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aus Heft 31/2008 Kinder 3 Kommentare

Mädchen sind willkommen (Jungs nicht)

Seite 5

Von Karin Prummer und Dominik Stawski (Text und Fotos) 




Beate glaubt, dass es angeboren ist. Die Nachbarn haben ihr vorgeworfen, sie habe etwas gegen Männer und würde ihren Sohn deswegen zur Frau erziehen. Die wenigen Experten, die sich in Deutschland damit auskennen, sind sich nicht einig. Transsexualität könnte angeboren sein oder anerzogen, wahrscheinlich ist es eine Kombination aus beidem.
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Dass Nina so jung ist, macht alles noch komplizierter: Vor der Pubertät kann ein Kind noch gar nicht wissen, ob es mit seinem Geschlecht zurechtkommt, sagen die einen. Da kann sich bei Nina noch viel ändern. Nein, sagen die anderen, zu denen Meyenburg gehört: »Nina weiß, was sie ist. Sie leidet unter ihrem Körper.«

Nur widerwillig akzeptiert Ninas Vater die Diagnose; er kämpfe mit sich, sagt Beate, »er liebt ja seine Kinder«. Vor Kurzem hat er Nina sogar einen Bikini gekauft – sie wird das nie vergessen. Es geht bergauf. Die Kopfschmerzen und die Aggressionen kommen seltener. Die miesen Noten aus dem letzten Schuljahr werden langsam besser.

An die Tür des Spielzimmers haben Nina und ihre Schwester Lisa eine Warnung geklebt: »Mädchen sind willkommen. Jungs nicht.« Die beiden kichern. »Sie ist viel glücklicher«, sagt die Mutter, Nina darf mit den Mädchen in die Sportstunde. Beate will jetzt alles richtig machen, zu ihrer Tochter stehen.

Nina würde am liebsten so tun, als hätte es David nie gegeben. Aber zweimal im Monat muss sie über ihn sprechen. Mit den Psychologen, die sie behandeln und weitere Gutachten erstellen. Wenn sie Meyenburgs Diagnose bestätigen, kann Beate vor Gericht die offizielle Vornamensänderung beantragen. Damit auch im Kinderausweis »Nina« steht.

In ein oder zwei Jahren könnte sie anfangen, Hormone zu nehmen, sogenannte Blocker, die ihre Pubertät aufhalten. Sie wäre dann eines der jüngsten Kinder, das in Deutschland damit behandelt wird. Denn Transsexualität in diesem Alter wird erst seit wenigen Jahren erforscht; Kinderpsychiater Meyenburg hat in den vergangenen 20 Jahren vielleicht 100 Fälle bei Kindern und Jugendlichen untersucht, davon 30 im vergangenen Jahr.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Viele junge Transsexuelle versuchen sich in der Pubertät umzubringen.)

Kommentare

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Kommentar:

  • Andrea Tonnier (0) Liebe Nina,
    ich wünsche Dir auf Deinem Weg alles Gute und viel Kraft. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Mensch so leben sollte, wie er es für richtig erachtet. Das größte Ziel des Menschen ist doch nur glücklich zu sein und dafür hat jeder seinen individuellen Weg, egal wie dieser aussieht. Deiner ist nicht der leichteste, aber am Ende wirst Du hoffentlich glücklich und zufrieden!
    Das wünsche ich Dir von Herzen!
    Alles Gute, Andrea
  • Sabrina Kühni (1) Liebe Nina, ich bin selbst Transsexuel aber schon ein bisschen älter (47) und wohne in der Schweiz. Ich kann sehr gut nachfühlen, was in Dir vorgeht und weiss auch sehr genau, mit welchen Problemen Du zu kämpfen hast. Wenn ich Dir irgendwie helfen kann, würde mich das sehr freuen. Verlange von der Redaktion meine Mail-Adresse und melde Dich. Ansonsten wünsche ich Dir alles Gute und ganz viel Kraft auf Deinem Weg. Viel Glück Sabrina
  • Ingo Fechtel (1) Sehr mutig. Sowohl diesen Bericht zu schreiben, aber noch viel mehr was Nina da macht. Und wie die Mutter sie unterstuetzt, auch wenn das am Anfang ein bissl holperig ist... vielleicht zieht ja auch der Vater mit. "Frueher hat man sowas nicht gemacht"... gottseidank ist nicht mehr frueher.
    Carry on, Nina. Viel Glueck auf Deinem Weg!!