Gesellschaft/Leben | Heft 20/2008

Ein Land auf der Couch

Von Franz Schuh 



Ich finde, das ist eine interessante Nebenwirkung dieser Geschichte, dass die Polizei, die ja prinzipiell schweigt, jetzt einiges über sich selbst erzählt. Und jetzt hat sie auch ein Publikum dafür. Die Polizei hat ja im Psychohaushalt einer solchen Gesellschaft unter anderem die Funktion, den unmittelbaren Eindruck, den »Horror«, für alle anderen abzufangen; die Polizei sieht, was die anderen nicht zu sehen brauchen, worüber sie aber unaufhörlich Vermutungen anstellen. Die Polizei ist das Auge, das wirklich sieht. Wir sehen nur all das, was uns nicht gefährdet. Und wir können unsere Gefährdung, wie ich das vorhin beschrieben habe, zwar hinzufantasieren. Aber die sehen, wie so was aussieht. Die schauen für uns hin, und zwar direkt.

Österreich, Amstetten und die Psychologen
Die sogenannten Experten können einem schwer auf die Nerven gehen, auch weil sie die Tonart bestimmen, in der man plötzlich selber glaubt, etwas zu sagen zu haben. Also dieser eine Psychiater, der schon die Frau Kampusch therapiert hat, der mit seinem weißen Arztkittel und mit seinem Bart aussieht wie ein Vorstadtfriseur – das ist alles unerträglich. Da hat man das Gefühl des Verkehrten, weil die mit ihren Daten und Erkenntnissen nur hausieren gehen, damit sie sich präsentieren können. Aber das ist deshalb ungerecht, weil solche Fachleute bei der Sache bleiben; ihr Leben lang beschäftigen sie sich mit Kriminalität, beschäftigen sie sich mit Opfern, mit Kriminalitätsopfern.

Sie schaffen dann auch die notwendige Kontinuität, um nicht bodenlos überrascht zu sein von den Phänomenen, die sich ja immer wieder ereignen. Sie bleiben dabei und können im besten Fall kenntnisreich helfen, während die Medien sich immer Neuem zuwenden.

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