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aus Heft 28/2008 Das Prinzip Noch keine Kommentare

Fliegen

Seite 2

Von Tobias Kniebe  Foto: dpa



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Da wäre zum Beispiel das Handyverbot im Flugzeug. Wohl wahr, manchmal vergessen wir das angeschaltete Mobilteil schlicht im Handgepäck, lassen es fröhlich weiterfunken und wundern uns hinterher, dass wir noch am Leben sind. Wer jedoch während des Flugs offensichtlich mit seinem Telefon hantiert, riskiert den Zorn, ja fast die körperliche Gewalt der Mitreisenden, die unmittelbar einen Absturz fürchten.

Wirklich entscheidend kann diese Bedrohung nicht sein – andernfalls müsste das Personal sämtliche Geräte vor dem Start einsammeln, versteckte Handys mit Messgeräten orten. Das Verbot dient eher der kollektiven Beruhigung, gemeinsam etwas für die Sicherheit zu tun – obwohl zum Beispiel das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt längst gemeldet hat, dass sich schädliche Einflüsse der Handys auf die Bordelektronik nicht schlüssig beweisen lassen. In naher Zukunft könnte das Verbot sogar ganz fallen – und würde sich damit selbst als Ritual des Aberglaubens entlarven.

Auch die Verbannung der Nagelscheren aus dem Handgepäck, der Zwang, Minifläschchen in durchsichtigen Plastikbeuteln zu transportieren, ist nichts anderes als ein irrationales Ritual des Fliegens, ein Beleg für die genormte Alarmbereitschaft der Sicherheitsbehörden gegen eine Bedrohung, gegen die vermutlich nur individuelle Wachsamkeit hilft.

In vielen anderen Bereichen würden wir Verordnungen, die so umfassend in unser Leben eingreifen, während ihre Wirkung so wenig belegbar bleibt, nie akzeptieren. Beim Fliegen aber ist es anders, da sind alle Vorschriften auch Beschwörungsformeln, die wir sklavisch befolgen. Und wir fühlen uns gut dabei – selbst wenn wir vor den Sicherheitsschleusen wieder augenrollend eine Trinkflasche entsorgen müssen.

Wer einen Flug antritt, akzeptiert auch, dass er keine Witze mehr über Bomben und Terroristen machen darf, ohne abgeführt und stundenlang verhört zu werden. Alle Ironie, alles selbstständige Urteilsvermögen geben wir freiwillig beim Check-in ab. Im Tausch erhoffen wir uns ein bisschen Voodoo-Glück: auch diesmal diesen Wahnsinn namens Fliegen, gegen alle unsere urmenschlichen Instinkte, wieder unbeschadet zu überstehen.

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