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Sex 08. January 2009 7 Kommentare

Immer nur das Eine?

Versaute Tagträume und verpasste Chancen, besoffene Quickies und nüchterne Selbstbefriedigung: Nichts treibt den Menschen mehr an als sein Trieb. Aber welche Rolle spielt Sex tatsächlich in unserem Alltag?





Altenpflegerin, 64, geschieden und allein lebend, Kleinstadt
Montag
7.40 Zur Arbeit, wie jeden Tag. Bekomme eine SMS. »Besuche Dich heute Abend. Tausend Küsse. Peter.« Peter (71) ist Rechtsanwalt und verheiratet, aber seit über 20 Jahren mein Liebhaber. Sobald er kann, meldet er sich. Unangemeldete Besuche möchte ich nicht, könnte zu Komplikationen führen.
19.25 Peter kommt, ich erhalte die tausend Küsse und einen Quickie. Eigentlich mag ich das nicht, aber er meint, dass er dann den Kopf frei hat für den Sport.
20.00 Fernsehabend: Tagesschau, Millionär, Bauer sucht Frau. Da fällt mir eine Geschichte ein. Als mein Sohn klein war und mit seinem Freund Jan rammelnde Kaninchen sah, sagte Jan: »Das machen meine Eltern auch immer so.«
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Dienstag
13.10 Wieder eine SMS. »Es hat geholfen, habe gewonnen, komme übermorgen länger.« Na toll, Martin (65) will übermorgen auch kommen. Martin kenne ich auch seit über 20 Jahren aus dem Sportclub. Er ist Industriekaufmann und auch verheiratet.
15.00 Kaffee mit Freundin Brigitte. Sie ist seit einem halben Jahr mit Horst befreundet, Kontaktanzeige. Ist bereits bei ihm eingezogen. Vielleicht sollte ich auch so eine Anzeige aufgeben. Nein, lieber nicht, ich will nicht mehr Hosen bügeln oder fragen, ob ich eine Strumpfhose kaufen darf.
18.00 Wieder zu Hause. Überlege, wie ich die beiden Dates morgen organisiere. Peter könnte um 14 Uhr kommen, Martin um 20 Uhr. So machen wir es.

Mittwoch
12.00 An meiner Arbeitsstelle im Altenheim habe ich heute Folgendes erlebt: Frau Schmidt war nicht aufzufinden. Die Suche nach ihr ging durch alle Zimmer. Bei Herrn Dunker wurden wir fündig. Beide vergnügten sich im Bett. Diskret zogen wir uns zurück. Hört das nie auf mit dem Sex? Ob ich es in dem Alter auch noch treibe, so mit 80? Warum nicht? Dann weiß man, dass man noch lebt.
13.30 Peter klingelt. Er hat nicht viel Lust zu quatschen, also ab in die Kiste.
15.00 Peter will Sonntag wiederkommen.
19.00 Martin ruft an, dass er gleich bei mir ist. Wir trinken Wein und haben Sex.
20.30 Martin verabschiedet sich.

Donnerstag
13.00 Lege mich nach der Arbeit hin. Habe mich gestern wohl
übernommen.
14.00 Koche mir einen Kaffee und denke über mein Sexleben nach. Meine Freundinnen sind fast alle verheiratet und haben viel weniger Sex. Viele haben auch keine Lust mehr darauf. Aber was interessieren mich die anderen, ich habe es mir so ausgesucht und bin zufrieden.
17.00 Martin ruft an und fragt, ob es mir gut geht. Soll auf jeden Fall an Sonntag denken. Wie könnte ich das vergessen!
17.30 Brigitte kommt zu Besuch. Wir trinken Sekt, und sie fragt mich, ob ich glücklich bin, ohne Partner und ohne Sex. Ich sage ihr, dass ich nicht wie eine Nonne lebe. Nach meiner Scheidung habe ich immer Freunde gehabt, wollte aber keine feste Bindung. Meine schwer erkämpfte Freiheit gebe ich so schnell nicht wieder auf. Brigitte erzählt mir, dass sie total verliebt sei und es mit Horst hervorragend laufe. Na, wir fragen in einem halben Jahr noch mal nach.

Freitag
Heute Abend ist eine Feier im Sportclub. Werde Peter und Martin dort mit ihren Frauen sehen. Ist ein komisches Gefühl.
20.00 Neben mir sitzt Karin. Sie hat auch keinen festen Partner, das verbindet uns.
21.30 Wir stellen fest, dass wir doch alle sehr alt geworden sind. Es wird über Enkelkinder geredet. Früher wurde nach dem Essen wild getanzt und geflirtet. Vorbei.
22.00 Ich gehe zur Toilette. Treffe Peter auf dem Flur. Er haucht mir ins Ohr, dass er jetzt lieber bei mir wäre, ganz bei mir. Nächste Woche, sage ich, ruf an!
23.10 Die Bedienung stellt eine Flasche Schampus auf unseren Tisch. Karin fragt mich, von wem die wohl ist. Keine Ahnung, egal, sage ich. Ich suche den Blick von Martin. Danke, Martin, prost!
1.10 Ich bestelle mir ein Taxi und beschließe, einer Wandergruppe beizutreten, vielleicht ist da mehr los.

Samstag
10.20 Brigitte und ich fahren in ein Wellness-Hotel, um uns massieren zu lassen, und danach in die Stadt, um Dessous zu kaufen. Schwarz für Brigitte, rot für mich.
14.10 Martin auf dem Anrufbeantworter. Will sich die Belohnung für den Schampus holen. Kommt um 18 Uhr vorbei.
18.15 Martin hat wenig Zeit. Frage ihn, warum er überhaupt kommt, »weil ich Lust auf dich habe«, sagt er und fasst unter meinen Pulli. Wir schaffen es nicht ins Bett.
19.30 Fange an, ein neues Buch zu lesen. Runzel-Ich von Susanne Fröhlich.

Sonntag
9.25 Peter hatte sich für heute angemeldet. Ich ziehe meine neuen Dessous an und denke daran, wie es damals mit ihm angefangen hat. Beim Tanzen fragte er mich, ob ich nicht merken würde, dass er sich in mich verliebt hat. Von Anfang an wusste ich, dass es keine gemeinsame Zukunft geben wird. Habe es aber bis heute nicht bereut. Seine Freundschaft bedeutet mir viel.
9.40 Peter hat heute mehr Zeit und lädt mich zum Brunch in ein Romantikhotel ein.
12.00 Wir trinken bei mir noch Sekt, und der Vormittag endet mit Bettgeflüster.


(Auf der nächsten Seite: Tagebuch eines DJ. "Sex wäre eine feine Sache, um den Tag zu beginnen.")

Kommentare

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Kommentar:

  • Marcus Häberlen (0) Cool. Das liest sich doch total klasse!
  • Karl Schmidt (0) et is wie et is
  • anna timkov (0) sehr schoen.
  • Ulrich Kramer (0) .....recht unspektakulär.....!!!!

    Was sagten schon die "alten Römer": Jeder ist selbst seines Glückes Schmied...!
  • Margarete Engell (1) Wiiiiiie öde
  • Michael Kern (0) WOW. Dieses Tagebuch kann ich nicht oft genug lesen!

    Ich habe mich extra hier angemeldet damit ich die Erlebnisse der 64 jähirgen Altenpflegerin kommentrieren kann.
    Zu dumm das sie schon am 08. January 2009 veröffentlicht worden sind.