Axel Hacke | Heft 28/2008

Das Beste aus meinem Leben

Von Axel Hacke  Illustration: Dirk Schmidt



Es war Nacht, ich saß in der Küche, trank noch ein Bier – oh, wie oft habe ich das geschrieben!, oh wie gern schreibe ich das! Bedeutet es doch, dass ich in München bin und mit Bosch reden kann, meinem sehr alten Kühlschrank und Freund. Dass ich nicht in fremden Städten bin, fremde Menschen nach fremden Wegen fragend…

Ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, dass man – in welcher Stadt man sich auch nach dem Weg erkundigt – immer seltener Auskunft bekommt? Es spielt keine Rolle, ob die Stadt groß ist oder klein, ganz egal, die Leute haben keine Ahnung mehr von ihrer Umgebung.
Kürzlich in Kassel: Ich suchte die Bertha-von-Suttner-Straße, aber wen ich auch fragte: Kopfschütteln, Murmeln, Weitergehen. Da ich vor dem Bahnhof Wilhelmshöhe stand, hätte ich einen wartenden Taxifahrer fragen können, aber immer scheue ich davor zurück, wartende Taxifahrer nach dem Weg zu fragen – ich denke, es ist deren Beruf, alle Straßen der Stadt zu kennen, also käme ich mir vor, als versuchte ich, unentgeltlich eine Leistung zu erschleichen. Das ist mir peinlich.

Wobei man darauf hinweisen muss, dass, rein vom Gefühl her, bereits zehn bis zwanzig Prozent aller Taxifahrer die gesuchte Straße per Navigationssystem finden – auch hier wissen immer weniger Bescheid.

Noch mal nach Kassel: Ich fragte einen wartenden Busfahrer, wo die Bertha-von-Suttner-Straße sei. Er schüttelte den Kopf. »Wir haben ja nur unsere Linien«, sagte er. »Fragen Sie einen Taxifahrer!«
Das tat ich. Es stellte sich heraus, dass wir praktisch in der Bertha-von-Suttner-Straße standen.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: »Mit Salz kann man nicht reden. Es sagt auch nichts.«)

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