»Klar waren wir Freaks«
Von Tobias Haberl und Dominik Wichmann (Interview)

Wie stand Ihr Mann zu dem Hype um die Becher-Schule?
Er hat sich darüber gewundert, aber ich glaube schon, dass er auch ein bisschen stolz war.
Auch Ihre eigenen Arbeiten wurden zu begehrten Sammlerobjekten, heute hängen sie in den wichtigsten Museen der Welt. Wie haben Sie reagiert, als Sie plötzlich gemerkt haben, dass Sie genau mit der Arbeit gefeiert werden, für die Sie sich so lange rechtfertigen mussten?
Wir haben weitergearbeitet. Bernd hat sich diesem Hype und den vielen Anfragen sogar richtig verweigert. Er hat immer gesagt: Nee, die kriegen nix! Wir sind doch kein Versandgeschäft. Ich musste ihn manchmal richtig daran erinnern, dass wir auch Geld verdienen und Miete zahlen müssen.
Klar war es am Schluss auch eine Genugtuung. Und die hat er auch ein bisschen genossen. Trotzdem ist er oft nicht mal zu unseren Eröffnungen gekommen. Zum Beispiel unsere Ausstellung im Centre Pompidou in Paris, die habe ich gehängt und dachte die ganze Zeit, zur Vernissage wird er schon vorbeischauen. Ist er aber nicht. Er hatte keine Lust.
Wen vermissen Sie mehr, den Lebensgefährten oder den Künstler Bernd Becher?
Da gibt es für mich keinen Unterschied, aber wenn ich mich entscheiden müsste, natürlich den Lebensgefährten. Für mich wäre es auch in Ordnung gewesen, etwas weniger zu arbeiten, das Archiv halbwegs in Ordnung zu bringen und noch ein bisschen Spaß zu haben, ein bisschen zu reisen. Aber ich glaube, er hätte das nicht akzeptiert, und jetzt ist es ohnehin zu spät, darüber nachzudenken.
Er wäre immer eher nach Nordengland gefahren als nach Kuba?
Ja, und es hätte ihm auch nicht gepasst, wenn ich es gemacht hätte. Er fand einfach, dass man da nichts zu suchen hat. Er hatte diese Neugierde nicht. Einmal riet mir der Arzt, ich solle wegen einer Bronchitis ein paar Tage nach Teneriffa fahren, wegen der gesunden Meeresluft, da hat er gesagt: Ach Hilla, was wollen wir denn auf Teneriffa? Da passen wir doch gar nicht hin.
Fotos: dpa, ap
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