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aus Heft 23/2008 Grüne Themen/Ökologie

Der Müllberg

Michael Kodas  (Fotos: AP, Reuters)

Schlägereien, Diebstahl, Prostitution: Am Fuße des Mount Everest geht es mittlerweile zu wie in einem Bahnhofsviertel. Tiefer kann der höchste Punkt der Welt kaum noch sinken.

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Als sich vor wenigen Wochen 19 chinesische und tibetische Bergsteiger aufmachten, um die Olympische Flamme zum Dach der Welt zu tragen, verhängte China eine Art Kriegsrecht: Der Mount Everest wurde für ausländische Bergsteiger und Touristen komplett gesperrt. Kein Alpinist und erst recht kein Tibet-Aktivist sollte die Zeremonie stören. Sogar Nepal beugte sich dem Wunsch des mächtigen Nachbarn und schirmte den höchsten Berg der Welt von seiner Seite aus ab. Soldaten bezogen im nepalesischen Basislager Stellung, ebenso im Lager 2 unterhalb des Khumbu-Eisbruchs. Ein Amerikaner wurde ins Tal geschickt, weil das Militär eine tibetische Fahne in seiner Ausrüstung entdeckt hatte. Einer anderen Expeditionsgruppe nahmen die Soldaten die Nahrungsmittel ab, um sie am weiteren Aufstieg zu hindern.

Die Empörung war groß unter den Bergsteigern, die sich über Monate und Jahre vorbereitet hatten, um in dieser Saison das Dach der Welt zu erobern – kein Wunder. Doch wer dieses Abenteuer schon hinter sich hat, sah die drakonischen Maßnahmen Chinas womöglich in einem anderen Licht: »Ich bin nicht gerade sehr zuversichtlich, was die Zukunft des Everest betrifft«, hatte Sir Edmund Hillary schon vor Jahren düster bemerkt, der 1953 mit seinem Sherpa Tenzing Norgay als erster Mensch der Welt auf dem höchsten Gipfel der Erde stand. »Im Basislager drängen sich tausend Menschen und 500 Zelte; es gibt allerorten Restaurants und Bars und andere Annehmlichkeiten, die den jungen Leuten von heute zusagen. Nur im Basislager zu hocken und ein Bier nach dem anderen zu kippen kann man meiner Ansicht nach nicht als Bergsteigen bezeichnen.«
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So sprudelte es aus Sir Hillary 2003 hervor, ausgerechnet auf einer Feier zu seinen Ehren, fünfzig Jahre nach der Erstbesteigung. Er schloss mit der wenig ritterlichen Bemerkung: »Am Mount Everest ist alles nur noch gequirlte Scheiße.«

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Diebe am Dach der Welt)
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