»Mit Figuren können Kinder wenigstens kreativ spielen«, meint Günther Gugel vom Institut für Friedenspädagogik in Tübingen, »anders als mit Videospielen und ihren vorgegebenen Abläufen.« Problematisch wird es nach Ansicht Gugels nur dann, wenn mit Kriegsspielzeug exzessiv gespielt wird, dazu eine schwierige Familiensituation kommt, »und die Figuren durch mediale Strukturen ergänzt werden«. Also: Kriegsspielzeug plus Ballerspiel plus Actionfilm plus Einsamkeit oder Gewalt in der Familie – daraus wird ein gefährliches Gemisch.
»Von Spielzeugwaffen ist es dann nur ein kleiner Schritt zu den Softair-Waffen, von denen auch Tim Kretschmer ein Fan war«, sagt Günther Gugel. »Die sind dann häufig der Einstieg, reale Waffen auszuprobieren.« Wenn die Familie in Ordnung ist und der Freundeskreis auch, müsse man das gelegentliche Spielen mit Kriegsspielzeug jedoch nicht als beängstigend einschätzen. Der Pädagoge Gugel: »Das wächst sich in der Regel wieder aus.«
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Bleibt noch die Frage, warum das Kriegsspielzeug ausgerechnet jetzt ein Comeback feiern kann. »Kinder spielen das nach, was in der realen Welt auch vorhanden ist«, sagt Gugel. »Und unsere Nation ist nicht so friedlich, wie wir das gern glauben möchten. Deutschland liegt weltweit auf Platz sechs bei den Militärausgaben, auf Platz drei bei den Rüstungsexporten.«
In der Tat fällt auf, dass einiges von dem Kriegsspielzeug optisch und inhaltlich an die aktuellen Kriege der US-Armee und die Auslandseinsätze der Bundeswehr angelehnt ist. Über die Entsendung von Bundeswehr-Truppen nach Afghanistan, 2001 vom Bundestag beschlossen, besteht bis heute ein breiter politischer und gesellschaftlicher Konsens – offensichtlich reicht dieser bis ins Kinderzimmer.
Längst ist nahezu das komplette Arsenal unserer Afghanistan-Truppen in Spielzeuggröße erhältlich. Von Märklin gibt es den Transportpanzer Fuchs für um die zwanzig Euro, der Hersteller Battlefront bietet das »Allschutz Transportfahrzeug« Dingo für die Hälfte an. Zwei Soldaten sind im Preis inbegriffen.
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07 Uhr 42
Die nach Winnenden wieder aufgeflammte Diskussion über die s.g. Killerspiele ist, wie jedes Mal wenn so etwas schreckliches geschieht, nur der verzweifelte Versuch Erklärungen zu finden, ohne dabei einmal dorthin zu schauen wo es wirklich weh tut. Nämlich in die eigenen Familien, in die Nischen unserer ach so tollen Gesellschaft. Mich kotzt das jedes Mal so an, ich kann es kaum noch in Worte fassen. Kümmert Euch um Eure Kinder, ihre Sorgen, Nöte und vor allem Ängste, schaut womit sie sich beschäftigen, versucht es zu verstehen, auch wenn das nicht immer einfach ist. Aber laßt sie nicht alleine, in einer Welt die immer "kälter" und komplizierter wird. Versucht nicht aus ihnen das zu machen was Ihr für richtig haltet, sondern helft ihnen ihren eigenen Weg zu finden, denn nur diesen können sie letztendlich gehen.
Herzlichst
Mac