
War Ihr Mann ein melancholischer Mensch?
Eher witzig und humorvoll. Bernd konnte ziemlich deutlich werden, wenn er wollte. Einmal, das ist gar nicht lange her, haben wir in der Zeche Zollern II einen Mann getroffen, der kam auf uns zu und sagte: »Sie sind doch die Bechers – komisch, ich war mir sicher, einer von Ihnen wäre tot.« Da sagte Bernd wie aus der Pistole geschossen: »Nee, bestimmt nicht! Das wäre mir aufgefallen!«
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Empfinden Sie Ihr Werk als romantisch? Unsere Einstellung war romantisch, die Bilder sind es nicht. Wir haben ja versucht, dieses Gefühl wieder aus den Bildern rauszukriegen, das sollte keiner merken.
Anders gefragt: Sehen Sie in Ihren Bildern typische deutsche Wesenszüge? Überhaupt nicht.
Obwohl Sie beide den Krieg erlebt haben?
Das stimmt, wir sind beide vom Krieg sehr verrüttelt worden. Ich weiß noch, wie ich nach dem Krieg gedacht habe: Mein Gott, was haben meine Eltern für ein sentimentales Ideal von Landschaft, Schönheit, Musik. Ich fand deren Vorstellungen lächerlich, ja blödsinnig. Ich fand es auch komisch, nach 1945 wieder in die Schule zu gehen und im Handarbeitsunterricht Taschentücher zu umhäkeln. Das fand ich seltsam.
Also hat die Kriegserfahrung Ihr ästhetisches Verständnis schon geprägt?
Das ist ja was anderes, deswegen muss unsere Arbeit ja nicht typisch deutsch sein. Die Vorstellung vom bürgerlichen Leben war einfach dahin, ich habe das alles nicht mehr so ernst genommen. Dadurch war ich frei für eine unabhängige Betrachtungsweise.
Hat das Ihre Fotos so melancholisch gemacht?
Unsere Bilder und melancholisch? Tut mir leid, das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.
Aber die Fotos zeigen eine Welt, die es nicht mehr gibt, ein vergangenes Deutschland, das kann einen Betrachter doch traurig stimmen.
Ja ja, die alten Zeiten, die nie wiederkommen, ich weiß schon, was Sie meinen. Eine Dampflok ruft bei vielen Menschen ja auch melancholische Gefühle hervor. Man nennt das wohl Nostalgie. Kein schönes Wort, finde ich, aber manchmal passt es. Weil von diesen Anlagen nichts bleibt als die Erinnerung. Der Stahl wird verschrottet, das bringt Geld. Und obwohl die Schwerindustrie damals noch in vollem Gange war, konnte man den Wandel schon ahnen.
Ihr Werk zieht sich wie eine ruhige konsequente Linie durch die Zeitgeschichte. Ihre Bilder spiegeln keinerlei Aktualität wider, kein Kalter Krieg, keine 68er-Bewegung, keine Wiedervereinigung.
Das haben wir ganz bewusst so gemacht. Wir haben immer gesagt: Wir können nicht Stellung nehmen. Wir haben auch nie bei einem Streik Partei ergriffen. Man kann nicht etwas kritisieren, wenn man es gleichzeitig auch fotografisch konstatieren will. Wir waren nicht auf der Seite der Kapitalisten und nicht auf der Seite der Ausgebeuteten. Diese Vokabeln stimmen so doch nicht, es ist alles viel komplizierter.
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