
Es war auch der Beginn seines Abstiegs. In diesen so erfolgreichen Jahren verlor sich Huber zwischen Reisbach, München und Berlin, zwischen Schaltkonferenzen der Unionsspitze und rastlosen Reisen durchs Land. »Never let us rest« – Huber war überall und nirgendwo. Schon damals beschlich ihn das Gefühl, dass Politik auch eine Droge ist. Er konnte nicht genug kriegen von der Anerkennung, die ihm entgegenschlug, wenn er in seiner Heimat Niederbayern auftrat. Je weiter weg von München, desto tiefer wurden die Verbeugungen der CSU-Funktionäre vor dem Herrn Staatsminister. »Der Aktionismus ist eine große Gefahr«, sagt er heute. »Es gibt einem das oberflächliche Gefühl, dass man was bewegt. Ich war dem über lange Zeit heillos verfallen.«
Als Huber 2005 das bayerische Wirtschaftsministerium übernahm und damit endlich aus dem Schatten Stoibers treten wollte, stieß er erstmals an seine Grenzen: Der ewige Diener tat sich mit dem Herrschen sichtlich schwer. Sosehr er sich bemühte, als Wirtschaftsminister war Huber nur noch mittelmäßig – und damit weit entfernt von seinen rigorosen Ansprüchen an sich selbst, die sich seit der Schulzeit nicht mehr geändert hatten. Seine ganze Hilflosigkeit demonstrierte Huber, als die Handy-Sparte von BenQ-Siemens im Oktober 2006 vor der Pleite stand: Der Minister hielt sein eigenes Mobiltelefon in die Kamera und bat die Nation um einen Solidaritätskauf.
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Sein Jahr als CSU-Vorsitzender war nur das Ende eines Irrwegs. Als Huber ganz oben angekommen war, als plötzlich keiner mehr über ihm stand, da musste er fast zwangsläufig scheitern. »Dir fehlt das Machtgen«, beschieden ihm Parteifreunde. Er habe Politik aus Idealismus betrieben, aber nicht aus dem Wunsch nach Macht heraus, rechtfertigt sich Huber. »In meiner Lebensbilanz sind schon ein paar Leuchttürme drin. Ich habe was aus meinen Gaben gemacht.« Aber seine beste Rede hielt er ausgerechnet auf dem CSU-Sonderparteitag, auf dem er sein Amt als Parteichef an Horst Seehofer abgab: »Mut zur eigenen Entscheidung darf nicht überschnappen in Übermut, und schon gar nicht in Hochmut«, sagte er darin über sich. So hat am Schluss der Diener Erwin Huber doch noch seine Größe gezeigt – indem er seine Fehler und sein Scheitern eingestand.
Und was jetzt? Das fragt er sich auch. Der eigentliche Schmerz, das fürchtet er, der werde vielleicht erst noch kommen. Ihm bleiben noch fünf Jahre als Landtagsabgeordneter und Sprecher des Wirtschaftsausschusses, einer von zwölf Ausschüssen des Bayerischen Landtags. Das ist ziemlich wenig für einen Mann, der es gewohnt ist, Entscheidungen im Minutentakt zu treffen und dauernd im Mittelpunkt zu stehen. Aber es sei doch besser, als in ein Loch zu fallen, sagt er. Deshalb werde er sich nun wieder um seinen Stimmkreis Dingolfing kümmern. Die Karriere des treuen Dieners Erwin Huber endet, wo sie vor dreißig Jahren angefangen hat.
EIN LEBEN FÜR DIE PARTEI
Am 26.7.1946 wird Erwin Huber in Niederbayern geboren. Er studiert Volkswirtschaft in München und zieht 1978 in den Landtag ein.
1988 wird er Generalsekretär der CSU. Von 1994 bis 2005 leitet er mit dreijähriger Unterbrechung die Staatskanzlei. 2005 übernimmt er das Amt des Wirtschaftsministers, 2007 wechselt er ins Finanzministerium.
Zur gleichen Zeit beerbt er Edmund Stoiber als Parteivorsitzenden der CSU. Von beiden Ämtern tritt Huber im Oktober 2008 zurück.
Foto: ddp, dpa
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09 Uhr 00
Zudem sind Politiker auf Zeit gewählt und müßten das auch bei durchschnittlicher Intelligenz im Laufe der Jahre kapiert haben. Ich vermag da keine besondere Tragik zu erkennen.