<?xml version="1.0" encoding="iso-8859-1"?>
<rdf:RDF 
  xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#"
  xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
  xmlns:cc="http://web.resource.org/cc/"
  xmlns="http://purl.org/rss/1.0/"
  xmlns:mn="http://usefulinc.com/rss/manifest/"

         xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
>

  <channel rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de:80/rsslabel/94">
    <title>sz-magazin.de - Fernsehen</title>
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//labels/anzeigen/94</link>
    <description>Alle Texte zu dem Label Fernsehen auf sz-magazin.de</description>
    <image rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//img/jetztxml/szmagazin.gif" />
    <items>
      <rdf:Seq>
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39841" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39749" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39679" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39625" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39435" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39439" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39381" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39079" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39045" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39043" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38769" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38683" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38021" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37745" />
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37555" />
      </rdf:Seq>
    </items>
  </channel>

  <image rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//img/jetztxml/szmagazin.gif">
     <title>sz-magazin.de</title>
     <url>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//img/jetztxml/szmagazin.gif</url>
     <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//labels/anzeigen/94</link>
     <dc:description>Alle Texte zu dem Label Fernsehen auf sz-magazin.de</dc:description>
  </image>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39841">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39841</link>
    <title>»Sex ohne Humor kann ich nicht ernst nehmen«</title>
    <description>&lt;p&gt;Ina M&amp;uuml;ller hat es zur besten  Schnodderschnauze des deutschen Fernsehens gebracht. Ein Gespr&amp;auml;ch &amp;uuml;ber  Alkohol vor der Kamera und die Kunst, mit der Bettdecke nur das  N&amp;ouml;tigste zu verh&amp;uuml;llen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/58959.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Frau M&amp;uuml;ller, k&amp;ouml;nnen Sie einen Bullen kastrieren?&lt;br /&gt;Ina M&amp;uuml;ller:&lt;/strong&gt; Ja. Und ich kann auch einer Kuh beim Kalben helfen. Ich bin ein Bauernhofkind.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Stimmt es, dass Sie als Kind an Hospitalismus litten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja. Bis ich 13 war, gab es keine Nacht, in der ich nicht im Bett so lange hin und her schaukelte, bis ich bewusstlos zur Seite wegkippte. Das muss ein tragisches Bild gewesen sein, aber mir war halt immer so unglaublich langweilig. Meine Eltern haben sich wenig mit uns Kindern besch&amp;auml;ftigt. Ihnen war wichtig, dass wir die Hosen nicht voll hatten, dass uns der Rotz nicht lief und dass wir still waren, wenn die Nachrichten kamen. Wir waren keine Kuschelfamilie, in der k&amp;ouml;rperliche N&amp;auml;he angesagt war.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sie haben vier Schwestern. Hatten Sie Ihr eigenes Zimmer?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Nein. Wir Kinder schliefen zu f&amp;uuml;nft in einem Raum, aufgeteilt auf drei Betten. Das waren noch diese alten Oma-Hochzeitsbetten. Wir waren Laufgitterkinder. Morgens wurden wir aus dem Bett gehoben, gewickelt, und dann ab ins Laufgitter. Das war schon sehr &amp;ouml;de, denn es passierte ja nichts auf diesen Bauernh&amp;ouml;fen. Manchmal h&amp;ouml;rte man einen Trecker, oder der Hund lief am Laufgitter vorbei. Unser Blockbuster hie&amp;szlig; Hausschlachtung. Als ich mit vier Jahren in den Kindergarten kam, brach die sch&amp;ouml;nste Zeit meiner Kindheit an. Endlich passierte was.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie waren Sie mit 15?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Viel mehr Kind als die Girls heute. Es war unvorstellbar f&amp;uuml;r mich, eine Nylonstrumpfhose anzuziehen oder Nagellack zu benutzen. Das h&amp;auml;tte ich als peinlich und eklig sexy empfunden. Vor der Schule half ich oft beim Melken. Danach musste ich schnell Haare waschen, weil die nach Kuh stanken. Das Wasser war eiskalt, weil die K&amp;auml;lber das warme Wasser bekamen. Im Winter froren meine langen Haare auf dem Weg zur Bushaltestelle zu einem Eisfladen. Passend dazu h&amp;ouml;rte ich auch noch uncoole Musik von Angelo Branduardi, Hermann van Veen und Barclay James Harvest. Ich trug wei&amp;szlig;e Netzhandschuhe und in meinem Boris-Becker-Stirnband steckte eine lange Feder. Ich f&amp;uuml;rchte, ich war die Einzige, die das extrem modern fand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nach der Schule arbeiteten Sie zehn Jahre lang in Apotheken.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich mochte gern mit diesem wei&amp;szlig;en Kittel rumlaufen und mag Apotheken bis heute. Die riechen so gut. Nicht dreckig sein, gut riechen und immer warmes Wasser: das Paradies.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Peter Ustinov sagte einmal &amp;uuml;ber sich: &amp;raquo;Indem einem fast alles zur Pointe wird, h&amp;auml;lt man die Welt auf sicherem Abstand. Ich bin ein scheuer und sch&amp;uuml;chterner Mensch, der sich versteckt, indem er die Flucht nach vorn antritt.&amp;laquo; Trifft das auch auf Sie zu?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fast alle Humoristen behaupten, sie seien als Kind entweder dick oder h&amp;auml;sslich gewesen, und beginnen ihre Lebensgeschichten mit dem Satz: &amp;raquo;Ich war ja mal Messdiener &amp;hellip;&amp;laquo; Bei mir dagegen kamen die Komplexe erst nach der Pubert&amp;auml;t. Ich war ein verklemmter Sp&amp;auml;tz&amp;uuml;nder. Flirten war mir peinlich. Dass ich mit 18 Sex hatte, hat sich zuf&amp;auml;llig so ergeben. Es h&amp;auml;tte auch gut erst mit 25 passieren k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Woody Allen meint: &amp;raquo;Hochkomische Menschen f&amp;uuml;rchten sich tief in ihrem Inneren vor Sex. Das Lachen ist f&amp;uuml;r sie der Schutzmechanismus gegen Sex.&amp;laquo; Richtig?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wahrscheinlich ist das so. Ich reagiere seit jeher auf flirtige Situationen mit Humor &amp;ndash; immer in der Hoffnung, dann keinen Sex haben zu m&amp;uuml;ssen. Klappt aber zum Gl&amp;uuml;ck nicht immer. Ich finde, Humor darf beim Sex nicht fehlen. Was sonst passiert, kann man in Pornofilmen beobachten. Das sieht meist tragisch aus und h&amp;ouml;rt sich albern an. Ich k&amp;ouml;nnte Sex ohne Humor nicht ernst nehmen, auch meinen eigenen nicht. Au&amp;szlig;erdem ist sich totzulachen ja auch eine Form von Orgasmus. Man m&amp;uuml;sste mal ausprobieren, ob es geht, sich gleichzeitig oben- und untenrum totzulachen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Ist Witz die Kultivierung einer Aggression, wie Freud behauptete?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Der zynische, b&amp;ouml;sartige Witz vielleicht. Meine Witze t&amp;auml;nzeln fluffig auf der G&amp;uuml;rtellinie rum und fallen manchmal runter. Damit k&amp;ouml;nnte Freud nichts anfangen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wann verl&amp;auml;sst Sie Ihr Humor? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn beim Joggen ein Hund auf mich losgeht und das Herrchen schreit: &amp;raquo;Sie d&amp;uuml;rfen nicht stehenbleiben! Das mag er nicht.&amp;laquo; Oder wenn ich beim Schlangestehen den Atem fremder Menschen in meinem Nacken sp&amp;uuml;re. Da trete ich nach hinten aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Erz&amp;auml;hlen Sie gern Witze?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja. Mein momentaner Lieblingswitz geht so: Wohin geht Pinocchio, wenn er erk&amp;auml;ltet ist? &amp;ndash; Zum Holz-Nasen-Ohrenarzt. Darf ich noch einen? Wie hei&amp;szlig;t das Geschlechtsteil vom Elefanten? &amp;ndash; Dicktierger&amp;auml;t.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Geh&amp;ouml;ren Sie zu den Naturen, die drei&amp;szlig;ig, vierzig Witze am St&amp;uuml;ck erz&amp;auml;hlen k&amp;ouml;nnen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;Uuml;berhaupt nicht. J&amp;uuml;rgen von der Lippe kann das richtig gut oder, was ich nicht gedacht h&amp;auml;tte, Olli Dittrich. Er mag das nicht, aber er kann es. Als Fips Asmussen in meiner Sendung war, habe ich mich zur Vorbereitung durch alte Kassetten von ihm geh&amp;ouml;rt. Nach drei&amp;szlig;ig Minuten wurde ich aggressiv und dann wurde mir schlecht. Zu viele Witze verursachen &amp;Uuml;belkeit. Das ist wie zu viel Alkohol.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum gibt niemand zu, dass er keinen Humor hat?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Alle Frauen wollen einen Mann mit Humor. Da sagt doch keiner freiwillig: &amp;raquo;Du, Uschi, isch habe Jeeeld, isch sehe jut aus, aber isch bin leider v&amp;ouml;llich humorlos.&amp;laquo; Da kickt der sich doch selber ins Off.&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;&lt;/span&gt;F&amp;uuml;r die n&amp;auml;chste Runde habe ich mir vorgenommen, einfach mal nichts zu fragen&lt;span&gt;.&amp;laquo;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/58961.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Der Sabbelb&amp;uuml;del&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die vierte von f&amp;uuml;nf T&amp;ouml;chtern einer  Bauernfamilie wuchs im nieders&amp;auml;chsischen K&amp;ouml;hlen auf und arbeitete zehn  Jahre lang in Apotheken, bevor sie 1994 mit Edda Schnittgart das  Kabarett-Duo Queen Bee gr&amp;uuml;ndete. Mit ihren plattdeutschen Lese- und  Gesangsprogrammen machte M&amp;uuml;ller zun&amp;auml;chst in Norddeutschland Karriere.  Seit 2007 moderiert sie die Late-Night-Show &amp;raquo;Inas Nacht&amp;laquo;, f&amp;uuml;r die sie  mit dem Deutschen Fernsehpreis und dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde.  Die 47-J&amp;auml;hrige lebt im Hamburger Stadtteil St. Georg und ist mit dem  Pops&amp;auml;nger Johannes Oerding liiert.&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Macht Humor Frauen attraktiv, oder meiden M&amp;auml;nner diesen Typ?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe es sehr gut geschafft, M&amp;auml;nner, die mich nicht beachtet haben, durch Humor auf mich aufmerksam zu machen. In wissenschaftlichen Studien wurde aber festgestellt, dass der Mann die Witze lieber selber machen m&amp;ouml;chte und es sexy findet, wenn die Frau dann lacht. Das ist f&amp;uuml;r mich nat&amp;uuml;rlich eine Katastrophe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wor&amp;uuml;ber machen Sie keine Witze?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Da f&amp;auml;llt mir grad nichts ein.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Was entgegnen Sie Menschen, die Ihr Verhalten in &lt;em&gt;Inas Nacht&lt;/em&gt; ordin&amp;auml;r finden?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Sofort umschalten! Und in irgendeinem Forum lauthals die Fernsehgeb&amp;uuml;hren zur&amp;uuml;ckfordern.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie viele Promille trinken Sie sich in der Sendung an?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das variiert von null bis 1,2. Es gibt geheime Zeichen, mit denen ich Frau M&amp;uuml;ller am Tresen klarmache, ob ich ein normales Bier m&amp;ouml;chte oder alkoholfreies. Wenn ich null Promille habe, war ich in der Sendung davor so betrunken, dass ich zwei Tage sp&amp;auml;ter nicht schon wieder Alkohol trinken kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie viel vertragen Sie?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Manchmal kann ich zehn Bier trinken, ohne dass ich umfalle. Manchmal reichen drei, und ich bin hin. Je mehr Ausdauersport ich mache, umso mehr vertrage ich. Leider vergesse ich das Wassertrinken zwischendurch. Ich w&amp;uuml;rde mir so w&amp;uuml;nschen, dass mir Wasser so gut schmeckt wie Bier. Aber es schmeckt mir halt &amp;uuml;berhaupt nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sind Sie auch privat ein Fragensteller?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja. Allerdings oft aus Not. Wenn ich mit fremden Menschen in einer Runde sitze, versuche ich die gehemmte Stimmung durch Fragen aufzuw&amp;auml;rmen. Es fragt aber nie mal einer was zur&amp;uuml;ck. Vielleicht bin ich zu distanzlos oder meine Fragen sind zu privat. F&amp;uuml;r die n&amp;auml;chste Runde habe ich mir vorgenommen, einfach mal nichts zu fragen. Das wird ein Spa&amp;szlig;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum kommen nur Frauen auf die Idee, ihren Partnern Fragen zu stellen wie: &amp;raquo;Wenn es mich nicht g&amp;auml;be, mit welcher meiner Freundinnen w&amp;uuml;rdest du schlafen?&amp;laquo;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Manchmal denke ich, ich bin vielleicht gar keine richtige Frau, weil ich meinem Freund nie so eine Frage stellen w&amp;uuml;rde. Da kann man ja auch gleich noch fragen, an wen er denn beim Onanieren so denkt. Egal was er antwortet, es kann nur falsch sein. Wahrscheinlich stellen Frauen solche Fragen auch nicht, um die Wahrheit zu erfahren, sondern um den Humor und die Kreativit&amp;auml;t ihres Partners zu testen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben M&amp;auml;nner seit der Mutterfrage &amp;raquo;Hast du schon Pipi gemacht?&amp;laquo; eine Abneigung gegen Frauen, die Fragen stellen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich glaube, die heute 30-J&amp;auml;hrigen reden gerne mit Frauen. Sie sind nicht mehr so verklemmt und konfliktscheu und stellen sogar selber Fragen. Das liegt daran, dass ihre M&amp;uuml;tter mit Kolle und den Stones und der Gleichberechtigungsfrage aufgewachsen sind und deshalb mit ihren Jungs mehr als nur die Pipi-Frage besprochen haben.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wer stellt im Fernsehen die besten Fragen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bettina B&amp;ouml;ttinger.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihr Freund, der Pops&amp;auml;nger Johannes Oerding, ist 16 Jahre j&amp;uuml;nger als Sie. Kommen Sie damit klar, dass Ihr K&amp;ouml;rper 47 Jahre hinter sich hat?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ja, aber ich habe meine Tricks &amp;ndash; zum Beispiel wie man die Bettdecke so drapiert, dass nur das Positive rausguckt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum halten Sie sich f&amp;uuml;r &amp;raquo;nicht zusammenwohnkompatibel&amp;laquo;?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Das Elend beginnt in dem Moment, wo man zusammenzieht. Wenn du eine gemeinsame H&amp;ouml;hle beziehst, entromantisiert sich die Beziehung. Wie soll ich denn mit jemand noch Sex haben wollen, dessen Unterhose ich waschen muss? Es glaubt immer keiner, aber ich m&amp;ouml;chte nie wieder mit einem Mann, den ich liebe, eine Wohnung teilen. Ich habe ein Lied, das hei&amp;szlig;t: Ich ziehe aus, weil ich dich liebe. Ich brauche asoziale Tage ohne Reden und Verst&amp;auml;ndnis, aber mit Chips und Horrorfilme-Gucken bis in die Nacht in meinem Frottee-Nachthemd mit dem B&amp;auml;rchen drauf. Ich m&amp;ouml;chte mir nie wieder w&amp;uuml;nschen, dass der andere doch bitte einfach mal weggeht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Einer Illustrierten erz&amp;auml;hlten Sie einmal von Ihrer Sehnsucht, &amp;raquo;einfach weggeheiratet zu werden&amp;laquo;.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bei uns im Dorf waren die Unverheirateten immer die &amp;Uuml;briggebliebenen. Das war das schlimmste Schicksal. Das hat sich wohl in meine Hirnwindungen eingefr&amp;auml;st.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Was hat den gr&amp;ouml;&amp;szlig;eren therapeutischen Wert: Lachen oder Weinen?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ich mag beides. Und wenn nichts mehr geht, kann man immer noch Horrorfilme gucken. Wissenschaftler haben festgestellt, dass Weinen nur dann hilft, wenn man am Ende eine L&amp;ouml;sung f&amp;uuml;r das Problem hat. Einfach nur heulen bringt nichts au&amp;szlig;er dicke Augen und &amp;rsquo;ne rote Nase.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Haben Sie eine Lieblingssendung?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, &lt;em&gt;Visite&lt;/em&gt;. Das ist wie die verfilmte Apotheken Umschau. Es geht um interessante Krankheitsbilder wie Knochenschmerzen, zu denen &amp;Auml;rzte ein bisschen was erz&amp;auml;hlen. Manchmal schreibe ich mir deren Namen auf und denke, wenn du mal einen Arzt brauchst, dann den.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sind Frauen f&amp;uuml;r Frauen genauso r&amp;auml;tselhaft wie f&amp;uuml;r M&amp;auml;nner?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Nein. Frauen sind doch in Sekunden zu durchschauen. Nach zwei Minuten habe ich sie abgescannt und wei&amp;szlig; genau: Typ A, B oder C.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie gehen jedes Jahr auf Konzerttournee. Haben Sie Groupies?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Der Popptourismus von Popstars ist ein M&amp;auml;nnerph&amp;auml;nomen. Es gibt M&amp;auml;nner, die mich bei Konzerten anschmachten, aber am Ende liegen wir nicht gemeinsam im Hotelbett. Das f&amp;auml;nde ich auch &amp;auml;u&amp;szlig;erst unappetitlich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie Sex zu Ihrer eigenen Musik?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Ich h&amp;ouml;re beim Sex gar keine Musik, weil ich es als musikalischer Mensch sehr schwierig finde, einen Sexrhythmus zu finden, w&amp;auml;hrend ein bestimmter Beat l&amp;auml;uft. Es gibt Menschen, die zu Musik joggen oder Sex machen k&amp;ouml;nnen. Ich kann beides nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sagten einmal: &amp;raquo;Von eigenen Kindern bin ich so weit entfernt wie Afrika von Norderney.&amp;laquo; M&amp;ouml;gen Kinder Sie?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Nicht alle. Ich kann mit Kindern nicht gut umgehen, weil ich st&amp;auml;ndig zu ironisch bin. Damit k&amp;ouml;nnen Kinder nichts anfangen. Mir fehlen wohl auch die Nerven f&amp;uuml;r Kinder. Ich hab es gerne ruhig. Das h&amp;auml;ngt mit meiner Kindheit zusammen. Es war immer &amp;uuml;berall laut. Ich verstehe auch nicht, warum Eltern immer so laut mit ihren Kindern reden, als w&amp;auml;ren die Kleinen schwerh&amp;ouml;rig. Weil die Kinder so weit unten sind und die Eltern so weit oben? Die Vorstellung, selber ein Kind zu kriegen, hat mir immer Angst gemacht, schon die Geburt an sich und das ganze Drumherum. Und dann wird der arme Mann auch noch in den Krei&amp;szlig;saal geschleppt, muss seine Frau leiden sehen, sich den verklebten S&amp;auml;ugling auf der schwitzenden, abgek&amp;auml;mpften Mutter ansehen und das alles toll finden. Das kann doch keiner wollen! Meine Mama hat immer gesagt: &amp;raquo;Wenn ihr Kinder kriegt, geh ich mit in den Krei&amp;szlig;saal. Der Mann hat da nichts zu suchen. Wenn alles gewaschen ist, kann er reinkommen, und ihr sagt: &amp;rsaquo;Es hat auch gar nicht weh getan.&amp;lsaquo;&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es Bereiche, wo Sie heute sagen, da bin ich nah am Wasser gebaut?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja. Mittlerweile empfinde ich Empathie f&amp;uuml;r Sachen, die mich fr&amp;uuml;her nicht ber&amp;uuml;hrt haben. Dem v&amp;ouml;llig zerzausten Punker-Eichh&amp;ouml;rnchen vor meiner Balkont&amp;uuml;r kaufe ich Bio-Haseln&amp;uuml;sse. Das w&amp;auml;re mir fr&amp;uuml;her nicht passiert. Wenn keine N&amp;uuml;sse da sind, stemmt das Eichh&amp;ouml;rnchen die &amp;Auml;rmchen in die Seite und guckt mich fies an. Ich denke dann, es geh&amp;ouml;rt vielleicht zu einer Dr&amp;uuml;ckerkolonne und kriegt richtig &amp;Auml;rger, wenn es ohne N&amp;uuml;sse in die Zentrale zur&amp;uuml;ckkommt. Dann lege ich schnell neue N&amp;uuml;sse raus. Jedenfalls habe ich keine Angst mehr vor Alterseinsamkeit. Ich habe ja mein Eichh&amp;ouml;rnchen.&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Sex ohne Humor kann ich nicht ernst nehmen«</dc:subject>
    <dc:creator>Sven Michaelsen (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2013-04-24T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39749">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39749</link>
    <title>»Ich hafte für meine Figuren«</title>
    <description>&lt;p&gt;Gro&amp;szlig;e Kunst oder blo&amp;szlig;e  Provokation? Der TV-Macher Christian Ulmen l&amp;auml;sst absurde Gestalten auf  echte Menschen los, schaut zu, was passiert - und tritt allen auf die  F&amp;uuml;&amp;szlig;e. Ein Gespr&amp;auml;ch.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/58235.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Herr Ulmen, mal spielen Sie den minderbemittelten Moderator Uwe W&amp;ouml;llner, mal einen herablassenden Aristokratenschn&amp;ouml;sel, peinlich f&amp;uuml;r alle Beteiligten wird es immer. Scham, Heiterkeit, Wut &amp;ndash; welches Gef&amp;uuml;hl wollen Sie beim Zuschauer eigentlich ausl&amp;ouml;sen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Christian Ulmen:&lt;/strong&gt; Dar&amp;uuml;ber denke ich nicht viel nach, die Unberechenbarkeit der Situation macht ja ihren Reiz aus. Ich habe schon in den Neunzigerjahren bei MTV mit peinlichen Situationen gespielt. Einmal bin ich in einem H&amp;uuml;hnchenkost&amp;uuml;m an einen Imbissstand und habe K&amp;ouml;nigsberger Klopse bestellt. Der Verk&amp;auml;ufer war so &amp;uuml;berfordert, dass er mir eine ins Gesicht gezimmert hat. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hat&amp;rsquo;s wehgetan?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Erst im zweiten Moment. Mein erster Gedanke war: Hoffentlich hatten die das im Bild. Ich kann mich an einen Sketch erinnern, &amp;uuml;ber den wir uns damals wahnsinnig viele Gedanken gemacht haben: Ein offensichtlich spastisch gel&amp;auml;hmter Mann im Rollstuhl f&amp;auml;hrt zu einem Passanten und fl&amp;uuml;stert ihm was ins Ohr. Daraufhin haut der ihm eine runter. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;D&amp;uuml;rfte Ihnen viele emp&amp;ouml;rte Zuschriften eingebracht haben.&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Keine einzige! Der Film ist einfach versandet, vielleicht weil es damals noch kein Youtube und Facebook gab.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Christian Ulmen, Stefan Raab, Joko und Klaas, Simon Gosejohann &amp;ndash; das Fernsehen ist voller Typen, die anderen Leuten Fallen stellen. Warum haben wir so ein Bed&amp;uuml;rfnis, andere doof aussehen zu lassen?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Moment, da muss man dringend differenzieren. Wenn Karsten van Ryssen &amp;auml;lteren Damen das Mikro vor die Nase h&amp;auml;lt und fragt, ob man Schaschlik legalisieren sollte &amp;ndash; was sich wie Haschisch anh&amp;ouml;rt &amp;ndash;, und die &amp;uuml;berrumpelten Rentnerinnen sagen &amp;raquo;Nein&amp;laquo; und stehen da wie Volldeppen, dann ist das was anderes, als wenn Gosejohann mit einem riesigen Plastikpenis in der Radlerhose am Strand entlanggeht und filmen l&amp;auml;sst, wie die Leute schauen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wo ist der Unterschied?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Bei Gosejohann wird keiner manipuliert oder in eine Situation gepresst. Die Leute k&amp;ouml;nnen reagieren oder nicht &amp;ndash; genau das mache ich auch seit Jahren. Fallenstellen lehne ich ab, also wenn Menschen in Situationen gebracht werden, in denen sie nur verlieren k&amp;ouml;nnen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zum Beispiel?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Es gab mal einen Film mit versteckter Kamera bei &lt;em&gt;Verstehen Sie Spa&amp;szlig;?&lt;/em&gt;, in dem ein angeblicher Scheich einen Bodyguard suchte. Einem Bewerber wurde im Vorstellungsgespr&amp;auml;ch suggeriert, er habe beste Aussichten auf den Job. Letzte H&amp;uuml;rde: Der Bodyguard m&amp;uuml;sse ein Eunuch sein. Am Ende hat sich der Mann tats&amp;auml;chlich auf einen Gyn&amp;auml;kologenstuhl gesetzt, um sich kastrieren zu lassen, weil er den Job so dringend gebraucht hat. Das war &amp;auml;u&amp;szlig;erst dem&amp;uuml;tigend, aber so was wird als legitimer Samstagabend-Ulk einer traditionsreichen Familienshow hingenommen. Das ist wenig fein und in seiner Vorhersehbarkeit stinklangweilig. W&amp;uuml;rde ich nie machen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;F&amp;uuml;hren Sie privat gern Situationen herbei, die den Rahmen sprengen?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Heute nicht mehr, aber in der Pubert&amp;auml;t habe ich viel Bl&amp;ouml;dsinn gemacht. Ich bin in einem sehr b&amp;uuml;rgerlichen Milieu gro&amp;szlig; geworden. Meiner Mutter war es wichtig, dass die Nachbarn gut &amp;uuml;ber uns denken. Und immer wenn sie die leeren Flaschen in den Vorgarten getragen hat, habe ich laut gerufen: &amp;raquo;Mama, trink nicht so viel, Alkohol l&amp;ouml;st keine Probleme.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie reagieren Sie, wenn Sie selbst Opfer solcher Spr&amp;uuml;che sind? &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ich kann das genie&amp;szlig;en. Entspricht ja meinem Humorverst&amp;auml;ndnis. Und mir sind Dinge schnell peinlich. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Aber Sie sind doch ein schlagfertiger Mensch. Sie k&amp;ouml;nnen sich wehren. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn ich merke, jetzt kommt gleich ein Witz auf meine Kosten, kann ich mich wappnen, klar, aber das meine ich nicht. Mir ist es zum Beispiel unfassbar unangenehm, wenn ich nach dem Essen feststelle, dass ich dem Kellner zu wenig Trinkgeld gegeben habe. So was kann mich den ganzen Abend besch&amp;auml;ftigen. Da hilft auch Schlagfertigkeit nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bringen Sie gern Situationen zum Kippen, in denen sich alle einig sind, zum Beispiel bei einem Abendessen unter Fernsehleuten?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Nein, finde ich langweilig. H&amp;auml;tte ich fr&amp;uuml;her gemacht, heute bleibe ich lieber gleich zu Hause. Aber ich gebe zu, dass ich es spannend finde, in diese ewige Gleichheit des deutschen Fernsehens reinzuschei&amp;szlig;en. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das versuchen Sie auch mit Ihrer Show &lt;em&gt;Who Wants To Fuck My Girlfriend?&lt;/em&gt;, die seit Februar bei Tele 5 l&amp;auml;uft. Wir fassen zusammen: Sie spielen einen verhaltensauff&amp;auml;lligen Moderator und haben Paare zu Gast, bei denen jeweils ein junger Mann seine Freundin ins Rennen schickt. Die Frauen konkurrieren dann in Spielen darum, wer von fremden M&amp;auml;nnern heftiger angegafft und angebaggert wird. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, dieses Format stammt aus dem Hirn des fiktiven Uwe W&amp;ouml;llner, der nur Sendungen wie &lt;em&gt;Big Diet&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Sommerm&amp;auml;dchen&lt;/em&gt; kennt. Es geht um einen unmoralischen Wettkampf, aber die Show ist ehrlich, unverbl&amp;uuml;mt, spielt mit offenen Karten und sexistischen Klischees. &lt;em&gt;Der Bachelor&lt;/em&gt; oder &lt;em&gt;Germany&amp;rsquo;s Next Topmodel &lt;/em&gt;m&amp;uuml;ssten eigentlich &lt;em&gt;Who Wants To Fuck &amp;hellip;&lt;/em&gt; hei&amp;szlig;en, das ist genau das Gleiche, nur anders verpackt. Wir nennen das Ganze halt beim Namen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das klingt jetzt aber sehr moralisch.&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Wenn Sie meinen. Mich interessiert einfach diese Bilder- und Formatflut, der Typen wie Uwe W&amp;ouml;llner jeden Tag ausgesetzt sind. Der Stern l&amp;ouml;st eine Sexismusdebatte aus, bringt aber auf jedem zweiten Cover eine nackte Frau zum Thema Depression. Das ist doch seltsam. Oder kennen Sie &lt;em&gt;Das Model und der Freak?&lt;/em&gt; Diese Show ist menschenverachtend! Die Freaks sind doch spannende und eigenwillige Menschen. Und dann kommt eine Art Model und sagt denen, wie sie sein m&amp;uuml;ssen, damit sie endlich eine Frau kriegen. Am Ende haben alle die gleiche Frisur und ein buntes T-Shirt. Sie werden uniformiert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie moderieren &lt;em&gt;Who Wants To Fuck &amp;hellip;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Falsch! Uwe W&amp;ouml;llner moderiert, ich will damit nichts zu tun haben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Okay, Sie moderieren die Show als Uwe W&amp;ouml;llner.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Nein. Ich moderiere seit zehn Jahren nicht mehr. Ich erz&amp;auml;hle lieber Geschichten &amp;uuml;ber verschrobene Figuren wie Uwe. Das mache ich, indem ich sie spiele. Und Uwe W&amp;ouml;llner moderiert eben diese Show.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum nicht Christian Ulmen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aus dem gleichen Grund, warum sich Otfried Preu&amp;szlig;ler f&amp;uuml;r seine Geschichten den R&amp;auml;uber Hotzenplotz ausgedacht hat: weil er besser passt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie tun so, als g&amp;auml;be es ihn wirklich!&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nat&amp;uuml;rlich. Das ist doch die Idee von Fiktion: Fantasie real erscheinen zu lassen. Das geht nur, indem man die Figuren ernst nimmt. Ich setze sie in die Welt, um zu beobachten, wie die Wirklichkeit auf sie reagiert. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Tut es Ihnen gut, ab und zu Uwe W&amp;ouml;llner zu sein?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Wenn ich jetzt Ja sage, hauen Sie mir das um die Ohren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nein, sagen Sie ruhig. &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt; Also: Ja. Als Uwe habe ich den Vorteil, dass ich nicht nachdenken muss. Der darf alles sagen. Das ist nat&amp;uuml;rlich befreiend. Trotzdem muss ich ihn steuern. Die Figuren k&amp;ouml;nnen die Schamgrenze ja nur deshalb &amp;uuml;berschreiten, weil ich sie genau kenne. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;&lt;/span&gt;&amp;raquo;Ich finde nichts mehr peinlich, weil Uwe es nicht peinlich findet.&lt;span&gt;&amp;laquo;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/58237.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Christian Ulmen mit siner Frau Collien Ulmen-Fernandez (Foto: dapd)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber wie halten Sie diese unendlich peinlichen Situationen aus?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Ich halte sie ja nicht aus. Schauen Sie, als Uwe trage ich eine zu gro&amp;szlig;e, schwere Jeansjacke, eine falsche Zahnleiste, eine fettige Brille. Kaum habe ich das an, &amp;auml;ndert sich meine K&amp;ouml;rperhaltung, auch meine Sprache. So kann ich in die Logik dieser Figur hineinschl&amp;uuml;pfen und finde nichts mehr peinlich, weil Uwe es nicht peinlich findet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Geht es Ihnen auch darum, mal ohne Konsequenzen ein anderes Leben auszuprobieren?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Nein. Denn ich hafte f&amp;uuml;r meine Figuren. Wenn ich mir im Schneideraum anschaue, was ich gemacht habe, sch&amp;auml;me ich mich genauso wie der Zuschauer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben mal gesagt, durch Ihre Arbeitsweise, die Konfrontation der Wirklichkeit mit fiktiven Figuren, werde etwas offengelegt. Was denn?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Das wei&amp;szlig; man vorher nicht, aber hin und wieder wird eben was offengelegt, eine Verlogenheit, eine Doppelmoral. Wenn der von mir gespielte Fips-Asmussen-Verschnitt Knut Hansen in den Bayerischen Wald f&amp;auml;hrt und mit dem B&amp;uuml;rgermeister was trinken geht, dann ist das die Versuchsanordnung: Der Knut ist so kumpelig,  mit dem redet man vertrauter als wenn da ein Journalist von der &lt;em&gt;S&amp;uuml;ddeutschen Zeitung&lt;/em&gt; s&amp;auml;&amp;szlig;e. Und dann kommt eben raus, dass der B&amp;uuml;rgermeister eine Kasse hat, mit der er leer stehende Wohnungen bezahlt, damit keine T&amp;uuml;rken einziehen, oder dass er total froh ist, dass es in Bayern keine Prostitution gibt, aber dann erz&amp;auml;hlt, dass die Nutten hinter der tschechischen Grenze nur 30 Euro die Stunde kosten. Knut hat das aufgedeckt, das w&amp;auml;re Ihnen nicht gelungen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Also eine investigative Leistung?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Nein, ich m&amp;ouml;chte nichts aufdecken in einem journalistischen Sinn. Mein Plan ist viel naiver, ich will rausgehen, was machen und schauen, was rauskommt. Ich will definitiv nicht Menschen blo&amp;szlig;stellen, nicht mal die, die sich falsch verhalten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Viele Frauen empfinden &lt;em&gt;Who Wants To Fuck &amp;hellip;&lt;/em&gt; als frauenfeindlich.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Ist es aber nicht. Die Frauen behalten ihre W&amp;uuml;rde, die spielen ein Spiel und haben Spa&amp;szlig; daran, M&amp;auml;nner an ihrem simplen Trieb zu packen. Wenn &amp;uuml;berhaupt, sind es die M&amp;auml;nner, die ihr Gesicht verlieren, weil sie so primitiv auf die Angebote der Frauen reagieren. Aber nat&amp;uuml;rlich kann man eine lange Diskussion dar&amp;uuml;ber f&amp;uuml;hren, ob Satire mit Sexismus arbeiten darf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was ist mit Leuten, die nicht verstehen, dass es sich um Satire handelt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;nbsp;Die d&amp;uuml;rfen nicht zum gemeinsamen Nenner einer ganzen Fernsehkultur werden. Der Grund, warum das Fernsehen immer langweiliger wird, ist doch, weil &amp;uuml;berall Bedenkentr&amp;auml;ger sitzen und sagen, oh, das k&amp;ouml;nnte man falsch verstehen, und hier k&amp;ouml;nnten wir jemanden erschrecken, und da regt sich die katholische Frauengruppe auf. Am Ende gibt es hundert Sendungen mit J&amp;ouml;rg Pilawa.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie kann man das verhindern?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Indem man erkennt, dass es gut ist, wenn sich die katholische Frauengruppe aufregt. Wer h&amp;auml;tte sonst von ihr geh&amp;ouml;rt? Indem man zugunsten einer Debatte in Kauf nimmt, dass es Leute gibt, die einen falsch verstehen. Man muss das Risiko eingehen, dass sich vielleicht jemand best&amp;auml;tigt f&amp;uuml;hlt, der nicht mehr alle Tassen im Schrank hat, w&amp;auml;hrend man allen anderen etwas per &amp;Uuml;berh&amp;ouml;hung sagen will. Die Alternative ist die Abschaffung der Satire als Ausdrucksform. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihre Frau Collien Ulmen-Fernandes hat sich mit erotischen Fotos lange als Fernsehsch&amp;ouml;nheit inszeniert. Sie k&amp;ouml;nnte sich von Ihnen &amp;uuml;ber Bande kritisiert f&amp;uuml;hlen.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Was wir an uns gegenseitig so kritisieren oder nicht, breite ich nicht &amp;ouml;ffentlich aus. Sie m&amp;uuml;ssen sich aber um uns keine Sorgen machen. Wie bei allen anderen gesunden Ehen spielen unsere Jobs im Familienalltag kaum eine Rolle. Und Familie ist privat. Ich habe mal versucht, der &lt;em&gt;Bunten&lt;/em&gt; ein ironisches Interview &amp;uuml;ber unsere Beziehung zu geben. Hat nicht funktioniert. Wenn man mit dem Boulevard spricht, klingt man immer wie Boris Becker.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Empfinden Sie M&amp;auml;nnerstolz, wenn Sie neben ihr durch Berlin laufen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das w&amp;uuml;rde ja bedeuten, dass ich meine Frau als Statussymbol sehe. Das f&amp;auml;nde ich frauenverachtend. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es Grenzen, die Sie in Ihren Filmen nie &amp;uuml;berschreiten w&amp;uuml;rden? &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ja. Als Knut Hansen sollte ich mal vor einer Gruppe von Rentnern auftreten. &amp;raquo;Lauter r&amp;uuml;stige Menschen, die ein bisschen Spa&amp;szlig; haben wollen&amp;laquo;, hat man mir vorher gesagt. Am Ende sa&amp;szlig;en da Menschen am Tropf, die den Speichel nicht mehr halten konnten. Als ich das gesehen habe, war mir sofort klar: Nein, Knut kann heute keine Witze &amp;uuml;ber alte Menschen rei&amp;szlig;en. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben den Auftritt abgesagt?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Nein, ich habe mit den Leuten ihre Lieblingslieder gesungen. &lt;em&gt;Von den Blauen Bergen kommen wir&lt;/em&gt; und solche Sachen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welche Grenzen setzen Sie anderen im Umgang mit Christian Ulmen?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Ich habe schon Schwierigkeiten bei Umarmungen. In der Filmbranche wird man ja oft von Menschen mit einem Gestus der innigen Freundschaft umarmt, obwohl man sie erst sechs Stunden kennt. Ich mache dann aber trotzdem mit, weil ich konfliktscheu bin. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kann man bei Ihnen zu Hause spontan klingeln?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Geht so. Wenn ein Freund spontan vor der T&amp;uuml;r steht, w&amp;uuml;rde ich denken: &amp;raquo;Schei&amp;szlig;e, ist jetzt echt schlecht&amp;laquo; &amp;ndash; und ihn dann reinlassen. Alles andere w&amp;auml;re mir furchtbar peinlich. Wir hatten mal eine Putzfrau, die definitiv geklaut hat. Ich habe mich nie getraut, sie zur Rede zu stellen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sind nicht nur Unterhalter, sondern auch ein erfolgreicher Gesch&amp;auml;ftsmann und Arbeitgeber.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich ahne es: Sie trauen mir nicht zu, dass ich Mitarbeitern sage, wenn sie was falsch machen. Aber das geht seltsamerweise. Wenn unser Chefautor zum zehnten Mal nachmittags um f&amp;uuml;nf statt morgens um zehn Uhr kommt, kann ich ganz gefasst sagen: Komm doch mal um zehn. Kriege ich hin. Chef sein, das ist halt die Rolle, die ich hier im B&amp;uuml;ro spielen muss. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Als Christian Ulmen sieht man Sie kaum noch im Fernsehen. W&amp;auml;re es Ihnen am liebsten, ganz aus der &amp;Ouml;ffentlichkeit zu verschwinden?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Am liebsten w&amp;auml;re es mir, wenn die Sachen, die ich mache, f&amp;uuml;r sich st&amp;uuml;nden. Ohne dass ich, der Darsteller und Produzent, was dazu sagen muss. Es gibt nichts Bl&amp;ouml;deres, als einen Witz zu erkl&amp;auml;ren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Vielleicht haben Sie das falsche Medium gew&amp;auml;hlt. In der Kunst &amp;hellip;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja! Sauerei! Warum geht das in der Kunst?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das fragen wir Sie. Jonathan Meese darf &amp;uuml;berall Hakenkreuze hinmalen.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Eben! Und ist &lt;em&gt;Who Wants To Fuck &amp;hellip; &lt;/em&gt;nicht genau das? Ich male ein Hakenkreuz und schaue, was passiert? Mir als Fernsehmensch wird sofort Quotengeilheit unterstellt. So was w&amp;uuml;rde man einem K&amp;uuml;nstler nie vorwerfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum nicht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich glaube, das hat viel mit dem Klischee vom armen K&amp;uuml;nstler zu tun. Der muss vier Wochen von einem St&amp;uuml;ck Brot leben, dem glaubt man, dass er die Kunst nur der Kunst wegen macht, nicht um sich zu bereichern. Mir wird unterstellt, ich wolle ins Gespr&amp;auml;ch kommen, Aufsehen erregen, reich werden. Ich mache trotzdem gern Fernsehen. Aber man muss diesem Medium auch mal erlauben, mit einem Bein in der Kunst zu stehen. Ich mache eine Fernsehsendung, die soll provozieren. Und das soll Kunst oft auch. Insofern kann man das vergleichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Also ist das, was Sie machen, Kunst?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, w&amp;uuml;rde ich nie so sagen. Weil dann jeder sofort denkt: Ach, schau mal an, der Ulmen, der h&amp;auml;lt sich f&amp;uuml;r einen K&amp;uuml;nstler.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;DER AUSPORBIERER &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Christian Ulmen, 37, gilt als einer der schlauesten unter Deutschlands TV-Provokateuren. In den Neunzigerjahren moderierte er bei MTV, ab 2002 arbeitete er vor allem als Schauspieler (&amp;raquo;Herr Lehmann&amp;laquo;, &amp;raquo;Elementarteilchen&amp;laquo;, &amp;raquo;Maria, ihm schmeckts nicht!&amp;laquo;). Heute f&amp;uuml;hrt er seine eigene Fernsehfirma und produziert Benjamin von Stuckrad-Barres Late Night Show. Vor allem aber experimentiert er mit verschiedenen Fernsehformaten (&amp;raquo;Mein neuer Freund&amp;laquo;, &amp;raquo;Uwe W&amp;ouml;llner trifft &amp;hellip;&amp;laquo;, &amp;raquo;Who Wants To Fuck My Girlfriend?&amp;laquo;), bei denen er in verschiedenen Masken und Rollen Menschen aufs Glatteis f&amp;uuml;hrt - zum Teil mit erstaunlichen Ergebnissen.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Foto: Andy Kania c/o brigitta-horvath.com&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;</description>
    <dc:subject>»Ich hafte für meine Figuren«</dc:subject>
    <dc:creator>Max Fellmann und Tobias Haberl (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2013-04-01T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39679">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39679</link>
    <title>»Der Patriarch sitzt immer noch hier«</title>
    <description>&lt;p&gt;Sascha Hehn ist zur&amp;uuml;ck. Ein Gespr&amp;auml;ch &amp;uuml;ber  &lt;em&gt;Traumschiff,  Schwarzwaldklinik&lt;/em&gt; und seine Zeit im Gef&amp;auml;ngnis. Und &amp;uuml;ber die Frage, warum  er manchmal einfach jemanden verpr&amp;uuml;geln will.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57617.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Zweite Heimat: Sascha Hehn in seinem VW-Bus. &amp;raquo;Mit dem Bus bin ich  unabh&amp;auml;ngig. Damit fahre ich nach Rum&amp;auml;nien und Spanien zum Jagen und kann  auch mal drin schlafen.&amp;laquo;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Herr Hehn, als &lt;em&gt;Traumschiff&lt;/em&gt;-Steward Victor wurden Sie vor drei&amp;szlig;ig Jahren zum Sexsymbol. Jetzt gehen Sie als Kapit&amp;auml;n wieder an Bord. Darf man nach dem Costa-Concordia-Ungl&amp;uuml;ck ausgerechnet einen Schweren&amp;ouml;ter wie Sie noch als Kapit&amp;auml;n auf die Kommandobr&amp;uuml;cke eines Kreuzfahrtschiffs lassen?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;Sascha Hehn:&lt;/strong&gt; (lacht) Das ist bestimmt der Grund, warum sie mich engagiert haben: dass wir dieses Ding endlich gegen irgendeinen Felsen steuern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;1991 verlie&amp;szlig;en Sie die &lt;em&gt;Traumschiff&lt;/em&gt;-Mannschaft mit einem Kopfsprung vom Achterdeck.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Jugendlicher Leichtsinn, ich bin bestimmt aus zw&amp;ouml;lf Metern gesprungen. Ich musste zu Iris Berben schwimmen, die in einem Boot wartete. Das war noch viel gef&amp;auml;hrlicher. Wir drehten die Szene in der Acapulco Bay, und ich hatte eine wei&amp;szlig;e Hose an. Wenn du vor Acapulco mit einer wei&amp;szlig;en Hose schwimmen gehst, ist das ungef&amp;auml;hr so, als ob du einen Blinker durch ein Hechtwasser ziehst. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie wurden ausnahmsweise von Haien verfolgt und nicht von Frauen?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Viel schlimmer war die Str&amp;ouml;mung. Ich musste 200 Meter zu dem Boot schwimmen, in dem Iris sa&amp;szlig;, als mich pl&amp;ouml;tzlich die Kanalstr&amp;ouml;mung wegzog. Ich habe mich mit letzter Kraft ins Boot gerettet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Als Dr. Udo Brinkmann in der &lt;em&gt;Schwarzwaldklinik&lt;/em&gt; wurden Sie dann zum Lieblingsschwiegersohn deutscher Muttis.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Und als Frauenarzt Merthin gab es sogar noch mal eine Steigerung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kann man sagen, dass die ewige Wiederkehr des Gleichen das Grundmuster Ihrer Fernsehkarriere ist? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, bei mir ist immer Premiere. In meiner Arbeit hat sich nichts wiederholt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Moment: Sie kehrten 2005 als Chefarzt wieder in die&lt;em&gt; Schwarzwaldklinik&lt;/em&gt; zur&amp;uuml;ck und jetzt als Kapit&amp;auml;n aufs &lt;em&gt;Traumschiff&lt;/em&gt;.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Aber dieser Kapit&amp;auml;n ist um 28 Lebensjahre gereift! Dass mich die Macher immer wieder aus der Schublade ziehen und in die gleiche zur&amp;uuml;cklegen, gef&amp;auml;llt mir ganz gut. Ab und zu darf ich dann ja wieder ins kalte Wasser springen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben mal Goethes Egmont in Hamburg und den Orlando in Shakespeares &lt;em&gt;Wie es euch gef&amp;auml;llt&lt;/em&gt; bei den Salzburger Festspielen gegeben. Trotzdem sind Sie auf der B&amp;uuml;hne nie heimisch geworden. Warum nicht?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Der Intendant Ernst Haeusserman wollte mich damals an das Theater in der Josefstadt nach Wien holen, aber ich habe gesagt: Nein, Herr Professor, das ist nicht mein Weg. Ich will in den Kommerz, Geld verdienen. Das ist die einzige Ausrede, die ich gelten lasse, hat er da gesagt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Es war Ihnen nie wichtig, als ernster Schauspieler zu gelten? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vielleicht war ich nicht eitel genug. Jedenfalls war mir immer wichtig, einen guten, professionellen Job abzuliefern. Es ist so einfach, ernst oder theatralisch zu sein, irgendeinen Verletzten an einem Kriegsschauplatz im Arm zu halten und zu heulen. Und dann kriegt man einen Staubf&amp;auml;nger-Preis und wird als gro&amp;szlig;er Schauspieler gefeiert. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sie haben das deutsche Fernsehen mal als &amp;raquo;Hartz-IV-Programm&amp;laquo; bezeichnet.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;So habe ich eine Musiksendung genannt, in der ich selbst mitgespielt habe. Viele Formate heute sind blo&amp;szlig; Fastfood. Aber wenn das &lt;em&gt;Dschungelcamp&lt;/em&gt; f&amp;uuml;r den Grimme-Preis nominiert ist, darf man sich nicht wundern, dass Preisverleihungen von niemandem mehr ernstgenommen werden. Ich gehe zu so was nur hin, wenn sie mir meine Tagesgage bezahlen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Billy Wilder hat mal gesagt, Preise seien wie H&amp;auml;morrhoiden: Irgendwann kriegt sie jeder Arsch.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Oder immer dieselben &amp;Auml;rsche. Gutes Handwerk ist selten. Nehmen Sie &lt;em&gt;Lerchenberg&lt;/em&gt;. Die Redaktion &amp;raquo;Kleines Fernsehspiel&amp;laquo; hat kaum Geld, also mussten wir eine Folge in nur f&amp;uuml;nf Tagen abdrehen. Leider haben wir auch diesmal wieder bewiesen, dass es geht.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sie spielen in &lt;em&gt;Lerchenberg&lt;/em&gt; einen gealterten Star, dessen Ruhm lang verblasst ist und der sein Gnadenbrot beim Haussender ZDF bekommt. &amp;Auml;hnlichkeiten mit lebenden Personen sind nat&amp;uuml;rlich rein zuf&amp;auml;llig. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nat&amp;uuml;rlich. Alles fiktiv. Einige Zuschauer werden sicher sagen: Ja, genau so habe ich mir den Hehn immer vorgestellt. Aber das ist mir egal. Ich spiele blo&amp;szlig; jemanden mit meinem Namen, von dem jeder glaubt, dass ich es bin, nur ich selbst nicht. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Jetzt wird es philosophisch. Worin unterscheidet sich der fiktionale Sascha Hehn in &lt;em&gt;Lerchenberg&lt;/em&gt; denn von Ihnen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zum Beispiel hat er ein Verh&amp;auml;ltnis mit seiner Chefredakteurin. So ehrgeizig w&amp;auml;re ich nie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben immerhin einen Ruf zu verlieren. In den Achtzigerjahren galten Sie als Sexsymbol, Playboy der Nation und Skalpell-Casanova. Ihre Traumschiff-Kollegin Heide Keller sagte damals &amp;uuml;ber Sie: &amp;raquo;Es stimmt nicht, dass Sascha hinter jedem Rock herl&amp;auml;uft; jeder Rock l&amp;auml;uft hinter ihm her.&amp;laquo; &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, das waren harte Zeiten &amp;hellip;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben sich selber mal als m&amp;auml;nnliches Luder bezeichnet. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Falls ich das mal gesagt habe: Was f&amp;uuml;r eine dumme Aussage. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das war noch harmlos im Vergleich zu dem, was Sie sich von mancher Kollegin nachsagen lassen mussten. Sie wurden als Lackaffe und Kotzbrocken beschimpft. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Von zwei &amp;auml;lteren Kolleginnen, denen ich nicht gen&amp;uuml;gend Aufmerksamkeit habe zukommen lassen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Damals drehten Sie Filme mit Titeln wie &lt;em&gt;M&amp;auml;dchen beim Frauenarzt &lt;/em&gt;und &lt;em&gt;Nackt und hei&amp;szlig; auf Mykonos&lt;/em&gt;.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Immerhin hat das Privatfernsehen damit in seinen Anf&amp;auml;ngen die besten Quoten erzielt. Leider konnten die sich inhaltlich bis heute noch nicht verbessern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Frauen, die sich f&amp;uuml;r den &lt;em&gt;Playboy&lt;/em&gt; ausziehen, sagen gern: Ich will meinen Enkeln mal zeigen, wie gut ihre Gro&amp;szlig;mutter fr&amp;uuml;her aussah.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warum sagen die nicht einfach, ich habe es getan, damit ich ein paar Nullen mehr auf meinem Konto habe? Fr&amp;uuml;her war der &lt;em&gt;Playboy &lt;/em&gt;cool, aber seitdem sich da 50-J&amp;auml;hrige ausziehen &amp;hellip; Ich wei&amp;szlig; nicht. F&amp;uuml;r mich ist eine Frau nur dann erotisch, wenn alles echt ist und sie nicht langweilig wirkt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie leben seit zw&amp;ouml;lf Jahren mit einer Mathematikerin zusammen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, ist nicht ganz einfach.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Der Sch&amp;ouml;ne und das Intelligenzbiest &amp;ndash; ein sch&amp;ouml;ner Rollentausch.&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Moment, der Patriarch sitzt immer noch hier. Das muss man sich erarbeiten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihr Vater Albert Hehn war studierter Theologe und arbeitete als Missionar in S&amp;uuml;damerika, bevor er Schauspieler wurde. Wie kam es dazu?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Er hat mir die Geschichte erz&amp;auml;hlt, als ich 14 war. Jemand hatte bei uns in Gr&amp;uuml;nwald eine Frau ermordet, die wir kannten, und ich sagte meinem Vater: Wenn ich so einen erwische, dann bringe ich ihn um. Da sagte er: Mit dem Umbringen musst du vorsichtig sein, Junge. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;&lt;/span&gt;&amp;raquo;In dem Moment hat er rot gesehen, die Deichsel herausgerissen und zugeschlagen.&amp;laquo;&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57619.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Sascha Hehn   hei&amp;szlig;t eigentlich Alexander Josef Alberto Hehn und stand  schon als F&amp;uuml;nfj&amp;auml;hriger vor der Kamera. Anfang der Achtzigerjahre spielte  er den &amp;raquo;Traumschiff&amp;laquo;- Steward Victor, sp&amp;auml;ter Dr. Udo Brinkmann in der  &amp;raquo;Schwarzwald-klinik&amp;laquo; und den Frauenarzt Dr. Markus Merthin. In der neuen  ZDF-Satire &amp;raquo;Lerchenberg&amp;laquo; (ab 30.3. auf ZDFneo, ab 5.4. auf ZDF) spielt  der 58-J&amp;auml;hrige sich selbst als gealterten Schauspielstar, der eine  Fernsehredaktion mit seinen All&amp;uuml;ren zur Verzweiflung bringt.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihr Vater hat jemanden get&amp;ouml;tet?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Er l&amp;auml;utete gerade die Glocke in der Missionsstation, als ihm eine Frau mit einem Kind auf dem Arm schreiend entgegenlief, hinter ihr ein Mann mit Machete. Mein Vater wusste nicht, dass dieser Amokl&amp;auml;ufer vorher schon drei Menschen erschlagen hatte. Er wollte der Frau helfen und den Mann aufhalten. Dabei sprang er von der Missionsmauer auf eine Fahrdeichsel, und die schlug ihm ins Gesicht. In dem Moment hat er rot gesehen, die Deichsel herausgerissen und zugeschlagen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Er hat den Mann mit einer Deichsel erschlagen?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ja. Er h&amp;auml;tte sich eigentlich opfern sollen, das war jedenfalls die Meinung seiner Glaubensbr&amp;uuml;der. Er verlie&amp;szlig; dann die Mission, ging zu den Gauchos in den Busch und landete schlie&amp;szlig;lich im Hafen von San Salvador, von wo aus er als Heizer die Fahrt zur&amp;uuml;ck nach Hamburg antrat. Dort fing er als Schauspieler an.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;W&amp;auml;ren Sie f&amp;auml;hig, jemanden umzubringen?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;So w&amp;uuml;tend kann ich nicht werden, dass ich einem Menschen nach dem Leben trachte. Aber zur Selbstverteidigung? Kann sein. Ich bin J&amp;auml;ger, und wenn man mal auf Wildschweine geschossen hat, dann hat man auch kein Problem mit einem Zweibeiner. Ich hoffe, dass ich nie in eine solche Situation gerate.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Ihr Vater war Schauspieler, Ihre Mutter Regieassistentin. War Ihr Berufsweg damit vorgegeben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es war eher Zufall. Ich habe mit meinem Vater Minigolf gespielt, dabei trafen wir einen befreundeten Produzenten. Der sagte: Der Junge ist genau der Richtige f&amp;uuml;r meinen Film. Nein, hat mein Vater gesagt, das ist mein Sohn, den l&amp;auml;sst du gef&amp;auml;lligst in Ruhe. Aber wie das so ist: Schwuppdiwupp war ich dabei. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Als Sie 1959 im Heimatfilm Hubertusjagd deb&amp;uuml;tierten, waren Sie gerade mal f&amp;uuml;nf Jahre alt. Als Zehnj&amp;auml;hriger drehten Sie bereits f&amp;uuml;nf Filme im Jahr. Da blieb nicht viel Zeit f&amp;uuml;r Kinderspiele. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Es war aufregend. Ich bin in den Studios aufgewachsen. In der Kantine habe ich Tickets f&amp;uuml;r die Beleuchterbr&amp;uuml;cke verkauft, wenn Sabine Sinjen eine Badeszene hatte. Irgendwann bin ich die Feuerleiter hochgekrabbelt aufs Dach der Halle 7 und habe gesagt: Ich will jetzt hei&amp;szlig;e Himbeeren, sonst komme ich nicht mehr runter. Der Boss der Bavaria hat mir dann Hausverbot erteilt. W&amp;auml;re mir was passiert, h&amp;auml;tten die dichtmachen k&amp;ouml;nnen. Aber ich bin durch den Hintereingang immer wieder reingekommen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sind Sie antiautorit&amp;auml;r erzogen worden?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Nein, sehr autorit&amp;auml;r. Und ich bin dankbar f&amp;uuml;r jede Watschen. Es waren nicht viele, aber ich hatte jede verdient.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Austeilen konnten Sie auch. Es hei&amp;szlig;t, Sie h&amp;auml;tten sogar mal Ihren Lehrer verpr&amp;uuml;gelt. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wir hatten einen cholerischen Chemielehrer, der wollte einen lieben Freund von mir aus dem Fenster schmei&amp;szlig;en. Da habe ich den gepackt, hinter die Wandtafel gestellt und ordentlich draufgedr&amp;uuml;ckt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sp&amp;auml;ter haben Sie dann Fotografen verpr&amp;uuml;gelt. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe eine einfache Regel: Solche Leute k&amp;ouml;nnen bei mir an der T&amp;uuml;r l&amp;auml;uten und h&amp;ouml;flich fragen, dann bekommen sie eine Antwort. Aber wenn einer heimlich um meine H&amp;uuml;tte schleicht, gibt es einen Klaps auf den Arsch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was bringt Sie richtig in Rage?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Wenn ich lese, dass in der S-Bahn Leute totgeschlagen werden, dann m&amp;ouml;chte ich am liebsten am n&amp;auml;chsten Tag S-Bahn fahren, bis mir hoffentlich drei, vier von diesen Idioten begegnen, die dann mal eine richtige Tracht Pr&amp;uuml;gel kriegen. Man m&amp;uuml;sste mal einen Film machen, der sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Der m&amp;uuml;sste so brutal sein, dass diesen Leuten jede Lust vergeht, sich an Wehrlosen zu vergreifen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie w&amp;uuml;rden einen S-Bahn-R&amp;auml;cher spielen, der Selbstjustiz &amp;uuml;bt?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Genau, ein Mann sieht rot.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;1982 sa&amp;szlig;en Sie drei Wochen im Gef&amp;auml;ngnis, weil Sie sich vors&amp;auml;tzlich der Wehrpflicht entzogen hatten. Wie war das, als TV-Star in Handschellen vor Gericht gef&amp;uuml;hrt zu werden?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Ich habe dem Polizisten gesagt: Halt dich fest, dass du nicht verloren gehst. Das war Showtime mit &amp;uuml;ber 80 Fotografen und Hunderten von Zuschauern. Sehr zum Leidwesen meiner Mutter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Stimmt es, dass sich damals Franz Josef Strau&amp;szlig; pers&amp;ouml;nlich f&amp;uuml;r Sie eingesetzt hat?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Erst sp&amp;auml;ter. Die Bayerische Staatskanzlei schickte mir die Einladung zu irgendeinem Ball. Da habe ich das Abzeichen der Gebirgsj&amp;auml;gerdivision draufgeklebt und geschrieben, leckt mich am Arsch. Strau&amp;szlig; war w&amp;uuml;tend. Wir haben uns dann im &amp;raquo;Bratwurst Gl&amp;ouml;ckl&amp;laquo; ausgesprochen und die Sache war erledigt. Strau&amp;szlig; hat immer versucht, die Dinge zu regeln.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bei der Bundeswehr wurden Sie dann wie ein Star behandelt und bekamen Sonderurlaub, um zum Festival nach Cannes zu fahren. Waren die Kameraden neidisch? &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Die Bauerns&amp;ouml;hne durften zur Heuernte, ich nach Cannes. Nur der General war sauer. Als ich zur&amp;uuml;ckkam, musste ich antreten, weil ich barfu&amp;szlig; im Smoking &amp;uuml;ber den roten Teppich gelaufen war. Mir wurde vorgeworfen, ich h&amp;auml;tte die Ehre der deutschen Armee beschmutzt. Dabei ging ich nur deshalb barfu&amp;szlig;, weil ich mir beim Marschieren mit den Knobelbechern eine Art Fu&amp;szlig;pilz eingefangen hatte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mit 25 haben Sie mal versucht, Ihre Angst vor Schlangen zu therapieren, indem Sie sich einen Tigerpython gekauft haben. Hat es funktioniert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Als Kind wurde ich in der Isar von einer Wassernatter gebissen. Und in Australien hat mich mal ein Python angepisst, den man mir um den Hals geh&amp;auml;ngt hatte. Seitdem hatte ich eine kleine Phobie. Als wir den Shakespeare in Salzburg probten, monierte der Regisseur, dass man mich nur bis Reihe 7 verstehen k&amp;ouml;nne. Also kaufte ich mir eine Woche vor der Premiere einen Python. Dann habe ich mich vor das Terrarium gesetzt und nach zwei Stunden den Mut gehabt, da reinzugreifen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben Ihr Lampenfieber mit einer Schlangentherapie kuriert? &lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Die Probe am n&amp;auml;chsten Tag lief wunderbar, und der Python wurde mein Haustier. Sp&amp;auml;ter habe ich ihn an einen Tierpark verschenkt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihre Eltern haben sich getrennt, als Sie noch sehr jung waren. Haben Sie deswegen nie Kinder gewollt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sind wir nicht sowieso schon zu viele Menschen auf der Welt? F&amp;uuml;r mich ist das Lebensziel meine Zufriedenheit. Ich k&amp;ouml;nnte auf alles verzichten, nur nicht auf meine Frau, mein Dach &amp;uuml;ber dem Kopf und meinen VW-Bus. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ein VW-Bus? Fr&amp;uuml;her fuhren Sie Ferrari, Porsche, Jaguar. Mit 35 hatten Sie bereits drei Dutzend Autos besessen und zweimal den F&amp;uuml;hrerschein wegen Raserei verloren. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es war Leidenschaft und hat die Wirtschaft gef&amp;ouml;rdert. Au&amp;szlig;erdem hatte ich Spa&amp;szlig; an illegalen Autorennen.  Ich habe mal 4 Stunden 16 Minuten von M&amp;uuml;nchen bis Hamburg gebraucht. Aber nach zwei bestandenen Idiotentests war mir klar, dass ich vom Tempo runtermuss. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sind auch die deutsche Synchronstimme von Shrek. Gibt es da Gemeinsamkeiten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der hat auch eine H&amp;uuml;tte im Sumpf wie ich und freut sich des Lebens. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sollen Ihre gesamte Fanpost verbrannt haben, als Sie vor 23 Jahren von M&amp;uuml;nchen aufs Land zogen.&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Stimmt nicht. Ein Fanclub, der alle Zeitungsausschnitte &amp;uuml;ber mich gesammelt hatte, schickte mir acht Aktenordner davon. Nach dem dritten Ordner wollte ich den Unsinn nicht mehr lesen und habe den Kamin angemacht. Das hat lange gebrannt, und kr&amp;auml;ftig geraucht hat&amp;rsquo;s.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie m&amp;ouml;chten Sie sterben?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Lautlos und schnell. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und dann?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses. Auf meinem Grundst&amp;uuml;ck.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist das erlaubt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;(lacht) Einem Schwarzfischer und Wilderer wird das egal sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Foto Hehn, jung: Agentur Bischoff&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Der Patriarch sitzt immer noch hier«</dc:subject>
    <dc:creator>Malte Herwig (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2013-03-20T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39625">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39625</link>
    <title>»Ich habe davon profitiert, dass ich eine Frau bin«</title>
    <description>&lt;p&gt;Die TV-Moderatorin Anne Will hat sich in einer M&amp;auml;nnerwelt durchgesetzt.  Ein Gespr&amp;auml;ch &amp;uuml;ber weibliche Strategien und grapschende Vollidioten.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57393.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Frau Will, Sie sind in einer exponierten, herzlosen Branche an allen vorbeigezischt. Und doch sagt Ihnen kaum jemand Schlechtes nach.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Anne Will:&lt;/strong&gt; Echt? Das h&amp;ouml;re ich nat&amp;uuml;rlich gern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Man k&amp;ouml;nnte auch sagen: Sie sind eine geschickte Strategin.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wenn Sie das mal nicht &amp;uuml;bersch&amp;auml;tzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fangen wir von au&amp;szlig;en an. M&amp;ouml;chten Sie im Fernsehen wie Sie selbst r&amp;uuml;berkommen? Oder haben Sie sich ein Alter Ego zugelegt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das ist ein Dauerthema, seit ich beim Fernsehen bin. In Wahrheit hat man es nicht unbedingt selber in der Hand. Die h&amp;auml;ufigsten Kommentare, die ich auf der Stra&amp;szlig;e h&amp;ouml;re, sind jedenfalls: &amp;raquo;Ui, Sie lachen ja auch manchmal!&amp;laquo; Und: &amp;raquo;Mein Gott, ich h&amp;auml;tte ja gar nicht gedacht, dass Sie so d&amp;uuml;nn sind!&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Man sollte vielleicht erw&amp;auml;hnen, dass Sie sehr zierlich sind &amp;hellip;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;hellip; aber z&amp;auml;h.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Und richtig ernst waren Sie eigentlich zuletzt in den&lt;em&gt; Tagesthemen&lt;/em&gt;&lt;em&gt;&lt;/em&gt;. Ob Peter Scholl-Latour dauermonologisiert oder J&amp;uuml;rgen Trittin nur Parteipolitik macht: Sie schweben leicht am&amp;uuml;siert dr&amp;uuml;ber.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es ist tats&amp;auml;chlich eine meiner Strategien: Auch wenn etwas nicht so l&amp;auml;uft wie geplant, will ich entspannt bleiben. Und weniger kontrolliert sprechen, als ich das in einem konfrontativen Interview machen w&amp;uuml;rde. Wie die meisten Talkmoderatoren habe ich meinen Redaktionsleiter per Knopf im Ohr. Ich habe mit ihm abgemacht, dass er mir Bescheid sagt, wenn ich mal zu streng gucke. Was wiederum im auf Perfektion getrimmten &lt;em&gt;Tagesthemen&lt;/em&gt;-Format erforderlich war. Meine viel beschriebene hochgezogene Augenbraue war ja damals die einzige M&amp;ouml;glichkeit zur Abweichung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bei den &lt;em&gt;Tagesthemen&lt;/em&gt; z&amp;uuml;ndete Ihre Karriere. Bedeutet Ihnen dieses Wort eigentlich viel? Sie benutzen es n&amp;auml;mlich h&amp;auml;ufig.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich habe mir schon vor einer Weile vorgenommen, selbstbewusst &amp;uuml;ber meinen Weg zu reden, weil ich allzu oft gelesen habe, dass erfolgreiche Frauen ihre Karriere als Abfolge von Zuf&amp;auml;llen und Gl&amp;uuml;ck darstellen. Damit macht man sich unn&amp;ouml;tig klein.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Wie erkl&amp;auml;ren Sie sich dieses Verhalten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frauen haben die tief sitzende Sorge, sich unn&amp;ouml;tig unbeliebt zu machen. Ich beobachte das auch im  Redaktionsalltag. Wir versuchen sehr gezielt, m&amp;ouml;glichst viele Frauen in die Sendung einzuladen; oft erfolglos. Davon abgesehen, dass es nun mal weniger Frauen in F&amp;uuml;hrungs- und Verantwortungspositionen gibt, sehen Frauen sich seltener aufgefordert, der Welt die Welt zu erkl&amp;auml;ren. Viele sagen auch: Das m&amp;ouml;chte ich mir gar nicht antun, die Anfeindungen in der Sendung oder den Shitstorm hinterher im Internet. Und so ziehen sie bei einer Anfrage mit den Worten zur&amp;uuml;ck: &amp;raquo;Da werden Sie bestimmt jemand anderen finden.&amp;laquo; Das finde ich sympathisch, es hilft aber nicht. Es w&amp;auml;re sch&amp;ouml;n, wenn sich mehr Frauen aus der Deckung wagen w&amp;uuml;rden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wollten Sie selber schon immer so bekannt werden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich wollte immer Journalistin werden, aber ich hatte keine Vorstellung davon, in welche Richtung es gehen w&amp;uuml;rde. Als Sch&amp;uuml;lerin wusste ich nur: Ich kann mich gut ausdr&amp;uuml;cken, und nach den ersten Wochen bei der &lt;em&gt;K&amp;ouml;lnischen Rundschau&lt;/em&gt; merkte ich: Das liegt mir. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es ein Thema, das auch Sie trotz Erfahrung und immerhin 75 Minuten Sendezeit nicht besprochen kriegen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Man kann alles thematisieren, aber muss dabei schon einen Schritt weiterkommen. Unsere Sendung zur Sexismus-Debatte war in der Hinsicht schwierig. Warum? Das ist mir erst im Nachhinein klar geworden. Wir haben ein Gef&amp;uuml;hl angesprochen, das fast alle Frauen kennen, das sich aber an einzelnen Geschichten besser illustrieren l&amp;auml;sst als an grunds&amp;auml;tzlichen Fragen. Gef&amp;uuml;hlig taugt nicht f&amp;uuml;r eine klare Debatte. Trotzdem war es richtig, das Thema zu machen, man muss das Problem immer wieder neu beschreiben, damit es als solches wahrgenommen wird.&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Darauf wurde sich in allen Sexismus-Runden verst&amp;auml;ndigt: Gut, dass wir mal wieder dr&amp;uuml;ber gesprochen haben. Aber was folgt daraus? Gibt es in Ihren Augen einen Gewinner?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nee. Das muss ich auch mit Blick auf mein eigenes Medium zugeben. Wir reiten Debatten manchmal tot. Zwar h&amp;auml;lt bei Twitter nach wie vor der &amp;raquo;Aufschrei&amp;laquo; an, aber es ist schwer nachzupr&amp;uuml;fen, ob er was ver&amp;auml;ndert hat. Und wer in die soundsovielte Karnevalssitzung mit Sexismus-Kalauer geschaut hat, denkt einfach nur noch: Herr, lass Abend werden. Meine Hoffnung ist, dass wir ein Wort zur Verf&amp;uuml;gung haben, wenn wir uns beleidigt sehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;N&amp;auml;mlich?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sexistisch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;So richtig neu ist das ja nicht. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aber es war verstaubt. Um nicht zu sagen, tot. Mir war es als junge Frau jedenfalls nicht gel&amp;auml;ufig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In welcher Situation h&amp;auml;tten Sie es denn gebraucht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zum Beispiel im Volontariat beim SFB. Da gab es einen Kollegen, der junge Kolleginnen anfasste. Auch mich. Es war eindeutig total daneben, aber als junge Frau &amp;ndash; ich war 25 &amp;ndash; hat man nicht unbedingt das Instrumentarium, so einen in die Schranken zu weisen. Ich unterstelle sogar, dass ein gewisser Typus Mann sich gezielt junge Frauen aussucht. Erstens findet er die wahrscheinlich attraktiver. Zweitens sind sie nicht zwingend in der Lage zu kontern. Damals kam die Frauenbeauftragte zu mir und sagte: Hier gibt es einige Frauen, die den Kollegen X anzeigen wollen, allerdings anonym. Da hab ich gesagt: Ich mache mit, allerdings nicht anonym. Woraufhin sie sagte: Bist du verr&amp;uuml;ckt? Du bist doch in der Ausbildung. Aber ich wollte das. Und es hat ihm dann auch geschadet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist er rausgeflogen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das nicht, aber er hatte sich f&amp;uuml;r eine leitende Funktion beworben, die er dann nicht bekam. Gut so.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hat er sich entschuldigt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Mir ist ja auch nicht furchtbares Unrecht geschehen damals. Aber es war gut, um zu &amp;uuml;ben. Jahre sp&amp;auml;ter dachte ich allerdings: Okay, doch nicht alles richtig gemacht. Da hat er sich, als ich meine Firma gr&amp;uuml;ndete, bei mir beworben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Weil er fand, dass Sie ihm noch was schulden? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;N&amp;ouml;. Das war Unverfrorenheit, beinhartes Selbstbewusstsein. Hopfen und Malz verloren. Ein seltenes Exemplar, zum Gl&amp;uuml;ck.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Denn eigentlich sind Sie in Ihrer Karriere speziell von M&amp;auml;nnern gef&amp;ouml;rdert worden, oder? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, das stimmt. Weil die auch damals in den entsprechenden Positionen waren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was Sie mit &amp;raquo;Kohls M&amp;auml;dchen&amp;laquo; Angela Merkel verbindet. Merkel hat sich niemals darauf berufen, eine Frau zu sein, oder? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. Und damit hat sie eine kluge Strategie gefunden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was ist daran so klug? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sagen wir, die Strategie ist aufgegangen. Merkel ist die erste deutsche Bundeskanzlerin &lt;strong&gt;geworden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und das eine hat etwas mit dem anderen zu tun?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Meiner Wahrnehmung nach erkl&amp;auml;rt sich die Karriere von Angela Merkel aus vielen Punkten. Unter anderem hat sie vermutlich sehr genau durchanalysiert, warum sie lange Zeit so derma&amp;szlig;en untersch&amp;auml;tzt wurde, und dabei erkannt: Es gereicht ihr zum Vorteil. Daraufhin hat sie eine n&amp;uuml;chterne Kosten-Nutzen-Rechnung aufgestellt. Ist mit beispiellosem Geschick vorgegangen, hat ein Machtkalk&amp;uuml;l an den Tag gelegt, auch eine H&amp;auml;rte und Durchsetzungsst&amp;auml;rke, mit der sie anderen wei&amp;szlig; Gott &amp;uuml;berlegen war. Nur an einer einzigen Stelle hat sie, glaube ich, justiert. In der Frage: Was wird von der Repr&amp;auml;sentantin eines Landes verlangt? Und sich entsprechend umgestellt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;In welchem Punkt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;In ihrem Auftreten. Das ist die einzig wahrnehmbare Stelle, an der sie sich mit ihrem Frausein und den Anforderungen, die man an Frauen in &amp;ouml;ffentlichen Positionen stellt, arrangiert hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie meinen Ihre Kleidung? Die Jacken in allen Pantone-Farben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Richtig, sie hat sich eine Garderobe zugelegt, die immer funktioniert, egal wo sie auftritt. Sie hat sich eine Frisur schneiden lassen, &amp;uuml;ber die man keine Witze mehr machen kann. Und sie l&amp;auml;sst sich jeden Morgen schminken. Sie ist die meistfotografierte Frau des Landes und hat all das als notwendiges &amp;Uuml;bel akzeptiert. Ansonsten war da nix. Na ja, au&amp;szlig;er dem tiefen Ausschnitt vielleicht, in Oslo, aber das war ein einmaliger Ausrei&amp;szlig;er. Das ist alles verdammt klug. Sie will nicht vom Wesentlichen ablenken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Verstehen Sie das so gut, weil Sie es &amp;auml;hnlich gemacht haben? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bei mir lief&amp;rsquo;s eher andersrum. Ich habe davon profitiert, dass ich eine Frau bin. Es ging damit los, dass mein damaliger Chef mich zur ersten Sportschau-Moderatorin aufgebaut hat. Das ZDF hatte l&amp;auml;ngst Frauen in dieser Funktion pr&amp;auml;sentiert, die ARD musste aufholen, das war mein Vorteil. Genauso, als es um die Besetzung der &lt;em&gt;Tagesthemen&lt;/em&gt; ging. Da wurde eine Frau gesucht. So fiel die Wahl auf mich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Es ist l&amp;auml;ngst erwiesen, dass Freiwilligkeit nichts bringt.&amp;laquo;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/57395.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Heute setzen Sie sich f&amp;uuml;r das Projekt Pro Quote ein, mit der Forderung: 30 Prozent Frauen in deutschen Chefredaktionen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, und ich wei&amp;szlig; noch genau, dass ich als junge Frau anders dar&amp;uuml;ber gedacht habe. N&amp;auml;mlich so: Bitte, das geht doch alles l&amp;auml;ssig, die Generation Alice Schwarzer hat bewundernswerte Dinge f&amp;uuml;r uns erk&amp;auml;mpft, die wir jetzt nutzen k&amp;ouml;nnen. Der Rest wird sich f&amp;uuml;gen, &amp;uuml;ber Freiwilligkeit und die Einsicht, dass ein Heer an tip-top ausgebildeten jungen Frauen seine Chancen ergreift und selbstverst&amp;auml;ndlich und gleichsam nat&amp;uuml;rlich in die F&amp;uuml;hrungspositionen kommen wird. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Seit wann denken Sie anders?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Seit ich Mitte 30 bin. Da hatte ich das Gef&amp;uuml;hl, von meinen Kollegen anders wahrgenommen zu werden: zunehmend als Konkurrenz. Ich sprach mit einer Freundin dar&amp;uuml;ber, die sagte: Lustig, das war bei mir genauso. Wir folgerten: Aha, ab diesem Alter ist offenbar klar, dass du es ernst meinst mit der Karriere. Du wirst nicht zur&amp;uuml;ckzucken. Du wirst nicht absehbar f&amp;uuml;r mehrere Monate den Platz freimachen. Gerade in meinem Gewerbe gibt es nicht viele Pl&amp;auml;tze. Wer ausf&amp;auml;llt, muss schleunigst zur&amp;uuml;ckkommen, sonst ist der Job weg.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie kommt man eigentlich auf die Zahl von 30 Prozent?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich unterst&amp;uuml;tze die Initiative, habe sie mir aber nicht ausgedacht. Man h&amp;auml;tte auch nach den Sternen greifen k&amp;ouml;nnen. Es ging aber darum, ein erreichbares Ziel zu formulieren, einen Anfang zu machen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Kennen Sie Frauen, die gegen die Frauenquote sind?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja. Ich kenne Frauen, die sagen: Ich m&amp;ouml;chte nicht auf mein Geschlecht reduziert werden, ich m&amp;ouml;chte Karriere machen, weil ich die Beste bin. Da komme ich schon mit, aber es hilft der Sache nicht. Ich kann nicht verstehen, wie sich jemand so gegen die Quote str&amp;auml;ubt. Genauso wenig verstehe ich die Zerstrittenheit in der Bundesregierung: Da ist eine Frau an der Spitze, und sie leistet sich in ihrem Kabinett widerstreitende Meinungen dar&amp;uuml;ber, wie man mehr Frauen in F&amp;uuml;hrungspositionen bekommt. Dabei ist l&amp;auml;ngst erwiesen, dass Freiwilligkeit nichts bringt!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Entt&amp;auml;uscht Sie das pers&amp;ouml;nlich an Ihrer Kanzlerin?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich finde es ziemlich irre.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen Quote und Sexismus?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es gibt einen. Wenn man qualifizierte, faire, nicht stutenbissige, kurz gesagt: klasse Frauen in F&amp;uuml;hrungspositionen hat, ist in gewisser Weise garantiert, dass keine sexistische Stimmung im Unternehmen herrscht. Ansonsten sollte man die beiden Themen nicht vermischen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Was aber in den vergangenen Wochen st&amp;auml;ndig passiert ist, oder?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nat&amp;uuml;rlich, auch aus der Not heraus: Wir Frauen haben ein Problem, gibt&amp;rsquo;s denn hier noch irgendein Instrument, mit dem man das angehen k&amp;ouml;nnte?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und da war Br&amp;uuml;derle die willkommene Flachzange?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ha, lustige Formulierung, die merke ich mir.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Zur&amp;uuml;ck zu Ihren Strategien. Bambi, Goldene Kamera, Echo und was es sonst alles zu feiern gibt: Sie gehen nirgendwo hin. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das w&amp;uuml;rde ich aber nicht zur Strategie aufbauschen, ich w&amp;uuml;rde es eher Verhalten im Einklang mit mir selbst nennen. Ich mag die Situation auf dem roten Teppich nicht. Ich bin keine Schauspielerin und kein Model und ich will &amp;uuml;ber mein Tun wahrgenommen werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das w&amp;uuml;rde jede Schauspielerin und jedes Model genauso sagen und &amp;uuml;ber Aufmerksamkeits&amp;ouml;konomie reden: dass ein Tun erst wahrgenommen wird, wenn man es auf allen Kan&amp;auml;len bewirbt.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das mag sein. Trotzdem  wei&amp;szlig; ich nicht, ob das in die Kategorie der Profilsch&amp;auml;rfung einer Moderatorin geh&amp;ouml;rt. Sie merken wahrscheinlich, dass ich da keine richtige Strategie habe, sondern mal so, mal so entscheide. Was Twitter angeht, wei&amp;szlig; ich beispielsweise gar nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich lese mit, w&amp;uuml;rde auch gern mitmischen, wei&amp;szlig; aber nicht, ob ich die Konsequenz tragen m&amp;ouml;chte, wenn ich da mit Foto erscheine und direkt angezwitschert werde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie eigentlich irgendwelche Br&amp;uuml;che?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;In meinem Leben? Wenige.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und in Ihrer Karriere?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es gibt schon R&amp;uuml;ckschl&amp;auml;ge. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber sie sind nicht sehr sichtbar.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Na ja, auch wenn ich meine freien Wochenenden sehr genie&amp;szlig;e: Der Umzug vom Sonntag auf den Mittwoch war recht sichtbar. Obwohl &amp;ndash; auch wieder nicht f&amp;uuml;r alle. Ich werde immer wieder angesprochen: Frau Will, so schade, dass Sie gar nicht mehr im Fernsehen arbeiten!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Spr&amp;auml;che daf&amp;uuml;r, sich mehr auf dem roten Teppich blicken zu lassen. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vor einem Sendeplatzwechsel? Das w&amp;auml;re vielleicht clever. Aber es widerstrebt mir trotzdem.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Einmal sind Sie strategisch ausgegangen. Mit Ihrer Lebensgef&amp;auml;hrtin Miriam Meckel und dem Satz: Ja, wir sind ein Paar. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unser sogenanntes Outing im November 2007. Strategisch &amp;ndash; nein, das war es nicht. Wir haben irgendwann entschieden, dass wir ein gemeinsames Foto machen m&amp;uuml;ssen, versehen mit diesem Satz und der Bemerkung: Das ist unser Privatleben, wir bitten darum, es privat zu halten. Wir h&amp;auml;tten das damals, um gr&amp;ouml;&amp;szlig;tm&amp;ouml;gliche Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen, zwei Monate vorher machen k&amp;ouml;nnen, zum Start meiner neuen Sendung, aber das w&amp;auml;re billig gewesen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum macht man es &amp;uuml;berhaupt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;In unserem Fall: Um danach freier auf Veranstaltungen gehen zu k&amp;ouml;nnen. Niemand hat uns gedr&amp;auml;ngt oder erpresst, wie es gemutma&amp;szlig;t wurde. Kein Boulevard-Medium hat uns unter Druck gesetzt. Wir hatten einfach keine Lust mehr auf den Krampf: Ich gehe vor, Miriam kommt nach. Es war nicht berechnend, aber es war auch nicht tumb. Wir haben uns schon anwaltlich beraten lassen, um keine Fehler zu machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hat es funktioniert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Total. Wir wurden rauf- und runterfotografiert und haben seitdem viel mehr Freiheit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;H&amp;auml;tte das zu einem fr&amp;uuml;heren Zeitpunkt einen anderen Effekt gehabt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Glaube ich nicht. Wir haben auch vorher nicht geheim gelebt, man hat uns oft zusammen gesehen, wir sind immer wieder darauf angesprochen worden. Aber wir haben es nicht &amp;ouml;ffentlich kommentiert. Und ich habe mit Miriam, die unter anderem mal Regierungssprecherin war, eine sehr ge&amp;uuml;bte Partnerin an meiner Seite. Die astrein formulieren und abwehren kann und wei&amp;szlig;, wie man eine ungeb&amp;uuml;hrliche Frage einfach aussitzt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Der Rundfunkrat der gr&amp;ouml;&amp;szlig;ten ARD-Anstalt, der WDR, findet, dass f&amp;uuml;nf Talkshows zu viel sind. Da stehen zur Disposition: Plasberg, Maischberger, Beckmann, Jauch und Sie. Nach welchen Kriterien soll entschieden werden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das w&amp;uuml;sste ich auch gern. Aber es ist ja auch noch gar nicht entschieden, ob &amp;uuml;berhaupt ein Talk gestrichen werden soll.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ein Argument ist, dass immer dieselben G&amp;auml;ste aufschlagen. Gibt es eigentlich so was wie eine Hans-Olaf-Henkel-Quote?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hehe. Erf&amp;uuml;llen tun wir sie jedenfalls nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bei Plasberg wird in letzter Zeit viel B&amp;uuml;rgernahes wie zum Beispiel die Citymaut verhandelt, w&amp;auml;hrend Maischberger schon mal einen obskuren Rohkostguru einl&amp;auml;dt. Eigentlich sind Sie mittlerweile die Einzige in der ARD, die fast ausschlie&amp;szlig;lich &amp;uuml;ber Politik redet. Ihre &amp;Uuml;berlebensstrategie?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jedenfalls ist es eine bewusste Entscheidung. Weil uns aktuell-politische Sendungen am meisten liegen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Die &lt;em&gt;Bild&lt;/em&gt; hat unl&amp;auml;ngst dar&amp;uuml;ber abstimmen lassen, wer rausfliegen soll. Erreicht Sie das?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Rausfliegen&amp;laquo; &amp;ndash; wer so eine Begrifflichkeit w&amp;auml;hlt, will draufdreschen. Mich trifft es weniger als mein Team, ich hab mich daran gew&amp;ouml;hnt, dass man in der &amp;Ouml;ffentlichkeit auf den Deckel kriegt. Aber ich finds w&amp;uuml;rdelos.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Man kann auf die Art eine Debatte provozieren, mit dem Titel: Werden unsere Geb&amp;uuml;hren verschleudert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wir alle werden von Millionen Menschen gesehen. Das darf man doch schon mal als Hinweis nehmen, dass Talkshows nicht am Informationsbed&amp;uuml;rfnis vorbei gesendet werden. Au&amp;szlig;erdem finde ich es klug, dass die ARD sich solche journalistischen Gef&amp;auml;&amp;szlig;e h&amp;auml;lt. Wenn mittwochs ein Bundesminister entlassen wird, wie seinerzeit Norbert R&amp;ouml;ttgen, kann eine Talkshowredaktion, die darauf trainiert ist, innerhalb von vier Stunden eine 75-min&amp;uuml;tige Sendung stemmen. Die Geb&amp;uuml;hrenzahler haben das honoriert &amp;ndash; sie haben besonders zahlreich eingeschaltet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie ein Sicherheitsnetz, falls es Sie treffen sollte?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Damit besch&amp;auml;ftige ich mich nicht. Ich setze auf das, was  mein Intendant Lutz Marmor, derzeit auch ARD-Vorsitzender, mehrfach &amp;ouml;ffentlich gesagt hat &amp;ndash; n&amp;auml;mlich, dass er alle f&amp;uuml;nf Talkshows behalten will. &lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Ich habe davon profitiert, dass ich eine Frau bin«</dc:subject>
    <dc:creator>Rebecca Casati (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2013-03-08T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39435">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39435</link>
    <title>»Jedes Schicksal ist besonders«</title>
    <description>&lt;p&gt;Zwei Dokumentarfilmer aus Berlin haben 30 Menschen in ihrer  Nachbarschaft mehr als ein Vierteljahrhundert lang mit der Kamera  begleitet. Ihre Filme zeigen: Nichts ist spannender, anr&amp;uuml;hrender und  abgr&amp;uuml;ndiger als das ganz normale Leben.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;SZ-Magazin: Sie haben 30 Menschen aus Berlin-Wilmersdorf 26 Jahre lang mit der Kamera begleitet. Warum so lange? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hans-Georg Ullrich: &lt;/strong&gt;Weil es der Traum jedes Dokumentarfilmers ist. Wir hatten damals gerade den Grimme-Preis bekommen, als der WDR uns das Angebot machte: &amp;raquo;Jungs, dreht, was euch interessiert. Wir senden es.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Detlef Gumm:&lt;/strong&gt; Heute w&amp;auml;re so was undenkbar. Viel zu teuer. Viel zu aufw&amp;auml;ndig. Wir haben unser halbes Leben mit diesem Projekt verbracht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das Langzeitfilmprojekt &lt;em&gt;Berlin &amp;ndash; Ecke Bundesplatz&lt;/em&gt; startete 1986, aber nicht jeder will jahrelang ein Kamerateam um sich haben. Wie haben Sie Ihre Protagonisten gefunden? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Es gab kein Casting, wenn Sie das meinen. Wir haben ein paar Zeilen aufgesetzt, unsere Telefonnummer drunter geschrieben, die Zettel kopiert und in die Briefk&amp;auml;sten der Nachbarschaft geworfen. Die Leute, die sich gemeldet haben, sind unsere Protagonisten geworden. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Da hat sich ganz automatisch ein gesellschaftlicher Querschnitt ergeben: der Kleinb&amp;uuml;rger, das schwule P&amp;auml;rchen, die t&amp;uuml;rkische Familie, der reiche Jurist, die alleinerziehende Sozialhilfeempf&amp;auml;ngerin, es war alles dabei. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es einen Menschen, der Sie besonders fasziniert hat? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Am Anfang denkt man, der ist spannend, der eher nicht, aber mit der Zeit merkt man, dass jedes Menschenleben gleich faszinierend ist, wenn man sich mit ihm auseinandersetzt. Nat&amp;uuml;rlich finde ich die flei&amp;szlig;ige und liebe B&amp;auml;ckersfrau erst mal sympathisch und den Notar, der wegen irgendwelcher Finanzgeschichten in den Knast kommt, eher zwielichtig, aber beide sind gleich spannend.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Und keiner ist nur gut und keiner nur b&amp;ouml;se, deswegen ja dieser enorme Zeitraum. Man versteht die Menschen besser, ihre Motive, &amp;Auml;ngste, W&amp;uuml;nsche und Defizite. Die Diskrepanz zwischen den Tr&amp;auml;umen der Menschen, wenn sie jung sind, und der Realit&amp;auml;t, das langsame Abschiednehmen von Pl&amp;auml;nen, das ist bewegend. Nat&amp;uuml;rlich kann so ein Alltag auch gnadenlos langweilig sein, aber auf lange Sicht gibt es kein Schicksal, das einen nicht ber&amp;uuml;hrt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nennen Sie ein Beispiel. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Dr&amp;uuml;ben im Park hauste sechs Jahre lang ein Penner namens Karl. Das war ein wahnsinnig liebenswerter Kerl, klug, sensibel, sa&amp;szlig; den ganzen Tag im Regenh&amp;auml;uschen und hat gelesen. Mit der Zeit haben wir uns angefreundet und ihm geholfen, wieder auf die Beine zu kommen. Kalle bekam eine kleine Wohnung vom Sozialamt, eine Nickelbrille, neue Z&amp;auml;hne&amp;hellip;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; &amp;hellip; bis uns auffiel, dass wir ihn schon ein paar Tage nicht mehr gesehen hatten, was ungew&amp;ouml;hnlich war, weil er jeden Tag bei uns im B&amp;uuml;ro vorbeikam. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Ich bin dann r&amp;uuml;ber, habe geklopft und gerufen, am Ende brachen zwei Feuerwehrm&amp;auml;nner die Wohnungst&amp;uuml;r auf. Das Bild werde ich nie vergessen: wie der Kalle da tot im Sessel liegt, wo er doch gerade erst Fu&amp;szlig; gefasst hatte. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Bei solchen Szenen haben wir die Kamera abgestellt. Es gibt Regisseure, die w&amp;uuml;rden so was nachstellen, aber das kam f&amp;uuml;r uns nicht in Frage. Wir wussten, dass durch die vielen Jahre auf der Stra&amp;szlig;e sein Herz kaputt war. &amp;raquo;Wer gibt einem wie mir schon ein Ersatzherz?&amp;laquo;, hat er immer gesagt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hat sich w&amp;auml;hrend der 26 Jahre Ihre Sicht auf Deutschland ver&amp;auml;ndert?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Mir ist klar geworden, wie ungerecht es in unserem Land zugeht. Die B&amp;auml;ckersfrau Dahms zum Beispiel, deren Mann 2010 an Kehlkopfkrebs gestorben ist, hat den ganzen Kiez zwanzig Jahre lang mit wirklich guten Br&amp;ouml;tchen versorgt. Heute rennt sie zweimal pro Woche zur Gemeindetafel, um sich ihre Schrippen zu holen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Sie kriegt vielleicht 340 Euro Rente, w&amp;auml;hrend der Hausmeister von der Schule dr&amp;uuml;ben, der sich nicht gerade krummgearbeitet hat, 1200 Euro bekommt.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Vor ein paar Tagen hat sie uns mal wieder besucht, weil sie irgendeine Telefonnummer gebraucht hat: &amp;raquo;Oh&amp;laquo;, hat sie gesagt, &amp;raquo;das ist ja eine Handynummer, da kann ich leider nicht anrufen, daf&amp;uuml;r hab ich kein Geld.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Als ihr Mann noch lebte, haben die zwei mal eine Butterfahrt nach D&amp;auml;nemark mitgemacht und sich selbst eine Postkarte nach Hause geschrieben, weil sie auch mal Post aus dem Ausland bekommen wollten. Das ist so naiv und r&amp;uuml;hrend, das kann einen gar nicht kaltlassen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; An diesem B&amp;auml;cker Dahms erkennt man gut, wie ein einzelner Mensch fehlen kann. Der war nicht wichtig, kein Held, aber was hat dieser Mann f&amp;uuml;r eine Rolle &lt;br /&gt; gespielt mit seiner liebenswerten Art, wenn er abends in der Kneipe sein Bier getrunken hat. Er hat seine Frau und seine zwei Kinder durchgebracht und jedem zugeh&amp;ouml;rt, der war kein Gutmensch, sondern ein guter Mensch, und er fehlt, ganz eindeutig. Ich wei&amp;szlig; noch, wie er eines Tages zu uns kam und sagte: &amp;raquo;Wisst ihr was, ich fahre morgen nach Auschwitz. Ich war da noch nie und finde, da muss man mal gewesen sein.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Wir waren total baff. So was hatten wir von ihm nicht erwartet.&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Aber wir mussten nat&amp;uuml;rlich mit, wir haben im Laufe der Jahre etliche Urlaube spontan &amp;uuml;ber den Haufen geworfen, aber es hat sich gelohnt. Ich werde nie vergessen, wie dieser einfache, redliche Mann gemeinsam mit einer d&amp;auml;nischen Schulklasse durch das Lager l&amp;auml;uft, stumm und betroffen, ohne ein Wort zu sagen. Ich sa&amp;szlig; mit meiner Kamera in einer Zelle und filmte durchs Fenster nach drau&amp;szlig;en, als mein Assistent zu mir sagt: &amp;raquo;Du, Georg, jetzt reden wir mal ein paar Minuten nicht, ich sch&amp;auml;me mich.&amp;laquo; Wir haben Herrn Dahms an diesem Tag keine Frage gestellt, der Film zeigt nur seine Sprachlosigkeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum haben Sie sich den Bundesplatz in Berlin-Wilmersdorf f&amp;uuml;r Ihre Filme ausgesucht? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Weil es ein ganz normaler Platz ist, an dem ganz normale Leute wohnen. Und er ist nur 200 Meter von unserem B&amp;uuml;ro entfernt, das war logistisch wichtig. Diese Leute sind unsere Nachbarn, die kamen jeden Tag vorbei und haben uns aus ihrem Leben erz&amp;auml;hlt. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Trotzdem h&amp;auml;tten wir auch in Hannover oder Braunschweig drehen k&amp;ouml;nnen.&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Aber nicht in Schwabing oder Kreuzberg, das sind Viertel mit einem zu starken Image. Der Bundesplatz ist b&amp;uuml;rgerlich, an vielen Ecken kleinb&amp;uuml;rgerlich, ganz normale Bundesrepublik. In den schickeren Wohnungen leben &amp;Auml;rzte und Rechtsanw&amp;auml;lte, in den anderen der Taxifahrer, der Schwei&amp;szlig;er, die Bedienung. 100-Quadratmeter-Wohnungen kriegt man hier noch f&amp;uuml;r 750 Euro warm. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie oft haben Sie Ihre Protagonisten getroffen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Pro Jahr haben wir sechs Monate ausschlie&amp;szlig;lich an &lt;em&gt;Berlin &amp;ndash; Ecke Bundesplatz&lt;/em&gt; gearbeitet. Mit manchen haben wir ein paar Tage ganz intensiv gedreht, dann war wieder zwei Monate Funkstille und wir haben mit anderen weitergemacht, je nach Anlass und Lebenslage. Insgesamt haben wir sechzig Stunden Echtzeitfilm und Tausende Stunden Rohmaterial. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Lange Zeit waren wir die Einzigen, die in der Gegend ein Faxger&amp;auml;t hatten. Und viele sind regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig zu uns ins B&amp;uuml;ro gekommen, um was zu verschicken. Und dann sind sie geblieben und haben uns erz&amp;auml;hlt, was in der n&amp;auml;chsten Zeit so ansteht: eine &lt;br /&gt; Geburt, eine Pr&amp;uuml;fung, eine Reise. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Wir haben diesen Menschen sehr sorgf&amp;auml;ltig beim Leben zugesehen.&amp;laquo;&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56095.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Michael Creutz, der Schornsteinfeger.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben auch Reisen mitgemacht? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Aber ja, wir waren in Los Angeles, weil unser Schornsteinfeger Michael Creutz unbedingt in einem Hollywood-Film mitspielen wollte, wir waren in Tallin, in der T&amp;uuml;rkei, San Francisco, Auschwitz, Stockholm, Amsterdam. Wir haben diesen Menschen sehr sorgf&amp;auml;ltig beim Leben zugesehen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Und beim Sterben. Als unsere Wilmersdorfer Witwe Berta Tomaschefski mit 95 Jahren starb, wollten wir ihre Beerdigung drehen, das geh&amp;ouml;rte einfach dazu, aber ihre Enkelin meinte: &amp;raquo;Wenn ihr die Beerdigung drehen wollt, m&amp;uuml;sst ihr sie auch bezahlen.&amp;laquo;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Haben wir dann gemacht, 3000 Mark. Wir wollten, dass Frau Tomaschefski einen anst&amp;auml;ndigen Sarg bekommt. Das waren wir ihr schuldig, immerhin hatte sie uns mit 88 Jahren das erste Interview ihres Lebens gegeben. Trotzdem konnten wir nicht jedem Wunsch nachkommen. Reimar Lenz stand f&amp;uuml;nf Jahre lang jeden Morgen mit einem neuen Vorschlag bei uns. Einmal hatte er sich f&amp;uuml;r den Christopher Street Day als Papst verkleidet, da haben wir gesagt: &amp;raquo;Ach, Reimar, das muss doch nicht sein.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;Auml;ndern sich Menschen? &lt;br /&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Nein &amp;ndash; bis zu dem Tag, an dem sich ein Schicksalsschlag ereignet, ein Todesfall, eine Trennung, eine K&amp;uuml;ndigung. Dann ver&amp;auml;ndert sich pl&amp;ouml;tzlich alles. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Man kann auch ziemlich sicher sein, dass die Kinder genauso werden, wie ihnen das von den Eltern vorgelebt wird. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Mit allen Vor- und Nachteilen. Denn wenn man sieht, wie talentierte Kinder nicht aus ihrem Milieu rauskommen, weil den ganzen Tag RTL 2 l&amp;auml;uft und ihre Eltern kein Gef&amp;uuml;hl daf&amp;uuml;r haben, was in ihren Kindern steckt, da wird man schon traurig. Chancengleichheit gibt es nicht.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Der Notar wurde 2001 zu f&amp;uuml;nf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt, kam aber wegen Krankheit nach 14 Monaten U-Haft frei. Danach haben wir schon gemerkt, dass er sein Leben in Ordnung bringen will. Er war sogar beim Gef&amp;auml;ngnisseelsorger. Er ist der Einzige, mit dem wir uns bis heute siezen. Er lebt immer noch hier im Viertel, 300 Meter Luftlinie von unserem B&amp;uuml;ro. Der hatte damals das Bundesmandat f&amp;uuml;r den H&amp;auml;ftlingsfreikauf zwischen Ost und West, von dieser Rente lebt er heute. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Fr&amp;uuml;her parkte der mit seinem Rolls-Royce immer in der zweiten Reihe, das hat die Leute hier schon aggressiv gemacht. &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Gumm&lt;/strong&gt;: Nach au&amp;szlig;en ist er vornehm und bewahrt immer Haltung. Aber als wir mit ihm in Amerika waren, um seine fr&amp;uuml;heren Gasteltern zu besuchen, kamen wir auf seinen Vater zu sprechen. Ich werde nie vergessen, wie auf einmal sein Mund anfing zu vibrieren, und uns dieser reiche, akkurate Mann zum ersten Mal seine verletzliche Seite gezeigt hat. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Der ist eben nicht nur arrogant oder b&amp;ouml;se, der ist auch liebevoll und sensibel, man muss nur genauer hinsehen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm: &lt;/strong&gt;Heute ist er geschieden und ziemlich einsam. Wir gehen davon aus, dass er nicht mit allzu vielen Menschen spricht. Wenn man viel &amp;uuml;ber einen Menschen wei&amp;szlig;, kann man ihm nur noch schwer b&amp;ouml;se sein. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Man kann davon ausgehen, dass in schwierigen Situationen, egal ob im Beruf oder in der Partnerschaft, die Einsamkeit bei vielen Menschen extrem ist. Viele kamen wesentlich &amp;ouml;fter zu uns als notwendig, weil ihnen sonst keiner zugeh&amp;ouml;rt hat. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Wir waren alles auf einmal: Tr&amp;ouml;ster, Ratgeber, Psychotherapeuten, manchmal haben wir auch mit Geld geholfen. &lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Zum Beispiel Reimar Lenz, der seit mehr als drei&amp;szlig;ig Jahren mit seinem Freund Hans zusammen ist. Der Reimar hat fr&amp;uuml;her eine Literaturzeitschrift herausgegeben und f&amp;uuml;r die Satirezeitschrift &lt;em&gt;Pardon&lt;/em&gt; geschrieben, das war ein richtiger Intellektueller. Den kannte in Berlin jeder, der war auf jedem Empfang und jeder Feier und bekam jeden Morgen einen Stapel Briefe von irgendwelchen &amp;auml;lteren Damen. Und in dem Moment, wo er eine schwere Krankheit bekommt &amp;hellip;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; &amp;hellip; sind alle weg und er hat nur noch den Hans. Man kann schon sagen, diese beiden sind einsam. Das ist eine anonyme Einsamkeit, wie es sie nur in der Stadt gibt. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;1989 hatten Sie Ihre Protagonisten schon drei Jahre lang begleitet. Wie hat der Mauerfall ihre Biografien beeinflusst?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Man konnte erkennen, wie das Weltgeschehen sich bis in die unwichtigsten Leben hinein auswirkt. Unser Notar fing sofort an, Gesch&amp;auml;fte mit dem Osten zu machen und er&amp;ouml;ffnete ein B&amp;uuml;ro in Berlin-Mitte. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Der Schornsteinfeger bekam einen Kehrbezirk im Osten und genoss es unglaublich, dass die Menschen ihn dort viel ehrf&amp;uuml;rchtiger behandelten. Er war zu einem Halbgott in Schwarz aufgestiegen, das hat ihm gefallen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Berlin &amp;ndash; Ecke Bundesplatz&lt;/em&gt; war anfangs auf f&amp;uuml;nf Jahre angelegt. Warum sind 26 daraus geworden?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich: &lt;/strong&gt;Als Fritz Pleitgen WDR-Intendant wurde, ging es immer weiter. Der war ein Riesenfan von uns und hat kapiert, dass das Material immer spannender wird, je l&amp;auml;nger man an diesen Menschen dranbleibt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben so viele Jahre in diese Menschenleben hineingeschaut und -gedacht. Was ist das Geheimnis von Zufriedenheit? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Ganz bestimmt nicht Geld. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was dann? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Wenn man einen Inhalt, eine Leidenschaft hat. Wenn jemand Cello spielt oder was sammelt. Der B&amp;auml;ckermeister Dahms hat Uhren gesammelt, die falsch herum gehen, der hatte eine Riesenfreude an diesen Dingern. Mir kamen die Leute, die was auf die Beine gestellt haben, immer gl&amp;uuml;cklicher oder zumindest ausgeglichener vor. Das k&amp;ouml;nnen ganz banale Sachen sein: ein Stra&amp;szlig;enfest organisieren, ein paar Nachbarn zum Geburtstag einladen, eine Radtour an die Elbe machen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Skeptisch waren wir bei denen, die nach Kathmandu oder S&amp;uuml;dafrika geflogen sind, die wirkten immer getrieben. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Ich bin &amp;uuml;berzeugt davon, dass es die kleinen Dinge sind, die uns gl&amp;uuml;cklich machen. Frau Dahms kauft sich heute noch jede Woche f&amp;uuml;r 1,40 Euro einen Viererpack Eis bei Aldi. Den legt sie sich in die Tiefk&amp;uuml;hltruhe und hat an vier von sieben Abenden ihr Eis. &amp;raquo;Das macht mich f&amp;uuml;r ein paar Minuten gl&amp;uuml;cklich&amp;laquo;, sagt sie immer. Oder die Rehbeins, das ist eine ganz normale Familie. Er Zugabfertiger, sie Hausfrau, der Sohn ziemlich verh&amp;auml;tschelt. Die sind nicht reich, die Frau hatte Brustkrebs und der Sohn kriegt keinen Job. Trotzdem sagt Vater Rehbein immer: &amp;raquo;Ich wei&amp;szlig; gar nicht, warum alle st&amp;auml;ndig jammern. Es geht uns doch gut.&amp;laquo; Und die haben eine Rente von vielleicht 1200 Euro.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Ganz anders der Schornsteinfeger. Der ist klassischer Mittelstand, eine Frau, zwei Kinder und st&amp;auml;ndig Angst, dass das Geld nicht reicht, obwohl er als Bezirksschornsteinfeger ordentlich verdient. Der hat sein Leben lang immer Gr&amp;uuml;n gew&amp;auml;hlt, bei der letzten Wahl ist er auf CDU umgeschwenkt. Die Priorit&amp;auml;ten  &amp;auml;ndern sich, wenn die Menschen &amp;auml;lter werden. Das Sicherheits-bed&amp;uuml;rfnis w&amp;auml;chst, man macht sich mehr Sorgen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;Gibt es echte Liebe?&lt;/span&gt;&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56097.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gerhard und Gerda Dahms vor ihrer B&amp;auml;ckerei.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es echte Liebe? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Haben Sie den Film &lt;em&gt;Liebe&lt;/em&gt; von Michael Haneke gesehen? So was gibt es schon, das gemeinsame Altwerden, das Zusammenhalten, aber die leidenschaftliche Liebe, die h&amp;ouml;rt auf, bei allen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich: &lt;/strong&gt;Na ja, denk mal an die K&amp;ouml;pckes. &amp;raquo;Wir haben nur ein Ziel&amp;laquo;, hat Frau K&amp;ouml;pcke am Anfang zu mir gesagt, &amp;raquo;dass mein Mann und ich uns ein bisschen Zweisamkeit erhalten.&amp;laquo; Ich fand das damals ziemlich naiv. Und dann hat sie auch noch ihre Tanzkarriere f&amp;uuml;r ihn aufgegeben.  &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Und heute haben sie drei Kinder und haben es tats&amp;auml;chlich geschafft, immer noch verliebt zu wirken. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Das ist schon ein Arrangement, aber ein gutes, die werden sich nicht mehr trennen. Neulich kam Herr K&amp;ouml;pcke ins B&amp;uuml;ro und meinte: &amp;raquo;Nat&amp;uuml;rlich ist es im Bett nicht mehr wie fr&amp;uuml;her, aber wenn wir morgens aufwachen und uns in den Armen halten, gef&amp;auml;llt mir das manchmal fast besser.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Wenn ein sechzigj&amp;auml;hriger Mann so was sagt, kriegt man eine G&amp;auml;nsehaut. Denn eines haben wir gelernt: Alle Menschen sehnen sich nach Liebe, und zwar extrem.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Aber treu sein k&amp;ouml;nnen die wenigsten. Mir fallen nicht viele ein, die es geschafft haben. Die haben uns ja alles erz&amp;auml;hlt, und wir mussten dichthalten, das konnte ganz sch&amp;ouml;n belastend sein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was hat sich am Bundesplatz sonst noch ver&amp;auml;ndert zwischen 1986 und 2012?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Die Strecken sind weiter geworden. Die Wege der Menschen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Als wir angefangen haben, war das hier ein richtiger Kiez, mit dem Metzger, dem B&amp;auml;cker, dem Optiker, dem Apotheker. Diese Struktur ist zerbr&amp;ouml;ckelt, viele L&amp;auml;den haben dichtgemacht, und die Menschen m&amp;uuml;ssen in Einkaufszentren fahren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben es die Schwulen und T&amp;uuml;rken, die Sie gefilmt haben, denn heute leichter als in den Achtzigern? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Unser schwules P&amp;auml;rchen sicher, in Berlin allemal, da regt sich keiner mehr auf.&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Schwieriger haben es Menschen aus dem Ausland. Wenn ein Schwarzer oder ein T&amp;uuml;rke erfolgreich ist und durch seine Kleidung einen gewissen Lebensstandard repr&amp;auml;sentieren kann, hat er kein Problem. Aber wehe, du siehst &amp;auml;rmlich aus, sprichst schlecht Deutsch oder hast keinen guten Job, dann werden alle Ressentiments hervorgeholt.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Auf der Berlinale haben Ihre vier neuesten und auch letzten Filme Weltpremiere.&lt;/strong&gt; &lt;strong&gt;Nach 26 Jahren haben Sie das Projekt nun abgeschlossen. Warum?&lt;br /&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Ich bin siebzig. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Und die meisten Geschichten sind auserz&amp;auml;hlt. Wenn jemand 75 oder 80 ist, passiert nicht mehr so viel. Jetzt k&amp;ouml;nnte man nur noch von Krankheit und Tod erz&amp;auml;hlen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Die ARD w&amp;uuml;rde auch nicht weiter Geld f&amp;uuml;r so was ausgeben. Es ist doch sowieso schon ein Wunder, dass wir das 26 Jahre lang machen konnten. Interessant w&amp;auml;re es jetzt, die Kinder und Enkel unserer Protagonisten zu begleiten. Der Sohn der t&amp;uuml;rkischen Familie beginnt gerade eine Ausbildung als Kriminalbeamter, die Tochter war in New York, um Schauspielerin werden. Das muss man sich mal vorstellen. Ihre Gro&amp;szlig;mutter wurde noch verheiratet und lernte erst sp&amp;auml;t lesen und schreiben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Vermissen Sie die Leute?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Noch nicht. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Sie bleiben uns ja erhalten. Das sind unsere Nachbarn. Und die, die schon tot sind, leben in ihren Spr&amp;uuml;chen weiter. Wenn man bei der alten Frau Tomaschefski zum Essen eingeladen war, hat sie immer gesagt: &amp;raquo;Kommt, sagt mir mal, dass es gut schmeckt!&amp;laquo; Ich sage das heute noch zu meiner Frau. Ich denke auch noch oft an den Kalle. Es gen&amp;uuml;gt, dass ich an einer Stra&amp;szlig;enecke vorbeikomme, wo ich ihn mal getroffen habe, schon ist er da.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gumm: &lt;/strong&gt;Reimar Lenz meinte: &amp;raquo;Wenn ihr nicht mehr kommt, das halte ich nicht aus.&amp;laquo; Das hat den Leuten schon gut getan, diese Aufmerksamkeit, das Interesse. Sieht man schon daran, dass alle gern von sich erz&amp;auml;hlt haben, aber von uns nie was wissen wollten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie ein schlechtes Gewissen, weil Sie diese Menschen nach so langer Zeit allein lassen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Nein, ich sp&amp;uuml;re eher eine leichte Traurigkeit. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Ein Gef&amp;uuml;hl des Abschieds, als ob man am Bahnhof steht und zusieht, wie der Zug rausf&amp;auml;hrt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Glauben Sie, dass in drei&amp;szlig;ig Jahren noch jemand diese Filme anschauen wird?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;Gumm:&lt;/strong&gt; Ich bin sicher, dass diese Arbeit eine nachhaltige Wirkung haben wird. Das ist ein Sittenbild des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ullrich:&lt;/strong&gt; Ein extrem sorgf&amp;auml;ltiger Fingerabdruck einer bestimmten Epoche. Wenn jemand in zehn Jahren wissen will, wie eine B&amp;auml;ckerei 1986 aussah, oder wor&amp;uuml;ber man in einer Kleinfamilie 2001 gesprochen hat, dann kann er das alles hier nachschauen. Diese unglaubliche Stadt Berlin kurz vor, w&amp;auml;hrend und nach der Wende, die Biografien, die Tr&amp;auml;ume, die geplatzt sind, in diesen Filmen wird das ganze Leben ausgebreitet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56101.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; &lt;em&gt;&lt;strong&gt;Detlef Gumm&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;studierte Publizistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte.      Mit dem Kameramann Hans-Georg Ullrich (links) gr&amp;uuml;ndete er 1975 die      Filmfirma K&amp;auml;nguruh. Die beiden haben an die 100 Dokumentarfilme gedreht      und unter anderem den Grimme-Preis bekommen. Er ist 65 Jahre alt.&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Hans-Georg      Ullrich&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;besuchte die Fachschule f&amp;uuml;r Fotografie und arbeitete als      Kameramann und Regisseur beim Industriefilm. Seit mehr als 35 Jahren dreht      er gemeinsam mit Detlef Gumm Dokumentarfilme, unter anderem das      Langzeitprojekt &amp;raquo;Berlin - Ecke Bundesplatz&amp;laquo;. Er ist 70 Jahre alt. &amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Der      Film&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Berlin - Ecke Bundesplatz&amp;laquo; ist ein in der deutschen Fernsehgeschichte      einmaliges Projekt. Von 1986 bis 2012 begleiteten Ullrich und Gumm 30      Menschen aus Berlin-Wilmersdorf durch ihren Alltag. Am Samstag, dem 9.      Februar, haben die vier letzten Filme Weltpremiere auf der Berlinale,      ab dem 19. Februar sind sie bei 3sat, ab dem 23. Februar im WDR und ab dem      26. Februar im RBB zu sehen. Au&amp;szlig;erdem erscheint eine DVD-Gesamtausgabe. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fotos: Felix Br&amp;uuml;ggemann c/o brigitta-horvat.com; Ingeborg Ullrich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Jedes Schicksal ist besonders«</dc:subject>
    <dc:creator>Tobias Haberl (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2013-02-04T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39439">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39439</link>
    <title>Zweite Heimat</title>
    <description>&lt;p&gt;Sie war ein Filmstar &amp;ndash; jetzt spielt Claire Danes in      der Serie &lt;em&gt;Homeland&lt;/em&gt; die Rolle ihres Lebens. Ihr Fall zeigt: Fernsehen      ist heute oft das bessere Kino.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56121.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Frau kommt nach Hause, schmei&amp;szlig;t ihre Handtasche hin, schabt sich die Hochhackigen von den F&amp;uuml;&amp;szlig;en, zieht sich die Strumpfhose aus und das Top &amp;uuml;ber den Kopf, rennt ins Bad, f&amp;auml;hrt sich mit einem Waschlappen zwischen die Beine, schrubbt sich den Nachtbelag von den Z&amp;auml;hnen, aus der Aspirindose sch&amp;uuml;ttelt sie eine Kapsel mit etwas St&amp;auml;rkerem als Aspirin, dann sitzt sie schon wieder im Auto. Ihr Ziel: die CIA. Blo&amp;szlig; 40 Sekunden dauert das alles, eine Frau, die sich auf dem Weg von einem One-Night-Stand ins B&amp;uuml;ro frisch macht, doch dabei erf&amp;auml;hrt man alles N&amp;ouml;tige &amp;uuml;ber sie: dass es ihr nicht gut geht, dass sie eine Manikerin ist, nerv&amp;ouml;s, aufgeputscht und gleichzeitig elend m&amp;uuml;de, von etwas anderem als einer Nacht mit zu wenig Schlaf. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Da ist es wieder, das Claire-Danes-Gesicht. Kein Gesicht, wie andere Menschen eines haben, sondern eine B&amp;uuml;hne, auf der Muskeln, Nerven, Stirnfalten, Mundwinkel und Augenbrauen auftreten. Alle reden sie gleichzeitig, rasend schnell und ziemlich oft nicht miteinander &amp;ndash; um das alles dechiffrieren zu k&amp;ouml;nnen, m&amp;uuml;sste man es in Zeitlupe sehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; So ist es jedes Mal, wenn sie spielt, es ist etwas, was nur sie kann. Als sie in &lt;em&gt;Romeo + Julia&lt;/em&gt;, dem Film, der sie mit 16 zum Weltstar machte, neben dem toten Romeo aufwachte, brauchte sie von Verwirrung zu bodenloser Trauer blo&amp;szlig; drei Sekunden, in &lt;em&gt;Shopgirl&lt;/em&gt; brachte sie in drei Blicken so viele Gef&amp;uuml;hle unter wie viele Schauspieler nicht in ihrem Lebenswerk. Am virtuosesten ist ihr Gesicht aber, wenn sie weint. Die Lider flattern, das Kinn zittert, die Unterlippe vibriert, die Augen zucken &amp;ndash; es ist eine Symphonie von Mikrobewegungen, auf die sie sich so gut versteht, dass sie als die gr&amp;ouml;&amp;szlig;te lebende Weinerin gilt. Im Internet gibt es Weblogs, die nicht mehr tun als Fotos der weinenden Claire Danes zu sammeln, und auf Youtube eine Montage, in der von ihren Auftritten alles weggeschnitten wurde bis auf ihre Heulattacken; es ist ein gro&amp;szlig;artiger Film.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Diesmal geh&amp;ouml;rt Danes Gesicht Carrie Mathison, Zentrum der Fernsehserie &lt;em&gt;Homeland&lt;/em&gt;, die seit Herbst 2011 in den USA l&amp;auml;uft und ab 3. Februar von Sat.1 ausgestrahlt wird. Mathison ist eine bipolare CIA-Agentin &amp;ndash; bis vor wenigen Jahren h&amp;auml;tte man ihren Zustand &amp;raquo;manisch-depressiv&amp;laquo; genannt, und er ist das Beste, was sich je ein Regisseur f&amp;uuml;r Claire Danes ausgedacht hat. Bipolar zu sein bedeutet: f&amp;uuml;rchterlichen Stimmungsschwankungen unterworfen zu sein, von elend verzweifelt bis unertr&amp;auml;glich aufgekratzt. In der einen Stunde ist alles bleiern schwer, in der n&amp;auml;chsten rennen die Gedanken, st&amp;uuml;rzen S&amp;auml;tze aus dem Mund, und das Einzige, was das Hin und Her der Emotionen halbwegs z&amp;auml;hmen kann, sind Medikamente. Es muss grauenhaft sein, wenn man so drauf ist. Es ist grandios, dass Claire Danes so drauf sein darf, von jeher eine Schauspielerin, durch die mehr Gef&amp;uuml;hle rasen, als ein einzelner Mensch &amp;uuml;blicherweise ertr&amp;auml;gt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56311.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 	           &lt;br /&gt; Das Kluge an &lt;em&gt;Homeland&lt;/em&gt;: Der Zustand seiner Heldin ist nicht blo&amp;szlig; eine dieser Marotten, mit denen seit einiger Zeit Fernsehserienhelden ausgestattet werden, sondern eine Sicht auf die Welt. Weil Carrie Mathison alles nur durch den Filter ihrer verschobenen Gef&amp;uuml;hle wahrnimmt, wittert sie Gefahren, an die ihre Geheimdienstkollegen nicht einmal hypothetisch d&amp;auml;chten. Sie ist keine Analytikerin, obwohl das ihr Beruf ist, sie w&amp;auml;gt nicht ab, sondern hat stattdessen manische Hellsichtigkeiten. Und deshalb wei&amp;szlig; sie ganz einfach, und l&amp;auml;sst sich davon nicht abbringen: Der Marine, der in Afghanistan nach acht Jahren Gefangenschaft befreit wurde, ist kein Kriegsheld, sondern ein Terrorist. Gebrochen, gehirngewaschen, zum Feind &amp;uuml;bergelaufen. Und seine Befreiung ist nicht der Aufkl&amp;auml;rungsarbeit der Geheimdienste zu verdanken, sondern ein Man&amp;ouml;ver eines Al-Qaida-Anf&amp;uuml;hrers namens Abu Nazir. Die amerikanische &amp;Ouml;ffentlichkeit soll sich im Glauben wiegen, dass sie einen Helden bekommt. In Wahrheit bekommt sie einen, der sich eines Tages in ihrer Mitte in die Luft sprengen wird. Nat&amp;uuml;rlich glaubt niemand in der CIA Carrie. Was nicht bedeutet, dass sie nicht recht hat. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das ist die Ausgangskonstellation von &lt;em&gt;Homeland&lt;/em&gt;, einer Serie, die es mit ihren ersten beiden Staffeln geschafft hat, sowohl die Kritiker zu begeistern als auch f&amp;uuml;r hohe Einschaltquoten zu sorgen, etwas, was kaum je gelingt, die Werbersaga &lt;em&gt;Mad Men&lt;/em&gt; zum Beispiel wurde trotz aller Hymnen, die &amp;uuml;ber sie geschrieben wurden, nie zum Massenerfolg. Homeland ist so etwas wie 24 f&amp;uuml;r Erwachsene: genauso spannend, genauso unzuverl&amp;auml;ssig, wenn es um die Frage geht, ob die Guten wirklich gut sind, genauso beunruhigt von der Weltlage, aber moralisch und politisch mehrdimensionaler, deutlich besser geschrieben und bis in alle Nebenrollen grandios gespielt. Einer der gl&amp;uuml;hendsten Fans ist &amp;uuml;brigens Barack Obama. Wenn Michelle und die beiden M&amp;auml;dchen am Samstagnachmittag zum Tennis gehen, hat er einmal erz&amp;auml;hlt, sch&amp;uuml;tze er unaufschiebbare Staatsgesch&amp;auml;fte vor, doch in Wahrheit setze er sich im Oval Office vor einen Fernseher und ziehe sich &lt;em&gt;Homeland&lt;/em&gt; rein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;&lt;/span&gt;Danes ist nicht die Einzige, die vom Fernsehen errettet wurde&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56313.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 	           Wie es nach zwei Staffeln weitergeht, wei&amp;szlig; noch niemand, doch wenigstens wei&amp;szlig; man mittlerweile, dass es mit Claire Danes weitergeht. Sie hat eine Woche vor Weihnachten ein Kind bekommen, und in den Monaten davor hatten die &lt;em&gt;Homeland&lt;/em&gt;-S&amp;uuml;chtigen sich vor einer Babypause gef&amp;uuml;rchtet. Doch in der ersten Januarwoche gab es Entwarnung: In einem Interview sagte sie, sie k&amp;ouml;nne sich nicht vorstellen, auf ihre Arbeit zu verzichten. Die Erleichterung war umso gr&amp;ouml;&amp;szlig;er, als in Danes Karriere Auszeiten nichts Ungew&amp;ouml;hnliches sind. 1998 hatte sie den ganzen Krempel hingeschmissen, um zwei Jahre lang Psychologie zu studieren (und ein Leben mit Partys, Verantwortungslosigkeit und Freundschaften mit Gleichaltrigen nachzuholen, zu dem sie nie gekommen war, weil sie schon mit 16 Heldin einer Fernsehserie gewesen war). Und nachdem sie 2009, mit 31, den britischen Schauspieler Hugh Dancy geheiratet hatte, dauerten ihre Flitterwochen anderthalb Jahre. Einer der Gr&amp;uuml;nde daf&amp;uuml;r: Die Rollen, die man ihr anbot, sagten ihr nichts. Schlie&amp;szlig;lich hatte sie sich vorgenommen, nur noch Frauen zu spielen, die eine Geschichte selbst vorantrieben, statt die Geschichten von M&amp;auml;nnern auszubaden, Frauen, die smart sind und nicht ihre Br&amp;uuml;ste herzeigen m&amp;uuml;ssen. Offensichtlich schaffte Hollywood es nicht mehr, sich f&amp;uuml;r eine seiner talentiertesten Schauspielerinnen das Richtige auszudenken. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Gerettet wurde sie vom Fernsehen. 2010 spielte sie im Fernsehfilm &lt;em&gt;Temple Grandin&lt;/em&gt; so virtuos eine autistische Tierforscherin, dass sie mit einem Emmy und einem Golden Globe ausgezeichnet wurde, eine deutliche Aufforderung, Danes bitte nicht mehr zu unterfordern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Auch &lt;em&gt;Homeland&lt;/em&gt; k&amp;ouml;nnte im Kino nicht stattfinden: zu wenig Platz f&amp;uuml;r einen Charakter, der so ausufernd und vieldimensional ist wie der von Carrie Mathison. Das Kino, sagt Danes, verlangt von Schauspielern, dass sie in 93 Minuten ein Riesenproblem l&amp;ouml;sen. Im Fernsehen dagegen bekommen sie die Zeit, jede Nuance eines Charakters zu erforschen, und d&amp;uuml;rfen noch Geschichten erz&amp;auml;hlen, die so undurchschaubar sind wie die Welt, in der sie spielen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Danes ist nicht die Einzige, deren Talent vom lange abgesnobbten Fernsehen errettet wurde. Immer weniger Hollywoodstars finden es karriereabtr&amp;auml;glich, wenn sie sich f&amp;uuml;r Fernsehserien verpflichten. Auf dem kleinen Schirm d&amp;uuml;rfen sie noch zeigen, was sie draufhaben, f&amp;uuml;r ein Publikum spielen, das nicht vor allem aus Teenagern besteht. Zooey Deschanel zum Beispiel kann sich in der wunderbar sarkastischen Comedyserie &lt;em&gt;New Girl &lt;/em&gt;viel besser ausleben als im Kino, Steve Buscemi in &lt;em&gt;Boardwalk Empire&lt;/em&gt; vorf&amp;uuml;hren, wie viel sein Knittergesicht erz&amp;auml;hlen kann, Laura Linney ist erst durch The Big C &amp;ndash; eine Serie, die es schafft, Krebs witzig zu behandeln &amp;ndash; wirklich zum Star geworden. Wie rasend komisch Alec Baldwin ist, wei&amp;szlig; man erst durch seine Auftritte in der Sitcom &lt;em&gt;30 Rock&lt;/em&gt;, und Glenn Close durfte in &lt;em&gt;Damages&lt;/em&gt; die Brillanz einer Frau zeigen, die dem Kino zu alt geworden worden war. Im Fernsehen haben sie noch Platz: die anstrengenden und intelligenten Frauen &amp;uuml;ber 40, die Charakterk&amp;ouml;pfe, die schr&amp;auml;gen Figuren, die epischen Geschichten. Die bessere Show bekommt man jetzt Zuhause, dort, sagt Claire Danes, wo man sich den Hintern nicht taub sitzen muss.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; F&amp;uuml;r sieben Jahre hat sie sich verpflichtet, f&amp;uuml;nf Staffeln &lt;em&gt;Homeland&lt;/em&gt; noch vor sich, wenn alles gut geht und die Quoten nicht wieder sinken. &amp;raquo;Eine wahnsinnig lange Zeit, ich wei&amp;szlig;. Als ich dar&amp;uuml;ber nachdachte, ob ich das tun sollte&amp;laquo;, erz&amp;auml;hlt sie, &amp;raquo;habe ich mir gesagt: Ich habe die Wahl, darin eine Gef&amp;auml;ngnisstrafe zu sehen oder eine Lebensversicherung. Jedes Jahr kann ich etwas richtig Aufregendes tun. Das Angebot f&amp;uuml;r die Serie kam am selben Wochenende, an dem ich f&amp;uuml;r die Rolle der Sekret&amp;auml;rin von J. Edgar Hoover vorgesprochen hatte. Und ich fragte mich: Will ich die Sekret&amp;auml;rin einer unwiderstehlichen Person spielen? Oder will ich selbst eine verdammt unwiderstehliche Person spielen?&amp;laquo; Die verdammt unwiderstehliche Claire Danes hat sich richtig entschieden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;---&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Claire Danes ist nicht die Einzige, die vom Fernsehen errettet wurde. &lt;br /&gt;Eine &amp;Uuml;bersicht: &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56123.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;strong&gt;Glenn Close &lt;/strong&gt;Tolle  Schauspielerin mit einem Problem: leider zu alt f&amp;uuml;r Hollywood. Also       brilliert die mittlerweile 65-J&amp;auml;hrige in der TV-Serie &amp;raquo;Damages&amp;laquo;. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56125.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt; &lt;em&gt;Steve Buscemi&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;em&gt; Hat Charakter, sieht auch so aus: Das macht ihn sehr      geeignet f&amp;uuml;r die Hauptrolle in der grandiosen Fernsehsaga &amp;raquo;Boardwalk      Empire&amp;laquo;. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56127.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt; &lt;em&gt;Laura Linney&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;em&gt; Tolle Performances in anspruchsvollen Filmen wie &amp;raquo;Die      Truman Show&amp;laquo;. Zum Star wurde sie erst mit der Krebs-Comedy &amp;raquo;The Big C&amp;laquo;.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/56131.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
 &lt;strong&gt; &lt;em&gt;Alec Baldwin&lt;/em&gt;&lt;/strong&gt;&lt;em&gt; Hollywood-Veteran, hat viel &amp;uuml;berlebt (seltsame Rollen, Kim      Basinger, &amp;Uuml;berdruss) und erlebte einen zweiten Fr&amp;uuml;hling in der Sitcom &amp;raquo;30      Rock&amp;laquo;.&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fotos: Reuters, Getty, afp&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Zweite Heimat</dc:subject>
    <dc:creator>Peter Praschl</dc:creator>
    <dc:date>2013-02-01T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39381">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39381</link>
    <title>Gute Besserung!</title>
    <description>&lt;p&gt;Arzt ist ein ziemlich komplizierter Beruf, Fernseharzt dagegen nicht. Man muss nur einige Phrasen beherrschen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/55923.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auch der junge George Clooney hat in der Serie &amp;raquo;Emergency Room&amp;laquo; einst so manche Plattit&amp;uuml;de von sich gegeben.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Er braucht jetzt sehr viel Ruhe. Und Sie sollten auch etwas schlafen&amp;laquo;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&amp;raquo;Ich lass Sie gehen, auf Ihre eigene Verantwortung&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Er mag Ihr Gefangener sein, aber er ist auch mein Patient&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Es spricht nichts dagegen, dass alles gut ausgeht&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Das kann ich im Moment nicht sagen, er wird gerade operiert&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Wissen Sie, wo Sie sind?&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Wir werden Sie wohl &amp;uuml;ber Nacht hierbehalten m&amp;uuml;ssen&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &amp;raquo;Wir haben ihn wieder! Der Puls ist zwar schwach, aber regelm&amp;auml;&amp;szlig;ig&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Schnell einen Notarzt! Er lebt noch&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Gehen Sie bitte. Sie k&amp;ouml;nnen jetzt nichts f&amp;uuml;r ihn tun&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Sein Zustand scheint sich stabilisiert zu haben. Zumindest vor&amp;uuml;bergehend&amp;laquo;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&amp;raquo;Es sieht nicht gut aus, er hat sehr viel Blut verloren&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Lassen Sie mich bitte durch, ich bin Arzt&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;raquo;Wir haben alles getan, was menschenm&amp;ouml;glich ist&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Gute Besserung!</dc:subject>
    <dc:creator></dc:creator>
    <dc:date>2013-01-30T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39079">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39079</link>
    <title>Erinnern Sie sich?</title>
    <description>&lt;p&gt;TV-Weihnachtsserien wie &lt;em&gt;Timm Thaler, Patrik Pacard &lt;/em&gt;oder &lt;em&gt;Anna&lt;/em&gt; geh&amp;ouml;rten  von 1979 bis 1995 zu den deutschen Feiertagsritualen - wie Pl&amp;auml;tzchen und  Tannenbaum. Die jungen Darsteller wurden &amp;uuml;ber Nacht zu Ber&amp;uuml;hmtheiten.  Aber &amp;hellip; was wurde sp&amp;auml;ter aus den Kinderstars? Wir haben die Helden von damals an einen Tisch gebeten.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54939.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Die Weihnachtsserien-Stars haben sich mit drei Redakteuren des SZ Magazins in einer Privatwohnung in Berlin-Mitte getroffen.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Patrick Bach &lt;/strong&gt;&lt;em&gt;(zu Katja Studt):&lt;/em&gt; Wir haben uns, glaube ich, schon mal gesehen, oder? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Katja Studt:&lt;/strong&gt; Ich glaube nicht.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Oh. Das ist ja ein Ph&amp;auml;nomen in unserer Branche, dass man denkt, man hat mal zusammengearbeitet. Man ist sich &amp;uuml;ber den Bildschirm so vertraut. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Studt:&lt;/strong&gt; Ich habe dir als Kind mal einen Liebesbrief geschrieben. Ich muss das jetzt zugeben. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Ehrlich? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin: Was haben Sie genau geschrieben? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Studt&lt;/strong&gt;: Es fing schon damit an, dass jeder i-Punkt ein Herzchen war, nat&amp;uuml;rlich. Patrick war ja als Hauptdarsteller der Weihnachtsserien &lt;em&gt;Silas, Jack Holborn&lt;/em&gt; und sp&amp;auml;ter in &lt;em&gt;Anna &lt;/em&gt;der M&amp;auml;dchenschwarm der Achtzigerjahre, du hast meinen Jungengeschmack schon sehr gepr&amp;auml;gt. Ich wei&amp;szlig; noch, dass ich geschrieben habe: &amp;raquo;Patrick, ich liebe Dich so, dass ich jede Nacht von Dir tr&amp;auml;umen muss.&amp;laquo; Ich habe ihn abgeschickt, aber nie was geh&amp;ouml;rt. Und als ich nach der Ausstrahlung meiner Weihnachtsserie &lt;em&gt;Clara&lt;/em&gt; auch solche Briefe bekam, habe ich mir gesagt: Ich antworte jedem! Denn ich habe damals wirklich gehofft und gebangt. Aber das soll jetzt kein Vorwurf sein. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Jedem zu antworten war bei uns gar nicht m&amp;ouml;glich. Kurz nach Silas habe ich 2000 Briefe t&amp;auml;glich bekommen, &amp;uuml;ber Wochen. Der Postbote kam jeden Tag an mit einem Riesensack. Nach zwei Wochen hat er gesagt, wir sollen die Post selber abholen, er schleppt den Sack nicht mehr. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Alexandra Henkel:&lt;/strong&gt; Bei mir gab es nach &lt;em&gt;Ron und Tanja &lt;/em&gt;pausenlos Anrufe zu Hause und auch Fanpost. Teenies waren ja okay, aber es waren auch Erwachsene dabei, das war ein bisschen unheimlich.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hendrik Martz:&lt;/strong&gt; Um 18.50 Uhr war damals der erste Teil von&lt;em&gt; Patrik Pacard&lt;/em&gt; im ZDF zu Ende, ab 19.10 Uhr klingelte das Telefon, 24 Stunden. Die Leute haben in der Schule angerufen und gesagt, meine Eltern seien t&amp;ouml;dlich verungl&amp;uuml;ckt. Sie haben mir aufgelauert, und nicht nur M&amp;auml;dchen, sondern auch Jungs, die nicht so toll fanden, dass ihre Freundin mein Bild an der Wand hatte. Ich habe ernsthaft Morddrohungen erhalten, Briefe, wo ich am Galgen hing und &amp;raquo;Wir kriegen dich&amp;laquo; draufstand. Wir haben Polizeischutz mit Streifenwagen vor dem Haus gehabt.  Das ging drei, vier Monate so. Und ich war gerade mal 16.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Sind Sie &amp;uuml;berhaupt noch vor die T&amp;uuml;r gegangen?&lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Ich hab versucht, meinen Tagesablauf ganz normal zu gestalten wie sonst auch. Sich einzusperren ist ja keine L&amp;ouml;sung. Meine Schule hat das ganz toll gemacht, ich bin weder gemobbt worden, noch haben die anderen mich f&amp;uuml;r doof erkl&amp;auml;rt. Die waren stolz, dass sie den &amp;raquo;Silas&amp;laquo; auf der Schule hatten. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Martz:&lt;/strong&gt; Bevor ich Patrik Pacard gedreht habe, bin ich sitzen geblieben. Nach den Dreharbeiten habe ich meinen Notendurchschnitt um 2,8 verbessert &amp;ndash; die Erfahrung am Set unter all den Erwachsenen hat mich reifen lassen. Nach der Ausstrahlung ging der Schnitt wieder um 2,2 runter. Der Erfolg und der Druck &amp;ndash; ich konnte mich auf gar nichts mehr konzentrieren. Ich war froh, dass ich die Realschule gerade noch geschafft habe. Dann habe ich Die Wicherts von nebenan gedreht, eine Familienserie, das war eine andere Art von Bekanntheit. Ruhiger. Diese krasse Teenie-Begeisterung, die &amp;uuml;ber einen einfach so hereinbricht, war es nicht mehr. Zwischen zehn und 17 sind die ja am h&amp;auml;rtesten drauf. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kathrin Toboll:&lt;/strong&gt; Also, ich bin in der Schule fertiggemacht worden, nachdem meine Serie, das Nesth&amp;auml;kchen, an Weihnachten ausgestrahlt wurde. Das war die Zeit, in der ich gerade von der Grundschule aufs Gymnasium gekommen war. Da hatte jeder Mitsch&amp;uuml;ler die vorgefertigte Meinung, dass man als Schauspieler wahnsinnig arrogant und schei&amp;szlig;e sein muss. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Studt:&lt;/strong&gt; Weil einem die Unsicherheit schnell als Arroganz ausgelegt wird. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Toboll&lt;/strong&gt;: Es gab auch t&amp;auml;tliche Angriffe, unheimlich viel Neid. Da wurde ich dann schnell mal &amp;raquo;Nestflittchen&amp;laquo; genannt. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Haben Sie damals eigentlich gedacht, dass Sie jetzt ganz schnell reich werden? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Henkel und Bach:&lt;/strong&gt; Ja. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was haben Sie denn am Tag verdient? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Martz:&lt;/strong&gt; Tagesgagen gab es nicht. Ich glaube, ich habe 20 000 Mark bekommen f&amp;uuml;r die erste Serie. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Studt&lt;/strong&gt;: F&amp;uuml;r den Dreiteiler habe ich auch so um die 20 000 Mark bekommen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Henkel:&lt;/strong&gt; Ich auch. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bach: &lt;/strong&gt;Meine zweite Gage, f&amp;uuml;r &lt;em&gt;Jack Holborn&lt;/em&gt;, habe ich mit 13 Jahren selbst mit dem Produzenten Bernd Burgemeister am Hoteltresen verhandelt. Er fragte mich, was ich mir finanziell vorstellen w&amp;uuml;rde, da habe ich gesagt: Bernd, ich will das Doppelte wie bei &lt;em&gt;Silas&lt;/em&gt;. Und ich habe es bekommen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Die Serie Anna wurde auf DVD mehr als 100 000 Mal verkauft. Bekommen Sie noch Geld, wenn die Serien heute wiederholt werden oder auf Video erscheinen?&lt;br /&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Wenn Silas wiederholt wird, kriege ich gesch&amp;auml;tzte 150, 30 Euro. Ich wei&amp;szlig; von einem Vertriebsleiter von Saturn, dass die DVD-Boxen der alten Weihnachtsserien sehr gut laufen. Aber davon sehen wir keinen Cent. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Studt:&lt;/strong&gt; Im Vergleich dazu, was meine Freundinnen damals als Babysitter verdient haben, war es aber viel Geld. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Henkel:&lt;/strong&gt; Daf&amp;uuml;r, dass man Spa&amp;szlig; hatte, war das doch super. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Studt:&lt;/strong&gt; Ja, ich h&amp;auml;tt&amp;rsquo;s auch ohne Geld gemacht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wenn Sie zur&amp;uuml;ckblicken: Finden Sie es in Ordnung, die eigenen Kinder in einer Fernsehserie mitspielen zu lassen? Es war ja nach dem Riesenerfolg von Timm Thaler 1979, dem ersten Weihnachts-Sechsteiler, klar, welche Ausma&amp;szlig;e der Ruhm annehmen k&amp;ouml;nnte. Und man kennt das traurige Schicksal der ber&amp;uuml;hmtesten Kinderstars, von Macaulay Culkin oder von Daniel Radcliffe, dem Harry-Potter-Darsteller, der zum Alkoholiker wurde.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Studt:&lt;/strong&gt; Wenn die Eltern ihre Kinder dr&amp;auml;ngen, tut mir das immer unglaublich leid. Das merke ich beim Drehen mit Kindern heute sofort. Aber ich kann da nichts machen und versuche, mit dem Kind eine sch&amp;ouml;ne Zeit zu haben, sodass es zumindest fr&amp;ouml;hlich aus dem Dreh rausgeht. Du kannst den Eltern ja nicht reinreden. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bach: &lt;/strong&gt;Ich bin oft gefragt worden: Hat dir das geschadet? Was wurde aus deiner Kindheit? Ich sage dann: Leute, &lt;em&gt;Silas&lt;/em&gt; und &lt;em&gt;Jack Holborn&lt;/em&gt; waren zwei Serien &amp;agrave; drei Monate, das waren Abenteuer und nat&amp;uuml;rlich auch Strapazen. Aber wir reden doch nicht &amp;uuml;ber sieben Jahre Straflager. Mich hat das Drehen als Person eher gest&amp;auml;rkt und charakterlich weiter gebracht, als wenn ich drei Monate weiter mit Schl&amp;uuml;mpfen gespielt h&amp;auml;tte. Das hat mir Reife gegeben und dem Kindsein trotzdem keinen Abbruch getan. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Henkel: &lt;/strong&gt;Man wusste: Du bist Teil des Teams, du wirst um f&amp;uuml;nf Uhr morgens abgeholt und abends irgendwann nach Hause gebracht. Das war sch&amp;ouml;n, und zugleich war klar, dass man ein wichtiger Baustein des Ganzen war. Ich f&amp;uuml;hlte mich erwachsen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hat man als Kind auch Momente, in denen man vor der Kamera Angst bekommt und denkt, ich schaff das nicht? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Martz:&lt;/strong&gt; Das kommt sp&amp;auml;ter. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Da kommt der Regisseur und sagt: Pass mal auf, du steigst aufs Pferd und reitest wie der Wind in die Richtung. Und dann machst du das. Weil du dir keine Gedanken machst, bist du in dem Moment der Richtige. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sigi Rothemund, der Regisseur von &lt;em&gt;Silas&lt;/em&gt;, hat erz&amp;auml;hlt, dass Sie ihn angeschrien haben, als er einen Dreh abbrechen wollte. Weil Sie unbedingt weitermachen wollten. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Da funktionierte das Boot nicht, eine Unterwasserkamera ging kaputt, es lief eigentlich alles schief &amp;ndash; und acht Stunden sp&amp;auml;ter ging der Flug von den Cook Islands zur&amp;uuml;ck nach Deutschland. Ich hatte eine beidseitige Mittelohrentz&amp;uuml;ndung und musste auf drei, vier Meter runtertauchen, wo der Kapit&amp;auml;n lag. Sie dachten, das packe ich nicht mehr. Und ich hab gebr&amp;uuml;llt: Nein, wir machen das jetzt! Warum, wei&amp;szlig; ich bis heute nicht. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Toboll:&lt;/strong&gt; Ich war noch zu sehr Kind, um das zu tun. Mein K&amp;ouml;rper hat irgendwann bei den Dreharbeiten gestreikt, ich hatte hohes Fieber, bekam Wadenwickel und fiebersenkende Mittel vom Notarzt, damit ich weiterdrehen konnte. Das wurde knallhart durchgezogen, bis jemand aus dem Team todesmutig meine Mutter informierte, die ans Set kam und ausflippte. Ich musste zwei Wochen pausieren, weil ich eine schwere Lungenentz&amp;uuml;ndung hatte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihre Mutter war zickig, fand der &lt;em&gt;Nesth&amp;auml;kchen-&lt;/em&gt;Regisseur. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Toboll: Aus seiner Sicht war sie das sicher. Aber sie hat sich einfach Sorgen gemacht und mich gut beh&amp;uuml;tet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;War das Ihre Rettung?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Toboll:&lt;/strong&gt; Sie hat immer darauf bestanden, dass diese Serie eine einmalige Sache ist. Sie hat sich sp&amp;auml;ter schon gefragt, ob das zu strikt war, aber ich glaube, es war genau das Richtige. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Ist das Etikett &amp;raquo;Kinderstar&amp;laquo; schlecht f&amp;uuml;r die sp&amp;auml;tere Karriere? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Martz:&lt;/strong&gt; Als Kinderdarsteller hat man nicht die M&amp;ouml;glichkeit zu wachsen. Wenn J&amp;uuml;rgen Vogel &amp;auml;lter wird und weniger Haare hat, geht das Publikum mit. Als ich anfing, war ich 16 und sah sehr kindlich aus. Dieses Bild von Patrik Pacard blieb. Die Leute sagen: Du warst ein Teil meiner Jugend. Dieser Teil der Jugend bin ich aber jetzt nicht mehr, schon rein &amp;auml;u&amp;szlig;erlich. Und das ist eine Diskrepanz, mit der die Leute Probleme haben. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Der Schritt vom Kinderstar zum erwachsenen, ernst zu nehmenden Schauspieler ist fast unm&amp;ouml;glich. Ein paar von uns haben&amp;rsquo;s geschafft, ein Gro&amp;szlig;teil, auch in Amerika, hat&amp;rsquo;s eben nicht geschafft. Weil man als Kind auch ganz anders spielt: nat&amp;uuml;rlich, frei, naiv. Mit 18 oder 20 schaut man auf einmal in den Spiegel und denkt, wie gucke ich denn jetzt b&amp;ouml;se? Du f&amp;auml;ngst an, dar&amp;uuml;ber nachzudenken: Wie spiele ich jetzt diese Rolle?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54941.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;PATRICK BACH&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Serien: &lt;strong&gt;Anna, Silas&lt;/strong&gt; und&lt;strong&gt; Jack Holborn&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ist der      Kinderstar des deutschen Fernsehens schlechthin. Bach spielte gleich in      drei Weihnachtsserien Hauptrollen, 1981 als Zirkusartist in &lt;em&gt;Silas&lt;/em&gt;, 1982      als Schiffsjunge &lt;em&gt;Jack Holborn&lt;/em&gt; und 1987 als Teenager im Rollstuhl, der der      Ballettt&amp;auml;nzerin Anna  nach einem Unfall zur&amp;uuml;ck ins Leben hilft. Es      folgten Gastrollen im  Vorabendprogramm, etwa im&lt;em&gt; Gro&amp;szlig;stadtrevier&lt;/em&gt;. Heute      vor allem als Synchronsprecher t&amp;auml;tig, etwa in der Verfilmung von      Herr der Ringe oder gerade in der Disney-Serie &lt;em&gt;Jake und die Nimmerland      Piraten&lt;/em&gt;. Patrick Bach, Jahrgang 1968, lebt mit Frau und Kindern in      seiner Geburtsstadt Hamburg.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Ich wei&amp;szlig; nicht, wie viele Schauspieler ich kenne, die zum Psychologen gehen.&amp;laquo;&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54943.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;KATHRIN TOBOLL&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Serie:&lt;strong&gt; Das Nesth&amp;auml;kchen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kathrin Toboll      wurde als Achtj&amp;auml;hrige auf der Gartenparty der Eltern ihrer besten&lt;br /&gt;Freundin entdeckt. Von der Freundin wusste sie schon, dass der      Regisseur Gero&lt;br /&gt;Ehrhardt ein Kind f&amp;uuml;r eine Serie suchte. Die      Freundin selbst durfte nicht mitspielen, weil ihre Eltern das nicht      erlaubten, ein kleines Drama damals. Kathrin Toboll ist heute 38 und arbeitet      als Produzentin bei der Film- und Fernsehproduktion Teamworx. Gerade entwickelt sie eine Sitcom f&amp;uuml;r RTL &amp;uuml;ber einen alternden      Showmoderator und eine junge Praktikantin in einer Kuppelshow und      schreibt f&amp;uuml;r Sat.1 einen Pilotfilm f&amp;uuml;r eine Serie.&amp;nbsp; &lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Frau Toboll, Sie sind auf die Schauspielschule gegangen, als Sie 20 waren.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Toboll:&lt;/strong&gt; Drei Tage lang. Das ging nicht. Ich hatte als Praktikantin bei &lt;em&gt;Nicht von schlechten Eltern&lt;/em&gt; gearbeitet und Stra&amp;szlig;en abgesperrt und Kaffee gekocht. Dabei habe ich noch mal den Wunsch versp&amp;uuml;rt zu spielen und mich in M&amp;uuml;nchen auf der Schauspielschule beworben. Und wurde genommen. Aber ich habe gemerkt, das bin ich nicht, der &amp;raquo;kleine Hai&amp;laquo; hoch und runter. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Der &amp;raquo;kleine Hai&amp;laquo;?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Martz:&lt;/strong&gt; Da sind klassische &amp;Uuml;bungen zur Sprecherziehung. Ich bin ja auch auf die Schauspielschule gegangen, in New York, das war super. Aber in Deutschland wollte ich mir das nicht antun, mich als Prominenter auszuliefern. Das, was wir in New York gemacht haben, hatte nichts mit dem Job, wie ich ihn kannte, zu tun. Das war das erste Mal, dass ich das Gef&amp;uuml;hl hatte, mich ausprobieren zu k&amp;ouml;nnen. Eine Art Selbsterforschung. Bei den Weihnachtsserien sind wir ja gecastet worden und waren von der ersten Klappe an in einer Produktion. (Zu Studt, Toboll und Henkel, die fl&amp;uuml;stern und kichern:) Wor&amp;uuml;ber am&amp;uuml;siert ihr euch denn so gut?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Studt:&lt;/strong&gt; Wir stellen gerade fest, wie &amp;auml;hnlich wir uns vom Aussehen alle sind, Kathrin, Alexandra und ich. Alle blond, Sommersprossen. Auff&amp;auml;llig, oder?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Auch Silvia Seidel sah ja vom Typ her ein bisschen so aus. Was haben Sie gedacht, als Sie von ihrem Selbstmord in diesem Jahr geh&amp;ouml;rt haben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Studt:&lt;/strong&gt; Ich kannte sie nicht pers&amp;ouml;nlich, aber es hat mich umgehauen. Dabei hatte ich mir jahrelang gar keine Gedanken &amp;uuml;ber sie gemacht. Es hat mich irritiert, dass ich von ihrem Tod auf so einer pers&amp;ouml;nlichen Ebene getroffen war, dass ich weinen wollte. Sie hat ja oft von den Schattenseiten als Ex-Kinderstar gesprochen. Sie muss den Beruf so ernst genommen haben, dass sie nicht wie wir die n&amp;ouml;tige Distanz gefunden hat. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Toboll:&lt;/strong&gt; Mich hat an der Berichterstattung nach ihrem Tod so ge&amp;auml;rgert, dass sofort behauptet wurde, nach &lt;em&gt;Anna&lt;/em&gt; h&amp;auml;tte hat nie wieder etwas geklappt und sie h&amp;auml;tte sich darum umgebracht. Das glaube ich einfach nicht. Silvia Seidel schien unter Depressionen zu leiden. Vielleicht war das sogar famili&amp;auml;r bedingt: Ihre Mutter hat sich ja auch umgebracht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Das war 1992.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Und ihr wurde damals nicht nur vorgeworfen, dass sie gleich nach dem Tod der Mutter weitergedreht hat, sondern dass ihr Verhalten sogar zum Tod der Mutter beigetragen hat. Das hat sie sehr mitgenommen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Toboll:&lt;/strong&gt; Bei Robert Enke zum Beispiel wurde die Krankheit in den Vordergrund gestellt, die Depression, bei Silvia Seidel nicht; da ging es dann um eine Wirtin, die gesehen haben wollte, wie sie alleine in einer Kneipe Schnaps getrunken und getanzt hat. Ich fand traurig, dass bei Silvia nach ihrem Tod niemand da war, der sie besch&amp;uuml;tzt hat, der gesagt hat: Es war ganz anders.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Ich wei&amp;szlig; nicht, wie viele Schauspieler ich kenne, die zum Psychologen gehen. Das gab es doch fr&amp;uuml;her nicht, heute ist es Normalit&amp;auml;t. Der Druck ist so hoch. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Studt:&lt;/strong&gt; Viele Schauspieler definieren sich extrem stark &amp;uuml;ber ihren Beruf. Es kommt selten vor, dass man mit Schauspielern &amp;uuml;ber was anderes redet als &amp;uuml;bers Schauspielern.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Martz:&lt;/strong&gt; Man befindet sich dauernd in einer Bewerbersituation und muss oft Ablehnung aushalten. Wenn du deine Pers&amp;ouml;nlichkeit, dein tiefstes Inneres preisgibst und dann abgelehnt wirst, ist das sehr hart. Es kommt ja nicht von ungef&amp;auml;hr, dass Schauspieler so oft private Probleme haben, auch mit Alkohol und Drogen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Man muss der Typ daf&amp;uuml;r sein. Man muss damit umgehen k&amp;ouml;nnen, dass die eigenen Filme im Regal verschwinden.  &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Martz:&lt;/strong&gt; Geht dir das nicht nahe? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Nein. Ich nehme das tats&amp;auml;chlich nicht pers&amp;ouml;nlich. Ich &amp;auml;rgere mich dar&amp;uuml;ber, wenn jemand ein Format versenkt, das viel Geld gekostet hat und in dem viel Arbeit steckt. Aber dass ich pers&amp;ouml;nlich dann nicht gezeigt werde, &amp;auml;rgert mich nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54945.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;HENDRIK MARTZ&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Serie: &lt;strong&gt;Patrik Pacard&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Geschichte war abenteuerlich:      Ein Biochemiker hat eine Formel erfunden, mit der er Ananas und      Tomaten auf Gletschern anbauen kann, Agenten sind hinter ihm her, und      Patrik, gespielt von Hendrik Martz, ger&amp;auml;t mit seiner Familie      zwischen die Fronten. Patrik Pacard war die sechste ZDF-Weihnachtsserie,      Produzent war wie meistens Bernd Burgemester, Regie f&amp;uuml;hrte Gero      Ehrhardt, Justus Pfaue schrieb das Drehbuch. Heute arbeitet Martz, 44,      als Synchronsprecher, ist Schauspiel-und Business-Coach und entwickelt      eine Mockumentary, die Parodie auf einen Dokumentationsfilm.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Ich kann mir nat&amp;uuml;rlich vorstellen, dass Schauspieler, die andere Ambitionen haben, verzweifeln.&amp;laquo;&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54947.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;KATJA STUDT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Serie: &lt;strong&gt;Clara&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Als Katja Studt 1993 das Reiterm&amp;auml;dchen      Clara in der letzten der ZDF-Weihnachtsserien spielte, war sie bereits      19 Jahre alt. Entdeckt wurde allerdings auch sie als Kind: mit 13 f&amp;uuml;r      Dieter Wedels Dreiteiler &lt;em&gt;Wilder Westen inclusive&lt;/em&gt;. Nach &lt;em&gt;Clara&lt;/em&gt; arbeitete      sie mit den Regisseuren Tom Tykwer (&lt;em&gt;Die t&amp;ouml;dliche Maria&lt;/em&gt;) und Pepe      Danquardt (&lt;em&gt;M&amp;ouml;rderinnen&lt;/em&gt;) und spielte neben Martina Gedeck in      &lt;em&gt;Bella Martha&lt;/em&gt;. In diesem Jahr hat sie das Familiendrama &lt;em&gt;Wiedersehen      in Malaysia&lt;/em&gt; f&amp;uuml;r die ARD gedreht, an Weihnachten ist sie in&lt;em&gt; Kreuzfahrt ins Gl&amp;uuml;ck&lt;/em&gt; im Anschluss an &lt;em&gt;Das Traumschiff &lt;/em&gt;zu sehen.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist das eine Gabe? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Klar finde ich es toll, wenn jemand wie J&amp;uuml;rgen Vogel sich nicht verbiegen l&amp;auml;sst und nur Sachen dreht, hinter denen er zu hundert Prozent steht. Aber man muss wissen, wo man selbst im Leben steht: Ich habe zwei Kinder, ein H&amp;auml;uschen, ein Auto und ein Motorrad, ich will gut leben und nicht in meiner Zwei-Zimmer-WG auf mein Kunstprojekt warten, das auf sieben kleinen Filmfesten ausgezeichnet wird. Ich habe mich f&amp;uuml;r einen anderen Weg entschieden, und das hilft mir. Ich kann mir nat&amp;uuml;rlich vorstellen, dass Schauspieler, die andere Ambitionen haben, verzweifeln.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Herr Bach, als Sie mit Silvia Seidel &lt;em&gt;Anna&lt;/em&gt; gedreht haben, w&amp;auml;ren Sie da auf die Idee gekommen, dass sie depressiv sein k&amp;ouml;nnte?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Gar nicht, null. Sie war locker, unbedarft, sie war ja gerade erst 18. Ich glaube, dass Silvia gecastet wurde, weil sie eine unglaubliche Kamerapr&amp;auml;senz hatte. Wenn man sie auf der Stra&amp;szlig;e getroffen hat, war sie eher wie ein graues M&amp;auml;uschen. Aber vor der Kamera strahlte sie. Das Schwerm&amp;uuml;tige kam erst viel sp&amp;auml;ter raus, nach dem Erfolg, nach der Trag&amp;ouml;die mit ihrer Mutter, als sie unbedingt weiter Schauspielerin sein wollte, aber die Rollen nicht kamen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Martz:&lt;/strong&gt; Es wurde in den Medien auch lange ein falsches Bild von Schauspielern gezeigt, als ob wir nur auf dem roten Teppich hin und her laufen w&amp;uuml;rden und reich w&amp;auml;ren. Das ist Schwachsinn. Heutzutage Schauspieler zu sein hei&amp;szlig;t, sich jeden Tag auf diesem wirklich hart umk&amp;auml;mpften Markt zu beweisen und einen Businessplan zu haben. Denn Schauspieler kriegen kein Arbeitslosengeld, weil sie nicht in eine Arbeitslosenversicherung einzahlen. Manchmal denkt man sich, das kann doch nicht sein, ich gebe Interviews, stehe in der Zeitung, mache meinen Job, aber ich kriege Hartz IV. Davon hat Silvia ja auch gesprochen, Hartz IV hat sie auch mal bezogen. &lt;strong&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Ich glaube, wie Kathrin sagt, da kam viel zusammen: Silvia selbst hat irgendwann gesagt, dass sie gerne Kinder h&amp;auml;tte, aber nicht den richtigen Mann dazu hat. Ein unerf&amp;uuml;llter Kinderwunsch, der fr&amp;uuml;he Tod der Eltern, eine Presse, die einen dauernd nach unten schreibt &amp;ndash; wenn du dann noch gesundheitlich vorbelastet bist und nicht das Umfeld hast, die Freunde, die einen auffangen und sagen, komm, wir fangen den Kampf noch mal von vorne an, dann sieht man vielleicht keinen Ausweg mehr.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Studt:&lt;/strong&gt; Du sagst &amp;raquo;Kampf&amp;laquo;. Ich glaube, das ist schon der falsche Ansatz gegen eine Depression. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Drei Wochen vor ihrem Tod hatten wir ein gemeinsames Casting f&amp;uuml;r ein neues Format in Berlin. Ich hatte das Gef&amp;uuml;hl, dass sie sich darauf freut und es sch&amp;ouml;n fand, dass wir wieder zusammen vor einer Kamera stehen. Aber man merkte auch, da sitzt tief drinnen ein dicker Klo&amp;szlig;. Nur h&amp;auml;tte ich nie gedacht, dass sie sich wenige Wochen sp&amp;auml;ter das Leben nimmt. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Also standen tats&amp;auml;chlich Dreharbeiten an?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Nein, das war erst mal eine Formatentwicklung, wie man heute sagt. Aber das macht ihren Tod nat&amp;uuml;rlich umso seltsamer, sie hatte ja jobm&amp;auml;&amp;szlig;ig etwas vor Augen. Darauf h&amp;auml;tte man aufbauen k&amp;ouml;nnen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Einerseits wollen Schauspieler hohe Einschaltquoten oder volle Theaters&amp;auml;le, aber dann sagen sie, sie leiden darunter, im Rampenlicht zu stehen. Wie passt das zusammen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Studt:&lt;/strong&gt; Ohne jemandem hier zu nahetreten zu wollen: Ich glaube, dass viele Leute, die Schauspieler werden, einen ganz gro&amp;szlig;en Minderwertigkeitskomplex haben. Das sind teilweise verunsicherte Menschen, die mit der B&amp;uuml;hne und dem Erfolg etwas kompensieren. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Aber es gibt auch viele Schauspieler, die den Beruf einfach gerne machen und die Popularit&amp;auml;t in Kauf nehmen. Die jeden Abend im Theater rausgehen und sich vor 300 Menschen stellen, um ihnen einen sch&amp;ouml;nen Abend zu machen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Studt:&lt;/strong&gt; Als ich das erste Mal Theater gespielt habe, hatte ich eine Heidenangst. Aber es geh&amp;ouml;rt dazu. Mit Mitte zwanzig hatte ich einen Zusammenbruch und bin dann allein um die Welt gereist.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Henkel:&lt;/strong&gt; Du hattest einen Zusammenbruch? &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Studt:&lt;/strong&gt; Das war der Druck, der mir am Anfang nicht bewusst war. Es hat mir ja Spa&amp;szlig; gemacht, und ich habe sehr schnell international gearbeitet, mit Ralph Fiennes gespielt und G&amp;eacute;rard Depardieu, das war toll. Ich habe nie geraucht und mochte Alkohol nicht, aber jeden Abend ging es am Set rund, das war mir so zuwider. Ich hatte irgendwann das Gef&amp;uuml;hl, ich spiele mein Leben, aber ich lebe es nicht. Ich gebe ganz viel von mir, kann aber &amp;uuml;berhaupt nicht mehr auftanken. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie wollten ein Schauspielleben ohne All&amp;uuml;ren und Exzesse f&amp;uuml;hren?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Studt:&lt;/strong&gt; Vielleicht war ich zu langweilig. Ich bin richtig k&amp;ouml;rperlich zusammengebrochen. Dann habe ich einfach einen Rucksack genommen und bin gereist, das hat mich wieder geerdet. Ich stand tats&amp;auml;chlich noch nie gern im Mittelpunkt. Aber wenn ich in einer Rolle bin, genie&amp;szlig;e ich das, weil ich wei&amp;szlig;, alle um mich herum haben eine Funktion, &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Deswegen sind Sie nach der Auszeit doch zur&amp;uuml;ck vor die Kamera?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Studt:&lt;/strong&gt; Ja. Wenn ich spiele, bin ich gl&amp;uuml;cklich. Ich bin auch sonst gl&amp;uuml;cklich, aber ich habe mich gefragt, wie ein Beruf mich so in die Knie zwingen kann. Und andere auch. Ein britischer Freund, auch ein Schauspieler, hat sich umgebracht. Es ist ein Unterschied, wenn man begreift, das ist jetzt dein Beruf und nicht mehr nur Leidenschaft. Ich habe dann gemerkt, ich muss mein Privatleben so pflegen, dass ich meine St&amp;auml;rke daraus ziehen kann. Ich hab einfach lernen m&amp;uuml;ssen, nach Drehschluss, etwa nach einer psychisch belastenden Vergewaltigungsszene, zu sagen, das war Arbeit, jetzt ist Freizeit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Frau Toboll, Sie sind Produzentin geworden. Hat der Film Sie trotz Ihrer schlechten Erfahrungen als &amp;raquo;Nesth&amp;auml;kchen&amp;laquo; nicht losgelassen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Toboll:&lt;/strong&gt; Ich finde die Branche spannend. Mich fragen &amp;ouml;fter Leute, ob ich mich nicht mal selber in eine Serie reinschreiben m&amp;ouml;chte, aber es ist eine Horrorvorstellung, wieder vor der Kamera zu stehen, daf&amp;uuml;r bin ich heute viel zu klemmi. Auch wenn ich Tina Fey gro&amp;szlig;artig finde, die in den USA die Erfolgsserie &lt;em&gt;30 Rock &lt;/em&gt;geschrieben hat und selbst eine der beiden Hauptfiguren spielt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Stimmt es, dass Sie vor einigen Jahren mal die Idee hatten, die Weihnachtsserie neu aufleben zu lassen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Toboll:&lt;/strong&gt; Ja, aber das ZDF hat kein Interesse daran, das wieder aufleben zu lassen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was ist denn heute vergleichbar mit den alten Weihnachtsserien? Der Moment, an dem die ganze Familie vor einem Fernseher sitzt, gibt es den noch? &lt;/strong&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Martz:&lt;/strong&gt; Mein Lieblingszitat zum Fernsehen kommt von Fran&amp;ccedil;oise Sagan: &amp;raquo;Das Fernsehen hat aus dem Kreis der Familie einen Halbkreis gemacht.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Toboll:&lt;/strong&gt; Es gibt die Fu&amp;szlig;ball-Weltmeisterschaft. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Martz:&lt;/strong&gt; Heute schauen die Jugendlichen keine Weihnachtsserien mehr. Meine Tochter ist zwei Jahre alt, und die guckt Zeichentrick auf Youtube, &lt;em&gt;Trotro&lt;/em&gt;, die Abenteuer eines kleinen Esels, das geht zwei Minuten drei&amp;szlig;ig, die Serie hat zwanzig Millionen Aufrufe bei Youtube. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber was machen die Familien heute an Weihnachten gemeinsam?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Martz: Jeder sitzt vor seinem eigenen Bildschirm, Computer oder Smartphone. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ist das schade?&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Martz:&lt;/strong&gt; Ach komm, in den Achtzigerjahren gab es drei Sender, das Programm war bis auf ein paar Sendungen schlecht. Und alle dachten: Mann, wann kann ich endlich sehen, was ich will und wann ich will. Genau das haben wir jetzt, auf Youtube sogar umsonst. Der Fernseher ist bei uns seit einem halben Jahr aus. Das ist ein Fortschritt. &lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Ganz ehrlich: Ist doch sch&amp;ouml;n, wenn man mal etwas nicht nur auf dem iPad ansieht. Ich finde es grunds&amp;auml;tzlich schade, dass es kein Familienfernsehen mehr gibt. &lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Martz:&lt;/strong&gt; Es gibt doch den Tatort sonntags. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Klar, ist der gut, aber wir haben nur noch Krimi oder Comedy in Deutschland. Und Sendungen wie&lt;em&gt; Berlin &amp;ndash; Tag und Nacht&lt;/em&gt;, mit Laiendarstellern. Ich w&amp;uuml;rde mal gern wissen, in welcher anderen Branche so viele Laien arbeiten? Es geht doch auch niemand in die Charit&amp;eacute;, der kein gelernter Arzt ist, und sagt: So, ich m&amp;ouml;chte jetzt mal einen Blinddarm rausnehmen. Eigentlich laufen doch nur noch Reality-Dokus, Bauer sucht Frau, und so. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Martz:&lt;/strong&gt; Und du als Produzentin bist schuld, Kathrin! Was man gucken kann, &lt;em&gt;Stromberg &lt;/em&gt;oder so, das ist halt nicht von hier. Geklaute Ideen.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welche Ihrer alten Serien w&amp;uuml;rden Sie dieses Weihnachten am liebsten wiedersehen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Henkel: &lt;/strong&gt;Nesth&amp;auml;kchen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Toboll:&lt;/strong&gt; Anna. Ich finde Nesth&amp;auml;kchen heute grauenhaft. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bach: &lt;/strong&gt;Patrik Pacard. Weil Agenten drin vorkamen. Und die toll absurde Idee, Ananas in Norwegen anzubauen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Martz:&lt;/strong&gt; Und Timm Thaler war super. Unser Wegbereiter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Kennt einer von Ihnen Thommy Ohrner pers&amp;ouml;nlich?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Bach:&lt;/strong&gt; Klar. Thommy hat allerdings fr&amp;uuml;h versucht, sich von diesem Kinderstarsein zu distanzieren. Wie Silvia auch. Thommy wusste: Die Leute, die einen als Kind sehen, diesen s&amp;uuml;&amp;szlig;en Silas, Timm Thaler, den blonden Patrik Pacard, vergleichen unwillk&amp;uuml;rlich den &amp;auml;lteren Schauspieler damit, und dann schneidet man nicht mehr gut ab. Weil das S&amp;uuml;&amp;szlig;e eben weg ist. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Martz:&lt;/strong&gt; Mir wird ja sogar mein Haarausfall pers&amp;ouml;nlich &amp;uuml;bel genommen! Da emp&amp;ouml;ren sich die ehemaligen Fans: Kann der nicht wenigstens die Haare kurz rasieren? Damit ich mir das Elend nicht angucken muss! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54949.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;ALEXANDRA HENKEL&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Serie: &lt;strong&gt;Ron und Tanja&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schon ihre Mutter      spielte 1954 als Kind in einem DEFA-Film in Potsdam-Babelsberg mit. Alexandra Henkel bekam mit 17 das Angebot, die weibliche Hauptrolle in Ron und Tanja zu spielen. Die Serie lief 1990, entsprechend ging es um Berlin zur Wende, Rassismus und die Liebe zwischen einem Skater und einem Querfl&amp;ouml;te spielenden M&amp;auml;dchen. Trotz fr&amp;uuml;hen TV-Ruhms wurde Alexandra Henkel, geboren 1972 in Berlin, lieber Anw&amp;auml;ltin am Arbeitsgericht, &amp;raquo;meistens auf Arbeitgeberseite&amp;laquo;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fotos: Stefan Heinrichs&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Erinnern Sie sich?</dc:subject>
    <dc:creator>Gabriela Herpell, Malte Herwig und Marc Baumann (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2012-12-24T11:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39045">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39045</link>
    <title>Zurück auf Start</title>
    <description>&lt;p&gt;Vor zehn Jahren scheiterte Juliette Schoppmann      im Finale von &lt;em&gt;Deutschland sucht den Superstar&lt;/em&gt; &amp;ndash; und musste viel H&amp;auml;me      einstecken. Jetzt steht sie wieder im Finale einer Castingshow. Warum tut sie sich das nochmal an?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54497.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Juliette hat im Bad Goldene Schallplatten aufgeh&amp;auml;ngt. Die hat sie sich      zusammen mit den anderen DSDS-Kandidaten vor zehn Jahren ersungen. Auf die      erste eigene Nummer eins wartet sie bis heute. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es hat nur drei, vier Schritte lang gedauert. Kaum ist Juliette aus dem unbeleuchteten Teil der B&amp;uuml;hne in den Kegel des Scheinwerfers getreten, haben die Ersten sie erkannt. Als sie beim Stern angekommen ist, jenem Zeichen auf dem Boden, das den Kandidaten anzeigt, wo sie stehen m&amp;uuml;ssen, wenn sie der Jury ihr Talent darbieten wollen, klatscht das ganze Publikum. Einzelne, das wird man vier Wochen sp&amp;auml;ter in der Fernsehfassung dieser Szene besser erkennen k&amp;ouml;nnen, lehnen sich zu ihrem Sitznachbarn r&amp;uuml;ber und fl&amp;uuml;stern. Vermutlich so etwas wie: &amp;raquo;Das ist doch die von &lt;em&gt;Deutschland sucht den Superstar&lt;/em&gt;.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Egal, ob Juliette irgendwo auftaucht oder auch nur ihr Name f&amp;auml;llt, die Reaktionen sind immer die gleichen: &amp;raquo;Die h&amp;auml;tte damals die erste Staffel gewinnen m&amp;uuml;ssen. Die war echt besser&amp;laquo;, sagt der eine. Und der andere nickt. Dann wird das Thema gewechselt.   &lt;br /&gt; Juliette hat es nie geschafft, das Thema zu wechseln. In zehn Jahren nicht. Dass sie damals h&amp;auml;tte gewinnen m&amp;uuml;ssen, oder zumindest k&amp;ouml;nnen, das l&amp;auml;sst ihr keine Ruhe. Sie will immer noch nach ganz oben, auch heute mit 32. Und sie w&amp;auml;hlt wieder den gleichen Weg: eine Castingshow. Nur dass es diesmal nicht DSDS ist, sondern Das Supertalent, das sie gro&amp;szlig; rausbringen soll. Ein Format, in dem Menschen auftreten, die sich &amp;raquo;das tanzende Fieberthermometer&amp;laquo; nennen oder deren Darbietung darin besteht, sich warme Schokolade &amp;uuml;ber den Po gie&amp;szlig;en zu lassen.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Juliette sitzt in ihrer Wohnung in Berlin-Charlottenburg auf ihrer braunen Ledercouch und muss sich erkl&amp;auml;ren. Um sie herum ein Wohnzimmer in einer Mischung aus Reispapier-Leuchten, Teakholz und R&amp;auml;ucherst&amp;auml;bchen. Es ist warm und gem&amp;uuml;tlich, &amp;uuml;berall brennen Kerzen, Juliettes Hund liegt in seinem Bastkorb und d&amp;ouml;st. Sie f&amp;uuml;hrt ein gutes Leben: Hat hin und wieder Auftritte bei Firmengalas, gibt Gesangsunterricht und komponiert Lieder f&amp;uuml;r andere K&amp;uuml;nstler. Sie kann von der Musik leben. Warum tut sie sich das noch mal an? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Schon jetzt sieht man ihr den Stress an, den &amp;Ouml;ffentlichkeit ausl&amp;ouml;st. Sie ist angespannt, ihre Wangenmuskeln krampfen, sie spricht schnell, knetet an ihren Fingern herum. Wenn all diese Nervosit&amp;auml;ten sich eine halbe Stunde lang aufgestaut haben, macht Juliette sich eine Zigarette an und atmet den Rauch tief durch. &amp;raquo;Mir wurde die M&amp;ouml;glichkeit genommen, einen tollen Karrierestart hinzulegen&amp;laquo;, sagt sie. &amp;raquo;Das will ich nun nachholen.&amp;laquo; Nat&amp;uuml;rlich habe sie sich f&amp;uuml;r ihren zweiten Versuch wieder die erfolgreichste Castingshow ausgesucht, mit der besten Jury. Das meint sie nicht ironisch, das meint sie ernst. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dabei m&amp;uuml;sste doch gerade sie es besser wissen. M&amp;uuml;sste wissen, dass man in Castingshows keine Karriere startet. Weil es gar nicht um Talent geht, sondern um Spektakel. Dass nicht gewinnt, wer gut singt, sondern wer das Publikum anr&amp;uuml;hrt, provoziert, aufsext oder besch&amp;auml;mt. Wie sonst h&amp;auml;tte Daniel K&amp;uuml;blb&amp;ouml;ck, ein Teenager ohne Gesangstalent, aber mit unfreiwilligem Unterhaltungswert, damals so weit kommen k&amp;ouml;nnen? Er wurde immerhin Dritter, landete nur einen Platz hinter Juliette. Wie sonst h&amp;auml;tte Alexander Klaws, ein &amp;ouml;der, m&amp;auml;&amp;szlig;ig begabter Kleinstadtjunge, gegen eine ausgebildete Ballerina, Musicaldarstellerin und S&amp;auml;ngerin gewinnen k&amp;ouml;nnen? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Juliette ist die tragische Figur der ersten Castingshow gewesen. Sie war damals angetreten mit der Idee, es gehe um Leistung. Genau wie die Zuschauer eingeschaltet hatten, um bei der Suche nach einem k&amp;uuml;nstlerischen Talent dabei zu sein. Aber es kam anders. Der Ton im Fernsehen &amp;auml;nderte sich gerade. Nach vielen Jahren, in denen Menschen wie Linda de Mol, Marijke Amado und Ulla Kock am Brink durch die Fernsehabende f&amp;uuml;hrten, war es nun pl&amp;ouml;tzlich vorbei mit der Freundlichkeit. Sympathie allein trug keinen Zuschauer mehr durch 120 Minuten Fernsehshow. Was alle sehen wollten, waren Formate, in denen den Kandidaten die W&amp;uuml;rde unter den F&amp;uuml;&amp;szlig;en weggezogen wurde. Stefan Raab hatte 1999 damit angefangen und &lt;em&gt;Big Brother&lt;/em&gt; hatte nachgelegt. Heute sind st&amp;auml;ndig Durchschnittsb&amp;uuml;rger im Fernsehen zu sehen, die man auslacht, weil man nicht wei&amp;szlig;, wie man sonst mit ihrer Arglosigkeit umgehen soll. Damals war das neu. Und auch ein neues Wort f&amp;uuml;rs neue TV-Konsumverhalten sprach sich rum: Fremdsch&amp;auml;men. Was f&amp;uuml;r ein Spa&amp;szlig;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Gerade in diese Zeit fiel Juliette Schoppmanns Erstkontakt mit dem deutschen Fernsehpublikum. Sie hatte keine Chance. Denn Juliette lieferte sich dem Konzept nicht aus: Sie wahrte immer Haltung, weinte nicht, brach nicht zusammen, gab nichts von sich preis, sondern sang einfach nur jede Woche richtig gut einen bekannten Hit nach. Nach drei Wochen wurde das langweilig. Ganz Deutschland hat etwas aus dieser Sache gelernt: Die einen haben Castingshows aufgegeben. Die anderen schauen sie zynisch an. Und Juliette? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Ihre letzte Hoffnung&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54499.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; Die nimmt sie noch immer ernst. Bis heute nennt sie die Fernsehstudios im K&amp;ouml;lner Vorort Ossendorf ehrf&amp;uuml;rchtig die &amp;raquo;heiligen Hallen&amp;laquo;. Sie begreift sie als Ort, an dem sie &amp;raquo;gemacht wurde&amp;laquo; &amp;ndash; auch das sagt sie so. Auch daran, wen sie f&amp;uuml;r den gro&amp;szlig;en Erschaffer h&amp;auml;lt, l&amp;auml;sst sie keinen Zweifel: Dieter Bohlen, der sowohl bei &lt;em&gt;DSDS&lt;/em&gt;, als auch beim &lt;em&gt;Supertalent&lt;/em&gt; in der Jury sitzt. Und das, obwohl sich die beiden damals im Streit getrennt haben, er ihr via&lt;em&gt; Bild&lt;/em&gt;-Zeitung vorgeworfen hat, sie sei gr&amp;ouml;&amp;szlig;enwahnsinnig. Trotzdem ruht auf ihm ihre letzte Hoffnung. Sie haben sich so gut verstanden, er habe ihr immer wichtige Parts gegeben zum Singen, er habe in ihr etwas gesehen, er k&amp;ouml;nne sie formen. Man merkt, dass Juliette sich nicht zum ersten Mal erkl&amp;auml;rt. Die Argumente f&amp;uuml;r einen neuen Versuch bei Starmacher Dieter Bohlen kommen zu schnell und zu zahlreich. Entschlossen k&amp;ouml;nnte man sie nennen oder verzweifelt. &amp;raquo;Ich r&amp;uuml;ttel&amp;rsquo; so lange am Tor seiner Villa in T&amp;ouml;tensen, bis er mit mir arbeitet&amp;laquo;, sagt sie, nur halb im Scherz. &amp;raquo;Ich glaube einfach, dass er einen Plan f&amp;uuml;r mich hat.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Und auf diesen Plan will sie jetzt zur&amp;uuml;ckgreifen. Weil alles, was sie probiert hat, um im Gespr&amp;auml;ch zu bleiben, nicht geklappt hat: Sie hat sich f&amp;uuml;r das M&amp;auml;nnermagazin &lt;em&gt;Maxim&lt;/em&gt; ausgezogen, beim &lt;em&gt;Perfekten Promi-Dinner&lt;/em&gt; mitgemacht, gr&amp;uuml;ndete medienwirksam eine Band mit Kate Hall, der Frau von Deutschlands bekanntestem Tanzlehrer Detlef D! Soost, posierte im Salatblatt-Bikini f&amp;uuml;r PETA und kam in durchsichtigen Kleidern zu Kinopremieren und Shop-er&amp;ouml;ffnungen. Zuletzt hat sie sogar Videos auf Youtube hochgeladen, auf denen man sie in ihrem Wohnzimmer sitzen sieht, wie sie voller Inbrunst &lt;em&gt;I Have Nothing&lt;/em&gt; von Whitney Houston nachsingt. Das Video hat 3370 Klicks. Weniger Aufmerksamkeit geht kaum noch. &lt;em&gt;Das Supertalent &lt;/em&gt;hat im Durchschnitt f&amp;uuml;nf Millionen Zuschauer. Vielleicht ist das schon die ganze Antwort auf die Frage nach dem Warum. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Um Juliette Schoppmann zu verstehen, muss man wissen, dass sie schon immer so funktioniert hat. Wenn sie nicht weiterkommt, &amp;auml;ndert sie etwas &amp;ndash; zur Not auch an sich selbst &amp;ndash; und versucht es aufs Neue. Juliette ist vier Jahre alt, als sie mit Ballett anf&amp;auml;ngt. Mit acht erf&amp;auml;hrt sie von den &amp;auml;lteren Tanzsch&amp;uuml;lerinnen in der Ballettklasse, dass diese Ballettstange in Stade, an der sie jede Woche trainieren, nur irgendeine Stange in der norddeutschen Provinz ist. Und sie erf&amp;auml;hrt auch, wo man in Deutschland auf Weltniveau Ballett tanzen lernen kann: bei John Neumeier in Hamburg. Da will sie hin. Ihre Eltern sagen Nein. Aber Juliette sagt: Doch. Sie f&amp;auml;ngt an, in der Schule zu st&amp;ouml;ren und gibt nur noch freche Antworten. Erst die Kinderpsychologin, zu der die Eltern sie schicken, kriegt raus, was los ist. &amp;raquo;Ihr Kind will unbedingt tanzen&amp;laquo;, muss sie den Eltern berichten. Als Juliette zehn ist, lassen die Eltern sie ziehen. Ins Ballett-Internat. Als sie 17 ist, sind ihre Fu&amp;szlig;ballen kaputt. Zu viel getanzt. Die Ballettkarriere ist vorbei. Juliette wirft alles um. Schlie&amp;szlig;lich war das nur ein Weg auf die B&amp;uuml;hne. Es gibt noch andere. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Lang, bevor sie sich bei DSDS bewirbt, beginnt sie eine Musicalausbildung an der Stella R1 Academy, nimmt Schauspielunterricht und lernt singen. Unter dem K&amp;uuml;nstlernamen Kim tritt sie in Deutschland auf Messen auf, versucht auf sich aufmerksam zu machen. Aber es passiert nichts. Schlie&amp;szlig;lich nimmt sie eine Rolle im Musical &lt;em&gt;Saturday Night Fever&lt;/em&gt; in K&amp;ouml;ln an, zwei Jahre tanzt sie dort und tanzt sich immer h&amp;ouml;her. Irgendwann ist sie so eine Art Joker, kann beide weiblichen Hauptrollen spielen und 16 Nebenrollen. Aber: Auf der Stra&amp;szlig;e erkennt sie keiner. Die Songs sind nicht ihre. Den Applaus am Ende muss sie sich teilen. Daraufhin geht sie zum &lt;em&gt;DSDS&lt;/em&gt;-Casting und wird Zweite. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Jetzt steht sie wieder auf einer Castingb&amp;uuml;hne, mitten auf dem Stern, und wartet auf das Urteil der Jury. &amp;raquo;Du hast um dein Leben gesungen&amp;laquo;, kommentiert Bohlen. Das habe ihm gefallen. Juliette strahlt. Am 15. Dezember steht sie im Finale der Show und k&amp;ouml;nnte das neue Supertalent werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Das Paradoxe ist: Ihre Chancen stehen diesmal gar nicht so schlecht. Weil sie nicht mehr nur gut singt und toll tanzt, sondern auch Gef&amp;uuml;hle ausl&amp;ouml;st. Den Vorwurf von fr&amp;uuml;her, ein verw&amp;ouml;hntes Akademikerkind zu sein, das glaubt, es habe den Ruhm eh verdient, hat sie ausger&amp;auml;umt durch ihre &amp;raquo;Leidensgeschichte&amp;laquo;. Immerhin war sie zehn Jahre total am Boden, so zumindest stellt RTL es dar in seinen Einspielern: Von Dieter Bohlen fallen gelassen und vom deutschen Volk gehasst, sei sie nun reum&amp;uuml;tig zur&amp;uuml;ckgekehrt. Wie passend auch die Titel, die sie singt: &amp;raquo;Damit du mich wieder liebst&amp;laquo; und &amp;raquo;Ich habe nichts mehr&amp;laquo; lauten sie &amp;uuml;bersetzt. Das Publikum mag gefallene Engel, die w&amp;auml;hlt sie gern zum Sieg. &amp;raquo;Manchmal im Leben Schei&amp;szlig;e zu fressen ist gar nicht schlecht&amp;laquo;, sagt Bohlen noch. Ach was. Juliette nickt nur m&amp;uuml;de. Sie hat keine Kraft mehr. Sie will nur noch gewinnen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54501.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;em&gt; Bohlens Lieblingsauftritt von Juliette ist der vom Februar 2003 bei      DSDS: Sie sang &amp;raquo;Big Spender&amp;laquo;, trug nur einen silberfarbenen BH unter ihrem      Blazer und streckte ihr rechtes Bein senkrecht in die Luft, w&amp;auml;hrend      sie mit dem linken auf dem Boden stand - in High Heels. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Mit Castinstars kennt Lara Fritzsche sich aus. Im &amp;raquo;Zeitmagazin&amp;laquo;, wo sie bis vor Kurzem Redakteurin war, lesen sie diese Woche &lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/2012/50/Irmtraud-Kampmeier-Talentwettbewerb-Castingshows&quot;&gt;ihre Geschichte&lt;/a&gt; &amp;uuml;ber die allererste deutsche Gewinnerin einer Castingsendung: Irmtraud Kampmeier, 84 Jahre alt.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Zurück auf Start</dc:subject>
    <dc:creator>Lara Fritzsche</dc:creator>
    <dc:date>2012-12-12T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39043">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/39043</link>
    <title>»Du verachtest meinen Stil, stimmt’s?«</title>
    <description>&lt;p&gt;Zu zweit      mischen sie das deutsche Fernsehen auf. Aber manchmal hei&amp;szlig;t es, Joko &amp;amp;      Klaas seien in Wirklichkeit erbitterte Konkurrenten. Was ist dran? Hier      versucht es der eine vom anderen zu erfahren. Ein Interview in elf Fragen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/54483.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;1) Klaas Heufer-Umlauf: Lachst du manchmal eigentlich, um die Show am Laufen zu halten, oder findest du wirklich immer wahnsinnig komisch, was ich sage? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Joko Winterscheidt: &lt;/strong&gt;Meistens h&amp;ouml;re ich gar nicht hin, wenn du redest, und es ist eher ein Verlegenheitslachen, um den Moment zu &amp;uuml;berbr&amp;uuml;cken, in dem du mich gedanklich ganz woanders er-wischt hast. Aber so im Gro&amp;szlig;en und Ganzen muss ich sagen, habe ich &amp;uuml;ber die Jahre deinen Humor durchaus zu sch&amp;auml;tzen gelernt. Die Dosierung des Lachens f&amp;auml;llt mir etwas schwer, da ich wie in allen Dingen immer gern aus dem Vollen sch&amp;ouml;pfe &amp;ndash;  und da verstehe ich, dass du manchmal denkst: Wieso lacht der jetzt sooo &amp;uuml;bertrieben? Aber vielleicht ist es dir schon mal aufgefallen: Wenn ich mehr &amp;uuml;ber deine Witze lache, dann macht es das Publikum ebenfalls.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2) Behauptung: Du verachtest meinen Klamottenstil. Stimmt&amp;rsquo;s?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Och. Was soll ich sagen? Du hast dich gebessert. Fr&amp;uuml;her hast du, glaube ich, wahllos in den Schrank gegriffen und bist zur Arbeit gegangen. Ab und an passiert dir das auch heute noch. Du hast irgendwann, auch wenn du jetzt sagst, stimmt doch gar nicht, Mode f&amp;uuml;r dich entdeckt. So ganz kannst du deine Wurzeln aber nicht verleugnen. Durchgetretene Jeans sind nicht unbedingt ein Markenzeichen, wenn du verstehst. Ich kann mich an Zeiten erinnern, da hatte man das Gef&amp;uuml;hl, du hast wirklich nur diese eine Hose und dieses eine Paar Schuhe. Da hab ich dann schon manchmal gedacht &amp;raquo;Komm, Junge, wir gehen jetzt mal in die Stadt und dann kauft der Onkel dir was zum Anziehen.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;3) Hast du manchmal das Gef&amp;uuml;hl, du bist da mit unserer Zusammenarbeit in etwas hineingeraten, aus dem es jetzt kein Zur&amp;uuml;ck mehr gibt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein. So emotional ich in allen Entscheidungen bin, ich glaube, wenn ich den Punkt finden sollte, an dem ich unsere Zusammenarbeit f&amp;uuml;r mich nicht mehr verantworten k&amp;ouml;nnte, w&amp;auml;re ich sehr rational in der Entscheidungsfindung. Ich bin tats&amp;auml;chlich aber eher froh dar&amp;uuml;ber, dass wir uns gefunden haben. Wenn ich all das allein erleben w&amp;uuml;rde, w&amp;auml;re es nur halb so cool. Ich wei&amp;szlig;, ich hab mit dir jemanden an meiner Seite, mit dem ich in den richtigen Momenten komplett auf einer Wellenl&amp;auml;nge liege. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4) Wie oft denkst du w&amp;auml;hrend unserer gemeinsamen Arbeit frei nach Tocotronic: &amp;raquo;Man hatte mich hierher gebracht&amp;laquo;?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nie. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5) Sind wir eigentlich noch wie wir oder schon so wie die aus dem Fernsehen? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wir haben uns ver&amp;auml;ndert, das ist klar. W&amp;auml;re ja auch schlimm, wenn nicht. Aber wenn einer von uns anfangen w&amp;uuml;rde, irgendwen zu spielen, w&amp;uuml;rde es nie funktionieren. Daf&amp;uuml;r sind wir zu schlechte Schauspieler. Ich glaube, das ist eher ein Zeichen daf&amp;uuml;r, dass wir noch sehr wir sind und vielleicht so ein bisschen wie die aus dem Fernsehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6) Wie oft dachtest du schon: &amp;raquo;Alter, jetzt dreh mal nicht durch&amp;laquo;?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Es gab Momente, aber die kann ich an einer Hand abz&amp;auml;hlen. Das hat immer damit zu tun, dass wir vieles noch zum ersten Mal erleben d&amp;uuml;rfen und du meistens etwas beeindruckter bist als ich. Du ziehst allerdings auch immer eine ganz andere Energie daraus. Manchmal denke ich aber: &amp;raquo;So, jetzt mal tief durchatmen, Klausi &amp;ndash; ist doch alles nur Show.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;7) Hast du auch Angst davor, dass wir irgendwann mal arbeiten gehen m&amp;uuml;ssen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich hab Angst davor, dass wir f&amp;uuml;r all das Gl&amp;uuml;ck, was uns widerf&amp;auml;hrt, irgendwann mal eine Rechnung bekommen. In einem Moment, in dem wir nicht damit rechnen. Payback time. Du hast schon recht, Fernsehen hin oder her: Wenn das irgendwann alles mal nicht mehr sein sollte, warum auch immer, dann wird es schwer sein, etwas zu finden, was so viel Spa&amp;szlig; macht und so viel Leidenschaft bedeutet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;8) Was denkst du: Wer ist eigentlich der &amp;auml;ltere von uns beiden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Du hast selber mal gesagt, im Geiste bist du 45. Dem habe ich nichts hinzuzuf&amp;uuml;gen. Das ist aber jetzt auch schon so lang her, dass du eher 53 als deine zarten 29 Jahre bist. Du w&amp;auml;rst, glaube ich, auch manchmal gern der &amp;auml;ltere. Und ab und zu, wenn du im Flieger neben mir sitzt und st&amp;ouml;hnst wie ein alter Mann, dann denke ich mir: Du bist tats&amp;auml;chlich &amp;auml;lter, nicht nur im Geiste. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;9) Was kannst du besser als ich?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich glaube, ich bin oft gelassener. Du bist ein Kontroll-Typ. Ich kann mich auf meinen Bauch verlassen, du brauchst immer den Kopf. Ich kann auch eher Menschen an mich heranlassen, weil ich generell nicht so rational handle. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;10) &amp;hellip; und was ich besser als du?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Du bist disziplinierter als ich. Ich habe in den letzten Jahren eine Menge Disziplin entwickelt, aber ich glaube, in dem Punkt bist du noch immer mehr Arbeitstier als ich. Du feilst gerne ein zwanzigstes Mal an einem Text, w&amp;auml;hrend ich nach f&amp;uuml;nfzehn Mal sage: &amp;raquo;So, jetzt muss aber gut sein. Heute Abend kommt ja auch noch Fu&amp;szlig;ball.&amp;laquo; Wobei du auch keinen Fu&amp;szlig;ball magst &amp;ndash; vielleicht liegt es daran.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;11) Hand aufs Herz: Wir als Parodie bei &lt;em&gt;Switch&lt;/em&gt; &amp;ndash; geht dir da manchmal das Messer in der Tasche auf? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ach, der Giermann. Die bl&amp;ouml;de Sau. Was glaubt der eigentlich, wer der ist? So aufdringlich ist meine Lache doch gar nicht! Und au&amp;szlig;erdem klatsche ich auch nicht wie ein Seehund in die H&amp;auml;nde, wenn ich mich &amp;uuml;ber etwas freue. Wo auch immer er das kopiert hat &amp;ndash; sicher nicht bei mir. Wenn er das n&amp;auml;chste Mal mit uns nach der Sendung in Berlin um die H&amp;auml;user zieht, dann setze ich ihn nicht ins Taxi! Dann lass ich den sch&amp;ouml;n in der Disco liegen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;----&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Joko Winterscheidt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;und Klaas Heufer-Umlauf gelten seit ein      paar Jahren als die gro&amp;szlig;en Hoffnungstr&amp;auml;ger der deutschen      TV-Unterhaltung. Ihnen wurde sogar die Nachfolge von Thomas Gottschalk bei      &lt;em&gt;Wetten, dass . .?&lt;/em&gt; zugetraut. Zurzeit tritt Winterscheidt in der      Spielshow &lt;em&gt;Joko gegen Klaas - Das Duell um die Welt&lt;/em&gt; in mehr oder weniger      anstrengenden Wettbewerben gegen Klaas Heufer-Umlauf an. Winterscheidt      ist mit 33 Jahren der &amp;Auml;ltere. Er hat, wenn wir uns nicht verz&amp;auml;hlt      haben, schon einen Sender mehr (Vox, RTL, Arte, ZDF, ProSieben, MTV) in      seiner Vita vorzuweisen als sein Kollege. Winterscheidt lebt in Berlin,      aber nicht mit Klaas, sondern mit Freundin und Tochter.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Klaas Heufer-Umlauf&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;ist mit 29 Jahren der J&amp;uuml;ngere von beiden. Er      war bisher bei f&amp;uuml;nf verschiedenen Sendern zu sehen (Viva, MTV, RTL,      ZDF, ProSieben), im Gegensatz zu Winterscheidt &amp;uuml;bernimmt er immer      wieder auch kleine Rollen in TV-Serien und Filmen, au&amp;szlig;erdem tritt er ab      und zuauf Kleinkunstb&amp;uuml;hnen auf. Heufer-Umlauf und Winterscheidt      haben &amp;uuml;brigens auch nach mehreren Jahren enger Zusammenarbeit      nicht den gleichen Manager. Ob die beiden nach ihren gemeinsamen      H&amp;ouml;henfl&amp;uuml;gen wohl irgendwann im Alleingang Erfolg&lt;br /&gt;haben      werden?   &lt;br /&gt;&lt;em&gt;&lt;br /&gt; &amp;#10163; Und im &amp;raquo;ZEITmagazin&amp;laquo;? Logisch: Da &lt;a href=&quot;http://www.zeit.de/2012/50/Joko-Winterscheidt-Klaas-Heufer-Umlauf&quot;&gt;interviewt&lt;/a&gt; Joko Winterscheidt Klaas      Heufer-Umlauf. Und falls Sie sich fragen, wie die zwei Interviews auf die      beiden Hefte aufgeteilt wurden: Wir haben per Los entschieden. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fotos: getty&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>»Du verachtest meinen Stil, stimmt’s?«</dc:subject>
    <dc:creator>Klaas Heufer-Umlauf</dc:creator>
    <dc:date>2012-12-06T17:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38769">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38769</link>
    <title>Das System Stefan Raab</title>
    <description>&lt;p&gt;Warum auch nicht? Am 11.11. startet der      Mann allen Ernstes seine Politik-Talkshow &lt;em&gt;Absolute Mehrheit&lt;/em&gt;. Die Welt von      Deutschlands brachialstem Moderator im &amp;Uuml;berblick.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; &lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;</description>
    <dc:subject>Das System Stefan Raab</dc:subject>
    <dc:creator>Peter Praschl</dc:creator>
    <dc:date>2012-11-14T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38683">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38683</link>
    <title>Revue passiert</title>
    <description>&lt;p&gt;In der DDR kannte das deutsche Fernsehballett jedes Kind. Dann tingelte es durch die Volksmusikgalas des MDR. Heute geh&amp;ouml;rt es einem Mann, der &amp;uuml;berzeugt ist, dass die gro&amp;szlig;e Zeit des Balletts gerade erst beginnt.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div&gt;Wie man sich wohl einen Mann vorstellt, der ein Ballett kauft? Ein ganzes Fernsehballett mit 30 T&amp;auml;nzerinnen und T&amp;auml;nzern? Ein traditionsreiches, immerhin, 50 Jahre alt in diesem Jahr; gegr&amp;uuml;ndet vom Fernsehen der DDR, nach der Wende &amp;uuml;bernommen vom Mitteldeutschen Rundfunk in Leipzig. Doch dem gelang es 22 Jahre nicht, das Ballett in die neue Zeit zu f&amp;uuml;hren &amp;ndash; also: es rentabel zu machen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stellt man sich Peter Wolf so vor? 54 Jahre, dunkelblonde Haare, ein weiches Hessisch sprechend? Offenes Hemd, Einstecktuch mit orangefarbenen Tupfen? Abseits der &amp;Auml;u&amp;szlig;erlichkeiten ist er Fernsehproduzent und managt K&amp;uuml;nstler. Das kommt der Sache mit dem Ballettkauf schon n&amp;auml;her. Viele Jahre, bis zu dessen Abschied von der B&amp;uuml;hne, war er Harald Juhnkes Manager, bis heute managt er Vicky Leandros und Carmen Nebel, deren ZDF-Show er auch mitproduziert. Er hat sein B&amp;uuml;ro in einem Altbau gleich hinter der Tauentzienstra&amp;szlig;e in Berlin; jetzt, Ende August, zwei Tage vor dem Auftritt des Fernsehballetts in der Carmen Nebel-Show, ist er ein wenig m&amp;uuml;de von seiner Geburtstagsfeier am Abend zuvor in der Paris Bar. Carmen Nebel war da und Vicky Leandros bis zum Schluss. Auch so schlie&amp;szlig;t sich der Kreis. Was man ja heute nicht mehr oft sieht: Auf den Beistelltischen seines Besprechungszimmers liegen aufgef&amp;auml;chert f&amp;uuml;nf, sechs Ausgaben des Playboy.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; Die miserable finanzielle Situation des Fernsehballetts hatte nichts mit der Qualit&amp;auml;t der T&amp;auml;nzer zu tun, das sind Profis, top ausgebildet, die sechsmal die Woche sieben Stunden trainieren und mit dem Herzen so sehr bei der Sache sind, dass sie auf Anfrage sicher auch um ihr Leben tanzen w&amp;uuml;rden, so wie sie alles tanzten, was man von ihnen verlangte: hier ein Walzer, da eine schmissige Choreografie zu einem weich gesp&amp;uuml;lten Beatles-Medley. Oder sie wurden als Hingucker f&amp;uuml;r sogenannte Umrahmungen gebucht, bei denen sie mit ihrem Glanz und K&amp;ouml;nnen die Playbackauftritte belangloser S&amp;auml;nger aufpeppten. Zu tun hatten sie genug, auch wenn sie h&amp;auml;ufig unterfordert waren. Blo&amp;szlig;: F&amp;uuml;r die Kost&amp;uuml;me, die Reisen, die Choreografen war eigentlich schon lang kein Geld mehr da. Dazu noch ein Skandal letzten Herbst, weil eine kleine Gruppe des Balletts in Grosny beim Geburtstag des tschetschenischen Pr&amp;auml;sidenten auftrat. Auch darum beschloss der klamme, krisengesch&amp;uuml;ttelte MDR Ende vergangenen Jahres, sich von seinem Ballett zu trennen. Das w&amp;auml;re es dann gewesen. Aber dann kam Peter Wolf. Und kaufte. Und rettete das Ballett. So was gab es noch nie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Welchen Preis er f&amp;uuml;r das Fernsehballett gezahlt hat, sagt er nicht, dar&amp;uuml;ber sei von beiden Seiten Stillschweigen vereinbart worden. Aber er erz&amp;auml;hlt andere Geschichten:&amp;raquo;Im Dezember, als der MDR mich fragte, ob ich das Fernsehballett kaufen w&amp;uuml;rde, riefen meine Wirtschaftspr&amp;uuml;fer nur: &amp;rsaquo;Um Gottes willen!&amp;lsaquo; Die Personalkostenquote lag bei 104 Prozent, das hei&amp;szlig;t, pro hundert Euro, die eingenommen wurden, gingen 104 Euro f&amp;uuml;r die T&amp;auml;nzer und die Verwaltung drauf. Da waren aber noch keine Kost&amp;uuml;me, keine Mieten und keine Reisekosten bezahlt. Keiner in der freien Wirtschaft &amp;uuml;berlebt so das erste Jahr. Beim Fernsehballett aber ging das &amp;uuml;ber 20 Jahre so. Trotz voller Auftragsb&amp;uuml;cher wurden Jahr f&amp;uuml;r Jahr Verluste geschrieben. Das ist ein Himmelfahrtskommando. Aber den Kauf bereue ich dennoch nicht. Ich hab ein Gesp&amp;uuml;r f&amp;uuml;r Trends und glaube fest an seine Zukunft.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Zukunft, an die Peter Wolf so fest glaubt, kann man tanzen. Bei einer Gala auf der B&amp;uuml;hne der Grugahalle in Essen jedenfalls. Dort finden die &amp;raquo;Days of Innovation&amp;laquo;, statt, das Fernsehballett wurde f&amp;uuml;r sieben Auftritte gebucht. Tags&amp;uuml;ber sollen junge Menschen an Neuigkeiten der Technik herangef&amp;uuml;hrt werden, abends moderiert Matthias Opdenh&amp;ouml;vel vor 2000 Leuten eine unterhaltende Technikshow, am Ende tanzt das Deutsche Fernsehballett. In Ballettsprache: Sie vertanzen 120 Jahre Technikgeschichte in knapp zehn Minuten &amp;ndash; vom Wiener Walzer &amp;uuml;ber die Zwanzigerjahre zu Michael Jackson und Lady Gaga. Mit abschlie&amp;szlig;endem Ausblick in die Zukunft. Ausgerechnet die sitzt noch nicht richtig, dabei ist sie f&amp;uuml;r Peter Wolfs Ambitionen so wichtig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Es ist ein Dienstagabend Mitte August, und der Glamour der Er&amp;ouml;ffnungsshow vom Samstag mit Anke Engelke und Orlando Bloom ist weg, die Abendshows finden nun ohne Fernsehen statt, aber noch mit dem Fernsehballett. In den Katakomben der Grugahalle probt Darina Dimitrov, die Choreografin, zwei Stunden vor Beginn mit ihren T&amp;auml;nzerinnen, im linken Arm ihren Laptop aufgeklappt haltend, so ist die Musik wenigstens ein bisschen zu h&amp;ouml;ren. Die Choreografin tanzt vor, ruft: &amp;raquo;Future, Future, zack, zack, zack!&amp;laquo; Etwa zehn junge Frauen in schwarzer Trainingskleidung bewegen sich dazu wie Roboter. Und wieder: &amp;raquo;Future, Future, zack, zack, zack!&amp;laquo; Das Roboterhafte wirkt ein wenig altbacken, aber nur kurz. Sp&amp;auml;ter, wenn alle zehn Frauen in Spitzenschuhen und wei&amp;szlig;en Trikots auf der B&amp;uuml;hne tanzen, &amp;uuml;ber den Augen eine Art Taucherbrille, sieht das futuristischer aus. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Der Probenalltag ist ern&amp;uuml;chternd: Das Ballett, heute 15 Frauen, vier M&amp;auml;nner, zur H&amp;auml;lfte Deutsche, die anderen aus L&amp;auml;ndern wie der Ukraine, Uganda, &amp;Ouml;sterreich, bereitet sich in einer Halle vor, so gro&amp;szlig;, dass darin Autos herumfahren, h&amp;uuml;fthohe Quader mit in Plastik eingewickelten Decken stehen im Dutzend herum, provisorische Stellw&amp;auml;nde markieren die Garderoben, es gibt Joghurt zu essen und weiche Semmelh&amp;auml;lften mit Mandarinenscheibe auf der Wurst. Ein T&amp;auml;nzer &amp;uuml;bt Flickflack, ein anderer dreht seine H&amp;uuml;ften, T&amp;auml;nzerinnen dehnen sich im Stehen, im Sitzen, im Liegen mit iPod, ohne, oder sie telefonieren &amp;ndash; im Spagat. Kurz vor 19 Uhr geht es Richtung B&amp;uuml;hne, fast alle tragen ihre Zweit- und Drittkost&amp;uuml;me &amp;uuml;ber dem Arm, viele m&amp;uuml;ssen sich zweimal w&amp;auml;hrend der Show umziehen, fliegender Wechsel. Tanzen, l&amp;auml;cheln, abgehen, 30 Sekunden ab jetzt: langes Kleid aus, rotes Discodress an, Lockenper&amp;uuml;cke drauf, die Siebzigerjahre sind fertig angezogen, raus, l&amp;auml;cheln, l&amp;auml;cheln, tanzen. Dann Finale der Zeitreise mit den zehn Futuregirls, zack, zack, und ihren Taucherbrillen. Der Applaus des Publikums ist berauschend lang und laut. Die &amp;raquo;Future&amp;laquo; hat heute besser geklappt, signalisiert die Choreografin nach dem Auftritt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Obwohl fast alle Zeitungen in Deutschland den Verkauf des Balletts gemeldet haben, so ungew&amp;ouml;hnlich schien dieser Vorgang, muss man sagen: In den alten Bundesl&amp;auml;ndern kennt es immer noch keiner, die regelm&amp;auml;&amp;szlig;igen Auftritte bei Florian Silbereisens Volksmusiksendungen am Samstagabend hin oder her. Jemand hat sogar ausgerechnet, dass das Ballett jedes Jahr 25- bis 35-mal im Fernsehen auftritt und dabei 140 Millionen Zuschauer erreicht &amp;ndash; und die sitzen nicht alle in den neuen Bundesl&amp;auml;ndern, wo es noch so ber&amp;uuml;hmt ist wie zu DDR-Zeiten. Die Freie Presse Chemnitz zum Beispiel meldete die Nachricht vom Verkauf auf Seite eins, dazu ein halbseitiges Foto. Und sagte damit auch: Es hei&amp;szlig;t einmal mehr Abschied nehmen von einem Teil ostdeutscher Geschichte. &lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Es gab im Osten keinen B&amp;uuml;rger mit Fernseher, der das Duo Susan und Em&amp;ouml;ke nicht kannte&amp;laquo;&quot;]&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div&gt;Als das Ensemble 1962 gegr&amp;uuml;ndet wurde, gab es kaum noch T&amp;auml;nzer in der DDR, die meisten waren in den Westen geflohen. Aber weil es der Partei zunehmend wichtig wurde, die Werkt&amp;auml;tigen zu unterhalten, fahndete die DDR sogar in ausl&amp;auml;ndischen Ballettschulen nach Ersatz und stie&amp;szlig; dabei auf die Ungarin Em&amp;ouml;ke P&amp;ouml;stenyi und auf Susan Baker, geboren in Wien, aufgewachsen in Leipzig, Vater Amerikaner. Beide wurden Solistinnen des Fernsehballetts und galten als Antwort auf die westdeutschen Kessler-Zwillinge. &amp;raquo;Es gab im Osten keinen B&amp;uuml;rger mit Fernseher, der das Duo Susan und Em&amp;ouml;ke nicht kannte&amp;laquo;, schrieb die Berliner Zeitung. Bis heute, 50 Jahre sp&amp;auml;ter, wird Em&amp;ouml;ke P&amp;ouml;stenyi auf der Stra&amp;szlig;e angesprochen und bewundert. Im Osten. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt; Die gro&amp;szlig;en Samstagabendsendungen des DDR-Fernsehens hie&amp;szlig;en Von Melodie zu Melodie und nat&amp;uuml;rlich Ein Kessel Buntes, und immer trat das Fernsehballett auf. Carsten Rietschel, 39, und seit 21 Jahren Mitglied, erinnert sich, als Dreij&amp;auml;hriger samstags vor dem Fernseher gesessen und beschlossen zu haben: &amp;raquo;Da will ich auch hin.&amp;laquo; Niemand in seiner Familie hatte etwas mit Tanz am Hut, aber er meinte es ernst. Ging auf die staatliche Ballettschule in Leipzig und hatte mit 18 sein Ziel erreicht. Vielleicht hatte Carsten Rietschel sehr fr&amp;uuml;h eine Ahnung davon, dass die DDR kaum Platz bot f&amp;uuml;r Glamour, und f&amp;uuml;r den, der eine Sehnsucht danach versp&amp;uuml;rte, waren die M&amp;ouml;glichkeiten rar. Das Fernsehen immerhin hatte ein paar Pl&amp;auml;tze zu vergeben. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Carsten Rietschel, ein blonder und muskul&amp;ouml;ser Mann, erz&amp;auml;hlt seine Geschichte kurz nach der Generalprobe der Carmen Nebel-Show im Berliner Velodrom und gibt unabsichtlich eine kleine Nachhilfestunde in Showbusiness: Er sitzt da in seinem Kost&amp;uuml;m, knappen schwarzen Lackshorts, sonst nichts, und es f&amp;auml;llt nicht ganz leicht, ihm zuzuh&amp;ouml;ren und gleichzeitig dieses Lackh&amp;ouml;schen eines erwachsenen Mannes f&amp;uuml;r w&amp;uuml;rdig zu befinden. Genau das aber war vor zehn Minuten noch anders, da tanzte er im selben H&amp;ouml;schen, jedoch im Licht der Scheinwerfer auf der B&amp;uuml;hne mit der Lady-Gaga-Darstellerin, die schwarze Lackkorsage trug &amp;ndash; und alles bei diesem Auftritt schien stimmig. Nur hinterher, im fahlen Licht der Garderoben, verdr&amp;auml;ngt die Realit&amp;auml;t den Glamour. Ganz. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt; Peter Wolf, der neue Besitzer, hat ja schon seit neun Jahren ein zweites Ballett, das Deutsche Showballett; das erkl&amp;auml;rt vielleicht auch sein Interesse an dem anderen Ballett. Das Showballett hat er 2003 gegr&amp;uuml;ndet, weil das andere, das Ballett des MDR, nicht mehr bei Carmen Nebel auftreten durfte, als die 2003 vom MDR zum ZDF wechselte. Es ist schon merkw&amp;uuml;rdig &amp;ndash; da besitzt einer  wie Wolf nun zwei Tanzensembles in einer Gattung, die als betulich, teuer und unmodern gilt, und ist &amp;uuml;berzeugt, dass sich in Zukunft mit ihnen Geld verdienen l&amp;auml;sst: Ja, fr&amp;uuml;her hielten sich &amp;ouml;ffentlich-rechtliche Sender eigene Tanztruppen, aber das NDR-Fernsehballet wurde zum Beispiel schon 1978 abgewickelt, das ZDF-Fernsehballett 1981.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch Peter Wolf ist &amp;uuml;berzeugt davon, dass die Idee nicht &amp;uuml;berholt ist. Er erz&amp;auml;hlt:&amp;raquo;Fr&amp;uuml;her hie&amp;szlig; es: Wenn du mit 35 nicht mehr tanzen kannst, kriegst du eine Stelle in der Verwaltung. Deshalb haben allein zehn Leute das Ballett verwaltet. H&amp;ouml;hepunkt war mein Gespr&amp;auml;ch mit einem Mitarbeiter, der erkl&amp;auml;rte, er sei der wichtigste Mann hinter der Choreografin, er w&amp;uuml;rde bei den Proben immer die Musik an- und ausschalten. Ich dachte nur, wo ist hier die &amp;rsaquo;Versteckte Kamera&amp;lsaquo;, und fragte: Machen Sie sonst noch was? Ja, bei Fernsehauftritten sorge er daf&amp;uuml;r, dass die Sendungen mit dem Ballett aufgezeichnet w&amp;uuml;rden. Wer sollte das denn sonst machen? Und ich sagte: Media Control in Baden-Baden macht das f&amp;uuml;r mich. Es tut mir leid, das sagen zu m&amp;uuml;ssen, aber einige haben einfach so weitergemacht, wie sie das aus der DDR kannten. Das Ballett des MDR wurde 22 Jahre durch &amp;uuml;berh&amp;ouml;hte Gagen subventioniert, wenn es in den Shows des MDR auftrat.&amp;nbsp;&lt;strong&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Ich hatte so ein Selbstbewusstsein, weil ich von der Qualit&amp;auml;t meiner Truppe &amp;uuml;berzeugt war.&amp;laquo;&quot;]&lt;em&gt;&lt;br /&gt;&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;div&gt;Das Deutsche Fernsehballett war 50 Jahre lang mehr oder weniger ein Staatsballett, 30 Jahre beim DDR-Fernsehen, danach 20 Jahre beim &amp;ouml;ffentlich-rechtlichen. Die goldenen Zeiten sind vorbei. Die neue Intendantin des MDR, Karola Wille, war nicht l&amp;auml;nger bereit, ein Ballett zu subventionieren, das kann ich verstehen. Das Ballett erh&amp;auml;lt nun markt&amp;uuml;bliche Gagen, die liegen bis zu 50 Prozent unter den fr&amp;uuml;heren. Es ist inzwischen in der Realit&amp;auml;t angekommen.&amp;laquo;Em&amp;ouml;ke P&amp;ouml;stenyi, die ber&amp;uuml;hmte ungarische Solistin des Balletts, inzwischen 70, hat immer noch einen gesch&amp;auml;tzten Taillenumfang von 55 Zentimetern und ist nicht mehr und nicht weniger als ein Naturereignis: Sie wirbelt durch ihr Haus in Neureichenwalde in Brandenburg, tischt Kaffee und Barack auf, ungarischen Aprikosenschnaps, &amp;raquo;das l&amp;ouml;st die Zunge&amp;laquo;, deutet hier auf bemalte Teller aus ihrer ungarischen Heimat, dort auf Wurzeln, die sie selbst bemalt hat, erz&amp;auml;hlt von ihren sechs Katzen und antwortet auf die Frage, ob sie heute noch manchmal tanze: &amp;raquo;Nur, w&amp;auml;nn ich viel getrunken habe.&amp;laquo; Und dann lacht sie und lacht und h&amp;ouml;rt kaum mehr auf. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ihre Bewegungen gleichen denen einer 25-j&amp;auml;hrigen, sie ist klein, d&amp;uuml;nn und auffallend sch&amp;ouml;n. Und als sie Fotos zeigt von fr&amp;uuml;her, sieht man, dass sie noch sch&amp;ouml;ner war.&lt;br /&gt; Em&amp;ouml;, wie ihre T&amp;auml;nzer sie nannten, war nach ihrer aktiven Zeit als Solistin auch die Choreografin des Balletts. 2002, nach insgesamt 40 Jahren, hat sie aufgeh&amp;ouml;rt, aber die K&amp;auml;mpferin f&amp;uuml;r ihre Truppe ist sie geblieben. Schon einmal, kurz nach der Wende, als auch das DDR-Fernsehen abgewickelt wurde, wusste niemand so recht, wie es mit ihrem Ballett weitergehen w&amp;uuml;rde. Und so nutzte sie die Chance und hielt bei der Verleihung des &amp;raquo;Telestars&amp;laquo; 1991 vor laufenden Kameras ihre ber&amp;uuml;hmte Brandrede. Sie appellierte an die neuen Fernsehsender, das Ballett nicht sterben zu lassen. &amp;raquo;Ich hatte so ein Selbstbewusstsein, weil ich von der Qualit&amp;auml;t meiner Truppe &amp;uuml;berzeugt war.&amp;laquo; Und einzig diesem Auftritt ist es zu verdanken, da sind sich alle einig, dass das Ballet beim MDR andocken konnte, der Sender gab dem Ballett sogar eine Bestandsgarantie bis zum Jahr 2000, erf&amp;uuml;llte sie aber zw&amp;ouml;lf Jahre l&amp;auml;nger. Bis Peter Wolf kam. Der sagt nicht ohne Ehrfurcht: &amp;raquo;Die Rettung war Em&amp;ouml;kes gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Lebensleistung.&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Und nein, sagt auch Em&amp;ouml;ke, die Zeiten f&amp;uuml;r ein Fernsehballett seien &amp;uuml;berhaupt nicht vorbei, die Zuschauer liebten es wie eh und je, &amp;raquo;nur wenn du das Ballett nicht behandelst wie einen Star, ihm nicht die Wertsch&amp;auml;tzung schenkst, dann wird es auch kein Star&amp;laquo;. In einer wichtigen, modernen Sendung m&amp;uuml;sste es eine wichtige Rolle spielen, einer Sendung, auf die sich ein breites Publikum verst&amp;auml;ndigen kann, so wie fr&amp;uuml;her auf Ein Kessel Buntes. Dann breitet sie die Arme aus und klagt: &amp;raquo;Wei&amp;szlig;t du, langsam musst du betteln, dass du als K&amp;uuml;nstler &amp;uuml;berhaupt noch erw&amp;auml;hnt wirst. Und die T&amp;auml;nzer sind K&amp;uuml;nstler, aber es gibt nicht mehr viele, die Achtung haben vor dieser Arbeit.&amp;laquo; Dann macht sie kurz Pause, dann beschlie&amp;szlig;t sie lieber wieder zu lachen. &lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Die Achtung, die Em&amp;ouml;ke P&amp;ouml;stenyi einfordert, hat Peter Wolf. Er sagt: &amp;raquo;Ballett ist eine Verabredung f&amp;uuml;rs Leben.&amp;laquo; Peter Wolf hat zudem eine Verabredung mit der Zukunft, &amp;raquo;denn ab 2014 muss das Ballett Geld verdienen&amp;laquo;, neben Geh&amp;auml;ltern, Kost&amp;uuml;men und Reisen muss der Ballettsaal mit tausend Quadratmeter &amp;raquo;inklusive Nassbereich&amp;laquo; bezahlt, der Kost&amp;uuml;mfundus gepflegt werden, &amp;raquo;und es gibt Monate mit 5000 Euro Kosten f&amp;uuml;r Strumpfhosen&amp;laquo;. &amp;raquo;In Zukunft werden die Choreografien moderner. Mein Vorbild ist &amp;rsaquo;Riverdance&amp;lsaquo;, die f&amp;uuml;llen seit 20 Jahren weltweit wochenlang S&amp;auml;le. Mein Traum: Das Fernsehballett tanzt eine abendf&amp;uuml;llende Show vor 15 000 Menschen in Berlin. Warum den Weltmarkt den irischen, amerikanischen und kubanischen Shows &amp;uuml;berlassen? Nat&amp;uuml;rlich kann man nicht wie bei &amp;rsaquo;Riverdance&amp;lsaquo; einfach Folklore vertanzen, dann sind Sie in Deutschland ganz schnell beim &amp;rsaquo;Kufsteinlied&amp;lsaquo;. Aber Berlin kann im Mittelpunkt stehen, Berlin ist sexy, dazu Deutschlands gr&amp;ouml;&amp;szlig;te Komponisten, Beethoven, Bach, Bohlen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&amp;laquo;Welcher dieser W&amp;uuml;nsche auch immer Wahrheit werden wird, eines stimmt: Die Leute lieben das Fernsehballett wirklich. Bei der Carmen Nebel-Show am 1. September treten ja auch Hansi Hinterseer, DJ &amp;Ouml;tzi und &amp;ndash; nicht  zu vergessen &amp;ndash; Vicky Leandros auf. Aber der Applaus f&amp;uuml;r das Fernsehballett scheint der l&amp;auml;ngste zu sein. &lt;br /&gt; Aber dass immer noch etwas nicht stimmt mit der deutsch-deutschen Geschichte, merkt man, als Carmen Nebel (eine S&amp;auml;chsin) im Velodrom (in Friedrichshain, ehemaliges Ostberlin) vor Millionen Zuschauern (viele davon im Osten) das Fernsehballett (eine Gr&amp;uuml;ndung der DDR) ank&amp;uuml;ndigt und sagt: 50 Jahre sei das Ballett nun alt, und ja, Gott, was hat es schon alles erlebt. 1962, bei der Gr&amp;uuml;ndung zum Beispiel, da hie&amp;szlig; &amp;raquo;unser Bundeskanzler noch Konrad Adenauer&amp;laquo;. Und man fragt sich: Muss jetzt, da das Ballett auch im Westen bekannt werden soll, die ostdeutsche Vergangenheit getilgt werden?&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Revue passiert</dc:subject>
    <dc:creator>Susanne Schneider</dc:creator>
    <dc:date>2012-10-19T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38021">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/38021</link>
    <title>Unter Brüdern</title>
    <description>&lt;p&gt;Ihre Jugend im zerst&amp;ouml;rten M&amp;uuml;nchen. Ihre Konkurrenz als Schauspieler.      Ihre gro&amp;szlig;en (und kleinen) TV-Rollen. Ihre Liebe zur Heimat. &lt;em&gt;Fritz und      Elmar Wepper&lt;/em&gt; haben uns zum Fliegenfischen mitgenommen. Und einfach mal      erz&amp;auml;hlt.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wir hatten um ein Gespr&amp;auml;ch unter Br&amp;uuml;dern gebeten, am liebsten im Freien. Die Weppers haben eine bessere Idee: Sie wollen mit uns Fliegenfischen gehen. Ein Ritual, das sie seit mehr als 40 Jahren pflegen. Also fast so lange, wie sie vor der Kamera stehen. In unz&amp;auml;hligen Krimis, Vorabendserien und leichten Kom&amp;ouml;dien, haben sie deutsche Fernsehgeschichte geschrieben. Aber eben auch mit ein paar Filmen, die man nicht vergisst (siehe &lt;a href=&quot;/texte/anzeigen/38021/3/1&quot; target=&quot;_self&quot;&gt;Infokasten&lt;/a&gt;). Fritz und Elmar Wepper, das sind zwei Br&amp;uuml;der, die denselben Weg gegangen sind und doch zu zwei unterschiedlichen Rollen gefunden haben: Fritz, der virtuose Kom&amp;ouml;diant, Elmar, der Stillere, Tiefgr&amp;uuml;ndigere.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;em&gt;Ihr Fischgrund ist die Traun, ein kleiner Fluss oberhalb des Chiemsees. Auf der Fahrt durchs Voralpenland halten die Weppers auf einer Br&amp;uuml;cke, um zu schauen, &amp;raquo;wo die Fische stehen&amp;laquo;. Fritz hinkt seit einer Knieoperation leicht. Zur&amp;uuml;ck zum Auto &amp;uuml;ber die befahrene Stra&amp;szlig;e, nimmt Elmar seinen &amp;auml;lteren Bruder am Arm und geleitet ihn r&amp;uuml;ber. Ein paar Kurven sp&amp;auml;ter, ein Parkplatz im Wald. M&amp;uuml;cken t&amp;auml;nzeln durch die schw&amp;uuml;le Luft, der Fluss rauscht. Das Anziehen der Anglerkluft ist bei mehr als 30 Grad ein Kampf, der beiden den Schwei&amp;szlig; auf die Stirn treibt. Fritz' Hund Aaron hechtet ins Wasser. Elmar pr&amp;uuml;ft noch mal seine Angel, blinzelt zufrieden in den Himmel: bestes Bei&amp;szlig;wetter! Welches R&amp;auml;uchermehl Elmar besorgt hat, m&amp;ouml;chte Fritz wissen. &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Buche und Esche. Der Fritz hat seinen R&amp;auml;ucherofen immer dabei.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; In der Traun gibt es Bachforelle, Regenbogenforelle und &amp;Auml;sche. Die Bachforelle hat einen nussigen Geschmack. Die wird innerhalb von einer Viertelstunde ger&amp;auml;uchert, und wir trinken &amp;ndash; in unserem Alter jetzt &amp;ndash; nicht nur einen guten Wein, sondern einen sehr guten Wein. Und der Dialog geht so: Mmh, ah, mmmh, ah. Da gibt&amp;rsquo;s nichts mehr zu sagen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;SZ-Magazin:&lt;/strong&gt; &lt;strong&gt;Kennen Sie den amerikanischen Spielfilm &lt;em&gt;Aus der Mitte entspringt ein Fluss&lt;/em&gt;? Da geht es um zwei konkurrierende Br&amp;uuml;der und das Fliegenfischen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Konkurrenz gibt's bei uns nicht.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Im Gegenteil.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Das klingt jetzt so abgesprochen. Aber es gibt keine Spannungen. Wenn wir uns aus Termingr&amp;uuml;nden mal aus den Augen verlieren, sagen wir: Lass uns ans Wasser gehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was, wenn der eine einen dicken Fang macht und der andere nicht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;An so was denkt man gar nicht. Wir stehen uns nicht im Wege, wir erg&amp;auml;nzen uns. Wenn, dann gibt es Dissens aus anderen Gr&amp;uuml;nden: Einmal, da hatten wir sehr gut gefangen, aber ich habe die Fische immer wieder freigelassen. Sagt der Elmar: Spinnst du jetzt? Da hatte mich das Auge des Fisches so flehentlich angeschaut, dass ich an einen verwunschenen Prinzen denken musste. Ich konnte drei Wochen keinen Fisch mehr t&amp;ouml;ten.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Konkurrenz gibt es vielleicht woanders.&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; Nicht mal beim Golfen. Wir sind so erzogen worden. Meine Mutter hat mich Elmar genannt, den Elmar Fritz. Mehr Gleichheit geht nicht &amp;hellip;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; &amp;hellip; Golf ist ein bisschen diffiziler. Beim Fischen kannst du sagen: Die bei&amp;szlig;en nicht heute, Pech. Man f&amp;uuml;hrt das nicht auf seine schlechte Wurftechnik zur&amp;uuml;ck. Beim Golfen leidet man, wenn der Schwung nicht stimmt.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Der Elmar kann stundenlang dar&amp;uuml;ber reden, weil er, was den Golfschwung betrifft, von uns zweien der Professor ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gerade unter Br&amp;uuml;dern vergleicht man sich doch besonders. Einer hat das vollere Glas, oder?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; Wir haben schon mit 13 eine Radlerma&amp;szlig; trinken d&amp;uuml;rfen. Die Gl&amp;auml;ser waren bis zum Rand gef&amp;uuml;llt, da gab es kein Problem.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ihr Vater ist nicht aus dem Krieg heimgekommen. Mussten Sie, Fritz, den Vater ersetzen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Das hat unsere Mutter mit viel Liebe, manchmal mit zu viel Liebe aufgefangen. Wir durften viel.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Bevor uns hier alle mit einem Heiligenschein sehen &amp;ndash; ich hatte schon das Gef&amp;uuml;hl, dass du mehr durftest!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; Ich war ja auch der &amp;Auml;ltere.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Und ich war der J&amp;uuml;ngere. Das geh&amp;ouml;rt zum biologischen Konzept, dass sich da ein &amp;hellip;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;&amp;hellip; Gef&amp;auml;lle auftut.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Ich erz&amp;auml;hl Ihnen ein Beispiel: Fritz sagt, lass uns mit der Eisenbahn spielen. Also hole ich sie raus. Als die Mutti sagt: Alles wegr&amp;auml;umen, meint Fritz: Wer sie rausgeholt hat, muss sie auch wegr&amp;auml;umen! Wenn jetzt er aber die Eisenbahn aufgebaut hatte und ich gesagt habe, Fritz, r&amp;auml;um du sie wieder weg, hat er gesagt: Ich hab sie schon aufgebaut, du kannst sie wenigstens wegr&amp;auml;umen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;So ist das nun mal mit Erstgeborenen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Mich hat das &amp;uuml;ber viele Jahre besch&amp;auml;ftigt. Als der Fritz ins Erwachsenenleben hinauszog, war ich 13. Ich blieb noch lange der kleine Bub. Da waren wir weit auseinander.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welche Bilder sehen Sie beide, wenn Sie an Ihre Kindheit zur&amp;uuml;ckdenken?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Spielen. Drau&amp;szlig;en spielen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und sind Fu&amp;szlig;ball spielen. In den Verein durften wir leider nicht. Elmar war Linksfu&amp;szlig;, er hat in einem Jahr s&amp;auml;mtliche Tore der Klassenmannschaft geschossen. Er h&amp;auml;tte echt was werden k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum war Ihre Mutter gegen den Verein?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; Ich sag jetzt mal, Fu&amp;szlig;ball war ihr vielleicht zu proletarisch.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Und Vereine mochte sie auch nicht. Sie hasste das Naziregime, das ihr ihren Mann nahm. Alles, was nach HJ oder Vereinsmeierei roch, mochte sie nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wo in M&amp;uuml;nchen sind Sie aufgewachsen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;In Neuhausen gegen&amp;uuml;ber vom Hirschgarten. Im Winter sind wir im Schlosspark Nymphenburg Ski gefahren. Im Sommer haben wir Tennis gespielt.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; Wir mussten aber auch Klavier lernen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Stimmt! Es gab doch etwas, das meine Kindheit getr&amp;uuml;bt hat.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Das war dienstags, eine Doppelstunde. Der eine musste auf den anderen warten. &lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Und der Fu&amp;szlig;weg war so weit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Durch das zerst&amp;ouml;rte M&amp;uuml;nchen.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Ich wei&amp;szlig; gar nicht. Als Kind sieht man die Zerst&amp;ouml;rung nicht.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; Doch. Unser Stiegenhaus war provisorisch, weil da eine Bombe reingefallen ist. Und im Kinderzimmer klaffte lange ein Loch, da h&amp;auml;tte man runterfallen k&amp;ouml;nnen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Stimmt. Vor manchen Fenstern hingen geriffelte Kunststoffplatten. Auf der Toilette hatten wir kein Licht. Im Keller auch nicht. Kohlen holen aus dem Keller, das war f&amp;uuml;r mich mit Todesangst verbunden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie Erinnerungen an Ihren Vater?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; Nein, leider nicht. Ich w&amp;uuml;rd was geben drum. Ich war drei Jahre alt, als mein Vater vermisst gemeldet wurde. Es gibt Fotos. Ich kenne ihn nur aus Erz&amp;auml;hlungen, was sich manchmal wie Erinnerung anf&amp;uuml;hlt.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Als Kinder sind wir ins Aki-Kino am Bahnhof, um in den Wochenschauen nach ihm zu suchen. Da liefen Berichte &amp;uuml;ber Kriegsgefangenenheimkehrer.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Das war 1952, da gab es noch kein Fernsehen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Gefunden haben wir ihn nie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie hat Sie die Abwesenheit des Vaters gepr&amp;auml;gt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; Man ertappt sich, wie man Fehler in der Erziehung seiner Kinder macht. Weil man keinen Vater erlebt hat, der erzogen hat. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Mich hast du auch erziehen wollen, damals. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Das Ergebnis kann sich aber sehen lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie haben beide das Abitur. Keine Selbstverst&amp;auml;ndlichkeit damals.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; Da war unsere Mutter dahinter.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Aber wir sollten es nur schaffen. Fr&amp;uuml;her hie&amp;szlig; es nicht Gymnasium mit Einser-Schnitt, sondern Abitur: ja oder nein. Ich h&amp;auml;tte alles studieren k&amp;ouml;nnen, auch Medizin. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hatte Ihre Mutter je wieder einen anderen Mann?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; Unsere Mutter lebte von der Hoffnung, dass ihr Mann noch gefunden wird. &lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Ein neues Leben anzufangen, den Verlust zu &amp;uuml;berwinden, war f&amp;uuml;r sie unvorstellbar. Nicht aus gesellschaftlichen Gr&amp;uuml;nden. Sie konnte einfach ihr Herz nicht mehr &amp;ouml;ffnen.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;H&amp;auml;tten Sie sich das manchmal gew&amp;uuml;nscht?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Vielleicht h&amp;auml;tte mir etwas mehr Bew&amp;auml;hren und weniger Bewahren gut getan. Da hatte Fritz mehr M&amp;ouml;glichkeiten. Er konnte losmarschieren und sich, ja, bew&amp;auml;hren.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Wie meinst du das jetzt?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Er wusste: Da ist noch jemand bei der Mutter?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Irgendwie ja. Ich war das Nesth&amp;auml;kchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sind in den wilden Sechzigern gro&amp;szlig; geworden. Wie haben Sie die erlebt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Die wilden Sechziger?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Ja, die Sechzigerjahre, nicht dein letztes Jahrzehnt, Fritz. 1960!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; F&amp;uuml;r mich waren die total unwild. Gut, wir sind in den &amp;raquo;Hot Club&amp;laquo; gegangen, wo es h&amp;uuml;bsche M&amp;auml;dchen gab und Jazz gespielt wurde. Aber wenn das wild war, hei&amp;szlig;e ich Maier. Wir haben uns sexuell selbst befreit. Als meine Mutter versucht hat, mich aufzukl&amp;auml;ren, habe ich gesagt: Du Mutti, wei&amp;szlig; ich alles.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Es war die Zeit der Jugendrevolte. F&amp;uuml;r Sie auch?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Nat&amp;uuml;rlich hat man die Schwabinger Krawalle miterlebt. Einmal, in der Schellingstra&amp;szlig;e, w&amp;auml;re ich fast zwischen die Fronten geraten. Aber ich war kein Aktivposten.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; Ich sa&amp;szlig; mal mit Freunden im &amp;raquo;Caf&amp;eacute; Europa&amp;laquo; in der Leopoldstra&amp;szlig;e. Pl&amp;ouml;tzlich h&amp;ouml;rten wir, dass drau&amp;szlig;en was los war und sind raus. Die berittene Polizei ging mit Kn&amp;uuml;ppeln auf eine Bekannte von mir los, die im siebten Monat schwanger war. Ich bin kein 68er, ich war liberal, aber das empfand ich als uns&amp;auml;glich. Da hatte ich genug von der Obrigkeit. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gab es Phasen, in denen Sie sich voneinander entfernt haben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Fritz ging aus, hatte erwachsene Freunde, eine Freundin. Ich blieb noch lange Kind.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Als der Elmar 18 war, dachte ich auch: Er sitzt zu oft zu Hause. Wir waren bei einem Freund in einer vornehmen Villa eingeladen. Ich wollte ihn mit der Schwester meiner damaligen Freundin bekannt machen, einem bildh&amp;uuml;bschen M&amp;auml;dchen, das ich auch toll fand. Dann sehe ich meinen Bruder mit zwei M&amp;auml;dchen tanzen. Da hab ich&amp;rsquo;s gelassen. Du brauchst also nicht so heilig tun!&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Das war ein singul&amp;auml;res Erlebnis. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;War der Fritz f&amp;uuml;r Sie ein Vorbild?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Nein, das glaub ich nicht.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Doch. Nat&amp;uuml;rlich. Es gibt Dinge, die hab ich am Fritz immer beneidet: Er ist spontaner, unbek&amp;uuml;mmerter, mutiger. Diese Spontaneit&amp;auml;t w&amp;uuml;rde ich mir manchmal w&amp;uuml;nschen. Auf heute &amp;uuml;bertragen: Er hat eine selbstsichere, entspannte Art zu schauspielern, die ich nicht habe. Er kann seine komische Seite freisetzen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Na, wie du einmal im &lt;em&gt;Polizeiruf&lt;/em&gt; mit Helmut Fischer einen Betrunkenen nach einer durchzechten Nacht im &amp;raquo;Hofbr&amp;auml;uhaus&amp;laquo; gespielt hast, nicht eins zu eins, sondern so poltm&amp;auml;&amp;szlig;ig hinterfragt, das war Weltklasse! Und die seelische &amp;Ouml;ffnung in &lt;em&gt;Kirschbl&amp;uuml;ten&lt;/em&gt;, ohne sich anzubiedern, das sind Leistungen, die mich nicht nur beeindruckt, sondern auch sehr bewegt haben. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Aber das Kom&amp;ouml;diantische hast du besser drauf. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Ach was. Wir haben fr&amp;uuml;her Kasperltheater gespielt und die Geschichten selbst erfunden, erinnerst du dich? Unser Krokodil und der Teufel, die waren total zerschlagen von der Pretsche vom Kasperl. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Kann es sein, dass ich das Krokodil war?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; Jedenfalls fanden wir unsere Geschichten immer lustiger. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Ich sag&amp;rsquo;s mal anders. Wir sind beide nicht die schlechtesten Schauspieler. Aber es werden nicht immer die Sachen am besten, die glatt von der Hand gehen. Manchmal muss man sich &amp;uuml;berwinden. Und manchmal hat man auch einfach Gl&amp;uuml;ck. Dass &lt;em&gt;Kirschbl&amp;uuml;ten&lt;/em&gt; zustande kam, war nicht zwingend, sondern gl&amp;uuml;ckliche F&amp;uuml;gung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie, Fritz, sind ja quasi mit und im Fernsehen gro&amp;szlig; geworden.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; Ich hab 1956 im ersten Fernsehspiel mitgewirkt, da war ich 15. Das war verfilmtes Theater. Nach der &lt;em&gt;Tagesschau&lt;/em&gt; gab&amp;rsquo;s f&amp;uuml;nf Minuten Pause, da wurde ein schlafender L&amp;ouml;we gezeigt, der nach drei Minuten halb wach war. W&amp;auml;hrenddessen wurden die Kameras von einem Atelier ins andere geschleift. Und dann ging&amp;rsquo;s los. Live. Ich hatte keine feuchten H&amp;auml;nde, ich hatte Pf&amp;uuml;tzen in den H&amp;auml;nden! Die Gage gab&amp;rsquo;s gleich danach, davon hab ich mir meinen ersten Fernseher gekauft.                                                 &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;[seitenumbruch title=&quot;&amp;raquo;Der Fritz hat die Chefrolle &amp;uuml;bernommen&amp;laquo;&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&amp;raquo;Elmar, im Gegensatz zu Fritz haben Sie studiert. Um etwas anders zu machen als er?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Nein. Ich war erst bei der Bundeswehr, dann wurde Theaterwissenschaft pl&amp;ouml;tzlich ein Studienfach, da dachte ich: Das ist es. Ich wollte Regisseur werden. Ohne mir allerdings im Klaren zu sein, was man draufhaben muss.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie deshalb Fritz' Rolle im &lt;em&gt;Kommissar&lt;/em&gt; &amp;uuml;bernommen, als der 1974 zu &lt;em&gt;Derrick&lt;/em&gt; wechselte?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Ich war da immer noch unsicher, ob es das jetzt ist: Schauspieler werden. Ich habe nicht so gebrannt f&amp;uuml;r den Beruf wie andere. Aber es war auch nicht wirklich die gleiche Rolle. Ich war Harry Kleins Bruder, Erwin Klein. Und ich kam von der Polizeischule. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Es war eine andere Rolle, aber der Stuhl war derselbe. Es war nat&amp;uuml;rlich verlockend. Das war die erfolgreichste Serie damals.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Und ich war nicht in der Position, mir was auszusuchen. Ich hatte zwar zig Filme synchronisiert, aber noch nicht viel gedreht. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Das Fernsehen war ja was ganz Neues. Elmar und ich haben beide Anfang der F&amp;uuml;nfzigerjahre Theater gespielt, an der Jugendb&amp;uuml;hne. Elmar war auch Kinderdarsteller an den Kammerspielen. Aber damit haben wir nur Geld verdient, haben uns Hosen und die erste Uhr gekauft. Wenn man Gl&amp;uuml;ck hatte, warteten hinter der B&amp;uuml;hne 25 Fans auf einen, das war&amp;rsquo;s. Mit dem Kommissar hatten wir nur eine Konkurrenz: die Nationalmannschaft. Die hatte auch eine Einschaltquote von 85 Prozent. Damals gab es im Fernsehen entweder Fu&amp;szlig;ball, Ballett oder den &lt;em&gt;Kommissar&lt;/em&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wir erkl&amp;auml;ren Sie sich den Erfolg der Serie &lt;em&gt;Derrick&lt;/em&gt;, die in mehr als 100 L&amp;auml;ndern lief?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Die Italiener lieben diese Serie &amp;uuml;ber die Polizei in der n&amp;ouml;rdlichsten Stadt Italiens, weil sie es auch gerne so h&amp;auml;tten.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Aber schauspielerisch war das nicht wirklich eine Herausforderung, oder?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; Es ist kein &lt;em&gt;Hamlet&lt;/em&gt; oder &lt;em&gt;Othello&lt;/em&gt;, aber als Schauspieler 350 Folgen glaubw&amp;uuml;rdig zu vermitteln, das darf man nicht untersch&amp;auml;tzen. Da werden Zwischent&amp;ouml;ne wichtig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sehen sich beide st&amp;auml;ndig gegenseitig im Fernsehen. Ruft dann der eine den anderen auch mal an und sagt: Das hat mir aber nicht gefallen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Es gab sicher schon mal Sachen, da fand ich die Geschichte etwas flach oder die Charaktere.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; Welche war das?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Ich kenn das von mir auch, dass man manchmal in Produktionen steckt und denkt: Hilfe, es stimmt an vielen Ecken nicht. Manchmal stimmt man auch selber nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es Seiten am anderen, die nerven?&lt;br /&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Der Fritz hat aus so einem Selbstverst&amp;auml;ndnis heraus, der &amp;auml;ltere Bruder zu sein, eine gewisse Art, die Chefrolle einzunehmen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Warum ist es gut, einen Bruder zu haben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Ja, das ist jetzt so eine Frage. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; Damit man nicht als Einzelkind aufw&amp;auml;chst.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Damit man aufgekl&amp;auml;rt wird.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Ich wollte eigentlich Einzelkind bleiben, hat zumindest meine Mutter erz&amp;auml;hlt. Als der Elmar im Kinderwagen lag, habe ich ihm mit den Fingern in die Augen gedr&amp;uuml;ckt, weil ich wissen wollte, ob der echt ist oder nur eine Puppe. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Du hast zur Mutti immer gesagt: Bleibt der jetzt da?&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Das darf ich doch wohl fragen. Ich hab dich immer im Kinderwagen herumgeschoben, der sah aus wie ein Cadillac. Meine Bruderliebe aber hab ich entdeckt, als du im Krankenhaus lagst. Mit Diphterie. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Scharlach. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Scharlach! Da hab ich dich vermisst. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wof&amp;uuml;r sind Sie dem anderen dankbar?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;F&amp;uuml;r seine Loyalit&amp;auml;t. Dick flie&amp;szlig;t das Blut. Diesen Zusammenhalt hat schon unsere Mutter nicht nur gepredigt, sondern gelebt. Ich bin sehr froh um diese Br&amp;uuml;derschaft.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Das k&amp;ouml;nnte auch anders sein, da sind wir sehr privilegiert. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Freundschaft muss man pflegen, Br&amp;uuml;derschaft muss man auch pflegen. Der Elmar w&amp;auml;re, wenn er nicht mein Bruder w&amp;auml;re, mein bester Freund. Wir kommen uns wie gesagt nicht einmal beim Fischen ins Gehege: Mein Bruder ist Linksh&amp;auml;nder, ich bin Rechtsh&amp;auml;nder. Wir stehen weit auseinander, denn Fliegenfischen ist ein Kampfsport. Es sind zehn oder 20 Meter Schnur in der Luft, und wenn Wind aufkommt, schl&amp;auml;gt die Schnur einen Bogen. Da bleibt schon mal ein Haken irgendwo h&amp;auml;ngen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar: &lt;/strong&gt;Eine Brille sollte man immer aufhaben. Ein schlechter Wurf, dann bricht die Schlaufe zusammen, der Haken saust am Kopf vorbei. Zack. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; Das Vorfach hei&amp;szlig;t nicht umsonst Schusskopf. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Was ist das Vorfach? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Die Schnur vom Haken bis zur Hauptschnur. Sie ist keulenartig geformt, damit sie Gewicht hat. So bleibt sie in der Luft und f&amp;auml;llt nicht lasch zusammen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Man muss die Schnur in der Luft vor- und zur&amp;uuml;ckschwingen, bis man genau die L&amp;auml;nge hat, von der man wei&amp;szlig;: Die Fliege landet vor der Stelle, wo der Fisch steht. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; Das ist die Kunst: das Werfen. Das Servieren. Wenn man einen Ring an der Wasseroberfl&amp;auml;che sieht, wei&amp;szlig; man: Da steht eine Forelle. Wir Fliegenfischer fischen nicht auf Verdacht, sondern gezielt, wie J&amp;auml;ger.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Gibt es Tricks?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; Forellen stehen oft in einem Fenster, also dort, wo ein Stein oder ein Stamm eine Welle hinterl&amp;auml;sst. Die wirft man an. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Wenn der Fisch bei&amp;szlig;t, kann man ihn nicht einfach einkurbeln wie beim Angeln. Man muss Spannung auf den Fisch kriegen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz:&lt;/strong&gt; Wir fischen ohne Widerhaken, denn wenn der Fisch zu klein ist, will man ihn ja unverletzt freilassen k&amp;ouml;nnen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Forellen schlucken den K&amp;ouml;der nicht. Die bei&amp;szlig;en nur vorn, da sind keine Knochen, keine Nerven. Der Fisch erschrickt nat&amp;uuml;rlich, weil er festh&amp;auml;ngt, aber hat keine Schmerzen. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Wir entnehmen nur die Fische, die wir essen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sie sind beide immer in Bayern geblieben. Hat es Sie nie woanders hingezogen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;Fritz: &lt;/strong&gt;Ich halte mich da an den Satz von Ludwig Thoma, der am Tegernsee festgestellt hat: &amp;raquo;Um mich herum ist Heimat.&amp;laquo; Ich bin kein Wandervogel, aber diese Heimat ist f&amp;uuml;r mich sehr wichtig. Sprachlich, historisch, der Humor, die Wei&amp;szlig;w&amp;uuml;rste.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Elmar:&lt;/strong&gt; Ich bin mal ein Vierteljahr lang mit einem Freund im Wohnwagen von Seattle runter bis nach Mexiko gefahren. Eine tolle Reise, viele Eindr&amp;uuml;cke, Natur ohne Ende, W&amp;auml;lder. Anfang Oktober war ich zur&amp;uuml;ck. Und fuhr, an einem perfekten Herbsttag, den Samerberg hoch, unten der Chiemsee, rechts oben die Kampenwand. Da konnte ich nicht mehr. Ich hab das Auto am Rand abgestellt und losgeheult und gedacht: Mein Gott, ist dieses Bayern sch&amp;ouml;n.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;[seitenumbruch title=&quot;Die Rollen ihres Lebens&lt;/span&gt;&quot;]&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/49953.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Fritz Wepper (links), 71, und Elmar, 68, geh&amp;ouml;ren seit 50 Jahren zu den      erfolgreichsten deutschen Schauspielern. Sie wuchsen in M&amp;uuml;nchen auf und      spielten Kinder- und Jugendtheater. Fritz bekam 1959, mit 18, in Bernhard      Wickis &lt;em&gt;Die Br&amp;uuml;cke&lt;/em&gt; seine erste Filmrolle, Elmar war Synchronsprecher in &lt;em&gt; Fury&lt;/em&gt;. 1968 wurde Fritz der Assistent Harry Klein beim &lt;em&gt;Kommissar&lt;/em&gt;. 1974      wechselte er zu &lt;em&gt;Derrick&lt;/em&gt;, f&amp;uuml;r 23 Jahre. Elmar &amp;uuml;bernahm im &lt;em&gt;Kommissar&lt;/em&gt;: als      Harrys Bruder Erwin Klein. Beide sind bis heute gefragt: Fritz zum      Beispiel als B&amp;uuml;rgermeister in &lt;em&gt;Um Himmels Willen&lt;/em&gt;, Elmar in      hochgelobten Kinofilmen wie &lt;em&gt;Kirschbl&amp;uuml;ten &amp;ndash; Hanami&lt;/em&gt;.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Unter Brüdern</dc:subject>
    <dc:creator>Thomas Bärnthaler und Gabriela Herpell (Interview)</dc:creator>
    <dc:date>2012-08-27T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37745">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37745</link>
    <title>Sprechstunde: Sonntagabend</title>
    <description>&lt;p&gt;In der &lt;em&gt;Lindenstra&amp;szlig;e&lt;/em&gt; spielt Ludwig      Haas seit 27 Jahren den Doktor Dressler. War ja klar, dass ihn die      Leute st&amp;auml;ndig um Rat fragen. Die Frage ist nur: Kann er auch      helfen?&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/47933.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SZ-Magazin: Herr Haas, d&amp;uuml;rfen wir &amp;raquo;Doktor&amp;laquo; zu Ihnen sagen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ludwig Haas: &lt;/strong&gt;Bitte nicht. Aber ich verstehe Ihre Frage gut: Gerade in den ersten Jahren der Lindenstra&amp;szlig;e begr&amp;uuml;&amp;szlig;ten mich viele Menschen auf der Stra&amp;szlig;e mit &amp;raquo;Hallo, Dr. Dressler!&amp;laquo; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wurden Sie schon oft von wildfremden Menschen um &amp;auml;rztlichen Rat gebeten?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Ja, nat&amp;uuml;rlich. Beim Spazierengehen in einem K&amp;ouml;lner Park kam einmal eine &amp;auml;ltere Frau zu mir und sagte: &amp;raquo;Ach, Herr Doktor, gut, dass ich Sie treffe, ich habe eine Frage: Mein Mann soll Stents eingesetzt bekommen. Ist das gef&amp;auml;hrlich?&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Was sind denn Stents?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das sind Implantate aus Metall oder Kunstfasern, die kleinen Maschendrahtgeflechten in R&amp;ouml;hrchenform &amp;auml;hneln. Sie werden von der Leiste aus in die Herzkranzgef&amp;auml;&amp;szlig;e geschoben, um sie offen zu halten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Also eine Art Bypass?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, ein Bypass ist etwas anderes. Beim Bypass wird man aufgeschnitten. Da wird eine Arterie oder Vene aus dem Bein entnommen, um die Verengung an einer bestimmten Stelle im Herzkranzgef&amp;auml;&amp;szlig; zu &amp;uuml;berbr&amp;uuml;cken. Deshalb hei&amp;szlig;t es ja auch &amp;raquo;By-pass&amp;laquo;. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Jetzt sind wir schon mittendrin im medizinischen Fachgespr&amp;auml;ch, Herr Doktor.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich kenne mich ganz gut aus. Fr&amp;uuml;her hatte Dr. Dressler w&amp;auml;hrend der Dreharbeiten auch einen richtigen Arzt an seiner Seite, der ihm beigebracht hat, wie man zum Beispiel eine Spritze setzt oder wie man sich fachm&amp;auml;nnisch ein R&amp;ouml;ntgenbild ansieht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Wie gut ist denn Ihre Erste-Hilfe-Kenntnis?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich traue mir zu, einem Unfallopfer ordentlich zu helfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;K&amp;ouml;nnen Sie Blut sehen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kein Problem.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und wie ging das dann weiter mit der &amp;auml;lteren Frau im K&amp;ouml;lner Stadtpark?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich sagte ihr: Liebe Frau, so ein Eingriff ist heute &amp;uuml;berhaupt kein Problem mehr, da ist Ihr Mann schon in wenigen Tagen wieder aus dem Krankenhaus raus. Ist nur ein kleiner Schnitt, nicht einmal einen Zentimeter gro&amp;szlig;. Danach wird Ihr Mann sich wieder viel besser f&amp;uuml;hlen, er bekommt wieder gut Luft und kann Ihnen mit schweren Einkaufst&amp;uuml;ten helfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und die Frau hat Ihnen das abgenommen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, klar! Ich konnte ihr die Angst nehmen. Zum Schluss sagte sie: &amp;raquo;Vielen Dank, Herr Doktor.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2005 hat man Ihnen wegen einer Verengung der Herzkranzgef&amp;auml;&amp;szlig;e drei Byp&amp;auml;sse gelegt. Wenn man als bundesweit popul&amp;auml;rer Fernseharzt zu einem richtigen Arzt in die Praxis geht, spricht der einen dann mit &amp;raquo;Herr Kollege&amp;laquo; an?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, viele kennen Dr. Dressler gar nicht. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Es gibt &amp;Auml;rzte in Deutschland, die Dr. Dressler nicht kennen?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sicher. Da muss erst die Krankenschwester kommen und zu ihrem Arzt sagen: Wissen Sie denn nicht, wer das ist?  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Herr Haas, das Beispiel aus dem K&amp;ouml;lner Stadtpark zeigt: F&amp;uuml;r viele sind Sie Dr. Ludwig Dressler, der Arzt, dem zumindest die &amp;auml;lteren Frauen vertrauen. Hatten Sie in den vergangenen 27 Jahren manchmal das Gef&amp;uuml;hl, dass Sie f&amp;uuml;r die Zuschauer als Privatperson hinter der pr&amp;auml;genden Rolle Ihres Lebens verschwinden?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;In dem Augenblick, wo ich die T&amp;uuml;r des Studios hinter mir schlie&amp;szlig;e, will ich eigentlich mit der Rolle Dr. Dressler nichts mehr zu tun haben. Wenn ein Schauspieler seine Rolle bis ins eigene Wohnzimmer fortf&amp;uuml;hrt, finde ich das unprofessionell. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Aber die Wechselwirkung zwischen Filmrolle und Privatperson k&amp;ouml;nnen Sie nicht von der Hand weisen. Als Sie 1989 in der Serie von einem Auto angefahren wurden und danach im Rollstuhl sa&amp;szlig;en, waren Zuschauer, die Sie im wahren Leben trafen, immer wieder &amp;uuml;berrascht, dass Sie gehen k&amp;ouml;nnen. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das ist heute noch so. Ich h&amp;ouml;re sie rufen: &amp;raquo;Hach, Sie k&amp;ouml;nnen ja laufen!&amp;laquo; oder: &amp;raquo;Toll, dass Sie wieder gehen k&amp;ouml;nnen, Herr Doktor!&amp;laquo; Viele Zuschauer sind geradezu fassungslos, wenn sie mich laufen sehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nervt das mit den Jahren?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, ich nehme das niemandem &amp;uuml;bel, denn mir selbst ging es auch schon so: Ich dachte immer, der amerikanische Schauspieler Raymond Burr, der in den Sechzigerjahren den Anwalt Perry Mason und bis Mitte der Siebzigerjahre den im Rollstuhl sitzenden Chief Ironside in &lt;em&gt;Der Chef&lt;/em&gt; spielte, sitzt wirklich im Rollstuhl. Als ich ihn dann sp&amp;auml;ter in einer anderen Rolle sah, war ich fast schon entt&amp;auml;uscht, dass er gehen kann.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Was viele nicht wissen: Sie sind ein begnadeter Steppt&amp;auml;nzer. Haben Sie Zuschauern in solchen Situationen manchmal was vorgesteppt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fr&amp;uuml;her ja. Aber mittlerweile bin ich nicht mehr der J&amp;uuml;ngste. Da w&amp;uuml;rde ein Stepptanz eher ulkig aussehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Mit Ihrer Rolle als Rollstuhlfahrer hatten Sie ja anfangs auch Gew&amp;ouml;hnungsschwierigkeiten, weil man Ihnen versprochen hatte, Sie w&amp;uuml;rden nur f&amp;uuml;r ein, zwei Jahre im Rollstuhl sitzen. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das ist jetzt 23 Jahre her.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hat man vergessen, Sie wieder aus dem Rollstuhl rauszuschreiben?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich bin wirklich vergessen worden. Hans Gei&amp;szlig;end&amp;ouml;rfer, der Erfinder und Kopf der &lt;em&gt;Lindenstra&amp;szlig;e&lt;/em&gt;, hat das auch einmal zugegeben. Das Interessante ist aber etwas anderes: Niemand wei&amp;szlig;, woran Dr. Dressler eigentlich leidet. Nicht einmal ich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Es hat nie eine Diagnose gegeben?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Nein. Das hat man immer offen gelassen &amp;ndash; damals in der Voraussicht, dass er irgendwann mal wieder gehen kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Hoffen Sie darauf, dass man Sie wieder laufen l&amp;auml;sst?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dieser Zug ist abgefahren. Ich bin jetzt fest mit dem Rollstuhl verwachsen. Aber wer wei&amp;szlig;: Ich h&amp;auml;tte 1985 auch nie daran gedacht, dass die &lt;em&gt;Lindenstra&amp;szlig;e&lt;/em&gt; 27 Jahre in der ARD l&amp;auml;uft.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;[seitenumbruch title=&quot;Die &lt;em&gt;Lindenstra&amp;szlig;e&lt;/em&gt; startete im gleichen Jahr wie die &lt;em&gt;Schwarzwaldklink&lt;/em&gt;.&quot;]&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/47935.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Im selben Jahr wie die &lt;em&gt;Lindenstra&amp;szlig;e&lt;/em&gt; startete auch die &lt;em&gt;Schwarzwaldklinik,&lt;/em&gt; die noch heute als erfolgreichste Arzt-Serie im deutschen Fernsehen gilt. Haben Sie sich damals von Klausj&amp;uuml;rgen Wussow, dem deutschen &amp;raquo;Godfather&amp;laquo; des Schauspieler-Arztes, rein handwerklich etwas abgeschaut? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Von Klausj&amp;uuml;rgen? Nein, Wussow spielte ja die zentrale Rolle in der &lt;em&gt;Schwarzwaldklinik&lt;/em&gt;. Aber die &lt;em&gt;Lindenstra&amp;szlig;e&lt;/em&gt; ist v&amp;ouml;llig anders angelegt, sie war nie eine One-Man-Show: Es gab Ute Mora als Berta Griese, Till Schweiger als Jo Zenker, es gibt Marie-Luise Marjan als Mutter Beimer, Hermes Holodides als Vasily Sarikakis und es gibt eben mich als Dr. Dressler. Die Fixierung auf eine einzige Person wie bei der &lt;em&gt;Schwarzwaldklinik&lt;/em&gt; h&amp;auml;tte Gei&amp;szlig;end&amp;ouml;rfer nie zugelassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Als Dr. Dressler waren Sie nicht nur Arzt, sondern auch Witwer, geschieden, mit einer viel j&amp;uuml;ngeren Frau verheiratet, Alkoholiker, Vater eines Homosexuellen, Vater eines Junkies, B&amp;ouml;sewicht, Samariter - Ihr Leben in der Lindenstra&amp;szlig;e war eine endlose Abfolge von Schicksalsschl&amp;auml;gen und damit das personifizierte Gegenmodell zum alles &amp;uuml;berstrahlenden Professor Brinkmann, der kaum Br&amp;uuml;che in seiner Vita hatte. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Da haben Sie wahrscheinlich recht. Aber ich habe nie bei der &lt;em&gt;Schwarzwaldklinik &lt;/em&gt;eingeschaltet, um nachzusehen, wie macht das eigentlich der Brinkmann? Als Schauspieler - das habe ich vor allem am Theater vom gro&amp;szlig;artigen Theo Lingen gelernt - muss man seine eigenen Unarten ausspielen, um eine Rolle unverwechselbar auszuf&amp;uuml;llen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Welche Unarten meinen Sie? &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lingen hatte eine Zahnl&amp;uuml;cke und lachte deshalb nie aus vollem Hals und mit offenem Mund, sondern er kicherte vielmehr und st&amp;uuml;lpte seine Oberlippe &amp;uuml;ber die vordere Zahnreihe. Oder Robert Mitchum. Der hat jede Bewegung immer so langsam ausgef&amp;uuml;hrt, dass Kollegen am Theater fr&amp;uuml;her oft sagten: &amp;raquo;Mach es wie Mitchum.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Und welche Unart haben Sie kultiviert?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Als Schauspielsch&amp;uuml;ler hatte ich die Angewohnheit, meinen langen Hals zu strecken, wenn ich jemanden ansprach. Und mein Schauspiellehrer Eduard Marks sagte zu mir: &amp;raquo;Wenn du schon ein Affe bist, musst du nicht auch noch ein Giraffe sein!&amp;laquo; Meine Unart ist also, dass ich immer meinen Hals ganz lang gemacht habe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Klausj&amp;uuml;rgen Wussow hat zwei B&amp;uuml;cher geschrieben: Mein Leben als Chefarzt Dr. Brinkmann von der Schwarzwaldklinik und Professor Brinkmann und ich. Beides Bestseller. Er war der Auffassung: Ich kann den Brinkmann ebenso wenig verleugnen wie der Brinkmann den Wussow verleugnen k&amp;ouml;nnte. Gilt das f&amp;uuml;r Haas und Dr. Dressler auch?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich kannte Wussow gut, er ist ja nun auch schon ein paar Jahre tot. Er war ein sehr guter Schauspieler, ich selbst habe mit ihm gedreht und will auch nichts B&amp;ouml;ses &amp;uuml;ber ihn sagen, aber Klausj&amp;uuml;rgen war ein sehr eitler Mensch. Und f&amp;uuml;r einen eitlen Menschen sind solche B&amp;uuml;cher und auch so eine Aussage bezeichnend. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Hat sich noch nie ein Verlag bei Ihnen gemeldet?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nein, mich hat noch niemand gefragt, ob ich &amp;uuml;ber mich und Dr. Dressler ein Buch schreiben m&amp;ouml;chte. Und ganz ehrlich: Das w&amp;uuml;rde ich auch nicht machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Erz&amp;auml;hlenswerte Geschichten g&amp;auml;be es sicher genug. Dr. Dressler war ja lange Zeit ein regelrechter S&amp;auml;ufer. Wie haben Sie sich auf diese Facette Ihrer Figur vorbereitet?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich war bei den Dreharbeiten immer n&amp;uuml;chtern, wenn Sie das meinen. Aber ich habe f&amp;uuml;r die Rolle lange Zeit bei einer Selbsthilfegruppe recherchiert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Geh&amp;ouml;rte zur Recherche auch ein anst&amp;auml;ndiger Vollrausch?&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Nat&amp;uuml;rlich. Allerdings liegen diese Zeiten der Recherche noch vor der Zeit der &lt;em&gt;Lindenstra&amp;szlig;e&lt;/em&gt;.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Als Sie noch am Theater spielten?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, bei einem Theaterfest &amp;ndash; der Name des Theaters tut nichts zur Sache &amp;ndash; war ich mal sturzbesoffen, bin aus dem Geb&amp;auml;ude gerannt, habe mich nackt ausgezogen und auf die R&amp;uuml;ckbank eines Cabrios gelegt. Es war nicht mein Cabriolet. Am n&amp;auml;chsten Morgen weckte mich der Besitzer des Wagens, und ich habe mich so schnell wie m&amp;ouml;glich aus dem Staub gemacht. Na ja, ich war sehr jung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Dr. Dressler erh&amp;auml;lt bis heute sehr viel Fanpost. Was steht da eigentlich drin?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ach, die Menschen kommentieren laufend meine Rolle. Sie beklagen sich auch &amp;uuml;ber mich. Manchmal ist es verbl&amp;uuml;ffend, wie ernst sie Dr. Dressler nehmen. Als er die um viele Jahre j&amp;uuml;ngere Tanja heiratete, schrieb eine Frau zum Beispiel: &amp;raquo;Lassen Sie blo&amp;szlig; die H&amp;auml;nde von der!&amp;laquo; Als Dr. Dresslers zweite Frau starb, habe ich eine Einladung einer Dame aus Sylt erhalten, die schrieb: &amp;raquo;Lieber Dr. Dressler, ich w&amp;uuml;rde mich sehr freuen, wenn Sie mich besuchen. Ich w&amp;uuml;rde Sie auch gern tr&amp;ouml;sten in dieser schwierigen Zeit&amp;laquo; und so weiter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Ein eindeutig unmoralisches Angebot. Sind Sie der Einladung gefolgt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nat&amp;uuml;rlich nicht. Ich habe nicht geantwortet. Was soll ich dieser Frau auch schreiben? Dass ich nicht Dr. Dressler bin? Dass es sich um eine Verwechslung handelt? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Haben Sie es eigentlich je bereut, nicht aus der Serie ausgestiegen zu sein?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nie. Ich habe eine Alterskarriere hingelegt. Immerhin besser als eine junge Karriere, die schnell vergl&amp;uuml;ht. Ich war als Schauspieler nie arbeitslos, habe nie gestempelt. Darauf bin ich heute noch stolz. Au&amp;szlig;erdem war ich selbst auch immer neugierig darauf, was demn&amp;auml;chst mit dem Dressler passiert. Und ich habe - das gebe ich gern zu - ein starkes Loyalit&amp;auml;tsgef&amp;uuml;hl gegen&amp;uuml;ber der Serie. &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;Hans Gei&amp;szlig;end&amp;ouml;rfer ist im wahren Leben Ihr Trauzeuge, richtig?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das stimmt. Wir sehen uns nicht so oft, aber zwischen uns herrscht eine enge Verbindung. Ich finde ihn schlicht genial.&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;St&amp;ouml;rt es Sie eigentlich, wenn man die &lt;em&gt;Lindenstra&amp;szlig;e &lt;/em&gt;eine Seifenoper nennt?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ich widerspreche da gern. Die &lt;em&gt;Lindenstra&amp;szlig;e&lt;/em&gt; ist in meinen Augen sehr gute Unterhaltung mit einer sozialen und auch politischen Aussage. Denken Sie nur an den ersten M&amp;auml;nnerkuss im deutschen Fernsehen. Als der in der &lt;em&gt;Lindenstra&amp;szlig;e&lt;/em&gt; gezeigt wurde, war die Emp&amp;ouml;rung bundesweit riesig. Heute sieht man das fast t&amp;auml;glich im Fernsehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2005 war das 20-j&amp;auml;hrige &lt;em&gt;Lindenstra&amp;szlig;e&lt;/em&gt;-Jubil&amp;auml;um. Damals sagten Sie in einem Interview: &amp;raquo;Dass ich den Dr. Dressler seit 20 Jahren spielen darf, empfinde ich als gro&amp;szlig;es Geschenk. Ich drehe, bis ich umfalle.&amp;laquo; Gilt dieser Satz heute auch noch?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ja, dieser Satz gilt. Auch wenn man nie wei&amp;szlig;, was das Leben f&amp;uuml;r einen noch bereith&amp;auml;lt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Sehen Sie sich eigentlich als &lt;em&gt;Lindenstra&amp;szlig;e&lt;/em&gt;-Legende?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die &lt;em&gt;Lindenstra&amp;szlig;e&lt;/em&gt; ist vielleicht eine Legende. Ich bin nur ein kleiner Teil davon.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;strong&gt;ZUR PERSON&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ludwig Haas, 1933 in Eutin geboren, absolvierte seine      Schauspielausbildung zwischen 1951 und 1953 an der Staatlichen      Hochschule f&amp;uuml;r Musik und Theater in Hamburg. Bis in die fr&amp;uuml;hen      Achtzigerjahre stand er vor allem auf der B&amp;uuml;hne, etwa am Schauspielhaus      Hamburg, am Mannheimer Nationaltheater oder den Kammerspielen in M&amp;uuml;nchen.      Erst mit 52 Jahren nahm er 1985 die Rolle als &amp;raquo;Dr. Ludwig Dressler&amp;laquo; in der &lt;em&gt;Lindenstra&amp;szlig;e&lt;/em&gt; an, er geh&amp;ouml;rt zum Gr&amp;uuml;ndungsensemble der Serie. In internationalen      Produktionen verk&amp;ouml;rperte Haas oft den &amp;raquo;b&amp;ouml;sen Deutschen&amp;laquo;. Adolf Hitler      spielte er allein drei Mal, 1992 auch an der Seite von Michael Douglas in &lt;em&gt; Wie ein Licht in dunkler Nacht&lt;/em&gt;.   &lt;br /&gt;&lt;strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Sprechstunde: Sonntagabend</dc:subject>
    <dc:creator>Alexandros Stefanidis</dc:creator>
    <dc:date>2012-07-04T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <item rdf:about="http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37555">
    <link>http://sz-magazin.sueddeutsche.de//texte/anzeigen/37555</link>
    <title>Die Qual der Zahl</title>
    <description>&lt;p&gt;Nur weil eine Sendung eine gute Einschaltquote hat, muss sie noch lange nicht gut sein. Warum das Fernsehen ist, was es ist. Von Fernsehprofis, Quotenknechten und Kundenprofilen.&lt;/p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46315.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Thomas Gottschalk machte es knapp. Als die ARD ank&amp;uuml;ndigte, dass seine Vorabendsendung am 7. Juni abgesetzt wird, stellte er nur fest, &amp;raquo;dass es mir nicht gelungen ist, an diesem Programmplatz gen&amp;uuml;gend Zuschauer zu begeistern&amp;laquo;. Einziger Grund f&amp;uuml;r das Ende: die Quote. Mag sein, vielleicht war die Sendung nicht gut genug. Vielleicht waren aber die Zuschauer, die Gottschalk erreicht hat, v&amp;ouml;llig zufrieden mit&amp;nbsp; dem Angebot? Wer wei&amp;szlig; das schon, dar&amp;uuml;ber verr&amp;auml;t die Quote nichts. Das Einzige, was z&amp;auml;hlt: so viele Zuschauer wie m&amp;ouml;glich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fred Kogel ist ein Fernsehprofi, er war Produzent von Wetten, dass ..?, Unterhaltungschef beim ZDF, SAT.1-Gesch&amp;auml;ftsf&amp;uuml;hrer, er steht seit 25 Jahren, sagt er, &amp;raquo;immer unter Quotendruck&amp;laquo;. Kogel findet, die Quote werde oft missverstanden: &amp;raquo;Es ist wie beim Fu&amp;szlig;ball: Sie haben ein Ergebnis, sagen wir 0:1, das entspricht Gottschalks vier Prozent Marktanteil. Aber dieses Ergebnis sagt nichts &amp;uuml;ber Qualit&amp;auml;t aus. Ein 0:1 ist ein verlorenes Spiel, aber es kann trotzdem ein gro&amp;szlig;artiges, spannendes, aufregendes Spiel gewesen sein. Die Zahl ist nur Oberfl&amp;auml;che.&amp;laquo; Aber nicht nur Programmgestalter und Moderatoren schauen am Morgen nach der Sendung als Erstes darauf. Auch Kritiker nehmen sie seltsam ernst, bis hinein in die Feuilletons. Sie gilt mittlerweile ganz selbstverst&amp;auml;ndlich als Kriterium &amp;ndash; als w&amp;uuml;rde die Literaturkritik vor allem &amp;uuml;ber die Zahl verkaufter B&amp;uuml;cher schreiben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Viel wichtiger w&amp;auml;re die Frage: Was liefert das Fernsehen denen, die es tats&amp;auml;chlich erreicht? Kogel sagt: &amp;raquo;Viele Macher lassen sich von der Quote knechten. Wenn ich mir die Programme mancher Comedians anschaue, bin ich fast beleidigt: Ich wei&amp;szlig;, die k&amp;ouml;nnten es besser, schlauer &amp;ndash; aber im Fernsehen werden sie platter, einfach nur, weil sie an die Quote denken.&amp;laquo; Dann schiebt er nach: &amp;raquo;Wenn ich nur der Masse folge, kriege ich immer das gr&amp;ouml;&amp;szlig;te gemeinsame Vielfache, also zwangsl&amp;auml;ufig das Einfachste. Und genau deswegen ist das Fernsehen, was es ist.&amp;laquo; Tom S&amp;auml;nger ist als Unterhaltungschef bei RTL ein Spezialist f&amp;uuml;r das gr&amp;ouml;&amp;szlig;te gemeinsame Vielfache, er sagt: &amp;raquo;F&amp;uuml;r mich ist Quote ein Qualit&amp;auml;tsmerkmal.&amp;laquo; Beim beliebtesten Fernsehsender der Deutschen sind die Marktanteile fast durchweg zweistellig, die Zuschauerzahlen werden in Millionen- Schritten gerechnet. Der 42-j&amp;auml;hrige Tom S&amp;auml;nger hilft mit, dass es immer mehr werden. Er ist seit 20 Jahren im Gesch&amp;auml;ft, ein echter Quotenk&amp;ouml;nig. S&amp;auml;nger hat zum Beispiel Bauer sucht Frau ins Programm genommen, sieben bis acht Millionen Zuschauer wollen die Show sehen. Macht 24,5 Prozent Marktanteil, das ist ein sehr, sehr hoher Wert. Bauer sucht Frau ist zurzeit nach Zahlen die erfolgreichste RTL-Sendung. &amp;Uuml;ber das Niveau der Sendung muss man nicht gro&amp;szlig; diskutieren. Aber dass sie so eine hohe Einschaltquote erreicht, spr&amp;auml;che in S&amp;auml;ngers Logik f&amp;uuml;r ihre Qualit&amp;auml;t.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wie wird die Quote &amp;uuml;berhaupt ermittelt? Beim Marktforschungsunternehmen GfK (fr&amp;uuml;her: Gesellschaft f&amp;uuml;r Konsumforschung) in N&amp;uuml;rnberg sieht es aus wie in der Fernsehserie Stromberg: grauer Teppichboden, graue Funktionsm&amp;ouml;bel, Amateursportpokale auf Fensterbrettern, verstaubte Topfpflanzen. Hier wird seit 1985 die Einschaltquote ermittelt. Michael Darkow, der Gesch&amp;auml;ftsf&amp;uuml;hrer der Fernsehabteilung, ein energischer Westfale mit Glatze und randloser Brille, erkl&amp;auml;rt, wie: Die GfK schickt ununterbrochen Hunderte von Interviewern durch das Land, die von T&amp;uuml;r zu T&amp;uuml;r gehen und Menschen fragen, ob sie Lust h&amp;auml;tten, sich beim Fernsehen &amp;uuml;ber die Schulter schauen zu lassen. Dabei muss die GfK Haushalte finden, deren Bewohner so &lt;br /&gt; genau wie m&amp;ouml;glich den Durchschnittsdeutschen entsprechen. Darkow sagt: &amp;raquo;Wir wissen immer genau, was fehlt. Wenn wir sehen, wir brauchen mehr junge linksrheinische Hausfrauen &amp;ndash; dann m&amp;uuml;ssen wir los und welche finden.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Schlie&amp;szlig;lich bringt ein GfK-Techniker ein Messger&amp;auml;t vorbei, das zwischen Fernseher und Empfangskabel geschaltet wird. Von da an m&amp;uuml;ssen sich alle Bewohner beim Fernsehen mit einer speziellen Fernbedienung anmelden: 20 Uhr, Bewohner A schaltet ein. Klick. 20.10 Uhr,  Bewohner B kommt dazu, meldet sich an. Klick. 20.21 Uhr,&amp;nbsp;&amp;nbsp; Programmwechsel. Klick. Das passiert jeden Tag in rund 5000 Haushalten in ganz Deutschland, macht nach GfK-Berechnungen rund 12 000 Personen. Jede Nacht ab drei Uhr schicken die Messger&amp;auml;te alle Daten automatisch an das GfK-Rechenzentrum. Dort kommen zur gleichen Zeit die Sendedaten der Sender an: Was wurde wann gezeigt? In einem eiskalten Raum, der bis unter die Decke mit Riesencomputern und Kabeln gef&amp;uuml;llt ist, werden all diese Daten dann miteinander verrechnet. Jeden Morgen um halb neun schlie&amp;szlig;lich schickt die GfK die Ergebnisse an die Sender, per Fax, per Mail. Das lohnt sich: Die GfK kriegt vom Zusammenschluss der vier gro&amp;szlig;en Senderfamilien ARD, ZDF, RTL, Pro7/SAT.1 jedes Jahr rund 18 Millionen Euro. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Morgens um halb neun, das ist der Moment, in dem sich &amp;uuml;berall in Deutschlands Fernsehsendern Menschen &amp;uuml;ber Zahlenkolonnen beugen wie &amp;uuml;ber die heilige Schrift. Aber Michael Darkow warnt: &amp;raquo;Wenn man die Zahlen als absolute Wahrheit ansieht, bekommt man Probleme.&amp;laquo; Und Fred Kogel findet: &amp;raquo;Es gibt nicht viele in diesem Land, die Quoten lesen und wirklich verstehen k&amp;ouml;nnen.&amp;laquo; Er erkl&amp;auml;rt das Problem an einem Beispiel: &amp;raquo;Eine Sendung hat 14 Prozent, die nachfolgende zehn. Jetzt w&amp;uuml;rde man landl&amp;auml;ufig sagen, aha, vier Prozent verloren, schlecht. Eine qualifizierte Aussage dar&amp;uuml;ber kann man aber nur treffen, wenn man sich die Details anschaut. Oft f&amp;auml;llt die Quote schon in den letzten Minuten einer Sendung dramatisch. Wenn es ein paar Minuten vor Ende noch einen Werbeblock oder einen schlechten Beitrag gibt, schenkt sich der Zuschauer halt gern mal das Ende. Ganz wichtig ist also die &amp;Uuml;bergabequote. Vielleicht hatte die vorige Sendung schon gegen Ende nur noch neun Prozent. Und dann steht die Folgesendung gleich ganz anders da.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Foto: photocase/ergonoMedia&lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span&gt;[seitenumbruch title=&quot;&lt;/span&gt;Quote ist, was man draus macht&lt;span&gt;&quot;]&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;img alt=&quot;&quot; src=&quot;http://sz-magazin.sueddeutsche.de/upl/images/user/8059/46279.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt; F&amp;uuml;r die Sender ist es verf&amp;uuml;hrerisch leicht, aus dem Wust an t&amp;auml;glichen Zahlen irgendwas zu einem Rekord aufzublasen. Michael Darkow erkl&amp;auml;rt: &amp;raquo;Die Sehbeteiligung ist immer nur ein mathematischer Durchschnittswert. Die kann minutenweise ganz unten sein, dann stark ansteigen. Daraus entstehen absurde Pressemeldungen, da hei&amp;szlig;t es &amp;rsaquo;In der Spitze haben wir so und so viele Millionen Zuschauer erreicht&amp;lsaquo;. Dabei sagt der eine kurze Moment gar nichts! Die k&amp;ouml;nnen ja alle sofort wieder weggeschaltet haben.&amp;laquo; Auch der monatliche Marktanteil eines Senders liefert bis zu den Nachkommastellen prima Vorlagen. Nur noch mal zur Erinnerung: Der Markt, das sind nicht alle Deutschen, sondern nur die, die tats&amp;auml;chlich gerade fernsehen; von denen wiederum sieht ein Teil einen bestimmten Sender &amp;ndash; das ist der Marktanteil. Wenn der bei Nischensendern wie DMAX oder Tele 5 von 1,2 auf 1,3 Prozent klettert, ist das nat&amp;uuml;rlich eine Jubelmeldung wert. Obwohl es tats&amp;auml;chlich nur um ein paar Zehntausend Zuschauer geht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; All das zeichnen die GfK-Ger&amp;auml;te brav auf. Aber die Technik hat ihre Grenzen. Schon jetzt kann niemand sagen, ob die Menschen, die den Fernseher einschalten, wirklich zuschauen &amp;ndash; oder ob sie ihn nur als Hintergrundrauschen laufen lassen. Eigentlich m&amp;uuml;sste man rauskriegen, wie das Programm tats&amp;auml;chlich wahrgenommen wird. Der GfK-Chef sagt: &amp;raquo;Technisch w&amp;auml;re es kein Problem, die Leute automatisch zu &amp;uuml;berwachen, per Gesichtserkennung zum Beispiel. Nur w&amp;auml;re dann wohl kaum noch jemand bereit, mitzumachen.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Aber Fernsehen ist l&amp;auml;ngst nicht mehr gleich Fernsehen. F&amp;uuml;r viele Menschen unter 30 ist es selbstverst&amp;auml;ndlich, Fernsehen &amp;uuml;bers Internet zu sehen &amp;ndash; zu beliebigen Uhrzeiten, losgel&amp;ouml;st von Programmabl&amp;auml;ufen und Sendezeiten. Das wird im Quotensystem nicht erfasst. Die Sender z&amp;auml;hlen Klicks auf ihren Webseiten, nat&amp;uuml;rlich &amp;ndash; aber was bedeuten die Klicks? Pro Klick ein Zuschauer? Pro Klick eine Sendung? Und wie lang bleiben die Zuschauer dran? Beantworten sie nebenher Mails? Kann kein Mensch sagen. Wie da eine genaue Auswertung gehen soll, ist unklar. Darkow sagt nur, dass auf jeden Fall was passieren muss. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Bis etwas passiert, bleibt das Fernsehen beherrscht von Quotenpanik. Wie daraus Unsinnsfernsehen entsteht, zeigte das viel diskutierte Beispiel des Mehrteilers Im Angesicht des Verbrechens, der im Herbst 2010 gezeigt oder, besser gesagt: versteckt wurde. Da hatte die ARD eine herausragende, mit vielen Preisen ausgezeichnete Serie &amp;uuml;ber russische Verbrecher in Berlin in Auftrag gegeben, den Spitzenregisseur Dominik Graf filmen lassen &amp;ndash; dann aber, aus Sorge, das Thema k&amp;ouml;nnte zu hart sein, die ersten Folgen vorsichtig am Freitagabend um 21.45 Uhr gesendet, ein Termin, von dem Fachleute sagen, dass man da keine Experimente macht, sondern alte Tatort-Folgen wiederholt. Zwei Millionen Zuschauer pro Folge, 8,1 Prozent Marktanteil, klingt gut, war den Verantwortlichen aber zu wenig &amp;ndash; nach ein paar Folgen brach die ARD das Unternehmen ab und versendete den Rest irgendwann blockweise, mehrere Folgen hintereinander. Verlierer: alle. Der Regisseur, der Sender, der Zuschauer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Dabei gibt es genug Beispiele f&amp;uuml;r Sendungen, die wenige Zuschauer, aber riesigen Erfolg haben. Fred Kogel erkl&amp;auml;rt: &amp;raquo;Manche Entscheidungen trifft man unabh&amp;auml;ngig von Quoten.&amp;laquo; Er hat in den Neunzigerjahren bei SAT.1 Harald Schmidt aufgebaut. Heute sagt er: &amp;raquo;F&amp;uuml;r mich war Schmidt in den besten Zeiten der Pressesprecher des Senders. An ihm hing die gesamte Au&amp;szlig;enwirkung.&amp;laquo; Schmidt musste nicht unbedingt Quote machen, sein Wert bema&amp;szlig; sich in Image, Aufmerksamkeit, Coolness. Schmidt ist seit Anfang Mai aus dem SAT.1-Programm verschwunden, im September geht es eine Nummer kleiner beim Bezahlsender Sky weiter. Kogel will kein Wort der Klage verlieren: &amp;raquo;Harald Schmidt und ich, wir machen den Job beide lang genug, und weil wir gut sind, verdienen wir auch genau das Geld, das wir verdienen. Jammern tun immer nur die, die das Spiel nicht verstanden haben. So eine Sendung ist Marktwirtschaft.&amp;laquo;&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt; Das hei&amp;szlig;t im Grunde: Quote bedeutet gar nichts. Eine Sendung mit vielen Zuschauern muss nicht gut sein, eine Sendung mit wenigen nicht schlecht. Die Sender machen Programm f&amp;uuml;r &amp;raquo;die Masse&amp;laquo; &amp;ndash; und am n&amp;auml;chsten Tag steht halb Deutschland trotzdem an der Kaffeemaschine im B&amp;uuml;ro und st&amp;ouml;hnt, dass nie was Vern&amp;uuml;nftiges im Fernsehen kommt. Es gibt eigentlich nur eins, was die Quote wirklich gew&amp;auml;hrleistet: Werbekunden k&amp;ouml;nnen pr&amp;uuml;fen, wie viele Zuschauer sie mit ihren Spots erreichen. Und genau das ist die Richtung, aus der in den n&amp;auml;chsten Jahren frischer Wind kommen k&amp;ouml;nnte. &lt;br /&gt;&lt;span&gt;&lt;span style=&quot;float: left;&quot;&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt; Wenn Florian Haller dar&amp;uuml;ber nachdenkt, wie und wo er am besten Werbung platzieren soll, schaut er vom Schreibtisch in seinem M&amp;uuml;nchner B&amp;uuml;ro auf ein 4,20 Meter breites &amp;Ouml;lbild von Jonathan Meese. Haller sagt: &amp;raquo;Die Quote ist verf&amp;uuml;hrerisch einfach, deshalb wird sie gern zitiert. Aber sie wird tendenziell verschwinden.&amp;laquo; Hallers Firma Serviceplan macht Werbekampagnen f&amp;uuml;r gro&amp;szlig;e Krankenkassen, Brauereien, Babybreihersteller. Er sagt, ihn interessiere die Quote in seiner t&amp;auml;glichen Arbeit eigentlich nicht mehr: Die Konsumwelt sei heute viel zu kleinteilig und komplex, die reine Masse an Kontakten immer unwichtiger. &amp;Uuml;ber die Wirkung von Werbung sage die Quote gar nichts. Ob eine Sendung in der Gesamtbev&amp;ouml;lkerung sieben, neun oder elf Prozent Marktanteil erziele, k&amp;uuml;mmere ihn deshalb gar nicht, sagt Haller. &amp;raquo;Uns interessiert, ob da die K&amp;auml;ufer von bestimmten Produkten zuschauen &amp;ndash; Menschen, die gern dunkle Schokolade essen, zum Beispiel.&amp;laquo; Es geht um Kundenprofile, nicht um Einschaltquote: Tausend Zuschauer, die &amp;uuml;ber den Kauf eines Gel&amp;auml;ndewagens nachdenken, sind von Hallers Schreibtisch aus betrachtet mehr wert als zwei Millionen Polo-Fahrer. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Wenige Zuschauer, daf&amp;uuml;r genau die richtigen f&amp;uuml;r das richtige Programm: Das w&amp;auml;re nicht nur eine gute L&amp;ouml;sung f&amp;uuml;r die Werber &amp;ndash; sondern vor allem f&amp;uuml;r die Zuschauer selbst. Bleibt nur die Frage, wann der Gedanke endlich bei denen ankommt, die unser Fernsehen machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;</description>
    <dc:subject>Die Qual der Zahl</dc:subject>
    <dc:creator>Simon Feldmer und Max Fellmann</dc:creator>
    <dc:date>2012-05-23T12:00:00+01:00</dc:date>
  </item>

  <rdf:Description rdf:ID="manifest">
    <mn:channels>
      <rdf:Seq>
        <rdf:li rdf:resource="http://sz-magazin.sueddeutsche.de:80/rsslabel/94" />
      </rdf:Seq>
    </mn:channels>
  </rdf:Description>

</rdf:RDF>
