
Und dann hat er sie fotografiert?
Genau. Er hat sich eine Kleinbildkamera geliehen und Fotos gemacht, als Vorlage für die Zeichnungen. So fing das an, Fotografie als Mittel zum Zweck.
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Das klingt nach der Mentalität eines Archivars oder Historikers. Haben Sie sich überhaupt als Künstler verstanden? Was ist schon ein Künstler? Wer sich Künstler nennt, ist noch lange kein Künstler, das bestimmen andere. Es ist völlig sinnlos zu sagen: Ich bin ein Künstler!
Warum haben Sie nie Menschen, nie Gesichter fotografiert?
Weil Menschen nicht unser Thema waren. Menschen sind ein anderes Thema.
Aber ein reizvolles.
Für andere vielleicht, für uns nicht. Wenn einer Kathedralen fotografiert, fragt doch auch keiner: Wo ist der Pastor? Wo ist die Gemeinde? Das wäre nicht adäquat. Wenn ein Mensch auf einem Bild ist, dominiert er es. Und wenn er nicht zum Thema gehört, dann stört er.
Warum ausgerechnet Förderanlagen und Hochöfen?
Weil sie ehrlich sind. Sie sind funktional und zeigen, was sie machen, das hat uns gefallen. Ein Mensch ist immer, was er sein möchte, nie, was er ist. Sogar ein Tier spielt meistens eine Rolle vor der Kamera.
Aber nur noch Industriearchitektur zu fotografieren, diese Entscheidung muss man doch erst mal bewusst fällen.
Das hat sich so hochgeschaukelt. Am Anfang wollte Bernd sich mit diesen Bildern seine Kindheit bewahren und zurückholen. Er war ja im Siegerland zwischen Erzbergwerken und Hochöfen groß geworden.
Aber Sie hatten doch einen ganz anderen Hintergrund. Sie kommen aus Potsdam.
Stimmt, als Kind habe ich in den Schlössern und Gärten fotografiert. Aber irgendwann fand ich das langweilig. Diese Bilder hat man ja immer schon im Kopf. Und dann kam ich zum ersten Mal ins Ruhrgebiet und war völlig perplex. So was hatte ich noch nicht gesehen, das war neu und fremd, das war ein Abenteuer für mich.
Und die Hochöfen wurden nie langweilig, vierzig Jahre lang nicht?
Zu keiner Sekunde. Wir haben uns diese anonyme Architektur richtig erarbeitet, Objekt für Objekt, bis wir begriffen haben, welche unglaubliche Vielfalt in diesem Sujet steckt. Irgendwann haben wir festgestellt: In England sehen solche Anlagen ein bisschen anders aus. Und dann haben wir uns natürlich gefragt: Warum sehen die anders aus? Wir haben gelernt, warum die Dinge so aussehen, wie sie aussehen. Wir haben gelernt, wie ein Hochofen funktioniert, wie er sich zusammensetzt, woraus er besteht. Und dann fällt es einem auch leichter festzustellen: Gibt es da eigentlich vorn und hinten? Irgendwann haben wir uns gefragt: Hat ein Hochofen ein Gesicht?
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