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aus Heft 04/2007 Gerlachs Alphabet Noch keine Kommentare

V - Vodka

Von Hans Gerlach 



Während der Belagerung von Leningrad im Zweiten Weltkrieg war Vodka noch eine Medizin, um die Bevölkerung in aussichtslosen Situationen zu betäuben. Schon kurz danach stieg der Getreidebrand zur Salon-Spirituose auf: John G. Martin, damaliger Besitzer der US-amerikanischen Smirnoff-Lizenz, hatte die visionäre Idee, seinen Schnaps mit dem Slogan »No taste, no smell« als sauber-elegante Cocktailbasis zu etablieren. Martin erfand Cocktails wie Moscow Mule und Vodka Martini – den Drink, der Vodka als Getränk von James Bond berühmt machte. Seit Dr. No 1962 in die Kinos kam, sollten alle Vodka-Produzenten Mr. Martin für das erfolgreichste Productplacement aller Zeiten danken. Korn, der deutsche Vodka, ist trotz vergleichbaren Geschmacks Pils-Pub-Plörre geblieben. Ungefähr dreißig Jahre später suchte Roustam Tariko guten Vodka in Russland, seiner Heimat, der Heimat des Vodka (Polen würden widersprechen). Tariko fand nur westlichen Premium-Vodka. Der Eigentümer der größten russischen Privatbank, Russian Standard, begann also, unter demselben Namen in St. Petersburg seinen eigenen Weizenbrand zu destillieren. Er rollte den russischen Markt auf und exportiert seit einigen Monaten auch nach Deutschland. Vodka-Herstellung ist paradox: Maische aus vergorenem Weizen, Roggen, manchmal Kartoffeln wird zu fast reinem Alkohol destilliert. Anschließend verdünnt man den Alkohol auf Trinkstärke, bevor der Schnaps durch riesige Aktivkohlefilter weiter gereinigt wird – bis der fertige Vodka nur noch 30 Milligramm Aromastoffe pro Liter enthält. Whisky oder Cognac sind dagegen mit knapp 3000 Milligramm barocke Aromabomben. Die Menge der Fremdchemikalien im Vodka ist so klein, dass wir auch nach reichlichem Genuss kaum einen Kater bekommen. Trotzdem entscheidet ihre Zusammensetzung über Charakter, Qualität und Preis des Getränks. Tariko fasst es so zusammen: »Shit in means shit out«, was bedeutet: Auch aus fiesem Fusel kann ich neutralen, reinen Vodka filtern. Doch wenn ich viele unangenehme Stoffe aus dem Destillat entfernen muss, dann bleibt überhaupt kein Geschmack übrig. Die Kunst des Brennmeisters besteht darin, aus gesundem Getreide mit mineralstoffarmem Wasser ein gutes Rohdestillat herzustellen. Sodass nach sensibler Filterung ein zwar feiner, aber komponierter Geschmack bleibt. Deshalb: Guter Vodka ist zu schade für Cocktails. Trinken Sie ihn pur – zu diesem Gericht. RÜBENSCHWEIN (Geschmorte Schweineschulter mit Rübensirup) 800 g Schweineschulter in 4 cm große Würfel schneiden, mit 1 EL Schmalz in einem Schmortopf goldbraun braten. 2–3 Knoblauchzehen mit 1 TL Kreuzkümmel fein hacken, kurz mit dem Fleisch rösten, salzen. Mit 3 EL Essig und 3 El Rübensirup löschen. Immer wieder kleine Mengen Wasser zugeben, sodass das Fleisch nie ganz bedeckt ist. Bei schwächster Hitze zugedeckt 4 Stunden schmoren. 1–2 TL schwarzen Pfeffer grob mahlen, 1 Bund Dill hacken. 8 Lauchzwiebeln in 5 cm langen Stücken mit 1 EL Schmalz 3 Minuten braten. Zwiebeln zum Fleisch geben, anrichten, mit Pfeffer und Dill bestreuen. Dazu passt Kartoffelpüree. Nastrowje!
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