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HundertHotels 12. Februar 2009 2 Kommentare

Folge 1: Miramonte - Bad Gastein

Man nehme den etwas verstaubten Skiort Bad Gastein und sechs junge Kreative. Das Ergebnis: Das Miramonte. Die erste Folge in unserem Hotelblog.

Von Kerstin Greiner 

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Ike Ikrath sieht aus wie ein Architekt, der von einem anderen Architekten entworfen worden ist: schwarze Kleidung, Rollkragen, kantige Hornbrille, weiße Haare, alles an ihm steht in klaren Linien und schönen Kontrasten zueinander. Dazu dieser sagenhaften Wiener Dialekt, mit dem er über die Bad Gasteiner Belle Epoche Villen referiert oder über seine eigenen zwei Hotels hier, und man ertappt sich bei dem Gedanken, dass eigentlich jeder Architekt zu Wienerischem Dialekt verdonnert werde müsste, weil keine Sprache besser zu diesem Beruf passt als diese.

So wie Ike Ikrath nun von seinem soeben eröffneten zweiten Hotel in Bad Gastein erzählt, dem Hotel Miramonte, könnte man denken, es drehe sich hier um eines dieser netten kleinen Architekturprojekte in einer Großstadt, nicht um ein Skihotel in dem etwas verstaubten Kur- und Skiort Bad Gastein, in dem Toni Sailer bei der Alpinen Weltmeisterschaft 1958 gleich drei Goldmedaillen gewann. Zu Sechst haben sich sie hier zusammengefunden, erzählt Ikrath, Architekten, Designer, Grafiker aus Hamburg, München, Wien, um den 60er Jahre Flair des Hauses neu zu interpretieren. Oha, denkt man sich, sechziger-Jahre, Skihotel, Jesus, das ist keine dieser üblichen Designhotel-Neueröffnungen.

Das merkt man auch schon bei der Anfahrt: Die Zufahrt über einen Steilhang mit Kurven in Z-Form würde man lieber krabbeln, als mit dem Auto hinunter zu manövrieren, und der Parkplatz des alten Gebäudes ist viel zu klein geraten, was die Miramonte-Mitarbeiter, die sich nebenbei noch im Parkservice versuchen, zu erstaunlichen Auto-Tetris-Künsten inspiriert. Trotzdem hat es das kleine Berghotel mit seinen 36 Zimmern in die Kollektion unserer Lieblingshotels geschafft, auch wenn dort, kurz nach der Eröffnung, noch nicht alles perfekt war.

Doch man gewinnt es schnell lieb, dieses klobige Gebäude der Jahrhundertwende, erweitert in den 60er Jahren, dem sich dieses Sechser-Team angenommen hat. Ihre Namen lesen sich ähnlich wie eine Auflistung von DJs für eine viel versprechende Party: Darunter sind eben Ike Ikrath und seine Frau Evelyn, der Wiener Architekt und die Bad Gasteiner Hotelierin, die viele Fans haben, seitdem sie vor einigen Jahren das nur ein paar Hundert Meter entfernt gelegene Haus Hirth neu gestaltet haben. Ihre Gäste dort waren Leute wie Olaf Krohne, der mal die Bar Hamburg gemacht und das Hotel Fox in Kopenhagen auf den Weg gebracht hat oder Albert Weinzierl, Architekt von schönen Plätzen wie dem Hotel Cortina und den Restaurants Brenner, Bar Centrale, Riva in München. Die sind nun keine Gäste mehr, sondern Partner. Zusammen haben sie den alten Kasten Miramonte mit seiner sechziger-Jahre Patina übernommen.

Das mag sich erst einmal schrecklich anhören für ein Skihotel, bei dem man doch eigentlich Zirbelholz erwartet oder zumindest knisternde Scheite. Aber die Hotel-Hunde Bootsmann und Paul machen sich auch ohne Kaminfeuer gut auf dem Mosaikfussboden vor der Rezeption (alt, original aus den Sechzigern), und der Ausblick auf die Gasteiner Berge gelingt auch in einem mit Schaffell ausgelegten Bertoia-Stuhl (neu). In der Bar, die eigentlich ein großes Wohnzimmer ist mit Original-Sechziger-Jahre-Sesseln (alt), jetzt bezogen mit Filz, sitzen heute die Gäste mit ihren MacBooks (neu) auf den Knien, als ob sie als Designelemente dort platziert worden wären.

Man spürt diesem Haus an, dass keine Investorengruppen oder Managementgesellschaften dahinter stecken und es zu keinem Luxus- oder Designhotel-Verbund angehört. Man merkt es in den Zimmern, wo an der Wand eine Bleistiftmarkierung vergessen wurde oder mal ein Schlüssel klemmt. Aber das macht auch den Liebreiz dieses Hauses aus. Man fährt hierher, weil der Ike wie kein anderer von einem originalen Barhocker schwärmen kann und man sich mit dem Olaf abends auf einem von ihnen niederlässt, um ein Bier zu trinken. Oder weil Gastronomie-Chef Stephan Euler, der früher auch im Münchener Brenner gearbeitet hat, an einem Abend an den Tisch kommt und fragt: „Habt ihr Lust, morgen mit der Magic Hertha eine Skitour zu machen? Wir vom Hotel laden euch ein.“ (Er hat es tatsächlich genau so gesagt!)

Man freut sich darüber, dass sie hier auf der Terrasse eine Schneebar bauen, aus der die Hälse der vorbestellten Flaschen mit handgeschriebenen Namensschildchen für die Gäste rausgucken. Zwar ist der Aveda Spa noch nicht ganz fertig, aber mit den 118 Euro, die eines der Doppelzimmer mit den hellen hölzernen Planken und den Fellen auf dem Boden inklusive eines Vier-Gang Menüs am Abend kosten, hat man eine gute Wahl getroffen. Das Hotel Miramonte ist ein schönes Architekturprojekt, dem man beim wachsen zusehen darf, ein Designhotel mit Persönlichkeit. Und das klingt in diesen Zeiten doch schon fast wie ein Widerspruch in sich selbst.

Hotel Miramonte****, Reitlpromenade 3, 5640 Bad Gastein/Österreich, Tel: 0043/6434/2577, Fax: 0043/6434/26774, www.hotelmiramonte.com, DZ ab 59.- Euro pro Person inklusive Frühstück und viergängiges Abendmenü.

Mit wem hinfahren: mit Freunden, die noch keine Kinder haben. Die Leute mit den Kindern wohnen im Haus Hirth. Die mit den Hunden im Miramonte.

Was unbedingt: Skitour mit Magic Hertha buchen, über Hotel Miramonte.

Welches Zimmer: 309, Doppelzimmer mit Panoramablick, oder alle Zimmer mit 1-er oder 2-er Endung (101 – 301, 102 – 302)

Unbedingt Essen/Trinken: Am Nachmittag nach dem Skifahren werden selbst gemachte Brotaufstriche auf Schwarzbrot gereicht. Dazu eine der 12 Mutterland-Teesorten probieren.

Was man im Hotel am liebsten klauen würde: einen der hübschen schwedischen Jungs mit engen Röhrenjeans, die am Abend bedienen.

Nicht perfekt: kein Pool

Guter Shop/Restaurant/Sehenswürdigkeit in der Nähe: Bellevue Alm, Rodelbahn und Schnapshütte, zu erreichen mit dem Sessellift Bellevue Alm, 10.30-16 Uhr, 19-24 Uhr. Beleuchtete Rodelbahn bis 24 Uhr. Unbedingt flambierten Kräuterschnaps trinken.


Kommentare

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  • Jakob Wahl (1) Das Miramonte ist schön, aber eine viel schönere Entdeckung haben wir unweit davon gemacht: Der Seehof in dem kleinen Ort Goldegg kurz vor der Einfahrt ins Gasteiner Tal. Idyllischer kleiner Ort mit einem liebevoll geführten und wunderbar gestalteten Hotel mit sensationeller Küche. Vielleicht ist ja noch Platz bei den ausstehenden 83 Kapiteln: www.seehof-goldegg.at
  • Stephan Auer (1) Die Beschreibung des Miramonte ist sehr treffend ausgefallen! Und ließe sich noch um viele erfrischende Eindrücke, die wir gerade live hier erleben erweitern. Wie z.B. den flott gezimmerten Bretterböden in den Zimmern, den herrlich altmodischen Römerbädern und vor allem der charmanten und offenen Art von Stephan Euler, uns für das (alte) Haus und seine (neue) Idee zu begeistern.