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bedeckt München
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aus Heft 20/2007 Segeln

Des Seemanns Qual ist digital

Karl Forster 

Früher brauchte ein Skipper noch solides Handwerk und einen Sextanten, um einen Ozean zu überqueren. Seitdem es GPS gibt, kann jede Landratte segeln.

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Der Sturm traf die Sarita mit voller Wucht. Eine erste gewaltige Böe erwischte die 15-Meter-Yacht längsseits, bevor der Skipper die Segel bergen und das Heck in den Wind drehen konnte. Lag es am gewaltigen Druck auf die Segel oder an einer ganz normalen Materialermüdung? Jedenfalls brach kurz nach dem halbstündigen Orkan der Mast, ein Crewmitglied konnte noch einen Notruf absetzen. Dann war Schluss mit jeglicher Kommunikation, die Mastspitze und damit auch die Antennen lagen im Wasser, inklusive jener für das Global Positioning System, kurz GPS.

Die Geschichte hätte böse enden können, denn Ashkelon, der israelische Zielhafen der Sarita, war 200 Seemeilen entfernt. Doch die Crew hatte Glück: Eine Yacht hörte die Notmeldung, drehte um und übergab der Sarita ein tragbares GPS-Gerät. Mit diesem und einer selbst gebastelten Notbesegelung erreichte das Schiff Ashkelon gut fünfzig Stunden später punkt-genau – als wäre nichts gewesen.
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Fluch und Segen der Computertechnik liegen beim Segeln inzwischen sehr nahe beisammen. Kaum ein Charterunternehmen wagt es, seinen Kunden Yachten ohne Log, Echolot, Windmessanlage, Autopilot, GPS, Kartenplotter, Radar und Navtex-Wetterbericht anzubieten – elektronische Hilfsmittel, die faszinierende Möglichkeiten bieten: Sind die entsprechenden Anlagen kompatibel und miteinander verbunden, kann der Autopilot in Kombination mit dem GPS das Schiff selbstständig lenken. Steuerrad und Ruderblatt bewegen sich dann von ganz allein. Vorausgesetzt, der Skipper weiß all diese Elektronik entsprechend zu programmieren, vorausgesetzt auch, es geht unterwegs nichts schief.

Kurt Ecker, erfahrener Skipper und Inhaber einer Charterfirma, findet es jedenfalls »bedauerlich, dass man an Bord mittlerweile mehr Elektronik-Freak sein muss denn ein gestandener Segler«. Ecker selbst kennt noch die Zeiten, als es sauberster Navigation bedurfte, um, von Port Camargue kommend, nach 200 Meilen bei Mistral der Stärke acht die Straße von Bonifacio zwischen Korsika und Sardinien zu treffen. »Solche Erlebnisse«, sagt Ecker, »gibt es heute nicht mehr.« Aber Eckers Kundschaft schippert ohnehin größtenteils im Mittelmeer herum, das der amerikanische Weltumsegler Paul Marshall mit einem kleinen See verglich: »You never can get lost in this little lake.«
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