aus Heft 27/2008 Sport 1 Kommentar
»Man vergibt mir nicht«
Seite 5
Von Interview: Andreas Burkert und Thomas Kistner Foto: Stephanie Fuessenich, Urban Zintel
Anzeige
Der Sport hat solche Affären nie selbst aufgedeckt, die
Arbeit machen Polizei, Zoll oder Steuerfahndung. Wer also auf dem Niveau von Fuentes dopt, fliegt bei Kontrollen nicht auf?
Nein. Nicht in Peking und auch nicht bei der Tour? Nein, heute so wenig wie früher.
Freuen Sie sich trotzdem auf die Tour de France?
Ich werde die Tour zwar fürs ZDF als Doping-Experte begleiten, schaue privat aber kaum noch Radsport, denn ich denke schnell, gut, dieser oder jener müsste eigentlich neben mir auf der Couch sitzen.
Da wäre ein ziemliches Gedränge. Doktor Fuentes hat schließlich über 50 Radprofis versorgt.
Noch mehr. Das Ausmaß wurde mir erst klar, als ich im Mai 2006 mit der Planung für die Tour begann. Fuentes besaß damals schon das Programmheft der Tour, das offiziell erst sechs Wochen später erhältlich gewesen wäre. Vorn ist die Frankreichkarte mit den Etappen drin. Fuentes hat vor meinen Augen das Heft aufgeblättert. Du hast Frankreich und den Atlantik gar nicht mehr gesehen, weil überall Pfeile und Nummern waren: all die Orte, wo Doping für seine ganzen Kunden geplant war! Das war fünf Tage, bevor Fuentes gefasst wurde. Seither wundert mich nur, wie wenig am Ende bei der Affäre herauskam. Wo man doch heute weiß, dass ihn mehrere Athleten genau an dem Tag kontaktierten, an dem auch ich bei ihm war, im gleichen Hotel. Da frage ich mich: Warum stand nur mein Name in der Zeitung?
Das alte System hat gegen Sie eine Königsetappe gewonnen, denn die Kronzeugenregelung ist beschädigt. Würden Sie noch einmal aussagen?
Schwierig. Einerseits kann ich jetzt locker durch die Welt gehen und offen mit Ihnen reden. Auf der anderen Seite habe ich eine Strafe bekommen, die einfach von einem Jahr auf lebenslang verlängert wurde. Denn die Wagenburg hat sich wieder geschlossen. Dabei bräuchte es Leute, die frisches Blut reinbringen. Aber das darfst du ja im Radsport gar nicht mehr sagen.
HINTERGRUND:
Sein Leben
Jörg Jaksche, 31, zählte ein Jahrzehnt lang zu den weltbesten Radprofis. Sechs Mal startete er bei der Tour de France, 2004 gewann er Paris – Nizza. Im Juni 2007 gestand er angesichts erdrückender Beweise, dem Fuentes-Netzwerk angehört und bei seinen Teams systematisch gedopt zu haben. Er kooperierte mit der Justiz und gab sein Wissen preis – ein Novum. Jaksche trainiert weiterhin, im Herbst will er ein Fernstudium in Wirtschaftsrecht beginnen.
Der fuentes-Skandal
Der spanische Gynäkologe Eufemiano Fuentes war Teamarzt des Liberty-Rennstalls, als die Polizei im Mai 2006 bei einer Razzia gut 200 Blutbeutel, Dopingmittel sowie Listen mit Codenamen zahlreicher Radprofis fand. Einige waren so leicht zu enttarnen, dass sie noch vor der Tour de France suspendiert wurden, darunter die Favoriten Jan Ullrich und Ivan Basso. Nur die Italiener Basso und Michele Scarponi sowie Jörg Jaksche gestanden letztlich, Klienten von Fuentes gewesen zu sein. Jaksche stand unter »J.J.« in der Liste, gleich neben »A.C.« – dem mutmaßlichen Kürzel des Tour-Siegers von 2007, Alberto Contador. Letzterer streitet den Betrug ab, wie auch Ullrich, dem aber per DNA-Test einige Blutbeutel zugeordnet werden konnten. Dass Spaniens Justiz die Ermittlungen abrupt einstellte, liegt offenkundig daran, dass zu Fuentes’ Kunden auch namhafte Athleten aus Leichtathletik, Tennis und Fußball zählten.
Die Leuchte
Das Modul-Regal
Der Eimer
Der Stapelhocker
20 Jahre
Sagen Sie
Perfekter Plan
CUS




13 Uhr 09
Liebe Redaktion,
sehr schön, der Sebastian-Jaksche. Im "Stern" Nr. 7/1981 gibt es Hans Apel("ich glaub, ´mich tritt ein Pferd"),damals Verteidigungsminister. Das dürfte aber eine Fotomontage gewesen sein, während Jaksche echt leidet.
Wie wärs mal mit einer Galerie solcher Sebastian-Motive durch die Illustrierten-Geschichte?
fragt
Jürgen Leske
aus München