
Bernd Ziesemer, Chefredakteur des Handelsblatt gibt den Kritikern auf subtilere Art Saures. Zum ersten Mal, sagte er, würden es »Neo-Sozialisten« wieder wagen, das Maul aufzumachen, nachdem sie »jahrelang in der Defensive waren«.
In Gefahr und Not bringt Mittelmaß bekanntlich den Tod. Für diese simple Erkenntnis braucht es aber keine Propheten. In derzeit täglich anschwellender Tristesse tröstet die von ihren Vermögen verlassenen Waisen nur die das Herz erwärmende Gewissheit, dass die Weisen, deren Hochmut zu Fall kam, ebenso abgewirtschaftet haben wie Herr Lehman und seine gierigen Brüder, egal unter welchem Namen sie weltweit agierten. Ihre Weisheiten entpuppten sich im Licht der Halbgötterverdämmerung als Leergeschäfte.
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Für ihre Sprüche müssen die Propagandisten eines hemmungslos moralfreien Marktes nunmehr büßen. Das löst bei denen unten, die sie von oben herab jahrelang genervt haben, Freude aus, denn geteilte Freud ist doppelt Freud und geteiltes Leid nur noch halbes Leid. Ein gerade noch gefeierter sogenannter Querdenker wie Hans-Olaf Henkel liegt nur noch verquer zur Realität, wenn er in eitler Sorge um die Lage der Nation offene Briefe an die Kanzlerin schreibt. Angela Merkel lässt daraus allenfalls Peer Steinbrück Papierschwalben basteln, um ihr Kabinett zu erheitern.
Verloren haben viele, die schlecht beraten wurden, und viele, denen die Gier den Verstand raubte. Banker haben derzeit ein Ansehen wie Hütchenspieler. Was ungerecht ist, denn es gibt nach wie vor gute Banker, so wie es manche weise Wirtschaftsexperten gibt – Paul Krugman, Joseph Stiglitz –, aber das Leben ist selten gerecht.
Gewonnen dagegen haben die Politiker, die von den neoliberalen Radikalen in TV-Auftritten und Drucksachen – denn nicht alles, was zwischen zwei Deckel gedruckt wird, ist auch ein Buch! – als grauwertig, spießig und lahmentig geschmäht wurden. Deren Aktien stiegen in der Krise. Hätten ihre selbstherrlichen Kritiker früher öfter geschwiegen, könnten sie heute wenigstens als Philosophen auf Tournee gehen. Dafür ist es zu spät.
Friede ihrer Masche.
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