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aus Heft 48/2008 Essen & Trinken Noch keine Kommentare

Es wird Zeit aufzuwachen

Seite 4

Von Lars Reichardt 



Selbst der scheinbar unumstößliche Glaube, dass Müsli und andere Getreideprodukte besonders gesund seien, muss in Teilen revidiert werden: Zwar begann die moderne Frühstücksforschung mit den sogenannten Zerealien und der Studienflut der dahinterstehenden Lebensmittelkonzerne. Doch die meisten angebotenen Produkte enthalten zu viel Zucker oder Schokolade – und damit zu viele Kalorien. Auch auf Müsli mit Apfel soll man neuerdings lieber verzichten, das sei in Mengen am Morgen genauso schädlich wie Weißbrot oder Salami und mache schlapp. Aber eine neuere Studie behauptet: Müsli mit Banane gibt Kraft und ist völlig okay – da soll sich noch einer auskennen.

Die Ratschläge der Frühstückswissenschaftler werden immer spezifischer – und teilweise auch widersprüchlicher. Wer etwa die Lernfähigkeit und Aufmerksamkeit von Kindern steigern möchte, sollte ihnen laut einer Studie Schinken- oder Käsevollkornbrote zum Frühstück vorsetzen; Vollkornbrot versorgt uns mit reichlich Vitamin B, Paprika obendrauf sorgt für Vitamin C, was Glückshormone freisetzen soll. Wer Herzkrankheiten vorbeugen will, sollte Vollkorn-Zerealien essen (eine Schüssel am Morgen senkt das Risiko laut Statistik um 28 Prozent). Aber dann gibt es wiederum Studien, die besagen, ein gesundes Frühstück könne man nicht zusammenstellen, ohne den individuellen Glukosetypus zu kennen. Andere Ernährungswissenschaftler sind sogar ausgesprochene Gegner der ganzen ultragesunden Frühstückskultur. Volker Schusdziarra aus München sagt, wir wüssten im Grunde noch so wenig, was ein gesundes Frühstück sei, dass wir einfach essen sollten, was uns schmeckt. »Hauptsache, man vermeidet Übergewicht.«
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Dass Frühstücken grundsätzlich klug macht, darin sind sich die Frühstückswissenschaftler schon eher einig. Insgesamt 47 Langzeit-Untersuchungen an Schülern in Europa und den USA zeigten in letzter Zeit: Schüler, die frühstücken, erzielen bessere Noten und werden seltener psychosozial auffällig. Frühstücken soll demnach auch unser Aggressionspotenzial senken.

Wie sieht das gesunde Frühstück also aus? Nach heutigem Stand der Wissenschaft (was also nur heißen kann: aller Wahrscheinlichkeit nach) folgendermaßen: Eine ausgewogene Ernährung beinhaltet Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß mit genügend Mineralstoffen und Vitaminen. Aber wer die morgens nicht zu sich nimmt, kann das auch problemlos mittags oder am Abend nachholen. Süße Hörnchen, Nutella-Semmeln oder gezuckerte Zerealien wollen die meisten Ernährungswissenschaftler lieber vom Frühstückstisch verbannen, zumindest für dicke Frühstücker. Angesagt sind Zerealien oder Müsli nur ohne Zuckerzusatz-, Geruchs- und Aromastoffe, mit Früchten, Gemüse, Vollkornbrot; einfache Haferflocken und Eier, am besten im Wechsel.

Hört sich alles nicht sonderlich aufregend an. Die Fantasie darf sich bei uns weiterhin eher beim Abendessen austoben.


Mitarbeit: Sabine Magerl; Foto: Barbara Bonisolli; Foodstyling: Hans Gerlach

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