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aus Heft 20/2008 Gesellschaft/Leben 1 Kommentar

Ein Land auf der Couch

Seite 6

Von Franz Schuh 




Dass es aber zugleich eine Art von parasitärem Wegschauen gibt, also ein Wegschauen, das sehr gerne weiß, was die daneben treiben, und sich an diesem Wissen partiell sogar aufgeilt, aber keine Konsequenzen daraus zieht. Das ist dieser Moment, wo Wegschauen und Voyeurismus ineinanderfallen. Und wo man, ohne irgendeine Konsequenz daraus zu ziehen, die Skandale der Nachbarschaft genießt.
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Wie man aus dieser Wechselwirkung von Wegschauen und Hinschauen ein emanzipierter Mensch wird und damit cool und rational umgeht, das muss wohl jeder lernen. Das wichtigste soziale Ferment ist Vertrauen. Und Vertrauen heißt eigentlich, eine unbeweisbare, einer Begründung nicht bedürftige Erwartung, dass es halt so geht, so läuft, dass nicht das Schreckliche um die Ecke steht.

Die Polizei schaut für uns hin

Beamte müssen naturgemäß vor und zu ihren Behörden stehen. Und bevor man denen nichts nachweisen kann, haben sie nie irgendeinen Fehler gemacht. Rein sprachlich ist das schon interessant. Einerseits dürfen sie nichts sagen; auf der anderen Seite müssen sie ja zeigen, dass sie da sind und alles gut machen. Sie dürfen nur nicht sagen, was genau sie gut machen. Da haben sie dann diese Abwehrrhetorik: »können leider nicht«, »ermitteln noch«. Das ist teilweise so wie in schlechten Tatort-Krimisendungen.

Ich denke, dass die Polizisten sich jetzt eine gewisse Chance ausrechnen, mit ihrer eigenen Befindlichkeit punkten zu können. Der eine Bezirkshauptmann, der etwa gesagt hat: Von nun an vertraut er niemandem mehr! Das habe er aus diesem Verbrechen, begangen von einem doch so vertrauenswürdigen Menschen, gelernt. Woraufhin der Dienst führende Kriminalpsychologe ihn übers Fernsehen gebeten hat: Bitte, vertraue doch wieder! Ziehe diesen falschen Schluss nicht! Oder die Äußerung des ermittelnden Polizeioffiziers: Man denkt, es kommt nichts Schlimmeres mehr. Und das habe er jetzt gelernt: Es wird immer noch schlimmer!

Kommentare

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  • Willi Eichholz (1) Hatten wir in Deutschland ….
    Nicht vor kurzem das Problem, den - Menschenfressers von Rothenburg – verarbeiten; oder verdängen zu müssen? Es gibt wohl überall, immer wieder schier unfassbares Geschehen.
    So wie es unter Millionen einen – Einstein - gibt, den wir alle nicht begreifen können, so gibt es unter Millionen Menschen auch einen – negativen Einstein - , den wir alle ebenfalls nicht begreifen können.