Das Prinzip | Heft 30/2008

Pendler

Von Tobias Kniebe  (Foto: dpa)



Der Wille zur beruflichen Mobilität paart sich hier mit dem Unwillen, die Lebensumstände zu wechseln, hohe Flexibilität trifft auf zähe Beharrungskräfte, das Ergebnis ist ein unmöglicher Spagat, der den Superpendler langsam zerreißt – und mit ihm die Städte, die dem Verkehrsinfarkt täglich näher rücken.

Mehr als die Hälfte der Bundesbürger leben noch in ihrem Geburtsort oder in einer Nachbargemeinde, hat eine aktuelle Umfrage herausgefunden, die Hälfte davon wiederum sogar noch im eigenen Elternhaus. Genau diese Mentalität ist es, die im Superpendler auf den modernen Arbeitsmarkt trifft. Die Kosten für die Umwelt, für die Landschaft, für das Klima sind nur leider enorm.
Natürlich kann man niemanden dafür verantwortlich machen, wo er Arbeit findet; und wie jemand wohnen möchte, geht die Allgemeinheit ebenfalls nichts an. Wer täglich Stunden im Auto verbringen will, um beides zu vereinbaren, macht eine legitime private Rechnung auf. Fatal ist nur, dass der Staat immer wieder willkürlich und absurd in diese Rechnung eingreift.

Jahrzehntelang hat er jene Eigenheime im Speckgürtel der Großstädte gefördert, wo die Superpendler jetzt wohnen und nicht mehr wegwollen; und mit der Pendlerpauschale sorgt er aktuell dafür, dass die weiten Wege zum Arbeitsplatz erstattet werden, die kurzen aber nicht. Das ist natürlich Quatsch. Es darf gar nichts mehr erstattet werden.

Nur dann wird wieder jene Balance zwischen Mobilität und Tradition hergestellt, die unsere Kulturlandschaft schon immer geprägt hat, und in dem Maße, wie die Energiekosten ins Unbezahlbare steigen, werden Arbeiten und Wohnen auch wieder näher zusammenrücken.

Umweltfreundliche und sogar attraktive Lebensformen könnten dabei entstehen, die es früher schon einmal gab und die es bald wieder geben könnte: Siedlungen, die von bestimmten Firmen und Berufen geprägt sind, und Stadtviertel, die wieder eine handwerkliche, kreative und kulturelle Identität bekommen.

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