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aus Heft 27/2008 Außenpolitik 1 Kommentar

Miss Mut

Michelle Obama unterstützt ihren Mann Barack im Wahlkampf
mit aller Macht. Aber vielen Amerikanern ist sie irgendwie unheimlich. Das könnte den Kampf um die Präsidentschaft entscheiden.

Von Lars Jensen  Fotos: AP, AFP




Die Republikaner haben keine Ahnung, wie sie Barack Obama im November besiegen sollen, doch sie haben einen Traum: Der handelt davon, dass Michelle Obamas Unbeliebtheit bei den Wählern auf den Kandidaten abfärben könnte. In einer Umfrage des Rasmussen-Meinungsforschungsinstituts vom Juni gab knapp die Hälfte der Befragten an, Michelle Obama nicht zu mögen. Akribisch wühlen republikanische Helfer nun in ihrer Vergangenheit, um Beweise für Frau Obamas verdorbenen Charakter aufzutreiben.

Michelle sagt: »Ich bin dank meines Mannes zum ersten Mal stolz auf unser Land.« Kurz darauf laufen im Fernsehen Werbefilme, die sie als Vaterlandsverräterin denunzieren. Es taucht ein Film aus dem Jahr 2004 auf, in dem Michelle ihren Mann als »my baby’s daddy« bezeichnet. Anlass für Fox News, Barack Obama tagelang als »Baby Daddy« zu bezeichnen – eine rassistische Anspielung auf schwarze Männer, die keine Verantwortung für ihre Kinder übernehmen.
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An einem Vormittag im Mai läuft die Frau des Kandidaten mal wieder zu großer Form auf. Sie betritt einen Hörsaal der New York University und hält ihre eingeübte 45-Minuten-Ansprache, die sie in leicht geänderten Versionen oft dreimal täglich vorträgt. Wie immer beginnt sie mit ihrer Herkunft aus der schwarzen Arbeiterklasse: »Eigentlich sollte ich gar nicht hier sein.«

Ein paar Minuten später dreht sie auf: »Amerika geht geradezu hinterhältig mit seinen Bürgern um … es wird von der Angst regiert, die unser übelster Feind ist. Immer mehr Leute kämpfen ums nackte Überleben, und wenn sie mit nichts als diesem Kampf beschäftigt sind, beginnen sie, sich einsam zu fühlen …« Laura Bush oder Nancy Reagan hätten sich eher die Zunge abgeschnitten, als so über ihr Heimatland herzuziehen. Michelle Obama dagegen scheint es Spaß zu bereiten, wenn sie polarisiert.

Ihr rutscht in Reden manchmal ein Witz heraus, den sie hinterher bereut; sie kritisiert den »American way of life« – so klug, schonungslos und lebenserfahren, wie man es zuvor noch nie von einer angehenden First Lady gehört hatte.


(Lesen Sie auf der nächsten Seite: »Das Land ist offenbar reif für einen schwarzen Präsidenten. Aber ist es auch reif für eine schwarze First Lady?«

Kommentare

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  • Gerhard Rauh (2) Wir haben selbst Michelle auf einer Wahlveranstaltung erlebet und denken sie ist sehr erfrischend.
    Nachdem die Republikaner nach der desaströsen Politik von Bush 2 stark ins Hindertreffen gekommen sind ,werden sie natürlich alles suchen was Barack O Bama schaden kann.
    Nicht zu vergessen die " Dreckschleudern" aus den Kabelkanälen und andere "Kommentatoren".
    Vielleicht finden sogar die "Frommen" und solche die es werden wollen noch etwas.
    Mit Gottes Hilfe ist ja alles möglich.
    Ich meine Amerika braucht einfach eine neue Richtung.
    Das " Volk" wird zunehmend verdummt ( siehe Medien) oder für dumm verkauft( siehe Politik und Marketing) und ist scheinbar nur noch als Konsument oder "Stimmvieh" brauchbar.
    Mit John McCain ist eine Wende sicherlich nicht machbar.
    Eine " Erweckung" zum kritischen Denken wäre das was dieses Land braucht.
    Sicherlich nicht eine neue Schmutzkampagne ,wie die 5. Kolonne der Veteranen sie bei der letzten Wahl mit Kerry veranstaltet hat.
    Viel Amerikaner haben das einfach satt.