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aus Heft 28/2008 Das Prinzip Noch keine Kommentare

Fliegen

Im Flugzeug sind wir vom Aberglauben beherrscht – trotz aller Sicherheitsdemonstrationen und Handyverbote.

Von Tobias Kniebe  Foto: dpa




Man kann es bei der Ankunft am Urlaubsziel erleben, manchmal auch bei Städteflügen in der Ferienzeit: das kollektive Klatschen der Passagiere, die dem Piloten für eine sichere Landung danken wollen. Geschäftsreisende und Vielflieger lächeln über dieses Ritual, das außerhalb der Sommerreisezeit nur noch selten vorkommt.
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Es wirkt wie ein Aberglaube, der sich trotz aller Aufklärungsbemühungen im modernen Luftverkehr gehalten hat, wie das Aufflackern eines irrationalen Instinkts für überstandene Gefahr – in einer Umgebung, die wie wenig andere von Berechenbarkeit, Regelkonformität und mathematischer Logik geprägt scheint.

Denn auch die Klatschenden selbst haben es natürlich schon tausendmal gehört: wie umfassend die Sicherheitsvorkehrungen beim Fliegen sind, wie genau die Arbeit der Piloten kontrolliert wird, wie gering das statistische Risiko ist, tatsächlich Opfer eines Absturzes zu werden. Und doch: Das Bedürfnis, die gemeinsame Rückkehr zur Erde zu feiern, ist niemandem völlig fremd.

Die Tatsache, dass sich eine tonnenschwere Metallröhre in die Luft erhebt, nur weil ein starker Luftstrom ihre vergleichsweise winzigen Flügel in einem sorgsam berechneten Winkel umfließt, scheint jedes Mal wieder an ein Wunder zu grenzen. Diesen Gesetzen der Aerodynamik zu trauen, alle Kontrolle über das eigene Leben in die Hände eines Piloten zu legen und sich dabei in schwindelerregende Höhen zu begeben, widerspricht einem tief sitzenden Gefühl für das Machbare und Vernünftige der menschlichen Natur.

Es kann – siehe Ikarus – im Grunde nur böse enden. Wer das bezweifelt und verächtlich von den pauschalreisenden Landungsklatschern spricht, sich als Öfterflieger, Besserverdiener, Höhergebildeter überlegen fühlt, übersieht leicht, wie viel Aberglauben er selbst im Zusammenhang mit dem Fliegen akzeptiert.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Das Handy-Verbot dient eher der kollektiven Beruhigung, gemeinsam etwas für die Sicherheit zu tun)

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