
Klingt ziemlich beengt.
Hotels konnten wir uns damals nicht leisten, es hätte in diesen Gegenden auch gar keine gegeben.
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Haben Sie die Zeit als entbehrungsreich in Erinnerung? Nein, als schöne Zeit, als sehr schöne Zeit. Wir waren in Gegenden, die touristisch überhaupt nicht erschlossen waren. Die waren echt. Keine Blumentöpfe, keine Rabatten. Die waren, was sie waren.
War es nicht belastend, mit einem kleinen Kind wochenlang in einem engen Bus durch halb England zu fahren?
Unser Sohn hat sicher einiges durchgemacht, aber es war eben so, und er hat das Beste daraus gemacht. Er hat gelernt, sich zu beschäftigen, hat gebastelt, geschnitzt und gezeichnet.
Wie sind Sie vorgegangen? Ein paar Tage Arbeit, dann ein paar Tage Pause?
Pausen gab’s bei Bernd nicht. Ich hätte manchmal schon gern Pause gemacht, vor allem wegen des Jungen, aber so einfach war das nicht. Manchmal hat es sich von allein ergeben, da hatten wir ein paar Stunden Zeit, weil es regnete oder die Sonne zu grell war.
Sonne hatten Sie nicht so gern, oder?
Den Vorwurf haben wir immer wieder gehört: Die Bechers mögen kein schönes Wetter. Das stimmt nicht. Man sieht die Details einfach besser, wenn der Himmel bedeckt ist. Die Konturen sind nicht durch Schatten verdoppelt. Wir wollten keine Stimmung in den Bildern, sondern Allgemeingültigkeit.
Warum?
Weil die Objekte sich dann besser vergleichen lassen.
Ihr Ziel war Emotionslosigkeit?
Letztlich ja. Wenn man einen See fotografiert, hinter dem die Sonne untergeht, dann ist der Sonnenuntergang auf einmal das wichtigste Element auf dem Foto. Uns hat aber nur der See interessiert. Nur dass der See bei uns ein Kohlebunker oder ein Hochofen war.
Haben Sie auch manchmal gemeinsam Urlaub gemacht?
So richtig Urlaub, zwei bis drei Wochen am Stück, das gab es bei uns nicht. Bernd hat das überhaupt nicht interessiert. Gerade versuche ich das nachzuholen. Mein Sohn hilft mir dabei. Vor Kurzem waren wir zusammen
in Kuba.
Sie haben lange kaum etwas verdient mit Ihren Bildern. Mussten Sie Ihre Arbeitsweise rechtfertigen?
Und wie! Gerade am Anfang haben viele Leute überhaupt nicht verstanden, warum wir etwas gemacht haben, wofür man kein Geld bekommt,
etwas, was sich also nicht lohnt. Ich fand das typisch deutsch. Die Engländer waren da anders, die haben einen Sinn für Menschen, die etwas Skurriles machen.
In England nennt man solche Leute Freaks. Waren Sie welche?
Klar waren wir Freaks. Ich kenne die Übersetzung zwar nicht, aber ich glaube, wir waren welche.
Hatten Sie Angst, sich die Reisen und das Arbeiten nicht mehr leisten zu können?
In den ersten Jahren ging es manchmal nicht mehr weiter. Wir hatten finanzielle Probleme, schlechte Objektive, schlechte Geräte, jede Reise war ein Problem. Und dann bekam Bernd das Angebot, an der Akademie in Düsseldorf zu unterrichten. Dass er den Job damals angenommen hat, hatte sicher auch mit unserer Lage zu tun.
Was hat Sie an Ihrem Mann fasziniert, als Sie ihn kennengelernt haben?
Dass er ziemlich verrückt war. Das hört sich jetzt platt an, oder? Aber wir waren uns ähnlich, haben uns gut unterhalten und ergänzt. Und er war eben anders als die anderen. Mehr kann ich nicht sagen. Und natürlich habe ich mich auch in ihn verliebt.
Was wäre gewesen, wenn Sie sich hätten scheiden lassen?
Daran denkt man doch gar nicht. Aber ich nehme an, er hätte weitergemacht. Und ich glaube, ich hätte irgendwie auch weitergemacht.
Hätten Sie zusammen weitergemacht?
Wenn es irgendwie gegangen wäre, ja.
So groß war die Neugierde auf die gemeinsame Arbeit?
Am Ende nicht mehr. In dem Jahr, als er starb, musste ich ihn noch mal richtig antreiben, damit wir nach Frankreich fuhren, um unser Buch über Getreidesilos zu Ende zu bringen. Er hatte keine große Lust mehr. Die Energie war weg.
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