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aus Heft 20/2007 Segeln

"Mit der »Christina« begann für Onassis das ausschweifende Leben"

Seite 4

Henning Hinze 

Ziemlich jähzornig, der Mann.
Er war sehr impulsiv. Andererseits: Das mit dem Kreisel tat ihm zum Beispiel mit Sicherheit nachher leid, als Alexander weinte. Er hat die Familie ja geliebt, sie war ihm beinahe heilig. Trotzdem litten die Kinder darunter, dass ihr Vater immer groß-artiger wurde.

Was meinen Sie mit »großartiger«?
Er hatte keine Zeit mehr für die kleinen Dinge, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Christina war zwar nach seiner Tochter benannt. Aber je größer die Schiffe wurden, desto weniger Zeit nahm er sich für die Kinder. Sie wurden von Kindermädchen betreut und morgens den Gästen vorgeführt. Mussten einen Knicks machen und dann wieder gehen. Daddy hat keine Zeit! Dabei hat er vor allem spätabends, auf Deck, viel über die Kinder geredet. Sie bewegten ihn.
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Hat sich das Verhältnis zwischen Onassis und Ihnen auch verändert?
Nein, zwischen uns blieb es gut. 1951 bei der ersten Kreuzfahrt mit dem Walfangboot bekamen meine Frau und ich sofort ein Jahresticket für das Casino in Monte Carlo, das Onassis ja gehörte. Wir durften überall mit hin und waren geachtete Leute. Ich musste mir erst mal einen weißen Smoking besorgen. In der Gala ist mal ein Bild erschienen, da sieht man uns zufällig mitten auf der Tanzfläche bei einem Ball. Das Verhältnis zu seinen Kapitänen verschlechterte sich erst, als mein Nachfolger kam. Allerdings: Es gab auch andere Reisen. Frau Onassis fuhr mit den Kindern nach New York und in den vier Wochen, in denen sie weg war, kam eine Dame an Bord.

Etwa Maria Callas?
Den Namen habe ich vergessen. Die war auch nur eine von vielen, die dann noch kamen. Aber es war ein sichtbares Zeichen dafür, dass das gemütliche, familiäre Treiben vorbei war.

Und wodurch ersetzt wurde?
Durch den Playboy Onassis. Oder besser den Playman, denn so jung war er ja nun nicht mehr. Ich habe von dieser Entwicklung den Anfang mitbekommen; und zum Glück nicht mehr das, was ich von den späteren Kapitänen und auch aus der Zeitung erfahren habe. Da habe ich manchmal gedacht: Meine Güte, was ist aus dem geworden? Nur noch Christina und Frauen. Daueraffäre mit Maria Callas, eine eigenartige Ehe mit Jacky Kennedy. Um seine Geschäfte hat er sich immer weniger gekümmert.

Wann haben Sie das Schiff und Onassis verlassen?
Später als geplant. Die Vereinbarung lautete: Ich baue dir dein Schiff und blase ihm Leben ein, aber länger als ein Jahr werde ich nicht Kapitän sein. Ich will zu meiner Familie. Er sagte: abwarten. Na ja. Ich fuhr zwei Jahre mit ihm und ging dann von Bord. Schließlich bin ich Seemann und kein Zirkusdirektor.

Fotos: privat
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