aus Heft 30/2008 Schule Noch keine Kommentare
Das Ende des Schreckens
Kein Schüler hat mehr Angst vor einem Verweis. Denn heute geben Eltern ihren Kindern recht, nicht mehr den Lehrern. Sollte der Verweis deshalb bald selbst von der Schule fliegen?
Von Roland Bäurle
Max Schmidt, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes, bekam mit elf Jahren seinen ersten Verweis. Wegen Schwätzens im Unterricht. Am Abend zitierten ihn seine Eltern ins Wohnzimmer und führten mit ihm ein »Erziehungsgespräch«.
Anzeige
Damals, in den Sechzigerjahren, galt der Verweis noch etwas, es setzte Ohrfeigen oder es gab Hausarrest und niemals kamen Eltern auf die Idee zu fragen, ob der Verweis denn berechtigt sei. Der Lehrer hatte immer recht – und die Eltern auch.
Gut 40 Jahre später bringt der Zehntklässler Simon Ruane ein Buch mit in die Schule: Onanieren für Profis. Der Lehrer gibt Simon einen Verweis. Wegen kindischen Verhaltens. Simon macht sich darüber lustig bei seinen Mitschülern, seinen Eltern, auch bei den Lehrern. Alle lachen. Nicht über Simon, sondern über den altmodischen Lehrer.
Dass der Verweis »krank« ist, behaupten Schüler schon lang. Aber bald ist er tot. So tot wie Bismarck, aus dessen Zeit er stammt. Ausgestorben auch Begründungen wie »Insubordination gegenüber dem Pedell«, so hieß es in dem ältesten erhaltenen Verweis aus dem Jahr 1890 des Gymnasiums Ingolstadt; auf Deutsch: Schüler war frech zum Hausmeister.
(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Heute geben Eltern ihren Kindern recht, nicht mehr den Lehrern.)
Die Leuchte
Das Modul-Regal
Der Eimer
Der Stapelhocker
20 Jahre
Sagen Sie
Perfekter Plan
CUS




Kommentare