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aus Heft 25/2008 Wirtschaft/Finanzen 2 Kommentare

"Das hat inquisitorische Züge"

Seite 3

Von Heribert Prantl 




Vor dreißig Jahren hat kein Mensch auf die Manager geschaut.
Die Manager haben damals auch noch nicht die heutige Rolle gehabt. Die Finanzmärkte haben sich entwickelt, ein immer größerer Teil von Eigentümerrechten ist institutionalisiert. Gerade bei den börsennotierten Aktiengesellschaften beobachten wir eine Abhebung und Ablösung der Funktionseliten – diese bewegen sich in einem geschlossenen Kreislauf von Unternehmen zu Unternehmen.
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Und werden beobachtet wie Politiker…
Aber wir müssen behutsamer umgehen mit der Durchleuchtung von Persönlichkeiten: Der Nachfolger des Gouverneurs von New York hat vor Amtsantritt gewissermaßen all seine »Sünden« seit dem dritten Lebensjahr öffentlich beichten müssen, damit ihm später keine Vorhaltungen gemacht werden können. Das unterstellt, es gebe Menschen, die keine Fehler haben. Das hat inquisitorische Züge und ist vordemokratisch. So eine Entwicklung dürfen wir nicht wollen.

Politiker haben nicht wenig dazu beigetragen, dass auch in ihr Privatleben hineingeleuchtet wird – sie haben die Türen zu ihren Wohnungen aufgemacht, haben, zu Wahlkampfzwecken, menschelnde Geschichten über ihr Familienleben schreiben lassen. Das kam ihnen als Werbung gelegen. Wenn das Menschelnde dann bei späterer Gelegenheit nicht mehr passt, meldet sich Empörung über die Verletzung der Privatsphäre.
Ich habe früher auch nicht so genau darauf geachtet, ich habe auch Homestorys machen lassen. Das war nicht gut. Das kommt mir heute nicht mehr in die Tüte.

Weil neues Vertrauen nicht dadurch entsteht, dass Politiker sich so verhalten wie Leute des Showgeschäfts…
Wenn die Menschen zu kaum jemandem in Politik und Wirtschaft noch Vertrauen haben, suchen sie sich Ersatzfiguren. Unter den Sportlern und den Menschen im Showgeschäft sind wunderbare Leute, und wenn die People-Magazine darüber berichten, ist das deren Leben. Aber unser Leben als Politiker ist ein anderes. Vertrauen gewinnen wir nicht durch die Befriedigung der Neugier nach immer neuen Details aus der Privatsphäre. Vertrauen gewinnen wir durch ein hinreichendes Maß an Seriosität und mit der Solidität der politischen Institutionen.

Kommentare

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  • Solitaire 100 (1) Herr Schäuble sagte:" Ich sage zugleich auch: Wenn wir verlangen, dass das Führungspersonal von einer einzigartigen moralischen Qualität sein muss, dann haben wir ein falsches Menschenbild. Die Ersten, die gegebenenfalls dann an ihre Einzigartigkeit glauben könnten, sind übrigens die Betroffenen selbst." Ich bin schon der Meinung, dass das Führungspersonal eine überaus hohe moralische Integrität aufweisen muss, wenn auch dadurch keineswegs die Auffassung befördert werden darf, etwas Besonderes zu sein. Vor Jahren sprach man noch vom " Primus inter pares". Dies ist heute nicht mehr der Fall, obwohl Teamarbeit hoch im Kurs steht, ist dies noch nicht bei allen angekommen. Im Gegenteil: Unserem Führungspersonal wird an den Hochschulen un in diversen Seminaren regelrecht eingebläut, dass sie etwas besonderes seien. So hat sich eine weitere Parallel-Gesellschaft gebildet, was für unsere Demokratie höchst negativ ist.
    Auch wenn Schäuble die Meinung vertritt, dass die Juristen für personelle Aufstockung kämpfen müssen, macht er sich die Sache doch zu leicht, da dieser Komplex Ländersache ist.
  • Tappy (1) "Der berufliche und gesellschaftliche Absturz ist schon auch eine Sanktion."
    Nicht alles was negative Folge eines Verhaltens ist, ist auch Sanktion, Herr Schäuble. Manches ist einfach nur Konsequenz. Ich bin jetzt schon gespannt auf den nächsten gefassten Bankräuber, der sich auf Ihre Ansichten beruft und den Verlust der erbeuteten Million an die Polizei als hinreichende Sanktion darstellt, die doch bitte weitere strafrechtliche Konsequenzen nicht notwendig mache.