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aus Heft 50/2008 Sport Noch keine Kommentare

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Seite 3

Von Christian Krug  Fotos: Axel Martens



Clubpräsident Bernd Hoffmann, ein scharfsinniger Manager-Typ, kann sich noch genau daran erinnern, wie die Abordnung in seinen Geschäftsräumen auftauchte. »Die kamen mit Musterkoffern und DVDs«, sagt Hoffmann. »Aber eigentlich braucht man die gar nicht mehr. Jeder noch so einbeinige Spieler hat mittlerweile sein Video auf YouTube.« Die ersten Eindrücke würden sich mittlerweile alle Bundesliga-Manager auf YouTube holen, sagt Hoffmann. Dort kann man die schönsten Tore und Aktionen des Spielers genießen, unterlegt mit rockiger Musik. Wer glaubt, dass Fans diese Videos zusammenschneiden, täuscht sich. »Das Geschäft ist derartig professionalisiert, da wird nichts dem Zufall überlassen.« 157000 Abrufe hat etwa das Video mit dem Titel Thiago Neves Show innerhalb der letzten elf Monate gesammelt. Einer davon kam aus Hoffmanns Büro.

Nach dem Treffen mit den brasilianischen Unterhändlern, die, so der Clubchef, »im Besitz des Spielerpasses waren«, war klar, dass Neves zu haben sei. Aber vorher musste noch der Hamburger Starspieler van der Vaart verkauft werden. »Als kurz vor Beginn der Bundesliga-Saison sicher war, dass er nach Madrid wechselt, konnten wir tätig werden.«

Günstigerweise musste man dafür nicht mal mehr nach Brasilien fliegen, früher eine unerlässliche Mühsal, der sich der jeweilige Sportchef noch unterzog, um dann an einem Verhandlungstisch mit etlichen Leuten, die alle irgendwelche Rechte an dem Spieler besaßen, Platz zu nehmen. Mitunter saßen sogar Friseure am Tisch, die über Jahre ihre Dienste umsonst angeboten hatten und nun bezahlt werden sollten für den Look, der ja auch etwas zum Deal beigetragen hätte. Man muss wissen, Brasilianer machen viel mit ihren Haaren. Manchmal mehr als mit ihren Beinen. Und das erschreckt die Europäer sehr.
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Bei Neves also war klar: Wenn er keine Spielberechtigung in England erhält, in Madrid kein Abschluss möglich ist, dann kommt er eben an die Elbe. Der Supermarkt kaufte schnell noch die restlichen 33 Prozent von Neves dazu und verkaufte ihn am gleichen Tag für kolportierte 9,2 Millionen Euro zu 100 Prozent an den HSV weiter. Der muss aber bei einem Weiterverkauf von Neves zwanzig Prozent der Transfererlöse wieder an den Spielervermittler Sonda abführen.

»Ein vertragliches Gesamtkunstwerk«, sagt Hoffmann nicht ohne Stolz. Man darf annehmen, dass Sonda hinter den Namen Neves ein Häkchen gemacht hat. Mission erfüllt. Genau wie hinter den Namen Breno: jener brave, kaum zum Einsatz kommende Verteidiger, den Sonda und andere Vermittler vor einem Jahr an Bayern München verkauften, für unglaubliche 19 Millionen Dollar. Laut brasilianischem Fußball-Verband hatte Sonda aber für dreißig Prozent der Rechte nur 250000 Dollar bezahlt. Macht für ihn einen Gewinn von 5,45 Millionen Dollar.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: "Mein Rat an junge Spieler ist: Niemals aufgeben und täglich Gott danken. Dann klappt schon alles.")

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