aus Heft 18/2009 Musik 1 Kommentar
Ich und er
30 Jahre lang wollte dieser Mann lieber ein anderer sein - und nannte sich Yusuf Islam. Jetzt hat er sein Ego wiederentdeckt. Warum? Das soll er am besten selbst erklären. Eine Busfahrt durch London mit Cat Stevens.
Von Johannes Waechter
Mit der Faust drischt der Engländer auf die Hupe seines Kleinwagens. Wütend starrt er zu dem seltsamen Gefährt hinüber, das seine Einfahrt versperrt. Es ist ein VW-Bus, Baujahr 1965, bemalt mit einem »Peace«-Zeichen, einer Friedenstaube und dem Bild eines bärtigen jungen Mannes. Derselbe Mann, inzwischen alt geworden, sitzt hinterm Steuer und dreht gerade am Zündschlüssel. Aber ist er wirklich derselbe?
Anzeige
Früher hieß er Cat Stevens und war ein großer Star. Dann warf er seinen Namen weg wie einen abgenagten Apfelbutzen, nannte sich Yusuf Islam und kehrte der Popmusik den Rücken zu. Doch vor zwei Jahren war er plötzlich wieder da. Seit seinem Comeback-Album An Other Cup fragen sich viele: Wie viel Cat steckt noch in Yusuf?
Yusuf gibt Gas und fädelt in den Verkehr auf der Salusbury Road im Norden Londons ein. Er trägt einen schicken braunen Cordanzug und eine randlose Brille; Bart und Stirnlocken sind sorgfältig gestutzt. Normalerweise fährt er Mercedes, aber weil er auf dem Cover seines neuen Albums ein Symbol der Hippie-Ära zeigen wollte, weil es auf der Platte außerdem um Bewegung, Stillstand und Lebenswege geht, hat er sich den alten VW-Bus gekauft. An diesem Freitagnachmittag will er mit einigen Journalisten eine Rundfahrt durchs Zentrum von London machen, vorbei an wichtigen Wegmarken seiner Vergangenheit – falls der Wagen nicht unterwegs zusammenbricht. Hinten im Bus ist noch die Campingausrüstung des Vorbesitzers zu bewundern, das Autoradio ist allerdings brandneu. Yusuf schiebt seine neue CD Roadsinger (To Warm You Through The Night) hinein. Zwei akustische Gitarren klimpern, dann kommt der Gesang. »Saw a sign on the path / All seekers this way.« Ah, diese Stimme!
Vor einigen Jahren hätten wohl nur wenige darauf gewettet, dass Yusuf Islam einmal ein Pop-Comeback gelingen würde. Durch die Hinwendung zum Propheten Mohammed hatte er seine Fan-Basis erfolgreich dezimiert; CDs mit islamischen Kinderliedern (A Is For Allah) ließen nicht darauf schließen, dass er es noch einmal im Pop versuchen würde. Doch als dann vor zwei Jahren wieder seine Stimme ertönte, als sie immer noch genauso klang wie in den Siebzigern, immer noch die Aura von Räucherstäbchen, Batiktüchern und Buddhafiguren verbreitete, da war klar, dass dieser Mann nichts Böses im Sinn hatte. So empfing ihn die Popwelt mit offenen Armen, und Yusuf konnte da anknüpfen, wo Cat Stevens einst aufgehört hatte.
»Das ist eine unserer Schulen«, sagt er und deutet nach links. »Islamia Primary School« steht an dem Gebäude, aus dem gerade ein Schwarm kleiner Mädchen mit Kopftüchern herausrennt. In den Achtzigern gründete Yusuf mit den Erlösen seiner Erfolgsalben drei islamische Schulen, was ihm unter britischen Muslimen hohes Ansehen verschaffte. Die Öffentlichkeit war an-fangs skeptisch, was da gelehrt würde, doch seit zehn Jahren bekommen die Schulen nun staatliche Unterstützung; auch Prinz Charles hat sie inzwischen besucht. Statt die Vorzüge der islamischen Erziehung anzupreisen, fängt Yusuf aber plötzlich an, von Jimi Hendrix zu erzählen.
Jimi Hendrix?
Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum es schwer fällt sich an Cat Stevens zu erinnern, als der Rock noch jung war.
Die Leuchte
Das Modul-Regal
Der Eimer
Der Stapelhocker
20 Jahre
Sagen Sie
Perfekter Plan
CUS




12 Uhr 57