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aus Heft 12/2007 Außenpolitik Noch keine Kommentare

Good morning, Iraq (Teil 1)

Seite 4

Von Dietmar Herz 




Weihnachtsfeier in Saddams Palast
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Die Weihnachtsfeiertage verbringe ich im CPIC. Die meiste Zeit bin ich allein, ich erlebe den seltsamsten Heiligen Abend meines Lebens. Der frühe Morgen ist wie jeder Tag im Combined Press and Information Center: Mannschaftsduschraum; irakische Arbeiter, die in den Unterkünften aufräumen; dünner Kaffee. Dann beginnt das Warten. Ich lese und vervollständige meine Aufzeichnungen. Den ganzen Tag gehen Soldaten aus und ein. Alle Büros sind weihnachtlich geschmückt.

Überall werden Weihnachtslieder gespielt. Immer wieder: I’ll Be Home For Christmas. Eine ungewollte und offensichtlich unerkannte Ironie. Geschrieben 1943, interpretiert von Bing Crosby, wurde das Lied in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs zum Hit. Das GI-Magazin Yank schrieb damals, Crosby habe mehr für die Aufrechterhaltung der Moral getan als sonst jemand in dieser Zeit. Heute ist das Lied ein Anachronismus, eine Erinnerung an den »Good War« (Studs Terkel). Ein Offizier bietet mir an, abends zur Weihnachtsfeier in die Botschaft mitzukommen. Danach könnte es einen Flug nach Tikrit geben.

In einer der Eingangshallen der Botschaft sind Tische aufgebaut. Es werden Feigen gereicht, Gebäck, Kaffee und alkoholfreie Getränke, eine Band spielt Weihnachtslieder. Eine freundliche Atmosphäre; die Soldaten – meist Unteroffiziere und Offiziere – wirken entspannt. Wir müssen früh gehen. In der Landezone warte ich auf meinen Flug. Es sind einige Soldaten im überhitzten Warteraum. Auf einem großen Fernsehgerät wird Terminator gezeigt. Schon wegen der Lautstärke ist es unmöglich, sich dem Film zu entziehen.

Gegen 0.45 Uhr erfahre ich, dass es in dieser Nacht keinen Flug mehr nach Camp Speicher bei Tikrit geben wird. Aus Sicherheitsgründen sind alle weiteren Flüge ab-gesagt. Drei Stunden habe ich vergeblich in der Landezone gewartet. Ein Sergeant fährt mich schließlich in meine bisherige Unterkunft im CPIC zurück. Im Büro des Presseoffiziers ist noch Licht. Ich klopfe und frage nach den Chancen, morgen weiterzukommen. Er zuckt mit den Achseln.

Der Erste Weihnachtsfeiertag ist in den USA das eigentliche Weihnachtsfest. Ich bin zum weihnachtlichen Festessen am Mittag in der Botschaft eingeladen. Der ehemalige Stadtpalast Saddams ist ein riesiges Gebäude – stilistisch angesiedelt zwischen pseudoorientalischer Pracht und stalinistischem Zuckerbäckerstil. Umgeben von hohen Mauern aus Betonplatten. Mein Presseausweis wird von peruanischen Sicherheitsleuten kontrolliert, meine beiden Mobiltelefone muss ich abgeben. Mit einem »Feliz Navidad« werde ich freundlich auf das Gelände gelassen. Die Kantine, in der das Essen stattfinden soll (Palace Dining Facility genannt), ist ein großes, provisorisch auf dem Palastgelände errichtetes Barackengebäude. 2500 der Botschaft zugeteilte Soldaten und Zivilpersonal essen hier dreimal täglich.

Die Mission des Mister Lee

Vor dem Eingang steht ein freundlicher Mann. Ein Afroamerikaner, nach amerikanischem Stil weihnachtlich gekleidet: rotes Samtsakko, Weste und Fliege. Mr. Lee stammt aus Virginia, war lange in der Armee und dort als Unteroffizier meist mit Fragen der Verpflegung beschäftigt. Jetzt, 54 Jahre alt, ist er – seit einigen Jahren pensioniert – im Auftrag einer großen Firma für den Catering-Service in den amerikanischen Einrichtungen der Internationalen Zone verantwortlich. Er betont, welcher Segen es für ihn sei, im Irak für die Truppen arbeiten zu dürfen. Ihre gute Ernährung sicherzustellen sei seine Berufung, für deren Erfüllung er Gott dankbar sei. Dies hört sich im amerikanischen Englisch weit weniger pathetisch an als in der deutschen Wiedergabe.

Durch einen kleinen Vorraum mit Waschbecken kommt man in den Speisesaal der Kantine. Entlang der Hälfte des rechteckigen Raumes sind auf beiden Seiten Buffets aufgebaut. Eine Vielzahl von Gerichten: Hummer und Krabben, Steaks, Braten, Salate. Am Eingang ist wie in einem Möbelkaufhaus eine Art Wohnzimmer eingerichtet: offener Kamin, Ledersessel, Couchgarnitur, Teppiche. Ein großer, funkelnder Weihnachtsbaum, unter dem Geschenke liegen, einige unverpackt – mittendrin das Modell eines Kampfpanzers. Ich hole mir ein großes Steak, Brot und ein alkoholfreies Bier. In allen US-Stützpunkten im Bereich des Central Command herrscht strenges Alkoholverbot. Wieder spielt eine kleine Band Weihnachtslieder.

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