aus Heft 06/2009 Gesellschaft/Leben 4 Kommentare
Sie hatten nur ihre Liebe
Migration ist ein Wort, das nichts erklären kann. Dies ist die Geschichte von Angela und Andrei, die Moldawien verließen, um sich und ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Die Geschichte eines einfachen Traums, für den die Welt zu schwierig war.
Von Erwin Koch
Hast du schon einmal geküsst?
Angela ist 13, geboren am 6.7. 1974 in Mingir, Sowjetrepublik Moldau, Andrei ist zwei Jahre älter, geboren in Mingir an der Ostkante Europas.
Mit der Zunge musst du küssen, nicht mit deinen Zähnen, kichert das Mädchen.
Sie hat Blutgruppe AB Rh+.
Er hat Blutgruppe B Rh+.
Angela ist die jüngste von drei Geschwistern, Andrei der jüngste von sieben, 5000 Familien im Dorf. Ihr Vater fährt die Traktoren der Kolchose, seiner ist Melker. Wenn Andrei Chitanu die Kühe hütet, legt sich Angela Botezatu heimlich zu ihm. Die Schläge des Vaters nimmt er in Kauf.
Im Sommer Staub, im Winter Schlamm.
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Angela, 15, der Schule entkommen, zieht ein Jahr lang zu ihrer Schwester Ala in die Ukraine, wird Pralinenmacherin. Andrei bleibt in Mingir, wartet und arbeitet, wo viele arbeiten, in der Kolchose, Andrei hat langes dunkles Haar, ein schmales Gesicht.Am Tag, bevor er Rekrut der Roten Armee wird, schenkt er Angela eine blaue Schachtel. Für die Briefe, die ich dir schicken werde, jeden Tag einen.
Sie lacht, Angela glaubt ihm nicht, sie lacht und weint.
1.6.1990, sechs Uhr, Andrei steigt in den Bus. Vier Tage später der erste Brief: Jetzt bin ich kahl wie ein Apfel.
Angela nummeriert Andreis Briefe, legt sie in die blaue Schachtel, 22 Monate lang, 600 Briefe, Nr. 126: I LOV YOU.
Im April 1992 kehrt Andrei ins Dorf zurück, die Sowjetunion ist nicht mehr, er wohnt auf dem Hügel im kleinen weißen Haus der Eltern.
Ohne Arbeit am Ende von Europa.
Andrei Chitanu, 20, und Angela Botezatu, 18, reisen nach Sibirien, Angela legt, bevor sie geht, einen Zettel auf den Tisch: Mama, Papa, ohne Andrei will ich nicht sein.
Sieben Tage im Zug bis Solikamsk, vier Stunden im Boot bis Kicevo.
Andrei ist jetzt Flößer, Angela kocht für ihn, bringt ihm Wasser in den Wald, Brot, Kuchen, Küsse. Angela ist schwanger.
Am 6.9.1992 sind sie wieder in Mingir, Moldau, 28000 russische Rubel im Gepäck.
Am 7.9.1992 schickt Andrei, schmal und mutlos, die Zähne faul, einen Freund zu Angelas Eltern.
Andrei Chitanu bittet Sie um die Hand Ihrer Tochter Angela, er sagt, er liebt Angela wie sich selbst und werde Angela immer lieben und immer für sie sorgen.
Heirat in Weiß, 25.10.1992.
(Lesen Sie weiter auf der nächsten Seite: "Ich kann dir helfen, du bist jung und gesund, 3000 Dollar für eine Niere.")
Die Leuchte
Das Modul-Regal
Der Eimer
Der Stapelhocker
20 Jahre
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CUS




11 Uhr 31
ich denke, ich muss mich bei Ihnen und dem Autor dieser Geschichte entschuldigen.
Das Zufälligerweise die selben Bilder die Sie ohne Quellangabe in Ihrer eigenen Recherche publizierten auf Getty Images bereits schon Monate vorher im Zusammenhang mit Organtransplantationen in Mingir/Istanbul in Verbindung gebracht wurden, konnten Sie - obwohl Ihrer gewissenhaften Nachforschung, natürlich nicht Wissen.
Auch wenn der Verdacht für mich sehr, sehr nahe liegt, dass diese Geschichte entweder a) geklaut oder b) frei erfunden ist, so lasse ich mich doch sehr gerne in Ihrem arroganten Schreibstil darauf hinweisen dass dies nicht der Fall ist, und ich glaube es Ihnen schlichtweg, dass der Autor dieses Meisterwerks diese Geschichte selbst recherchiert und geschrieben hat.
Letzltlich, und dass muss man dem Autor lassen, hat er eine literarische Ausdrucksweise gewählt, die beinahe schon poetisch - wie mein Vorredner anmerkte, gewaltig auf die Tränendrüse drückt.
Beste Grüsse,
Ihr "Schnitzel Baer"
P.S.: Ich würde mich freuen wenn Sie diesen Kommentar stehen lassen und nicht zensieren.
05 Uhr 53
Liebe Grüße
Regenhardt
17 Uhr 50
das Foto haben wir zur Bebilderung auf sz-magazin.de über die Agentur afp bekommen, wie sie auch Ihrem Link entnehmen können. Die Geschichte ist dort aber nicht zu finden, da sie unser Autor Erwin Koch natürlich exklusiv für das SZ-Magazin geschrieben hat. Dass es leider immer wieder zu Fällen kommt, in denen Menschen ein Organ verkaufen, um an Geld zu kommen, ist bekannt. Lediglich dies ist als Bildunterschrift auf der Seite der Fotoagentur geschildert. Daher kann man von "abkupfern" (wie Sie es in Ihrem ersten Kommentar geschrieben haben) sicher nicht sprechen.
Ich hoffe, Sie haben Verständnis dafür, dass wir solche Kommentare löschen, wenn sie faktisch nicht korrekt sind.
Beste Grüße,
Julia Rothhaas
17 Uhr 16
War ich etwa zu unverschämt mich zu fragen, wer hier von wem abgekupfert hat?
Referenz:
http://www.daylife.com/photo/040M2Pt6US2...