
Gibt es eine kritische Öffentlichkeit in diesem Land? Ein paar wichtige Stimmen; etwa der Kärntner Verleger Lojze Wieser, der Hunderte Bücher von slowenischen Autoren herausgebracht hat und 1994 fast von einer Briefbombe zerfetzt worden wäre. Resignierend beklagt der streitbare Intellektuelle, in Österreich »einfach überhört« zu werden. Dann gibt es den Anwalt Rudi Vouk, der sich immer wieder beim Schnellfahren in Dörfern erwischen lässt. Nur so kann der Kärntner Slowene vor dem Verfassungsgericht beklagen, dass die Ortstafeln (die formell die Geschwindigkeit auf 50 km/h beschränken) rechtswidrig, weil nur einsprachig sind.
»Zecken«, nennt Suntinger all jene, »die das Land solcherart schädigen.« Kärnten müsse sie »abschütteln«. Die zwei bekannten Wiener Kabarettisten Dirk Stermann und Christoph Grissemann wissen, was dieses »Abschütteln« bedeutet. Sie hatten es nicht nur gewagt, im ORF Späße über den Führerkult beim Haider-Begräbnis zu treiben. Sie trugen dabei auch noch Kärntneranzüge.
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Kurz darauf trafen die ersten anonymen Morddrohungen ein. Und der Manager der Komödianten hörte in jenen Tagen auf der Autobahn ein dumpfes Klackern im Radkasten. Unbekannte, so beteuerte er vor der Polizei, hätten die vier Radmuttern gelockert.
Ein Mordanschlag? »Aber was!«, beschwichtigte Haiders Nachfolger, der Kärntner BZÖ-Landeshauptmann Gerhard Dörfler, »der Manager hat wohl die Winterreifen schlecht gewechselt.« Hatte er nicht. Die Landesregierung forderte in einer offiziellen Resolution dann noch ein »Auftrittsverbot« für die Komödianten. »Der Spaß«, sagte Dörfler, »muss seine Grenzen haben.«
Die setzt die Kärntner Regierung gern selbst. Da gibt es etwa diese Fotos, die Dörfler im Fasching an den Brüsten von zwei Männern zeigen, die sich als »Negermamas« verkleidet hatten. Über die »kakaobraune Milch« stillender Afrikanerinnen hatte sich der höchste Repräsentant Kärntens öffentlich lustig gemacht. Rassismusvorwürfe konterte er vor der Presse, in dem er an den Brüsten der Faschingsnarren zuzelte. Konsequenzen hatte der Auftritt keine. Nichts hier hat Konsequenzen: weder die Saualm, weder der Hass gegen Muslime, noch die »Negerwitze«.
Suntinger fährt die Serpentinen runter ins Dorf. Er genießt es, den Besuch durch seine Welt zu führen. Er zeigt Kläranlagen, Sportplätze, Sozialwohnungen und Schulgebäude, die unter seiner Ägide »für uns Kärntner« erbaut wurden. Er ist stolz. Und stolz blickt er wie von einem Hochstand herunter. »Sie sind kommunistischer Jude, oder?«, fragt Suntinger, als hätte er den Gast nun im Visier. »Schreiben Sie ja nicht, dass wir ein Nazidorf sind.«
Nein, es sind keine Neonazis, die hier regieren. Es ist ein rabiater Bauernsozialismus mit nationalem Antlitz, der den Rechtsstaat verlacht – zum Schaden jener, die nicht mitlachen können.
Suntinger ist wieder im Dorf. Beim Gemeindeamt blockiert ein falsch geparkter Wagen den Weg. »Der darf das«, sagt Suntinger, »das ist sein Heimatboden.« Dann stellt er den Motor ab, reicht die Hand zum Abschied: »Hier gilt unser Recht. Und sonst nichts.«
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09 Uhr 49
Wer behauptet, daß man als Urlauber(in) in der Türkei grundsätzlich freundlich behandelt wird, liegt nur insofern richtig, als daß es auf verwestlichte Touristengegenden wie Antalya zutrifft, im Landesinneren kann es da schnell ein böses Erwachen geben.
Als rechtschaffener SZ-Autor muß man natürlich einer Gegend, die sich dem hiesigen politischen Mainstream gegenüber nicht adäquat verhält, die publizistische Schelle umhängen, ist ja klar. Boykottieren, Ignorieren, Ausgrenzen, verächtlich machen - alles schon mal da gewesen.
11 Uhr 22
vielen Dank für diesen Artikel. Ich bin es so leid, dass unsere Mitmenschen, die ihre Wurzeln in anderen Ländern haben, wie Feinde behandelt werden. Alles was "anders" ist, ist schlecht. Ich freue mich darüber, wenn ich nicht nur im Urlaub sondern auch zu Hause Vielfältigkeit spüre. Ich möchte in meiner Umgebung keine Menschen haben, die alle gleich sind. Gleiche Autos fahren, gleiche Kleidung tragen, gleiche Haarschnitte haben, die gleiche Meinung haben, etc.
Als ich den Artikel las, hatte ich auch Urlaubskataloge neben mir liegen. Wir wollten unseren Sommerurlaub gerne in Kärnten verbringen. Das haben wir uns nun anders überlegt. Da Fremde von vielen Kärtnern nicht erwünscht sind, zähle ich mich als Deutsche einfach mal dazu. Dann fahre ich lieber in die Türkei, in ein kleines Hotel, wo man schon bei einer Anfrage sehr herzlich behandelt wird.
Ich hoffe, dass diese Menschen, die so fremdenfeindlich eingestellt sind, auch mal solche Erfahrungen machen.
Bitte schreiben Sie weiterhin solche informativen Artikel!
08 Uhr 21
auch ich danke für diesen Artikel und beglückwünsche Sie zu Ihrer Recherche. Das Wissen um kleinste Details aus dem oberen Mölltal ist aussergewöhnlich und in der Tat beeindruckend.
Als hier lebender Ausländer kann ich die xenophobe Grundhaltung der Menschen nur bestätigen. Das bezieht sich aber nicht nur auf Ausländer, bei Bedarf ist eben auch der Österreicher aus der Steiermark oder aus Tirol der Fremde, der bekämpft werden muss.
Geduldet wird nur, wer genug Geld ausgibt und ansonsten "die Fresse hält".
Es handelt sich aber nicht um Nazis im eigentlichen Sinne.
Diejenigen hier, die drei Gehirnzellen mehr haben, begehen ganz gezielte Tabubrüche um beim Fußvolk diejenigen Saiten zum klingen zu bringen, die sich dann in Wählerstimmen umsetzen lassen.
Und das funktioniert sehr gut, weil die meisten hier entsetzlich und abysmalisch ungebildet sind.
Wer hier Fremd ist, hat keine Rechte zu haben.
Gerade noch akzeptiert wird, wenn man zwei Wochen Urlaub hier macht und dann wieder verschwindet - schließlich ist der Tourismus die Hauteinnahmequelle der Region. Wer die Einheimischen im Lift belauscht bekommt allerdings schnell den Eindruck dass sie es vorzögen, man würde einfach nur das Geld überweisen und schlicht zu Hause bleiben.
So schön die Gegend auch ist, man kann nur jeden warnen hier leben zu wollen. Dies gilt insbesondere für das Mölltal. Es sei denn man schaltet sein Hirn ab, entledigt sich sämtlicher Skrupel und "tätert mit".
10 Uhr 12
danke für diesen Artikel!
Sie sprechen mir aus der Seele. Ich bin selber eine geborene Kärnternerin und habe Kärnten schon 1980 verlassen.
Da meine Eltern noch in Kärnten leben, komme ich regelmässig auf Besuch.
Jede Kritik ist nicht erwünscht und ich habe wirklich keine Ahnung, was noch alles passieren muss, damit die Menschen in Kärnten aufwachen!
Da ich zum Glück auch Menschen in Kärnten kenne, die "anders" denken und nicht BZÖ wählen, weiss ich, wie sehr auch diese unter der politischen Situation leiden.
Das Motto ist - "wir sind wir" - die Unerträglichkeit solcher Aussagen machen mich sehr oft ohnmächtig. Es ist so schade, denn das Land ist schön...doch nur eine schöne Landschaft ist nicht genug. Es hat mich auch erheitert, welche Kommentare da kommen. Leider kenne ich dass alles selber und wurde ja auch schon oft als Nestbeschmutzerin betitelt. Dies kann ich aber mit Gelassenheit annehmen.
Auf ein Wunder hoffend verbeliebe ich mit soldarischen Grüßen
Lore Dullnigg
12 Uhr 40
09 Uhr 35
die unverschämte und verleumderische Behauptung, mir würde das politische Klima in Kärnten zusagen, weise ich entschieden zurück! Verschonen Sie mich mit solchen Äußerungen!
Michael Jäger
www.michaeljaeger.tv
15 Uhr 09
Kauft nicht bei Juden! Habt keine Kontakte mit Kommunisten! Handelt nicht mit den Abtrünnigen! Macht keinen Urlaub in Kärnten!
Glaubt man noch wirklich, dass an deutschen Moral- und Wertvorstellungen die Welt genesen muss?
11 Uhr 24
12 Uhr 37
Diejenigen, die hier diese Politik verteidigen sollten so stark sein und über die tieferen Wurzeln ihres Denkens, ihrer Einstellungen nachdenken. Es ist eine Schande, das Nationalismus und Rassismus noch aktiv geglaubt und nach ihnen gehandelt wird.
12 Uhr 07
Allein schon dieser Satz spricht Bände! Der kommunistische Jude als Initiatior der jüdisch-bolschewisitischen Weltverschwörung und Ursache allen Übels, gelle?
Wenn das nicht rechtsradikal ist? Schade eigentlich? Denn in vielen anderen Bereichen schätze ich Österreich. Solche geduldeten Bemerkungen von einem Amtsträger sind für mich ein killing arguement.