aus Heft 49/2008 Wirtschaft/Finanzen 1 Kommentar
Der Staat als Retter? Ausgerechnet der Staat?
Seite 6
Von Klaus Ott und Rainer Stadler Foto: André Mühling
Die Finanzkrise spitzt sich zu, der Verwaltungsrat taumelt weiter: Am 12. Februar kommt es zum legendären Auftritt von Erwin Huber, der im Landtag erklärt, die BayernLB könne ihre Risiken derzeit nicht beziffern, es gebe keine »harten Zahlen«. Zeitgleich arbeitet der Bankvorstand an einer Presseerklärung, in der die Risiken mit 1,9 Milliarden Euro beziffert werden. Huber, damals auch Verwaltungsratschef der BayernLB, erfährt davon bei seiner Rückkehr im Finanzministerium und ist bis auf die Knochen blamiert.
Das Kommunikationsdebakel wird Vorstandschef Werner Schmidt angelastet. Wenige Tage später räumt er seinen Posten, Nachfolger wird Finanzvorstand Michael Kemmer. Er gilt als unbelastet. Das ändert sich wenige Monate später. Am 19. Oktober soll Kemmer die Spitzen von CSU und FDP, die gerade Koalitionsverhandlungen führen, über die Lage der BayernLB informieren. Der Bankchef spricht von 3,6 Milliarden Euro Kapitalbedarf. Drei Tage später spricht er von 6,4 Milliarden Euro.
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Daraufhin beschließt der designierte Ministerpräsident Horst Seehofer, den gesamten Vorstand abzulösen. Die Aufgabe fällt Erwin Huber zu. Doch ohne Vorstand müsste die Bank schließen. Nach Krisensitzungen in der BayernLB und in der CSU-Zentrale darf der von den Sparkassen gestützte Kemmer bleiben. Nun ist Seehofer blamiert. Lange kann der Vorstand den Triumph nicht auskosten. Ende November muss er einräumen: Das Milliardenloch der Bank ist weiter gewachsen, nun fehlen mehr als zehn Milliarden Euro. Das Geld und Garantien in Höhe von zwanzig Milliarden Euro wird nun der Staat aufbringen, während sich die Sparkassen zurückziehen, um nicht selbst in den Abwärtsstrudel zu geraten.Die zukunft
Die Zukunft Die meisten verbrieften Papiere im Portfolio der BayernLB besitzen eine Laufzeit bis zum Jahr 2015. Ein Bankvorstand hält es für möglich, dass sie bis dahin wieder massiv an Wert gewinnen. »Die entsprechenden Immobilien existieren ja wirklich. Warum sollen nicht auch die Kredite abbezahlt werden? Die Amerikaner können es sich doch nicht leisten, jeden zweiten Häuslebauer pleitegehen zu lassen.«
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