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aus Heft 20/2007 Segeln

"Mit der »Christina« begann für Onassis das ausschweifende Leben"

Henning Hinze 

Sven Thienemann war Kapitän auf den Luxusyachten des Reeders und Playboys Aristoteles Onassis. Walpenisleder zu organisieren gehörte dabei noch zu seinen leichteren Aufgaben.

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SZ-Magazin:
Kapitän Thienemann oder einfach Herr Thienemann?
Sven Thienemann: Herr Thienemann. Kapitän, das war mal. Damals, als ich nach dem Krieg als Walfänger zur See gefahren bin und klar sein musste, wer auf dem Schiff das Sagen hat. Aber schon Onassis hat mich nicht mehr Kapitän genannt.

Hatte er keinen Respekt vor Ihnen?
Oh doch! Respekt und, ich möchte sagen, Achtung. Er hat mir, was die Seefahrt angeht, vertraut. Ich hatte auf seiner Luxusyacht immer das Kommando.
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Sie sprechen von der legendären Christina.
Ein Zirkus damals! Die Christina war Anfang der Fünfzigerjahre das größte anzunehmende Ausmaß an Luxus. Wo immer wir hinkamen, kamen Prinzen, Könige und Neureiche an Bord.

Und? Wie haben sich die Herrschaften benommen?
Menschen wie Winston Churchill oder Fürst Rainier von Monaco hatten zweifellos Persönlichkeit. Aber vor allem bei den Partys am Abend waren oft ganz schöne Brühwürstchen an Deck. Kein Benehmen und dabei verwöhnt: Der eine wollte mal eben ein Schnellboot, der andere unser bordeigenes Wasserflugzeug haben. Am schlimmsten empfand ich die allerersten Monate, nachdem das Schiff im Juni 1954 ins Wasser gekommen war.

Warum denn?
In der Regel lag die Christina abends irgendwo an der Mittelmeerküste vor Anker und bei uns oder bei dem, den wir an Land besuchten, war eine Party. Und Onassis bestand darauf: Der Kapitän gehört dazu! Meine Frau und ich mussten immer dabei sein. Ungeheuer anstrengend! Cocktails, Whiskey, und da waren wirklich schrecklich flache und öde Menschen an Bord. Ich habe ihn nachher fast angefleht: »Bitte, befreien Sie mich davon. Ich will nicht bis Mitternacht mit euch auf einer Party sein und einen nach dem anderen trinken, und plötzlich heißt es: Wir wollen in zwei Stunden auslaufen, mal eben nach Capri oder sonst wohin.«

Hat er Sie befreit?
Ja. Ich glaube, er konnte mich sogar gut verstehen, denn viele Gäste sind ihm auch auf die Nerven gegangen.

Wie kommen Sie darauf?
Na, er war zwar stolz und wollte sein Schiff jedem vorführen. Aber in den ersten Jahren unserer gemeinsamen Zeit war er noch ein feiner, gebildeter Mann. So wie in diesen frühen Jahren ist er zwar selten beschrieben, aber so habe ich ihn kennengelernt. Er war auch sehr pingelig! An einem Morgen kam er nach einer Party aus seiner Suite auf dem Oberdeck und sagte nur: Das sind alles Schweine. Auf unserem wunderbar weißen Deck waren nämlich Ölflecken, von Oliven in Öl. Ab sofort gab es keine Oliven in Öl mehr auf den Partys. Wenn einer gewagt hätte, ein Streichholz oder gar eine Zigarette an Deck auszutreten, den hätte er zur Sau gemacht! Auch wenn es Churchill gewesen wäre.
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