aus Heft 31/2008 Gesellschaft/Leben Noch keine Kommentare
Auf Schatzsuche
Als unser Autor seinen Ehering am Strand verlor, fragte er sich zum ersten Mal: Woher kommt eigentlich das Gold, das wir am Finger tragen? Er fand lauter erschreckende Antworten.
Von Detlef Esslinger
Endlich hatten wir mal ein Hotel erwischt, in dem die Gäste tatsächlich einen sympathischen Eindruck machten; so wie sonst immer nur die im Katalog. Es war warm an diesem Tag am türkischen Strand, also machte ich sogar beim Beachvolleyball mit. Ich stand vorne rechts am Netz, pritschte den Ball und spürte noch, wie sich der Ring an der Fingerkuppe stieß. »Hört mal kurz auf«, rief ich, »mein Ehering ist weg.«
Ich war seit sieben Wochen verheiratet. Die anderen kamen und strichen mit den Fingern über den Sand. Dann nahmen wir das Sandspielzeug der Kinder, um zu graben. Sie fragten: »Hast du den verloren oder versteckt?« Der Gärtner kam mit seinem Rechen und zog seine Bahnen im Sand. Er wechselte auf die andere Seite des Felds. Vielleicht war der Ring ja übers Netz geflogen. Nach drei Stunden zog ein Gewitter auf. Wir beschlossen, am nächsten Morgen weiterzumachen.
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Um acht Uhr legte der Wirt ein Hasengitter quer über zwei Strandliegen und schaufelte den Sand drauf. Um neun Uhr löste ich den Wirt ab. Michael, Großküchenberater aus München, wuchtete Schaufel um Schaufel auf das Hasengitter. Susanne, Architektin aus Gauting, zog Quadrate in den Sand. Auf einem Blatt Papier legte sie eine Skizze von diesen Planquadraten an, trug uns auf, eins nach dem anderen abzutragen, und schraffierte die Quadrate auf der Skizze, wenn wir mit dem Feld durch waren.
Am Abend rechnete sie aus, wir hatten zwanzig Tonnen Sand bewegt. Eine Frau stellte einen ihrer Ringe zur Verfügung, damit wir Falllinien simulieren konnten. Ich grub weitere sechs Tonnen um. Vergeblich. »Das Gold wollte in die Erde zurück«, sagte die Wirtin. Na toll. Am nächsten Tag flogen wir heim.
Wobei dieser Gedanke gar nicht so abwegig war, zumindest nicht aus Sicht einer Einheimischen. Wem ist überhaupt klar, wie viel Natur zerstört werden muss, nur damit ein Paar zu seinen Ringen kommt, in diesem Fall jeder zehn Gramm schwer und zu 58,5 Prozent aus Gold bestehend?
(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Goldklumpen und Nuggets gibt es praktisch nirgendwo mehr auf der Welt.)
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