Anzeige

aus Heft 06/2009 Medien Noch keine Kommentare

"Vanity Fair ist noch auf dem Weg, eine eigene unverwechselbare Stimme zu finden."

Seite 4

Von Max Fellmann und Jan Heidtmann (Interview)  Fotos: Christopher Thomas



Anzeige
Sie stellen das jetzt als die Jugendsünde eines ambitionierten Mannes hin. In den Artikeln war seinerzeit aber zu lesen, Ihre Akte dokumentiere einen schwerwiegenden Fall. Sie haben also sehr aktiv mit der Stasi zusammengearbeitet. Lassen Sie uns bitte nicht über die Substanz dieser Artikel sprechen. Ich war ein Bürger der DDR. Ich war in dem Sinne aktiv, dass ich als Mitglied der Partei, als junger Mann an viele der Ideale der kommunistischen Ideologie geglaubt habe. Daraus habe ich nie einen Hehl gemacht. Ich schäme mich nicht dafür. Dass ich heute vieles anders machen würde, steht auf einem anderen Blatt.

Sie wurden bei der Stasi als IM
»Olden« geführt. Woher kam der Name? Als die in ihrem Geheimniswahn unbedingt einen Decknamen wollten, hatte ich gerade ein Buch gelesen, von Balder Olden, das hieß Anbruch der Finsternis - Roman eines Nazis. Das ist kurz gefasst die Geschichte eines jungen Mannes, der im Schatten von Goebbels extrem schnell Karriere macht.

Und ausgerechnet den...Warten Sie ab! Der junge Mann kommt an den Punkt, wo er sich entscheiden muss, ob er Freunden ins Ausland hilft. Er tut das und wird von der Gestapo hinterrücks erschossen.

Warum sind Sie nie offen mit Ihren Kontakten zur Stasi umgegangen? Wie stellen Sie sich das vor? Den Ablasshandel wie im Mittelalter gibt es nicht mehr. Sollte ich in einem der wenigen Interviews vorher das quasi als PS, da war noch was, einschieben? Ich habe mich klar geäußert, nachdem die Artikel erschienen waren. Das war natürlich eine pure Abwehr von mir, aber es war auch ein ganz klarer Angriff. Besonders den Focus-Artikel empfand ich nicht als Versuch aufzuklären, sondern zu diffamieren.

…weil zu der Zeit die Rede davon war, Sie könnten möglicherweise eine hohe Position im Burda-Verlag, wo Focus erscheint, übernehmen.
Das haben Sie gesagt. Es gab nur Gerüchte.

Haben Sie in den 14 Jahren bis zu der Enthüllung nicht ständig Angst gehabt, Ihre Vergangenheit könnte bekannt werden? Nein, Angst hatte ich nicht. Es gab ja erst mal auch keinen Grund, mich ständig mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Meine Biografie, mein Lebensweg war allen bekannt. Jeder wusste, dass ich aus der DDR komme, dass ich Journalist war, dass ich Mitglied der Partei war.

Und die Menschen, mit denen Sie dann zu tun hatten, wussten auch, dass Sie der Stasi Informationen geliefert haben? Nein, so direkt hat niemand gefragt, auch aus Respekt und Anstand. Ich denke aber, dass jedem Älteren in verantwortlicher Position, mit dem ich damals zu tun hatte, klar war: Wenn du als Korrespondent der DDR im Ausland bist, dann hast du Kontakte zur Staatssicherheit – in welcher Form auch immer. Das musste nicht ausgesprochen werden. Und dann war es einfach nicht mehr relevant. Für mich persönlich ist dieses Kapitel jetzt auch abgeschlossen.


(Lesen Sie auf der nächsten Seite: "Es geht in erster Linie um gute Kunst, und die ist ganz bestimmt nicht kapitalistisch oder sonst wie ideologisch vorbestimmt.")

Kommentare

Name:
Kommentar: