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Alphabet der Sexualität 20. März 2009 1 Kommentar

J - Jungszimmer

Unsere Autorin saß drei Monate lang mit zwei Parade-Machos in einem Zimmer. Ein Leidensbericht und die schlimmsten Männersprüche.

Von Christine Dohler 



Wie hältst du das aus? Diese Frage bekam ich vor einiger Zeit täglich gestellt. Denn ich arbeitete drei Monate lang in einem Büro mit zwei Jungs. Knapp 15 Quadratmeter, zwei Männer, beide 33 Jahre alt. Einer Single, einer kurz vor der Hochzeit. Beide firmenbekannte Frauenverschleißer, beide mit einem gut gepflegten Image als Macho. Und ich: Frau, 27! An meinem ersten Arbeitstag fiel ich in den Löwenkäfig.

„Hey, Baby!“, hörte ich zur Begrüßung. Und mein erster Gedanke war: Kann man Testosteron eigentlich riechen? Wenn ja, müsste es ein Gemisch aus kaltem Zigarettenqualm und teurem Aftershave sein. Hinter dem Arbeitsplatz von Mann A hing ein Bild eines Machos mit Sonnenbrille, bei Mann B hing ein Poster eines jungen Models.
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Doch zum Glück wurde mir schnell klar: Ich bin zu alt, um die Aufmerksamkeit meiner Jungs zu gewinnen. Das sexuelle Interesse der beiden beschränkte sich auf junge Frauen, eher Praktikantinnen, unter 24. Immer wenn eine passende Kandidatin an der Glastür vorbeiwackelte, begannen die beiden zu fachsimpeln. Ein Beispiel: „Ist schon sexy. Schon selbstbewusst. Fraulich. Sieht nicht besonders aus, aber versprüht so einen Sex!“ Die andere Zielgruppe waren Playmates, deren Kalender bei uns herumlag und immer mal wieder angeschaut und kommentiert wurde: „Wieso schaust du auf die Haarfarbe? Ass matters!“

So wurde ich stille Teilhaberin des Sprüche-Kosmos. Schon nach wenigen Tagen machte Mann A mir klar: „Wir sind nicht anders, weil du jetzt da bist. Du kriegst uns, wie wir sind: authentisch und horny.“ Mann B ergänzt: „Steadily horny!“ Ja, das konnte ich bestätigen. Ein normaler Tag verlief ungefähr so: Mann A stürzte seine Dose Red Bull hinunter und sang schon morgens: „Girls, girls, girls!“ und „I wear my sunglasses at night!“, Mann B philosophierte, während er sich – nur so um seinen Oberkörper zu zeigen – Handcreme in den Bauchnabel laufen ließ: „Leben oder lieben? I choose life!“

Im Laufe des Tages fingen sie dann an, sich gegenseitig mit ihrer Männlichkeit zu übertrumpfen. Mann B: „Ein Orgasmus ist bei mir garantiert.“ Mann A: „Bei mir zwei.“ Oder Mann B: „Ich trainiere so viel, dass mir meine Sakkos nicht mehr passen, während du jeden Abend vom Sofa aus mit 300 Fernbedienungen dein Unterhaltungsprogramm steuerst!“

Und das waren nicht nur aufgeblasene Sprüche, denn es folgten Taten: Holte sich der eine einen Käseteller aus der Kantine, holte der andere auch einen – und dazu noch einen Spezi. Zwischendurch arbeiteten meine Jungs auch, nicht ohne Gedankenaustausch. Mann A: „Was tippst du denn da so viel?“ Mann B: „Ich chatte im Erotikforum!“ Danach prusteten beide los – sodass Mann A seinen Spezi auf den Teppich spuckte.

Spätestens hier könnte man denken, dass meine beiden Kollegen einfach nur prollige, primitive Kleinhirne sind. Doch auf dem Schreibtisch von Mann A lagen Opernkarten, Mann B hat im Regal hinter sich die Bibel stehen. Perfide Tarnung? Eine Antwort habe ich nicht gefunden, aber den Respekt vor Männern ein Stück weit verloren.

Als die Zeit meines Auszuges aus dem Zimmer näher rückte, fing ich trotzdem an, meine Jungs zu vermissen. Ich wurde zwar von ihnen angebellt, aber nie gebissen. Trotz permanenter Respektlosigkeit gegenüber ihren Fantasiefrauen blieb ich verschont. Jedenfalls solange ich im Zimmer saß.

Und aus diesen Gründen habe ich mich in dem Machobüro durchaus wohl gefühlt: Wenn es mir schlecht ging, habe ich einen dicken Schmatzer und eine Umarmung bekommen. Wenn es mir gut ging, hat immer jemand mitgelacht. Und manchmal lag Schokolade auf meinem Tisch.

Jedenfalls lebe ich noch. Aber das nächste Mal ziehe ich in ein Frauenzimmer und dort erzähle ich all die Geschichten, die ich hier besser verschwiegen habe.

Kommentare

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  • Wolfram Hertler (1) Wieso seinen Spezi ??? ist damit nicht dsa Getränk gemeint ?? Das Spezi = ColaFantaMix und der Spezi= bayrisch für Kumpel.
    Oder hab ich da was falsch verstanden ??