Bedenkt man, wie komplett bedeutungslos gerade diese letzte Berufsgruppe für das aktuelle Stadium seiner Karriere ist, nimmt sie als Feindbild in Gottschalks Welt einen bemerkenswerten Platz ein. Nur so erklärt sich auch seine Reaktion auf Reich-Ranicki – eine Art schwanzwedelnder Wunsch, auch von dieser vermeintlichen Autorität noch ein Fleißbildchen für guten Willen zu ergattern. Noch vom letzten bürgerlichen Geschmackswächter anerkannt zu werden, drunter ist Glück für Gottschalk nicht zu haben – und damit trifft er wohl eine tiefe öffentliche Sehnsucht nach nationaler Kumpanei vor dem Bildschirm.
Sein Gegenmodell Harald Schmidt hat sich von solchen Sehnsüchten erfolgreich frei gemacht. Er ist jetzt so weit, die Wahrheit – sprich seine grundlegende Verachtung für das Publikum – zu akzeptieren. Seither fehlt ihm aber auch jeder Antrieb, noch weiter Fernsehen zu machen – außer einem gewissen schwäbischen Geist, der an den paar Millionen, die für ihn noch auf Straße liegen, nicht vorbeigehen kann.
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Nein, ein lebensfähiges Modell für das Älterwerden von deutschen Fernsehlegenden scheint noch nicht gefunden zu sein, und für Gottschalk könnte dieser Prozess, wenn die Locken endgültig zu dünn werden und die »schrillen« Klamotten um seine Glieder schlackern, noch hart werden. Als geradezu mythisches Vorbild sei deshalb hier noch einmal der unsterbliche Amerikaner Johnny Carson hervorgehoben, der nach seiner letzten Sendung mit 67 Jahren in den Sonnenuntergang von Malibu Beach verschwand – und von einer Öffentlichkeit, die es zuerst überhaupt nicht fassen konnte, tatsächlich nie mehr gesehen wurde.
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CUS



12 Uhr 33
13 Uhr 52
Sehr sehr guter Kommentar!! Nur weil Geissen, Beckmann, Jauch & CO unerträgliche Weichspüler und Fahnen im Wind sind und Gottschalk in der Tat in einer anderen Liga spielt heißt das noch lange nicht, dass der Einäugige unfehlbar ist. Im Gegenteil: Jede Zeile dieses Kommentars ist ein Genuß und zeugt von journalistischem Feingespür. Vielen Dank!
PS: Die Kommentare 1+2 (Herr Schächter - sind Sie es??) bestätigen ja nur mein Bild von Gottschalk und seinem treu ergebenen Publikum.
So sieht übrigens nachhaltige Medienkritik aus:
http://de.youtube.com/watch?v=sa0rpCgVLs...
10 Uhr 18
08 Uhr 32
Und weil ich gerade dabei bin, wieso glauben viele Menschen zu wissen, ab wann jemand zu alt ist eine Unterhaltungssendung zu moderieren? Das ist mir schon bei Heidenreich merkwürdig aufgestoßen. Sie hat Gottschalk als müden alten Mann bezeichnet. Ob die Frau keinen Spiegel hat? Sie ist 7 Jahre älter (und nebenbei gesagt, in meinen Augen wesentlich weniger attraktiv) und nimmt sich so etwas heraus.
Ich kann dem ZDF nur zu seiner Entscheidung Frau Heidenreich aus ihrer Pflicht fürs ZDF zu arbeiten beglückwünschen. Muss sicher eine große Zumutung gewesen sein, für einen so niveaulosen Sender arbeiten zu müssen. Und dann noch das viele Geld, was einem dafür bezahlt wurde. Nein, das war wirklich eine Zumutung. :-)
Aber ich verstehe natürlich das "Prinzip" hinter diesem Beitrag. Nachdem Gottschalk in den letzten Tagen so sehr über den grünen Klee gelobt wurde, muss jetzt mal wieder jemand dafür sorgen, dass es ihm dabei nicht zu gut geht. Der Anreiz zum Lesen ist somit wieder gegeben. Mit einem konstruktiven Beitrag hat das aber nichts zu tun. Für solches Gewäsch sollte sich die Süddeutsche eigentlich zu schade sein.