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    <title>sz-magazin.de - Kino/Film/Theater</title>
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    <description>Alle Texte zu dem Label Kino/Film/Theater auf sz-magazin.de</description>
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    <title>»Sex war der Dynamo für fast alles in meinem Leben«</title>
    <description>&lt;p&gt;F&amp;uuml;r den Schauspieler  Rupert Everett z&amp;auml;hlte viele Jahre lang vor allem eines: der Exzess.  Heute geht er es etwas ruhiger an, aber die innere Spannung hat er nicht  verloren. Ein Gespr&amp;auml;ch &amp;uuml;ber Shakespeare und Oscar Wilde. Und &amp;uuml;ber Sex,  nat&amp;uuml;rlich (was dachten Sie denn?).&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/60557.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&amp;raquo;Ich bin eine geh&amp;auml;ssige Tunte, die bei anderen zwanghaft nach Fehlern Ausschau h&amp;auml;lt&amp;laquo;: Sich selbst hat Rupert Everett aber auch nie geschont.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Mr. Everett, zun&amp;auml;chst m&amp;ouml;chten wir Ihnen gratulieren. Nach k&amp;uuml;nstlerisch mageren Jahren haben Sie am Londoner Hampstead Theatre als Oscar Wilde in &lt;em&gt;The Judas Kiss&lt;/em&gt; die Rolle Ihres Lebens gespielt.&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Rupert Everett:&lt;/strong&gt; Mein altes Ich rief bei schmeichelhaften Kritiken immer: &amp;raquo;Grandios gemacht, Rupert! Und als N&amp;auml;chstes spielst du Hamlet!&amp;laquo; Wenn ich heute h&amp;ouml;re, ich sei f&amp;uuml;r diese Rolle geboren, sagt mein neues Ich: &amp;raquo;Vorsicht! In Wahrheit will man dir zu verstehen geben: Du wirst garantiert an deiner n&amp;auml;chsten Rolle scheitern &amp;ndash; also versuch&amp;rsquo;s gar nicht erst.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben fr&amp;uuml;her mal auf den Tadel einer Theaterbesucherin reagiert, indem Sie der Dame ein paar Ihrer Schamhaare nach Hause schickten. Wie sehr verletzt Sie Kritik?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Selbst b&amp;ouml;sartigste Verrisse ber&amp;uuml;hren mich nicht mehr. Aber das liegt lediglich daran, dass ich so oft gefickt wurde, dass ich v&amp;ouml;llig unempfindlich geworden bin. Ich denke dann: Okay, was soll&amp;rsquo;s, b&amp;uuml;ck dich halt und lass es mal wieder &amp;uuml;ber dich ergehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nach &lt;em&gt;The Judas Kiss&lt;/em&gt; wollen Sie nun auch einen Kinofilm &amp;uuml;ber Oscar Wilde drehen, als Produzent, Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller. Was fasziniert Sie so an Wilde?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Film zeigt die letzten drei Wochen in Oscars Leben. Nachdem er wegen Unzucht mit m&amp;auml;nnlichen Prostituierten zwei Jahre Zuchthaus mit schwerer Zwangsarbeit hinter sich hatte, lebte er als verwahrloster Vagabund in Paris. Er schnorrte in den Caf&amp;eacute;s G&amp;auml;ste an, weil er seine Rechnung nicht bezahlen konnte. Einer seiner Spr&amp;uuml;che war: &amp;raquo;Ich bin Oscar Wilde, und ich werde nun etwas Furchtbares tun. Ich werde Sie um Geld bitten.&amp;laquo; Um die Dramatik dieses Niedergangs zu verstehen, muss man sich klarmachen, dass er f&amp;uuml;nf Jahre zuvor noch ein umschw&amp;auml;rmter Superstar war. Als der Staatsanwalt die Jagd auf ihn er&amp;ouml;ffnete, liefen in London drei seiner St&amp;uuml;cke gleichzeitig. Aber wie alle Stars lie&amp;szlig; er sich von seinem Erfolg blenden und lebte mit dem Kopf in den Wolken. Als der Prozess gegen ihn begann, br&amp;uuml;stete er sich gegen&amp;uuml;ber einem Freund: &amp;raquo;Mir wird nichts passieren, denn die arbeitenden Klassen stehen geschlossen hinter mir.&amp;laquo; Deutlicher kann Hybris sich nicht offenbaren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wildes Verh&amp;auml;ngnis war seine an H&amp;ouml;rigkeit grenzende Liebe zu Lord Alfred Douglas, genannt Bosie. Wie erkl&amp;auml;ren Sie diese Amour fou?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;In England blickt man auf Iren herab, und Oscar hatte das Pech, in Dublin geboren zu sein. Deshalb war es f&amp;uuml;r ihn ein Triumph, Sex mit einem englischen Aristokraten zu haben. Hinzu kam, dass Bosie Stil und Witz hatte und blendend aussah. Dass ein Mensch mit Anfang zwanzig schon so snobistisch und dekadent sein konnte, faszinierte Oscar. Bosie wurde sein Gott. So hochm&amp;uuml;tig und aasig wie dieser pr&amp;auml;chtig parlierende Dorian Gray wollte er auch werden. Die Kunstfigur, die Oscar aus sich machte, war indirekt Bosies Sch&amp;ouml;pfung. Als Oscar im Laufe der Jahre dahinterkam, dass Bosie ein infamer Opportunist war, schwankten seine Gef&amp;uuml;hle zwischen J&amp;auml;hzorn, Liebe und vollst&amp;auml;ndigem Abscheu.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Als Wilde im Sommer 1895 in seine Zelle gesperrt wurde, lernte der Snob Speisen kennen wie braune Mehlgr&amp;uuml;tze mit Nierenfett. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Er empfand das Gef&amp;auml;ngnis als Grab f&amp;uuml;r Noch-nicht-Tote und litt unter Unterern&amp;auml;hrung, Schlaflosigkeit, Gicht und Diarrh&amp;ouml;. Nur alle drei Monate durfte er einen Brief empfangen, die Besuchszeit betrug zwanzig Minuten. Weil er immer wieder gegen die Anstaltsordnung verstie&amp;szlig;, sperrte man ihn in eine Dunkelzelle und gab ihm nur Brot und Wasser. Seine gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Furcht war, dem Wahnsinn zu verfallen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Von einer mittelm&amp;auml;&amp;szlig;igen Ballade abgesehen hat Wilde nach dem Gef&amp;auml;ngnis nichts mehr geschrieben. Wurde er gefragt, weshalb er literarisch verstummt sei, war seine Antwort, er leide an &amp;raquo;cacoethes tacendi&amp;laquo;, unheilbarer Schweigesucht.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wer seine Selbstachtung verliert, wird bitter. Oscar leugnete vor Gericht, homosexuell zu sein und machte sich damit zum Idioten, denn jeder in London wusste, dass er eine hoffnungslos hedonistische Tunte war. Statt juristische Argumente vorzubringen, wollte er die Zuschauer im Saal mit geistreichen Aper&amp;ccedil;us beeindrucken. Mit anderen Worten: Er gab den gro&amp;szlig;en Star. Russell Crowe h&amp;auml;tte es nicht schlechter machen k&amp;ouml;nnen. Zu dieser Selbsterniedrigung kamen die Dem&amp;uuml;tigungen im Gef&amp;auml;ngnis. Mit seinem Stolz zerbrach auch sein Esprit und die Lust am Fabulieren. Im Exil in Frankreich und Italien lebte er in Schmach und Verachtung wie ein Paria. T&amp;auml;glich musste er Affronts von Leuten erdulden, die er fr&amp;uuml;her von oben herab verlacht h&amp;auml;tte. Wie seine Mutter kam er erst nachmittags aus dem Bett und griff dann z&amp;uuml;gig zu Absinth und Brandy. Bei einem Diner zwei Jahre vor seinem Tod sagte er, die Grausamkeit einer Gef&amp;auml;ngnisstrafe beginne erst mit der Freilassung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In den dreieinhalb Jahren, die Wilde nach dem Gef&amp;auml;ngnis noch blieben, h&amp;auml;tte er dank seiner G&amp;ouml;nner ein halbwegs komfortables Leben f&amp;uuml;hren k&amp;ouml;nnen. Stattdessen ruinierte er sich, indem er Villen mit Personal anmietete.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er war ein selbstzerst&amp;ouml;rerischer Charakter. Etwas in ihm hatte das unbezwingbare Verlangen, durch extravagante Exzesse in der Gosse zu enden. Kaum hatte sich das Gef&amp;auml;ngnistor ge&amp;ouml;ffnet, steckte er eine Blume ins Knopfloch und erstand zwei Dutzend wei&amp;szlig;e und ein Dutzend farbig ger&amp;auml;nderte Taschent&amp;uuml;cher. Leben hie&amp;szlig; f&amp;uuml;r ihn, &amp;uuml;ber die eigenen Verh&amp;auml;ltnisse zu leben. Je begrenzter seine Mittel, desto mehr warf er mit Geld um sich. Eigentlich sehr sympathisch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie kennen Wildes einzigen Enkel. Wie ist er?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Merlin ist so, wie man sich Oscar heute vorstellen w&amp;uuml;rde. Er hat sinnliche Lippen und eine s&amp;uuml;&amp;szlig;lich-sanfte Stimme, die die Haare auf meinen Unterarmen senkrecht stehen l&amp;auml;sst. Ich m&amp;ouml;chte nicht esoterisch klingen, aber man f&amp;uuml;hlt Oscar und seine S&amp;uuml;nden, wenn man mit seinem Enkel spricht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nach Shakespeare ist Wilde der meistzitierte Autor englischer Sprache. Seine B&amp;uuml;cher dagegen liest kaum noch jemand.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Was ein gro&amp;szlig;er Fehler ist. Seine S&amp;uuml;ffisanz und seine sarkastische Noblesse sind Haltungen, die einem helfen, den Gemeinheiten des Lebens zu trotzen. Noch kurz vor seinem Tod formulierte er den unsterblichen Satz: &amp;raquo;Meine Tapete und ich fechten gerade ein Duell auf Leben und Tod aus. Einer von uns muss verschwinden.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Erkennen Sie sich in Wilde wieder?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja und nein. Oscar war gro&amp;szlig;z&amp;uuml;gig und konnte verzeihen. Ich bin eine geh&amp;auml;ssige Tunte, die bei anderen zwanghaft nach Fehlern Ausschau h&amp;auml;lt. Andererseits wird uns beiden ein fataler Hang zur Selbstsabotage nachgesagt.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sie gelten als schwieriger Schauspieler. Wollen Sie jetzt selbst Regie f&amp;uuml;hren, weil kaum noch einer mit Ihnen arbeiten m&amp;ouml;chte? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe mich ge&amp;auml;ndert. Dass ich fr&amp;uuml;her ein hysterischer Hypochonder war, lag daran, dass gleich zu Beginn meiner Karriere die gro&amp;szlig;e Aids-Epidemie ausbrach. Mein Sexleben war so ausschweifend, dass ich mir &amp;uuml;berhaupt nicht vorstellen konnte, nicht infiziert zu sein. Fast jeder, mit dem ich geschlafen hatte, lag im Sterben. Ich rechnete t&amp;auml;glich damit, die ersten Symptome der Seuche an mir zu entdecken. Einmal wurde ich bei Dreharbeiten von einer M&amp;uuml;cke gestochen. Ich dachte: Das ist es jetzt, ein Karposi-Sarkom, der Anfang vom Ende! Man kann im Film sehen, dass mir von dem Moment an alles egal war. Meine Angst machte mich unberechenbar. Eine missverst&amp;auml;ndliche Bemerkung von einem Beleuchter am Set, und ich bin sofort explodiert und habe eine Fatwa erlassen. Man hielt das f&amp;uuml;r die Launen einer verzickten Diva, in Wahrheit war es Ausdruck totaler Verunsicherung. F&amp;uuml;nf Jahre lang habe ich dann &amp;uuml;berhaupt keinen Sex mehr gehabt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was werden Sie machen, wenn Ihr Film &amp;uuml;ber Wilde fertig ist?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Glauben Sie bitte nicht, dass der Film mein Sprungbrett f&amp;uuml;r eine Karriere als Hollywood-Regisseur sein soll. Ich habe nicht vor, The Hobbit III zu drehen. Ich werde den dritten Band meiner Memoiren schreiben und mich dann zur Ruhe setzen, vielleicht als Hotelbesitzer im Norden von Brasilien. Von dort stammt mein Freund, mit dem ich seit vielen Jahren zusammen bin. Ich sp&amp;uuml;re mit jeder Minute deutlicher, dass ich den Anschluss an die heutige Kultur verloren habe. Es gibt nicht viel Zukunft f&amp;uuml;r jemanden wie mich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist Ihre Melancholie eine Pose?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Immer wenn ich in Selbstmitleid versinke, weil mir Freunde von ihren Dreharbeiten mit Stars wie Nicole Kidman erz&amp;auml;hlen, schalte ich den amerikanischen Entertainment-Kanal E! ein. Da sieht man, was man tun muss, um in den USA Erfolg zu haben: Fernsehteams in die eigene K&amp;uuml;che einladen und mit einem Dauergrinsen das Lieblingsgericht kochen. Bei so etwas siegt meine Selbstachtung &amp;uuml;ber meinen Ehrgeiz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wir f&amp;uuml;hren dieses Gespr&amp;auml;ch in Rom. Wo leben Sie zurzeit?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nirgends richtig. Ich muss in Bewegung sein, weil ich es nicht aushalte, l&amp;auml;ngere Zeit an einem Ort zu bleiben. F&amp;uuml;r den Fall, dass ich mal meine Koffer auspacken m&amp;ouml;chte, habe ich ein Apartment in London, eine Wohnung in Santos in Brasilien und ein Haus in New York. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In Brooklyn?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, Darling, im West Village. Dank meines Vaters bin ich ein bisschen wie Claudia Schiffer. Ich habe mein Geld konservativ angelegt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; [seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Sex kommt mir heute vor wie Windows 2.&amp;laquo;&quot;] &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/60561.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;strong&gt;RUPERT EVERETT   Queen of Mean&lt;/strong&gt; Das Internat brach er mit 16 Jahren ab, von der Schauspielschule in  London flog er wegen unz&amp;auml;hliger Regelverst&amp;ouml;&amp;szlig;e, sein Geld verdiente er  sich eine Zeit lang als Callboy. Sein Ruf als Au&amp;szlig;enseiter verhalf dem  1959 in England geborenen Rupert Everett zur Rolle des homosexuellen  Internatsz&amp;ouml;glings Guy Bennett in dem Film Another Country (1984), in dem  er neben Colin Firth deb&amp;uuml;tierte. Die darauf folgende Karriere als  Schauspieler, Pops&amp;auml;nger, Romanautor und Model gleicht einer  Achterbahnfahrt. Everett drehte viele sehr schlechte Filme und einige  sehr gute. Den gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten Kassenerfolg hatte er 1997 als schwuler Freund  von Julia Roberts in Die Hochzeit meines besten Freundes. Mit seinen  2006 erschienenen Memoiren Rote Teppiche und andere Bananenschalen  best&amp;auml;tigte er seinen Ruf als begnadete L&amp;auml;sterzunge. Nach  Ver&amp;ouml;ffentlichung k&amp;uuml;ndigte Madonna ihm prompt die Freundschaft auf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;Wie hat sich die Schwulenkultur in den letzten Jahrzehnten ver&amp;auml;ndert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Heterosexuelle sind die neuen Schwulen. Sie suchen st&amp;auml;ndig Sex und sind dabei ziemlich wahllos. Die Schwulen dagegen heiraten, adoptieren Kinder und leben monogam. Wenn ich das mit den Siebzigern und Achtzigern vergleiche, steht die Welt Kopf. Aus der Gay Community ist ein Klassensystem geworden. Es gibt eine gro&amp;szlig;e Mittelschicht, die Babys adoptiert oder f&amp;uuml;r 75 000 Dollar eine Geb&amp;auml;rmutter mietet. Und dann gibt es die Clubg&amp;auml;nger und Partys&amp;uuml;chtigen, denen ihr Hedonismus wichtiger ist als S&amp;ouml;hne oder Tochter zu haben. Das Langweilige ist, dass sich die beiden Milieus nicht mehr mischen &amp;ndash; au&amp;szlig;er in Berlin. Im &amp;raquo;KitCatClub&amp;laquo; oder im &amp;raquo;Berghain&amp;laquo; stehen Grafen mit Einstecktuch neben Fahrradkurieren mit nacktem Oberk&amp;ouml;rper. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sind 54. Gehen Sie immer noch ins &amp;raquo;Berghain&amp;laquo;?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Ich kann keine Drogen mehr nehmen, weil ich den Kater am n&amp;auml;chsten Tag nicht mehr aushalte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Vermissen Sie den Rausch?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nat&amp;uuml;rlich. Andererseits m&amp;ouml;chte ich retten, was von meinem Hirn noch &amp;uuml;brig ist. Es ist keine gute Idee, morgens um neun mit einem schmerzenden Crystal-Meth-Sch&amp;auml;del in ein Meeting zu gehen, in dem Ihnen Leute von der Bavaria gegen&amp;uuml;bersitzen, die dar&amp;uuml;ber entscheiden, ob Sie Geld f&amp;uuml;r Ihren Film bekommen oder leer ausgehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sprechen Franz&amp;ouml;sisch und Italienisch. Wie steht es um Ihre Deutschkenntnisse?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Da ich viel Zeit in Berlin verbringe, habe ich versucht, Deutsch zu lernen, aber mein Gehirn hat seine Pforten f&amp;uuml;r Neues geschlossen. Selbst wenn ich mich vom einem Taxifahrer ins &amp;raquo;Diener&amp;laquo; oder &amp;raquo;Adnan&amp;laquo; fahren lasse, sage ich statt Dankesch&amp;ouml;n lieber Grazie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Vergangenes Jahr haben Sie in Gro&amp;szlig;britannien mit Vanished Years den zweiten Band Ihrer Memoiren ver&amp;ouml;ffentlicht. Nach der Lekt&amp;uuml;re hat man den Eindruck, Sie seien sexm&amp;uuml;de.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bin ich auch. Ich habe seit meinem zehnten Lebensjahr haupts&amp;auml;chlich an Sex gedacht. Er war der Dynamo f&amp;uuml;r fast alles in meinem Leben &amp;ndash; und ich habe meist den Al-fresco-Stil bevorzugt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Den was?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich spreche von Sex im Freien. Und Gruppensex. Entweder bin ich jetzt in den Wechseljahren oder ich hatte so viel Sex, dass er fade f&amp;uuml;r mich geworden ist. Sex kommt mir heute vor wie Windows 2. Das Beunruhigende ist, dass ich genau wei&amp;szlig;, dass mein Appetit auf Sex in zehn Jahren mit aller Macht wiedererbl&amp;uuml;hen wird. Und dann wird es zu sp&amp;auml;t sein, weil mein Aussehen im Eimer ist.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;In &lt;em&gt;Vanished Years &lt;/em&gt;schildern Sie, wie das amerikanische Revolverblatt &lt;em&gt;National Enquirer &lt;/em&gt;Ihnen mit der Ver&amp;ouml;ffentlichung von Fotos droht, die Sie beim Sex in der Toilette eines Schwulenclubs in Miami zeigen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn Sie Krieg mit einem Magazin haben, wollen Sie nicht verlieren. Denken Sie an die arme Britney. Kaum lie&amp;szlig; sie sich den Kopf kahl scheren, war ihre Karriere f&amp;uuml;r immer dahin. Um ihrem Schicksal zu entgehen, bin ich mit einem Freund zum Haus des betreffenden Journalisten gefahren. Es war zuf&amp;auml;llig derselbe, der Britney beim Koksen in der Toilette des &amp;raquo;Delano&amp;laquo; erwischt hatte. Der Mann reagierte h&amp;ouml;chst verdutzt, als wir vor seiner T&amp;uuml;r standen. Ich riet ihm nachdr&amp;uuml;cklich, die Geschichte &amp;uuml;ber mich nicht zu ver&amp;ouml;ffentlichen, und mein Freund wollte ihm zum Abschied eine mitgebrachte Torte ins Gesicht schmei&amp;szlig;en. Die Torte verfehlte Gott sei Dank ihr Ziel, denn auf der R&amp;uuml;ckfahrt mussten wir feststellen, dass wir uns in der Hausnummer geirrt hatten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben sich fr&amp;uuml;h geoutet. H&amp;auml;tten die Toiletten-Fotos Ihre Karriere wirklich ruiniert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;In den USA gibt es eine akzeptierte Art, schwul zu sein, und Toilettensex geh&amp;ouml;rt nicht zu den Dingen, die Ihnen als Schwuler erlaubt sind. Die Einzigen, die mit allem davonkommen, sind schwarze Rapper. Jeder wei&amp;szlig;, dass sie alles von hinten und von vorne v&amp;ouml;geln, was ihnen in die Quere kommt, aber die einzige Reaktion ist: Na ja, was soll&amp;rsquo;s, es sind halt Rapper.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In Vanished Years nennen Sie Ihre Kollegin Helen Hunt &amp;raquo;Helen Cunt&amp;laquo;, spekulieren &amp;uuml;ber die Penisgr&amp;ouml;&amp;szlig;e des schwarzen Modepapstes Andr&amp;eacute; Leon Talley und behaupten, Madonna w&amp;uuml;rde f&amp;uuml;r alles in ihrem Leben ein Zeitlimit haben, &amp;raquo;ihren Orgasmus eingeschlossen&amp;laquo;. Wie haben Sie das an den Rechtsanw&amp;auml;lten Ihres Verlages vorbeigebracht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich musste gar nicht so viel streichen. Wenn man irgendwo im Satz das Wort &amp;raquo;wahrscheinlich&amp;laquo; einf&amp;uuml;gt, stellt man nur eine Vermutung an, und daf&amp;uuml;r kann einen niemand belangen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie kommen aus einer strikt konservativen Familie. Wie haben Ihre Eltern reagiert, als sie erfuhren, dass Sie schwul sind?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mein Vater war Major und sang zu Hause Soldatenlieder aus dem Zweiten Weltkrieg. Ich gebe Ihnen eine Kostprobe: &amp;raquo;Hitler has only got one ball. The other is in the Albert Hall. Himmler has something similar and G&amp;ouml;ring has no balls at all.&amp;laquo; Meine Mutter ist eine sehr, sehr strenge Katholikin. Nachdem sie die Pille genommen hatte, ging sie nie wieder in die Kirche. Sie empfand Verh&amp;uuml;tung als Tods&amp;uuml;nde. Inzwischen habe ich Waffenstillstand mit meiner Familie. Mein Freund darf sogar zu Weihnachten nach Hause kommen. Nur wenn meine Mutter uns dabei erwischt, wie wir H&amp;auml;ndchen haltend vor dem Fernseher sitzen, wird sie richtig b&amp;ouml;se.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Stimmt es, dass Sie in jungen Jahren als Callboy gearbeitet haben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja. Die Theaterszene in den Siebzigern war linksradikal. Ich hasste es, aus einer gutb&amp;uuml;rgerlichen Familie zu kommen. Ich wollte mein altes Leben zerst&amp;ouml;ren und werden wie Arthur Rimbaud. Au&amp;szlig;erdem war ich eine Schlampe. Als ich eines Tages vor einer U-Bahn-Station im Regen stand, hielt neben mir ein Rolls-Royce. Der Mann am Steuer lud mich ein, mich mitzunehmen. Im Wagen bot er mir 25 Pfund, wenn er mich zweimal ficken d&amp;uuml;rfe. 25 Pfund waren Mitte der Siebziger eine Menge Geld, also sagte ich sofort ja. Er tat, als sei er eine wichtige Pers&amp;ouml;nlichkeit. Erst beim Aussteigen entdeckte ich seine Dienstm&amp;uuml;tze &amp;ndash; er war der Chauffeur und f&amp;uuml;hrte mich direkt in die Dachstube. Es ging alles ganz einfach. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hatten Sie das Gef&amp;uuml;hl, eine Grenze &amp;uuml;berschritten zu haben? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, ich hatte nie ein schlechtes Gewissen. Jeder Mann betr&amp;uuml;gt seine Frau, kauft ihr anschlie&amp;szlig;end Blumen und tut so, als sei nichts geschehen. Was Sex angeht, habe ich eine Aufmerksamkeitsdefizitst&amp;ouml;rung. Fr&amp;uuml;her nannte man das Promiskuit&amp;auml;t. Sex ist f&amp;uuml;r mich der Weg, Leute kennenzulernen. Ich verstehe Paare nicht, die nach drei&amp;szlig;ig Jahren immer noch Sex haben und behaupten, dass es ihnen Spa&amp;szlig; macht. Eine grauenerregende Vorstellung. Einfach ekelhaft. So etwas finde ich wirklich unnat&amp;uuml;rlich. Sex ist nur dann interessant, wenn man jemanden noch nicht kennt. Ich sehe jemanden und will ihn besitzen oder von ihm besessen werden. Wenn ich ihn erst entdeckt habe, was hat Sex dann noch f&amp;uuml;r einen Sinn?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sagen Sie es uns. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Keine Ahnung. &amp;Uuml;berhaupt glaube ich nicht mehr an horizontalen Sex. Er geht zu sehr auf die Ellbogen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Sex war der Dynamo für fast alles in meinem Leben«</dc:subject>
    <dc:creator>Malte Herwig und Sven Michaelsen (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2013-06-14T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>»Auf einmal war ich nicht mehr wütend«</title>
    <description>&lt;p&gt;Seine Filme sind r&amp;auml;tselhaft, er ist es auch: Der Regisseur David  Lynch verl&amp;auml;sst kaum noch sein Haus und meditiert zweimal t&amp;auml;glich. Besuch  bei einem K&amp;uuml;nstler, der seinen Frieden gefunden hat.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/60279.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Das Haus, in dem David Lynch in Los Angeles lebt, ist das Haus aus seinem Film &lt;em&gt;Lost Highway&lt;/em&gt;, auf dessen Stufen Bill Pullman und Patricia Arquette mysteri&amp;ouml;se Videos aus ihrem Schlafzimmer finden. Lynchs Assistentin &amp;ouml;ffnet die T&amp;uuml;r und f&amp;uuml;hrt durch einen get&amp;auml;felten Vorf&amp;uuml;hrraum und ein Tonstudio, in dem vier junge Leute an einem Mischpult sitzen. Die Lampen und manche der von Lynch selbst gebauten M&amp;ouml;bel im Haus sind die gleichen wie in &lt;em&gt;Lost Highway&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Mulholland Drive&lt;/em&gt;. In der K&amp;uuml;che l&amp;auml;uft eine Espressomaschine. Lynch ist notorischer Kaffeetrinker und verkauft sogar seine eigene Kaffeemarke &amp;raquo;David Lynch Coffee&amp;laquo;. Die Assistentin &amp;ouml;ffnet eine Hintert&amp;uuml;r zum Garten und f&amp;uuml;hrt den Besucher &amp;uuml;ber einen gewundenen Pfad zum Atelier, wo Lynch, 67, bereits wartet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Herr Lynch, die Idylle hier steht in krassem Gegensatz zu Ihren Filmen wie auch Ihren Gem&amp;auml;lden. Dort finden sich faulende Schmorbraten, Ameisen und tote M&amp;auml;use. Was fasziniert Sie so am Verfall? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;David Lynch:&lt;/strong&gt; Eine Arbeit muss sich f&amp;uuml;r den K&amp;uuml;nstler richtig anf&amp;uuml;hlen. Dann ist sie auch stimmig, dann ist alles m&amp;ouml;glich. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sehen Sie sich heute mehr als Maler oder als Filmemacher?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein Film ist ein Bild mit Ton und einer Geschichte. Der Maler Francis Bacon zum Beispiel wollte keine Geschichten erz&amp;auml;hlen, aber viele Betrachter entdecken sie trotzdem in seinen Werken. Letztlich hat man keinen Einfluss darauf, was beim Anblick eines Bildes mit dem Betrachter passiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Betrachten Sie all Ihre Filme als eine einzige gro&amp;szlig;e Leinwand?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich sehe sie als lauter unterschiedliche Kinder. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Es gibt eine lustige Geschichte &amp;uuml;ber ein Gem&amp;auml;lde von Anselm Kiefer, das einmal ein bisschen Stroh verlor. Sein Besitzer, der Schauspieler Sylvester Stallone, brachte das Stroh mit Sekundenkleber wieder an.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn Kiefer das Stroh wieder in das Bild klebt, hat er eine konkrete Vorstellung, wo es hingeh&amp;ouml;rt. Wenn Sylvester das tut, kann es in einer Katastrophe enden. Es ist wie beim &lt;em&gt;final cut&lt;/em&gt; in einem Film. Das letzte Wort sollte immer der K&amp;uuml;nstler haben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie bestehen bei jedem Film darauf, dieses letzte Wort &amp;uuml;ber die Endfassung zu haben. Das wird nur sehr wenigen Regisseuren zugebilligt.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Da ich &amp;uuml;ber die Malerei zum Film kam, hat es mich am Anfang sehr &amp;uuml;berrascht, dass ein Filmemacher jemals einen Film machen w&amp;uuml;rde, ohne dabei seine totale Freiheit zu bewahren. Als Maler hat man immer die absolute Freiheit. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Als Mel Brooks Ihnen vor gut drei&amp;szlig;ig Jahren die Regie von &lt;em&gt;Der Elefantenmensch&lt;/em&gt; anbot, einem Film &amp;uuml;ber einen gr&amp;auml;sslich verunstalteten Mann im viktorianischen England, waren Sie noch ein Niemand. Der Film erhielt acht Oscar-Nominierungen, darunter f&amp;uuml;r den besten Film. Warum hat Brooks gerade Sie auserkoren?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mel Brooks ist eben ein seltener Vogel. Ihm hat &lt;em&gt;Eraserhead&lt;/em&gt;, mein erster Film, sehr gut gefallen, den ja au&amp;szlig;er ihm fast niemand gesehen hat. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Brooks ist haupts&amp;auml;chlich als Kom&amp;ouml;diant bekannt. Wie kam es, dass er sich f&amp;uuml;r so ein ernstes Projekt erw&amp;auml;rmte?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Er hat die Seele eines Dichters, er ist hochsensibel und versteht die menschliche Natur. Sonst h&amp;auml;tte er vermutlich auch keine Kom&amp;ouml;dien machen k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Der Film wurde ein gro&amp;szlig;er Erfolg. Daraufhin bot Ihnen der legend&amp;auml;re Hollywood-Produzent Dino De Laurentiis eines der gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten Budgets der Geschichte Hollywoods f&amp;uuml;r den Science-Fiction-Film&lt;em&gt; Dune &amp;ndash; Der W&amp;uuml;stenplanet &lt;/em&gt;an. Erlagen Sie dem Reiz des vielen Geldes? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich mochte das Drehbuch. Dino war einer der letzten gro&amp;szlig;en Magnaten von Hollywood. Er hatte eine unglaubliche Energie, ich liebte ihn und seine ganze Familie. Er hat mir beigebracht, wie man Rigatoni kocht. Aber mit &lt;em&gt;Der W&amp;uuml;stenplanet&lt;/em&gt; hatte ich das Gef&amp;uuml;hl, dass Dino und seine Tochter Raffaella mir wirklich eine Menge aufgezwungen haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was wurde Ihnen denn aufgezwungen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dass ein Film zum Beispiel nur eine bestimmte L&amp;auml;nge haben darf, weil die Kinobetreiber sonst Geld verlieren. Ich wusste bereits bei Vertragsabschluss, dass ich zu optimistisch war: Ich hatte auch keinen &lt;em&gt;final cut&lt;/em&gt; und bin deshalb einen langsamen Tod gestorben. Aber es gibt immer noch Teile des Films, die ich mag.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Danach rauschte Ihr Marktwert in den Keller. Warum hat De Laurentiis trotzdem mit Ihnen weitergearbeitet?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Er hat irgendwie an mich geglaubt und mich als n&amp;auml;chstes&lt;em&gt; Blue Velvet&lt;/em&gt; machen lassen, sogar mit &lt;em&gt;final cut&lt;/em&gt;. Im Gegenzug daf&amp;uuml;r bekam ich nur ein sehr kleines Honorar. Dino war eben ein ausgekochter Gesch&amp;auml;ftsmann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Lie&amp;szlig; er Sie beim Dreh in Ruhe?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wir waren der kleinste Film in seinem neuen Studio in Wilmington in North Carolina. Zur selben Zeit wurden dort zw&amp;ouml;lf andere Filme gedreht, die alle viel teurer und mit gro&amp;szlig;en Stars besetzt waren. Keiner beachtete uns. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Viele wichtige Entscheidungen f&amp;uuml;r einen Film werden heute vom Publikum gef&amp;auml;llt. Newcomer in Hollywood wie Amazon oder Netflix machen sogar Zuschauerumfragen, bevor ein Dreh beginnt. Wie sehen Sie diese Entwicklung? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Solche Umfragen sind meistens Unsinn. Dino lie&amp;szlig; &lt;em&gt;Blue Velvet&lt;/em&gt; damals in einem Kino testen, wo sonst Filme wie &lt;em&gt;Top Gun&lt;/em&gt; mit Tom Cruise liefen. Es war also ein &lt;em&gt;Top Gun&lt;/em&gt;-Publikum, das die Testkarten ausf&amp;uuml;llte &amp;ndash; das Ergebnis war verheerend, das schlimmste Screening, das Dinos Leute je gesehen hatten. Aber der Film hat sich am Ende doch f&amp;uuml;r ihn gelohnt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist es heute schwieriger, Geld f&amp;uuml;r Filme aufzutreiben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auf jeden Fall. Ich arbeite nicht mit den gro&amp;szlig;en Studios zusammen, und sie k&amp;ouml;nnen umgekehrt gut ohne mich leben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Woran liegt das?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Studios bedienen Kinobesitzer, und die wollen ihre Filmtheater f&amp;uuml;llen. Und das Publikum verlangt etwas f&amp;uuml;r sein Geld, ein Kinoabend ist schlie&amp;szlig;lich nicht billig: Man muss einen Babysitter zahlen, der Parkplatz kostet Geld, die Eintrittskarten, Getr&amp;auml;nke, Popcorn. Daf&amp;uuml;r wollen die Leute auf eine bestimmte Art unterhalten werden, und ich biete diese Art der Unterhaltung eben nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Marilyn Monroe hat einmal gesagt, in Hollywood w&amp;uuml;rden 50 000 Dollar f&amp;uuml;r ein Kuss bezahlt und 50 Cent f&amp;uuml;r die Seele. Ist das der Grund, warum bei den Studios beliebte Regisseure wie Steven Spielberg oder Roland Emmerich wohlhabender sind als Sie?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich glaube schon, dass Steven Spielberg die Filme macht, die er wirklich liebt und mit &lt;br /&gt; denen er sich identifiziert. Sein Gl&amp;uuml;ck ist, dass Milliarden Menschen die gleichen Filme wie er gut finden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Als Sie in jungen Jahren Ihre erste Ehefrau verlie&amp;szlig;en, erkl&amp;auml;rten Sie ihr, Sie wollten lieber ein K&amp;uuml;nstlerleben f&amp;uuml;hren als ein Familienleben. Was ist das f&amp;uuml;r ein Leben? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zigaretten rauchen, Kaffee trinken, nicht heiraten und auf keinen Fall Kinder haben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber Sie sind doch gerade erst wieder Vater geworden, mit Ihrer neuen Frau, der drei&amp;szlig;ig Jahre j&amp;uuml;ngeren Schauspielerin Emily Stofle.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stimmt, ich habe nun vier Kinder und bin zum vierten Mal verheiratet. Aber ich rauche noch und trinke auch noch Kaffee. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sehen Sie sich selbst als Teil von Hollywood?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Die Leute denken oft, dass sich die Regisseure hier dauernd treffen und zusammen ausgehen und feiern. Ich verlasse mein Haus kaum.  Aber mir gef&amp;auml;llt es, in einer Stadt zu leben, wo Filmemacher wohnen und Filme gedreht werden. Und ich liebe das Licht und das Gef&amp;uuml;hl von Freiheit hier.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was kriegen Sie davon mit, wenn Sie Ihr Haus nicht verlassen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bevor ich einen Film mache, muss ich mich in eine Idee verlieben. Dann pr&amp;uuml;fe ich anhand meiner Umwelt, ob sich diese Idee gerade richtig anf&amp;uuml;hlt. So was liegt in der Luft, vor allem in Hollywood. Wenn das Gef&amp;uuml;hl nicht da ist, muss man die Finger davon lassen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Ist dieses Gef&amp;uuml;hl auch daf&amp;uuml;r verantwortlich, dass Sie Ihren seit mehr als drei&amp;szlig;ig Jahren geplanten Film &amp;uuml;ber einen Zwerg, der die Kontrolle &amp;uuml;ber  den Strom hat, bis heute nicht gedreht haben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ronnie Rocket, ja. Ich hatte nie das Gef&amp;uuml;hl, dass die Zeit reif f&amp;uuml;r ihn war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das hei&amp;szlig;t, Sie haben das Projekt noch nicht aufgegeben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aufgegeben nicht. Aber Ronnie Rocket spielt in einer Industriewelt der Fabriken und der rauchenden Schornsteine. Diese Welt war in den F&amp;uuml;nfziger- und Sechzigerjahren noch sehr lebendig. Dann kam dieses elende Graffiti auf &amp;ndash; ziemlich das Schlimmste, was dieser Welt zusto&amp;szlig;en konnte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist Graffiti nicht auch Malerei und damit eine Form des k&amp;uuml;nstlerischen Ausdrucks?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, Graffiti hat die Welt der Industriearchitektur, der faszinierenden Fabrikgeb&amp;auml;ude ruiniert. Man kann nicht mehr in diese Zeit zur&amp;uuml;ckgehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sind Sie nostalgisch?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich versp&amp;uuml;re eine gewisse Sehnsucht nach den F&amp;uuml;nfzigerjahren. Das Leben schien so optimistisch und hoffnungsvoll, die Autos sahen fabelhaft aus &amp;ndash; und es war die Geburtsstunde des Rock &amp;rsquo;n&amp;rsquo; Roll. In den Sechzigerjahren wurde das Leben dann d&amp;uuml;sterer. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihr letzter Film &lt;em&gt;Inland Empire&lt;/em&gt;, ein albtraumhaftes Dreistundenepos, ist gefloppt. Waren Sie sehr entt&amp;auml;uscht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich war verletzt. Ich glaube, es war mein erster Film, der einen Verlust einfuhr. Viele Verleiher haben Geld verloren. Die meisten Menschen haben ihn nicht verstanden und f&amp;uuml;r Schwachsinn gehalten. Vielleicht war er seiner Zeit voraus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Neulich lief in New York eine Serie von Kinofilmen unter dem Tite&lt;em&gt;l Ausgebuht in Cannes&lt;/em&gt;. Wie fanden Sie es, dass Sie gleich mit zwei Filmen &amp;ndash; &lt;em&gt;Wild at Heart&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Twin Peaks: Fire Walk With Me&lt;/em&gt; &amp;ndash; vertreten waren? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe bei den Festspielen in Cannes sogar erlebt, wie Federico Fellini ausgebuht wurde. Der gro&amp;szlig;e, gro&amp;szlig;e Fellini. Das war entsetzlich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Einige gefeierte Filmemacher wie Michael Cimino oder der sp&amp;auml;te Billy Wilder haben ihr Gesp&amp;uuml;r f&amp;uuml;rs Publikum verloren. Was passiert, wenn der Wind sich dreht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Geheimnis besteht darin, zu erkennen, dass sich die Zeiten &amp;auml;ndern, und dass man sich deshalb auch selbst &amp;auml;ndern muss. Sonst f&amp;auml;llt man.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie manchmal Angst, den Draht zum gro&amp;szlig;en Publikum verloren zu haben? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Von Zeit zu Zeit hat man einfach das Riesengl&amp;uuml;ck, dass vielen gef&amp;auml;llt, was einem selbst gef&amp;auml;llt, wie zum Beispiel bei &lt;em&gt;Twin Peaks &lt;/em&gt;oder &lt;em&gt;Blue Velvet&lt;/em&gt;. Das gelingt aber nicht immer. Am wichtigsten ist, dass man selbst seine Arbeit liebt.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was f&amp;uuml;r ein Gef&amp;uuml;hl haben Sie, wenn Sie heute ins Kino gehen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es scheint, dass heutzutage alles billiger wird. Die Bilder sehen billiger aus, die T&amp;ouml;ne klingen schw&amp;auml;cher. Wir leben in einer Wegwerfkultur. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Schlechte Zeiten f&amp;uuml;r gro&amp;szlig;e Regisseure?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es gibt Menschen, die auch heute noch Regisseure wie Federico Fellini entdecken, die solche Filme sehen wollen und sich fragen, warum es die nicht mehr gibt. Gro&amp;szlig;e Filme werden immer ihr Publikum finden. Aber die meisten Leute sind eben ganz zufrieden mit dem anderen Zeug, nicht wissend, was sie vers&amp;auml;umen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Im Internet kursiert ein Clip, in dem Sie das iPhone als &amp;raquo;fucking telephone&amp;laquo; beschimpfen. Man k&amp;ouml;nne darauf nicht ernsthaft Filme anschauen. Woher r&amp;uuml;hrt Ihre Wut?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Einige Filme, die kein gro&amp;szlig;es Publikum finden, k&amp;ouml;nnen durchaus zu Hause vor dem Fernseher funktionieren. Aber sicher nicht auf einem Telefon. Da stimmt dann nichts mehr. Nicht der Sound, nicht das Bild, nicht die Umgebung. Man kann &amp;uuml;ber einen Telefonbildschirm nicht in einen Film eintauchen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Was unterscheidet den Fernseher von der gro&amp;szlig;en Leinwand?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Menschen sind einzeln toleranter, ein gro&amp;szlig;es Publikum verzeiht nicht. Mit den Jahren habe ich gelernt, dass in einem Kino die Intelligenz des gesamten Publikums h&amp;ouml;her ist als die des Einzelnen, es entsteht ein kollektives Bewusstsein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das gro&amp;szlig;e Publikum irrt nie?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn zu viele Leute ein Werk nicht m&amp;ouml;gen, sollten K&amp;uuml;nstler das zumindest ernst nehmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sind ein gro&amp;szlig;er Anh&amp;auml;nger fern&amp;ouml;stlicher Spiritualit&amp;auml;t. Welche Rolle spielten pers&amp;ouml;nliche Begegnungen mit geistigen F&amp;uuml;hrern wie dem Dalai Lama oder dem Maharishi Yogi f&amp;uuml;r Ihre Arbeit und Ihr Leben? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Den Dalai Lama traf ich, als ich gerade an &lt;em&gt;Twin Peaks&lt;/em&gt; arbeitete. So kam es zu Special Agent Dale Coopers Faible f&amp;uuml;r Tibet. Maharishi Yogi hat eine Technik namens Tranzendentale Meditation (TM) entwickelt, die ich seit fast vierzig Jahren praktiziere. Seitdem meditiere ich zweimal t&amp;auml;glich.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Was bewirkt diese Meditation bei Ihnen?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Fragen Sie meine erste Frau. Ich war pl&amp;ouml;tzlich nicht mehr w&amp;uuml;tend, sondern ausgeglichener. Man verabschiedet sich von Stress, traumatischen Belastungen, Depressionen und Wut. Die Angst schwindet. Dinge, die einen fr&amp;uuml;her aus dem Gleichgewicht gebracht haben, sind nicht mehr bedrohlich. Menschen, die man nicht leiden konnte, st&amp;ouml;ren einen nicht mehr. Es ist, als ob man eine kugelsichere Weste h&amp;auml;tte. Eine gl&amp;uuml;cklichere Welt offenbart sich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie kommt es dann, dass Ihre Filme eher von exzessiver Gewalt gepr&amp;auml;gt sind?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gewalt ist nun mal Teil dieser Welt, aber deswegen hei&amp;szlig;e ich sie nicht gut. TM ist wie ein Schl&amp;uuml;ssel, der die T&amp;uuml;r zu einem anderen Bewusstsein &amp;ouml;ffnet. Was nicht hei&amp;szlig;t, dass ich ein Asket w&amp;auml;re. Die materielle Welt kann bet&amp;ouml;rend und spannend sein. Aber es gibt etwas anderes, viel Wichtigeres als nur die materielle Welt. Und wer das begreift, kann sie noch mehr genie&amp;szlig;en. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie f&amp;ouml;rdern den Bau von sogenannten Friedenspal&amp;auml;sten und konnten Kollegen wie Martin Scorsese, Jerry Seinfeld und Kate Perry zur Unterst&amp;uuml;tzung gewinnen. Was erwarten Sie sich davon? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Um friedlich zusammenzuleben, braucht man Friedensgruppen, die anderen das Meditieren beibringen. Das k&amp;ouml;nnen auch Angestellte sein, die daf&amp;uuml;r bezahlt werden, oder Freiwillige. Wenn nur ein Prozent der Bev&amp;ouml;lkerung meditieren w&amp;uuml;rde, h&amp;auml;tte das gewaltige Auswirkungen auf das kollektive Bewusstsein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie glauben tats&amp;auml;chlich, dass der Weltfrieden durch Meditation erreicht werden kann?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ich glaube: Das Feld des Friedens war schon immer da. Dieses Meer des Friedens kann jedem zug&amp;auml;nglich gemacht werden, sodass auch der Einzelne mehr Frieden findet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was geschah mit Ihnen selbst nach dem vierw&amp;ouml;chigen Erleuchtungskurs bei Maharishi Yogi, der Sie immerhin eine Million Dollar gekostet hat?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Ich habe all das erlebt, wovon ich eben gesprochen habe. Aber ich bin nur ein Bote. Ich gebe nur weiter, was mich der Maharishi gelehrt hat. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Haben Sie je erlebt, dass reale Probleme mithilfe von Meditation gel&amp;ouml;st wurden?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Ja, an einer Schule in San Francisco, damals die schlimmste Schule der ganzen Stadt. Der Direktor war nicht gerade ein Typ, der sich leicht f&amp;uuml;r Meditation erw&amp;auml;rmen lie&amp;szlig;. Aber er begriff, dass es nichts zu verlieren gab, also sagte er: Lasst es uns probieren. Fast alle an der Schule begannen zu meditieren, Sch&amp;uuml;ler, Lehrer und der Direktor. Die Noten wurden besser. Die Sch&amp;uuml;ler lernten etwas, die Lehrer unterrichteten wieder mit Leidenschaft. Davor hatte es jede Woche Auseinandersetzungen gegeben, regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig waren die Polizei und Krankenwagen anger&amp;uuml;ckt. Ein Jahr sp&amp;auml;ter war alles anders. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Viele Menschen halten das, was Sie sagen, f&amp;uuml;r Unsinn und f&amp;uuml;hlen sich an Scientology erinnert, die in Hollywood auch sehr pr&amp;auml;sent ist.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;TM ist eine Meditationstechnik und keine Sekte oder Religion. Auf dem EEG-Ger&amp;auml;t l&amp;auml;sst sich das wunderbar nachweisen. Wenn ein Mensch wirklich meditiert, leuchtet das ganze Gehirn. Transzendieren ist die einzige Erfahrung im Leben, die das bewerkstelligt. Wenn man dagegen etwa Klavier spielt oder ein Bild malt, wird nur ein winziger Teil des Gehirns in Anspruch genommen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie keine Angst, das Gl&amp;uuml;ck, das Sie aus der Meditation sch&amp;ouml;pfen, k&amp;ouml;nnte Ihre kreative Arbeit beeintr&amp;auml;chtigen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Negativit&amp;auml;t zerst&amp;ouml;rt die Kreativit&amp;auml;t. Um interessante und sinnvolle Arbeit zu leisten, muss man nicht ungl&amp;uuml;cklich sein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Foto: dpa&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Auf einmal war ich nicht mehr wütend«</dc:subject>
    <dc:creator>Michael Saur (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2013-06-05T12:00:00+01:00</dc:date>
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  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39869">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39869</link>
    <title>»Ich muss alles hinter mir lassen, um weiterleben zu können«</title>
    <description>&lt;p&gt;Verst&amp;ouml;rende  Fotos, harte Trennungen: Die Schauspielerin Charlotte Rampling ist in  ihrem Leben keinem Skandal aus dem Weg gegangen. Ein Gespr&amp;auml;ch in klaren  Worten.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/59105.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&amp;raquo;Mein Vater wurde 100, er war zum Umfallen sch&amp;ouml;n. Er hat mir einen  haltbaren K&amp;ouml;rper und ein haltbares Gesicht vererbt.&amp;laquo; Wei&amp;szlig; Gott, das hat  er.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Los Angeles, ein blauer Aprilmorgen. Das Hotel &amp;raquo;Chateau Marmont&amp;laquo; liegt an einer Biegung des Sunset Boulevard und ist seit den Drei&amp;szlig;igerjahren die Herberge der Hollywood-Prominenz. Hier feierte Errol Flynn Orgien, hier fiel Jim Morrison vom Dach, hier bekam Britney Spears Hausverbot. An diesem Vormittag sitzt der ber&amp;uuml;hmteste Blick der Filmgeschichte auf einem Sofa in der Hotellobby und schaut den Reporter mit gr&amp;uuml;n-blauen Augen an. Charlotte Rampling w&amp;uuml;rde nirgendwo Hausverbot bekommen. Sie ist eine Dame, aber eine l&amp;auml;ssige, die allein mit einem Augenaufschlag Distanz oder N&amp;auml;he signalisieren kann. Dieser k&amp;uuml;hle und zugleich lockende Blick machte sie zur Ikone. Nun sagt er: Komm schon, setz dich auf das Sofa. Das Spiel beginnt. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Frau Rampling, Sie sind die einzige Schauspielerin, deren Name ein englisches Verb geworden ist: &amp;raquo;to rample&amp;laquo;. Was bedeutet das? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Charlotte Rampling:&lt;/strong&gt; &lt;em&gt;(spricht die ersten Worte auf deutsch)&lt;/em&gt;: &amp;raquo;Hey, k&amp;ouml;nnen Sie mich rampeln?&amp;laquo; Wunderbar, ich h&amp;auml;tte am liebsten, wenn es das Wort in jeder Sprache g&amp;auml;be. Es bedeutet, einen Mann mit k&amp;uuml;hler Sinnlichkeit wehrlos zu machen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihr Blick wurde zu einem Markenzeichen, als Helmut Newton 1973 das ber&amp;uuml;hmte Foto im Hotel &amp;raquo;Nord-Pinus&amp;laquo; schoss, auf dem Sie nackt &amp;uuml;ber die Schulter in die Kamera blickten. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Es war f&amp;uuml;r ihn und f&amp;uuml;r mich das erste Nacktfoto. Wir waren beide sch&amp;uuml;chtern, und das Shooting war ziemlich hastig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Seitdem haben Sie immer wieder sehr gewagte Rollen gespielt. Wann begann diese Lust an der Provokation? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das erste Foto, das je von mir ver&amp;ouml;ffentlicht wurde, habe ich mit 16 gemacht. Ich war ein bisschen angetrunken und sehr aufgeregt, dass mich jemand fotografieren wollte. Ich war ziemlich brav angezogen, und sie haben mich gefragt, ob ich mich auf einen Topf setzen w&amp;uuml;rde.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Einen Topf? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, einen Nachttopf. Und dann ging es Schritt f&amp;uuml;r Schritt. &amp;raquo;W&amp;uuml;rdest du dich nackt auf den Topf setzen?&amp;laquo; Und ich habe verdammt noch mal mitgemacht. So gab es dann dieses skandal&amp;ouml;se Foto, wie ich sehr s&amp;uuml;&amp;szlig; ausschauend auf einem kleinen Nachttopf sitze. Man sieht nichts, ich schaue nur ungezogen, lache und zeige ein wenig Bein. Am n&amp;auml;chsten Tag war ich wieder n&amp;uuml;chtern und habe mich gefragt: What the fuck, Charlie? Was machst du f&amp;uuml;r Sachen? Ich hatte furchtbare Angst, dass mein Vater das Foto sehen w&amp;uuml;rde. Ein paar Wochen habe ich in Furcht und Schrecken gelebt. Aber er hat es nie herausgefunden, das Buch wurde ein Riesenerfolg und seitdem habe ich immer wieder solche skandal&amp;ouml;sen Sachen gemacht. Es hat niemandem geschadet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Auf die Rolle des unterk&amp;uuml;hlten, m&amp;auml;nnermordenden Weibs waren Sie jahrzehntelang festgelegt, seit Sie 1974 in &lt;em&gt;Der Nachtportier&lt;/em&gt; eine KZ-Insassin spielten, die sich nach dem Krieg in ihren ehemaligen SS-Peiniger Max verliebt. Der britische Journalist John Lichfield bezeichnete Sie als &amp;raquo;Kultfigur mit Katzenfigur und Katzenaugen&amp;laquo;. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erz&amp;auml;hlen Sie das mal meinen Katzen Max und Felix. Max ist &amp;uuml;brigens nach der Figur von Dirk Bogarde im &lt;em&gt;Nachtportier &lt;/em&gt;benannt, weil auch er lange hinter Gittern sa&amp;szlig;, bis ich ihn fand. Allerdings ist er ein blonder Arier und sieht &amp;uuml;berhaupt nicht aus wie der Max im Film.  &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;In Ihrem neuen Film &lt;em&gt;I, Anna &lt;/em&gt;spielen Sie eine einsame, verlassene Frau, die hilflos ins Ungl&amp;uuml;ck st&amp;uuml;rzt. Unter der Oberfl&amp;auml;che eines d&amp;uuml;steren Thrillers erz&amp;auml;hlt der Film auch die Geschichte einer Familie. Hat es eine Rolle gespielt, dass Ihr Sohn Barnaby Southcombe Regie gef&amp;uuml;hrt hat? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nat&amp;uuml;rlich. Wir tauchten in Bereiche ein, in denen auch ich schon mal als gebrochene Seele gewesen bin. Barnaby wusste das selbstverst&amp;auml;ndlich, weil ich seine Mutter bin, und wir haben daraus eine Geschichte gemacht, wir haben alles sublimiert. Sein Vater Bryan Southcombe war am Boden zerst&amp;ouml;rt, als ich ihn 1976 verlie&amp;szlig;, und Barnaby hat das viele Jahre lang gesp&amp;uuml;rt. Als Bryan 2007 im Alter von 69 Jahren starb, setzte sich Barnaby wenige Monate sp&amp;auml;ter hin und schrieb ein v&amp;ouml;llig neues Drehbuch f&amp;uuml;r &lt;em&gt;I, Anna. &lt;/em&gt;Als ich es las, sagte ich: Das ist es, das ist der Film, lass ihn uns jetzt drehen! Ich glaube, durch den Tod seines Vaters hat sich bei ihm eine Sperre gel&amp;ouml;st.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kurz vor Beginn der Dreharbeiten brachen Sie sich die Hand, verheimlichten das aber Ihrem Sohn. Warum? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unf&amp;auml;lle sind sehr verr&amp;auml;terisch. Mir passieren normalerweise keine U-f&amp;auml;lle, weil ich ein gutes Gleichgewichtsempfinden habe. Dann bin ich in der K&amp;uuml;che ausgerutscht und habe mir das Handgelenk gebrochen. Ich dachte erst, es sei nichts Schlimmes, aber am n&amp;auml;chsten Tag sah ich aus wie der Elefantenmensch. Als ich meinem Sohn endlich von dem Unfall erz&amp;auml;hlte, haben wir ins Drehbuch geschrieben, dass Anna einen Gips tr&amp;auml;gt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;&lt;/span&gt;Ich gehe mit dem Wind.&amp;laquo;&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/59107.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Es soll Schauspieler geben, die sich f&amp;uuml;r eine Rolle mutwillig Knochen brechen &amp;hellip; &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Oder  Leute, die sich fast zu Tode hungern, wie mein Freund Michael  Fassbender f&amp;uuml;r die Rolle des Bobby Sands. Seitdem ist es mit seiner  Karriere steil bergauf gegangen. Es scheint der sicherste Weg zu einer  Oscar-Nominierung zu sein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Laut Ethel Barrymore muss man als erfolgreiche Schauspielerin das Gesicht der Venus, die Intelligenz der Minerva, die Grazie von Terpsichore, den K&amp;ouml;rper von Juno und die Haut eines Rhinozeros haben. W&amp;uuml;rden Sie dem etwas hinzuf&amp;uuml;gen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die H&amp;auml;lfte von denen kenne ich nicht mal. Wer soll Terpsichore sein? Hat sie die erfunden?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Die griechische Muse des Tanzes. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Weib hat Humor. Aber mit dem Nashorn liegt sie richtig. Wenn du nach ganz oben aufsteigen willst, brauchst du wirklich Dickh&amp;auml;utigkeit. Es gab ja diese g&amp;ouml;ttlichen Hollywood-Sch&amp;ouml;nheiten, die es auf den Olymp geschafft haben, aber nie ohne daf&amp;uuml;r Opfer zu bringen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Der Regisseur Luchino Visconti warnte Sie einst vor Hollywood. Nachdem Sie f&amp;uuml;r ihn in &lt;em&gt;Die Verdammten&lt;/em&gt; gespielt hatten, gingen Sie trotzdem in die USA und arbeiteten eine Zeit lang mit Gr&amp;ouml;&amp;szlig;en wie Sidney Lumet, Paul Newman und Robert Mitchum, ehe Sie sich wieder aufs europ&amp;auml;ische Kino konzentrierten. Was hat Sie drei&amp;szlig;ig Jahre sp&amp;auml;ter wieder nach Amerika zur&amp;uuml;ckgetrieben? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe seit zwei Monaten eine Rolle in der sehr erfolgreichen TV-Serie Dexter &amp;uuml;ber einen Psychopathen und Forensiker. Das Arbeiten hier ist gro&amp;szlig;artig. Ich fahre einfach den Sunset Boulevard in meinem Auto runter, alles l&amp;auml;uft in geregelten Bahnen. Los Angeles ist eine sehr gesellige Stadt, wenn man Lust auf Gesellschaft hat. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sind Sie viel auf den ber&amp;uuml;chtigten Partys unterwegs? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, ich mag keine gro&amp;szlig;en Partys, ich kann sie nicht ertragen. Mit fehlt daf&amp;uuml;r die Sprache. Ich wei&amp;szlig; nicht, was ich da machen soll, wie ich dastehen und reden und von einem Gr&amp;uuml;ppchen zum n&amp;auml;chsten gehen soll. Das konnte ich nie, also stehe ich meistens in der Ecke und warte darauf, dass mich jemand anspricht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Als erfahrene Schauspielerin k&amp;ouml;nnten Sie doch zumindest so tun, als ob. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eben nicht. Vor der Kamera wei&amp;szlig; ich genau, wie das geht. Aber die Person, die hier neben Ihnen auf dem Sofa sitzt, die wei&amp;szlig; es nicht. Ich kann das nur spielen, und wenn ich nicht vor der Kamera stehe, spiele ich nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sind bekannt daf&amp;uuml;r, Produzenten und Regisseuren K&amp;ouml;rbe zu geben. Was ist die gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Rolle, die Sie abgelehnt haben? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dar&amp;uuml;ber rede ich nicht. Ich gehe mit dem Wind, und entweder geschehen Dinge oder sie geschehen nicht. Aber bei mir sind sie immer geschehen. Ich habe ein seltsam magisches Verh&amp;auml;ltnis zum Leben. Dinge passieren mir einfach. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Als Teenager waren Sie mit Ihrer Schwester unter dem Namen &amp;raquo;The Colonel&amp;rsquo;s Daughters&amp;laquo; in Londoner Kneipen als Gesangsduo unterwegs, bis Ihr Vater der Sache einen Riegel vorschob. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mein Vater war immer sehr auf das echte Leben fixiert. Er wollte, dass ich tippen lerne und Sekret&amp;auml;rin werde. In der Schule war ich nicht sehr begabt. Wir wurden dort nicht gef&amp;ouml;rdert, weil wir M&amp;auml;dchen waren und unsere Eltern keine Akademiker.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Dabei war Ihr Vater der erste Rampling, der &amp;ndash; wenn auch ohne es zu wissen &amp;ndash; in einem gro&amp;szlig;en Kinofilm auftauchte: Leni Riefenstahls Olympia.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Mein Vater trat bei den Olympischen Spielen 1936 im Staffellauf an und gewann eine Goldmedaille. Es war der Lauf seines Lebens, und Leni Riefenstahl hat ihn gefilmt. Aber das habe ich erst viel sp&amp;auml;ter erfahren, denn er hat nie dar&amp;uuml;ber geredet. Er war ein sehr verschlossener und problematischer Mensch. Wahrscheinlich wusste er nicht mal, dass er in Riefenstahls Film auftaucht. Er ging nur ins Kino, wenn meine Mutter ihn mitschleppte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;1966 nahm sich Ihre Schwester Sarah mit dreiundzwanzig Jahren das Leben, und Sie st&amp;uuml;rzten in eine schwere Krise. Haben Sie selbst jemals an Selbstmord gedacht? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jeder Mensch hat die Option, sich das Leben zu nehmen &amp;ndash; f&amp;uuml;r mich kam das aber nie in Frage. Ich habe damals mit mir selbst einen Pakt geschlossen, so etwas nie zu tun. Ich h&amp;auml;tte es meinen Eltern nicht antun k&amp;ouml;nnen, dass sich beide ihrer T&amp;ouml;chter umbringen. Der Selbstmord meiner Schwester hat mich davon abgehalten. Sie hat mir Kraft gegeben und es mir erm&amp;ouml;glicht, weiterzuleben &amp;ndash; obwohl es bisweilen unglaublich schwer war. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Der Selbstmord wurde in Ihrer Familie lange verleugnet und stattdessen die Legende gepflegt, Ihre Schwester sei an einer Hirnblutung gestorben. Vierzig Jahre sp&amp;auml;ter nahmen Sie ein Album mit Chansons auf. War das auch in Erinnerung an Ihre Schwester und das abrupte Ende Ihrer gemeinsamen Gesangskarriere? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, da schloss sich ein Kreis. Kurz zuvor hatte ich &lt;em&gt;Unter dem Sand&lt;/em&gt; mit Fran&amp;ccedil;ois Ozon gedreht &amp;hellip; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;hellip; die Geschichte einer Frau, deren Mann eines Tages spurlos am Strand verschwindet und die seinen Selbstmord nicht akzeptieren kann. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine wunderbare Rolle, ich habe sie geliebt, sie war einer der Schl&amp;uuml;sselmomente in meinem Leben. Es war ein Comeback, in privater wie beruflicher Hinsicht, denn ich lernte den Selbstmord meiner Schwester anzunehmen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und die Arbeit an den Chansons hat Ihnen bei diesem therapeutischen Prozess geholfen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sie hat mir dabei geholfen, eine Menge ungel&amp;ouml;ster Dinge zu verarbeiten. Als Schauspielerin kann ich mit jeder Herausforderung umgehen, aber das hier war etwas anderes, weil es um unbew&amp;auml;ltigte Dinge ging. Wenn man mich dazu bringen will, etwas zu tun, ist das oft, als ob man Blut aus einem Stein zu quetschen versucht. Die Produzenten klopften damals immer wieder an meine T&amp;uuml;r in Paris, und wenn ich nicht ge&amp;ouml;ffnet habe, kamen sie am n&amp;auml;chsten Tag wieder. Sie haben sich nicht abschrecken lassen und mir Mut gemacht, etwas Neues zu versuchen. Auf einmal stellte ich fest, dass ich diese T&amp;uuml;r &amp;ouml;ffnen musste und damit eine ganze Reihe anderer Dinge herauslassen w&amp;uuml;rde. &lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;In Hollywood begr&amp;uuml;&amp;szlig;t man einander so: Du siehst wunderbar aus, wer ist dein Chirurg?&amp;laquo;&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/59111.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;strong&gt;CHARLOTTE RAMPLING Die Legende&lt;/strong&gt; Die Schauspielerin wurde 1946 als Tochter  eines britischen Offiziers und einer Malerin geboren. Nach Luchino  Viscontis &amp;raquo;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;Die Verdammten&amp;laquo; (1969) gelang ihr 1974 mit &amp;raquo;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;Der Nachtportier&amp;laquo;  der endg&amp;uuml;ltige Durchbruch. In ihrem j&amp;uuml;ngsten Film &amp;raquo;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;I, Anna&amp;laquo; (ab 2.5.),  einem packenden Noir-Thriller, spielt sie die geschiedene Mutter Anna, die zu Speed-Dating-Events geht und sich in Kommissar Bernie  (Gabriel Byrne, rechts) verliebt. Dessen Ermittlungen in einem Mordfall  f&amp;uuml;hren bald direkt zu Anna, die ein dunkles Familiengeheimnis h&amp;uuml;tet.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Als Kind gingen Sie auf ein katholisches Internat in Frankreich. Glauben Sie an Gott? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich bin nicht katholisch, aber die Nonnen gefielen mir und das Singen, die Rituale. Deshalb ging ich auch zur Beichte, obwohl ich das als Protestantin eigentlich gar nicht durfte. Man hat in dem Alter ja schon schlimme Gedanken, und ich dachte mir: Gro&amp;szlig;artig, jetzt kann ich dar&amp;uuml;ber reden, ohne dass mir was passiert. Der Zorn Gottes konnte mich schlie&amp;szlig;lich nicht treffen, ich war ja nicht gl&amp;auml;ubig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Obwohl Sie selbst ein Kind der Swinging Sixties sind, haben Ihre eigenen Kinder eine strenge Erziehung genossen. Warum? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mein zweiter Ehemann Jean Michel Jarre und ich waren sehr konservative Eltern. Wir waren keine Rock &amp;rsquo;n Roller wie Mick Jagger und Co., wir haben daf&amp;uuml;r gesorgt, dass unsere Kinder ein geregeltes Leben f&amp;uuml;hren. Sie hatten immer dieselben Kinderm&amp;auml;dchen, waren auf derselben Schule. Meine Kinder haben sich bei mir daf&amp;uuml;r bedankt, weil sie andere Kinder gesehen haben, die als Hippies aufwuchsen und v&amp;ouml;llig undiszipliniert und haltlos waren. Wenn es keine Grenzen gibt, werden Kinder verr&amp;uuml;ckt, glaube ich, und verfallen dem Alkohol oder Drogen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihre Ehe mit Jean Michel Jarre zerbrach 1996 nach fast zwanzig Jahren. Stimmt es, dass Sie damals mit dem Gedanken spielten, sich f&amp;uuml;r immer aus dem Filmgesch&amp;auml;ft zur&amp;uuml;ckzuziehen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es war eine pers&amp;ouml;nliche und damit auch eine berufliche Krise. Es gab tats&amp;auml;chlich einen Moment, in dem ich mit dem Gedanken spielte, keine Filme mehr zu machen. Ich wollte nicht mehr im Scheinwerferlicht stehen, ich wollte nicht, dass die Leute mich ansehen, ich wollte nicht mehr Teil dieser Welt sein, in der du anderen etwas vorspielen musst. Schauspielerei kann nicht intim sein, also habe ich damals angefangen zu schreiben.     &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was haben Sie geschrieben, Ihre Autobiografie? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich warne Sie, wenn das Wort &amp;raquo;Autobiografie&amp;laquo; im Interview vorkommt, verzeihe ich Ihnen das nie. Das ist ein viel zu gro&amp;szlig;es Wort f&amp;uuml;r mich. Ich bin keine Schriftstellerin. Ich will nicht &amp;uuml;ber mich reden, sondern durch mich. Es gibt viele gro&amp;szlig;e Themen, aber es kommt darauf an, sie auf ein Minimum zu reduzieren, in einen Satz zu fassen. Ich habe in den letzten Jahren sehr viel geschrieben, denn ich m&amp;ouml;chte so schreiben k&amp;ouml;nnen, wie ich spiele, und das braucht Zeit. Manchmal entdecke ich ein paar Bl&amp;auml;tter mit Notizen, die ich vor drei Jahren verfasst habe, und verliere sie dann wieder. Das ist wie mit meinen Rollen im Film: Ich muss Dinge vergessen, um mich vollst&amp;auml;ndig frei zu f&amp;uuml;hlen. Ich muss alles hinter mir lassen k&amp;ouml;nnen, um weiterleben zu k&amp;ouml;nnen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Eine Biografie &amp;uuml;ber sich wollen Sie offensichtlich auch nicht. Ihre Biografin haben Sie verklagt, das Buch ist nie erschienen. Warum nicht? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weil es so schlecht geschrieben war. Es war klatschs&amp;uuml;chtig und anz&amp;uuml;glich. Wir wollten eigentlich zusammenarbeiten, sie sollte recherchieren und ich sollte gro&amp;szlig;e Teile schreiben. Aber das stellte sich als unm&amp;ouml;glich heraus, sie hinterging mich. Also sagte ich, na gut, wenn du nicht freiwillig aufh&amp;ouml;rst, werde ich dich fertigmachen, egal wie lange es dauert und wie viel es kostet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das Alter ist grausam, nur zu Ihnen anscheinend nicht. Verraten Sie uns Ihr Geheimnis? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mein Vater starb 2009, er wurde hundert Jahre alt. Er war ein unglaublich gut aussehender Mann, zum Umfallen sch&amp;ouml;n. Ich war immer sehr stolz auf meinen sch&amp;ouml;nen Vater, und er hat mir einen haltbaren K&amp;ouml;rper und ein haltbares Gesicht vererbt. Ich werde bestimmt auch hundert Jahre alt, mindestens. Jedenfalls hoffe ich, dass ich so lange in guter geistiger Verfassung bleibe, auch wenn k&amp;ouml;rperlich dann alles im Eimer ist.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Gehen Sie regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig ins Fitnessstudio? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Die Leute hier in Hollywood sind geradezu besessen von k&amp;ouml;rperlicher Fitness. Neulich ging ich mit der Regisseurin Kathryn Bigelow spazieren. Eine freundliche, sehr unkomplizierte Frau, noch dazu sehr sch&amp;ouml;n, mit einem schmalen K&amp;ouml;rper. Sie marschierte den Canyon in einer Geschwindigkeit rauf, dass ich dachte, wir sehen uns n&amp;auml;chste Woche am Ziel. Sie hat mir gesagt, dass sie jeden Morgen eineinhalb Stunden spazieren geht. Das sei das beste Rezept. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In Hollywood geh&amp;ouml;rt es auch zum guten Ton, sich regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig liften zu lassen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gestern Abend habe ich Jane Fonda gesehen. Ich kenne sie gut, aber ihr Gesicht war wieder mal gemacht worden. Sehr sch&amp;ouml;n &amp;uuml;brigens. Es gibt hier hervorragende Chirurgen. Sie sagt ganz offen: Ich bin 75 Jahre alt, und so l&amp;auml;uft das hier. Zur Begr&amp;uuml;&amp;szlig;ung sagt man einander: Du siehst wunderbar aus, wer ist dein Chirurg? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Als Sie jung waren, wollte Ihr Agent Sie dazu &amp;uuml;berreden, Ihr Gesicht operieren zu lassen. Er f&amp;uuml;rchtete, dass Ihre schweren Augenlider Ihrer Karriere im Filmgesch&amp;auml;ft schaden w&amp;uuml;rden.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Bricht in schallendes Gel&amp;auml;chter aus.)&lt;/em&gt; Ich habe ihn gefeuert. Zugegeben, heute wirken meine Augen ein bisschen wie die einer Schlange. Aber auch das ist interessant. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Woody Allen hat einmal auf die Frage, welche G&amp;auml;ste er gern zu einem Dinner einladen w&amp;uuml;rde, geantwortet: Charlotte Rampling und Franz Kafka. Wen w&amp;uuml;rden Sie einladen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich w&amp;uuml;rde ihn und Kafka einladen! Schlie&amp;szlig;lich bin ich als braves M&amp;auml;dchen erzogen worden, und wenn mich jemand einl&amp;auml;dt, dann bekommt er eine Gegeneinladung. Den Papst k&amp;ouml;nnen wir auch dazubitten &amp;ndash; Kafka, Woody Allen und den alten Papst Franziskus, das w&amp;auml;rs. Ich w&amp;uuml;sste gerne, was in seinem kleinen Kopf vor sich geht.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fotos: NFP, dpa&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Ich muss alles hinter mir lassen, um weiterleben zu können«</dc:subject>
    <dc:creator>Malte Herwig (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2013-05-01T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>»Naturgesetze machen jede Menge Ärger«</title>
    <description>&lt;p&gt;Wie l&amp;auml;sst man Raumschiffe, Monster und Explosionen im Kino realistisch  wirken? Regisseure holen sich Rat beim Wissenschaftsberater Sean Carroll.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/55143.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Ob bei &amp;raquo;Hulk&amp;laquo;, &amp;raquo;Thor&amp;laquo; oder &amp;raquo;Illuminati&amp;laquo; mit Tom Hanks: Wenn es im Kino besonders eindrucksvoll kracht und scheppert, waren Wissenschaftler am Werk.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Herr Carroll, Sie sind Astrophysiker. Was genau wollen Filmemacher von Ihnen wissen? &lt;br /&gt; Sean Carroll&lt;/strong&gt;: Ganz unterschiedliche Dinge: Wie ein Raumschiff aussehen m&amp;uuml;sste, das mit &amp;Uuml;berlichtgeschwindigkeit fliegt. Wie gro&amp;szlig; ein Komet sein m&amp;uuml;sste, damit er die Erde zerst&amp;ouml;ren k&amp;ouml;nnte. Oder was mit jemandem passieren w&amp;uuml;rde, der vom Rand eines scheibenf&amp;ouml;rmigen Planeten ins Weltall geschubst wird. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was w&amp;uuml;rde denn passieren?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Das funktioniert gar nicht: Die Schwerkraft sorgt daf&amp;uuml;r, dass man einfach auf der anderen Seite der Scheibe landen w&amp;uuml;rde. Aber schon die Scheibenform ist unlogisch: Es gibt ein Ph&amp;auml;nomen namens &amp;raquo;Hydrostatisches Gleichgewicht&amp;laquo;, das Planeten in eine runde Form zieht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie reagiert ein Drehbuchautor, wenn Sie sagen: Nette Idee mit dem Scheibenplaneten &amp;ndash; aber wissenschaftlich ist das Unsinn?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ich bin diplomatischer &amp;ndash; ich sage eher: Ich habe ein paar Vorschl&amp;auml;ge, die der Story nicht schaden, aber plausibler sind. Die Sache mit dem Scheibenplaneten kam im Film &lt;em&gt;Thor &lt;/em&gt;vor, in einer fr&amp;uuml;hen Fassung des Drehbuchs. Im fertigen Film ist der Planet dann rund. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Glauben Sie wirklich, solche Fehler fallen Zuschauern auf?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Es reicht schon, wenn einer den Clip auf Youtube stellt und erkl&amp;auml;ren kann, was die Filmemacher falsch gemacht haben. Dann wird ein Film schnell zur Lachnummer. Das Publikum ist viel kritischer geworden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wenn Sie auf solche Fehler hinweisen &amp;ndash; f&amp;uuml;hlen Sie sich manchmal als Spielverderber?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Ich will die Ideen ja nicht kaputtreden. Mich interessiert: Was wollen Drehbuchschreiber und Regisseure erz&amp;auml;hlen? Und dann achte ich darauf, dass es innerhalb dieser Fantasiewelt halbwegs realistisch zugeht. Superman kann fliegen? Kein Problem. Aber dann sollte seine Flugbahn stimmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie schwer f&amp;auml;llt es Ihnen, sich auf solche Gedankenspiele einzulassen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Als Wissenschaftler frage ich immer: Welche Ph&amp;auml;nomene der Natur gibt es wirklich? Hollywood funktioniert anders, da kommt jemand daher und sagt: Hey, lasst uns einfach selbst bestimmen, was geht und was nicht. Ich muss diese innere Stimme &amp;uuml;berwinden, die st&amp;auml;ndig sagt: Eine Figur wie &amp;raquo;Thor&amp;laquo; mit seinem fliegenden Hammer widerspricht den Gesetzen der Physik. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber kein Mensch geht doch ins Kino, um physikalisch korrekte Superhelden zu sehen.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Schon klar. Aber damit eine Geschichte funktioniert, braucht es irgendwelche Gesetze, sonst wird die Handlung langweilig. Sonst k&amp;ouml;nnte der Held einfach mit den Fingern schnippen, und alle Gegner sind tot und die Welt ist gerettet. Am Ende lassen sich viele Geschichten auf eine einfache Formel reduzieren: Naturgesetze machen jede Menge &amp;Auml;rger. Da sind sich Wissenschaft und Filme gar nicht so un&amp;auml;hnlich. Wir machen daraus Experimente. Hollywood macht daraus Blockbuster.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;F&amp;uuml;r &lt;em&gt;Illuminati&lt;/em&gt; mit Tom Hanks mussten Sie sich &amp;uuml;berlegen, wie eine Bombe aus Antimaterie funktionieren w&amp;uuml;rde. Wie gehen Sie so eine Aufgabe an? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Normalerweise w&amp;uuml;rde ich Experimente machen, Fachliteratur auswerten und mit Kollegen diskutieren. Ging in diesem Fall alles nicht, denn technisch gesehen ist eine Bombe aus Antimaterie reine Fiktion. Das Material ist so schwierig herzustellen, dass man bisher nur winzige Mengen produzieren kann. Und die w&amp;auml;ren so gef&amp;auml;hrlich wie ein Streichholz. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Also berechnen Sie, was bei so einer Explosion theoretisch passieren w&amp;uuml;rde?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Genau. Ich will das so pr&amp;auml;zise wie m&amp;ouml;glich hinbekommen, aber alles, was ich wei&amp;szlig;, ist: Es w&amp;uuml;rde explodieren. Aber wie genau? Mit einer Flammenwolke? Oder als heller Blitz? Also habe ich versucht zu berechnen, wie sich die Antimaterie in der Luft ausbreiten w&amp;uuml;rde und welche Energien dabei freigesetzt w&amp;uuml;rden. Am Ende wird das kaum ein Zuschauer merken. Aber immerhin: Die Explosion sieht anders aus als alle andere Explosionen im Kino.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;Uuml;ber welchen Film haben Sie sich zuletzt ge&amp;auml;rgert?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Sosehr ich den &lt;em&gt;Star Trek&lt;/em&gt;-Film von J. J. Abrams mochte: Er hatte ein paar ziemliche Patzer. Es gibt da eine Substanz, die sogenannte rote Materie, die Planeten zum Explodieren bringen kann. Im ganzen Film geht es darum, wie man diese Materie stoppen k&amp;ouml;nnte, aber man erf&amp;auml;hrt nie, was genau das f&amp;uuml;r ein Material ist. Also bleibt es v&amp;ouml;llig r&amp;auml;tselhaft, wie sich die rote Materie besiegen l&amp;auml;sst. Da f&amp;uuml;hle ich mich irgendwie f&amp;uuml;r dumm verkauft. Schau, da ist dieses magische Zeug, wir m&amp;uuml;ssen es aufhalten &amp;ndash; dann eine Verfolgungsjagd, am Ende gewinnen die Guten, fertig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Die h&amp;auml;ufigsten Fehler&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/55147.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Sean Carroll unterrichtet Astrophysik an der angesehenen Universit&amp;auml;t California Institue of Technology und interessiert sich f&amp;uuml;r Raumschiffe, Explosionen und Sagengestalten. Weil er komplizierte Dinge so erkl&amp;auml;ren kann, dass auch Laien sie verstehen, ist er einer der wichtigsten Wissenschaftsberater Hollywoods. Seine bekanntesten Auftr&amp;auml;ge: &lt;/em&gt;&lt;em&gt;&amp;raquo;Tron&amp;laquo;, &amp;raquo;Thor&amp;laquo;, &amp;raquo;Illuminati&amp;laquo;, &amp;raquo;The Avengers&amp;laquo; und &lt;/em&gt;&lt;em&gt;&amp;raquo;The Big Bang Theory&amp;laquo;.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welcher Fehler kommt im Kino besonders h&amp;auml;ufig vor?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Sobald es um Zeitreisen geht, wird es fast immer dubios. Klar kann man im Film in die Vergangenheit reisen &amp;ndash; aber man kann dort nichts ver&amp;auml;ndern. Denn die Vergangenheit muss ja irgendwie mit dem zusammenpassen, was wir heute &amp;uuml;ber die Vergangenheit wissen. Sie k&amp;ouml;nnen also theoretisch Ihre eigenen Eltern als Kinder besuchen &amp;ndash; aber Sie k&amp;ouml;nnen nicht Ihre eigene Zeugung verhindern. Denn Sie existieren ja. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber genau das ist doch an Filmen so toll: dass sie etwas zeigen, was eigentlich nicht geht.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Aber ich will auch bei Zeitreisenfilmen das Gef&amp;uuml;hl haben, dass die Drehbuchautoren sich auch etwas dabei gedacht haben &amp;ndash; so wie bei &lt;em&gt;12 Monkeys&lt;/em&gt;, wo man merkt: Hier sind die Zeitebenen so logisch angeordnet, dass wirklich alles zusammenpasst. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welche Regisseure genie&amp;szlig;en unter Wissenschaftlern einen besonders guten Ruf?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Am meisten hat mich der Chef der Marvel Studios beeindruckt, der sich bei Actionfilmen wie &lt;em&gt;Der unglaubliche Hulk, Iron Man&lt;/em&gt; oder &lt;em&gt;The Avengers&lt;/em&gt; wirklich M&amp;uuml;he gibt, dass alle Details stimmen. Auch Ridley Scott ist ein ziemlicher Wissenschaftsnerd, der sich gern zeigen l&amp;auml;sst, woran Forscher gerade arbeiten. Da hat sich einiges getan: In alten Science-Fiction-Filmen stand im Drehbuch an manchen Stellen einfach: Hier bitte Techno-Geschwafel einf&amp;uuml;gen. Da haben Autoren dann irgendwelche Versatzst&amp;uuml;cke aus Gebrauchsanweisungen und Physikb&amp;uuml;chern reingeschrieben, nur damit die Dialoge irgendwie technisch klingen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wenn heute in Filmen wissenschaftliche Fachbegriffe vorkommen, kann man davon ausgehen, dass sie alle stimmen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, denn Filmemacher freuen sich immer, wenn sie exakt beschreiben k&amp;ouml;nnen, was gerade in der Handlung vorkommt. Wenn zum Beispiel Leute  im Film &lt;em&gt;Thor&lt;/em&gt; sehr schnell durchs Universum reisen, l&amp;auml;sst sich das theoretisch mit einem Prinzip erkl&amp;auml;ren, das man in der Wissenschaft &amp;raquo;Einstein-Rosen-Br&amp;uuml;cke&amp;laquo; nennt. Sie sollten mal sehen, wie die Augen der Drehbuchautoren leuchten, wenn sie solche W&amp;ouml;rter zum ersten Mal h&amp;ouml;ren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In Filmen sind Wissenschaftler oft durchgeknallte Typen mit schlecht sitzender Kleidung. St&amp;ouml;rt Sie das? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wie Wissenschaftler aussehen, ist mir egal &amp;ndash; au&amp;szlig;erdem gibt es ja Leute wie Tony Stark in Iron Man: einen Forscher-Playboy mit Unmengen Geld. Sehr schmeichelhaft f&amp;uuml;r uns Wissenschaftler. Was mich eher st&amp;ouml;rt: Oft wissen Drehbuchschreiber nicht, wie ein Labor funktioniert. Die denken: Da sitzen Genies an ultrateuren Ger&amp;auml;ten, ballern mit Lasern rum, und alles blinkt und funkelt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was tun Sie gegen solche Klischees?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&amp;nbsp;Ein Kollege und ich haben die Autoren von &lt;em&gt;The Big Bang Theory &lt;/em&gt;einfach mal in ein echtes Labor eingeladen &amp;ndash; und die waren schockiert, wie sch&amp;auml;big es dort aussieht. Aber seitdem zeigt die Serie ein ziemlich realistisches Bild: Wir arbeiten fast immer knapp am Limit, da gibt es eher zusammengeschustertes Zeug als riesige Flachbildmonitore. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was sagen Ihre Wissenschaftskollegen, wenn Sie erz&amp;auml;hlen: Nebenbei mache ich mir Gedanken &amp;uuml;ber die korrekte Flugbahn magischer H&amp;auml;mmer?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vielen ist das suspekt, auch wenn mir das noch niemand ins Gesicht gesagt hat. Aber es gibt, gerade bei j&amp;uuml;ngeren Kollegen, die mit Science-Fiction aufgewachsen sind, auch viel Begeisterung f&amp;uuml;r Hollywood. F&amp;uuml;r sie war das Kino der erste Ber&amp;uuml;hrungspunkt mit Wissenschaft. Und wenn ich mich bem&amp;uuml;he, dass Wissenschaft halbwegs plausibel ist, und Forscher nicht r&amp;uuml;berkommen wie Freaks, hat das auch einen einfachen Grund: Wir brauchen mehr Nachwuchswissenschaftler. Wenn ich dadurch nur ein paar Sch&amp;uuml;ler dazu bringe, Wissenschaftler zu werden, hat sich die Arbeit schon gelohnt.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Kann ein Film das schaffen &amp;ndash; Menschen f&amp;uuml;r Wissenschaft begeistern?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Na sicher. Eine reine Frage der Masse: Wenn ich ein Buch &amp;uuml;ber das Higgs-Boson schreibe, lesen das vielleicht 20 000 Leute. Eine Comicverfilmung wie &lt;em&gt;Thor&lt;/em&gt; schauen Millionen. Darin spielt Natalie Portman eine junge Astrophysikerin, obwohl sie eigentlich als Krankenschwester eingeplant war. Ich habe die Filmemacher &amp;uuml;berzeugt, dass eine Physikerin besser in die Story passt. Daf&amp;uuml;r hat Portman viel Fanpost von M&amp;auml;dchen bekommen, die sagen: Das ist cool. Das will ich sp&amp;auml;ter auch mal machen. Aber ein bisschen entt&amp;auml;uscht war ich von ihrer Rolle trotzdem.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Sie findet den Donnergott Thor in der W&amp;uuml;ste, als es ihn auf die Erde verschl&amp;auml;gt. Kein echter Wissenschaftler w&amp;uuml;rde das einfach so hinnehmen &amp;ndash; sondern Thor st&amp;auml;ndig ausfragen: Wie funktioniert euer Sonnensystem? Was wei&amp;szlig;t du &amp;uuml;ber dunkle Materie? Diese Neugier, die fehlt ihr.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Bekommen Sie eigentlich Geld f&amp;uuml;r Ihre Arbeit? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Disney hat mir einmal 250 Dollar Aufwandsentsch&amp;auml;digung gezahlt. Ansonsten arbeite ich gratis. Dass Wissenschaftler und Hollywood-Leute zusammenarbeiten, ist ja eine neue Entwicklung. Seit vier Jahren gibt es in Hollywood den &amp;raquo;Science and Entertainment Exchange&amp;laquo;, ein staatlich gef&amp;ouml;rdertes Programm, in dem Wissenschaftler ehrenamtlich Tipps f&amp;uuml;r Filmemacher geben. Da mache ich gern mit. Ich sehe das als eine Art Hobby.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;An welchem Film arbeiten Sie gerade? &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Das darf ich nicht sagen, ich muss seitenlange Vertr&amp;auml;ge unterschreiben, bevor ich ein Drehbuch &amp;uuml;berhaupt lesen darf. Nur so viel: Wenn Thor 2 in die Kinos kommt, will ich mal behaupten, dass sich darin keine wissenschaftlichen Fehler finden lassen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;F&amp;uuml;hlen Sie sich bei den Premierenpartys als Wissenschaftler deplatziert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich werde nicht mal eingeladen. Bisher bin ich noch nicht mal im Abspann erw&amp;auml;hnt &amp;ndash; aber ich hoffe, das wird sich bei meinen n&amp;auml;chsten Projekten &amp;auml;ndern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Hollywood im Fakten-Check&quot;]&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;HOLLYWOOD IM FAKTEN-CHECK&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/55149.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt; RICHTIG&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deep Impact&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Um Raumschiffe und Kometen korrekt darzustellen, haben      die Filmemacher Physiker und Astronauten nach Hollywood      eingeladen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Die Unglaublichen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Obwohl es nur ein Trickfilm ist,      stimmen viele Details - als ein Baby herunterf&amp;auml;llt und gerettet wird,      ist die Geschwindigkeit genau berechnet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2001: Odysse im Weltraum &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stanley      Kubrick hat f&amp;uuml;r den Film mit 65 Experten gesprochen - seitdem      glauben Skeptiker, dass er die Mondlandung inszeniert hat.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/55151.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;FALSCH&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Star Wars&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;George Lucas nimmt es mit Naturgesetzen nicht so genau: Im  Weltall gibt es keine Ger&amp;auml;usche &amp;ndash; also auch keine lauten Explosionen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Jurassic Park&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;So faszinierend die Dinos auch sind &amp;ndash; ihre Gef&amp;auml;hrlichkeit ist &amp;uuml;bertrieben: Die fiesen Velociraptoren sind in Wahrheit so gro&amp;szlig; wie H&amp;uuml;hner. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2012 &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Die Kettenreaktion aus Naturkatastophen ist so unplausibel, dass die  NASA eine Webseite betreibt, die auf die Fehler des Films hinweist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Naturgesetze machen jede Menge Ärger«</dc:subject>
    <dc:creator>Till Krause (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2013-01-09T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39069">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39069</link>
    <title>»Erfolg kann schädlich sein«</title>
    <description>&lt;p&gt;Diese Frau hat Daniel Br&amp;uuml;hl und Sandra H&amp;uuml;ller zu Stars gemacht &amp;ndash; weil  sie haargenau wei&amp;szlig;, wie man die ideale Besetzung f&amp;uuml;r einen Film findet.  Ein Gespr&amp;auml;ch mit der Casterin Simone B&amp;auml;r.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54775.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Simone B&amp;auml;r steht nur ungern selber im Rampenlicht, sondern verhilft lieber den von ihr besetzten Schauspielern zu Ruhm.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Frau B&amp;auml;r, hat es einen Grund, warum Sie so fernab Ihrer Klientel im Westen Berlins arbeiten? Verstecken Sie sich? Die meisten der 20 000 Schauspieler, die in Berlin leben, wohnen in Mitte oder Prenzlauer Berg.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Simone B&amp;auml;r:&lt;/strong&gt; Das hat eher praktische Gr&amp;uuml;nde. 1990, als ich anfing, gab es im Osten, wo ich herkam, keine Telefone. Hier schon. Ansonsten kann ich nicht leugnen, dass ich mich lieber auf Abstand halte. Das h&amp;auml;lt den Blick scharf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Stehen ab und zu Schauspieler vor der T&amp;uuml;r, die einen Job suchen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;In Amerika gibt es den sch&amp;ouml;nen Satz: &amp;raquo;Don&amp;rsquo;t visit, don&amp;rsquo;t call.&amp;laquo; Ein Schauspieler, der einen Caster nervt, dessen Weg endet an der Gegensprechanlage.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es Bestechungsversuche?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, auch das. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bis zur Wende haben Sie als Regieassistentin gearbeitet, Sie stammen aus K&amp;ouml;nigs Wusterhausen bei Berlin. Woher wussten Sie, dass Sie eine gute Casterin sein w&amp;uuml;rden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das wusste ich nat&amp;uuml;rlich nicht. Ein Freund hatte in M&amp;uuml;nchen eine Werbefilmproduktion. Der sagte: &amp;raquo;Du kennst doch die ganzen Ostschauspieler, mach doch Casting!&amp;laquo; Ich fragte: Was ist das denn? Ah, Besetzung. Warum braucht man ein englisches Wort daf&amp;uuml;r? Mit Werbeclips und Daily Soaps habe ich angefangen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Trotzdem muss man doch f&amp;uuml;r Menschen und den Schauspielberuf ein H&amp;auml;ndchen haben, um irgendwann so gro&amp;szlig;e Filme besetzen zu k&amp;ouml;nnen, wie Sie das heute tun.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Interesse an Menschen bei mir ist gro&amp;szlig;, sie faszinieren mich eben. Einen Film zu besetzen, das ist, als w&amp;uuml;rden Sie sich eine Familie bauen. Nach all den Jahren wei&amp;szlig; ich, wer gut mit wem kann und auch von der Spielweise zusammenpasst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Es geht also nicht nur ums professionelle Zusammenarbeiten, die Schauspieler sollten sich auch m&amp;ouml;gen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es ist zumindest die bessere Voraussetzung &amp;ndash; finde ich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wann war Ihr Durchbruch als Casterin?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn man Erfolg &amp;uuml;berhaupt bemessen kann, dann ging es los mit &lt;em&gt;Die innere Sicherheit&lt;/em&gt; von Christian Petzold, dann kam &lt;em&gt;Good Bye, Lenin!&lt;/em&gt; von Wolfgang Becker.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben diverse Talente entdeckt, auch Sandra H&amp;uuml;ller, die Sie f&amp;uuml;r Requiem von Hans-Christian Schmid besetzten.&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Damals haben wir nach einem Gesicht gesucht, das nicht zu modern ist. Ich bin durch alle Theater gewandert und habe in Prospekten des Theaters Basel ein winziges Schwarz-Wei&amp;szlig;-Foto von ihr entdeckt. Ich habe sie dann um Videomaterial gebeten, und sie schickte mir eine Minute. Eine Minute! In der jedoch f&amp;auml;llt ihr rund 15 Sekunden lang ein Taschentuch herunter &amp;ndash; gro&amp;szlig;artig. Ich stand neben Hans-Christian Schmid und sagte: Siehste, siehste? Und er erwiderte: Aber was siehst du denn da?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Es gibt Gesichter, die zu modern sind f&amp;uuml;r einige Filme?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;O ja. Es gibt Typen und Gesichter, die sind entweder l&amp;auml;ndlich oder urban, passen besser in einen Historien- oder in einen Gegenwartsfilm. In der DDR auf den Schauspielschulen war es sogar so, dass man nicht zu sch&amp;ouml;n sein durfte, weil das vom Spiel ablenkt. Ich schaue auch, wie jemand mit Sprache umgeht. Hat er diesen Gro&amp;szlig;stadtslang oder kann er auch fein? Man wird nicht jeden Schauspieler zum Bauern machen k&amp;ouml;nnen. Die gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Schwierigkeit beim &lt;em&gt;Wei&amp;szlig;en Band&lt;/em&gt; war genau dieser Part. Die H&amp;auml;nde mussten stimmen!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist Sozialisation ein Kriterium?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn ich einen Stoff, der sich mit dem ehemaligen Osten befasst, besetzen m&amp;ouml;chte, ist es f&amp;uuml;r mich nat&amp;uuml;rlich besser, einen von dort zu nehmen als jemanden, bei dem ich sp&amp;uuml;re, dass er in M&amp;uuml;nchen-Bogenhausen aufgewachsen ist. Man sagt zwar, ein Schau-&lt;br /&gt; spieler muss das k&amp;ouml;nnen, aber ich sehe immer noch Unterschiede. Wie er geht, wie er sich ausdr&amp;uuml;ckt. Man kann sp&amp;uuml;ren, ob jemand Arbeiterklasse oder Landadel ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum haben Sie dann 2001 Daniel Br&amp;uuml;hl f&amp;uuml;r die Hauptrolle von &lt;em&gt;Good Bye, Lenin! &lt;/em&gt;besetzt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Er war zu der Zeit einer der begabtesten unter den Jungschauspielern. Ein frisches Gesicht mit hohem Sympathiewert. Aber da gab es auch viel Arbeit, ihn an die Ostsprache anzupassen.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was muss jemand haben, damit Simone B&amp;auml;r auf sie oder ihn anspringt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wen ich gut finde f&amp;uuml;r eine Rolle, das sieht man ja am Ende im Kino oder Fernsehen. Ich scheue mich, da einzelne Beispiele herauszunehmen, weil es andere automatisch ausschlie&amp;szlig;t. Und die denken dann, ich mag sie nicht oder sch&amp;auml;tze ihre Arbeit nicht. Neuentdeckungen m&amp;uuml;ssen auch nicht immer nur junge Leute sein. Ich habe Michael Maertens, an dem ich seit Jahren dran bin und der in Theaterkreisen sehr renommiert ist, in &lt;em&gt;Die Vermessung der Welt&lt;/em&gt; besetzt, da spielt er den Herzog. Hinterher fragten viele: Wer ist denn das, der ist ja gut.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Von Ihnen stammt der Satz: &amp;raquo;Eine ausgewogene Mischung aus Prominenz und Neuentdeckung oder eine ungew&amp;ouml;hnliche Wahl machen eine gute Besetzung aus.&amp;laquo;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das ist richtig. F&amp;uuml;r mich ist es eher langweilig, wenn jemand schon einen Darsteller im Visier hat. Meistens sage ich: Bitte sag nichts, ich will von mir aus mit Vorschl&amp;auml;gen kommen, und dann sehen wir, ob wir dasselbe denken &amp;uuml;ber den Stoff. Hinzu kommt, dass in der Filmbranche jeder denkt, er k&amp;ouml;nne einen Film besetzen. Es w&amp;uuml;rde sich zwar keiner hinstellen und sagen: Ich kann auch Kamera, Kost&amp;uuml;m oder Schnitt. Aber beim Casting wollen alle mitreden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Angenommen, Nico Hofmann, der sich die Rechte von Bettina Wulffs &lt;em&gt;Jenseits des Protokolls&lt;/em&gt; gesichert hat, k&amp;auml;me auf Sie zu, um seinen Film zu besetzen,&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Generell muss mir ein Buch gefallen, sonst mache ich es nicht. Wenn ich etwas politisch ablehne, kann ich auch nicht den Film dazu besetzen. Ich k&amp;ouml;nnte es auch keinem Schauspieler anbieten, wenn ich es selbst nicht leiden mag. Wie soll man da &amp;uuml;berzeugend sein?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie sehr mischen sich Produzenten ein?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Generell gilt die Regel: Je h&amp;ouml;her das Budget, umso mehr Leute reden mit. Am besten ist es, die Dinge so hinzukriegen, dass Produzenten und Regisseure meine Empfehlung mittragen, ein Diplomatiegesch&amp;auml;ft! Ich bin generell sehr genau, bis hin zur kleinsten Rolle, und gebe auch nicht so schnell nach. Da man uns als Ossis ja immer sagen wollte fr&amp;uuml;her, was wir zu denken haben, hat sich da so ein Widerborst gebildet: Titel und Namen beeindrucken mich nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und wenn jemand besetzt wird, mit dem Sie &amp;uuml;berhaupt nicht einverstanden sind ?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kann ich jederzeit aussteigen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sagt auch mal ein Regisseur, den oder die will ich haben, und Sie raten ihm ab?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Passiert auch. Auch dass mein Rat angenommen wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Bei Christoph Waltz hat die Gerechtigkeit mal gesiegt.&amp;laquo;&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54777.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Simone B&amp;auml;r brachte Tarantino mit Christoph Waltz (f&amp;uuml;r &amp;raquo;Inglourious Basterds&amp;laquo;, 2009) zusammen, seither ein unzertrennliches Duo in Hollywood.&lt;/em&gt; &lt;em&gt;(Foto:dpa)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wenn Deutsche in internationalen Filmen auftauchen, dann sind sie oft Nazis und sehen auch so aus: b&amp;ouml;se n&amp;auml;mlich.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, da gab es zwischenzeitlich auch bei mir ein &amp;Uuml;bers&amp;auml;ttigungsgef&amp;uuml;hl. Ich verstehe jeden Schauspieler gut, der so eine Uniform nicht mehr anziehen und nur aufs &amp;Auml;u&amp;szlig;ere reduziert werden will. Zum Gl&amp;uuml;ck werden selbst diese Rollen vielschichtiger.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Christoph Waltz, den Sie f&amp;uuml;r &lt;em&gt;Inglourious Basterds&lt;/em&gt; vorschlugen, d&amp;uuml;rfte Ihnen hingegen ewig dankbar sein. Seine Rolle als perfider SS-Standartenf&amp;uuml;hrer Landa brachte ihm den Oscar ein, Hollywood wurde aufmerksam auf ihn.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christophs Erfolg hat mich riesig gefreut, das gebe ich zu. Da hat die Gerechtigkeit mal gesiegt. Und obwohl die Schauspielergemeinde sonst ein neidisches Volk sein kann, hat ihm jeder seinen Erfolg geg&amp;ouml;nnt. Da habe ich nicht einmal geh&amp;ouml;rt: Das h&amp;auml;tte ich auch gekonnt! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Tarantino scheint Ihre Wahl ebenfalls nachhaltig zu sch&amp;auml;tzen: Christoph Waltz spielt auch in seinem neuen Film mit. Django Unchained kommt im Januar 2013 in die Kinos. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, im Falle von Waltz und Tarantino kam eben alles zur richtigen Zeit und am richtigen Ort zusammen f&amp;uuml;r einen Coup.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und woher kannte ein Quentin Tarantino Simone B&amp;auml;r? Woher wusste er, dass Sie die Richtige f&amp;uuml;r ihn sein w&amp;uuml;rden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das ist eben das Empfehlungsgesch&amp;auml;ft. Ich hatte vorher mit Stephen Daldry &lt;em&gt;Der Vorleser&lt;/em&gt; gemacht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und Stephen Daldry, wie ist der auf Sie gekommen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Entstanden ist alles &amp;uuml;ber &lt;em&gt;Das Leben der Anderen&lt;/em&gt;. Als der Film durch Amerika ging in der Oscar-Auswahl, hat Stephen Daldry Florian Henckel von Donnersmarck erz&amp;auml;hlt, dass er einen Film in Deutschland plane und ob er ihm seinen Casting-Direktor empfehlen k&amp;ouml;nne. Von Donnersmarck hat dann gleich meine Handynummer weitergegeben, was ich eigentlich nicht mag. Das ist auch nur deshalb interessant, weil ich zu dieser Zeit, also um 2007 herum, noch gar kein Englisch sprach au&amp;szlig;er &amp;raquo;Yes&amp;laquo; und &amp;raquo;Hello&amp;laquo;. Und erst mal aufgelegt habe, als Daldry anrief. Vor Schreck.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nach Daldry kam Tarantino zu Ihnen. Wie hat sich das angebahnt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bei Tarantino war mein Englisch auch noch mau &amp;ndash; o je. Nach drei, vier Wochen war ich dann schon mutiger, und er rief erfreut: Sie spricht, sie spricht! Ich hatte inzwischen einen Englischlehrer. Au&amp;szlig;erdem ist Sprache nicht alles. In unserem Gesch&amp;auml;ft sp&amp;uuml;rt man auch so relativ schnell, ob man miteinander kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hat Daldry Sie Tarantino empfohlen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das wei&amp;szlig; ich nicht. Seine Produzentin rief auf dem Handy meiner Mitarbeiterin Alexandra Montag an. Wir bauten gerade ein Regal zusammen, als ihr Telefon klingelte. Sie scherzte noch und rief: Hollywood! Und dann war Hollywood wirklich dran. Sehr lustig.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie haben Sie sich an Tarantinos Art Filme zu drehen herangetastet?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Na ja, nach Pulp Fiction dachte ich schon, dieser Typ muss ganz sch&amp;ouml;n verr&amp;uuml;ckt sein, dieses Blut &amp;uuml;berall. Aber manche Regisseure, und oft die guten, sind etwas abgedreht. Ich mag das.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie beginnt man so eine Arbeit mit ihm?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanischen Schauspieler wurden nat&amp;uuml;rlich von Amerika aus besetzt. Ansonsten ist das Wichtigste, so plakativ das klingt, Vertrauen. Der Regisseur muss mir glauben, wenn ich sage, der ist der Beste f&amp;uuml;r die Rolle. Und zwar so sehr glauben, dass er nicht das Gef&amp;uuml;hl hat, noch hundert andere anschauen zu m&amp;uuml;ssen. Tarantino habe ich zwei Schauspieler pro Rolle gezeigt, manchmal einen dritten, manchmal nur einen. Er hat sich sofort entschieden.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Haben Sie es im Gef&amp;uuml;hl, wie viele Schauspieler Sie einem Regisseur zeigen sollten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich bin eigentlich ein &amp;raquo;Dreier&amp;laquo;, denn Menge verwirrt nur, verw&amp;auml;ssert die Vision. Ein Regisseur hat ja auch nicht zehn Visionen von einer Rolle. Ich versuche seiner am n&amp;auml;chsten zu kommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie auch Michael Fassbender besetzt, der gern von den Deutschen vereinnahmt wird, weil sein Vater aus Heidelberg stammt und er dort geboren wurde? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Michael Fassbender haben wir zwar nicht besetzt, aber der war hier, weil die amerikanische Casting-Agentur meinte, der kann Deutsch, und wir sollten das pr&amp;uuml;fen. Das war dann aber leider nicht wirklich der Fall.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Als Sie f&amp;uuml;r Tarantino Schauspieler suchten, war im Vorfeld schon in der Presse zu lesen, wer eventuell mitspielt. Die Paparazzi haben sich bestimmt gefreut und Ihre Agentur belagert.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, als das raus war, war es furchtbar, in der Presse zu lesen, wer alles beim Casting war, dann aber doch nicht auftaucht im Film &amp;ndash; das ist auch f&amp;uuml;r gestandene Schauspieler grauenvoll.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zumal renommierte Schauspieler auch bestimmt nicht scharf darauf sind, sich einem Casting zu unterziehen, oder?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Na ja, bei Tarantino oder generell bei internationalen Produktionen ist das nat&amp;uuml;rlich etwas anderes. Castings sind schon deshalb nicht beliebt, weil es ja immer eine Art Pr&amp;uuml;fungssituation ist. Aber der Druck, dass Filme funktionieren m&amp;uuml;ssen, ist eben gr&amp;ouml;&amp;szlig;er geworden. Und manchmal hat ja auch ein bew&amp;auml;hrter Schauspieler keinen guten Lauf. Kommt auch auf die pers&amp;ouml;nliche Situation an, in der er sich gerade befindet.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Ein Regisseur will auch wissen, wie es einem Schauspieler geht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nat&amp;uuml;rlich. Der will doch wissen, auf was f&amp;uuml;r einen Menschen er da trifft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Verbietet eigentlich die Professionalit&amp;auml;t, mit Schauspielern befreundet zu sein?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich versuche es zu vermeiden, auch mit Regisseuren, aber nat&amp;uuml;rlich bin ich auch nur ein Mensch. Ich will mich nicht &amp;uuml;berfrachten mit Dingen, die ich &amp;uuml;ber jemanden wei&amp;szlig;, ich erfahre ja sowieso schon sehr viel Privates. Deswegen gehe ich auch kaum auf Partys. F&amp;uuml;r meine Wahrnehmung der Person ist das, was man auf Partys zu sehen bekommt, oft nicht gut.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie haben sich die Dinge f&amp;uuml;r Sie ver&amp;auml;ndert, seit Sie international mitmischen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich werde seltener vom Fernsehen beauftragt. Erfolg kann also auch sch&amp;auml;dlich sein! Es war viel Arbeit, deutlich zu machen: Hey, ich mache immer noch gern &lt;em&gt;Der Kriminalist&lt;/em&gt; und Fernsehfilme. Ihr k&amp;ouml;nnt weiterhin fragen!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie oft werden Sie gefragt, ob Sie all Ihr Wissen und all die Anekdoten nicht mal in ein Buch gie&amp;szlig;en wollen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Oft. Ich hatte schon ernsthafte Angebote. Auch ein Regisseur hat mal gesagt: Wir reden beide mal, und ich mach dann einen Film draus. Aber das kommt h&amp;ouml;chstens in Frage, wenn mir die Altersarmut droht, denn dicke Honorare kriegen wir Caster nicht. Wir werden pauschal bezahlt, egal, wie lange die Arbeit dauert. Wenn wir unsere Vertr&amp;auml;ge kriegen, hat der Produzent oft das Geld f&amp;uuml;r den Film noch nicht zusammen. F&amp;uuml;r mich hei&amp;szlig;t das, um alle Kosten decken und ein Kind gro&amp;szlig;ziehen zu k&amp;ouml;nnen: Ich muss mehrere Filme gleichzeitig machen. Wenn ich es finanziell k&amp;ouml;nnte, h&amp;auml;tte ich mein B&amp;uuml;ro auch schon l&amp;auml;ngst personell erweitert, denn die Arbeit, die ich habe, ist viel f&amp;uuml;r zwei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;em&gt;&lt;strong&gt;Simone B&amp;auml;r&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;ist eine der renommiertesten Casting-Direktorinnen      f&amp;uuml;r Film und Fernsehen. Schon im Vorfeld macht die 47-J&amp;auml;hrige      einem klar, dass man S&amp;auml;tze wie &amp;raquo;Die Ferres geht immer&amp;laquo; nicht von ihr zu      h&amp;ouml;ren bekommt. In ihrem B&amp;uuml;ro in Berlin-Wilmersdorf gibt es Regale      mit Hunderten DVDs und Fenster mit Sichtschutz. Im Flur h&amp;auml;ngen die Plakate      der Filme, die sie besetzt hat, unter anderem &amp;raquo;Good Bye, Lenin!&amp;laquo;, &amp;raquo;Das Leben      der Anderen&amp;laquo;, &amp;raquo;Inglourious Basterds&amp;laquo; oder &amp;raquo;Der Vorleser&amp;laquo;. Die Liste ist lang      und hochkar&amp;auml;tig: Derzeit l&amp;auml;uft im Kino &amp;raquo;Anleitung zum Ungl&amp;uuml;cklichsein&amp;laquo;, im      n&amp;auml;chsten Jahr der Film &amp;raquo;3096&amp;laquo;, der die Geschichte von Natascha Kampusch      erz&amp;auml;hlt - Bernd Eichingers letztes Projekt. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Erfolg kann schädlich sein«</dc:subject>
    <dc:creator>Judka Strittmatter (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2012-12-19T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38961">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38961</link>
    <title>»Ich bin eine Ausgestoßene«</title>
    <description>&lt;p&gt;Die schweigsame D&amp;auml;nin Susanne Bier ist eine der      ganz wenigen gro&amp;szlig;en Filmregisseurinnen der Welt. F&amp;uuml;r sie sprechen: 17      Filme, 8 Preise, 1 Oscar. H&amp;ouml;chste Zeit, dass sie mal selbst f&amp;uuml;r sich      spricht.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54053.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Susanne Bier fragt, ob sie die dunkle Sonnenbrille w&amp;auml;hrend des Gespr&amp;auml;chs      aufbehalten darf (&amp;raquo;wegen meiner lichtempfindlichen Pupillen&amp;laquo;), sitzt steif      und mit verschr&amp;auml;nkten Armen in ihrem schwarzen Lederblazer am Tisch im      Sushi-Restaurant in Santa Monica, und seufzt, sie m&amp;uuml;sse erst einmal was      essen. Sie bestellt vier Gerichte und dann tauscht sie die Rollen. Sie,      die Filmemacherin, befragt ausf&amp;uuml;hrlich die Interviewerin: &amp;raquo;Haben Sie      Familie hier? Was denken Sie politisch?&amp;laquo; Da taut sie auf und spricht      pl&amp;ouml;tzlich sehr pers&amp;ouml;nlich und ehrlich &amp;uuml;ber ihre &amp;Auml;ngste, ihre Familie und      ihre Arbeit. Nach einer halben Stunde legt sie sogar die Sonnenbrille und      das Jackett ab.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Frau Bier, Kathryn Bigelow und      Sie sind die wohl bekanntesten Filmregisseurinnen der Welt. Warum gibt es      so wenige Interviews mit Ihnen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Susanne Bier:&lt;/strong&gt; Anders als viele      meiner m&amp;auml;nnlichen Kollegen macht es mir keinen Spa&amp;szlig;, &amp;uuml;ber mich zu      sprechen. Au&amp;szlig;erdem bin ich sch&amp;uuml;chtern. Mir reicht die kleine      Gruppe von Vertrauten, die um mich sind. &amp;Uuml;ber rote Teppiche zu laufen      musste ich erst lernen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Immerhin haben Sie 2011 vor einem      Millionenpublikum einen Oscar f&amp;uuml;r Ihren Film&lt;em&gt; In einer besseren Welt&lt;/em&gt; entgegengenommen,      &amp;uuml;berreicht von Helen Mirren und Russell Brand. In so einem Augenblick      unfassbar nerv&amp;ouml;s zu sein, ist eigentlich ganz normal, oder?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja,      aber bei mir haben solche Situationen sehr lang regelrecht Panik      ausgel&amp;ouml;st. Inzwischen ist es etwas besser geworden. Aber es ist eine      Erfahrung wie eine Gipfelbesteigung. Etwas, was man nie im Leben vergisst.      Schlie&amp;szlig;lich &amp;nbsp;sitzt bei der Oscar-Verleihung ja so gut wie jeder      Schauspieler und Regisseur, den man bewundert: Martin Scorsese, Steven      Spielberg.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und Sie haben vor dem Oscar auch den Golden Globe      gewonnen f&amp;uuml;r den Film&lt;em&gt; In einer besseren Welt&lt;/em&gt;. In Ihrem      n&amp;auml;chsten Film &lt;em&gt;Serena&lt;/em&gt;, der 2013 in die Kinos kommt, spielen      sogar Jennifer Lawrence und Bradley Cooper die Hauptrollen. Wollen Sie      Hollywood erobern?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanische Kino habe ich schon immer      gemocht. Deshalb gelte ich in D&amp;auml;nemark als zu kommerziell, obwohl ich gute      Kritiken bekomme. In Hollywood dagegen h&amp;auml;lt man mich f&amp;uuml;r eine typisch      europ&amp;auml;ische Arthouse-Regisseurin. Ich bin sozusagen in beiden Welten eine      Ausgesto&amp;szlig;ene.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Na ja, Ausgesto&amp;szlig;ene gewinnen in der Regel nicht      so viele internationale Preise wie Sie.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, ich habe f&amp;uuml;r&lt;em&gt; In      einer besseren Welt&lt;/em&gt; Preise rauf und runter gewonnen, aber in meiner      Heimat D&amp;auml;nemark wurde ich nicht zur besten Regisseurin gew&amp;auml;hlt. Das finde      ich schon ein wenig seltsam.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben neulich von Ihrer Angst      gesprochen, f&amp;uuml;r Ihren neuen Film &lt;em&gt;Love Is All You Need&lt;/em&gt; gesteinigt      zu werden. Warum das denn?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weil es eine Kom&amp;ouml;die ist, der jeder      Zynismus fehlt. Normalerweise kann man im Film Romantikzulassen, wenn      man andererseits auch ein wenig Zynismus einbaut. Eine Kom&amp;ouml;die dreht sich      in der Regel darum zu lieben, obwohl die Welt zynisch ist. Bei mir dagegen      geht es um Liebe, weil die Welt schlecht und zynisch ist. Die beiden      Hauptdarsteller hat das Leben fertiggemacht und genau deshalb verlieben      sie sich ineinander. Das war auch f&amp;uuml;r mich neu und be&amp;auml;ngstigend, denn      meine erfolgreichen Filme sind Dramen. Dabei bin ich eine gro&amp;szlig;e      Romantikerin, und in dieser Kom&amp;ouml;die bestehe ich auf einer romantischen      Sicht der Welt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Es klingt schon &amp;uuml;berraschend, dass Sie diesen Film      eine Kom&amp;ouml;die nennen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Was soll er denn sonst sein?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie      erz&amp;auml;hlen von einer Frau,die gerade eine Chemotherapie durchsteht,      und von einem Mann, der seine Frau verloren hat. Ich habe nur wenig      gelacht, daf&amp;uuml;r am Ende geweint.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sie werden doch hoffentlich      wenigstens hin und wieder geschmunzelt haben? Fanden Sie den untreuen      Ehemann nicht total komisch? Gut, Sie haben recht: Urspr&amp;uuml;nglich war der      Film nicht als Kom&amp;ouml;die gedacht. Meine Mutter hatte zweimal Brustkrebs und      die Mutter meines Drehbuchautors Krebs, also war das Thema f&amp;uuml;r uns sehr      real. Es ist dann dennoch kein Film &amp;uuml;ber Krebs geworden. Krebs ist nur der      Hintergrund, vor dem die Liebesgeschichte spielt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gef&amp;auml;llt der Film      Ihrer Mutter?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Meine Mutter mag ihn, gerade weil er so leicht ist.      Vor dem Filmstart hat mich der gr&amp;ouml;&amp;szlig;te d&amp;auml;nische Fernsehsender zusammen mit      zwei Krebspatienten zu einer Diskussion eingeladen. Mal wieder w&amp;auml;re ich      vor Angst beinahe gestorben, aber auch sie mochten den Film. Schon mehr      als zehn Prozent der D&amp;auml;nen haben inzwischen den Film gesehen, das ist      unglaublich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In Ihren Filmen gibt es ein gro&amp;szlig;es, immer      wiederkehrendes Thema: Wie viel m&amp;uuml;ssen Familien und Beziehungen aushalten?      Warum ist das Ihr Thema?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich bin ein Familienmensch. Mein Bed&amp;uuml;rfnis      nach N&amp;auml;he ist geradezu obsessiv. Wenn ich wie jetzt sechs Wochen unterwegs      bin, vermisse ich meine Familie so sehr, dass ich jeden Tag mindestens      einmal mit meinen Eltern telefoniere. Es ist ein Uhr nachts, ich wei&amp;szlig;,      dass ich eigentlich schlafen sollte, aber dann halte ich es doch nicht aus      und greife zum Telefon.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und Ihre Kinder?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Meine Tochter ist      17, mein Sohn 23, da halte ich mich besser zur&amp;uuml;ck. Mein Sohn lebt jetzt in      London und sagt: Mama, ich muss dir keine SMS mehr schicken, wenn ich      nachts nach Hause komme.&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Meine Kinder w&amp;auml;ren vermutlich      schwer gesch&amp;auml;digt, wenn ich keine Filme machen k&amp;ouml;nnte&amp;laquo;&quot;]&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54055.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;(Foto: Les Kaner)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In Ihren Filmen stimmt zun&amp;auml;chst alles, doch      unter der Oberfl&amp;auml;che lauert die Katastrophe.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich glaube, diese Art      Dinge wahrzunehmen hat auch mit meiner j&amp;uuml;dischen Herkunft zu tun. Mein      Vater war deutscher Jude, der 1933 als Kind nach D&amp;auml;nemark floh, meine      Mutter wurde als J&amp;uuml;din in D&amp;auml;nemark geboren. Als die Nazis      begannen, auch dort die Juden zusammenzutreiben, flohen beide auf einem      Boot nach Schweden. Als J&amp;uuml;din habe ich deswegen einen eingebauten Sensor      f&amp;uuml;r potenzielle Katastrophen. Und das alles wird noch mal schlimmer, wenn      ich mir vorstelle, was meinen Kindern alles zusto&amp;szlig;en k&amp;ouml;nnte. Ich habe eine      sehr lebhafte Fantasie. Wenn ich sie auslebe, wird es wirklich b&amp;ouml;se. Da      muss ich mich manchmal selbst stoppen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Oder Sie &amp;uuml;bertragen diese      Fantasie in Ihre Filme.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;So ungef&amp;auml;hr. Meine Kinder w&amp;auml;ren vermutlich      schwer gesch&amp;auml;digt, wenn ich keine Filme machen k&amp;ouml;nnte. Dann m&amp;uuml;ssten sie      alles ausbaden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Begleitet Sie Ihre Familie zu Dreharbeiten? Ihr Mann      ist Komponist, er k&amp;ouml;nnte doch sogar mit Ihnen zusammenarbeiten.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aber      er macht keine Filmmusik. Meine Kinder besuchen mich hin und wieder bei      Dreharbeiten, aber so toll ist das nicht, ich bin ja schwer besch&amp;auml;ftigt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Die      Deutschen sind seit einiger Zeit regelrecht s&amp;uuml;chtig nach Filmen und Krimis      aus Skandinavien. K&amp;ouml;nnen Sie sich erkl&amp;auml;ren warum?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wahrscheinlich      denken Deutsche so wie alle anderen auch: n&amp;auml;mlich, dass das Leben anderswo      prickelnder w&amp;auml;re. In D&amp;auml;nemark zum Beispiel sind wir davon &amp;uuml;berzeugt, dass      wir alle gl&amp;uuml;cklicher w&amp;auml;ren, k&amp;ouml;nnten wir in einem kleinen italienischen      Dorf wohnen. Ich denke nicht so, ich lebe gern in D&amp;auml;nemark.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und      Ihre Filme sind sehr d&amp;auml;nisch, jedenfalls was die Einsilbigkeit der      Menschen betrifft. In einer Szene Ihres neuen Films druckst die      Hauptdarstellerin auf die Frage ihres untreuen Mannes, ob sie ihn      zur&amp;uuml;cknimmt, nur ein einziges Wort heraus. Dabei g&amp;auml;be es einiges zu sagen. &lt;/strong&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Sie werden es nicht glauben, meine Figuren reden mehr als in      anderen d&amp;auml;nischen Filmen. Aber es stimmt, wir sind eine eher wortkarge      Nation. Ich selbst bin ja auch nicht sehr gespr&amp;auml;chig. Es kommt      vor, dass mein Gespr&amp;auml;chspartner am Telefon sagt: Hallo? Bist du noch      dran?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie ist eigentlich Ihr Verh&amp;auml;ltnis zu Deutschland?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich      k&amp;ouml;nnte Wetten darauf abschlie&amp;szlig;en, dass jedes Mal, wenn ich in Deutschland      bin, jemand auf mich zukommt, meistens j&amp;uuml;nger als ich, um mir &amp;uuml;ber seine      j&amp;uuml;dischen Gro&amp;szlig;eltern zu erz&amp;auml;hlen. Da scheint es immer noch viele      Schuldgef&amp;uuml;hle zu geben. Irgendwann werde ich sicher einen Film &amp;uuml;ber den      Holocaust und die Geschichte meiner j&amp;uuml;dischen Eltern machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie      haben einen kurzen Ausflug in die Dogma-Familie gemacht. Sind Sie mit      Ihrem Kollegen Lars von Trier, dem Gr&amp;uuml;nder von Dogma, befreundet?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unsere      T&amp;ouml;chter sind sehr gut befreundet, sie gehen in die gleiche Klasse. Ich      habe enormen Respekt vor Lars von Trier als Regisseur. Vor seinen      politischen Ansichten und seinen Ansichten &amp;uuml;ber mich schon weniger.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Vor      knapp zwei Jahren sagte von Trier in Cannes unter anderem, dass er lange      Zeit Jude war und sehr zufrieden damit. Dann habe er Sie getroffen und      sei nicht mehr so froh dar&amp;uuml;ber gewesen. Sie haben auf diesen groben      Ausfall nie reagiert.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, und ich werde es auch nie tun. Es gibt      gen&amp;uuml;gend Konflikte in dieser Welt, da m&amp;uuml;ssen wir uns keinen neuen      ausdenken. Glauben Sie mir, einen guten Film zu machen, ist schwer genug -      und mir viel wichtiger.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;em&gt;&lt;strong&gt;Susanne Bier,&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;52, ist eine der international erfolgreichsten      Regisseurinnen der Welt. Bier wurde in Kopenhagen geboren und studierte      Kunst in Jerusalem und Architektur in London, bevor sie sich an der      Nationalen Filmschule in D&amp;auml;nemark einschrieb. F&amp;uuml;r ihren Film In einer besseren      Welt gewann die D&amp;auml;nin 2011 sowohl den Oscar als auch einen Golden      Globe f&amp;uuml;r den besten fremdsprachigen Film und den europ&amp;auml;ischen      Filmpreis f&amp;uuml;r die beste Regie. Schon ihr Film Nach der      Hochzeit &amp;uuml;ber eine komplexe Familie war 2006&lt;br /&gt;als bester      fremdsprachiger Film f&amp;uuml;r einen Oscar nominiert worden. Fast immer      geht es um Familien am Rande einer Katastrophe: In Eine neue Chance mit      Halle Berry und Benicio Del Toro verliert eine gl&amp;uuml;ckliche Ehefrau      pl&amp;ouml;tzlich ihren Mann, in Zwischen Br&amp;uuml;dern ringt ein Soldat mit seinem      Afghanistan-Trauma, in F&amp;uuml;r immer und ewig (2002), ihrem Ausflug in das      Dogma-Kino, muss ein junges P&amp;auml;rchen nach einem katastrophalen      Autounfall neu anfangen. Ihr neuer Film Love Is All You Need&lt;br /&gt;mit Pierce      Brosnan und Trine Dyrholm ist gerade in Deutschland angelaufen. Es ist      ihr f&amp;uuml;nfter gemeinsamer Film mit dem Drehbuchautor Anders Thomas Jensen. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Ich bin eine Ausgestoßene«</dc:subject>
    <dc:creator>Michaela Haas (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2012-11-22T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38819">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38819</link>
    <title>Emma mit der Ruhe</title>
    <description>&lt;p&gt;Sie ist erst 22. Und seit 13 Jahren ein Star mit      allem, was dazugeh&amp;ouml;rt: umjubelte Auftritte, verr&amp;uuml;ckte Fans,      Spekulationen &amp;uuml;ber ihr Liebesleben. Dabei w&amp;uuml;rde Emma Watson      einfach gern rausfinden, wie ein normales Leben aussehen k&amp;ouml;nnte - und      nebenbei nur das tun, wozu sie sich berufen f&amp;uuml;hlt: schauspielern.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/53171.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Auf den ersten Blick sieht man: Emma Watson ist nicht mehr Harry Potters      beste Freundin. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;K&amp;ouml;nnte bitte jemand Emma Watson daran erinnern, wie wunderbar ihr Leben ist? Dass sie, mit 22, seit 13 Jahren ein Filmstar ist? Dass sie zwar nicht mehr unerkannt Bus fahren, daf&amp;uuml;r aber &amp;uuml;ber rote Teppiche schreiten, f&amp;uuml;r Modefirmen Kleider entwerfen, lukrative Modelvertr&amp;auml;ge unterschreiben und auch sonst jede Menge glamour&amp;ouml;sen Spa&amp;szlig; haben kann? Dass nie ein Foto von ihr auftauchte, auf dem sie betrunken aus einer Diskothek torkelt, kein Ex-Freund je irgendwelche Intimi&amp;auml;ten &amp;uuml;ber sie an den Boulevard verkauft hat? Und dass sie trotz ihres Weltruhms und ihres Reichtums von den Menschen geliebt wird? Ein m&amp;auml;rchenhaftes Leben, wie gesagt, das m&amp;uuml;sste auch sie begreifen. Allerdings sollte das schnell passieren, denn Emma Watson schluchzt gerade in ihr R&amp;uuml;hrei. Und ich bin schuld daran. Weil ich zu unserem Interview in einem New Yorker Hotel ein Buch namens &lt;em&gt;Emma Watson: The Biography&lt;/em&gt; mitgebracht habe, verfasst von einem Autor, der die Schauspielerin kein einziges Mal getroffen hat, aber in aller Ausf&amp;uuml;hrlichkeit erz&amp;auml;hlt, wie es sich anf&amp;uuml;hlt, Emma Watson zu sein. Ich hatte nichts B&amp;ouml;ses im Sinn, ich wollte nur einen Beleg daf&amp;uuml;r z&amp;uuml;cken, mit welchen Absurdit&amp;auml;ten man es zu tun bekommt, sobald man weltber&amp;uuml;hmt ist. Doch sie sah ihr Portr&amp;auml;t auf dem Buchumschlag und brach in Tr&amp;auml;nen aus. Meistens, sagt sie sp&amp;auml;ter, macht ihr so was nichts mehr aus, aber an diesem Tag eben doch. An diesem Tag ist da blo&amp;szlig; wieder das Gef&amp;uuml;hl der Hilflosigkeit ihrem Ruhm gegen&amp;uuml;ber. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Ich lese diese Seiten, und sie haben nichts mit meinem wirklichen Leben zu tun, damit, wie ich bin&amp;laquo;, sagt sie. &amp;raquo;Es ist reine Erfindung, aber mein Gesicht prangt auf dem Cover.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dann erz&amp;auml;hlt sie, wie ihr in New Orleans, wo sie sich wegen Dreharbeiten aufhielt, just dieses Buch unter die Nase gehalten wurde, &amp;raquo;von einem M&amp;auml;dchen, elf oder zw&amp;ouml;lf, das ein Autogramm von mir wollte. Ich finde es immer irritierend, dass es f&amp;uuml;r Menschen wichtig geworden ist, zu wissen, wie Emma Watson ist.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sie spricht gelegentlich &amp;uuml;ber sich selbst in der dritten Person. Das zeigt auch, wie gro&amp;szlig; manchmal der Abstand zwischen ihr und dem Bild geworden ist, das sich die &amp;Ouml;ffentlichkeit von ihr macht. Tats&amp;auml;chlich, sagt sie, f&amp;uuml;hlt sie sich oft, als h&amp;auml;tte sie drei Identit&amp;auml;ten: die fiktive Emma, die wirkliche Emma, dazu noch die Filmfigur, die sie jeweils gerade spielt. Seit sie neun war, war das vor allem Hermine Granger, die beste Freundin Harry Potters.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ihre Tr&amp;auml;nen zeigen, dass sie noch immer nicht abgeh&amp;auml;rtet genug ist f&amp;uuml;r die Konsequenzen, die sich daraus ergeben: &amp;raquo;Als es mit den Harry-Potter-Filmen losging, war ich eine Neunj&amp;auml;hrige, die in Interviews darauf bestand, dass sie blo&amp;szlig; spielte. Bis mir auffiel, dass Journalisten doch immer wieder wissen wollten, wie sehr ich Hermine &amp;auml;hnelte, und irgendwann beschloss, das Spiel mitzumachen, weil es so schlie&amp;szlig;lich bequemer f&amp;uuml;r alle Beteiligten war.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Tats&amp;auml;chlich waren manche Parallelen un&amp;uuml;bersehbar: Hermine und Watson waren beide eifrige, ein wenig altkluge M&amp;auml;dchen mit dem Ehrgeiz, gute Zensuren zu bekommen und jeden zufriedenzustellen. Doch im Unterschied zu ihrer Filmfigur ist Watson eine sehr gef&amp;uuml;hlsbetonte Person, und nicht immer kann sie das verbergen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Denkt sie denn selbst, dass sie die Konstitution eines Filmstars hat? &amp;raquo;Ich glaube nicht. Aber ich habe das Zeug, eine gute Schauspielerin zu sein. Ich mag meinen Beruf in den Augenblicken, in denen ich mich auf ihn beschr&amp;auml;nken darf. Was mir schwerf&amp;auml;llt, ist dieses seltsame Zwischenreich zwischen dem Schauspielerinnen- und dem Ber&amp;uuml;hmtsein.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Watson wuchs nicht in einer Showbusiness-Familie auf &amp;ndash; ihre Eltern sind beide Anw&amp;auml;lte &amp;ndash;, und so konnte sie niemand auf die Aufmerksamkeits-St&amp;uuml;rme vorbereiten, die &amp;uuml;ber ihr Leben hereinbrachen. Jetzt, nach den insgesamt acht Harry-Potter-Filmen, bei denen sie mitspielte, hat sie sich einen radikalen Neustart vorgenommen: &amp;raquo;Ich hatte keine Lust, in eine dieser Jane-Austen-Kost&amp;uuml;mrollen zu schl&amp;uuml;pfen. Ich wollte einfach nicht in Korsetts geschn&amp;uuml;rt werden, die ich nie wieder ablegen kann.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;[seitenumbruch title=&quot;Independent-Filme statt Blockbuster&quot;]&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/53173.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Als Teenager Sam verdreht Emma Watson in &lt;strong&gt;Vielleicht lieber morgen&lt;/strong&gt; diesem Jungen      den Kopf. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vielleicht lieber morgen&lt;/em&gt;, die Verfilmung des gleichnamigen Jugendromans von Stephen Chbosky, der in Deutschland dieser Tage anlief, erz&amp;auml;hlt vom Erwachsenwerden an einer typisch amerikanischen Highschool in Pittsburgh. Watson spielt darin ein rebellisches M&amp;auml;dchen, das extrovertiert, kompliziert und verwundet ist und wenig Hemmungen hat, sich in die &amp;uuml;blichen Teenager-Dummheiten zu st&amp;uuml;rzen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Hat sie keine Angst davor, dass die Menschen sie nicht mehr so m&amp;ouml;gen k&amp;ouml;nnten wie als Hermine? &amp;raquo;Es ist mir nicht wichtig. Diesen Film zu drehen, war eine der wichtigsten Entscheidungen, die ich getroffen habe. Dieses eine Mal geht es mir nicht darum, wie andere mich finden, kommt es mir nicht auf die Best&amp;auml;tigung von au&amp;szlig;en an.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sie hat sich daf&amp;uuml;r entschieden, die Art von Ruhm, die mit den Harry-Potter-Filmen verbunden war, zu meiden und sich Rollen in Independent-Filmen statt in Blockbustern auszusuchen. Sie hatte einen kleinen Auftritt in &lt;em&gt;My Week with Marilyn&lt;/em&gt;, und neben &lt;em&gt;Vielleicht lieber morgen&lt;/em&gt; drehte sie &lt;em&gt;The End of the World&lt;/em&gt; mit Seth Rogen und &lt;em&gt;The Bling Ring&lt;/em&gt;, bei dem Sofia Coppola Regie f&amp;uuml;hrt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sie hofft, dass mit solchen Filmen eine andere, f&amp;uuml;r sie vertr&amp;auml;glichere Form des Erfolgs verbunden ist: &amp;raquo;Als Kind musste ich mir &amp;uuml;ber meine Entscheidungen ja nicht den Kopf zerbrechen. Deswegen muss ich mich jetzt immer wieder daran erinnern, dass ich als Erwachsene Freiheiten habe. Ich empfand es fast wie eine Offenbarung, als mir klar wurde, dass ich in Interviews Fragen nicht beantworten muss, wenn ich nicht will. Als wohlerzogenes englisches M&amp;auml;dchen neige ich zwar dazu, mich &amp;uuml;ber die Ma&amp;szlig;en zu entschuldigen, wenn so etwas vorkommt, aber ich merke, dass ich &amp;uuml;ber mein Leben selbst bestimmen kann.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Manchmal st&amp;uuml;rzt sie das in Schwierigkeiten, vor allem, seit sie an der renommierten Brown University auf Rhode Island studiert. Einerseits will sie nichts anderes als eine Studentin sein, und zwar eine besonders flei&amp;szlig;ige, damit blo&amp;szlig; niemand auf die Idee kommt, dass sie durch etwas anderes als durch ihre eigenen Leistungen vorankommt. Andererseits l&amp;auml;sst es sich nicht vermeiden, dass ihr Studium immer wieder mit ihrem Beruf kollidiert. W&amp;auml;hrend ihres ersten Jahrs an der Uni waren die Harry-Potter-Dreharbeiten immer noch nicht beendet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Ich wollte neu anfangen, aber so entschieden, wie ich mir das vorgestellt habe, funktionierte das nicht. Ich kann ja nicht gut die Seite aus mir schneiden, die eine Schauspielerin und eine &amp;ouml;ffentliche Person ist. Ich muss akzeptieren, dass beides zu mir geh&amp;ouml;rt.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dann w&amp;auml;re da noch ihr Reichtum. Ihr pers&amp;ouml;nliches Verm&amp;ouml;gen wird auf &amp;uuml;ber 30 Millionen Euro gesch&amp;auml;tzt, doch als dieses Thema zur Sprache kommt, macht Watson dicht. &amp;raquo;Die Menschen scheinen zu glauben, dass mein Geld das Interessanteste an mir ist. Als ich 13 oder 14 war, hat mich ein Journalist gefragt, ob mein Erfolg bedeute, dass ich nie wieder in meinem Leben f&amp;uuml;r Geld arbeiten m&amp;uuml;sse, und nat&amp;uuml;rlich habe ich das bejaht. Aber was davon blieb, war der Satz &amp;rsaquo;Ich muss nie wieder etwas f&amp;uuml;r Geld tun&amp;lsaquo;. Seitdem glauben viele, dass ich nicht dankbar genug f&amp;uuml;r das Gl&amp;uuml;ck bin, das ich habe. Wenn ich sage, dass Geld keine besondere Rolle in meinem Leben spielt, kommt das manchen hochm&amp;uuml;tig vor.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;[seitenumbruch title=&quot;Prominenz macht alles kompliziert&quot;]&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/53175.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;In den Harry-Potter-Filmen (oben Teil 1) spielt Emma Watson die stets      strebsame&lt;strong&gt; Hermine&lt;/strong&gt;. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;So wie ich gerade lebe, brauche ich nicht viel. Das Haus, in dem ich wohne, habe ich gemietet. Wenn ich reise, wird das von den Filmfirmen bezahlt. Ich habe ein einziges Auto, und zwar ein billiges, weil ich eine f&amp;uuml;rchterliche Fahrerin bin und deswegen nichts Teures zu Schrott fahren will. Im Wesentlichen gebe ich also mein Geld f&amp;uuml;r mein Telefon und meinen Laptop aus. Es ist nicht so, dass ich es f&amp;uuml;r eine Selbstverst&amp;auml;ndlichkeit halte, Geld zu haben, aber ich brauche gerade wirklich nicht viel. Das wird sich sicher &amp;auml;ndern, wenn ich eine Familie gr&amp;uuml;nde und mir ein Haus kaufe und dar&amp;uuml;ber nachdenken muss, welche Ausbildung meine Kinder bekommen sollen.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Hin und wieder, erz&amp;auml;hlt Watson, l&amp;auml;sst sie sich von einer Freundin begleiten, damit sie mitbekommt, was sie alles durchmacht. &amp;raquo;Ich nahm eine Freundin aus England zu einer dieser Filmpreis-Verleihungen mit. Sie ging zusammen mit mir &amp;uuml;ber den roten Teppich, und als wir es endlich ins Geb&amp;auml;ude geschafft hatten, zitterten ihre H&amp;auml;nde vor Aufregung. Freundinnen erinnern mich daran, wie verr&amp;uuml;ckt das Leben oft ist, das ich f&amp;uuml;hre.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ihr Terminplan ist voll. Ende n&amp;auml;chsten Jahres beginnt sie mit den Dreharbeiten zu &lt;em&gt;Die Sch&amp;ouml;ne und das Biest&lt;/em&gt;, und sie ber&amp;auml;t sich mit dem Regisseur Guillermo del Toro. Sie selbst hat sich del Toro als Regisseur ausgesucht &amp;ndash; ein Zeichen nicht nur f&amp;uuml;r ihren Geschmack, sondern auch daf&amp;uuml;r, wie m&amp;auml;chtig sie inzwischen in der Branche ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ist es je vorgekommen, dass ihr etwas in ihrer m&amp;auml;rchenhaft scheinenden Karriere nicht gelungen ist, frage ich sie. Nicht beruflich, sagt sie. Aber es gab doch sicher Entt&amp;auml;uschungen? &amp;raquo;Ja&amp;laquo;, sagt sie mit weicher Stimme, &amp;raquo;es gab sie. Lange Pause. &amp;raquo;Es gab diesen einen Moment, in dem ich gemerkt habe, wie zerbrechlich und menschlich ich bin.&amp;laquo; Noch eine Pause. &amp;raquo;Als ich mir an der Uni eine Auszeit nahm. Ich war so fertig, dass ich wie ein Gespenst aussah. Da habe ich endlich begriffen: Nein, Emma, du kannst nicht zwei Filme drehen, an deinem Abschluss arbeiten, durch die Welt fliegen, um Werbung zu machen. Ich will das nicht zu sehr vertiefen, aber ich bin bei einer alleinerziehenden berufst&amp;auml;tigen Mutter aufgewachsen. Und auch mein Vater, bei dem mein Bruder und ich viel Zeit verbrachten, hatte einen sehr anstrengenden Vollzeitjob. Ich glaube, das alles hat mich stark gemacht.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Watson wurde 1990 in Paris geboren und zog erst 1995, nach der Trennung ihrer Eltern, nach England. Sie und ihr j&amp;uuml;ngerer Bruder Alex lebten bei ihrer Mutter in Oxford, aber besuchten h&amp;auml;ufig ihren Vater in London. Durch die Wiederverheiratung ihrer Eltern bekamen die beiden gleich f&amp;uuml;nf neue Geschwister. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Jetzt kommt eine Frau an den Tisch, um Watson daran zu erinnern, dass gleich das Vorgespr&amp;auml;ch f&amp;uuml;r die Letterman-Show stattfinden soll, die am Nachmittag aufgezeichnet wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sie ist schon einige Male in der Show gewesen und immer noch nerv&amp;ouml;s, weil Letterman keine R&amp;uuml;cksicht auf Absprachen nimmt, sondern fr&amp;ouml;hlich jede Frage stellt, die ihm gerade durch den Kopf geht. &amp;raquo;Das letzte Mal, als ich da war, hatte kurz zuvor Daniel Radcliffe (der Harry-Potter-Schauspieler) eingestanden, dass er alkoholabh&amp;auml;ngig gewesen war, und ich hatte gebeten, nicht dazu befragt zu werden. Nat&amp;uuml;rlich machte sich Letterman einen Spa&amp;szlig; daraus, es dennoch zu tun.&amp;laquo; Und nat&amp;uuml;rlich wird er sie auch an diesem Nachmittag zu ihrem Liebesleben aushorchen wollen, ein Thema, das in Interviews mit Watson sonst tabu ist. Sie selbst hat dar&amp;uuml;ber immer nur sp&amp;auml;rlich Auskunft gegeben, etwa, wie schwer es f&amp;uuml;r sie immer war, sich mit jemandem zu verabreden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Als ich sie darauf anspreche, muss sie lachen. &amp;raquo;Das habe ich gesagt, als ich zw&amp;ouml;lf war, und seitdem wird das st&amp;auml;ndig wiedergek&amp;auml;ut. Wer hat denn bitte mit zw&amp;ouml;lf nicht Schwierigkeiten mit Verabredungen?&amp;laquo; Sie wurde mit einem Kommilitonen in Oxford fotografiert, aber sagt nicht, was sie mit ihm verbindet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Ich wei&amp;szlig; einfach, dass Prominenz alles kompliziert macht. Man kann sich nicht wirklich aussuchen, in wen man sich verliebt, aber bisher habe ich es immer geschafft, mich f&amp;uuml;r M&amp;auml;nner zu interessieren, die ich an der Uni oder jedenfalls nicht in der Filmwelt kennengelernt habe. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Als unsere Interview-Zeit zu Ende geht, sagt sie noch: &amp;raquo;Ich wei&amp;szlig;, wann ich meine R&amp;uuml;stung anlegen muss, und normalerweise bin ich ziemlich gut darin. Aber der Mensch unter dieser R&amp;uuml;stung hat keine besonderen F&amp;auml;higkeiten, blo&amp;szlig; weil er ber&amp;uuml;hmt ist oder eine Menge Geld verdient hat. Ich bin wie jeder andere. Ich versuche herauszufinden, wie das geht &amp;ndash; das Leben.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Emma Watson&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Klar, sie ist weltber&amp;uuml;hmt als Engl&amp;auml;nderin, die in den acht      erfolgreichsten englischen Filmen der letzten Jahre spielte, deren      Vorlagen die derzeit ber&amp;uuml;hmteste englische Schrifstellerin lieferte. Und      doch, dass Watson in Paris geboren wurde und dort f&amp;uuml;nf Jahre lebte, merkt      man, wenn man ihren Namen genauer betrachtet: Emma Charlotte Duerre      Watson. Und so begann ihre Weltkarriere: Sie spielte Schultheater, gewann      mit sieben den ersten Preis beim Gedicht-Vorlesewettbewerb, ihr Theaterlehrer      meldete sie beim Casting zu &lt;em&gt;Harry Potter&lt;/em&gt; an, wo sie sich gegen 4000      Bewerberinnen durchsetzte. Ihre Gagen stiegen enorm, allein zwischen 2007      und 2008 verdiente sie 5,5 Millionen US-Dollar. Seit 1. November l&amp;auml;uft      &lt;em&gt;Vielleicht lieber morgen&lt;/em&gt; in den Kinos.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fotos: dpa, dapd, Reuters&lt;/em&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Emma mit der Ruhe</dc:subject>
    <dc:creator>Ariel Leve</dc:creator>
    <dc:date>2012-11-09T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38607">
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    <title>Das große Herz</title>
    <description>&lt;p&gt;Mit ihrem Film &lt;em&gt;M&amp;auml;nner &amp;hellip;&lt;/em&gt; karikierte sie Rollenklischees,      sp&amp;auml;ter verlor sie die Liebe ihres Lebens. &amp;Uuml;ber die Idee vom idealen Mann kann sich die Regisseurin und Autorin Doris D&amp;ouml;rrie trotzdem vor      allem: am&amp;uuml;sieren. Ein Gespr&amp;auml;ch.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/52257.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;SZ-Magazin: Frau D&amp;ouml;rrie, k&amp;ouml;nnen Sie mit dem Begriff Traummann etwas anfangen?&lt;br /&gt;Doris D&amp;ouml;rrie: &lt;/strong&gt;Ich selber verwende ihn nicht. Aber die Figuren, die ich erfinde, tun es. Zumindest haben sie oft die Vorstellung, dass es so etwas gibt wie den idealen Mann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sind Traummann und Traumfrau vergleichbar &amp;ndash; oder bezeichnen M&amp;auml;nner und Frauen damit jeweils etwas grunds&amp;auml;tzlich anderes?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Uh, wenn man versucht, das zu trennen, sitzt man in der Falle. Man muss schauen, wo der Traum eigentlich herkommt, was er darstellt und warum wir uns so viel mit unseren Tr&amp;auml;umen besch&amp;auml;ftigen. Wir werden ja eigentlich alle immer realistischer. Alles wird sehr pr&amp;auml;zise benannt, die Ambivalenz hat ausgedient. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was meinen Sie damit?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es l&amp;auml;sst sich niemand mehr &amp;uuml;berraschen. Wir machen Pl&amp;auml;ne, strukturieren alles. Und glauben trotzdem, da w&amp;auml;re noch Platz f&amp;uuml;r die romantische Liebe. Kann ja gar nicht gehen. Wenn ich zum Abendessen gehe und mir vorstelle, da sollen drei Kerzen auf dem Tisch stehen und die sollen rot sein &amp;ndash; dann programmiere ich die Entt&amp;auml;uschung. Irgendwas wird an dem Mann schon fehlen aus dem Eigenschaften-Katalog, den ich aufgestellt habe. Ich habe mal f&amp;uuml;r eine Geschichte recherchiert, wie der Traummann in den Internet-Partnerb&amp;ouml;rsen beschrieben wird. Wie viele Adjektive da abgefragt werden! Wie viele Eigenschaften! Das sind Anleitungen zum Hirngespinst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;War das fr&amp;uuml;her anders?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aber ja.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Aber warum?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weil die Reichweite fr&amp;uuml;her nicht so gro&amp;szlig; war. Wenn ich als Teenager eine Vorstellung vom Traummann hatte, hat die gerade mal bis zum Dorfbrunnen gereicht. Heute tauscht sich die ganze Welt &amp;uuml;ber diese scheinbar so dringenden Fragen aus und diskutiert, was der Traummann alles sein soll, was er k&amp;ouml;nnen soll, wie er auszusehen hat. Der ideale Mann. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und wie soll er aussehen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es wird festgelegt, wie gro&amp;szlig; er sein soll, Vegetarierer, Humor, Hobbys. Im Grunde ist diese Idee vom Traummann eine Konsumhaltung: Der ideale Mann ist wie eine Ware. Man kann die Kundenerwartung formulieren und sucht das passende Produkt. Es flirtet ja heute niemand mehr sinnlos vor sich hin. Weil man nicht genau wei&amp;szlig;, wie der andere drauf ist, man hat ja sein Profil noch nicht gelesen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Ist die Welt wirklich so tr&amp;uuml;b?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, in unserem Kulturkreis schon. M&amp;auml;nner und Frauen sind im Umgang miteinander sehr viel vorsichtiger geworden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Auch die jungen Leute?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, ich habe den Eindruck. Ich hatte doch mit Anfang 20 jede Woche einen neuen Freund! Na ja, sagen wir, alle vier Wochen. Man ist damals immer zu zweit aufgetaucht. Das scheint heute keine so gro&amp;szlig;e Rolle mehr zu spielen, es geht mehr um die Gruppe, die Clique.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Worauf f&amp;uuml;hren Sie das zur&amp;uuml;ck? Aufs Internet? Facebook?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auch, klar. Das ist eine Welt, in der man die N&amp;auml;he und das Chaos nicht wagen muss. Wenn&amp;rsquo;s zu eng wird, zu un&amp;uuml;berschaubar, loggt man sich halt aus. Nur ist meine Theorie: Wahre Liebe kann man nur finden, wenn man den Mut zur Katastrophe hat.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Warum?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn man liebt, droht immer der Verlust des geliebten Menschen. Weil die Liebe kaputtgeht. Oder weil man betrogen wird. Oder durch den Tod. Wie viel Zeit man zusammen hat, wei&amp;szlig; man ja nicht. Wenn man den Mut zur Katastrophe nicht hat, ist der Traum vom Traummann ein ziemlich kleiner, sch&amp;auml;biger Traum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Trotzdem suchen alle den einen, den Richtigen. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ist aber total albern. Das bedeutet doch, man vergleicht den einen mit allen anderen. Aber der Vergleich macht immer ungl&amp;uuml;cklich. Und dabei vergleicht man zwangsl&amp;auml;ufig auch sich selbst mit den anderen Frauen. Wenn ich den Supermann finde &amp;ndash; bin ich toll genug f&amp;uuml;r ihn? Da wird&amp;rsquo;s ganz schrecklich schwierig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber stellen sich Frauen diese Frage wirklich?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frauen stellen die sich ganz extrem! In welche Liga geh&amp;ouml;re ich? Was kann ich von dem Mann fordern? Entspreche ich selbst dem Bild der Traumfrau? Wir versuchen st&amp;auml;ndig, uns zu optimieren. M&amp;auml;nner machen das gar nicht &amp;ndash; und wir Frauen bewundern sie daf&amp;uuml;r, dass sie da so frei sind. Ein Mann w&amp;uuml;rde nie denken, hm, f&amp;uuml;r die Frau bin ich vielleicht zu dick.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Der Film, mit dem Sie ber&amp;uuml;hmt geworden sind,&lt;em&gt; M&amp;auml;nner &amp;hellip;&lt;/em&gt;, war 1985 &lt;em&gt;das&lt;/em&gt; Statement &amp;uuml;ber M&amp;auml;nner. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das habe ich damals gar nicht so gemeint. Es war einfach ein Film &amp;uuml;ber zwei M&amp;auml;nner. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie finden Sie aus heutiger Sicht das M&amp;auml;nnerbild, das Sie damals hatten? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es ging ja nicht nur um meins, sondern eher um so ein gesellschaftliches M&amp;auml;nnerbild. Und ich staune, dass ich das ganz gut auf den Punkt gebracht habe. Obwohl ich erst Ende 20 war. Der Film hat eine liebevolle Ironie, zu der ich nach wie vor stehe. So war ja auch der Titel gemeint: Ach, M&amp;auml;nner &amp;hellip;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was f&amp;uuml;r einen Film &amp;uuml;ber M&amp;auml;nner m&amp;uuml;sste man heute machen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Einen Film &amp;uuml;ber zwei Fanatiker vielleicht? Die in einer WG leben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es etwas, worum Sie M&amp;auml;nner beneiden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Manchmal beneide ich sie darum, dass sie Dinge, vor allem im Beruf, nicht so pers&amp;ouml;nlich oder &amp;uuml;bel nehmen. Erbitterte Feinde k&amp;ouml;nnen wieder zu Gesch&amp;auml;ftspartnern werden. M&amp;auml;nner sagen sich Dinge, da w&amp;uuml;rde jede Frau total einknicken, und machen doch zusammen weiter. Sie scheinen ger&amp;uuml;stet wie ein Ritter, wenn sie morgens ins B&amp;uuml;ro reiten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es einen Traummann, auf den sich gerade alle einigen k&amp;ouml;nnen &amp;ndash; den Sie auch gut finden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;N&amp;ouml;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;George Clooney?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ach, Schmarrn. Der sieht gut aus und ist ein guter Schauspieler, das ist sein Job. Warum soll der ein Traummann sein? Nur weil er gute Gene abgekriegt hat und die sich vorteilhaft ausgemendelt haben? Ich bitte Sie!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wird Clooney f&amp;uuml;r einen netten Mann gehalten, weil er gut aussieht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hm, ich glaube eher, sch&amp;ouml;ne M&amp;auml;nner sind immer sofort verd&amp;auml;chtig. Die wissen, dass sie sch&amp;ouml;n sind, und das macht einen schlechten Charakter &amp;ndash; ist doch eine Standardweisheit unter Frauen!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wer war Ihr Traummann als Teenager?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pierre Brice. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Pierre Brice? Oder Winnetou?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Stimmt, eigentlich Winnetou. Wegen seiner guten Eigenschaften. Das gro&amp;szlig;e Drama war, dass ich seinen linken Fu&amp;szlig; nicht hatte.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Seinen linken Fu&amp;szlig;?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vom &lt;em&gt;Bravo&lt;/em&gt;-Starschnitt. Alle anderen Teile hatte ich, in Lebensgr&amp;ouml;&amp;szlig;e. Nur nicht den Fu&amp;szlig;.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;M&amp;ouml;gen Sie M&amp;auml;nner mit Pferden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nicht mehr. Bei M&amp;auml;nnern mit Pferden muss man eigentlich misstrauisch sein. M&amp;auml;nner mit Porsche und M&amp;auml;nner mit Pferd, beides nicht so ganz &amp;hellip; Sie verstehen. Polierte Fingern&amp;auml;gel. Auch M&amp;auml;nner mit sehr kleinen Hunden. Die Herausforderung w&amp;auml;re nat&amp;uuml;rlich, einen sehr gut aussehenden Mann mit Pferd und kleinem Hund, Porsche und polierten Fingern&amp;auml;geln kennenzulernen und trotzdem keine Vorurteile zu haben und sich &amp;uuml;berraschen zu lassen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Gibt es Eigenschaften an M&amp;auml;nnern, die Sie fr&amp;uuml;her sehr wichtig fanden und heute gar nicht mehr?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe immer Wert auf eine gewisse Wildheit gelegt, und fr&amp;uuml;her war mir auch wichtig, dass die &amp;auml;u&amp;szlig;erlich erkennbar ist. Die &amp;auml;u&amp;szlig;erliche Wildheit ist mir heute &amp;uuml;berhaupt nicht mehr wichtig. Die innere schon noch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hatten Sie schon als Jugendliche die Vorstellung von Liebe, wie Sie sie heute haben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ach, das waren ja ganz andere Zeiten. Ich konnte mir nie vorstellen zu heiraten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie aber.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Habe ich, ja. Aber dann doch so, dass es m&amp;ouml;glichst anders war. Bei Navajo-Indianern in New Mexico, ohne Hochzeitskleid, in Cowboy-Stiefeln.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Bis dass der Tod uns scheidet&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/52259.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihr erster Mann, der Kameramann Helge Weindler, ist 1996 an Krebs gestorben. Die Katastrophe hat sich ereignet. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Und sie hat mich letztlich zum Optimisten gemacht. Als mein Mann gestorben ist, wurde mir klar, dass es das gibt: die gro&amp;szlig;e Liebe bis zum Ende. Wenn das Ende fr&amp;uuml;h kommt, hat man Pech gehabt. Aber diese Liebe wurde nicht besch&amp;auml;digt oder klein gemacht durch eine Trennung, durch einen Alltag, der nicht funktioniert. Es war von Anfang bis Ende gro&amp;szlig;. Zehn Jahre.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;War Ihr Mann der ideale Mann f&amp;uuml;r Sie?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wichtig war das Gef&amp;uuml;hl, dass alles m&amp;ouml;glich ist. Dass man sich keine Grenzen setzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gab es Eigenschaften an Ihrem Mann, die Sie entscheidend fanden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich glaube, am ehesten trifft es der Begriff vom gro&amp;szlig;en Herzen. Das hatte er.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Was macht das gro&amp;szlig;e Herz aus?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es ist das Gegenteil von Engstirnigkeit, Geiz, Kleingeistigkeit. Es ist Gro&amp;szlig;z&amp;uuml;gigkeit, auch mit dem anderen: dass er so sein darf, wie &lt;br /&gt; er ist. Dass man seine Schw&amp;auml;chen ertragen kann &amp;ndash; man muss sie nicht akzeptieren, aber ertragen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wollten Sie Ihren Mann jemals ver&amp;auml;ndern?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Kein bisschen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ach, worum geht&amp;rsquo;s denn schon? Um die Zahnpastatube? Oder um wirklich wesentliche Eigenschaften? Erst, wenn Verachtung sich einschleicht, ist es vorbei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie haben Sie es ausgehalten, als er krank wurde?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die wirklich entsetzliche Erfahrung in dieser Zeit war das komplette Verbot von Zukunft. Angst und Hoffnung sind zwei Folterknechte. Wenn man hofft, kommt gleich die Angst hinterher und sagt: nein, nein. Das zerm&amp;uuml;rbt und setzt einen au&amp;szlig;erstande, dem anderen zu helfen, weil man keine Kraft mehr hat. Man muss sich radikal befreien von Angst und Hoffnung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kann man sich das so antrainieren? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Musste ich. Sonst w&amp;auml;re ich aus dem Fenster gesprungen. Ich konnte vor Angst stellenweise nicht mehr atmen. Aber ich hatte eine kleine Tochter zu versorgen und meinem Mann zu helfen. Ich konnte nicht ausfallen. Und ich habe erfahren, wie man dem Augenblick die Chance gibt, schmerzfrei zu sein oder vielleicht sogar gl&amp;uuml;cklich. Was einem immer bleibt, ist die Gegenwart.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie lang wussten Sie, dass es keine Hoffnung gibt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es hie&amp;szlig; st&amp;auml;ndig: noch vier Wochen. Oder doch zwei Monate vielleicht. Dann noch drei Monate. Am Ende waren es drei Jahre. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Was erinnert Sie heute im Alltag an Ihren verstorbenen Mann?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;An ihn erinnert mich jeden Tag das Licht. Weil er als Kameramann und Fotograf mit Licht gearbeitet hat und es auf eine bestimmte Art und Weise gesehen hat. Ich brauche nur einen Tisch anzusehen, auf den ein Sonnenstrahl f&amp;auml;llt, das erinnert mich an ihn.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Erinnern Sie sich gern an ihn?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, sehr. Aber es dauert lang, bis man &amp;uuml;ber den Verlust so weit hinweg ist, dass die Erinnerung nicht jedes Mal so weh tut. Es ist ein ewiger Prozess, irgendwann integriert man den Schmerz. Und wenn man, als Hinterbliebener, so durchl&amp;auml;ssig wird, so viel Schmerz f&amp;uuml;hlt, f&amp;uuml;hlt man auch mit anderen st&amp;auml;rker mit. Der Schmerz macht uns zu Menschen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben seit 14 Jahren einen neuen Partner, Martin Moszkowicz. Sind Sie verheiratet?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Aber es macht auch keinen Unterschied. Ich nenne ihn trotzdem meinen Mann. Ich konnte mich vielleicht nur deshalb ein zweites Mal mit aller Macht verlieben, weil ich mit der Liebe nur gute Erfahrungen gemacht hatte. Auch mein zweiter Mann hat ein sehr gro&amp;szlig;es Herz.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;H&amp;auml;tten Sie sich ein Leben allein auch vorstellen k&amp;ouml;nnen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Allein nicht, aber ohne Partner schon. Das ist ja ein Teil der Liebe: die Unf&amp;auml;higkeit, allein zu sein. Wir Frauen sind erst seit 50 oder 60 Jahren &amp;ouml;konomisch nicht mehr darauf angewiesen, mit M&amp;auml;nnern zusammenzuleben. Und da stellt sich die Frage noch viel mehr: Warum tr&amp;auml;umt man &amp;uuml;berhaupt von der Liebe? Weil man nicht allein sein kann?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und &amp;ndash; was glauben Sie?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich glaube, wir Menschen sind so gebaut, dass wir lieber zusammen sind als allein. In anderen L&amp;auml;ndern, in Lateinamerika, in Afrika, ist niemand allein. Wer da in einer Ecke sitzt und ein Buch liest, ist ein Sonderling. Bei uns ist das Alleinsein normal geworden. Man kann dabei das Zusammenleben verlernen: Auf einmal nervt alles, man ertr&amp;auml;gt keine N&amp;auml;he mehr.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sich zu verlieben, weil man nicht allein sein kann &amp;ndash; das hat mit dem anderen Menschen nicht so viel zu tun, oder? Eine egozentrische Perspektive.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Liebe hat ganz oft nicht so viel mit dem anderen zu tun. Wir wissen alle, dass die romantische Liebe eine Erfindung des 18. Jahrhunderts ist. Das war neu, dass man auf einmal nur wegen der Gef&amp;uuml;hle mit jemandem zusammensein wollte. Vorher hatte das Ganze eine glasklare sozial&amp;ouml;konomische Notwendigkeit. Und unsere Sprache ist immer noch so: Wir investieren in eine Partnerschaft, und wenn wir nichts zur&amp;uuml;ckbekommen, taugt sie nichts. Die Rechnungen, die wir aufmachen, m&amp;uuml;ssen aufgehen. Das ist auch eine gute Methode, um permanent ungl&amp;uuml;cklich zu sein. Denn wie schaffe ich es, dass sich alles st&amp;auml;ndig lohnt? Und wenn es sich nicht lohnt, dann ist es mein Fehler. Dann war ich nicht d&amp;uuml;nn genug. Nicht interessant genug, nicht blond genug, nicht l&amp;auml;ssig genug. Meine Schuhe waren zu flach. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es etwas, was Ihnen an den M&amp;auml;nnern immer noch ein R&amp;auml;tsel ist? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich empfinde M&amp;auml;nner nicht als so fundamental anders. Wir unterscheiden uns in ein paar wesentlichen Dingen, zum Gl&amp;uuml;ck, aber wir haben die gleichen Emotionen. Alles andere ist Verhandlungssache. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Stimmt es nicht, dass M&amp;auml;nner viel wehleidiger sind als Frauen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ach, wei&amp;szlig; ich nicht. Ist auch so ein Klischee. In einer Beziehung hat man oft seine Muster einge&amp;uuml;bt: Die Frau wei&amp;szlig;, wo das Pflaster ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum ist nach all dem, was in den letzten Jahren passiert ist, die Rollenverteilung doch so geblieben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich kann das aus meinen Erfahrungen mit meinen M&amp;auml;nnern nicht best&amp;auml;tigen. Man kann das doch als Spiel betrachten. Vielleicht ist es ganz sch&amp;ouml;n, wenn das in einer Beziehung so verteilt ist, dass der Mann jammern darf und die Frau wei&amp;szlig;, wo das Pflaster ist. Aber man kann das doch auch umdrehen, die Freiheit hat man ja. Damit habe ich sehr gute Erfahrungen. Aber gesellschaftlich sind wir immer noch festgefahren in Rollenvorstellungen, das stimmt. Da bewegen wir uns sogar r&amp;uuml;ckw&amp;auml;rts. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie erkl&amp;auml;ren Sie sich das?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mit Angst. Mit &amp;ouml;konomischer Angst. Angst vor wirtschaftlichem R&amp;uuml;ckschritt. Die hat viele in alte Muster zur&amp;uuml;ckkatapultiert. Wenn man Angst hat, wird man spie&amp;szlig;ig, altmodisch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hei&amp;szlig;t das, die Unabh&amp;auml;ngigkeit der Frau funktioniert nur in wirtschaftlich guten Zeiten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, und dar&amp;uuml;ber reden wir ja auch schon ewig. Wir sind &amp;ouml;konomisch sehr anf&amp;auml;llig, wenn das gro&amp;szlig;e Geld weiter M&amp;auml;nnerangelegenheit ist. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Als Sie Ihre Familie gegr&amp;uuml;ndet haben &amp;ndash; hatten Sie einen anderen Anspruch an einen Mann und die Beziehung als heute?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Man muss in der Familiengr&amp;uuml;ndungsphase sehr viel mehr managen. Die Frage &amp;raquo;Ist wirklich Milch im K&amp;uuml;hlschrank?&amp;laquo; ist zu der Zeit essenziell. Jetzt ist sie nicht mehr wichtig. Jetzt muss man aufpassen, dass man sich nicht aus den Augen verliert. Die Beziehung ist ja noch freiwilliger. Man schaut sehr genau: Was wollen wir zusammen machen, wie viel Spa&amp;szlig; haben wir aneinander?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Was machen Sie gern mit Ihrem Mann zusammen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ach, wir gurken so viel in der Weltgeschichte rum &amp;ndash; da sitzen wir zur Abwechslung am liebsten auf der Couch und machen nix. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;K&amp;ouml;nnen Sie das: einfach gar nichts machen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sehr gut. Es gibt ein japanisches Haiku, das geht so: &amp;raquo;Still sitzend, nichts tuend &amp;ndash; der Fr&amp;uuml;hling kommt, und das Gras w&amp;auml;chst von alleine.&amp;laquo; Die lustige Sinnlosigkeit scheint mir zu kurz zu kommen. Sinnloses Zusammensein wird abgeschafft: endloses Mittagessen in Frankreich, stundenlanges Rumliegen nachmittags in Spanien. Wenn wir es nicht mehr schaffen, sinnlos miteinander Zeit zu verbringen, entfallen auch viele M&amp;ouml;glichkeiten f&amp;uuml;r die Liebe.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Haben Sie noch Tr&amp;auml;ume? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Daf&amp;uuml;r habe ich meine Stellvertreter, die Filmfiguren. Ich selbst h&amp;uuml;te mich vor Tr&amp;auml;umen, ich verliere mich wenig in Dingen, wie ich sie gern h&amp;auml;tte oder wie sie sein sollten. Ich versuche, da zu sein, wo ich bin. Und ich habe genug damit zu tun, mir vorzustellen, was meine Figuren tun. Aus was f&amp;uuml;r einem Glas w&amp;uuml;rde sie jetzt trinken? Ingwerwasser oder Martini? Was f&amp;uuml;r einen Pullover hat sie an und was bedeutet es, dass sie Lederflicken auf dem Pullover hat? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Warum h&amp;uuml;ten Sie selbst sich vor Tr&amp;auml;umen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn man sich st&amp;auml;ndig in der Zukunft aufh&amp;auml;lt, verpasst man die Gegenwart. Jede Form von Traum bedeutet eine Entt&amp;auml;uschung f&amp;uuml;r die Gegenwart. Ich versuche zu schauen: Was entdecke ich in dieser Gegenwart? Das halte ich f&amp;uuml;r erstrebenswert und das versuche ich auch zu &amp;uuml;ben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;DORIS D&amp;Ouml;RRIE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sagen wir, in Deutschland gibt es f&amp;uuml;nf Regisseure      von Rang &amp;ndash; dann geh&amp;ouml;rt&lt;br /&gt;der Name unbedingt auf die Liste: Doris      D&amp;ouml;rrie, geboren 1955 in Hannover.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1985 explodierte ihre      Karriere mit dem Film &lt;em&gt;M&amp;auml;nner &amp;hellip;&lt;/em&gt; (die Hauptdarsteller Heiner Lauterbach und      Uwe Ochsenknecht sind ihr bis heute dankbar &amp;ndash; der Film hat sie zu Stars      gemacht), danach kamen Erfolge wie &lt;em&gt;Ich und Er&lt;/em&gt;, &lt;em&gt;Bin ich sch&amp;ouml;n?&lt;/em&gt; und &lt;em&gt; Kirschbl&amp;uuml;ten &amp;ndash; Hanami&lt;/em&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neben ihren 30 Filmen hat D&amp;ouml;rrie r&amp;auml;tselhafterweise      die Zeit gefunden, auch B&amp;uuml;cher zu schreiben, bisher sind 22      erschienen, darunter Kinderb&amp;uuml;cher, Erz&amp;auml;hlungen und zuletzt der      Roman &lt;em&gt;Alles inklusive&lt;/em&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1996 starb ihr Mann Helge Weindler, mit      dem sie eine Tochter hat. Seit 1998 ist sie mit dem      Constantin-Gesch&amp;auml;ftsf&amp;uuml;hrer Martin Moszkowicz liiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im      Augenblick befindet sich Doris D&amp;ouml;rrie in Mexiko, um einen neuen      Film zu drehen.     &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Das große Herz</dc:subject>
    <dc:creator>Max Fellmann und Gabriela Herpell (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2012-10-11T17:00:00+01:00</dc:date>
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  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38113">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38113</link>
    <title>»Frauen sind schnell beleidigt«</title>
    <description>&lt;p&gt;Wie ist es eigentlich, wenn man immer      und &amp;uuml;berall die Sch&amp;ouml;nste ist? Ein Gespr&amp;auml;ch mit Sophie      Marceau &amp;uuml;ber Eitelkeit, Neid und SCHNEEWITTCHEN.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/50787.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Frau Marceau, bei &lt;em&gt;Schneewittchen&lt;/em&gt; sind Neid und Eitelkeit die beherrschenden Motive. Darum gleich die Frage, auch wenn sie wenig charmant ist: Sind Sie eitel?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sophie Marceau:&lt;/strong&gt; Ja. Nur ein Beispiel: Wenn ich mein Gesicht in Gro&amp;szlig;aufnahme auf der Leinwand sehe und wenn dann jede Falte eine L&amp;auml;nge von mindestens zwei Metern hat, ist das ein Anblick, der mir zu schaffen macht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist das der Moment, in dem Sie Botox in Erw&amp;auml;gung ziehen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Das ist der Moment, in dem ich beim Beleuchter ein schmeichelhafteres Licht einfordere. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Dabei k&amp;ouml;nnten Sie doch ganz beruhigt sein. Sie sind jetzt 45, sehen aber aus wie 30. Schauspielerinnen sagen an dieser Stelle gern, das l&amp;auml;ge an den Genen und f&amp;uuml;nf Litern Wasser am Tag.&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Papperlapapp. Das ist vor allem harte Arbeit. Ich gehe fr&amp;uuml;h schlafen und selten aus. Oft liege ich schon im Bett, w&amp;auml;hrend die Kinder noch auf sind. Ich esse diese ganzen schrecklich gesunden Sachen, ich mache viel Sport, und wenn ich drei Kilo zugenommen habe, kriege ich schlechte Laune. Ich habe sogar das Rauchen aufgegeben, was mir wirklich nicht leicht fiel. Nur der Rotwein, der bleibt. Ich bin Franz&amp;ouml;sin.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Machen Sie das, weil von Ihnen als Schauspielerin erwartet wird, makellos auszusehen?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Ich stehe vor der Kamera, seit ich 13 bin. Die l&amp;auml;ngste Zeit meines Lebens. Da wei&amp;szlig; man irgendwann nicht mehr, ob man das macht, weil man muss oder weil man so ist. Ich bilde mir ein, ich bin so. So vern&amp;uuml;nftig, so diszipliniert. Ich kenne es nicht anders. Meine Eltern haben es mir vorgelebt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihre Mutter war Verk&amp;auml;uferin, Ihr Vater Lastwagenfahrer. Was haben sie Ihnen vorgelebt?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Richtige Malocher waren sie, reell, ehrlich. Mit einem gro&amp;szlig;en Ethos. Es war oft anstrengend f&amp;uuml;r sie, aber sie waren unglaublich stolz auf ihre Arbeit, wollten sie immer so gut wie m&amp;ouml;glich machen. Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Mutter einmal zu sp&amp;auml;t kam. Wie soll ich sagen: Meine Maschine bin ich selber. Und die muss funktionieren und gut gewartet werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie ist das eigentlich, wenn man immer die H&amp;uuml;bscheste von allen ist?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wie kommen Sie darauf? Ich finde, ich sehe okay aus. H&amp;uuml;bsch, aber nicht bedrohlich h&amp;uuml;bsch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Immerhin waren Sie schon mit zw&amp;ouml;lf bei einer Model-Agentur unter Vertrag. Wessen Idee war das?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Meine, ich wollte mir ein bisschen Taschengeld dazuverdienen. Mal ins Kino gehen, mal was zum Anziehen kaufen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie w&amp;auml;re es mit Zeitungaustragen gewesen, Babysitten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Babysitten bei uns im Viertel,  bei all den Leuten, die genauso wenig Geld hatten wie wir? Im Supermarkt um die Ecke habe ich gefragt, ob ich Kisten auspacken k&amp;ouml;nnte. Sie sagten, ich sei noch zu klein, zu schwach. In der Zeitung habe ich dann eine Anzeige gefunden von dieser Model-Agentur. Wie praktisch, sie lag gleich gegen&amp;uuml;ber von dem Kaufhaus, in dem meine Mutter arbeitete. Sie war dagegen, meinte, das w&amp;uuml;rde doch sowieso nichts bringen.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und? Brachte es was? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich wurde nicht ein einziges Mal gebucht. Meine Mutter war w&amp;uuml;tend. Um in die Agentur aufgenommen zu werden, musste man Fotos machen lassen. Die waren teurer als unsere Weihnachtsgeschenke.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Dann kam La Boum, und Sie wurden zum begehrtesten Teenager der Welt, und alle Jungs hatten nur noch Augen f&amp;uuml;r Sie. Wie fanden Ihre Mitsch&amp;uuml;lerinnen das? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die kannten mich ja schon vorher, das machte es einfacher. Ich war eine von ihnen, die es zuf&amp;auml;llig geschafft hatte, beim Film zu landen. Die kleinen Biester witterten ihre Chance. Fragten: &amp;raquo;Hey, Sophie, du sitzt jetzt doch an der Quelle. Kannst du mir nicht auch einen Job besorgen?&amp;laquo; Schlimm wurde es, als wir aus dem Vorort nach Paris zogen. Ich wechselte auf ein privates Gymnasium, das funktionierte &amp;uuml;berhaupt nicht, dann ging ich wieder auf eine staatliche Schule, was es nicht besser machte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was war denn so schlimm?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich war Sophie Marceau! DAS war schlimm. Eine Marke, eine Projektionsfl&amp;auml;che, nicht von dieser Welt. Zwischen mir, Sophie Maupu, wie ich eigentlich hei&amp;szlig;e, und diesem Kunstprodukt da klaffte eine L&amp;uuml;cke so breit wie eine Schlucht, die sich nicht schlie&amp;szlig;en lie&amp;szlig;. Neid, Hass, das ganze Programm. Alles drehte sich ja nur um mich. Mir war das unangenehm, und die anderen waren genervt. Ich wurde angestarrt, aber niemand redete mit mir, weil keiner wusste, wie er mich ansprechen sollte. Mit 17 konnte ich nicht mehr und verlie&amp;szlig; die Schule.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie ist das bei Ihnen? Sind Sie neidisch? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich halte Neid f&amp;uuml;r eine legitime Gef&amp;uuml;hls&amp;auml;u&amp;szlig;erung. So menschlich. Nichts, wof&amp;uuml;r man sich sch&amp;auml;men m&amp;uuml;sste. Wir werden doch schon fr&amp;uuml;h darauf konditioniert. Ich war neidisch, wenn mein Bruder mehr auf dem Teller hatte als ich. Oder er eine neue Hose bekam und ich nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sind Frauen dabei extremer als M&amp;auml;nner?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wei&amp;szlig; ich nicht, ich kenne beides. M&amp;auml;nner gehen sportlicher damit um. Es spornt sie an, wenn jemand besser ist als sie. Frauen stellen sich gleich mal infrage. Warum bin ich nicht so gut wie die? Was ist falsch an mir? Und damit das keiner merkt, ziehen sie &amp;uuml;ber die andere her. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Val&amp;eacute;rie Trierweiler, die Lebensgef&amp;auml;hrtin des neuen franz&amp;ouml;sischen Pr&amp;auml;sidenten Fran&amp;ccedil;ois Hollande, hetzte &amp;ouml;ffentlich gegen seine Ex-Partnerin S&amp;eacute;gol&amp;egrave;ne Royal. Ist das typisch weiblich?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Absolut! Und sehr franz&amp;ouml;sisch dazu. Ich kann beide Frauen nicht ausstehen. Aber in dem Fall geh&amp;ouml;rt meine Sympathie Madame Trierweiler. Was f&amp;uuml;r eine Show! Ganz gro&amp;szlig;es Kino. Ich liebe solche Dramen, das hat schon was von Shakespeare. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie muss man sich das bei Ihnen vorstellen? Sie sitzen mit Ihrem Mann Christopher Lambert, der mal der Highlander war, auf der Couch, schauen Filme und l&amp;auml;stern &amp;uuml;ber Kollegen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich rege mich gern auf. Und &amp;auml;rgere mich ma&amp;szlig;los, wenn ich einen guten Film sehe und es spielt jemand mit, der &amp;uuml;berhaupt nicht spielen kann. Was f&amp;uuml;r eine Verschwendung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Denken Sie manchmal: Die Rolle, die Juliette Binoche spielt oder Julie Delpy, h&amp;auml;tte ich auch gern gehabt? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;So denke ich nicht. Sie wissen doch, ich bin sehr vern&amp;uuml;nftig. Neid f&amp;uuml;hrt einem auch immer die eigene Unzul&amp;auml;nglichkeit vor Augen. Und ich bin, wenn man so will, eine ungelernte Arbeitskraft. Ohne Schulabschluss, ohne klassische Theaterausbildung. Auch nach 30 Jahren in diesem Job bin ich manchmal unsicher, denke, irgendwann kommt mir jemand drauf, dass ich eigentlich gar nichts kann. Wenn ich das Handwerk gelernt h&amp;auml;tte, w&amp;uuml;rde ich mich vielleicht etwas sicherer f&amp;uuml;hlen. Wenn ich eine Juliette Binoche oder Julie Delpy um etwas beneide, dann darum: Sie kommen aus einem intellektuellen Umfeld oder gingen auf eine Schauspielschule, sie wurden ganz anders vorbereitet. Bei uns zu Hause gab es keine B&amp;uuml;cher. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Als Sie anfingen, wer hat Sie unterst&amp;uuml;tzt? Hatten Sie eine Mentorin?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sie meinen, Catherine Deneuve hat mich an angerufen und gesagt: &amp;raquo;Kindchen, ich geb dir mal einen guten Rat&amp;laquo;? Am&amp;uuml;sante Vorstellung! Alles, was ich wei&amp;szlig;, wei&amp;szlig; ich von M&amp;auml;nnern. In der Zeit der La Boum-Filme war es Claude Pinoteau, der Regisseur. Wir waren auf Reisen, um den Film vorzustellen. Er zeigte mir die Welt. Dann kam Andrzej Zulawski, der Vater meines Sohnes. Wir waren 17 Jahre zusammen. Er war viel &amp;auml;lter und viel kl&amp;uuml;ger als ich. Er brachte mich zum Denken. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Als Chefin bin ich wie ein Mann.&amp;laquo;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie &amp;uuml;berhaupt Freundinnen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Oh ja. Es werden immer mehr, je &amp;auml;lter ich werde. Ich komme gut mit ihnen zurecht. Mir gef&amp;auml;llt das Kaprizi&amp;ouml;se an den Frauen, sie wollen immer alles analysieren, in die Tiefe gehen, alles ergr&amp;uuml;nden. Eine Frau redet nie einfach so mit einem, wie das M&amp;auml;nner tun, sie will immer mehr, eine Verbindung schaffen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Mit wem arbeiten Sie lieber? M&amp;auml;nnern oder Frauen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mit M&amp;auml;nnern ist es effizienter. Alles, was ich an Frauen sch&amp;auml;tze, finde ich beim Arbeiten hinderlich. Sie haben Befindlichkeiten, vermischen Privates mit Beruflichem, nehmen alles so pers&amp;ouml;nlich und sind schnell beleidigt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zwei Mal haben Sie selbst Regie gef&amp;uuml;hrt. Wie sind Sie als Chefin? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wie ein Mann. Sehr cheffig. Das Filmgesch&amp;auml;ft ist sehr hierarchisch aufgebaut und wird immer noch von M&amp;auml;nnern dominiert. Wenn ihr Vorgesetzter mal eine Frau ist, testen sie aus, wie weit sie gehen k&amp;ouml;nnen. Sie verhalten sich wie meine Kinder. Man versucht es erst auf die sanfte Tour. &amp;raquo;W&amp;uuml;rdest du bitte dein Zimmer aufr&amp;auml;umen?&amp;laquo; Das wiederholt man f&amp;uuml;nf Mal. Passiert nat&amp;uuml;rlich nichts. Beim sechsten Mal haut man auf den Tisch. Und pl&amp;ouml;tzlich geht&amp;rsquo;s. Beim Film haue ich gleich auf den Tisch. Wie die M&amp;auml;nner auch. Klare Ansagen, schnelle Entscheidungen. Niemals z&amp;ouml;gern. Niemals.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W&amp;auml;ren die Frauen weiter, wenn sie untereinander solidarischer w&amp;auml;ren?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mich regt es auf, dass mit &amp;raquo;weiter&amp;laquo; nur die gro&amp;szlig;e Karriere gemeint ist. Da, wo ich herkomme, haben die Frauen immer gearbeitet. Das hatte nichts mit Emanzipation zu tun. Es war eine Notwendigkeit. Als mein Bruder und ich klein waren, hat meine Mutter zwar pausiert, aber sie fing wieder an zu arbeiten, als ich sechs wurde. Wenn wir aus der Schule kamen, passten Nachbarn auf uns auf. Das verstehe ich unter Solidarit&amp;auml;t. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben auch in Hollywood gearbeitet, spielten in &lt;em&gt;James Bond 007 &amp;ndash; Die Welt ist nicht genug&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Braveheart&lt;/em&gt;. Ist dort der Druck, gut auszusehen, gr&amp;ouml;&amp;szlig;er als in Frankreich?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es ist schrecklich. F&amp;uuml;r Frauen &amp;uuml;ber 40 ist es dort eine Katastrophe. Ich bin froh, dass alle Drehb&amp;uuml;cher, die mir angeboten werden, so schlecht sind. Da f&amp;auml;llt es mir leicht abzusagen. Ich mag nicht arbeiten in einem Land ohne Geschichte. Wo das gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Kulturgut die Jeans ist, die ja streng genommen von einem Deutschen erfunden wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was genau ist die Katastrophe?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hollywood arbeitet mit Stereotypen. Man wird lebenslang festgelegt. Einmal sexy, immer sexy. Und wenn man wie Meg Ryan mit 50 immer noch die s&amp;uuml;&amp;szlig;e Kleine sein soll, wird es l&amp;auml;cherlich. Und dann lassen viele etwas an sich machen, Botox, Sch&amp;ouml;nheitsoperationen, und es wird noch l&amp;auml;cherlicher. Man sieht es ja immer. Und es sieht nie besser aus. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In Frankreich d&amp;uuml;rfen Schauspielerinnen in W&amp;uuml;rde altern?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich bilde es mir zumindest ein. Carla Bruni sieht aus, als wolle sie den Alterungsprozess aufhalten. Was ist mit ihr passiert? Von allem zu viel.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In Ihrem Land werden auch sch&amp;ouml;ne Frauen ernst genommen, d&amp;uuml;rfen Politikerinnen sich elegant kleiden und wie Frauen aussehen. Unsere Kanzlerin Angela Merkel wird &amp;ouml;ffentlich gegrillt, wenn ihr Kleid einen Ausschnitt hat.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ach, das lag an Sarkozy. Der hat sich die ganzen h&amp;uuml;bschen Dinger ins Parlament geholt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist Sch&amp;ouml;nheit heute wichtiger als vor 30 Jahren? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es geht um nichts anderes mehr. Interessiert irgendwen mein neuer Film? Nein. Das Einzige, was interessiert, ist, welches Kleid ich bei der Premiere trage. Das sind halt die Mechanismen des Kapitalismus. Das Gesch&amp;auml;ft mit der Sch&amp;ouml;nheit wird ausgeschlachtet, und jeder verdient daran. Nur ich nicht.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Und damit Sie auf dem roten Teppich besonders h&amp;uuml;bsch aussehen, engagieren Sie einen Stylisten, der sich um Ihre Garderobe k&amp;uuml;mmert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wollen Sie mich beleidigen? Sprachen wir nicht eben &amp;uuml;ber die Selbstbestimmung der Frau? Und dann soll ich mich f&amp;uuml;hlen wie eine Dreij&amp;auml;hrige, der von Mutti die Anziehsachen rausgelegt werden? Das kriege ich gerade noch selber hin. Auch ohne Abitur.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Interessiert Sie Mode?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Doch. Ich ziehe mich gern h&amp;uuml;bsch an, mache mich auch gern zurecht, wenn es der Anlass erfordert. Das ist Teil meines Jobs, und Sie wissen ja, ich bin eine gewissenhafte Arbeiterin. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie ist das bei Ihren Kindern? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Meinem Sohn, er ist 17, ist das alles zu viel. Diese Marken, dieser Labelwahn, er verweigert sich komplett. K&amp;uuml;rzlich waren wir bei Lacoste, Schlussverkauf. Ich wollte ihm ein paar Polo-Shirts kaufen. Er schaute mich entgeistert an und sagte: &amp;raquo;Mama, spinnst du, ich lauf doch nicht umsonst Werbung f&amp;uuml;r die.&amp;laquo; Das fand ich gut.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zum Schluss noch eine gemeine Frage: Was passiert, wenn Ihre Tochter h&amp;uuml;bscher wird als Sie?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Noch besteht keine Gefahr. Sie ist erst zehn. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/50587.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;strong&gt; Sophie Marceau&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;&amp;raquo;La  Boum - die Fete&amp;laquo; machte die 13-J&amp;auml;hrige 1980      zum Teeniestar. Um ihr  Image loszuwerden, spielte sie 1988 in dem      Erotikfilm &lt;/em&gt;&lt;em&gt;&amp;raquo;Abstieg zur H&amp;ouml;lle&amp;laquo; - mit Claude Brasseur als ihrem      Ehemann, der in &lt;/em&gt;&lt;em&gt;&amp;raquo;La Boum&amp;laquo; noch ihren Vater gab. Danach war sie auch in internationalen Produktionen zu sehen wie &amp;raquo;&lt;/em&gt;&lt;em&gt;Braveheart&amp;laquo; und dem Bond-Film &lt;/em&gt;&lt;em&gt; &amp;raquo;Die Welt ist nicht genug&amp;laquo;. Inzwischen dreht sie vor allem in  Frankreich.      Am 20. September kommt &amp;raquo;Und nebenbei das gro&amp;szlig;e Gl&amp;uuml;ck&amp;laquo;  in die      Kinos, eine Liebesgeschichte zwischen der reichen Frau eines  Managers      und einem verarmten Jazzmusiker - eine K&amp;ouml;modie mit viel  Slapstick. Seit 2007 ist Sophie Marceau mit dem Schauspieler Christopher       Lambert (&amp;raquo;Highlander&amp;laquo;) zusammen. Vor Kurzem haben sie geheiratet.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fotos: dpa&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Frauen sind schnell beleidigt«</dc:subject>
    <dc:creator>Christine Mortag (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2012-09-06T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

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    <title>Nur die Ruhe</title>
    <description>&lt;p&gt;Wenn es im Film ganz, ganz still ist&amp;hellip; h&amp;ouml;ren wir immer dieselbe Stille.      Ein Tontechniker hat sie vor 50 Jahren aufgenommen. Und, pssst: Seitdem      wird sie praktisch st&amp;auml;ndig verwendet.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/48803.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Von irgendwoher summt es immer, oder raschelt, brummt, dr&amp;ouml;hnt, knistert, scheppert. Die Welt ist voller Nebenger&amp;auml;usche, die von Autos, Flugzeugen, Computern, Nachbarskindern, Kirchenglocken, Stra&amp;szlig;enarbeitern, dem Wind, dem K&amp;uuml;hlschrank erzeugt werden. Ein Grundrauschen, das einen st&amp;auml;ndig umgibt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wenn der Ger&amp;auml;uschpegel niedriger wird, in der Nacht oder auf dem Land, h&amp;ouml;rt man eine Uhr ticken, eine Fliege summen, Vogelzwitschern. Denn merkw&amp;uuml;rdig: Um Stille zu h&amp;ouml;ren, sie &amp;uuml;berhaupt bewusst wahrzunehmen, braucht es ein Ger&amp;auml;usch, ein leises, das man nur h&amp;ouml;rt, weil sonst nichts zu h&amp;ouml;ren ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Mehr Stille w&amp;auml;re entsetzlich still. Mehr Stille ertr&amp;auml;gt man kaum. Das kennt man aus Filmen. Aus &lt;em&gt;Spiel mir das Lied&lt;/em&gt; vom Tod zum Beispiel. Wie rasend zirpen die Grillen in der Mittagshitze, Maureen, die Tochter, deckt den Tisch f&amp;uuml;rs Fest und summt &lt;em&gt;Danny Boy&lt;/em&gt;. Dann pl&amp;ouml;tzlich: Totenstille. Eine Minute lang, wie eine Ewigkeit. V&amp;ouml;gel fliegen auf, ein Schuss f&amp;auml;llt, die Tochter schwankt, die ganze Familie wird erschossen. Wenn man nichts mehr h&amp;ouml;rt, wird es unheimlich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Also h&amp;ouml;rt man meistens was im Film. Auch wenn man nur Landschaft sieht oder Menschen, die nicht reden und auch sonst keinen Krach machen. Es l&amp;auml;uft dann Musik. Oder der Wind pfeift, V&amp;ouml;gel singen, Hunde bellen, der Hahn kr&amp;auml;ht. Alle zwei Sekunden ein neues Ger&amp;auml;usch. Denn anders als in der Wirklichkeit vermischen sich die T&amp;ouml;ne im Film nicht miteinander zu diesem Grundrauschen, sondern werden aneinandergereiht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Was nicht w&amp;auml;hrend der Dreharbeiten aufgenommen wurde und eine gute Tonqualit&amp;auml;t hat, wird erst beim Vertonen des Films unterlegt und kommt aus der Konserve &amp;ndash; als Aufzeichnung eines Tons auf Band. Und weil viele Tondesigner dieselben T&amp;ouml;ne verwenden, h&amp;ouml;rt man immer wieder dasselbe Hundegebell, dasselbe Telefonklingeln, dasselbe T&amp;uuml;rquietschen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der Ton passt dann zum Bild, zur Atmosph&amp;auml;re, aber manchmal hat er mit der Situation, die gezeigt wird, nicht allzu viel zu tun. Zum Beispiel der Falke: Er gleitet durch die Luft und ruft, einmal, zweimal. Ein leiser Ruf ist es, ein Ruf wie ein Seufzer. G&amp;auml;nsehaut.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Zwei Sekunden lang ist der Ruf des Falken. Er hei&amp;szlig;t &amp;raquo;Bird Hawk Single Screech PE020801&amp;laquo; und geh&amp;ouml;rt seit mehr als 50 Jahren zu den beliebtesten Sound-Effekten. Tondesigner aus aller Welt greifen st&amp;auml;ndig auf den Falken zur&amp;uuml;ck, wenn sie einen Vogelruf brauchen, der die Weite der Landschaft hervorhebt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ihre T&amp;ouml;ne finden die Sound-Designer auf CD-Reihen wie der &lt;em&gt;Premiere Edition&lt;/em&gt; der Tonbibliothek Hollywood Edge, auf der Tausende Spezialeffekte preisgekr&amp;ouml;nter Spielfilme zusammengefasst sind, darunter auch weniger stereotype als der Falke, zwitschernde V&amp;ouml;gel oder Hundegebell. &amp;raquo;Book&amp;laquo;: Buchseiten rascheln beim Umbl&amp;auml;ttern. Oder &amp;raquo;Handle turns&amp;laquo; &amp;ndash; der T&amp;uuml;rknauf, der sich dreht. &amp;raquo;Hamburger, frying&amp;laquo;: Eine Frikadelle br&amp;auml;t in der Pfanne. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sound-Designer brauchen unendlich viel Material. Denn im Film h&amp;ouml;rt man alles, was sich ereignet. Auch Dinge, die in Wirklichkeit kaum ein Ger&amp;auml;usch machen &amp;ndash; Schritte, wenn einer &amp;uuml;ber die Stra&amp;szlig;e l&amp;auml;uft. Regen, der aufs Pflaster prasselt. Im Film knarren Holzdielen, klappern Fenster im Wind, quietschen T&amp;uuml;ren immer laut und deutlich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der amerikanische Sound-Designer Peter Michael Sullivan, der den Ton f&amp;uuml;r Filme von James Cameron und Wolfgang Petersen gemacht hat, sagt: &amp;raquo;Sound-Design ist etwas, was den Zuschauern gar nicht bewusst ist. Aber es hat einen sehr starken Einfluss darauf, wie sie die Bilder und infolgedessen die ganze Geschichte, die sie sehen, erleben.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; In Brokeback Mountain, einem Western aus dem Jahr 2005, verlieben sich zwei Cowboys ineinander. Am Morgen nach einer dramatischen Nacht reitet der eine, gespielt von Heath Ledger, ins Gebirge und sieht nach den Schafen, die er eigentlich h&amp;auml;tte h&amp;uuml;ten sollen. Es ist kalt und st&amp;uuml;rmisch, der Sattel knarzt. Man denkt, sch&amp;ouml;ne Landschaft, aber ziemlich ungem&amp;uuml;tlich. Dann ruft der Falke. Und man denkt, was f&amp;uuml;r eine weite, was f&amp;uuml;r eine gro&amp;szlig;artige Landschaft! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es funktioniert also. Das Bild, vom Ruf des Vogels untermalt, ist viel st&amp;auml;rker als das Bild ohne diesen Ton. Daran liegt es wohl auch, dass man den Falken in so vielen Filmen h&amp;ouml;rt, w&amp;auml;hrend man ihm im echten Leben eher selten begegnet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Zun&amp;auml;chst tauchte der Ruf des Falken in klassischen oder Italo-Western aus den Sechziger- und Siebzigerjahren auf. M&amp;auml;nner wie Clint Eastwood reiten im Poncho durch karge Gegenden, die Sonne brennt auf sie herab und irgendwo lauert ein Indianer. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Inzwischen ruft der Falke in Filmen, die in der afrikanischen W&amp;uuml;ste spielen oder in den Bergen Wyomings, aber auch in deutschen Produktionen. In &lt;em&gt;Romy&lt;/em&gt; beispielsweise, dem Fernsehzweiteiler mit Jessica Schwarz &amp;uuml;ber Romy Schneiders Leben. Im modernen, hochgelobten Heimatfilm und Familiendrama Hierankl mit Sepp Bierbichler. Im Roadmovie &lt;em&gt;Friendship&lt;/em&gt;: Zwei Jungs aus der DDR trampen durch die USA.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Im Oktober kommt &lt;em&gt;Die Wand&lt;/em&gt; ins Kino, die Verfilmung eines Romans der &amp;ouml;sterrei-chischen Schriftstellerin Marlen Haushofer: Eine Frau ist allein im Wald hinter einer gl&amp;auml;sernen Wand gefangen, abgeschnitten von der Welt. Schnell begreift sie, wie bedrohlich ihre Situation ist. Aber solange der Falke noch ruft, ist noch Leben. Noch Hoffnung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Niemand wei&amp;szlig;, wo und wann genau der Falke aufgenommen wurde. Aber weil keiner je einen vergleichbaren Ton aufgenommen hat, wurde &amp;raquo;Bird Hawk Single Screech PE020801&amp;laquo; in den letzten Jahren digital &amp;uuml;berarbeitet und entrauscht. Er klingt nun noch reiner. Manchmal wird er mit einem Hall verl&amp;auml;ngert, dann ist er etwas leiser, undeutlicher. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Aber zu erkennen ist er immer. Auch wenn er, weil er so &amp;uuml;berstrapaziert wird, bereits parodiert wird. Dann ruft er aus dem Wald bei Springfield. Dort wohnen die Simpsons. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Nur die Ruhe</dc:subject>
    <dc:creator>Gabriella Herpell</dc:creator>
    <dc:date>2012-07-26T17:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>»Zwei Stunden im Dunkeln zu lachen kann nicht schaden«</title>
    <description>&lt;p&gt;Manchmal      haben Filme die Kraft, Seelen zu heilen. Die Hollywood-Produzentin Lindsay      Doran erkl&amp;auml;rt, wie das geht.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46771.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;em&gt; Zuschauer einer Freiluftvorf&amp;uuml;hrung von &quot;Ziemlich beste Freunde&quot; im      M&amp;uuml;nchner Olympiapark. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Lindsay Doran wuchs als Tochter eines Studiobosses in Hollywood auf und hat ihr ganzes Leben im Filmgesch&amp;auml;ft verbracht. Sie hat internationale Erfolge mitproduziert &amp;ndash; wie &amp;raquo;Die Firma&amp;laquo;, &amp;raquo;Sinn und Sinnlichkeit&amp;laquo; und &amp;raquo;Schr&amp;auml;ger als Fiktion&amp;laquo;. Sie war Pr&amp;auml;sidentin von United Artists Pictures, bevor sie sich als Produzentin selbstst&amp;auml;ndig machte. Als &amp;raquo;Scriptwhisperer&amp;laquo; ber&amp;auml;t sie vertraulich namhafte Regisseure und Produzenten, wenn diese nicht weiterwissen. Ganz nebenbei arbeitet sie mit aller Macht daran, Filme als neues Antidepressivum einzusetzen. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;SZ-Magazin: Frau Doran, zu welchem Mittelchen greifen Sie, wenn Sie einen schlechten Tag haben?&lt;br /&gt;Lindsay Doran:&lt;/strong&gt; Zur DVD von &lt;em&gt;Singin&amp;rsquo; in the Rain&lt;/em&gt;. Wenn ich am Boden bin, schaue ich Gene Kelly beim Tanzen zu oder John Travolta in &lt;em&gt;Grease&lt;/em&gt;, danach bin wieder ein gl&amp;uuml;cklicher Mensch. Aber wir alle haben auch schon Filme gesehen, die uns mit dem Gef&amp;uuml;hl zur&amp;uuml;cklassen: Wenn der das durchstehen kann, dann kann auch ich &amp;uuml;berleben, was ich gerade durchmache. Letzten Sommer habe ich die Treppenstufen aus &lt;em&gt;Rocky&lt;/em&gt; in Philadelphia besucht. Alle f&amp;uuml;nf Minuten l&amp;auml;uft da jemand rauf. Irgendwann bemerkte ich, wie vielen Menschen dabei die Tr&amp;auml;nen kamen. Sie liefen die Stufen hinauf, um einen pers&amp;ouml;nlichen Kampf oder Sieg zu feiern. Und das alles 36 Jahre nach einem Film &amp;uuml;ber einen Typen, der seinen Kampf nicht einmal gewonnen hat! Das ist die Macht, die wir haben, wenn wir Filme machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;K&amp;ouml;nnten Filme Antidepressiva ersetzen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zwei Stunden im Dunkeln zu lachen kann jedenfalls nicht schaden. Als Eddie Murphy in &lt;em&gt;Dreamgirls&lt;/em&gt; mitspielte, lobten ihn manche daf&amp;uuml;r, dass er nun endlich ins ernste Fach wechselte. Darauf entgegnete er sinngem&amp;auml;&amp;szlig;: Glaubst du wirklich, ich w&amp;uuml;rde lieber in einem Drama mitspielen als in einer Kom&amp;ouml;die? Er erz&amp;auml;hlte, wie Leute ihm auf der Stra&amp;szlig;e dankten, dass seine Filme sie aus einem dunklen Loch herausholten. Seine Filme werden in Krankenh&amp;auml;usern gezeigt, weil die &amp;Auml;rzte wissen, dass Kom&amp;ouml;dien Leute buchst&amp;auml;blich ges&amp;uuml;nder machen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Laut &lt;em&gt;New York Times&lt;/em&gt; befinden Sie sich auf der &amp;raquo;heimlichen Mission&amp;laquo;, Hollywoods Aberglauben zu widerlegen, dass ein Film nur dann Kunst ist oder einen Oscar gewinnt, wenn er eine Trag&amp;ouml;die ist und schlimm ausgeht. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es ist mehr als ein Aberglaube, das ist eine Tatsache, f&amp;uuml;r die es Beweise gibt. Viele wollen prestigetr&amp;auml;chtige Filme machen, und sie glauben, daf&amp;uuml;r m&amp;uuml;ssten sie in die d&amp;uuml;stersten Seiten des Lebens eintauchen oder einen tragischen Helden mimen. Das hat nat&amp;uuml;rlich seinen Wert, aber eben nicht ausschlie&amp;szlig;lich! Ich pers&amp;ouml;nlich versuche Filme zu machen, die Leute erheben, und zwar immer. Mit einer Ausnahme: Die Verfilmung von Stephen Kings &lt;em&gt;Friedhof der Kuscheltiere&lt;/em&gt;, da ging es darum, den Tod zu akzeptieren, der Film war mir aus pers&amp;ouml;nlichen Gr&amp;uuml;nden wichtig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sollen wir uns jetzt nur noch seichte Feel-good-Filme anschauen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es hat nichts mit Seichtheit zu tun. Martin Seligman, der Begr&amp;uuml;nder der &amp;raquo;positiven Psychologie&amp;laquo;, spricht von f&amp;uuml;nf Elementen, die f&amp;uuml;r das Wohlbefinden von Menschen verantwortlich sind: positive Gef&amp;uuml;hle, Engagement, Sinn, Erfolge und positive Beziehungen. Als ich diese Liste zum ersten Mal sah, dachte ich: Das sind genau die Zutaten, die einen guten Film ausmachen! Es hei&amp;szlig;t immer, Hollywood produziere nur Feel-good-Filme - das Gegenteil ist der Fall. Einer der letzten reinen Feel-good-Filme war &lt;em&gt;Mamma Mia!&lt;/em&gt; - und der ist von 2008. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber es kommt doch eine Kom&amp;ouml;die nach der anderen ins Kino!&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich meine Filme, die einfach nur fr&amp;ouml;hlich sind und zu hundert Prozent positive Gef&amp;uuml;hle zeigen. Ich lasse die Kom&amp;ouml;dien weg, in denen man zusammenzuckt, also &lt;em&gt;Hangover&lt;/em&gt;, &lt;em&gt;Jackass&lt;/em&gt; oder &lt;em&gt;Borat&lt;/em&gt;. Aber wenn ich in Hollywood herumfrage, warum machen wir denn keine Filme mehr, die Leute einfach gl&amp;uuml;cklich machen, dann h&amp;ouml;re ich: Das ist nicht cool.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Man k&amp;ouml;nnte auch einwenden: Das Kino soll vom Leben erz&amp;auml;hlen, und das ist eben nicht immer zum Lachen.&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Richtig, deshalb mache ich so gern Filme, in denen man weint und lacht wie &lt;em&gt;Sinn und Sinnlichkeit&lt;/em&gt; oder &lt;em&gt;Schr&amp;auml;ger als Fiktion&lt;/em&gt;. Obwohl ich Seligmans Thesen noch gar nicht kannte, als ich &lt;em&gt;Schr&amp;auml;ger als Fiktion&lt;/em&gt; produzierte, wurde mir im Nachhinein klar, dass der Film wie eine Betriebsanleitung f&amp;uuml;r positive Psychologie ist: Will Ferrell tut all die Sachen, die jedem von uns guttun w&amp;uuml;rden. Er macht einen spontanen Spaziergang, schaut sich am helllichten Tag einen Monty-Python-Film an, er beginnt, Gitarre zu lernen, und er beschlie&amp;szlig;t, das M&amp;auml;dchen zu erobern, das er liebt. Beide Filme haben Preise und gute Kritiken bekommen und bauen einen auf, es geht also!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Dann hat es Sie sicher gefreut, dass in diesem Jahr &lt;em&gt;The Artist&lt;/em&gt; den Oscar gewonnen hat?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Genau! Und im letzten Jahr &lt;em&gt;The King&amp;rsquo;s Speech&lt;/em&gt;. Beides sind Filme &amp;uuml;ber Ausdauer und pers&amp;ouml;nliche K&amp;auml;mpfe. Psychologen nennen das posttraumatisches Wachstum. Es spricht viel daf&amp;uuml;r, dass Menschen nach einer schrecklichen Erfahrung st&amp;auml;rker und reifer werden als zuvor. &lt;em&gt;The Artist&lt;/em&gt; hat einen dunklen Aspekt. In der Mitte ist es sehr traurig und hart, dennoch geht man ziemlich beseelt aus dem Kino. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;&lt;/span&gt;Beim Film sind Misserfolg und Zur&amp;uuml;ckweisung st&amp;auml;ndige Begleiter&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46773.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;strong&gt; The King&amp;rsquo;s Speech&lt;/strong&gt; (2010) Der herzergreifende Kampf des      stotternden K&amp;ouml;nigs mit seinem Schicksal spielte weltweit 235 Mio.      Euro ein. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kann man mit psychologischen Strategien wirklich bessere Filme machen?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ich bin keine Psychologin, aber ich analysiere Filme durch die Brille der Psychologie. Seither bekomme ich Anrufe von Leuten aus ganz Hollywood, die sich daf&amp;uuml;r interessieren. Hollywood gibt jedes Jahr enorme Summen daf&amp;uuml;r aus, herauszufinden, was Kinog&amp;auml;nger gl&amp;uuml;cklich macht, ob sie nach einem Film in Beifallrufe ausbrechen oder sich erschie&amp;szlig;en wollen. Die f&amp;uuml;nf Elemente aus der positiven Psychologie k&amp;ouml;nnten den Marktforschern viel Geld sparen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Aber geh&amp;ouml;rt Psychologie nicht sp&amp;auml;testens seit Hitchcock zum Handwerkszeug eines jeden guten Filmemachers?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich glaube nicht, dass sich die Leute viele Gedanken dar&amp;uuml;ber machen, jedenfalls ist es kaum Gespr&amp;auml;chsthema. Fast jeder hat Joseph Campbells Standardwerk &lt;em&gt; Der Heros in tausend Gestalten&lt;/em&gt; gelesen oder wei&amp;szlig; ein bisschen was &amp;uuml;ber C. G. Jung. Aber die meisten wissen nichts &amp;uuml;ber positive Psychologie. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie arbeiten daran, dass sich das &amp;auml;ndert. Woher dieses Sendungsbewusstsein?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Im Filmgesch&amp;auml;ft sind Misserfolg und Zur&amp;uuml;ckweisung st&amp;auml;ndige Begleiter. Es gibt keinen, der das nicht t&amp;auml;glich erlebt. Man gibt ein Drehbuch ab, und keiner mag es. Man versucht einen Film zu verkaufen, und er floppt. Es sollte irgendwo in Hollywood einen Kirchenraum geben, in dem sich jeden Freitag die Filmemacher anonym Unterst&amp;uuml;tzung nach ihren Misserfolgen holen k&amp;ouml;nnen wie die Anonymen Alkoholiker. Wenn ich einen Vortrag halte, dr&amp;uuml;cke ich jedem einen Laufzettel in die Hand mit den f&amp;uuml;nf Elementen des Wohlbefindens. Es ist nicht das Schlimmste, was passieren kann, dass Leute in ganz Hollywood mit einer Liste durch die Gegend laufen, die sagt: positive Gef&amp;uuml;hle, Sinn, Engagement, Errungenschaften, Beziehungen. Je mehr jeder davon in seinem Leben hat, desto gl&amp;uuml;cklicher und widerstandsf&amp;auml;higer wird er, und das ist f&amp;uuml;r mich das Wichtigste daran: Zur&amp;uuml;ckweisung an sich abprallen und sich nicht unterkriegen lassen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sind in Hollywood aufgewachsen. Wie hat Sie das gepr&amp;auml;gt?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Mein Vater war 50 Jahre lang Studioboss, meine Mutter tippte Drehb&amp;uuml;cher f&amp;uuml;r Preston Sturges, einen der einflussreichsten Autoren und Regisseure Hollywoods, und arbeitete f&amp;uuml;r Paramount. Aber wenn ich meinen Vater als Kind im Studio besuchte, waren da keine Frauen. Gut, es gab Schauspielerinnen und eine Kost&amp;uuml;mdesignerin, aber ansonsten waren alle, die was zu sagen hatten, M&amp;auml;nner. Sosehr ich Filme liebte, ich sah nicht, wie ich da hineinpassen k&amp;ouml;nnte. Ich ging nach dem College erst mal nach England, aber nat&amp;uuml;rlich kann man da als Amerikanerin nicht einfach so auftauchen und Filme machen, deshalb ging ich nach einem Jahr nach Amerika zur&amp;uuml;ck. Ich begann f&amp;uuml;r das Fernsehen zu arbeiten, da hing ein Poster an der Wand: Von uns allen f&amp;uuml;r uns alle. Das war unsere Art zu fragen: Was glauben wir eigentlich, f&amp;uuml;r wen wir diese Sendungen machen? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Finden Sie, die Filmemacher denken zu wenig an ihr Publikum?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auf jeden Fall. Das mag man als politisch korrekt oder als uncool empfinden, aber die Frage bleibt: Welche Botschaft senden wir mit unserer Arbeit? Die Zeit beim Fernsehen hat mich gepr&amp;auml;gt: Ich habe mich regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig in Schulklassen gesetzt, um deren Reaktion auf unsere Sendungen zu beobachten. Ein direkteres, ungefiltertes Feedback dar&amp;uuml;ber, welche Botschaften wir senden, gibt es nicht. Einige Leute glauben, unser Job sei es, die dunklen Seiten zu beleuchten. Aber ich arbeite lieber daran, dass es den Leuten besser geht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und doch behaupten Sie, das Happy End werde &amp;uuml;bersch&amp;auml;tzt.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn Sie in Hollywood nach einem Rezept f&amp;uuml;r einen inspirierenden Film fragen, werden die meisten sagen: Mach einen Film &amp;uuml;ber einen Underdog, der gewinnt. Fast keiner erinnert sich daran, dass Rocky im ersten Film den Kampf nicht gewonnen hat. Was mich in meiner Recherche &amp;uuml;berrascht hat, war, dass sich das Publikum nicht ann&amp;auml;hernd so sehr f&amp;uuml;r die Siege des Helden interessiert wie f&amp;uuml;r den Erfolg seiner Beziehungen. Schauen Sie sich die erfolgreichsten Filme an: Der L&amp;ouml;wenk&amp;ouml;nig stirbt, Dumbledore stirbt, Jesus stirbt, Obi-wan stirbt, Gandalf stirbt, 1500 Passagiere auf der &lt;em&gt;Titanic&lt;/em&gt; sterben. Es sind Geschichten von horrenden Verlusten. Das ist das Thema der meisten erfolgreichen Filme: das &amp;Uuml;berwinden von Schmerz. Aber letztendlich geht es nicht darum, ob der Held gewinnt, sondern um Beziehungen. Das letzte Bild in &lt;em&gt;The King&amp;rsquo;s Speech&lt;/em&gt; ist eine Texttafel, die beschreibt, dass der K&amp;ouml;nig und sein Freund ein Leben lang Freunde blieben. Das ist es, was uns ber&amp;uuml;hrt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist das nicht schon Teil des Rezepts der meisten Hollywood-Labore?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;In jedem Filmstudio k&amp;ouml;nnen die Leute endlos Beispiele daf&amp;uuml;r aufz&amp;auml;hlen, wie oft sie ein Filmende neu filmen mussten, weil sie zun&amp;auml;chst nicht wirklich kapierten, was den Zuschauern am Herzen lag. Ich nenne es ein &amp;raquo;offensichtliches Geheimnis&amp;laquo;: Die Beziehungen sind wichtiger als Erfolg. In Verblendung hat Rooney Mara ihr Ziel erreicht, den M&amp;ouml;rder zu finden, aber Daniel Craig bricht ihr das Herz. In &lt;em&gt;Moneyball&lt;/em&gt; gewinnt Brad Pitts Team, aber er f&amp;uuml;hlt es nicht. Beide Filme enden nicht mit einem guten Gef&amp;uuml;hl. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es so was wie ein Rezept f&amp;uuml;r M&amp;auml;nner- bzw. Frauenfilme?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja. F&amp;uuml;r M&amp;auml;nner ist Erfolg das Wichtigste. F&amp;uuml;r Frauen die Beziehungen. Wenn wir Filme f&amp;uuml;r M&amp;auml;nner machen, ist die Struktur fast immer darauf aufgebaut, dass der Held, meist m&amp;auml;nnlich, ein Ziel zu erreichen versucht. Am Ende schafft er es und erkennt pl&amp;ouml;tzlich, dass der Erfolg ohne eine Beziehung nichts bedeutet. Wenn wir Filme f&amp;uuml;r Frauen konzipieren, ist der Erfolg die Beziehung, das Ziel ist Liebe. Nat&amp;uuml;rlich ist das nicht immer so einfach gestrickt, aber auch bei &lt;em&gt;Die Tribute von Panem&lt;/em&gt; geht es im Kern um Beziehungen, nicht um den Sieg. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und trotzdem fiebern wir mit den Kinohelden mit, dass sie ihr Ziel erreichen, die Lovestory ist ja oft nicht mehr als Beiwerk.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn Erfolge wirklich der wichtigste Faktor auf der Liste w&amp;auml;ren, w&amp;uuml;rden wir die Filme dann nicht in dem Augenblick enden lassen, wo der Erfolg erzielt wird? M&amp;uuml;sste also &lt;em&gt;Mission Impossible IV&lt;/em&gt; nicht enden, wenn die Atomrakete ihr Ziel verfehlt, statt mit vier Menschen, die an einem Tisch sitzen? M&amp;uuml;sste das letzte Bild in &lt;em&gt;Transformers III&lt;/em&gt; dann nicht sein, wenn die Autobots die Decepticons besiegen, statt ein Junge, der seinem M&amp;auml;dchen eine Liebeserkl&amp;auml;rung macht? M&amp;uuml;ssten wir &lt;em&gt;Harry Potter &lt;/em&gt;nicht damit enden lassen, dass er Voldemort t&amp;ouml;tet? Aber nein! Wir beenden sie woanders, und das beweist, dass auch f&amp;uuml;r M&amp;auml;nner die Beziehungen wichtiger sind als die Erfolge. Nur wenn wir Anzeigen schalten, tun wir so, als spielten wir das Spiel mit. Bei Filmen f&amp;uuml;r M&amp;auml;nner und Jungs sagen wir immer, es ginge um die Rettung der Welt, das Besiegen des Feindes oder um Sex, aber am Ende geht es doch immer um die Beziehungen, und jeder wei&amp;szlig; es. F&amp;uuml;r Frauen m&amp;uuml;ssen wir das nicht verschleiern, die wissen das schon. Wenn du die Welt nicht f&amp;uuml;r jemanden rettest, wof&amp;uuml;r rettest du sie dann?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sind Sie Optimistin?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe mich nie f&amp;uuml;r eine Pessimistin gehalten, aber seit ich mich mit positiver Psychologie besch&amp;auml;ftige, wei&amp;szlig; ich, dass da noch Luft nach oben ist.&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;ZUR PERSON &amp;nbsp;&lt;br /&gt;Lindsay Doran, 64, ist eine der erfolgreichsten      Filmproduzentinnen Hollywoods. F&amp;uuml;r &quot;Sinn und Sinnlichkeit&quot; (1995) wurde sie      mit einem Oscar und zwei Golden Globes ausgezeichnet. &lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Foto: picture alliance /dpa&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Herzlicher Dank an &amp;raquo;Kino am Olympiasee&amp;laquo;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Zwei Stunden im Dunkeln zu lachen kann nicht schaden«</dc:subject>
    <dc:creator>Michaela Haas</dc:creator>
    <dc:date>2012-06-01T12:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Ein Traum in Weiß</title>
    <description>&lt;p&gt;Vor zwei Jahren fuhr der Mainzer J&amp;ouml;rn Ratering als Student nach Tansania &amp;ndash;      und wurde dort &amp;uuml;ber Nacht zum Filmstar. Wie das ging? Soll er am besten      selbst erz&amp;auml;hlen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Mann hatte ein Seil &amp;uuml;ber die Stra&amp;szlig;e gespannt, und das Motorradtaxi, in dem ich sa&amp;szlig;, musste halten. Irgendwo in einem Vorort von Daressalam, der Hauptstadt von Tansania. Zehn Schulm&amp;auml;dchen in wei&amp;szlig;en Blusen und blauen Oberkleidern flatterten auf uns zu. Ich dr&amp;uuml;ckte mich tiefer in den Sitz, aber es war zu sp&amp;auml;t. Als sie mich entdeckten, quietschten sie meinen Namen. &amp;raquo;Joooorn&amp;laquo;, riefen sie, &amp;raquo;Joooorn&amp;laquo;. Sie umringten mich, fassten mir durchs Haar und zogen an meiner Haut. Ein Moment, der wohl jeden total &amp;uuml;berfordert, der kein Filmstar ist. Aber ich bin einer. Nicht in Deutschland, da kennt mich kein Mensch, da bin ich J&amp;ouml;rn Ratering, Ethnologiestudent aus Mainz. Aber in Tansania bin ich J&amp;ouml;rn Bleibtreu, und M&amp;auml;dchen kreischen bei meinem Anblick.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Daressalam&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist kein erhabener Anblick, wenn sich eine Stadt wie Daressalam vor einem auftut. Auftun ist schon das richtige Wort. Es ist ein Moloch mit knapp drei Millionen Einwohnern, aber nat&amp;uuml;rlich sind es mehr, viel mehr, und nur drei oder vier asphaltierte Stra&amp;szlig;en f&amp;uuml;hren hinein. Wir quetschten uns morgens um sechs in einen Van &amp;ndash; eine Gruppe von Ethnologiestudenten, die im August 2009 f&amp;uuml;r drei Monate Afrikaluft schnuppern durften. Wir waren total ersch&amp;ouml;pft vom Flug und der Hitze, wir sahen m&amp;uuml;de aus und rochen auch so. Unsere Dozentin Claudia B&amp;ouml;hme und ihr Forschungsassistent fuhren uns vom Flughafen in die Stadt zu unseren Gastfamilien. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Autoradio lief Bongo Flava, eine Mischung aus Hip-Hop und Reggae auf Swahili. Zu beiden Seiten der Stra&amp;szlig;e nichts als Fabrikgeb&amp;auml;ude und eingez&amp;auml;unte Metallsilos, und &amp;uuml;berall war Stau. Verk&amp;auml;ufer gingen durch die Wagenreihen und reichten alles M&amp;ouml;gliche in die Fahrzeuge, gegrillte Heuschrecken, Wasser in T&amp;uuml;ten, Flip-Flops, Landkarten, Babyspielzeug. Und nat&amp;uuml;rlich Bongo Movies, tansanische Filme, die hier vor Ort gedreht werden, die wenig kosten und auf den ersten Blick auch nach wenig aussehen, wie billige Seifenopern. Die Filme sind sehr beliebt in Tansania und werden wie am Flie&amp;szlig;band hergestellt. Das macht Tollywood, das Hollywood Ostafrikas, zum vielleicht gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten Filmmarkt des Kontinents nach Nigeria. Die Verk&amp;auml;ufer binden die DVD-H&amp;uuml;llen in Stapeln zu einem Meter zusammen und tragen sie durch die staubige Blechlawine. Ich dachte mir nur: Hier kannst du nicht lange &amp;uuml;berleben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;raquo;Der ist perfekt, der Junge&amp;laquo;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Gastmutter hie&amp;szlig; Lucy Komba, sie ist eine Art Filmstar in Tansania, jobbt aber noch zus&amp;auml;tzlich als Sekret&amp;auml;rin beim Hohen Gericht, denn das Filmbusiness wirft nicht so viel ab, wie man denken mag. Zwei Tage nach meiner Ankunft, ich hatte meinen Kulturschock noch nicht verdaut, besuchten mich Claudia und ein anderer Tansanier namens Ismael. Sie fragten, ob ich in einem Film mitspielen m&amp;ouml;chte. F&amp;uuml;r eine Produktion des bekannten Regisseurs Hammie Rajab werde noch ein Mzungu gesucht, ein Wei&amp;szlig;er. Manche behaupten, Mzungu komme vom Verb &amp;raquo;kuzunga&amp;laquo;, umherirren. Mzungu sind also Umherirrende. Ismael sprach kurz mit mir, dann stand f&amp;uuml;r ihn fest: &amp;raquo;Der ist perfekt, der Junge!&amp;laquo;, und er brachte mich direkt zum Regisseur Hammie Rajab, der ebenfalls hier im Mwembe Chai, im Mangoteebaum-Viertel, wohnte. Als wir sein Haus betraten, zog er sich gerade die Hose an; Rajab, ein &amp;auml;lterer Herr, hatte ein Nickerchen gemacht. Er schaute mich eindringlich an, und dann behauptete auch er &amp;ndash; in einem wundervollen Englisch &amp;ndash;, ich sei perfekt, und dr&amp;uuml;ckte mir ein Drehbuch in die Hand. Er wollte nicht einmal wissen, ob ich &amp;uuml;berhaupt spielen kann. &amp;raquo;Lern das auswendig&amp;laquo;, sagte er. &amp;raquo;&amp;Uuml;bermorgen stelle ich dir die Crew von &lt;em&gt;Tears on Valentine Day&lt;/em&gt; vor.&amp;laquo; So hie&amp;szlig; also mein erster Film. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Tears on Valentine Day&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In dem Film spiele ich Johnson Leonard, den Anwalt aus Amerika. Meine Mandantin ist Joana, die Hauptfigur, eine junge Frau, die angeblich aus Notwehr ihrem ehemaligen Liebhaber eine Axt in den R&amp;uuml;cken geschlagen hat. So viel zur Rahmenhandlung. Ehrlich gesagt, waren meine Erfahrungen als Schauspieler mickrig. Als wir in der achten Klasse im Englischkurs ein Theaterst&amp;uuml;ck auff&amp;uuml;hrten, ergatterte ich nur eine Minirolle. Aber weil alle hier meinten, ich sei perfekt, &amp;uuml;bte ich vor einem Handspiegel das seri&amp;ouml;se Gesicht eines Anwalts. Meine erste Tollywood-Lektion lautete: Mach dich locker. Der Dreh sollte eine Woche dauern, aber meine Szenen wurden immer wieder verschoben, drei Wochen lang. Als es so weit war, hatte die Requisite mein Kost&amp;uuml;m vergessen und musste in einem Gesch&amp;auml;ft einen weinroten Schlips und einen Anzug aus grobem gr&amp;uuml;nem Stoff ausleihen. Ich sah aus wie ein Gebrauchtwagenh&amp;auml;ndler aus den Achtzigern. Hammie Rajab sagte aber: &amp;raquo;I&amp;rsquo;d buy that&amp;laquo;, ich kauf dir das ab. Wir hatten nur eine Kamera und wiederholten die Szene wieder und wieder. Ich verhaspelte mich st&amp;auml;ndig, dann hing ein Mikro im Bild oder der Hofhahn kr&amp;auml;hte. Rajab war total begeistert und bestand darauf, mir eine Gage von 30 000 Schilling zu zahlen, also etwa 15 Euro. Er sagte, es sei ihm wichtig.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;J&amp;ouml;rn Bleibtreu&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als ich nach meinem vollen Namen f&amp;uuml;r den Abspann gefragt wurde, z&amp;ouml;gerte ich, denn eigentlich wollte ich anonym bleiben. Am Abend zuvor hatte ich den Film Lammbock gesehen, eine Kifferkom&amp;ouml;die mit Moritz Bleibtreu. Deswegen gab ich mir kurzerhand einen neuen Namen: J&amp;ouml;rn Bleibtreu. Dass es sich um einen K&amp;uuml;nstlernamen handelte, wusste keiner, denn keiner kannte hier das Original. Bleibtreu war auch leichter auszusprechen als mein echter Nachname Ratering. Wahrscheinlich bin ich hier bekannter als der echte Bleibtreu, wahrscheinlich bin ich hier sogar der echte Bleibtreu. Schon kurz nach dem Dreh bot mir meine Gastmutter Lucy eine Rolle in ihrem neuen Film &lt;em&gt;Mehr als ein Freund&lt;/em&gt; an. Ich spielte mich selbst, den Studenten J&amp;ouml;rn aus Deutschland, der nach Tansania kommt und in eine Liebesgeschichte verwickelt wird. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In nur drei Tagen wurde der Film abgedreht, und zwar auf Swahili. Dummerweise war mein Swahili damals nicht besonders gut. Einfache S&amp;auml;tze konnte ich schon bilden, S&amp;auml;tze wie &amp;raquo;Die Mama soll Tatu ins Krankenhaus bringen&amp;laquo;. Aber die Figur J&amp;ouml;rn aus Deutschland war Teil einer Intrige und musste am Ende sogar den Moralapostel spielen. Da blieb es nicht bei Subjekt, Pr&amp;auml;dikat, Objekt. Ich habe mir an den Satzunget&amp;uuml;men die Z&amp;auml;hne ausgebissen und schlie&amp;szlig;lich irgendetwas auf Deutsch gesagt. Das wurde untertitelt, fertig, die totale Improvisation. Afrikaveteranen haben daf&amp;uuml;r eine Art Sprichwort: &amp;raquo;This is Africa&amp;laquo; oder auch &amp;raquo;T.I.A.&amp;laquo;. Sie wollen dir sagen: Nimm es, wie es kommt. Es ist der Schlachtruf der Fatalisten. Und ich wei&amp;szlig; jetzt, was sie damit meinen. Immerhin kam der Film schon kurz darauf auf den Markt. Das hat mir jedenfalls Lucy erz&amp;auml;hlt, als ich wieder zur&amp;uuml;ck in Deutschland war. Und dass st&amp;auml;ndig Leute nach mir fragen w&amp;uuml;rden.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sehen Sie hier einige Ausschnitte aus J&amp;ouml;rn Raterings zweitem Film &lt;em&gt;Mehr als ein Freund&lt;/em&gt;:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Es ist ein komisches Gef&amp;uuml;hl, Fans zu haben.&amp;laquo;&quot;]&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2010: Fans auf Sansibar&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Jahr darauf flog ich wieder nach Tansania, machte aber zuerst auf der Insel Sansibar Station, um eine Freundin zu besuchen. Wir sa&amp;szlig;en in einem Caf&amp;eacute;, als mich ein Mann ansprach. &amp;raquo;Du bist Bongo-Movie-Darsteller&amp;laquo;, sagte er, &amp;raquo;ich habe Filme von dir gesehen.&amp;laquo; Er nahm meine Hand. Er sch&amp;uuml;ttelte sie nicht, er nahm sie und hielt sie fest. Dann meinte er: &amp;raquo;Sch&amp;ouml;n, dass du hier bist&amp;laquo; und ging weiter. Bongo Movies sind auf Sansibar l&amp;auml;ngst nicht so popul&amp;auml;r wie auf dem tansanischen Festland. Trotzdem wurde ich dreimal erkannt. Und auf der F&amp;auml;hre nach Daressalam waren es noch zwei M&amp;auml;dchen. Sie kannten meinen Namen, sprachen mich mit &amp;raquo;Jorn&amp;laquo; an und fragten, ob ich neue Filme plane und ob ich f&amp;uuml;r sie nicht auch Rollen organisieren k&amp;ouml;nne. Mein Ruhm eilte mir voraus. Ging ich nun durch Daressalam, blieben die Leute stehen, gaben mir die Hand, luden mich zum Essen und Kaffee ein. Oder sie st&amp;uuml;rmten mein Motorradtaxi. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Die dicke Polizistin&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;In unbekannten Vierteln, so wird Ausl&amp;auml;ndern geraten, sollte ich mit dem Auto unterwegs sein, sobald die D&amp;auml;mmerung einsetzt. Und es d&amp;auml;mmerte bereits, als ich an einem Septemberabend das Marktviertel Kariakoo verlassen wollte. &amp;Uuml;berall wuselten Menschen umher, und ich suchte verzweifelt ein Daladala, einen Minibus, der in das Mangoteebaum-Viertel fuhr. Ich blickte in die Menge und entdeckte eine olivgr&amp;uuml;ne Polizeiuniform, die sich &amp;uuml;ber den K&amp;ouml;rper einer dicken Polizistin spannte. Ich fragte sie nach einem Bus. Die Polizistin l&amp;auml;chelte breit und sagte: &amp;raquo;Ich kenne dich. Ich habe gestern &lt;em&gt;Mehr als ein Freund&lt;/em&gt; gesehen, der Film ist super.&amp;laquo; Sie nahm mich bei der Hand und f&amp;uuml;hrte mich zum Daladala. Dort balgten sich die Passagiere um die letzten freien Sitzpl&amp;auml;tze. Weil ich mich weder pr&amp;uuml;geln noch zwei Stunden in einem engen Minibus stehen wollte, rief die dicke Polizistin &amp;ndash; ich wei&amp;szlig; leider nicht einmal mehr ihren Namen &amp;ndash; einen befreundeten Taxifahrer an. Er nahm uns beide mit, denn sie hatte sich den Rest des Abends freigenommen. Ich sa&amp;szlig; auf der R&amp;uuml;ckbank und wurde mit Fragen bombardiert. Was ich f&amp;uuml;r die Zukunft plane und ob ich ihnen eine Rolle vermitteln k&amp;ouml;nne. Ich hatte zuf&amp;auml;llig den Film bei mir, den schenkte ich der Polizistin zum Abschied. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ich sehe dich&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich genoss die Aufmerksamkeit. Die Tansanier, die ich kennenlernte, waren sehr liebensw&amp;uuml;rdig zu mir. Gleichzeitig ist es auch ein komisches Gef&amp;uuml;hl, Fans zu haben. Es sind Menschen, die einen gar nicht kennen und trotzdem anhimmeln. Und das ist mir unangenehm. Nach meinem Auftritt bei der Comedysendung &lt;em&gt;Orijino Komedi&lt;/em&gt; verst&amp;auml;rkte sich das sogar noch. Die Sendung l&amp;auml;uft im Staatsfernsehen TBC und ist ein echter Stra&amp;szlig;enfeger. Bereits w&amp;auml;hrend der Sendung klingelte mein Handy, und Freunde gratulierten mir. Die Tage darauf brachen alle D&amp;auml;mme, alle kannten mich, denn die TV-Show ist noch popul&amp;auml;rer als die Bongo Movies. Ich erhielt Heiratsantr&amp;auml;ge, mal mehr, mal weniger ernst gemeinte. Auf jeden Fall ernst gemeint haben es meine muslimischen Nachbarn. Ich war zum Fastenbrechen eingeladen. W&amp;auml;hrend des Essens erhob sich pl&amp;ouml;tzlich die Gro&amp;szlig;mutter, zeigte auf ihre Enkelin Rahma und fragte mich, ob ich sie s&amp;auml;he. Ich sagte ja, denn sie sa&amp;szlig; mir gegen&amp;uuml;ber. Kurz herrschte Stille, dann jubelten alle. Da erst fiel bei mir der Groschen. Auf Swahili ist das Wort f&amp;uuml;r &amp;raquo;sehen&amp;laquo; &amp;raquo;kuona&amp;laquo;, das Wort f&amp;uuml;r &amp;raquo;heiraten&amp;laquo; lautet &amp;raquo;kuoa&amp;laquo;. Und ich hatte auf die Frage: &amp;raquo;Willst du sie heiraten?&amp;laquo; mit Ja beantwortet. Aber ich konnte das Missverst&amp;auml;ndnis kl&amp;auml;ren. Blickkontakt und Hochzeit waren nur ein &amp;raquo;n&amp;laquo; voneinander entfernt.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie &lt;em&gt;Drei Engel f&amp;uuml;r Charlie&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kurz vor meinem Abschied traf ich Ismael wieder, den Produzenten, der mir zu meiner ersten Rolle verholfen hatte. Er war gerade aus Zypern zur&amp;uuml;ckgekehrt, wo er f&amp;uuml;r ein halbes Jahr auf einem Schiff gearbeitet hatte. Nun wollte er mich f&amp;uuml;r ein neues Bongo Movie rekrutieren, einen Actionfilm in englischer Sprache. &amp;raquo;Du bist ein Diamantenh&amp;auml;ndler, ein Belgier namens Hans Klokker&amp;laquo;, sagte er. Die Geschichte geht so: Drei Frauen verbarrikadieren sich in einem Haus und verteidigen einen Beutel Diamanten vor Diamantenr&amp;auml;ubern. &amp;raquo;Wie in &lt;em&gt;Drei Engel f&amp;uuml;r Charlie&lt;/em&gt;, mir fehlen nur noch die Engel&amp;laquo;, scherzte er. Er wollte meine Szenen im Kasten haben, bevor ich Afrika wieder verlasse. Also kaufte er mir einen Zylinder, und wir legten los. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu dieser Zeit f&amp;uuml;hlte ich mich schon wie ein richtiger Profi. Ich spielte so &amp;uuml;bertrieben wie m&amp;ouml;glich, das kommt am besten an. Auch auf Terminabsprachen habe ich mich nicht mehr verlassen. Das macht die Schauspielerei in Tansania viel entspannter. Inzwischen bin ich wieder in Deutschland und habe erfahren, dass jetzt auch die Engel vor der Kamera stehen. Sehen werde ich den Film aber wohl erst, wenn ich das n&amp;auml;chste Mal in Afrika bin, um meine Freunde zu besuchen und ein weiteres Bongo Movie zu drehen. Wenn es mal wieder besonders kalt und grau ist in Deutschland. Und ich f&amp;uuml;r eine Weile vom Studenten zum Star werden m&amp;ouml;chte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Ein Traum in Weiß</dc:subject>
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    <dc:date>2011-06-02T17:00:00+01:00</dc:date>
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    <title>Die 39 Stufen</title>
    <description>&lt;p&gt;Zum Palais des Festivals in Cannes geht es 24 Stufen hoch, die einen in den Himmel des Kinos f&amp;uuml;hren k&amp;ouml;nnen. 24 Filme w&amp;auml;hrend des zw&amp;ouml;lft&amp;auml;gigen Filmspektakels zu sehen, ist aber entschieden zu wenig. Au&amp;szlig;erdem gibt es ja diesen wunderbaren Hitchcock-Thriller &lt;em&gt;The 39 Steps&lt;/em&gt;. Dementsprechend ist unser Mann in Cannes genau in 39 Filme gegangen. Ein R&amp;uuml;ckblick, der auch ein Ratschlag ist, was man in n&amp;auml;chster Zeit angucken sollte &amp;ndash; und was nicht.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/12935/34489.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;em&gt;Gl&amp;uuml;cklich: Die franz&amp;ouml;sische Regisseurin Maiwenn ist f&amp;uuml;r ihren Film &quot;Polisse&quot; ausgezeichnet worden:&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Thor&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Kenneth Branagh; regul&amp;auml;re Kinovorstellung)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Was hat dieser Film in Cannes zu suchen? Im Festival nichts, aber am Tag davor kann man ja noch mal normal ins Kino gehen, oder? In diesem Fall r&amp;uuml;ttelt der Besuch am guten Eindruck, den ich beim ersten Mal von dem Fantasy-Spektakel hatte. Damals &amp;ndash; vor drei Wochen &amp;ndash; hatte ich Spa&amp;szlig; daran, die Versuche des Shakespeare-Verehrers Kenneth Branagh zu verfolgen, Ideen und Emotionen seines Lieblingsdichters in die Geschichte zu schmuggeln. Diesmal fallen die k&amp;auml;sigen Effekte und grenzwertigen Bauten mehr ins Gewicht, und ich w&amp;uuml;nsche mir, Natalie Portman h&amp;auml;tte mehr zu tun als sch&amp;ouml;n und manchmal drollig zu sein. Ein anderes Problem ist die 3-D-Technik des Kinos. Erst die vierte Brille bringt den gew&amp;uuml;nschten Effekt, aber auch dann bleibt eine Unsch&amp;auml;rfe, die mir erstmals jene 3-D-Kopfschmerzen beschert, von denen etliche Kinog&amp;auml;nger berichtet haben. Ist das wirklich die Zukunft des Kinos?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Midnight In Paris&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Woody Allen; Wettbewerb/au&amp;szlig;er Konkurrenz/Er&amp;ouml;ffnungsfilm)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Die h&amp;uuml;bsche, kleine, tief reichende Geschichte eines verunsicherten Kaliforniers (Owen Wilson), der w&amp;auml;hrend eines Urlaubs in Paris jede Nacht in die von ihm idealisierte &amp;Auml;ra der Zwanziger Jahre transportiert wird. Dort diskutiert er in der franz&amp;ouml;sischen Kapitale abwechselnd mit Ernest Hemingway und F. Scott Fitzgerald, Gertrude Stein und anderen Ber&amp;uuml;hmtheiten wie Pablo Picasso und Salvador Dal&amp;iacute; &amp;ndash; und &amp;auml;ndert bald sein Leben komplett. Es ist Woody Allens sch&amp;ouml;nster Film seit einem Vierteljahrhundert, seit &lt;em&gt;The Purple Rose of Cairo&lt;/em&gt; (1985), und eine Liebeserkl&amp;auml;rung an eine Stadt, wie er sie vorher nur New York zukommen lie&amp;szlig; (1979 mit &lt;em&gt;Manhattan&lt;/em&gt;). &lt;em&gt;Midnight in Paris&lt;/em&gt; ist voller Trouvaillen. &quot;Rhinozerosse!&quot;, sagt Salvador Dal&amp;iacute; (Adrien Brody), und schon daf&amp;uuml;r, wie er es sagt, m&amp;ouml;chte ich Woody Allens Film gerne wiedersehen. Bald.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sleeping Beauty&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Julia Leigh; Wettbewerb)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Eine junge Studentin tut alles f&amp;uuml;r Geld, bereitwillig stellt sie ihren K&amp;ouml;rper f&amp;uuml;r Experimente jeder Art zur Verf&amp;uuml;gung. (Warum sie trotzdem nicht in der Lage ist, ihre Untermiete zu zahlen, ist eines der vielen logischen R&amp;auml;tsel des Films.) Aber dann will sie doch wissen, was man mit ihr anstellt, wenn sie bet&amp;auml;ubt in ein Zimmer mit &amp;auml;ltlichen Herren gesteckt wird. Wir haben es gesehen, aber nicht richtig verstanden. Und wir begreifen und f&amp;uuml;hlen auch nichts, wenn sie sieht, was passiert (ist). Die Regisseurin h&amp;auml;tte gerne, dass wir verst&amp;ouml;rt sind, aber der Film verstr&amp;ouml;mt im Grunde vor allem &amp;Ouml;dnis. &amp;Theta;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;We Need To Talk About Kevin&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Lynne Ramsay; Wettbewerb)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Tilda Swinton ist keine Sch&amp;ouml;nheit im &amp;uuml;blichen Sinn, aber es gibt derzeit nur wenige Darsteller(innen), die einen so gefangen nehmen wie sie. In diesem &amp;uuml;berladenen Familiendrama spielt sie eine Mama, die mit der Erziehung ihres Sohnes &amp;uuml;berfordert ist und sich bis zu seiner Vollj&amp;auml;hrigkeit fragt, was sie falsch gemacht hat. Leider kann sie gar nichts richtig machen, weil das Kind sie seit seiner Geburt auf eine Weise ablehnt, als stammte es direkt aus einem Horrorfilm &amp;agrave; la &lt;em&gt;Das Omen&lt;/em&gt;. Das andere Kernproblem des Films ist: Wie, bitte, soll man glauben, dass Tilda Swinton mit John C. Reilly liiert sein k&amp;ouml;nnte? Schade um die Hauptdarstellerin.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Restless&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Gus van Sant; Un Certain Regard)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Als im Vorspann der Tropfen der Firma &amp;bdquo;Imagine&amp;ldquo; aufs Wasser plumpst und die Namen Brian Grazer und Ron Howard als ausf&amp;uuml;hrende Produzenten erscheinen, frage ich meinen Nachbarn, ob das wirklich ein gutes Zeichen ist. Nachher bin ich mir sicher: dass die Berlinale dieses s&amp;uuml;&amp;szlig;liche Krebs-Drama als Wettbewerbsbeitrag abgelehnt hat, war v&amp;ouml;llig richtig. Mia Wasikowska, die das einzig Gute an Tim Burtons &lt;em&gt;Alice in Wonderland&lt;/em&gt; und eine von vielen herausragenden Darstellerinnen in &lt;em&gt;The Kids Are All Right&lt;/em&gt; war, spielt eine unheilbare Patientin, die aber genug Kraft f&amp;uuml;r eine Liebesgeschichte &amp;agrave; la &lt;em&gt;Harold &amp;amp; Maude&lt;/em&gt; hat &amp;ndash; diesmal freilich mit zwei Teenagern. Sie hat Krebs, aber so einen wie Winona Ryder in &lt;em&gt;Es begann im September&lt;/em&gt;, dessen Anwesenheit oft ausgeklammert werden kann, wenn man will. Gus van Sant, der gerne zwischen den Welten von experimentellem Kunstfilm (&lt;em&gt;Elephant&lt;/em&gt;) zu Mainstream (&lt;em&gt;Good Will Hunting&lt;/em&gt;) und zur&amp;uuml;ck wandert, brauchte offensichtlich wieder ein bisschen Geld f&amp;uuml;r eines seiner pers&amp;ouml;nlichen Projekte. &lt;br /&gt;Ein unglaublicher Gedanke: dass w&amp;auml;hrend der ersten Vorf&amp;uuml;hrung dieses sentimentalen Heulers der Gus-van-Sant-Fan Michael Althen f&amp;uuml;r immer einschlief. Er h&amp;auml;tte uns bestimmt die Vorz&amp;uuml;ge des Films einleuchtend erkl&amp;auml;ren k&amp;ouml;nnen. Und weil ich vermute, dass er ihm gefallen h&amp;auml;tte, bekommt der Film ein &amp;#8486;, so wie alle folgenden Werke, die ich als &amp;bdquo;Althen-Filme&amp;ldquo; verstanden habe. &amp;#8486;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Labrador&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Frederikke Asp&amp;ouml;ck; Wettbewerb/au&amp;szlig;er Konkurrenz)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Ein Gro&amp;szlig;stadt-Journalist und seine dralle, schwangere Freundin besuchen ihren eigent&amp;uuml;mlich eremitischen Vater auf einer winzigen skandinavischen Insel. So wie alle reden, geh&amp;ouml;rt das Paar nicht zusammen. Die Missverst&amp;auml;ndnisse, die durch die Dialoge entstehen, k&amp;ouml;nnten lustig bzw. spannend sein, aber sie sind vor allem enervierend, weil man mit keinem dieser drei Menschen l&amp;auml;nger zu tun haben m&amp;ouml;chte als n&amp;ouml;tig. Dementsprechend sind selbst 75 Minuten Laufzeit zu viel, und deshalb ist &lt;em&gt;Labrador&lt;/em&gt; der erste Film dieses Festivals, den ich vorzeitig verlasse. Ich werde es verkraften, wenn ich nie erfahre, ob der eigenbr&amp;ouml;tlerische Vater was mit dem Tod seiner Frau zu tun hatte. #&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Polisse&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Ma&amp;iuml;wenn [Le Besco]; Wettbewerb)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Es kommt nicht oft vor, dass der beste Film des Festivals schon am zweiten Tag l&amp;auml;uft. Aber dieses sensationelle Pariser Polizeidrama, &amp;uuml;ber das &lt;a href=&quot;/texte/anzeigen/35730&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;hier&lt;/a&gt; lange berichtet wurde, hat das Zeug dazu. &amp;#8486;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Habemus Papam&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Nanni Moretti; Wettbewerb)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Eine schwere Entt&amp;auml;uschung: Nanni Moretti hat soviel Respekt vor der katholischen Kirche, dass er keine Papst-Satire gedreht hat, sondern ein Krisendrama mit halbgaren satirischen Spitzen. Man muss schon ein verbohrter Katholik sein, um sich dar&amp;uuml;ber zu echauffieren, dass einen gew&amp;auml;hlten Papst-Kandidaten (der 85-j&amp;auml;hrige Michel Piccoli) so starke Zweifel befallen, dass er sein Amt nicht antritt. Dann r&amp;uuml;ckt Moretti als Psychiater an, der nichts bewegen kann; Margherita Buy bem&amp;uuml;ht sich ebenso erfolglos; im Vatikan wird Volleyball scheinbar stundenlang gespielt (also bitte!); vor den Toren stehen die Gl&amp;auml;ubigen wie L&amp;auml;mmer; und das war&amp;rsquo;s. Das ist nicht skandal&amp;ouml;s respektlos, sondern skandal&amp;ouml;s langweilig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Margin Call&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(J.C. Chandor; Markt)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Im Filmmarkt von Cannes kann man immer wieder sch&amp;ouml;ne Entdeckungen machen &amp;ndash; wenn man denn als Pressevertreter reingelassen wird. Nicht so dieses Jahr. Da gab es nichts, das verhei&amp;szlig;ungsvoller klang als die Filme der Offiziellen Sektion(en), und das spricht nicht nur f&amp;uuml;r die Qualit&amp;auml;t des Wettbewerbs. Immerhin kann man manchmal auch verpasste Filme nachholen. Dieser hochkar&amp;auml;tig besetzte Finanzthriller (Kevin Spacey, Jeremy Irons, Paul Bettany, Demi Moore und der wunderbare Stanley Tucci), in dem es um die Nacht vor dem erdrutsch-artigen Einbruch an den Devisenm&amp;auml;rkten geht, erlebte seine Premiere bei der Berlinale. Wer wei&amp;szlig;, ob und wie er in die deutschen Kinos kommt. Der Trip lohnt sich. Dass es mein einziger Markt-Besuch des Festivals bleiben w&amp;uuml;rde, ahnte ich da nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hearat Shulayim&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Die Fu&amp;szlig;note; Joseph Cedar; Wettbewerb)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Manchmal hilft bei aufdringlichen Filmen nur die Flucht in den Schlaf. In dieser israelischen Satire streiten sich zwei pedantische Gelehrte um den Umgang mit der Geschichte ihres Landes, ihres Glaubens und der Wissenschaft. Sie tun es auf verbitterte Art, und alles wird versch&amp;auml;rft durch die Tatsache, dass es sich um Vater und Sohn handelt. Der Film selbst setzt Ausrufezeichen mit der Optik und vor allem der Musik, die mitunter auf einen einkeilt, als wisse der Regisseur, dass manche Zuschauer sich in den Schlaf fl&amp;uuml;chten m&amp;ouml;chten. Dennoch: Man kann eine Menge gegen den Film sagen, aber wenigstens ist er konsequent. *&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Pirates Of The Carribean: On Stranger Tides&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Rob Marshall; Wettbewerb/au&amp;szlig;er Konkurrenz)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Der vierte Teil der &lt;em&gt;Fluch der Karibik&lt;/em&gt;-Reihe ist nichts weniger als eine Katastrophe: fad, unglaublich h&amp;ouml;lzern inszeniert und mit einer fatalen Gewichteverschiebung. Jack Sparrow mag zwar der Star der ersten drei Teile gewesen sein, aber in der Geschichte war er nur eine Nebenfigur. Es waren Elisabeth Swann (Keira Knightley) und Will Turner (Orlando Bloom), die die Filme antrieben &amp;ndash; Sparrow war das bunte Beist&amp;uuml;ck. Nun ist er die Kernfigur, und das bekommt dem Film gar nicht. Abgesehen davon funkt es zwischen Johnny Depp und Pen&amp;eacute;lope Cruz in keiner Sekunde, &amp;auml;hnlich wie schon bei Depp und Angelina Jolie in &lt;em&gt;The Tourist&lt;/em&gt;. Langsam scheint es an der Zeit zu sein, das Bild zu &amp;uuml;berdenken, das man von Johnny Depp hat. Vielleicht ist er doch ein S&amp;ouml;ldner (geworden); ein cleverer freilich, der es fertig gebracht hat, achtstellige Betr&amp;auml;ge abzukassieren und sich trotzdem wie ein sympathischer Au&amp;szlig;enseiter geriert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wu Xia&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Peter Ho-Sun Chan; Wettbewerb/au&amp;szlig;er Konkurrenz)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Martial Arts meets CSI. Ein logisch denkender Detektiv kommt einem ehemaligen M&amp;ouml;rder auf die Spur. Der hatte sich von seinem Klan abgesetzt und sein Familiengl&amp;uuml;ck in einem kleinen Dorf gefunden. Selbst als er zwei gemeingef&amp;auml;hrliche Verbrecher au&amp;szlig;er Gefecht setzt, gibt er sich alle M&amp;uuml;he, unbeholfen und unwissend zu wirken. Aber dem hartn&amp;auml;ckigen Ermittler kann er nichts vormachen. Das Tragische daran: Durch seine Erkenntnisse macht der Detektiv den verbrecherischen Klan auf den Abtr&amp;uuml;nnigen aufmerksam, was wiederum f&amp;uuml;r heftige Kampfszenen sorgt. (Das erinnert nat&amp;uuml;rlich sofort an David Cronenbergs &lt;em&gt;A History Of Violence&lt;/em&gt;, der allerdings doch in einer ganz anderen Liga spielt.) Die Choreographien sind zum Teil atemberaubend, vor allem am Ende, wenn der Mobboss mit dem K&amp;ouml;rper Schwertst&amp;ouml;&amp;szlig;e abfedert. Das macht es sogar wett, dass der Film weder menschlich noch mythologisch weit kommt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Michael&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Markus Schleinzer; Wettbewerb)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Wie konnte Michael zum P&amp;auml;derasten werden? Falsche Frage, wird nicht beantwortet. Was treibt Michael an? Falsche Frage, wird nicht beantwortet. Was geschieht in seinem Keller? Unangenehme Frage. Der merklich von Ulrich Seidl (&lt;em&gt;Hundstage&lt;/em&gt;) und Michael Haneke (&lt;em&gt;71 Fragmente&lt;/em&gt;) beeinflusste Film will nicht werten, sondern beobachten. Die Frage ist, wer das sehen will. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Le Gamin Au V&amp;eacute;lo&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Das Kind auf dem Fahrrad; Jean-Pierre &amp;amp; Luc Dardenne; Wettbewerb)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Es ist ja fast ein bisschen langweilig, die Dardenne-Br&amp;uuml;der zu loben, aber was k&amp;ouml;nnen sie denn dazu, dass sie einen bemerkenswerten Film nach dem anderen drehen? Nach &lt;em&gt;Rosetta&lt;/em&gt;, &lt;em&gt;Der Sohn&lt;/em&gt;, &lt;em&gt;Das Kind&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Lornas Schweigen&lt;/em&gt; folgt nun also diese Geschichte &amp;uuml;ber einen etwa zehnj&amp;auml;hrigen Jungen, der von seinem egoistischen (und &amp;uuml;berforderten) Papa (J&amp;eacute;r&amp;eacute;mie Renier) aufgegeben und von einer jungen, sch&amp;ouml;nen Frau (C&amp;eacute;cile de France) aufgenommen wird. Kann das gut gehen? Die Sorgen im Publikum wachsen, weil so etwas nur selten klappt, nicht im Leben und kaum h&amp;auml;ufiger im Kino, ganz zu schweigen vom europ&amp;auml;ischen Autoren-Kino. Aber die Dardenne-Br&amp;uuml;der werden mit zunehmendem Alter immer hoffnungsvoller, wobei ihr Schluss gar nicht einmal unglaubw&amp;uuml;rdig ist. Was ihren Umgang mit Kindern betrifft, sind sie l&amp;auml;ngst die legitimen Nachkommen von Fran&amp;ccedil;ois Truffaut. &amp;#8486;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;The Artist&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Michel Hazanavicius; Wettbewerb)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Der Regisseur hat seine ersten Erfolge mit den bei uns quasi unbekannten &lt;em&gt;OSS&lt;/em&gt;-Kom&amp;ouml;dien gefeiert. Sie erm&amp;ouml;glichten es ihm, in schwarz/wei&amp;szlig; diese sehr sch&amp;ouml;ne, im uralten 1,33:1-Format gedrehte Kom&amp;ouml;die &amp;uuml;ber einen Stummfilmstar (herrlich: Jean Dujardin) zu produzieren, der den Wechsel zum Tonfilm verpasst (warum, das begreifen wir ganz am Ende) und in Armut zu versinken droht. Parallel dazu erf&amp;auml;hrt die einst von ihm gef&amp;ouml;rderte Peppy (B&amp;eacute;r&amp;eacute;nice Bejo) einen kometenhaften Aufstieg. &lt;em&gt;The Artist&lt;/em&gt; erz&amp;auml;hlt nichts, was man nicht schon einmal gesehen h&amp;auml;tte &amp;ndash; aber er tut es auf eine unterhaltsame Art, die obendrein Menschen, die noch nie einen Stummfilmen gesehen haben, neugierig auf diese Form machen k&amp;ouml;nnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Martha Marcy May Marlene&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Sean Durkin; Un Certain Regard)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Einer dieser unabh&amp;auml;ngig von Hollywood produzierten amerikanischen Indie-Filme, die froh sind, Fragen aufzuwerfen, ohne alle Antworten zu geben. Das kann aber auch zur Masche werden und zur Feigheit verleiten. Als Martha (Elisabeth Olsen, die kleinste der Olsen-Schwestern) bei ihrer Schwester auftaucht, ist sie ganz offensichtlich gezeichnet von den beiden Jahren, in denen sie verschwunden war. Wir sehen in R&amp;uuml;ckblenden, dass Martha bei einer Sekte mit einem scheinbar sanften, in Wahrheit &amp;uuml;berm&amp;auml;chtigen Anf&amp;uuml;hrer (John Hawkes) untergekommen war. Aber was soll ihre schlecht informierte Schwester denken? Der Film deutet mehrere L&amp;ouml;sungen und Nebenpfade an, die er dann aber doch nicht beschreitet. Das ist ok, aber es wirkt eben doch inkonsequent, dass er sich f&amp;uuml;r nichts richtig entscheidet. *&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;strong&gt;Halt auf freier Strecke&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Andreas Dresen; Un Certain Regard)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;In diesem Fall ist &quot;schwer ertr&amp;auml;glich&quot; ein gro&amp;szlig;es Lob. Andreas Dresen erz&amp;auml;hlt die letzten Monate im Leben eines unheilbaren Krebspatienten (Milan Peschel) geraderaus, ohne Sch&amp;ouml;nf&amp;auml;rbereien oder Kompromisse. Ein Gl&amp;uuml;ck, dass dieser Film nicht am Todestag von Michael Althen vorgef&amp;uuml;hrt wurde. Wenn man danach noch klar denken kann, fragt man sich, warum dieser Film nicht im Wettbewerb laufen durfte. &amp;#8486;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Apollonide&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Bertrand Bonello; Wettbewerb)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Fr&amp;uuml;her war alles besser. Zum Beispiel die Edelbordelle, wenn man diesem Film glauben darf, der in ein Pariser Etablissement gegen Ende des 19. Jahrhunderts eintaucht und nicht nur die Arbeit, sondern auch den Alltag von Prostituierten zeigt. Soso. Das ist l&amp;auml;ngst nicht so schlecht, wie es w&amp;auml;hrend des Sehens wirkt. Aber es bedarf doch wohl eines Textes des ehemals st&amp;auml;ndigen SZ-Kritikers Hans Schifferle, um alle Vorz&amp;uuml;ge von &amp;bdquo;Apollonide&amp;ldquo; zu begreifen. (In einem dieser Texte, die dann viel besser sind als der Film.) Immerhin wei&amp;szlig; ich dank des internationalen Verleihtitels, dass der Puff im englischsprachigen Raum fr&amp;uuml;her &quot;House of Tolerance&quot; hie&amp;szlig;. &amp;Theta;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;The Tree Of Life&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Terrence Malick; Wettbewerb)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Psst, nicht weitersagen: Auch der neue Film von Terrence Malick (&lt;em&gt;The New World&lt;/em&gt;), der seit Jahren, ach was: Jahrzehnten erwartet wurde, ist nicht unbedingt f&amp;uuml;r jedermann. Ich habe h&amp;ouml;chsten Respekt vor den Versuchen des Regisseurs, die Sch&amp;ouml;pfungs- und Entwicklungsgeschichte der Menschheit zu erz&amp;auml;hlen und mit einer symbolischen Vater/Sohn-Geschichte (und der Pr&amp;auml;senz von Brad Pitt) aufzupeppen. Die Sch&amp;ouml;nheit der Aufnahmen ist &amp;uuml;berw&amp;auml;ltigend. Aber insgesamt l&amp;auml;sst mich der Film kalt, und die sch&amp;ouml;nen Naturaufnahmen erinnern mich an &lt;em&gt;Koyaanisqatsi&lt;/em&gt;. &amp;#8486;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hors Satan&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Bruno Dumont; Un Certain Regard)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Der Filmschwurbler Bruno Dumont (&lt;em&gt;L&amp;rsquo;humanit&amp;eacute;&lt;/em&gt;) ist ein Liebling der Auswahlleute von Cannes und ein chouchou von Michael Althen. Seine Filme sind oft fies bis zum Abwinken und verweisen stolz auf ihre untergr&amp;uuml;ndigen Ebenen. &lt;em&gt;Hors Satan&lt;/em&gt; ist die Geschichte eines leicht verlottert wirkenden Einsiedlers mit interessanten F&amp;auml;higkeiten. Er bringt in Nord-Belgien Menschen um, die es nicht besser verdient haben, exorziert ein junges M&amp;auml;dchen, rammt einer Tramperin mit der h&amp;auml;sslichsten Achselbehaarung der Filmgeschichte sein Ding in den Unterleib, bis ihr Schaum (oder Samen?) aus dem Mund kommt, und am Ende hilft er einer jungen Frau, den Tod zu &amp;uuml;berwunden. Klingt nach Action, ist aber durchsetzt mit vielen Passagen, in denen Menschen einfach nur von Ort A zu Ort B gehen. Wer&amp;rsquo;s mag. Diesen Film nach &lt;em&gt;The Tree of Life&lt;/em&gt; zu sehen, ist doppelt verst&amp;ouml;rend, weil der Lauf der Dinge, der bei Terrence Malick noch so schl&amp;uuml;ssig ausgesehen hatte, wieder auf den Kopf gestellt wird. *&amp;#8486;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Les Impardonnables&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Denen man nicht vergibt; Andr&amp;eacute; T&amp;eacute;chin&amp;eacute;; Quinzaine des R&amp;eacute;alisateurs)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Andr&amp;eacute; T&amp;eacute;chin&amp;eacute;, jahrelang ein Stammgast im Wettbewerb, muss beim Festivalleiter Thierry Fr&amp;eacute;maux in Ungnade gefallen sein. Wieso sonst lief dieses in Venedig spielende Ensemble-St&amp;uuml;ck nur in der 1969 geschaffenen Nebensektion &quot;Quinzaine des R&amp;eacute;alisateurs&quot;? Andr&amp;eacute; Dussolier und die immer noch sch&amp;ouml;ne Carole Bouquet spielen ein Paar, um das herum viele Nebengeschichten passieren, die der Regisseur fast m&amp;uuml;helos miteinander verbindet. Kein ganz gro&amp;szlig;er Wurf wie &lt;em&gt;Les voleurs&lt;/em&gt; (1996), aber ein sehenswerter T&amp;eacute;chin&amp;eacute;. &amp;#8486;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Le Havre&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Aki Kaurism&amp;auml;ki; Wettbewerb)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Lichter der Vorstadt&lt;/em&gt; (2006) schien sogar die meisten Kaurism&amp;auml;ki-Fans kalt gelassen zu haben, aber jetzt wird die R&amp;uuml;ckkehr des Finnen bejubelt, als h&amp;auml;tte er das Kino neu erfunden. Die Geschichte vom gutherzigen Schuhputzer Marcel Marx (Andr&amp;eacute; Wilms), der einem schwarzen Fl&amp;uuml;chtlingsjungen bei der illegalen Weiterreise von Le Havre nach England helfen will, hat viele h&amp;uuml;bsche Momente. Kaurism&amp;auml;ki spielt mit all den Klischees, die sich aus dieser Konstellation ergeben und reduziert wie immer alles aufs Wesentliche. Im Grunde erz&amp;auml;hlt er eine typische Hollywood-Geschichte so anti-hollywoodesk, dass es eine Unverfrorenheit ist, dass er damit durchkommt. Wie so oft, wenn ich so etwas sehe, frage ich mich, wie die Jubler reagiert h&amp;auml;tten, wenn da nicht Aki Kaurism&amp;auml;ki gestanden h&amp;auml;tte, sondern zum Beispiel Tom Shadyac (&lt;em&gt;Patch Adams&lt;/em&gt;)?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;The Beaver&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Der Biber; Jodie Foster; Wettbewerb/au&amp;szlig;er Konkurrenz)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Mel Gibson spielt sich als depressiver Firmenchef, der mit Hilfe einer Biber-Puppe an der linken Hand ein spektakul&amp;auml;res Comeback feiert, die Seele aus dem Leib, w&amp;auml;hrend Jodie Foster in der Rolle seiner Frau so oft so besorgt guckt, dass man sich Sorgen um sie macht. So wie es aussieht, wird der Film dem in den USA umstrittenen Gibson nicht zum Comeback verhelfen. Er lag jahrelang auf Eis &amp;ndash; so lange, dass Jennifer Lawrence (inzwischen Oscar-nominiert f&amp;uuml;r &lt;em&gt;Winter&amp;rsquo;s Bone&lt;/em&gt;) fast noch Babyspeck im Gesicht hat &amp;ndash;, und jetzt liefert er in erster Linie eine neue Definition f&amp;uuml;r den Begriff &quot;Talk to the Hand&quot;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hanezu No Tsuki&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Naomi Kawase; Wettbewerb)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Immer wieder raunt eine Stimme, zwei Berge h&amp;auml;tten um die Gunst eines dritten Bergs gebuhlt. Das sei seit Urzeiten so gewesen und auch bei Menschen zu beobachten. Dann erleben wir, wie eine Japanerin sich nicht zwischen zwei M&amp;auml;nnern entscheiden kann. Und wieder raunt die Stimme die Berge-Geschichte. Ich komme mir vor wie bei einer Hypnose, und immer, wenn ich nach kurzen, unruhigen Schlaf-Attacken wieder wach werde, pr&amp;uuml;fe ich zun&amp;auml;chst einmal, ob mir in der Zwischenzeit jemand etwas geklaut hat. *&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Belmondo, Itineraire&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Vincent Perrot; Hommage)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Unfasslich r&amp;uuml;hrend: die Hommage an Jean-Paul Belmondo. 24 Weggef&amp;auml;hrten des 78-j&amp;auml;hrigen Schauspielers werden auf die B&amp;uuml;hne gebeten, vom Regisseur Georges Lautner &amp;uuml;ber die Kollegin Claudia Cardinale bis zum immer noch hyperagilen Jean Rochefort. Danach folgt ein ordentlicher Dokumentarfilm &amp;uuml;ber seine imposante Karriere. Da wird mir noch einmal klar, dass Belmondo mich seit meiner Jugend begleitet hat, direkt nach Harold Lloyd und Louis de Fun&amp;egrave;s, aber vor Terence Hill und Bud Spencer &amp;ndash; und dass au&amp;szlig;er ihm nur Harold Lloyd haften geblieben ist. Sch&amp;ouml;n, dass Cannes einem auch solche Erinnerungen schenkt. &amp;#8486;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Melancholia&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;em&gt;(Lars von Trier; Wettbewerb)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Behandelt man einen Provokateur zu gut, kommt der ins Gr&amp;uuml;beln. Und spannt den Bogen noch heftiger. Lars von Trier, dessen Weltuntergangsst&amp;uuml;ck &lt;em&gt;Melancholia&lt;/em&gt; in Cannes so freundlich, ja begeistert aufgenommen wurde wie lange nichts von ihm, hat den Bogen &amp;uuml;berspannt. Wieviel davon Absicht war, wei&amp;szlig; er vermutlich selbst nicht. Ob Cannes auf die albernen Nazi-Anmerkungen &amp;uuml;bertrieben reagiert hat, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass Trier nicht glaubw&amp;uuml;rdig klang, als er seine Nazi-Keule schwang (&amp;uuml;ber seine &quot;Endl&amp;ouml;sung&quot;-Entgleisung gegen Journalisten und seine plumpen Spitzen gegen die Oscar-Gewinnerin Susanne Bier sprach dagegen fast niemand); und dass er erst wieder in seinem Element zu sein schien, als er vom Festival ausgeschlossen und zur &quot;Persona non grata&quot; erkl&amp;auml;rt worden war. Als sei er noch (oder schon wieder) ein Kind, das zeigen muss, dass es die gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Schaufel f&amp;uuml;r den Sandkasten besitzt, warf der D&amp;auml;ne gleich wieder mit Dreck um sich. Wem diese Muskelspiele am Ende mehr schaden werden, ist noch unklar. Im Grunde m&amp;uuml;sste Trier als Verlierer angesehen werden. Zumindest bis er mit einem seiner n&amp;auml;chsten Filme in Berlin oder Venedig re&amp;uuml;ssiert und Cannes unerfreuliche Neuigkeiten verk&amp;uuml;nden muss.&lt;br /&gt;Ach so, der Film... Ist gut (wenn auch nicht herausragend wie &lt;em&gt;Breaking The Waves&lt;/em&gt; oder &lt;em&gt;Dancer In The Dark&lt;/em&gt;), sieht h&amp;ouml;llisch gut aus, hat Spezialeffekte, die die meisten Amerikaner vor Neid erblassen lassen d&amp;uuml;rften. Trier setzt Kirsten Dunst mal in ein anderes Licht, und wieder einmal sind die M&amp;auml;nner die Weicheier, inklusive Kiefer Sutherland als Ehemann von Charlotte Gainsbourg. Als Jack Bauer h&amp;auml;tte er es jedenfalls nicht zugelassen, dass ein anderer Planet auf die Erde zurast. Mein Nachbar erinnert mich gleich an &lt;em&gt;24&lt;/em&gt;, als er eine von Sutherlands Lieblingsbemerkungen aus der unsterblichen TV-Serie zitiert: &quot;We have to put up a perimeter!&quot; Und ich erg&amp;auml;nze: &quot;Now!!&quot; &amp;#8486;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;La Conqu&amp;ecirc;te&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Die Eroberung; Xavier Durringer; Wettbewerb/au&amp;szlig;er Konkurrenz)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Franz&amp;ouml;sische Politik als Kabarett, in dem eitle M&amp;auml;nner alberne Machtk&amp;auml;mpfe und Intrigen austragen. (Herrlich: Bernard Le Coq als Jacques Chirac.) Am Ende ist Nicolas Sarkozy Staatspr&amp;auml;sident, aber ein geschlagener Mann, weil er es auf Kosten seiner Ehe und seiner Menschlichkeit geworden ist. Angeblich soll Sarkozy den Film m&amp;ouml;gen, was erstaunlich w&amp;auml;re, weil er wie eine kleine Wurst r&amp;uuml;berkommt, fast so schlecht wie Villepin.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Oslo, 31. August&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Joachim Trier; Un Certain Regard)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Ein junger, intelligenter D&amp;auml;ne, der wegen Drogensucht lange in Behandlung war, hat Freigang. Er begegnet in Oslo einigen alten Bekannten, von denen die meisten skeptisch bis ablehnend auf ihn reagieren, und macht neue Bekanntschaften, von denen einige vielversprechend wirken. Aber Anders ist nicht auf einen Neubeginn aus, sondern auf einen sauberen Abschluss. Wie jemand freiwillig aus dem Leben scheidet, obwohl er so viele M&amp;ouml;glichkeiten hat, wurde im Kino selten so k&amp;uuml;hl und konzentriert gezeigt. In einigen Punkten ist der Film herausragend durchdacht, schon die Tonmischung ist au&amp;szlig;erordentlich. &amp;#8486;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Loverboy&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Catalin Mitulesco; Un Certain Regard)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Ein junger, h&amp;uuml;bscher Rum&amp;auml;ne l&amp;auml;chelt junge Frauen an und bringt sie dazu, sich f&amp;uuml;r ihn zu prostituieren und freiwillig ins Ausland verkaufen zu lassen. Das ist unabdingbar, damit er nicht wegen Anstiftung zur Prostitution belangt werden kann. Der Film guckt sich das ziemlich k&amp;uuml;hl an, und diese Distanz tut dem Film gut.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Ichimei&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Harakiri &amp;ndash; Der Tod eines Samurais; Takashi Miike; Wettbewerb)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Ein doppelter Etikettenschwindel, wie man ihn nur selten erlebt. Wer ein paar der Filme von Takashi Miike kennt, ob nun &lt;em&gt;Ichi, der Killer&lt;/em&gt; oder &lt;em&gt;Gozu&lt;/em&gt;, der freute sich bei der Aussicht, einen Thriller von ihm im Wettbewerb zu erleben. Aber schon die Kombination Samurai/Harakiri h&amp;auml;tte einem zu denken geben m&amp;uuml;ssen. Dies ist ein ultralangsames Moralst&amp;uuml;ck. Seufz! Erschwerend kommt hinzu, dass der Film in 3D pr&amp;auml;sentiert wurde, ohne dass irgendwas nach 3D aussehen w&amp;uuml;rde. Einem Schneckenrennen beizuwohnen, w&amp;auml;re deutlich spannender gewesen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;La Piel Que Habito&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Die Haut, in der ich wohne; Pedro Almod&amp;oacute;var; Wettbewerb)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Ihre Haut ist unwirklich sch&amp;ouml;n, das f&amp;auml;llt sp&amp;auml;testens beim zweiten Blick auf. Beim ersten registriert man nat&amp;uuml;rlich zun&amp;auml;chst den eigenwilligen Ganzk&amp;ouml;rperanzug, den Vera tr&amp;auml;gt: fleischfarben, mit auff&amp;auml;llig dezenten N&amp;auml;hten, unterhalb des Busens, am Bauch, der Taille, den Beine, der Schamzone. Die Geschichte dieser sch&amp;ouml;nen Erscheinung ist bewegt, aber wie bewegt, davon hat man keine Vorstellung, als &lt;em&gt;Die Haut, in der ich wohne&lt;/em&gt; beginnt.&lt;br /&gt;Pedro Almod&amp;oacute;vars 19. Spielfilm ist ein Melodrama &amp;uuml;ber unsterbliche, also gef&amp;auml;hrliche Liebe, Obsessionen und Anma&amp;szlig;ung. Der brillante Chirurg Robert Ledgard (Antonio Banderas) hat eine ethisch diskutable Methode entwickelt, menschliche Gene und damit ihre Haut zu manipulieren. W&amp;auml;hrend er in der &amp;Ouml;ffentlichkeit noch hypothetische Vortr&amp;auml;ge h&amp;auml;lt, hat der Witwer in Vera (Elena Anaya, die vor zehn Jahren in &lt;em&gt;Luc&amp;iacute;a und der Sex&lt;/em&gt; eine tolle Nebenrolle hatte) den praktischen Beweis l&amp;auml;ngst daheim. Aber warum hat er sie weggeschlossen?&lt;br /&gt;Das w&amp;auml;re schon gen&amp;uuml;gend Stoff f&amp;uuml;r einen Film. L&amp;auml;ngst nicht genug f&amp;uuml;r Almod&amp;oacute;var, der es darauf anlegt, die Filme von Alfred Hitchcock und Georges Franju (&lt;em&gt;Augen ohne Gesicht&lt;/em&gt;) nicht blo&amp;szlig; zu zitieren, sondern hinter sich zu lassen. Also kommen nach einer Weile Versuchung und Vergebung, Rache, Familiengeheimnisse und eine Entf&amp;uuml;hrung hinzu, aber nicht mit den Ergebnissen, die man erwarten k&amp;ouml;nnte. Der spanische Exzentriker schreddert den Katalog der gro&amp;szlig;en Kinogef&amp;uuml;hle mit Wonne; besser gesagt: Er setzt das Skalpell an und setzt die ganze Geschichte aus heiterem Himmel aus einer anderen Perspektive zusammen.&lt;br /&gt;Bei den meisten Filmemachern w&amp;uuml;rde ein Viertel der Emotionen und Kolportage-Elemente ausreichen, um das Werk rettungslos aus dem Gleichgewicht zu rei&amp;szlig;en. Aber Almod&amp;oacute;var, dem in seiner Vita gro&amp;szlig;e Gesten keineswegs fremd waren, bleibt im Gegenteil k&amp;uuml;hl. Mitunter wirkt sein Ansatz fast unterk&amp;uuml;hlt. Das f&amp;uuml;hrt dazu, dass man auf Distanz bleibt, zum Beispiel mehr als in seinem Meisterwerk &lt;em&gt;Sprich mit ihr&lt;/em&gt; (2002). Aber vermutlich ist das die einzige Art, die Geschichte nicht ins L&amp;auml;cherliche abgleiten zu lassen. Und uns einzuladen zu einem dritten Blick. &amp;#8486;&amp;Theta;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;L&amp;rsquo;Exercice De L'&amp;Eacute;tat&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Der Minister; Pierre Schoeller; Un Certain Regard)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Franz&amp;ouml;sische Politik als Alltagskrimi, ein Ensemble-Drama, wie es im Kino offenbar nur die Franzosen hinbekommen. Der Film verfolgt das Schaffen des Verkehrsministers (Olivier Gourmet), der mit normalen R&amp;uuml;ckschl&amp;auml;gen und ekligen Intrigen fertig werden muss. Nichts davon ist nur ann&amp;auml;hernd so lustig wie in &lt;em&gt;La conqu&amp;ecirc;te&lt;/em&gt;, aber &lt;em&gt;L&amp;rsquo;Exercice de l&amp;rsquo;&amp;Eacute;tat&lt;/em&gt; ist auch nicht als Satire konzipiert, sondern fast wie ein Thriller. Au&amp;szlig;erdem gibt es einen Moment der brutalen &amp;Uuml;berraschung, wie man ihn sogar in Horrorfilmen nur noch selten erlebt. &amp;#8486;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In Film Nist&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Dies ist kein Film; Jafar Panahi &amp;amp; Mojtaba Mirtahmasb)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Das Arbeitsverbot f&amp;uuml;r den iranischen Filmemacher Jafar Panahi ist eine Schande. Gleichzeitig macht man sich im Westen wahrscheinlich falsche Vorstellungen &amp;uuml;ber sein Dasein w&amp;auml;hrend des Hausarrests. Das ist zumindest die Folgerung aus der Dokumentation &lt;em&gt;Dies ist kein Film&lt;/em&gt;, die auf einem USB-Stick aus Iran nach Cannes geschmuggelt wurde. Darin sieht man Panahi, wie er daheim ist, telefoniert, Projekte und/oder seinen Fall bespricht und filmt. Man sieht auch, dass der Hausarrest wohl nicht mit Strafen zu vergleichen ist, die man aus China kennt oder der ehemaligen Sowjetunion. Das ist kein Trost f&amp;uuml;r Panahi, aber ein bisschen erleichtert nimmt man das schon zur Kenntnis. #&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Il &amp;Eacute;tait Une Fois ... Orange M&amp;eacute;canique&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Es war einmal &amp;bdquo;Uhrwerk Orange&amp;ldquo;; Antoine de Gaudemar; Cannes Classic)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Ein Dokumentarfilm &amp;uuml;ber die Dreharbeiten zu Stanley Kubricks &lt;em&gt;Uhrwerk Orange&lt;/em&gt;. Den Film kenne ich auswendig, und au&amp;szlig;erdem reden in diesem nicht einmal einst&amp;uuml;ndigen R&amp;uuml;ckblick die Beteiligten (wie Hauptdarsteller Malcolm McDowell) frontal in die Kamera. Deshalb kann ich es verkraften, die Dokumentation in einem 20&amp;ordm;-Winkel zur Leinwand zu sehen. Aber wie kann man auf diesen Sitzen ganze Filme ansehen?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Uhrwerk Orange&lt;/em&gt; selbst schenke ich mir, schlie&amp;szlig;lich ist dies (neben den Monty-Python-Werken) einer der wenigen F&amp;auml;lle, in denen ich die deutsche Synchronisation (Dialogregie: Wolfgang Staudte) noch besser finde als das Original.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Drive&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Nicolas Winding Refn; Wettbewerb)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Dieser existentialistische Actionfilm erinnert zun&amp;auml;chst einmal schmerzlich daran, dass keines der gro&amp;szlig;en Festival zur richtigen Zeit Michael Mann oder Walter Hill eingeladen hat. Beide standen Pate f&amp;uuml;r Nicolas Winding Refn, den Regisseur der &lt;em&gt;Pusher&lt;/em&gt;-Trilogie, als es darum ging, die Geschichte eines Renn- und Stuntfahrers zu erz&amp;auml;hlen. Der Driver (Ryan Gosling) ger&amp;auml;t unerwartet in einen kriminellen Strudel, weil er die neue Nachbarin (Carey Mulligan) toll findet. Als ihr Mann aus dem Gef&amp;auml;ngnis entlassen und zu einem weiteren Coup gezwungen wird, hilft unser wortkarger Held aus. Nur um festzustellen, wie mies es um die Moral des Mobs bestellt ist. Aber der Driver ist h&amp;auml;rter als seine Gegner. Der Film klingt nach einer idealen Mischung aus &lt;em&gt;Thief&lt;/em&gt; (Mann) und &lt;em&gt;Driver&lt;/em&gt; (Hill), aber irgendwann kommt er vom Weg ab und begeht Fehler, die nur Amateure unterlaufen. Schade um die tollen Ans&amp;auml;tze. &amp;#8486;&amp;Theta;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;This Must Be The Place&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Paolo Sorrentino; Wettbewerb)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Die ersten Momente sind furchteinfl&amp;ouml;&amp;szlig;end, die Erinnerung an &lt;em&gt;I Am Sam&lt;/em&gt; kommt sofort wieder hoch. Der Gang gebeugt, das geschminkte Gesicht oft verdeckt von den Str&amp;auml;hnen einer w&amp;uuml;sten, tiefschwarzen Per&amp;uuml;cke, zieht Sean Penn mit hoher Stimme durch die ersten Szenen dieses Films, als werde er die Geschichte dominieren. Das passiert dann auch &amp;ndash; aber wesentlich weniger penetrant als man glauben k&amp;ouml;nnte. Paolo Sorrentino verl&amp;auml;sst Dublin, wo Penn als ehemaliger Poprockstar seinen ehemaligen Starstatus pflegt, und bricht mit seinem Star zu einer Entdeckungsreise nach Amerika auf, geschickt untermalt von Songs vom Talking-Heads-Kopf David Byrne, an dem man wegen &lt;em&gt;True Stories&lt;/em&gt; (1986) ohnehin denken muss. Nicht alles in &lt;em&gt;This Must Be The Place&lt;/em&gt; ist wirklich gelungen, aber es ist schwer, sich dem Sog der Ereignisse zu entziehen. Ein echt seltsamer Film.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hwanghae&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Der M&amp;ouml;rder/Yellow Sea; Hong-jin Na; Un Certain Regard)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Der wildeste Film, den ich in Cannes gesehen habe: brutal, w&amp;uuml;st, hemmungslos. Dem Regisseur Hong-jin Na gelingt es m&amp;uuml;helos, seinen vergangenen Film, den kruden Polizei-Thriller &lt;em&gt;The Chaser&lt;/em&gt;, in jeder Hinsicht zu &amp;uuml;berbieten. Ein verzweifelter, versoffener, hoch verschuldeter und offenbar von seiner Frau verlassener Taxifahrer erh&amp;auml;lt von einem proletigen Mobboss den Auftrag, im Niemandsland zwischen S&amp;uuml;d- und Nordkorea sowie China einen Mann umzubringen. Der Mann stirbt, wenn auch nicht ann&amp;auml;hernd so wie geplant, und von jenem Moment an wird unser Held Gu-nam gejagt: von der Polizei sowie von zwei konkurrierenden Gangstergruppen, die sich irgendwann gegenseitig mit langen scharfen Messern und Beilen traktieren. Der schluffe Loser Gu-nam entwickelt dabei Nehmer- und Steherqualit&amp;auml;ten, die an Bruce Willis in seinen besten Tagen erinnern.&lt;br /&gt;Der Film l&amp;auml;uft in einer Nebensektion, f&amp;uuml;r die auch Eintrittskarten f&amp;uuml;r die Bewohner von Cannes verlost werden. Ich sitze in einer Reihe mit zehn etwa 16-j&amp;auml;hrigen Sch&amp;uuml;lerinnen, die merklich begeistert sind, dass sie in diesen Film durften. Aber die Gewalt des Films holt sie bald ein, und vor lauter Blut, herumfliegenden Fingern und anderen K&amp;ouml;rperteilen verbringen sie in der abschlie&amp;szlig;enden Stunde die meiste Zeit damit, die H&amp;auml;nden vor die eigenen Augen zu legen. *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bir Zamanlar Anadolu'da&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Es war einmal in Anatolien; Nuri Bilge Ceylan; Wettbewerb)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Gegen Ende eines Festivals wird es f&amp;uuml;r die Filme immer schwieriger. Das hat weniger mit einem Aufmerksamkeitsdefizit zu tun als mit einem Ungeduldssyndrom, das es nach zehn Tagen von Filmen verlangt, schnell zur Sache zu kommen. Insofern ist &lt;em&gt;Bir Zamanlar Anadolu&amp;rsquo;da&lt;/em&gt; verheerend terminiert. Denn wie alle Filme von Nuri Bilge Ceylan (&lt;em&gt;Jahreszeiten&lt;/em&gt;) l&amp;auml;sst sich auch dieser unendlich viel Zeit, fast 160 Minuten sind angek&amp;uuml;ndigt. Auf drei Autos verteilt, fahren Polizisten, Mordverd&amp;auml;chtige, ein Arzt und ein Staatsanwalt durch die Nacht, auf der Suche nach jener Stelle, an der eine Leiche vergraben wurde. Eine Stunde lang findet die suchende Gruppe nichts. Dann legt sie eine Pause von einer halben Filmstunde ein. Als man dann am Morgen danach weitersucht, sagt der T&amp;auml;ter endlich mit gro&amp;szlig;er Bestimmtheit: &quot;Hier ist es!&quot; Und zur Erleichterung (fast) aller im Saal klatscht ein Zuschauer im Saal. Danach nimmt der Film seinen alten Trott wieder auf.&lt;br /&gt;Die ganze Zeit &amp;uuml;berlege ich, was die Coen-Br&amp;uuml;der aus diesem Stoff gemacht h&amp;auml;tten. Sie m&amp;ouml;gen die Filme von Nuri Bilge Ceylan &amp;uuml;brigens sehr. Immer noch unvergessen ist ihr Kurzfilm &lt;em&gt;World Cinema&lt;/em&gt;&amp;ldquo;, in dem Josh Brolin als herber Cowboy in &lt;em&gt;Jahreszeiten&lt;/em&gt; geht. #&amp;#8486;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;La Source Des Femmes&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Die Quelle der Frauen; Radu Mihaileanu; Wettbewerb)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;Und dann stehen dem Kino auch profane Dinge im Weg: Koffer packen, Apartment aufr&amp;auml;umen, den K&amp;uuml;hlschrank etwas leerer essen. Nur im Ausnahmefall k&amp;ouml;nnte ich &lt;em&gt;La Source Des Femmes&lt;/em&gt; zu Ende sehen. Der Fall tritt fast ein. Die Geschichte handelt von einem kleinen islamischen Dorf, in dem die Frauen einen Sexstreik beginnen, weil die M&amp;auml;nner sich weigern, ihnen bei der t&amp;auml;glichen Arbeit zur Hand zu gehen. Die Botschaft ist absehbar, aber die Umsetzung bewegend. Fast widerwillig mache ich mich aus dem Staub. Aber andererseits: Was kann zum Abschluss eines Festivals sch&amp;ouml;ner sein als das Gef&amp;uuml;hl, einen Film unbedingt noch zu Ende sehen zu m&amp;uuml;ssen? #&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;#: vorzeitig verlassen&lt;br /&gt;*: zum Teil verschlafen&lt;br /&gt;&amp;#8486;: Ein Film, der bestimmt Michael Althen gefallen h&amp;auml;tte&lt;br /&gt;&amp;Theta;: Ein Film, den uns Hans Schifferle (noch besser) erkl&amp;auml;ren muss&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Robert De Niro und seine Jury haben ihre Preise vergeben. Wenn es nach mir gegangen w&amp;auml;re, h&amp;auml;tte die Gewinner so gehei&amp;szlig;en:&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Goldene Palme:&lt;/strong&gt; &lt;em&gt;Polisse&lt;/em&gt; (Ma&amp;iuml;wenn)&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gro&amp;szlig;er Preis:&lt;/strong&gt; &amp;bdquo;&lt;em&gt;Le Gamin Au V&amp;eacute;lo&lt;/em&gt; (Jean-Pierre &amp;amp; Luc Dardenne)&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Regie:&lt;/strong&gt; Terrence Malick (&lt;em&gt;The Tree Of Life&lt;/em&gt;) [Im Grunde m&amp;uuml;sste aber auch dieser Preis an Ma&amp;iuml;wenn gehen]&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Darsteller:&lt;/strong&gt; Jean Dujardin (&lt;em&gt;The Artist&lt;/em&gt;)&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Darstellerin:&lt;/strong&gt; Tilda Swinton (&lt;em&gt;We Have To Talk About Kevin&lt;/em&gt;)&lt;br /&gt;Sonderpreis f&amp;uuml;r das Ensemble in &lt;em&gt;Polisse&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Drehbuch:&lt;/strong&gt; &lt;em&gt;La Piel Que Habito&lt;/em&gt; (Pedro Almod&amp;oacute;var)&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Preis der Jury:&lt;/strong&gt; &lt;em&gt;Melancholia&lt;/em&gt; (Lars von Trier)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Simpler geordnet: die Top 7 des Festivals.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Polisse&lt;/em&gt; (Ma&amp;iuml;wenn)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Midnight In Paris&lt;/em&gt; (Woody Allen)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Le Gamin Au V&amp;eacute;lo&lt;/em&gt; (Jean-Pierre &amp;amp; Luc Dardenne)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;La Piel Que Habito&lt;/em&gt; (Pedro Almod&amp;oacute;var)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;L&amp;rsquo;Exercice De L&amp;rsquo;&amp;Eacute;tat&lt;/em&gt; (Pierre Schoeller)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;The Artist&lt;/em&gt; (Michel Hazanavicius)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;La Source Des Femmes&lt;/em&gt; (Radu Mihaileanu)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das war also die 64. Ausgabe des Filmfestivals von Cannes, ein eher &amp;uuml;berdurchschnittlicher Jahrgang. &quot;Will you still need me / will you still feed me / when I&amp;rsquo;m sixty-four?&quot; fragten einst die Beatles. Keine Frage. Wir brauchen es immer noch &amp;ndash; und es f&amp;uuml;ttert uns immer noch mit unvergesslichen Momenten und Filmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die 39 Stufen</dc:subject>
    <dc:creator>Milan Pavlovic</dc:creator>
    <dc:date>2011-05-24T18:56:00+01:00</dc:date>
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    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/35760</link>
    <title>Ein irrer Spaß</title>
    <description>&lt;p&gt;Schikanen, Schwachsinn, schaukelnde Nymphen: Warum sich unser Autor Cannes zum 29. Mal antut (womit er zusammengerechnet ein Jahr seines Lebens in dieser Kleinstadt verbracht hat). Ein Fazit mit den besten und schlechtesten Filme des Jahres.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/34378.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ein Anruf aus der Heimat. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&quot;Hast Du Robert De Niro gesehen?&quot;, lautet die erste Frage, und noch bevor ich antworten kann, f&amp;auml;hrt die Gespr&amp;auml;chspartnerin fort: &quot;Der war ganz ger&amp;uuml;hrt, als sich im Palais das ganze Publikum f&amp;uuml;r ihn erhob.&quot; Die Antwort lautet &lt;em&gt;Nein&lt;/em&gt;, die Szene spielte sich bei der Er&amp;ouml;ffnungsgala von Cannes ab, zu der man h&amp;auml;tte geladen sein m&amp;uuml;ssen, um sie verfolgen zu k&amp;ouml;nnen. &quot;Aber Du bist doch in Cannes?!&quot;, lautet die n&amp;auml;chste, eher rhetorische Frage, denn die Anruferin wei&amp;szlig;, wo ich bin. &quot;Ja&amp;ldquo;, entgegne ich trotzdem und f&amp;uuml;ge hinzu: &quot;Selbst wenn das hier im Fernsehen live &amp;uuml;bertragen worden w&amp;auml;re, h&amp;auml;tte ich es nicht sehen k&amp;ouml;nnen. Ich stand n&amp;auml;mlich gerade vor einem anderen Kino an, um in einen Kunstfilm &amp;uuml;ber eine Studentin zu gehen, die ihren K&amp;ouml;rper verkauft.&quot; Die Bemerkung dazu war fast absehbar: &quot;Da h&amp;auml;tte ich mir an deiner Stelle aber lieber Robert De Niro angesehen.&amp;ldquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Dialog passt prima zu einem der &amp;auml;ltesten Vorurteile der Festivalgeschichte und dazu, wie sehr sich der Eindruck von diesem Festival in der Heimat von der Realit&amp;auml;t eines in Cannes arbeitenden Journalisten unterscheidet. Das Klischee sagt, dass man in praller Sonne Stars sieht und Spa&amp;szlig; hat und irre Filme sieht. Das stimmt alles und k&amp;ouml;nnte dennoch kaum weiter von der Realit&amp;auml;t entfernt sein, vergleichbar ungef&amp;auml;hr mit der Distanz zwischen Nord- zu S&amp;uuml;dkorea.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/34380.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man sieht Filme, von denen viele so irre sind, dass nur wenige von ihnen in normalen Kinos rund um den Globus gezeigt werden. Man sieht auch die Stars, aber im Grunde aus noch gr&amp;ouml;&amp;szlig;erer Ferne als sonst, und das &amp;auml;ndert sich selbst dann nicht, wenn man sie in den ber&amp;uuml;chtigten Round-Table-Interviews trifft, bei denen f&amp;uuml;nf bis f&amp;uuml;nfzehn Reporter gef&amp;uuml;hlte f&amp;uuml;nf bis f&amp;uuml;nfzehn Minuten Zeit haben, um Fragen zu stellen &amp;ndash; bevor manche von ihnen um Autogramme bitten. Und wenn abends der ber&amp;uuml;hmte Gang &amp;uuml;ber den Roten Teppich zur Gala ansteht, ist der professionelle Kinog&amp;auml;nger laut Zeitplan aufgefordert, um die Ecke im &lt;em&gt;Salle Debussy&lt;/em&gt;, dem zweitgr&amp;ouml;&amp;szlig;ten Kino der Stadt, die abendliche Pressevorf&amp;uuml;hrungen jenes Films zu besuchen, dessen Gala am n&amp;auml;chsten Abend ansteht.&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Zudem sind die meisten Teppichg&amp;auml;nge, das muss endlich mal gesagt werden, l&amp;auml;ngst nicht so aufregend wie man sich das w&amp;uuml;nschen w&amp;uuml;rde. Idealerweise h&amp;auml;tte man zw&amp;ouml;lf Oscar-Abende hintereinander. Aber in Wahrheit werden die Stufen zum &lt;em&gt;Grand Auditorium Lumi&amp;egrave;re&lt;/em&gt; zumeist von franz&amp;ouml;sischen Sternchen erklommen, deren Namen selbst Eingeweihten oft nicht bekannt sind. Immer wieder treten die Damen von L&amp;rsquo;Or&amp;eacute;al an, darunter die stolze Jane Fonda. Und es kommt auch tats&amp;auml;chlich vor, dass Angelina Jolie auftaucht, um Brad Pitt zu begleiten. (Oder umgekehrt, so wie 2008, als Brad zu Ehren von Angelina anreiste.)&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/34381.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 	           &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Die Diva fehlt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aber es fehlt auch in diesem Jahr eine Konstante: eine gro&amp;szlig;e Diva, wie sie Emmanuelle B&amp;eacute;art als Jury-Mitglied 2004 war; oder eine gnadenlose Selbstdarstellerin, wie sie 2002 bei praktisch jeder Gelegenheit perfekt von Sharon Stone verk&amp;ouml;rpert wurde. In diesem Jahr gibt es in der Jury zwei potentielle Kandidatinnen f&amp;uuml;r die Rolle des Hinguckers. Martina Gusman (&quot;L&amp;eacute;onera&amp;ldquo;) ist freilich zu unbekannt. Und Uma Thurman ist zwar weiterhin ein Knockout. Aber erstens ist sie riesig &amp;ndash; weshalb Jury-Pr&amp;auml;sident Robert De Niro so aussieht, als br&amp;auml;uchte er eine Leiter, um auf Augenh&amp;ouml;he mit seinem Co-Star aus &quot;Mad Dog and Glory&amp;ldquo; (1993) zu gelangen. Und zweitens ist sie ziemlich zur&amp;uuml;ckhaltend. Das ist ein angenehmer Charakterzug, disqualifiziert sie allerdings f&amp;uuml;r die Rolle der Selbstdarstellerin.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/34374.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;Der professionelle Festivalgast studiert derweil ohnehin nebenan das Programm des gleichen oder des folgenden Tages, immer auf der Suche nach der einen Entdeckung oder exklusiven Offenbarung. Man k&amp;ouml;nnte sich auf die offiziellen Sektionen beschr&amp;auml;nken, das w&amp;auml;ren mehr Filme, als es irgendwer schaffen k&amp;ouml;nnte. Aber das w&amp;auml;re ja weder gewagt noch abenteuerlich. Also sondieren viele die Listen der Marktvorf&amp;uuml;hrungen, die in den Kinos jenseits des roten Teppichs laufen. Einige von ihnen direkt unter oder &amp;uuml;ber den illustren S&amp;auml;len im &lt;em&gt;Palais des Festivals&lt;/em&gt;; einige von ihnen in den eigens gebauten Riviera-Kinos hinter dem &lt;em&gt;Palais des Festivals&lt;/em&gt;; und die meisten von ihnen mehrere Minuten entfernt in der&lt;em&gt; Rue d&amp;rsquo;Antibes&lt;/em&gt;, die zugleich die wichtigste Shopping-Stra&amp;szlig;e des St&amp;auml;dtchens ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es gibt mehr als genug Filme im Angebot: t&amp;auml;glich mindestens zehn in den offiziellen Sektionen und weit &amp;uuml;ber 150 im Markt. Dar&amp;uuml;ber informieren t&amp;auml;glich kostenlos vier ernstzunehmende dailies: die Branchenbl&amp;auml;tter &lt;em&gt;Variety&lt;/em&gt;, &lt;em&gt;The Hollywood Reporter&lt;/em&gt;, &lt;em&gt;Screen International &lt;/em&gt;sowie &amp;ndash; auf franz&amp;ouml;sisch &amp;ndash; &lt;em&gt;Le film fran&amp;ccedil;ais&lt;/em&gt;. Darin werden die neuesten Deals bekanntgegeben, ein paar Ger&amp;uuml;chte gestreut und die neuen Filme rezensiert. In &lt;em&gt;Screen&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Le film fran&amp;ccedil;ais&lt;/em&gt; gibt es zum Abschluss eine t&amp;auml;glich aktualisierte Liste mit Wertungen, &amp;uuml;ber die selbst jene Kritiker diskutieren, die so etwas gerne als albern und unw&amp;uuml;rdig ablehnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bevor es das Internet gab, erlebten diese Publikationen goldene Jahre. Einige Tagesausgaben waren in den 80er Jahren so dick, dass sie glatt als Mordwerkzeuge in Betracht gezogen werden mussten. Wenn man sie alle zusammen mitnahm, hatte man manchmal Angst, sich einen Bruch zu heben. Mittlerweile hat auch hier das Internet seine Spuren hinterlassen, und die Hefte sind deutlich d&amp;uuml;nner als noch vor zehn Jahren. (Inzwischen wird man ja auch per E-Mail mit &quot;Breaking News&amp;ldquo; &amp;uuml;ber weitere Deals &amp;uuml;berh&amp;auml;uft.) Nach einer Woche und trotz aller Meldungen vom boomenden Markt sind die Dailies nun schon am Mittwoch wieder so d&amp;uuml;nn, dass sie nicht einmal mehr als F&amp;auml;cher taugen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Die nervigsten Trends &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aber bis dahin gab es ohnehin zu bl&amp;auml;ttern und zu sichten. Und zu kichern, &amp;uuml;ber die neuen Trends. Vor zwei, drei Jahren wurde man mit Bollywood-Produktionen bombardiert. Das ist l&amp;auml;ngst Vergangenheit. In diesem Jahr gibt es mehrere Trends, von denen deutsche Kinog&amp;auml;nger hoffentlich nur wenige erleben m&amp;uuml;ssen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1. Es gibt so viele &lt;span style=&quot;text-decoration: underline;&quot;&gt;Animationsfilme&lt;/span&gt; wie noch nie. Bestimmt nur zuf&amp;auml;llig erinnern sie an &quot;Rio&amp;ldquo; (&quot;Zambezia 3D&amp;ldquo;, &quot;Leafie, a Hen into the Wild&amp;ldquo;) oder an &quot;Drachenz&amp;auml;hmen leicht gemacht&amp;ldquo; (&quot;Legends of Valhalla&amp;ldquo;) oder an &quot;Findet Nemo&amp;ldquo; (&quot;Seafood&amp;ldquo;) oder an &quot;Kungfu Panda&amp;ldquo; (&quot;Legend of a Rabbit 3D&amp;ldquo;, beworben mit der Zeile &quot;This bunny doesn&amp;rsquo;t hop&amp;ldquo;). Hinzu kommen schauderhafte Plakate wie jene zu &quot;Rorrim Bo &amp;amp; the Magic Goblet&amp;ldquo;, &quot;Freddy Frogface 3D&amp;ldquo; oder &quot;Cucaracha&amp;ldquo;, nat&amp;uuml;rlich ebenfalls in 3D.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2. &lt;span style=&quot;text-decoration: underline;&quot;&gt;3D&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;Das enervierende neue Kinoformat gibt es auch jenseits von Animation f&amp;uuml;r alles m&amp;ouml;gliche, sogar die R&amp;uuml;ckkehr von Softpornos (&quot;Sex and Zen &amp;ndash; Extreme Ecstasy&amp;ldquo;) erscheint lukrativ. Und wenn das nicht geht, dann kann man ja auch einfach nur alte Filme in 3D herausbringen (&quot;Der Nussknacker&amp;ldquo;, &quot;Battle Royale&amp;ldquo;).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/34376.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Foto: Schauspielerinnen von &quot;Sex and Zen&quot;)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3. &lt;span style=&quot;text-decoration: underline;&quot;&gt;Asiatisches&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;Action, Horror, Kungfu. Komplett austauschbar. Kann jemand mit Bestimmtheit sagen, ob dieser oder jener Film nicht schon im vergangenen Jahr angeboten wurde?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;4. &lt;span style=&quot;text-decoration: underline;&quot;&gt;Horrorfilme&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;Gehen ebenfalls immer. Und immer noch billiger. Die Top f&amp;uuml;nf der schlockigsten Ank&amp;uuml;ndigungen: &quot;The Toolbox Murders&amp;ldquo; (Werbezeile: &quot;If you can&amp;rsquo;t be something great, do something terrible&quot;), &quot;Snow Beast&amp;ldquo; (&quot;Bloodthirsty and hungry ... for humans!&quot;), &quot;The Howling Reborn&amp;ldquo; (&quot;When darkness falls, the moon will rise, and a legend will be reborn&amp;ldquo;), &quot;Bong of the Dead&amp;ldquo; (&quot;There will be Bud!&quot;), &quot;Robin Hood &amp;ndash; Ghosts of Sherwood in 3D&amp;ldquo; (ganz ohne Zeile, aber mit einem Skelett als Robin Hood!?).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was freilich schlimmer ist: Anzeigen f&amp;uuml;r Filme, bei denen Menschen beteiligt sind, die man so nie sehen wollte, weil so der oft in jahrzehntelanger Arbeit erworbene Ruf gef&amp;auml;hrdet wird. Zum Beispiel die Kom&amp;ouml;die &quot;The Big Wedding&amp;ldquo;, f&amp;uuml;r die neben Vielfilmer Robert De Niro auch Katherine Heigl und Diane Keaton engagiert wurden. Klingt gar nicht so schlecht? Nun, die Produktion kommt aus dem Hause Nu Image/Millennium, das bislang kaum einen guten Film hervorgebracht hat. De Niros vergangene Nu-Image/Millennium-Produktion &quot;Righteous Kill&amp;ldquo; (Kurzer Prozess; 2008) brachte das Kunstst&amp;uuml;ck fertig, trotz der Beteiligung von De Niro und Al Pacino scheu&amp;szlig;lich missgl&amp;uuml;ckt zu sein. Weitere anstehende Geschenke von Nu Image/Millennium: &quot;The Texas Chainsaw Massacre 3D&amp;ldquo; (beworben mit der vielversprechenden Zeile: &quot;Vom Produzenten von &amp;raquo;Saw 3D: The Final Chapter&amp;laquo;),&quot;Hercules 3D&amp;ldquo; (beworben mit: &quot;Man. God. Hero.&amp;ldquo;)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch schauderhafter fiel das Wiedersehen mit anderen echt alten Bekannten aus, ob nun Rosanna Arquette (&quot;Exodus Fall&amp;ldquo;), Christina Ricci (&quot;War Flowers&amp;ldquo;), Heather Graham (&quot;The Flying Machine&amp;ldquo;, selbstverst&amp;auml;ndlich in 3D) oder dem Regisseur Roland Joff&amp;eacute;, der vor 25 Jahren mit &quot;The Mission&amp;ldquo; (nat&amp;uuml;rlich mit Robert De Niro) die Goldene Palme in Cannes gewann, nun aber bei einem Studio gelandet ist, das seinen neuen Kriegsfilm &quot;There Be Dragons&amp;ldquo; aussehen l&amp;auml;sst wie ein Sch&amp;uuml;lerprojekt. Man wei&amp;szlig;, dass die Beteiligten f&amp;uuml;r die n&amp;auml;chste Zeit f&amp;uuml;rs Qualit&amp;auml;tskino verloren sind, wenn sie in solchen Anzeigen (und solchen Filmen) auftauchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Manchmal hat man den Eindruck, irgendwer h&amp;auml;tte sich einen teuren Scherz erlaubt und w&amp;uuml;rde die Leser dabei filmen, wie ihnen bei manchen Ank&amp;uuml;ndigen die M&amp;uuml;nder offenstehen. Unangefochtener Spitzenreiter der ersten Woche: das indische Drama &quot;Dear Friend Hitler...&amp;ldquo;, das sehr lustig sein soll &amp;ndash; allerdings vollkommen ungewollt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Trotzdem fahndet man aus Tradition weiter, schlie&amp;szlig;lich gab es hier &amp;uuml;ber die Jahre genug Entdeckungen, selbst 2010 wurde man noch mit &quot;Centurion&amp;ldquo; belohnt. In den 70ern, als Mainstream-Filme wie &quot;Pirates of the Caribbean 4&amp;ldquo; noch nicht in der offiziellen Auswahl landeten, muss Cannes ein Eldorado gewesen sein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/34377.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;In den 80ern, das wei&amp;szlig; ich aus eigener Erfahrung, war es immer noch lohnenswert, nach Sch&amp;auml;tzen zu graben. In den 90ern begann die &amp;Auml;ra, dass viele Filme schon vor Drehbeginn verkauft wurden und in Cannes immer weniger vorgef&amp;uuml;hrt wurde. Und heutzutage ist das Angebot noch d&amp;uuml;nner. Man liest absurde Anrei&amp;szlig;er-Zeilen wie &quot;The Shining meets a Vittorio de Sica film&amp;ldquo; oder &quot;Run Lola Run [Lola rennt] meets Taken&amp;ldquo;. Inhaltsangaben wie &quot;Two Lost Souls meet and connect in ...&amp;ldquo; kommen mit unterschiedlichen St&amp;auml;dte- oder L&amp;auml;ndernamen j&amp;auml;hrlich mehrmals vor, und auch hier wird man das Gef&amp;uuml;hl nicht los, dass man mitunter gerade veralbert wird. Zum Film &quot;Bonsai&amp;ldquo; hei&amp;szlig;t es zum Beispiel: &quot;At the end of this film, Emilia dies and Julio remains alone. Actually, Julio had remained alone several years before Emilia&amp;rsquo;s death. What matters is at the end, Emilia dies and Julio does not die. Julio lives and Emilia does not live. The rest is fiction.&amp;ldquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Noch jemand Lust auf Kino?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Die franz&amp;ouml;sischen Organisatoren und Ordner lassen nichts unversucht, sie einem zu nehmen mit ihren Regeln und Vorschriften, die gerne von heute auf morgen, ach was: von einer Vorstellung zur n&amp;auml;chsten ge&amp;auml;ndert werden. Wer, wann, wo rein, sitzen und raus darf, ist je nach Uhrzeit unterschiedlich. Wenn man tats&amp;auml;chlich mal in eine Nachmittagsvorstellung ins &lt;em&gt;Grand Auditorium Lumi&amp;egrave;re &lt;/em&gt;muss, weil der Film nur dann und dort gezeigt wird, der muss eine absurde Reihe von Kontrollen und Umwegen in Kauf nehmen, die Zeit und Nerven kosten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da in diesem Jahr wegen des Internets und der Invasion der Blogger wieder mehr Journalisten akkreditiert wurden, sind die S&amp;auml;le wieder voller als in den vergangenen Jahren. Bei &quot;The Tree of Life&amp;ldquo; war der untere Teil im gut 2500 Menschen fassenden Lumi&amp;egrave;re bereits 35 Minuten vor Beginn voll, bei der bezaubernden Hommage an Jean-Paul Belmondo bekam man 30 Minuten vor dem angek&amp;uuml;ndigten Eintreffen der Stars keinen Platz mehr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/34373.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 	           &lt;input id=&quot;bildid2&quot; name=&quot;bilderids[]&quot; type=&quot;hidden&quot; value=&quot;34373&quot; /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dementsprechend fr&amp;uuml;h muss man da sein, um einen guten Platz zu bekommen und nicht durch die Reihen laufen zu m&amp;uuml;ssen mit den Fragen &quot;Ist der Platz frei?&amp;ldquo; oder &quot;Ist der Platz reserviert?&amp;ldquo;, was je nach Fragestellung gerne zu Missverst&amp;auml;ndnissen und unwirsch gef&amp;uuml;hrten Dialogen f&amp;uuml;hrt. Wer nun auch noch das Pech hat, nicht zu den drei brauchbaren Kategorien zu geh&amp;ouml;ren &amp;ndash; wer also nicht wei&amp;szlig;, rosa mit Punkt oder rosa hat, sondern blau, gelb oder br&amp;auml;unlich &amp;ndash;, der verbringt t&amp;auml;glich fast soviel Zeit in Warteschlangen wie im Kino.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In diesem Jahr ist als neue Schikane verf&amp;uuml;gt worden, dass man keine eigenen Wasserflaschen mehr in die Kinos mitbringen kann. Das ist eigentlich eine Petitesse, ist aber nicht sehr erquicklich, wenn man von morgens von acht bis sechzehn Uhr im Kino sitzt oder vor dem n&amp;auml;chsten Film ansteht. Abgesehen davon hat die Ma&amp;szlig;nahme nichts mit Terrorgefahren zu tun &amp;ndash; sondern blo&amp;szlig; damit, dass die Veranstalter keine Lust mehr haben, den Saal zwischen den Vorf&amp;uuml;hrungen gro&amp;szlig; aufzur&amp;auml;umen. Das ist nachvollziehbar, aber irgendwie unmenschlich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und was kommt nach dem Kino?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Wenn man Lust, Kraft und die passenden Einladungen hat, kann es jeden Abend abgehen. Ich habe meistens nichts davon, sondern lese lieber ein paar Tage sp&amp;auml;ter beschwingt, was es alles f&amp;uuml;r tolle Parties gab. In diesem Mai klang bisher am spannendsten, was &lt;em&gt;Canal+&lt;/em&gt; zu bieten hatte. (Das ist ein Pay-TV-Sender, wie es in Deutschland &lt;em&gt;Sky&lt;/em&gt; gerne w&amp;auml;re &amp;ndash; mit dem sanften Unterschied, dass das franz&amp;ouml;sische Kinowesen ohne die Beteiligung von &lt;em&gt;Canal+ &lt;/em&gt;l&amp;auml;ngst nicht mal mehr die H&amp;auml;lfte wert w&amp;auml;re.) Die &lt;em&gt;Canal+&lt;/em&gt;-Fete fand auf den H&amp;uuml;geln oberhalb von Cannes statt, mit einem hinrei&amp;szlig;enden Blick auf die Stadt, Bedienungen in Black-Swan-Kost&amp;uuml;men sowie einer halbnackten Nymphe, die auf einer Schaukel &amp;uuml;ber den G&amp;auml;sten schwebte und diese sanft mit Blumen bewarf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beschreibungen und Fotos zu dieser Party waren atemberaubend. Wor&amp;uuml;ber allerdings gerne geschwiegen wird, ist der abenteuerlich komplizierte R&amp;uuml;ckweg nach Cannes, was ja insofern ein Problem darstellt, da um 8.30 Uhr morgens der erste Film ansteht, der zumeist der wichtigste des Tages ist. Und da in diesem Jahr wegen des Internets und der Invasion der Blogger wieder mehr Journalisten akkreditiert wurden ... ach so, das hatten wir ja schon. Es ist ein Teufelskreis, elf Tage lang.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/34379.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 	           &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum ich mir Cannes trotzdem zum 29. Mal antue &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;(... womit ich zusammengerechnet ein Jahr meines Lebens in dieser Kleinstadt verbracht habe), ist eine naheliegende Frage. Man kann Cannes zugleich lieben und hassen. Mehr aber noch lieben. Denn nirgendwo sonst auf der Welt kann man bei &amp;auml;hnlich sonnigen Rahmenbedigungen ann&amp;auml;hernd so viele interessante Filme am St&amp;uuml;ck sehen und in einem vergleichbaren Zusammenhang erleben. Es wirkt dann irgendwann nicht mehr wie ein Zufall, wenn morgens zun&amp;auml;chst Terrence Malicks Sch&amp;ouml;pfungswerk &quot;The Tree of Life&amp;ldquo; gezeigt wird und danach Bruno Dumonts abseitiger &quot;Outside Satan&amp;ldquo;. Wenn die komplett unterschiedlichen Paris-Filme &quot;Midnight in Paris&amp;ldquo; und &quot;Polisse&amp;ldquo; nahe zueinander terminiert werden. Wenn man aus dem Kindererziehungsdrama &quot;We Need to Talk about Kevin&amp;ldquo; herauskommt und das P&amp;auml;dophilendrama &quot;Michael&amp;ldquo; ansteht. Wenn sich das Thema der Vater/Sohn-Problematik wie ein Roter Faden durch eine Reihe von Wettbewerbsfilmen zieht. Wenn man Zeuge einer Hommage an Jean-Paul Belmondo wird. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und au&amp;szlig;erdem gilt: Wenn die Franzosen soviele herausragende neue Filme liefern wie in diesem Jahr (auf &quot;Polisse&amp;ldquo; folgten noch der Stummfilm &quot;The Artist&amp;ldquo; sowie &quot;Denen man nicht verzeiht&amp;ldquo;, der neue Film von Andr&amp;eacute; T&amp;eacute;chin&amp;eacute;; obendrein lief in franz&amp;ouml;sischer Sprache noch &quot;Der Junge auf dem Fahrrad&amp;ldquo; von den belgischen Dardenne-Br&amp;uuml;dern), dann vergibt man ihnen alle Schikanen. Na ja, fast alle.</description>
    <dc:subject>Ein irrer Spaß</dc:subject>
    <dc:creator>Milan Pavlovic</dc:creator>
    <dc:date>2011-05-18T15:17:00+01:00</dc:date>
  </item>

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    <title>Aber es war ein Smartphone!</title>
    <description>&lt;p&gt;Filmfestspiele in Cannes, Eintrag 2: Ein franz&amp;ouml;sischer Polizeifilm begeistert unseren Autoren Milan Pavlovic und veranlasst ihn zu  einer ungew&amp;ouml;hnlichen Tat.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/34384.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Ma&amp;iuml;wenn Le Besco von Polisse auf dem roten Teppich)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Manche Dinge passieren einem w&amp;auml;hrend der Filmfestspiele von Cannes allj&amp;auml;hrlich mehrmals; zum Beispiel dass man von franz&amp;ouml;sischen Ordnern und/oder Obern wie debiles Kleinvieh behandelt wird, f&amp;uuml;r das sogar Rindertreiber zu gut w&amp;auml;ren. Manches dagegen passiert so gut wie nie. Vor exakt einem Vierteljahrhundert hatte ich mir zuletzt einen Film gleich zweimal an einem Tag angesehen. Wer macht so etwas schon noch? Doch dann kam &lt;em&gt;Polisse&lt;/em&gt;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt; &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie so oft in solchen F&amp;auml;llen waren die Erwartungen vorher nicht &amp;uuml;berm&amp;auml;chtig. Es war zu h&amp;ouml;ren gewesen, dass der Film vom Alltag einer Pariser Jugendschutzbrigade handele und vermutlich nur deshalb im Wettbewerb gelandet sei, weil die Regisseurin Ma&amp;iuml;wenn einst mit dem m&amp;auml;chtigen Filmschaffenden Luc Besson (&lt;em&gt;Nikita, Das f&amp;uuml;nfte Element&lt;/em&gt;) liiert war, h&amp;uuml;bsch ist und ein paar bekannte franz&amp;ouml;sische Gesichter versammeln konnte. Das Ger&amp;uuml;cht, dies sei ein Werk vom Regisseur, der &amp;bdquo;den Film mit den Wassermelonen&amp;ldquo; gedreht habe, konnte vorab aus der Welt geschafft werden, schlie&amp;szlig;lich ist Luc Besson weder schwul noch mit einem Mann verheiratet, und den Melonenfilm &lt;em&gt;The Wayward Cloud&lt;/em&gt; hat Tsai Ming-Liang inszeniert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was sich erst bei der Ansicht von &lt;em&gt;Polisse&lt;/em&gt; als Ente herausstellte, war die Vorab-Klassifizierung, es handele sich um eine Sozialsatire. Hier werden Zust&amp;auml;nde nicht ironisch &amp;uuml;berspitzt, niemand erhebt sich &amp;uuml;ber andere oder belustigt sich auf Kosten anderer, weil er es besser wei&amp;szlig;. Die Geschichte spielt dort in Paris, wo es zumeist ungem&amp;uuml;tlich ist: wo P&amp;auml;dophile sich an (ihren) Kindern vergreifen und Frauen ihre S&amp;ouml;hne bei der Polizei abgeben wollen, weil sie sie nicht mehr ern&amp;auml;hren oder von der Stra&amp;szlig;e weghalten k&amp;ouml;nnen; diese Welt wird bev&amp;ouml;lkert von M&amp;auml;nnern, die ihre minderj&amp;auml;hrigen Verwandten zu Straftaten n&amp;ouml;tigen und von drogenabh&amp;auml;ngigen M&amp;uuml;ttern, die ihre Babys entf&amp;uuml;hren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Klingt zun&amp;auml;chst nach einer Menge Klischees, aber der Film &amp;ndash; quasi ein ultrarealistisches Gegenst&amp;uuml;ck zu Woody Allens vertr&amp;auml;umtem Er&amp;ouml;ffnungsfilm &lt;em&gt;Midnight in Paris&lt;/em&gt; &amp;ndash; st&amp;uuml;rzt sich ungesch&amp;uuml;tzt und voll auf Augenh&amp;ouml;he mit den Protagonisten in den Alltag. &lt;em&gt;Polisse&lt;/em&gt; komprimiert das, was andere in eine komplette Staffel einer TV-Serie &amp;agrave; la &lt;em&gt;The Wire&lt;/em&gt; oder &lt;em&gt;The Shield&lt;/em&gt; packen w&amp;uuml;rden, auf etwas &amp;uuml;ber zwei Stunden. Und als w&amp;auml;re diese Leistung nicht hoch genug einzusch&amp;auml;tzen, gelingt es der gelernten Schauspielerin Ma&amp;iuml;wenn, jedem aus ihrem gut ein Dutzend Charaktere umfassenden Personal eigenst&amp;auml;ndige Merkmale zu verleihen, die jeder Episode Tiefe verleihen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im ersten Moment k&amp;ouml;nnte man glauben, dies sei eine lose aneinandergereihte Sammlung brillanter Szenen. Aber &lt;em&gt;Polisse&lt;/em&gt; ist weit mehr als das. Als wir den Film verlie&amp;szlig;en &amp;ndash; aufger&amp;uuml;ttelt, animiert, hungrig &amp;ndash;, brachen wir zu f&amp;uuml;nft auf zu einem Abendessen in Gedenken an den &lt;a href=&quot;http://www.sueddeutsche.de/kultur/zum-tod-des-grossen-film-kritikers-michael-althen-der-pionier-1.1096695&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;am Vormittag verstorbenen Autor und Freund Michael Althen&lt;/a&gt;. Dort erz&amp;auml;hlten wir dem Kollegen Kniebe, der nicht ins Kino hatte gehen k&amp;ouml;nnen, von dem Film und wie gut er Michael Althen wahrscheinlich gefallen h&amp;auml;tte. Althen liebte ja unter anderem franz&amp;ouml;sische Filme, aufregende Frauen, Autorenwerke und Action &amp;ndash; und &lt;em&gt;Polisse&lt;/em&gt; hat all das im &amp;Uuml;berfluss zu bieten. Wir erz&amp;auml;hlten einzelne Szenen nach und begeisterten uns, unisono wie selten, &amp;uuml;ber die H&amp;auml;rte, den Witz, die Sch&amp;auml;rfe, die oft schockierenden Details und die pointierten Dialoge.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir erz&amp;auml;hlten: von der redseligen Ermittlerin im Team (Karin Viard), die mitten w&amp;auml;hrend des Scheidungstermins zu ihrem untreuen Mann geht, sich vorbeugt und einmal tief in seinem Nacken einatmet; wie eine Pariserin ganz erstaunt reagiert, als man ihr erkl&amp;auml;rt, dass es sexueller Missbrauch ist, wenn man dem einj&amp;auml;hrigen Sohn einen runterholt, damit er Ruhe gibt; wie der Intellektuelle der Brigade kurz mal so redet wie die Leute um ihn herum; wie die Muslimin des Ermittlungsteams einen engstirnigen Landsmann anbr&amp;uuml;llt, er m&amp;ouml;ge ihr die Stellen im Koran zeigen, an denen die Unterdr&amp;uuml;ckung der Frauen verlangt werde; wie die junge Frau (Ma&amp;iuml;wenn), die den Alltag der Brigade in einer Reihe von Fotos festhalten soll, einmal am Schie&amp;szlig;stand zwei Sch&amp;uuml;sse abgeben darf und danach so angespannt ist, dass sie die Waffe kaum mehr loslassen kann; wie ein reicher Gesch&amp;auml;ftsmann all seine perversen Phantasien und Taten offenbart, weil er wei&amp;szlig;, dass er unantastbar ist; wie zwei langj&amp;auml;hrige Kolleginnen all jene &amp;uuml;ber Jahre aufgestauten Sachen rausschreien; wie eine Sch&amp;uuml;lerin erz&amp;auml;hlt, man habe ihr das Handy nur unter der Bedingung zur&amp;uuml;ckgegeben, dass sie drei Jungs einen blasen w&amp;uuml;rde &amp;ndash; und auf die entgeistert-belustigten Bemerkungen erwidert: &quot;Aber es war ein Smartphone!&quot;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;W&amp;auml;hrend wir all das erz&amp;auml;hlten, reifte der Entschluss, den Film in der sp&amp;auml;ten Wiederholung noch einmal anzugucken. Und siehe da: Erst beim zweiten Mal fiel richtig auf, wie konzentriert und genau abgestimmt die scheinbar lose Szenenfolge war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Polisse&lt;/em&gt; wird hoffentlich bald auch in deutschen Kinos f&amp;uuml;r Diskussionsstoff sorgen. In Cannes hat er mehr als entsch&amp;auml;digt f&amp;uuml;r all die Entt&amp;auml;uschungen, die sich nach dem sch&amp;ouml;nen Er&amp;ouml;ffnungsfilm aufget&amp;uuml;rmt hatten: &lt;em&gt;We Need to talk about Kevin&lt;/em&gt; mit Tilda Swinton, eine &amp;uuml;berambitioniert zersplitterte &quot;Warum ist mein Sohn ein Amokl&amp;auml;ufer?&amp;ldquo;-Geschichte, die leider eher wie &quot;Das Omen, Teil 7&amp;ldquo; funktionierte; &quot;&lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=mLvPBSJi_7I&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;&lt;em&gt;Habemus Papam&lt;/em&gt;&amp;ldquo;, Nanni Morettis zahmer Papstfilm&lt;/a&gt;, der h&amp;ouml;chstens verbohrte Katholiken schockieren d&amp;uuml;rfte und f&amp;uuml;r alle anderen halbwegs normalen Menschen gnadenlos ins Leere l&amp;auml;uft; und nicht zuletzt &lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=fQPDZulp0qc&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Gus van Sants Teenager-Krebs-Romanze &lt;em&gt;Restless&lt;/em&gt;&lt;/a&gt;, die trotz der Hauptdarstellerin Mia Wasikowska (&lt;em&gt;The Kids Are All Right&lt;/em&gt;) mehr wie &lt;em&gt;Patch Adams 2&lt;/em&gt; wirkte &amp;ndash; und uns am diesem Tag besonders unpassend vorkam.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Michael Althen h&amp;auml;tte wahrscheinlich trotzdem ein paar nette Worte f&amp;uuml;r Gus van Sant und Tilda Swinton gefunden. Deshalb: Nichts Schlechtes &amp;uuml;ber tote Filme, sondern nur Entz&amp;uuml;ckung &amp;uuml;ber &lt;em&gt;Polisse&lt;/em&gt;.</description>
    <dc:subject>Aber es war ein Smartphone!</dc:subject>
    <dc:creator>Milan Pavlovic</dc:creator>
    <dc:date>2011-05-14T09:38:00+01:00</dc:date>
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