Sie haben Ihren Adblocker auf unserer Seite aktiviert. Bitte deaktivieren Sie diesen für SZ.de! mehr zum Thema

bedeckt München 19°
Anzeige
Anzeige

aus Heft 31/2008 Das Prinzip

Freiluftkino

Andreas Bernard 

Unter freiem Himmel verschwindet alles, was das Vergnügen am Kino ausmacht. Trotzdem ist es beliebt.

Anzeige
Die Nutzung des städtischen Raums wird im Sommer von der Sehnsucht nach einer Verwischung der Grenzen dominiert. Im Zentrum werden Sandstrände aufgeschüttet und Beach-Bars errichtet; Parks oder große Plätze verwandeln sich in Kinos. Der Unterschied von Stadt und Küste, von Drinnen und Draußen soll eliminiert werden.

Freiluftkinos möchten ein sommerliches Gemeinschaftserlebnis stiften. Ein Besuch dort soll sich zum gewöhnlichen Kinoabend so verhalten wie ein Konzert in der Halle zum Open Air. Die Menschen kommen mit Picknickkörben in den Park, breiten ihre Decken und Schlafsäcke aus, und jeder hofft darauf, dass sich in der Menge ein Hauch von Festivalatmosphäre einstellen könnte.
Anzeige
Doch tilgt dieses Spektakel nicht genau jenes Körpergefühl, welches das Vergnügen am Kinobesuch erst ausmacht? In der Dunkelheit des Saals, mit den ersten Werbespots und Filmvorschauen, stellt sich im Zuschauer eine angenehme Trägheit ein, eine Schwere des eigenen Körpers, die ihn von den Menschen um sich herum abgrenzt.

Das Kino, im Gegensatz zum Rock- oder Popkonzert, reizt gerade nicht zur Verschmelzung mit den anderen, sondern stärkt das Aufgehobensein in sich selbst. Nicht umsonst sind die Plätze in den Kinosälen (bis auf die kuriose Erfindung der »Pärchensitze«) so klar voneinander abgesetzt, durch auffällig breite, nicht hochklappbare Lehnen zwischen den Stühlen.

Es gibt einen kleinen Text von Roland Barthes, Beim Verlassen des Kinos, der von nichts anderem handelt als von diesem Körpergefühl, dem »kinematografischen Kokon«, der sich um jeden Besucher spinnt. Barthes beschreibt das leicht benommene Heraustreten auf die Straße nach der Vorführung, das fast wie das Erwachen aus einer Hypnose sei.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Vermutlich geht es den Freiluftkinos aber ohnehin weniger um den Film.)

Seite 1 2
  • Das Prinzip

    Frühlingsgefühle

    Wir freuen uns über den Frühling - dabei sind die viel zitierten Frühlingsgefühle Ausdruck einer uralten Menschheitsangst.

    Tobias Kniebe
  • Anzeige
    Das Prinzip

    Dirndl

    Das Dirndl macht dürre Frauen fülliger und dicke schlanker. Und fast nur darum geht es heutzutage.

    Andreas Bernard
  • Das Prinzip

    Händewaschen

    Manche Ärzte sagen, die Schweinegrippe lasse sich tatsächlich mit wenigen Handgriffen besiegen.

    Tobias Kniebe