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Aber wieso bin ich es eigentlich, der sich exponieren muss? Sie sitzt womöglich seit einer Stunde hier mit ihrer Bekannten, einer guten Freundin womöglich; längst hätte die sich zu diesem Thema äußern können, warum tat sie es nicht? Freut sie sich am Makel ihrer Freundin, konkurrieren die beiden in äußerlichen Dingen?
Ich versuche, das Problem zu lösen, indem ich selbst in meinen Zähnen stochere, um sie zu einer Nachahmungshandlung zu bewegen. Vergeblich. Allenfalls betrachtet sie mich irritiert.
Was sagt man in so einer Situation? »Du hast da was Grünes, entschuldige!«? Ich komme ja auch gar nicht dazu, etwas zu sagen, sie selbst redet unablässig.
JETZT! Eine Gesprächspause. Ich muss reden! Da kommt L. vorbei, ein alter Bekannter, er setzt sich zu uns. Das Fenster der Gelegenheit, the window of opportunity – geschlossen. Wenn ich jetzt etwas sage, stelle ich sie vor L. bloß, der gerade zu uns gestoßen ist.
Ich sehe nur noch Grün, spreche mit einem großen Essensrest, der mich anlacht, anleuchtet, anspringt. Wir sitzen hier seit einer Dreiviertelstunde. L. ist wieder gegangen, aber jetzt ist es zu spät, das Thema anzusprechen. Sie wird sagen: Ist das da schon die ganze Zeit? Warum hast du nicht längst etwas gesagt?
Warum hast du mich vor L. mit einem riesigen Petersilienbrocken im Maul sitzen lassen? Ist L. aus Ekel vor mir schnell wieder gegangen? Du willst mein Freund sein – und entbehrst doch jeden Mutes, jeder Ehrlichkeit, jeder Spontaneität! Ich bin von Selbstzweifeln zerfressen. Was bin ich für eine feige, unfreie, zur Kommunikation unfähige Person! Warum hat mich das Leben so werden lassen?!
Seit einer Weile sitze ich schweigend am Tisch. Ich versuche, mich so zu verhalten, dass M. wenig lacht, damit ich den Petersilienstrauß, der aus ihrer Zahnlücke ragt, nicht sehen muss.
Irgendwann nachher wird sie vor einem Spiegel stehen und ihre Zähne sehen. Sie wird erkennen, wie furchtbar sie die ganze Zeit aussah.
Sie wird sagen: Nichts hat er zu mir gesagt, er hat sich geweidet an meiner Lächerlichkeit, an meiner Hässlichkeit, so ist er also in Wahrheit, ein Sadist, ein Menschenhasser, oh, ich verachte ihn. Wir verabschieden uns. »Auf bald!«, ruft sie mit grüner Stimme. Sie weiß noch nicht, was ich weiß: Eine Freundschaft ist zu Ende gegangen, etwas Schönes ist zerbrochen, ich war dem Leben nicht gewachsen.
Ein Sommerabend, wie gesagt, hat begonnen. Ich gehe nach Hause. Man sollte sich ins Bett legen.
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