
Suntinger lenkt den Wagen die steilen Serpentinen hinauf. Da ist die Dorfkirche aus dem Jahr 1538, die er jeden Sonntag besucht. Das ist das Marterl, dessen heiligen Hubertus er selbst geschnitzt hat. »Und da drüben«, sagt Suntinger, »ist unser Friedhof.« Die Toten werden mit Pferdekutschen gebracht.
Wie viele BZÖ-Bauernfunktionäre war auch Suntinger ursprünglich Mitglied der christlich-sozialen ÖVP. Er ist das Kind armer Bergbauern. Die Mutter hatte ihn schon mit sechs Jahren allein auf die Alm geschickt, einen Wecker im Rucksack, damit er morgens nicht die Schule verschläft. Aufstehen, von der Alm runter ins Dorf, waschen, Schulgewand anziehen, in die Schule gehen, wieder heimlaufen, Ranzen runter, Hausaufgaben, Stallgewand anziehen, arbeiten. Zu essen gab es »Mungn«, einen Brei aus gerösteter Gerste und Weizen. »Alle aßen aus einer Schüssel«, sagt Suntinger.
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Die christlich-sozialen Dorfkaiser von Großkirchheim brachten dem jungen Bauern dennoch wenig Respekt entgegen. Er war ihnen zu rabiat, zu radikal, zu hart. »Haltet mir den fern«, flüsterte der alte Bürgermeister, als sich Suntinger einmal vorstellen wollte. Der radikale Suntinger, so heißt es hier, hätte bei ihm böse Erinnerungen an die letzten Tage des Krieges geweckt.
Und so kam Suntinger eben auf den Haider, der in den Neunzigern durch die Wirtshäuser zog, alte Kameraden der Waffen-SS »anstän-dig« nannte und ihren Söhnen versicherte, dass es doch ihre Väter waren, die im Zweiten Weltkrieg für die Freiheit des Landes kämpften, als sie gegen die kommunistischen Partisanen antraten. Die Partisanen – das ist hier das Synonym für die Kärntner Slowenen.
Solche Worte kamen gut an in einer Gesellschaft, die sich heute noch am Stammtisch die hässlichsten Kriegsgräuel erzählt. Schon in den Siebzigern hatten die damals sozialistisch regierten Kärntner zweisprachige Ortstafeln ausgerissen – und den Slowenen ihre Sprache in Schule und Kirche untersagt. Haiders Vorgänger, der rote Landesfürst Leopold Wagner prahlte, er sei »stolz, ein Hitlerjunge gewesen zu sein«.
Haider und Suntinger wurden Freunde, gemeinsam bestiegen sie den Großglockner. Am 15. Februar 1992 war das. Suntinger erinnert sich genau: Dem Jörgl borgte er seine Wollfäustlinge, als oben plötzlich ein Unwetter aufzog, »denn er hatte nur Handschuhe aus der Stadt, die bei der Kälte nichts taugen«. So bezwangen sie gemeinsam den Gipfel. Er, der verkannte Dorfrebell, und der Herr Doktor Haider.
So rekrutierte Haider im ganzen Land seine Leute – vom glitzern-den Wörthersee bis ins karge Mölltal. Haider, der den rotschwarzen Proporz abschaffen wollte, versprach seinen Getreuen Posten, Privilegien und Macht in seiner »Dritten Republik«. Karl-Heinz Grasser, der Sohn eines Autohändlers, wurde Jetset-Finanzminister. Haiders ehemaliger Tennislehrer ist heute Klagenfurter Bürgermeister. Sein 26-jähriger Lebensmensch Stefan Petzner ist nun Nationalratsabgeordneter. »Kärnten«, sagt Suntinger, »wurde unter Haider zu einer großen Familie. Er war unser gütiger Vater.« Man verzieh ihm alles.
Vielleicht erklärt das auch, wieso dieses Land dem Führerkult verfiel, als sich Haider nach dem Besuch eines Schwulentreffs im Wodkarausch bei Tempo 180 im Ortsgebiet von Lambichl überschlug. Nicht nur in Großkirchheim flackerten damals rote Grablichter, ganz Klagenfurt war von Tausenden Lichtern übersät. In den Schulen hatten Schüler in Gedenkminuten stillzuhalten, Fußballer sollten in schwarzen Dressen spielen. Nach seinem Tode wollte die Regierung sogar das Wrack mit Steuergeld kaufen.
Als Haider begraben wurde, war auch Peter Suntinger mit seinem BMW um fünf Uhr früh aufgebrochen, um sich persönlich vor dem rosengeschmückten Sarg zu verneigen. Eine beinahe militärisch organisierte, uniformierte Gesellschaft war am Stadtplatz versammelt. Da stand der Block der schwarzen Bergknappen neben dem Block der Frauen mit Goldhauben, der Block der Burschenschaftler neben den Kameradschaftsvereinen, Gendarmen, Sanitätern und Rauchfangkehrern. Suntinger trauerte im »Block der Bürgermeister«, er tröstete Frauen, die weinten, als wäre ihr eigener Vater verstorben. Vorn trugen Kirchenleute ihr Holzkreuz und die Soldaten trommelten.
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09 Uhr 49
Wer behauptet, daß man als Urlauber(in) in der Türkei grundsätzlich freundlich behandelt wird, liegt nur insofern richtig, als daß es auf verwestlichte Touristengegenden wie Antalya zutrifft, im Landesinneren kann es da schnell ein böses Erwachen geben.
Als rechtschaffener SZ-Autor muß man natürlich einer Gegend, die sich dem hiesigen politischen Mainstream gegenüber nicht adäquat verhält, die publizistische Schelle umhängen, ist ja klar. Boykottieren, Ignorieren, Ausgrenzen, verächtlich machen - alles schon mal da gewesen.
11 Uhr 22
vielen Dank für diesen Artikel. Ich bin es so leid, dass unsere Mitmenschen, die ihre Wurzeln in anderen Ländern haben, wie Feinde behandelt werden. Alles was "anders" ist, ist schlecht. Ich freue mich darüber, wenn ich nicht nur im Urlaub sondern auch zu Hause Vielfältigkeit spüre. Ich möchte in meiner Umgebung keine Menschen haben, die alle gleich sind. Gleiche Autos fahren, gleiche Kleidung tragen, gleiche Haarschnitte haben, die gleiche Meinung haben, etc.
Als ich den Artikel las, hatte ich auch Urlaubskataloge neben mir liegen. Wir wollten unseren Sommerurlaub gerne in Kärnten verbringen. Das haben wir uns nun anders überlegt. Da Fremde von vielen Kärtnern nicht erwünscht sind, zähle ich mich als Deutsche einfach mal dazu. Dann fahre ich lieber in die Türkei, in ein kleines Hotel, wo man schon bei einer Anfrage sehr herzlich behandelt wird.
Ich hoffe, dass diese Menschen, die so fremdenfeindlich eingestellt sind, auch mal solche Erfahrungen machen.
Bitte schreiben Sie weiterhin solche informativen Artikel!
08 Uhr 21
auch ich danke für diesen Artikel und beglückwünsche Sie zu Ihrer Recherche. Das Wissen um kleinste Details aus dem oberen Mölltal ist aussergewöhnlich und in der Tat beeindruckend.
Als hier lebender Ausländer kann ich die xenophobe Grundhaltung der Menschen nur bestätigen. Das bezieht sich aber nicht nur auf Ausländer, bei Bedarf ist eben auch der Österreicher aus der Steiermark oder aus Tirol der Fremde, der bekämpft werden muss.
Geduldet wird nur, wer genug Geld ausgibt und ansonsten "die Fresse hält".
Es handelt sich aber nicht um Nazis im eigentlichen Sinne.
Diejenigen hier, die drei Gehirnzellen mehr haben, begehen ganz gezielte Tabubrüche um beim Fußvolk diejenigen Saiten zum klingen zu bringen, die sich dann in Wählerstimmen umsetzen lassen.
Und das funktioniert sehr gut, weil die meisten hier entsetzlich und abysmalisch ungebildet sind.
Wer hier Fremd ist, hat keine Rechte zu haben.
Gerade noch akzeptiert wird, wenn man zwei Wochen Urlaub hier macht und dann wieder verschwindet - schließlich ist der Tourismus die Hauteinnahmequelle der Region. Wer die Einheimischen im Lift belauscht bekommt allerdings schnell den Eindruck dass sie es vorzögen, man würde einfach nur das Geld überweisen und schlicht zu Hause bleiben.
So schön die Gegend auch ist, man kann nur jeden warnen hier leben zu wollen. Dies gilt insbesondere für das Mölltal. Es sei denn man schaltet sein Hirn ab, entledigt sich sämtlicher Skrupel und "tätert mit".
10 Uhr 12
danke für diesen Artikel!
Sie sprechen mir aus der Seele. Ich bin selber eine geborene Kärnternerin und habe Kärnten schon 1980 verlassen.
Da meine Eltern noch in Kärnten leben, komme ich regelmässig auf Besuch.
Jede Kritik ist nicht erwünscht und ich habe wirklich keine Ahnung, was noch alles passieren muss, damit die Menschen in Kärnten aufwachen!
Da ich zum Glück auch Menschen in Kärnten kenne, die "anders" denken und nicht BZÖ wählen, weiss ich, wie sehr auch diese unter der politischen Situation leiden.
Das Motto ist - "wir sind wir" - die Unerträglichkeit solcher Aussagen machen mich sehr oft ohnmächtig. Es ist so schade, denn das Land ist schön...doch nur eine schöne Landschaft ist nicht genug. Es hat mich auch erheitert, welche Kommentare da kommen. Leider kenne ich dass alles selber und wurde ja auch schon oft als Nestbeschmutzerin betitelt. Dies kann ich aber mit Gelassenheit annehmen.
Auf ein Wunder hoffend verbeliebe ich mit soldarischen Grüßen
Lore Dullnigg
12 Uhr 40
09 Uhr 35
die unverschämte und verleumderische Behauptung, mir würde das politische Klima in Kärnten zusagen, weise ich entschieden zurück! Verschonen Sie mich mit solchen Äußerungen!
Michael Jäger
www.michaeljaeger.tv
15 Uhr 09
Kauft nicht bei Juden! Habt keine Kontakte mit Kommunisten! Handelt nicht mit den Abtrünnigen! Macht keinen Urlaub in Kärnten!
Glaubt man noch wirklich, dass an deutschen Moral- und Wertvorstellungen die Welt genesen muss?
11 Uhr 24
12 Uhr 37
Diejenigen, die hier diese Politik verteidigen sollten so stark sein und über die tieferen Wurzeln ihres Denkens, ihrer Einstellungen nachdenken. Es ist eine Schande, das Nationalismus und Rassismus noch aktiv geglaubt und nach ihnen gehandelt wird.
12 Uhr 07
Allein schon dieser Satz spricht Bände! Der kommunistische Jude als Initiatior der jüdisch-bolschewisitischen Weltverschwörung und Ursache allen Übels, gelle?
Wenn das nicht rechtsradikal ist? Schade eigentlich? Denn in vielen anderen Bereichen schätze ich Österreich. Solche geduldeten Bemerkungen von einem Amtsträger sind für mich ein killing arguement.