden Frauen      aus einer m&amp;auml;nnlichen Perspektive dargestellt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und was bedeutet die      Winterlandschaft, die zwischendurch zu sehen ist?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das ist die reale      Au&amp;szlig;enwelt, im Gegensatz zur gedanklichen in der Wohnung. Mich interessiert      die Grenze zwischen Realit&amp;auml;t und Fiktion. Was ist normal? Was      verr&amp;uuml;ckt? Und ab wann beginnt uns etwas zu st&amp;ouml;ren?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;4 FOREVER CAN BEGIN,&lt;/strong&gt; 2 min 21 sec, ZILLA LEUTENEGGER, 44, Z&amp;uuml;rich&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Forever      can begin&amp;laquo;, singt Michael Jackson in You Are Not Alone. Zilla Leutenegger      gefiel die Zeile und sie &amp;nbsp;machte sie zum Titel ihres Kurzfilms, einer      abgefilmten Rauminstallation: Die besteht aus einer Wand, auf die eine      Liege gezeichnet ist. An der Wand lehnt ein Cello, das Leutenegger selbst      gebaut hat. Auf Wand und Cello wird ein Film projiziert: Er zeigt die      K&amp;uuml;nstlerin, wie sie zum ersten Mal im Leben Cello spielt - auf einem      richtigen Instrument. Die Aufnahmen hat Leutenegger abgezeichnet. Deshalb      ist sie im Film nur gemalt zu sehen, daf&amp;uuml;r ist der Ton echt. &amp;nbsp;      &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;5 NATIONALPARK,&lt;/strong&gt; 5 min 15 sec, CHRISTOPH BRECH, 48,      M&amp;uuml;nchen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Das Leben - fl&amp;uuml;chtig wie ein      Schatten&amp;laquo;   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich hatte sich Christoph Brech vorgenommen, auf dem      Familienausflug in den Bayerischen Wald mal nicht zu filmen. Aber dann      entdeckte er im Nationalpark diesen Schatten, den der Holzsteg des      Baumwipfelpfads auf den Waldboden warf. Auf einmal sah er nur noch die bewegten Schatten; der karge Waldboden wurde zur Projektionsfl&amp;auml;che, zur B&amp;uuml;hne f&amp;uuml;r das Treiben auf dem Pfad, er schnappte sich die Kamera seiner Cousine - und filmte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;6 THE OPENING,&lt;/strong&gt; 7 min 20 sec, JULIAN ROSEFELDT, 47, Berlin &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin:      Nehmen Sie in The Opening den Kunstmarkt auf die Schippe? &amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Julian      Rosefeldt:&lt;/strong&gt; Ja, ich zeige eine Ausstellung in einem typischen      Beton-Kunstraum mit einem typischen Publikum: das Sammler-Ehepaar, die      K&amp;uuml;nstlerkollegen, Groupies, Journalisten. Alle diskutieren &amp;uuml;ber diese      wei&amp;szlig;e Skulptur in der Mitte. Die ist aber nur die Karikatur eines modernen      Kunstwerks, ein Fetisch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und irgendwann kleben die Besucher wie Fliegen      an der Wand.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja. Ich habe in einem Rotor gedreht, einem zylindrischen      Raum, der sich so schnell dreht, dass die Menschen ihr Gleichgewicht      verlieren und an die Wand gedr&amp;uuml;ckt werden. Ist eine alte      Kirmes-Attraktion, die wir f&amp;uuml;r einen Tag zum Kunstraum umfunktioniert      haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wieso sieht man die Drehung nicht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weil die Kameras sich      mitdrehen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Und warum verliert die Kunstgemeinde das Gleichgewicht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weil      sie hysterisch geworden ist. Es ist der H&amp;ouml;hepunkt einer      schwindelerregenden Entwicklung, die ich kommentiere. Aber es steckt noch      ein anderes Motiv darin: Der Mensch ist &amp;auml;u&amp;szlig;eren Kr&amp;auml;ften ausgesetzt, die er      weder kontrollieren noch aufhalten kann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;7 SAILOR, &lt;/strong&gt;9 min 48 sec, HILLARY LLOYD, 48, London &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;raquo;Ich ziehe es vor,      nichts &amp;uuml;ber mein Video zu schreiben&amp;laquo;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sagt Hilary Lloyd, die letztes Jahr      f&amp;uuml;r den renommierten Turner Prize nominiert war. Also: anschauen,      nachdenken, selbst urteilen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;8 LIFE IS AN OPINION, FIRE A FACT,&lt;/strong&gt; 6 min 13 sec, KAREN YASINSKY, 47,      Baltimore&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was passiert mit uns, wenn wir einen Selbstmord beobachten? Eine      Selbstmordszene zeigt das Resultat, aber nie die Gedanken und Gef&amp;uuml;hle, die      zu ihm gef&amp;uuml;hrt haben. Die Tat bleibt isoliert: Eine Frau ist in den Tod      gesprungen, sie blutet am Kopf. Ein Mann verbrennt sich selbst. In &lt;em&gt;Life is      an Opinion, Fire a Fact&lt;/em&gt; zeigt Karen Yasinsky Filmfragmente, die keine      Geschichte ergeben. Manche sind nachgezeichnet, andere abgefilmt. Sie sind      durch St&amp;ouml;rbilder ihres alten Fernsehers getrennt, die einen eigenen      Rhythmus schaffen und uns daran erinnern, dass wir sicher in unserem      Wohnzimmer sitzen. &amp;raquo;Life is an Opinion&amp;laquo; ist &amp;uuml;brigens ein Zitat des      r&amp;ouml;mischen Kaisers Marcus Aurelius: &amp;raquo;Unser Leben ist das Produkt unserer      Gedanken.&amp;laquo; &amp;nbsp; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;9 OZONE,&lt;/strong&gt; 2 min 22 sec, JACCO OLIVIER, 40, Amsterdam&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Ich male      dicke Farbschichten auf kleine Holzbretter und mache ein Foto davon. Dann      male ich etwas dr&amp;uuml;ber, mache wieder ein Foto und so weiter, bis ich Hunger      habe oder das Telefon klingelt. Am Computer schneide ich die Fotos dann so      aneinander, dass der Betrachter sich zwischen den einzelnen Schichten      bewegen kann.&amp;laquo; (Jacco Olivier)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit der Vertonung von Michael      van Noort klingt das, als bewege man sich unter Wasser.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;10 SONNTAG 2&lt;/strong&gt;, 11 min 46 sec, JOCHEN KUHN, 58, Ludwigsburg &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;raquo;Warum werden      Menschen am Sonntag melancholisch?&amp;laquo; &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Sonntag ist ein besonderer      Tag. Er konfrontiert uns mit vielen Fragen: Arbeite ich, um auszuruhen,      oder ruhe ich mich aus, um zu arbeiten? Wenn ich f&amp;uuml;r diesen &amp;raquo;Tag des      Eigentlichen&amp;laquo; die ganze Woche &amp;uuml;ber arbeite, warum verschlafe ich      ihn dann? Genie&amp;szlig;e ich die Stille des Sonntags oder sehne ich mich      zur&amp;uuml;ck nach der Arbeitswut des Alltags? Wei&amp;szlig; ich am Ende nichts mit mir      anzufangen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;F&amp;uuml;r seinen Film hat Jochen Kuhn 90 Bilder gemalt      und sie mit einem Diafilm abfotografiert. Die Dias hat er auf Leinw&amp;auml;nde projiziert,      die er auch bemalt hat, um sie schlie&amp;szlig;lich mit einer digitalen      Kamera abzulichten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;[seitenumbruch title=&quot;K&amp;uuml;nstler 11-17&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;11 VERTICAL ON MY OWN,&lt;/strong&gt; 3 min 9 sec, A K DOLVEN, 59, London und      Lofoten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vollmond auf den Lofoten, 200 Kilometer n&amp;ouml;rdlich des Polarkreises:      Hier ist Norwegens bekannteste K&amp;uuml;nstlerin A K Dolven aufgewachsen. F&amp;uuml;r      Vertical on my own haben sich ihre Familienmitglieder und Freunde in den      Schnee gestellt. Ihr Schatten ist das Einzige, was sich bewegt. Eine Szene      der Stille und des Friedens - wenn dieses komische Ger&amp;auml;usch nicht w&amp;auml;re.      F&amp;uuml;r Ausstellungen muss Dolven ihren Film auf eine 15 Meter breite Wand      projizieren, so lang sind die Schatten im Norden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;12 STRAUSS OK,&lt;/strong&gt; 4 min 36 sec, JEANNE FAUST, 44, Hamburg&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Mein Film      basiert auf einem Anzeigenmotiv von Gucci: M&amp;auml;nner in wei&amp;szlig;en Kitteln, die      in einem Florentiner Atelier stehen und Leder zerschneiden. Gucci nutzt      dieses Foto aus dem Jahr 1921 f&amp;uuml;r Werbezwecke. Es soll die Marke mit alter      Handwerkstradition, Authentizit&amp;auml;t und Best&amp;auml;ndigkeit in Verbindung bringen.      Ich glaube, gute Werbung fasst eine gesellschaftliche Stimmung zusammen      und erweckt einen Wunsch, den sich der Einzelne zu erf&amp;uuml;llen versucht. Mein      Film unterl&amp;auml;uft dieses System.&amp;laquo; (Jeanne Faust) &amp;nbsp; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;13 PIANO CHAIR,&lt;/strong&gt; 3 min 52 sec, ROBIN RHODE, 36, Berlin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Pianist, der      sein Klavier nicht zerst&amp;ouml;ren, sondern erstechen, zerhacken, verbrennen und      aufh&amp;auml;ngen will. In Rhodes Animationsfilm &lt;em&gt;Piano Chair&lt;/em&gt; geht es aber um viel      mehr als nur die Wut des Musikers auf sein Instrument. &amp;raquo;&lt;em&gt;Es geht um das      Eindringen der Moderne ins koloniale S&amp;uuml;dafrika w&amp;auml;hrend der      Rassendiskriminierung&lt;/em&gt;.&amp;laquo; Der Fl&amp;uuml;gel scheint der T&amp;auml;ter zu sein, der Hocker      der stumme Zeuge dieser Gewaltattacke. &amp;raquo;Der Rhythmus der Bilder&amp;laquo;,      sagt Rhode, &amp;raquo;erinnert an Musik von Prokofiew.&amp;laquo; Dessen Solowerke f&amp;uuml;r      Klavier seien manisch und selbstzerst&amp;ouml;rerisch - wie sein Film. &amp;nbsp;      &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;14 REBEL REBEL,&lt;/strong&gt; 8 min 40 sec, MARTIN BRAND, 36, K&amp;ouml;ln&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: In Ihrem      Film wird ziemlich viel geschrien. Worum geht es?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Martin Brand:&lt;/strong&gt; Um      Jugendkultur und Identit&amp;auml;t. &lt;em&gt;Rebel Rebel&lt;/em&gt; basiert auf Aufnahmen, die ich in      der Metal- und Deathcore-Szene rund um den Musiker David Beule gemacht      habe. Ich zeige die Musiker beim Proben, beim Warmsingen oder ganz      allt&amp;auml;glichen Dingen wie Computerspielen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie sind Sie auf den      Protagonisten David Beule gekommen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe Jungs auf der Stra&amp;szlig;e      angesprochen, von denen ich annahm, dass sie Musik machen. Reiner      Instinkt. Irgendwann habe ich David getroffen und wusste sofort: Der ist      es. David hat eine ungebremste Heftigkeit, eine unglaubliche Power, er ist      rastlos und faszinierend.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum schreien die Jungs so?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Shouten      geh&amp;ouml;rt zu dieser Art von Musik. Es dr&amp;uuml;ckt das Bed&amp;uuml;rfnis aus, sich radikal      zu &amp;auml;u&amp;szlig;ern. Es hat etwas Archaisches, und ich wollte unbedingt wissen, was      dahintersteckt. Das Shouten ist wie das T&amp;auml;towieren ein Ausdruck      ungebremsten Lebens. Eine zeitgen&amp;ouml;ssische Form des Rock &amp;rsquo;n&amp;rsquo; Roll.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;15 SUDDEN DESTRUCTION,&lt;/strong&gt; 4 min BJ&amp;Oslash;RN MELHUS, 46, Berlin &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und wieder ein      Hotelzimmer. Diesmal steht ein Mann am Fenster und k&amp;uuml;ndigt einen Krieg an.      Im Fernsehen z&amp;auml;hlt ein Moderator Endzeit-Szenarien auf, daneben erwacht      ein regloser K&amp;ouml;rper zum Leben und spricht mit gespenstisch verzerrter      Stimme von der unmittelbar bevorstehenden Zerst&amp;ouml;rung, der &amp;raquo;sudden      destruction&amp;laquo;. F&amp;uuml;r seinen Film hat Bj&amp;oslash;rn Melhus auf Youtube nach      Endzeit-Tr&amp;auml;umen gesucht. Tausende Menschen haben dort unter dem Stichwort      &amp;raquo;sudden destruction&amp;laquo; ihre apokalyptischen Prophezeiungen hochgeladen, die      meisten von ihnen mit christlich-religi&amp;ouml;sem Hintergrund. Sie predigen aus      Hobbykellern und Wohnzimmern, manche haben sich zurechtgemacht, andere      wirken wie aus dem Schlaf gerissen. Allen gemein ist eine lustvolle      Sehnsucht nach Zerst&amp;ouml;rung, bei der die Guten errettet werden. Aus dem Chor      der Hobbyprediger hat Melhus drei Stimmen ausgew&amp;auml;hlt und eine Tonspur      erstellt, die eine eigene Geschichte erz&amp;auml;hlt. Eine Geschichte, die mal wie      eine S&amp;eacute;ance, dann wie ein exorzistischer Akt wirkt. Die Figuren verk&amp;ouml;rpert      Melhus selbst, wie ein Medium l&amp;auml;sst er die Stimmen durch sich sprechen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;16 IM SCHIFFBRUCH NICHT SCHWIMMEN K&amp;Ouml;NNEN&lt;/strong&gt;, 8 min 23 sec,      MARCEL ODENBACH, 59, K&amp;ouml;ln&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;raquo;Am Meer sitzen und von der Ferne tr&amp;auml;umen. Aber      was ist, wenn die Ferne zur Heimat wird?&amp;laquo; Dann, so haben es die Afrikaner      Marcel Odenbach erz&amp;auml;hlt, wird die alte Heimat zur neuen Fremde. Odenbach      musste lange suchen, bis er illegale Einwanderer fand, die bereit waren,      mit ihm &amp;uuml;ber ihre Erfahrungen zu sprechen. Er ist mit ihnen nach Paris      gereist und in den Louvre gegangen. Die M&amp;auml;nner aus Nigeria und Kamerun      sa&amp;szlig;en vor dem &amp;raquo;Flo&amp;szlig; der Medusa&amp;laquo; von Th&amp;eacute;odore G&amp;eacute;ricault,      dem Bild, das die Kolonialgeschichte Europas schildert und das Meer      zeigt, &amp;uuml;ber das auch diese M&amp;auml;nner nach Europa kamen. Sie      f&amp;uuml;hrten lange Gespr&amp;auml;che, an R&amp;uuml;ckkehr aber dachte keiner. &amp;nbsp;&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;17 SENTIMENTAL FUTURIST,&lt;/strong&gt; 4 min 51 sec, SHANA MOULTON, 36, New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shana      Moulton ist bekannt f&amp;uuml;r ihre ironischen und humorvollen Video-Arbeiten und      Performances. Seit Jahren untersucht die K&amp;uuml;nstlerin die Wechselwirkung von      Konsum und Kunst. Bis heute ist sie &amp;uuml;berzeugt davon, dass sie ihren besten      Film im Alter von 15 gedreht hat: ein Remake der legend&amp;auml;ren      Black-Lodge-Szene aus &lt;em&gt;Twin Peaks&lt;/em&gt;.&amp;nbsp; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Sentimental Futurist&lt;/em&gt; ist alles      auf einmal: melancholisch, absurd, spannend, bildungsb&amp;uuml;rgerlich und sehr      komisch. &amp;raquo;Ich habe versucht, eine Oil-of-Olaz-Werbung mit den gro&amp;szlig;en      Frauenfiguren der Kunstgeschichte zu verbinden&amp;laquo;, sagt Shana Moulton.      Das war die Grundidee. Als Soundtrack w&amp;auml;hlte sie eine Chorversion des      Liedes The First Time I Ever Saw Your Face, das in den F&amp;uuml;nfzigerjahren die      Oil-of-Olaz-Werbung untermalte. Die Frauen holte sie sich aus dem      bekannten Youtube-Video Women in Art von Philip Scott Johnson - mit seiner      Erlaubnis. Es geht um Sch&amp;ouml;nheit in diesen f&amp;uuml;nf Minuten. Um Sch&amp;ouml;nheit und      wie wir sie uns zu verschiedenen Zeiten vorgestellt haben und immer noch      vorstellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Bilder einer Ausstellung</dc:subject>
    <dc:creator>Ingvild Goetz (Kuratorin)</dc:creator>
    <dc:date>2012-11-15T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38669">
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    <title>Bilder einer Einstellung</title>
    <description>&lt;p&gt;Wer sich nachgemachte Klassiker ins Wohnzimmer h&amp;auml;ngt, hat keinen Stil? Diese Meinung geh&amp;ouml;rt ins Museum. Ein Lob der Kopie.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/52405.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div&gt;Riskieren Sie es mal, bei einem Abendessen mit Menschen in Gr&amp;uuml;nwald oder Hamburg-Blankenese zu erz&amp;auml;hlen, Sie h&amp;auml;tten sich eine Reproduktion von van Goghs Roten Weinbergen bei Arles &amp;uuml;ber den Schreibtisch geh&amp;auml;ngt: Sie liebten das Bild, und der Weg nach Moskau ins Puschkin-Museum sei doch ein bisschen weit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was werden Sie erleben? Einige in der Runde werden verstohlen lachen &amp;ndash; andere Sie belehren: Reproduktionen, die seien was f&amp;uuml;r Leute, die sich eine Reise nach Moskau nicht leisten k&amp;ouml;nnten, Studenten zum Beispiel, f&amp;uuml;r Arme also und Banausen. Der wahre Kunstfreund halte sich ans Original, ans Echte eben, seine Aura, die Begegnung mit dem Pinselstrich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sie kennen das alles aus gehobenen Feuilletons, sagen Sie, und Museumsdirektoren m&amp;uuml;ssten ja so reden, aber f&amp;auml;llt denn keinem auf, dass die heftigsten Prediger der Einzigartigkeit jene Kunsth&amp;auml;ndler und Auktionsh&amp;auml;user sind, die mit Originalen Millionen verdienen? Immerhin, da stutzen einige. Und Sie drohen einfach an, beim n&amp;auml;chsten gemeinsamen Abendessen w&amp;uuml;rden Sie &amp;raquo;das Original als solches&amp;laquo; vollst&amp;auml;ndig zers&amp;auml;beln.&lt;br /&gt; Sie informieren sich also und k&amp;ouml;nnten beispielsweise so beginnen: Ich habe zwei Ohrfeigen mitgebracht. Die erste: In der bildenden Kunst kann der Experte die nahezu perfekten Reproduktionen von heute erst aus der N&amp;auml;he, der Laie meist &amp;uuml;berhaupt nicht vom Original unterscheiden &amp;ndash; und wenn, beeindruckt ihn das nicht. St&amp;ouml;rt es denn die Hunderttausende, die in Florenz auf der Piazza della Signoria den David bewundern, dass sie mit einer Kopie vorliebnehmen m&amp;uuml;ssen? Sie ist 1910 entstanden, um das Monumentalwerk des Michelangelo vor weiterer Verschmutzung zu sch&amp;uuml;tzen (es steht im Museum) &amp;ndash; und zwar dadurch, dass ein Bildhauer einen Gipsabdruck vom Original mit einem Punktierger&amp;auml;t abtastete und es zentimetergenau in Marmor nachformte. Auf der Piazzale Michelangelo steht sogar ein dritter David, in Bronze! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Und damit bin ich bei der zweiten Ohrfeige: Was ist denn das &amp;uuml;berhaupt, ein &amp;raquo;Original&amp;laquo;? Findet der Bronzeguss n&amp;auml;mlich im Auftrag des K&amp;uuml;nstlers statt, so haben auch mehrere Exemplare &amp;raquo;den Rang des Originals&amp;laquo;, sagt der Brockhaus.&lt;br /&gt; Die sogenannten Originalgrafiken werden sogar im Dutzend gehandelt &amp;ndash; und falls sie vom K&amp;uuml;nstler signiert sind, bekommen wir es flugs mit zwanzig oder drei&amp;szlig;ig &amp;raquo;Originalen&amp;laquo; zu tun. Hat Andy Warhol mit seinen Siebdrucken, von Konservendosen bis zur Mona Lisa, nicht aus der Serienproduktion ein in der Branche akzeptiertes Gesch&amp;auml;ftsmodell gemacht? Und k&amp;ouml;nnt ihr mir mal erkl&amp;auml;ren, was in der Musik das Original sein soll: die Partitur &amp;ndash; oder die hundert Arten, wie die Orchester sie zum Klingen bringen? In den anderen K&amp;uuml;nsten wird um das Original nicht so viel Gewese gemacht. In der Literatur wollen wir doch gar nicht erst mit ihm behelligt werden: Wer liest schon tausend Seiten Handschrift von Thomas Mann?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Aber nun der Hammer: Das Original kann uns geradezu erschrecken! So geschehen 1988. Da war das Deckenfresko der Sixtinischen Kapelle, Michelangelos Erschaffung Adams, acht Jahre lang mit h&amp;ouml;chster Akribie restauriert worden &amp;ndash; und die Farben traten mit einer Frische, ja mit einer Bilderbuch-Buntheit hervor, die viele Kunstfreunde verst&amp;ouml;rte; die Patina hatten sie als echter empfunden. Die &amp;raquo;Aura&amp;laquo; war futsch!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;M&amp;uuml;ssen wir ihr nachtrauern, wenn sie uns neuerdings ausdr&amp;uuml;cklich vorenthalten wird? Seit 1879 in der H&amp;ouml;hle von Altamira an der Nordk&amp;uuml;ste Spaniens die fantastischen Deckenmalereien aus der Steinzeit entdeckt worden sind, haben die Ausd&amp;uuml;nstungen der allzu vielen Besucher die Gem&amp;auml;lde schon so besch&amp;auml;digt, dass die H&amp;ouml;hle 1979 f&amp;uuml;r alle Neugierigen gesperrt worden ist. In dem nahen St&amp;auml;dtchen Santillana del Mar k&amp;ouml;nnen wir  die exakten Nachbildungen bewundern &amp;ndash; nicht mit krummem R&amp;uuml;cken und in ungleich besserem Licht. &amp;raquo;Die Frage &amp;rsaquo;Kopie oder Original&amp;lsaquo; ist im Zweifelsfall dem Publikum egal&amp;laquo;, res&amp;uuml;mierte der Kunstkritiker Reinhard J. Brembeck 2007 in der S&amp;uuml;ddeutschen Zeitung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;F&amp;uuml;r Museen, Galerien, Kunsth&amp;auml;ndler war das nat&amp;uuml;rlich eine schlimme Entwicklung. F&amp;uuml;r die Lebenden unter den K&amp;uuml;nstlern auch. Sie hat ja noch die beiden Zeitstr&amp;ouml;mungen verst&amp;auml;rkt, die seit dem 19. Jahrhundert die soziale Geltung der Maler dramatisch vermindert haben: Gott, Jesus und Maria sind l&amp;auml;ngst tausendfach gemalt und ihre Anbeter weniger geworden; die Fotografie hat die Alleinstellung des Portr&amp;auml;ts zerst&amp;ouml;rt, f&amp;uuml;r das P&amp;auml;psten, Kardin&amp;auml;len, F&amp;uuml;rsten, Patriziern einst nichts zu teuer gewesen war.&lt;br /&gt; Schon gar nicht mehr gibt es Auftr&amp;auml;ge wie den, den Maria von Medici 1621 dem Peter Paul Rubens erteilte: die Geschichte ihres Lebens in 21 Bildern! Auf ebenso viele kolossale Leinw&amp;auml;nde hat Rubens den Zyklus gedonnert, im Louvre wollen sie abgeschritten sein. Und st&amp;ouml;rte es damals irgend-jemand, dass Rubens selbstverst&amp;auml;ndlich eine Schar von Gehilfen und Sch&amp;uuml;lern hinzugezogen hatte?&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Heute braucht die Malerei zum &amp;Uuml;berleben ihre Prediger. Sie tun das &amp;Auml;u&amp;szlig;erste, um &amp;raquo;die emotionalen Qualit&amp;auml;ten des Originals&amp;laquo; herauszustreichen, das Zeitkolorit, das Fluidum, die Unwiederholbarkeit. F&amp;uuml;r die 107 Millionen Dollar, die das Auktionshaus Sotheby&amp;rsquo;s im Mai f&amp;uuml;r den Schrei des Edvard Munch erzielte, konnte man schon mal in die Tasten greifen: Originale sind ganz unbeschreiblich wichtig, und wer sich mit einer Reproduktion begn&amp;uuml;gt, ist ein Ignorant.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Aber die Vernunft bricht sich Bahn. &amp;Uuml;ber kunstsammelnde Milliard&amp;auml;re wie den K&amp;auml;ufer des Schreis schrieb die SZ vor Kurzem, sie h&amp;auml;tten &amp;raquo;die Preise am Kunstmarkt in absurde H&amp;ouml;hen getrieben. Oft entspringt die Begeisterung f&amp;uuml;r Kunst einem n&amp;uuml;chternen Kalk&amp;uuml;l: Wer teure Werke kauft, verschafft sich Anerkennung in den feinsten Kreisen der Gesellschaft&amp;laquo;. Da  liegt der Hund begraben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wenn aber das Original wirklich so unglaublich viel wert w&amp;auml;re: M&amp;uuml;ssten wir alle &amp;ndash; m&amp;uuml;sste die Weltgemeinschaft der Kunstfreunde sich nicht dagegen emp&amp;ouml;ren, dass ein Einzelner den Schrei herrisch an sich rei&amp;szlig;en durfte und ihn wegschlie&amp;szlig;t f&amp;uuml;r immer? Sollten wir uns nicht geradezu bem&amp;uuml;hen, die Stimmung umzudrehen &amp;ndash; also zu verk&amp;uuml;nden: Sch&amp;ouml;n, dass die Technik das Original fast entbehrlich gemacht hat! Genie&amp;szlig;en wir sie, diese prachtvollen Reproduktionen. Muss es denn dabei bleiben, dass die mehr als 800 Werke van Goghs auf sage und schreibe 171 Museen in allen Kontinenten verteilt sind? Wer soll die alle besuchen? Ich w&amp;uuml;nsche mir das eine Van-Gogh-Museum mit Reproduktionen seiner s&amp;auml;mtlichen Bilder! Handle, Unesco! &lt;br /&gt; Auslachen w&amp;uuml;rde Sie da keiner mehr.&amp;nbsp;&lt;strong&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;/div&gt;</description>
    <dc:subject>Bilder einer Einstellung</dc:subject>
    <dc:creator>Wolf Schneider</dc:creator>
    <dc:date>2012-10-19T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38427">
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    <title>Am Himmel hell und klar</title>
    <description>&lt;p&gt;Was echt nervt in Gro&amp;szlig;st&amp;auml;dten: Wir sehen vor lauter Licht      keine Sterne mehr. Jetzt reagiert ein Londoner K&amp;uuml;nstler - und h&amp;auml;ngt      einfach selbst welche in die Nacht.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heimlich hat Oscar Lhermitte die Sterne in den Londoner Nachthimmel      zur&amp;uuml;ckgebracht: Wochenlang schlich er im Morgengrauen durch die      st&amp;auml;dtischen Gr&amp;uuml;nanlagen, immer auf der Suche nach geeigneten Baumkronen,      um seine Sterne aufzuh&amp;auml;ngen. Getarnt mit einem grauen Elektriker-Overall      zog er los, kaum jemand bemerkte ihn. Nur die Hunde in den Parks rannten,      wenn er seine selbst gebauten Sternbilder in die Luft katapultierte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was      Lhermitte da mit Schleudern in die B&amp;auml;ume schoss, war seine Masterarbeit am      Royal College of Art. Dort hat der 25-J&amp;auml;hrige Produktdesign studiert. F&amp;uuml;r      seinen Abschluss wollte er keinen neuen Toaster oder Haartrockner      entwerfen. Stattdessen hat er sich eigene Sternbilder ausgedacht und      zwischen Parkb&amp;auml;ume gespannt. Man muss sie sich als dreieckige Netze      vorstellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Sternennetze bestehen aus einem Geflecht von      Nylonschn&amp;uuml;ren, Polyethylen und Fiberglas, im Durchschnitt messen sie etwa      acht Quadratmeter. Als Sterne hat Lhermitte LEDs auf den Netzen      angebracht, die tags&amp;uuml;ber mit einem Solarmodul aufgeladen werden. Sobald      die Nacht anbricht, beginnen sie zu leuchten und formen ein Sternbild. Der      Effekt entsteht, weil die d&amp;uuml;nnen F&amp;auml;den dazwischen unbeleuchtet bleiben; in      der Dunkelheit sind nur die k&amp;uuml;nstlichen Sterne zwischen den Baumkronen zu      sehen. Zw&amp;ouml;lf solcher Installationen hat Lhermitte &amp;uuml;ber verschiedene Parks      in London verteilt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Angefangen hatte alles damit, dass er es leid war,      keine Sterne mehr in seiner Stadt zu sehen. Doch Lhermitte entwickelte      einen Plan, um die Sterne zur&amp;uuml;ck nach London zu holen. &amp;Uuml;ber ein Jahr t&amp;uuml;ftelte      er an dem Projekt, versuchte es erst mit Heliumballons und konstruierte      sogar eine eigene Rakete, bis endlich klar war, wie es funktionieren      k&amp;ouml;nnte mit den k&amp;uuml;nstlichen Sternbildern. Doch Lhermitte geht es nicht nur      um den optischen Effekt, sein Projekt hat auch eine politische Dimension:      Mit den Sternennetzen will er auf die immer st&amp;auml;rker zunehmende      Lichtverschmutzung aufmerksam machen. Dabei handelt es sich nicht um      &amp;raquo;verschmutztes&amp;laquo; Licht, wie man jetzt denken k&amp;ouml;nnte, sondern um die      k&amp;uuml;nstliche Aufhellung der Nacht durch angestrahlte Geb&amp;auml;ude,      Flutlichtanlagen oder Leuchtreklame - mit schwerwiegenden Konsequenzen      f&amp;uuml;r die Umwelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weil es keinen wirklich dunklen Nachthimmel in den      St&amp;auml;dten mehr gibt, sterben jedes Jahr Millionen Zugv&amp;ouml;gel, die in      angestrahlte Hochh&amp;auml;user fliegen. Billiarden von Insekten finden den Tod in      Stra&amp;szlig;enlaternen. Auch Menschen leiden unter den Auswirkungen der      Lichtverschmutzung: Sie bekommen Schlaf- und Hormonst&amp;ouml;rungen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zudem      k&amp;ouml;nnen Hobby-Astrologen aufgrund der Lichtglocken kaum noch Sterne sehen.      Fast alle europ&amp;auml;ischen Gro&amp;szlig;st&amp;auml;dte sind von dem Problem betroffen. &amp;raquo;Es ist      doch verr&amp;uuml;ckt&amp;laquo;, sagt Oscar Lhermitte, &amp;raquo;heute werden jeden      Monat neue Planeten entdeckt, aber f&amp;uuml;r die meisten Menschen bleibt der      Himmel leer.&amp;laquo; In London kann man an guten Tagen mit dem blo&amp;szlig;en Auge noch      20 Sterne beobachten. Auf dem Land sind es 2000.&lt;br /&gt;&amp;raquo;Die Leute sollen sich      wundern k&amp;ouml;nnen, wenn sie zum Himmel schauen&amp;laquo;, sagt Oscar Lhermitte. Hinter      seinen Sternbildern stecken Geschichten &amp;uuml;ber London: &amp;raquo;The Guitar&amp;laquo; bildet      beispielsweise aus neun Sternen den Umriss der Gitarre, die Jimi Hendrix      bei seinem letzten Auftritt spielte, kurz bevor er 1970 in einem      Hotelzimmer in Notting Hill erstickte. Das Sternbild &amp;raquo;The Mosquito&amp;laquo; steht      dagegen f&amp;uuml;r eine spezielle Insekten-gattung, die sich beim Ausbau der      U-Bahn Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte. Damals wurden in London      einige M&amp;uuml;cken in den unterirdischen Tunneln eingeschlossen, die dann      mutierten und nach nur wenigen Jahrzehnten eine neue Art bildeten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von      Lhermittes urspr&amp;uuml;nglich zw&amp;ouml;lf Sternenkonstellationen h&amp;auml;ngt derzeit nur      noch eine in London. Man kann sie im Fields-Park im Nordosten der Stadt      mithilfe von GPS-Koordinaten aufsp&amp;uuml;ren. Der Rest wurde vom Wind zerst&amp;ouml;rt      oder von Lhermitte abgeh&amp;auml;ngt. F&amp;uuml;r ihn ist das gar nicht so schlimm: Im      Moment kann er ganz gut von seinen anderen Designprojekten leben. Ein      Lesezeichen, das sich automatisch an die zuletzt gelesene Seite im Buch      setzt, verkauft sich sehr gut.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch auch mit den Sternbildern soll es      weitergehen. Demn&amp;auml;chst will Lhermitte seine Netz-Installationen zwischen      Geb&amp;auml;ude in der Londoner Innenstadt h&amp;auml;ngen - m&amp;ouml;glichst riesengro&amp;szlig;. Die      Mechanik daf&amp;uuml;r hat er schon fertig. Was noch fehlt, ist eine Erlaubnis. Am      besten von einem Museum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Besonders gern w&amp;uuml;rde er daf&amp;uuml;r sein Sternbild      &amp;raquo;The Big Dipper&amp;laquo; aufh&amp;auml;ngen. Dabei handelt sich allerdings nicht um eine      ausgedachte Konstellation, sondern um das ber&amp;uuml;hmteste aller Sternbilder.      Hierzulande kennt die sieben Sterne jedes Kind als den Gro&amp;szlig;en Wagen. In      London ist ihr Anblick eine Seltenheit geworden.      &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Am Himmel hell und klar</dc:subject>
    <dc:creator>Robert Iwanetz</dc:creator>
    <dc:date>2012-09-17T12:00:00+01:00</dc:date>
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  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37847">
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    <title>Die Rembrandt-Detektive</title>
    <description>&lt;p&gt;In der Kunstwelt kann ein schnelles Urteil      gigantische Werte schaffen &amp;ndash; und genauso schnell vernichten. Vom harten      Kampf um die alten Meister.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;Das englische Auktionshaus Moore Allen &amp;amp; Innocent versteigert      normalerweise Traktoren und M&amp;auml;hdrescher an die Landbev&amp;ouml;lkerung. Aber am      26. Oktober 2007 kam unter der Losnummer 377 auch ein kleines &amp;Ouml;lgem&amp;auml;lde      zum Sch&amp;auml;tzpreis von 1500 Euro unter den Hammer. Laut Katalog stammte es      von einem &amp;raquo;Rembrandt-Nachfolger&amp;laquo; und zeigte &amp;raquo;den jungen Rembrandt als      lachenden Philosophen&amp;laquo;. Ein Dachbodenfund, nicht mehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann      geschah etwas Unglaubliches: Kaum hatte der Auktionator die Losnummer 377      aufgerufen, gingen die Gebote in 100 000-Pfund-Schritten nach oben. Der      Zuschlag ging schlie&amp;szlig;lich an den Kunsth&amp;auml;ndler Hazlitt, Gooden &amp;amp; Fox, dem      die Wette auf einen echten Rembrandt 2,2 Millionen Pfund Sterling (2,8      Millionen Euro) wert war - zu viel f&amp;uuml;r einen Rembrandt-Nachfolger, aber      ein Schn&amp;auml;ppchen, sollte sich die Ahnung als richtig herausstellen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eins      ist klar: Dem leibhaftigen Rembrandt h&amp;auml;tte es gefallen, dass sein      Selbstportr&amp;auml;t fast 350 Jahre nach seinem Tod unter lauter Pflugscharen und      Mistgabeln gehandelt wurde wie ein Zuchtbulle auf dem Viehmarkt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der      Maler galt schon zu Lebzeiten als Genie. Aber wenn es um das Gesch&amp;auml;ft      ging, blieb der Sohn eines M&amp;uuml;llers stets bodenst&amp;auml;ndig. Rembrandt wusste,      dass er f&amp;uuml;r den Markt arbeitete, und er wusste auch: Einer verliert immer      bei solchen Gesch&amp;auml;ften, entweder der K&amp;auml;ufer oder der Verk&amp;auml;ufer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Niemand      zahlt 2,2 Millionen Pfund f&amp;uuml;r einen Rembrandt-Nachfolger&amp;laquo;, erkl&amp;auml;rte nach      der Auktion Jan Six, Experte f&amp;uuml;r alte Meister in der Amsterdamer      Niederlassung von Sothebys. &amp;raquo;W&amp;auml;re das ein bekannter Rembrandt gewesen,      w&amp;uuml;rde er zehn Millionen Pfund bringen.&amp;laquo; Six muss es wissen: Er wuchs in      einer noblen Amsterdamer Familie quasi mit Rembrandt auf - in Form eines      Gem&amp;auml;ldes seines Urahns Jan Six des Ersten, den der Meister 1654 in &amp;Ouml;l      verewigte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seitdem tragen alle Erstgeborenen aus dem Hause Six den      gleichen Vornamen. Der Kunsth&amp;auml;ndler ist bereits Jan der Elfte, aber der      Erste wirft noch immer seine strengen Blicke aus dem Salon des vornehmen      B&amp;uuml;rgerhauses an der Amstel auf die Stra&amp;szlig;e. Der Junior ist gerade aus dem      Haus, also f&amp;uuml;hrt Jan Six der Zehnte durch die Gem&amp;auml;cher und ger&amp;auml;t vor dem      Portr&amp;auml;t seines Vorfahren ins Schw&amp;auml;rmen: Die Farben! Das Licht! Die      Leichtigkeit!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit flinker Hand und ohne Detailtreue hat Rembrandt die      Schlaufen des roten Umhangs auf die Leinwand geworfen und sie so umso      echter erscheinen lassen. &amp;raquo;Er hat sie einfach mit dem Finger      hingewischt&amp;laquo;, sagt Jan der Zehnte und weist mit dem manik&amp;uuml;rten Zeigefinger      auf Jan den Ersten. &amp;raquo;Schauen Sie, hier, das ist Rembrandts Fingerabdruck!&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im      Fall des lachenden Rembrandts war sich Jan Six der J&amp;uuml;ngste auch ohne Fingerabdruck sicher, dass es sich um eine gute Investition handelte.      Nachdem Hazlitt das Gem&amp;auml;lde gekauft hatte, verlie&amp;szlig; Six Sothebys, gr&amp;uuml;ndete      seine eigene Kunsthandlung und ging eine Kooperation mit Hazlitt ein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dort      will man sich zum Verbleib des lachenden Rembrandts nicht &amp;auml;u&amp;szlig;ern. Besucher      des Ladengesch&amp;auml;ftes in der Bury Street in London werden von einer nerv&amp;ouml;sen      &amp;auml;lteren Frau an der T&amp;uuml;rschwelle abgewimmelt: &amp;raquo;Das Bild ist nicht mehr      hier, es gibt nichts weiter zu sagen.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein m&amp;ouml;glicher Rembrandt ist      eine Millioneninvestition - er kann einen reich machen oder bankrott. Wenn      der anonyme Verk&amp;auml;ufer an jenem Oktobertag 2007 f&amp;uuml;r sein Bild acht      Millionen Euro zu wenig bekam, lag das auch daran, dass Ernst van de      Wetering gerade in Urlaub und nicht erreichbar war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn Meinungen      gibt es viele &amp;uuml;ber Rembrandt. Aber nur eine, die auf dem internationalen      Kunstmarkt z&amp;auml;hlt: Wenn Ernst van de Wetering sagt, ein bisher anonymes      Gem&amp;auml;lde wie der lachende junge Mann sei von Rembrandt, dann schnellt der      Wert des Bildes schnell von einigen Tausend auf viele Millionen Euro.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Dieser      Mann ist so m&amp;auml;chtig wie ein r&amp;ouml;mischer Kaiser&amp;laquo;, sagt der Londoner      Kunsth&amp;auml;ndler Philip Mould. Der Rembrandt-Restaurator Martin Bijl nennt      ihn &amp;raquo;den wichtigsten Kunsthistoriker der letzten 50 Jahre&amp;laquo;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenige      Monate nach der Auktion inspizierte van de Wetering den lachenden jungen      Mann und erkl&amp;auml;rte ihn f&amp;uuml;r echt. Hurra &amp;ndash; es ist ein Rembrandt!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der      Kunstexperte hatte unter dem Selbstportr&amp;auml;t Spuren eines &amp;uuml;bermalten      Gem&amp;auml;ldes entdeckt &amp;ndash; nicht untypisch f&amp;uuml;r den fr&amp;uuml;hen Rembrandt, der oft      Gem&amp;auml;lde &amp;uuml;bermalte, die er nicht verkaufen konnte. Das Bild war mit den      Buchstaben &amp;raquo;RHL&amp;laquo; signiert: Rembrandt Harmenszoon aus Leiden. Um eine      F&amp;auml;lschung auszuschlie&amp;szlig;en, untersuchte van de Wetering die Signatur unter      dem Mikroskop. Dabei stellte er fest, dass die Pinselstriche mit der      darunterliegenden Farbschicht verbunden waren. Das Gem&amp;auml;lde musste also      signiert worden sein, als die Farbe noch nass war. Das allein macht ein      Gem&amp;auml;lde zwar noch nicht zu einem echten Rembrandt, aber auch sonst passte      alles: Motiv, Material, Ausf&amp;uuml;hrung. Also gab der &amp;Uuml;bervater der      Rembrandt-Forschung dem kleinen Gem&amp;auml;lde nicht nur seinen Segen, sondern      auch gleich einen Namen. Er taufte es &lt;em&gt;Der lachende Rembrandt&lt;/em&gt;.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Die Spielregeln beim Rembrandt-Roulette&quot;]&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/48809.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;em&gt; Jan Six war bei Sotheby&amp;rsquo;s f&amp;uuml;r alte Meister zust&amp;auml;ndig - und kennt      Rembrandt schon sein ganzes Leben: Ein Vorfahre wurde von Rembrandt      portr&amp;auml;tiert. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist      nicht das erste Mal, dass sich die vermeintliche Arbeit eines      Rembrandt-Nachfolgers als Original erweist. Seit einigen Jahren sp&amp;uuml;ren      die Rembrandt-Detektive um Ernst van de Wetering immer wieder unbekannte      Werke des Holl&amp;auml;nders auf und versetzten die Kunstwelt in Aufregung.&amp;nbsp; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2002      hatte das &lt;em&gt;Portr&amp;auml;t eines russischen Edelmanns &lt;/em&gt;aus dem 17. Jahrhundert      seinen gro&amp;szlig;en Auftritt im Amsterdamer Rembrandthuis. Van de Wetering und      sein Team entdeckten unter dem drittklassigen Make-up ein Selbstportr&amp;auml;t      Rembrandts. Es war noch im Studio von einem Sch&amp;uuml;ler &amp;uuml;bermalt worden - wohl      im Auftrag des Meisters, um das Bild leichter verkaufen zu k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erst      nachdem der Restaurator Martin Bijl die oberen Farbschichten abgetragen      hatte, wurde das ber&amp;uuml;hmte Chiaroscuro deutlich, jenes Spiel mit Licht und      Schatten, das Rembrandt meisterhaft beherrschte. Sogar eine &amp;uuml;bermalte      Signatur Rembrandts von 1634 entdeckte Bijl.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht kein Zufall,      dass ausgerechnet ein Casino-Besitzer - der Milliard&amp;auml;r Steve Wynn aus Las      Vegas - das Gem&amp;auml;lde 2003 f&amp;uuml;r fast neun Millionen Euro bei Sothebys      ersteigerte. Es war das erste Selbstportr&amp;auml;t des Niederl&amp;auml;nders auf einer      Auktion seit 30 Jahren. So sind die Spielregeln beim Rembrandt-Roulette:      hoher Einsatz, hohes Risiko und ein &amp;uuml;ppiger Jackpot f&amp;uuml;r Gewinner.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch      die j&amp;uuml;ngste Sensation, ein neu entdeckter &lt;em&gt;Alter Mann mit Bart&lt;/em&gt;, wurde von      Bijl restauriert und von vande Wetering f&amp;uuml;r echt befunden, bevor das      Museum Rembrandthuis ihn im November 2011 der &amp;Ouml;ffentlichkeit      pr&amp;auml;sentierte: Hurra, noch ein Rembrandt!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Woher kommen die alle?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rembrandt      hat im 17. Jahrhundert die Malerei neu erfunden mit seinem Realismus von      Licht und Farbe. Aber heute, ein paar Hundert Jahre sp&amp;auml;ter, sieht man ohne      Nachhilfe nicht mehr viel davon.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dabei geht es Bildern nicht anders als      Menschen. Mal ist der ungesunde Lebenswandel schuld, und eine      Nikotinschicht verleiht dem Ahnenportr&amp;auml;t einen gelblichen Teint. Mal sind      es nat&amp;uuml;rliche Prozesse, die alte Meister alt aussehen lassen. Das Bleiwei&amp;szlig;      in den Gesichtern etwa dunkelt im Laufe der Jahrhunderte ab, weil die      S&amp;auml;ure das &amp;Ouml;l in der Farbe frisst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Irgendwann landen die      altersschwachen Meister dann bei Martin Bijl. Mit seinen Silberlocken und      dem Range Rover vor der T&amp;uuml;r k&amp;ouml;nnte man den Holl&amp;auml;nder f&amp;uuml;r einen smarten      Sch&amp;ouml;nheitschirurgen halten, und ganz falsch l&amp;auml;ge man damit nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber      seine Patienten sind 400 Jahre alt. Bijl ist Gem&amp;auml;lderestaurator, Experte      f&amp;uuml;r die niederl&amp;auml;ndischen Maler des 17. Jahrhunderts - und einer der      besten. Bijl bessert nicht nur Sch&amp;auml;den aus, er ist ein forschender      Restaurator. &amp;raquo;Er ist wie besessen von Rembrandt&amp;laquo;, sagt Ernst van de      Wetering, &amp;raquo;so wie ich auch.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;Auml;u&amp;szlig;erlich deutet nichts darauf      hin, welche Sch&amp;auml;tze sich hier, eine Dreiviertelstunde von Amsterdam      entfernt, hinter der unscheinbaren Fassade von Bijls Atelier versammelt      haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die alten Meister h&amp;auml;ngen nicht, sie lehnen an der Wand, nackt,      ohne Rahmen und ziemlich verw&amp;uuml;stet von den Spuren der Zeit: Da steht ein      fr&amp;uuml;her Rubens, dort ein mittlerer van Ruysdael, hier ein halber Frans Hals.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Allein      von Rembrandt hat Bijl, der ehemalige Chefrestaurator am Amsterdamer      Rijksmuseum, mehr als 20 Werke restauriert und ganz nebenbei dazu      beigetragen, dass manch unbekannter Rembrandt unter alten Farbschichten      wieder ans Licht kam.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Das Rembrandt-Ohr&quot;]&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/48811.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt; Der Kunsthistoriker Ernst van de Wetering ist ein m&amp;auml;chtiger Mann: Gem&amp;auml;lde,      die er f&amp;uuml;r einen echten Rembrandt h&amp;auml;lt, sind Millionen wert.&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Alle Informationen sind im Bild, man muss sie      nur herausholen&amp;laquo;, erkl&amp;auml;rt Bijl. Viele Gem&amp;auml;lde kommen als Ruinen in sein      Atelier. Zerst&amp;ouml;rt vom Zahn der Zeit, verpfuscht von Restauratoren,      verhunzt durch &amp;Uuml;bermalungen fristet manches Meisterwerk sein      Schattendasein als drittklassige Kopie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als er den Alten Mann mit Bart      zum ersten Mal sah, hatte er einen Verdacht: Das Ohr schien viel zu jung      f&amp;uuml;r einen Greis. Da lohnte es sich nachzuforschen, ob es nicht ein      Rembrandt-Ohr sein k&amp;ouml;nne.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gerade hat Bijl wieder so einen Fall. Er      legt das Skalpell beiseite, holt ein Holzt&amp;auml;felchen aus der Schublade und      streicht mit einem in Waschbenzin getunkten Wattebausch &amp;uuml;ber den darauf      abgebildeten orientalisch gewandeten Mann. &amp;raquo;K&amp;ouml;nnte von Rembrandt sein&amp;laquo;,      sagt Bijl und betrachtet den Turban. &amp;raquo;Aber wir sind uns noch nicht      sicher.&amp;laquo; F&amp;uuml;r die Besitzer, eine Familie in Deutschland, w&amp;auml;re es nicht nur      ein &amp;auml;sthetischer Unterschied. Als echter Rembrandt w&amp;auml;re die kleine      Holztafel locker &amp;uuml;ber zehn Millionen Euro wert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit Rembrandts      Tod haben Museen einen Gro&amp;szlig;teil seines bedeutenden Werkes aufgekauft. Von      den Dutzenden Selbstportr&amp;auml;ts befanden sich vor zehn Jahren nur noch drei      in privater Hand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fr&amp;uuml;her sah es anders aus: Im Lauf des 19.      Jahrhunderts wurden Rembrandt alle m&amp;ouml;glichen Werke von Sch&amp;uuml;lern und      Nachahmern zugeschrieben, solange sie nur &amp;raquo;rembrandtesk&amp;laquo; genug aussahen.      Von 600 Rembrandt-Gem&amp;auml;lden bef&amp;auml;nden sich 2000 in Amerika, juxte damals      Wilhelm von Bode, Direktor des Kaiser-Friedrich-Museums zu Berlin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seitdem      ist das Werk Rembrandts ziemlich geschrumpft. Schuld waren ausnahmsweise      nicht Krieg und Zerst&amp;ouml;rung, sondern eine Gruppe holl&amp;auml;ndischer      Kunsthistoriker, die sich in den sp&amp;auml;ten Sechzigerjahren das ehrgeizige      Ziel setzten, einen Katalog aller Rembrandt-Gem&amp;auml;lde zu erarbeiten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die      Idee war nicht neu, aber ihre Umsetzung so radikal, dass sie die Welt der      Rembrandtforschung auf den Kopf stellte. Und sie passte gut in die      Atmosph&amp;auml;re der sp&amp;auml;ten Sechzigerjahre. Autorit&amp;auml;ten anzweifeln! Wahrheiten      hinterfragen! Alle mal abstimmen!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fortan sollte nicht mehr das      Urteil eines einzelnen Kunstkenners &amp;uuml;ber die Authentizit&amp;auml;t von      Rembrandt-Gem&amp;auml;lden entscheiden, sondern ein Kunstkenner-Kollektiv.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Statt      sich, wie damals &amp;uuml;blich, auf Katalogreproduktionen zu verlassen, reisten      die Mitglieder des &amp;raquo;Rembrandt Research Project&amp;laquo; (RRP) in Zweierteams um      die Welt und schauten sich in Museen und den Residen-zen reicher Sammler      die Originale an. War ein Gem&amp;auml;lde auf Leinwand gemalt, untersuchten sie      deren Webstruktur. War es auf Holz, z&amp;auml;hlten sie die Ringe und bestimmten      so das Jahr, in dem der Baum gef&amp;auml;llt worden war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vierzehn Jahre      lie&amp;szlig;en sich die Kunstexperten Zeit, dann begannen sie, ihre Ergebnisse zu      ver&amp;ouml;ffentlichen. Die ledergebundenen Folianten des &lt;em&gt;Corpus of Rembrandt&lt;/em&gt; Paintings weckten schon durch ihr Gewicht Zweifel an der Aussage seiner      Herausgeber, sie sagten ja nur mal ihre Meinung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn diese Meinung war      eindeutig: Die untersuchten Gem&amp;auml;lde wurden in drei Kategorien eingeteilt:      A = eindeutig Rembrandt, B = m&amp;ouml;glicherweise Rembrandt, und C = garantiert      kein Rembrandt. Aus lauter Meisterwerken waren auf einmal Werke ohne      Meister geworden. War ein Bild nicht des Meisters w&amp;uuml;rdig, schrieben die      Experten es dem &amp;raquo;Rembrandt-Umfeld&amp;laquo; zu.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der kategorische      Kunstimperativ stie&amp;szlig; bald auf Kritik. Museumskuratoren in New York,      Stockholm und Den Haag fanden manches Meisterwerk aus ihren Sammlungen auf      den hinteren Pl&amp;auml;tzen der neuen Rembrandt-Bibel wieder.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als 1985      publik wurde, dass die Amsterdamer den &lt;em&gt;Polnischen Reiter&lt;/em&gt; der Frick      Collection in New York f&amp;uuml;r das Werk eines Rembrandt-Sch&amp;uuml;ler hielten, war      die Emp&amp;ouml;rung gro&amp;szlig;, und die Holl&amp;auml;nder wurden als &amp;raquo;Amsterdam-Mafia&amp;laquo;      beschimpft. Schlie&amp;szlig;lich traf es sogar den &lt;em&gt;Mann mit dem Goldhelm&lt;/em&gt;, der 80      Jahre lang als eines der ber&amp;uuml;hmtesten Rembrandt-Gem&amp;auml;lde galt - eine Ikone      der Weltkunst. Die Gem&amp;auml;ldegalerie Berlin kam den Rembrandt-Richtern zuvor      und schrieb das Gem&amp;auml;lde einem Sch&amp;uuml;ler zu.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber ist ein Meisterwerk kein Meisterwerk mehr, nur weil es nicht mehr von Rembrandt sein soll? Und muss ein Rembrandt immer ein Meisterwerk sein? &quot;Die haben viel zu engstirnige Kriterien daf&amp;uuml;r, wann ein Bild als Rembrandt-Original zu betrachten ist&quot;, kritisiert der angesehene Rembrandt-Kenner Gary Schwartz. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Amerikaner lebt seit vier Jahrzehnten in Holland und bet&amp;auml;tigt sich ebenso lang als Stachel im Fleisch des Rembrandt-Komitees. Er hat einflussreiche B&amp;uuml;cher &amp;uuml;ber Rembrandt publiziert und Ernst van de Wetering mit seinen Einw&amp;uuml;rfen zur Wei&amp;szlig;glut getrieben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schwartz wirft dem Rembrandt-Detektiv vor, keine Kritik zuzulassen. &amp;raquo;Im Vorwort zum vierten Band des Rembrandt-Corpus zitiert er fast nur noch sich und seine Mitarbeiter. Wenn van de Wetering forscht, scheint es, dann erforscht er vor allem sich selbst.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das RRP mit seinen ABC-Kategorien wurde      zu einer Art staatlicher Rembrandt-Rating-Agentur. Jahrzehntelang f&amp;ouml;rderte      die niederl&amp;auml;ndische Regierung die Rembrandt-Forscher mit einem      Millionenetat. &amp;raquo;Es gibt auf der Welt nichts Vergleichbares&amp;laquo;, sagt der      britische Museumsdirektor Christopher Brown, &amp;raquo;kein Turner-Komitee in      Gro&amp;szlig;britannien, kein D&amp;uuml;rer-Komitee in Deutschland.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Irgendwann      &amp;uuml;bernahm van de Wetering die F&amp;uuml;hrung im Alleingang. So manches Urteil hat      er inzwischen revidiert. &amp;raquo;Ich bin der Auffassung, dass wir lieber einen      falschen Rembrandt zu viel haben, als einen eigenh&amp;auml;ndigen zu wenig.&amp;laquo;      Seitdem w&amp;auml;chst das Werk langsam wieder, manchmal sogar gegen den Willen      der Besitzer: 2010 verk&amp;uuml;ndete van de Wetering, das Bild &lt;em&gt;Tobit und Anna&lt;/em&gt; im      Bojmans Museum in Rotterdam sei ein echter Rembrandt. Der Kurator Jeroen      Giltaij gab sich uneinsichtig. Das Gem&amp;auml;lde sei keinesfalls von Rembrandt,      die H&amp;auml;nde der Frau viel zu grobschl&amp;auml;chtig gemalt. &amp;raquo;Rembrandt malte H&amp;auml;nde,      die man selber gern sch&amp;uuml;tteln w&amp;uuml;rde.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Die&amp;raquo;leerjongen&amp;laquo;&quot;]&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/48813.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt; Pr&amp;auml;zise wie ein Chirurg legt der Restaurator Martin Bijl die unteren      Farbschichten alter &amp;Ouml;lgem&amp;auml;lde frei. So hat er schon einige      Sch&amp;auml;tze entdeckt - unter anderem mehrere Bilder von Rembrandt. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ernst van de      Wetering ist ein jovialer Mensch. Aber er l&amp;auml;sst sich nicht als      Kunststandrichter vereinnahmen. &amp;raquo;Ich bin doch nicht die Rembrandtpolizei.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An      diesem Vormittag schlendern neben dem Rembrandt-Experten und seiner Frau      nur wenige Besucher durch das Rijksmuseum in Amsterdam. Seit neun Jahren      wird hier umgebaut, die Museumsleitung hat ein paar R&amp;auml;ume provisorisch      hergerichtet und mit dem Besten vollgestopft, was sie besitzt: vier      Vermeers, sechs Frans Hals und - hurra! - 19 Rembrandts.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Van de      Wetering steht vor dem Nationalheiligtum, der vielk&amp;ouml;pfigen &lt;em&gt;Mona Lisa&lt;/em&gt; Hollands: Rembrandts &lt;em&gt;Nachtwache&lt;/em&gt;. &amp;raquo;Nicht sein bestes Bild&amp;laquo;, findet der      Holl&amp;auml;nder und zuckt mit den Schultern. Die &lt;em&gt;Tuchmachergilde&lt;/em&gt; im Nebenraum -      viel besser! Also weiter. Sechs strenge Herren schauen, als habe der      K&amp;uuml;nstler sie bei der Arbeit &amp;uuml;berrascht - ein gigantischer Schnappschuss in      &amp;Ouml;l. Van de Wetering baut sich davor auf und ger&amp;auml;t in Fahrt: &amp;raquo;Schauen Sie,      der Kragen dort, wie lebensecht! Der beste Kragen der ganzen      Kunstgeschichte!&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In einem anderen Raum h&amp;auml;ngen kleinere Bilder.      Manche kaufte das Museum vor langer Zeit als Rembrandt-Originale. Heute      stehen andere Namen daneben - die von Rembrandt-Sch&amp;uuml;lern. Viele fingen im      Alter von zw&amp;ouml;lf Jahren als &amp;raquo;leerjongen&amp;laquo; an, die Frondienste wie      Farbenmischen oder Leinwandpr&amp;auml;parieren erledigen mussten. Im Gegenzug      lernten die Talentiertesten unter ihnen, den Stil des Meisters zu      kopieren. Nach der Ausbildung konnten sie ihrem Chef als Mal-Knechte bei      der Studioproduktion zur Hand gehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn Rembrandt wurde schon fr&amp;uuml;h so ber&amp;uuml;hmt, dass er Gem&amp;auml;lde nur mit seinem Vornamen signieren musste. Bald      dr&amp;auml;ngte die Prominenz in sein Studio, um sich von ihm portr&amp;auml;tieren zu      lassen. Selbst einem Genie w&amp;auml;re es unm&amp;ouml;glich gewesen, die Nachfrage nur      mit den eigenen H&amp;auml;nden zu bedienen. Oft schauten die Kunden nur kurz      vorbei, der Meister fertigte eine Skizze, lie&amp;szlig; dann einen Sch&amp;uuml;ler das Bild      malen und setzte zum Abschluss noch hier oder da einen Genietupfer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von      einem Detail zum n&amp;auml;chsten fliegen Ernst van de Weterings Finger &amp;uuml;ber die      Portr&amp;auml;ts der Amsterdamer Elite des 17. Jahrhunderts. Dieses Ohrl&amp;auml;ppchen      hier &amp;ndash; so konnte nur er malen! Diese Hand dagegen &amp;ndash; plump und blass,      bestimmt nicht von Rembrandt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rembrandt hatte ein besonderes Faible f&amp;uuml;r      Selbstportr&amp;auml;ts. Er malte zeitlebens so viele davon, dass das Rijksmuseum      sogar ein Daumenkino mit den ganzen Konterfeis des Meisters verkauft.      Aber er tat es nicht aus Eitelkeit: &amp;raquo;Bildnisse von K&amp;uuml;nstlern, darunter      auch Selbstbildnisse, waren seine Visitenkarte, sie wurden gehandelt wie      heute Sammelbilder von Fu&amp;szlig;ballspielern&amp;laquo;, sagt Ernst van de Wetering.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auch      das Ehegattensplitting war dem alten Meister bekannt. &amp;raquo;Das ist meine      Lieblingshypothese im Moment&amp;laquo;, erkl&amp;auml;rt van de Wetering: &amp;raquo;Ehepaare gingen      zusammen ins Studio und wurden gleichzeitig gemalt.&amp;laquo; Der eine von      Rembrandt, der andere von einem Assistenten. Der Meister signierte und      kassierte f&amp;uuml;r beide &amp;ndash; den K&amp;auml;ufern war alles recht, solange Rembrandt      draufstand. Die heutige Kundschaft sieht es anders &amp;ndash; kein Wunder, wenn der      Unterschied zwischen einem echten Rembrandt und einer Sch&amp;uuml;lerarbeit einen      zweistelligen Millionenbetrag ausmacht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jede Woche bekommt van de      Wetering Post von Leuten, die einen Rembrandt auf dem Dachboden entdeckt      zu haben glauben. &amp;raquo;Das meiste ist Mist. Aber best&amp;uuml;nde nur eine      Wahrscheinlichkeit von einem Prozent, w&amp;uuml;rde ich mir das Bild selbst      anschauen. Das&lt;br /&gt;hat schon zur Entdeckung einiger mir unbekannter      Rembrandts gef&amp;uuml;hrt.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Wie  stellt man Patina k&amp;uuml;nstlich her?&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/48817.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt; Der Amerikaner Gary Schwartz zweifelt am Urteil der etablierten      Rembrandt-Forscher. Sie tun so, als ob jedes Bild des Meisters      automatisch ein Geniestreich w&amp;auml;re.&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn er ein Gem&amp;auml;lde begutachte, sagt      Ernst van de Wetering, bezahle er die Reise zu seinem Besitzer immer      selbst. &amp;raquo;&amp;Uuml;ber Geld wird nicht gesprochen. Der Preis eines Gem&amp;auml;ldes      interessiert mich &amp;uuml;berhaupt nicht.&amp;laquo; Angesichts der Bedeutung, die seine      Urteile f&amp;uuml;r den Kunstmarkt haben, soll nicht der Hauch eines Verdachts      aufkommen, er sei beeinflussbar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als der kanadische Filmproduzent Kevin      Sullivan ihm ein Foto des &lt;em&gt;Alten Mannes mit Bart&lt;/em&gt; schickte, war f&amp;uuml;r van de      Wetering so ein Ein-Prozent-Moment gekommen. &amp;raquo;Ich sah, dass es      Rembrandtsche Qualit&amp;auml;t hatte. Ich sah, dass der Zustand sehr schlecht      war. Und ich sah ein anderes Bild darunter.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber er verl&amp;auml;sst sich      nicht allein auf seinen durchdringenden Blick. Mit Infrarotkameras erkennt      van de Wetering die Kohlenstoffspuren verborgener Bleistiftskizzen unter      der Farboberfl&amp;auml;che. Auf Kongressen verst&amp;ouml;rt er Kollegen mit Begriffen wie      &amp;raquo;Neutronenaktivierungsautoradiographie&amp;laquo;. W&amp;auml;hrend andere Kunstkenner &amp;uuml;ber      Gestalt und Ikonografie eines Gem&amp;auml;ldes r&amp;auml;tseln, l&amp;auml;sst van de Wetering alte      Meister im Teilchenbeschleuniger verschwinden. Daf&amp;uuml;r hat er Leute wie      Joris Dik. Der Materialwissenschaftler an der Universit&amp;auml;t Delft hat mit      dem belgischen Chemiker Koen Janssens eine Technik entwickelt, mit der man      chemische Verbindungen von Farbschichten sichtbar machen kann.&amp;nbsp; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im      Teilchenbeschleuniger sp&amp;uuml;rt er den Zinnoberrot-Atomen einer &amp;uuml;bermalten      Wange und dem Bleizinngelb eines ausgel&amp;ouml;schten Haarzopfs nach. Auch im &lt;em&gt; Falle des Alten Mannes mit Bart&lt;/em&gt; wurde Dik f&amp;uuml;ndig. Im      R&amp;ouml;ntgenfluoreszenzspektrometer tauchte unter dem Greisengesicht eine      j&amp;uuml;ngere Figur auf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da war er wieder, der junge Mann mit dem      geheimnisvollen Gesicht. Oder war er es nicht?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Experten sind      uneins. &amp;raquo;Von Meisterwerken wie dem Portr&amp;auml;t des Jan Six f&amp;uuml;hrt kein Weg zum      Lachenden Rembrandt und anderen j&amp;uuml;ngst gelobten Bildern&amp;laquo;, meint der      deutsche Kunsthistoriker Claus Grimm. Van de Wetering aber ist sicher: Es      kann sich nur um das jugendliche Antlitz des Meisters handeln.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nur      Rembrandt schweigt und lacht noch immer. Man kann nicht genau sagen, ob      sein Lachen freundlich ist oder feixend. Aber es ist so geheimnisvoll wie      das L&amp;auml;cheln der &lt;em&gt;Mona Lisa&lt;/em&gt; und scheint die Betrachter zu verhexen. Wer den      lachenden Rembrandt lange genug betrachtet, der meint, ihn nicht nur      sehen, sondern auch h&amp;ouml;ren zu k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die Rembrandt-Detektive</dc:subject>
    <dc:creator>Malte Herwig</dc:creator>
    <dc:date>2012-08-01T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37837">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37837</link>
    <title>I draw NY</title>
    <description>&lt;p&gt;Der K&amp;uuml;nstler James Gulliver Hancock hat sich vorgenommen, alle      Geb&amp;auml;ude in New York zu zeichnen. Total bescheuert oder einfach      liebenswert?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Herr Hancock, Sie versuchen, jedes Haus in New York zu zeichnen und in ihrem &lt;a href=&quot;http://allthebuildingsinnewyork.blogspot.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Blog&lt;/a&gt; &lt;a href=&quot;http://allthebuildingsinnewyork.blogspot.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;/a&gt;zu zeigen &amp;ndash; warum?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;James Gulliver Hancock:&lt;/strong&gt; Weil ich die naive Vorstellung habe, dass es tats&amp;auml;chlich klappen k&amp;ouml;nnte. Ich bin Australier, und als ich vor zwei Jahren nach New York gezogen bin, wollte ich mir die Stadt zu eigen machen, n&amp;auml;her rankommen als ein Tourist. Wenn man zeichnet, schaut man genauer hin. So wurde dieser surreale Ort New York f&amp;uuml;r mich irgendwie realer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist das, was Sie machen, Kunst?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das m&amp;uuml;ssen die Betrachter entscheiden. Ich habe so &amp;auml;hnliche Zeichnungsserien schon in anderen St&amp;auml;dten gemacht, eine &amp;uuml;ber den Regen von London, eine mit den Autos von Los Angeles, eine mit den endlos vielen Fahrr&amp;auml;dern von Berlin. Was mir gut gef&amp;auml;llt, ist die kindliche Poesie der Behauptung, man k&amp;ouml;nnte alle H&amp;auml;user zeichnen &amp;ndash; das ist so &lt;br /&gt; gr&amp;ouml;&amp;szlig;enwahnsinnig, das passt zu New York.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und wenn Sie ganz ehrlich sind: Glauben Sie, dass Sie es schaffen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich k&amp;ouml;nnte wohl auf lange Sicht ein bisschen Hilfe brauchen, aber vielleicht, wenn ich es ganz systematisch angehe &amp;hellip; Andererseits &amp;ndash; wenn ich irgendwann fertig sein sollte, muss ich sowieso von vorn anfangen, weil am anderen Ende der Stadt schon wieder lauter neue H&amp;auml;user gebaut sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie lang w&amp;uuml;rde das wohl dauern?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Keine Ahnung. Vielleicht k&amp;ouml;nnte das einer Ihrer Leser mal durchrechnen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gehen Sie nach einem System vor?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, anfangs habe ich einfach die H&amp;auml;user in meiner Nachbarschaft gezeichnet, in Williamsburg und Greenpoint, Teilen von Brooklyn also. Inzwischen ist mein kleines Projekt ein bisschen in der Stadt bekannt geworden, und Leute bestellen Bilder von ihren H&amp;auml;usern. Auf die Weise komme ich in Ecken, in denen ich noch nie war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welche H&amp;auml;user gefallen Ihnen am besten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich die, mit denen alles anfing: die sogenannten Brownstone Buildings in Brooklyn mit kleinem Laden im Erdgeschoss, dar&amp;uuml;ber nur zwei, drei Stockwerke, dann ein verzierter Sims. In Stra&amp;szlig;en mit solchen H&amp;auml;usern gibt es auch viel mehr normales Leben zu sehen als in den Wolkenkratzerschluchten dr&amp;uuml;ben in Manhattan.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was haben Sie dabei &amp;uuml;ber New York gelernt?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Wer sich die H&amp;auml;user genau ansieht, kriegt eine Ahnung davon, wie die Stadt sich entwickelt hat, wie sie gewachsen ist. Und auch davon, wie sich das Leben im Lauf der Jahrzehnte ver&amp;auml;ndert hat. Auf einmal kann man sich genau vorstellen, dass es an der Canal Street in Chinatown mal einen Kanal gab. Beim Zeichnen bemerkt man Details, die einem sonst entgehen w&amp;uuml;rden: das Haus, bei dem die Feuerleiter so verdreht angebracht ist. Das Haus, bei dem die Weihnachtsdekoration immer noch h&amp;auml;ngt. All das verleiht den H&amp;auml;usern einen eigenen Charakter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was verraten H&amp;auml;user &amp;uuml;ber ihre Bewohner?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sie erz&amp;auml;hlen etwas &amp;uuml;ber das Zusammenleben der Menschen. In den Stra&amp;szlig;en mit den kleineren H&amp;auml;usern ist alles viel offener, jeder kann jedem ins Wohnzimmer schauen, fast wie im Dorf. Da leben die Menschen nat&amp;uuml;rlich anders als in der Upper West Side. Es ist wie in Alfred Hitchcocks Film &lt;em&gt;Das Fenster zum Hof&lt;/em&gt;.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Werden Sie angesprochen, wenn Sie auf der Stra&amp;szlig;e zeichnen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kaum. Die New Yorker sind dran gew&amp;ouml;hnt, dass immer irgendwelche Typen auf der Stra&amp;szlig;e rumh&amp;auml;ngen und was Eigenartiges machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Drei Tipps f&amp;uuml;r New York von James Hancock&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/48937.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;James Hancock hat uns nach dem Interview noch seine Lieblingsspazierg&amp;auml;nge in New York verraten:&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1) Holen Sie sich bei Russ and Daughters (179 East Houston Street) einen R&amp;auml;ucherfisch und einen Bagel, gehen Sie Richtung Norden bis zur 4th Street, auf der dann nach Westen, bis Sie den Basketballplatz erreichen. Hier hinsetzen, essen und erstaunlich gute Spieler bewundern. Danach r&amp;uuml;ber zum Fat Cat Jazz Club (75 Christopher Street): Da k&amp;ouml;nnen Sie Jazz h&amp;ouml;ren und gleichzeitig Tischtennis spielen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2) Ganz wichtig: Besuchen Sie an einem Sonntag den Brooklyn Flea Market in Williamsburg, direkt am East River (zwischen North 6th + 7th Street), da gibt&amp;rsquo;s die sch&amp;ouml;nsten Vintage-Klamotten und Einrichtungs-Accessoires. Kaufen Sie sich dort an einem Stand ein Porchetta-Sandwich und nehmen Sie die F&amp;auml;hre r&amp;uuml;ber zum Brooklyn Bridge Park. Da wartet der perfekte Abend: Direkt unter der Brooklyn Bridge werden im Sommer Filme gezeigt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3) Kaufen Sie sich ein Buch bei Strand Books (828 Broadway), spazieren Sie dann Richtung Westen auf der 14th Street bis zur Ecke 14th Street/10th Avenue, steigen Sie dort rauf zur High Line, der Gartenanlage auf der ehemaligen Hochbahntrasse, lesen Sie da Ihr Buch, bis es dunkel wird. Dann steigen Sie auf H&amp;ouml;he der 25th Street wieder runter und gehen Richtung Westen nach Chelsea, dort gibt es die besten Kunstgalerien &amp;ndash; ab da einfach treiben lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>I draw NY</dc:subject>
    <dc:creator>Max Fellmann (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2012-07-27T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

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    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37801</link>
    <title>»Picasso war wie ein Taliban«</title>
    <description>&lt;p&gt;Die Malerin Fran&amp;ccedil;oise Gilot      lebte zehn Jahre mit Pablo Picasso zusammen. Eine Katastrophe, sagt sie &amp;ndash; aber eine wundersch&amp;ouml;ne.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/48645.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Paris, Montmartre im Mai. Die Bordsteinmaler stehen auf der Place du Tertre und zeichnen japanische Touristen. Viel ist nicht geblieben von Ruhm und Ruch des K&amp;uuml;nstlerviertels, in dem Renoir und Van Gogh wohnten und Picasso ein Atelier hatte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wenige Stra&amp;szlig;en weiter sitzt die ber&amp;uuml;hmteste &amp;Uuml;berlebende der Kunstgeschichte in ihrem Atelier: rotes Kleid, Pagenkopf, &amp;uuml;ber den wachen Augen die ber&amp;uuml;hmten Zirkumflex-Brauen, von denen Matisse so schw&amp;auml;rmte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das ist die Malerin Fran&amp;ccedil;oise Gilot. Jeder kennt das Foto, auf dem Pablo Picasso sch&amp;uuml;tzend einen Sonnenschirm &amp;uuml;ber sie h&amp;auml;lt. Sie ist mittlerweile 90 Jahre alt. Gemessen an der zierlichen Figur sind ihre H&amp;auml;nde kr&amp;auml;ftig. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Malen ist Arbeit, und sie malt immer noch jeden Tag.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Madame Gilot, Sie waren zehn Jahre lang Pablo Picassos Geliebte und Muse, sind au&amp;szlig;erdem die Mutter seiner Kinder Claude und Paloma. Im Leben Picassos gab es viele Frauen. F&amp;uuml;r die meisten von ihnen endete die Liebe b&amp;ouml;se.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fran&amp;ccedil;oise Gilot:&lt;/strong&gt; Nicht wahr? Marie-Th&amp;eacute;r&amp;egrave;se Walter hat sich erh&amp;auml;ngt, Jacqueline Roque hat sich erschossen, Olga Chochlowa und Dora Maar sind wahnsinnig geworden. Nur ich bin immer noch das bl&amp;uuml;hende Leben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In Ihrem Buch &lt;em&gt;Leben mit Picasso&lt;/em&gt; zitieren Sie ihn mit den Worten: &amp;raquo;Jedes Mal, wenn ich eine neue Frau nehme, sollte ich ihre Vorg&amp;auml;ngerin verbrennen. Dann w&amp;auml;re ich sie los&amp;laquo;. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pablo sagte, so k&amp;ouml;nne er vielleicht seine Jugend zur&amp;uuml;ckgewinnen. Zwischen uns lagen 40 Jahre, und die Vorstellung, dass ihn eine seiner Frauen &amp;uuml;berleben k&amp;ouml;nnte, machte ihn rasend. Dabei war er auch im Alter noch unglaublich vital. Zu mir hat er mal gesagt: &amp;raquo;Du wirst nicht so lange leben wie ich.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und heute sind Sie genau 90 Jahre und sechs Monate alt. Sie stellen in Amerika, Frankreich und Deutschland aus und wirken alles andere als m&amp;uuml;de. In zw&amp;ouml;lf Monaten werden Sie l&amp;auml;nger gelebt haben als Picasso. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Er w&amp;uuml;rde sagen, das ist der Beweis daf&amp;uuml;r, dass er mich nicht genug hat leiden lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;F&amp;uuml;r ihn gab es nur zwei Arten von Frauen: G&amp;ouml;ttinnen und Fu&amp;szlig;abstreifer. In welche Kategorie geh&amp;ouml;rten Sie f&amp;uuml;r ihn?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich erz&amp;auml;hle Ihnen mal eine Geschichte: Als ich mit Paloma schwanger war, reiste Pablo zu einem Friedenskongress nach Warschau. Er wollte nur ein paar Tage dort sein und versprach, mir jeden Tag zu schreiben. Stattdessen lie&amp;szlig; er seinen Fahrer die Telegramme verfassen und blieb vier Wochen fort. Als er zur&amp;uuml;ckkam, fragte er mich grinsend, ob ich mich freue, dass er wieder da sei. Da habe ich ihm eine Ohrfeige gegeben. Wenigstens dieses eine Mal war ich eine G&amp;ouml;ttin. Von da an hat er mir jeden Tag geschrieben, wenn er fort war. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sie haben Picasso als ungeheuer besitzergreifenden Menschen beschrieben. Er wollte, dass Sie einen Schleier und ein langes, schwarzes Kleid tragen, fast wie eine Burka. Warum?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Man k&amp;ouml;nnte sagen, da war er wie ein Taliban. Oder denken Sie an die spanische Inquisition &amp;ndash; vergessen Sie nicht, dass die Menschen in Spanien eine Tendenz haben, die Extreme des Sadismus auszuloten. Pablos Sadismus war jedenfalls ein sehr wichtiger Bestandteil seiner Pers&amp;ouml;nlichkeit. Als ich ihm mal halb im Scherz sagte, er sei der Teufel, blickte er mich mit seinen stechenden Basiliskenaugen an und entgegnete: &amp;raquo;Und du bist ein Engel aus der Glutzone und damit mein Untertan, ich werde dich brandmarken.&amp;laquo; Dann hielt er seine Zigarette nah an meine Wange, aber ich tat ihm nicht den Gefallen, auch nur mit der Wimper zu zucken. Schlie&amp;szlig;lich sagte er, nein, ich will dich ja vielleicht doch noch mal anschauen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Als Picasso Sie Matisse vorstellen wollte, durften Sie sich ausnahmsweise farbenfroh kleiden. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich zog mir eine malvenfarbene Bluse und eine gr&amp;uuml;ne Hose an, weil ich wusste, dass ihm diese Farben gefallen w&amp;uuml;rden, ich kannte ja seine Gem&amp;auml;lde. Matisse hatte diesen untergr&amp;uuml;ndigen Humor und tat so, als ahne er nichts von unserer Aff&amp;auml;re. Er sagte Pablo, er wolle mein Portr&amp;auml;t malen, den K&amp;ouml;rper blau und die Haare gr&amp;uuml;n. Sobald wir wieder im Auto sa&amp;szlig;en, schimpfte Pablo: &amp;raquo;Wie kann er es wagen, dein Portr&amp;auml;t malen zu wollen? Das mache ich.&amp;laquo; Dabei waren wir da schon drei Jahre zusammen, und Pablo hatte au&amp;szlig;er einer Lithografie noch nie ein Portr&amp;auml;t von mir gemacht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie war das Verh&amp;auml;ltnis zwischen den beiden wichtigsten Malern ihrer Zeit?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es war eine Freundschaft. Matisse war ein paar Jahre &amp;auml;lter und v&amp;auml;terlicher, was Pablo aber nicht missfiel. Er akzeptierte den Unterschied. Matisse witzelte einmal, sie seien wie Nord- und S&amp;uuml;dpol. Er kam ja aus Nordfrankreich und Picasso aus S&amp;uuml;dspanien. Darauf sagte Pablo: &amp;raquo;Stimmt, ich bin der S&amp;uuml;dpol, denn der ist k&amp;auml;lter.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Die Gipfeltreffen der zwei Genies scheinen immer gro&amp;szlig;en diplomatischen Aufwand erfordert zu haben. Wie war die Atmosph&amp;auml;re, wenn die beiden sich trafen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es wurde wenig gesprochen, sie belauerten sich gegenseitig. Matisse und Picasso hatten das Selbstverst&amp;auml;ndnis von Potentaten. Sie waren die zwei wichtigsten Genies ihrer Zeit, die zwei Haupts&amp;auml;ulen des Tempels. Wir reden immer von einer Republik der K&amp;uuml;nste, in der jeder gleich ist, aber das entspricht nicht der Realit&amp;auml;t. Einige sind gleicher als andere in dieser Republik. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Kurz nach Ihrem Treffen mit Matisse malte Picasso Sie als Blume mit blauem Stengel und gr&amp;uuml;nen Bl&amp;auml;ttern. Wie man jetzt in der New Yorker Ausstellung &lt;em&gt;Picasso and Fran&amp;ccedil;oise Gilot&lt;/em&gt; sehen kann, hat er Sie danach immer wieder portr&amp;auml;tiert: als Baum in einer Winterlandschaft oder beim Ringen mit einem gro&amp;szlig;en Hund. Warum haben Sie an seiner Seite gar nicht mehr gemalt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weil daf&amp;uuml;r kein Platz war. Ich wusste, dass ich in seiner Gegenwart nicht zu viel Raum einnehmen durfte. Und Leinw&amp;auml;nde sind gro&amp;szlig;, also habe ich nur gezeichnet, solange ich mit ihm zusammenlebte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Als Sie Picasso sieben Jahre sp&amp;auml;ter verlie&amp;szlig;en, prophezeite er Ihnen, dass sich die Leute nur noch seinetwegen f&amp;uuml;r Sie interessieren w&amp;uuml;rden. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ach, wissen Sie, ich habe ihn 1953 verlassen, also vor bald 60 Jahren, und seitdem habe ich gemacht, was ich will. Zwischen Pablos Werk und meinem gab es eine gro&amp;szlig;e Affinit&amp;auml;t im Stil, das ist richtig. Aber das Gleiche k&amp;ouml;nnte ich von Matisse oder Braque sagen. Ich mag auch die italienische Fr&amp;uuml;hrenaissance sehr. In der Malerei haben wir keine Eltern, nur Vorfahren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie kommt es, dass K&amp;uuml;nstlerinnen oft im Schatten dominierender M&amp;auml;nner stehen? Bei der letzten Auktion von Christie&amp;rsquo;s in New York war das Verh&amp;auml;ltnis elf zu eins. Das teuerste Nachkriegsgem&amp;auml;lde Orange, Red, Yellow von Marc Rothko erzielte 86,9 Millionen Dollar, das teuerste Kunstwerk einer Frau, Louise Bourgeois, dagegen nur 10,7 Millionen. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es stimmt, dass Frauen weniger Geld f&amp;uuml;r ihre Kunst bekommen. Heute noch werden in den Galerien viel mehr m&amp;auml;nnliche als weibliche K&amp;uuml;nstler ausgestellt. Aber teilweise sind wir Frauen auch selbst dran schuld. Wir sind immer so narzisstisch, viel mehr als die M&amp;auml;nner. Und wir entwickeln zu selten den Mut, wir selbst zu werden und Einschr&amp;auml;nkungen nicht zu akzeptieren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber gerade Picasso war doch ein ungeheuerer Narzisst. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Er hatte eben auch eine weibliche Seite. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Waren Sie immer eine mutige Frau? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, f&amp;uuml;r ein Gef&amp;uuml;hl wie Angst war ich nie zug&amp;auml;nglich. Als ich 13 Jahre alt war, stand ich auf einem hohen Balkon und jemand rief, ich solle runterspringen. Also sprang ich und habe mir den Fu&amp;szlig; gebrochen. Aber ich bin gesprungen. Wenn man mich provoziert, dann reagiere ich: Volle Kraft voraus! Meine Eltern wollten immer einen Sohn, stattdessen bekamen sie mich. Und so musste ich meinen K&amp;ouml;rper und meinen Geist wie ein Junge entwickeln. Schon fr&amp;uuml;h haben sie mit Sportarten wie Reiten, Skifahren und Schwimmen meinen Mut gef&amp;ouml;rdert. Das hat mir geholfen, mein Selbstbewusstsein zu entwickeln und keine Angst zu haben. Sp&amp;auml;ter haben meine Eltern es bereut, denn ich hatte auch vor ihnen keine Angst mehr. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihr Vater bestand darauf, dass Sie Jura studieren. Wie haben Sie es trotzdem geschafft, Ihrem Wunsch gem&amp;auml;&amp;szlig; Malerin zu werden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe erst Philosophie studiert und dann mit Jura angefangen. Paris war schon unter deutscher Besatzung, als ich am 11. November 1940 zusammen mit Kommilitonen zum Arc de Triomphe marschiert bin, um Blumen auf das Grab des unbekannten Soldaten zu legen. Dabei wurden wir verhaftet und mein Name wurde auf eine Liste mit Geiseln gesetzt. Wenn in meinem Viertel ein deutscher Soldat get&amp;ouml;tet worden w&amp;auml;re, h&amp;auml;tten die Deutschen 50 Franzosen von dieser Liste umgebracht. Drei Monate lang musste ich mich jeden Tag auf der Kommandantur melden. Dieser Prozedur entkam ich erst, als ich vorgab, nicht mehr Jura zu studieren. Aus irgendeinem Grund hassten die Deutschen Jurastudenten. Also habe ich gesagt, ich sei Modedesignerin. Da haben sie mich laufen lassen. Von da an malte ich jeden Tag.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;[seitenumbruch title=&quot;Picasso im besetzen Paris&quot;]&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/48647.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Im besetzten Paris lernten Sie dann Picasso kennen. &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Das war 1943, und obwohl unsere Geschichte einen Anfang und ein Ende hat, war er die gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Leidenschaft meines Lebens. Nie wieder habe ich so intensiv gelebt und geliebt, unsere Beziehung ist mit Buchstaben aus Feuer in mich eingeschrieben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Paris war besetzt und Ihre Eltern wollten Sie wegen der Malerei enterben. Hielten Sie es wirklich f&amp;uuml;r eine gute Idee, sich mit einem 40 Jahre &amp;auml;lteren Maler einzulassen, der gleichzeitig noch zwei Geliebte hatte und eine verr&amp;uuml;ckte Ehefrau, die ihn verfolgte?&lt;/strong&gt; Ich ahnte von Anfang an, dass das nicht gut ausgehen w&amp;uuml;rde. Und solange wir nicht zusammenlebten, war unsere Beziehung wirklich gut. Doch Pablo wollte, dass ich bei ihm einziehe, und nach drei Jahren gab ich nach. Mit ihm zusammenzuleben bedeutete, sich ganz in seine Macht zu begeben, und bei so einem m&amp;auml;chtigen Menschen ist das unertr&amp;auml;glich. Ich wusste, es w&amp;uuml;rde auf eine Katastrophe hinauslaufen, aber eine Katastrophe, die zu leben sich lohnen w&amp;uuml;rde.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Langweilig war es mit Picasso wohl nie? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Am Morgen, also vor zwei Uhr mittags, war Pablo immer sehr niedergeschlagen. Dann klagte er, sein Leben sei langweilig, nichts interessiere ihn mehr. Daf&amp;uuml;r war er abends auf dem Gipfel der Welt. Er war extrem launisch. Von seinem Talent als Maler abgesehen, war er auch unglaublich klug und intelligent. Ich habe nie wieder einen Menschen gefunden, mit dem man so gut diskutieren konnte. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Richtig, dass er besonders gern Hegel zitierte?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stimmt, dabei hatte ich viel mehr Philosophie studiert als er. Aber weil Pablo zeit seines Lebens von Dichtern und Schriftstellern umgeben war, konnte er ihre Ideen absorbieren, ohne sie wirklich zu studieren. Der gro&amp;szlig;e Naturforscher Cuvier konnte anhand eines kleinen Knochens einen ganzen Brontosaurier rekonstruieren, und Pablo mit ein bisschen Hegel ein ganzes Gedankengeb&amp;auml;ude. Es hat ihm aber gar nicht gefallen, dass ich das in meinem Buch beschrieben habe. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum nicht? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Er wollte nicht als Denker, sondern als wildes Tier, als Naturgewalt wahrgenommen werden. Tut mir leid, aber so war er &amp;uuml;berhaupt nicht, er hatte eine unglaubliche geistige Komplexit&amp;auml;t. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und war voller Widerspr&amp;uuml;che: Einerseits war er Atheist, andererseits n&amp;ouml;tigte er Sie vor dem Taufstein in einer dunklen Kirchenecke zu einem Liebesschwur. Ist das nicht heuchlerisch?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jetzt hab ich Sie erwischt: Picasso war kein Atheist, er war doch selbst ein Gott! Wissen Sie, die Spanier lieben es, Gott zu leugnen, und sind am Ende doch gl&amp;auml;ubiger als alle anderen. Sie haben keine Angst vor inneren Widerspr&amp;uuml;chen. Pablo gab sich gern als einfacher Mensch, trotzdem l&amp;auml;sterte er &amp;uuml;ber Maler wie Vlaminck, die mit Stroh ausgestopfte Holzschuhe trugen. Das fand er primitiv. Einer seiner Spr&amp;uuml;che war: Ein Maler muss zu arm sein, um sich eine Kuh leisten zu k&amp;ouml;nnen, aber reich genug, um einen Chauffeur zu haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wenn man sich Picassos Portr&amp;auml;ts und Ihre Zeichnungen jetzt nebeneinander in New York anschaut, wirkt es, als h&amp;auml;tten Sie beide sich durch Ihre Bilder unterhalten.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pablo war immer daran interessiert, anderen Fragen zu stellen, die sie nicht beantworten konnten. Einmal fragte er mich, was ich malen w&amp;uuml;rde, wenn ich von einem Richter zum Tode verurteilt worden w&amp;auml;re und mich nur durch eine Zeichnung retten k&amp;ouml;nnte. Ich sagte ihm, dass ich freih&amp;auml;ndig einen perfekten Kreis zeichnen w&amp;uuml;rde. Aber ein Kreis sei doch keine Zeichnung, beschwerte er sich, er habe an einen Kopf gedacht. Nein, entgegnete ich, mit Richtern kenne ich mich aus, denen darfst du nichts Gegenst&amp;auml;ndliches geben, sondern etwas, wor&amp;uuml;ber sie nicht diskutieren k&amp;ouml;nnen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Zwei Jahre zuvor hatten Sie einen grimmigen Picasso gezeichnet, der Ihnen einen Apfel in den Mund steckt. Titel des Bildes: Adam zwingt Eva, den Apfel zu essen. Kann man sagen, Sie haben sich mit Ihren Bildern gegen ihn gewehrt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, und ich habe mich wirklich besonders d&amp;auml;mlich dargestellt. Das ist meine Art von Humor und Selbstkritik. Damals sch&amp;auml;tzte Pablo Humor noch, sp&amp;auml;ter nicht mehr. Ich finde es wunderbar, wenn man &amp;uuml;ber sich selbst lachen kann, das kann auch ein Ziel von Kunst sein. Aber ich habe gelernt, dass Menschen von einem bestimmten Punkt im &lt;br /&gt; Leben an keinen Widerspruch mehr dulden. Als Pablo j&amp;uuml;nger war, hat es ihn am&amp;uuml;siert, wenn man ihm widersprach, und er hat sich auf Diskussionen eingelassen. Aber zu dem Zeitpunkt, als ich ihn verlie&amp;szlig;, wollte er immer nur Sieger sein. Er hatte nur noch Jasager um sich. Deshalb ist auch seine Freundschaft mit Georges Braque nie wieder eng geworden, denn Braque war kein Jasager. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Picasso hat Sie als &amp;raquo;die Frau, die Nein sagt&amp;laquo; bezeichnet. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Er kannte ja keinen Widerspruch. Wissen Sie, Picasso war irgendwann sehr einsam. Jemand, der allen Ruhm der Welt hat und dem jeder nach dem Mund redet, wird automatisch einsam. Jedes Wort, das er sagt, f&amp;auml;llt zu Boden und niemand hebt es auf. Ich dachte, wenn ich ihm antworte und etwas zur&amp;uuml;ckgebe, tue ich ihm etwas Gutes, dann gebe ich ihm noch ein R&amp;auml;tsel, mit dem er sich besch&amp;auml;ftigen kann. Ich nahm mir von Anfang an vor, immer eine Antwort auf seine Fragen parat zu haben, egal ob sie gut war oder nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sind die einzige Frau, die Picasso verlassen hat. Haben Sie das jemals bereut? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, denn ich habe ihn nicht verlassen, bis ich sicher war, dass es die einzig richtige Entscheidung ist. Er war wirklich unertr&amp;auml;glich geworden. Ich hatte lange genug gewartet, auch wegen der Kinder. Pablo wollte sogar noch ein drittes, um mich noch mehr an sich zu binden. Aber das wollte ich nicht. Stattdessen hat er dann diese Skulptur einer schwangeren Frau geschaffen, die jetzt auch in der Ausstellung zu sehen ist. Mir gefiel sie damals nicht besonders, und als ich ihm das gesagt habe, hat er ihr die F&amp;uuml;&amp;szlig;e abgehackt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Picasso drohte Ihnen damals: Niemand verl&amp;auml;sst einen Mann wie mich! &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Und ich entgegnete: Wart&amp;rsquo;s nur ab. Denn das war eine Provokation, und wenn er mich ein bisschen besser gekannt h&amp;auml;tte, dann h&amp;auml;tte er wissen m&amp;uuml;ssen, dass er mich nicht so provozieren sollte. Er dachte, seine Macht &amp;uuml;ber mich sei unumst&amp;ouml;&amp;szlig;lich. Sein geistiger Sadismus war irgendwann noch schlimmer als die physische Grausamkeit. Deshalb starb meine Liebe f&amp;uuml;r ihn irgendwann ab. Ich habe niemanden so sehr geliebt wie ihn, aber ich wollte auch keine Sklavin sein. Au&amp;szlig;erdem ahnte ich, dass es auch f&amp;uuml;r meine Kinder schlecht w&amp;auml;re, wenn ich bliebe. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hat Picasso sich um die Erziehung Ihrer Kinder Claude und Paloma gek&amp;uuml;mmert, als Sie noch bei ihm lebten? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das w&amp;auml;re ein Desaster geworden. Denken Sie an seinen &amp;auml;ltesten Sohn, den armen Paulo, der nie richtig ausgebildet wurde. Ich habe meine Kinder nach der Trennung mit nach Paris genommen und daf&amp;uuml;r gesorgt, dass sie auf eine gute Schule kommen. Ihren Vater haben sie nur in den Ferien, im Sommer oder zu Weihnachten, gesehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bis elf Jahre sp&amp;auml;ter Ihr Buch erschien und er aus Rache jeden Kontakt mit Ihnen und den Kindern abbrach &lt;/strong&gt;&amp;ndash;&lt;strong&gt; f&amp;uuml;r immer. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Buch war doch nur ein Vorwand. Es war gar nicht gegen ihn gerichtet, trotzdem wurde es so aufgenommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Stimmt es, dass Picasso sogar  Pariser Galeristen, die Ihre Werke ausstellten, mit Boykott drohte?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Nicht nur das. Seine Leute sorgten auch daf&amp;uuml;r, dass nur schlechte Kritiken meiner Bilder in den Zeitungen erschienen. Aber es gab Ausnahmen: Alberto Giacometti rief mich alle zwei Wochen an und sprach mir Mut zu. Alle anderen waren wie eine Hundemeute hinter mir her. Pablo sorgte daf&amp;uuml;r, dass es in Frankreich sehr schwierig f&amp;uuml;r mich wurde. Gott sei Dank stellte ich ab den sp&amp;auml;ten F&amp;uuml;nfzigerjahren auch in anderen L&amp;auml;ndern aus. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Picasso versuchte sogar vor Gericht, Ihr Buch verbieten zu lassen. &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ja, mein Verlag und ich gewannen den ersten Prozess, weil ich beweisen konnte, dass alles, was ich geschrieben hatte, stimmt. Auch das Berufungsverfahren haben wir gewonnen, weil der Richter entschied, dass ein &amp;ouml;ffentliches Interesse an der Geschichte bestand. Und wissen Sie, was dann passierte? Zwei Jahre lang hatte ich nichts mehr von Pablo geh&amp;ouml;rt. Am Tag nach der Urteilsverk&amp;uuml;ndung rief er mich an und sagte: &amp;raquo;Ich gratuliere, du hast gewonnen und du wei&amp;szlig;t, ich mag Gewinner.&amp;laquo; Das ist seine beste Seite. Er bek&amp;auml;mpft dich bis auf den letzten Blutstropfen. Aber wenn es vorbei ist, erkennt er das Ergebnis an. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie zahlten dennoch einen hohen Preis und gingen ins Exil nach Amerika, wo Sie Jonas Salk heirateten, den Entwickler des Polio-Impfstoffs. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das war die beste Entscheidung meines Lebens, denn damals setzten Picasso und seine Freunde alles daran, mich zu zerst&amp;ouml;ren. Wenn ich hier geblieben w&amp;auml;re, h&amp;auml;tte ich meine ganze Zeit damit verschwendet, gegen sie zu k&amp;auml;mpfen, ohne dass es etwas gebracht h&amp;auml;tte. Ich h&amp;auml;tte mit dem Malen aufh&amp;ouml;ren m&amp;uuml;ssen und w&amp;auml;re schlie&amp;szlig;lich ganz im Erdboden verschwunden. Also habe ich gesagt: Gut, am&amp;uuml;siert euch, mir ist egal, was ihr &amp;uuml;ber mich sagt, ich bin woanders.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Seitdem hatten Sie jedes Jahr eigene Ausstellungen und haben Picasso L&amp;uuml;gen gestraft. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Malerei ist f&amp;uuml;r mich ein Weg, das gro&amp;szlig;e Unbekannte zu erforschen. Man muss auf die Welt reagieren, aktiv sein und nicht halbtot. Wir m&amp;uuml;ssen leben, solange wir am Leben sind. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie es jemals bereut, mit Picasso gelebt zu haben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reue ist pure Zeitverschwendung. Au&amp;szlig;erdem ist es viel interessanter, mit einem besonderen Menschen etwas Tragisches zu erleben, als ein wunderbares Leben mit einer mittelm&amp;auml;&amp;szlig;igen Person zu f&amp;uuml;hren. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass man seinen Frieden mit einem durchschnittlichen Menschen finden kann. Dieser Mensch wird dich auch zerst&amp;ouml;ren, er wird nur mehr Zeit daf&amp;uuml;r brauchen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie meinen Sie das? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ganz einfach, indem diese Person dein Leben uninteressant macht. Wenn du wirklich leben willst, musst du etwas Dramatisches riskieren, sonst lohnt sich das Leben nicht. Wenn du etwas riskierst, erlebst du auch schlimme Dinge, aber du lernst vor allem eine Menge und lebst und verstehst immer mehr. Vor allem wirst du nicht langweilig. Das ist das Allerschlimmste: langweilig zu werden. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Fran&amp;ccedil;oise Gilot&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;wurde 1921 in Neuilly-sur-Seine geboren. Schon 1941      nahm sie w&amp;auml;hrend ihres Jurastudiums heimlich Mal- und Zeichenunterricht in      Paris. Als sie sich 1943 entschlie&amp;szlig;t, Malerin zu werden, bricht ihre      Familie den Kontakt zu ihr ab. Gilot verdient ihren Lebensunterhalt mit      Reitunterricht und hat noch w&amp;auml;hrend des Krieges erste Ausstellungen. 1953      verl&amp;auml;sst sie Picasso und widmet sich allein der Malerei und den Kindern      Claude und Paloma. Aus der Ehe mit dem Maler Luc Simon stammt die Tochter      Aurelia. 1970 heiratet Gilot den amerikanischen Mediziner Jonas Salk. Sie      hat bis heute Ateliers in New York und Paris und stellt seit einem halben      Jahrhundert jedes Jahr ihre Werke aus, zuletzt in den Kunstsammlungen      Chemnitz und nun zusammen mit Picasso in der Gagosian Gallery New York. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fotos: dapd, dpa/dpaweb&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Picasso war wie ein Taliban«</dc:subject>
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    <dc:date>2012-07-25T17:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>»In manchen Museen hängt nur Baumarkt«</title>
    <description>&lt;p&gt;Werner Murrer ist      einer der besten Rahmenmacher Deutschlands - ein Gespr&amp;auml;ch &amp;uuml;ber die      hochkomplizierte Kunst, alten Meistern die richtige Fassung zu verpassen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;em&gt;M&amp;uuml;nchen-Thalkirchen, ein puristischer Bau in einem Hinterhof eines b&amp;uuml;rgerlichen Wohnviertels. Laufkundschaft verirrt sich hierher nur selten. Werner Murrer, 52, f&amp;uuml;hrt durch seine Werkstatt. Oben wird montiert. Unten wird geschreinert. Es riecht nach Holzstaub. Hin und wieder zischt es, das ist eine Mitarbeiterin, die mit einer Druckluftpistole letzte Staubk&amp;ouml;rnchen aus einem Rahmen bl&amp;auml;st. Zehn Mitarbeiter hat er, darunter Schreiner, Vergolder, Glaser, Holzbildhauer und Kunsthistoriker. Vor &amp;uuml;ber zwanzig Jahren hat er angefangen, als Autodidakt, jetzt z&amp;auml;hlt er Gerhard Richter, Georg Baselitz und bedeutende Museen zu seinen Kunden und gilt daneben als weltweit f&amp;uuml;hrender Rahmen-Experte f&amp;uuml;r die Zeit des Expressionismus. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Herr Murrer, warum ist der Rahmen f&amp;uuml;r ein Bild so wichtig? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Werner Murrer:&lt;/strong&gt; Weil ohne den richtigen Rahmen den allermeisten Werken etwas fehlt, was allerdings im Kunstbetrieb noch nicht richtig angekommen ist. Kunsthistoriker interessieren sich f&amp;uuml;r kleinste Details im Bild, aber ob der Rahmen drum herum stimmig oder echt ist, ist ihnen ziemlich egal. Schauen Sie sich die Ausstellungskataloge und Bildb&amp;auml;nde an, da sind die Werke meistens ohne Rahmen abgebildet. Dabei k&amp;auml;me es gerade bei bestimmten K&amp;uuml;nstlern oder bedeutenden Werken darauf an, auch zu zeigen, wie sie gerahmt sind. Bei Leuten wie Mondrian oder Kirchner zum Beispiel war der Rahmenentwurf eine Einheit mit dem Bild, das kann man gar nicht trennen. Gott sei Dank f&amp;auml;ngt man langsam an, sich daf&amp;uuml;r zu interessieren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum jetzt erst, Rahmen gibt es doch, seit es Malerei gibt, oder?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Zumindest lange genug, dass man merken k&amp;ouml;nnte, dass Rahmen nicht nur Beiwerk oder Umrandung sind. Die Urspr&amp;uuml;nge liegen in der Malerei der Gotik des 12. Jahrhunderts. Zu jener Zeit wurde das Profil um das Bild noch aus der Holztafel entwickelt, auf die gemalt wurde - ein massives St&amp;uuml;ck Holz, bei dem in der Mitte eine Fl&amp;auml;che herausgehobelt wurde f&amp;uuml;r das Bild, der Rahmen blieb stehen. Danach begann man einfache Profile aufs Bild zu nageln. Daraus haben sich im Laufe der Jahrhunderte die vielen Rahmenarten entwickelt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was macht einen guten Rahmen aus?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das h&amp;auml;ngt immer vom zu rahmenden Bild ab. Aber wichtig ist die Harmonie im Profil des Rahmens, die Proportionen. Ein gutes Profil ist meistens im Goldenen Schnitt. Grunds&amp;auml;tzlich sollte ein Rahmen nicht negativ auffallen. Im besten Fall geht der Rahmen eine Verbindung mit dem Bild ein, eine Hochzeit, wie wir sagen. Ein guter Rahmen ist auch handwerklich &amp;uuml;berzeugend. Dies muss aber nicht hei&amp;szlig;en, dass er automatisch teuer ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Braucht jedes Bild einen Rahmen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Es gibt zum Beispiel Werke aus den Siebzigerjahren, als die Malerei sehr ausufernd und wild war, zu denen kein Rahmen passt. Oder Bilder mit starken Keilrahmen, die bewusst ohne Rahmen angelegt wurden, wo die R&amp;auml;nder teilweise mitbemalt sind. Sie finden z. B. bei Gerhard Richter viele Arbeiten, die man nicht unbedingt rahmen muss. Auch die Minimall&amp;ouml;sung, die K&amp;uuml;nstlerrandleiste, kann sehr sch&amp;ouml;n sein. Nehmen Sie Arbeiten von Kunststudenten, die noch nicht etabliert sind - da kann der einfache Keilrahmen, auf den die Leinwand gespannt ist, viel stimmiger sein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kann der richtige Rahmen auch wertsteigernd sein f&amp;uuml;r das Bild?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sicher. Ein falscher oder billiger Rahmen zieht das Bild nach unten. Aus diesem Grund machen sich gute Kunsth&amp;auml;ndler auch auf die Suche nach dem optimalen Rahmen. F&amp;uuml;r Heinz Berggruen war der Kauf eines Bildes die eine Sache, die Suche nach dem optimalen Rahmen danach das Schwierigste. Ob sich Bieter bei Auktionen vom Rahmen beeinflussen lassen, bezweifle ich. Da z&amp;auml;hlt nur das Bild.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sie rahmen haupts&amp;auml;chlich Originalgem&amp;auml;lde, ist dieser Markt nicht sehr &amp;uuml;berschaubar?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sie glauben gar nicht, wie viele Bilder in Sammlungen und auch in Privatbesitz noch keinen passenden Rahmen gefunden haben. Auch im Museumsbetrieb kommen viele noch in der Kunsthandelsanmutung daher, dort h&amp;auml;ngt oft nur Baumarkt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie darf man sich das vorstellen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wie Fertigleisten. Oder es h&amp;auml;ngt immer die gleiche Leiste, egal um welches Bild. Ohne Auseinandersetzung mit der Kunst. Wenn Sie zum Beispiel in eine Monet-Ausstellung gehen, werden 99 Prozent der Bilder in Billigkopien von Barockrahmen h&amp;auml;ngen. Dabei w&amp;auml;re ein geschnitzter franz&amp;ouml;sischer Original-Barockrahmen, wie er zu jener Zeit benutzt wurde, viel sch&amp;ouml;ner. Noch besser w&amp;auml;re ein schlichter, wei&amp;szlig;er Rahmen, wie ihn die Impressionisten selbst f&amp;uuml;r ihre Bilder vorsahen. Die wurden allerdings schon zu deren Lebzeiten in den Salons nicht akzeptiert. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Wie  stellt man Patina k&amp;uuml;nstlich her?&quot;]&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/48465.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihr Spezialgebiet ist das Kopieren historischer Rahmen. Warum gibt es eigentlich nur noch so wenige Originale?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weil man die Bedeutung von Rahmen immer schon untersch&amp;auml;tzt hat. Sie landeten oft im M&amp;uuml;ll oder im Kamin. Bei Feuer oder Krieg hat man die Bilder gerettet, die Rahmen hat man ihrem Schicksal &amp;uuml;berlassen. Neulich war ich zu Besuch in einem gro&amp;szlig;en Museum, welches, sage ich jetzt nicht, und habe einen Originalrahmen aus dem M&amp;uuml;ll gezogen und gerettet. Selbst im Stedelijk Museum in Amsterdam sind von van Gogh bemalte Rahmen noch nach dem Krieg verschwunden. Es existiert nur noch ein echtes Exemplar, was ein Jammer ist. Nicht selten wurden die Originalrahmen von den Museen selbst entfernt, weil man eine Einheitsrahmung wollte, wie etwa durch Schinkel in Berlin. &lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man w&amp;uuml;rde meinen, so einen echten alten Rahmen wirft man nicht so einfach weg.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nicht alle Rahmen, vor allem die vom Anfang des 20. Jahrhunderts, sehen auf den ersten Blick wertvoll aus. Das wurde vielen von ihnen zum Verh&amp;auml;ngnis. Hinzu kommt: Als die Bilder in den Rahmen mit der Zeit immer teurer wurden, wollten die Besitzer pl&amp;ouml;tzlich repr&amp;auml;sentativere Rahmen, Echtgoldrahmen statt Bretterrahmen. Deshalb findet man auch eher einen Originalrahmen aus dem Barock als einen der Expressionisten, weil sie von Haus aus mehr Wertsch&amp;auml;tzung erfahren haben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sagen wir mal, ich besitze einen alten Meister und komme damit zu Ihnen. Wo beginnt Ihr Job?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rahmenstilkunde ist ein ganz heikles Thema, bei dem sich oft nicht mal Kunsthistoriker gescheit auskennen. Ein Rahmen muss ja nicht nur farblich zum Bild passen, so wie man sich zum gr&amp;uuml;nen Sofa einen gr&amp;uuml;nen Teppich kauft. Am Anfang steht nat&amp;uuml;rlich die zeitliche Einordnung. Nur so kann ich den passenden Rahmen der Zeit entsprechend ausw&amp;auml;hlen. Uns geht es um historisch richtige L&amp;ouml;sungen, da muss man viel Recherche reinstecken. Also: viel anschauen, viel reisen, viel vergleichen. Wir haben zum Beispiel auf unserem Rechner ein t&amp;auml;glich wachsendes Archiv mit Abertausenden von Fotos.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie kopiert man einen historischen Rahmen, ohne dass er nach einer Kopie aussieht? Wie  stellt man Patina k&amp;uuml;nstlich her?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das ist der gro&amp;szlig;e Trick, das bestgeh&amp;uuml;tete Geheimnis in unserem Gesch&amp;auml;ft. Nur so viel: Jeder Vergolder kann auf Hochglanz vergolden, aber da f&amp;auml;ngt es bei unseren Vergoldern erst an. In den Zwanzigerjahren hat man zum Beispiel gar nicht mehr echt vergoldet, da gab es nur noch Gold- und Silberbronze. Finden Sie mal heute einen, der das noch kann! Ernst Ludwig Kirchner wiederum hat seine Rahmen mit den Farben aus dem Bild mitgestrichen oder leichte Lasuren aufgetragen. Das muss man alles wissen. Wir arbeiten mit T&amp;ouml;nungen und richtigen Besch&amp;auml;digungen, um die Rahmen k&amp;uuml;nstlich altern zu lassen. Das hat auch etwas Praktisches: Wenn so ein schwerer vergoldeter Holzrahmen beim Transport mal leicht gegen eine T&amp;uuml;r st&amp;ouml;&amp;szlig;t, dann ist er eben noch mal drei Jahre &amp;auml;lter geworden.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Benutzen Sie auch altes Holz von damals?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Nein, aber wir behandeln es so, dass es aussieht, als w&amp;auml;re es aus jener Zeit. Bei Expressionisten zum Beispiel arbeiten wir genauso wie die Rahmenmacher damals. Es wird nicht gefr&amp;auml;st, sondern von Hand gehobelt, so dass es Ausrisse und Unregelm&amp;auml;&amp;szlig;igkeiten gibt. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Was war Ihr bislang aufregendster Auftrag?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die &lt;em&gt;Sixtinische Madonna&lt;/em&gt; von Raffael, die dieses Jahr 500 Jahre alt wird und gerade in der Dresdner Gem&amp;auml;ldegalerie ausgestellt wird. Ein halbes Jahr lang habe ich daf&amp;uuml;r recherchiert, nicht nur in Italien, und nach dem originalen Hochaltarrahmen gesucht. Keinerlei Unterlagen waren vorhanden. Auf der Suche nach einer Alternative f&amp;uuml;hrte eine hei&amp;szlig;e Spur sogar nach Amerika, leider vergeblich. Auch Kollegen aus der National Gallery in London waren uns behilflich, die ein &amp;auml;hnliches Projekt mit einem da Vinci hatten. Nach langer intensiver Suche in Rom, im Vatikan und vor allem in Norditalien fand ich die jetzige Rahmenvorlage in Bologna in einer Kirche: ein vergoldeter Renaissance-Tabernakelrahmen mit Pilastern und Schnitzereien aus der Zeit um 1500. Den haben wir dann kopiert.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Historisch fast eine Punktlandung.&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;In diesem Fall ja. Man muss aber genau hinschauen, denn nicht immer liegt man richtig, wenn man K&amp;uuml;nstler nur ihrer Epoche zuordnet. Zu einem Picasso passen zum Beispiel am besten spanische Rahmen aus dem 17. Jahrhundert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie kann das sein?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ganz einfach: Picasso hat selbst diese Rahmen f&amp;uuml;r seine Bilder verwendet und die Wirkung ist auch heute noch &amp;uuml;berzeugend. Das ist nicht selten. Auch Lenbach in M&amp;uuml;nchen hat sich historische Rahmen besorgt f&amp;uuml;r seine Bilder. Stimmigkeit hei&amp;szlig;t also im besten Fall: der Intention des Malers folgen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ginge es auch umgekehrt: alter Meister in modernem Rahmen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nur in Ausnahmef&amp;auml;llen. Letztens habe ich einen Niederl&amp;auml;nder aus dem 17. Jahrhundert gesehen, der in einer typischen Acrylglaskiste aus den Siebzigerjahren montiert war. W&amp;uuml;rde man heute nicht mehr machen, hatte aber was. Generell gilt f&amp;uuml;r mich: Bevor ein Bild einen falschen Rahmen bekommt, lieber gar keinen!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»In manchen Museen hängt nur Baumarkt«</dc:subject>
    <dc:creator>Thomas Bärnthaler </dc:creator>
    <dc:date>2012-07-18T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Sie haben Ihr Ziel erreicht</title>
    <description>&lt;p&gt;Kreisel bremsen Autos am Ortseingang, sie sind aber noch mehr: Schauplatz f&amp;uuml;r Skulpturen. Was will die Kunst uns sagen?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die erste Begegnung verl&amp;auml;uft immer sehr fl&amp;uuml;chtig. Sobald eines dieser Gebilde ins Blickfeld ger&amp;auml;t, muss alles ganz schnell gehen, ehe es Sekunden sp&amp;auml;ter im R&amp;uuml;ckspiegel wieder verschwindet. Bremsen, runterschalten und sofort die n&amp;auml;chste Entscheidung treffen. Erste rechts? Zweite rechts? Oder weiter im Kreis? Welche Wahl man auch trifft, zur&amp;uuml;ck bleibt ein R&amp;auml;tsel: Was war das eben? Eine monstr&amp;ouml;se B&amp;uuml;roklammer? Eine kopfstehende Bratwurst? Ein Sekundenspektakel f&amp;uuml;r Ausfl&amp;uuml;gler? Ein Schrei nach Aufmerksamkeit?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die meisten dieser R&amp;auml;tsel finden sich ein paar Hundert Meter vor den Ortsschildern kleiner Orte, auf Inseln inmitten eines Kreisverkehrs. Kunst im Kreisverkehr nennt sich dieses Ph&amp;auml;nomen daher, Kenner sprechen von Kreiselkunst. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ihrem Publikum macht es diese Kunstform ausgesprochen schwer, ihr die &amp;uuml;blichen Formen der Bewunderung entgegenzubringen und ihre Botschaften zu entschl&amp;uuml;sseln. Fahrer zu zwingen, langsam zu fahren und dabei schnell Kunst zu konsumieren, das ist nicht nur viel verlangt, sondern ein Paradox, das Anerkennung und Stellenwert der Werke nicht f&amp;ouml;rdert. Der Kunstmarkt jedenfalls ignoriert Kreiselkunst bislang und auch die Feuilletons haben noch kaum Nennenswertes beigetragen, Kreiselkunst zu dechiffrieren. So darf man sich nicht wundern, dass die wenigen ver&amp;ouml;ffentlichten Ansichten aus der Umfrage eines Nachrichtenportals stammen: Die Antworten reichen von &amp;raquo;Die K&amp;uuml;nstler m&amp;uuml;ssen ja auch von was leben&amp;laquo; &amp;uuml;ber &amp;raquo;Farbe und Experimente finde ich immer gut&amp;laquo; bis &amp;raquo;Blumen w&amp;auml;ren sch&amp;ouml;ner&amp;laquo;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Kreiselkunst ist in Deutschland ein Ph&amp;auml;nomen der Provinz. Hochburg ist Baden-W&amp;uuml;rttemberg, 164 Werke z&amp;auml;hlt die Website kunstimkreisverkehr.de dort, in Hessen 28, in Bayern 15, in Brandenburg nur eines. Gro&amp;szlig;e, runde Pl&amp;auml;tze, in deren Mitte Kunstwerke an historische Momente erinnern, gibt es in St&amp;auml;dten nat&amp;uuml;rlich bereits seit Jahrhunderten. Die Kolumbus-Statue auf dem Columbus Circle in New York erinnert an den gro&amp;szlig;en Entdecker, die Siegess&amp;auml;ule auf dem Gro&amp;szlig;en Stern in Berlin an einen milit&amp;auml;rischen Sieg, der Obelisk am Place de la Concorde in Paris feiert die Freundschaft zweier V&amp;ouml;lker. Kreiselkunst dagegen entsteht &amp;uuml;berwiegend fernab von Metropolen, an Orten wie M&amp;ouml;gglingen, Bochingen oder Lauterbach. Aus Motiven, die nur wenig mit Ruhmestaten zu tun haben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Grundlagen dieser Kunst entstanden Anfang der Neunzigerjahre. Damals setzte sich unter Verkehrsplanern die &amp;Uuml;berzeugung durch, dass Kreisverkehre gegen&amp;uuml;ber den bis dahin &amp;uuml;blichen Kreuzungen gleich mehrere Vorteile besitzen. Sie halten den Verkehr best&amp;auml;ndig in Bewegung, drosseln das Tempo, sorgen f&amp;uuml;r weniger Unf&amp;auml;lle und sind g&amp;uuml;nstiger in Bau und Unterhalt als die Ampelanlagen. Verkehrsplaner empfehlen Kreisel seither besonders dort, wo Landstra&amp;szlig;en in Orte &amp;uuml;bergehen. Verkn&amp;uuml;pfungsbereich nennen sie das.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mitte der Neunzigerjahre stellte sich heraus, dass Kreisverkehre noch ein bisschen sicherer werden, wenn man die Inseln in der Mitte leicht erh&amp;ouml;ht anlegt. Autofahrer nehmen sie dann fr&amp;uuml;her wahr, bremsen eher und fahren mit niedrigerer Geschwindigkeit ein. Inmitten der Inseln standen nun nat&amp;uuml;rliche Sockel, B&amp;uuml;hnen ohne Schauspiel. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Vielerorts wurde das als Gelegenheit und Aufforderung aufgefasst, der Zeige- und Selbstdarstellungslust ungehemmt nachzukommen und f&amp;uuml;r ein Statement am Ortseingang zu sorgen: &amp;raquo;Seht her, wir sind nicht die, f&amp;uuml;r die ihr uns haltet. Wir k&amp;ouml;nnen auch anders!&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Seither m&amp;uuml;ssen Jurys Entscheidungen treffen, ob eher ein st&amp;auml;hlerner Vogel, ein Windspiel oder ein Granitblock das Selbstverst&amp;auml;ndnis ihres Ortes zum Ausdruck bringt. 30 000 Euro stehen im Schnitt zur Verf&amp;uuml;gung, die Auftr&amp;auml;ge werden ausgeschrieben, wer den Platz auf der Insel gestalten will, muss sich bewerben und einem Mehrheitsvotum beugen. Kreiselkunst ist auch Castingkunst. Das erkl&amp;auml;rt, dass viele Werke so gro&amp;szlig; und schrill ausfallen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Umso r&amp;auml;tselhafter bleibt h&amp;auml;ufig ihre Botschaft. Es ist nachvollziehbar, dass eine Treibscheibe an den Kali-Bergbau in Neustadt erinnern soll. Ebenso leicht zu verstehen: Die Kurbelwelle im Kreisverkehr von Wasseralfingen verweist auf das nahe Werk eines weltweit t&amp;auml;tigen Herstellers von Schiffsschrauben. Geradezu zwangsl&amp;auml;ufig erscheint, dass in Dillingen ein Werk von Richard Serra steht: Der amerikanische Bildhauer verwendet f&amp;uuml;r seine Gro&amp;szlig;skulpturen &amp;uuml;berwiegend Bleche der Dillinger H&amp;uuml;tte und lie&amp;szlig; viele seiner Werke dort auch fertigen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Was aber sagt die Skulptur &amp;raquo;Seelenknoten&amp;laquo; &amp;uuml;ber Landshut? Die &amp;raquo;Pusteblume&amp;laquo; &amp;uuml;ber Ebersbach an der Fils? Oder ein Werk wie die &amp;raquo;Triade&amp;laquo; &amp;uuml;ber Wittmund, in dessen Beschreibung es hei&amp;szlig;t: &amp;raquo;Nach jeder drittel Umdrehung um die vertikale Achse kommt die Skulptur mit sich selbst zur Deckung. Die Ecken der drei Quadrate bilden in vier verschiedenen H&amp;ouml;hen jeweils ein gleichseitiges Dreieck&amp;laquo;? Dass man in Wittmund gern Denksportaufgaben l&amp;ouml;st? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sicher, Kunst muss sich nicht erkl&amp;auml;ren. Vermutlich kommt man dem Kern der Werke am n&amp;auml;chsten, wenn man sie nicht mit Ma&amp;szlig;st&amp;auml;ben der Kunst misst. Und sie stattdessen aus der Perspektive derer betrachtet, denen sie ihre Existenz verdanken und die sich in ausf&amp;uuml;hrlichen Expertisen mit ihren Eigenheiten besch&amp;auml;ftigen: die Verkehrsexperten. In ihren Augen handelt es sich bei Kreiselkunst um nichts anderes als &amp;raquo;starre Hindernisse&amp;laquo;.&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;</description>
    <dc:subject>Sie haben Ihr Ziel erreicht</dc:subject>
    <dc:creator>Philip Reichardt</dc:creator>
    <dc:date>2012-06-25T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Die letzten Rätsel des Universums</title>
    <description>&lt;p&gt;Unsere Welt, das All,      der Mensch: alles so geheimnisvoll. Jetzt sind ganz neue Aufnahmen      aufgetaucht. Aber was genau sehen wir da?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;</description>
    <dc:subject>Die letzten Rätsel des Universums</dc:subject>
    <dc:creator></dc:creator>
    <dc:date>2012-06-11T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>»Eine Versteigerung ist wie ein Theaterstück«</title>
    <description>&lt;p&gt;&amp;Uuml;ber      die Kunst, Reichen das Geld aus der Tasche zu ziehen: Ein Gespr&amp;auml;ch mit Simon de Pury, dem erfolgreichsten Auktionator der Welt.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46573.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Herr de Pury, warum w&amp;uuml;rden Sie bei der Versteigerung eines Gegenstands einen h&amp;ouml;heren Preis erzielen als ich?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Simon de Pury:&lt;/strong&gt; Es k&amp;ouml;nnte durchaus sein, dass Sie ein Naturtalent sind. Ich h&amp;auml;tte wohl den kleinen Vorteil, dass ich das schon seit vielen Jahren mache. Das ist wie bei Piloten: Je mehr Flugstunden, desto besser. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Anders als Fliegen scheint Versteigern nicht sonderlich kompliziert zu sein. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Handwerk ist in der Tat nicht kompliziert. Man muss z&amp;auml;hlen k&amp;ouml;nnen, und das kann im Grunde jeder. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber es scheint ja mehr dahinterzustecken.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Man kann es nicht beweisen, aber ich glaube, dass dasselbe Objekt bei verschiedenen Auktionatoren verschiedene Preise bringt. Nehmen wir an, Sie kommen in eine Auktion und interessieren sich f&amp;uuml;r einen Gegenstand, f&amp;uuml;r den Sie ein Limit im Kopf haben, das ich nicht kenne. Es k&amp;ouml;nnte nun sein, dass ich Sie dazu bringe, dieses Limit zu &amp;uuml;berschreiten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie w&amp;uuml;rden merken, dass ich mein Limit erreicht oder &amp;uuml;berschritten habe? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das funktioniert intuitiv. Wenn ich eine Auktion leite, sp&amp;uuml;re ich das Publikum. Wenn es mir also gelingt, Sie zu diesem Extraschritt &amp;uuml;ber Ihr Limit zu bewegen, und das Gleiche gelingt mir bei Ihrem Gegenbieter und vielleicht bei einem dritten Bieter, dann kann das einen gro&amp;szlig;en Unterschied ausmachen. Je wertvoller ein Objekt ist, desto gr&amp;ouml;&amp;szlig;er ist dieser eine Schritt. Das kann 500 000 Dollar oder mehr ausmachen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;So wie Sie es beschreiben, scheint Versteigern etwas Spirituelles zu haben.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es geht darum, eine besondere Stimmung herzustellen. Ich habe selbst oft im Auftrag von Kunden geboten, und manchmal habe ich gesp&amp;uuml;rt, dass die Stimmung nicht stimmt. Davon wird man beeinflusst, im schlimmsten Fall korrigiert man sogar sein Limit nach unten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das hei&amp;szlig;t aber doch, als K&amp;auml;ufer m&amp;uuml;sste ich auf richtig schlechte Stimmung hoffen, weil es dann billiger wird.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;M&amp;uuml;ssten Sie wohl, ja. Man wird auf jeden Fall von der Stimmung auf einer Auktion beeinflusst. Die Profik&amp;auml;ufer versuchen das auszublenden und k&amp;uuml;hl zu bleiben. Aber das funktioniert nicht. Warum nicht? Man kennt das von Gem&amp;auml;lden, die man in verschiedenen Museen gesehen hat - man kann sich der Stimmung des Ortes nicht entziehen.Wie bringen Sie sich selbst vor einer Auktion in die richtige Stimmung?Ach, ich bin ein bisschen abergl&amp;auml;ubisch. Ich habe meine Rituale.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welche?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich esse zum Beispiel vor jeder Auktion einen Apfel. Das mache ich seit 1993 so. Damals habe ich in Regensburg f&amp;uuml;r die F&amp;uuml;rstin Thurn und Taxis versteigert, und im Schloss standen &amp;uuml;berall diese Schalen mit &amp;Auml;pfeln herum. Also a&amp;szlig; ich w&amp;auml;hrend der Vorbereitung &amp;Auml;pfel. Die Auktion lief dann so irre gut, dass ich dachte: Es muss an den &amp;Auml;pfeln gelegen haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;Auml;pfel, das ist alles? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Am Nachmittag vor der Auktion will ich keine Menschen sehen. Ich ziehe mich zur&amp;uuml;ck und gehe den Katalog durch, dazu schaue ich mir den Sitzplan an. Bei manchen Objekten wei&amp;szlig; ich, wer im Saal daran interessiert sein k&amp;ouml;nnte, das pr&amp;auml;ge ich mir ein. Ganz wichtig ist auch der Hammer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Es gibt gute und schlechte H&amp;auml;mmer?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aber ja. Einen Hammer, mit dem ich eine schlechtere Auktion geleitet habe, benutze ich nie wieder. War die Auktion erfolgreich, behalte ich den Hammer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sind nicht blo&amp;szlig; ein bisschen abergl&amp;auml;ubisch?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wissen Sie, meine Frau hat eine tolle Energie. Wenn ich einen neuen Hammer habe, dann bitte ich sie immer, den zu ber&amp;uuml;hren, damit etwas von ihrer Energie auf ihn &amp;uuml;bergeht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welcher war Ihr erfolgreichster Hammer?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das war sicherlich der, mit dem ich 2010 ein Elizabeth-Taylor-Portr&amp;auml;t von Andy Warhol f&amp;uuml;r 63,4 Millionen Dollar verkauft habe. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wissen Sie noch, was Sie in dieser Auktion gef&amp;uuml;hlt haben? War das eine Art Rausch?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Man ist so konzentriert, dass man gar nicht dazu kommt, &amp;uuml;ber die H&amp;ouml;he der Summe nachzudenken. Danach habe ich mich allerdings schlecht gef&amp;uuml;hlt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das ist fast immer so nach gro&amp;szlig;en Auktionen. Monatelang wird alles vorbereitet, und dann ist es in einer Stunde vorbei. Ich habe dann den Post-Party-Blues. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es eine bestimmte Ausbildung f&amp;uuml;r diesen Beruf?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nicht wirklich. Als junger Auktionator wird man in der Regel von einem erfahrenen Kollegen angelernt. Dann macht man eine Trocken&amp;uuml;bung. Das hei&amp;szlig;t, die Kollegen spielen das Publikum und lassen alles, wirklich alles schiefgehen. Hat man das &amp;uuml;berlebt, wird man aufs wirkliche Publikum losgelassen. Bei einer unwichtigen Auktion mit billigen Gegenst&amp;auml;nden, denn jeder Fehler kann Geld kosten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie war das bei Ihnen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vor 40 Jahren habe ich einen Kurs bei Sotheby&amp;rsquo;s gemacht, in dem es um die Bewertung von Kunstwerken ging. Da wurde eines Tages gefragt, wer sich daf&amp;uuml;r interessieren w&amp;uuml;rde, die Kunstwerke auch zu versteigern. Wir waren 50 Teilnehmer, drei haben die Hand gehoben. Ich war einer davon.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was haben Sie seitdem gelernt? Was sind Ihre Tricks, au&amp;szlig;er &amp;Auml;pfeln und der Energie Ihrer Frau? &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt; Nicht zu schnell sein. Man muss ein Gesp&amp;uuml;r f&amp;uuml;rs Tempo haben und den Rhythmus st&amp;auml;ndig wechseln. Man kann eine Auktion nicht monoton in einem Tempo durchziehen. Auch die Reihenfolge der zu versteigernden Objekte ist extrem wichtig, das muss man regelrecht orchestrieren. Es ist wie ein Theaterst&amp;uuml;ck: Sie haben H&amp;ouml;hepunkte, dann brauchen sie wieder ruhigere Momente. Wenn Sie f&amp;uuml;r ein Objekt einen Rekordpreis erzielt haben, k&amp;ouml;nnen Sie im Anschluss nicht ein weiteres extrem wertvolles Objekt versteigern, weil alle noch viel zu aufgedreht und abgelenkt sind. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Also kaufen Schn&amp;auml;ppchenj&amp;auml;ger am besten das Objekt, das Sie nach einem Rekordpreis versteigern? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn sie sich f&amp;uuml;r das Objekt wirklich interessieren, dann vielleicht ja. Es ist in jeder Auktion m&amp;ouml;glich, einen Coup zu landen, ganz gleich wie gut sie aus meiner Sicht l&amp;auml;uft. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;K&amp;ouml;nnen Sie sich mit einem Bieter freuen, wenn er ein Schn&amp;auml;ppchen macht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, wirklich nicht. Es ist ja meine Aufgabe, das Maximum herauszuholen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Weil dieser Bieter Sie, wenn man so will, besiegt hat?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weil ich dem Kunden, dem Einlieferer, verpflichtet bin. Der Auktionator muss den h&amp;ouml;chsten Preis herausholen, der am Markt zu erzielen ist. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie umwerben Sie die potenziellen Bieter vor der Auktion?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wir veranstalten gern Abendessen in der Auktionsausstellung. Es gibt nichts Besseres, als mit den Werken zusammen zu essen. Da k&amp;ouml;nnen Sie sich am besten vorstellen, wie es w&amp;auml;re, mit diesen Werken k&amp;uuml;nftig zusammenzuleben. Wenn ich w&amp;uuml;sste, dass Sie pers&amp;ouml;nlich eine Vorliebe f&amp;uuml;r einen bestimmten K&amp;uuml;nstler haben, dann w&amp;uuml;rde ich Sie bei dem Abendessen so platzieren, dass Sie ein zu versteigerndes Bild dieses K&amp;uuml;nstlers im Blickfeld haben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie versteigern meist bei kommerziellen Auktionen, aber auch bei Auktionen f&amp;uuml;r wohlt&amp;auml;tige Zwecke. Vermutlich ein Riesenunterschied?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Absolut. In der Auktion f&amp;uuml;r den guten Zweck kann ich die Anwesenden namentlich erw&amp;auml;hnen und ich kann viel mehr Spr&amp;uuml;che klopfen. Diese Auktionen finden meist w&amp;auml;hrend eines Galadinners statt. Da geht man von Tisch zu Tisch, das ist eine ganz andere  Show. Man darf die Leute sogar unter Druck setzen, solange es nicht unangenehm wird. Es gibt viele Auktionatoren, die sehr gut bei Charity-Auktionen sind, aber leider nicht bei kommerziellen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Woran liegt das?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es braucht einen ganz anderen Ton. Kommerzielle Auktionen sind letztlich sehr seri&amp;ouml;s. Es ist wichtig, f&amp;uuml;r Unterhaltung zu sorgen, aber es geht nat&amp;uuml;rlich in erster Linie ums Gesch&amp;auml;ft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was ist das Erfolgsgeheimnis bei einer Charity-Auktion? Reichlich Wein?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eigentlich nicht. Alkohol ist nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, dass Sie den richtigen Moment treffen. Wenn Sie zu sp&amp;auml;t am Abend mit der Auktion anfangen, dann kommt nicht mehr viel. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wann ist dieser Moment?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Generell gesagt: zwischen Hauptgang und Dessert. Es gibt Charity-Veranstalter, die ein endloses Entertainment-Programm einbauen: Modenschau, Ballett, was auch immer. Aber dann haben die Leute auch keine Lust mehr, jetzt noch auf einer Auk-tion mitzubieten. Die Auktion darf nicht zu lang sein, Sie d&amp;uuml;rfen maximal sieben, acht St&amp;uuml;cke versteigern. Die aber in einem Feuerwerk. Dann kommt am meisten Geld heraus.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Haben Sie da eine Verantwortung den Bietern gegen&amp;uuml;ber? Die Stimmung ist gel&amp;ouml;st, Sie sind ein professioneller Verf&amp;uuml;hrer &amp;ndash; d&amp;uuml;rfen Sie guten Gewissens viel zu viel Geld aus den Leuten herausholen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn es um einen guten Zweck geht, ist alles erlaubt. Es ist bei solchen Auktionen vorgesehen, dass die Leute zu viel bezahlen, und das wissen sie auch. Das sind letztlich Spenden. Oft versteigere ich bei solchen Anl&amp;auml;ssen auch etwas, was keinen konkreten Wert hat. Ein Dinner mit einem Schauspieler oder einen Besuch an einem Filmset.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hat sich mal jemand beklagt, dass Sie zu viel aus ihm herausgeholt haben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Einmal bot eine Dame in der dritten Reihe jedes Mal, wenn ich sie anschaute. Also habe ich sie sehr oft angeschaut. Nach der Auktion kam sie aufgeregt zu mir und sagte: Ich wollte gar nichts kaufen, aber ich konnte nicht anders. Ihr Mann hat alles bezahlt. Heute kann er ihr dankbar sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Er besitzt jetzt eine der besten Sammlungen von Schnupftabakdosen, die es gibt. Sie hat massiv an Wert gewonnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;ZUR PERSON &amp;nbsp;&lt;br /&gt;Simon      de Pury wurde 1951 in Neuch&amp;acirc;tel in der Schweiz geboren und ist      einer der bekanntesten Auktionatoren weltweit. Er arbeitete lang f&amp;uuml;r      Sotheby&amp;rsquo;s, bevor er 1997 sein eigenes Auktionshaus gr&amp;uuml;ndete, das 2001 mit      dem britischen Traditionsunternehmen Phillips zu &lt;em&gt;Phillips de Pury &amp;amp;      Company&lt;/em&gt; fusionierte.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Eine Versteigerung ist wie ein Theaterstück«</dc:subject>
    <dc:creator>Christian Zaschke (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2012-05-28T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Brauche ich das wirklich?</title>
    <description>&lt;p&gt;Als Kind sammelte Ingvild Goetz Margarineverpackungen. Heute besitzt sie die gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Privatsammlung zeitgen&amp;ouml;ssischer Kunst in Deutschland. Dazwischen liegt ein Leben voller Abenteuer.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt; &lt;br /&gt;Das Ehepaar Ingvild und Stephan Goetz reist nur mehr nach Paris. Gro&amp;szlig;e Kunstmessen meiden die beiden. Die Art Basel in Miami ist eher eine Party, die Art Basel in der Schweiz und die Frieze in London sind &amp;uuml;berlaufen von Leuten, die sich &amp;raquo;jetzt auch mal was H&amp;uuml;bsches an die Wand h&amp;auml;ngen wollen&amp;laquo;, wie es bei Galeristen &amp;uuml;ber neue Kundschaft aus Russland hei&amp;szlig;t. Aber die wichtigsten Galerien stellen auch auf der Fiac in Paris aus. Sie findet jedes Jahr im Grand Palais an der Seine statt, einem 110 Jahre alten Glaspalast mit viel Charme; an den St&amp;auml;nden gibt es guten Rotwein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ingvild Goetz ist zum Arbeiten gekommen und trinkt Wasser. Dieses Mal fehlt ihre Assistentin. Ihr Mann notiert, welche Preise seine Frau f&amp;uuml;r welche Bilder aushandelt. Er tr&amp;auml;gt einen Ohrst&amp;ouml;psel und entschuldigt sich zwischendurch, um eine halbe Stunde mit Roland Koch, dem ehemaligen Ministerpr&amp;auml;sidenten und aktuellen Vorstandsvorsitzenden eines Baukonzerns, &amp;uuml;ber Handy zu konferieren. Stephan Goetz ist Unternehmensberater und Hobbysammler von chinesischer und antiker Kunst. Auf der Messe in Paris ist er zuallererst Assistent seiner Frau.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sie besitzt die gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Privatsammlung zeitgen&amp;ouml;ssischer Kunst in Deutschland. Sie unterh&amp;auml;lt ihr eigenes &lt;a href=&quot;http://www.sammlung-goetz.de/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Museum&lt;/a&gt; in M&amp;uuml;nchen. Museumsdirektoren aus aller Welt buhlen um die 4600 Kunstwerke &amp;ndash; 1286 Fotografien, 356 Skulpturen, 853 Gem&amp;auml;lde, 905 Arbeiten auf Papier, der Rest: Installationen, Filme, Videos, Dias. F&amp;uuml;r ein einziges Museum ist die Sammlung viel zu gro&amp;szlig;. Ingvild Goetz verleiht Bilder an andere Museen, 300 jedes Jahr, sie bespielt den alten Luftschutzkeller im Haus der Kunst in M&amp;uuml;nchen, demn&amp;auml;chst auch einen F&amp;ouml;rderturm in Gelsenkirchen vier Jahre lang mit wechselnder Videokunst, sie zeigt Bilder im Kunstmuseum  Basel und Installationen im Haus der Kunst, im ersten Stock. Die komplette Sammlung wird kaum jemals zu sehen sein; sie ist auch f&amp;uuml;r mehrere Museen zu gro&amp;szlig;. Das Lager platzt aus allen N&amp;auml;hten. Manchmal f&amp;auml;hrt Ingvild Goetz aufs Land in dieses Lager, holt die Grafiken aus den Schubladen, schaut sie stundenlang durch. &amp;raquo;Ich habe nahezu jedes St&amp;uuml;ck im Kopf&amp;laquo;, behauptet sie von ihren 4600 Arbeiten, und eine ihrer insgesamt 19 Mitarbeiterinnen best&amp;auml;tigt das.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sammeln macht s&amp;uuml;chtig. Ingvild Goetz kennt gen&amp;uuml;gend Beispiele aus der Kunstszene: Sammler, die sich hoffnungslos &amp;uuml;berschuldet haben, um immer mehr Bilder zu kaufen. &amp;raquo;Ich habe meine Leidenschaft in den Griff bekommen und wei&amp;szlig;, dass es noch andere Dinge im Leben gibt&amp;laquo;, sagt sie. &amp;raquo;Niemals h&amp;auml;tte ich Schulden gemacht, um ein Kunstwerk zu ersteigern. Ich habe gelernt loszulassen.&amp;laquo; Ihren beiden erwachsenen T&amp;ouml;chtern hat sie erlaubt, die Sammlung nach ihrem Tod im Zweifel aufzul&amp;ouml;sen. Das Lager will sie auf keinen Fall erweitern. Ab und zu verkauft sie sogar eine Arbeit, um Platz zu schaffen oder um ein anderes Bild zu finanzieren, das ihre Sammlung komplettiert. Keine neuen Baustellen, keine Wahnsinnspreise, hei&amp;szlig;en ihre Prinzipien. Manchmal tauscht sie ein Kunstwerk ein, verschenkt es gar in seltenen F&amp;auml;llen an ein Museum. Wenn sie heute etwas kauft, dann schl&amp;auml;ft sie meist eine Nacht dr&amp;uuml;ber und fragt sich: &amp;raquo;Brauche ich das wirklich?&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das, was sie braucht, kauft sie in Galerien, bei Atelierbesuchen oder auf einer Messe. Neun Stunden dauert der Kunst-Einkauf in Paris diesmal. Die Woche zuvor ist ihr eine Bandscheibe herausgesprungen, der Chiropraktiker hat sie so gut hingeknetet, dass sie die 70 wichtigsten von knapp 200 ausstellenden Galeristen abklappern kann. Den ganzen Tag steht sie mit durchgedr&amp;uuml;cktem R&amp;uuml;cken an den St&amp;auml;nden, H&amp;auml;nde in den Rocktaschen oder die Arme &amp;uuml;bereinandergelegt. Gegen elf Uhr holt sie sich eine trockene Semmel aus der Handtasche und br&amp;ouml;selt mit ihrem nachgeholten Fr&amp;uuml;hst&amp;uuml;ck auf die Jacke, zu Mittag isst sie acht Sushis. Die Arbeitskleidung der wichtigsten deutschen Kunstsammlerin, die h&amp;auml;ufiger in den Feuilletons &amp;uuml;ber Kunst redet, aber selten &amp;uuml;ber sich selbst: eine Art Turnschuhe von Reebok, schwarz. Schwarzer, knielanger Rock von Zara, schwarzes Top von Jil Sander, schwarze Tasche aus Krokolederimitat. Ihr Markenzeichen: knallrote Lippen.&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Manchmal kauften wir uns was weg.&quot;]&amp;nbsp; &lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45585.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Andy Warhol lernte Ingvild Goetz kennen, als er 1980 nach Deutschland kam, um sie zu portraitieren.&lt;/em&gt; &lt;em&gt;(Andy Warhol, Portr&amp;auml;t Ingvild Goetz(b), 1980 Siebdruck, Acryl auf Leinwand, 102x102cm, Courtesy Sammlung Goetz; Foto Wilfried Petzi)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;Smalltalk in den G&amp;auml;ngen. Ein schwules Galeristenpaar aus New York konnte endlich ein Kind adoptieren &amp;ndash; &amp;raquo;so s&amp;uuml;&amp;szlig;, Jeanny&amp;laquo;. Freunde nennen Ingvild Goetz Jeanny. Eine Freundin aus Kalifornien klagt Jeanny ihr Leid mit &amp;Aacute;lvaro Siza, einem portugiesischen Stararchitekten, beim Bau ihrer Villa mit angeschlossenem Museum: &amp;raquo;Das Museum ist viel zu gro&amp;szlig; geraten, aber die K&amp;uuml;che hat er so klein geplant, dass ich nie darin kochen k&amp;ouml;nnte.&amp;laquo; Jeanny versteht, sie war eine der Ersten, die Herzog &amp;amp; de Meuron besch&amp;auml;ftigten, die Schweizer Architekten haben 1993 ihr Museum in M&amp;uuml;nchen gebaut. Die Sammler-Konkurrenz gr&amp;uuml;&amp;szlig;t: Stephan Braunfels, der Architekt aus M&amp;uuml;nchen, Michael Ringier, der Verleger aus Z&amp;uuml;rich. &amp;raquo;Manchmal kaufen wir uns was weg, wir m&amp;ouml;gen uns trotzdem&amp;laquo;, sagt Ingvild Goetz. An einer Ecke steht Nicolas Berggruen, der Unternehmer und Karstadt-Sanierer, er ist sehr klein. Sie hat ihn &amp;uuml;bersehen. &amp;raquo;Ich wei&amp;szlig; gar nicht, was genau der sammelt.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gespr&amp;auml;chsthema an den St&amp;auml;nden: die Lage am Kunstmarkt. Die Preise stagnieren oder fallen leicht, trotz der Russen. Verzogene K&amp;uuml;nstler k&amp;ouml;nnen sich weniger All&amp;uuml;ren leisten. Ingvild Goetz begr&amp;uuml;&amp;szlig;t die Entwicklung. Sie ist den Umgang mit schwierigen Menschen und abstrusen Preisen gewohnt, aber sie wei&amp;szlig; auch, wann Schluss sein muss: &amp;raquo;Einem K&amp;uuml;nstler habe ich angeboten, er k&amp;ouml;nne seine Bilder zur&amp;uuml;ckkaufen, weil er zu keinem Kompromiss bei der Ausstellung und dem Katalog f&amp;auml;hig war. Ein anderer wollte, dass ich einen Balken aus meinem Museum rausrei&amp;szlig;e, damit seine Installation reinpasst.&amp;laquo; Sie mag es auch nicht, dass Kunst zum Spekulationsobjekt geworden ist. Deshalb gibt sie in der Regel nicht bekannt, wen oder was sie kauft. Unbekannte K&amp;uuml;nstler haben den Namen der Sammlung Goetz oft benutzt, um den Preis ihrer Arbeiten in die H&amp;ouml;he zu treiben. Ingvild Goetz will nicht &amp;uuml;ber Geld reden. Nie. Erst recht nicht &amp;uuml;ber das Millionen-Erbe ihres Vaters, eines sehr wohlhabenden Kaufmanns, das ihr 1984 ausbezahlt wurde. Ingvild Goetz hat in M&amp;uuml;nchen von 1973 bis 1984 ihre Galerie &amp;raquo;Art in Progress&amp;laquo; gef&amp;uuml;hrt, bis sie genug Geld bekam, um all die Bilder zu behalten, die sie bis dahin verkaufen musste. Aber niemand soll wissen, ob und wie viel Geld die Sammlung Goetz noch in der Kriegskasse hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es sind ohnehin schon zu viele Galeristen, die ihr auf einer Messe etwas verkaufen wollen. Meist sagt Ingvild Goetz geradeheraus, wenn ihr ein Bild nicht gef&amp;auml;llt. Manchmal l&amp;uuml;gt sie, um einen Galeristen schnell, aber h&amp;ouml;flich abzuw&amp;uuml;rgen. Sie sagt dann: &amp;raquo;Sehr sch&amp;ouml;n&amp;laquo;, auch wenn sie ein Bild langweilt. Schwindeln geh&amp;ouml;rt zum Handwerk. Sie schwindelt nicht gern, aber sehr geschickt. Stephan, ihr Ehemann, wei&amp;szlig; sofort, wann ein &amp;raquo;Sehr sch&amp;ouml;n&amp;laquo; seiner Frau signalisiert, dass sie von einem K&amp;uuml;nstler tats&amp;auml;chlich mehr sehen m&amp;ouml;chte, und wann sie schon genug gesehen hat. &amp;raquo;Auch die Kinder merken das gleich.&amp;laquo; Viele Galeristen nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ingvild Goetz wirkt eigentlich eher scheu. Sie wartet h&amp;ouml;flich an manchen St&amp;auml;nden, bis jemand Zeit f&amp;uuml;r sie findet. Sie kann sich zur&amp;uuml;cknehmen. Sie ist eine wohlhabende Frau und entspricht nicht der allgemeinen Vorstellung davon. Sie ist 70 und zeigt keine All&amp;uuml;ren. Es f&amp;auml;llt leicht, sie zu m&amp;ouml;gen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In Paris fallen die Worte &amp;raquo;Sehr sch&amp;ouml;n&amp;laquo; ein Dutzend Mal. Vierzehn Mal stellt sich Ingvild Goetz auf der Messe die Frage: &amp;raquo;Brauche ich das wirklich?&amp;laquo; Vierzehn Arbeiten und Fotografien hat sie reserviert, nur zwei K&amp;auml;ufe wird sie am n&amp;auml;chsten Tag best&amp;auml;tigen: drei Schwarz-Wei&amp;szlig;-Fotos von Transvestiten, handsignierte Originalabz&amp;uuml;ge von Diane Arbus, aus den Jahren 1959 bis 1961, zum Preis von 30 625 Euro, 35 000 und 39 375 Euro, inklusive Mehrwertsteuer. Sowie eine beleuchtete Schautafel, im Stil einer Immobilienanzeige, auf der 20 Ruinen im Libanon zu sehen sind. Sie wurden im Krieg mit Israel zerst&amp;ouml;rt. Taysir Batniji, der K&amp;uuml;nstler, ist noch recht unbekannt, aber seine Galerie hat in Paris schon viele seiner Werke verkauft. Die Immobilienanzeige kostet 28 890 Euro. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mit dem Kauf der Schautafel macht Ingvild Goetz doch einmal eine neue Baustelle auf: Sie besa&amp;szlig; bisher keine andere Installation von dem pal&amp;auml;stinensischen K&amp;uuml;nstler. Mit den Fotos von Diane Arbus komplettiert Ingvild Goetz ihre umfangreiche Sammlung von Arbeiten der amerikanischen Fotografin, die sie fr&amp;uuml;h zu kaufen begann. Goetz erz&amp;auml;hlt von Arbus&amp;rsquo; Selbstmord und davon, dass deren Tochter rigoros die Ver&amp;ouml;ffentlichung aller Fotos behindert, sie vermutet, dass sie sich so an der Mutter r&amp;auml;chen m&amp;ouml;chte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Meist kauft Ingvild Goetz Bilder, die ihr nicht gleich auf Anhieb gefallen oder einleuchten, die sie sperrig findet. Was sofort gef&amp;auml;llt, ist ihr eher verd&amp;auml;chtig. Meistens hat sie die K&amp;uuml;nstler zuvor kennengelernt oder zumindest &amp;uuml;ber sie gelesen. Sie will sich vergewissern, dass es sich nicht um Eintagsfliegen handelt und dass eine Idee wirklich neu ist. Ihr Urteil ist streng: die Maler der Leipziger Schule - laut Goetz alles schon mal da gewesen, au&amp;szlig;er Neo Rauch. Sie kann wunderbar ohne jedes Fremdwort &amp;uuml;ber Kunst reden. &amp;Uuml;ber die 145 Haarkn&amp;auml;uel, eine Installation von Mona Hatoum, die sechs Jahre lang ihre ausgeb&amp;uuml;rsteten Locken zusammenrollte und im Schuhkarton sammelte, sagt sie: &amp;raquo;Ich sehe darin die religi&amp;ouml;se Z&amp;uuml;chtigung der Frau, ein Abschiednehmen vom Frau-sein-D&amp;uuml;rfen.&amp;laquo;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Warum sammelt ein Sammler?&quot;]&amp;nbsp; &lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/45587.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;span&gt;&amp;raquo;&lt;/span&gt;Die allermeisten K&amp;uuml;nstler sind gro&amp;szlig;artige, sehr sensible Menschen; ich bin sehr dankbar, die kennengelernt zu haben&lt;span&gt;&amp;laquo;&lt;/span&gt;, sagt Ingvild Goetz. Wer die wenigen Nervens&amp;auml;gen waren, verr&amp;auml;t sie nicht. Oben: Die Sammlerin mit der Fotografin Roni Horn und Felix Gonzalez-Torres, einem 1996 verstorbenen Kubaner, der Installationen machte. Mitte: Mit Luc Tuymans, einem belgischen Maler, und dessen Ehefrau. Unten: Installationen von Peter Fischli stellte die Sammlung Goetz 2010 aus.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt; Sie sammelt zeitgen&amp;ouml;ssische Kunst ab Arte Povera, das hei&amp;szlig;t: Alles, was vor 1959 entstanden ist, interessiert sie nicht. Fr&amp;uuml;h hat sie die Bedeutung von heutigen Superstars erkannt: Cy Twombly, Damien Hirst, beide hat sie g&amp;uuml;nstig gekauft, beide l&amp;auml;ngst wieder verkauft, Twombly, um ihr Museum zu bauen, Hirst, um den Ankauf anderer Bilder zu finanzieren. Einen Schwerpunkt bilden Konzeptkunst und Minimalismus: Konzeptkunst ist zum Beispiel, wenn Thomas Demand ein Pappmodell nach einem Foto fertigt, dann wiederum ein Foto von dem Modell macht, das er dann vernichtet. Kunsthistoriker sprechen dabei von der Reflexion der Reflexion, mit der kollektive Erinnerung dargestellt werde. &amp;raquo;Konzeptkunst ist manchmal auch f&amp;uuml;r mich schwer zug&amp;auml;nglich, selbst wenn Jeanny davon begeistert ist&amp;laquo;, sagt Stephan Goetz. Sie selbst sagt: &amp;raquo;Mein Zugang zur Kunst ist subjektiv, intuitiv, und was ich kaufe, hat meist mit mir selbst zu tun.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Warum sammelt ein Sammler? Bei Ingvild Goetz war das so: Sie begann als Kind mit Bildserien aus Margarinepackungen und Zigarettenschachteln, das eher sch&amp;uuml;chterne M&amp;auml;dchen bat wildfremde Menschen auf der Stra&amp;szlig;e darum. Mit 15 sammelte sie Postkarten von &amp;Ouml;lbildern, die besitzt sie immer noch. Sp&amp;auml;ter hat sie alles &amp;uuml;bers Sammeln gelesen, selbst C. G. Jung und Sigmund Freud. Sie h&amp;auml;lt mehrere Antworten auf die Frage nach dem Grund parat. Die erste, eine psychologische Antwort: &amp;raquo;Ich sammle, was ich selbst gern gemacht h&amp;auml;tte. Wer die Sammlung auf sich wirken l&amp;auml;sst, kann einiges &amp;uuml;ber mich erfahren.&amp;laquo; Als Kind tr&amp;auml;umte sie davon, K&amp;uuml;nstlerin zu werden. Ihr reicher Vater dr&amp;auml;ngte sie dazu, einen anst&amp;auml;ndigen Beruf zu erlernen, ihr Kunstlehrer riet ihr, das Elternhaus zu verlassen. Sie lernte Werbekauffrau, weil sie sich als Malerin f&amp;uuml;r nicht gut genug hielt, und gr&amp;uuml;ndete schlie&amp;szlig;lich eine eigene Galerie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ingvild Goetz ist 1941 geboren und in Armut aufgewachsen, nach Kriegsende floh ihre Familie aus Westpreu&amp;szlig;en, &amp;raquo;Polackenkind&amp;laquo; wurde sie in der Schule gerufen, deshalb hat sie wohl auch sp&amp;auml;ter immer eine Vorliebe f&amp;uuml;r Au&amp;szlig;enseiter und generell f&amp;uuml;r sozialkritische Kunst behalten. Ihre erste Galerie in Z&amp;uuml;rich musste sie 1973 aufgeben; die Schweiz entzog ihr die Aufenthaltsgenehmigung nach einem Happening eines ihrer K&amp;uuml;nstler. Sie zog samt Galerie nach M&amp;uuml;nchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ihre zweite Antwort, wahrscheinlich die einfachste und plausibelste: &amp;raquo;Es macht mir Spa&amp;szlig;, Bilder zu h&amp;auml;ngen und anzuschauen.&amp;laquo; Ihr Museum in der Oberf&amp;ouml;hringer Stra&amp;szlig;e baute sie erst mal nur f&amp;uuml;r sich. Irgendwann lud sie Freunde zu ihren Ausstellungen ein, bald machte sie das Museum f&amp;uuml;r die &amp;Ouml;ffentlichkeit zug&amp;auml;nglich und engagierte ein Team aus 19 jungen Leuten, die meisten davon Kunsthistoriker, mit dem sie die Ausstellungen zusammenstellt, kuratiert und den Katalog entwirft. Eintritt verlangt sie nicht, G&amp;auml;ste m&amp;uuml;ssen sich telefonisch anmelden. Die Ausstellungen wechseln alle sechs Monate. Genau wie die Bilder und Skulpturen bei ihr zu Hause. Im Museum war zuletzt Mona Hatoum zu sehen, in ihrem Wohnzimmer steht eine &amp;uuml;berdimensionale, mit S&amp;uuml;&amp;szlig;wasserperlen gef&amp;uuml;llte Keramikschale von Ai Weiwei. Es gibt im ganzen Haus keinen Raum ohne Kunst, nicht mal Keller und G&amp;auml;stetoilette sind kunstfrei. Ihre Ausstellungser&amp;ouml;ffnungen im Stadtteil Oberf&amp;ouml;hring gelten als gesellschaftliches Ereignis. Unter den G&amp;auml;sten: Sir Nick Serota, der Direktor der Tate-Galerien (der die Sammlung Goetz nur allzu gern nach London holen w&amp;uuml;rde), Toni Schmid, Ministerialdirigent im Bayerischen Kultusministerium (er will mit Goetz eine Kunstfilm-Biennale nach M&amp;uuml;nchen bringen), Okwui Enwezor, der neue Leiter des Hauses der Kunst, Monika Peitsch (die Schauspielerin ist eine enge Freundin). Am 27. Mai werden gleich zwei Ausstellungen in der Sammlung Goetz er&amp;ouml;ffnet: Skulpturen von Pawel Althamer und eine gro&amp;szlig;e Videoinstallation von Ulrike Ottinger.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ein dritter Grund f&amp;uuml;rs Sammeln: &amp;raquo;Sammeln ist eine Krankheit. Man arbeitet sich ab an Bildern. Aber Kunst ist auch die beste Therapie. Sehen Sie nur, was f&amp;uuml;r ein ausgeglichener, h&amp;ouml;flicher, lieber Mensch Jonathan Meese ist, der teilweise so ausgeflippte Bilder malt.&amp;laquo; Sie wei&amp;szlig; um die Gefahren ihrer Sammel-leidenschaft, deshalb macht sie auch Pause und &amp;uuml;berwintert jedes Jahr auf den Balearen. Knapp drei Monate Garten- statt Museumsarbeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es gibt also ein Leben jenseits der Kunst, und so sieht es aus: in der Erde buddeln, mit dem Enkelkind spielen, sich sozial und manchmal auch politisch engagieren. Meditieren. Reisen.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Ihre vierte Standardantwort, warum man sammelt, lautet schlie&amp;szlig;lich: &amp;raquo;Kunst macht toleranter f&amp;uuml;r das Fremde. Wie das Reisen.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Als junges M&amp;auml;dchen ist sie Anfang der Sechzigerjahre mit einer Freundin nach Port Moresby gereist und weiter in die Berge von Papua-Neuguinea. &amp;raquo;Wir hatten keine Angst, wir waren ziemlich naiv.&amp;laquo; Am Amazonas, in Australien und S&amp;uuml;dafrika &amp;uuml;bernachteten sie in Missionsstationen. Ende der Sechziger reiste sie nach New York und besuchte K&amp;uuml;nstlerateliers in der Bowery, in die sich damals kaum ein Taxi traute. Ein Galerist wurde zwei Minuten vor ihrem Eintreffen ermordet. Mit ihrem Mann hat sie sp&amp;auml;ter Indonesien, Kambodscha, Nepal, Indien bereist. Von der indischen Stadt Varanasi schw&amp;auml;rmt sie wie von einem gro&amp;szlig;en schlampigen K&amp;uuml;nstlergenie: &amp;raquo;Ein Dreckloch, es gibt keine &amp;ouml;ffentlichen Toiletten. Aber das vergisst man alles. Sie gehen einfach mit jemand Wildfremdem in sein Haus, der Ihnen anbietet, eine besondere Meditation auszuprobieren. Einer der letzten wei&amp;szlig;en Flecken auf der Landkarte, der noch nicht verwestlicht ist. Rationalit&amp;auml;t und Logik z&amp;auml;hlen in dieser Welt nicht. Varanasi ist ein Traum.&amp;laquo; Ihr Leben lang blieb Ingvild Goetz neugierig auf unbekannte L&amp;auml;nder. Nur Teile Schwarzafrikas und die Antarktis hat sie nie kennengelernt. Sie war Hippie und besch&amp;auml;ftigte sich mit Bhagwan. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Heute versteht sie sich am ehesten als Buddhistin - &amp;raquo;eine sehr mitf&amp;uuml;hlende und tolerante Religion&amp;laquo;. Nach Nepal fliegt sie noch regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig. In ein Kloster, f&amp;uuml;r das sie und ihr Mann einen Schulraum und eine Meditationshalle gebaut haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ingvild Goetz spendet so, wie sie sammelt: mit Plan, akribisch bis ins Detail, am liebsten f&amp;uuml;r Au&amp;szlig;enseiter, die sonst vergessen werden: Eine eigene Spendenberaterin legt ihr jedes Jahr dar, wie Ingvild Goetz am effektivsten etwas f&amp;uuml;r die unterschiedlichsten Hilfsbed&amp;uuml;rftigen erreichen kann. Sie bezahlt eine Forschungsstelle &amp;uuml;ber Magersucht in Dresden und sorgt f&amp;uuml;r die psychologische Betreuung betroffener Eltern. In Varanasi hat sie gemeinsam mit ihrem Mann zwei Stra&amp;szlig;enkinder kennengelernt, deren Studium sie finanziert haben. In M&amp;uuml;nchen k&amp;uuml;mmert sie sich seit zehn Jahren um Asylbewerber. Der Leiter der Inneren Mission in der Asylauffangstelle, Albert Osei-Wusu, siezt Goetz, aber er nennt sie ganz ernsthaft eine Seelenverwandte. Sie kauft Daunenanoraks und einen Flachbildschirm f&amp;uuml;r den Frauenraum, U-Bahnfahrkarten f&amp;uuml;r Arzt- und Anwaltsbesuche und Schokolade f&amp;uuml;r die Nikolausfeier. Sie l&amp;auml;sst Uli Hoene&amp;szlig; anrufen, damit der wieder 50 Fu&amp;szlig;b&amp;auml;lle r&amp;uuml;berschickt, und bezahlt selbst einen Trainer. Sie finanziert einen Kurs, in dem Asylbewerber sich in Videokunst ausprobieren k&amp;ouml;nnen, und sie l&amp;auml;sst nat&amp;uuml;rlich Kunstposter im Aufenthaltsraum aufh&amp;auml;ngen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ihre Bilder sollen auch andere gl&amp;uuml;cklich machen. F&amp;uuml;r Ingvild Goetz nur ein Grund mehr zu sammeln.&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Brauche ich das wirklich?</dc:subject>
    <dc:creator>Lars Reichardt</dc:creator>
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