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bedeckt München
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aus Heft 20/2007 Segeln

Per Anhalter durch eine andere Welt

Philipp Schwenke (Text); Achim Multhaupt (Fotos) 

Ein Leben gegen den Strom gilt als anstrengend, ein Leben mit dem Strom als bequem - über das Leben auf dem Strom wissen wir so gut wie nichts. Eine Deutschland-Reise mit Binnenschiffern und Freizeitkapitänen.

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Herr und Frau Stapf leben auf dem Fluss, und da lebt es sich gut. Die Wohnung an Land dient nur als Briefkasten. Denn die meiste Zeit steuern Herr Kapitän Stapf und Frau Kapitän Stapf die MS Coburg durch Europa, einen fast 90 Meter langen und mehr als tausend PS starken Binnenfrachter. Gerade schiebt sich die Coburg die Donau hinauf, ihr Bauch birgt 1156 Tonnen Mais, geladen vor vier Tagen in Ungarn, abzugeben in zwei Wochen in Rotterdam. Die Stapfs leben und arbeiten auf dem Fluss, ihr Zuhause liegt hinten rechts, in der Kapitänswohnung der Coburg.

Die Coburg trägt Achim, den Fotografen, und mich seit drei Tagen auf der ersten Etappe unserer Deutschland-Reise übers Wasser. Wir wollen per Anhalter mit dem Schiff einmal quer durch das Land, von rechts unten, wo die Donau hinter Passau Richtung Österreich fließt, nach links oben, wo der Rhein die holländische Grenze durchsticht. Dazwischen: 185 Kilometer Donau, 171 Main-Donau-Kanal, 384 Main und 366 Rhein.
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Das Leben auf dem Fluss ist eines, an das man sich gewöhnt. Wenn Wolfgang Stapf morgens um halb sechs mit der Arbeit beginnt, steigt er eine kleine Treppe hinauf ins Führerhaus und fährt die ersten anderthalb Stunden des Tages im mattgrünen Schein des Radarschirms, der für ihn bis Sonnenaufgang den Fluss erhellt. Seine Frau wässert später die Petunien, die oben im Glaskasten des Führerhauses ihre ersten Blättchen strecken. Mittags übernimmt Anni Stapf das Steuer, ihr Mann legt sich schlafen, und Aika, der Schiffshund, bellt derweil entgegenkommen-de Kähne an. Es ist ein stetes Leben auf der Coburg, auch wenn sich ständig die Landschaft vor dem Küchenfenster ändert.

Die Stapfs lernten sich 1972 in der Schifferschule kennen, da war sie das einzige Mädchen unter 27 Jungs. 1977 heirateten sie, und die längste Zeit, die sie seither an Land verbrachten, das waren die fünf Monate, in denen Wolfgang Stapf nicht arbeiten konnte, weil ein Tau ihm den Zeigefinger der rechten Hand zertrümmert hatte: Fünf Monate! Selbst nach der Geburt der beiden Söhne waren sie schneller wieder an Bord. »Dauernd klingelt irgendwer, Vertreter, Nachbarn, die Zeugen Jehovas«, sagt Frau Stapf. »Ich war froh, als ich wieder aufs Schiff kam.«
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